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DU UND DAS TIER Ausgabe 01/2015 45. Jahrgang ISSN 0341-5759

MAGAZIN FÜR ALLE FREUNDE DES TIERSCHUTZES

TIERVERSUCHE

MENSCH UND TIER So finden Sie den passenden Hund

Gequält und weggeworfen

ERNÄHRUNG Veganismus liegt voll im Trend GRÜNE WOCHE 50.000 Menschen gehen auf die Straße www.tierschutzbund.de


Damit Tieraugen leuchten. Seit 端ber 20 Jahren unterst端tzen Pedigree速 und Whiskas速 den Deutschen Tierschutzbund und Tierheime in ganz Deutschland. Weil wir Tiere lieben.

Partner des Deutschen Tierschutzbundes

www.pedigree.de

www.whiskas.de www.tierschutzbund.de


EDITORIAL

IM NEUEN GLANZ

Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde,

© Foto: Deutscher Tierschutzbund e. V., Titelfoto: picture alliance/Photoshot

das Jahr 2015 beginnt für DU UND DAS TIER anders als gewohnt – nämlich in einem neuen Look. Wir freuen uns sehr, Ihnen unser Magazin in diesem Design präsentieren zu können und hoffen, dass es Ihnen genauso gut gefällt wie uns. Die Internationale Grüne Woche hat in der Neujahrsausgabe immer ihren festen Platz. In diesem Jahr bereicherte der Deutsche Tierschutzbund die Messe auch mit einem eigenen Stand und Informationen rund um das Tierschutzlabel. Toll waren die Ideen unserer Jungendtierschutzkolleginnen, mit denen sie Fragen zur Hühner- und Schweinehaltung sehr anschaulich verdeutlichen konnten (Seite 44). Die fünfte Demo „Wir haben es satt!“ wurde zudem mehr denn je zum Symbol einer ständig wachsenden Bewegung für einen besseren Umgang mit Tier und Natur. Tierschutz, Tierwohl, Tierwohl-Initiative, Tierwohl-Offensive – das sind Begriffe, mit denen an Tierschutz und Landwirtschaft Interessierte in den letzten Monaten bombardiert wurden. Dabei ist nicht immer klar, was dahintersteht. Die Vermutung liegt nah, dass die Verwirrung der Bürger nicht ungewollt ist. Wir leisten auf den Seiten 37 bis 38 Abhilfe.

Jenseits aller Begriffe und Initiativen ist der beste Schutz für Tiere der Verzicht auf Fleisch. Doch Ernährung geht auch vegan – also komplett ohne tierische Produkte. Veganes Essen ist auf dem Vormarsch, wie Nadia Wattad feststellen konnte (Seite 42 bis 43). Ein Schwerpunkt dieser Ausgabe ist das Thema „Tierversuche“. Die erschütternden Fernsehbilder aus den Tierversuchslabors des Max-Planck-Instituts (MPI) für Kybernetik in Tübingen haben der entsetzten Öffentlichkeit vor Augen geführt, was sich sonst im Verborgenen abspielt. Es ging um Hirnversuche an Primaten, gegen die wir zusammen mit dem Bremer Tierschutzverein und dem Bremer Senat jahrelang gekämpft haben, bis ein Verwaltungsgericht befand, dass die Affen keinem großen Leid ausgesetzt sind. Was passiert ist, warum es so schwer ist, derartige Tierquälereien zu verhindern und wie unsere Expertinnen aus der Akademie für Tierschutz eine bessere Zukunft ohne Tierversuche erreichen wollen, lesen Sie ab Seite 8. Mauserl ist im letzten Jahr gestorben. Sie war unser Gnadenbrotpferd und ist 32 Jahre alt geworden. Gerade ihre Zeit in unserer Obhut hat Mauserl sehr genossen. Es wäre ein großer Schritt, wenn alle Tierhalter Verantwortung für ihre alten Tiere übernehmen würden, auch wenn das nicht immer leicht und oft teuer ist. Doch unsere treuen Begleiter haben Anspruch darauf.

Herzlichst Ihre

www.tierschutzbund.de

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INHALT 16 18 NACH REDAKTIONSSCHLUSS In Sachen Jagd geht es in Baden-Württemberg weiter voran: Im April tritt das neue „Jagd- und Wildtiermanagementgesetz“ in Kraft. Aktuell wird dort an der sogenannten Durchführungsverordnung gearbeitet, die auch Fütterung, Fallenjagd und Jagdzeiten regeln soll. Der Deutsche Tierschutzbund und sein Landestierschutzverband kämpfen hier intensiv für Verbesserungen. In Nordrhein-Westfalen dagegen hält der Streit über den Gesetzentwurf für ein ökologisches Jagdgesetz noch an. In beiden Ländern haben die Jäger weitere Proteste und Demonstrationen angekündigt.

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INHALT

07 WUSSTEN SIE SCHON …? Skurriles und Erschreckendes aus aller Welt.

08 TITELTHEMA Deutschland soll eines der strengsten Tierschutzgesetze der Welt haben. Der Umgang mit den Tieren in den Versuchsanstalten zeigt leider das Gegenteil. Erfahren Sie, wie es wirklich um das Wohl der Tiere steht.

16 HINTER DEN KULISSEN Die Kastrationsaktionen unseres Mitgliedsvereins Lega Pro Animale in Italien gehen voran. Seite 16 Mit dem Alter kommen die Wehwehchen – der richtige Umgang mit älteren Pferden. Seite 18

26 AKTUELL Aktuelle Meldungen zum Thema Tierschutz. Seite 26 Tierschutz auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin auf dem Vormarsch. Seite 29 Im Dschungel der Tierschutzbegriffe aus Politik und Wirtschaft – wir klären Sie auf. Seite 37

08

Gesucht und gefunden: Welcher Hundetyp passt am besten zu mir? Seite 39 Der vegane Lebensstil wird immer populärer und in der Öffentlichkeit präsent. Seite 42 Engagement im Jugendtierschutz als hautnahes Erlebnis. Seite 44

46 PROJEKTE Es ist immer viel zu tun – Neues aus unserem Tierschutzzentrum in Weidefeld. Seite 46 Aktuelle Berichte und Erfolgsmeldungen unserer angeschlossenen Tierschutzvereine. Seite 48

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03 Editorial 06 Im Fokus 20 Medien 22 Rezept 50 Kommentar, Kontakte und Impressum DU UND DAS TIER 1/2015

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IM FOKUS

AKTIONSTAG KOLLEGE HUND Kollege Hund kehrt zurück in deutsche Büros.

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entscheiden sich aktuell noch gegen ein Tier, da sich Job und Hund nur schwer vereinbaren lassen. Wenn Hunde mit ins Büro genommen werden dürfen, können viele Artgenossen in den Tierheimen auf ein neues liebevolles Zuhause hoffen.

AKTIV LUST MITZUMACHEN?

Anmeldungen für den Aktionstag 2015 sind ab sofort möglich. Und so einfach gehts: Sicherstellen, dass die Bedürfnisse des geliebten Vierbeiners auch auf der Arbeit erfüllt werden können. Chef und Mitarbeiter über Aktionstag informieren. Falls keine Einwände bestehen, auf www.kollege-hund.de das Anmeldeformular herunterladen und kostenlos anmelden. Am 25. Juni den neuen tierischen Kollegen dem Team vorstellen – und vielleicht bekommt der Neuzugang schon bald eine unbefristete Anstellung. Alle Firmen, die sich am Aktionstag beteiligen, werden vom Deutschen Tierschutzbund mit einer Urkunde zum tierfreundlichen Unternehmen ausgezeichnet.

© Foto: Deutscher Tierschutzbund e. V.

Gesucht und gefunden. Unsere Bürohunde Buddy und Marley bereichern nicht nur unseren Arbeitsalltag, sondern sind nun Freunde fürs Leben.

Dieses Jahr können sich Firmen wieder über tierische Unterstützung im Büroalltag freuen: Am 25. Juni ruft der Deutsche Tierschutzbund und die ihm angeschlossenen Mitgliedsvereine zum achten Mal den Aktionstag „Kollege Hund“ aus. An diesem besonderen Tag im Jahr haben Firmen die Möglichkeit, die Vorzüge eines vierbeinigen Kollegen kennenzulernen und diese im besten Fall sogar als Dauerlösung zu etablieren. Neben Frauchen und Herrchen profitieren aber auch Chefs und Kollegen von dem tierischen Neuzugang – das belegen sogar wissenschaftliche Studien: Hunde am Arbeitsplatz verbessern das Arbeitsklima, fördern den Stressabbau und steigern die Motivation. Das macht den Kollegen Hund zu einem Gewinn für das ganze Team. Daher überrascht es nicht, dass sich immer mehr Firmen mit Begeisterung für einen Hund als Kollegen entscheiden. Im letzten Jahr setzten über 1.000 Unternehmen mit ihrer Teilnahme am tierischen Schnuppertag ein Zeichen für mehr Akzeptanz von Hunden am Arbeitsplatz. Und das quer durch alle Branchen, darunter beispielsweise Friseursalons, Reisebüros und Anwaltskanzleien. Je mehr Unternehmen ihren Mitarbeitern die Mitnahme von Hunden erlauben, desto größer ist auch die Entlastung für unsere überfüllten Tierheime. Viele Berufstätige


WUSSTEN SIE SCHON?

WUSSTEN SIE SCHON, DASS … … im Jahr 2013 alle 10,5 Sekunden ein Tier im Versuchslabor sein Leben lassen musste?

… laut EU-Verordnung Füchse und Marderhunde in Pelztierfarmen ihre Artgenossen als Futter vorgesetzt bekommen dürfen?

… in Tierversuchen Mäuse die am meisten eingesetzten Tiere sind?

… sich Lärm und Gewicht von Kuhglocken negativ auf das Wohlbefinden der Milchkühe auswirken und sie dadurch weniger fressen?

… Mäuse Angst vor männlichen Forschern haben und dadurch Ergebnisse aus Tierversuchen verfälscht werden können?

… alle Elefanten in deutschen Zirkussen, von einer Ausnahme abgesehen, aus der freien Wildbahn stammen?

… man an der Mimik von Mäusen erkennen kann, ob und wie stark sie Schmerzen empfinden?

… Pferde der Rasse American Quarter Horse im Alter von 25 Jahren vom zugehörigen Zuchtverband automatisch für tot erklärt werden, wenn der Besitzer des Pferdes nicht das Gegenteil beweist?

… Tierversuche fast immer mit dem Tod der Tiere enden?

… Welpen, wenn sie im Nacken geschüttelt werden, Todesangst empfinden und dass dies deshalb eine tierquälerische Erziehungsmaßnahme ist?

… ein belgischer Künstler Schweine tätowiert, um sie als Kunstobjekt auszustellen?

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GEQUÄLT UND WEGGEWORFEN


© Foto: dpa - Report

TITELTHEMA


Deutschland soll eines der strengsten Tierschutzgesetze der Welt haben. Der Umgang mit den Tieren, die in Versuchen leiden müssen, zeigt das Gegenteil – sie empfinden Angst und Schmerzen und werden zu Tode gequält. Lesen Sie, wie es wirklich um die Tierversuchspraxis in Deutschland steht. Von Nadia Wattad und Kristina Wagner

geschränkt an der Ratte experimentieren zu können, ist sie in einer Vorrichtung eingespannt.

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wie grausam diese sein können. Es sind Sequenzen zu sehen, die eindeutig zeigen, dass die Tiere unter den Nachwirkungen der Operationen leiden und dass es an medizinischer Betreuung fehlt. Die Filmaufnahmen belegen auch, mit welchen unzulässigen Methoden die Forscher die Affen auf die Versuche im Primatenstuhl „vorbereiten“. Sie zerren diese gewaltsam an einem Ring, den sie 24 Stunden um den Hals tragen müssen, aus den Käfigen. Die Affen, die sich nicht dazu bringen lassen, ihren Kopf im Primatenstuhl fixieren zu lassen, werden sediert, um sie daran zu „gewöhnen“. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt der ermittelten Missstände, die im TV zu sehen waren. Im Anschluss an die Sendung hat der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit dem Landestierschutzverband Baden-Württemberg ein eindringliches Schreiben an die verantwortlichen Minister Alexander Bonde und Theresia Bauer verfasst. Es müssen umgehend alle notwendigen

© Foto: dpa - Bildarchiv (1), Illustrationen: dworak & kornmesser

1 Um unein-

Die nackte Angst ist in den Augen des Äffchens zu sehen. Das Tier ist in einem sogenannten Primatenstuhl bis zum Hals fixiert, in dem es sich kaum bewegen kann. Nur der Kopf schaut heraus. In diesem steckt ein Implantat, das ihm die Forscher in einer Operation in den Schädel eingesetzt haben. An diesem fixieren sie seinen Kopf und zwingen den Affen so, zu einem Bildschirm zu sehen. Die Kooperation der Affen erzwingen die Mitarbeiter durch Wasserentzug. Nur wenn die Tiere die Aufgaben am Bildschirm richtig erfüllen, erhalten sie tropfenweise Saft. Diese tierquälerischen Versuche sollen helfen, medizinische Erkenntnisse für die Hirnforschung zu gewinnen. Die beschriebene Szene, die auch in vielen anderen Tierversuchsanstalten Alltag und gesetzlich zulässig ist, ereignete sich letztes Jahr im Tierversuchslabor des Max-Planck-Instituts (MPI) für Kybernetik in Tübingen. Ein Tierschützer hatte sich dort als Pfleger eingeschleust und sechs Monate lang heimlich gefilmt. Die entstandenen Aufnahmen, die der Sender RTL im Format SternTV ausgestrahlt hat, gehen unter die Haut. Sie zeigen Affenversuche in der sogenannten Grundlagenforschung, wie sie in Deutschland zulässig sind – und


TITELTHEMA

Schritte in die Wege geleitet werden, um die quälerischen Affenversuche in Tübingen zu beenden und sich auf Bundesebene für eine dringend notwendige Überarbeitung des Tierschutzgesetzes einzusetzen. Zusätzlich hat der Deutsche Tierschutzbund Strafanzeige gegen Mitarbeiter des MPI gestellt. Das Regierungspräsidium Tübingen hat im Januar in einem Zwischenbescheid verkündet, dass es bislang keine Verfehlungen feststellen konnte und die Genehmigung für die Versuche daher nicht zurückgezogen werde. Die Staatsanwaltschaft hat jedoch das MPI noch Ende Januar aufgrund mehrerer Strafanzeigen durchsucht. Das sichergestellte Material wird noch untersucht.

KEIN ENDE DER HIRNVERSUCHE IN SICHT Der Versuchsaufbau im MPI ist vergleichbar mit dem des Wissenschaftlers Prof. Andreas Kreiter. Dieser führt Tierversuche an der Universität Bremen durch – und das bereits seit 1998. 2008 wollte sich Kreiter die Erlaubnis, solche Versuche weiterhin durchführen zu dürfen, erneut von der zuständigen Genehmigungsbehörde einholen. Diese stufte aber die Hirnversuche an Affen als ethisch nicht vertretbar ein – der Beginn eines jahrelangen Rechtsstreits. Die Uni legte Widerspruch gegen die Entscheidung der Genehmigungsbehörde ein und das Bremer Oberverwaltungsgericht (OVG) fällte daraufhin die Entscheidung, dass die Behörde die Tierversuchsgenehmigung nicht entziehen dürfe. Eine Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht wurde nicht zugelassen. Der Bremer Senator für Gesundheit legte im April 2013 Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision ein. Das Bundesverwaltungsgericht wies diese in ihrem Beschluss von 2014 wiederum zurück – somit ist das Bremer OVG-Urteil rechtskräftig. Weitere Rechtsmittel sind nicht mehr möglich. Die traurige Konsequenz ist, dass Kreiter die Hirnversuche an Affen in Bremen weiterhin durchführen kann. Im November 2014 wurde eine Genehmigung für weitere drei Jahre erteilt. Es ist davon auszugehen, dass die Tiere in diesen Versuchen besonders stark leiden. Die Forscher selbst behaupten jedoch, die Schmerzen, Leiden und Schäden für die Tiere seien gering bis mäßig. Gängige sogenannte Belastungskataloge wie die der Schweiz und der EU-Kommission bewerten diese Tierversuche entschieden strenger: • Das mehrmalige invasive Ableiten von Hirnströmen entspricht einer mittelgradigen Belastung. • Die Fixierung im Primatenstuhl ist stark belastend. • Ein Wasserentzug ist stark belastend.

• Chirurgische Eingriffe sind in der Regel mittelgradig belastend. Sie werden dann als stark belastend eingestuft, wenn es (wie im Fall MPI Tübingen) zu Komplikationen kommt.

WHISTLEBLOWER DECKT ILLEGALE TIERVERSUCHE AUF Ortswechsel: In der Kerckhoff-Klinik im hessischen Bad Nauheim sollen laut Aussagen eines Whistleblowers, die der Frankfurter Rundschau vorliegen, Mäuse beinahe zu Tode bestrahlt und nach der Tortur einer Knochenmarktransplantation unterzogen worden sein. Andere Nagetiere sollen an sieben aufeinanderfolgenden Tagen für je zweieinhalb Stunden auf dem Rücken fixiert worden sein, um sie so künstlich unter Stress zu setzen. Die Angestellten hatten aber keine Genehmigung für diese Versuche – sie haben diese illegal durchgeführt. „Skandalös ist, dass das Verfahren gegen eine Zahlung einer hohen Geldbuße eingestellt wurde und dass die beteiligten Forscher einigermaßen unbehelligt weitermachen können“, so Kristina Wagner, Expertin für Alternativmethoden zu Tierversuchen vom Deutschen Tierschutzbund. Die Entscheidung, kein öffentliches Gerichtsverfahren durchzuführen, kritisierten sowohl Hessens Tierschutzbeauftragte als auch die Genehmigungsbehörde für Tierversuche und das Regierungspräsidium Darmstadt. Gegen eine Geldauflage von 72.000 Euro hatte die Staatsanwaltschaft Gießen mit Zustimmung des Gerichts das Verfahren im September 2014 eingestellt. Wäre es zu einer öffentlichen Verhandlung des Falls gekommen, hätte den vier Forschern ein Berufsverbot gedroht.

DEUTSCHES TIERSCHUTZGESETZ IST ZU LASCH Seitdem das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im Januar letzten Jahres den zuständigen Behörden das Recht abgesprochen hat, die Unerlässlichkeit und ethische Vertretbarkeit von Tierversuchsprojekten selbst prüfen zu dürfen, muss die Genehmigungsbehörde einem formell korrekt gestellten Tierversuchsantrag grundsätzlich zustimmen. Damit haben sie keinen Spielraum mehr, Tierversuche, die sie für ethisch nicht vertretbar

Auszug aus der Beschwerde gegen die fehlerhafte Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie in deutsches Recht […] 1. Genehmigungsverfahren für Tierversuchsprojekte Projekte dürfen nur nach positiver Bewertung durchgeführt werden. Die Bewertung muss dabei unabhängig und gegenüber den an der Studie Beteiligten unparteiisch sein.

Behörden dürfen den Antrag nicht ablehnen, wenn der Antrag formal richtig gestellt ist; das Verfahren ist nicht unparteiisch.

Weitere Inhalte finden Sie unter www.tierschutzbund.de/tierversuche

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Warum sind Tierversuche aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes abzulehnen? Sie sind nicht nur aus ethischen Gründen abzulehnen, sondern liefern häufig auch Ergebnisse, die sich nur schwer auf den Menschen oder andere Tierarten übertragen lassen. Tierversuchsfreie Methoden bedienen sich modernster wissenschaftlicher Techniken, sie sind in der Anwendung meist kostengünstiger und liefern in kürzerer Zeit Ergebnisse. Was können Tierversuchsgegner aktiv gegen Tierversuche tun? Tierversuchsgegner können sich umfassend über Tierversuche und deren Probleme und über tierversuchsfreie Forschung informieren. Sie können dann aktiv mit Familie, Freunden und Bekannten über das Thema diskutieren. Sie können darauf achten, welche Produkte sie kaufen, zum Beispiel im Bereich Kosmetik solche von Herstellern, die der Deutsche Tierschutzbund auf seiner Kosmetikpositivliste führt. Sie können öffentlich protestieren. Bei der vom Deutschen Tierschutzbund mitveranstalteten Demonstration gegen Tierversuche am 25. April 2015 in Berlin gibt es wieder Gelegenheit dazu. Kann ich als Patient tierversuchsfrei hergestellte Arznei erhalten? Nein, leider sind Arzneimittelhersteller aufgrund gesetzlicher Vorschriften derzeit noch dazu verpflichtet, für die Sicherheitsprüfung von Medikamenten Tierversuche durchzuführen. Wenn man allerdings nicht akut oder chronisch erkrankt ist, kann man natürlich darauf achten, nur die Medikamente zu verwenden, die man wirklich braucht. Häufig sind Kaninchen in Tierversuchen für Kosmetika die Leidtragenden.

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WARUM FORSCHER TIERVERSUCHE DURCHFÜHREN Von Tierversuchen überzeugte Wissenschaftler behaupten, dass die Erkenntnisse aus den Versuchen unter anderem dazu beitragen, die normale Funktionsweise des Gehirns oder anderer Organe und biologischer Abläufe im Körper zu verstehen. Nur dadurch sei es möglich, menschliche Krankheiten wie Epilepsie, Alzheimer, Multiple Sklerose und Schizophrenie zu heilen. Nicht nur der Deutsche Tierschutzbund sieht dies anders, sondern immer mehr Wissenschaftler, die sich mit den Schwierigkeiten bei der sogenannten Übertragbarkeit von Ergebnissen aus Tierversuchen auf den Menschen beschäftigen. Trotz teilweise großer Übereinstimmungen zwischen dem Erbgut des Menschen und anderen Tierarten gibt es erhebliche Unterschiede in der Lebensweise, Lebenserwartung, bei Anatomie und biologischen Abläufen wie dem Stoffwechsel. Ergebnisse mit Aussagekraft für den Menschen oder neue Therapien bleiben so meist nur leere Versprechungen. „Die Untersuchung der Funktionsweise und Vernetzung einzelner Nervenzellen im Gehirn von Affen brachte bisher keinen nachvollziehbaren Nutzen für die Heilung menschlicher Gehirnerkrankungen“, so Wagner.

KEINE TIERVERSUCHE FÜR KOSMETIKA Dass Tiere immer noch für vermeintlich wissenschaftliche Erkenntnisse herhalten müssen, ist für Tierschützer aus ethischen Gründen verwerflich. Dass jetzt auch wieder das EU-Tierversuchsverbot für Kosmetika in Gefahr ist, schockiert daher umso mehr. Schließlich hat der Deutsche Tierschutzbund jahrzehntelang für eine tierversuchsfreie Kosmetik gekämpft – bis dato mit Erfolg: Seit 1998 sind Tierversuche zur Entwicklung von Kosmetika in Deutschland verboten. Elf Jahre später folgte dann das EU-weite

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V. (1), dpa - Fotoreport (1), Illustrationen: dworak & kornmesser

DREI FRAGEN AN KRISTINA WAGNER

halten, abzulehnen. Der Antragsteller selbst bewertet, wie wichtig er die Versuche und das damit verbundene Leid für die Tiere einschätzt. „Damit wird das Staatsziel Tierschutz im Grundgesetz ausgehebelt und das gesamte Genehmigungsverfahren zur Durchführung von Tierversuchen ad absurdum geführt. Der Beschluss zeigt aber auch deutlich, dass das Deutsche Tierschutzgesetz einen Verstoß gegen ein Grundprinzip der EU-Tierversuchsrichtlinie darstellt“, so Thomas Schröder. Laut Richtlinie müssen Behörden die Tierversuchsprojekte vor einer Genehmigung sorgfältig und vom Antragsteller unabhängig prüfen. Unter anderem gehört dazu, sich auch aus ethischen Gesichtspunkten die Frage zu stellen, ob das erwartete Ergebnis die Schäden, die den Tieren zugefügt werden, rechtfertigt. Laut Tierschutzgesetz ist es hingegen ausreichend, wenn der Antragsteller hierzu wissenschaftlich begründete Angaben gemacht hat. Die Genehmigungsbehörde muss einen Tierversuchsantrag dann genehmigen. Der Deutsche Tierschutzbund hat zusammen mit der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT) im Februar 2014 Beschwerde bei der Europäischen Kommission gegen Deutschland eingereicht.


TITELTHEMA

Tierversuchsverbot Der klagende Verband EFfCI für neue kosmetische repräsentiert circa 90 Prozent der Inhaltsstoffe. Auch Europäischen Kosmetikinhaltsfertige Kosmetika stoffhersteller. Deutsche Mitglieder aus Drittländern, sind unter anderem BASF, EVONIK, für die Tierversuche Lanxess und Merck. durchgeführt wurden, durften ab diesem Zeitpunkt nicht mehr in der EU vermarktet werden. Die letzte Stufe des Tierversuchsverbotes trat dann im März 2013 in Kraft. Sie besagt, dass auch der Verkauf von Kosmetika, deren Inhaltsstoffe außerhalb der EU in Tierversuchen getestet wurden, EU-weit verboten ist. Nun möchte der Europäische Industrieverband der kosmetischen Inhaltsstoffhersteller (EFfCI) das Tierversuchsverbot weiter aufweichen. Er klagt dafür, dass kosmetische Inhaltsstoffe, die nach ALLE 2013 außerhalb der EU in TierverSEKUNDEN suchen getestet wurden, auch in STIRBT EIN TIER der EU verwendet werden dürfen. IM TIERVERSUCH Damit wäre das derzeit geltende Vermarktungsverbot gekippt. Es ist mit einem zwei Jahre dauernden Verfahren zu rechnen.

INSGESAMT

2.997.152

2013 10,5

TIERE STARBEN 2013 IN TIERVERSUCHEN

1,2 MILLIONEN STARBEN FÜR GRUNDLAGENFORSCHUNG

> 50.000 MEHR ALS IM

934.000

RUND WURDEN GENTECHNISCH VERÄNDERT

> 13.000 MEHR ALS IM VORJAHR

VORJAHR

ALARMIERENDE ZAHLEN Die Zahlen in der Grafik stammen vom Bundesministerium Alleine 2013 mussten 2.997.152 für Ernährung und Landwirtschaft. Tiere in den Tierversuchslaboren ihr Leben lassen – dies allem Mäuse, Ratten und Fische sind hier die Opfer der Wissengeht aus der Statistik Neben diversen anderen schaftler, die wahllos das Erbgut der Tiere verändern. Nach wie des BundesministeTierarten mussten 2.199.671 vor fehlen trotz Absichtserklärungen konkrete Maßnahmen der riums für Ernährung Mäuse, 202.685 Fische, 95.653 Bundesregierung, um Tierversuche deutlich einzudämmen und und Landwirtschaft Kaninchen, 2.542 Hunde, 2.165 letztendlich vollständig durch tierversuchsfreie Forschungs- und (BMEL) hervor. Damit Affen und 793 Katzen im Namen Testmethoden zu ersetzen. „Hinter jedem Tier steckt ein graustarb 2013 alle 10,5 der Wissenschaft und für wirtsames Einzelschicksal, ein Leben voller Leid und Schmerz. Es ist Sekunden ein Tier im schaftliche Interessen ihren Kopf höchste Zeit für ein Umdenken: Statt grausamer Tierversuche Labor. Die Forscher hinhalten. benötigen wir dringend mehr Gelder für die Entwicklung tierhaben um die 1,2 versuchsfreier Forschungsmethoden. Es ist ein Armutszeugnis für den Forschungsstandort Millionen Tiere in der GrundlagenDeutschland, dass man sich weiterhin auf Tierversuche verlässt, anstatt sich modernen und forschung „verbraucht“ – 50.000 Tiere mehr als 2012. Rund 934.000 innovativen Methoden zu öffnen, die ohne Tierleid auskommen“, so Thomas Schröder. Da die EU-Tierversuchsrichtlinie seit 2014 genauere und umfassendere Vorgaben für die gentechnisch veränderte Tiere, statistische Erfassung der Anzahl der zu wissenschaftlichen Zwecken verwendeten Tiere damit über 13.000 Tiere mehr als festlegt, erwartet der Deutsche Tierschutzbund explodierende Zahlen. im Vorjahr, wurden in Versuchen Derweil zeigt der Einsatz von tierversuchsfreien Methoden oder solchen, die zumindest verwendet. Damit sind fast ein die Zahl der verwendeten Tiere reduziert, Erfolge. Umso bedauerlicher, dass die modernen Drittel aller verwendeten Tiere Methoden noch nicht flächendeckend in der Grundlagenforschung Einzug gehalten haben. gentechnisch manipuliert. Vor DU UND DAS TIER 1/2015

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Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher eine objektive Darstellung der methodischen und ethischen Mängel des Systems Tierversuch. Für ihn zeigt diese Studie erneut, dass Tierversuche nicht nur aus ethischer, sondern auch aus wissenschaftlicher Sicht eine Sackgasse sind.

R

O SOLL V E Z T I R P „GEN-S HÜTZEN“ C AIDS S

„NEUE THERAPIEMÖGLICHKEITEN GEGEN DARMKREBS“

„DIABETES: FORSCHERN GELINGT HEILUNG FÜR 7 TAGE“ PF

KAM CH IM U R B H „DURC EMENZ“ D GEGEN

„NEUE THERAPIE BEI HERZMUSKELSCHWÄCHE IN SICHT“

Überzogene Erfolgsmeldungen in den Medien führen in der Öffentlichkeit zu einem verklärten Bild.

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Hier wird nach wie vor bevorzugt auf die Förderung von Tierversuchsforschung gesetzt. Seit Jahren gibt die Bundesregierung gerade mal vier bis fünf Millionen Euro für die Entwicklung von sogenannten Alternativmethoden zu Tierversuchen aus. Der größte deutsche Geldgeber für die Forschung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), hat noch nicht mal ein extra Budget für tierversuchsfreie Methoden. Völlig überzogene Erfolgsmeldungen in den Medien wie „Durchbruch im Kampf gegen Demenz!“, „Neue Therapie bei Herzmuskelschwäche in Sicht!“ sind daher mit Vorsicht zu genießen. Eine Studie des British Medical Journal zeigt, das insbesondere die Pressestellen von Universitäten und Instituten zu diesen verklärten Meldungen beitragen. Hierfür haben die Studiendurchführenden 462 Pressemitteilungen von 20 britischen Universitäten und insgesamt 668 Medienberichte ausgewertet. Danach mussten sie feststellen, dass viele PR-Texte sehr unseriös formuliert waren. Sie ermittelten, dass 40 Prozent der Pressemitteilungen übertriebene Ratschläge für Patienten enthielten, bei 33 Prozent falsche kausale Zusammenhänge dargestellt wurden und bei 36 Prozent unzulässige Bezüge von Tierstudien zum Menschen gezogen wurden.

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EINE WELT OHNE TIERVERSUCHE Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich seit Jahrzehnten für eine tierversuchsfreie Forschung ein. Damit diese Forderung Realität werden kann, muss allerdings vonseiten der Politik, Universitäten, Forschungsgemeinschaften und Geldgebern einiges getan werden. Der Grundstein für den Ausbau und die Etablierung tierversuchsfreier Forschung würde durch eine umfassende finanzielle Förderung gelegt. Anstatt wie bisher den Großteil der Fördergelder im Bereich der biologischen und medizinischen Forschung in Tierversuchsprojekte zu investieren, sollte die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit der DFG und anderen Geldgebern die Förderung umwidmen. Sie sollten gezielt Projekte fördern, die ohne Tierversuche auskommen oder sich konkret mit dem Ersatz von Tierversuchen befassen. So würden nach und nach immer mehr moderne und aussagekräftige Forschungsmethoden ohne Tierleid entwickelt werden. Tierversuchsfreie Forschung würde als Forschungsfeld der Zukunft gestärkt und Raum für Innovationen bieten. Forscher, Behördenvertreter und Politiker würden immer mehr Vertrauen in diese Art der Forschung fassen. Da tierversuchsfreie Forschung häufig viel schneller aussagekräftige Ergebnisse liefert, die zudem in aller Regel besser auf den Menschen übertragbar sind, könnten innerhalb kürzerer Zeit neue Therapien entwickelt und

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V. (3), Illustrationen: dworak & kornmesser

„NEUE THERAPIE FÜR MUSKELDYSTROPHIE IN AUSSICHT“


TITELTHEMA

neue Medikamente zugelassen werden. Die Verbrauchersicherheit würde enorm verbessert werden, weil mit tierversuchsfreien Methoden Nebenwirkungen schnell erkannt würden.

TIERVERSUCHSFREI STUDIEREN Ein weiteres wichtiges Ziel bei der Etablierung tierversuchsfreier Methoden ist die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern: Sie sollten bereits im Studium lernen, wie eine tierversuchsfreie Forschung funktioniert – auch Ethik muss Bestandteil des Ausbildungskonzeptes sein. Durch Etablierung entsprechender Lehrstühle und Institute sollte es überall im In- und Ausland die Möglichkeit geben, tierversuchsfrei zu studieren. Denn wer bereits im Studium die Vorzüge tierversuchsfreier Forschung kennengelernt und sich mit der ethischen Problematik von Tierversuchen auseinandergesetzt hat, kann später auch selbst neue Wege gehen, ohne auf die veraltete Methode Tierversuch zurückgreifen zu müssen. Auch hierfür kämpft der Deutsche Tierschutzbund.

NEUE METHODE MACHT MUT Was bereits ganz ohne Tierleid möglich ist, wenn entsprechende Gelder fließen, zeigt eine beeindruckende neue Methode aus den USA: US-amerikanische Forscher konnten erstmals mithilfe von menschlichen Gehirnzellen in vitro (im Reagenzglas) Gewebestrukturen entwickeln, die denen eines an Alzheimer erkrankten Menschen gleichen. Bislang wurden in der AlzheimerForschung vor allem genmanipulierte Mäuse verwendet – allerdings ohne dass es gelungen wäre, solche krankheitstypischen Gewebeveränderungen zu erzeugen. Mit der neuen In-vitro-Methode ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg hin zu wirksamen Medikamenten gegen Alzheimer erreicht. Neue Wirkstoffe, die möglicherweise den Entstehungsprozess der Erkrankung von Beginn an stoppen könnten, können nun schneller und kostengünstiger getestet werden. Fazit: Wir haben kein Recht, Tiere in grausamen Experimenten zu verwenden. Der Deutsche Tierschutzbund kämpft für ein Ende aller Tierversuche. Wir klären die Öffentlichkeit auf, beraten Politiker, erarbeiten wissenschaftliche Expertisen und forschen in unserem eigenen Zellkulturlabor an neuen tierversuchsfreien Methoden. Wir werden damit weitermachen, bis unsere Vision einer tierversuchsfreien Welt eines Tages umgesetzt ist.

TIPP WEB INFOMATERIAL

Bestellen Sie den Sonderdruck „Fortschritt statt Tierleid“ für 2,10 Euro. Bestellungen unter Angabe der Ziffer 1505h per E-Mail unter bestellung@tierschutzbund.de.

www.tierschutzbund.de/ tierversuche

Auf unserer Internetseite finden Sie umfangreiche Informationen über Tierversuche und Alternativmethoden. Eine Liste zu tierversuchsfrei hergestellter Kosmetik ist dort ebenfalls zu finden.

www.stiftung-set.de Informieren Sie sich über die Stiftung zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zur Einschränkung von Tierversuchen.

AKTIV DEMONSTRATION

Unterstützen Sie uns am 25. April in Berlin bei der Demo gegen Tierversuche. Wir starten um 11.30 Uhr am Breitscheidplatz.

In unserem Zellkulturlabor forschen Mitarbeiter an neuen tierversuchsfreien Methoden.

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Der in Italien tätige Mitgliederverein Lega Pro Animale setzt sich vor Ort für Hunde und Katzen ein. Sogar eine Büffelherde hat auf dem Gelände Unterschlupf gefunden. Vertreter des Deutschen Tierschutzbundes waren vor Ort und haben Gespräche mit der Initiatorin Dorothea Friz geführt. Von Verena Mißler

Dorothea Friz ist 1983 wegen des Klimas von Deutschland nach Italien ausgewandert. „Ich wollte nie mehr frieren“, so die Tierärztin. Ihren Job in einer Tierklinik in Neapel hat sie bald aufgegeben, um etwas für die vielen Katzen und Hunde auf der Straße zu tun. Sie hat erst in einem großen Tierheim mit 600 Hunden gearbeitet, ging dann aber bald ihre eigenen Wege. Sie mietete einen alten Bauernhof an und führte dort die ersten Kastrationen durch. 1986 gründete Friz den Verein Lega Pro Animale mit dem Ziel, die Anzahl der Straßentiere durch Kastrationen der Tiere und Aufklärung der Bevölkerung tierschutzgerecht und nachhaltig unter Kontrolle zu bringen. Rund 35 Kilometer nördlich des Bauernhofs entstand 1989 das neue Kastrationszentrum in Castel Volturno. Neben der tierärztlichen Klinik hat Friz auch an eine Tierpension gedacht, die sowohl tierischen Feriengästen ein Zuhause auf Zeit bietet als auch für schwer vermittelbare Hunde und Katzen dauerhaft zur Verfügung steht. Auf dem Gelände tummeln sich aber auch Gänse, Hühner, Enten, Kaninchen und sogar Büffel. „Die Mozzarellaindustrie hat männliche Büffelkälber vor zwölf Jahren noch als wertlos angesehen, sie wurden einfach ‚entsorgt‘“, so Friz. Nachdem sie das erste neugeborene und ausgesetzte Büffelchen gefunden hatte – sie taufte es Emilio-Giovanni –, nahm sie sich auch dieses Problems an.

Frei lebende Katzen wie diese, aber auch Freigängerkatzen, vermehren sich unkontrolliert, wenn keine Kastration erfolgt. Dem wirkt Lega Pro Animale in den eigenen Kastrationszentren tatkräftig entgegen.

SPANNENDE EINBLICKE

Vertreter des Deutschen Tierschutzbundes konnten bei ihrem Besuch spannende Einblicke in die tägliche Arbeit von Frau Friz und ihrem Team gewinnen, Erfahrungen austauschen und Projekte besprechen. Zudem fand einer der sogenannten Spay Days während des

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V. (2), iWorkAlone/Fotolia (1)

ES IST NOCH VIEL ZU TUN


HINTER DEN KULISSEN

WEB

www.legaproanimale.de und www.fondazionemondoanimale.com Hier finden Sie weitere Informationen zum Mitgliederverein Lega pro Animale und Projekte der Stiftung Mondo Animale.

www.tierschutzbund.de/ spendenportal Unser in Italien tätiger Mitgliederverein freut sich über Ihre Unterstützung. Nutzen Sie das allgemeine Spendenformular und geben Sie das Stichwort „Lega Pro Animale“ an, um ihm zu helfen.

1 Aufenthaltes statt. An solchen 2 Tagen werden frei lebende Katzen kastriert und gekennzeichnet – und das kostenlos. Darüber hinaus bietet Lega Pro Animale kostenlose Kastrationen für herrenlos aufgefundene Katzen und Hunde an, wenn der Finder das Tier behält und damit einverstanden ist, dass es mit einem Mikrochip identifiziert und in der regionalen Datenbank registriert wird. Die Identifizierung mit Mikrochip und die Registrierung der Tiere sind immer kostenlos. Untersuchungen und Behandlungen sind für Fundtiere ebenfalls oft gratis, sonst gilt ein Niedrigsatz. Bereits seit 1991 herrscht in Italien eine Kennzeichnungs- und Registrierpflicht für Hunde. Eine von Friz initiierte Umfrage zeigte jedoch, dass diese Regelung nur selten eingehalten wird. In Rocca d‘Evandro etwa waren von 895 kontrollierten Hunden lediglich 17 Prozent gekennzeichnet und registriert. Die Umfrage zeigte zudem, dass es sich bei fast allen Tieren,

die frei auf der Straße umherliefen und meist unkastriert waren, um Tiere aus Privathaushalten handelte. Dies nahm Friz zum Anlass, ein weiteres Kastrationsprojekt in der Gemeinde Rocca d‘Evandro ins Leben zu rufen, das während des Besuchs feierlich eröffnet wurde. Der Deutsche Tierschutzbund beteiligt sich an der monatlichen Miete des Kastrationszentrums. Der Erfolg des Zentrums stellte sich bereits kurze Zeit nach der Eröffnung ein – da fanden schon die ersten Kastrationen statt. Zudem fand im Zeitraum des Besuches eine Sitzung der Stiftung Fondazione Mondo Animale statt, an der Wolfgang Apel als Mitglied des Stiftungsrates teilnahm. Die Stiftung wurde im Oktober 2001 zusammen mit dem Deutschen Tierschutzbund gegründet. Hauptaufgabe ist es, durch Ausbildung und Aufklärung den Respekt vor Tieren in Italien zu fördern. Es finden daher regelmäßig Besuche in Schulen statt, um den Kindern die Bedürfnisse von Tieren näherzubringen und damit präventiv zum Schutz der Tiere beizutragen. Zudem bietet die Stiftung Mondo Animale Kurse für Personen an, die mit Tieren arbeiten. Dem unermüdlichen Einsatz von Frau Friz, der Tierärzte, ihres Teams und ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter ist es zu verdanken, dass in Italien ein Wertewandel im Hinblick auf Tiere stattgefunden hat. Dennoch bleibt auch in Zukunft viel zu tun.

1 Dorothea Friz hat einer Büffelherde ein neues Zuhause gegeben. 2 Ehrenpräsident Wolfgang Apel auf Tuchfühlung mit einem Hund im Außenzwinger.

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Von Nadia Wattad Es geschieht nicht über Nacht, sondern schleichend. Das Pferd braucht ein bisschen länger, bevor es zusammen mit dem Besitzer aus dem Stall geht, da die Gelenke vielleicht noch ein bisschen steif sind. Um die Augen herum legen sich feine grau-weiße Härchen, die Muskulatur geht zurück und die innere Heizung möchte auch nicht mehr so recht funktionieren, sodass das Pferd bei Kälte neuerdings eine Decke benötigt. Doch nicht nur äußerlich ist zu erkennen, dass ein Pferd altert, auch im Inneren des Pferdes finden Veränderungen statt: Herz, Leber, Nieren, Verdauungstrakt und das Immunsystem arbeiten auch beim gesunden alten Pferd nicht mehr so gut wie in jungen Jahren. Knochen werden spröde, Gelenke und Sehnen sind nicht mehr so beweglich und elastisch und

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

WENN PFERDE ALT WERDEN

Mit dem Alter kommen die Wehwehchen – wie beim Menschen. Pferde können nicht mehr so intensiv geritten werden wie in jungen Jahren und stellen andere Bedürfnisse an die Fütterung und Pflege. Dennoch gehören sie nicht aufs Abstellgleis, sondern können noch ein zufriedenes Leben führen, wie es auch Gnadenbrotpferd Mauserl bis zuletzt vormachte.


HINTER DEN KULISSEN

WEB www.tierschutzbund.de/ patentiere

Informieren Sie sich über die Patentiere des Deutschen Tierschutzbundes und erfahren Sie, wie Sie eine Patenschaft übernehmen können.

www.tierschutzbund.de/ pferde Hier finden Sie unsere Broschüre „Artgerechte Pferdehaltung“ zum Download sowie weitere Informationen zum Thema Pferde.

besonders ihrer Arthrose, an der sie wie viele alte Pferde litt, entgegenkam. Hier ist Bewegung ohne Belastung das A und O. Sie lebte zusammen mit ihrem ebenfalls älteren Wallachkumpel Donald in einem Offenstall im Anbau einer Reithalle. Die beiden konnten sich dann aussuchen, ob sie sich im Stall, in der Halle, auf dem Paddock oder auf der Koppel aufhalten wollten. Heiße Sommertage haben die beiden Pferde sowohl durch regelmäßige kalte Duschen gut überstanden als auch durch die Möglichkeit, im Schatten eine Siesta zu halten. Ältere Pferde bleiben gerne unter sich. Insofern ist es nicht unbedingt ratsam, Pferdesenioren in eine größere Gruppe mit jüngeren Pferden zu integrieren, da sie dort über die Koppel gejagt oder vom Fressen abgehalten werden könnten. Die Zweier-WG, in der sich Mauserl und Donald befanden, war daher ideal.

der Hormonhaushalt verändert sich. All das bedeutet, dass ältere Pferde allgemein länger brauchen, um sich von Krankheiten und Verletzungen zu erholen. Ihre Pflege und Betreuung hat nun andere Schwerpunkte. Auch bei Mauserl, einem Gnadenbrotpferd des Deutschen Tierschutzbundes, waren ähnliche Anzeichen zu erkennen. Die fuchsfarbene Traberstute, die zahlreiche Vorbesitzer hatte, bis ihr letztendlich Bei jungen Pferden 1992 – zehnjährig – der Deutsche Tierentspricht ein Lebensjahr schutzbund ihr Gnadenbrot gab, konnte ungefähr dreieinhalb Jahjedoch noch 22 Jahre ein pferdegerechren in einem Menschentes Leben genießen. leben. Mit zunehmendem Im Herbst 2014 ist Mauserl im Alter von Alter ändert sich aber 32 Jahren gestorben. Auch wenn dies der Umrechnungsfaknatürlich sehr traurig für alle Beteiligten tor. Bei älteren Pferden war, hat sie dennoch viel Glück gehabt. entspricht ein Jahr dann Nicht alle Pferde können so unbeschwert ungefähr drei Menschenaltern.

SPEZIELLE BEDÜRFNISSE ANS FUTTER

Da bei älteren Pferden der Verdauungstrakt nicht mehr so gut arbeitet wie in jungen Jahren und der Stoffumsatz und die Speicherfähigkeit von Nährstoffen reduziert sind, ist eine ausgewogene Fütterung sehr wichtig. Diese kann die Altersveränderungen durchaus verzögern oder mindern und sehr viel zum Wohl der Tiere beitragen. Futter für ein altes Pferd sollte äußerst schmackhaft, leicht zu kauen und gut verdaulich sein. Darüber hinaus sind ein hoher Protein- und Faseranteil sowie ein hoher Energiejahren. Ein 20 Jahre altes wert wichtig. Vor einer Futterumstellung ist eine RückPferd ist also mit einem sprache mit dem behandelnden Tierarzt sinnvoll. Dieser STETIGE BEWEGUNG IST 60-jährigen Menschen zu sollte auch für die passende Versorgung mit Vitaminen und vergleichen. DAS A UND O Mineralien zurate gezogen werden. Ein ständiger Zugang zu frischem Wasser sollte immer gegeben sein. Trinkt das Pferd nicht ausreichend, kann es austrocknen. Im Ernstfall führt dies zu So mancher Pferdebesitzer denkt, dass es alten Pfereiner lebensbedrohlichen Kolik. Über eingeweichtes Futter oder Mash den am besten geht, wenn man sie in Ruhe lässt. Das kann das Pferd zusätzlich dazu gebracht werden, mehr Flüssigkeit aufist jedoch ein Trugschluss. Auch im Alter brauchen zunehmen. Ein besonderes Augenmerk sollte beim alten Pferd auch auf Pferde Beschäftigung und eine Aufgabe. Das können die Zähne gelegt werden. Regelmäßige Kontrollen, mindestens einmal Spaziergänge zu Fuß sein, kleinere Übungen am Boden und – je nach Gesundheitszustand und Trittsicher- jährlich, helfen Probleme frühzeitig zu erkennen. Dass es Mauserl bis zuletzt so gut ging, war neben vielen tollen Menschen, heit – kürzere Ausritte im Wald oder Feld. Darüber hinaus sollten ältere Pferde so untergebracht sein, dass die sich vor Ort mit viel Engagement und Liebe um die Traberstute gekümmert haben, auch ihrer treuen Patin zu verdanken, die sich jahrelang sie sich im Alltag möglichst selbstbestimmt bewegen an den Kosten der Traberstute beteiligt hat. können. Auch Mauserl hatte diese Möglichkeit, was DU UND DAS TIER 1/2015

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BERTRAM VERHAAG

DER BAUER UND SEIN PRINZ Der Film zeigt einen Prinzen, der eine Vision hat, nämlich die Menschen ökologisch zu ernähren und das mit Rücksicht auf die Natur. Dieses Ziel verfolgt Prinz Charles zusammen mit seinem Farmmanager David Wilson bereits seit 30 Jahren. Filmemacher Bertram Verhaag hat die beiden Visionäre fünf Jahre begleitet und zeigt in poetischen Bildern, wie sie britische Bauern überzeugen wollen, die Landwirtschaft umzustellen. „Wie Sie sich vielleicht vorstellen können, hielt man uns für verrückt, und wir waren dem üblichen Spott ausgesetzt, den man nun einmal auf sich zieht“, erzählt Wilson ruhig in die Kamera, „wenn man der Meinung ist, dass die konventionelle Weltanschauung nicht unbedingt die einzige Sichtweise ist.“ Die Dokumentation zeigt, dass es sich nicht um ein königliches Hobby handelt, sondern um den ernsthaften Versuch, der modernen globalisierten Intensivlandwirtschaft etwas entgegenzusetzen. Ein gelungener Film, der auf beeindruckende Bilder und dramaturgisch eingängig aufeinander aufgebaute Szenen setzt.

Dokumentation, Deutschland 2013, Bertram Verhaag, 80 Minuten, Verleih: Barnsteiner-Film

KURZINTERVIEW

ANDREA VOLK Wer ermordet auf Hof Weideland wertvolle Pferde und später einen

Andrea Volk ist Kabarettistin, Autorin und Tierschutzbotschafterin des Deutschen Tierschutzbundes. Ihr neuestes Buch „Auf den Hengst gekommen“ ist nun ganz frisch im Verlag Hoffmann und Campe erschienen.

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Menschen? Ist der jähzornige Bauer Helmut eine moderne Scarlett O‘Hara, wenn er von „dem Land“ schwärmt, oder selbst der Killer? Und findet die ermittelnde Schimanski-Sandra den Mörder und möglicherweise auch eine neue Liebe? Aber wen? Dorfsheriff Horst Hossmann, 80er-Jahre-Thomas oder doch Kollege Jobst Hansen vom Gewerbeamt, dessen nikotingelbe Finger aussehen wie die Registratur einer Akte? Sandra begibt sich in amouröse Verstrickungen und tödliche Gefahr ...

Sie sind Tierschutzbotschafterin. Wie nehmen Sie diese Rolle wahr? Ich habe selber einen kleinen Zoo mit Vögeln, Katze, Pferd und Pflegehunden. Außerdem sammle ich als Kabarettistin auf der Bühne Spenden für den Deutschen Tierschutzbund und spreche von unseren Anliegen. Auch wer kein Geld hat, kann helfen. Als Katzenstreichler, Hundeausführer oder bei Arbeiten im Tierheim

werden ehrenamtliche HelferInnen geschätzt und gebraucht. Mein Buch, der Pferdehof-Krimi, hat bei aller Unterhaltsamkeit einen ernsten Hintergrund: Haltung und Training von Showpferden zu hinterfragen. Wenn mit Tieren Geld verdient wird, lohnt immer ein zweiter Blick.

Was liegt Ihnen im Hinblick auf den Tierschutz besonders am Herzen? Die uns anvertrauten Wesen anständig zu behandeln. Das erstreckt sich natürlich auch auf die Fleischproduktion oder das abartige Schlachten von Katzen, um Pelzbömmelchen für Wintermützen herzustellen. Fleisch- und Fell-Produzenten in die Pflicht nehmen, Tierquälerei und die Umgehung von Tierversuchsgesetzen hart ahnden. Wieso haben so viele Menschen so wenig Empathie für unsere Mitgeschöpfe? Woher nehmen sie die Arroganz? So viel vermeidbares Leid. Ich bin oft traurig und zornig.

© Fotos: barnsteinter-film (1), Britta Schüßling/www.lichteinfall.net (1)

Sie nennen Ihr jüngst erschienenes Buch einen PferdehofKrimi. Welcher Fall muss gelöst werden?


MEDIEN

TIERSCHUTZVEREIN WIESLOCH/WALLDORF UND UMGEBUNG

GESCHICHTEN AUS 50 JAHREN TIERSCHUTZ Tierschutz im Tierheim ist eine vielseitige, anspruchsvolle Aufgabe. Der Tierschutzverein Wiesloch/ Walldorf und Umgebung hat anlässlich seines 50-jährigen Bestehens eine Sammlung von „unglaublich bewegenden, lustigen und besonderen Geschichten“ erstellt, sehr persönlich und authentisch erzählt von Mitarbeitern und Helfern des Vereins. Nach und nach zeichnen sie ein Bild der umfangreichen Arbeit im Tierheim, die kein Routinejob ist: Die Schwierigkeit, die unterschiedlichsten Tiere und Tierarten unterbringen zu müssen, darunter auch Kampfhähne oder Ziegen. Die aufopfernde Arbeit mit schwer vermittelbaren Hunden, die wie Limbo oder Nemo häufig dennoch ein schönes Zuhause finden konnten oder denen eine letzte schöne

Zeit im Tierheim ermöglicht wird. Das Großziehen von mutterlosen Babykatzen. Die Nachtwache für die entlaufene Hündin Yankee oder die kranke Leni. Die Versorgung von frei lebenden Katzen wie die an der Futterstelle am Psychiatrischen Zentrum Nordbaden. Außeneinsätze wie die sich über Tage hinziehende Fangaktion der ausgesetzten Kaninchen Rasta und Platza oder die Rettung einer Katzenmutter mit Babys aus einem Lichtschacht. Alle, die schon einmal in einem Tierheim mitgearbeitet haben, werden sich an eigene Erlebnisse erinnert fühlen. Allen anderen bietet dieses Büchlein eine schöne Möglichkeit, Mensch und Tier im Tierheim besser zu verstehen.

132 Seiten, gebunden, 2014, Hardcover 16,80 Euro, Softcover 9,80 Euro, Bestellungen per E-Mail an: v.stutz@t-online.de

AGRARBÜNDNIS E. V.

DER KRITISCHE AGRARBERICHT 2015 Mit dem diesjährigen Schwerpunkt „Agrarindustrie und Bäuerlichkeit“ arbeitet der kritische Agrarbericht, den das Agrarbündnis bereits seit 1993 jährlich veröffentlicht, zwei sich gegenüberstehende Pole heraus. Zwischen diesen wird sich auch 2015 der politische Diskurs abspielen – auch mit Blick auf die anstehenden Debatten zur gemeinsamen europäischen Agrarpolitik in Brüssel. Die Autoren haben in der aktuellen Ausgabe in elf Kapiteln unter anderem Themen wie Tierschutz und Tierhaltung, Agrarpolitik und Gentechnik behandelt. Rund um das Thema Tierschutz und Tierhaltung steht unter anderem der Beitrag „Billig um jeden Preis“ von Thomas Schröder im Fokus. Wenn die Preise des Lebensmitteleinzelhandels immer niedriger werden, bleibt für Tierschutz kaum noch Platz. „Um uns den Konsum tierischer Produkte zu ermöglichen, müssen die Tiere Schmerzen, Leiden und Schäden erdulden, sei es durch schmerzhafte Manipulationen, Krankheiten, Verhaltensstörungen durch reizarme Haltung oder Tierquälerei bei Transport und Schlachtung“, so Schröder in seinem Beitrag. Der kritische Agrarbericht ruft dazu auf, die industrielle Landwirtschaft zu hinterfragen und regt mit vielen Hintergrundinformationen dazu an, über das Agrarwesen allgemein und die Grundlagen unseres Lebens nachzudenken. 304 Seiten, 2015, ISBN: 978-3-9304-1358-4, 22,00 Euro zzgl. Porto. Bestellungen direkt über den ABL Verlag

RAINER PÖPPINGHEGE

TIERE IM ERSTEN WELTKRIEG Laut Historiker Rainer Pöppinghege, der an der Universität Paderborn lehrt, war der Erste Weltkrieg der letzte größere Krieg, in dem Tiere in einem solch großen Ausmaß eingesetzt wurden. Fernab von gängigen Mythen und Heldengeschichten beschreibt der Autor den Kriegseinsatz nicht nur von Pferden und Kamelen. Affen, Schafe, Esel und sogar Bären dienten teilweise als Maskottchen und mussten auf Schiffen oder gar U-Booten mitfahren. Brieftauben bahnten sich ihren Weg durch das Kriegsgetöse. Millionen von Reit-, Last- und Zugtieren waren zwischen 1914 und 1918 für die Fortbewegung von Menschen und Material unverzichtbar. Spürhunde, Zug- und Packhunde, Pat-

rouillen- und Meldehunde mussten an die Front, um Nachrichten, Lebensmittel, Munition und Stacheldrahtrollen zu transportieren. Zu Recht weist der Autor darauf hin, dass es den Tieren im Frieden nicht unbedingt besser gehe – sie werden geschunden, von Menschen getötet und gegessen. Für sie alle gilt der Satz, der auf dem Monument im Londoner Hyde Park geschrieben steht: „They had no choice“ – sie hatten keine Wahl.

144 Seiten, gebundene Ausgabe, Rotbuch Verlag, Berlin, 2014, 1. Auflage, ISBN: 978-3-8678-9200-1, 18,95 Euro DU UND DAS TIER 1/2015

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VEGAN KANN JEDER

KARTOFFEL-GALETTE MIT LAUCH

Kartoffelgratin mal anders. Knusprig gebackene, dünne Kartoffelscheiben treffen auf saftiges Lauchgemüse mit provenzalischen Kräutern. Ausprobieren und genießen! Zubereitung: 10 Minuten Backzeit: 45 bis 50 Minuten Portionen: 1 (Springform, Durchmesser: 28 cm)

ZUTATEN 1 Stange Lauch 8 bis 9 Kartoffeln 3 Knoblauchzehen 1 Prise Muskat 1 EL Kräuter der Provence 3 EL Olivenöl Salz und Pfeffer

1| Backofen auf 200 Grad Celsius Ober- und Unterhitze vorheizen. 2| Lauch putzen und in feine Ringe schneiden. Knoblauch in Scheiben schneiden.

3| Pfanne erhitzen und Olivenöl hineingeben. Lauch 7 Minuten anschwitzen. Nach 3 Minuten Knoblauch, Muskat und etwas Salz und Pfeffer hinzugeben. 4| Kartoffeln waschen und in der Küchenmaschine oder mit dem Gemüsehobel in feine Scheiben schneiden. 5| Springform gut mit Olivenöl einölen. 6| Kartoffelscheiben leicht überlappend kreisförmig anordnen, bis der Boden bedeckt ist. 7| Mit etwas Olivenöl bestreichen und eine Schicht Lauch darauf verteilen und würzen. 8| Schritte 6 und 7 wiederholen und mit einer Schicht Kartoffeln abschließen. Springform mit Alufolie abdecken und 20 Minuten backen.

9| Nach 20 Minuten Alufolie entfernen und weitere 20 bis 25 Minuten goldbraun backen.

BUCHTIPP Vegan kann jeder – Nadine Horn und Jörg Mayer aus Ulm betreiben zusammen seit 2011 das vegane Rezepte-Blog eat this! Aus den dort entstandenen Rezepten haben die beiden nun das Buch “Vegan kann jeder!” entwickelt. Hier finden die Leser über hundert einfache Rezepte für den Alltag. Die Autoren zeigen, wie sich jeder – vom Anfänger bis hin zum ambitionierten Hobbykoch – täglich mit veganen Köstlichkeiten verwöhnen kann. Zudem bietet das Buch einige aufwendigere Rezepte für ein Festmahl mit Familie oder Freunden. Nadine Horn und Jörg Mayer: Vegan kann jeder! Gebundene Ausgabe, 224 Seiten, ISBN: 978-3-9424-9145-7, Neun Zehn Verlag, 1. Auflage, 2014, 19,95 Euro

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REZEPT

Zu der feinen KartoffelGalette servieren Sie am besten einen frischen, knackigen Gartensalat mit Radieschen oder etwas Soja-Kr채uterquark.

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Tierversuche müssen aufhören! Setzen Sie sich mit uns für schärfere Regelungen ein. Tiere leiden wie wir. Tierversuche müssen aufhören! Setzen Sie sich mit uns für schärfere Regelungen ein. Tiere leiden wie wir. Tierversuche müssen aufhören! Setzen Sie sich mit uns für schärfere Regelungen ein. Tiere leiden wie wir.

Das deutsche Gesetz Das deutsche Gesetz grausam. Das ist deutsche Gesetz ist grausam. ist grausam.


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DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND E.V. DEUTSCHER DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND TIERSCHUTZBUND E.V.E.V.

INHALT

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SPENDENÜBERGABE

CDU-ORTSVERBAND ZU BESUCH

Thomas Schröder und Henriette Reinsberg, Vorstandsmitglied des Bonner CDU-Ortsverbandes

Vorstandsmitglied Henriette Reinsberg vom Bonner CDU-Ortsverband Baumschulviertel/Südstadt hat dem Deutschen Tierschutzbund einen Besuch abgestattet. Sie überreichte dem Präsidenten eine Spende der CDU-Ratsfraktion Bonn in Höhe von 250 Euro. „Mit der Spende möchten wir für den Tierschutz ein Zeichen setzen. Gerade die ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Tierschutzverbänden leisten für unsere Gesellschaft eine überaus wichtige Arbeit, auf die wir nicht verzichten können“, erklärte Stadtratsmitglied Henriette Reinsberg. Sie wies darauf hin, dass die Regierungspartner in Bonn in ihrem Koalitionsvertrag den Tierschutz trotz des enormen Spardrucks von Einsparungen ausgenommen haben und die Zuwendungen in gleicher Höhe wie bisher fortgesetzt würden. Der Deutsche Tierschutzbund hat die Geldspende an den Bonner Tierschutzverein weitergegeben.

ZWISCHENBERICHT KOMPETENZKREIS

HOFFNUNGSVOLLE ANSÄTZE SIND VORHANDEN richtet sich an den Bundesminister. Darüber hinaus unterstützt der Kompetenzkreis das geplante Prüf- und Zulassungsverfahren für Stallhaltungssysteme. Der Zwischenbericht dient als vorläufige Arbeitsgrundlage. „Es sind hoffnungsvolle Ansätze darin, auch wenn wir uns als Deutscher Tierschutzbund mehr Tempo und mehr Druck seitens des Gesetzgebers bei den dringend notwendigen Änderungen in der landwirtschaftlichen Tierhaltung gewünscht hätten und wir dies auch weiter fordern“, kommentierte Schröder den Zwischenbericht.

MILCHQUOTE

AUSWIRKUNGEN NOCH UNGEWISS Am 1. April 2015 wird die Milchquote abgeschafft. Ab diesem Tag darf jeder Landwirt so viel Milch erzeugen, wie er will. Der Appell der Wirtschaft ist eindeutig: Deutsche Milchbauern sollen sich international ausrichten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Viele

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Landwirte haben deshalb ihren Milchviehbestand aufgestockt. Die Milchquote selbst ist historisch bedingt. Um den Markt zu schützen und den Erzeugerpreis stabil zu halten, wurde 1984 die Milchquote eingeführt. Jeder Mitgliedsstaat durfte fortan nur noch eine gewisse Milchmenge liefern,

jedem Landwirt wurde eine Quote zugeteilt. Produzierte er mehr, musste er Strafe zahlen oder Quote zukaufen. Noch ist unklar, wie sich der quotenfreie Milchmarkt entwickeln wird. Zu befürchten ist, dass der Tierschutz unter dem steigenden Leistungsdruck leidet.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V. (1), Dudarev Mikhail/Fotolia (1)

Der für die Initiative Tierwohl gegründete Kompetenzkreis, den Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ins Leben gerufen hat, liefert erste Ergebnisse. Der Kompetenzkreis „Eine Frage der Haltung“, dem auch Thomas Schröder vom Tierschutzbund angehört, hat Bundesminister Christian Schmidt einen ersten Zwischenbericht übergeben. Ein Ergebnis ist das gemeinsame Bekenntnis gegen nichtkurative Eingriffe, also Amputationen am Tier. Der Handel wird dazu aufgefordert, auf entsprechende Produkte zu verzichten. Ein Appell, die Preise im Fleischbereich auf Wettbewerbs- und Verbraucherschutzrecht zu prüfen,


AKTUELL

KOOPERATION PANINI

STICKER FÜR DEN TIERSCHUTZ

STICKER ALBUM Sticker, die den Tieren helfen.

Die italienische Unternehmensgruppe Panini ist in Deutschland für Fußballsticker und Alben bekannt. Sie macht sich jedoch auch für den Tierschutz stark. In Italien besteht eine langjährige Kooperation mit einer italienischen Tierschutzorganisation. Nach diesem Vorbild und unter dem Label Panini-Charity kooperiert der Deutsche Tierschutzbund seit 2015 mit dem Unternehmen. In Lizenz des italienischen Originals wird ab Ende März in ganz Deutschland das Stickeralbum „Mission Tierfreunde“ im Zeitschriftenhandel erhältlich sein. Es richtet sich vor allem an Kinder im Grundschulalter. Zu sehen und sammeln sind lustige und lehrreiche Tierbilder. 50.000 Euro spendet Panini zugunsten des Feuerwehrfonds im Deutschen Tierschutzbund und damit für Tierheime in Not. Ein starkes Engagement, von dem wir hoffen, dass es sehr erfolgreich sein wird.

Dieses Album wurde umweltfreundlich produziert.

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ZIRKUSFAMILIE RENZ

ELEFANTEN DÜRFEN UMZIEHEN

© Fotos: yurakp/Fotolia (1), dpa (1)

Darauf haben viele Tierschützer lange gewartet: Die zwei letzten Elefanten des Zirkus Universal Renz müssen nicht mehr vor Publikum auftreten und bekommen eine neue Bleibe. Das seit September 2013 insolvente Unternehmen von Direktor Daniel Renz hat nach langen Bemühungen verschiedener Tierschutzorganisationen die beiden Dickhäuter an den Zoo Safaripark Stukenbrock (Kreis Gütersloh) übergeben. Die Tiere erwartet nun ein Leben unter besseren Bedingungen – auch wenn das Elefantengehege im Safaripark eher durchschnittlich zu bewerten

ist. Es gehört keinesfalls zu den besten in Deutschland oder gar Europa. Die Zirkusfamilie Renz war in der Vergangenheit mit zahlreichen Verstößen gegen den Tierschutz in den Schlagzeilen. Unter anderem ist im Juni 2013 die Elefantenkuh „Mädi“ von René Renz qualvoll ertrunken (wir berichteten in Ausgabe 4/2013), zwei weitere Elefanten von Daniel Renz verstarben 2012/2013. Auf demselben Gelände, auf dem die Elefanten lebten, hält René Renz auf der Alligator-Action-Farm in Friedberg (Hessen) weiterhin Reptilien. Ihm wird vorgeworfen, nicht tierschutzgerecht mit den Echsen umzugehen und tierseuchenrechtliche Vorschriften und Sicherheitsvorkehrungen wiederholt zu missachten. Trotz Zweifeln an seiner Zuverlässigkeit konnte sich Renz vor Gericht erfolgreich gegen die vom zuständigen Kreis veranlasste Schließung seiner Anlage wehren.

URTEIL GEGEN TIERQUÄLER

HUND IN PLASTIKTÜTE ENTSORGT

Eine schreckliche Entdeckung mussten zwei Zeugen in Essen machen: Sie konnten beobachten, dass eine Person einen Plastiksack, der den Kadaver einer Bullterrierhündin enthielt, entsorgte. Nachdem der Deutsche Tierschutzbund zunächst gegen Unbekannt Strafanzeige gestellt hatte, konnte es dank dieser zweier Zeugen zu einer Verurteilung des Schuldigen kommen. So hatte einer der beiden das Autokennzeichen notieren können, welches den Täter letztendlich identifizierte. Mitarbeiter des Tierschutzvereins Groß-Essen nahmen sich der Todesursache des Hundes an und brachten den Kadaver zu einem Tierarzt. Dieser stellte fest, dass das Tier sowohl unterernährt als auch völlig ausgetrocknet war und letztendlich an Herz-Kreislaufversagen gestorben war. Im Magen des Tieres fand der Tierarzt vor allem erhärtete Plastikfolien. Der Bullterrierhündin wurde über einen längeren Zeitraum ein erhebliches Leiden durch Hungerqualen zugefügt, wie das Amtsgericht in Gelsenkirchen urteilte. Damit hat der Angeklagte gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Er wurde nach Jugendstrafrecht zu einem Dauerarrest von vier Wochen verurteilt und muss 500 Euro an den Tierschutzverein Gelsenkirchen zahlen. DU UND DAS TIER 1/2015

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TIERSCHUTZLABEL

EDEKA MINDEN-HANNOVER SETZT AUF PREMIUMSTUFE Im Beisein von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) haben der Deutsche Tierschutzbund und EDEKA Minden-Hannover in Berlin ihre Zusammenarbeit vorgestellt. Das Handelsunternehmen stellt zunächst acht schweinehaltende Bio-Betriebe zusätzlich auf die Kriterien der Premiumstufe des Tierschutzlabels des Deutschen Tierschutzbundes um. Neben einigen Verbesserungen in der Haltung findet die Kastration der männlichen Tiere zukünftig nur noch unter Vollnarkose statt. Zudem kommen auch nur die Schlachthöfe zum Einsatz, die der Deutsche Tierschutzbund nach strengen Tierschutzkriterien zertifiziert hat. „Verbraucher in Deutschland wissen: Tierschutz ist

seinen Preis wert. Ich freue mich, dass immer mehr Produkte mit dem Deutschen Tierschutzlabel angeboten werden, auch mit der Premiumstufe. Damit können sich Verbraucher beim Einkauf bewusst für mehr Tierschutz entscheiden“, sagte Schmidt. „Wir sind froh, dass EDEKA Minden-Hannover nach der Einstiegsstufe mit der Premiumstufe im Sortiment nachlegt. Ein wichtiges Bekenntnis zum Tierschutzlabel und ein Signal an andere Handelsketten und die Discounter ebenfalls mehr Tierschutz in den Märkten zu ermöglichen“, kommentierte Thomas Schröder. Verbraucher erhalten ab Mitte April 2015 sowohl Produkte der Einstiegsstufe als auch der Premiumstufe in den Märkten von EDEKA Minden-Hannover..

MITGLIEDERVERSAMMLUNG BEI NEULAND

NEUER VORSTAND GEWÄHLT Die Trägerverbände vom Neuland-Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung haben gewählt: Martin Schulz, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL), ist neuer Vorsitzender, Thomas Schröder vom Tierschutzbund sein Stellvertreter. Prof. Dr. Hubert Weiger, Bundesvorsitzender des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), nahm den Posten des Schatzmeisters an. Als Stellvertreter wurden für die ABL Martin Steinmann, für den Deutschen Tierschutzbund Dr. Brigitte Rusche und für den BUND Andreas Faensen-Thiebes gewählt. Wolfgang Apel, der 20 Jahre Vorsitzender war, hat nicht erneut kandidiert. Die Trägerverbände haben das herausragende Engagement des Ehrenpräsidenten ausdrücklich gewürdigt. Mit dem Einstieg der jeweiligen Verbandsvorsitzenden der Trägerverbände in die aktive Vorstandsarbeit beginnt ein Neuaufbau des Vereins. So erhalten die Kontrollen der Betriebe und Warenflüsse eine neue Struktur. Allem voran steht der Ausbau der von außerhalb zertifizierten Kontrollstellen und eine vielfältigere Auswertung der Ergebnisse. Zudem sollen Verstöße gegen Kriterien und Standards wirksamer und nachhaltiger verfolgt werden. Zu den klaren Zielen beim Neuaufbau gehört auch, dass der Verein ein Kontrollsystem einführt, das sich bereits beim Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes als vorbildlich erwiesen hat. Weitere Infos unter www.neuland-fleisch.de

GERICHTSURTEIL

KÜKEN STERBEN WEITERHIN IM SCHREDDER Das Bundesland Nordrhein-Westfalen darf das Töten von lebensfähigen männlichen Küken nun doch nicht verbieten. Für den Erlass, den das Bundesland im September 2013 beschlossen hatte, gebe es laut dem Verwaltungsgericht Minden im Bundesgesetz keine Ermächtigungsgrundlage.

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Jedes Jahr landen in Deutschland rund 45 Millionen männliche Küken lebend in einer Art Häcksler. Rotierende Messer oder der Einsatz von CO2 führen deren schrecklichen Tod herbei. Der Deutsche Tierschutzbund fordert Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt nun auf, auf Bundesebene

die entsprechende Gesetzesgrundlage zu schaffen. Nur so kann das Töten verhindert werden. „Das Verwaltungsgericht Minden bezweifelt nicht, dass es richtig ist, das Kükentöten zu beenden. Vielmehr hat die Bundesregierung ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Christian Schmidt kann das durch eine konsequente Gesetzesänderung gerade rücken“, erklärt Thomas Schröder vom Deutschen Tierschutzbund.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

V. l. n . r.: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), Mark Rosenkranz, Sprecher des Vorstandes von EDEKA Minden-Hannover, und Thomas Schröder.


AKTUELL

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TIERSCHUTZ AUF DEM VORMARSCH LESEN SIE AUF DEN NÄCHSTEN SEITEN ALLES ÜBER DIE INTERNATIONALE GRÜNE WOCHE IN BERLIN. DU UND DAS TIER 1/2015

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1 V. l. n. r. Friedrich Ostendorff (Bündnis 90/DIE GRÜNEN), Frank Meuser (DTSchB), Dr. Anton Hofreiter, Simone Peter (Bündnis 90/DIE GRÜNEN), Marcel Meurer, Bianca Haußner und Niklas Gröne (DTSchB). 2 In erster Reihe stehend: MdB Wilhelm Priesmeier, Sprecher der Arbeitsgruppe Ernährung und Landwirtschaft der SPD-Bundestagsfraktion, und MdB Rita Hagl-Kehl, Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft. 3 Dr. Maria Flachsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin (BMEL), am Stand des Tierschutzlabels.

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AKTUELL

Die weltweit größte Messe für Landwirtschaft und Ernährung in Berlin zog in diesem Jahr über 415.000 Besucher in ihren Bann. Auch der Deutsche Tierschutzbund begleitete die Grüne Woche kritisch und war als Aussteller aktiv. Von Nadia Wattad

DIE INTERNATIONALE GRÜNE WOCHE IN BERLIN In Berlin ist sie inzwischen so etwas wie eine Institution – die Internationale Grüne Woche (IGW). In diesem Jahr nahm der Deutsche Tierschutzbund erstmals mit einem eigenen Stand an der Messe teil, um das Tierschutzlabel der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Anlässlich des Messeauftaktes zog sein Präsident eine kritische Bilanz: „Solange wir ein Nutzgesetz und kein Schutzgesetz für Tiere haben, wird es nicht vorangehen. Es ist durchaus anzuerkennen, dass Bundesminister Christian Schmidt mit seiner Initiative ‚Eine Frage der Haltung‘ die Wirtschaft zu freiwilligen Lösungen drängt. Das aber wird nicht reichen. Unsere Forderung nach schärferer Gesetzgebung und Stärkung des Vollzugs bleibt“, so Thomas Schröder. Zwar sei das Ziel der sogenannten Branchenlösung, in der Breite zu verändern, richtig, genauso wie den Landwirten für erste Schritte einen Bonus auszuzahlen. Die Methodik aber sei aus Tierschutzsicht kritisch. Die Landwirte können aus einer Liste von Kriterien einzelne auswählen und frei kombinieren, eine zusätzliche Fachberatung ist nicht vorgesehen. „Überall ein wenig machen, dann auch noch die Bonitierungen deckeln und damit mögliche motivierte Landwirte wieder ausbremsen. Die Branche hat hier nicht nur Chancen verspielt, sie geht auch das Risiko ein, bei der Methodik nachhaltigen, auch wissenschaftlich fundierten Tierschutz im Stall zu behindern“, fasste Schröder zusammen und betonte, dass auch eine transparente Kennzeichnung für den Verbraucher von der Branche offenbar nicht vorgesehen ist bei diesem System.

POSITIVE BILANZ FÜR DAS TIERSCHUTZLABEL Anders als die Branchenlösung setzt der Deutsche Tierschutzbund auf klare Kennzeichnung. Für das zweistufige Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes zieht der Verband eine positive Bilanz, wenn es auch wünschenswert gewesen wäre, bereits breiter in den Sortimenten präsent zu sein. Bald wird es das Label auch für Eier geben – die Kriterien für Legehennen sind in Arbeit. Der Deutsche Tierschutzbund überträgt das KAT-Siegel „Tierschutz geprüft“ in das System. Eine Facharbeitsgruppe Rind erarbeitet derweil, welche Kriterien für die Milchkuhhaltung gelten sollen. „Uns war klar, dass das ein schwerer Weg wird. Auch andere Labels haben einige Jahre gebraucht, um sich zu etablieren. Daher sind wir zuversichtlich. Die beteiligten Landwirte sind hoch motiviert. Einzelne Handelsmarken ziehen in regionalen Märkten mit, aber noch ist der Handel in der Breite zu zögerlich, dem Label im Sortiment offensiv Platz einzuräumen“, so Schröder. Derzeit befinden sich Lebensmittel mit Tierschutzstandards in schwierigen Rahmenbedingungen. Die aggressive Preispolitik, vor allem durch den Discounter Aldi Süd, dem viele Unternehmen der Branche folgen, erschwert die Etablierung eines Tierschutzlabels. Zum einen steigt damit der Preisabstand von konventionellen Produkten zu denen, die mit mehr Tierschutz verbunden sind. Zum anderen bleibt den Landwirten bei den Billigpreisen kaum Luft für Tierschutz-Investitionen. „Es bleibt bei unserer Forderung nach einem staatlichen Tierschutzsiegel und höheren gesetzlichen Standards, mindestens auf Basis unserer Einstiegsstufe“, so Schröder.

DER KRITISCHE AGRARBERICHT Im Zuge der IGW fand auch die Präsentation des diesjährigen Kritischen Agrarberichtes statt. Der Herausgeber, das AgrarBündnis, hatte sich in dem 300 Seiten starken Werk dem Themenschwer-

punkt Agrarindustrie und Bäuerlichkeit gewidmet. Bündnispartner wie Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), Thomas Schröder für den Deutschen Tierschutzbund, Jan Plagge, Bioland-Präsident, und Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft, nahmen im Zuge dessen Stellung zur aktuellen Agrarpolitik. Insgesamt 25 Verbände gehören dem AgrarBündnis an. Dr. Frieder Thomas, Geschäftsführer des AgrarBündnisses, moderierte durch die Themen und setzte sich mit dem Begriff der Bäuerlichkeit kritisch auseinander. „Die bäuerliche Wirtschaft ist mehr als Produktionstechnik, sie ist ein Wirtschaftsstil“, so Thomas. Er erinnerte daran, dass alle soziale Verantwortung übernehmen müssten und dass es durchaus Menschen gäbe, die nicht nur am Kapital interessiert seien, sondern auch am Wert. So würden seiner Meinung nach viele Bäuerinnen und Bauern unter dem permanenten Wachstumsdruck leiden, der auf ihnen liege. Thomas plädierte für eine Agrarpolitik, die diesen Druck verringere. Er sei sich sicher, dass weite Teile der Gesellschaft eine solche Politik mittragen würden. Bäuerliche Werte lägen voll im Trend.

RISIKO FREIHANDELSABKOMMEN Zum Thema „Freihandel: Hormonfleisch und mehr Gentechnik oder Vielfalt schützen“ äußerte sich Weiger: „TTIP gefährdet errungene Umwelt- und Lebensmittelstandards. Entgegen regierungsoffiziellen Verlautbarungen ist auch beim Verbraucherschutz mit Kompromissen auf niedrigstem Niveau zu rechnen. Im Zweifel gelten die Interessen von Großkonzernen mehr als die Interessen von Mensch und Umwelt. Die Bürger in der EU und in den USA wollen keine niedrigeren, sie wollen bessere Standards im Umwelt-, Tierund Verbraucherschutz.“ DU UND DAS TIER 1/2015

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TIERE HABEN EINEN WERT UND KEINEN PREIS Thomas Schröder äußerte sich zum Thema „Billigfleisch verhindert Tierschutz“ und prangerte das System an: „Tiere werden in Systeme hineingepresst. Dazu gehören Amputationen, die hierfür nötig sind.“ Insbesondere Puten gehe es in der Intensivtierhaltung besonders schlecht. „Wer Putenfleisch aus Intensivmast isst, isst Fleisch von Krüppeln“, so Schröder. Auch zum Thema der Branchenlösung äußerte er sich. Er kritisierte, dass der Verbraucher anhand der Produkte in den Supermarktregalen gar nicht erkennen könne, wie mit den Tieren zu Lebzeiten umgegangen sei. Er sprach sich daher für eine klare Kennzeichnung nach Haltungsformen aus: „Verbraucher haben zwar Macht, aber sie brauchen die richtigen Instrumente. Wer noch Fleisch isst, muss erkennen können, wie es dem Tier ergangen ist. Dass es geht, hat die Kennzeichnungspflicht für Eier bewiesen!“ Dass 2015 eine Trendwende für mehr heimisches Bio eingeleitet werden muss, forderte Jan Plagge, Präsident von Bioland. Die Bundesregierung müsse ihr eigenes Ziel „20 Prozent Biolandbau“ stärker verfolgen, denn davon sei man noch weit entfernt: 2014 wurden erst 6,3 Prozent der Agrarfläche in Deutschland von Biobauern bewirtschaftet. Janßen forderte, die Direktzahlungen für kleine und mittlere Betriebe anzuheben sowie die Unterstützung für eine umweltschonende Landbewirtschaftung und für ein Umbauprogramm „Artgerechte Tierhaltung“ deutlich auszuweiten.

ZEICHEN FÜR BESSERES LEBEN – FÜR MEHR TIERSCHUTZ Mit einem eigenen Stand auf der IGW informierte der Deutsche Tierschutzbund sowohl Kinder als auch Erwachsene über sein zweistufiges Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“. Das Angebot, sich hier über Tierschutz und das Tierschutzlabel zu informieren, nahmen die Besucher rege an. Zudem entwickelten sich viele konstruktive Gespräche mit Verbrauchern, Politikern, Landwirten und Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft. Die Landwirte begrüßten, dass der Deutsche Tierschutzbund mit praktikablen Lösungen und intensiver Beratung mehr Tierschutz in die Ställe bringt und gemeinsam dafür sorgt, dass sich die Haltungsbedingungen der Tiere verbessern. Trotz verbleibender großer Herausforderungen wurde der Verband darin bestätigt, dass der Weg des Tierschutzlabels richtig ist.

DER HANDEL IST IN DER VERANTWORTUNG Um das Label auch flächendeckend und in der Breite verfügbar zu machen, sind weiterhin die Handelsunternehmen gefordert, ihre Verantwortung wahrzunehmen und das Label anzubieten. Der kritische Verbraucher ist durchaus bereit, für mehr Tierschutz mehr zu zahlen – wenn ihm entsprechende Alternativen erkennbar angeboten werden. Auch Vertreter aus der Gastronomie und der Lebensmittelindustrie interessieren sich zunehmend für das Tierschutzlabel.

STEHEMPFANG GUT BESUCHT Zum Messestart hatte der Verband auch zu einem Stehempfang geladen. Hier wies Thomas Schröder noch mal darauf hin, dass der Handelspartner EDEKA Minden-Hannover mit zunächst acht Schweine haltenden Bio-Betrieben in die Premiumstufe des Tierschutzlabels einsteigt. Ab Mitte April werden damit sowohl Produkte der Einstiegsstufe als auch der Premiumstufe im Vermarktungsgebiet von EDEKA Minden-Hannover erhältlich sein. „In Unternehmen wie Hit, Famila Neumünster, real, EDEKA Minden-Hannover, EDEKA-Südwest und Kaisers Tengelmann werden Produkte mit dem Tierschutzlabel angeboten. Selbst Discounter wie Lidl und Netto ziehen immer stärker mit, auch Handelsunternehmen für

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Großküchen und Gastronomie wie Transgourmet weiten das Angebot immer weiter aus. Es geht voran“, so Schröder. Lidl bietet inzwischen das Produkt „Ganzes Hähnchen“ sogar nur noch mit dem Tierschutzlabel an und hat das konventionelle Produkt aus dem Sortiment genommen. Schröder begrüßte alle teilnehmenden Gäste, unter anderem den befreundeten Verband Neuland, den bpt-Präsidenten Dr. Hans-Joachim Götz, Wirtschaftsverbände wie KAT, den Markenpartner Whiskas und Pedigree, Ingmar Streese von der Verbraucherzentrale Bundesverband, einen Vertreter des Deutschen Bauernverbandes, politische Gäste aus Bundestag, den Landtagen und den Ministerien sowie Gäste aus dem Präsidium und den Mitgliedsvereinen des Deutschen Tierschutzbundes. Ein besonderer Gruß ging an den Vorsitzenden des Kompetenzkreises Gert Lindemann: „Ich freue mich, dass Sie sich auch dem Tierschutzlabel noch stärker widmen, sodass wir im Kompetenzkreis weiter daran arbeiten können“, so Schröder.

LANDWIRT BERICHTET AUS DER PRAXIS Einen Einblick in die Praxis gab Schweinelandwirt Henning Harms, der einer der Ersten war, der seinen Betrieb 2011 auf die Einstiegsstufe des Tierschutzlabels umgestellt hat. „Uns war es immer wichtig, einen Markt zu bedienen, der eine Wertschätzung zurückgibt und der das Produkt bewusst kauft“, so Harms. Zum Tierschutzlabel sei der Familienbetrieb über eine Exkursion nach Holland gekommen. Dort habe man „Beter Leven“ (Besser Leben) von Vion besucht – ein Projekt, das die ganze Familie begeistert hätte. „Wir haben uns bereit erklärt, ein Label für mehr Tierschutz auch in Deutschland auszuprobieren, und


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© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

1 Reges Treiben herrscht am Stehempfang. 2 Henning Harms 3 Dr. Lars Schrader 4 Renate Seidel, Dr. Brigitte Rusche, Wolfgang Apel, MdB (SPD) Christina Jantz, MdB (Grüne) Nicole Maisch und MdB (CDU) Dieter Stier

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HINTERGRUND TIERSCHUTZLABEL Das zweistufige Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes bietet den Tieren schon in der Einstiegsstufe mehr Platz und Beschäftigung. Zudem schreibt es einen schonenderen Umgang mit dem Tier vor. In der Premiumstufe haben die Tiere unter anderem noch mehr Platz, Kontakt zum Außenklima oder Auslauf und noch mehr Möglichkeiten für artgerechtes Verhalten. Das Tierschutzlabel gibt nicht nur Kriterien für die Haltung der Tiere vor, sondern auch für deren Transport und Schlachtung.

1 Das Bündnis Meine Landwirtschaft demonstriert gemeinsam gegen die verfehlte Agrarpolitik. 2 Jochen Dettmer (BUND)

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3 V. l. n. r.: Sybille KählerSchnoor vom Hamburger Tierschutzverein von 1847, MariaLuise Molkentin, Preisträgerin des Tierschutzpreises für das Lebenswerk, Thomas Kähler vom Hamburger Tierschutzverein von 1847 und Thomas Schröder.


© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

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waren kurze Zeit später Pilotbetrieb“, erläuterte Harms. So habe man den Betrieb angepasst und den Schweinen zunächst mehr Platz gegeben – von 0,75 qm auf 1,1 qm. „Wir erkannten schnell, dass das größere Platzangebot ein großer Vorteil für die Tiere ist.“ Das Gleiche gelte für die Funktionsbereiche der Tiere: Ruhen, Fressen, Spielen und Abkoten. Auf Anstoß von Bernd Kuhn, Berater beim Deutschen Tierschutzbund, habe er den Außenklimastall zum Auslauf umgebaut. 2013 folgte ein Erweiterungsbau mit einem Sonnenschutznetz. „Dieser Stall macht richtig Spaß. Es ist eine Freude, ihn zu betreuen.“ Gewisse Dinge wie das Sauberhalten

und die Kontrolle der Tiere wären nun zwar aufwendiger, aber das nehme er gerne in Kauf. Die Ebermast und der damit einhergehende Verzicht auf eine Kastration seien relativ unproblematisch, wenn auf Fütterung und andere Faktoren geachtet würde. Die größte Herausforderung sei der unkupierte Ringelschwanz. Das funktioniere noch nicht immer problemfrei und müsse weiterhin wissenschaftlich untersucht werden. Dr. Lars Schrader vom Friedrich-Loeffler-Institut, Mitglied des Labelbeirates, übernahm das nächste Grußwort, wobei hier die wissenschaftliche Sicht im Fokus stand. Er betonte, dass der Deutsche Tierschutzbund schon lange die Zeichen der Zeit erkannt habe, dass nicht nur Tierschützer mehr Tierschutz wollen, sondern die gesamte Bevölkerung, die die konventionelle Tierhaltung als nicht ausreichend empfindet. Die Konsequenz wäre das Tierschutzlabel. Es sei lobenswert, dass sich der Deutsche Tierschutzbund sogar auf ein zweistufiges Label eingelassen habe. Ihm sei klar, dass der Verband mit der Einstiegsstufe einen Kompromiss eingegangen sei, und beglückwünschte den Deutschen Tierschutzbund zu seinem Mut. „Insbesondere auch Dr. Brigitte Rusche, die den Weg federführend mitgegangen ist“, so Schrader. Thomas Schröder stellte abschließend einen neu produzierten Film vor, in dem das Tierschutzlabel in einfachen Schritten erklärt wird. DU UND DAS TIER 1/2015

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2 Unsere Landesverbände Mecklenburg-Vorpommern und 3 Thüringen demonstrieren ebenfalls..

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DEMONSTRATION „WIR HABEN ES SATT!“ FÜR EINEN WECHSEL IN DER AGRARPOLITIK Sie waren alle nach Berlin gekommen, die Tierschützer, Umwelt- und Naturschützer, Landwirte, Imker und viele weitere Unterstützer, um ihrem Ärger über die derzeitige Agrarpolitik Luft zu machen. Auf der Demo „Wir haben es satt!“ – organisiert von dem Bündnis Meine Landwirtschaft – forderten 50.000 Demonstranten eine artgerechte Haltung 1 „Wir sind hier, weil wir gegen von Nutztieren, gerechte Preise für Landwirtschaftsgüter und gentechnikfreie Massentierhaltung ein Zeichen setzen Saatgut-Vielfalt. Zudem forderten sie ein Ende der aktuellen Agrarpolitik und eine wollen“, so Martina Kohmann aus Abkehr vom Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen den USA und Europa. Und so Berlin. „Ich bin auch hier wegen TTIP. bahnte sich ein buntes Meer aus blauen, grünen, roten und gelben Jacken den Weg Wir sollten uns bewahren, was wir vom Potsdamer Platz bis vor das Bundeskanzleramt. Viele Landesverbände des haben, und besser auf uns aufpassen“, Deutschen Tierschutzbundes haben den Verband mit ihrer Präsenz unterstützt. schloss sich die ebenfalls aus Berlin So waren Tierschutzvereinsvertreter aus Hamburg, Berlin, Bremen, Brandenburg, stammende Birgit Olivier an. Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern dabei. Ein Konvoi mit über 90 Traktoren führte den Zug der Demonstranten an. Eine aus Hamburg angereiste fünfköpfige Gruppe war auch vorrangig wegen des geplanten Freihandelsabkommens nach Berlin gekommen. „Wir sind hier wegen der bürgerverachtenden Entscheidungen, die die Politik trifft. Die Regierung hat jetzt erst angefangen, die Dokumente zum Freihandelsabkommen für die Öffentlichkeit freizugeben, und setzt sich über die Belange der Bürger hinweg. Mit einer Unterschrift wird alles zunichtegemacht.“ Monika Diebel, Mitglied in mehreren Tierschutzvereinen, sah sich mehr auf der Seite der Tierschützer und unterstützte die Demo nun bereits zum fünften Mal: „Die Tierquälerei muss

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BEWEGUNG NIMMT FAHRT AUF Bei der Abschlusskundgebung vor dem Bundeskanzleramt sprach auch Thomas Schröder zu den Demonstranten: „Ja, wir haben es satt! Wir haben es satt, dass es immer noch Tiernutzer gibt, die abstreiten, dass es in den Ställen Veränderungen geben muss. Dass es immer noch Tiernutzer gibt, die uns eine heile Welt verkaufen wollen.“ Er machte deutlich, dass Tiere keinen Preis, sondern einen Wert haben, und bezeichnete den Tag der Demonstration als Mutmachertag: „Es macht Mut, Euch alle hier zu sehen. Diese Bewegung wird immer größer und wir werden immer erfolgreicher sein. Wir sind die Mitte der Gesellschaft. Das muss im Kanzleramt endlich verstanden werden“, so Schröder. Er rief zudem zu seinem Boykott von Aldi Süd auf, da deren Billigpreispolitik für Fleisch nicht akzeptabel sei – auch aus ethischen Gründen und weil die Landwirte dadurch keine Luft für Investitionen hätten. Der Vorsitzende des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), Hubert Weiger, sagte: „Der Protest gegen die bisherige Agrarpolitik bringt erste Erfolge. Dank bundesweit rund 250 Bürgerinitiativen wurden mehr als 100 geplante Riesen-Ställe nicht gebaut. Endlich werden artgerechte Ställe stärker gefördert, und Agrarminister Schmidt hat angekündigt, gegen den überhöhten Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung vorzugehen.“ Weitere Redebeiträge zu den Themen TTIP und Gentechnik folgten. Beeindruckend auch die Rede von Sybilla Keitel für das Aktionsbündnis „Kontra Industrieschwein“ aus Haßleben, das der Deutsche Tierschutzbund seit Jahren unterstützt. Das Bühnenprogramm endete mit der Band Rock for Nature. Insgesamt betrachtet war die Demonstration ein voller Erfolg.

WEB www.tierschutzlabel.info

Hier finden sowohl Verbraucher als auch Produzenten und Anbieter detaillierte Informationen zum Tierschutzlabel. Ein Film erklärt, welche Kriterien das Tierschutzlabel ausmacht.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

www.agrarbuendnis.de Informieren Sie sich über das AgrarBündnis – einem Zusammenschluss von derzeit 24 unabhängigen Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt-, Natur- und Tierschutz sowie Verbraucher- und Entwicklungspolitik.

www.wir-haben-es-satt.de Erfahren Sie, wofür sich das „Wir haben es satt!“Bündnis einsetzt. Es besteht aus Organisationen, Initiativen und Projekten, die sich gemeinsam für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und Ernährung einsetzen.

IM DSCHUNGEL DER BEGRIFFLICHKEITEN

aufhören, die Preise für Fleisch sind viel zu gering und die politischen Vertreter fördern das auch noch mit ihrer Preispolitik.“

AKTUELL

Politik und Wirtschaft setzen sich aktuell für mehr Tierschutz ein. Dabei nutzen sie jedoch ähnlich klingende Begriffe, die bei den Verbrauchern für Verwirrung sorgen. Wir klären Sie auf. Von Franziska Hagen

TIERSCHUTZ Tierschutz definiert alle Aktivitäten des Menschen, die darauf abzielen, Tieren ein artgerechtes Leben zu ermöglichen, ohne ihnen dabei Schmerzen, Schäden oder Leiden zuzufügen. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes hat jedes Tier Anspruch auf Unversehrtheit und ein tiergerechtes Leben sowie einen schmerzund leidensfreien Tod. Für Tiere, die der Mensch in seine Obhut genommen hat, trägt er die Verantwortung. Das setzt voraus, dass die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Tiere bekannt sind. In Deutschland regelt das Tierschutzgesetz, wie mit Tieren umgegangen werden darf – insbesondere für Tiere in der Landwirtschaft stellen dabei die Vorgaben einen Kompromiss zwischen Nutzung und Schutz der Tiere dar. DU UND DAS TIER 1/2015

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IM DSCHUNGEL DER BEGRIFFLICHKEITEN

TIERWOHL Der Begriff Tierwohl ist eine wörtliche Übersetzung der englischen Bezeichnung „animal welfare“, die im englischsprachigen Ausland weitestgehend dem in Deutschland üblichen Begriff Tierschutz entspricht. Er tauchte laut Google Trends im Jahre 2010 das erste Mal auf und ist seitdem in aller Munde.

Die Lebensmittelindustrie reagierte damit auf den zunehmenden Wunsch der Verbraucher nach tiergerecht erzeugten Produkten. Warum sie nicht den etablierten Begriff Tierschutz verwendet, lässt sich folgendermaßen erklären: Der schwammige Begriff „Tierwohl“ suggeriert dem Verbraucher, dass es den Tieren bereits gut geht, aber wenn der Verbraucher es unbe-

dingt will, den Tieren ein paar Extras zugutekommen. Würde die Lebensmittelindustrie stattdessen den nüchternen Begriff Tierschutz verwenden, könnte sich der Verbraucher fragen, ob es den Tieren vorher nicht gut gegangen sei. Solche Überlegungen könnten dem Image der Industrie schaden. In letzter Zeit findet der Begriff zunehmend Anklang in Politik und Wissenschaft.

LABEL DES DEUTSCHEN TIERSCHUTZBUNDES Das 2013 für Mastschweine und Masthühner eingeführte Label „Für mehr Tierschutz“ in der Einstiegsund Premiumstufe wurde zusammen mit Fachleuten aus Wissenschaft und Wirtschaft erarbeitet. Es bietet verbesserte Haltungs-, Transportund Schlachtbedingungen für Tiere, deren Fleisch unter dem Label vermarktet wird.

INITIATIVE TIERWOHL Im September 2013 einigten sich die deutsche Fleischwirtschaft und Lebensmittelhändler auf eine sogenannte Branchenlösung zur Verbesserung der Haltung von Geflügel und Schweinen – die Initiative Tierwohl. Die Landwirte, die sich der Initiative anschließen, müssen zunächst ihr

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Die Tiere haben mehr Platz, strukturierte Ställe, Beschäftigungsmaterial und – in der Premiumstufe – auch Auslauf beziehungsweise Außenklima-

kontakt. Derzeit sind Produkte unter dem Label für Masthühner und Mastschweine verfügbar, Richtlinien für Legehennen und Rinder sollen folgen.

eigenes Geld investieren, um Maßnahmen für mehr Tierwohl umzusetzen. Diese werden dann kontrolliert und mit Bonuszahlungen honoriert. Im Sommer 2015 sollen die ersten Schweinefleischprodukte auf den Markt kommen und im Herbst auch Geflügelprodukte. Ein Kritikpunkt des Tierschutzbundes an der Branchenlösung ist, dass die verpflichten-

den Kriterien größtenteils nur wenig über die gesetzlichen Mindestvorgaben hinausgehen und damit aus der Sicht des Tierschutzes wenig Verbesserung bieten. Darüber hinaus dürfen die Landwirte die zusätzlich wählbaren Kriterien zur Schweinehaltung, die in sinnvoller Kombination einen wirklichen Mehrwert für die Tiere bringen könnten, wahllos

TIERWOHLOFFENSIVE Basierend auf der bereits 2013 im Koalitionsvertrag der Bundesregierung beschlossenen Tierwohl-Initiative, stellte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt im Herbst 2014 die Eckpunkte seiner Initiative „Eine Frage der Haltung – neue Wege für mehr Tierwohl“ vor. Der Fokus liegt dabei auf einer Verbesserung der landwirtschaftlichen Tierhaltung sowie dem Ausstieg aus Manipulationen wie Schnabel- und Schwanzkürzen. Jedoch setzt Schmidt dabei zunächst auf freiwillige

kombinieren, wobei sie mit unterschiedlichen Zahlungen honoriert werden. Dabei können aber tierschutzrelevante Probleme auftreten, wenn sie bestimmte Kriterien falsch kombinieren oder auswählen, ohne weitere Haltungsbedingungen zu verändern. Hinzu kommt, dass keine spezielle Kennzeichnung für die vermarkteten Produkte vorgesehen

Vereinbarungen der Wirtschaft statt auf gesetzliche Regelungen. Bringen diese nicht den gewünschten Erfolg, möchte er auch eine Änderung des Rechtsrahmens in Erwägung ziehen. Ein „Kompetenzkreis Tierwohl“, an dem auch der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes teilnimmt, soll die Initiative fachlich beraten und unterstützen. Grundsätzlich ist dieser Vorstoß des Bundeslandwirtschaftsministers zu begrüßen, jedoch wäre es wünschenswert, zeitnah strengere gesetzliche Regelungen zum Schutz der Tiere in der Landwirtschaft zu erlassen.

ist. Sie tragen lediglich das auf allen Produkten verwendete QS-Siegel. Dieses als Massenbilanzierung bezeichnete Vorgehen birgt das große Risiko einer Verbrauchertäuschung, da dem Konsumenten nicht deutlich gemacht wird, dass nicht alle Fleischwaren mit QS-Siegel aus einer besseren Tierhaltung stammen.


AKTUELL

ES MUSS PASSEN Hunde sind die treuesten Begleiter des Menschen. Doch genauso wie jeder Mensch individuell ist, sind es auch diese Tiere. Wer sich also überlegt, einem Hund aus dem Tierheim ein neues Zuhause zu geben, muss selbstkritisch sein. Nicht jeder Hund ist für jeden Menschen geeignet.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

Von Nadia Wattad

Die einen sind eher quirliger Natur, die anderen von der gemütlichen Sorte: Die Unterschiede zwischen den Hundetypen sind enorm. Unter Umständen trifft man in den Tierheimen alle an – den Jagdhund, Hütehund und Familienbegleithund, manchmal auch eine Kombination aus mehreren Typen. Ob der Hundeinteressent dem Individuum gerecht werden kann, hängt aber nicht nur von der genetischen Veranlagung des Hundes ab, sondern auch von dessen Vorgeschichte und natürlich von den Lebensumständen des Zweibeiners. Deswegen sollte die Wahl des Wunschhundes niemals vorrangig aus optischen Gründen erfolgen. Ob er also besonders niedlich guckt, eine tolle Fellfärbung oder die augenscheinlich perfekte Größe hat, darf nicht ausschlaggebend sein. Für alle Hundeinteressenten gilt: Sie sollten sich beim Tierheimpersonal vorab umfassend über den Hund informieren und sich ausreichend Zeit nehmen, das Tier kennenzulernen. Es ist beispielsweise ein großer Unterschied, ob es sich um einen jungen oder einen etwas älteren Hund handelt. Lesen Sie nachfolgend, wie sich die vier gängigen Hundetypen voneinander unterscheiden und welche Kriterien bei der Wahl eine entscheidende Rolle spielen. DU UND DAS TIER 1/2015

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DER BEGLEITHUNDTYPUS (BEISPIELE SIND MALTHESER, LÖWCHEN, PUDEL) Unter der Kategorie Begleithunde sind die Hunderassen zusammengefasst, die nicht speziell auf besondere Aufgaben, sondern rein zur Gesellschaft des Menschen gezüchtet werden. Wer in der Stadt in einer Wohnung lebt und einem sitzenden Beruf im Büro nachgeht, sollte sich eher für einen solchen Hundetypus entscheiden. Begleithunde suchen die Nähe zu ihrem Menschen und neigen normalerweise nicht übermäßig zum Bewachen, Jagen oder Hüten. Hundehalter müssen jedoch dafür sorgen, dass auch diese Hunde ausreichend Beschäftigung und Auslauf haben und nicht länger als einen halben Tag alleine in der Wohnung verbringen. „Pauschalen gibt es nicht. Manche Hunde können problemlos mehrere Stunden alleine bleiben, andere dekorieren in der Zwischenzeit die Wohnung des Besitzers um“, so Katrin Umlauf, Expertin für Hunde und Leiterin des Tierschutzzentrums Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes. Berufstätige tun dem Hund natürlich am ehesten einen Gefallen, wenn sie ihn zur Arbeit mitnehmen – dieses

Privileg besitzen aber leider nicht alle. Mit der vom Deutschen Tierschutzbund ins Leben gerufenen Aktion „Kollege Hund“, die einmal jährlich stattfindet, haben Mitarbeiter die Chance, den Vorgesetzten vom harmonischen Miteinander von Mensch und Hund im Büroalltag zu überzeugen. Das Ergebnis könnte sein, dass langfristig Hunde im Büro erlaubt sind. Senioren sind ebenfalls mit einem Begleithund gut bedient. Ein Welpe oder Junghund sollte es jedoch nicht unbedingt sein, da ist ein älterer Hund, der die Ruhe genießt und der keinen Anspruch mehr auf stundenlange Spaziergänge erhebt, die bessere Wahl. Die Größe des Hundes sollte überschaubar bleiben, damit er gut zu handeln ist. Im Fall von Krankheit oder anderen Situationen, in denen der Vierbeiner nicht mitgenommen werden kann, ist es sinnvoll, eine weitere Person als Vertretung in petto zu haben. Wenn allerdings das Reisen im Vordergrund steht, muss der potenzielle Besitzer genau abwägen, wie viel Zeit er dem neuen Kameraden einräumen möchte.

1 Begleithunde leisten den Zweibeinern gerne Gesellschaft. 2 Ein Hund vom Hütehundtypus im Spiel mit seinem Herrchen. 3 Beschäftigung, wie zum Beispiel Suchspiele oder Agility, ist für Jagdhunde das A und O.

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AKTUELL

„Hunde lassen sich grundsätzlich gut auf Reisen mitnehmen, da es für sie wichtig ist, überall dabei zu sein. Allerdings sollte auf Fernreisen, bei denen der Hund den Flug im Frachtraum eines Flugzeuges verbringen muss, verzichtet werden. Der Stress für den Vierbeiner kann hier sehr groß sein“, so Katrin Umlauf. Zu rüstigen und hundeerfahrenen Senioren, die viel in der Natur unterwegs sind, kann auch ein erwachsener Jagdhund passen, der insgesamt ein eher ruhiger Vertreter ist.

DER JAGDHUNDTYPUS (BEISPIELE SIND WEIMARANER, JACK RUSSEL, LABRADOR) Sportlich ambitionierte Menschen, die aktiv sind und gerne viel Zeit in der Natur verbringen, können ideale Partner eines Jagdhundes sein. Einen Bürojob sollten sie aber nicht haben, sondern bestenfalls einen Beruf, in dem sie viel draußen unterwegs sind und bei dem sie der Hund begleiten darf. Jagdhunde sind sehr bewegungsfreudig und brauchen eine Aufgabe, sonst suchen sie sich unter Umständen eine, und die Konsequenzen, die daraus entstehen, können für den Besitzer unerfreulich sein. Neben täglichen langen Spaziergängen kann Hundesport wie Agility oder Fährtensuche eine gute Ergänzung sein, damit der Hund seine Neigungen ausleben kann. Die Erziehung eines Hundes mit ausgeprägten Jagdtendenzen kann mitunter Nerven kosten. Unter Umständen kann der Hund auch

nur an der Schleppleine und nicht frei laufen, da er seinem Jagdtrieb trotz geübten Gehorsams unvermindert nachgeht.

DER HÜTEHUNDTYPUS (BEISPIELE SIND COLLIE, AUSTRALIAN SHEPHERD, TIBET TERRIER) Dieser Hundetypus ist nichts für Anfänger. Er ist ein Arbeitshund. Die Aufgaben eines Hütehundes bestanden ursprünglich darin, Herden zu treiben und zusammenzuhalten. Entfällt der Job, sucht der Hütehund sich andere Aufgaben. Unterbeschäftigte Tiere fangen beispielsweise an, Spielzeug oder Futter zu bewachen und zu verteidigen. Hütehunde sind im Allgemeinen sehr intelligent, lernfreudig und brauchen unbedingt eine sportliche Beschäftigung. Sie leben gut in der Familie, wenn alle Familienmitglieder viel Zeit mit ihnen verbringen und sie physisch und mental fordern. Das richtige Maß zu finden, ist allerdings nicht einfach. Denn auch überforderte Hunde können zu Problemhunden werden.

DER HERDENSCHUTZHUNDTYPUS (BEISPIELE SIND KANGAL, OWTSCHARKA, KUVASZ) Hunde vom Herdenschutzhundtypus arbeiten autark, ohne den Menschen zu brauchen. Auch sie zählen zu den Arbeitshunden und gehören in erfahrene Hände. Der Herdenschutzhund versucht für gewöhnlich im Zusammenleben mit dem Menschen diesen nicht nur zu hüten, sondern auch zu bewachen, und neigt dazu, seine „Herde“ zu beschützen. Besitzer, die ihre Hunde nicht von Anfang an daran gewöhnen, dass sie entscheiden, wer zu Besuch kommt, laufen Gefahr, dass sich der Hund gegenüber Fremden aggressiv zeigt. Herdenschutzhunde sind für die Wohnungshaltung nicht gut geeignet. Sie benötigen neben Auslauf auch Beschäftigung.

DER WACHHUNDTYPUS (BEISPIELE SIND HOVAWARD, BERNER SENNEN, LEONBERGER) 3

Wachhunde wurden ursprünglich dafür gezüchtet, Haus und Hof vor ungebetenen Besuchern zu schützen. Wie beim Herdenschutzhund liegt es in der Hand des Besitzers, diese Neigung zu kontrollieren. Wachhunde sind im Allgemeinen besser im Haus mit Garten aufgehoben und brauchen neben Auslauf auch Beschäftigung und eine besonders konsequente Erziehung.

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VOLL IM TREND Wer vor Jahren als vegan lebender Mensch noch mit ungläubigen Augen angeschaut wurde, scheint – der medialen Berichterstattung nach zu urteilen – nun zu den Trendsettern zu gehören. Das Thema Veganismus erhält eine immer größere Öffentlichkeit. Von Nadia Wattad

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Das Thema Veganismus hatte 2014 seinen vorläufigen Höhepunkt: Ein Buch nach dem anderen eroberte den Markt. Waren es laut Vegetarierbund Deutschland (VeBu) im Jahr 2011 nur zwölf neu veröffentlichte Kochbücher, so waren es 2014 bereits 77. Mit bis dato über 700.000 verkauften Exemplaren ist Autor Attila Hildmann einer der Großen, der es mit seiner Kochbuchserie „Vegan for …“ auf die Bestsellerlisten geschafft hat. Der 32-jährige Autodidakt schaffte es, das Thema vegane Ernährung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Er ist jedoch umstritten, da seine Inszenierung als durchtrainierter Ernährungscoach bei einigen Menschen auf Kritik stößt. Im Gegensatz zu Hildmann möchten viele den Verzicht auf tierische Lebensmittel als politische Aussage verstanden wissen. Hildmanns Motivation, sich vegan zu ernähren, ist eher gesundheitlicher Natur. Inzwischen entscheiden sich jedoch immer mehr Menschen aus ethischen und ökologischen Gründen gegen den Konsum von tierischen Nahrungsmitteln. Dennoch gewinnt der gesundheitliche Aspekt mittlerweile an Bedeutung.

© Fotos: napri/Photocase (1), denio109/Fotolia (1), Rozmarina/Fotolia (1), saschanti/Fotolia (1)

VEGANISMUS


AKTUELL

So sprechen viele wissenschaftliche Studien für den gesundheitsfördernden und präventiven Charakter einer tierfreien Ernährung. Eine aktuelle Auswertung der Adventist Health Study 2 untersuchte die Zusammenhänge zwischen dem Auftreten von Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) und verschiedenen vegetarischen und nicht-vegetarischen Kostformen. Auf der Datengrundlage von 66.000 Teilnehmerfragebögen zeigte sich, dass eine vegane Ernährung das Risiko für eine Schilddrüsenüberfunktion im Vergleich zur Ernährung mit Fleisch um 51 Prozent verringert.

VEGANES PRODUKTANGEBOT WÄCHST STETIG Das Nischendasein des veganen Lebensstils ist endgültig vorbei. Veganismus liegt im Trend und ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Viele Prominente, beispielsweise die Schauspieler Natalie Portman oder Russell Brand, leben ihn vor und verleihen ihm ein gesundes und hippes Image. Dass es sich beim veganen Lebensstil nicht nur um einen kurzlebigen Trend handelt, sondern um eine langfristige Entwicklung, spiegelt sich auch im Produktsortiment des Einzelhandels wieder. In jeder größeren Stadt finden sich heute vegane Supermärkte und das vegane Produktangebot in den gängigen Supermarktketten wächst exponentiell. Selbst Restaurants, Mensen und Kantinen bieten inzwischen vegane Alternativen an. Doch damit nicht genug – auch rein vegane Restaurants und Cafés sprießen in jeder größeren und kleineren Stadt aus dem Boden.

DIE MENSCHEN MÖCHTEN WISSEN, WAS AUF DEN TELLER KOMMT Viele Menschen möchten nicht mehr die Augen vor dem unwürdigen Umgang mit Tieren in der Intensivtierhaltung verschließen. Denn Tiere gelten heute mehr denn ja als bloßes Produkt. Um möglichst viel Profit zu bringen, werden sie auf immer höhere Leistungen und höheren Ertrag gezüchtet. Die Auswahlzucht und die Massentierhaltung sind mit einer Vielzahl gesundheitlicher Probleme verbunden, was bei den Tieren zu psychischen Schäden und Verhaltensstörungen führt. Auch der Transport zu den Schlachthöfen und die Schlachtung selbst können mit erheblichen Tierschutzproblemen verbunden sein. Viele Medien schauen heute hinter die Kulissen, um den Zuschauern unter anderem in Dokumentationen die ungeschönte Wahrheit zu zeigen. Der Vegetarierbund Deutschland schätzt die Zahl vegan lebender Menschen auf etwa 900.000 Personen – das entspricht über einem Prozent der deutschen Bevölkerung.

Erfreulicherweise gewinnt das Thema Tierschutz in unserer Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Denn auch Tiere haben ein Recht auf ein Leben ohne Schmerzen, Leiden und Qualen. Zudem interessieren sich immer mehr Menschen dafür, was eigentlich auf ihre Teller kommt. Zu hinterfragen, wie Haltungs- und Anbaubedingungen der Nahrungsmittel aussehen, gehört inzwischen zum „modern way of life“. Entsprechende Konsequenzen für die eigenen Konsumgewohnheiten zu ziehen, sind die Folge eines bewussten Lebenswandels. Insbesondere vor dem Hintergrund der zahlreichen Alternativen zu tierischen Produkten kann es nicht verkehrt sein, unsere durch jahrzehntelange gesellschaftliche Prägung und Erziehung entstandenen Konsumgewohnheiten zu hinterfragen und sich mit einer Umstellung der Ernährung für mehr Tierschutz, aber auch für mehr Umweltschutz einzusetzen. Jede Veränderung beginnt mit kleinen Schritten. Der Einzelne kann viel bewegen.

TIPP

MEHR ABWECHSLUNG AUF DEM TELLER

Binden Sie nach und nach vegane Gerichte in Ihren Alltag ein. Das Sortiment an Kochbüchern ist derweil immens. Versuchen Sie, tierische Produkte wie Milch oder Sahne durch Sojaprodukte zu ergänzen. Es gibt auch Alternativen zu Milch, die aus Mandeln oder Macadamianüssen hergestellt werden – diese geben beispielsweise Kaffeevariationen oder auch Nachtischen eine leicht nussige Note.

WEB www.tierschutzbund.de/ vegetarismus

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema vegetarische und vegane Ernährung und entsprechende Rezepte.

www.vebu.de Die Webseite des Vegetarierbundes Deutschland informiert über die vegetarische Lebensweise und erläutert deren Bedeutung. DU UND DAS TIER 1/2015

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TIERSCHUTZ MIT ALLEN SINNEN Um auch Kinder und Jugendliche für das Thema Tierschutz zu begeistern, hat sich die Abteilung Jugendtierschutz des Deutschen Tierschutzbundes etwas Besonderes für den Messestand auf der Internationalen Grünen Woche einfallen lassen. Von Irmina Madaj

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Tierschutz zum Anfassen erlebten die Schülerinnen und Schüler der Victor-Gollancz-Grundschule aus Berlin auf dem Messestand des Deutschen Tierschutzbundes. Dort informierten Mitarbeiter die Kinder über das Tierschutzlabel. Sie drängten sich in das einen Quadratmeter große abgeklebte Feld auf dem Boden, um nachzuempfinden, auf welch beengtem Raum Legehennen leben. „Ich konnte mich gar nicht wirklich bewegen und hab‘ mich nicht wohlgefühlt“, fasst Schülerin Alina das Erlebnis zusammen. In welcher Haltungsform Hühner mehr Platz haben, erfuhren die Kinder, indem sie Eiercodierungen auf Plastikeiern entzifferten, die Lösungswörter passend zur Haltung bildeten. Auch das Wühlbedürfnis von Schweinen wurde mit fleißig im Sand grabenden Kinderhänden nachempfunden.

MATERIALIEN ZUM ANFASSEN 2

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Durch angefertigte Modellställe erhielten die Kinder einen Einblick in die realen Lebensverhältnisse von Hühnern und Schweinen in unterschiedlichen Haltungsbedingungen. Mit allen Sinnen konnten die Schüler auch Bodenmaterial aus Tierställen erfühlen. Schnell und erschrocken zogen sie die Hand aus der Kiste mit dem rutschigen Spaltenboden, wohingegen im Stroh gerne länger gewühlt wurde. Genauso wie die Kinder des Schülerprogramms waren viele der Messebesucher erschrocken, dass die Mehrheit der Tiere nicht in weichem Stroh wühlen darf, sondern auf Spaltenböden stehen muss.

1 bis 3 Ein haut-

nahes Erlebnis: Jugendtierschutz auf der Internationalen Grünen Woche.

MEHR TIERSCHUTZ IM EINKAUFSKORB Nachdem Irmina Madaj vom Deutschen Tierschutzbund den Einkauf in einem Supermarkt nachstellte, wussten die Grundschüler, was sie in ihren Einkaufskorb im Supermarkt legen müssen, um sich gezielt für mehr Tierschutz einzusetzen. Auch bei den Lehrern kam das Programm gut an: „Das Schülerprogramm war interessant und anschaulich. Ich werde das Thema nochmals mit der Klasse nachbearbeiten“, so die Klassenlehrerin Dunja Köhler der Klasse 5 der Victor-Gollancz-Grundschule in Berlin.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V. (3), shishiga/Fotolia (1), Anatolii/Fotolia (1)

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BERLIN


AKTUELL

WALDKRAIBURG

MAHNWACHE VOR SCHLACHTHOF Ein Meer aus Kerzen entzündete die Tierschutzjugend Waldkraiburg und Erding vor dem Schlachthof in Waldkraiburg. Mit der Lichter-Aktion gedachten sie der Tiere, die täglich an diesem Ort ihr Leben lassen müssen. Zugleich setzten sie ein Zeichen, um auf das große Leid aufmerksam zu machen, das vielen Tieren widerfährt, wenn sie unzureichend betäubt ihre eigene Schlachtung miterleben müssen. Zahlreiche Menschen unterstützten die jungen Tierschützer. Während Kühltransporter und Lkws mit Containern für Schlachtabfälle im Minutentakt das Schlachthofgelände erreichten, beschrieben die Tierschützer in eindringlichen Reden und Gedichten den achtlosen Umgang mit

den Lebewesen, die die Gesellschaft als Nutztiere bestimmt hat. Sie zählten aber auch ein paar Lichtblicke auf: So steige die Zahl derer an, die immer öfter auf den Konsum von Fleisch verzichten. Weltweit gebe es bereits über 600 Millionen Vegetarier – ein Teil davon ernähre sich sogar ganz ohne tierische Produkte. Die

Tierschützer richteten einen Appell an die Menschen, mit bewusstem und nachhaltigem Konsum am besten auf dem eigenen Teller anzufangen.

TIERHEIM EISENACH

SCHÜLER AUF ERKUNDUNGSTOUR 1

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

1 Dorothea Pacholski, Landesjugendbeauftragte von Thüringen, im Einsatz.

TIPP Tierheime, die Hilfestellung bei der altersgerechten Aufbereitung einer Tierheimführung benötigen, berät der Deutsche Tierschutzbund gerne: Telefon: 0228/60496-57, E-Mail: info@jugendtierschutz.de

Statt Mathe oder Deutsch stand ein Tag Tierschutz im Tierheim Eisenach auf dem Stundenplan der fünften bis sechsten Klassen der Franz von Assisi Reformschule in Ilmenau. Der Ausflug zum Tierheim war Bestandteil eines Preises, den die Marke Crownfield im Rahmen der Aktion Professor Fox ausgelobt hatte. Mit heißen Getränken begrüßte Gerhard Fischer, erster Vorsitzender des Landesverbandes Thüringen, die Schüler, Dorothea Pacholski, Landesjugendvertretung Thüringen, und Irmina Madaj vom Deutschen Tierschutzbund. Die Jugendlichen starteten in zwei Gruppen in den Projekttag. Sie beobachteten während der Führung das Verhalten der Tiere. Anschließend besprachen sie, wie man am besten auf bestimmte Verhaltensweisen eines Tieres reagiert. Zubehör für Hunde, Katzen und andere Bewohner des Tierheims gibt es sehr zahlreich, doch welches ist geeignet und tiergerecht? Dieser Frage nahmen sich die Kinder an und suchten das Zubehör heraus, das in die Wohnung gehört, damit sich das tierische Familienmitglied wohlfühlt. Auch wie wichtig es ist, das Haustier zu kennzeichnen und mit einem Chip im Deutschen Haustierregister zu registrieren, konnten die Kinder nachvollziehen. Am Ende des Tages hatten die Schüler eine Menge über Tiere und Tierschutz erfahren, ohne im Klassenzimmer gesessen zu haben. So müsste Schule eigentlich immer sein.

Termine für an Tierschutz interessierte Kinder und Jugendliche unter www.tierschutzbund.de/jugendtermine DU UND DAS TIER 1/2015

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TIERSCHUTZZENTRUM WEIDEFELD

ES IST IMMER VIEL ZU TUN

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1 und 4 Die Schweine genießen die naturnahe Haltung. 2 Das Kanadagans-Pärchen samt Nachwuchs im letzten Jahr. 3 Ab März erwarten die Mitarbeiter im Tierschutzzentrum Weidefeld wieder Wildtierbabys wie dieses. 5 Hund Turbo

hat endlich ein neues Zuhause gefunden. 2

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PROJEKTE

Im Tierschutzzentrum Weidefeld ist immer etwas los. Informieren Sie sich, wie der Arbeitsalltag mit den Tieren aussieht, wie die Tiere über den Winter gekommen sind und welche neuen Projekte anstehen. Von Nadia Wattad

Der Winter in Schleswig-Holstein ist mild verlaufen, sodass es im Vergleich zu den Vorjahren eher weniger Wintergäste im Tierschutzzentrum gab. Waren es sonst auch mal 90 Igel, die über den Winter gebracht werden mussten, so 2014/15 gerade mal zehn Stacheltiere. Auch Greifvögel hatten diesmal offenbar keine Schwierigkeiten, ausreichend Nahrung zu finden. Geschwächte Eulen oder Bussarde haben die Hilfe des Teams jedenfalls kaum in Anspruch genommen. Auch von Stürmen blieb das Tierschutzzentrum des Deutschen Tierschutzbundes weitgehend verschont. Während 2013 Sturm Christian 50 Bäume zum Opfer gefallen waren, ist diesmal nur eine Kiefer umgefallen. „Die Tiere sind bei uns vor Stürmen gut gesichert. Da, wo sich die meisten gefährdeten Bäume befinden, liegt unsere naturnahe Schweinehaltung. Die Schweine haben drei ehemalige Bunker zur Verfügung, die die schlauen Tiere bei Sturm aufsuchen – und da sind sie auf jeden Fall sicher“, so Katrin Umlauf, Leitung des Tierschutzzentrums Weidefeld. Dass der Frühling in den Startlöchern steht, zeigt auch schon das Kanadagans-Pärchen. „Die beiden turteln mehr miteinander und verhalten sich unwirscher gegenüber den Tierpflegern“, erläutert Umlauf. Die ersten Tierbabyfunde müssten auch bald kommen – meist in den Monaten März und April. Erfreuliche Nachrichten gibt es aus dem Lissi Lüdemann-Haus. Hier konnte der Hund Turbo Ende letzten Jahres in neue Hände vermittelt werden. Sein Platz ist bereits durch den Neuankömmling Sammy, ein vierjähriger schwarzer Mischlingsrüde, besetzt. Dieser war vorher als Fundhund in einem Tierheim gelandet, wo er sich von den Mitarbeitern nicht handeln ließ. Für dieses Jahr stehen einige Pläne an: Die Papageien bekommen eine Krankenstation und der Bau eines Reptilienhauses für die zahlreichen Schildkröten steht in den Startlöchern.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

TIERPFLEGERIN NADINE KOHRS ÜBER IHREN ARBEITSALLTAG „Um 8 Uhr fange ich an zu arbeiten. Der Tag beginnt mit einer kurzen Besprechung. Danach starte ich in die morgendliche Kontrollrunde, in der ich alle Tiere begutachte und ich mich davon versichere, dass alle wohlauf sind. Danach beginnt die Fütterung, gefolgt von den Reinigungsarbeiten. Die Beschäftigung der Tiere steht dann auch noch an – vor allem der Hunde im Lissi Lüdemann-Haus. Dazu gehören Spazierengehen, aber auch Trainings, zum Beispiel mit dem Maulkorb, oder Leinen- und Clickertraining. Das geht dann so lange, bis die Abendversorgung folgt – das heißt füttern, gegebenenfalls die Tiere in ihre Bereiche bringen und nach dem Rechten sehen. Einen Arbeitsalltag als solchen gibt es aber nicht. Abgesehen von der Fütterung und den Reinigungsarbeiten stehen jeden Tag andere Aufgaben an. Mal hole ich ein in Not geratenes Wildtier ab, dann fahre ich zum Tierarzt oder hole Futterspenden und so weiter. Das Betreuen der Besucher gehört auch zu den Aufgaben der Tierpfleger.“

ZWEI FRAGEN AN NADINE KOHRS Mit welchen Tieren kommen Sie am besten zurecht? Besonders die Greifvögel haben es mir angetan. Aber auch die Arbeit mit den Hunden macht mir sehr viel Spaß. Da ich im Tierschutzzentrum auch meine Ausbildung durchlaufen habe, darf ich auch mit den schwierigen Hunden arbeiten. Der Frühling ist in Sicht. Welche Vorbereitungen müssen Sie treffen? Da unsere Einrichtung sehr viele verwaiste Wildtierkinder, also Hasen, Marder, Kaninchen und Nestlinge aller Art in den Frühjahrsmonaten bis zum Sommer bekommt, bereiten wir die Gehege vor und kümmern uns darum, dass alle Utensilien, wie Wärmedecken und -lampen, Fläschchen oder Nuckel, bereitgestellt sind. Wir müssen außerdem dafür sorgen, dass die Vorräte für spezielle Futtermittel wie Aufzuchtmilch für Säuger oder Insekten für Vögel aufgefüllt sind.

INFO Tierschutzzentrum Weidefeld

Auf großen Flächen eines ehemaligen Militärgeländes weiden Ziegen und Schafe, die aus verwahrlosten Haltungen kommen, und genießen Pferde Bewegungsfreiheit im Offenstall. Hier scharren Hühner, schnattern Gänse, suhlen sich Hängebauchschweine und erholen sich kranke, verwaiste oder verletzte Wildtiere, die das Team aufpäppelt und auswildert. Selbst Affen erholen sich hier von ihrer schlechten Haltung. In einer Seevogelrettungsstation können zudem ölverseuchte Vögel behandelt werden.

TIPP

Tierheime, die Hilfestellung bei der altersgerechten Aufbereitung einer Tierheimführung benötigen, berät der Deutsche Tierschutzbund gerne: Telefon: 0228/ 60496-57, E-Mail: info@jugendtierschutz.de DU UND DAS TIER 1/2015

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REUTLINGEN

NEUE UNTERKUNFT FÜR HUNDE Nach knapp zwei Jahren Bauzeit hat der Tierschutzverein Reutlingen u. U. das neue Hundehaus „Villa Wuff“ eingeweiht. Mit dem Neubau können nun neue Anforderungen an eine artgerechte Hundehaltung umgesetzt werden. Der Neubau ist Teil eines Modernisierungsplans im Tierheim Reutlingen. Die ehemaligen, 50 Jahre alten Hundehäuser des Tierheims entsprachen nicht mehr den aktuellen rechtlichen Vorgaben zur Hundehaltung und waren unter anderem durch zu hohe Energiekosten nicht mehr tragbar. Auch war eine Gruppenhaltung, auf dem Gelände des Tierheims bereits vorbildlich praktiziert, in den alten Häusern selbst nicht oder nur sehr bedingt möglich. Das neue Gebäude schafft großzügige Räum-

EUSKIRCHEN

ETHIK UND TIERVERSUCHE Tierschutzrecht-Sachverständiger des Deutschen Bundestages. Nida-Rümelin zeigte Verständnis dafür, dass der Deutsche Tierschutzbund unter den derzeitigen rechtlichen Voraussetzungen eine Mitarbeit in solchen Kommissionen ablehnt. Unabhängig von anderen Aspekten der Kommissionsarbeit habe die Bundesregierung mit dem novellierten Tierschutzgesetz eine fundierte ethische Bewertung von Tierversuchsanträgen verhindert.

BERLIN

NEUJAHRSEMPFANG Bundespräsident Joachim Gauck mit Lebensgefährtin Bettina Schadt empfängt Thomas Schröder vom Tierschutzbund im Schloss Bellevue.

FÜNF JAHRE SCHNAUZERGLÜCK Die RiesenSchnauzerNothilfe feiert in diesem Jahr ihr fünfjähriges Jubiläum. In dieser Zeit ist es dem Verein gelungen, insgesamt 278 Hunden ein neues Zuhause zu geben. Der gemeinnützige Verein kümmert sich um Schnauzer und Schnauzer-Mischlinge im gesamten deutschsprachigen Raum und sogar über dessen Grenzen hinweg. Notfälle aus schlechter Haltung oder Hunde, die aus verschiedenen Gründen ihre Besitzer verloren haben, werden in privaten Pflegestellen untergebracht und dann weitervermittelt. „Über 20.000 Pflegestellen-Tage, über 90.000 Fahrketten-Kilometer und Tierarztrechnungen über fast 90.000 Euro waren notwendig, um unsere Not-Schnauzer in ihr neues Glück zu geleiten“, resümiert Silke Reichert, die erste Vorsitzende des Vereins. „Sehr viel Geld für einen kleinen Verein wie uns – aber jeder Cent ist es wert!“ Zur Feier des Jubiläums startet die RiesenSchnauzerNothilfe verschiedene Foto-Aktionen auf der vereinseigenen Webseite. Weitere Infos unter www.riesenschnauzernothilfe.de

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© Fotos: Tierschutzverein Reutlingen u. U. e. V. (1), RiesenSchnauzerNothilfe e. V. (1)

MÜNCHEN

Wie können sog. Ethikkommissionen eine sinnvolle Rolle bei der behördlichen Prüfung von Tierversuchen spielen? Zu dieser Frage veranstaltete das Münchner Kompetenzzentrum Ethik der LMU ein Podiumsgespräch. Es diskutierten Roman Kolar vom Deutschen Tierschutzbund, der Leiter des Statistischen Beratungslabors an der LMU, Helmut Küchenhoff, und der Philosoph Julian Nida-Rümelin, Staatsminister a. D. und ehemaliger

lichkeiten mit großen Ausläufen, die eine flexible Gruppen- und Kleingruppenhaltung ermöglichen: „Die 14 neuen Gehege sind so angelegt, dass sie durch das Einfügen oder Wegnehmen von Zwischentüren auf die Körpergröße oder die Verträglichkeit der Hunde individuell angepasst werden können“, so Heidi Renner vom Tierschutzverein Reutlingen u. U. Die Baumaßnahmen für ein weiteres, zweites Hundehaus haben bereits begonnen.


PROJEKTE

SACHSEN

IM EINSATZ FÜR DIE TIERE 1

2

1 Joachim Rockmann, Michaela Angermann und Thomas Schröder 2 Thomas Schröder und Katrin Lingh

Bei einem Besuch in Sachsen, haben sich Thomas Schröder vom Tierschutzbund und Tierheimberater Patrick Kluge ein Bild von einigen Tierheimen vor Ort gemacht. Mitglieder vom Landesverband Sachsen des Deutschen Tierschutzbundes haben die beiden begleitet. So besuchten sie unter anderem Katrin Lingh vom Tierschutzverein Dahlen, die in Bungalows eines alten Hotels Katzen zusätzlich zu jenen auf dem Vereinsgelände unterbringt. Hier galt es unter anderem zu klären, wo Beratungsbedarf besteht und ob eine finanzielle Förderung notwendig ist. Nach einer Führung durch mehrere Bungalows, die sie mit viel Liebe zum Detail eingerichtet hat und in denen sich Lingh in Eigenregie um die Tiere kümmert, sagte Schröder eine Unterstützung von mehreren Tausend Euro, einen Heizkostenzuschuss und noch eine Futterspende zu. Der Tierschutzverein Borna konnte sich nach einem Gespräch und einer Führung über das Vereinsgelände ebenfalls über eine finanzielle Unterstützung für den Umbau des Hundehauses freuen. „Hier stecken wir in der Arbeit gerade richtig drin. Wir machen ja alles selbst und treffen uns dann auch häufig am Wochenende, damit es vorangeht“, so die erste Vorsitzende des Vereins, Michaela Angermann. Mit Unterstützung von zwei Handwerkern aus dem Ort, die unentgeltlich ihre Arbeitskraft in das Projekt investieren, haben die Ehrenamtlichen bereits den ganzen Innenbereich entkernt, den neuen Zwinger integriert und Fenster eingebaut. „Es macht alles sehr viel Arbeit, aber ich freue mich sehr, wenn wir fertig sind. Es wird viel heller, großzügiger und letztendlich für die Tiere schöner werden“, freut sich Angermann.

ITALIEN

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V. (2), Komitee gegen den Vogelmord e. V. (1)

MEILENSTEIN FÜR DEN VOGELSCHUTZ IN EUROPA Seit Jahren verstößt Italien gegen die geltende EU-Vogelschutzrichtlinie, die den Vogelfang in der gesamten EU bereits seit 1979 verbietet. Doch jetzt ist Schluss mit der Jagd auf Zugvögel. Auf Druck der EU hat Rom nun die letzten 92 Großfanganlagen in Norditalien geschlossen. Dieser Erfolg gebührt vor allem unserem Mitgliedsverein, dem „Komitee gegen den Vogelmord e. V. (CABS)“, der seit 39 Jahren gemeinsam mit zwei italienischen Naturschutzverbänden gegen die massenhafte Tötung von Singvögeln kämpft. Die Fanganlagen wurden genutzt, um an Lockvögel für die sogenannte Tarnhüttenjagd zu gelangen. Die eingefangenen Vögel wurden an den Tarnhütten in winzige Käfige gepfercht, um so weitere Artgenossen vor die Gewehre der Jäger zu locken.

„Das Verbot des Vogelfangs in Italien ist ein Meilenstein für den Zugvogelschutz“, erklärt Heinz Schwarze, erster Vorsitzender des CABS. Um die Tradition der Tarnhüttenjagd jetzt aufrechterhalten zu können, müssten die Jäger in Zukunft eigene Lockvögel züchten. Da dies deutlich mehr Aufwand und Kosten verursacht, wird diese Jagdmethode ein baldiges Ende ereilen.

AKTIV DEUTSCHER TIERSCHUTZPREIS

Zum 11. Mal verleihen wir in diesem Jahr den Deutschen Tierschutzpreis an Menschen, die sich in besonderem Maße für das Wohl der Tiere einsetzen. Die Bewerbungsfrist endet am 3. Juli 2015.

Richten Sie Ihre Bewerbung an: FUNKUHR - Redaktion Kennwort: Deutscher Tierschutzpreis Rotweg 8 76532 Baden-Baden oder per E-Mail an tierschutzpreis@funkuhr.de. Weitere Informationen und die Teilnahmebedingungen finden Sie im Internet unter www.tierschutzbund.de/ deutscher-tierschutzpreis.

Termine der Tierschutzvereine und weitere Meldungen im Internet finden Sie unter www.tierschutzbund.de/magazin. DU UND DAS TIER 1/2015

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DIE REGELN DAS SCHON Es wird als völlig selbstverständlich hingenommen, dass Tierheime kommunale Pflichtaufgaben übernehmen, obwohl rein rechtlich Städte und Gemeinden dafür zuständig sind – denn Fundtiere sind laut deutscher Gesetzgebung eine Fundsache. Bringt ein Finder also einen ausgesetzten Hund oder ein anderes herrenloses Tier in ein Tierheim, nehmen sich Mitarbeiter und Ehrenamtliche ihrer an. Das kostet Geld. Viel Geld. Auch das wissen Städte und Gemeinden, dennoch speisen sie die Tierschutzvereine meist mit Beiträgen ab, die die Kosten keineswegs decken.

IMPRESSUM

KOMMENTAR

Herausgeber und Redaktion: Deutscher Tierschutzbund e. V., In der Raste 10, 53129 Bonn Telefon: 0228-60496-0, Telefax: 0228-60496-40 Kontakt: www.tierschutzbund.de/kontakt Internet: www.tierschutzbund.de Verantwortlich im Sinne des Presserechtes: Thomas Schröder Redaktionsleitung: Nadia Wattad Mitarbeiter dieser Ausgabe: Franziska Hagen, Verena Jungbluth, Irmina Madaj, Verena Mißler, Caterina Mülhausen, Dr. Brigitte Rusche, Kristina Wagner Lektorat: Dr. Egbert Scheunemann Verlag: Süddeutscher Verlag onpact GmbH Hultschiner Str. 8, 81677 München

Absurd wird es allerdings, wenn eine Stadt Bürger darum bittet, aufgelesene Tiere erstmal selbst zu betreuen. In Krefeld ist dies tatsächlich passiert – wenn auch aus purer Verzweiflung, da ein jahrelang bestehender Vertrag der Stadt Krefeld mit dem Tierheim ausgelaufen war. Die Tragweite wird jedoch erst richtig klar, wenn man sich vorstellt, was das bedeutet, wenn einem eine Schlange, Schildkröte oder ein anderes exotisches Tier über den Weg laufen sollte. Aber das ist ja kein Problem – ein Karton ist sicherlich ausreichend, um eines dieser Tierchen über das Wochenende zu bringen … Ein weiteres ungelöstes Problem ist der Mindestlohn, der seit dem 1. Januar 2015 gilt – eigentlich eine gute und wünschenswerte Sache. Eines wurde jedoch dabei nicht bedacht, nämlich dass er je nach Region Probleme mit sich bringen kann. Kann ein Tierschutzverein also diese Kosten nicht aufbringen, so bleibt nur die Konsequenz, einem oder auch mehreren Mitarbeitern zu kündigen beziehungsweise im schlimmsten Fall das Tierheim zu schließen. Eine Übergangsfrist zur Umsetzung dieser gesetzlichen Regelung wäre wünschenswert gewesen. Viele Tierschutzvereine kämpfen seit Jahrzenten mit einer finanziellen Unterdeckung, was sich leider auch in zu niedrigen Löhnen widerspiegelt – da bleiben keine Rücklagen, um die Vorgabe eines Mindestlohns zu erfüllen.

Anzeigenleitung: Susanne Kögler Grafik und Litho im Auftrag des Verlages: dworak & kornmesser, agentur für kommunikationsdesign, Innere Wiener Straße 50, 81667 München Bildredaktion: Deutscher Tierschutzbund e. V. und dworak & kornmesser Abo-Service: Telefon: 089-2183–7266 Telefax: 089-2183–967266 Bezugsbedingungen: DU UND DAS TIER erscheint viermal im Jahr Bezugspreise: www.tierschutzbund.de/magazin Druck: pva, Druck und Medien-Dienstleistungen GmbH, Landau/Pfalz ISSN 0341-56759 Das Magazin ist gedruckt auf 100 % Recyclingpapier.

Für unverlangt eingereichte Manuskripte, Fotos und sonstige Druckunterlagen wird keine Haftung übernommen. Eine Rücksendung solcher Unterlagen ist nur gegen ausreichendes Rückporto möglich. Namentlich gezeichnete Beiträge stellen die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt auch die der Redaktion dar. Nachdruck, Übersetzungen und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, sind nur mit Zustimmung der Redaktion gestattet. Die Redaktion behält sich die Kürzung von Leserbriefen vor. Veröffentlichte Briefe sind keine Meinungsäußerungen der Redaktion.

KONTAKTE

Ein weiteres Problem ist die überwiegend alte Bausubstanz der Tierheime, mit denen sich die Mitarbeiter rumschlagen müssen. Diese entspricht häufig noch nicht mal den rechtlichen Vorgaben. Zumindest dies haben die meisten Bundesländer erkannt und gewähren Bauzuschüsse oder möchten dies zumindest laut Koalitionsvertrag – bis auf Bayern, das Bundesland, das von sich behauptet, dass dort die Laterne hängt. Von wegen! Dabei hatte Staatsminister Dr. Markus Söder, der sich gerne als Tierfreund ablichten lässt, zu seiner Zeit als Umweltminister bei der Verleihung des Bayerischen Tierschutzpreises 2011 in Nürnberg auf die Frage, warum kein Geld für den Tierschutz in Bayern vorhanden ist, gesagt: “Da müssen Sie sich an den Finanzminister wenden.” Ironischerweise wurde dann Söder Finanzminister – und was ist passiert? Nichts! Seitdem gilt der bayerische Tierschützer als Baron Münchhausen. Und er scheint es auch weiterhin zu bleiben, denn im Entwurf des Staatshaushaltes 2015/2016 findet sich wieder kein einziger Cent für die Arbeit der Tierschutzvereine und der Tierheime. Dafür wurden die Tiernutzer im Doppelhaushalt 2015/2016 wieder großzügig bedacht: Ob Bayerischer Bauernverband, Bayerischer Landesjagdverband, Fischereiverband – alle können sich über finanzielle Unterstützung freuen. Da bleibt natürlich auch noch Geld übrig, um eine Tierversuchsanstalt im Freistaat neu zu errichten – mit Steuergeldern versteht sich und in einer Größenordnung von mehreren 100 Millionen Euro. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Nadia Wattad

Herstellungsleitung: Hermann Weixler

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Hotlines: Service-Hotline Bundesgeschäftsstelle 0228-60496-0 Deutsches Haustierregister und Deutsches Tierdiebstahlregister 0228-60496-35 Spenden-Hotline 09001-226688 (nur aus dem deutschen Festnetz). Sie spenden € 5,00. Internet: www.tierschutzbund.de, www.tierschutzlabel.info www.jugendtierschutz.de Social Web: www.facebook.com/tierschutzbund, www.twitter.com/tierschutz_bund, www.youtube.com/tierschutzbundTV plus.google.com/+tierschutzbund Kostenloser Service: Melden Sie Ihr Haustier online im Deutschen Haustierregister an: www.registrier-dein-tier.de

Spendenkonto des Deutschen Tierschutzbundes Sparkasse KölnBonn, BLZ: 370 501 98, Konto-Nr.: 40 444 IBAN: DE 88 37050198 0000040444, BIC: COLS DE 33 Spenden sind steuerlich absetzbar.


DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND E. V. In der Raste 10, 53129 Bonn, Tel.: 0228/60496-0, Fax: 0228/60496-40

SCHLUSS MIT TIERVERSUCHEN! Im Koalitionsvertrag der SPD/CDU steht: „Die Koalition wird sich für die Einschränkung von Tierversuchen einsetzen und verstärkt tierversuchsfreie Forschungsmethoden fördern.“ Mit dem Neubau am Max-Delbrück-Centrums (MDC) auf dem Campus Berlin-Buch wird das Gegenteil bewiesen: Hier soll die größte Tierversuchsanlage Deutschlands entstehen – für geschätzte 25 Millionen Euro öffentlicher Gelder. Der Deutsche Tierschutzbund fordert zusammen mit dem Bündnis Tierschutzpolitik Berlin, dem Koalitionsvertrag gerecht zu werden und endlich alternative Forschungsmethoden zu fördern! Berlin darf nicht Hauptstadt der Tierversuche bleiben, sondern muss Hauptstadt der tierversuchsfreien Forschung werden! Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Unterschrift, den Tieren zu helfen!

NAME, VORNAME

STRASSE

PLZ, ORT

UNTERSCHRIFT

Bei Interesse bitte ankreuzen Ausgefüllte Unterschriftenliste bitte baldmöglichst zurücksenden an: Deutscher Tierschutzbund e. V., In der Raste 10, 53129 Bonn, Tel.: 0228/60496-0, Fax: 0228/60496-40

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Die Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes werden beachtet.

Bitte senden Sie mir weitere Informationen1


WILDTIERKINDER

SIE HABEN FRAGEN?

ZURÜCK IN DIE WILDNIS Spätestens im Spätsommer heißt es für die meisten Abschied nehmen: Kaninchen und Hasen, Marder und Iltisse und auch unsere gefiederten Freunde suchen sich ein neues

✗ Ja, ich helfe Wildtierkindern und werde Pate!

Hiermit ermächtige ich den Deutschen Tierschutzbund e.V., meinen Patenschaftsbeitrag 3 Euro oder

Euro monatlich für die Wildtierkinderstation im Tierschutz-

zentrum Weidefeld per Lastschrift ab

zur Wildtierkinderpatenschaft hilft gerne weiter: Heike Berreßem Tel.: 0228-60496-29 berressem@tierschutzbund.de

HELFEN SIE WILDTIERKINDERN! Helfen Sie als Pate, kleine Wildtierbabys zu retten! Es lohnt sich: Jeder Pate erhält eine Patenurkunde, regelmäßige Infos und einmal im Jahr die Gelegenheit, das Zentrum in einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter unter kompetenter Führung kennenzulernen.

von

IHRE ANSPRECHPARTNERIN

Revier. Sie machen Platz für verwaiste Igelbabys, die dann Einzug halten. Fast alle Tiere können wieder ausgewildert werden: Nur zu schwache oder in Deutschland ursprünglich nicht heimische Wildtiere wie beispielsweise unsere Waschbären bleiben als Dauergäste in Weidefeld. Die drei Rehböckchen fanden in einem nahegelegenen Wildgehege ein artgerechtes und sicheres Zuhause.

© Deutscher Tierschutzbund e.V.

Schon mit 3 Euro im Monat begleiten Sie unsere „wilden“ Sorgenkinder, bis sie auf eigenen Pfötchen stehen und in die freie Wildbahn entlassen werden können. Als Pate erhalten Sie einmal im Jahr einen Bericht über unsere „Neuzugänge“ im Frühjahr und einen Auswilderungsbericht zum Ende des Sommers.

Zu den Gästen in der Wildtier-Kinderstube zählten 2014 erstmals auch drei kleine Rehböckchen. Mit gehaltvoller Erstlingsmilch alle zwei Stunden gelang es den Tierpflegern, alle drei durchzubringen.

von meinem Konto einzuziehen.

Kontoinhaber IBAN / Konto-Nr.

(Wir passen Ihre Daten an SEPA an.)

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Ich ermächtige den Deutschen Tierschutzbund e. V. (Gläubiger-ID: DE83TSB00000030776), Zahlungen von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut an, die vom Deutschen Tierschutzbund e. V. auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Meine regelmäßige Hilfe kann ich jederzeit beenden. Die Mandatsreferenz wird mir separat mitgeteilt.

Geldinstitut

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Bitte Vorder- und Rückseite ausfüllen und möglichst in einem verschlossenen Umschlag zurückschicken an: Deutscher Tierschutzbund e.V., In der Raste 10, 53129 Bonn

424M787

WERDEN SIE PATE FÜR WILDTIERKINDER!

Jedes Frühjahr geht es hoch her in der Wildtierkinderstation im Tierschutzzentrum Weidefeld: Tag und Nacht rühren die Tierpfleger Milch an, geben Fläschchen, bauen Höhlen und gemütliche Nester für den verwaisten, frierenden Nachwuchs.

© Deutscher Tierschutzbund e.V.

© Deutscher Tierschutzbund e.V.

IN DER KINDERSTUBE DER WILDTIERBABYS


WILDTIERKINDER

DU MACHST MICH GANZ WILD! © Deutscher Tierschutzbund e.V.

Das Marderbaby passt bequem in eine Hand, ebenso die winzigen Kaninchen und die drei neugeborenen Igelkinder. Wer in Norddeutschland ein hilfloses Wildtierjunges findet, bringt es in die Aufzuchtstation im Tierschutzzentrum Weidefeld. Werden Sie Pate für unsere Wildtierkinder! Engagierte Tierpfleger kümmern sich liebevoll um sie, bis sie auf eigenen Pfötchen stehen können. Unterstützen Sie dies mit einer Patenschaft.

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schutzzentrum Weidefeld/Schleswig-Holstein

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