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du und das tier 1|2013

Tierschutz aus erster Hand

43. Jahrgang | ISSN 0341-5759

Tierschutzlabel

Zeichen für ein besseres Leben

LEBENDHÄLTERUNG

Das Leid der Krustentiere

AGRARPOLITIK

Protest gegen Tierfabriken

ELEFANTENSCHUTZ

Stoppt die Wilderei


Damit Tieraugen leuchten. Seit 端ber 20 Jahren unterst端tzen Pedigree速 und Whiskas速 den Deutschen Tierschutzbund und Tierheime in ganz Deutschland. Weil wir Tiere lieben.

Partner des Deutschen Tierschutzbundes

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[ EDITORIAL] Thomas Schröder, Präsident

Für ein besseres Leben Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, lassen Sie mich das Editorial dazu nutzen, zu aktuellen Vorwürfen gegen das von uns entwickelte Tierschutzlabel Stellung zu nehmen. Viele von Ihnen werden gehört oder gesehen haben, dass in einem undifferenzierten Fernsehbeitrag massive Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Tierschutzlabel auch gegen den Deutschen Tierschutzbund erhoben wurden. Wir haben alles getan, die ungerechtfertigten Vorwürfe zu entkräften. Auch deshalb haben wir in dieser Ausgabe von du und das tier nochmals ausführlich unseren Labelansatz dargestellt (s. Seite 10 ff.) Ich bitte Sie, die Seiten aufmerksam zu lesen und möchte anmerken: Der direkteste Weg hin zu mehr Tierschutz ist der Fleischverzicht. Trotz aller Appelle zur fleischlosen Ernährung essen die Deutschen heute im Durchschnitt jedoch mehr – nicht weniger – Fleisch. Davon betroffen sind Millionen Tiere, die in den strukturlosen und tierschutzwidrigen konventionellen Haltungen hochgemästet werden. Wir haben seit Jahrzehnten neue gesetzliche Standards gefordert. Forderungen alleine, das ist die bittere Bilanz, haben bisher keinen Durchbruch gebracht. Gerade deswegen dürfen wir diese Tiere nicht alleine lassen. Zugleich müssen wir erkennen, dass Veränderungen hin zu mehr Tierschutz – leider – nur schrittweise möglich sind. Und auch nur gemeinsam mit denen, die Tiere halten bzw. „vermarkten“. Erinnern Sie sich an die Debatte über die Käfigeier? Die Frage eines Tierschutzlabels gleicht dieser Bewegung, denn auch da war es nicht der Gesetzgeber. Wir hatten damit begonnen, marktführende Unternehmen zu finden, die die Käfighaltung ad absurdum führten und die Käfigeier aus dem Sortiment nahmen. Damit hatten wir noch nicht alle Hühner in der Freilandhaltung, aber sie waren eben nicht mehr im engen Käfig. Und wo sind wir heute? Nahezu überall sind die Käfigeier aus dem Handel genommen. Der Kampf ist noch nicht zu Ende. Trotzdem sind Sie mit uns sicher einer Meinung, dass das ein wichtiger Schritt hin zu mehr Tierschutz war und ist – mit dem Verbraucher.

Wir haben uns jetzt vorgenommen, den Millionen Tieren zu helfen, die in der Intensivmast gehalten werden – und zwar so schnell wie möglich. Die Entscheidung, ein zweistufiges Label „Für Mehr Tierschutz“ einzuführen, haben wir uns nicht leicht gemacht. Das ging schon meinem Vorgänger im Amt, Wolfgang Apel, so. Das Label umfasst die gesamte Kette: Zucht, Haltung, Transport und Schlachtung. Es informiert die Verbraucher, unter welchen Bedingungen die Tiere gelebt haben. Sie sollen wissen: Billigfleisch stammt von Tieren, die in industrieller Intensivhaltung leben mussten – mit allen negativen Folgen. Noch ein Wort zu den Vorwürfen, die in der Fernsehsendung erhoben wurden: Sofort nach der Sendung haben wir die Höfe erneut kontrolliert. Es gab zwei Tiere in einem Bestand von 1.000 Schweinen, die Verletzungen zeigten. Das wird in einer Tierhaltung nie zu verhindern sein. Aber die Fernsehbilder haben genau diese Tiere gezeigt. Natürlich ist die Haltung nach Einstiegsstufe nicht das, womit das Tierschutzherz zufrieden ist, zufrieden sein darf. Aber es gibt keinen anderen Weg, jetzt und sofort Tieren in der konventionellen Haltung mehr Platz, mehr Beschäftigung, kürzere Transportwege und einen respektvolleren Umgang bis zum Tod im Schlachthof zu verschaffen. Wir hoffen, dass die Verbraucher sich nun selbstbewusst für mehr Tierschutz entscheiden. Bisher kommen noch etwa 99% des Fleisches, das gegessen wird, aus konventionellen Intensivhaltungen. Wenn nicht jetzt, wann und wie können wir etwas für die Tiere bewirken? Das wird auch die Politik unter Druck setzen, die gesetzlichen Mindeststandards endlich den Erwartungen der Tierschützer, und des Verbrauchers anzupassen. In diesem Sinne möchte ich Sie bitten: Schauen Sie auf die vielen Dinge, die wir positiv bewegen können. Unterstützen Sie den Deutschen Tierschutzbund auch in diesem wichtigen Wahljahr. Die Tiere haben ein Recht auf unseren Beistand. Herzlichst Ihr

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[ I N H A LT ] KONTAKT Deutscher Tierschutzbund e. V. Baumschulallee 15 53115 Bonn Telefon 0228-60496-0, Telefax 0228-60496-40 www.tierschutzbund.de/kontakt.html

du und das tier 1/2013 Alle Titelthemen sind mit einem

✘ gekennzeichnet

6 Kurz und knapp

Lebendhälterung von Speisefischen

Service-Hotline, Bundesgeschäftsstelle Telefon 0228-60496-0

Tiertransporte Bürgervotum setzt sich durch

und Krustentieren

Deutsches Haustierregister ® und Deutsches Tierdiebstahlregister Rund um die Uhr: Telefon 0228-60496-35

Unterstützung erbeten Neujahrsempfang

Das stille Leiden der „Delikatessen“

des Bundespräsidenten

Tierschutzgesetz

Heimtierstudie Die Deutschen und ihre

Änderung beschlossen

Hotlines

Spenden-Hotline: Telefon 09001-226688 (nur aus dem deutschen Festnetz). Sie spenden € 5,00

Deutscher Naturschutzring Neuer Präsident

Internet

36 Vor Ort

Tierversuche Alle elf Sekunden stirbt ein Tier

Altenburg Diskussion über Wildtiere

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Land-

im Zirkus

Heimtiere

wirtschaft Neuer Vorstand Olympische Winterspiele 2014 Appell an Wladimir Putin Bundesjagdgesetz Regierung beugt sich der Jägerlobby

FOTOS/TITEL: ISTOCKPHOTO.COM/A. STANHOPE, PANTHERSTOCK.COM/D. WILLUHN, DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND E. V.

Pelze und Pelzprodukte Schweiz führt www.tierschutzbund.de Hier finden Sie tagesaktuelle Meldungen, Hintergrundinformationen und Aktionsmöglichkeiten. Für Kinder und Jugendliche gibt es die Seiten www.tierschutzkids.de und www.jugendtierschutz.de

Kennzeichnungspflicht ein

Pfaffenhofen Eine pfundige Idee Großenhain Hundeplatz ausgebaut Baden-Württemberg Gestüt Marbach verzichtet auf Schenkelbrand Leser fragen Vogelfütterung Berlin Erfolgreiche Themenführungen Altentreptow Strafanzeigen gegen

10 Titelthema ✘

Phönix’ Mörder

Tierhaltung in der Landwirtschaft

Nordrhein-Westfalen Info-Tag des

Hoffnung für Millionen

Landesverbandes

Tierschutzlabel

Social Web

Italien Laufen für den Tierschutz

Zeichen für ein besseres Leben

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Für mehr Tierschutz

Wiedervorlage Keine Bewährung für

Online spenden

Elfenbeinschmuggel Dramatischer Anstieg

www.tierschutzbund-spenden.de

Tierschutz-Podcast Wer immer gut informiert sein möchte, hat die Möglichkeit, die Tierschutznachrichten zu abonnieren: www.tierschutzbund.de/ podcast.html

Kostenloser Service Melden Sie Ihr Haustier online im Deutschen Haustierregister® an: www.registrier-dein-tier.de

Spendenkonto des Deutschen Tierschutzbundes Sparkasse KölnBonn BLZ 370 501 98, Konto-Nr.: 40 444 IBAN: DE 88 37050198 0000040444, BIC: COLS DE 33 Spenden sind steuerlich absetzbar.

Interview mit Dr. Brigitte Rusche

16 Draußen ✘ der Elefantenwilderei

1/2013

München Petition für ein Verbandsklagerecht Essen 4 Räder für 4 Pfoten Hessen Pferdesteuer in drei Gemeinden Kiel Eröffnung des neuen Tierschutzhauses

18 Jugend

Köln Ausgezeichnete Tierschutzlehrer-

Weiterstadt Tierdankfest auf der Keller-Ranch

Ausbildung

Tierschutzkids Wertheim Erfolgreiche

Mechernich Benefiz-Radtour für

Halbjahresbilanz

neuen Zaun

Baden-Württemberg Erfahrungsaustausch

Hildesheim Wolfskoffer für Schulen

der Jugendgruppenleiter

Italien Stiftung Mondo Animale

Bayern Aktion gegen das Leid der Pelztiere

Mecklenburg-Vorpommern 100.000 Euro

20 Für Sie gelesen

für Tierheime

22 Das vegane Rezept

klagerecht kommt

27 Aktuell ✘

Baden-Württemberg Das VerbandsWaiblingen Weil jedes Leben zählt

Internationale Grüne Woche

46 Nachruf

Transparenz für die Verbraucher

Trauer um Dr. Wolfgang Goldhorn

Demonstration Wir haben Agrarindustrie satt

4 du und das tier

jahrelange Tierquälerei

46 Impressum


[ im

fokus]

Seit über einem Jahr widersetzen sich deutsche Nerzfarmer dem geltenden Gesetz.

Pelzfarmen

A

m 12. Dezember 2012 jährte sich der Tag, an dem die nächste Stufe der Pelztier­ haltungsverordnung in Kraft trat. Seit Dezember 2011 hätten die Betreiber von Nerzfarmen in Deutschland ihren Tieren Gehege mit einer Mindestflä­ che von 3 m2 zur Verfügung stellen müssen. Jeder Nerz müsste mindes­ tens 1 m2 Platz für sich haben. Doch keine deutsche Nerzfarm hält dies derzeit ein. 17 Pelztierfarmen haben seit 2007 zwar infolge der neuen Vorschriften

geschlossen. Die verbliebenen zwölf Farmen klagen jedoch gegen die hö­ heren Tierschutzauflagen. Sie weigern sich, diese umzusetzen. Fünf Jahre hatten die Nerzfarmbetreiber Zeit, um sich auf die nächste Stufe der 2006 erlassenen Pelztierhaltungsverord­ nung vorzubereiten. Fünf Jahre, die sie verstreichen ließen, ohne in Um­ bauten oder neue Käfiganlagen zu investieren. Etwa 200.000 Nerze mussten da­ raufhin auch 2012 wieder in apfel­ sinenkistengroßen Käfigen dahin­

vegetieren, anstatt sich wenigstens in den ihnen rechtlich zustehenden Gehegen bewegen zu können. Im Spätherbst / Frühwinter wurden die Tiere getötet. Damit 2013 nicht wieder trächtige Muttertiere in den Käfigen sitzen, wäh­ rend den Veterinärämtern die Hände gebunden sind, sollten die Gerichte zeitnah ein Grundsatzurteil fällen. Sie könnten sich dabei an der aktuellen Entscheidung der Niederlande orien­ tieren. Dort sind Nerzfarmen ab 2024 aus ethischen Gründen verboten. du und das tier  1/2013  5

Fotos: imago

Geltendes Recht wird missachtet


[ KURZ

UND KNAPP] Die EU-Kommission ist aufgefordert, die Transportzeiten zu begrenzen.

Termin Evangelische Akademie Hofgeismar 11.–12. April 2013 Grüner und gerechter? EU-Agrarreform und heimische Landwirtschaft Die Europäische Union bereitet eine Reform ihrer Agrarpolitik vor. Lange hat sich die öffentliche Diskussion vor allem auf die Rahmenbedingungen konzentriert, die von der Europäischen Union vorgegeben werden. Diese Bedingungen konkretisieren sich derzeit. Die Tagung wird über den Stand des Reformprozesses informieren. Grundsätze für eine zukunftsfähige Agrarpolitik werden ebenso diskutiert wie die geplanten Reformvorhaben. Schließlich wird zu fragen sein, auf welchen Wegen eine Mitgestaltung der Agrarpolitik in den kommenden Jahren möglich ist. Beginn: 11. April 2013, 10.30 Uhr Tagungsort: Evangelische Tagungsstätte Hofgeismar, Gesundbrunnen 8, 34369 Hofgeismar. Das Tagungssekretariat ist am Anreisetag von 8.00 bis 18.00 Uhr erreichbar. Anmeldung (Tagungsnummer 13241): Schriftlich bis zum 4. April 2013: Evangelische Akademie, Gesundbrunnen 8–11, 34369 Hofgeismar; Fax: 05671/881-154; E-Mail: ev.akademie. hofgeismar@ekkw.de; Internet: www. akademie-hofgeismar.de Tagungskosten: € 98,50 (inkl. Tagungsbeitrag/Vollverpflegung/Einzelzimmer) € 92,50 (inkl. Tagungsbeitrag/Vollverpflegung/Zweibettzimmer) € 71,50 (inkl. Tagungsbeitrag/Verpflegung o. Frühstück) € 35,00 Tagungsbeitrag SchülerInnen, Studierende und Auszubildende bis 35 Jahre erhalten 50% Ermäßigung.

6 du und das tier

1/2013

Tiertransporte

Bürgervotum setzt sich durch Mehr als eine Million Unterschriften hatte die Kampagne 8hours gesammelt, um die Transportzeiten lebender Tiere auf acht Stunden zu begrenzen (siehe auch du und das tier 4/2012). Auch die Mehrheit der EU-Parlamentarier hatte diese Forderung unterstützt. Im Dezember nahm das EU-Parlament nun den Bericht des EU-Abgeordneten Janusz Wojciechowski zum Tierschutz auf Transporten an. Er schlägt darin nicht nur eine definitive Begrenzung von Tiertransporten auf acht Stunden vor, sondern auch weitere Verbesserungen des Tierschutzes – vor, während und nach den Transpor-

ten. 552 Mitglieder des EU-Parlaments (von 750) stimmten für den Bericht. Der Deutsche Tierschutzbund hatte im Vorfeld der Abstimmung die Parlamentarier in einem persönlichen Schreiben gebeten, diesen Bericht anzunehmen, der auch strengere veterinärmedizinische Kontrollen und eine schärfere Ahndung von Verstößen vorsieht, Das klare Votum setzt die EU-Kommission noch stärker unter Druck. Sie ist jetzt gefordert, zügig eine Gesetzesnovelle zu verabschieden, die eine Begrenzung auf acht Stunden für alle Tiertransporte verbindlich vorschreibt.

Unterstützung erbeten

Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Anlässlich des Neujahrsempfangs des Bundespräsidenten, zu dem er eingeladen worden war, bat Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Joachim Gauck um Unterstützung für die Anliegen des Tierschutzes. Er lud ihn ein, ein Tierheim oder eine Einrichtung des Deutschen Tierschutzbundes zu besuchen. Am Rande des Empfangs nutzte Schröder die Gelegenheit, mit Bundesministern, Ministerpräsidenten und Abgeordneten des Deutschen Bundestages zu sprechen und sich mit Vertretern anderer Verbände auszutauschen.

Thomas Schröder überreichte Bundespräsident Joachim Gauck eine DVD zur Arbeit des Deutschen Tierschutzbundes.


Heimtier-Studie 2013

Die Deutschen und ihre Heimtiere 22 Millionen Katzen, Hunde, Kleintiere, Vögel und Fische gibt es in Deutschland. In jedem dritten Haushalt leben Tiere als Begleiter, Alltagshelfer und Ansprechpartner. Im sozialen, gesundheitlichen und pädagogischen Bereich geht die Bedeutung von Heimtieren über die Rolle als Familienmitglied jedoch noch hinaus. Die Gesellschaft verändert sich. Immer mehr Menschen leben allein, die Deutschen werden älter und brauchen mehr Pflege. Leistungsdruck, weniger verlässliche Strukturen und künstliche Welten bestimmen zunehmend den Alltag. Heimtiere haben das Potenzial, die negativen Folgen dieser gesellschaftlichen Veränderungen zumindest zu mildern. Dies ist eine der Kernaussagen der MarsHeimtier-Studie 2013 zur Bedeutung von Heimtieren für Bildung, Sozialleben, Gesundheit und Wirtschaft. Renommierte Wissenschaftler berichten darin über

den aktuellen Stand der Forschung, Experten aus unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen kommen in Gastbeiträgen zu Wort. Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, hob in seinem Beitrag und gegenüber den Journalisten auf einer Pressekonferenz in Berlin die gesellschaftliche Bedeutung des Tier- und Naturschutzes hervor. Er erläuterte aktuelle politische Forderungen zur Verbesserung der Situation der Heimtiere und der Tierheime in Deutschland und erklärte: „Der Deutsche Tierschutzbund und ich persönlich werden weiterkämpfen, damit die verantwortlichen Politiker endlich Taten folgen lassen.“ Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, appellierte in seinem Beitrag: „Wir brauchen ein völlig neues Tierschutzgesetz.“ Eine repräsentative Forsa-Umfrage, die exklusiv für die Mars-Heimtier-Studie durchgeführt wurde, belegt, dass selbst die meisten Nicht-Tierhalter die positiven Effekte von Heimtieren anerkennen und deren Wertschätzung in der Gesellschaft für zu gering erachten. Die Ergebnisse der Studie sind im Internet einzusehen: www.mars-heimtierstudie.de

Termin Evangelische Akademie Bad Boll Tierschutz in Europa 8.–10. März 2013 Auch im Tierschutz werden Gesetze der EU immer wichtiger, ebenso wie grenzüberschreitende Initiativen. Doch wie funktioniert Tierschutz in Europa? Von welchem Land lässt sich etwas lernen? Anfang 2012 hat die Kommission eine neue europäische Strategie vorgelegt: „Für den Schutz und das Wohlergehen von Tieren in den Jahren 2012 bis 2015“. Wo steht Europa im Blick auf den Tierschutz heute? Wie sehen die entsprechenden Strategien morgen aus? Was steht dem Tierschutz konkret entgegen? Welches Land setzt was vorbildlich um? Referenten und Sachverständige der Tagung sind unter anderem Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Dr. med.-vet. Elke Deininger, Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes, und Jochen Dettmer, Bundesgeschäftsführer

Deutscher Naturschutzring

Neuer Präsident FOTO: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND, IMAGO, MARS

Die Mitgliederversammlung des Deutschen Naturschutzringes (DNR), dem der Deutsche Tierschutzbund als Mitglied an-

gehört, hat Anfang Dezember 2012 Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, den bisherigen 1. Vizepräsidenten, zu seinem neuen Präsidenten gewählt. Vogtmann löst Hubert Weinzierl an der Spitze des DNR ab. Er ist Professor im Fachbereich Landwirtschaft an der Universität Gesamthochschule Kassel und hatte dort den bundesweit ersten Lehrstuhl für ökologischen Landbau inne. Vizepräsidenten wurden NABUBundesgeschäftsführer Leif Müller und die Vorsitzende des BUND, Undine Kurth, die auch Sprecherin für Tier- und Naturschutz der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen ist.

von NEULAND e.V. Beginn: 8. März. 2013 15.00 Uhr Tagungsort: Evangelische Akademie Bad Boll, Akademieweg 11, 73087 Bad Boll,Tel. 07164 / 79-0, Fax 07164 / 79-440 Anmeldung (Tagungsnummer 52 03 13): Evangelische Akademie Bad Boll, Kathinka Kaden, Sekretariat: Gabriele Barnhill, Tel. 07164 / 79-233, Fax 07164 / 79-5233, gabriele.barnhill@ev-akademie-boll.de Tagungskosten: € 80,00 Tagungsgebühr € 140,40 Zweibettzimmer/Dusche/WC € 165,40 Einzelzimmer/Dusche/WC € 55,80 Verpflegung ohne Frühstück,

Dr. Hartmut Vogtmann ist neuer Präsident des Deutschen Naturschutzringes.

ohne Unterkunft Ermäßigungen auf Anfrage möglich

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[ KURZ

UND KNAPP]

Tierversuche

Rund 200.000 Fische, 106.000 Vögel, 87.700 Kaninchen, 15.800 Schweine, 2.474 Hunde, 1.796 Affen und 585 Katzen mussten für Forscherehrgeiz und wirtschaftliche Interessen ihren Kopf hinhalten. Allein für Ausbildungszwecke ließen fast 68.000 Tiere ihr Leben, darunter 200 Affen und 2.300 Schweine, Für den Deutschen Tierschutzbund zeigt sich hier ein Einknicken der Bundesregierung vor der Forschungs- und Wissenschaftslobby. „Bei der nationalen Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie, die am 10. November 2012 hätte abgeschlossen sein sollen, hatte die Bundesregierung nicht das geringste Interesse, vorhandene Spielräume zu nutzen, um das maximal Mögliche für den Tierschutz zu erreichen“, so kommentierte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, die Statistiken. Deutschland hätte Versuche an Menschenaffen sowie an anderen Wirbeltieren, die zu schweren Leiden führen, ganz verbieten können. Das lässt die EU-

In Versuchen starben 2011 allein 2.036.606 Ratten.

Alle elf Sekunden stirbt ein Labortier Die Aufwärtsspirale der Tierqual in deutschen Labors geht weiter: 2011 wurden hierzulande fast drei Millionen Versuchstiere „verbraucht". Dies bedeutet einen erneuten Anstieg um zwei Prozent – 55.000 Tiere mehr im Vergleich zum Vorjahr, wie aus der Statistik des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hervorgeht. Besonders alarmierend: Im Bereich der Gentechnik wurden fast 9.000 Tiere mehr eingesetzt als 2010. Ein Viertel aller in Versuchen verwendeten Tiere ist demnach bereits gentechnisch manipuliert. Vor allem Mäuse, Ratten und Fische sind die Opfer von Wissenschaftlern, die das Erbgut von Tieren manipulieren, um künstlich Krankheitssymptome oder andere Effekte hervorzurufen, beispielsweise dass die Tiere im Dunkeln leuchten.

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)

Neuer Vorstand Maria Heubuch und Bernd Voß stehen seit November vergangenen Jahres an der Spitze der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Sie wurden von der AbL-Mitgliederversammlung mit überwältigenden Mehrheiten zu Vorsitzenden der AbL gewählt. Die Milchbäuerin Maria Heubuch aus dem Allgäu steht der AbL bereits seit 14 Jahren vor. Bernd Voß, Milchbauer aus SchleswigHolstein und Landtagsabgeordneter in Schleswig-Holstein, löste Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf ab, der 16 Jahre AbL-Bundesvorsitzender war. Als stellvertretende AbL-Vorsitzende sind Gertraud Gafus (Mutterkuhhalterin aus Bayern) sowie Bernd Schmitz (Milchbauer aus Nordrhein-Westfalen) bestätigt worden. Weitere Mitglieder des Vorstands sind Martin Schulz (NEULANDSchweinehalter aus Niedersachsen), Johanna Böse-Hartje (Milchbäuerin aus Niedersachsen), Claudia Schievelbein (Landwirtschaftsjournalistin und Bäuerin aus Niedersachsen) und Henrik Maaß

8 du und das tier

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Maria Heubuch und Bernd Voss bei der Demonstration „Wir haben Agrarfabriken satt“ (Agrarstudent aus Hessen und Vertreter der Jungen AbL). Aus aktuellem Anlass begrüßte die Mitgliederversammlung 25 Milchbauern und -bäuerinnen aus Franken und Hessen, die in Altenkirchen erste Station machten auf ihrer mehrtägigen Treckerfahrt zur großen Demonstration in Brüssel. Milcherzeuger aus mehreren europäischen Ländern mit insgesamt 1.000 Traktoren demonstrierten dort vor dem Europäischen Parlament für eine neue Agrarpolitik. Die Bauern fordern wirksame Regeln, die am Milchmarkt ein Gleichgewicht zwischen Bauern und Molkereien ermöglichen.

Richtlinie ausdrücklich zu. Doch in den deutschen Entwürfen gibt es bisher nicht einmal eine Zielbestimmung, dass die Alternativmethoden-Forschung vorangetrieben werden sollte, um Tierversuche zumindest in absehbarer Zeit ganz abzuschaffen. Stattdessen will die Bundesregierung erreichen, dass auch künftig ein Großteil der Tierversuche ohne ein Genehmigungsverfahren durchgewunken werden kann – zum Beispiel solche die für Produktprüfungen oder im Bereich der Lehre durchgeführt werden.

Olympische Winterspiele 2014 Appell an Wladimir Putin Wie alle Ausrichter von Olympischen Spielen, werden auch die Organisatoren der Winterspiele 2014 im russischen Sotschi bemüht sein, ihre Region bei Sportlern und Touristen aus der ganzen Welt in einem makellosen Licht erscheinen zu lassen. Es steht zu befürchten, dass auch hier, wie schon in der Ukraine anlässlich der Fußball-WM, frei laufende Katzen und Hunde als störend empfunden und deshalb getötet werden. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, wandte sich in einem persönlichen Schreiben an den russischen Präsidenten Wladimir Putin und bat ihn, den Schutz von frei lebenden Hunden und Katzen sowohl jetzt im Vorfeld als auch während der Spiele sicherzustellen. Schröder verwies auf die erfolgreichen Projekte in Odessa und Kiew, die nach dem Motto „Einfangen, kastrieren, freilassen“ zu einem spürbaren Rückgang der Straßentiere geführt haben. Und er bot Hilfe an: Der Deutsche Tierschutzbund sei gerne bereit, die Stadt Sotschi mit seiner Erfahrung und seinem Wissen bei der frühzeitigen Erarbeitung einer tierfreundlichen Lösung zu unterstützen.


Bundesjagdgesetz

Regierung beugt sich der Jägerlobby Nachdem der EU-Gerichtshof vorigen Sommer Grundstückseigentümern eine Ablehnung der Jagd aus Gewissensgründen auf ihrem Gelände zugestanden hatte, war der Deutsche Tierschutzbund umgehend aktiv geworden. Gemeinsam mit seinen 16 Landesverbänden hatte er die Bundesländer aufgefordert, sich bei der Bundesregierung für eine Änderung des Bundesjagdgesetzes einzusetzen. Ende November 2012 legte das zuständige Landwirtschaftsministerium (BMELV) dann einen Gesetzentwurf vor, der die Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in nationales Recht umsetzen sollte. Der Entwurf wurde allerdings zur Kommentierung nur an ausgewählte Jagd- und we-

nige Naturschutzverbände, nicht aber an Tierschutzorganisationen, verschickt. Nur wenige Tage später zog das BMELV den Entwurf ohne nachvollziehbare Begründung jedoch wieder zurück. Offenbar hatte sich die Regierung dem Druck der Jagdlobbyisten gebeugt. Nicht zum ersten Mal: Notwendige Anpassungen an gesetzliche Bestimmungen waren auch in den vergangenen Jahren immer wieder blockiert worden. Auch der aktuelle, derzeit von Bundestag und Bundesrat diskutierte Novellierungsentwurf ist völlig unzureichend. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert das geltende Jagdrecht seit Jahren. Anlässlich des Hubertustages im November hatte er die Kirchen abermals aufgefordert, den millionenfachen Abschuss von Wildtieren, das Töten von Hunden und Katzen, die qualvolle Fallenjagd und die gnadenlose Jagd auf vermeintliche Schädlinge wie Füchse und Krähen nicht länger mit ihrem Segen zu würdigen und damit gutzuheißen. Auf seinem großen Areal des Tier-, Na-

tur- und Artenschutzzentrums Sylt hat der Deutsche Tierschutzbund Ende 2012 die Biotop-Pflegemaßnahmen just an dem Tag durchgeführt, für den die „Hubertusjagd“ auf der Insel angesetzt war. Dementsprechend konnte zumindest auf diesen Flächen keine Jagd stattfinden, und sie konnten den von der Jagd aufgescheuchten Wildtieren als Rückzugsort dienen. Solange die europäische Rechtsprechung nicht in nationales Recht aufgenommen ist, wird es auch weiterhin Biotop-Pflegemaßnahmen am Tag der Hubertusjagd auf Sylt geben.

WEI T ERE I NFOS Mit einem Liederbuch macht der Deutsche Tierschutzbund auf die zentralen Probleme der Jagd aufmerksam: „Tierlieder unserer Zeit“ verknüpft klassische Jagdlieder mit den aktuellen Problemen der Jagd. Es steht zum Download auf der Website des Deutschen Tierschutzbundes unter: www.tierschutzbund.de/jagd.html

Pelze und Pelzprodukte

FOTO: IMAGO, ABL, PANTHERSTOCK.COM/FIRINA

Schweiz führt Kennzeichnungspflicht ein Ab 1. März müssen Pelze und Pelzprodukte in der Schweiz eindeutig gekennzeichnet sein. Die Verordnung über die Deklaration von Pelzen und Pelzprodukten, der der Schweizer Bundesrat Ende vorigen Jahres zugestimmt hat, verpflichtet die Hersteller, Felle von Säugetieren (Ausnahme Pferde, Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Lamas und Alpakas) und auch deren Produkte mit der genauen Angabe der Tierart – dem wissenschaftlichen zoologischen Namen–- zu kennzeichnen. Außerdem muss die Herkunft des Fells – das Land, in dem das Tier gejagt beziehungsweise gezüchtet wurde – auf dem Etikett angegeben werden. Auch wie der Pelz gewonnen wurde, ist genau anzugeben – ob durch Jagd (Fallenjagd oder Jagd ohne Fallen) oder durch Zucht („Herdenhaltung“, „Rudelhaltung“, „Käfighaltung mit Naturboden“, „Käfighaltung mit Gitterboden“).

Damit geht die Schweizer Verordnung über die entsprechende Kennzeichnungsverordnung der EU hinaus. Diese verpflichtet Hersteller seit Mai 2012, Textilerzeugnisse, die nichttextile Teile tierischen Ursprungs enthalten, sowie nichttextile Teile tierischen Ursprungs in Textilerzeugnissen mit dem Hinweis „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ zu versehen. Die Etikettierung oder Kennzeichnung darf nicht irreführend sein, und sie muss so erfolgen, dass sie vom Verbrau-

cher ohne Schwierigkeiten verstanden werden kann. Über die Herkunft des Tieres, das für das Produkt sterben musste, sagt das Etikett bislang nichts. Die EU-Kommission will allerdings bis September ein Herkunfts-Kennzeichnungs-System erarbeiten. Für den Deutschen Tierschutzbund wäre eine Kennzeichnung nach dem Schweizer Vorbild begrüßenswert, weil es den Verbraucher darüber aufklärt, wie das Tier vor seinem Tod gehalten wurde und ob das Fell aus einem Land stammt, in dem Tierschutzbestimmungen wenigstens dem europäischen Standard entsprechen. Die Schweizer Verordnung sieht eine Übergangsfrist vor: Bis 28.02.2014 dürfen noch nicht deklarierte Felle veräußert werden.

Jedem Pelz in der Schweiz wird man zukünftig Tierart, Haltungsform und Herkunftsland ansehen.

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[ t i t e lt h e m a ] Tierhaltung in der Landwirtschaft

Hoffnung f端r Millionen

Die tiere sollen es besser haben als in der agrarindustriellen intensivmast. Das tierschutzlabel geht 端ber die gesetzlichen Vorgaben hinaus.

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Von der Geburt bis zur Schlachtung eingepfercht, so müssen 99% der Schweine in tierfabriken heute noch leiden.

obwohl sich erfreulicherweise immer mehr Menschen zu einer vegetarischen oder veganen Ernährung bekennen, steigt der Fleischkonsum hierzulande seit Jahren an. Rund 60 Kilogramm Fleisch verzehrt ein Deutscher durchschnittlich im Jahr. Millionen Hühner und Schweine leiden und sterben dafür in agrarindustriellen Tierhaltungsanlagen. Mit der Einführung eines zweistufigen Tierschutzlabels will der Deutsche Tierschutzbund diesen Tieren ein besseres Leben ermöglichen.

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FoToS: DEUTScHER TIERScHUTzBUnD E.V., EURoGRoUP FoR AnIMAL WELFARE

D

as Huhn liegt mit verrenkten Beinen im Dämmerlicht auf dem feuchten Boden der riesigen Halle, mitten im Gewimmel unzähliger Artgenossen. Es kann sich kaum noch bewegen. Aufzustehen ist unmöglich. Die Beine machen nicht mehr mit. Sie können den zu schnell und zu schwer gewordenen Körper nicht mehr tragen. Die Qual dieses gewachsenen Tieres ist die Folge einer Zucht, die einseitig auf schnelle Gewichtszunahme, vor allem der Brustmuskulatur, ausgerichtet ist. 30 Prozent der Masthühner humpeln. Die Tiere leiden unter Beindeformationen, schmerzhaften Gelenkschäden und Herz-Kreislauf-Problemen. Die übergewichtigen Küken fressen unentwegt. Auch das ist eine Folge der Zucht. Masthühner wachsen etwa dreimal so schnell wie die Küken von Legerassen. Um ein Kilogramm Hühnerfleisch zu erzeugen, sind nach Auskunft des Deutschen Bauernverbandes 1,7 kg Futter erforderlich. Nach ungefähr fünf Wochen werden die Hühner geschlachtet. Je nach Zuchtlinie haben sie bis dahin zwei Kilogramm Gewicht zugelegt. Das entspricht einer täglichen Gewichtszunahme von nahezu 60 Gramm. 67 Millionen Hühner werden auf diese Art und Weise in Deutschland zurzeit gemästet, 600 Millionen pro Jahr geschlachtet. Hühner werden schon lange nicht mehr von selbstständigen Bauern gemästet. Sie werden von großen Konzernen im Lohnmastverfahren „produ-


[ t i t e lt h e m a ]

ziert“. Die Brüterei liefert die Küken, der Konzern das Futter, und Lohnmäster ziehen die Küken auf. Das einzelne Tier gilt nichts. Die Masse bringt den Gewinn. 30.000 bis 40.000 Hühner in einer riesigen, unstrukturierten Halle sind keine Seltenheit. 77% aller Masthühner leben in Beständen von 50.000 Tieren und mehr.

Das deutsche Recht erlaubt Besatzdichten von bis zu 39 kg/m 2. Das entspricht etwa 23 Hühnern pro Quadratmeter Stallfläche. Das europäische Recht erlaubt sogar Haltungsdichten von bis zu 42  kg/ m2. Dies entspricht einer Anzahl von 28 Tieren auf einem Quadratmeter. Wer an diesen Umständen etwas än-

dern möchte, muss mit denen sprechen, die die Tiere halten. Politisch lässt sich zurzeit weder auf nationaler noch auf europäischer Ebene etwas erreichen. Der Deutsche Tierschutzbund hat daher seit dem 30. Juni 2010 alles darangesetzt, das in der Göttinger „Initiativgruppe Tierwohllabel“ entwickelte Konzept für eine zuverlässige, glaubwürdige und transparente Tierschutzkennzeichnung fortzuentwickeln und in die Praxis umzusetzen. Produzenten, unabhängige Wissenschaftler und Experten des Deutschen Tierschutzbundes haben die Kriterien minutiös ausgearbeitet. 28 Hühnermastbetriebe haben ihre Tierhaltung zwischenzeitlich verbessert, um das Zertifikat für die Einstiegsstufe zum Tierschutzlabel zu erhalten. Weitere Betriebe befinden sich in der Umstellung. Betriebe, die ihre Produkte mit dem Tierschutzlabel kennzeichnen wolein Kaltscharraum ist bereits in der einstiegsstufe vorgeschrieben.

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FoToS: DEUTScHER TIERScHUTzBUnD E.V., A. FARKAS/AFI

Oben: in der agrarindustriellen intensivmast wachsen die Hühner zu schnell und sie haben zu wenig Platz. Links: Fußdeformationen treten in der intensivmast häufig auf - infolge der nicht tiergerechten Haltung.


Oben: Die Kastenhaltung von Schweinen ist bereits in der einstiegsstufe des tierschutzlabels verboten. rechts: Landwirte, die das Label nutzen wollen, dürfen Ferkel nicht mehr ohne Betäubung kastrieren.

len, dürfen nur langsam wachsende Zuchtlinien mästen. Empfohlen wird eine Gewichtszunahme von maximal 35 g pro Tag, erlaubt sind maximal 45 g pro Tag. Im Stall leben weniger Hühner auf einem Quadratmeter als in der Intensivmast. Erlaubt ist in der Einstiegsstufe noch eine Besatzdichte von 25 kg/m2, das entspricht 15 Hühnern pro Quadratmeter. In der Premiumstufe dürfen nicht mehr als zehn Hühner pro Quadratmeter eingestallt werden, die Besatzdichte darf 21  kg/m2 nicht überschreiten. Im Stall sind Strukturierungen wie Sitzstangen und Gegenstände zum Bepicken vorgeschrieben, beispielsweise Ytong-Steine. Auch die vorgeschriebenen Strohballen dienen ihnen zur Beschäftigung, zum Picken und zum Aufbaumen. Ein Kaltscharrraum muss wenigstens während der Hälfte der Mastdauer für die Tiere nutzbar sein. Tierbezogene Kriterien wie die Erfassung von Beinschäden

und Verletzungen dienen dazu, das Management zu beurteilen und stetig zu verbessern, die Richtlinien am Tierwohl gemessen festzuschreiben. Unter diesen Bedingungen haben die Hühner es bereits besser als alle Artgenossen, die in der herkömmlichen Intensivmast leben. In der Premiumstufe kommen pro Huhn

noch 4 m2 Auslauf ins Freie hinzu. Die Gruppengröße ist auf maximal 4.800 Hühner begrenzt, die Bestandsobergrenze auf 16.000 Tiere. Der Transport zum Schlachthof darf (in beiden Labelstufen) maximal vier Stunden dauern, entgegen den gesetzlichen Regeln, die viel längere Fahrten zulassen. Für Betäubung und

Das tierschutzlabel schreibt getrennte Aktivitäts- und Liegebereiche vor.

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[ t i t e lt h e m a ] Schlachtung gibt es ebenfalls klare Vorgaben. Auch in der Schweinemast haben schon mehrere Betriebe ihre Tierhaltung umgestellt, um sich für das Tierschutzlabel zu qualifizieren1). Mastschweine in der herkömmlichen Intensivmast leben auf Spaltenböden ohne Einstreu. Es gibt nur sehr wenig und ungenügend Beschäftigungsmaterial, kein Stroh. Kotund Liegebereich sind nicht voneinander getrennt. Die Tiere stehen und liegen tagein, tagaus auf Spaltenböden über ihren eigenen Exkrementen. Üblich ist auch, dass Ferkel innerhalb ihrer ersten Lebenswoche ohne Betäubung kastriert und ihre Schwänze amputiert werden. Schweinehalter, die sich für das Tierschutzlabel qualifizieren möchte, dürfen kein Ferkel mehr ohne Betäubung kastrieren. Das Kürzen der Schwänze ist nach einer Übergangsfrist ebenfalls verboten. Der Stall muss in der Regel umgebaut werden: Aktivitäts- und

Tierschutzlabel

Liegebereiche der Schweine müssen voneinander getrennt sein. Der Liegebereich muss (nach einer Übergangsfrist) planbefestigt sein und an eine Wand angrenzen. Hierher können sich die Sitzstangen werden von den Hühnern gerne genutzt. Tiere zurückziehen. Um sicherzustellen, dass der Liege- reich an. Auslauf ist vorgeschrieben, bereich sauber bleibt, muss der Stall eine Haltung im Offenfrontställen wird so klimatisiert sein, dass die Tiere den akzeptiert. 950 Schweinemastplätze Aktivitätsbereich akzeptieren und nur sind die Bestandsobergrenze. dort abkoten. Tränken, Fütterungs- und Der NEULAND-Verein für tiergeBeschäftigungsautomaten müssen im rechte und umweltschonende Nutz­ Aktivitätsbereich angebracht sein. tierhaltung erfüllt mit seinen VorgaAuch für den Premiumstandard ist ben die Anforderungen der Premiumeine Mehrflächenbucht zur Trennung stufe. In einigen Bereichen liegen die von Aktivitäts-, Liege- und Kotbereich NEULAND-Standards sogar darüber. vorgeschrieben. Jedes Schwein muss Der Transport der Schweine zum dort etwa doppelt so viel Platz ha- Schlachthof darf in beiden Labelstuben wie gesetzlich vorgeschrieben. fen nicht länger als vier Stunden dauAn den Aktivitätsbereich schließt ein ern. Vor der Schlachtung muss eine mit Langstroh eingestreuter Liegebe- sichere und tiefe Betäubung der Tiere sichergestellt sein. Während der Mast und am Schlachthof werden außerdem tierbezogene Kriterien erfasst, die Rückschlüsse darauf erlauben, wie es den Tieren während der Mast ergangen ist und ob die Haltungsvorschriften in der Praxis eingehalten Premiumstufe kommen weitere Verwurden. Gesetzlich vorgeschrieben ist besserungen hinzu -­ wie Außenklima­ das alles nicht. bereiche oder Auslaufmöglichkeiten. Seit Mitte Januar sind die ersten Tierhalter, die ihre Produkte mit dem mit dem Label „Für Mehr Tierschutz“ Label kennzeichnen möchten, müssen gekennzeichneten Produkte auf dem kontinuierlich tierbezogene Kriterien Markt. Wie viele Hühner- und Schweierfassen, die Rückschlüsse auf das nemastbetriebe sich gezwungen Wohlbefinden der Tiere erlauben. sehen, ihre Tierhaltung umzustellen, Ausführliche Informationen zum Tierum den Vorgaben des Tierschutzschutzlabel, wo die Produkte zu finden labels für Zucht, Haltung, Transport sind und Antworten auf häufig gestellund Schlachtung zu entsprechen, te Fragen sind im Internet abzurufen: wird auch davon abhängen, ob die www.tierschutzlabel.info. Verbraucher mitziehen. Ob sie bereit sein werden, den Landwirten den Mehraufwand zu bezahlen, der mit der verbesserten Tierhaltung verbunden ist? Dr. Heidrun Betz

Das zweistufige Label „Für Mehr Tierschutz“ umfasst eine Einstiegs- und eine Premiumstufe. Beiden Stufen liegen verbindliche Kriterien für die Haltung der Tiere, den Tiertransport und die Schlachtung zugrunde. Ausgearbeitet wurden sie von Experten des Deutschen Tierschutzbundes, unabhängigen Wissenschaftlern und Produzenten in mühevoller Kleinarbeit. Der Labelbeirat wird die praktische Umsetzung verfolgen und die Kriterien weiterentwickeln. Mit dem größeren Platzangebot, Strukturen und Beschäftigungsmöglichkeiten geht bereits der Einstiegsstandard deutlich über die gesetzlichen Vorschriften hinaus. Dabei darf nicht verschwiegen werden, dass es bei einer Stallhaltung auch bei Spaltenbodenanteilen bleibt. Aber im Vergleich zu der bisher konventionellen Haltung bringt das Gesamtpaket für die Tiere erste deutliche Verbesserungen. In der

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1) Die Entwicklung der Kriterien für die Einstiegsstufe der Schweinemast wurde aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) gefördert. Die Projektträgerschaft hatte die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung übernommen.

FotoS: deutscher tierschutzbund e.v.

Zeichen für ein besseres Leben


Interview

Für mehr Tierschutz Warum hat der Deutsche Tierschutzbund die Mühe auf sich genommen, ein Tierschutzlabel einzuführen? Vizepräsidentin Dr. Brigitte Rusche, Leiterin der Akademie für Tierschutz, erläutert die Beweggründe im Gespräch mit du und das tier. Die Fragen stellte Dr. Heidrun Betz.

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Wer keine tierischen gab, konnten sie sich Produkte verzehrt, im Handel dafür nicht leistet einen konsestark machen. Jetzt quenten Beitrag zum haben sie die MöglichTierschutz. Warum keit, ihre Macht einzuruft der Deutsche setzen. Tierschutzbund nicht einfach zum FleischverWas bewirken Sie zicht auf? mit dieser Fleischkennzeichnung?  Der Deutsche Tierschutzbund steht dafür,  Wenn die VerbrauDr. Brigitte rusche cher mitziehen, werjedes einzelne Tier um seiner selbst willen zu den Millionen Tiere ein schützen. Viele Bürger haben sich besseres Leben haben. Die Bürger zum Fleischverzicht entschlossen, bekommen die Möglichkeit, sich für aber die große Mehrheit der Bevölke- mehr Tierschutz zu entscheiden, der rung isst Fleisch. Appelle bringen uns Handel hat die Chance, etwas für die offensichtlich nicht weiter, und Millio- Tiere zu tun, und den Landwirten zeinen Hühner und Schweine leiden in gen wir einen Weg, über die Einstiegsden Ställen. stufe bis zur Premiumstufe immer Solange die Mehrheit der Gesell- mehr Tierschutz zu verwirklichen. Daschaft die Zucht, die Haltung und den mit erhöhen wir den Druck auf diejeTod von Tieren zu Ernährungszwecken nigen, die nicht dazu bereit sind, die als vernünftigen Grund akzeptiert, gilt Bedürfnisse der Tiere zu respektieren. es, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, Langfristig werden die verbesserten die Situation dieser Tiere zu verbes- Tierschutzstandards dann hoffentlich sern. Um zeitnah voranzukommen, un- auch gesetzlich verankert. terstützt der Deutsche Tierschutzbund daher auch kleine Schritte in die richDas Label Für Mehr Tierschutz hat zwei Stufen. Warum propagieren tige Richtung. Unabhängig davon werden wir die fleischlose Ernährung Sie nicht nur das Optimum? als größten Schritt in Richtung Tier-  Der Deutsche Tierschutzbund stellt hohe Anforderungen an eine tiergeschutz weiterhin propagieren. rechte Haltung. Die konnten bisher nur wenige Tierhalter erfüllen, und Weshalb hat der Deutsche Tierschutzbund das Label gerade sie halten nur wenige Tiere. Premiumjetzt eingeführt? produkte sind nicht überall verfüg Die Politik kam nicht voran - we- bar. Wir halten es daher für sinnvoll, der auf nationaler noch auf europä- auch kleine Entwicklungsschritte hin ischer Ebene. Als Tierschutzverband zu mehr Tierschutz zu unterstützen. mussten wir daher andere Wege Der Einstiegsbereich ist ein Anreiz für beschreiten. Die Verbraucher wollen Landwirte, die bisher nur die gesetzmehr Tierschutz, doch solange es kei- lichen Bestimmungen eingehalten ne klare, verlässliche Kennzeichnung und Tiere intensiv gemästet haben,

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ihre Tierhaltungen zu verbessern. Millionen Hühner und Schweine erhalten damit ein besseres Leben.

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Wer darf das Label nutzen?  Grundsätzlich können sich alle Betriebe bewerben, die die Richtlinien erfüllen. Landwirte, die ihre Produkte nicht selbst vermarkten, müssen mit ihrem Vermarkter in Kontakt treten. Wenn der mit dem Deutschen Tierschutzbund einen Lizenzvertrag abgeschlossen hat und der Betrieb von einer unabhängigen Zertifizierungsorganisation erfolgreich zertifiziert wurde, darf das Label genutzt werden.

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Wie wird die Einhaltung der Kriterien kontrolliert?  Zertifizierung und Kontrolle übernehmen unabhängige Zertifizierungsorganisationen. Sie arbeiten eigenständig, müssen aber vom Deutschen Tierschutzbund zugelassen sein. Die Kontrolleure absolvieren eine spezielle Schulung. Sie werden ebenfalls vom Deutschen Tierschutzbund zugelassen. Selbstverständlich haben wir Zugang zu allen Zertifizierungs- und Kontrollergebnissen, und wir werden auch unangemeldete Kontrollen durchführen. Die Entwicklung der Kriterien für die Einstiegsstufe der Schweinemast wurde aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) gefördert. Die Projektträgerschaft hatte die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung übernommen. du und das tier 1/2013 15


[ DRAUSSEN]

Einige afrikanische Länder wollen den strengen Schutz der Elefanten aufweichen.

Elfenbeinschmuggel

Dramatischer Anstieg der Elefantenwilderei Trotz strengster Schutzmaßnahmen für Elefanten und des 1989 in Kraft getretenen Verbots des Handels mit Elfenbein sterben jährlich Zehntausende Elefanten durch Wilderer, und der Elfenbeinschmuggel floriert. Jetzt soll eine Lockerung des Schutzes das illegale Abschlachten stoppen. Die Vergangenheit zeigt, dass das Gegenteil droht.

E

s war eines der schlimmsten Massaker in den letzten Jahren. Im Januar 2012 metzelten Wilderer im Bouba National Park in Kamerun Hunderte von Elefanten nieder, meißelten die Stoßzähne aus den Kadavern und ließen die Leichen liegen. Das Elfenbein, einziger Grund für den Massenmord, ist inzwischen vermutlich auf dunklen Kanälen aus Afrika geschleust und nach Asien geschmuggelt worden. Während vor der Einstufung der Asiatischen und Afrikanischen Elefanten in den höchsten Schutzstatus, Anhang 1 des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES*, Europa und Amerika die größten Abnehmer von Elfenbein waren, sind es heute die Philippinen, Thailand und China.

16 du und das tier

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Auf den Philippinen ist Elfenbein vor allem aus religiösen Motiven ein begehrtes Objekt. Eines der wichtigsten Symbole der Katholiken dort ist das „Heilige Kind von Cebu“, dem gehuldigt wird und das jeder Gläubige als Schutzengel zu Hause haben sollte. Wer es sich leisten kann, kauft in den unzähligen Spezialläden ein „Holy Child of Cebu“ aus purem Elfenbein. So stark ist die Verbindung des Elfenbeins zur Kirche, dass das Wort „garing“ zwei Bedeutungen hat: Elfenbein und religiöse Figur. In Thailand sind es die Buddhisten und Hinduisten, die für ihre Talismane nicht auf Elfenbein verzichten wollen. Der Hindu-Gott Ganesh hat einen Elefantenkopf und ziert als Elfenbeinfigur die Häuser. Thailands Mönche geben

gegen Spenden Elfenbein-Buddhas oder -Anhänger ab. Diese gelten als Glücksbringer. Der größte Markt für Elfenbein aber ist China. Das „weiße Gold“ ist begehrtes Sammelobjekt. Kunstgegenstände mit Elfenbein erzielen Rekordpreise, und mehr und mehr reiche Anleger investieren in Elfenbein statt Gold. Das treibt den Preis noch weiter in die Höhe. Theoretisch darf lediglich afrikanisches Elfenbein aus alten Beständen vor dem Handelsverbot 1989 legal gehandelt werden. Doch weit mehr als 90 Prozent des auf dem Markt befindlichen Elfenbeins werden weiterhin illegal aus Afrika in die asiatischen Länder geschmuggelt – allen Kontrollen zum Trotz, vorbei an Wildhütern, Grenzbehörden und den regionalen


Polizeibehörden. Organisiert wird der Schmuggel von skrupellosen Banden, die ein Netzwerk an Helfern in ganz Afrika und Asien dirigieren. Elfenbein macht Zwischenstation im Kleinstaat Vatikanstadt, der dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen nicht beigetreten ist. Elfenbein kommt mit Ausfuhrpapieren, die von (bestochenen) Grenzbehörden ausgestellt wurden, in Flugzeuge und Schiffe. Es wird chemisch auf „alt“ getrimmt und findet so den Weg in die Bestimmungsländer. Die Elefanten-Mafia heuert selten Einheimische, sondern meistens eigene Leute an: skrupellose Kriminelle, die, technisch hochgerüstet, nicht einen Stoßzahnträger, sondern gleich ganze Herden inklusive der Mütter und Babys abschlachten. Elefantenmord und Stoßzahnhandel sind heute ein Massengeschäft. Die beschlagnahmten Mengen lassen auf die wirkliche Anzahl getöteter Tiere schließen, denn obwohl die Behörden immer wieder Stoßzähne konfiszieren, boomt der illegale Handel weiter. 2011 zogen Elfenbeinfahnder weltweit mehr als 23 Tonnen illegalen Elfenbeins ein – das entspricht mindestens 2.500 brutal erlegten Elefanten. Die tatsächliche Anzahl gewilderter Elefanten lag weit höher: Experten schätzten sie auf über 30.000 Tiere. Dass alle Maßnahmen gegen Wilderei und Elfenbeinschmuggel nicht gegriffen haben, hat auch das ständige Komitee von CITES erkannt.

mal durfte außer den drei Ländern, die 1998 zum Zuge gekommen waren, auch Südafrika seine Elfenbeinvorräte verkaufen. Seitdem hat sich die Anzahl der gewilderten Elefanten und des geschmuggelten Elfenbeins Jahr für Jahr weiter erhöht. Angesichts dieser Tatsachen hat der Deutsche Tierschutzbund mit dem Deutschen Naturschutzring und acht weiteren deutschen Tier- und Naturschutzorganisationen die Bundesregierung in einem Schreiben aufgefordert, sich ausdrücklich gegen weitere Elfenbeinverkäufe, für einen strengen ElefanDie Vertreter der dem Washingtoner Artenschutz und gegen tenschutzübereineine Herabstufung kommen beigevon Elefantenpotretenen Staaten pulationen von Antrafen sich vom hang I auf II auszu23. bis 27. Juli 2012 sprechen, sowohl bei in Genf, um über efden Diskussionen auf Solche auf „alt“ getrimmten Elfenbeinfiguren kann man fektivere Maßnahder Delegiertenkonfein Thailand kaufen. renz in Genf als auch men zu diskutieren. Diese sollen auf der auf der anstehenden nächsten Vertragsstaatenkonferenz Vertragsstaatenkonferenz im März 2013. im März 2013 beschlossen werden. Deutschland hat sich auf der JuliEinige Länder streben jedoch eine Konferenz für ein hochrangiges Treffen Herabstufung ihrer afrikanischen Ele- aller beteiligten Länder (Herkunftslänfanten auf Anhang II des Washingto- der, Transitländer, Abnahmeländer) ner Artenschutzübereinkommens an, ausgesprochen und angekündigt, um so eine Möglichkeit zu erhalten, bei der IUCN (International Union ihre Elfenbeinreserven von mehreren for Conservation of Nature) einen hundert Tonnen zu verkaufen. Die Ar- Antrag zum Schutz der Elefanten zu gumentation der Antragsteller: Legal stellen. Ob die Bundesregierung sich verkauftes Elfenbein sättigt den Markt im kommenden März gegen etwaiund senkt die Preise, sodass sich Wil- ge Ausnahmen des Handelsverbotes derei nicht mehr lohnt. aussprechen wird, ist noch offen. Die Vergangenheit beweist das Tansania hat sich zwischenzeitlich Gegenteil. Schon zwei Mal hat CITES dem öffentlichen Druck gebeugt und „regulierend“ in den Markt eingegrif- den Antrag auf Herabstufung seiner fen.1998 durften Zimbabwe, Botswa- afrikanischen Elefanten zurückgezogen. na und Namibia ihre ElfenbeinlagerUnabhängig von dieser Diskussibestände an Japan verkaufen. Die on sterben weiterhin jeden Tag EleNachfrage nach dem „weißen Gold“ fanten durch Wildererhand. Solange zog daraufhin sprunghaft an. Mit dem der Schutz der Tiere und die Maßnahlegalen gelangten große Mengen ille- men gegen Wilderei und Schmuggel galen Elfenbeins nach Japan und von nicht effektiver werden, wird es weiter da aus in weitere asiatische Staaten. grausame Massaker geben. Trotz dieser schlechten Erfahrung er*CITES = Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora – laubte CITES 2009 noch einmal eine Abkommen zum internationalen Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten Ausnahme vom Handelsverbot: Diesdu und das tier 1/2013 17

FOTOS: PANTHERMEDIA.NET/D. WILLUHN; DREAMSTIME.COM/SADDAKO123; PRIVAT

Die beschlagnahmten Stoßzähne sind nur ein Bruchteil der tatsächlich durch Wilderei „erbeuteten“.


[ jugend]

Oben: Am Wunschbaum konnte jeder seine Wünsche anhängen. Unten: Don Chango, Ex-Filmstar, darf jetzt artgerecht leben.

Weiterstadt

Tierdankfest auf der Keller-Ranch

M

it aktiver Unterstützung der Jugendgruppe feierte der Tierhilfeverein Keller-Ranch sein jährliches Tierdankfest. Am Stand der Jugendgruppe konnten die Gäs­ te ihre Wünsche für den Tierschutz auf bunte Zettel schreiben, die am selbst gebastelten Wunschbaum aufgehängt wurden. Die Kinder hatten schwarze Kreuze auf große Kieselsteine gemalt und diese um den Wunschbaum gelegt. Den ökumenischen Gottesdienst mit Tiersegnung zelebrierten der evangelische Pfarrer Hartmut Stiller und der katholische Pfarrer Winfried Klein gemeinsam. Anschließend wurde ein Gedenkstein für die auf der Keller-Ranch gestorbenen Tiere feierlich enthüllt. Um auch auf die vielen in Tierversuchen „verbrauchten“ Tiere aufmerksam zu machen,

hatte die Jugendgruppe mit ihrer Leiterin Mirjam Wille ein kleines Theaterstück einstudiert, in dem Szenen eines Tierversuchslabors und die qualvolle Massentierhaltung dargestellt wurden. Die Jugendlichen erhielten dafür viel Beifall. Besondere Aufmerksamkeit widmeten viele Besucher dem tierischen Neuzugang Don Chango. Der in Holland gezüchtete Pastell-Fuchs kam von einem Filmtiertrainer, der ihn als Filmund Fotomodell „vermietet“ hatte. Auf der Keller-Ranch hat der zutrauliche Fuchs endlich ein artgerechtes Zuhause gefunden. In Windeseile musste der Verein für ihn ein geräumiges Gehege bauen. Er wünscht sich für Don Chango deshalb viele Paten, die

mit ihren Spenden einen Teil seiner Versorgung und tierärztlichen Betreuung mitfinanzieren. Denn leider wurde der Fuchs ohne Gage entsorgt. Der Verein wartet noch heute auf die angekündigte Spende. Am Nachmittag endete das Fest mit der Ziehung der Gewinner aus der Lostrommel. Die Kinder der Jugendgruppe hatten diesem Moment entgegengefiebert, denn sie durften die Glücksfeen sein.

Tierschutzkids Wertheim

Erfolgreiche Halbjahresbilanz

W

ie beschäftige ich meinen Hund artgerecht? Was kann ich für Igel im Herbst tun? Kann ich Katzenspielzeug selber basteln? Was brauchen Kaninchen, Hund und Co., um glücklich zu sein? Fragen über Fragen – die zehn Gruppenmitglieder der Tierschutzkids des Tierschutzvereins Wertheim kennen nach einem halben Jahr Engagement die richtigen Antworten. Die acht- bis zwölfjährigen Kinder trafen sich regelmäßig im Theodora-BrandTierheim und bekamen von Gruppenleiterin Helena Kaesemann viele neue Anregungen für den Tierschutz. Beim Treffen zur artgerechten Hundebeschäftigung schwärmten die Kids in Begleitung ihrer Gruppenleiterin mit zuvor mit Leckerlis gefüllten Schuhkar-

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Bei ihren regelmäßigen Treffen lernten die jungen Tierschützer die Tierheimhunde kennen (links) und sahen zu, wie eine halbflügge Schwanzmeise gefüttert wurde.

tons auf die Hundewiese aus. Dort lernten sie den freundlichen, temperamentvollen Border-Husky-Mischling Teddy genauer kennen. Sie legten für den Hund eine „Schnüffelspur“ und stellten ihm Suchaufgaben. An anderen Gruppenterminen beschäftigten sich die Tierschutzkids

mit Katzenjungen, die unter Anleitung von Tierheimleiterin Monika Eggerer gefüttert, gewogen und versorgt wurden. Wildtiere wurden ebenfalls gepflegt, beispielsweise Schwanzmeisen mit Heimchen gefüttert. Das Tierheimteam freute sich über die positive Resonanz und die rege Beteiligung.


Baden-Württemberg

FOTOS: TIERHILFE-VEREIN KELLERRANCH (2), TIERSCHUTZVEREIN WERTHEIM (2), DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND (3), LANDESTIERSCHUTZJUGEND BAYERN

Erfahrungsaustausch der Jugendgruppenleiter

V

ierundzwanzig Jugendgruppenbetreuer aus elf Tierheimen folgten der Einladung von Erika Schwarz und Volker Stutz zu einem zwanglosen Treffen im Tierheim Reutlingen. Die beiden Jugendbeauftragten des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg hatten zu diesem Erfahrungsaustausch speziell diejenigen eingeladen, die in ihrem Tierschutzverein eine Jugendgruppe leiten oder zukünftig eine solche begleiten möchten, Nach einer Vorstellungsrunde der Jugendbetreuer berichteten die langjährigen Gruppenbetreuer von ihren Aktivitäten und Erfahrungen. Einige Gruppenleiter betreuen bereits seit vielen Jahren Jugendliche, andere hatten erst kürzlich neue Gruppen gegründet. Es erfolgte ein lebhafter Austausch von Erfolgen und Ideen, wie Kinder und Jugendliche Tierschutz aktiv gestalten können. Alle Teilnehmer

Bayern

Aktion gegen das Leiden der Pelztiere Ausgerüstet mit Flyern, großen Transparenten, einem Stand voller Info-Material und einem versteckt

Beim Erfahrungsaustausch präsentierten die Gruppenleiter auch einige ihrer Aktionen als Anregung.

gaben sich gegenseitig wertvolle Informationen rund um die Jugendarbeit. Von den Praxistipps profitierten besonders diejenigen, die erst seit einigen Wochen aktiv waren. Doch auch routinierte Jugendleiter fanden neue Ideen und Anregungen, um das Thema Tierschutz in den Gruppentreffen abwechslungsreich

gedrehten Video demonstrierten Mitglieder der Bayerischen Tierschutzjugend in Regensburg gegen die tierquälerische Haltung und den Tod von Millionen von Pelztieren für Modeware. Unterstützt wurden sie von der Gruppe Animals United aus München. Die Organisatoren, Marion Friedl, Vizepräsidentin des Landestierschutzbundes Bayern, und Tanja Glasl aus Erding, hatten sich einiges einfallen lassen, um die Aufmerksamkeit der Passanten in der Fußgängerzone zu erregen. Alle zwanzig Minuten ließen sich etwa 40 Jugendliche auf ein Stichwort

zu gestalten. „Dieser Tag hat so viel an Motivation, Ideen und Kontakten ermöglicht, dass wir unbedingt in Verbindung bleiben sollten“, war die einhellige Meinung. Die persönlichen Kontakte seien durch nichts zu ersetzen. Und so vereinbarten die Beteiligten, sich Ende Februar wieder zu sehen – diesmal im Tierheim Stuttgart.

hin genau da fallen, wo sie gerade gingen oder standen. Sie hielten Protestplakate über oder neben sich und blieben so fünf Minuten liegen. Dieser Flashmob blieb nicht ohne Wirkung: Am Info-Stand blieben die Passanten stehen, suchten das Gespräch mit den Jugendlichen, und sahen sich den grausamen Film an, den Schweizer Tierschützer versteckt in China gedreht hatten. Das unsägliche Leiden der Pelztiere, das dort dokumentiert wurde, ließ niemanden kalt. Vor allem junge Menschen kamen an den Stand, um sich weiter zu informieren. Viele versprachen, das Erlebte weiterzugeben, damit niemand mehr aus Unwissenheit Modeware mit Pelzbesatz kauft.

Die blutigen Models in engen Käfigen beeindruckten viele Passanten.

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[FÜR SIE GELESEN] Elisabeth Tova Bailey

Das Geräusch einer Schnecke beim Essen Übersetzt von Kathrin Razum 176 S., fester Einband, Nagel & Kimche, München, 2012, ISBN: 089-3-312-00498-0, € 16,90

20 du und das tier

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abzuwarten und darauf zu hoffen, dass es besser wird. In dieser Situation spendete ihr eine kleine Schnecke Trost. Eine Freundin hatte ihr das Tier in einem mit Veilchen bepflanzten Tontopf neben das Bett gestellt. Die Schnecke zu beobachten brachte Abwechslung in Tova Baileys Leben. Die Langsamkeit, mit der das Tier seine täglichen Aktivitäten verrichtete, kam der Kranken entgegen, und mit der Zeit entdeckte die Biologin erstaunliche Aktivitäten ihres kleinen Gastes. Sie selbst wurde immer neugieriger: Wohin führten die schmalen Schleimspuren? Wie verbrachte das kleine Tier die Nacht? Wovon ernährte es sich? Wie nahm es seine Umwelt wahr? Wie traf es Entscheidungen? Fragen über Fragen. Als es ihr langsam besser ging, begann die Biologin, die Literatur zu durchforsten. Elisabeth Tova Bailey lässt ihre Leser miterleben, wie spannend diese Recherchen sind

und wie sympathisch eine kleine Schnecke wird, wenn man sich Zeit nimmt, sie zu beobachten. Dieses Buch ist eine Bereicherung für jeden Tierfreund. So unterhaltsam geschrieben, dass es von Anfang bis Ende fesselt, vermittelt es doch unzählige Details zum Leben einer Schnecke. Dem Büchlein sind viele Leser zu wünschen. Wer sich die Muße nimmt, einem kleinen Wesen in der Natur seine Aufmerksamkeit zu schenken, kann viel erfahren. ■

Elisabeth Tova Bailey Elisabeth Tova Bailey wurde in New England (USA) geboren. Sie machte zuerst eine Ausbildung als Gärtnerin und arbeitete später als Journalistin, veröffentlichte Essays und Kurzgeschichten, bis sie im Alter von 34 Jahren auf einer Europa-Reise an einem Virus erkrankte, der sie monatelang ans Bett fesselte. In dieser Zeit beschäftigte sich Bailey mit der Kulturgeschichte der Schnecke und schrieb das Sachbuch “Das Geräusch einer Schnecke beim Essen”. Elisabeth Tova Bailey lebt heute im Bundesstaat Maine.

GEMÄLDE: EDITH B. LAROCHE

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onatelang war die Biologin und Journalistin Elisabeth Tova Bailey ans Bett gefesselt. Durch eine mysteriöse Virusinfektion war sie fast völlig gelähmt. Sie lag im Bett, konnte sich kaum bewegen und hatte Zeit. Viel Zeit, denn ihr blieb gar nichts anderes übrig, als


Udo Ganßloser / Kate Kitchenham

Forschung trifft Hund 240 Seiten, 108 Fotos und 6 Grafiken, laminierter Pappband, 253 x 177 x 21 mm, Franckh-Kosmos, Stuttgart, 2012, ISBN: 978-3-440-13006-3, € 29,99

I

n den vergangenen beiden Jahrzehnten haben sich immer mehr Wissenschaftler mit dem Hund befasst. Die Autoren Udo Ganßloser und Kate Kitchenham haben in ihrem neuen Buch die wichtigsten Forschungsergebnisse hierzu zusammengetragen. Die einzelnen Kapitel beinhalten interessante Beiträge zur Ökologie, zur Genetik und zum Verhalten des geliebten Vierbeiners sowie neueste Erkenntnisse zur Sozialbeziehung zwischen Mensch und Hund. Mithilfe von übersichtlich gestalteten Zusammenfassungen, schönen Illustrationen und Kurzporträts der Forscher erfährt der Leser Wissenswertes aus der Hundeforschung und lernt auch anhand wissenschaftlich fundierter Grundlagen seinen Hund näher kennen.

Renate Jones

Aggression bei Hunden 352 S., 203 Abb., laminierter Pappband, 21,8 x 16,6 cm, Kosmos, Stuttgart, 2009, ISBN: 978-3-440-11449-0, € 19,95

O

hne dass Einigkeit darüber besteht, was unter diesem Begriff überhaupt zu verstehen ist, verwenden sowohl Politiker, Behörden- und Medienvertreter als auch Hundehalter und -experten häufig den Begriff Aggression, wenn sie über die Gefährlichkeit von Hunden debattieren. Dass Aggressionsverhalten zum normalen Verhaltensrepertoire aller in Sozialverbänden lebenden Wesen gehört, bleibt oft unberücksichtigt. Hunde, die Aggressionen zeigen, werden nicht selten als gefährlich angesehen. Warum die Tiere aggressiv

reagiert haben, wird kaum hinterfragt. Renate Jones, Tierärztin und staatlich anerkannte Verhaltenstherapeutin, befasst sich in ihrem Werk mit dem Aggressionsverhalten als solchem, seinen Ursachen und damit, was zu tun ist, wenn Probleme auftreten. Anhand von Fallbeispielen erfährt der Leser, wie er mit schwierigen Hunden umgehen kann. Ein lesenswertes, schön illustriertes und gut gegliedertes Buch, das für jeden, der mit Hunden zu tun hat, Pflichtlektüre sein sollte.

Hrsg. AgrarBündnis

Landwirtschaft 2013 Der kritische Agrarbericht – Hintergrundberichte und Positionen zur Agrardebatte, Schwerpunkt: Agrarreform 304 S., zahlreiche Abbildungen, Paperback, AbL-Bauernblatt-Verlags-GmbH, Hamm, 2013, ISBN 978-3-930413-55-3, € 22,00

D

ass öffentliche Gelder nicht für die Schädigung von Natur und Umwelt und nicht zur Begünstigung einiger weniger ausgegeben werden sollten, sondern allein für die Leistungen der Landwirtschaft, die der Allgemeinheit und dem Gemeinwohl zugutekommen, sollte selbstverständlich sein. Ist es aber nicht. Es gibt wenige Politikbereiche, in denen die Kluft zwischen dem, was die Bürger erwarten, und dem, was Politiker im Verbund mit Lobbygruppen betreiben, so groß ist wie in der Landwir tschaft. Dass die von der EU geförder te agrarindustrielle Produktion die Böden zerstört, die biologische Vielfalt in Feld und Flur dramatisch verringert, die vitalen Bedürfnisse der Tiere in den Ställen missachtet und

in neokolonialistischer Manier den Menschen in den armen Ländern des Südens Flächen wegnimmt und deren Märkte zerstört, ist nicht neu, Neu ist jedoch der massive Protest, der sich in der Zivilbevölkerung gegen diese Form von Landwirtschaft regt. Der kritische Agrarbericht liefert dieser Protestbewegung gute Argumente und jedem, der sich mit der Thematik beschäftigt, vielfältige Hintergrundinformationen. 14 der insgesamt 47 Beiträge sind der Debatte über die EU-Agrarreform gewidmet. Im Kapitel Tierschutz und Tierhaltung findet sich dazu ein Beitrag von Christoph Maisack: „Animal Welfaring“. Außerdem enthält es einen Rückblick auf zehn Jahre Staatsziel Tierschutz (Wolfgang Apel: „Ein glanzloses Jubiläum“), einen Beitrag zum problematischen Einsatz des Pestizids Glyphosat (Sievert Lorenzen: „Nervengift für Rinder“) und eine ausführliche Standortbeschreibung zu Entwicklungen und Trends im Tierschutz (Heidrun Betz, Elke Deininger, Sandra Giltner, Esther Müller und Frigga Wirths: „Schritt für Schritt mehr Tierschutz“).

Cornelia Tschischke

Katzenglück aus zweiter Hand Eine Katze aus dem Tierschutz, 96 S., durchgehend farbig bebildert, 20 x 20 cm, broschiert, Oertel und Spörer Verlag, ISBN: 978-3-88627-844-2, € 12,95

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ieses Buch richtet sich an Menschen, die in ein Tierheim gehen und einer Katze, die bereits ein „früheres Leben“ gelebt hat, eine zweite Chance geben wollen. Es widmet sich der Frage, wie der Interessierte das passende Tier findet, die Eingewöhnung gestaltet und worauf er beim Zusammenleben achten sollte. Die Autorin räumt dabei mit vielen Vorurteilen auf. Ihr Buch ist sehr informativ und gut verständlich geschrieben. Wer einer Katze aus dem Tierheim ein Zuhause bieten will und kann, der sollte es unbedingt lesen. du und das tier 1/2013 21


[EMPFEHLUNGEN] Buchtipp

Vegan for Fit Das Rezept

entstammt dem Buch „Vegan for Fit“ des VeganKochs Attila Hildmann. Seine Rezepte haben sich schon vor Veröffentlichung bewährt: Der Koch ließ 100 Freiwillige 30 Tage lang die verschiedenen Gerichte probieren. Die meisten davon aßen zum ersten Mal in ihrem Leben konsequent vegan. Neben einem Gewichtsverlust von (alle zusammen) 440 kg fühlten sich die Test-Esser danach wie neugeboren und bleiben auch weiterhin bei der Ernährung ohne Tierprodukte. „Vegan for Fit“ enthält außer tollen Rezepten für jede Tageszeit und Gelegenheit viele Informationen zur Vorbereitung auf die Umstellung und die Erfahrungsberichte der Testpersonen. 268 Seiten, ISBN 978-3-938100-81-3, Becker Joest Volk Verlag, € 29,95

SPARTANER-HIRSE

22 du und das tier

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Zubereitung (ca. 30 Minuten) Hirse mit Mineralwasser und ½ TL Salz in einen kleinen Topf geben, einmal aufkochen und bei mittlerer Hitze ca. 22 Minuten kochen lassen, dabei gelegentlich umrühren. Zwiebel schälen und fein hacken. Zucchini und Aubergine waschen und in kleine Würfel schneiden Möhre schälen, längs halbieren und in Scheiben schneiden

3 EL Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, Tomatenmark und Oregano dazugeben, ca. 1 Minute unter Rühren braten, mit Salz und Pfeffer würzen. Hirse unterheben, erneut salzen und pfeffern. Sprossen waschen und abtropfen lassen. Haselnüsse grob hacken. Spartaner-Gericht auf Holztellern anrichten und mit Haselnüssen, Sprossen und einem Schuss Olivenöl toppen.

FOTOS: S. VOLLMEYER

MEDITERRAN

Zutaten für zwei Personen 250 g Hirse 850 ml Mineralwasser jodiertes Meersalz 1 Zwiebel 1 Zucchini ½ Aubergine 1 Möhre ca. 4 EL Olivenöl 80 g Tomatenmark 2 TL Oregano schwarzer Pfeffer aus der Mühle 30 g Sango-Daikon-Rettichsprossen oder Alfalfa-Sprossen 40 g geröstete Haselnüsse


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[ aktuell]

Im Beisein von Bundesministerin Ilse Aigner stellte Thomas Schröder das Tierschutzlabel vor.

Internationale Grüne Woche

Transparenz für die Verbraucher S

eit Januar sind die ersten mit dem Label „Für Mehr Tierschutz“ gekennzeichneten Produkte im Handel. In Berlin stand Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, im Beisein der Bundesministerin Ilse Aigner Vertretern der Medien Rede und Antwort. In einem Pressegespräch stellten sich auch Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin und Wissenschaftliche Leiterin des Deutschen Tierschutzbundes, und Dr. Lars Schrader, Leiter des Instituts für Tierschutz und Tierhaltung des FriedrichLoeffler-Instituts in Celle, den Fragen der Journalisten. „Unser Label ist zweistufig angelegt. Doch schon die Kriterien der Einstiegsstufe als erstem Schritt liegen weit über dem gesetzlichen Standard“, erläuterte Thomas Schröder. „Natürlich wünschen wir uns mehr, aber wir müssen die Landwirte dort abholen, wo sie stehen.“ Für den Deutschen Tierschutzbund sei dies kein leichter Schritt gewesen. „Wir wissen, Fleischverzicht ist der direkteste Weg zu mehr Tierschutz. Aber um den Tieren jetzt und sofort zu helfen und weil gesetzliche Tierschutzkennzeichnungen bislang fehlen, die Mindeststandards der Tierhaltung in der Landwirtschaft aus Tierschutzsicht nicht ausreichen, mussten wir handeln“, so Schröder im Besein der Bundesministerin. Schon jetzt sei abzusehen, dass bis zum Jahresende mindestens neun Millionen Hühner und 40.000  Schweine unter verbesserten Bedingungen leben werden. Immer mehr Kunden seien bereit, beim Einkauf von Lebensmitteln für besonders hohe Produktstandards

mehr Geld auszugeben, erklärte Bundesministerin Ilse Aigner. „Ich bin zuversichtlich, dass der Verbraucher dies bei einer transparenten Kennzeichnung auch in die Tat umsetzen wird.“ Das neue Tierschutzlabel garantiere verlässliche KriDr. Brigitte Rusche, Dr. Lars Schrader und Thomas terien. Es erleichtere VerSchröder (v.re.) im Pressegespräch , Moderation: brauchern die Auswahl Marion Dudla (li.). und helfe den Erzeugern, sich durch besonders hosel, Fachbereich Ökologische Agrarhe Tierschutzstandards einen neuen wissenschaften, Fachgebiet NutztieMarkt zu erschließen. Das Bundes- rethologie und Tierhaltung erläutert: verbraucherministerium hat die Ent- „Bei den Masthühnern werden bereits wicklung dieses freiwilligen Kenn- in der Einstiegsstufe durch langsamer zeichnungssystems im Rahmen eines wachsende Tiere, niedrigere BesatzForschungsprojektes zur Einstiegsstu- dichten und Zugang zu einem Kaltfe im Bereich der Schweinehaltung scharraum die Lebensbedingungen gefördert. der Tiere wesentlich verbessert. Dies „Unser Label bezieht die gesamte wird in der Premiumstufe mit FreiProduktionskette ein – von der Zucht landzugang und weiter gesenkten und Aufzucht über die Haltung bis Besatzdichten nochmals deutlich zum Transport und zur Schlachtung“, gesteigert. Besonders wichtig ist, erläuterte Dr. Brigitte Rusche. „Das dass außerdem an den Tieren selbst ist neu.“ Neu ist auch, dass tierbe- systematisch und regelmäßig erfasst zogene Daten erhoben werden, die wird, wie es ihnen geht, um ein hohes Rückschlüsse auf die Qualität der Tierwohlniveau zu sichern.“ Haltung ermöglichen. Lauffähigkeit Dass der Deutsche Tierschutzbund und Fußballenentzündungen bei- mit eigener Initiative für Verbraucher spielsweise seien klare Indikatoren und Hersteller eine Alternative gefür das Wohlbefinden der Tiere, erläu- schaffen habe, sei ein Gewinn und terte Dr. Lars Schrader. Er gehört dem ein Fortschritt für den Tierschutz und Beirat zum Tierschutzlabel an, der die die Verbraucherinformation, komFortentwicklung der Kriterien auch mentierte der Vorsitzende des Verzukünftig kontinuierlich begleiten wird braucherzentrale Bundesverbandes, Die Entwicklung des Tierschutzla- Gerd Billen. „Die Bundesregierung bels stand von Anfang an auf breitem sollte sich daran orientieren und sich wissenschaftlichen Fundament. Prof. für ein europaweit verbindliches SieDr. Ute Knierim von der Universität Kas- gel einsetzen.“ Dr. Heidrun Betz du und das tier  1/2013  27

FotoS: deutscher tierschutzbund e.v.

Das Label „Für Mehr Tierschutz“ schafft Transparenz für die Verbraucher. Der Deutsche Tierschutzbund stellte das zweistufige Label anlässlich der Grünen Woche in Berlin vor.


[ AKTUELL]

tierschützer aus allen Landesteilen zogen gemeinsam mit Bauern, imkern, eine-Welt-Gruppen, natur- und Verbraucherschützern vor das Kanzleramt.

Demonstration

Wir haben Agrarindustrie satt 25.000 Menschen demonstrierten am 19. Januar 2013 vor dem Kanzleramt in berlin für eine ökologische und soziale reform der Agrarpolitik.

A

uf dem Vorplatz des Berliner Hauptbahnhofs herrschten eisige Temperaturen. Doch die Menschen trotzten der Kälte. Ausgestattet mit Fahnen und Bannern, originellen Plakaten, fantasievollen Kostümen, Trillerpfeifen und Trommeln, forderten sie lautstark eine Agrarpolitik, die nicht die Interessen der Industrie, sondern die der Bauern, der Verbraucher, der Tiere und der Umwelt in den Mittelpunkt stellt. 70 Traktoren und Imkerfahrzeuge aus dem gesamten Bundesgebiet waren nach Berlin gekommen, um diesen Demonstrationszug zu begleiten.

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89 Prozent der Bundesbürger hatten in einer Umfrage, die Infratest dimap im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums durchgeführt hat, kurz zuvor angegeben, es sei ihnen „wichtig“ (39 Prozent) oder gar „besonders wichtig“ (50 Prozent), dass Lebensmittel aus besonders tiergerechter Haltung stammen. „Die Politik muss dazu dann aber auch passen“, forderte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, von der Rednerbühne aus. „Wenn Bauernverbandspräsident Rukwied die Unzufriedenheit der Bauern und die Wünsche der Verbraucher igno-

riert, dann lebt er in einer Parallelwelt.“ Der hohe Fleischkonsum hierzulande schaffe weltweit Probleme, so Schröder, und „Tiere sind kein Stückgut! Wann werden die Verantwortlichen endlich begreifen, dass Tiere keinen Preis haben, sondern einen Wert?“ Gemeinsam mit Bauern, Imkern, Eine-Welt-Gruppen, Natur- und Verbraucherschützern zogen Vertreter des Deutschen Tierschutzbundes und seiner Mitgliedsvereine aus fast allen Bundesländern anschließend vom Berliner Hauptbahnhof durch das Regierungsviertel vor das Kanzleramt.


FotoS: deutScher tierSchutzbund e.v.

Gemeinsam forderten sie: „Gutes Es- die Agrarindustrie satt“, war auf den sen. Gute Landwirtschaft. Jetzt!“ Plakaten zu lesen. „Billige LebensMehr als 35 Trägerorganisationen mittel können wir uns nicht leisten“ und zahlreiche Unterstützer der Kam- und „Stoppt Tierfabriken!“. Zwei Tage pagne bezeugten zusammen mit den zuvor hatte das AgrarBündnis, dem Kooperationspartnern – der Arbeits- mit dem Deutschen Tierschutzbund gemeinschaft bäuerliche Landwirt- 24 Verbände aus Landwirtschaft, schaft (AbL), dem Bund für Umwelt Umweltschutz, Tierschutz, ländlichem und Naturschutz (BUND) und dem Raum und internationaler EntwickDeutschen Tierschutzbund – ihre Un- lungsarbeit angehören, den krizufriedenheit mit der aktuellen Agrar- tischen Agrarbericht 2013 vorgestellt politik. Unter anderem hatten auch (siehe Seite 21). der Deutsche Naturschutzring (DNR), „Den exorbitanten Einsatz von Brot für die Welt, Misereor und die Ver- Antibiotika bei Masttieren und bände des ökologischen Landbaus die enorme Belastung der Umzur Demonstration aufgerufen (siehe welt durch die Massentierhaltung haben wir satt“, www.wir-haben-es-satt.de). 25.000 Menschen appellierten an rief der BUND-Vorsitzende Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Hubert Weiger von der weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft Einhalt MEHR I NF O S zu gebieten und sich für Weitere informationen zur Kampagne eine ökologische und sofinden Sie im internet unter zial gerechtere Agrarpolitik www.meine-landwirtschaft.de einzusetzen. „Wir haben

Rednerbühne der Abschlusskundgebung. Neue Weichenstellungen in der Agrarpolitik Deutschlands und der Europäischen Union seien überfällig, und: „Agrarministerin Aigner muss endlich dafür sorgen, dass bäuerliche Betriebe anstelle von Tierfabriken gefördert werden.“ Dr. HeiDrun Betz

du und das tier 1/2013 29


[ AKTUELL] Internationale Grüne Woche

Zu Gast beim Leuchtturm

el (vorne) d Wolfgang Ap Peter Bleser un pfangs. em s rande de diskutierten am

Seit einem vierteljahrhundert bietet der neuLAnd-verein für tiergerechte und umweltschonende nutztierhaltung Landwirten eine Alternative zur industriellen intensivhaltung ihrer tiere. Anlässlich der internationalen Grünen Woche in berlin hatte neuLAnd auch in diesem Jahr wieder zum empfang geladen.

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ichtlich überrascht war Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, als der Vorsitzende des NEULAND-Vereins für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung, Wolfgang Apel, ihm die Ehrenurkunde überreichte. 16 Jahre hatte sich „FriWi“ als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) im NEULAND-Vorstand engagiert. Dafür sagten die Neuländer jetzt „Danke“. 25 Jahre ist es her, dass NEULAND die ersten Bauern davon überzeugte, sich der Industrialisierung der Tierhaltung zu widersetzen und eine besonders artgerechte Tierhaltung zu betreiben. Die Initiative ging damals vom Deutschen Tierschutzbund aus. NEULAND-Trägerverbände sind bis heute außerdem die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die Tierhaltung den Bedürfnissen der Tiere anzupassen ist Leitmotto

30 du und das tier

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der NEULAND-Bauern. Immer wieder haben sie neue Wege beschritten: Stroheinstreu im Schweinestall ist vorgeschrieben, ebenso Auslauf ins Freie. Vollspaltenböden sind verboten, Schweine behalten ihre Ringelschwänze. Seit 2008 werden NEULAND-Ferkel nicht mehr ohne Betäubung kastriert. Die strengen Richtlinien des NEULAND-Vereins, an denen er kontinuierlich mitgewirkt hat, waren für den Deutschen Tierschutzbund auch eine Richtschnur bei der Erarbeitung der Kriterien für die Premiumstufe des neuen Tierschutzlabels (siehe Seite 14 in diesem Heft). „NEULAND ist der Leuchtturm der tiergerechten Haltung“, erklärte Wolfgang Apel daher auch, als er die Gäste zum Empfang begrüßte – Bauern, hochrangige Vertreter der Politik, der Wirtschaft, der landwirtschaftlichen Verbände, Tierschützer, Natur- und Verbraucherschützer. „Gemeinsam müssen wir den Tierschutz

tierschutzbundpräsident thomas Schröder (li.) im Gespräch mit Wolfgang Apel und Minister Gert Lindemann. Foto rechts: Wolfgang Apel überreichte Wilhelm Graefe zu Baringdorf die ehrenurkunde des neuLAnDVereins.

in die Ställe tragen. Die Bevölkerung steht auf unserer Seite“, so Apel mit einem Blick zurück auf die Anfangszeiten des Vereins: „Dass das Miteinander von Bauern, Tierschützern und Naturschützern Silberhochzeit feiern würde, hätte damals niemand erwartet. Ich wünsche NEULAND goldene Zeiten.“ NEULAND-Bundesgeschäftsführer Jochen Dettmer moderierte die folgenden Ansprachen und gab nach dem Aufsichtsratsvorsitzenden der NEULAND GmbH Bad Beversen, Andreas Engel, den Vorsitzenden der Trägerverbände das Wort. Bernd Voß (AbL) erklärte, NEULAND sei das Paradebeispiel für die Agrarpolitik der Zukunft, und versprach: „Wir werden die Kanzlerin und die Mitglieder des Europäischen Parlaments bei den Entscheidungen zur EU-Agrarpolitik nicht aus der Verantwortung lassen.“ Auch Prof. Dr. Hubert Weiger (BUND) rief zum Widerstand gegen die aktuelle


FotoS: deutscher tierschutzbund e.v.

Neuland-Bundesgeschäftsführer Jochen Dettmer (re.) begrüßte (v. li.) den BUND-Vorsitzenden, Hubert Weiger, den Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen), den Ehrenpräsidenten des Deutschen Tierschutzbundes und Vorsitzenden des NEULAND-Vereins, Wolfgang Apel, den Vorsitzenden der AbL, Bernd Voß, den Parlamentarischen Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Peter Bleser (CDU), den Vizepräsidenten des Deutschen Fleischerverbandes und NEULAND-Metzger, Georg Schlagbauer, den Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, Niedersachsens Minister für Ernährung, Landwirtschaft,Verbraucherschutz und Landesentwicklung, Gert Lindemann (CDU), die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz, Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen), M. Hochdörffer vom Weingut Hochdörffer, einem Sponsor des Abends, und dem stellvertretenden Vorsitzenden des NEULAND e.V., Hans-Georg Starck (BUND).

Agrarpolitik auf. „Eine neue gesellschaftliche Bewegung hat erkannt, dass die Landwirtschaft über unser aller Lebensgrundlagen entscheidet. Mit NEULAND haben wir einen ersten Schritt getan, die gemeinsamen Interessen zu bündeln. Wir sagen ‚Nein‘ zur Agrarindustrie und ‚Ja‘ zur bäuerlich strukturierten Landwirtschaft.“ Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, dankte den Bauern: „NEULAND lebt vor, dass Tiere keinen Preis haben, sondern einen Wert.“ Darüber, dass Fleisch aus tiergerechter Haltung teuer sei, werde viel geredet. Nicht aber darüber, dass Fleisch insgesamt viel zu billig sei. Auch deshalb habe der Deutsche Tierschutzbund das Label „Für mehr Tierschutz“ eingeführt, und er habe dabei von den Leistungen der

NEULAND-Bauern profitieren können. Man müsse die Verbraucher begeistern, davon ist auch NEULAND-Fleischer Georg Schlagbauer aus Bayern, Vizepräsident des Deutschen Fleischerverbandes, überzeugt. NEULAND biete den Kunden eine Handlungsoption. Seine Kunden kauften aus Überzeugung. Man dürfe ihnen nichts aufzwingen. Die Tierhaltung dürfe sich nicht am Preis orientieren, sondern umgekehrt. Davon zeigte sich auch SchleswigHolsteins Minister für Energiewende, Landwirtschaft. Umwelt und ländliche Räume, Dr. Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), überzeugt. NEULAND sei „der Fahnenträger und die Speerspitze für eine artgerechte Tierhaltung“. Und mit Hinweis auf das neue Tierschutzlabel betonte er: „Gut, dass

NEULANDFleischer Georg Schlagbauer betonte in seiner Rede, dass er seinen Kunden eine Alternative zu Fleisch aus industrieller Produktion biete und dass sie es aus Überzeugung kauften.

es zwei Sterne gibt. Wo nur ein Stern steht, fehlt einer.“ Die Grüße der Bundeslandwirtschaftsministerin, Ilse Aigner, überbrachte der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Peter Bleser (CDU). Die Bundesregierung begrüße die Einführung des Tierschutzlabels als freiwilliges Angebot an die Verbraucher. Dass die aktuelle Änderung des Tierschutzgesetzes (s. S. 34f.) den Tierschützern nicht weit genug gehe, sei ihm bewusst. Dankbar sei er jedoch für den fairen Umgangston. Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf griff diesen Gedanken in seiner kurzen Dankesrede auf: „Wir bei NEULAND ringen sehr um unsere Positionen. Da herrscht nicht immer Freundschaft. Aber das muss man aushalten und sich gegenseitig zum Denken bringen. Und: Was man anpackt, das muss auch Freude machen.“ Die angeregten Gespräche, die sich bis spät in den Abend hineinzogen, zeigten, wie recht er damit hat. Das Ringen um eine besonders artgerechte Tierhaltung, wie NEULAND sie praktiziert, war allen Gästen ein wichtiges Anliegen. Dr. Heidrun Betz

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[ AKTUELL] Lebendhälterung von Speisefischen und Krustentieren

Das stille Leiden der „Delikatessen“ Noch immer werden Hummer, Krebse und Speisefische lebend in Kaufhäusern und Gourmet-Tempeln zur Schau gestellt, bevor sie – nicht immer fachgerecht – getötet werden. Der Deutsche Tierschutzbund fordert eine Überarbeitung der geltenden Gesetze sowie ein Verbot der Lebendhälterung.

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um Jahresende hatten sie wieder Hochsaison. An Weihnachten und Silvester gönnen sich viele Deutsche Hummer, Garnelen und Krebse oder Edelfische. Delikatessläden und Kaufhäuser sind darauf eingestellt. Um zu demonstrieren, wie frisch die Ware aus dem Meer ist, stapeln sie in Schaubecken die Krustentiere mit zugebundenen Scheren. Der Kunde kann wählen, wen er als Festtagsmahlzeit auftischen will. Mehr noch: Er kann sein Opfer lebendig mit nach Hause nehmen, selbst töten und so die Qual der feinen Kost weiter verlängern. Denn auch wenn Krebs und Hummer Schmerzen nicht für jeden erkennbar signalisieren, so haben Studien doch gezeigt, dass diese Tiere sehr wohl Stress und Schmerzen empfinden. Auch zeigen sie beachtliches Lernverhalten. Eine Literaturstudie der Universität Leipzig1 hat kürzlich noch einmal deutlich gemacht, dass das Töten mit heißem Wasser aus Sicht des Tierschutzes nicht vertretbar ist. Der grausame Tod ist zudem das Ende einer langen Leidenszeit der Tiere, die mit dem Fang aus ihren Zuchtbecken oder der offenen See beginnt. Sie werden lebend verladen und oft über Tausende Kilometer weit transportiert. Jedes Zwischenlager bedeutet Stress durch Verhar-

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ren in ungenügenden Transportbehältnissen, Herausnahme und Umsor tierung in neue Behältnisse, veränderte Wasserwerte etc. Am Verkaufsort angekommen, landen die Krustentiere in ungeschützten Schaubecken, oft genug ohne Rückzugsmöglichkeiten. Damit sie – Hummer beispielsweise sind Einzelgänger – einander nicht angreifen und keine Menschen verletzen können, werden ihnen die Scheren zusammengebunden. Fische müssen meistens in überbelegten Behältern ohne Fütterung auf ihren Tod warten. Oft werden unterschiedliche, untereinander unverträgliche Arten zusammen gehältert. Auch das Herausnehmen für die Kunden ist purer Stress für die Tiere. Die nicht gewählten Fische bleiben oft minutenlang an der Luft, bevor sie wieder in die Becken geworfen werden. Das Verkaufspersonal ist selten gut geschult. Unsachgemäßes Töten, das wiederum Qual bedeutet, kommt häufig vor. Schlimmer noch ergeht es Hummer und Krebsen, die den Kunden

Hummern werden die Scheren zusammengebunden, damit sie einander nicht angreifen.

auf Wunsch lebend übergeben werden. Viele von ihnen werden stümperhaft in der heimischen Küche getötet, ihr Leiden und Sterben wird unnötig verlängert. Einen vernünftigen Grund für den Lebendtransport und die Hälterung gibt es nicht. Längst ist nachgewiesen, dass nach dem Fang sofort getötete Fische und Krustentiere keine schlechtere Qualität haben als ihre oft wochenlang gequälten Artgenossen. Seit Jahren protestiert der Deutsche Tierschutzbund deshalb gegen die tierquälerische Hälterung der


FOTOS: DREAMSTIME.COM/N. LARINA/TONNYWU76

Ohne Versteckmöglichkeiten und Sichtschutz warten die Krustentiere auf ihre Tötung – oft tagelang.

Tiere. Einen ersten Schritt zu mehr Tierschutz machte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im Januar 2011 mit einem Merkblatt, das die Hälterung von Krustentieren in Geschäften und Restaurants nach einheitlichen Vorschriften sichern sollte. Eine Stichprobe des Deutschen Tierschutzbundes im Mai 2011 (siehe auch du und das tier 5/2011, News) ergab jedoch, dass diese Vorschriften mehrheitlich ignoriert wurden. Das bayerische Merkblatt sollte als Vorlage für entsprechende Vorschriften anderer Bundesländer verwendet werden, doch nach Intervention der Industrie beschlossen die Länder, erst noch weitere Studienergebnisse abzuwarten. Im November 2012 – kurz vor der Hauptsaison für den Verzehr von Hummer und Co. – hat der Deutsche Tierschutzbund die für den Tierschutz zuständigen Vertreter in den Landesministerien wiederum angeschrieben und ein gesetzliches Verbot der Hälterung von Speisefischen und Krustentieren bzw. eine Hälterung unter strengsten Tierschutzvorschriften sowie ein Verbot der Lebendabgabe von Krustentieren gefordert. Parallel dazu hat er auch die Handelsunternehmen über die Tierschutz-

probleme informiert und sie aufgefordert, keine lebenden Tiere mehr anzubieten und zu verkaufen. Er konnte dabei auf Unternehmen verweisen, die den Lebendverkauf inzwischen eingestellt haben. Die Reaktionen zeigen zumindest ein Umdenken bei einigen Unternehmen. So antwortete die FrischeParadies KG, dass in den vergangenen Jahren der Lebendverkauf deutlich rückläufig sei und dass das Unternehmen bereits seit drei Jahren in Kanada getöteten und gefrosteten Lobster anbiete. Die Geschäftsführung gehe davon aus, dass „das Produkt lebende Hummer in zwei Jahren in unserem Hause nicht mehr existent sein wird.“ Die Metro Group hat bei der Humboldt-Universität Berlin eine Studie in Auftrag gegeben, um die Hälterungsbedingungen für Hummer zu optimieren. Deren Ergebnisse zeigen unter anderem, dass eine weitere Absenkung der Hälterungstemperatur den Tieren keine Erleichterung brächte. Die Ergebnisse dieser Studie werden die Tierschutzvertreter der Länder mitberücksichtigen, wenn sie weiter über ein bundeseinheitliches Merkblatt zur Hälterung von Krustentieren beraten. Es ist zu hoffen, dass tatsächlich eine Verbesserung für die Tiere erreicht wird.

Andere Unternehmen sind schon weiter: Seit 2012 verkaufen Lidl, Norma, Netto und Penny bundesweit gar keine Hummer mehr. Kaufland plant darüber hinaus, keinen Lebendfisch mehr in den Filialen vorrätig zu halten. In Berlin bieten das KaDeWe, die Galeria Kaufhof und das Kaufhaus Lafayette keine lebenden Hummer mehr an. Welche Handelsunternehmen und Restaurants noch lebende Speisefische und Krustentiere anbieten, erfahren Sie auf der ständig aktualisierten Website des Deutschen Tierschutzbundes: www.tierschutzbund.de/kampagne _fische_krustentiere.html. Landmann, A. (2011): Betäubungs- und Tötungsmethoden bei Speisekrebsen aus der Sicht des Tierschutzes und der Produktqualität. Diss. Vet. Med. Universität Leipzig. 1

AKT I V WER DE N Verbraucher können helfen, die Qual der Speisefische und Krustentiere zu mindern. Fordern Sie Fischhändler und Restaurants, die Lebendtiere im Angebot haben, auf, das Sortiment umzustellen. Boykottieren Sie konsequent Geschäfte und Gaststätten, in denen Krustentiere und Fische gehältert werden.

du und das tier 1/2013 33


[ AKTUELL] Von links: Heinz Paula (MdB SPD), Torsten Albig (SPD), Ministerpräsident Schleswig-Holstein, Ursula Engelen-Kefer, Thomas Schröder (Präsident Deutscher Tierschutzbund), Anke Spoorendonk (SSW), schleswig-holsteinische Ministerin für Justiz, Kultur und Europa. Robert Habeck (GRÜNE), Landwirtschaftsund Umweltminister in Schleswig-Holstein, und Frank Meuser (Deutscher Tierschutzbund)

Tierschutzgesetz

Änderung beschlossen Die Regierungsmehrheit im Deutschen Bundestag hat ein neues Tierschutzgesetz beschlossen. Inhalt und Umfang wertet der Deutsche Tierschutzbund als völlig unzureichend. Nun wird er den Tierschutz im Bundestagswahlkampf von den Parteien einfordern.

A

m 13. Dezember 2012 hat der Deutsche Bundestag das Dritte Gesetz zur Änderung des Tierschutzgesetzes beschlossen. Wie mehrfach berichtet, dient das Gesetz im Wesentlichen der Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie von 2010. Darüber hinaus aber erfolgen

Heinz Paula (MdB SPD), Manu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Thomas Schröder

34 du und das tier

1/2013

nur wenige Änderungen (s. Kasten), obwohl die Umsetzung der Richtlinie die Gelegenheit für eine umfassende Reform des Tierschutzgesetzes bot. Besonders umstritten waren bis zuletzt der Schenkelbrand an Pferden und die betäubungslose Ferkelkastration. Anders als von der Bundes-

Thomas Schröder und Gert Lindemann (CDU), Landwirtschaftsminister in Niedersachsen

regierung ursprünglich vorgeschlagen, wird der Schenkelbrand nicht verboten. Das ursprünglich ohnehin erst für 2017 vorgesehene Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration wird noch einmal um zwei weitere Jahre verschoben, bis 2019. Dies, obwohl Ferkel schon heute problem-

Johannes Remmel (GRÜNE), Landwirtschaftsminister NRW


FOTOS: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND E.V.

los betäubt werden können, weshalb nach dem Tierschutzgesetz ein sofortiges Verbot geboten wäre. Diese Verschlechterungen gegenüber dem ohnehin ungenügenden Entwurf der Bundesregierung ging auf den Beschluss der CDU, CSU und FDPRegierungsfraktionen im Deutschen Bundestag zurück. Dem Bundestagsbeschluss vorausgegangen war unter anderem eine Anhörung im Agrarausschuss. Diese Anhörung machte einmal mehr deutlich, dass die Agrar- und Pferdezuchtlobbyisten in den Reihen der Unionsfraktion auch vor falschen Behauptungen und dem Einholen zweifelhafter Gutachten nicht zurückschrecken. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes und bei der Anhörung als Sachverständiger anwesend, stellte zweifelhafte und falsche Behauptungen seitens der Züchterlobby zwar umgehend richtig; am Ende aber entschieden die Regierungsabgeordneten mit ihrer Mehrheit: für die Lobbyinteressen der Tiernutzer und gegen die Verpflichtung aus dem Staatsziel Tierschutz. Zehn Jahre nach Aufnahme des Staatsziels Tierschutz ins Grundgesetz und ein Vierteljahrhundert nach der letzten maßgeblichen Novelle des Tierschutzgesetzes gehen die vom Bundestag beschlossenen Änderungen in Inhalt und Umfang völlig an den heutigen Erfordernissen des Tierschutzes vorbei. Auch die Regelungen zu Tierversuchen, zur Qualzucht, zur Wildtierhaltung im Zirkus oder zum Umgang mit frei lebenden Katzen sind völlig unzureichend. Po-

Thomas Schröder und Eva BullingSchröter (DIE LINKE), Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses

sitiv festzuhalten ist sicherlich, dass die Forderung des Deutschen Tierschutzbundes nach einem Verbot der Sodomie mit Unterstützung des Bundesrates doch noch von der Bundesregierung aufgegriffen wurde. Angesichts der Gesamtbilanz des neuen Tierschutzgesetzes ist das nur ein kleiner Erfolg. Das Leid von Millionen Tieren bleibt weiter gesetzlich sanktioniert. Besonders ärgerlich ist, dass der Bundesrat den Entwurf am 1. Februar hat passieren lassen, obwohl er selbst Mitte 2012 noch sehr viel bessere Regelungen für den Tierschutz gefordert hatte (siehe du und das tier 4/2012).

In Kürze

Neuerungen im Tierschutzgesetz ■ Ermächtigung für Sicherheitsvorkehrungen bei Bränden in Tierhaltungsanlagen ■ grundsätzliches Verbot, ein Tier als Preis auszuloben ■ Verbot der Sodomie ■ Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ab 2019 ■ Schenkelbrand an Pferden ab 2019 nur noch mit Betäubung ■ Erlaubnisvorbehalt für die entgeltliche Einfuhr von Tieren, z.B. Hundewelpen ■ Erlaubnisvorbehalt für kommerzielle Hundeschulen ■ Ermächtigung zur Einschränkung der Wildtierhaltung im Zirkus ■ betriebliche Eigenkontrolle für gewerbliche Tierhaltungen in der Landwirtschaft ■ Formulierungsänderung des Qualzuchtparagraphen ■ Ermächtigung für Landesverordnungen zum Schutz frei lebender Katzen ■ Halter sollen über die Bedürfnisse und Haltungsanforderungen ihrer Tiere informiert werden

Da die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und FDP die Verbesserungsvorschläge der Bundesländer nahezu komplett ignoriert haben, hat der Deutsche Tierschutzbund den Bundesrat zur Anrufung des Vermittlungsausschusses aufgerufen. So hätten die Länder einige ihrer guten Vorschläge nachträglich in das Gesetz einarbeiten können. Leider ist die Anrufung des Vermittlungsausschusses an den CDU-regierten Bundesländern gescheitert. Die Forderung, eine umfassende Novelle des Tierschutzgesetzes einzuleiten, die dem Staatsziel Tierschutz entspricht und die Tiere wirklich schützt, bleibt aufrechterhalten. Der Deutsche Tierschutzbund wird weiter alles daransetzen, dass diese wirkliche Novelle kommt. Im September 2013 ist Bundestagswahl. Auch der Deutsche Tierschutzbund wird Wahlkampf machen: parteipolitisch neutral, aber konsequent für den Tierschutz. Dann müssen sowohl die demokratischen Parteien als auch die Kandidaten in ihren Wahlkreisen erneut die Frage beantworten, ob eine Stimme für sie auch eine Stimme für den Tierschutz ist. Denn nur Tierfreunde gehören in den Bundestag. FRANK MEUSER

MEHR I NFOS Ausführliche Informationen zum geänderten Tierschutzgesetz finden Sie im Internet: www.tierschutzbund.de/ tierschutzgesetz.html

Tina Fischer, Staatssekretärin und Bevollmächtigte des Landes Brandenburg beim Bund, und Thomas Schröder

du und das tier 1/2013 35


[vor ort]

Wildtiere im Zirkus sind noch nicht überall verboten.

AltenBurg

A

uf heftige Proteste von Tierschützern anlässlich des Gastspiels des Circus Voyage hin setzte der Stadtrat von Altenburg den Umgang mit Zirkusunternehmen, die noch Wildtiere mitführen, auf die Tagesordnung. Der Berliner Zirkus steht wegen seiner Elefantenshow seit Jahren in der Kritik. Im Januar 2012 war Elefantenkuh Mausi, die trotz schwerer Erkrankung noch mit auf Tournee war, in der Nähe von Brüssel ihrem Leiden erlegen (siehe auch du und

das tier 1/2012). Die anderen Elefanten müssen weiterhin in der Manege auftreten. Angesichts der bevorstehenden Stadtratsdiskussion forderten der Deutsche Tierschutzbund und der ihm angeschlossene Tierschutzverein „Hoffnung für Wildenten, Schwäne und Co.“ die Fraktionsvorsitzenden der Parteien und den parteilosen Stadtrat auf, ein kommunales Wildtierverbot nach dem Vorbild von Heidelberg, Bonn oder Worms zu beschließen. Da die Bundesregierung, trotz

der Forderung des Bundesrates, immer noch kein bundesweit gültiges gesetzliches Wildtierverbot für Zirkusunternehmen erlassen hat, müssen die Kommunen individuell entscheiden, ob sie einen Zirkus, der Wildtiere mitführt, in ihrem Einzugsbereich dulden. Eine einheitliche Regelung gibt es nicht, auch gehen die Gemeinden mit den Genehmigungen für Zirkusunternehmen unterschiedlich um.

Das zeigt, wie dringend nötig eine bundesweite gesetzliche Regelung ist. In seinem Schreiben verdeutlichte der Deutsche Tierschutzbund die Problematik von Wildtieren in Zirkusunternehmen aus Tierschutzsicht und bot der Stadt Altenburg Hilfe bei der Entscheidungsfindung an. Bis Redaktionsschluss hatte der Stadtrat noch keinen Beschluss gefasst.

pfAffenhofen

Eine pfundige Idee „W ir wollen Eure Kilos!“ Unter diesem Motto veranstaltete das „clever fit“-Fitnessstudio in Pfaffenhofen an der Ilm zwei Aktionswochen zugunsten des Tierheims. Zwei Wochen lang konnten dort Futterspenden abgegeben werden. Für jedes gespendete Kilo Futter gab’s eine Woche Gratistraining – kostenlose Kurse, kostenlose Gerätenutzung und sogar freie Mineralgetränke.

Das Interesse an der Kombination Fitness und Tierschutz war enorm. Kistenweise schleppte der Geschäftsführer des Studios nach Abschluss der Aktion Tierfutter in die Pfaffenhofener Tierherberge und legte es kurz vor Weihnachten unter den Baum. 120 Kilogramm Tierfutter hatten die Sportler gespendet, weitere 40 Kilogramm hatte ein OBI-Baumarkt dazugelegt. „Pfundige Sache“, freute sich Heimleiterin Sandra Lob. „Alle haben was davon: Die Menschen, die gespendet haben, konnten sich selbst etwas Gutes tun, und gleichzeitig haben sie unseren Tieren geholfen.“ Eine originelle Idee, die auch andere Sportclubs und Fitnessstudios aufgreifen könnten.

Überraschende Bescherung – die Spenden der Sportler

36 du und das tier

1/2013

Der Feuerwehrfonds ermöglichte die Wiederinstandsetzung und den Ausbau des Hundeplatzes.

grossenhAin

Hundeplatz ausgebaut E

in heftiger Wirbelsturm (Tornado) im Kreis Meißen (Sachsen) hatte den Zaun um das Hundeauslaufgebiet des Großhainer Tierschutzvereins niedergerissen und das Gelände unbenutzbar gemacht. Dank eines Zuschusses aus dem Feuerwehrfonds des Deutschen Tierschutzbundes und vieler ehrenamtlicher Helfer ist der Platz jetzt wieder ausbruchssicher und steht den

Hundehaltern zur Verfügung. Die Stadt Großenhain stellte dem Tierschutzverein 500 Euro zur Verfügung. Daraufhin konnten die Tierschützer vier mobile Sportgeräte für die Vierbeiner anschaffen und den Hundeauslaufplatz damit noch attraktiver machen. Andrea Saupe, Schatzmeisterin des Großenhainer Tierschutzvereins, bedankte sich beim Deutschen Tierschutzbund für die schnelle finanzielle Hilfe nach dem Unwetter, denn ohne diese Unterstützung hätte der Tierschutzverein den Zaun aus eigenen Mitteln nicht wieder instandsetzen können.

Fotos: dreaMstiMe.coM/LiFang1025, tierschutzverein grossenhain, tierschutzverein PFaFFenhoFen, istockPhoto.coM/w. ingerL, tierschutzverein berLin, Meike LÖhr

Diskussion über Wildtiere im Zirkus


leser frAgen

BAden-württeMBerg

Gestüt Marbach verzichtet auf Schenkelbrand D

ie Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und FDP im Bundestag haben das in der Tierschutznovelle vorgesehene Verbot des Schenkelbrandes bei Pferden gekippt, und das, obwohl der Bundesrat sich schon im Oktober 2010 gegen den Schenkelbrand entschieden und die Bundesregierung aufgefordert hatte, ihn zu verbieten. Die badenwürttembergische Landesregierung hat sich anders entschieden: „Eine zusätzliche Brandkennzeichnung (zur EU-Kennzeichnung mit einem Chip) würde dem Tier ohne vernünftigen Grund weitere Schmerzen zufügen. Dies ist ethisch nicht vertretbar“, erklärte der für den Tierschutz zuständige Minister Alexander Bonde. Und weiter: „Wie eine solche Entscheidung den Bürgerinnen und Bürgern vermittelt werden soll, ist mir schleierhaft.“ Baden-Württemberg hat veranlasst, dass die Pferde im Landesgestüt Marbach nicht mehr gebrannt werden. Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz appelliert zudem an alle Zuchtverbände, auf den Schenkelbrand zu verzichten. Kein Schenkelbrand mehr in Marbach

Vogelfütterung

?

Dürfen wir Singvögel füttern, obwohl kein Schnee liegt?

Ja. Wer sachgemäß füttert, kann vielen Vögeln helfen, die kalte Jahreszeit besser zu überstehen. Wenn gefüttert wird, muss dies allerdings zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und mit geeignetem Futter geschehen. Eine sachgemäße Fütterung, die auf die unterschiedlichen Vogelarten ausgerichtet ist, führt nicht zu einer Benachteiligung seltener Arten, wie vielfach befürchtet wird. JAMES BRÜCKNER, FACHREFERENT FÜR ARTEN- UND NATURSCHUTZ BEIM DEUTSCHEN TIERSCHUTZBUND E.V.

 Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie im Internet: www.tierschutzbund.de/ vogelfuetterung.html  Die Broschüre „Fütterung der Vögel“ können Sie dort herunterladen: www.tierschutzbund.de/ broschueren.html

Einzelne Exemplare der Broschüre erhalten Sie gerne auch kostenlos mit der Post. Bitte senden Sie dazu einen mit € 0,90 frankierten Rückumschlag (langes Format) an folgende Adresse: Deutscher Tierschutzbund e.V., Baumschulallee 15, 53115 Bonn

Berlin

Erfolgreiche Themenführungen M it seinen Themenführungen bietet der Tierschutzverein für Berlin interessierten Besuchern jeweils zu einem speziellen Sachgebiet mehr Hintergrundwissen an, als er während eines klassischen Rundgangs auf dem riesigen Areal – das Gelände ist 30 Fußballfelder groß – vermitteln kann. Im Oktober ging es um tiergerechte Haltung. Es gibt unzählige Tierarten, die Menschen sich als Heimtiere halten. Doch welches Tier passt zu wem? Wie wird man den Bedürfnissen der Tiere gerecht? Und was ist mit Exoten? Anhand einiger ausgewählter Tierarten (Zwergkaninchen, Wellensittiche, Katzen und Hunde) wurde die tiergerechte Haltung besprochen und gezeigt. Unter dem Motto „Von A wie Affenpinscher

Jeden Monat steht die Führung unter einem neuen Motto.

bis Z wie Zebrafinken“ beantwortete Stephanie Eschen den Besuchern viele Fragen rund um die Haltung verschiedener Heimtiere. Das November-Thema lautete: „Wie kann ich den Tierschutzverein unterstützen?“ Anhand praktischer Beispiele stellt er/ sie auch verschiedene Un-

terstützungsmöglichkeiten vor. Weil sich die Themenführungen als sehr erfolgreich erwiesen haben, wird der Tierschutzverein für Berlin sie 2013 fortsetzen. Die Teilnahme ist kostenlos, lediglich eine rechtzeitige Anmeldung ist erforderlich, denn die Anzahl der Teilnehmer ist begrenzt.

du und das tier 1/2013 37


[vor ort] Altentreptow

Strafanzeigen gegen Phönix’ Mörder A

ls die Vorsitzende des Tierschutzvereins Altentreptow, Tierärztin Christiane Porwollik, den DobermannRüden auf einen Hinweis hin entdeckte, zerriss sein Anblick ihr beinahe das Herz: Abgemagert bis zum Skelett, mit einem Stachelwürger um den Hals, einem zu engen Beißkorb ums Maul und einer Leine, die sich mehrfach um den Baum gewickelt hatte, an den er angebunden war, konnte er sich kaum noch auf den Beinen halten. Der voll kupierte Hund leckte trotz seiner Qualen vertrauensvoll an der Hand seiner Retterin. In der Tierklinik zeigte sich dann das ganze Ausmaß dieser Tierquälerei. Phönix, wie ihn die Tierschützer tauften, wog noch knappe 21 Kilogramm, gerade die Hälfte des Gewichts, das ein aus-

gewachsener Dobermann mindestens haben sollte. Fünf Tage kämpfte der Rüde um sein Leben, dann starb er, friedlich und umsorgt, an Multiorganversagen. Weil Phönix gechippt war, konnten die Tierschützer schnell den Erstbesitzer und schließlich auch den letzten Halter ermitteln, der den acht Jahre alten Rüden nach tierärztlicher Einschätzung über Jahre schlecht versorgt und gequält hatte. Der Tierschutzverein Altentreptow und der Deutsche Tierschutzbund erstatteten Strafanzeige gegen den jetzt namentlich bekannten Halter in insgesamt sieben Punkten. Phönix ist bei seinen Rettern geblieben, er wurde eingeäschert, und seine Urne soll alle Tierfreunde mahnen, die Augen offen zu halten und Tierquälerei sofort zu melden.

Als er gefunden wurde, konnte Phönix sich kaum noch auf den Beinen halten. In seinen letzten Tagen bekam er viel Liebe.

38  du und das tier  1/2013

Nordrhein-Westfalen

Info-Tag des Landesverbandes T

raditionell lädt der Landes­ tierschutzverband Nord­ rhein-Westfalen des Deutschen Tierschutzbundes die ihm angeschlossenen Vereine alljährlich zu einem Informationstag ein – diesmal nach Essen. Der Begrüßung und den einführenden Worten des Präsidenten des Landestierschutzverbandes, Peer Fiesel, folgten Grußworte des 1. Vorsitzenden Hans-Jürgen Holler vom Tierschutzverein

sident Fiesel stellte im Rahmen der anschließenden Diskussion fest, dass mit der geplanten Einführung des Verbandsklagerechts eine der wesentlichen Forderungen des Landestierschutzverbandes NRW erfüllt werde. Hart ins Gericht mit der Bundesregierung ging Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, in seiner Rede. Schröder, der als Sachverständiger in der

Groß-Essen und des Oberbürgermeisters der Stadt Essen, Reinhard Paß. Anschließend informierte MdB Heinz Paula, Tierschutzbeauftragter der SPD-Bundestagsfraktion, über die unterschiedliche Interessenlage sowie den aktuellen Stand der Diskussion bei der Novellierung des Tierschutzgesetzes. In der anschließenden Aussprache brachte Vizepräsident Dr. Ralf Unna die massive Kritik des Landestierschutzverbandes an dem Entwurf der Bundesregierung zum Ausdruck. Auch forderte er die Abschaffung der Listung der Hunde und die Einführung eines „Hundeführerscheins“. Norwich Rüße, Mitglied der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen, informierte über den Stand des Gesetzgebungsverfahrens zum Verbandsklagerecht in NRW und ging anschließend auf die wichtigsten Aspekte des Gesetzentwurfes ein. Prä-

Anhörung des Bundestagsausschusses im Bundestag gewesen war, empörte sich über die weiterhin erlaubten Brandzeichen für Pferde, die bis 2019 erlaubte betäubungslose Ferkelkastration und das Verzögern der Regierung beim Verbot von Wildtieren im Zirkus, dem Qualzucht-Gesetz und der Kastrationspflicht für frei laufende Katzen. Ausdrücklich lobte er das geplante Verbandsklagerecht in NRW als Riesenschritt vorwärts. Anschließend stellte er das neue Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes vor. Bevor die Gäste in der „Aktuellen Tierschutzstunde“ Anregungen und Informationen austauschten, stellte Vizepräsident Günther Oltrogge noch die Seminare des Landestierschutzverbandes vor, und Vorstandsmitglied Karen Alwardt berichtete über die Aktivitäten der Tierschutzjugend NRW.


itAlien

Laufen für den Tierschutz Z

um alljährlichen ZehnKilometer-Lauf auf den Vesuv Ende vorigen Jahres meldete sich auch der britische Tierfreund und Sportler Martin Ball an. Auf einer Charity-Internetseite suchte er Sponsoren für den Lauf und gab die Lega pro Animale als Spendenempfänger an. Besuchern der Seite, die aus aller Welt spendeten, stellte er die Lega pro Animale, die von

Fotos: tierschutzverein aLtentrePtow, Lega Pro aniMaLe

Martin Ball (rechts) lief für die Lega den Charity-Marathon. der Deutschen Dorothea Friz geführt wird und Mitglied im Deutschen Tierschutzbund ist, und deren Arbeit vor. Bis zum Lauf hatte er bereits fast 1.000 Euro gesammelt. Die britische Tierschutzorganisation Anglo Italian Society for Protection of Animals (AISPA) verdoppelte den Betrag, der jetzt in die Kastrationsaktionen der Lega pro Animale fließt, um die Anzahl frei lebender Hunde und Katzen in Süditalien weiter zu vermindern. Martin Ball erlief sich außerdem auch noch einen tollen fünften Platz. Und auch die Lega konnte einen Rekord vermelden: 2012 kastrierte sie mehr als 4.000 Tiere.

Wiedegre vorla FRAUENHAGEN: Durch Eingreifen des Tierschutzvereins Prenzlau und des Land e s t i e r s chu t z ve r b a n d e s Brandenburg des Deutschen Tierschutzbundes wurden voriges Jahr rund 170 Rinder und 70 Pferde im uckermärkischen Frauenhagen aus einer schlechten Haltung gerettet. 16 Jahre lang hatten die Behörden die Missstände in dieser Tierhaltung geduldet (du und das tier berichtete in den Ausgaben 2/2012, S. 42 und 3/2012, S. 18). Was ist aus dem Fall geworden? Bis zu 70 Pferde und eine Mutterkuhherde hatte ein Landwirt im uckermärkischen Frauenhagen jahrelang schlecht versorgt. Die Tiere waren hochgradig unterernährt und krank. Nachdem er mit einem Tierhalteverbot belegt worden war, überschrieb er die Herden einer Landwirtin, die ihrerseits ihm die Betreuung der Tiere überließ – mit fatalem Ergebnis. Als während einer Kältewelle Ende 2011 die zum Teil trächtigen Rinder und Pferde schutzlos und ohne Futter und Wasser sich selbst überlassen waren, schalteten sich – wie zahllose Male zuvor – die Vorsitzende des Landestierschutzverbandes Brandenburg, Renate Seidel, und die Vorsitzende des Prenzlauer Tierschutzvereins, Frauke Förster, ein. Doch das zuständige Veterinäramt reagierte nicht. Erst als Renate

Keine Bewährung für jahrelange Tierquälerei Seidel das Ministerium für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz informierte, wurden die Tiere beschlagnahmt und anderweitig untergebracht. Der Landestierschutzverband Brandenburg des Deutschen Tierschutzbundes erstattete Strafanzeige gegen den zuständigen Amtstierarzt und gegen die Landwirtin, die die Tiere zuletzt gehalten hatte. Am 20. November 2012 hat das Amtsgericht Schwedt den Landwirt nun wegen mehrfacher Misshandlung von Tieren und Bedrohung zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten Haft ohne Be-

währung verurteilt. Zusätzlich sprach der Strafrichter ein Tierhalteverbot von drei Jahren aus. Vor dem Landgericht Frankfurt/Oder wird der Fall jedoch noch einmal aufgerollt werden. Sowohl der Landwirt als auch die Anklage sind in die Berufung gegangen. Obwohl das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, dürften die ausgesprochene Strafe ohne Bewährung und das damit verbundene Tierhalteverbot für die in Kürze anstehenden Verfahren gegen den zuständigen Amtstierarzt und die Landwirtin doch richtungweisend sein.

Diese Bilder erschütterten die Leser von du und das tier. Jetzt wurde der Landwirt zu Gefängnis verurteilt und mit Halteverbot belegt. Weitere Verfahren laufen noch.

du und das tier 1/2013 39


[vor ort] München

Essen

Petition für 4 Räder für ein Verbands­ 4 Pfoten klagerecht W Eine Petition mit 35.000 Unterschriften für die Einführung des Verbandsklagerechts für anerkannte Tierschutzorganisationen in Bayern überreichten Mitglieder des Landesverbandes Bayern im Deutschen Tierschutzbund und des Tierschutzvereins München Ende des Jahres im Bayerischen Landtag. Gemeinsam mit rund 1.000 Tierfreunden, fünf bayerischen Landespolitikern und der Präsidentin des Landesverbandes Bayern, Nicole Brühl, hatten sie zuvor bereits zum dritten Mal im Jahr 2012 die Bürger mit einer Kundgebung über die Notwendigkeit, im Namen der Tiere klagen zu können, informiert. Bis auf den Vertreter der CSU, Andreas Lorenz, hatten sich alle Politiker für die Einführung eines Verbandsklagerechts ausgesprochen. Im Vorfeld der Landtagswahlen planen der Tierschutzverein München und sein Landesverband weitere Aktionen.

Die Tierschützer mit Tierheimhunden vor dem Bayerischen Landtag

40  du und das tier  1/2013

eil der „Struppi-Wagen“, der Tierhilfe-Transporter des Albert-Schweitzer-Tierheims, mit vielen hundert Einsätzen auf dem Buckel in die Jahre gekommen ist, brauchen die Essener Tierschützer bald ein neues Gefährt. Um es finanzieren zu können, entstand unter

der Schirmherrschaft des L a n d ta g s a b g e o rd n e te n Peter Weckmann (SPD) die Aktion „4 Räder für 4 Pfoten“. Seit Mitte November 2012 wirbt der Verein damit um Spenden für ein neues „Struppi-Mobil“. „Wir geben für jede Spende symbolisch ein winzig kleines Stück eines großen Autos ab, zum Beispiel eine Schraube oder eine Schraubenmutter“, erläutert Weckmann die Idee. Und Bärbel Thomassen, Geschäftsführerin des Albert-

Schweitzer-Tierheims, ergänzt: „Es hörte sich anfangs etwas merkwürdig an, aber die Idee wurde wunderbar umgesetzt!“ Alle Spender erhalten – als Dankeschön und Erinnerung an ihre großzügige Spende – die symbolische Schraubenmutter in ganz konkreter, aber veredelter Form als kleines Schmuckstück aus der Kreativschmiede Weckmann. „Für diesen Teil des Projekts konnte ich meine Frau gewinnen“, freut sich der Politiker.

Der Tierschutzverein Groß-Essen freut sich über die Spendenaktion mit Schirmherr Peter Weckmann (re).

Hessen

Pferdesteuer in drei Gemeinden M it dem Argument, ihre finanzielle Lage konsolidieren zu müssen, haben gleich drei hoch verschuldete Gemeinden in Hessen die Erhebung einer Pferdesteuer beschlossen. Vorreiter war Bad Sooden-Allendorf, wo seit Januar für jedes Pferd 200 Euro jährlich anfallen. Die Gemeinde Kirchheim schloss sich an. Dort hat man die Einnahmen auf 30.000 Euro jährlich kalkuliert, was für 2013 pro Pferd 250 Euro bedeuten würde. Im Vorfeld der Beschlussfassung kritisierte der Deutsche Tierschutzbund bei den Bürgermeistern der beiden Gemeinden in einem persönlichen Brief die Einfüh-

rung einer solchen Steuer. Er forderte sie auf, den Beschluss wieder aufzuheben. Weil heute der Großteil der gehaltenen Pferde in Privathand als Freizeitpferde gehalten wird, befürchtet der Deutsche Tierschutzbund, dass viele Pferdehalter in einem Maße finanziell belas­ tet würden, dass sie an ihre persönliche Schmerzgrenze kommenkommen. Möglicherweise müssten sie daraufhin ihr Pferd abgeben. Abgegebene Pferde wiederum würden die ohnehin mit staatlichen Aufgaben überlasteten Tierschutzvereine und die wenigen existierenden „Pferdegnadenhöfe“ vor weitere,

noch größere Probleme stellen. Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass auch die Gemeinde Schlangenbad die Einführung einer Pferdesteuer beschlossen hat, allerdings erst ab dem Jahr 2014. Bis Redaktionsschluss hatte noch keine Gemeinde auf das Schreiben des Deutschen Tierschutzbundes reagiert. Trotz starker Proteste aus der Bevölkerung wurden die Beschlüsse bisher nicht aufgehoben. Das Positionspapier des Deutschen Tierschutzbundes zur Einführung einer Pferdesteuer können Sie im Internet herunterladen: www.tierschutzbund.de/ pferde.html.


Die Gäste feierten die Eröffnung des Tierschutzhauses mit Fußballlegende Uwe Seeler. Rechts: Wolfgang Apel, Ex-Leichtathlet Willi Holdorf und Elisabeth Haase.

kiel

Eröffnung des neuen Tierschutzhauses

Fotos: tierschutzverein MÜnchen, tierschutzverein gross-essen (2), kÄMPer, dreYer tierschutzverein kieL

N

ach zwei Jahren Planung, dem Abriss des alten Hundehauses und acht Monaten Bauzeit eröffnete der Kieler Tierschutzverein sein neues Tierschutzhaus im Tierheim Uhlenkrog. Es wurde eine fröhliche Feier mit zahlreichen Prominenten. Zu Beginn der Veranstaltung, die von NDRSprecher Gerrit Derkowski moderiert wurde, dankte Hartmut Winkelmann, Vorsitzender des Kieler Tierschutzvereins, allen Spendern, die den Neubau mit ermöglicht hatten. Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, lobte in

seiner Rede das Tierheim als „wahren Leuchtturm. Das Team ist toll und die Leiterin Elisabeth Haase eine Mutter des Tierschutzes.“ Er wandte sich aber auch an die Vertreter der Politik und forderte eine Kastrationspflicht für frei lebende Katzen, die bislang noch keine Kommune in Schleswig-Holstein erlassen habe. Nachdem Tierheimleiterin Elisabeth Haase und Fußballidol Uwe Seeler den Neubau eröffnet hatten, führten Prominente aus Politik, Sport, Wirtschaft und Kunst Tierheimtiere in ihr künftiges Zuhause.

Anschließend gingen sie mit einer Spendenbüchse durch die Menge der Besucher, um Geld für eine neue Küche zu sammeln. Statt der erhofften 1.500 Euro kamen in kürzester Zeit 2.200 Euro zusammen. Ein tolles Ergebnis! Der Neubau bietet im Erdgeschoss ruhige Räume mit entsprechenden Außenanlagen. Dieser Bereich soll problematischen und ängstlichen Hunden künftig die Möglichkeit zum Rückzug bieten. Bauliche Elemente in den Hunderäumen, beispielsweise Doppeltüren, ermöglichen es dem Personal, die

Fast 400 Kleintiere musste das Tierheim kurzfristig beherbergen.

Tiere sanft zu resozialisieren. Im Obergeschoss, das noch weiter ausgebaut werden soll, sind Räumlichkeiten für Katzen, Kleintiere, Exoten und Wildtiere vorgesehen. Das gesamte Tierschutzhaus stellt eine Ruhezone für die Tierheimbewohner dar, daher wird Interessenten der Zutritt nur vereinzelt gewährt, um eventuell passende Tiere gezielt vorzustellen. Schon nach zwei Wochen waren die 20 Hundezimmer mit Neuankömmlingen besetzt. Das Obergeschoss blieb noch leer. Zum Glück, denn vier Wochen nach der Eröffnungsfeier brannte in Kiel ein großes Zoofachgeschäft ab. Der Tierschutzverein konnte die überlebenden Tiere – Ziervögel, Mäuse, Ratten, Meerschweinchen, Kaninchen, Degus – im Obergeschoss des neuen Tierschutzhauses unterbringen. Insgesamt fanden fast 400 Tiere dort vorübergehend Aufnahme. Sie wurden inzwischen nach den Vermittlungskriterien des Tierheims an geeignete Tierhalter weitergegeben.

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[vor ort] kÖln

Mechernich

Ausgezeichnete TierBenefizschutzlehrer-Ausbildung Radtour für neuen Zaun S eit einem Jahr bietet der Deutsche Tierschutzbund engagierten Interessenten ein Ausbildungsprogramm für

„Tierschutz ohne Jugend, das wäre undenkbar. Da steht als Begegnungs- und Lernort die Schule im Mittelpunkt.“ Maja

Unterkunft und Verpflegung aus der eigenen Tasche. Über das Spendenkonto verfügt alleine der Tierschutzverein. Peter Schmitz will mit seinen Touren auch darauf aufmerksam machen, dass Tiere keine geeigneten Geschenke sind und nicht unüberlegt angeschafft wer-

den Tierschutzunterricht an den Schulen an. Mit großem Erfolg. Der erste Ausbildungsdurchgang zum Tierschutzlehrer konnte Ende vorigen

Masanneck, Referentin für Kinder- und Jugendtierschutz beim Deutschen Tierschutzbund, stellte das Projekt Tierschutzlehrer in einer Kurz-

den sollen. „Wer muss sich letztendlich um die ungeliebten und ausgesetzten Tiere kümmern? Das Tierheim!“, so Schmitz. Zu schnell verfliege die anfängliche Begeisterung. Treten Probleme oder Krankheiten auf, würden die Tiere erst recht zur Last. „Wir betreuen verstärkt Katzen, die auf brutalste Art und Weise, in Säcken, Kisten und Mülleimern ausgesetzt wurden. Sogar blinde Katzen werden über den Zaun des Tierheims geworfen“, bestätigte Reiner Bauer. Mit dem Benefiz-Geld, das noch durch Spenden von Jacky Klinger aufgestockt wurde, kann der Tierschutzverein Mechernich dringend erforderliche Reparaturen an rund 100 Metern Zaun vornehmen.

Maja Masanneck, das Ehepaar Opermann und Thomas Schröder bei der Preisvergabe.

Jahres abgeschlossen werden. Für die Karmetta-Stiftung „Gemeinsam für Mensch und Tier“ in Köln war das Anlass, den Deutschen Tierschutzbund für dieses beispielhafte Projekt in feierlichem Rahmen in Köln mit dem Förderpreis 2012 auszuzeichnen. Nach der Begrüßungsrede des Vorsitzenden der Stiftung, Bernd Oppermann, stellte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, den Anwesenden den Verband und seine Ziele vor und bedankte sich für den Preis: „Das freut uns, das macht auch Mut, und das gibt Kraft.“ Schröder weiter:

42 du und das tier

1/2013

präsentation vor. Sie zeigte die Ziele der Ausbildung auf, erklärte den Seminarablauf sowie die vermittelten Inhalte und verdeutlichte, wie das Wirken der Tierschutzlehrer weiter ausgebaut werden kann, bevor sie, gemeinsam mit Thomas Schröder, den mit 1.000 Euro dotierten Förderpreis in Empfang nahm. Aufgrund des hohen Zuspruchs wird der Deutsche Tierschutzbund auch in diesem Jahr engagierten Menschen das nötige Handwerkszeug vermitteln, um Kindern und Jugendlichen den Tierschutz im Unterricht nahezubringen.

Schon seit einigen Jahren unterstützt Rentner Peter Schmitz den Mechernicher Tierschutzverein durch Benefiz-Radtouren. Im Sommer 2012 startete er erneut zu einer 1.400-Kilometer-Fahrt: Start und Ziel war die Zentrale der Fressnapf-Klinger GmbH in Erfstadt-Lechernich, wo die Firma und Sponsor Jacky Klinger den Power-Radfahrer nach 67 Stunden und 28 Minuten bei seiner Ankunft mit einem Fest empfingen. Beim „Tag der offenen Tür“ im Mechernicher Tierheim überreichten Schmitz und Sponsor Jacky Klinger nun die stolze Summe von 5.000 Euro an Reiner Bauer, den Vorsitzenden des Tierschutzvereins Mechernich. Wie bei allen seinen Benefiz-Touren zahlte Peter Schmitz sämtliche Kosten für

Einen Scheck über 5.000 Euro überreichten Peter Schmitz (l.) und Sponsor Jacky Klinger (Fressnapf Klinger GmbH, r.) an Reiner Bauer, Vorsitzender des Tierschutzvereins Mechernich.


hildesheiM

Wolfskoffer für Schulen

Fotos: deutscher tierschutzbund e.v., FressnaPF kLinger gMbh, universitÄt hiLdesheiM, Mondo aniMaLe

Erstmals seit mehr als 150 Jahren sind in Niedersachsen Wolfswelpen in freier Natur zur Welt gekommen. Doch die Resonanz der Bevölkerung ist geteilt. Vielfach bestehen noch falsche Vorstellungen über den Wolf. Sein Bild wird vielfach durch das Rotkäppchen-Märchen geprägt. Die scheuen Tiere durch eigene Beobachtungen im Freiland kennenzulernen ist nicht möglich. Studierende und Bio logen der Universität Hildesheim möchten jedoch dabei helfen, absehbare Konflikte bei der Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen zu mindern. Anlässlich der Rückkehr des heimischen Wild-

itAlien

Mondo Animale S

eit elf Jahren arbeitet die Deutsch-Italienische Stiftung für Tierschutz, Fondazione Mondo Animale, an ihrem Ziel, das Problem der frei

tieres nach Niedersachsen haben sie einen „Wolfskoffer“ entwickelt, mit dessen Hilfe sich Kinder und Jugendliche über Wolfe informieren können. In einem Koffer finden sich Fährtenabdrücke, ein Wolfsfell, die Nachbildung eines Wolfsschädels, Wolfsgeheul und weitere Materialien auf CD, um die Biologie des Wolfes anschaulich zu vermitteln und Schülerinnen und Schüler zu Wolfsforschern zu machen. Die Koffer enthalten zudem ein Handbuch, Kopiervorlagen, Projektskizzen und Unterrichtsentwürfe für Lehrkräfte. Anfang 2013 sollen alle 25 Wolfskoffer zum Verleih an Schulen, Umweltbildungszentren und Landschulheime bereitstehen. Die Hildesheimer Studentin Karolin Obenaus hat sie bereits an Schulen im Landkreis Lüneburg erprobt:

lebenden Hunde und Katzen zu lösen. Dr. Hans-Hermann Lambracht, Ehrenvizepräsident des Deutschen Tierschutzbundes, hatte sich von Anfang an für die Einrichtung dieser Stiftung und in deren Stiftungsrat engagiert. Seit Ende vorigen Jahres gehört Ehrenpräsident Wolf-

Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des DeutschenTierschutzbundes (3.v.l.), bei Dorothea Friz

Der Wolfskoffer geht seit Anfang des Jahres auf Tour.

„Im Unterricht habe ich hoch motivierte und interessierte Schüler erlebt. Vor allem die Handpuppe Lupus, die

gang Apel dem Stiftungsrat an. Dr. Dorothea Friz berichtete von den Projekten, die gemeinsam mit den lokalen Behörden in Angriff genommen wurden. Eines beeindruckte besonders: In Rocca D’Evandro, in der Provinz von Caserta, hatten von 895 vermeintlichen Straßenhunden 861 einen Besitzer. Die kümmerten sich allerdings nicht weiter um ihre Tiere und ließen sie ohne Kontrolle frei herumlaufen: unkastriert! Jetzt sind alle diese Hunde mit einem Mikrochip identifiziert und registriert. Die Stiftung hat den Besitzern die kostenlose Kastration der Tiere angeboten – mit großem Erfolg. Das Ergebnis ermutigte die Stiftungsräte zu ihrem neuen Projekt. Die Stiftung wird Kontakt mit den

Wolfsmappe sowie die interdisziplinär angelegten InfoMaterialien begünstigten eine positive Lernatmosphäre.“

Tierärztekammern aufnehmen, um eine Vereinbarung über reduzierte Honorare für die Identifizierung/Registrierung und die Kastration von Privattieren zu treffen. Außerdem sollen Tierhalter, vor allem Katzenbesitzer, einen Zuschuss für die Kastration ihrer Tiere in Form eines Gutscheins erhalten. Der Deutsche Tierschutzbund bittet zur Unterstützung des Kastrationsprojektes in Rocca D´Evandro um Spenden für die Stiftung Mondo Animale: Deutscher Tierschutzbund e.V. Konto Nr. 40 444 Sparkasse KölnBonn BLZ 370 501 98 Stichwort: Stiftung Mondo Animale (Italien)

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[vor ort] Mecklenburg-Vorpommern

100.000 Euro für Tierheime N

achdem das Landwirtschaftsministerium die Fördermittel aufgestockt hat, konnten die Tierheime in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr dringend notwendige Bau- und Renovierungsmaßnahmen in die Wege leiten. Der Tierschutzverein Waren ergänzte sein Tierheim Malchow um einen Hundeauslauf (21.600 Euro), der Tierschutzverein Rostock baute eine Tierrettungs- und Fundtierschleuse (22.600 Euro). Der Tierschutzverein Schwaan nutzte die Förderung zum Bau eines neuen Katzenhauses, und Neustrelitz stattete seine Hundezwinger mit Heizmatten aus. Pflasterung, Fenster und Sonnenschutz auf dem

Gnadenhof „Sonnenschein“ des Tierschutzvereins Sadelkow wurden dank 7.000 Euro Förderung erneuert. Das Landwirtschaftsministerium wird auch in diesem und im nächsten Jahr 100.000 Euro einstellen, um damit die Tierschutzvereine des Landestierschutzverbandes Mecklenburg-Vorpommern zu fördern.

Ehepaar Klein mit Katzen im neuen Auslauf in Letschow

Sonnen­ markisen für Sadelkow Neuer Hundeauslauf in Malchow

Baden-Württemberg

Das Verbandsklagerecht kommt D ie grün-rote Landesregierung in BadenWürttemberg plant, zügig ein Verbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzorganisationen gesetzlich zu verankern. Sie kommt damit einer Vereinbarung im Koalitionsvertrag nach und setzt ein für den Tierschutz wichtiges Versprechen um. Im Rahmen einer ersten Anhörung im Ministerium für Verbraucherschutz und Ländlichen Raum hatten Verbände sowohl der Tierschutz- als auch der Tiernutzerseite die Möglichkeit, sich zu dem geplanten Gesetzesvorhaben zu äußern. Renate Rastät-

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ter fasste als Vertreterin des Landestierschutzverbandes des Deutschen Tierschutzbundes die Vorstellungen der Tierschutzseite zusammen. „Es geht nicht um das ‚Ob‘, sondern um das ‚Wie‘“, machte sie deutlich. Während Tiernutzer gegen die Anordnungen der Behörden klagen und sich damit gegen ein vermeintliches Zuviel an Tierschutz wehren können, steht aufseiten des Tierschutzes nichts dagegen, um ein Zuwenig an Tierschutz korrigieren zu können. Wo aber keine Klagemöglichkeit besteht, gibt es auch keinen Weg, die Behör-

den zur Einhaltung der tierschutzrechtlichen Vorgaben zu verpflichten. Die Tierschützer – mit dem Landestierschutzverband erschienen noch fünf weitere Organisationen zur Anhörung – waren sich einig, dass nur die Anfechtungs- beziehungsweise Verpflichtungsklage das geeignete Instrument ist, um tierschutzrechtlichen Missständen mit sofortiger Wirkung entgegentreten zu können. Befürchtungen der Gegenseite, dass eine Klageflut der Tierschutzvereine drohe, die sämtliche mit Tieren wirtschaftenden Betriebe in den Ruin und

ganze Industriezweige ins Ausland treiben werde, konnten im Rahmen der Anhörung widerlegt werden: „Es geht hier ausschließlich darum, die Nichteinhaltung bereits bestehender Rechtsvorgaben künftig einklagen zu können“, machte Rastätter für die Tierschützer noch einmal deutlich. „Einige wenige, staatlich anerkannte Tierschutzverbände sollen mit dem Verbandsklagerecht endlich die Möglichkeit bekommen, Rechtsmittel einzulegen, wenn bestehende tierschutzrechtliche Vorgaben durch die zuständigen Behörden nicht berücksichtigt oder umgesetzt werden und deshalb vermeidbares Tierleid entsteht.“


Waiblingen

Weil jedes Leben zählt

Fotos: Tierschutzverein Letschow, Tierschutzverein Sadelkow, Tierschutzverein Malchow, Werner/Tierschutzverein Waiblingen

Es war ein Samstag, und Elisabeth und Michela Kurz wollten einkaufen fahren. Doch kurz nachdem sie losgefahren waren, sahen die beiden Mitglieder des Waiblinger Tierschutzvereins eine überfahrene Katze auf der Straße. Sie hielten an, negierten das

tet, und Flora, die kleine Mieze, hätte ihre erste Mahlzeit bekommen können. Hätte, denn die Kleine wollte nicht saugen. Erst nach mehreren bangen Stunden zeigte sie einen Saugreflex. Nun folgten – erst viertel-, dann halbstündig, schließlich im Zwei-Stunden-Takt – Spezialmilch und Bauchmassieren. Fünf Tage lang genoss die kleine Flora Einzelbehandlung in einem warmen Körbchen mit Wärm-

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Flora, die jetzt Lisbeth heißt, bei ihrer ersten Mahlzeit

Kopfschütteln und die herablassenden Blicke anderer Autofahrer, luden die Katze ins Auto und verständigten den Tierarzt. Sie sahen auch, dass sich im Bauch des toten Tieres etwas bewegte. In einer Not­operation holte der Tierarzt vier Katzenbabys auf die Welt. Er verabreichte ihnen atemstimulierende Medizin und versuchte durch Wiederbelebungsversuche, die leblosen Welpen zu retten. Nach endlos erscheinenden Minuten stand fest: Nur eines der Kätzchen, das kleinste, knapp 84 Gramm schwer, würde überleben. Mutter und Tochter Kurz brachten das Katzenbaby zur Pflegestelle – der Tierschutzverein verfügt über kein eigenes Tierheim. Dort war schon alles professionell vorberei-

flasche und weichen Decken. Dann kam Findling Smilla dazu, 84 Gramm schwer und in miserablem Zustand. Das bedeutete, noch einmal 15 Tage im Zwei-Stunden-Takt zu füttern und zu pflegen. Doch alle Sorgen, Mühen und die langen schlaflosen Nächte waren vergessen, als die Kleinen ihre Augen öffneten und allmählich neugierig ihre Umgebung erkundeten. Flora und Smilla hatten es geschafft. Und sie hatten doppeltes Glück. Denn als Annemarie Werner, die 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins Waiblingen, die Katzenbabys sah, stand für sie fest: Die kommen zu mir. Da leben sie jetzt, zwei gesunde, lebensfrohe Kätzchen mit neuen Namen: Lisbeth und Bebbele.

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[ Nachruf] Der Tierarzt und langjährige Dozent an der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes

Dr. Wolfgang Goldhorn ist am 19. November 2012 im Alter von 82 Jahren verstorben.

D

em Deutschen Tierschutz- Tierschutz war. Auf der jüngsten Mitbund war Dr. Wolfgang gliederversammlung des Deutschen Goldhorn seit den frühen Tierschutzbundes im Oktober 2011 1980er-Jahren eng verbunden. Die wollten wir Dr. Wolfgang Goldhorn erste Tierheimordnung des Deut- mit der goldenen Ehrennadel des schen Tierschutzbundes ging auf ihn Deutschen Tierschutzbundes auszurück. Er hat uns maßgeblich bei zeichnen. Diese Ehrung war ihm zu den Seminaren zum viel. Er sei es, der danSachkundenachweis ken müsse für all die unterstützt und war Bereicherung, schrieb nach dem Mauerfall er uns. Nachdem er erauch bei unserer erfahren hat, dass Wolfsten „Ost-West-Tagung“ gang Apel auf dieser Versammlung sein in Eisenach dabei. Mit großem EngaAmt niedergelegt hat, gement hat Dr. Goldlegte er nach: Um seihorn gemeinsam mit nen Mitstreiter zu verGleichgesinnten aus abschieden, wäre er der Tierärzteschaft für Dr. Wolfgang Goldhorn natürlich gekommen. ein Miteinander anAuch „seinen“ Damen stelle des häufig noch üblichen Ge- aus der Akademie für Tierschutz war geneinanders beim Zusammentref- er bis zuletzt freundschaftlich verfen von Tierärzten und Tierschützern bunden – auf seine herzliche, liegeworben. benswürdige und bescheidene Art. Der praktische und der gesetz- Zu dieser Lebenshaltung passt es liche Schutz der Tiere waren ihm auch, dass er seine schwere HerzVerpflichtung als Tierarzt und ein erkrankung annahm und keine mepersönliches Anliegen, für das er mit dizinische Hilfe wollte. Dr. Wolfgang großem Engagement gestritten hat. Goldhorn starb im November. Auf verschiedenen Instrumenten Wir haben viel von ihm gelernt spielen, um ein gemeinsames Ziel zu und ihm viel zu verdanken. Er hat erreichen, war ein Leitmotiv für unse- den Deutschen Tierschutzbund re von beiden Seiten als erfolgreich in eine neue Zeit begleitet, in der bewertete Zusammenarbeit, die ih- Tierschutz von Gefühl und Sachren Höhepunkt in der Zeit erreichte, verstand gleichermaßen geprägt als Dr. Goldhorn Vorsitzender der von ist. Wir werden ihm ein ehrendes ihm mitinitiierten und mitbegründe- Andenken bewahren. ten Tierärztlichen Vereinigung für Dr. Brigitte Rusche

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Du und das Tier 1/2013  

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