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September | Oktober 2012

DSO -nac h ric h t e n Chefdirigent und Künstlerischer Leiter t ug an sokhie v

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Eine Publikation des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin

Ich liebe das Risiko Tugan Sokhiev im Gespräch —–– S. 3 Barocke Spielfreude Jean-Christophe Spinosis leidenschaftliche Musikwelten —–– S. 5 Impulse aus dem Norden Paavo Järvi und Janine Jansen —–– S. 6 Wettstreit der Instrumente Andrew Manze leitet das erste Casual Concert der Saison —–– S. 7


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Editorial und Kurzmeldungen

Eine Publikation des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin | dso-berlin.de

Liebe Leserinnen und Leser der DSO-Nachrichten, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin hat eine glanzvolle Saison hinter sich, mit programmatisch hoch engagierten und ambitionierten Konzerten unter vortrefflichen Dirigenten. Neben seinen Berliner Aktivitäten war das DSO mit fast 40 Gastspielen auf drei Kontinenten unterwegs, in Asien, Südamerika und Europa, und hat damit seinen Ruf der Weltklasse weiterhin gefestigt, den auch die hervorragende Presse-Resonanz bezeugt.

Inhalt —––

2 Willkommen

Editorial und Kurzmeldungen

Ich bin stolz auf die Verbindung des DSO mit meinem Haus: Unter Kent Nagano hat das Orchester im vergangenen Januar in Köln den 50. Geburtstag von Deutschlandfunk mitgefeiert, und auch die Mehrzahl der Berliner Konzerte werden von Deutschlandradio Kultur übertragen.

3 Tugan Sokhiev

Der neue Chefdirigent im Gespräch

4 Ein Buch voller Märchen Kulturradio-Kinderkonzert

Am 7. September tritt Tugan Sokhiev sein Amt als siebter Chefdirigent des DSO an. Ich bin gespannt auf die Programmschwerpunkte, die er setzen wird, etwa auf Prokofjews ›Iwan der Schreckliche‹ mit Wladimir Kaminer als Sprecher im Januar 2013. Der Nachfolger so herausragender Dirigenten wie Ferenc Fricsay, Lorin Maazel, Riccardo Chailly, Vladimir Ashkenazy, Kent Nagano und Ingo Metzmacher übernimmt ein großartiges Orchester.

5 Barocke Spielfreude

Jean-Christophe Spinosi und Malena Ernman

Wege zu Mahler

Omer Meir Wellber und Sergej Krylov

6 Ein voller Erfolg

Südamerika-Tournee mit Vladimir Ashkenazy

Tugan Sokhiev ist einer der interessantesten Musiker seiner Generation. Sein Können ist enorm. Er hat in St. Petersburg, in Cardiff und Toulouse wertvolle Erfahrungen gesammelt. Er kombiniert technische Virtuosität mit großem Ausdruck und hohem musikalischen Charisma.

Impulse aus dem Norden Paavo Järvi und Janine Jansen

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Vom Wettstreit der Instrumente Andrew Manze und Paolo Mendes

Ich wünsche Tugan Sokhiev und dem DSO einen erfolgreichen Start in die gemeinsame Zukunft und freue mich mit Ihnen allen auf viele wunderbare Konzerte.

8 Konzertkalender

Alle Konzerte im September und Oktober

Dr. Willi Steul Intendant Deutschlandradio

Kammermusik I: Konzerte in der Villa Elisabeth

Kammermusik II: ›Notturno‹ im Musikinstrumenten-Museum

Christoph Eschenbach und Tzimon Barto am 22.10.

Auch in der Konzertsaison 2012|2013 hat die beliebte Kammermusikreihe mit Musikern des DSO und Gästen ihren festen Platz. Sechs der acht Konzerte in der Villa Elisabeth können sich Kammermusikfreunde zu einem günstigen Abonnement zusammenstellen. Im Zentrum der ersten beiden Programme stehen Werke für gemischte Besetzungen aus Bläsern, Streichern und Harfe: Am 14. September bringt das Polyphonia Ensemble Berlin Kompositionen der Engländer Gustav Holst, Ralph Vaughan Williams und Arnold Bax zu Gehör. Das Nachmittagskonzert am 14. Oktober gestalten DSO-Musiker um den Flötisten Gergely Bodoky und die Harfenistin Elsie Bedleem mit Werken von u.a. Paul Hindemith, Max Bruch, Alberto Ginastera und Maurice Ravel.

Die erfolgreiche Konzertreihe ›Notturno‹, die das DSO gemeinsam mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz veranstaltet, lockt auch in der neuen Saison wieder musikalische Nachtschwärmer an Orte der Kunst und des Wissens. Das erste von drei Konzerten findet am 26. Oktober im Musikinstrumenten-Museum neben der Philharmonie statt, das bedeutende Sammlungen europäischer Instrumente aus fünf Jahrhunderten beherbergt. Um 21 Uhr kann das Haus in Kurzführungen erkundet werden, um 22 Uhr beginnt das etwa einstündige Konzert. Johannes Watzel und Marija Mücke (Violine), Thaïs Coelho (Viola), Sara Minemoto (Violoncello) und Senka Brankovic (Klavier) spielen Robert Schumanns Klavierquintett Es-Dur und die Suite für zwei Violinen, Violoncello und Klavier für die linke Hand von Erich Wolfgang Korngold.

Nach ihrem gemeinsamen Tschaikowsky-Programm im Jahr 2010 sind der amerikanische Ausnahme-Pianist Tzimon Barto und der Dirigent Christoph Eschenbach mit zwei Konzerten im Oktober und Juni wieder zu Gast beim DSO. Nun widmen sie sich den Klavierkonzerten von Johannes Brahms, denen Eschenbach Symphonien Robert Schumanns gegenüberstellt. Am 22. Oktober steht das Erste Klavierkonzert, das Brahms wenige Jahre nach Schumanns Tod vollendete, zusammen mit der Vierten Symphonie des Freundes auf dem Programm. Das Zweite Klavierkonzert wird Eschenbach am 7. Juni 2013 mit Schumanns Zweiter Symphonie verknüpfen.

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Karten von 20 € bis 59 € AboPlus-Preis ab 17 €

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Fr 14. September 20.30 Uhr Villa Elisabeth

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So 14. Oktober 17 Uhr Villa Elisabeth

Karten zu 15 € AboPlus-Preis, Schüler und Studenten 10 €

Fr 26. Oktober 22 Uhr | 21 Uhr Kurzführungen Musikinstrumenten-Museum Curt-Sachs-Saal Karten zu 15 € Schüler und Studenten 10 €

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Mo 22. Oktober 20 Uhr | 18.55 Uhr Einführung Philharmonie


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Tugan Sokhiev im Gespräch

Zum amtsamtritt tugan Sokhievs am 7. September

am 7. September eröffnet tugan Sokhiev nicht nur die neue Konzertsaison, sondern tritt zugleich auch sein amt als siebter Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Deutschen Symphonie-orchesters Berlin an. Mit seinen gerade einmal 34 Jahren setzt der in nordossetien geborene eine erfolgreiche tradition junger Chefdirigenten beim DSo fort, die mit Ferenc Fricsay begann und mit Lorin Maazel und Riccardo Chailly ihre Fortsetzung fand. Sein Dirigierstudium beim legendären ilya Musin in St. Petersburg legte den grundstein zu einer bemerkenswerten Karriere: tugan Sokhiev wurde innerhalb weniger Jahre zu einem weltweit gefragten gastdirigenten der führenden opernhäuser und orchester. Seit 2008 ist er Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des orchestre national du Capitole de toulouse, zu dem er nach drei Jahren als erster gastdirigent berufen wurde. auch mit dem Mariinsky-theater in St. Petersburg und dem Londoner Philharmonia orchestra verbindet ihn eine regelmäßige künstlerische Partnerschaft. Mit den DSonachrichten sprach er über seine musikalische ausbildung und die künstlerischen vorhaben seiner ersten Saison.

wundervoll. und das DSo kann das. außerdem nimmt es einen ganz besonderen Platz in der Berliner Musiklandschaft ein, durch seine Programme, sein Repertoire und durch seine art, Musik zu präsentieren. Wie haben Sie in ihren bisherigen Konzerten das Berliner Publikum erlebt? es ist sehr anspruchsvoll und selbstbewusst, intelligent, gebildet und immer bereit, sich auf unbekanntes einzulassen. es möchte herausgefordert werden. Diese atmosphäre schätze ich. Sie verlangt viel von uns Musikern, aber sie beflügelt uns auch. ich bin ohnehin davon überzeugt, dass man als Künstler mit herausforderungen glücklicher wird als mit Routine. Die kosmopolitische atmosphäre in Berlin trägt dazu bei. in ihrer Mischung verschiedener Kulturen ähnelt die Stadt new York. Der aufbruchsgeist, die energie und Lebendigkeit, die große Zahl an Künstlern, all das treibt auch das Musikleben voran. ich freue mich sehr, von nun an als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des DSo teil dieses ganzen zu sein. Wie sind Sie zum Dirigieren gekommen? Musik und die kulturellen traditionen meiner ossetischen heimat haben in meiner Familie immer eine große Rolle gespielt. ich habe über Schallplatten sehr vieles kennengelernt und wuchs in einem musikbegeisterten umfeld auf, bin aber der einzige in meiner Familie, der die Musik zum Beruf gemacht hat. ich wollte eigentlich Pianist werden, doch am Konservatorium in meiner heimatstadt Wladikawkas traf ich auf anatoli Briskin, der mein erster Dirigierlehrer werden sollte. Sein umgang mit dem orchester, die Farben und Klänge, die er hervorzauberte, haben mich so begeistert, dass ich mich ganz dem Dirigieren widmete. nach zwei Jahren hat er mich dann nach St. Petersburg zu ilya Musin geschickt, bei dem er selbst studiert hatte.

»als Dirigent muss man motivieren und inspirieren. Man kann einem orchester nichts aufzwingen.« Sie waren damals gerade 18 Jahre alt, Musin über 90. Wie haben Sie den großen Meister der Dirigierkunst erlebt? Musin war einer der wichtigsten Menschen für meine entwicklung als Dirigent. er unterrichtete technik. er zeigte mir, wie man probt, wie man sich vorbereitet, er gab mir all die Werkzeuge, mit deren hilfe ich später mit orchestern kommunizieren konnte. als junger Mensch hat man ja bisweilen seltsame, unausgegorene künstlerische vorstellungen [lacht], und dann hat Musin schon einmal Änderungsvorschläge gemacht. aber er hat seinen Studenten nie musikalische interpretationen aufgezwungen. Kam man mit einer durchdachten künstlerischen idee, hat er einem gezeigt, wie man sie dem orchester vermitteln kann.

Maestro Sokhiev, Sie standen 2003 zum ersten Mal im rahmen der reihe ›Debüt im Deutschlandradio Kultur‹ am Pult des DSo und sind danach unmittelbar wieder eingeladen worden. Wie haben Sie das orchester in dieser zeit kennengelernt? Schon bei meinen ersten Proben spürte ich, dass es bei diesem orchester etwas ganz Besonderes gibt: Die Chemie zwischen den Musikern stimmt, sie lieben es einfach, gute Musik zu machen. Das ist für mich die unersetzliche Basis. Das orchester ist immer bereit, musikalisch etwas zu wagen, geht immer einen Schritt weiter, bleibt nie aus Bequemlichkeit stehen, ist entgegenkommend und offen für neues. Das entspricht auch meiner eigenen Persönlichkeit. ich gehe gerne Risiken ein – manchmal sogar während eines Konzerts, wenn ich etwas anders mache als bei den Proben. Wenn das orchester dann mitgeht, ist das

Konnten Sie das damals schon in die Praxis umsetzen? am St. Petersburger Konservatorium hatten wir das große glück, über ein eigenes orchester aus professionellen Musikern verfügen zu können. es war unser versuchskaninchen [lacht] und musste jeden tag unter fünf bis sechs Studenten leiden, die an und mit ihm geübt haben. Wir haben eine Symphonie zuerst theoretisch studiert und dann direkt mit dem orchester umgesetzt. Musin saß zwischen den Celli, hat uns beobachtet und immer wieder verbessert. er sah zwar nicht mehr gut, hatte aber die Partituren im Kopf und erinnerte sich sogar an die abschnittsbuchstaben und -ziffern. er kannte alles auswendig. War er ein strenger lehrer? Ja, man durfte sich keine nachlässigkeiten erlauben, musste genau das tun, was er sagte. ich habe ihn nie in Frage gestellt, da ich ihm vertraute. er war einer der besten. Die St. Petersburger Dirigier-Schule war damals sehr stark. Ähnliches gibt es heute nur in Finnland – alle wichtigen finnischen Dirigenten sind Schüler Jorma Panulas. Dass Musin bereits so alt war, war kein nachteil, denn mit dem alter kommt das verstehen. Man lernt in diesem Beruf nie aus. Man lernt bei jeder Probe, bei jedem Konzert, bis zum tod – und entwickelt sich dabei immer weiter. Fortsetzung —–– S. 4

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Eine Publikation des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin | dso-berlin.de

Sergiu Celibidache soll einmal bemerkt haben, der Dirigent sei eigentlich ein verkappter Diktator, der sich glücklicherweise mit der Musik begnüge. Würden Sie dem zustimmen? nein, die Zeit der Pult-Diktatoren ist zum glück lange vorbei. Diktator darf man höchstens sich selbst gegenüber sein, in dem Sinne, dass man sich völlig in den Dienst der Musik, des Komponisten und der Partitur stellt, streng und diszipliniert arbeitet. als Dirigent muss man motivieren und inspirieren, im idealfall eine künstlerische und musikalische autorität sein. Denn man kann einem orchester nichts aufzwingen. gerade auf dem hohen niveau eines orchesters wie des DSo ist das verhältnis keine einbahnstraße. Die Musiker setzen meine anregungen sehr schnell um, aber – was ebenso wichtig ist – von ihnen gehen auch impulse für mich aus. So stelle ich mir eine produktive künstlerische Zusammenarbeit vor. es ist wie eine große Familie. Die arbeit hat den kommunikativen Charakter von Kammermusik, nur eben mit einem großen orchester.

bereits ›alexander newski‹ werden wir ›iwan grosny‹ für die Plattenfirma audite mitschneiden und diesen Prokofjew-Zyklus auch in Zukunft weiterführen.

Tugan Sokhiev (Forts. von Seite 3) | Kinderkonzert

»ich bin davon überzeugt, dass man als Künstler mit herausforderungen glücklicher wird als mit Routine.« Welche musikalischen Schwerpunkte haben Sie sich für Ihre erste Saison vorgenommen? ich möchte als Chefdirigent in der ganzen Breite des Repertoires arbeiten. Mich interessieren dabei vor allem Zusammenhänge – zum Beispiel der französischen und russischen Musik, der klassischen und der modernen Ära, oder zwischen Romantik und neoromantik, wie im letzten Konzert der Saison. Wir dürfen bei Komponisten nicht nur an der oberfläche kratzen, sondern müssen tiefer in ihr Repertoire eindringen, egal ob es sich um russische, deutsche, italienische oder zeitgenössische Komponisten handelt. Das kommt auch der vielseitigkeit des DSo entgegen. Jedes neue Stück bereichert den Klang und die erfahrungen des orchesters. Dennoch gibt es so etwas wie einen inoffiziellen Schwerpunkt der Saison: ich möchte russische Musik vorstellen, die bislang nicht oder kaum in Berlin gespielt wurde. es gibt so viele exzellente Kompositionen, die kaum

einer kennt. ich kann und will hier abhilfe schaffen. Zu den neuentdeckungen zählt ein Flötenkonzert von Mieczysław Weinberg, der zu Lebzeiten in einem atemzug mit Schostakowitsch und Prokofjew genannt wurde, heute aber völlig vergessen ist. auch Mili Balakirew steht meist im Schatten von Rimski-Korsakow oder tschaikowsky. Wir werden eine orchesterfassung seiner ›islamey‹-Fantasie spielen, die er ursprünglich für Klavier schrieb. am meisten aber freue ich mich auf die Werke von Prokofjew, der einen wichtigen Platz in meinem musikalischen Leben einnimmt. Was fasziniert Sie an seiner Musik? Sie spricht zu meinem herzen. ich verstehe Prokofjews Musiksprache sehr gut, sie ist so reich an Details und Charakteren, an rhythmischen und harmonischen ideen, so voller energie. er konnte lyrisch schreiben und zugleich hochdramatisch. Seine Musik motiviert mich. auf die Kantate ›alexander newski‹ und ihre farbenreiche Musik, die ich im vergangenen März dirigierte, hat das orchester begeistert reagiert, und mit dieser Leidenschaft wollen wir uns weiterer selten gespielter Kompositionen annehmen, u.a. seiner Suite aus ›Leutnant Kische‹. eines der wichtigsten Werke Prokofjews ist das oratorium ›iwan der Schreckliche‹, für das wir neben zwei herausragenden gesangssolisten auch Wladimir Kaminer als Sprecher gewinnen konnten. er stammt aus Russland und ist als Schriftsteller zugleich ein fester Bestandteil der Berliner Kulturszene, das gibt ihm eine interessante Perspektive auf den text. außerdem freue ich mich sehr, bei der gelegenheit wieder den großartigen Rundfunkchor an meiner Seite zu haben. Wie

Im zentrum Ihres Antrittskonzerts im September steht rachmaninoffs Dritte Symphonie. Warum haben Sie gerade dieses Werk gewählt? es passt wunderbar zu unserer »unknown Russia«idee, als ein spätes Werk eines russischen Komponisten, der seine heimat vermisste. Die Musik spiegelt diese gefühlswelt, zwischen hoffnung und hoffnungslosigkeit. es ist eine wundervolle, überaus komplexe und kraftvolle Komposition, die leider kaum aufgeführt wird. Das soll sich ändern. Rachmaninoff gilt ja meist nur als großer Klaviervirtuose. Doch er hat es verdient, dass man mehr von ihm kennenlernt. Den Bogen nach Amerika schlagen Sie mit Aaron Coplands Vertonung ausgewählter gedichte von Emily Dickinson. Haben Sie mit der Mezzosopranistin Susan graham schon einmal zusammengearbeitet? Ja, sogar mehrfach, allerdings vor allem mit französischem Repertoire – gerade Berlioz singt sie wundervoll. ich freue mich sehr und bin gespannt, sie diesmal mit amerikanischen Liedern zu erleben. Maestro Sokhiev, herzlichen Dank für das gespräch. DaS geSPRÄCh FÜhRten haBaKuK tRaBeR unD Ma xiMiLian RauSCheR.

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Musikfest Berlin 2012 Konzert zum Amtsantritt als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des DSO Igor Strawinsky ›Pulcinella‹-Suite aaron copland ›Eight Poems of Emily Dickinson‹ Serge Rachmaninoff Symphonie Nr. 3 a-Moll tUGaN SOKhIeV Susan Graham Mezzosopran Fr 7. September 20 Uhr | 18.55 Uhr einführung Philharmonie Karten von 20 € bis 59 € | AboPlus-Preis ab 17 €

eIN BUch VOlleR MäRcheN Das erste Kulturradio-Kinderkonzert am 23.9. Die Kulturradio-Kinderkonzerte vom rbb gehen in ihre achte Spielzeit. und die wird märchenhaft. »es war einmal …« steht über allen sechs Konzerten mit dem Deutschen Symphonie-orchester Berlin. Los geht’s am 23. September mit einem französischen »Buch voller Märchen«. ›Ma mère l’oye‹ heißt die Sammlung, die von »Mutter gans« erzählt wird. Sie ist in Frankreich das, was bei uns die Märchen der gebrüder grimm sind. Darin findet man original Französisches wie ›Die Schöne und das tier‹, aber auch die hierzulande bekannte geschichte vom ›Dornröschen‹. Der französische Komponist Maurice Ravel hat vor etwas mehr als hundert Jahren fünf Märchenstücke geschrieben – für die beiden Kinder von Freunden: Sie hießen Jean und Marie, spielten gut Klavier, und Ravel hat ihnen das notenheft mit den Kompositionen geschenkt, damit sie es vierhändig am Klavier spielten. Ravel mochte Kinder immer lieber als erwachsene. Wenn er bei Freunden eingeladen war, fand man ihn schnell im Kinderzimmer. er war ein kleiner, scheuer Mann und fühlte sich unter Kindern am wohlsten. Die fünf Klavierstücke ›Ma mère l’oye‹ – »schwarz-weiß-Musik für schwarze und weiße Klaviertasten« – hat er ein paar Jahre später mit den Klangfarben eines kleinen orchesters »ausgemalt«. und diese Fassung gibt’s im 43. Kulturradio-Kinderkonzert mit dem DSo zu hören.

Von Däumlingen und Prinzessinnen Der Dirigent Lutz Rademacher wird die geschichte der ›Schlafenden Schönen im Wald‹ ganz behutsam spielen lassen – denn Dornröschens Feengarten soll erst ganz am ende in prächtigen Farbtönen erblühen. ›Der kleine Däumling‹ erinnert an ›hänsel und gretel‹. Ravel hat dazu geschrieben: »er dachte, er würde den Weg leicht finden, weil er Brotkrumen ausgestreut hatte, als sie in den Wald gingen. aber er war sehr überrascht, als er nicht einen einzigen Krümel finden konnte. Die vögel waren gekommen und hatten sie alle gefressen.« in der Musik wird man die vögel hören können! ganz exotisch klingt die Musik zur ›Prinzessin der Pagoden‹ mit vielen Schlaginstrumenten. Sie entführt uns ins Miniaturreich einer verzauberten Prinzessin, die nun in einem Palast aus chinesischem Porzellan lebt. und schließlich ist da die »Schöne«, die sich in das »Biest« verliebt und es mit einem Kuss in einen schönen Prinzen verwandelt. Wie wohl das Biest im orchester klingt? am Sonntag, dem 23. September, könnt ihr es im großen Sendesaal im haus des Rundfunks herausfinden. und vorher lädt das open house wieder dazu ein, verschiedene orchesterinstrumente auszuprobieren. ChRiSt ian SChRuFF

gewinnspiel: Die Welt der Märchen steckt voller spannender geschichten und wundersamer Figuren. Welche gefällt Dir am besten? Mal uns ein Bild zu Deinem Lieblingsmärchen und gewinn‘ mit etwas glück einmal vier eintrittskarten für das nächste Kinderkonzert am 17. Dezember. Die schönsten Bilder findest Du ab oktober unter: dso-berlin.de/kinderkonzerte Schickt Eure Bilder bis zum 30. September an: Deutsches Symphonie-orchester Berlin im rbb-Fernsehzentrum Stichwort: Kinderkonzert-gewinnspiel Masurenallee 16–20 | 14057 Berlin

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›Es war einmal … ein Buch voller Märchen‹ Maurice Ravel Suite ›Ma mère l‘oye‹ lUtZ RaDeMacheR | christian Schruff Moderation So 23. September 2012 12 Uhr | 10.30 Uhr Open house haus des Rundfunks | Großer Sendesaal Für Kinder ab 6 Jahren. Karten zu 4 € | Erwachsene 10 €


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Andrew Manze | Casual Concert | Pultnotiz

Pultnotiz Paolo Mendes

Vom Wet tstreit der Instrumente Musikalische Streifzüge mit Andrew Manze am 28. und 29.9.

Welten des Konzertierens stehen im Mittelpunkt des Konzerts am 28. September: auf der einen Seite der brillant-unterhaltsame Wettstreit des Soloinstruments mit dem Orchester, den Mozarts Drittes Hornkonzert repräsentiert. Den Solopart im Spannungsfeld zwischen pastoraler Eleganz und virtuosem Galopp übernimmt Paolo Mendes, 2. Preisträger des ARD-Wettbewerbs 2010 und seit zwei Jahren SoloHornist des DSO (siehe rechts). Auf der anderen Seite erkunden gleich zwei Werke des 20. Jahrhunderts den musikalischen Diskurs und die Entfaltung der Virtuosität, die im Orchester und seinen Musikern selbst stecken. Igor Strawinskys lebendiges Konzert für Kammerorchester von 1938 weist Merkmale eines Concerto grosso auf und lässt Bezüge zu Bachs Brandenburgischen Konzerten durchscheinen, mit denen sich der Komponist damals auseinandersetzte. Barocke Charakterzüge sind auch im Konzert für Streichorchester spürbar, einem Hauptwerk Grażyna Bacewiczs, der wohl wichtigsten polnischen Komponistin der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Undogmatisch und kenntnisreich: Andrew Manze Für diesen musikalischen Streifzug ist der britische Dirigent Andrew Manze genau der Richtige. Er studierte Barockgeige, war Konzertmeister in Ton Koopmans Amsterdam Baroque Orchestra, leitete die Academy of Ancient Music und The English Concert und ist mit den Gattungen des 18. Jahrhunderts bestens vertraut. Seine langjährige Erfahrung im Bereich der historisch informierten Aufführungspraxis kommt ihm aber auch im klassischen, romantischen und zeitgenössischen Repertoire zugute, das er als Gast bedeutender Klangkörper seit vielen Jahren überaus erfolgreich erkundet. Seit 2006 ist er zudem Chefdirigent des Helsingborg Symphony Orchestra. Das Ausdrucksrepertoire des DSO bereichert Andrew Manze seit nunmehr dreizehn Jahren regelmäßig mit seiner Kenntnis historischer Spielkultur und einer undogmatischen, offenen Herangehensweise an die Musik. Ins Zentrum seiner Arbeit stellt er die Frage: »Was möchte der Komponist aussagen?« Er tritt an, die Kompositionen vom Ballast einer langen Interpretationsgeschichte zu befreien und zum Kern der Musik vorzudringen.

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Seine Einblicke in Werk- und Musikgeschichte wird Manze bereits am 28.9. mit dem Publikum das ersten Casual Concerts der Saison teilen. Die Reihe des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin erfreut sich seit sechs Jahren größter Beliebtheit. Alles ist hier ein wenig anders: Die Platzwahl ist frei, alle Konzertkarten sind gleich günstig, der Abend beginnt etwas später als gewohnt und dauert nur eine gute Stunde. Dafür gibt es einiges zu hören: Als Moderator und im Dialog mit Solisten und Orchester führen die Dirigenten in die Werke des Abends ein. Andrew Manze, der Musikkenner und Kommunikator, der regelmäßig für das britische Radio gearbeitet hat, ist dafür bestens präpariert und wird Interessantes und Persönliches zu Mozart und Bacewicz zu erzählen wissen. Und nach dem Konzert kann man Musiker und Dirigenten in der Casual Concert Lounge im Foyer der Philharmonie treffen und den Abend entspannt ausklingen lassen – während Jason, ein DJ aus den Berliner Clubs, und der Elektro-Funk-Live Act ›Erobique‹ das musikalische Spektrum der Nacht auf ihre ganz eigene Art erweitern. Fr 28.9. 

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Casual Concert Grażyna Bacewicz Konzert für Streichorchester W. A. Mozart Hornkonzert Nr. 3 Es-Dur ANDREW MANZE Paolo Mendes Horn

Vier Musiker, die normalerweise an den Solopulten des Orchesters sitzen, werden in der Saison 2012|2013 als Instrumentalsolisten vor das Orchester treten. Den Anfang macht der Hornist Paolo Mendes mit Mozarts Drittem Hornkonzert (siehe links). Er wurde 1988 in Hamburg geboren, ist Preisträger zahlreicher Wettbewerbe und seit zwei Jahren Solo-Hornist des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin. Ein paar Fragen vorab: Ich bin Hornist geworden, weil … meine drei älteren Geschwistern bereits alle ein Blasinstrument spielten. Ich wollte eigentlich wie meine große Schwester Oboe lernen, doch meine Arme waren damals zu kurz, um das Instrument zu greifen. Im Nachhinein bin ich froh darüber. Denn als Hornist kann ich mir das Rohre bauen sparen ... Wenn ich nicht Hornist geworden wäre, wäre ich heute … Sportjournalist.

Fr 28. September 20.30 Uhr Philharmonie Im Anschluss ab ca. 22 Uhr Casual Concert Lounge mit ›Erobique‹ (Live-Act) und Jason (DJ) Karten zu 15 € | 10 € für Schüler, Studenten und im Abonnement Freie Platzwahl

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Grażyna Bacewicz Konzert für Streichorchester W. A. Mozart Hornkonzert Nr. 3 Es-Dur Igor Strawinsky Konzert für Kammerorchester Es-Dur ›Dumbarton Oaks‹ W. A. Mozart Symphonie Nr. 36 C-Dur ›Linzer‹ ANDREW MANZE Paolo Mendes Horn Sa 29. September 20 Uhr | 18.55 Uhr Einführung Philharmonie Karten von 20 € bis 59 € AboPlus-Preis ab 17 €

Mein Lieblingsklischee über Hornisten: Hornisten sind die schönsten Menschen der Welt.

Meine drei Lieblingswerke der Orchesterliteratur: 1. Mahlers Siebte Symphonie – die erste, die ich mit dem DSO spielte. Es war zudem mein erstes Konzert im Wiener Musikverein. Deswegen hat sie sich besonders eingeprägt. 2. Prokofjews Fünfte Symphonie: Geniale Melodik, vor allem im zweiten Satz. Die Holzbläserstellen fallen mir interessanterweise oft morgens in der Dusche ein. 3. Mendelssohns Dritte Symphonie: Die herzerwärmende Thematik dieser Symphonie ist unvergleichlich! Alle drei Werke sind nicht nur hervorragende Kompositionen, es macht auch unheimlich viel Spaß, sie zu spielen – was keine Selbstverständlichkeit ist. Welcher Komponist hätte unbedingt noch ein Hornkonzert schreiben sollen? Johannes Brahms. Er hat als Kind selbst Horn gespielt und verstand es wunderbar, für das Instrument zu komponieren. Bestes Beispiel: das Waldhorn-Trio, eines der interessantesten und schönsten Kammermusikwerke, die ich kenne. Das DSO ist für mich … Champions League. Wenn ich eine Zeitreise unternehmen könnte, würde ich ... zurück in die frühen 80er Jahre reisen, um die großen Erfolge des HSV zu erleben. Wenn ich nicht Horn spiele, ... treibe ich gerne Sport, vor allem Schlägersportarten wie Tennis und Golf, aber z.B. auch Crossfit, bei dem man sich so richtig auspowern kann. Sport ist ein unabdingbarer Ausgleich für die Musik. Welche Tempobezeichnung entspricht am ehesten meinem Temperament? Die eine Tempobezeichnung gibt es leider nicht, da mein Temperament viel zu wechselhaft ist.


Südamerika-Tournee | Paavo Järvi

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Eine Publikation des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin | dso-berlin.de

Ein voller erfolg Südamerika-Tournee des DSO mit Vladimir Ashkenazy im Mai 2012

»Du hast das wunderbar temperamentvoll gespielt, aber es könnte noch rhythmisch akzentuierter klingen.« Ende April sitzt Gergely Bodoky, Solo-Flötist des Deutschen Symphonie-Orchesters, im Berliner Probensaal vor seinem mit einer Webcam ausgestatteten Computer und unterrichtet Douglas Lima, den Flötisten des São Paulo Youth Symphony Orchestra, der aus der über 10.000 km entfernten brasilianischen Hauptstadt via Videokonferenz mit ihm verbunden ist. Wenige Wochen nach der »Online-Meisterklasse« begegnen sie sich während der Südamerika-Tournee des DSO persönlich und geben dem virtuell Einstudierten »face to face« den letzten Schliff. Die Flötisten sind Teil eines innovativen Education-Projekts, welches das Herzstück der zweiten transkontinentalen Gastspielreise in der eben zu Ende gegangenen DSO-Saison bildete. In dessen Rahmen arbeiteten im Vorfeld und in den Anfangstagen der Tournee ausgewählte Mitglieder des Deutschen SymphonieOrchesters mit den jungen Musikerinnen und Musikern des brasilianischen Nachwuchsklangkörpers.

Am 13. Mai schließlich sitzen Gergely Bodoky und Douglas Lima bei dem Zusammentreffen der beiden Orchester Seite an Seite auf der riesigen Open-AirBühne des Parque do Ibirapuera im Zentrum São Paulos.

»Ich tue alles für die jungen Leute. Es ist ja die Zukunft der Menschheit!« Vladimir Ashkenazy Von mehreren tausend Menschen werden sie nach den Zugaben für die Gemeinschaftsleistung enthusiastisch beklatscht. Und nach dem Konzert steht fest: Dies wird nicht die letzte Zusammenkunft zwischen den Flötisten gewesen sein. Ganz gleich ob per Internet oder persönlich, man möchte in Kontakt bleiben. Ähnlich erging es in diesen Tagen auch den anderen Musikern: Für alle Beteiligten war es ein Experiment, das musikalisch wie zwischenmenschlich zum vollen Erfolg geriet. Die Internetseite facebook.com/musicontheroadbrazil

dokumentiert neben dem tourneebegleitenden Kurzfilmwettbewerb noch immer die außergewöhnliche Zusammenarbeit. Angeregt hatte die Gastspielreise, die in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt und der Deutschen Welle vom 12. bis 18. Mai realisiert wurde, Vladimir Ashkenazy, der langjährige Chefdirigent des DSO. In insgesamt sechs Konzerten stand der Maestro während des SüdamerikaAufenthalts am Pult seines früheren Orchesters. Neben dem Open-Air-Konzert umfasste die erste Etappe der Tournee ein moderiertes Kinderkonzert im Auditório Ibirapuera sowie Symphoniekonzerte im historischen Theatro Municipal von São Paulo. Mit Auftritten vor ausverkauften Häusern in Rosario und im legendären Teatro Colón von Buenos Aires fand sie in Argentinien ihren gefeierten Abschluss. BENJAMIN DRIES

Impulse aus dem Norden Paavo Järvi und Janine Jansen am 31.10. Mit dem Fall und der Lockerung der Grenzen in Europa veränderte sich das Kulturleben auch in Berlin, langsam, allmählich, aber nachhaltig. Regionen, die im allgemeinen Bewusstsein am Rand standen, wurden wieder in ihrer Geschichte und Bedeutung wahrgenommen. Dazu gehören vor allem die baltischen Länder mit ihren starken Musiktraditionen, aus denen viele Menschen Kraft für den Aufbruch in eine neue Selbständigkeit schöpften. Musikerdynastien rückten ins Blickfeld der internationalen Aufmerksamkeit: die Jansons, die Nelsons und die Järvis. Neeme Järvi, der inzwischen 75-jährige Patriarch der Familie, emigrierte mit den Seinen 1980 in die USA und baute sich als Chef- und Gastdirigent amerikanischer und europäischer Orchester eine neue Karriere auf. Dabei hat er mehrfach auch mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin zusammengearbeitet. Seine Söhne Paavo und Kristjan, knapp fünfzig der eine, vierzig Jahre jung der andere, sind längst aus dem Schatten des Vaters herausgetreten.

»Ich will ein Werk mit meinen eigenen Mitteln erschließen« Paavo Järvi Paavo Järvi übernahm 2004 von Daniel Harding die Leitung der Deutschen Kammerphilharmonie in Bremen. Das Orchester hatte bis dahin schon eine großartige Entwicklung genommen, Järvi schärfte das Profil noch weiter. Zur Sensation wurde der gemeinsame Beethovenzyklus 2009 in Salzburg. Selbst Kritiker, die ihr Lob sonst streng bis geizend dosieren, gerieten danach ins Schwärmen. Järvi beherrscht das Kernrepertoire und

durchdringt es mit seiner historisch geschulten Auffassung. Modisch ausgedrückt: Er steht für Authentizität. Musik, die Kunst, die nur im Augenblick ihres Erklingens wirklich ist, muss für ihn aber stets aktuell bleiben, unabhängig von der Epoche, aus der sie stammt; sie soll neues Bewusstsein wecken. Seit seiner Jugend sind ihm die Länder rund um die Ostsee als ein zusammengehöriger Kulturraum selbstverständlich. Er kann nach dem Abbau störender Grenzen wieder aufleben. Järvi setzt sich dafür ein – als Festivalleiter, aber auch durch die Programme, die er dirigiert. Im Übrigen hat er auch seine Jugendjahre mit dem Komponistenfreund Erkki Sven Tüür in der Rockband ›In Spe‹ nicht vergessen; davon profitiert gegenwärtig das RSO Frankfurt, das Järvi neben der Kammerphilharmonie und dem Orchestre de Paris als Chefdirigent leitet. Für das Music Discovery Project, das sich an junge Menschen wendet, arbeitet er unter anderem mit renommierten DJs wie Paul van Dyk und Mousse T. zusammen. Für sein drittes Konzert mit dem DSO hat Järvi ein Programm außerhalb der musikbetrieblichen Routine gewählt. Mit seiner Ersten Symphonie ließ der dänische Komponist Carl Nielsen zwar durchhören, welche Anregungen er Vorbildern wie Johannes Brahms und Antonín Dvořák verdankt, vor allem aber formuliert er seine Vorstellung, wie es auf dem geschichtlichen Weg der Symphonie weitergehen könnte – Richtung Norden. Max Bruch verstand es meisterhaft, den Tonfall unterschiedlicher Länder und Menschen in seinen Stil einzuschmelzen. Schottische, schwedische, russische und jüdische

Melodien nahm er in seine Werke auf, ließ sich von ihnen zu seinen eigenen musikalischen Erfindungen inspirieren. Sein erstes Violinkonzert deutet einiges davon an. Solistin in diesem Werk, einst ein Liebling aller Virtuosen, ist Janine Jansen, die an Järvis Salzburger BeethovenErfolg beteiligt war. Mit den ›Metamorphosen‹ komponierte Paul Hindemith seine Hommage an die Romantik. Paavo glaubt wie sein Vater Neeme Järvi, dass der deutsche Komponist, der 1940 das US-Exil wählte, im heutigen Konzertleben unterschätzt wird. Habakuk Tr aber

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Carl Nielsen Symphonie Nr. 1 g-Moll Max Bruch Violinkonzert Nr. 1 g-Moll Paul Hindemith Symphonische Metamorphosen über Themen von Carl Maria von Weber Paavo Järvi Janine Jansen Violine Mi 31. Oktober 20 Uhr | 18.55 Uhr Einführung Philharmonie Karten von 20 € bis 59 € AboPlus-Preis ab 17 €


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Omer Meir Wellber | Jean-Christophe Spinosi

WeGe ZU MahleR omer Meir Wellber und Sergej Krylov debütieren am 10.10. —––

Jean Sibelius Violinkonzert d-Moll Gustav Mahler Symphonie Nr. 1 D-Dur OMeR MeIR WellBeR | Sergej Krylov Violine Mi 10. Oktober 20 Uhr | 18.55 Uhr einführung Philharmonie Karten von 15 € bis 45 € | AboPlus-Preis ab 13 €

»Die Zeit für meine Musik wird noch kommen.« es war gustav Mahler durchaus bewusst, dass seine neuartige Musik, in der die Moderne ihre Schatten vorauswarf, das zeitgenössische Publikum in enormer Weise herausforderte. Zählen seine Symphonien heute zum musikalischen Kern des Konzertrepertoires, sorgte der geachtete hofoperndirektor zu Lebzeiten als Komponist für gespaltene Reaktionen. »Wahrscheinlich bist Du der einzige«, schrieb Mahler über seine erste Symphonie an einen Freund, »dem darin an mir nichts neu sein wird; die anderen werden sich wohl über manches wundern!« Das war ziemlich untertrieben: Bereits die Budapester uraufführung 1889 spaltete Publikum und Kritik, die Wiener Rezeption

der einzigartigen Mischung von musikalischer groteske und emotionalen extremen, Dramatik und transzendenz, Liedhaftigkeit und rustikalem volkston fiel elf Jahre später sogar noch extremer aus. Zur hamburger aufführung des Jahres 1893 ergänzte Mahler den titel ›titan, eine tondichtung in Symphonieform‹ und programmatische notizen, zog sie aber nach kurzer Zeit wieder zurück. heute bedarf es der erklärenden Worte ohnehin nicht mehr. Mahlers erste zählt zu seinen beliebtesten Werken. Mit seinem eigenen Weg zu Mahlers symphonischem erstlingswerk debütiert der junge israelische Dirigent omer Meir Wellber beim Deutschen Symphonieorchester Berlin. er hat als operndirigent, Komponist und interpret eigener Werke reüssiert und gilt spätestens seit seiner assistenzzeit bei Daniel Barenboim in Berlin und Mailand als einer der vielversprechenden nachwuchsdirigenten. Seit 2011 ist er Musikdirektor des Palau de les arts Reina Sofia in valencia. auch der geiger Sergej Krylov ist am 10. oktober zum ersten Mal beim DSo zu gast. er spürt dem lyrischen ton in Jean Sibelius‘ virtuosem violinkonzert nach. Ma xiMiL ian R auSCheR

andrás Fejér mit Franz-Liszt-Preis ausgezeichnet andrás Fejér ist seit 1997 Solo-Posaunist des Deutschen Symphonie-orchesters Berlin. Seiner heimatstadt Budapest blieb der vielfach ausgezeichnete Musiker als Solist, Kammermusiker und Lehrbeauftragter an der Franz Liszt-Musikakademie verbunden. Seit vielen Jahren setzt er sich für zeitgenössische ungarische Musik ein und hat etliche ihm gewidmete Kompositionen zur uraufführung gebracht, u. a. ein Konzert für Posaune und orchester von gyula Fekete. Für seine verdienste um die ungarische Musik wurde andrás Fejér im März 2012 mit dem Franz-Liszt-Preis die wichtigste ungarische Musikauszeichnung verliehen. Das DSo gratuliert ihm dazu sehr herzlich!

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BaROcKe SPIelFReUDe Jean-Christophe Spinosi und Malena ernman zu gast am 19.9.

beweist der zweite teil des Konzertabends, in dessen Zentrum mehrere Werke des französischen impressionismus stehen. Claude Debussys ›Suite bergamasque‹, deren dritter Satz ›Clair de lune‹ in einer orchesterbearbeitung erklingt, folgt dem barocken Formvorbild, und auch Maurice Ravel greift in seiner ›Pavane pour une infante défunte‹ einen Schreittanz des 16. und 17. Jahrhunderts auf.

Spätestens seit seinen aufsehenerregenden vivaldieinspielungen gehört Jean-Christophe Spinosi zu den spannendsten Barockexperten unserer Zeit. als Dirigent, gerne auch gemeinsam mit seinem ›ensemble Matheus‹ ist der korsische Musiker mittlerweile ein gefragter gast zahlreicher opern- und Konzerthäuser europas. im april 2011 gab Spinosi, der nicht nur durch leidenschaftliche Barockinterpretationen, sondern auch seinen mitreißenden Dirigierstil von sich reden macht, ein überzeugendes Berlin-Debüt beim DSo. Die Wiedereinladung folgte auf dem Fuße: am 19. September kehrt er mit einem farbkräftigen Programm zurück, das Musik aus der hochzeit des Barock ihrem Widerhall in der französischen Musik des 20. Jahrhunderts gegenüberstellt. Das musikalische Fundament legen mit auszügen aus ›orlando furioso‹ und ›Serse‹ gleich zwei bedeutende opern aus der ersten hälfte des 18. Jahrhunderts. Dass die Strukturen der barocken Musiksprache bis weit ins 20. Jahrhundert fortwirken,

Keine Scheuklappen Mit der gefeierten schwedischen Mezzosopranistin Malena ernman steht Jean-Christophe Spinosi eine sehr wandlungsfähige Sängerin zur Seite. Beide haben bereits im vergangenen Jahr am theater an der Wien zusammengearbeitet, als Malena ernman die titelrolle in händels ›Serse‹ übernahm. Sie ist Mitglied der Royal Swedish academy of Music und feiert vor allem im barocken opernfach und als Konzertsängerin mit enormer Repertoirebreite weltweite erfolge, gemeinsam mit Dirigenten wie René Jacobs, nicolaus harnoncourt oder esa Pekka Salonen. Scheuklappen kennt die musikalische grenzgängerin dabei nicht: neben regelmäßigen ausflügen auf das Jazzpodium vertrat sie ihre heimat gar beim grand Prix eurovision de la Chanson. Ma xiMiL ian R auSCheR

›Der Dirigent‹ Roman von Sarah Quigley ›Der Dirigent‹ ist der vierte Roman der neuseeländischen, seit zwölf Jahren in Berlin lebenden Schriftstellerin und Kritikerin Sarah Quigley. er erzählt vor dem hintergrund der Belagerung Leningrads vom Ringen eines genies, von den tücken einer Freundschaft, von Krieg und Liebe – und vom Sieg der Kunst über die Barbarei: Der großteil der Künstler und Kulturschaffenden wird 1941 aus Leningrad evakuiert – bis auf Dmitri Schostakowitsch. Der Komponist bleibt, um seine Stadt zu verteidigen. Doch ein anderer wird zum eigentlichen helden: Karl eliasberg, Dirigent eines zweitklassigen Radio-orchesters. hungernd und im angesicht des todes führt eliasberg mit seinen Musikern Schostakowitschs Siebte Symphonie auf. eRSChienen aM 20. auguSt iM auFBau veRL ag.

Berlin

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1. + 2. 9. 2012 > 9 bis 18 Uhr —––

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Georg Friedrich händel Sinfonia und Arien aus ›Serse‹ antonio Vivaldi Sinfonia und Arie aus ›Orlando furioso‹ und Arie aus ›Griselda‹ claude Debussy ›Clair de lune‹ hector Berlioz ›Le spectre de la rose‹ aus ›Les nuits d‘été‹ Maurice Ravel ›Pavane pour une infante défunte‹ Maurice Ravel ›Boléro‹ JeaN-chRIStOPhe SPINOSI Malena ernman Mezzosopran Mi 19. September 20 Uhr | 18.55 Uhr einführung Philharmonie Karten von 20 € bis 59 € | AboPlus-Preis ab 17 €

Viele erreichen mehr. dso-berlin.de/foerderkreis


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Konzertvorschau | Impressum

Eine Publikation des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin | dso-berlin.de

Konzert termine September und Oktober 2012 September Fr 07.09. 20 Uhr Philharmonie

Fr 14.09.  20.30 Uhr Villa Elisabeth Mi 19.09.  20 Uhr Philharmonie

So 23.09.  12 Uhr Haus des Rundfunks Fr 28.09. 20.30 Uhr Philharmonie

Sa 29.09.  20 Uhr Philharmonie

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Oktober

Strawinsky ›Pulcinella‹-Suite Copland ›Eight Poems of Emily Dickinson‹ Rachmaninoff Symphonie Nr. 3 a-Moll Tugan Sokhiev Susan Graham Mezzosopran Kammerkonzert Werke von Bax, Holst, Vaughan Williams Ensemble des DSO Händel Sinfonia und Arien aus ›Serse‹ Vivaldi Sinfonia und Arie aus ›Orlando furioso‹ und Arie aus ›Griselda‹ Debussy ›Clair de lune‹ Berlioz ›Le spectre de la rose‹ aus ›Les nuits d‘été‹ Ravel ›Pavane pour une infante défunte‹ Ravel ›Boléro‹ JEAN-CHRISTOPHE SPINOSI Malena Ernman Mezzosopran Kulturradio-Kinderkonzert Ravel Suite ›Ma mère l‘oye‹ LUTZ RADEMACHER Christian Schruff Moderation

Mi 10.10.  20 Uhr Philharmonie

So 14.10.  17 Uhr Villa Elisabeth

Mo 22.10.  20 Uhr Philharmonie

Fr 26.10.  22 Uhr MusikinstrumentenMuseum Mi 31.10.  20 Uhr Philharmonie

Casual Concert Bacewicz Konzert für Streichorchester Mozart Hornkonzert Nr. 3 Es-Dur ANDREW MANZE Paolo Mendes Horn Bacewicz Konzert für Streichorchester Mozart Hornkonzert Nr. 3 Es-Dur Strawinsky ›Dumbarton Oaks‹ Mozart Symphonie Nr. 36 C-Dur ›Linzer‹ ANDREW MANZE Paolo Mendes Horn

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Sibelius Violinkonzert d-Moll Mahler Symphonie Nr. 1 D-Dur Omer Meir Wellber Sergej Krylov Violine Kammerkonzert Werke von Bruch, Ginastera, Gubaidulina, Hindemith, Ravel, Schmitt Ensemble des DSO Brahms Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll Schumann Symphonie Nr. 4 d-Moll Christoph Eschenbach Tzimon Barto Klavier Kammerkonzert ›Notturno‹ Werke von Korngold, Schumann Ensemble des DSO

Nielsen Symphonie Nr. 1 g-Moll Bruch Violinkonzert Nr. 1 g-Moll Hindemith Symphonische Metamorphosen über Themen von Carl Maria von Weber Paavo Järvi Janine Jansen Violine

K arten, Abos und Beratung Rundfunk Orchester und Chöre GmbH Besucherservice Charlottenstraße 56 | 2. OG 10117 Berlin | Am Gendarmenmarkt Öffnungszeiten Mo bis Fr 9 – 18 Uhr Tel 030. 20 29 87 11 | Fax 030. 20 29 87 29 tickets@dso-berlin.de Impressum Deutsches Symphonie-Orchester Berlin in der Rundfunk Orchester und Chöre GmbH Berlin im rbb-Fernsehzentrum Masurenallee 16 – 20 | 14057 Berlin Tel 030. 20 29 87 530 | Fax 030. 20 29 87 539 dso-berlin.de | info@dso-berlin.de Orchesterdirektor Alexander Steinbeis (V. i. s. d. P.) Orchestermanager Sebastian König Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Benjamin Dries Redaktion Maximilian Rauscher, Benjamin Dries Marketing | Branding Jutta Obrowski Abbildungen | Fotos Urban Zintel (S. 1), David Maschalsky (S. 2 links), bpk | E. Kasperski (S. 2 Mitte), Eric Brissaud (S. 2 rechts), Erik Weiss (S. 3, S. 4 oben), Dorothee Mahnkopf (Grafik S. 4 unten), Didier Olivré (S. 5 links), Archiv DSO (S. 5 rechts), Augusto Valente (S. 6 links u. Mitte), Sebastian König | DSO (S. 6 rechts), Felix Broede (S. 7 links), Sigi Müller (S. 7 rechts) Art- und Fotodirektion .HENKELHIEDL Redaktionsschluss 16.08.2012 Änderungen vorbehalten © Deutsches Symphonie-Orchester Berlin 2012 Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin ist ein Ensemble der Rundfunk Orchester und Chöre Gmbh Berlin. Geschäftsführer Thomas Kipp Gesellschafter Deutschlandradio, Bundesrepublik Deutschland, Land Berlin, Rundfunk BerlinBrandenburg

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Kammerkonzerte Die ausführlichen Programme und Besetzungen finden Sie unter dso-berlin.de/kammermusik Konzerteinführungen Zu allen Symphoniekonzerten in der Philharmonie – mit Ausnahme der Casual Concerts – findet jeweils 65 Minuten vor Konzertbeginn eine Einführung mit Habakuk Traber statt.

DAS VOLLE PROGRAMM LEIDENSCHAFT

DSO Nachrichten 09/10 2012  

Inhalt: Der neue Chefdirigent Tugan Sokhiev im Gespräch, Andrew Manze im Casual Concert, Paavo Järvis und Janine Jansens Blick nach Norden,...

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