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D R E S D N E R M U S I K F E ST S P I E L M AG A Z I N

N°8 / VISIONEN / 2019


sparkasse.de/gemeinsamallemgewachsen

#GemeinsamAllemGewachsen


VIS BAU ION HAUS EN

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EDI TOR IAL Liebe Musikfreunde, Visionen sind eine wichtige Ressource in der Evolution der Menschheit und ein Kernbaustein künstlerischer Inspiration. Ich möchte mit diesem Thema an die Gründung des Bauhauses vor 100 Jahren erinnern. Was für eine bahnbrechende ästhetische Neuausrichtung, die weit über die Grenzen der Architektur die Definition von Kultur, Geschmack, Lebensqualität und Nach­ haltigkeit erneuert hat! Unser Programm spannt einen Bogen von den visionären Vordenkern früherer Jahrhunderte zu Werken und Konzepten, die durch die Bauhaus-Bewegung inspiriert wurden. Die Bauhausgründer träumten von einer gerechteren Welt, in der jeder Mensch Zugang zu Kunst und Kultur hat. 100 Jahre später ist es Zeit, diese Vision zu erneuern und zu erfüllen. Ich lade Sie ein, Konzerte zu entdecken, die dem Motto »VISIONEN« auf verschiedenartige Weise gerecht werden und vielleicht auch zum Nachdenken über eigene, ganz persönliche Visionen anregen.

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Ihr Jan Vogler, Intendant


Women’s Empowerment Eine Komposition aus drei Kontinenten Geigenstar als Musikvermittler Romantiker im Originalklang Festivalsplitter Vision Frieden  Jordi Savalls Syrien-Projekt Vision Bauhaus  Ganz in Weiß Vision Tanz  Ivan Liška — ein Leben mit dem »Triadischen Ballett« Vision Bühne  Hellerau — Wiege der Moderne Vision Gesellschaft  »Ändere die Welt, sie braucht es!« Vision Moral  »Die Liebe ist das Zentrum unserer Arbeit« Vision Abstrakt  »Ein Bild muss klingen« Die Zeitlosigkeit des Blues Mehr als nur Oper Nicht nur musikalische Partner »It must schwing!« Yo-Yo Ma — ein musikalischer Weltbürger Duello amoroso Festivalprogramm Auf einen Kaffee mit … Ekaterina Antonenko

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Women’s Empowerment TEXT: JUDITH SCHOR Mirga Gražinytė-Tyla und Yuja Wang – zwei Ausnahme­musikerinnen, die das Leben moderner Superheldinnen führen. Zwischen Konzertsaal und Flughafen tragen sie ihr großes musikalisches Talent wie ein Versprechen zu den Menschen überall auf der Welt.

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»Es spielt keine Rolle, an welchem Ort ich mich körperlich befinde. Ich bin wie ein Instrument und trage die Musik in mir. Letztendlich kommt das Publikum ins Konzert, um sich von der Musik hinreißen zu lassen. Ich versuche die Zuhörer in eine andere Welt zu entführen, die hoffentlich weit abseits des Alltags liegt.« Yuja Wang ist eine junge chinesische Pianistin, Jahrgang 1987, die in den USA lebt und ihr großes Können in den Dienst der Musik gestellt hat. Diese Disziplin, Leidenschaft und Hingabe sind ein Geschenk an das Publikum. Das weiß auch die litauische Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla. Mit nicht einmal 30 Jahren

wurde sie im September 2016 Chefdirigentin des City of Birmingham Symphony Orchestra und trat damit die Nachfolge von Andris Nelsons und Sir Simon Rattle an. Sie ist die erste Frau am Chef-Dirigierpult des Traditionsorchesters, das zu den bedeutendsten britischen Klangkörpern zählt. Ende August dieses Jahres ist sie Mutter geworden, nach einer kurzen Auszeit kehrte sie bereits im November zurück auf die Podien der Welt. Bei den Musikfestspielen 2019 sind die beiden Künstlerinnen mit Werken von Ligeti, Prokofjew und Brahms zu Gast und laden, begleitet vom City of Birmingham Symphony Orchestra, zu aufregenden


CIT Y OF BIRMINGHAM SYMPHONY ORCHESTRA —  GRAŽINY TĖ-T YL A — WANG FREITAG 17. MAI 2019 20 UHR KULTURPAL AST

Klangreisen ein, die von romantischer Opulenz bis hin zur düster-expressiven Verdichtung eines modernen kompositorischen Idioms nach dem Zweiten Weltkrieg reichen. Yuja Wang und Mirga Gražinytė-Tyla sind starke Persönlichkeiten, sie sind Forscherinnen, abenteuerlustige und kreative Künstlerinnen mit schier unglaublicher Energie. Wir sollten sie nicht nur dafür bewundern, dass sie in einer von Männern dominierten Welt Karriere machen, sondern auch dafür, dass sie den Mut haben, einen Beruf auszuüben, der wenig kalkulierbar, wenig kontrollierbar ist. Trotz exzellenter Vorbereitung haftet dem Gang auf die Bühne letztlich

stets etwas Mystisches an. Wird der Zauber gelingen? Wird das Publikum in jene Verzückung geraten, die in den Feuilletons als »Macht der Musik« diskutiert wird und eben nicht auf Knopfdruck wirkt wie eine Kopfschmerztablette? Künstlerinnen und Künstler sind Geheimnisträger. Sie schultern ein großes Risiko, aber ihr Talent lässt ihnen keine Wahl. Ihre Vision vermag es, uns aus dem Alltag zu entführen und für den Moment in andere Sphären eintauchen zu lassen. In einer Welt, in der nahezu alle Geheimnisse erklärbar sind, gibt es kaum etwas Kostbareres.

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Eine Komposition aus drei Kontinenten TEXT: MICHAEL BARTSCH Jan Vogler zu den Hintergründen der Auftragskomposition

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Nico Muhly (USA) Jan Vogler nennt ihn einen »typischen Amerikaner«, der auch aufgrund seiner Vielseitigkeit schnell in die erste Reihe der jungen US-Komponisten aufstieg. 1981 in Vermont geboren, liebt er die Überschreitung von Genregrenzen. 2015 war er mit »Mixed Messages« bereits bei den Dresdner Musik­ festspielen vertreten.

Die Musikgeschichte kennt kein vergleichbares Beispiel: Drei Komponisten aus drei Kontinenten schreiben je einen Satz für ein Cellokonzert. Und unterschiedliche Handschriften und Kulturen bleiben, auch wenn wir global immer mehr vernetzt sind. Der Vorstandsvorsitzende der Ost­sächsischen Sparkasse Dresden Joachim Hoof habe ihn schon früh auf die mögliche Förderung von Auftragswerken angesprochen, erinnert sich Musikfestspielintendant Jan Vogler. »Wir sind noch nicht so weit«, habe er nach seiner Intendanzübernahme in der Saison 2008 / 09 zunächst zurück­ haltend reagiert. Es galt, die Festspiele zu stabilisieren, breiter aufzustellen und international zu verankern. Vogler nennt ungefähr das Jahr 2015, in dem er diesen Stand für erreicht hielt. Zeit also für Wagnisse, für Zeitgenossen, für Uraufführungen. »Buddha Passion« des Chinesen Tan Dun aus dem Jahr 2018 ist inzwischen an mehreren Orten der Erde aufgeführt worden. Für das zweite spektakuläre Projekt dieser Reihe hatte der Intendant und Cellist eine Idee, deren Tragweite gar nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Denn hinter dem Kompositionsauftrag steckt mehr als der hübsche und bislang einmalige Gag, die drei Sätze eines traditionellen Solokonzertes von drei verschiedenen Komponisten schreiben zu lassen.


WDR SINFONIEORCHESTER — MĂCEL ARU — VOGLER SAMSTAG 18. MAI 2019 20 UHR KULTURPAL AST »EXPERIENCE« 10.30 UHR KÜNSTLERGESPRÄCH UND PROBENBESUCH KULTURPAL AST

Jan Vogler macht auf seinen zahlreichen Konzertreisen längst die Er­fahrung, wie sehr unsere Welt zusammengewachsen ist. Gerade Künstler be­gegnen und vernetzen sich über Ländergrenzen hinweg mit größter Selbstverständlichkeit. Und doch tritt nicht ein, was ängstliche Menschen befürchten und wovor Nationalisten überall wieder warnen. Die Kulturen gleichen sich nicht an und verwischen in Vereinheitlichung, sondern »die Klangsprachen bleiben unangepasst«, wie Jan Vogler sagt. Deshalb hat er drei unterschiedliche Komponisten aus drei Ländern und drei Generationen angesprochen, für ihn ein Cellokonzert zu schreiben: einen aufstrebenden jungen US-Amerikaner, einen nachdenklichen Deutschen der mittleren Generation, einen traditionell orientierten reifen Chinesen. Die zu erwartenden Kon­ traste von Satz zu Satz sind gewollt. Sie versprechen neben dem Erkenntnisgewinn ob ihrer Originalität auch reizvolle Unterhaltung, wozu sich Vogler ausdrücklich bekennt. Beethovens grandiose »Eroica« im zweiten Teil dieses ungewöhnlichen Projektes versteht er als korrespondierendes Zeitdokument. Ursprünglich Napoleon ge­ widmet und komponiert in einer Zeit selbstverständlich erscheinender Kriege, verweist sie heute auf die einzig mögliche pazifistische Alternative: auf Völkerverständigung.

Sven Helbig (Deutschland) Auch Sven Helbig ging bislang locker mit Partnern aus der Popmusik wie Polarkreis 18 oder den Pet Shop Boys um und bedient gern elektronische Instrumente. Der sensible, nachdenkliche Fünfzig­ jährige wuchs im ost­ deutschen Eisen­hütten­ stadt auf. Den Dresdnern ist er als Mitbegründer der Dresdner Sinfoniker bekannt.

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Regionale Sparkasse fördert internationale Dreifach­komposition

Zhou Long (China) Erfahrungen mit der brutalen »Kulturrevolution« prägten den 1953 in Peking geborenen Komponisten. Seine Hinwendung zur traditionellen chinesischen Musik ließe sich so erklären. 1985 ging er in die USA, studierte und promovierte dort und pflegt weiter die Musik seiner Heimat. Für seine erste Oper erhielt er den »Pulitzer Prize for Music«.

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»Die Musikfestspiele sind das Highlight unserer Kulturförderung«, hebt Andreas Rieger, Unternehmenssprecher der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, hervor. Rund ein Drittel seiner Spenden und Sponsoringmittel schüttet das öffentlich-rechtliche Geldinstitut an Kunst- und Kulturförderung aus. Das ist immerhin gut eine Million Euro. Davon profitieren Musikschulen oder kleine Projekte wie die Serkowitzer Volksoper, aber auch die Dresdner Flaggschiffe wie Hellerau, die Philharmonie oder die Semperoper. Andreas Rieger vergleicht es mit dem Verhältnis vom Breitenzum Spitzensport und sieht die Kunstförderung im weitesten Sinn an ein Kulturbürgertum adressiert. Ihrer kom­munalen Verwurzelung entsprechend fühlt sich die Sparkasse auch dem regionalen kulturellen Gemeinwohl verpflichtet. Mit der Ära von Intendant Jan Vogler hat sich das Engagement der Ostsächsischen Sparkasse Dresden bei den Dresdner Musikfestspielen erweitert. Sie steht dem Festival inzwischen als Hauptförderer zur Seite. Es gilt, Voglers Bemühungen um einen »international beachteten Ort« zu unterstützen. Relativ jung ist

dabei die Konzentration auf Uraufführungen. Von der Kritik viel beachtet wurde im Mai 2018 die aufwendige »Buddha Passion« des Chinesen Tan Dun, die eine Brücke zwischen christlicher und buddhistischer Religion schlug. Diesem großen Auftragswerk sollen zunächst für drei Jahre weitere folgen, die von der Sparkasse über einen Gesamtsponsoringvertrag ermöglicht werden. Jan Vogler will damit eine Dresdner Uraufführungstradition wiederbeleben, die insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Blüte erfuhr. »Die Idee hat uns gut gefallen, den Kompositionsauftrag für ein Cellokonzert an drei verschiedene Komponisten zu vergeben«, berichtet Sprecher Rieger. Er spricht von »Internationalität mit regionaler Verankerung«. Dreimal soll diese Uraufführung über die Musikfestspiele hinaus präsentiert werden. Das internationale Werk wird dabei u. a. für Konzerte in Köln mit dem WDR Sinfonieorchester (Januar 2020) und in Singapur mit dem Singapore Symphony Orches­ tra (August 2020), beide Male unter der Leitung von Cristian Măcelaru, von Kontinent zu Kontinent reisen.


Geigenstar als Musikvermittler TEXT: HANS-DIETER GRÜNEFELD Seine beispiellose Karriere als Solist, Kammermusiker und Dirigent umspannt bereits mehr als dreißig Jahre — der amerikanische Violinist Joshua Bell gehört fraglos zu den Großen auf seinem Instrument. Nun erhält der Weltklassegeiger mit pädagogischer Ader den 16. »Glashütte Original MusikFestspielPreis«. Zur Interpretation klassischer Musik ist eine fundierte Ausbildung notwendig. Um als Solist im Rampenlicht zu bestehen, braucht es allerdings auch einen erfahrenen Mentor, der nicht nur die Finessen einer Partitur erklären kann, sondern auch für Motivation und psychische Stabilität bei den entsprechenden Auftritten sorgt.

Als das herausragende Talent bei Joshua Bell — geboren in Bloomington, Indiana — offenkundig wurde und professionelle Anleitung erforderte, konnte seine Mutter den an der Jacobs School Of Music der Indiana University unterrichtenden legendären Violin-Maestro Josef Gingold dafür gewinnen, ihren Sohn als Schüler anzu-

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nehmen. Die Wärme und musikalische wie auch menschliche Weisheit dieses einflussreichen Musikpädagogen sollte ihn nachhaltig prägen: »Mein Lehrer Josef Gingold lebte und atmete die Violine, und seine Freude an der Musik war so ansteckend, dass ich seine Unterrichtsstunden summend verließ. Er lehrte mich, dass Musik mehr als nur ein Hobby, dass sie ein Leben sein kann«, schrieb Bell 2016 auf Facebook. Seinem erfolgreichen Debüt in der New Yorker Carnegie Hall im Alter von siebzehn Jahren folgte eine rasante Karriere, die unter anderem von Soloparts in Filmen wie »The Red Violin« (1998), Konzerten mit den renommiertesten Orchestern weltweit und der Ernennung zum Künstlerischen Leiter der Academy of St Martin in the Fields 2011 geprägt ist. Bells künstlerisch-pädagogische Quintessenz könnte man so auf den Punkt bringen: Musik hat das Potenzial zu transkultureller Verständigung und ist wesentlich für eine umfassende Allgemeinbildung. Deshalb beteiligt sich der Geiger am Schulreformprojekt »Education Through Music

CAMERATA SALZBURG — MANZE — BELL

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MONTAG 27. MAI 2019 20 UHR FRAUENKIRCHE

and Turnaround Arts« der NAMM Foundation. Diese Initiative will, etwa durch die Bereitstellung von Instrumenten, Aufmerksamkeit, Kreativität und kritisches Denken bei Schülern in Grund- und Mittelschulen fördern. So sollen Kinder, die sonst kaum Kenntnisse in Klassischer Musik erwerben können, diesem Bildungsmedium näher gebracht werden. Zudem engagiert sich Joshua Bell für die jungen Streicher der National YoungArts Foundation, einer Wohltätigkeitsorganisation zur Förderung aufstrebender Künstler an High Schools. Darüber hinaus ist er seit einiger Zeit Dozent an seiner Alma mater, der Jacobs School of Music, und war selbst Mentor für den Komponisten Jay Greenberg. Dieser schrieb für Bell 2007 ein Violinkonzert — im Alter von fünfzehn Jahren. Für sein vielseitiges Engagement wird Joshua Bell 2019 mit dem »Glashütte Original MusikFestspielPreis« geehrt — einer Auszeichnung, die Künstler für ihr nachhaltiges und beispielloses Wirken in der Musikvermittlung und Nachwuchsförderung würdigt.


Senator Cosmopolite

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ERÖFFNUNGSKONZERT: DRESDNER FESTSPIEL­ ORCHESTER — BOLTON — PAPE DONNERSTAG 16. MAI 2019 20 UHR KULTURPAL AST DRESDNER FESTSPIEL­ ORCHESTER — VOGLER DONNERSTAG 30. MAI 2019 20 UHR KULTURPAL AST

Romantiker im Original-­ klang

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TEXT: JUAN MARTIN KOCH Das Dresdner Festspielorchester hat sich zu einer fes­ ten Größe in der Szene der historischen Aufführungspraxis entwickelt. Bei seinen diesjährigen Festspielauftritten setzt es seine Schumann-Erkundungen fort und stellt der deut­ schen Romantik die französische gegenüber.


Berlioz elektrisiert: Spricht man die Musiker des Dresdner Festspielorchesters auf ihr französisches Programm an, geht es schnell ans Eingemachte. Dann erzählt die Fagottgruppe zum Beispiel von der unterschiedlichen Entwicklung, die ihr Instrument seit dem 18. Jahrhundert in Deutschland und Frankreich genommen hat: »Mitte des 19. Jahrhunderts hatten sich beide Systeme schließlich so weit voneinander entfernt, dass es für einen Spieler nicht mehr ohne Weiteres möglich war, von einem Instrumententyp auf den anderen zu wechseln. Gut einhundert Jahre lang existierten beide Systeme, das deutsche Fagott und das französische ›Basson‹, pa­rallel und unabhängig voneinander, in ihrer vom Klang der jeweiligen Sprache geprägten tonlichen Ausprägung.« Nicht weniger als vier solcher »Bassons« verlangt die »Symphonie fantastique« von Hector Berlioz. Und so wurden weitgehend original erhaltene Gebrauchtinstrumente der Zeit erworben und restauriert … Michael Neuhaus, Kontrabassist und Orchestermanager, blickt mit großer Vorfreude auf dieses Konzert, in dem neben Berlioz auch das erste Cellokonzert von Camille Saint-Saëns erklingt: »Da wir doch einige Franzosen im Orchester haben, bin ich gespannt, wie viele Ideen oder Hinweise auf Spielarten aus der französischen Praxis und Tradition mit eingebracht werden!« Um dem Publikum auch Einblicke in das Entstehen dieser besonderen Klangwelten zu ermöglichen, wird es wieder ein Werkstattkonzert geben. Oboist und Orchestervorstand Thomas Jahn schätzt diese Form der Vermittlung besonders: WERKSTATTKONZERT »Es ist ein sehr informatives und unterhaltsames Konzertformat in lockerer AtmoDONNERSTAG sphäre, bei dem die Distanz, die wir im 30. MAI 2019 großen Konzertsaal haben, aufgehoben 11 UHR wird. Publikum und Musiker können hier PAL AIS IM GROSSEN GARTEN sehr vertraut mitein­ ander kommunizieren.« Und Michael Neuhaus zitiert aus einem Gespräch mit einem Ehepaar, das bisher jedes Jahr mit Begeisterung dabei war: »Da bekommt der Zuhörer etwas an die Hand, das er dann im Konzert nachvollziehen kann.« Seine mit Konzerten und einer CD-Einspielung unter Beweis gestellte Schumann-Expertise kommt im »deutschen« Programm des Orchesters beim Eröffnungskonzert zum Tragen und wird von Thomas Jahn so begründet: »Da Schumann wichtige Jahre in Dresden verbracht hat, ist es uns ein besonderes Anliegen, seine Werke mit dem Festspielorchester vor Ort zu interpretieren und, wenn möglich, auch auf CD zu produzieren.« Den 2016 begonnenen Sinfonienzyklus beschließt das Orchester nun mit der Ersten, der »Frühlingssinfonie«, präsentiert mit Webers »Euryanthe«-Ouvertüre das deutsche Vorbild für den Orchesterklangmagier Berlioz und betätigt sich in einer ungewöhnlichen Begleitrolle: In Bearbeitungen von Schubert-Liedern fächert es für Weltklasse-Bassist René Pape den Klavierklang mannigfaltig instrumental auf.

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FestspielLounge

Classical Beats

16. MAI — 10. JUNI 2019 Treffpunkt für Festival­besucher und -künstler — vor und nach dem Konzert. Ankommen, ent­spannen und genießen bei Drinks und guter Küche. Palastecke im Kulturpalast, aktuelles Programm unter musikfestspiele.com

Clubkultur trifft Klassische Musik: Ungezwungen und locker. In der Dresdner Reithalle. 25. MAI 2019 Johannes Motschmann Trio & DJ-Set mit Federico Albanese 1. JUNI 2019 Jazzrausch Bigband & DJ-Set mit DJ Gunjah

Festspiele für alle

Experience

8. JUNI 2019 Dresdens Innenstadt klingt und singt! Mitmachprojekt »Klingende Stadt« ab 14 Uhr »Dresden singt & musiziert« ab 19 Uhr

Das besondere Extra zum Konzert von Probenbesuch bis Künstlergespräch. Alle Konzerte plus »Experience«Termine und Anmeldung unter musikfestspiele.com/musix

Festspiele auf ARTE

Musik braucht Freunde

16. MAI 2019 Live im Internet auf ARTE Concert: Das festliche Eröffnungskonzert mit dem Dresdner Festspiel­orchester, Ivor Bolton und René Pape

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Musik kennt keine Grenzen, Musik verbindet, Musik schafft Freunde. Dafür engagiert sich der Freundes­kreis der Dresdner Musikfestspiele in ausgewählten Projekten und sucht begeisterte Mitstreiter. Mehr Informationen unter musikfestspiele.com/freunde


»Man gehe vom Raum aus, von seinem Gesetz und seinem Geheimnis, und lasse sich von diesem behexen. Man habe eben so viel Scheu als Achtung vor jeglicher Aktion des Menschenkörpers, zumal auf der Bühne, dieser Sonderwelt des Lebens, des Scheins, der zweiten Wirklichkeit, in der alles vom Glanz des Magischen umwittert ist.«

OSKAR SCHLEMMER 1929 über den Erfolg der Bauhausbühne

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VISION FRIEDEN Jordi Savalls Syrien Projekt

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TEXT: MARTIN MORGENSTERN

Mit einer »Hommage an Syrien« ist der Gambist und Dirigent Jordi Savall in Dresden zu Gast. Das kriegsgeschun­ dene Land hat ob seiner Lage am Schnittpunkt von Gewürzund Seidenstraße eine reiche Kulturgeschichte, die Savall und sein Ensemble zum Leben erwecken und mit abendlän­ dischen Klängen in Beziehung setzen.


FREITAG 24. MAI 2019 20 UHR FRAUENKIRCHE »EXPERIENCE« 18 UHR GESPRÄCH MIT JORDI SAVALL UNTERKIRCHE FRAUENKIRCHE

Mit nebenstehendem Zitat des Archäologen und langjährigen Direktors des Pariser Louvre beginnt der ausführliche Einleitungs­ text im 430 Seiten (!) umfassenden Beiheft der CD »Hommage à la Syrie«, die Jordi Savall mit seinem Ensemble Hespèrion XXI, darunter die Sängerin und Oud-Spielerin Waed Bouhassoun und der Sänger und Oud-Spieler Moslem Rahal, 2013 veröffentlichte. Aus den Texten des erwähnten Beiheftes sprechen die Ohnmacht und die Angst angesichts der aussichtslosen Lage eines Landes, in dem der Bürgerkrieg da­ mals schon zwei Jahre lang tobte. »Hunderttausend Tote beim Schreiben dieser Zeilen«, weitere zweihundertfünfzigtausend Syrer in Haft und Millionen auf der Flucht — und niemand konnte sagen, wohin sich dieser Krieg entwickeln, wer die Oberhand gewinnen würde. Die »Hommage à la Syrie« geriet zum klingenden Mahnmal. Anlässlich eines Weihnachtskonzertes hatte sich Savalls Ensemble erstmals mit zwei syrischen Musikern zusammengetan; in den folgenden Monaten realisierten alle gemeinsam mehrere Projekte, spannen Dialoge mit weiteren Musikern, die rund um das Mittelmeer zu Hause waren.  Am Ende wurde dann ein CD-­ Projekt daraus, »Orient-Occident II« betitelt. Musiker aus Syrien, Israel, der Türkei, dem Libanon, Griechenland und Marokko steuerten Klänge bei. Der Austausch zwischen Abend- und Morgenland regte alle an, eine »Hommage an das syrische Volk«

»Jede zivilisierte Person auf der Welt hat zwei Heimatländer: ihr Herkunftsland und Syrien.« (André Parrot)

JORDI SAVALL: HOMMAGE AN SYRIEN

sollte es werden und ein »Gegengift« gegen das Vergessen, gegen die Un­mensch­ lichkeit. Musikalisch ist diese Hommage aus ganz verschiedenen Bausteinen aufgebaut, borgt sich Anregungen aus verschiedenen Zeiten und aus unterschiedlichen Regionen. Unter der zeitgenössischen Schicht blitzen da die Ur­­sprünge hervor: alte Tänze, Gebete, Klagelieder, die von einer innigen, berührenden Schönheit sind. Türkische, iranische, marokkanische und israelische Instrumente, Einflüsse aus dem europäischen Mittelalter, unterlegt mit pulsierenden, lebendigen Rhythmen. So entsteht ein unverwechselbarer spiritueller Dialog, der nicht zuletzt die Hoffnung der Musiker auf Frieden, auf Verständigung, auf einen gemeinsamen Neuanfang nach all dem Leid zum Ausdruck bringt. »Die Anderen« erscheinen in dieser Hommage nicht mehr fremd, abweisend, nein: Man findet gemeinsame Ideen, klangliche Linien und Stimmungen. Wo wäre solch ein Programm besser aufgehoben als in der Dresdner Frauenkirche? Hier, an einem Ort, wo noch vor wenigen Jahren ein Haufen rußgeschwärzter Steine als stummes Mahnmal, als »Nie wieder Krieg« mitten in der Innenstadt lag, wo dann doch in einem immensen Willensakt und mit Hilfe vieler Freunde aus aller Herren Länder ein Wiederaufbau gelang und wo es eben auch noch nicht lange her ist, dass drei Busse aufrecht gestellt wurden als riesenhafte Symbole für den Schutz menschlichen Lebens in unmenschlich gewordenen Zeiten und — ja, auch das muss erwähnt werden — das Projekt des gebürtigen Damaszeners Manaf Halbouni von einigen Talbewohnern verhöhnt und beschimpft wurde, da schart Jordi Savall sechs Jahre nach der Aufnahme der ersten »Hommage an Syrien« nun erneut syrische Musiker um sich und versucht, durch die Musik ein Miteinander herzustellen und ein Bewusstsein für dieses unser »zweites Heimatland«. Vielleicht ist kein anderes Konzert des 2019er Musikfestspieljahrgangs so wichtig wie dieses.

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VISION BAUHAUS Ganz in Weiß TEXT: NIKLAS MAAK […] Man kann die Geschichte des Bauhauses auf sehr unterschiedliche Weise erzählen — denn »das Bauhaus« gibt es nicht: Vor allem zu Beginn war die Kunstschule keineswegs nur die rationale Entwurfsanstalt für technisch kalte, gute, industrielle Formen, als die sie heute gilt. »Wir alle müssen zum Handwerk zurück!«, schrieb Walter Gropius 1919. Studenten sollten sich wieder mit der Materialqualität von Metall, Holz und Keramik befassen, Kunst und Handwerk so wieder eine Einheit bilden und Gesamtkunstwerke hervorbringen: Das ganze Leben sollte eine schöne Form bekommen, die die moderne Massenindustriegesellschaft ihr nicht geben konnte. Gerade in den ersten Jahren war die Schule ein Hort von Lichttänzern, Bio-Konservativen und Naturmystikern: Wenn man den Deckel der rationalen weißen Kiste hochklappt, ist man immer wieder erstaunt, was für esoterische Kasperköpfe einem entgegenspringen  —  der Maler Johannes Itten etwa, der als Formmeister in Mönchskutten herumlief und sich dermaßen mystisch verhielt, dass Gropius ihn 1923 wieder rauswarf. […] Auch das gehört zur Wahrheit des Bauhauses: Die irren Pegelschläge zwischen Reform und Rassenhass, Befreiung des Körpers und Unterjochung, Nationalismus und Sozialismus, die die Weimarer Republik kennzeichnen, prägten auch die Kunstschule. […] Viele Fragen, um die es heute geht, die Wohnungsfrage, die Bodenfrage, Fake-News-Aberglaube, Radikalisierung, Abgleiten ins Esoterische, Hoffnung auf neue und Angst vor neuen Technologien, trieben schon die Bauhäusler um. […] Man kann das Bauhaus ab 1925 als industriefreundliche Designschule beschreiben  — aber auch als Hochburg antikapitalistischer, marxistischer Wohlfahrtstaatlichkeit, denn Hannes Meyer, der 1928 auf Gropius folgte, politisierte das Bauhaus massiv: Jetzt ging es um Volkswohnungen und Design für alle, viele Studenten traten der kommunistischen Partei bei, wofür man den Marxisten Meyer verantwort-

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lich machte; er wurde schließlich entlassen. Sein Nachfolger Mies van der Rohe versuchte sich unpolitisch zu geben; trotzdem wurde das Bauhaus erst in Dessau und 1933 auch in Berlin von den Nazis geschlossen. […] Das Bauhaus wird auch in populären Listen zwischen Mercedes und Gartenzwerg als »typisch deutsch« gelistet. Aber wie deutsch war das Bauhaus? Zu seinen besten Zeiten kamen die besten Lehrer aus Russland (Wassily Kandinsky) oder Ungarn (László MoholyNagy), die Schüler aus Argentinien (Horacio Coppola) und der Levante (Arieh Sharon). Es hat auch deshalb etwas seltsam Gönnerisches, wie heute über Architekten wie Sharon geredet wird, die aus den Kibbuzim der Levante ans Bauhaus kamen und später, nachdem sie vor Hitler fliehen mussten, das weiße Tel Aviv bauten. […]   Welches Bauhaus will man feiern: Das technikbegeisterte, das für die gute Form für alle eintrat? Die Kommune, in der mit sexuellen Identitäten und Lebensformen experimentiert wurde? […] Das der »metallischen Feste«, bei denen man sich in Blech hüllte und scheppernd über Rutschen in den Saal donnerte und so die mechanische Zukunft im allerwörtlichsten Sinne verkörperte? […] Dieses wilde, optimistische, chaotische, barocke, turbulente Bauhaus, das es neben dem zu mystischen und dem zu kalt-mechanischen eben auch gab und das nicht nur neue Her­ stellungsmethoden, sondern auch neue Formen des Zusammenlebens erprobte und erfolgreich verbreitete, von denen die Gegenwart viel lernen könnte — das müsste man vielleicht auf ganz andere Arten und Weisen feiern.

Auszug aus dem Artikel »Ganz in Weiß« von Niklas Maak, erschienen in: Frankfurter Allgemeine Sonntags­zeitung Nr. 43 vom 28. 10. 2018.


VISION TANZ Ivan Liška — ein Leben mit dem »Triadischen Ballett«

INTERVIEW: MARTIN KÜNANZ

Ivan Liška und Colleen Scott, 1977, Rosa Reihe, Duo Tänzer und Tänzerin in Weiß

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Es ist das bekannteste unbekannte Bühnenwerk des 20. Jahrhunderts: »Das Triadische Ballett« des Bauhaus-Künstlers Oskar Schlemmer. Das 1922 in Stuttgart uraufgeführte Werk erlangte erst mit Gerhard Bohners aufwendiger Rekonstruktion von 1977 zur neu komponierten Musik von Hans-Joachim Hespos Weltruhm. Nach dem Tode von Bohner übernahmen Ivan Liška und seine Frau Colleen Scott — einst Solisten in Bohners Fassung — das »Triadische Ballett« und setzen seitdem dessen Erfolgsgeschichte fort.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts strebte der moderne Tanz als Gegenbewegung zum klassischen Ballett und auch als Antwort auf den Ersten Weltkrieg in viele Richtungen. Welchen visionären Geist sehen Sie in Oskar Schlemmers »Triadischem Ballett«? Im Gegensatz zum Ausdruckstanz, der dramatisch und schier grenzenlos angelegt war, wollte Schlemmer zu »Reduktion, Ordnung und Stil« finden. Er brachte Tanz und Bildende Kunst zusammen und kreierte ein ästhetisches System, in dem er den menschlichen Körper abstrahierte und dessen Geometrie überhöhte. Für dieses Werk ging er zurück auf die Trias als Ordnungsprinzip. Die besondere Ästhetik seines Balletts wurde vor allem in der Bil­denden Kunst sehr aufgenommen, wo sie bis heute nachwirkt.

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Schlemmer entwickelte kubistische Figuren, Kugelhände, Spiralen und Scheibenröcke. Inwieweit spielte er auf Technisierung und Entmenschlichung an?

Er war sehr an der »Maschine Mensch« interessiert und suchte den Mechanismus des Körpers zu erspüren. Zugleich hat sein Ballett für mich auch viel Berührendes, Menschliches und Humorvolles. Und als Reaktion auf die Katastrophe des Ersten Weltkrieges fragten sich die Menschen, ist die Maschine die Zukunft? Ist das nicht die gleiche Frage, die uns nach wie vor beschäftigt? Die heute zu erlebende Fassung entspricht im Wesentlichen Gerhard Bohners Rekonstruktion von 1977. Wie ging er vor, um der Originalchoreografie nachzuspüren? Es gab einige Aufzeichnungen im Bauhausarchiv, aber Bohner befasste sich vielmehr auch mit dem Künstler Schlemmer, suchte die geistige Nähe zu ihm und seine Welt zu erspüren. Er war — ähnlich wie Schlemmer — ein Meister der Reduktion, und sein Ansatz war, nicht viel Material zu liefern, sondern zum Kern der Sache zu kommen. Sie und Ihre Frau Colleen Scott wirkten als Tänzer 1977 bei der Rekonstruktion mit. Welche Erinnerungen sind damit verbunden? Wir als Tänzer haben beim Erstellen der Cho­ reografie vieles angeboten, aber Gerhard sagte immer freundlich: »Wäre möglich, aber wir machen es einfacher.« Wir tendierten alle eher zu klassischen Ballettbewegungen. Ursprünglich waren drei Vorstellungen geplant, aber die Aufnahme war so euphorisch, dass wir mit 85 Aufführungen über zwölf Jahre in der ganzen Welt gastierten. So waren kurz nach unserem Gastspiel in Paris in den Kollektionen von Karl Lagerfeld und Yves Saint Laurent Elemente aus dem Ballett zu sehen, und in New York am Joyce Theatre war u. a. Bob Wilson in der Vorstellung. Wie beeinflusste das »Triadische Ballett« Ihre eigene Tanzsprache? Durch Wertschätzung der Reduktion konnte ich viel in meine Rolleninterpretationen übernehmen: Die Entdeckung der Einfachheit und den Wert von Überlegungen, wie zum Beispiel: Wo stehe ich im Raum, wie wirkt mein Körper in ihm, benutze ich zwei oder drei Schritte, wie fühle ich den Raum als Tänzer? Eine Originalmusik hat es nie gegeben. Zur Uraufführung 1922 bediente sich Schlemmer Werken von


Händel, Galuppi, Mozart oder Debussy. Für die Rekonstruktion 1977 wurde Hans-Joachim Hespos mit einer Komposition beauftragt. Welche Vorteile sehen Sie in der nun erstmals geschlossen vorliegenden Musik? Hespos schrieb eine Musik, die zu Schlemmers Absicht passte. So wie das Ballett nicht lieblich, sondern eher verstörend gedacht ist, so ist auch die Musik von Hespos an manchen Stellen unglaublich zart und an anderen wiederum auch brutal wie die Kostüme. Am Anfang war es hart, mit der Musik zu arbeiten und Anhaltspunkte in ihr zu finden. Heute stehe ich völlig hinter der Komposition und singe sie sogar manchmal. Bei der Premiere 1977 war Frau Tut Schlemmer dabei, und sie war sehr offen und sehr glücklich. 2014 studierten Sie und Ihre Frau Colleen Scott mit dem Bayerischen Junior Ballett München das »Triadische Ballett« neu ein. Wurden Veränderungen zur Rekonstruktion von 1977 vorgenommen? Nein, es ist die gleiche choreografische Version wie 1977. Wir haben damals über ein Jahr sehr intensiv ausprobiert, gesucht und vorbereitet und noch immer großen Respekt vor dem Werk Bohners und dachten nie daran, etwas zu ändern. Auch heute liegen über jeder neuen Aufführung eine Faszination, ein Zauber und eine Magie, die bestätigend wirken.

OSK AR SCHLEMMER: »DAS TRIADISCHE BALLETT« FREITAG 7. JUNI 2019 20 UHR SAMSTAG 8. JUNI 2019 16 + 20 UHR SCHAUSPIELHAUS DRESDEN »EXPERIENCE« 23. MAI 2019 18.30 UHR GESPRÄCH ZUM BALLETT MIT IVAN LIŠK A UND COLLEEN SCOTT ALBERTINUM

IVAN LIŠKA wurde 1950 in Prag geboren, wo er auch seine Ausbildung am dortigen Konservatorium erhielt. Sein erstes Engagement führte ihn 1969 zum Ballet der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Ab 1974 war er Semi-Solist beim Ballett der Bayerischen Staatsoper und von 1977 bis 1997 Erster Solist beim Hamburg Ballett unter John Neumeier. Von 1998 bis 2016 leitete er das Bayerische Staatsballett. Ivan Liška ist Träger zahlreicher Preise und einer der Mitbegründer des heutigen Bayerischen Junior Balletts München.

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Hellerau: Appia-Bühne, 1912

VISION BÜHNE Hellerau —  Wiege der Moderne TEXT: ANA MARIA QUANDT

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Für Wohnen und Arbeit, Kultur und Bildung stand Hellerau in Dresden — und das bereits vor mehr als einhundert Jahren. Die visionäre Devise sollte nicht nur eine Utopie bleiben, sondern vor den Toren der Stadt Wirklichkeit werden und den Ort ins kulturelle Bewusst­sein Europas rücken.

Auf einem Hügel erstreckt sich der Dresdner Stadtteil Hellerau —  eine Insel fern des großstädtischen Tumults, ein Idyll, ein geschichtsträchtiger Ort. Hellerau wurde am Beginn des 20. Jahrhunderts zum Zentrum einer innovativen Bewegung, die die Lebensfragen des neuen Zeitalters aktiv diskutierte. Mit der Gründung der Deutschen Werkstätten Hellerau und dem Bau einer Wohnsiedlung 1909 realisierte der Unternehmer Karl Schmidt seine Vision vom Arbeits-und Lebensraum als Einheit. Die Errichtung der ersten deutschen Gartenstadt war ein Experiment, das für ein gemeinschaftliches, naturverbundenes und soziales Wohnen plädierte. Bald folgten auch Künstler dem Ruf nach Hellerau, die den Blick Europas auf die revolutionäre Oase lenken sollten. 1911 wurde das Festspielhaus nach einem Entwurf des Architekten Heinrich Tessenow erbaut. Das klare und funktionale Gebäude für den Rhythmikpionier Émile Jaques-Dalcroze und den Bühnenbildner Adolphe Appia brach mit allen üblichen Konventionen der Theaterarchitektur. Der Saal, der ohne feste Bestuhlung und Bühne konzipiert wurde, machte es möglich, dass sich bei jeder Inszenierung andere Raumverhältnisse anboten. Eine Revolution, die prägend für die moderne Theaterästhetik wurde. Appia, der Bühnenakteure und Publikum zu einer neuen Einheit verbinden wollte, teilte mit Dalcroze ein neuartiges Kunstverständnis mit ganzheitlichem Ansatz. Auch wenn die exzentrisch erscheinenden Kulturutopisten bisweilen für Klatsch sorgten, pilgerten zahlreiche Begeisterte in die Bildungsanstalt des Schweizers  —  unter ihnen etwa Mary Wigman, die Begründerin des modernen Tanzes. Für die Aufführungen 1912 und 1913 zog es bis zu fünftausend Zuschauer nach Hellerau, darunter Thomas Mann, Stefan Zweig, Oskar Kokoschka, Franz Werfel, Rainer Maria Rilke, Paul Claudel, Gerhart Hauptmann, G. B. Shaw und Max Reinhardt. Auch wenn manches zuweilen Fragen aufwarf — »Die Hellerauer Leute lassen sich, als große Kinder, mit etwas ein, was sie nicht verstehen, aber Gott weiß, vielleicht lernen sie’s dabei«, spöttelte Rilke —, sorgten die Festspiele für Furore. Nur wenige Jahre später sollte mit der Gründung des Bauhauses 1919 die Avantgarde in Dessau zu weiteren Ufern aufbrechen. Und Hellerau? Die Utopie fiel dem Ersten Weltkrieg zum Opfer. Dalcroze verließ den Hügel und die Ideen zerschlugen sich im Winde. 1938 wurde das Gelände zur Polizeischule, später zur Kaserne der sowjetischen Armee umfunktioniert. Erst seit 2009 wird Hellerau als Europäisches Zentrum der Künste wieder bespielt und knüpft mutig und kreativ an seine Geschichte als Wiege der Moderne an. Zum einhundertjährigen BauhausJubiläum 2019 kehrt die legendäre Appia-Bühne, nachdem sie bereits 2017 rekonstruiert und bespielt wurde, an ihren mythischen Ursprungsort zurück.


VISION GESELLSCHAFT »Ändere die Welt, sie braucht es!«

Hanns Eisler wurde 1898 in Leipzig geboren, wuchs in Wien auf und übersiedelte, u.a. nach einem Studium bei Arnold Schönberg, 1925 nach Berlin. Die Entscheidung für Berlin war eine grundlegende: Eislers erste künstlerische Erfolge, so war ihm z.B. im selben Jahr der »Künstlerpreis der Stadt Wien« verliehen worden, hielten ihn nicht davon ab, sich explizit von der ästhetischen Haltung eines »l’art pour l’art« zu distanzieren und sein musikalisches Schaffen gesellschaftlichen Zwecken zu unterstellen. Seine hier beginnende Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht und dem Sänger Ernst Busch, seine Flucht vor den Nationalsozialisten wie auch seine spätere Ausweisung aus den USA sollten bis zu seinem Lebensende prägend für ihn sein. Brechts Diktum »Ändere die Welt, sie braucht es!« war ihm nie nur leere Floskel. Für den Musiker, Komponisten und Regisseur Heiner Goebbels waren Eislers Musik, aber auch dessen Gedanken zu Literatur, Politik, Mathematik, Philosophie oder Bildender Kunst wesentliche Gründe für seine Entscheidung, professionell Musik zu machen. 1998 schuf Goebbels anlässlich des 100. Geburtstages von Hanns Eisler eine Hommage, die nicht nur in ihrer Komplexität an das Schaffen Eislers anknüpft. Goebbels verarbeitete im »Eislermaterial« die ganze Breite von Eislers Schaffen, wobei er einige von dessen berühmtesten Liedern für das Ensemble Modern eingerichtet, arrangiert und mit originalen Tondokumenten von Eisler collagiert hat. Entstanden ist »ein inszeniertes Konzert, ein klingendes Portrait, das einen durch seine starke atmosphärische Wirkung völlig in den Bann schlägt« (»Neue Zürcher Zeitung«). Interpret der Lieder ist der Schauspieler Josef Bierbichler mit seiner unverkennbaren ungekünstelten und zugleich anrührenden Stimme. Über zwanzig Jahre nach seiner Entstehung — als Koproduktion auch mit dem Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik — und nach Aufführungen in über sechzig Ländern kehrt dieses beeindruckende und wichtige Projekt nach Dresden zurück. Eisler mag streitbar sein in seinen künstlerischen wie politischen Ansichten, aber er ist es im besten Sinne: Nichts tat er ohne Grund, nichts ohne Neugierde, und stets agierte er mit Leidenschaft und Verstand. Seine Werke, vor allem seine Lieder und Chöre, seine Kompositionen für Theater und Film sind in ihrem künstlerischen wie gesellschaftlichen Gehalt visionär. Eisler hat viele Antworten gegeben, die auch heute an Gültigkeit nichts verloren haben. Aber er hat vor allem auch Fragen gestellt, die zu beantworten nach wie vor noch wichtig — und lohnenswert — ist.

TEXT: MORITZ LOBECK Hanns Eisler war nicht nur einer der kämpferischsten Komponisten des letzten Jahrhunderts, sondern auch ein Künstler, der von einer gerechteren Welt träumte. Seine Musik kann gerade heute nicht oft genug erklingen.

HEINER GOEBBELS: »EISLERMATERIAL« SAMSTAG 25. MAI 2019 20 UHR SONNTAG 26. MAI 2019 20 UHR FESTSPIELHAUS HELLERAU

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LUDWIG ORCHESTRA — CAPPELLA AMSTERDAM — BARBARA HANNIGAN Igor Strawinsky: »The Rake’s Progress« MONTAG 27. MAI 2019 20 UHR KULTURPAL AST »EXPERIENCE« 18.30 UHR GESPRÄCH MIT BARBARA HANNIGAN KULTURPAL AST

VISION MORAL  »Die Liebe ist das Zentrum unserer Arbeit«

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TEXT: NICOLE CZERWINKA

Barbara Hannigan kehrt nach ihrem Dresdner Gesangs­ debüt im Herbst 2018 nun als Dirigentin von Strawinskys Oper »The Rake’s Progress« zurück in den Kulturpalast. Im Rampen­ licht stehen dabei junge Sänger, die Hannigan für ihr MentoringProgramm »Equilibrium« ausgewählt hat und unterstützt.


Barbara Hannigan ist als Sängerin und Dirigentin auf den großen Bühnen der Welt zu Hause. Ganz egal, was die gebürtige Kanadierin anpackt, ihre Projekte sind von enormer Leidenschaft getragen. Davon zeugt auch das Mentoring-Programm »Equilibrium«, das Hannigan 2017 gründete und mit dem sie bei den Dresdner Musikfestspielen 2019 als Dirigentin zu erleben sein wird. Mit Igor Strawinskys Oper »The Rake’s Progress« kommt dabei in diesem Jahr eine konzertante Aufführung in den Kulturpalast, die junge Gesangs­talente aus der ganzen Welt in einer einmaligen Produktion vereint. Wenn Barbara Hannigan über »Equilibrium« spricht, spürt man sofort, dass diese Initiative auch einen Teil ihrer eigenen Künstlerpersönlichkeit widerspiegelt. »Ich war an einem Punkt meiner Karriere angelangt, an dem ich etwas zurückgeben wollte«, sagt sie. Mit diesem umfangreichen Förderprogramm möchte sie junge Künstler — vor allem Sänger — unterstützen, die am Beginn ihrer Profikarriere stehen und sich am hart umkämpften Markt behaupten müssen. »Es geht weniger um die Frage, wie singe ich richtig, als um den Umgang mit allem, was unsere Arbeit

beeinflusst. Ob ich joggen gehe oder auf gesunde Ernährung achte, ich tue es, um auf der Bühne fit zu sein. Das gehört alles zusammen. Wörtlich übersetzt be­deu­tet ›Equilibrium‹ ›Balance‹ — genau darum geht es«, erklärt Hannigan. Das gesamte Ensemble für »The Rake’s Progress« ist Teil des »Equilibrium«-Programms. Barbara Hannigan hat die Sänger in einem mehrstufigen Auswahlverfahren aus rund 350 Bewerbern aus 39 Ländern gecastet. Auf die Frage, warum sie für das allererste Projekt ausgerechnet Strawinsky ausgewählt habe, hat Barbara Hannigan eine ebenso klare wie persönliche Antwort: »Die Oper ist ein Meisterwerk. Die Geschichte dreht sich um einen jungen Mann, der nicht versteht, wie wichtig Liebe ist. Er strebt nach Ruhm und Geld und lässt sich mit dem Teufel ein. Ich denke, das passt gut: Denn auch wir bewegen uns in einer Welt voller Ruhm und Glanz, aber im Zentrum dessen muss immer unsere Liebe stehen: die Liebe zur Musik, zu anderen Menschen, zu Kollegen, die Leidenschaft für unsere Kunst.« Die Tatsache, dass »The Rake’s Progress« auch für Barbara Hannigan die allererste Oper war, in der sie gesungen hat, und dass es nun zudem die erste Opernproduktion ist, die sie selbst dirigiert, erweitert das Ganze um eine zusätzliche, sehr persönliche Ebene. Dass die Oper nach der Premiere in Göteborg und Aufführungen in München, Paris und Amsterdam nun mit dem LUDWIG Orchestra und der Cappella Amsterdam im Kulturpalast konzertant erklingt, wird auch durch die Stiftung Kunst und Musik für Dresden möglich, die in der Vergangenheit schon mehrfach Nachwuchsprojekte bei den Dresdner Musikfestspielen förderte.

IGOR STRAWINSKY: »THE RAKE’S PROGRESS«

Entgegen seiner früheren avantgardistischen Werke, erklingt Strawinskys am 11. September 1951 am venezianischen Teatro La Fenice uraufgeführte Oper (mit einem Libretto von W. H. Auden und Chester Kallmann) im Stile des 18. Jahrhunderts. Der gleichnamige Gemälde­z yklus von William Hogwarth (1697—1764) diente dabei als Vorbild für die bitterböse Parabel um den Aufstieg und Fall von Tom Rakewell, einem rücksichtslosen Wüstling ohne Werte und Moral.

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Als Walter Gropius Wassily Kandinsky 1922 ans Bauhaus nach Dessau holt, ist der aus Moskau stammende Künstler und Mitbegründer der expressionistischen Vereinigung »Der blaue Reiter« als Maler und Kunsttheoretiker bereits in aller Munde. Kandinsky gehört zu jenen Pionieren, die mittels der Auflösung der Gegenständlichkeit zum Geburtshelfer der abstrakten

VISION ABSTRAKT »Ein Bild muss klingen«

TEXT: ANA MARIA QUANDT

Aus Bilderwelten entstanden ist Modest Mussorgskis berühmter Klavierzyklus »Bilder einer Ausstellung«. Die Vertonungen zu Werken von Viktor Hartmann wurden fünf Jahrzehnte später von Wassily Kandinsky zurück in die Bildsprache übersetzt — an keinem geringeren Ort als dem Mekka der Bauhaus-Bewegung: Dessau.

NIKOLAI TOKAREV: »BILDER EINER AUSSTELLUNG« SONNTAG 2. JUNI 2019 20 UHR ALBERTINUM

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»EXPERIENCE« 19 UHR FÜHRUNG »KANDINSKY UND KLEE AM BAUHAUS« ALBERTINUM

Kunst werden. »Ein Bild muss klingen und von einem inneren Glühen durchtränkt sein«, so Kandinsky, für den Malerei und Musik in enger Beziehung zueinander stehen. In den Kompositionen von Arnold Schönberg etwa erkennt er eine Seelenverwandtschaft. In Dessau stehen die Zeichen ebenfalls auf Aufbruch, und die dort versammelte künstlerische Avantgarde gibt sich experimentierfreudig, unkonventionell und kreativ. »Kandinsky hatte in Dessau eine ungeheuer schöpferische Phase, vielleicht sogar die produktivste seines ganzen Lebens«, erinnert sich seine Frau Nina. Das Bauhaus als Versuchslabor für eine innovative Ausrichtung der Kunst verhandelt nicht nur neue ästhetische und soziale Fragen, sondern strebt ein Zusammen­ wirken der verschiedenen Sparten und Gewerke an. Als Georg Hartmann, seinerzeit Intendant des Friedrich-Theaters in Dessau, Kandinsky um eine Inszenierung bittet, entscheidet dieser sich für die szenische Umsetzung der von ihm geliebten »Bilder einer Ausstellung« seines Landsmannes Modest Mussorgski. Der Klavier­z y­ klus, von Mussorgski 1874 nach dem Besuch einer Werkschau seines kurz zuvor ver­ storbenen Malerfreundes Viktor Hartmann geschrieben, zelebriert die zu Klängen ge­wordenen Bilder. » […] Die Musik ist aber keineswegs ›Programmmusik‹ geworden. Wenn sie etwas ›widerspiegelt‹, so sind es nicht die gemalten Bildchen, sondern die Erlebnisse Mussorgskis, die weit über den ›Inhalt‹ des Gemalten stiegen und eine reine musikalische Form fanden«, notiert Kandinsky. Die Aufführung am 4. April 1928 zeigte eine Abfolge plastischer Bühnenereignisse mit mechanisch rotierenden geometrischen Formen, Lichteffekten und Farben, die sich — ganz in der Idee des Bauhauses verwurzelt  — mit der Musik Mussorgskis zu einem Gesamtkunstwerk vereinten. Anhand der erhalten gebliebenen Skizzen und Szenenentwürfe wie auch des Regiebuches von Felix Klee kehrt die Inszenierung als multimediale Umsetzung mit dem russischen Pianisten Nikolai Tokarev zurück auf die Bühne.


ABSCHLUSSKONZERT: ERIC CLAPTON MONTAG 10. JUNI 2019 20 UHR MESSE DRESDEN

Die Zeitlosigkeit des Blues TEXT: JUAN MARTIN KOCH Mit Eric Clapton beschließt ein absoluter Megastar der internatio­ nalen Musikszene den Festspieljahr­ gang 2019. Der britische Gitarrist, Sänger und Songwriter hat die Geschichte des Rock und Pop maß­ geblich mitgeprägt.

»While my guitar gently weeps«: Ende des vergangenen Jahres erst hat die grandiose Wiederveröffentlichung zum 50. Geburtstag des »Weißen Albums« der Beatles diesen pophistorischen Meilenstein erneut lebendig werden lassen. Eric Claptons Leadgitarre gräbt sich mit unverwechselbarer Klarheit und Intensität in den zeitlosen Song seines Freundes George Harrison hinein, legt mit einer ganz eigenen Stimme dessen Quintessenz frei. Der »elektrische« Clapton machte seit Mitte der 1960er-Jahre zunächst als Mitglied von Bands wie den Yardbirds oder Cream Furore, bevor er dann ab den 1970ern seiner zeitweiligen Suchtkrankheit und persönlichen Tragödien eine beispiellose Solokarriere mit Hits wie »Layla« oder »Tears in heaven« abtrotzte. Der »akustische« Clapton war dann unter anderem auf dem abgeklärten Erfolgsalbum »Un­­ plugged« von 1992 zu bestaunen, auf dem seine tiefe Verwurzelung in der amerikanischen Blues- und Folktradition besonders deutlich zutage trat. Wie kaum ein anderer Instrumentalist hat Clapton den Blues mit Respekt, Virtuosität und einem un­trüglichen Gespür für Timing in zeitgemäße Rock- und Popkontexte überführt. Nach dem »Geheimnis« seiner legendären Soli befragt, hat er mit passender Prägnanz so geantwortet: »Mach es kurz! Fang pünktlich an mit deinem Solo und hör’ rechtzeitig wieder auf!« Ihn mit einer seiner berühmten Gitarren einmal live »sanft aufheulen« zu hören, gehört wohl zu jenen Konzerterlebnissen, von denen viele Musikfreunde träumen. Sie profitieren auch heute noch davon, dass der 2001 als Abschiedskonzert angekündigte Auftritt Claptons in der Londoner Royal Albert Hall dann doch noch lange nicht sein letzter war …

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TEXT: ANA MARIA QUANDT

MEHR ALS NUR OPER

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Wie auch andere Beziehungen fußt jene zwischen Dirigent und Orchester auf Vertrauen, Leiden­ schaft und gemeinsamen Träumen. Den klingenden Beweis für eine solche Liaison bilden das Orchester der römischen Accademia Nazionale di Santa Cecilia und sein Chef­dirigent Sir Antonio Pappano — und dafür werden sie auf der ganzen Welt gefeiert.

In Italiens Hauptstadt Rom ist sie allgegenwärtig: die Vergangenheit. Die in Stein gemeißelte Geschichte der Stadt ist ein faszinierendes Zeugnis kulturgeschichtlicher Entwicklungen und Visionen. Die »ewige Stadt« umschmeichelt die Sinne, vereint auf faszinierende Weise Chaos und Ordnung gleichermaßen. Doch in der Symbiose genau dieser beiden gegensätzlichen Pole offenbart sich eine große Stärke der italienischen Lebensart: die Fähigkeit, die Schönheit der Dinge offenzulegen und zu genießen. Schon in der Antike war Rom politisches und künstlerisches Zentrum und avancierte in der Renaissance und im Barock zum tonangebenden Mittelpunkt in Europa — so auch in der Musik. Musikgeschichte atmet auch die ehrwürdige Accademia Nazionale di Santa Cecilia, eine der ältesten Musikinstitutionen der Welt. Per päpstlichem Beschluss durch Sixtus V. im Mai 1558 offiziell als Kongregation gegründet, stehen ihr gleich zwei der Musik ergebene Heilige zur Seite: Gregor der Große, nach dem der Gregorianische Choral benannt ist, und die Heilige Cäcilia, Schutzpatronin der Musik. Unter deren Patronat sollte aus der lokalen Musikvereinigung eine Kunstakademie von internationalem Rang entstehen. Zahlreiche Namen berühmter Musiker und Komponisten wie Palestrina, Corelli oder Alessandro und Domenico Scarlatti, Donizetti, Rossini, Paganini, Liszt, Mendelssohn, Berlioz, Gounod oder Meyerbeer zieren die Mitgliederlisten. Das akademieeigene Orchester wurde allerdings erst 1908 gegründet. Auch hier lesen sich die Namen der Dirigenten, die am Pult des römischen Klangkörpers standen, wie das Who is Who der großen Musikpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts: Mahler, Debussy, SaintSaëns, Strauss, Strawinsky, Sibelius, Hindemith, Toscanini, Furtwängler, De Sabata, Karajan und Abbado. Von 1983 bis 1990 war der legendäre Leonard Bernstein dessen Ehrenpräsident. Doch seine internationale Ausnahmeposition hat sich das Orchester erst unter einem Briten mit italienischen Wurzeln erspielt: Sir Antonio Pappano. Als dieser 2005


den Klangkörper übernahm, war der einstige Ruhm verblasst. Der 2012 von der ORCHESTRA Queen geadelte Dirigent gehört zu den DELL’ACCADEMIA leisen Stars seiner Branche. Laute Töne NAZIONALE DI SANTA sind — ausgenommen im Orchester natürCECILIA - ROMA — lich  — nicht sein Ding. Vielmehr pflegt er PAPPANO — BATIASHVILI einen freundschaftlichen Umgang mit den Musikern und lädt auf Konzertreisen auch MONTAG schon mal alle Orchestermitglieder zum Feiern ein. Über »sein« Accademia-Orches20. MAI 2019 20 UHR ter gerät er regelrecht ins Schwärmen und KULTURPAL AST preist den geschmeidigen und sanglichen Klang der Streicher. Überhaupt ist es eine Traumbeziehung, ein gleichberechtigtes Geben und Nehmen, das am Ende nicht nur die Musiker belohnt, sondern auch das Publikum. Dass sich da zwei gleichgesinnte musikalische Temperamente vereint haben, ist spürbar. Italien mit seiner großen Operntradition ist ein Land des Singens. Ein über die Jahrhunderte gewachsenes sinfonisches Vermächtnis wie in anderen europäischen Musiknationen findet sich hier nicht. Doch die aus der Oper stammende gesangliche Leichtigkeit, die sprudelnde Virtuosität und das musikalische Feuer sind genau die besonderen Zutaten, die das römische Orchester von anderen Klangkörpern unterscheidet. Und da Pappano eben gleichermaßen im Konzert- wie auch im Opernrepertoire zu Hause ist — seit 2002 ist er Music Director des Royal Opera House —, ist jenes Quäntchen Bühnendramatik bei jeder Aufführung spürbar. Genug Möglichkeiten, diese Vielfältigkeit auch bei den Musikfestspielen zu entdecken, sollte es geben, da sich das Accademia-Orchester und sein Chef mit gleich zwei Konzerten vorstellen. Für ihren ersten Auftritt haben sich die Musiker mit der Geigerin Lisa Batiashvili eine hochkarätige Protagonistin für Bartóks Erstes Violinkonzert gewählt. Solistin und Orchester kennen sich gut, Lisa Batiashvili war in der Saison 2017/18 dessen Artist in Residence. Von leidenschaftlichem Feuer und drängendem Verlangen ist Bartóks Violinkonzert durchdrungen, das der 27-Jährige für die acht Jahre jüngere Geigerin Stefi Geyer schrieb — doch die in Noten gesetzte Liebeserklärung blieb ungehört. Eine Kostprobe satter orchestraler Töne gibt es dann mit Mussorgskis Sinfonischer Dichtung »Eine Nacht auf dem ORCHESTRA kahlen Berge« und Rimski-Korsakows Sinfonischer Suite »Scheherazade«, bevor sich DELL’ACCADEMIA NAZIONALE DI SANTA Pappano und sein Orchester am zweiten CECILIA - ROMA & Konzertabend der Königsdisziplin widmen. SIR ANTONIO PAPPANO Mit Mahlers monumentaler Sechster Sinfonie schließt sich der Kreis — nicht nur in der Hinsicht, dass Mahler die Römer bereits DIENSTAG selbst dirigierte. Die Sinfonie bietet durch 21. MAI 2019 ihre üppige Instrumentierung und die 20.30 UHR legendären Hammerschläge am Ende ein FRAUENKIRCHE dramatisches Spektakel für Augen und Ohren — fast ein wenig wie in der Oper.

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Nicht nur musikalische Partner TEXT: CHRISTIANE FILIUS-JEHNE Mit dem Orchester des Mariinsky-Theaters und seinem Chefdirigenten Valery Gergiev haben die Musikfestspiele gefeierte »Stammgäste« erneut nach Dresden eingeladen. Sie pflegen so eine intensive Partnerschaft, die zwischen Sankt Petersburg und Dresden nicht nur auf musikalischem Gebiet besteht.

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2019 feiert die Städtepartnerschaft zwischen Dresden und Sankt Petersburg ihren 58. Geburtstag. Ebenso alt sind die zahlreichen Begegnungen im Bereich von Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur sowie die vielen privaten Kontakte, die sich im Laufe der Zeit zwischen den beiden, sich nicht nur durch ihre Lage am Fluss in vielem ähnelnden Städte ergeben haben. Richtig: Sankt Petersburg ist zwar fast zehnmal so groß wie Dresden und eines der wichtigsten Kunstzentren Europas, aber das auf zweiundvierzig Inseln gebaute »Venedig des Nordens« zeigt so manche Parallele zu dem kleineren »Elbflorenz«. In beiden Städten gibt es zahlreiche Hochschulen, darunter verschiedene Kunsthochschulen, Kunstsammlungen von Weltrang und ein reichhaltiges musikalisches Leben. Beide hatten eine erste große Blütezeit im 18. Jahrhundert — Peter der Große und August der Starke waren unmittelbare Zeitgenossen. Nicht zuletzt verbindet die beiden Städte auch ihre tragische Geschichte während des Zweiten Weltkriegs, in dem Dresdens Innenstadt komplett zer-

bombt und Sankt Petersburg — das damalige Leningrad  — auf infame Weise ausgehungert wurde. Weit über zwei Jahre dauerte die sogenannte »Leningrader Blockade« durch die Deutsche Wehrmacht, bei der über eine Million Menschen, zumeist durch Hungertod, ums Leben kamen. Vor dem Hintergrund dieser Gräuel darf die bereits weniger als zwanzig Jahre später geschlossene friedliche Städtefreundschaft als besonders wertvolles Gut angesehen werden. Kultur spielt an beiden Orten eine ganz zentrale Rolle, und so gibt es speziell auf diesem Feld höchst vielfältige Beispiele für einen lebendigen Dialog. Ein solches war etwa die »St. Petersburger Theaterspielzeit in Dresden« 2012, bei der auf Dresdner Bühnen Aufführungen führender Theater aus Sankt Petersburg gezeigt wurden. Einen besonders intensiven Austausch pflegen die Dresdner Musikfestspiele seit vielen Jahren mit dem Orchester des St. Petersburger Mariinsky-Theaters und Valery Gergiev. Das Mariinsky, dessen Geschichte mehr als 200 Jahre zurückreicht, zählt zu den renom-


BERLIN-KONZERT: ORCHESTER DES MARIINSK YTHEATERS — GERGIEV — VOGLER MONTAG 3. JUNI 2019 20 UHR KONZERTHAUS BERLIN

miertesten internationalen Ensembles und zu den »Top 20« der weltweit führenden Orchester. Dirigenten wie Eduard Nápravník, Arthur Nikisch, Albert Coates, Jewgeni Mrawinski, Konstantin Simeonow und Juri Temirkanow arbeiteten mit ihm zusammen, aber auch berühmte Komponisten wie Hector Berlioz, Alexander Borodin, Peter Tschaikowsky, Nikolai Rimski-Korsakow, Sergej Rachmaninow oder Gustav Mahler. Seit 1988 leitet Maes­ tro Valery Gergiev das Ensemble, dessen Repertoire er maßgeblich um zeitgenössische Musik, etwa von Boris Tischtschenko, Sofia Gubaidulina, Giya Kancheli, Rodion Schtschedrin oder Alexander Raskatow, erweiterte. 2019 ist der Klangkörper während der Dresdner Musikfestspiele gleich zweimal zu erleben, darunter gemeinsam mit Intendant und Cellist Jan Vogler beim traditionellen Gastspiel des Festivals in Berlin, auf dessen Programm neben Peter Tschaikowskys Vierter und Rodion Schtschedrins Konzert für Orchester Nr. 1 »Freche Orchesterscherze« Dmitri Schostakowitschs Zweites Cellokonzert stehen wird. Auch zwei Tage später im Dresdner Kulturpalast präsentiert das Orchester Klänge aus seiner Heimat. Neben Tschaikowskys Sinfonie Nr. 4 werden zwei Werke von Skrjabin erklingen, die mit Fug und Recht als visionär bezeichnet werden können, darunter sein letztes vollendetes Orchesterwerk »Prométhée. Le Poème du feu«, das Bezug auf den anti-

ken Prometheus-Mythos nimmt und eine separate Stimme für ein Farbenklavier vorsieht. Skrjabin war Farb-Synästhetiker, was bedeutet, dass Töne für ihn mit spezifischen Farbwahrnehmungen verknüpft waren. Und so konstruierte ein Moskauer Chemiker namens Alexander Moser eigens für die vorgesehenen Farbeffekte ein Lichtklavier. Im Moskauer Skrjabin-Museum ist noch ein Modell hiervon zu bewundern. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlaubte die moderne Lichttechnik schließlich eine angemessene Umsetzung. Das bereits 1908 veröffentlichte »Poème de l’extase«, das denselben Titel trägt wie ein zeitgleich von Skrjabin veröffentlichtes Gedicht, überwältigte seine Zuhörer nicht minder durch die Neuheit der Musik. Zudem überstieg der Orchesterapparat die traditionelle Besetzung eines Sinfonieorchesters erheblich. Henry Miller, der die Uraufführung in New York miterlebt hatte, schrieb: »Es war wie ein Eisbad, Kokain und Regenbogen«. Ursprünglich hätte die Premiere des Werkes in Sankt Petersburg stattfinden sollen, doch der vorgesehene Dirigent Felix Blumenfeld kapitulierte vor den Schwierigkeiten der komplexen Partitur. Am Ende avancierte »Le Poème de l’extase« zu einem der bekanntesten Werke Skrjabins. Mit dem Orchester des Mariinsky-Theaters wird es in Dresden einen geradezu kongenialen Interpreten haben.

ORCHESTER DES MARIINSK Y-THEATERS & VALERY GERGIEV MITTWOCH 5. JUNI 2019 20 UHR KULTURPAL AST

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»It must schwing!«

TEXT: RALF DOMBROWSKI

Nils Landgren hat noch Träume. Und die Dresdner Musikfestspiele haben die Möglichkeit, sie ihm zu erfüllen. So kann der schwedische Posaunist und Entertainer ein außergewöhnliches Konzert gestalten — mit einer phantastischen Band, die ihm mit viel Verve und Esprit eine Nacht lang durch die Welt des Jazz folgt.

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Die Zeit rennt. Schon sind mehr als zwei Jahrzehnte ins Land gegangen, seit Nils Landgren als neue Kraft an der Jazzposaune auf sich aufmerksam gemacht hat. »Paint It Blue« hieß das Album, mit dem der umtriebige Schwede 1996 seine Solokarriere begann, und zu den internationalen Kollegen, die sich neben seiner Funk Unit im Studio tummelten, gehörten auch Randy und Michael Brecker. Die Brüder aus Philadelphia, die über die New Yorker Szene der Siebziger und Achtziger den Weg an die Spitze der Groove-Gemeinschaft gefunden hatten, veredelten die an sich schon kraftvolle skandinavische Mischung mit ihrem funky Flair. Es wurde der Beginn einer inten-

siven Musikerfreundschaft, die auch dazu führte, dass Landgren heutzutage die Zusammenstellung einer ungewöhnlichen All Star Combo leicht von der Hand geht. Denn die Band, die zur Jazz Night bei den Dresdner Musikfestspielen zu Gast ist, besteht aus Koryphäen ihres Fachs, die in dieser Kombination noch nie gespielt haben, dafür aber Erfahrungen aus unterschiedlichen Kooperationen mit auf die Bühne bringen. Randy Brecker wird zusammen mit seiner Frau, der Saxofonistin Ada Rovatti, anreisen, die bei verschiedenen Neuauflagen der Brecker Brothers inzwischen die Position des 2007 verstorbenen


lerische Optionen offen zu lassen. Es geht ihm um den Spaß, den ein Team, das kaum gestalterische Beschränkungen kennt, auf der Bühne entwickeln kann. Vor allem aber sollen die Energien fließen können, die sich aus der Kommunikation der Improvisation entwickeln. So ist für diesen Abend alles offen, freie Bahn für einen Musiker, der die europäisch jazzende Klangwelt während der vergangenen zwei Jahrzehnte geprägt hat. Und für ein Musikerteam, das ihm beim Entwickeln des Besonderen inspiriert zur Seite steht.

Michael übernimmt. Die Sängerin China Moses wiederum hat sich längst von den familiären Vorgaben emanzipiert, die ihr ihre Mutter Dee Dee Bridgewater mit auf den Weg gegeben hat, und gilt mit markanter souliger Stilistik als eine der führenden Stimmen des jungen jazzigen Entertainments. Der Keyboarder Simon Oslender hingegen ist bislang vor allem als Sideman in Erscheinung getreten, hat aber als Mann an der Hammond seine Nische als pfiffig groovender Organist gefunden. Der Bassist Lars Danielsson mit dem wunderbar singenden, vielschichtigen Ton war bereits bei Landgrens ursprünglicher Funk Unit mit von der Partie, und der Schlagzeuger Wolfgang Haffner ist ein viel beschäftigter Souverän des lässigen Rhythmusspiels, dessen Feingefühl für die Balance von Kraft und Swing die Band der Individualisten zusammenhält. Bandleader Nils Landgren schließlich ist als Sänger und Posaunist ein Universalist der Stile, dem die Emphase kerniger Funk Songs ebenso liegt wie die Innerlichkeit kammermusikalischer Projekte. »Es wird etwas Besonderes werden«, meint Landgren zu seinen Plänen für den einmaligen Konzertabend im Dresdner Kulturpalast. »Das liegt schon an der Besetzung, die es so noch nie gegeben hat. Auf der anderen Seite überlasse ich aber auch viel der Inspiration und dem Augenblick. Alfred Lion, der Gründer der Plattenfirma Blue Note, hat mal dieses universelle Motto ausgegeben: ›It must schwing!‹. Das könnte ich auch unterschreiben, ohne mich jetzt mit meinen Sachen auf Blue Note festlegen zu wollen.« Ein eigenes Motto für das Musik­ ereignis in Dresden hat Landgren vermieden, um dem Konzert möglichst viele künst-

JAZZ NIGHT: NILS L ANDGREN & FREUNDE SONNTAG 9. JUNI 2019 20 UHR KULTURPAL AST

MEHR JAZZ BEI DEN DRESDNER MUSIKFEST­S PIELEN 2019: BRAD MEHLDAU TRIO SONNTAG 19. MAI 2019 20 UHR KULTURPAL AST RICHARD GALLIANO NEW JAZZ MUSETTE QUARTET SAMSTAG 1. JUNI 2019 20 UHR GEBÄUDEENSEMBLE DT. WERKSTÄTTEN HELLERAU

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Yo-Yo Ma — ein musikalischer Weltbürger TEXT: THOMAS OTTO Bereits im Vorjahr zog der 1955 geborene amerikanische Cellist Yo-Yo Ma das Dresdner Publikum in seinen Bann, als er zur Eröffnung der Konzertreihe »Cellomania« in der Frauenkirche die sechs Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach spielte. In diesem Jahr kehrt er nach Dresden zurück. Wiederbegegnung mit einem Ausnahmemusiker.

Ich erinnere mich einer Episode mit Yo-Yo Ma vor mehr als zwanzig Jahren, die ebenso gut gestern hätte stattfinden können. Damals stellte er in Berlin sein Projekt »In­ spired by Bach« vor: sechs Filme — jeder war einer des sechs Cellosuiten Bachs gewidmet. Yo-Yo Ma war nie ein Freund großer Worte und auffälliger Gesten. Seine leise Freundlichkeit basiert auf dem Grundvertrauen in die Kraft der Musik, in den Einklang zwischen ihr, dem Künstler und dem Publikum. Wie an jenem Abend. Er kam, grüßte lächelnd in die Runde, nahm sein Cello und wartete. Bis jemand sagte: »Bitte die Courante aus der Suite Nr. 2 in d-Moll!« Und Yo-Yo Ma spielte, fast eine Stunde lang, auf Zuruf, aus dem Stegreif. Atemberaubend. 1982 hatte er die Cellosuiten zum ersten Mal aufgenommen, jüngst spielte er sie erneut ein — zum dritten Mal. Er wolle die Zuhörer auf die gleiche Reise

mitnehmen, wie sie Bach unternahm, als er sie komponierte und dabei die traditionellen Grenzen des Instruments überschritt. Das Überschreiten von künstlerischen Grenzen ist Yo-Yo Ma vertraut, mehr noch, es ist ein Wesenszug seiner Arbeit. Nicht nur, dass er rund um die Welt konzertiert, ob als Solist oder Kammermusiker — er ist sprichwörtlich ein musikalischer Weltbürger. Als ein solcher kommt Ma auch zu seinem zweiten Festspielkonzert nach Dresden, wo er gemeinsam mit seiner langjährigen Klavierpartnerin Kathryn Stott für ein russisches Programm in den musikalischen Dialog tritt, dessen Schönheit und Intensität für alle erst dadurch erlebbar wird, dass man »den gleichen Atem« beider Musiker spürt. Er ist die Voraussetzung dafür, die vermeintliche Leichtigkeit etwa der Tarantella der »Suite italienne« aus Igor Strawinskys »Pulcinella«-Ballettmusik bei allen kompositorischen Finessen tatsächlich als solche erscheinen zu lassen. Auch die Innigkeit von Rachmaninows g-Moll-Sonate op. 19 wird erst auf einer solchen Basis erlebbar, ebenso Prokofjews, unter schwierigen politischen Bedingungen entstandene C-Dur-Sonate op. 119. »Wir leben in einer Zeit, die einen ungeheuren Überfluss an kulturellen Informationen bietet«, sagt Yo-Yo Ma. »Wir müssen ständig entscheiden, was wir weitergeben wollen.« Bei aller Vielfalt seines musikalischen Schaffens ist seine Entscheidung eindeutig: zu zeigen, dass Musik die Stärke hat, Gefühle und Gedanken darüber freizusetzen, wie das Leben der Menschen zum Besseren zu ändern sei.

YO-YO MA & K ATHRYN STOTT FREITAG 7. JUNI 2019 20 UHR KULTURPAL AST

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Duello amoroso

TEXT: OLIVER GEISLER

Konzerte mit dem spani­ schen Countertenor Xavier Sabata werden schon mal als rasante »Achterbahnfahrten der Expressionen« gefeiert. Dies gilt erst recht, wenn seine temperamentvolle Landsmännin, die Sopranistin Sabina Puértolas, mit ihm auf der Bühne steht. Jedenfalls darf sich das Publikum am 6. Juni auf ein leidenschaftlich vorgetragenes »Duello amoroso« freuen.

L A FOLIA BAROCK­ORCHESTER — PUÉRTOL AS — SABATA DONNERSTAG 6. JUNI 2019 20 UHR FRAUENKIRCHE

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Am Ende können sie kaum voneinander lassen: Zwei Stimmen umschlingen sich, reiben sich in süß-herben Dissonanzen und finden immer wieder auf einem einzelnen Ton zusammen: »Io t’abraccio« — »Ich umarme dich!« Wenn am 6. Juni in der Frauenkirche, jenem auratischen Versöhnungs- und Friedens­ort, dieses Duett aus Händels Oper »Rodelinda« erklingt, wird alles gut geworden sein. Doch vorher, da erwartet das Publikum ein heißblütiges Liebesduell, ausgefochten von dem weltweit gefeierten spanischen Countertenor Xavier Sabata und einem nicht minder hell strahlenden Stern am Sängerhimmel: Sabina Puértolas. Die in Zaragoza geborene und in Italien ausgebildete Sopranistin ist mit führenden Rollen in den großen Opernhäusern weltweit unterwegs. Sabata ist innerhalb der Riege der Star-Countertenöre eine besondere Sängerpersönlichkeit. Nicht nur, weil er neben dem Gesang auch an renommierten Theatern und in Fernsehserien als Schauspieler zu erleben ist, sondern vor allem auch, weil er immer wieder das bevorzugte Repertoire des Countertenors, die Barockmusik, hinter sich lässt. So ist er auch in avancierten zeitgenössischen Opern etwa von György Ligeti oder Mauricio Kagel zu erleben. Aber natürlich liebt er auch seinen Händel oder Vivaldi. Apropos: Diese beiden Komponisten liefern den Soundtrack zum Wechselbad der Gefühle des Konzertes in der Frauenkirche. Händel hatte ja ein besonderes Händchen für starke Kon­traste, für messerscharfe Psychogramme und mitreißen­de Energie. Und keiner leidet musikalisch so schön wie »il caro Sassone«, »der geliebte Sachse«, wie Händel von den Italienern begeistert betitelt wurde. Kurzum, sein »Duello amoroso« verdichtet wie in einem Brennglas die Affekte und Gemütslagen des Barock. Antonio Vivaldi seinerseits war begeistert von der Dresdner Hofkapelle. Er schrieb außergewöhnlich farbenreiche Werke »per l’orchestra di Dresda«, jenes Ensemble, in dem sich im 18. Jahrhundert das europäische Who is Who der Instrumentalisten versammelte. Das La Folia Barockorchester, zuletzt 2017 bei den Dresdner Musikfestspielen bejubelt, lässt diesen Dresdner Vivaldi wieder auferstehen und bereichert den furiosen Barockabend um einen ganz besonderen sächsischen Akzent.

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Festivalprogramm DO 16. Mai 20.00

FR

17. Mai

SA

18. Mai

SO 19. Mai

MO 20. Mai

DI

21. Mai

MI

22. Mai

DO 23. Mai

FR

SA

24. Mai

25. Mai

SO 26. Mai

MO 27. Mai

DI

MI

28. Mai

29. Mai

DO 30. Mai*

FR SA

31. Mai 1. Juni

Eröffnungskonzert: Dresdner Festspielorchester – Bolton – Pape Dresdner Festspielorchester, Ivor Bolton, René Pape. Weber: Ouvertüre zu »Euryanthe«, Schubert: Ausgewählte Lieder, Schumann: Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38 »Frühlingssinfonie« 20.00 City of Birmingham Symphony Orchestra – Gražinytė-Tyla – Wang City of Birmingham Symphony Orchestra, Mirga Gražinytė-Tyla, Yuja Wang. Ligeti: »Concert Românesc«, Prokofjew: Klavierkonzert Nr. 5 G-Dur op. 55, Brahms: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73 20.00 WDR Sinfonieorchester – Măcelaru – Vogler »3 Komponisten – 3 Kontinente« WDR Sinfonieorchester, Cristian Măcelaru, Jan Vogler. Muhly/Helbig/Long: Violoncellokonzert (Uraufführung), Beethoven: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 »Eroica« 20.00 Brad Mehldau Trio 20.00 Staatskapelle Berlin & Daniel Barenboim Brahms: Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 90, Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98 20.00 Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia - Roma – Pappano – Batiashvili Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia - Roma, Sir Antonio Pappano, Lisa Batiashvili. Mussorgski: »Eine Nacht auf dem kahlen Berge«, Bartók: Violinkonzert Nr. 1 Sz 36, Rimski-Korsakow: »Scheherazade« 20.30 Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia - Roma & Sir Antonio Pappano Mahler: Sinfonie Nr. 6 a-Moll 20.00 The King’s Singers Werke von Abraham, Debussy, Ellington, di Lasso, Mendelssohn, Porter, Poulenc, Saint-Saëns, R. Strauss u. a. 20.00 Wiener Philharmoniker – Sokhiev – Bronfman Wiener Philharmoniker, Tugan Sokhiev, Yefim Bronfman. Prokofjew: Klavierkonzert Nr. 2 g-Moll op. 16, Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64 16.00/ Sound & Science: Raum und Klang Wandelkonzert mit dem David Orlowsky Trio 18.00/ Prof. Dr. Friederike Wißmann, Prof. Dr. Ercan Altinsoy, David Orlowsky Trio 20.00 20.00 Jordi Savall: Hommage an Syrien »Orient – Okzident« Hespèrion XXI, Orpheus XXI, Jordi Savall 20.00 Heiner Goebbels: »Eislermaterial« Josef Bierbichler, Ensemble Modern, Heiner Goebbels, Jean Kalman, Norbert Ommer 20.00 David Orlowsky Trio »Milestones« – Best of David Orlowsky Trio 21.00 Classical Beats: Johannes Motschmann Trio »Lifestream« 22.30 DJ-Set mit Federico Albanese 11.00 Anne-Sophie Mutter & Kammerorchester Wien-Berlin Werke von W. A. Mozart 17.00 Dresdner Kammerchor »Himmelswelten« Dresdner Kammerchor, Hans-Christoph Rademann. Werke von Brahms, Cage, Mahler, Martin und Reger 20.00 Heiner Goebbels: »Eislermaterial« Siehe Veranstaltung Nr. 12 20.00 Camerata Salzburg – Manze – Bell Camerata Salzburg, Andrew Manze, Joshua Bell. Sibelius: »Rakastava« op. 14, Dvořák: Violinkonzert a-Moll op. 53, Beethoven: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36 20.00 LUDWIG Orchestra – Cappella Amsterdam – Hannigan LUDWIG Orchestra, Cappella Amsterdam, Barbara Hannigan, Solisten. Strawinsky: »The Rake’s Progress«. Oper in drei Akten (konzertante Aufführung) 20.00 Orpheus Chamber Orchestra & Jan Lisiecki Montgomery: »Records from a Vanishing City«, Mendelssohn: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 g-Moll op. 25, Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 »Italienische« 20.00 Meret Becker & The Tiny Teeth: »Le Grand Ordinaire« 20.00 Hagen Quartett Werke von Beethoven, Schostakowitsch und Schubert 20.00 Fatma Said & Matthias Veit Werke von Brahms, Mohie El Din, Schumann, R. Strauss und Weill 11.00 Werkstattkonzert Dresdner Festspielorchester, Jan Vogler 20.00 Dresdner Festspielorchester – Vogler Dresdner Festspielorchester, Jan Vogler. Saint-Saëns: Violoncellokonzert Nr. 1 a-Moll op. 33, Berlioz: Ouvertüre zu »Les Francs-juges« op. 3 und »Symphonie fantastique« op. 14 20.00 Chilly Gonzales Chilly Gonzales, Stella Le Page, Joe Flory 19.00 Klangatelier mit AuditivVokal Dresden AuditivVokal Dresden, Olaf Katzer, Ortrud Kegel, Dresdner Schülerinnen und Schüler 19.30 Dresdner Philharmonie – Măcelaru – Pahud – Langlamet Dresdner Philharmonie, Cristian Măcelaru, Emmanuel Pahud, Marie-Pierre Langlamet. Werke von Bartók, W. A. Mozart und Petitgirard

Kulturpalast

Nr. 01

Kulturpalast

Nr. 02

Kulturpalast

Nr. 03 

Kulturpalast Semperoper

Nr. 04 Nr. 05

Kulturpalast

Nr. 06

Frauenkirche

Nr. 07

Frauenkirche

Nr. 08

Kulturpalast

Nr. 09

TU Dresden (Alte Mensa und Barkhausen-Bau) Frauenkirche

Nr. 10 A Nr. 10 B Nr. 10 C Nr. 11 

Festspielhaus Hellerau

Nr. 12

Residenzschloss (Stallhof) Reithalle Reithalle Kulturpalast Annenkirche

Nr. 13 Nr. 14 Nr. 14 A Nr. 15 Nr. 16 K

Festspielhaus Hellerau Frauenkirche

Nr. 17 Nr. 18

Kulturpalast

Nr. 19 

Kulturpalast

Nr. 20

Staatsoperette Palais im Großen Garten Schloss Wackerbarth

Nr. 21 Nr. 22 Nr. 23

Palais im Großen Garten Kulturpalast

Nr. 24 Nr. 25

Kulturpalast Albertinum (Lichthof)

Nr. 26 Nr. 27

Kulturpalast

Nr. 28 K


20.00

SO 2. Juni

21.00 23.00 11.00 17.00

20.00

MO 3. Juni

20.00 20.00

20.00

20.00 DI MI

4. Juni 5. Juni

20.00 20.00

20.00 DO 6. Juni

20.00 20.00

FR

7. Juni

19.00 20.00 20.00

SA

8. Juni

14.00 16.00 19.00 19.30 20.00 21.00

SO 9. Juni** 17.00 20.00 20.00 MO 10. Juni** 11.00 11.00 15.00 20.00 * K

Richard Galliano New Jazz Musette Quartet Richard Galliano, Jean-Marie Ecay, Bruno Rousselet, Jean-Christophe Galliano Classical Beats: Jazzrausch Bigband »Dancing Wittgenstein« DJ-Set mit DJ Gunjah Klavierrezital Hélène Grimaud Werke von Chopin, Debussy, Satie, Schumann und Silvestrov Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden – Hurshell – Azrad Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden, Michael Hurshell, Ido Azrad. Werke von Ben-Haim, Korngold und Lavry Nikolai Tokarev: »Bilder einer Ausstellung« »Klang sehen – Farbe hören – Kandinsky trifft Mussorgski« Tschaikowsky: »Die Jahreszeiten« op. 37a, Mussorgski: »Bilder einer Ausstellung« Notos Quartett Werke von Françaix, W. A. Mozart und Schumann Deutsche Streicherphilharmonie – Hentrich – Tjeknavorian Deutsche Streicherphilharmonie, Wolfgang Hentrich, Emmanuel Tjeknavorian. Werke von J. S. Bach, Bruch, J. Haydn, Schostakowitsch und Warlock Berlin-Konzert: Orchester des Mariinsky-Theaters – Gergiev – Vogler Orchester des Mariinsky-Theaters, Valery Gergiev, Jan Vogler. Schtschedrin: Konzert für Orchester Nr. 1 »Freche Orchesterscherze«, Schostakowitsch: Violoncellokonzert Nr. 2 op. 126, Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36 Barocklounge: Jean Rondeau Jasmin Toccata: Jean Rondeau, Thomas Dunford, Keyvan Chemirani. Werke von Chemirani, Dalza, Händel, Purcell u. a. Klavierrezital Grigory Sokolov Orchester des Mariinsky-Theaters & Valery Gergiev Skrjabin: »Prométhée. Le Poème du feu« op. 60 und »Le Poème de l’extase« op. 54, Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36 Intrada Vokalensemble Intrada Vokalensemble, Ekaterina Antonenko. Werke von Pärt, Rachmaninow, Schnittke, Schtschedrin, Strawinsky, Taverner und Tschaikowsky La Folia Barockorchester – Puértolas – Sabata La Folia Barockorchester, Robin Peter Müller, Sabina Puértolas, Xavier Sabata. Werke von Händel und Vivaldi Lucas & Arthur Jussen Werke von Mendelssohn, Poulenc, Ravel, Schubert und Strawinsky Preisträgerkonzert des 1. Internationalen Carl Maria von Weber Klavierwettbewerbs Bekanntgabe Preisträger und Programm Ende April 2019 Yo-Yo Ma & Kathryn Stott Werke von Prokofjew, Rachmaninow und Strawinsky Oskar Schlemmer: »Das Triadische Ballett« Bayerisches Junior Ballett München in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste Berlin, Gerhard Bohner, Colleen Scott, Ivan Liška, Hans-Joachim Hespos, Ulrike Dietrich Klingende Stadt Ensembles, Orchester, Chöre, Bands, Musikerinnen und Musiker aller Stilrichtungen sowie Tanzensembles, Tänzerinnen und Tänzer Oskar Schlemmer: »Das Triadische Ballett« Siehe Veranstaltung Nr. 45 Dresden singt & musiziert Elbland Philharmonie Sachsen, Dresdner Chöre, Thomas Runge Dresdner Philharmonie – Canellakis – Tetzlaff Dresdner Philharmonie, Karina Canellakis, Christian Tetzlaff. Werke von Messiaen, Schostakowitsch und Skrjabin Oskar Schlemmer: »Das Triadische Ballett« Siehe Veranstaltung Nr. 45 Orgelrezital Samuel Kummer »Bach in Dresden« Werke und Choralbearbeitungen von J. S. Bach Serenade im Grünen Dresdner Kreuzchor, Kreuzkantor Roderich Kreile Jazz Night: Nils Landgren & Freunde Randy Brecker, Lars Danielsson, Wolfgang Haffner, Nils Landgren, China Moses, Simon Oslender, Ada Rovatti Klavierrezital Andrea Lucchesini Werke von Berio, Scarlatti und Schubert Familienkonzert: »Klaus Klettermaus« Mitglieder der JazzBaltica All Star Band, Nils Landgren, Dominique Horwitz Belcea Quartet Werke von J. Haydn und Janáček Familienkonzert: »Klaus Klettermaus« Siehe Veranstaltung Nr. 54 A Abschlusskonzert: Eric Clapton Eric Clapton und Band

GebäudeEnsemble Dt. Werkstätten Hellerau Reithalle Reithalle Semperoper

Nr. 29

Neue Synagoge

Nr. 32 K

Albertinum (Lichthof)

Nr. 33 

Schloss Wackerbarth Hochschule für Musik (Konzertsaal)

Nr. 34 Nr. 35

Konzerthaus Berlin

Nr. 36

Nr. 30 Nr. 30 A Nr. 31

Ball- und Brauhaus Watzke Nr. 37 Kulturpalast Kulturpalast

Nr. 38 K Nr. 39

Annenkirche

Nr. 40

Frauenkirche

Nr. 41 

Schloss Wackerbarth

Nr. 42

Hochschule für Musik (Konzertsaal) Kulturpalast Schauspielhaus

Nr. 43 K

Überall in Dresden

Nr. 46

Schauspielhaus Neumarkt

Nr. 49 A Nr. 47

Kulturpalast

Nr. 48 K

Schauspielhaus Frauenkirche

Nr. 49 B Nr. 50 K

Nr. 44 Nr. 45 

Schloss Pillnitz (Schlosspark) Nr. 51 Kulturpalast Nr. 52 Schloss Albrechtsberg Konzertplatz Weißer Hirsch

Nr. 53 K Nr. 54 A

Palais im Großen Garten Konzertplatz Weißer Hirsch Messe Dresden

Nr. 55  Nr. 54 B Nr. 56

Christi Himmelfahrt ** Pfingsten Bei so gekennzeichneten Veranstaltungen gelten die Preise und Ermäßigungen des Kooperationspartners. Es steht ein begrenztes Kartenkontingent zur Verfügung. 25 % Ermäßigung für Inhaberinnen/Inhaber des Dresdner Ehrenamtspasses bei so gekennzeichneten Veranstaltungen

TICKETS VOR ORT Ticketservice im Kulturpalast, Schloßstraße 2, 01067 Dresden Mo bis Fr 10–19 Uhr, Sa 9–14 Uhr TELEFONISCH +49 (0)351 656 06 700 Mo bis Fr 9–18 Uhr, Sa 9–15 Uhr ONLINE besucherservice@musikfestspiele.com / www.musikfestspiele.com PER POST Dresdner Musikfestspiele / Besucherservice, Postfach 10 04 53, 01074 Dresden

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Sie kommen nach 2017 nun ein zweites Mal mit Ihrem Chor zu den Dresdner Musikfestspielen. Wie haben Sie die Stadt und das Festivalpublikum erlebt? Ich freue mich sehr darüber, auch im Jahr 2019 dabei zu sein. Wir waren vom Publikum sehr beeindruckt — die Leute haben sehr aufmerksam zugehört, und schon nach der ersten Hälfte bekamen wir Standing Ovations! Die Stadt Dresden finde ich herrlich, ich hatte im November 2018 die Möglichkeit, sie bei einer Einstudierung mit Hans-Christoph Rademanns Dresdner Kammerchor eine Woche lang zu erleben.

Auf einen Kaffee mit … Ekaterina Antonenko INTERVIEW: JUAN MARTIN KOCH

Sie haben in Russland und Deutschland studiert. Gibt es Unterschiede, was das Ideal eines Chorklangs angeht? Das hängt vor allem vom Dirigenten ab, denke ich. Die russischen Stimmen sind kräftiger als die deutschen, aber man kann diese Kraft auf verschiedene Weise nutzen. Mein Chor singt viel Alte Musik, deswegen ist für uns die Klarheit der Stimmen sehr wichtig. Was zeichnet russische Chormusik aus Ihrer Sicht aus? Russland hat eine besondere A-cappella-­ Tradition, die aus der orthodoxen Kirchenmusik kommt. Auch unser Chorklang ist ein besonderer — die Balance ist anders als beim westeuropäischen. Vor allem braucht die russische Chormusik viele schöne und kräftige tiefe Bassstimmen. Und sie ist reich an Emotionen, sie spricht aus der Seele. Im Chor zu singen gilt als gesundheitsfördernd — trifft das auch auf das Chordirigieren zu? Das weiß ich nicht, aber der bekannte russische Dirigent Wladimir Minin hat kürzlich seinen 90. Geburtstag gefeiert — natürlich mit einem Konzert seines Chores …

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INTRADA VOK ALENSEMBLE Werke von Pärt, Rachmaninow, Strawinsky, Tavener u. a.

Welches ist Ihr Lieblingscafé in Moskau? Das Rezeptor, in der Nähe des Konservatoriums. Ich mag das Essen und die Atmos­ phäre dort!

MITTWOCH 5. JUNI 2019 20 UHR ANNENKIRCHE

EKATERINA ANTONENKO studierte Chorleitung in Moskau und Köln. Sie besuchte Meisterkurse bei Frieder Bernius, Marc Minkowski und Hans-Christoph Rademann. Seit 2012 unterrichtet sie Dirigieren am Moskauer Musikkonservatorium und promovierte 2013. 2006 gründete sie das Intrada Vokalensemble.


DRESDNER MUSIKFESTSPIEL MAGAZIN Hauptstraße 21 01097 Dresden Tel. +49 (0)351 478 56 0 info@musikfestspiele.com www.musikfestspiele.com HERAUSGEBER Intendant Jan Vogler

REDAKTION Martin Künanz  V. i. S. d. P., Ana Maria Quandt  Dresdner Musikfestspiele

PARTNER UND SPONSOREN Die Dresdner Musikfestspiele danken herzlich für die freundliche und großzügige Unterstützung.

Die Dresdner Musikfestspiele sind eine Einrichtung der Landeshauptstadt Dresden und werden mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

PREMIUMPARTNER

LEKTORAT Christiane Filius-Jehne  lektoratundmehr

TEXTE Michael Bartsch, Nicole Czerwinka, Ralf Dombrowski, Christiane Filius-Jehne, Oliver Geisler, Hans-Dieter Grünefeld, Juan Martin Koch, Martin Künanz, Moritz Lobeck, Niklas Maak, Martin Morgenstern, Thomas Otto, Ana Maria Quandt, Judith Schor

KLASSIKPARTNER

FOTOGRAFIE

PROJEKTPARTNER

Jim Rakete (S. 4); Norbert Kniat (S. 6); Ben Ealovega (S. 7); Ana Cuba (S. 8); Claudia Weingart (S. 9); Oxford University Press (S. 10); Chris Lee (S. 11); Richard Ashcroft (S. 12); Jiyang Chen (S. 14); David Ignaszewski (S. 18); Gert Weigelt (S. 21); Wilfried Hösl (S. 22 / 23); Dr. med Kurt Becker-Glauch / Hellerau — Europäisches Zentrum der Künste (S. 24); Barbara Fahle (S. 26); Marco Borggreve (S. 27); www.theedge-susu.co.uk-facebook (S. 29); Musacchio & Ianniello (S. 30 / 31); Florian Emanuel Schwarz (S. 32); Shutterstock (S. 33); Thron Ullberg, Sylvain Norget (S. 34); Gregor Hohenberg (S. 35); Jason Bell (S. 36); Künstleragentur (S. 38); Michal Noval (S. 39); Ira Polyarnaya (S. 42)

KOOPERATIONSPARTNER

ART DIREKTION BOROS

DRUCK

KULTUR- UND MEDIENPARTNER

Druckerei Thieme, Meißen, www.bythieme.de

AUFLAGE 2019 / 50.000 Nachdruck nur nach vorheriger Einwilligung. Alle Rechte vorbehalten.

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Dresdner Musikfestspiel Magazin 2019  

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