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Ausgabe Aare, AZA 1953 Sion Response Zentral, Psdg DP AG, Ent. bez.A 44631

MM38, 14.9.2015 | www.migrosmagazin.ch

Bild: Daniel Auf der Mauer

Islam in der Schweiz

Ylfete Fanaj ist Politikerin und Muslima. Ein Dossier Ăźber den Islam in unserem Alltag. Bitte Wohnungswechsel der Post melden oder dem regionalen Mitgliederdienst: Tel. 058 565 84 01, E-Mail: dienstleistungen@gmaare.migros.ch


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Editorial

Offen bleiben

«Müssen wir Angst vor dem Islam haben?» wurde letzte Woche die deutsche Bundeskanz­ lerin Angela Merkel von einer besorgten Bürge­ rin gefragt. Die Frage hätte genauso gut einem unserer Bundesräte gelten können. Die Ver­ unsicherung in der Bevölkerung angesichts der steigenden Immigrationszahlen in der Schweiz, was denn mit «unseren Schweizer Werten» und «unserer Religion» passiere, ist gross. Jedes Kopftuch eine Provokation, jedes dunkle Gesicht hinter dichtem Bart ein Terrorist?

Natürlich gibt es drängende Fragen, die sich stellen. Etwa, wie unser Land eine Immigration von einem Prozent pro Jahr längerfristig ver­ kraften kann. In gewissen Köpfen aber reagiert heute das geistige Fegefeuer. Jeder Schweizer müsse zu Hause 1000 Schuss Munition ver­ stecken, las ich letzte Woche auf einem Face­ book­Post eines mit Schweizer Flagge bekränz­ ten Mitbürgers. Damit wir dann «den Krieg mit diesen Islamisten führen könnten», die sich unter den Flüchtlingen verstecken. Andere wollen gleich die Armee an die Grenze stellen. Und was dann? Auf die Flüchtlinge schiessen?

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Ach ja: Angela Merkel hat auf die betreffende Frage souverän reagiert. Sinngemäss meinte sie: Vielleicht sei es an der Zeit, sich auch wieder mal mit den eigenen christlichen Wurzeln, der eigenen Identität zu be­ fassen. Wer nicht mal wisse, was Pfingsten eigentlich sei, dürfe nicht scheel auf Menschen schau­ en, die den Koran ernst nehmen. Hans Schneeberger, Chefredaktor hans.schneeberger@migrosmedien.ch

Bilder: Samuel Trümpy, Daniel Auf der Mauer

Was bleibt in dieser überhitzten Atmo­ sphäre? Aufklärung. Reden miteinander. In Kontakt bringen. Neue Welten kennenlernen. Menschen die Chance geben, uns ihr Denken, ihre Kultur, ihren Alltag näherzubringen. Aus diesem Gedanken heraus hat die Redaktion in den letzten Wochen ein Dossier zum Thema Islam erstellt. Um Schran­ ken abzubauen, Verständnis für das Anderssein zu wecken. Aber auch zu sondieren, ob es berechtigte Sorgen gibt. Denn nur wer den anderen kennt, kann ihn auch wirklich akzeptieren.

M-Infoline: Tel. 0800 84 0848 oder Fax 0041 44 277 20 09 (Ausland). www.migros.ch/kundendienst; www.migros.ch Cumulus: Tel. 0848 85 0848* oder +41 44 444 88 44 (Ausland). cumulus@migros.ch; www.migros.ch/cumulus Redaktion Migros-Magazin: Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich, Tel. 058 577 12 12, Fax 058 577 12 08. redaktion@migrosmagazin.ch; www.migrosmagazin.ch * Normaltarif


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Migros-Welt Islam 8 Zahlen und Fakten

Wissenswertes zum Islam in der Schweiz.

49 Saisonküche

Feine Rezepte mit Trauben.

12 Reportage

64 Perfekte Wandersnacks 65 Nidlechueche mit Valflora 66 Alle sind im Sammelfieber 68 Frage der Woche 69 Fruchtige Kompotte 71 Neues aus der M-Industrie 77 Pflege für jedes Haar 79 Blumige Weichspüler 80 Ab in die Berge!

18 Interview

83 Neues aus Ihrer Region Aktionen, Reportagen und interessante News aus den Genossenschaften.

11 Porträt

Arzt und Ex-MisterSchweiz Adel Abdel-Latif über seine Erfahrung mit Ausgrenzung.

Wie Schüler in einem Workshop versuchen, Vorurteile abzubauen.

24

40 Nachhaltige Schokolade 46 Saftiges vom Poulet 47 Cordon bleus ganz winzig

Wie geht MohammedKarikaturist Kurt Westergaard mit der ständigen Bedrohung durch Extremisten um?

Leben

21 Porträt SP-Nationalrätin Ylfete

Fanaj hat kosovarische Wurzeln. 22 Pro und Contra

Wie berechtigt sind Ängste gegenüber der zweitgrössten Weltreligion?

24 Interview

Ethnologe Thomas Hüsken über Probleme, Ursachen und Lösungsansätze im Umgang mit dem heutigen Islam. 31 Porträt

Konvertitin: Esther Fouzi hat ihren Glauben gewechselt.

32 Leserforum 33 Bänz Friedli

90 Reisen Als Cowgirl durch Arizona. 96 Gesundheit 98 Kinder 100 Auto 103 Glücksgriff 104 Rätsel/Impressum 108 Cumulus 110 Meine Welt Die Zürcherin Manon ist keine Muse – sie ist selber Künstlerin.

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Dossier

Der Islam ist zu einem Reizwort geworden und sorgt weltpolitisch regelmässig für negative Schlagzeilen. Viele Menschen assoziieren damit Terror oder fürchten sich vor kultureller Überfremdung. Andere finden es erschreckend, wie leicht es geworden ist, Muslime pauschal zu dämonisieren. Für dieses Dossier hat das Migros-Magazin mit Muslimen in der Schweiz gesprochen, eine Schulklasse besucht, Ängste hinterfragt und einen dänischen Karikaturisten interviewt. Eine Reise durch eine andere Welt.


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Zahlen und Fakten

Islam in der Schweiz Wussten Sie, dass die meisten Muslime in der Schweiz aus Ex-Jugoslawien kommen? Oder dass die Mehrheit von ihnen deutlich weniger häufig einen Gottesdienst besucht als etwa Juden? Spannend auch: Die Zahl der Muslime wächst ähnlich stark wie jene von Freikirchlern. Interessantes über den Islam in der Schweiz. Text: Andrea Freiermuth

Juden 16 830

Muslime 341 572

andere Religionen* 89 259

übrige Christen** 389 608

Basel

Infografik: Daniel Röttele

Wangen bei Olten Biel

1 Muslime in der Schweiz Fünf Prozent der Schweizer Wohn­ bevölkerung über 15 Jahre sind Muslime. Das zeigt die Struktur­ erhebung von 2013. Prozentual am meisten Muslime leben im Kanton Basel­Stadt (8,5%), am wenigsten im Kanton Graubünden (1,8%). Nimmt man die Zahl der Gottes­ dienstbesuche als Gradmesser für die Religiösität, so lässt sich fest­ stellen, dass es im Vergleich mehr religiöse Juden als Muslime gibt. Über alle Konfessionen verteilt, gibt es 5734 lokale religiöse Gemeinschaften, 315 davon sind muslimisch. Das zeigen Zahlen aus einer Nationalfondsstudie von 2011. Viele dieser Gemeinschaften sind ethnisch kulturelle Verbände, wie etwa der Türkisch­Islamische Kulturverein Wädenswil. In der Schweiz leben vor allem Sunniten.

Bern Freiburg

Lausanne

Genf

Anzahl Moscheen und Gebetsräume 18 6 1

Anteil Muslime an der Gesamt­ bevölkerung eines Kantons 1,8%–2% 2,1%–4% 4,1%–6% 6,1%–8,5% (max.)

Moschee mit Minarett

2 Herkunft Die grosse Mehrheit der Muslime in der Schweiz stammt aus Ex­Jugo­ slawien. Sie pflegen in der Regel einen toleranten Islam und erlauben zum Beispiel Mischehen. Seit 2000 steigt der Zuwachs ausländischer Muslime nur noch moderat an. Dafür haben immer mehr einen Schweizer Pass. Darunter sind viele Kinder und Enkelkinder von türkischen und jugoslawischen Einwanderern aus den 1970er­ und 1990er­Jahren.

116 738

Schweiz

131 688

Ex-Jugoslawien 43 157

Türkei 12 780

Maghrebstaaten

11 260

Europa u. Russland Naher Osten

9882

Afrika

7057

* z. B. Hindus, Buddhisten ** z. B. Christlich­Orthodoxe

Mittlerer Osten

6078

Quellen: Bundesamt für Statistik (1, 2, 4); Yearbook of Muslims in Europe, Volume 6, 2014 (3); «Die religiösen Gemeinschaften in der Schweiz: Eigenschaften, Aktivitä­ ten, Entwicklungen» (5); Tages­Anzeiger/Uni Luzern (1)

andere

2932


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3 Religionen in der Schweiz

Anteil der Konfessionen an der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren

Religionszugehörigkeit der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren, Stand 2013

50% 45% 40% Katholiken

35% 30%

Reformierte 1 762 892

Katholiken 2 562 396

St. Gallen

25%

Reformierte

20%

Konfessionslose

4 Glaubensrichtungen

15%

Islamische Konfessionen bei Schweizer Muslimen, Stand 2014

10%

andere Christen Muslime

5%

andere

Winterthur

0 198 0 199 0 200 0

0%

197

Zürich

201 3

Konfessionslose 1 497 521

Juden

In den vergangenen 40 Jahren ist die Zahl der Christen, die einer Frei­ kirche angehören, fast ebenso stark gewachsen wie die Zahl der Mus­ lime. Am stärksten zugenommen haben die Konfessionslosen.

5 Gottesdienstbesuche Personen, die nie zum Gottesdienst gehen Personen, die nur an hohen Feiertagen zum Gottesdienst gehen Personen, die regelmässig am Gottesdienst teilnehmen Schätzungen, Jahr 2011 Lesebeispiel: 6,1% der

Schweizer Muslime besuchen regelmässig den Gottesdienst, 73,6% nehmen nie teil.

Juden 39,2%

Muslime 46,1%

14,7%

73,6%

Reformierte 20,3%

6,1%

86,3%

Katholiken 9,1%

87,5% 4,6%

7,9% 4,6%


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Porträt

Adel Abdel-Latif (44)

«Manche ärztlichen Kollegen wandten sich von mir ab.» Adel Abdel-Latif

Arzt, Verhandlungsberater, Mister Schweiz 1996 «Fragte man mich vor zehn Jahren, ob ich als

Muslim von Diskriminierung betroffen sei, war meine Antwort ein klares Nein. Heute ist es anders. Als 2009 über die Minarette abgestimmt wurde, war ich als Radiologe an der Hirslanden-Klinik St. Anna in Luzern tätig. Manche ärztlichen Kollegen wandten sich von mir ab, nachdem ich mich in den Medien gegen diese Initiative ausgesprochen hatte. Ausserdem erfuhr ich, dass mehrere Chemotherapiepatientinnen, die aufgrund ihres Haarausfalls Kopftücher trugen, auf der Strasse verbal angegriffen wurden, da man sie für Musliminnen hielt. Es stimmt mich traurig, dass ich mich an-

dauernd für die furchtbaren Verbrechen einiger weniger Verrückter rechtfertigen muss. Ein Katholik muss auch nicht beweisen, dass er nicht pädophil ist, nur weil manche katholischen Priester Kinder missbraucht haben.

Bild: Daniel Auf der Mauer

Aufgeheizt wird die Stimmung von Rechtspopulisten, die auf

Stimmenfang sind. Aber viele Schweizer Bürger lassen sich nicht mehr so offensichtlich manipulieren. Wie das jüngste Beispiel zeigt, stellen sie Fragen und entlarven Politiker wie Christoph Mörgeli, die mit aus dem Zusammenhang gerissenen Bildern negative Stimmung und Werbung in eigener Sache machen wollen.» Aufgezeichnet von: Andrea Freiermuth


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Reportage

Eintauchen in die Welt der Muslime

Workshopleiter Ron Halbright (rechts) und Nuran Serifi (Zweite von rechts) zeigen den Jugendlichen islamische Schriften und einen Gebetsteppich.

Kopftuch, Ramadan, Bart, Terror: Das kommt Jugendlichen aus dem Thurgau beim Stichwort Islam in den Sinn. Mit seinem Workshop versucht Sozialpädagoge Ron Halbright, Vorurteile bewusst zu machen und sie zu bekämpfen. Text: Ralf Kaminski, Yvette Hettinger

Bilder: Samuel Trümpy

Y

llhan (14) hat eine Frage. «Du bist Mus­ limin und hast ein Tat­ too, aber die sind doch haram, oder?» Angesprochen ist Kursleiterin Nuran Serifi (35), eine schiitische Muslima aus Mazedonien. Sie sagt, sie habe sich intensiv mit dem Thema befasst und die Experten seien sich nicht unbedingt einig.

«Doch, das ist so, die sind haram», hält Yllhan unbeirrt dagegen. «Haram» steht im Ara­ bischen für alles, was im Koran verboten ist, und dazu gehören je nach Interpretation auch Tätowierungen, denn diese ver­ ändern den Körper dauerhaft. Yllhan ist selbst Muslim, einer von dreien in der elfköpfigen Gruppe von Jugendlichen, die


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Die Kosovarin Edona (Mitte) besucht den Workshop mit ihrer Schweizer Freundin Yessica. Anzeige

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aus dem Tagesangebot Tagesangebot Getränk (2 (2dl) dl) +1 Getränk sich an jenem warmen Som­ mertag im Sekundarstufen­ schulhaus Letten in Diessenho­ fen TG für den Workshop «Mus­ liminnen und Muslime in der Schweiz» versammelt haben. Nuran Serifi erklärt, dass eine Tätowierung, wenn über­ haupt, «eine nicht so tragische Sünde» sei, und derweil die beiden diskutieren, wirkt

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Zum Workshop

Ängste abbauen Der Workshop in Diessen­ hofen wird vom National Coalition Building Institute (NCBI) in Thalwil ZH veran­ staltet. Dessen Gründer, der jüdische Amerikaner Ron Halbright, lebt seit 25 Jahren in der Schweiz und schätzt, dass NCBI mit diesem Workshop jährlich rund 2500 Jugendliche erreicht. «In den 90er­Jahren haben wir solche Veranstaltun­ gen zum Judentum organisiert. Aber nach 9/11 hat die Muslim­ feindlichkeit stark zugenom­ men, also haben wir das Thema gewechselt.» Erschwerend komme hinzu, dass mit Mina­ rett­ und Burkaverboten Politik gemacht werde, auf Kosten der Muslime. «Da spielt viel Angstmacherei mit. Und gegen diese Ängste wollen wir etwas unternehmen.» Besonders häufig wird der Workshop mit Zivildienstleis­ tenden durchgeführt. «Da gibt es viele intensive Diskussionen und recht hartnäckige Vorur­ teile», sagt Nuran Serifi. Sie hat schon mehrfach erlebt, dass sich negative Einstellungen zur islamischen Welt im Lauf des Workshops verbessert haben. Dennoch sind muslimische Jugendliche, die sich radikali­ sieren und für den IS in den Krieg ziehen, auch in der Schweiz eine Realität. Laut dem Schweizer Nachrichten­ dienst waren es bisher 69 Per­ sonen, darunter einige Konver­

titen. «Oft sind es Jugendliche, die sich nicht akzeptiert fühlen, die keine Zukunftsperspek­ tiven sehen und einen Weg suchen, sich wichtig zu fühlen, einen Sinn suchen», sagt Hal­ bright. Die Schweiz sei dank ihres Wohlstands weniger stark betroffen als andere Länder, weil auch Jugendliche mit schlechter Schulbildung noch Chancen auf einen Job und Integration hätten. Religion spielt laut Halbright beim Radikalisierungspro­ zess dann eine Rolle, wenn das eigene Elternhaus nicht besonders religiös war. «Das macht den Glauben zu einem interessanten Thema. Und wenn Jugendliche auf Sinn­ suche ohne grosse Vorbildung auf radikale Leute stossen, die behaupten, einzig sie seien es, die diese Religion ‹richtig› leb­ ten, dann kann das sehr beein­ druckend wirken. Es gibt ihnen einen Halt, den sie vorher noch nie hatten.» Mit Workshops könne man da kaum Gegen­ steuer geben, daran müsse die ganze Gesellschaft arbeiten. «Muslime müssen spüren, dass sie in der Schweiz zu Hause sind, dass sie akzeptiert werden und eine Zukunft haben», erklärt Halbright. «Verbote, ob es nun Minaret­ te, Burkas oder Kopftücher betrifft, setzen genau das falsche Signal. Das ist indirek­ te Unterstützung für den IS.»

die gesamte Kursleitung sichtlich erfreut, dass es endlich mal zu einer Debatte kommt. Bis dahin haben sich die fünf Mäd­ chen und sechs Jungen im Alter von 13 bis 16 Jahren nämlich ziemlich zurückgehalten. Ob­ wohl der amerikanisch­schwei­ zerische Sozialpädagoge Ron Halbright (58) mit seinem Team alles Mögliche versucht, um das Eis zu brechen. Das Grüppchen sitzt im Kreis und soll über seine Ängste sprechen, über sein Verhältnis zur Religion, über das Leben im Ausland. Nuran Serifi erzählt, wie sie sich fühlte, als sie an einer Aus­ stellung wegen ihres Kopftuchs negative Sprüche zu hören bekam. Wie wütend sie war, und wie sehr sie sich beherrschen musste, die Frau freundlich zu konfrontieren. So führt sie das Thema Vorurteile ein. In kurzen Rollenspielen zu zweit sollen alle nun möglichst rasch Worte sagen, die ihnen zu bestimmten Themen einfallen, etwa zu den USA, der Schweiz oder dem Islam. Was zu Letzte­ rem kommt, ist nicht gerade schmeichelhaft: Ramadan, Koran, Kopftuch, Bart, Terror. Workshop auf Initiative des evangelischen Pfarrers

Ron Halbright im Gespräch mit Schülerin Edona.

Immerhin tauen die Jugendli­ chen dabei erstmals ein bisschen auf. Vielleicht waren sie bisher auch deshalb zurückhaltend, weil sie aus verschiedenen Klassen für diesen Workshop

zusammengewürfelt wurden. Für viele war er nicht die erste Wahl an diesem Lebenskunde­ tag, den die Schule ein Mal pro Jahr durchführt. Dass der Muslim­Workshop in Diessenhofen bereits zum vierten Mal stattfindet, ist vor allem dem evangelischen Pfar­ rer Volker Houba (53) zu ver­ danken. Der volle Tag, bei dem mehrere Religionsstunden eines Semesters zusammengezogen werden, schaffe die Voraus­ setzung, sich intensiv mit einem Thema zu befassen. Houba hält es für enorm wichtig, dass die Jugendlichen mehr über das Leben der Muslime erfahren und sich mit ihren eigenen Vor­


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Oben: Besuch in der albanischen Moschee von Diessenhofen. Links oben: Nuran Serifi führt vor, wie das mit dem Kopftuch genau funktioniert. Links: Die Kursleiter zitieren Stellen aus dem Koran.

urteilen auseinandersetzen. «Denn es geht nur miteinan­ der, nicht gegeneinander.» Oft aber lebten Christen und Mus­ lime aneinander vorbei. «Das ändert sich nur, wenn man sich kennenlernt und bereit ist, sich zu öffnen.» Er verweist auf die goldene Regel, die in allen Weltreligionen gelte: «Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.» Konkrete Reibereien an der Schule sind dem Pfarrer zwar keine bekannt, aber Sprüche gebe es schon. Yllhan und seine muslimische Schulkolle­ gin Edona (15), beide mit kosovarischen Wurzeln, sehen das auch so. Vorurteile erleben

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beide im Alltag nicht, sie kennen auch keine anderen Muslime, die damit konfrontiert sind. Aber Sprüche gebe es, wenn sie erzähle, sie sei Muslimin, sagt Edona. «Zum Beispiel: Was, trägt deine Mutter Kopf­ tuch, oder was?» Tut sie nicht, und auch für Edona war das nie ein Thema. Während sie sich als «nicht so religiös» bezeich­ net, ist Yllhan der Glaube wich­ tig. Er betet auch regelmässig zu Hause oder in der Moschee. Was halten sie von radika­ lisierten Jugendlichen, die in den Nahen Osten ziehen, um dort für den IS zu kämpfen? «Das ist schlimm, diese Leute missbrauchen eine friedliche Religion und verschaffen uns allen damit ein schlechtes Image», sagt Edona. Yllhan sieht das zwar genauso, sagt aber, er könne schon ein biss­

chen nachvollziehen, dass so was für Jugendliche in schwieri­ gen Situationen eine gewisse Anziehungskraft haben könnte. «Man fühlt sich allein, und dann kommt man auf dumme Ideen.» Persönlich kennt Yllhan aller­ dings niemanden, dem er so was zutrauen würde. In seiner Moschee wird sogar offen vor den Radikalen gewarnt. Nicht einig sind sie sich, ob so ein Workshop überhaupt etwas bringt. «Ich finde schon», sagt Edona. «Wir selbst werden vielleicht nicht mit Vorurteilen konfrontiert, aber vielen geht es anders. Ideal wäre, wenn jede Klasse sich damit mal ausein­ andersetzen würde.» Yllhan hin­ gegen zweifelt, dass so ein Tag viel bewirkt. «Die meisten lau­ fen hier rein und abends wieder raus und nehmen das nicht weiter ernst, was gesagt wird.»

Dass der Workshop seine Be­ rechtigung hat, zeigt sich aber schon kurze Zeit später. Die Jugendlichen versammeln sich nach der Mittagspause vor der Schule, um gemeinsam zu einer Moschee in der Nähe zu spazieren, wo das Nachmittags­ programm stattfinden wird. Nur einer fehlt. Einer der Schüler will nicht mit in die Moschee

Als die Gruppe schliesslich leicht verspätet aufbricht, kommt der Junge ihnen kurz da­ rauf entgegen, in Begleitung sei­ ner Mutter. Diese fragt Pfarrer Houba, weshalb die Eltern nicht informiert worden seien, dass ein Moscheebesuch geplant sei. Ihr Sohn wolle nicht mit, und sie könne ihn ja nicht zwingen. Während der Junge etwas betre­ ten daneben steht, entspinnt

sich zwischen Mutter und Pfar­ rer eine Diskussion. Bald stellt sich heraus, dass es wohl weni­ ger der Sohn als die offenbar sehr katholischen Eltern sind, die damit ein Problem haben. Pfarrer Houba wirbt für den Moscheebesuch: «Sein Glaube wird ihm ja nicht genommen. Es geht nur darum, sich vor Ort ein eigenes Bild zu machen, wie Muslime ihren Glauben leben.» Die Mutter jedoch erklärt, dass sie auch sonst nicht einfach in eine Moschee gehen würde. Sie habe nichts gegen Muslime, aber sie wolle mit dieser Welt nichts zu tun haben. Zumindest hätte die Familie mehr Zeit gebraucht, darüber zu beraten, erklärt sie. Houba akzeptiert die Entscheidung, bedauert sie jedoch für den Jungen. Die Ju­ gendlichen ziehen schliesslich ohne ihn weiter zur Moschee.

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Dort verbringen sie den Nach­ mittag mit Muhamed Jaja, dem gerade mal 24­jährigen Imam der albanischen Moschee von Diessenhofen, die rund 130 zahlende Mitglieder hat. «Viele von denen kommen aber nur an Feiertagen», sagt Jaja und lacht. Von aussen macht das Gebäude im Industriequartier nicht viel her, aber drinnen gibt es ein kleines Café mit gemüt­ licher Sofaecke und im oberen Stock einen grossen, schlichten Gebetssaal mit schönem Teppich, kleiner Kanzel und Pingpongtisch. Jaja, der sein Geld als Lage­ rist verdient, lädt ab und zu Andersgläubige ein, zum gegenseitigen Austausch und Kennenlernen. «Viele Menschen haben Vorurteile, und dann sehen sie die Medienberichte über den IS im Fernsehen und fühlen sich bestätigt.» Er möchte seinen Teil dazu tun, Gegensteuer zu geben, auch wenn er im Alltag selbst keine Probleme erlebt. Ein lehrreicher, aber auch ein anstrengender Tag

Nachdem Jaja die Moschee vorgestellt hat, bereiten die Jugendlichen in kleinen Gruppen Fragen vor, die der Imam anschliessend ausführ­ lich beantwortet: Wie ist das mit dem Schweinefleisch, den arrangierten Hochzeiten, den Kleidervorschriften, der Unterdrückung der Frau, den Bärten? Dann wird der Spiess umgedreht, die muslimischen Jugendlichen stellen ihre Fragen dem Pfarrer und ihren christlichen Schulkollegen. Am Schluss dann die Bilanz: Was hat der Workshop ge­ bracht? Eine kleine Runde Jugendlicher ist sich einig: ein lehrreicher Tag. «Es war span­ nend, beide Seiten zu hören und mehr zu erfahren als das, was man so im Fernsehen sieht», findet Julia (14). Aber es war ein langer Tag, auch da sind sie sich einig. Und als der Pfarrer die Gruppe schliesslich mit Dank verabschiedet, dauert es keine zehn Sekunden, und alle sind weg. MM

Der junge Imam Muhamed Jaja heisst die Jugendlichen in seiner Moschee in Diessenhofen willkommen.

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Interview

«Meine Karikaturen waren nötig»

Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard wurde weltweit bekannt, als er 2005 Mohammed mit einer Bombe als Turban zeichnete. Der fünffache Grossvater über den Kampf der Kulturen und den Islam. Text: Reto E. Wild

Kurt Westergaard (80): «Ich habe mit dem Islam kein Problem. Aber ich habe ein Problem damit, wenn eine Religion die Demokratie nicht anerkennt.»

Wie wirken sich die Anschläge aus? Wir sind ein sehr tolerantes Land, das auf dem Christentum basiert. Das sage ich, obwohl ich Atheist bin, ein protestantischer Atheist sozusagen. Wir haben noch immer Frieden. Nur müs­ sen wir ein Aber anfügen. Viele Journalisten und Karikaturisten sind beunruhigt und haben nach

den Anschlägen in Paris und Kopenhagen Angst, wenn sie heikle Themen beleuchten. Wo waren Sie, als Mitte Februar 2015 ein Attentat auf Teilnehmer einer Veranstaltung mit dem Karikaturisten Lars Vliks in einem Kopenhagener Kulturcafé verübt wurde? In meinem Haus in der Nähe von Aarhus nördlich von Kopen­ hagen. Ich kenne Lars Vliks sehr gut, er ist ein starker Mann. Ich mache mir um ihn keine Sorgen. Wie ich wird auch er vom dänischen Geheimdienst bewacht. Lars wird sich nun wohl genauso wie ich noch mehr Sorgen über die Zukunft unserer Gesellschaft machen. Sie überlebten nach der Publikation Ihrer Mohammed-Karikaturen mehrere Anschläge. Haben Sie je bereut, die Karikaturen gemacht zu haben? Nein. Sie waren nötig. Wir muss­ ten uns früher oder später mit den beiden Kulturen auseinan­

dersetzen – hier die dänische Demokratie, dort Immigranten mit einer alten Religion. Wir können nicht einfach aufgeben. Und ich bin sicher, dass es auch in Zukunft nicht möglich sein wird, kreative Intellektuelle in ihrer Arbeit zu stoppen. Am Ende wird die Demokratie siegen. Das heisst nicht, dass die Muslime ihre Religion auf­ geben sollen. Aber sie sollen anerkennen, dass dieses Land, wie die meisten europäischen Länder, auf demokratischen Werten basiert. Ich hoffe, dass dies verstanden wird. Weshalb haben Sie damals den Propheten Mohammed mit einer Bombe als Turban dargestellt? Im Persischen gibt es ein ge­ flügeltes Wort, das sinngemäss bedeutet: Wenn jemand eine Orange im Turban hat, ist er glücklich. Statt einer Orange zeichnete ich eine Bombe. Ich wollte damit zeigen, dass die Terroristen ein altes Buch, den

Koran, missbrauchen. Ich weiss nicht, ob ich damit tatsächlich den Propheten zeichnete. Mir ging es vielmehr darum, einen Mann darzustellen, der Teile der Religion missbraucht. Die Muslime interpretieren diese Karikatur als Mohammed. Ich bin mir da nicht so sicher. Der verstorbene Ex-Präsident des Schweizerischen Rats der Religionen, der Muslim Hisham Maizar, sagte dem Migros-Magazin in einem Interview, dass MohammedKarikaturen kontraproduktiv seien, weil sie derart starke negative Gefühle bei Muslimen auslösten. In einer friedlichen Demokratie gibt es immer Karikaturisten und Satiriker, die skeptisch sind gegenüber machtgierigen Poli­ tikern, Priestern, der Bürokratie und auch gegenüber Religionen. Dafür muss es Platz haben. Vielleicht hilft diese Anekdote über Satire und Macht: Pablo Picasso malte 1937 «Guernica»,

Bild: Jens Norgaard Larsen/EPA/Keystone

Kurt Westergaard, was dachten Sie, als Sie Anfang Jahr von den Anschlägen auf das Pariser Satiremagazin «Charlie Hebdo» hörten? Ich war erschrocken, aber auch sehr wütend. Wütend sein hilft beim Verarbeiten. Das habe ich nach dem Anschlag auf mich vor fünf Jahren gelernt. Die Wut hat mich vor einem Trauma bewahrt. Gleichzeitig sorge ich mich sehr, wie sich solche Anschläge auf die Integ­ ration auswirken. Dänemark ist ein Wohlfahrtsstaat und hat viel in Immigranten, deren Aus­ bildung und Kinder investiert.


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Person, Typ, Haltung: Was Karikaturen angreifen. Migrosmagazin.ch

das an den deutsch­italienischen Luftangriff auf die baskische Stadt erinnert. 1940 traf Picasso einen deutschen Luftwaffen­ offizier. Dieser fragte, ob er «Guernica» gemacht habe. Picasso antwortete: «Nein, Sie.» Ist Ihre Karikatur nicht trotzdem zu viel der Provokation? Nein. Die Reaktion aus islami­ schen Kreisen zeigt, dass ihre Religion sich mitten im Kampf zur Freiheit befindet. Wissen Sie, ich habe keine Angst. Ich bin Mitte Juli 80 Jahre alt geworden. Mir kann man nicht mehr viel wegnehmen. Aber ich bin traurig wegen meiner Berufskollegen, die aus Angst nicht mehr zeichnen. Tatsächlich: Heute müssen westliche Karikaturisten ihr

Leben riskieren, wenn sie sehr kritisch zeichnen. Das kann man so sagen. 2010 schlug ein Somalier mit der Axt mein Fenster ein und versuchte, mich mit einem Messer an­ zugreifen. Ich konnte mit einer Enkelin im letzten Moment flüchten. 2008 wurde ein mögli­ ches Mordkomplott gegen mich vom dänischen Polizeigeheim­ dienst vereitelt. Wir rund zehn dänischen Karikaturisten sind wirklich sehr gut geschützt und in sicheren Häusern. Nach den Anschlägen auf mich musste ich das Haus jeden Monat wechseln. Von Zeit zu Zeit fuhr ich deshalb auch ein anderes Fahrzeug. Und heute fühlen Sie sich wirklich sicher? Ja, beim dänischen Geheim­ dienst arbeiten sehr professio­

nelle Leute. Ich führe ein fast normales Leben. Wie sieht das heute aus? Ich zeichne nach wie vor, jedoch nicht mehr für die Medien. Ich bin ja seit einigen Jahren pensioniert. In der jüngsten Vergangenheit habe ich viel Zeit damit verbracht, den Schrift­ steller und Dichter Hans Chris­ tian Andersen zu porträtieren. Ein Karikaturist hört mit seinen Arbeiten nie auf. Sie sprechen von einem «fast normalen Leben». Was heisst das im Detail? Eigentlich kann ich alles machen. Klar, ich muss mich mit den Sicherheitsleuten abspre­ chen, bevor ich etwas unterneh­ me. Aber ich kann beispielsweise ins Ausland reisen und war vor

einigen Jahren auch in der Schweiz. Dort verkaufte ich über eine Galerie einige meiner Zeichnungen. Den Erlös spendeten wir einer Schule auf Haiti sowie einem Fussballclub in Ghana. Insgesamt sind rund 400 000 Dänische Kronen zusammengekommen (rund 58 410 Franken). Welche Beziehung haben Sie heute zum Islam? Ich habe mit der Religion kein Problem. Aber ich habe ein Problem damit, wenn eine Reli­ gion die Demokratie nicht aner­ kennt. Ich kenne nur wenige Muslime. Viele wollen sich nicht mit mir unterhalten. Ich halte mich da gern an den alten deut­ schen Humoristen Otto Julius Biermann. Er sagte: «Humor ist, wenn man trotzdem lacht.» MM

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Parallelgesellschaften statt Integration? Weitere Vorurteile:

Pro und Contra

Sind die Ängste berechtigt?

Vorurteile gegenüber Muslimen und die Furcht vor kultureller Unterwanderung sind auch in der Schweiz weit verbreitet. Wir haben vier Experten mit typischen Aussagen von Islamgegnern konfrontiert. Bei ihren Einschätzungen sind sie sich nicht immer einig. Aufgezeichnet von: Ralf Kaminski

Zu den Personen

Elham Manea (49) ist eine in

Sakib Halilovic (49) ist Imam des

Lukas Reimann (32) ist SVP-

Nationalrat und engagiert sich unter anderem stark bei islamischen Themen.

islamisch-bosnischen Zentrums in Schlieren ZH. Er wurde in Bosnien geboren und ausgebildet, studierte später auch in der Schweiz und ist längst Schweizer.

Julia Onken (73)

ist Autorin, Feministin und der Ansicht, dass Frauen im Islam systematisch unterdrückt werden.

z. B. Alfred Locker: «Weltgefahr Islam» auf Neue-ordnung.at

Elham Manea, jemenitisch-schweizerische Politologin: Wie andere Religionen hat auch der Islam eine friedliche und eine gewalttätige Seite. Es sind zwei Gruppen, die den Kampf der Zivili­ sationen fördern: xeno­ phobe Kräfte und islami­ sche Fundamentalisten. Wir müssen beiden entgegentreten.

Imam Sakib Halilovic: Der Islam ist keine Kriegsreligion. In seinen Grundsätzen steht, dass alle Menschen gleich sind an Würde, Pflichten und Verantwortung; und das ohne Ansehen von Rasse, Hautfarbe, Sprache, Geschlecht, Religion, politischer Einstellung, sozialem Status oder anderen Gründen.

Je mehr Muslime im Land sind, desto höher das Risiko, dass der Terror auch uns erreicht.

z. B. Hans Fehr: «Toleranz gegenüber Intoleranten?» auf Hans-fehr.ch

Elham Manea: Dieses Risiko würde nur dann steigen, wenn wir dem politischen Islam und dessen radikaler Inter­ pretation erlaubten, sich hier festzusetzen und in der muslimischen Ge­ meinschaft zu verbreiten. Umso wichtiger ist es, dass wir dieser Ideologie und Interpretation des Islams die Stirn bieten.

Sakib Halilovic: Man muss doch vor Menschen keine Angst haben, denen ihre Religion sogar vor­ schreibt, zu den Tieren freundlich zu sein, wie in einer von vielen Aussa­ gen des Propheten steht: «Eine Frau wurde be­ SVP-Nationalrat Lukas straft, weil sie eine Katze Reimann: Wir müssen einsperrte, bis diese differenzieren: Nicht der starb. Aus diesem Grund Islam an sich ist auf wurde sie in die Hölle Eroberung aus. Viele isla­ verbannt. Als sie die mische Strömungen sind Katze einsperrte, gab sie – genau wie wir – auf ein ihr kein Futter oder Was­ gemeinsames Miteinan­ ser, noch liess sie sie frei, der und auf Fortschritt damit sie die Insekten aus. Aber leider werden der Erde fressen konnte.» radikale Strömungen, die auf Eroberung aus sind Lukas Reimann: Nicht und den Kulturkampf mit jedem Muslim, anheizen, immer stärker. der einwandert, steigt die Terrorgefahr. Aber Julia Onken, Autorin Kontrollen und Überprü­ und Feministin: Welt­ fungen bei der Einwan­ weit leben mehr als eine derung sind schwierig. Milliarde friedlicher Grösste Gefahr droht Moslems, die mit dem durch radikalisierte politischen Islam nichts Konvertiten und Rück­ zu tun haben. Es sind kehrer aus Terrorcamps. wenige religiöse Funda­ mentalisten, die sich Julia Onken: Der Terror auf den Islam beziehen ist längst bei uns angeund es auf die kriegeri­ kommen. Es genügen sche Eroberung der Welt einige wenige Terroristen, abgesehen haben. um uns alle zu bedrohen.

Bilder: Urs Jaudas/Tages -Anzeiger (1), PD (3)

Migrosmagazin.ch

Ägypten geborene jemenitischschweizerische Politologin und Autorin. Sie lehrt am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich.

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Der Islam ist eine Kriegsreligion und auf Eroberung aus. Wir befinden uns schon jetzt in einem Kulturkampf. 


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Der Islam unterdrückt die Frau, etwa mit Kopf üchern und Burkas. Deshalb sollten diese verboten werden.

z. B. «Imperialismus unterm Schleier» auf Sueddeutsche.de

Elham Manea: Es gibt verschiedene Gründe, weshalb Frauen und Mädchen heute Kopftuch tragen. Anders sieht es bei der Burka aus – die ist nicht vereinbar damit, wie selbstbestimmte und gleichwertige Menschen miteinander kommunizieren. Die Frage ist allerdings, wie ein Burkaverbot durch­ gesetzt werden könnte. Sakib Halilovic: Nicht der Islam, sondern Staat und Gesellschaft unter­ drücken die Frauen, die Kopftuch tragen, wenn sie ihnen mit einem Ver­ bot das Recht auf Schu­ lung oder Arbeit nicht gewähren und sie damit ungleich behandeln. Lukas Reimann: Nicht mit Kopftüchern, aber mit Burkas: Diese stellen ein mobiles Gefängnis dar. Hinzu kommt, dass das Tragen einer Burka jegliche Integration verunmöglicht. Wenn ich in einem muslimischen Land bin, trage ich auch keine Badeschlappen und kurze Hosen. Julia Onken: Das Kopf­ tuch ist kein religiöses Symbol, sondern ein politisches Zeichen. Der politische, fundamenta­ listische Islam bezieht sich auf ein Menschen­ bild, das dem Mann das Recht gibt, über die Frau zu bestimmen. Das Tragen eines Kopftuchs impliziert deshalb das Einverständnis mit dem politischen Islam und ist für die westliche Gesell­ schaft eine Provokation. Oft ist das Kopftuch ein Garant für Sozialhilfe. Wer an einer wahrhafti­ gen Integration interes­ siert ist, muss sich für ein Verbot aussprechen.

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Die Scharia könnte bald Teil unseres Rechtssystems sein.

z. B. «Scharia-Recht gilt auch in der Schweiz» auf Schweizerzeit.ch

Elham Manea: Ich habe diese Entwicklung in Grossbritannien wissen­ schaftlich untersucht. Und ich weiss, dass es auch hier Leute gibt, die sich dafür aussprechen, gewisse Aspekte der isla­ mischen Gesetzgebung für die Regelung von Familienangelegenheiten muslimischer Migranten einzuführen. Das jedoch wäre inakzeptabler kultureller Relativismus, weil es die Gleichberech­ tigung von Mann und Frau verletzt. Wir müssen deshalb konsequent für das Prinzip «ein Gesetz für alle» einstehen. Sakib Halilovic: Ach was, es gibt keine muslimische Institution oder politi­ sche Partei, die das Scharia­Rechtssystem fördert oder als politi­ sches Ziel anstrebt. Lukas Reimann: Ein solches Szenario ist – solange wir die direkte Demokratie aufrechter­ halten – undenkbar. Dazu bräuchte es eine Verfassungsänderung und die Ausschaltung zahlreicher verfassungs­ mässig garantierter Freiheits­ und Grund­ rechte. Das findet im Schweizer Volk zum Glück keine Mehrheit. Julia Onken: Nein, falls die Politik noch rechtzeitig aus dem Winterschlaf aufwacht und beherzt und mutig Stellung bezieht!

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Medien und «die Elite» verharmlosen und beschwichtigen, weil sie nicht als fremden­ feindlich dastehen wollen. Damit machen sie sich zu Komplizen der Islamisten.

z. B. «Salafismus: Oder die Verharmlosung des Islam» auf Board.gulli.com

Elham Manea: Ich bin tatsächlich oft enttäuscht über die Zurückhaltung der «progressiven» Elite, die universalen Werte und Menschenrechte zu verteidigen, wenn es um religiöse Minderheiten geht. Ob beabsichtigt oder nicht: Die Botschaft, die darin mitschwingt, lautet, Menschenrechte sind eine Errungenschaft des Westens, reserviert für Westler. Das spielt den Islamisten in die Hände. Sakib Halilovic: Das ist die verquere Logik von denen, die eigene Bürge­ rinnen und Bürger wegen ihrer Religion, Herkunft, Hautfarbe stigmatisieren und diskriminieren. Lukas Reimann: Islami­ sierungskritiker wurden über Jahre als Spinner und Verschwörungs­ theoretiker von Medien und Eliten verunglimpft. Vorfälle wie die Morde in Paris oder Kopenhagen haben aber dazu geführt, dass die Problematik von einem Teil der Medien seriös und ernsthaft dis­ kutiert wird. Diese De­ batte ist enorm wichtig. Julia Onken: Nicht die Medien sind für die Verharmlosung verantwortlich, sondern die Politik. Vor allem linke Parteien wittern bei kritischen Äusserungen stets Rassismus und schlachten dies partei­ politisch aus. Wer die Unterdrückung der Frau unter dem Titel der Glau­ bensfreiheit legitimiert, macht sich zum Kom­ plizen der Islamisten.

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Der Islam hat die Auflärung nicht durch­ gemacht, deshalb ist er rückständig, gewalt tätig und mit unseren Gesellschafen nicht kompatibel.

z. B. Heinz Theisen «Im Kampf um die Zivilisation» auf Tagesspiegel.de

Elham Manea: Ich bin überzeugt, dass der Islam als Religion eine Reformation braucht, und es gibt Zeichen in der arabischen Welt, dass ein solcher Prozess beginnen könnte. Wir tragen aller­ dings nichts dazu bei, wenn wir jeden musli­ mischen Mitbürger auf seine religiöse Identität reduzieren, auch wenn er mit dem politischen Islam nichts am Hut hat. Sakib Halilovic: Unter dem Mantel der Auf­ klärung passieren in der Realität oft Neokolonia­ lismus und Neokapitalis­ mus. Wenn die westliche Aufklärung per se menschlichen Fortschritt bedeuten würde, wie erklärt man, dass wir danach zwei barbarische Weltkriege und den Ho­ locaust auf europäischem Boden erlebt haben? Lukas Reimann: Sobald der Islam strikt ausgelegt wird, ist er mit unserer liberalen Gesellschaft nicht kompatibel. Allein die Todesstrafe und die Unterdrückung der Frau zeigen, wie rückständig Teile von islamischen Strömungen sind. Julia Onken: Die Ideen der Aufklärung standen für sehr lange Zeit in keinem Widerspruch zum Islam. Erst seit 1970 bilden sich mit dem islamischen Fundamen­ talismus Gegenkräfte.

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Angesichts der starken Einwanderung wird Europa in 20 bis 30 Jah­ ren von den Muslimen dominiert sein.

z. B. Benjamin Hämmerle «Übernehmen Islamisten bald die Macht in der Schweiz?» auf Politblog.tagesanzeiger.ch

Elham Manea: Ich habe bisher keine ernst zu nehmenden Statistiken gesehen, die diese Be­ hauptung unterstützen. Aber selbst wenn: Es wäre nur dann ein Problem, wenn wir Einwanderer weiterhin auf ihre religi­ öse Identität reduzieren. Integration bedingt, Konzepte wie Bürgersinn und Verantwortungs­ bewusstsein sowie gemeinsame Werte und Normen zu verankern. Sakib Halilovic: Abso­ luter Unsinn! Lukas Reimann: Diese Entwicklung ist klar erkennbar. Die Politik ist gefordert. Bereits heute werden etliche Stadtteile in Europa weitgehend von Muslimen kontrolliert. Zur starken Einwanderung hinzu kommt, dass muslimi­ sche Familien 5 bis 6 Kinder grossziehen, während Schweizerinnen und Schweizer im Schnitt 1,3 Kinder haben. Julia Onken: Der Rück­ blick in die Geschichte zeigt gegensätzliche Szenarien. Der Unter­ gang des Römischen Reichs wird unterschied­ lichen Einflüssen zuge­ schrieben, darunter der Völkerwanderung, als die Menschen vor Krieg, Not und Elend flohen. Ein Rückblick in unsere jüngste Geschichte zeigt indessen eine geglückte Integrationsleistung auf beiden Seiten. Italiener, Spanier und andere Ein­ wanderer haben sich hervorragend integriert. Das sollte auch mit den Muslimen gelingen. MM


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Porträt

Ylfete Fanaj (33) SP-Kantonsrätin Luzern und Integrationsbeauftragte im Kanton Nidwalden

«Eine Muslima ist für viele eine unterdrückte Frau, die man retten muss.» Ylfete Fanaj

«Ich kam im Alter von neun Jahren aus dem

Kosovo in die Schweiz. Was ich mit der Religion in Verbindung bringe, habe ich von meiner Mutter gelernt. Situa­ tionsbedingte Stoss­ gebete zum Beispiel, die mich im Alltag beglei­ ten. Ich bin gläubig, aber nicht religiös, und ich mache auch keinen Ra­ madan. Zum ersten Mal in einer Moschee war ich mit 24, als Touristin während eines Sprach­ aufenthalts in Irland.

Ich fühle mich nicht diskriminiert. Was

mich jedoch beschäf­ tigt, sind die zum Teil sehr festgefahrenen Bilder, welche die Leute gegenüber dem Islam haben. Eine Muslima ist für viele eine unter­ drückte Frau, die man retten muss. Eine Freundin, die sich für das Kopftuch entschie­ den hat, wurde von den Nachbarn von einem Tag auf den anderen nicht mehr gegrüsst. Andere staunten, dass sie noch Velo fährt oder wandern geht.

Bild: Daniel Auf der Mauer

Wer kollektive Ablehnung spürt, flüchtet

sich eher in den eigenen Kulturkreis, integriert sich nicht. Gerade Jugendliche, die sich in der Pubertät in einer schwierigen Phase befinden, reagieren stark auf Zurück­ weisung. Sie werden damit in eine Rolle gedrängt, die sie gar nicht wollen – und das macht sie im schlimms­ ten Fall vielleicht sogar empfänglich für ex­ tremes Gedankengut.» Aufgezeichnet von: Andrea Freiermuth


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«Wer in der Schweiz arbeitet und sein Einkommen hat, wird kein Islamist» Interview

Das Problem ist nicht der Islam, sagt der Ethnologe und Islamexperte Thomas Hüsken. Es sind die mangelnden Perspektiven der Menschen im Nahen Osten und gewisser Migranten in Europa. Ein Gespräch über Ängste, Ursachen und Lösungsmöglichkeiten. Text: Ralf Kaminski, Reto E. Wild Bilder: Samuel Trümpy


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Islamexperte Thomas Hüsken spricht fliessend Arabisch. Er reist regelmässig durch Nordafrika und den Nahen Osten.


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Thomas Hüsken, wohl niemand hat in den letzten Jahren mehr Anschläge verübt als Muslime, die sich auf den Islam berufen. Woher kommt diese Wut? Oft wird argumentiert, das hänge mit der Religion zusammen oder sei kulturell in den Leuten verwurzelt. Aus ethnologischer Perspektive sieht es anders aus: Die Hintergründe liegen in sozialer Benachteiligung, Armut sowie mangelnden Teilnahme­ möglichkeiten an der Gesell­ schaft, in der diese Menschen leben. Die Biografien der Atten­ täter sind eindeutig: Sie pendeln fast ausnahmslos zwischen Jugendbanden, Kriminalität und Islamismus hin und her. Im Fall von «Charlie Hebdo» stammten die Attentäter aus der Banlieue von Paris. Wenn Sie da mal waren, wissen Sie, was los ist.

Nämlich? Kriminalität, Arbeitslosigkeit, mangelnde Bildung, keinerlei Aufstiegsmöglichkeiten. All die Werte, die in der Verarbeitung dieses Attentats so betont wurden – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit –, gelten eben genau für diese Leute nicht. Das ist der Hauptgrund für die Wut und die Gewaltbereitschaft. Mit der religiösen oder kulturellen Identität hat das nichts zu tun. Dennoch berufen sich die Attentäter immer auf den Islam. Wieso eignet sich dieser so gut als Rechtfertigung für Mord und Gewalt? Jede der Offenbarungsreligionen eignet sich, um Gewalt gegen andere zu rechtfertigen. Bei christlichen Fundamentalisten in den USA spielen im Prinzip

die gleichen Mechanismen. Es kommt bei jedem religiösen Text auf die Lesart und die Kontex­ tualisierung an. Einige muslimi­ sche Prediger vertreten eine politisch radikale Interpretation, die teilweise auch Gewalt befür­ wortet und ein dschihadistisches Milieu unter den Jugendlichen mitgeschaffen hat. Das Problem ist nicht die Religion an sich, es sind die Politisierungen, die zu allen Zeiten bei allen Religio­ nen immer wieder vorgekom­ men sind. Ganz wichtig ist: Dahinter stecken konkrete Ak­ teure, die man benennen kann. In der Schweiz, in Deutschland und in vielen Ländern Europas haben wir uns um diese Leute 30 Jahre lang nicht gekümmert. Der Staat hat nicht hingeguckt. Das erst hat diese Entwicklung ermöglicht. Das heisst nicht,

dass es beim islamischen Klerus keinen Reformbedarf gibt, dass eine Modernisierung nicht nötig wäre. Aber die alleinige Fokussierung auf die Hass­ prediger hilft niemandem weiter. Was passiert mit unserer west­ lichen Gesellschaft, wenn sie mit anderen starken Kulturen wie jener der Muslime kon­ frontiert wird – wie dämpfen wir negative Effekte? Die Muslime, die zu uns kom­ men, stammen weder alle aus demselben Land noch haben alle die gleiche Kultur. Weil sie uns aber fremder erscheinen als Deutsche oder Italiener, neigen wir dazu, sie zu homogenisieren und als kulturell einheitlichen Block wahrzunehmen. Das sind sie aber nicht. Wichtig ist eine aktive Einwanderungspolitik –

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«Wir tun den Radikalen einen grossen Gefallen, wenn wir pausenlos über sie sprechen», sagt Thomas Hüsken.

und da hat die Schweiz vieles besser gemacht als etwa Deutschland. Es braucht die richtige Bildungs­ und Sozial­ politik, um die Einwanderer einzubinden, damit sie Teil der Gesellschaft werden können. Wie macht man das? Man braucht Sozialarbeiter, die aktiv in diese Gemeinschaf­ ten reingehen, auch im religiö­ sen Bereich. Schon in den 90er­Jahren sagte der syrisch­ stämmige Politologe Bassam Tibi, man habe in Deutschland eine Chance, so was wie einen Euro­Islam zu gründen – also einen Islam, der moderner und toleranter ist und auch eine Strahlkraft für Muslime in der ganzen Welt entwickeln könnte. Diese Chance haben wir bisher leider verpasst. Umso dringender müsste man jetzt zum Beispiel Imame an Schweizer Universitäten ausbilden. So etabliert man einen Klerus, der an unseren demokratischen Werten orien­ tiert ist. Zudem muss man sicherstellen, dass die Kinder zur Schule gehen und ins Berufsleben starten können. Wer in der Schweiz arbeitet und sein Einkommen hat, wird kein Islamist. Der fühlt sich angenommen und befürwortet die Gesellschaft, in der er lebt. Und was macht die Schweiz besser als andere? Gerade im schulischen Bereich war man schon deutlich früher sensibel für Einwandererkin­

als Folge von Biotinmangel.

der. Die Sprache ist der Schlüs­ sel, ohne Sprache kein Bildungserfolg. Das hat etwa Deutschland lange verschlafen. Generell scheint die Schweiz fremde kulturelle Strömungen erfolgreicher zu integrieren als andere europäische Staaten. Die Schweiz bestand immer aus unterschiedlichen Sprach­ gruppen und Kulturräumen. Sie hat früh gelernt, mit Viel­ falt umzugehen und das Land so zu organisieren, dass es vernünftig funktioniert. Auf diesem Fundament kann sie im Umgang mit Einwanderern aufbauen. Hinzu kommt, dass es ihr seit langem ökono­ misch gut geht. Ein gut ausge­ bildeter Zuwanderer kann sich relativ schnell einen Zugang zur Gesellschaft organisieren. Worin liegt die Herausforde­ rung bei den Muslimen? Es sind dieselben Mechanis­ men, die Muslime brauchen keine Sonderbehandlung. Schaut man sich an, unter welchen Bedingungen sich eine gut integrierte muslimische Mittelschicht in Europa bildet, sind die Erfolgsfaktoren exakt die gleichen: Beide Seiten müssen sich bemühen. Der Staat muss Geld in die Hand nehmen, um Leute einzustel­ len, die an der Integration arbeiten – besonders dort, wo wir es mit nicht privilegier­ ten Migranten zu tun haben. Aber das Gleiche gilt bei armen christlichen Einwanderern.

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Wäre es auch wichtig, dass wir aufhören, von «den» Muslimen zu sprechen, und stattdessen von Bosniern und Ägyptern? Auf jeden Fall. Religion und Kultur sind in diesen Ländern völlig unterschiedlich – und im Irak ist es wieder anders. Wir sollten die Muslime nicht pauschal zu Islamrobotern stili­ sieren, das hat negative Effekte auf jene, die bereits integriert sind. Gerade sie könnten stärker positiv in ihren Gemeinschaften aktiv werden, aber wenn sie sich stigmatisiert fühlen, ziehen sie sich eher zurück. Das passiert? Oh ja. Unter den Muslimen, mit denen ich arbeite und befreun­ det bin, gibt es ein starkes Ge­ fühl von Stigmatisierung. Allein wenn sie ein bisschen arabisch

aussehen oder einen solchen Namen tragen erleben sie Ablehnung und Zurücksetzung – auch wenn sie nur als Tourist hier sind. Die Vorstellung vom gewalttätigen Islam hat sich in vielen Köpfen etabliert. Deshalb ist es wichtig, etwas gegen dieses Klischee zu unternehmen. Dabei sind die Anschläge wenig hilfreich. Keine Frage. Diese Attentate sind fürchterlich. Aber es sind Ausnahmen. Und man muss sich hüten, daraus den Schluss zu ziehen, alle Muslime wären so oder das stecke im Islam so drin. Am meisten haben Muslime unter der Gewalt zu leiden: Sie fallen ihr am häufigsten zum Opfer – sei es im Nahen Osten oder in den Banlieues von Paris.

Einige Leute hier reagieren mit Überfremdungsängsten. Wer neigt eher dazu, wer weniger? Mir scheint, es sind vor allem die unteren Mittelschichten, die durch die Globalisierung und wegen der stärkeren Kon­ kurrenz unter wirtschaftlichen Druck geraten sind. Sie haben Angst vor dem Abstieg, auch dem Abstieg ihrer Kinder. So entsteht die Basis für viele ressentimentgeladene Gefühle, die von rechtspopulistischen Parteien rege genutzt werden. Hat die Zahl der fremdenfeind­ lichen Menschen zugenommen? Der Umgang mit Fremdheit ist für jede Gemeinschaft immer eine Herausforderung. Und das, obwohl die Präsenz von Frem­ den, historisch gesehen, eher die Regel als die Ausnahme ist. Auch

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Konflikte wegen Migrations­ bewegungen gab es schon im­ mer. Natürlich kommen heute mehr und andersartigere Menschen in unsere Länder als früher – das ist eine zusätzliche Herausforderung. Aus meiner Sicht haben die rechtspopulis­ tischen Parteien in den letzten zehn, fünfzehn Jahren stark zu einer Zuspitzung beigetragen. Paradox ist, dass diese Parteien meist auch neoliberale Konzepte befürworten, damit also eigent­ lich jene kleinen Leute wirt­ schaftlich angreifen, von denen sie in der Regel gewählt werden. Wieso neigen wir dazu, die ne­ gativen Effekte von Migration stärker wahrzunehmen und die positiven eher zu ignorieren? Die vermeintlich negativen Aspekte von Migration werden


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Einige Leute haben eine Anti­Muslim­Obsession ent­ wickelt, obwohl sie sonst nicht zu Fremdenhass neigen. Wie erklären Sie sich das? Ja, solche Leute kenne ich auch. Man muss ihre Ängste ernst nehmen, aber man sollte auch unbedingt dagegenhal­ ten. Sie projizieren Dinge auf Muslime, die nichts mit ihnen zu tun haben. Bei anderen er­ kennen sie solche Projektionen meist, aber hier nicht. Und der öffentliche Diskurs macht es ihnen leicht, diese Position zu vertreten. Dennoch sind die Radikalen eine kleine Minderheit. Eine laute, aktive Minderheit, ja, aber es sind nicht «die Muslime». Das muss man immer wieder fest­ halten und denjenigen, die Muslime pauschal kritisieren, deutlich sagen, dass sie damit in rassistischen Stereotypen hängen bleiben. Sie mögen sich so vielleicht gut fühlen, aber es führt gesellschaftlich über­ haupt nicht weiter. Aber in England und Frank­ reich gibt es offenbar Gebiete, wo Muslime systematisch Leute zurechtweisen, die sich nicht islamischen Regeln ge­ mäss verhalten. Das ist eine beunruhigende Entwicklung. Das mag es tatsächlich irgend­ wo mal gegeben haben, aber durch die mediale Weiterver­ breitung und die Diskussionen darüber entsteht sofort der Eindruck: Das passiert täglich! An immer mehr Orten! Bald übernimmt uns der Islam! Und das ist Unsinn. Auch bei diesen Geschichten handelt es sich um Einzelfälle. Die sind

unerfreulich, keine Frage. Zur Integration gehört, dass sich die Einwanderer an die hier etablierten Regeln halten, nicht umgekehrt. In England und Frankreich hat man zu lange nichts gemacht, da ist tatsächlich einiges aus dem Ruder gelaufen. Aber in der Schweiz muss man vor solchen Entwicklungen keine Angst haben – und schon gar nicht vor einer Übernahme durch den Islam. Es gibt keine zentrale Steuerung, keinen Akteur, der das anstrebt.

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Aber die Fronten zwischen der westlichen und der islamischen Welt scheinen sich zu verhärten. Wichtig ist: Der «Islamische Staat» (IS) richtet sich als Erstes gegen die Muslime in der Region und erst als Zweites ge­ gen den Westen. Und die militä­ rische Koalition gegen den IS ist zwar sehr breit, aber Länder wie Saudi­Arabien oder Katar un­ terstützen hintenrum Islamis­ tengruppen finanziell. So läuft die internationale Politik: Es ist ein schmutziges Geschäft, das wissen alle. Trotzdem müssen wir mit diesen Leuten arbeiten. Erschwerend kommt hinzu, dass in vielen dieser Länder das Mass an Ungerechtigkeit und Ungleichheit enorm ist. Wo sehen Sie Lösungsansätze? Wir müssen alles dafür tun, dass die Menschen in jenen Ländern ein besseres Leben und mehr politische Teilhabe erhalten. Dort müssen wir ansetzen, statt zu polemisieren und vom Kampf der Zivilisa­ tionen zu orakeln. Den gibt es nicht? Nein. Aber wir müssen uns mit den Krisen auseinander­ setzen und mit den gemässig­ ten Gruppen zusammen­ arbeiten, um zu verhindern, dass die Radikalisierung weiter fortschreitet. Klar ist auch: Die einfache Lösung, die dafür sorgt, dass nächstes Jahr alles wieder gut ist, existiert nicht. Dafür ist die Lage viel zu kom­ plex. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass wir in einer Welt der Konflikte und gewalt­

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immer dann ein Thema, wenn eigentlich andere gesellschaft­ liche Probleme vorliegen. Im Kontext von Angst wird der Fremde schnell zum Sünden­ bock. Im Fall der Muslime kommen die tägliche Bericht­ erstattung über Gewalt im Nahen Osten, die Hassprediger und die dschihadistischen Jugendlichen hinzu. Alle relevanten Studien belegen jedoch den positiven Effekt von Migration für die Einwan­ derungsgesellschaft.

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samen Auseinandersetzung leben. Umso wichtiger ist das europäische Projekt und der Erhalt der demokratischen Errungenschaften, damit unsere Gesellschaften sich nicht selbst durch einen überbordenden Kampf gegen den Terror in eine weniger liberale und weltoffene Richtung entwickeln. War es ein Fehler, Diktatoren wie Saddam Hussein im Irak und Muammar al­Gaddafi in Libyen zu beseitigen? Es gibt kein Argument für Dikta­ toren, die Leute unterdrücken und verschwinden lassen. Der Arabische Frühling war ein ge­ nuin arabischer Aufstand gegen diese menschenverachtenden Herrscher, und zwar unter Berufung auf genau jene Werte, die auch uns in Europa wichtig sind. Daran sieht man, dass diese Werte längst globalisiert sind. Libyen habe ich selbst erlebt, ich war dort, als die Nato­ Jets kamen, und es war eine gute Sache, dass Gaddafi gestürzt wurde. Ihn am Ruder zu halten, wäre vermutlich einfacher gewesen für uns, aber keinesfalls besser für die Menschen dort. Bisher lief es so, dass nach je­ der besiegten Gruppe bald eine nächste auftauchte, die noch ein bisschen schlimmer war. In letzter Zeit war das tatsäch­ lich so. Aber es passiert halt auch etwas richtig Grosses: Im Nahen

Osten bricht gerade die post­ koloniale Ordnung zusammen und wird neu ausgehandelt. Er wird noch für lange Zeit eine sehr konfliktbeladene Region sein, und eine dauerhafte Friedenslösung entsteht nicht aus Militärschlägen. Das Aus­ handeln der neuen Ordnung wird uns die nächsten 20, 30 Jahre begleiten. Solange wird die Region sehr volatil und gewalttätig bleiben. Wir dürfen nicht vergessen, dass Friedens­ ordnungen, wie wir sie bei uns haben, historische Ausnahmen sind – auch in Europa. Denken Sie an die beiden Weltkriege zurück, die massiv mehr Tote gefordert haben als alles, was derzeit im Nahen Osten passiert. Was können wir tun? Der wichtigste Beitrag ist Diplo­ matie: zu versuchen, die Leute an einen Tisch zu bringen. Immer und immer wieder. Ihnen klarmachen, dass dieser Weg sie langfristig eher ihren Zielen näher bringt als die Ge­ walt. Eine schwierige Aufgabe, die viel Geduld benötigt. Es gibt keine einfachen und raschen Lösungen, die gab es auch in unserer eigenen Geschichte nie. Sehen Sie auch positive Entwicklungen in der musli­ mischen Welt? Der Arabische Frühling war ein überwältigender Beweis, dass die Menschen im Nahen und

Mittleren Osten aus sich selbst heraus Reformen und Verände­ rungen wollen. Dass sie auch zur globalen Wertegemeinschaft gehören möchten. Diese Revolu­ tionäre sind alle noch da, aber sie kämpfen vielerorts mit einem konservativen Backlash. Dennoch sind das die Leute, mit denen wir arbeiten und die wir stark machen müssen. Wie tun wir das? Indem wir sie mit Stipendien­ programmen hierher holen, sie ausbilden, die entsprechenden NGOs unterstützen, einen intensiven kulturellen und wirtschaftlichen Dialog führen. Wichtig wäre auch politischer

Zur Person

Ethnologe und Islamexperte Thomas Hüsken (48) ist

Oberassistent am Ethnologi­ schen Seminar der Univer­ sität Luzern und spezialisiert auf Libyen und Ägypten. Er spricht fliessend Arabisch und lebt seit zwei Jahren in der Schweiz, zuerst als Gast­ professor an der Universität Zürich. Seine Frau und die elfjährige Tochter woh­ nen noch in Nürnberg, weshalb der Deutsche regel­ mässig hin und her pendelt.

Druck, um die Einhaltung von Menschenrechten prononciert einzufordern. Es würde schon helfen, mehr über diese Leute zu sprechen statt über die Islamis­ ten. Wir tun den Radikalen einen grossen Gefallen, wenn wir pausenlos über sie reden, weil wir sie damit zu legitimen Sprechern für eine Weltreligi­ on oder für ganze Regionen ma­ chen. Das sind sie aber nicht. Kamen Sie auf Ihren Reisen nie in Gefahr? Doch, im libyschen Bürgerkrieg. Ich war nie in einem Gefecht, das habe ich den Journalisten überlassen, die ich damals vor Ort beraten habe. Aber ich hatte mit islamistischen Milizen zu tun, mit Leuten, die Gewalt erlebt und ausgeübt haben. Ein Mal wurde ich unterwegs mit vorgehaltener Waffe gestoppt. In solchen Situationen ziehe ich mich immer sofort zurück. Trotzdem gehen Sie wieder? Ja, klar, dieses Jahr ist geplant, via Ägypten über die Grenze nach Libyen zu kommen. Was sagt Ihre Familie dazu? Ägypten ist für sie nie ein Prob­ lem. Während des Bürgerkriegs in Libyen habe ich allerdings nicht immer so genau gesagt, wo ich war. Aber meine Frau weiss, dass ich gewisse Situatio­ nen vermeide. Ich bin kein Gefahrensucher. MM

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DOSSIER ISLAM | MM38, 14.9.2015 | 31

Porträt

Esther Fouzi (51) Konvertitin, Religions-lehrerin und Autorin des Buchs «Für ein besseres Miteinander» «Meine Konversion liegt lange zurück: 1983. In jener Zeit war

der Islam noch kein Reizwort. Als meine Entscheidung vier Jahre später durch das Tragen des Kopftuchs sichtbar wurde, erntete ich im besten Fall Komplimente für mein gutes Deutsch und im schlimmsten Fall mitleidige Blicke. Dann aber kam der 11. September 2001.

Seither spüre ich etwas anderes in den Blicken: Misstrauen, Hass, Abscheu. Heute werden wir Muslime kollektiv für den Terror verant­ wortlich gemacht. Viele denken: Islam und Muslime gleich gefähr­ lich. Dabei hat mein Glaube nichts mit die­ sen Terroristen zu tun. Klar: Es gibt sie, die Anschläge im Namen des Islams. Aber die

«Die Mehrheit der Moslems will einfach nur friedlich leben und arbeiten.» Esther Fouzi

Mehrheit der Muslime will einfach friedlich leben und arbeiten. Meist sorgen jedoch nur jene für Schlag­ zeilen, die kriminell und gewalttätig sind. In ihrem Windschatten treten sogenannte Experten auf, welche die Gewalt als einen dem Islam innewohnenden Faktor bezeichnen.

Bild: Daniel Auf der Mauer

Ich finde es wichtig, dass wir unsere Ängste abbauen, indem wir

miteinander reden, auf Gemeinsamkeiten bau­­ en und mit Unterschie­ den gelassener um­ gehen. Was wir ändern könnten und sollten auf beiden Seiten, darüber habe ich in meinem Buch geschrieben.» Aufgezeichnet von: Andrea Freiermuth

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