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Denn ewig gr체nen die W채lder


Denn ewig gr체nen die W채lder Pois as Florestas s찾o sempre verdes Martin Scherag


Gewidmet meinen Opa Gustav Gehrmann


Denn ewig grünen die Wälder Deutsch-Brasilianos auf der Rua Testo Alto   /   Pomerode 

60 Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland setzt sich die Arbeit mit der Identität deutschstämmiger Brasilianer auseinander. „Denn ewig grünen die Wälder“ ist zugleich auch der Titel von Reiseberichten meines Großvaters Gustav Gehrmann, der mit drei Geschwistern vor 85 Jahren nach Brasilien emigrierte. Die multimediale Spurensuche ist eine Reportage und nähert sich in Form von dokumentarischer Fotografie und Audio-Interviews den deutschstämmigen Bewohnern der Rua Testo Alto, eines der erstbesiedelten Wege, die ins Hochland führen. Im Zentrum der Dokumentation steht die Fragestellung, welche Vorstellung die Deutsch-Brasilianos mit ihren Vorfahren und ihrer deutschen Heimat verbinden.


Deutschland anno 1920

Deutschland anno 1857

Deutschland anno 1970

Hamburg

Bremerhaven Amsterdam Calais

Frankfurt am Main

Lissabon

Teneriffa

Brasilien

Rio de Janeiros Sao Paulo / Santos (Bra)

Sao Fransisco do Sul (Bra) Pomerode

Auswanderungen von Deutschland nach Brasilien 1857, 1920 und ab 1970 Segelschiff

|

Dampfschiff | Flugzeug

1857 | 122 Tage 1923 | 28 Tage

| ab 1970 | 12 Stunden


Vale do Itajaí Das Itajai-Tal und Dr. Blumenau

nes Land und eine selbst bestimmte Arbeit und Konfession besonders verlockend war.

Die Geschichte von Pomerode ist eng verbunden mit der Stadt Blumenau, welche ihren Namen dem deutschen Dr. Hermann Otto Bruno Blumenau verdankt, der 1850 mit 17 deutschen Familien als Siedler nach Südbrasilien ins Itajai-Tal kam.

Die Menschen aus Pommern kamen in das Rio del Testo Tal, in der Nähe der Kolonie Blumenau, und nannten diesen Ort in Gedenken an ihre Heimat und an die Strapazen bei der Abrodung des Urwaldes Pomerode. Für die erste Siedlergeneration war das Leben sehr hart. Weil die Gebiete abseits der Küste nur schlecht in die bestehende Infrastruktur eingegliedert waren, suchten die Auswanderer strategisch günstige Orte um neue Kolonien zu errichten; etwa in der Nähe größerer Flüsse. Das Wasser wurde für die Bewirtschaftung der Felder verwendet und die produzierten Güter konnten anschließend kostengünstig verschifft werden. Die Seitentäler wurden besiedelt, Straßen mussten gebaut werden, und es wurde eine direkte Verbindung zwischen Hochland und Küste geschaffen.

Zu der Zeit war Süd-Brasilien dünn besiedelt, sodass die Gefahr einer ausländischen Besatzung durch die Nachbarstaaten akut war. Die Gemahlin des brasilianischen Kaisers Dom Pedro I, Dona Leopoldina – Tochter des Kaisers Franz I. von Österreich – förderte nachhaltig die Auswanderung von Menschen aus den verschiedenen Gebieten deutscher Sprache Mitteleuropas. Diese Auswanderung war ein bedeutender Beitrag für die Verteidigung und die Festigung der südlichen Grenzen des Kaiserreiches Brasilien und sollte zusätzlich den durch den Zusammenbruch der Sklaverei entstandenen Mangel an Arbeitskräften kompensieren. Die deutschen Einwanderer gründeten Kolonien und ließen sich dort gemeinsam nieder. Die Kolonien waren in verschiedene Grundstücke unterteilt, die den Einwanderern oftmals von der Regierung geschenkt wurden, um die Kolonisierung zu fördern.

Die Pommern Erste Einwanderungswelle ab 1850 Umfangreiche Ländereien mussten erschlossen und besiedelt werden, sodass Dr. Blumenau nochmals nach Deutschland reiste, um vor allem arme Landarbeiter davon zu überzeugen, als Siedler nach Brasilien zu kommen. Besonders viele Auswanderungswillige fand Dr. Blumenau im Pommern. Diese meist einfachen Bauern und Handwerker arbeiteten für wenig Geld für Großgrundbesitzer, sodass die Chance auf ein eige-

Feindliche Natur, unerträgliches Klima und den Angriffen der Bugres, der Indianer, ausgeliefert, wurde das Land mühselig besiedelt und aus den ersten Palmen-Hütten entstanden Holzhäuser. Eigeninitiative und die Gemeinschaft der Kolonisten schufen Schulen und Kultureinrichtungen, und es bildete sich eine kleinbäuerliche Struktur heraus. Die portugiesische Sprache spielte nur eine untergeordnete Rolle, da die Siedler vom übrigen Brasilien isoliert lebten.


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Die Neudeutschen Zweite Einwanderungswelle nach 1918

während des zweiten Weltkrieges ca. 20 000 jüdische Flüchtlinge ins Land.

„Wir verkauften Hab und Gut, und da das Geld am nächsten Tag schon wieder viel weniger Wert hatte fuhr man gleich nach Hamburg in die Reederei um unsere Überseereise zu bezahlen.“

Die Deutsch-Brasilianos 1945 bis heute

Die größte Intensität erreichte die Einwanderungswelle nach dem ersten Weltkrieg. Sowohl die sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen als auch die durch die Dampfschifffahrt begünstigen Reisemöglichkeiten gaben vielen Menschen den Anstoß zur Auswanderung.

Nach 1945 nahm Brasilien, nach Argentinien, die zweitgrößte Gruppe von politisch und rassistisch verfolgten Emigranten auf, unter ihnen auch eine große Gruppe von Displaced Persons, also Personen, die nicht an einem Ort beheimatet sind. Allerdings fanden auch viele Nazi-Verbrecher in Brasilien Unterschlupf und so lebten Opfer und Täter teilweise in direkter Nachbarschaft nebeneinander.

Auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise der Weimarer Republik, um 1920, ließ sich ein großer Teil der Einwanderer in größeren Städten wie Porto Alegre, Curitiba und São Paulo nieder.

Während der 60er Jahre und dem Wirtschaftswachstum der BRD kamen viele deutschstämmige Brasilianer als billige, deutschsprachige Arbeitskräfte zurück nach Deutschland.

Frieda Gehrmann

Gott, Heimat und Kolonisten Deutsches Reich Die deutschen Siedler lebten bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges immer noch isoliert von den brasilianischen Einwohnern. Daraus ergaben sich zahlreiche Konflikte mit der brasilianischen Gesellschaft. Als Gegenmaßnahme versuchte das autoritäre Regime des Estado Novo (1937-1945) unter Präsident Vargas mit einer Nationalisierungskampagne einen Assimilierungsprozess einzuleiten. Vom Deutschen Reich heraus versuchte die NSDAP wiederum deutschstämmige Vereine, Institutionen und Gruppierungen zu instrumentalisieren. Einige der deutschen Siedler sympathisierten mit dem faschistischen Gedankengut des Dritten Reichs. Als Brasilien auf der Seite der Alliierten in den Krieg eintrat, verschlechterte sich die Situation der deutschsprachigen Bevölkerung weiter, da antideutsche Politik betrieben und die deutsche Sprache verboten wurde. Obwohl das Verbot nicht sehr lange galt, war es doch sehr wirkungsvoll und wurde mit drastischen Strafen durchgesetzt. Trotz der antisemitischen Tendenzen kamen

Heute, mehr als 150 Jahre später, ist Pomerode sprachlich und kulturell noch stark von den deutschen Siedlern geprägt. Das Ideal der ethnischen Geschlossenheit in der Gemeinschaft der deutschen Einwanderer wurde nach dem zweiten Weltkrieg zwar abgemildert, lässt sich jedoch bis heute beobachten. Das "Deutsch sein" lebt wieder in Form von Vereinen und Festen auf, Schulunterricht in Deutsch wird als zweite Sprache ab der Grundschule angeboten und für die deutsche Industrie ist der Wirtschaftsstandpunkt Pomerode durch die fehlende Sprachbarriere interessant. Das kulturelles Erbe wird in der Jugend als Vorteil angesehen, die sich mit der bilingualen Schulausbildung in Bezug auf Studium und Arbeitsmöglichkeiten immer häufiger nach Deutschland orientiert.


"Die Deutschen in Paraná" "Es war der 8. Mai 1863, als wir, insgesamt 24 Personen, unter Musikbegleitung und von vielen Bekanntenumgeben, Römerstadt verließen. Ade nun, mein liebes Österreich, nun sind wir von dir geschieden und müssen dich verlassen!" Uns rannen die Tränen über die Wangen. In Hamburg mussten wir in das neue Auswandererhaus und uns da 3 Tage behelfen. Am 2. Tag ging ich nach dem Hafen, um das Schiff zu sehne, das uns nach Amerika bringen sollte. Wie erstaunte ich, denn ich sah 2 Meilen im Umkreis nichts als lauter Mastspitzen. Niemand aber wusste, welches davon unser Schiff ist. Hier im Hafen von Hamburg war das Wasser ganz ruhig, und nun glaubten wir, es wäre überall so! Am dritten Tage war das Schiff zur Abfahrt bereit, ein Segelschiff mit Namen "Franklin". Unsere Sachen mussten wir selbst zum Hafen befördern, aber erst am anderen Morgen wurden sie eingeladen, und kurz darauf nahm uns ein Schleppdampfer aus dem Hamburger Hafen nach Cuxhaven. Hier verblieben wir 3 Tage, fuhren dann in den englischen Kanal, erhielten aber da selbst so starken Gegenwind, dass wir über 100 Meilen in die Nordsee getrieben wurden. Wir waren doch Kälte gewohnt, aber da war es noch viel kälter als bei uns! Und erst die Seekrankheit! Einer liegt da, der andere dort, und da muss man sich vorstellen, wie wir gelegen haben! Wir fuhren Zwischendeck und waren zusammengesperrt, wie in einem Hühnerstall; denn wir waren mehr als 250 Personen ohne Schiffspersonal. Oben waren Betten eingerichtet, für vier oder fünf Personen, unten ebenfalls, aber bei der Seekrankheit- so etwas musste man erleben. Wir waren alle seekrank im höchsten Grade. Es ekelte uns vor Allem und wenn es die besten Speisen waren, und hatte man wirklich Lust, etwas zu essen, dann behielt es der Magen nicht. Acht Tage später kamen wir an die selbe Stelle zurück, von der wir ausgefahren waren. Nun mussten wir also nochmals nach dem englischen Kanal segeln; dabei fuhren wir zweimal auf, und das gab eine Erschütterung, dass es durch Mark und

Bein ging, und wir meinten, unsere letzte Stunde hätte geschlagen. So kamen wir in die Nordsee, wo bekanntlich ein arger Nebel herrscht. Die Schiffe konnten sich bei Tag nur mit Glockengeläute und derlei Signalen verständigen, bei Nacht wurden Raketen abgeschossen. Die Dampfschiffe freilich haben häufig ihr Nebelhorn, das man meilenweit hört, aber wir fuhren eben noch auf einem Segler. Und richtig, trotzdem unsere Mannschaft wacker auf ihren Posten war und die Signale richtig ausgeführt wurden, wären wir doch bald um´s Leben gekommen. Trotz aller Signale kam plötzlich ein Schiff gerade auf uns zu, doch unsere Leute machten eine schnelle Wendung, sodass das fremde Schiff knapp an uns vorüber fuhr. Und nun ging´s in´s weite offene Meer. Wir begrüßten noch die letzte Stadt auf europäischem Boden, die französische Stadt Calais, und von nun an sahen wir nichts weiter als Himmel und Wasser! Die Fahrt wäre wohl schön gewesen, aber Pfingstmontag, Dienstag und Mittwoch hatten wir so fürchterlichen Sturm, dass wir armen Seekranken nicht einmal auf Deck gehen konnten, um Luft zu schöpfen. Wir wurden eingesperrt und wussten nicht mehr, was um uns und über uns vorging. Ein Glück, dass unserer Schiff so schwer beladen war; denn hätte es der Sturm auf die Seite geworfen, wären wir Eingesperrten elendig ertrunken. Als wir auf Deck durften, sagte unser Kapitän selbst, dass er noch keinen solchen Sturm erlebt hätte. Hunger litten wir wohl nicht während der Fahrt, aber was es zu essen gab, waren wir nicht gewohnt, und dass Wasser konnten wir nicht trinken. Dass Fleisch war gut, nur so stark gesalzen, dass man furchtbar durstig wurde, aber dass Wasser in Fässern dick wie Jauche. Voll Gestank und Würmern, sodass man es nicht einmal sehen mochte. Wenn ich trinken musste, drückte ich immer Nase und Augen zu, und so ging es vortrefflich. Der Zwieback, der auf dem


Schiffe anstatt Brot benutzt wurde, musste schon vor vielen Jahren gebacken worden sein, denn er war hart wie Stein, man hätte damit einem Menschen den Kopf einschlagen können. So tauchten wir ihr denn in Kaffee oder Tee; ob es uns schmeckte, darum kümmerte sich niemand, aber der Hunger war doch gestillt. Dann sahen wir Wal-, und Haifische, und den grössten Spass, machten uns die fliegenden Fische. Sie vielen an Deck, wurden gesammelt, und in der Küche gebraten. Drei Monate waren wir nun schon zwischen Himmel und Wasser, und noch immer liess sich kein Land sehen! Wir waren schon so verzweifelt wie Christoph Kolumbus. Da, eines Morgens, es regnete und alles war in Neben gehüllt, entdeckt einer von unseren am Horizont einen dunklen Fleck. Wir eilten zum Kapitän, der nahm sein Fernrohr zur Hand und sagte uns, das wäre Land. Endlich Land! Dass war ein Jubel. Wir waren in der Nähe von Brasilien, aber doch noch dreissig Meilen von der Küste entfernt, aber uns machte die Hoffnung froh, dass wir nun bald das Schiff verlassen, und den Fuss wieder auf festen Boden setzten konnten. Es verging wieder einige Zeit, da kamen wir zu einem Hafen, dessen Einfahrt war ganz von Bergen eingeschlossen, auch gingen in Folge des starken Windes, die Wellen hoch, und brachen sich mächtig an den Felswänden; der Kapitän sah ein, dass es unmöglich sei, durchzufahren. Er liess also Anker werfen, um abzuwarten, bis besserer Wind eintrete. Am anderen Morgen konnten wir weiter fahren und erreichten noch am selben Tage Santa Catharina. Doch auch hier mussten wir ankern wegen schlechter Einfahrt. Von weitem sahen wir Berge und dass wir nicht mehr weit vom Lande waren, erkannten wir daraus, das Gras und Strauchwerk im Wasser herumschwammen. Am anderen Morgen waren wir ganz selig, als der Lotse angefahren kam, um uns an die Stelle zu leiten, wo wir landen konnten. Andere Boote hatten Orangen und Bananen mitgebracht, und uns zugeworfen; wir liessen sie und prächtig schmecken. Der Anker wurde emporgezogen, und unter Führung des Lotsen fuhren wir weiter.

Da fuhr unsere Schiff einen Felsen an, derart, dass wir alle zusammenzuckten, und vermeinten, wir würden im Leben den Fuss nie auf Brasilianischen Boden setzten, und es würde uns wohl so gehen wie unserem Kameraden Manoel Schaffer, der acht Tage zuvor gestorben war; sein Körper war in Segeltuch eingenäht und in´s Meer versenkt worden. Als wir nun endlich in Santa Catharina eingelaufen waren, sollten wir noch durch drei Tage nicht an´s Land dürfen. Den dritten Tag wurden unsere Sachen ausgeladen, wir durften alles an´s Land, und nun konnte ich mir die Landschaft erst richtig ansehen, die schönen Palmen und Bananenbäume, welche ich noch nie in der Natur gesehen hatte. Ich fühlte mich bei diesem Anblick wie neu geboren und in ein besseres, schöneres Land als meine Heimat versetzt... (gez.) Antonio Pospissil aus Unsere Väter / Nossos Pais Evangelische Synode von Santa Catarina und Paranà 1961


Canela Pirabeiraba, S.C. Brasil

flation kam in langen Schritten. Und es kam zur entgültigen Geltentwertung.

Heinrich Gehrmann und ich liebten uns. Heinrichs Eltern waren Friedrich Gehrmann und Dorothea, geborene Bergmann.

Und da wir einen Verwandten in Brasilien in Blumenau hatten kam uns der Gedanke nach Brasilien auszuwandern.

Sie betrieben Landwirschaft in Athenstedt und hatten 11 Kinder, sie waren der Reihenfolge nach der älteste Friedrich, dann Luise die heute noch lebt, sie war verheiratet mit Alfred Kalheis, er ist schon viele Jahre Tod, sie lebt in Berlin wo sie ihr Eigentum hat.

Da war Heinrichs Bruder Wilhelm mit Frau Amanda und 2 Kinder Willi und Liesbet, dann Euer Opa und Oma, Heinrich und Frieda Gehrmann auch mit 2 Kindern, Heinrich fast 3 jährig und Ernst 5 Monate und dann noch Hermann Gehrmann, aber der war noch ledig.

Wilhelm der Dritte, dann Ernst, Robert, und nun kommt Heinrich, also Euer Opa, dann Gustav, Hermann, Emmy, Bertha und dann Otto der Jüngste.

Wir hatten alle das Ausreisefieber, besprachen alles mit einander, und da wir kein Geld hatten verkauften wir Hab und Gut und jedesmal wenn wieder Geld eingekommen war fuhr Hermann der jüngste von uns Reiselustigen gleich nach Hamburg in die Reederei um unsere Überseereise zu bezahlen, da das Geld am nächsten Tag schon wieder viel weniger wert hatte.

Euer Uropa Friedrich Gehrmann diente aktiv im Militär, während dem 3 Kaiserjahren. Er war auch sonst ein guter Schütze, den beim Schützenschiessen würde er mehrere Male König. ... Friedrich, Ernst, Robert und Heinrich haben den ersten Weltkrieg mitgemacht, Friedrich und Ernst sind im Kriege gefallen. Heinrich hat in Verdun gekämpft und kam 1918 in Gefangenschaft, 1920 am 1. März kam er als Spätheimkehrer nach Hause. Heinrich und ich kannten uns schon lange, und am 26. Juni 1920 als mein Heinrich genau 22 Jahre zählte, heirateten wir in Ortshausen bei Bornum am Harz, ohne viel Aufwand und Trará, denn die Nachkriegszeit hat immer ihre Folgen, und 4 Jahre Krieg soll schon was heissen. Es gab viel Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger und Elend an allen Ecken und Enden, es war schrecklich. Nach unserer Hochzeit zogen wir in Heinrichs Heimatort Athenstedt bei Halberstadt. (heute DDR) Dort hat Heinrich sein schon früh erlerntes Tischlerhandwerk betrieben so gut es ging, denn die In-

So etwa am 18. Dezember 1923 waren wir denn so weit. Wir verabschiedeten uns und fuhren per Eisenbahn von Athenstedt bis Hannover. Dort blieben wir eine Nacht im Hotel, am anderen Morgen früh ging es weiter bis zum Hamburger Hafen, wo uns das Schiff Tukomann aufnahm, es war an einem Sonnabend, wir fuhren billigste Klasse, also Wohndeck, aber nette Gesellschaft, die Einrichtung war mehr militärisch, die Betten übereinander, es waren ungefähr 1000 Polen mit an Bord, wir kamen aber wenig mit ihnen in Berührung. In den ersten 5 Tagen und Nächten hatten wir Sturm und wieder Sturm, alles war Seekrank weil das Schiff so schaukelt hat, nur Heini der 3 jährige Knirps lies sich nichts vor machen, blieb am Tisch sitzten und wartetet aufs Essen. Dann kam das Weihnachtsfest, die Schiffsgesellschaft hatte sogar ein Bäumchen mit genommen und die Kinder bekamen jedes eine Kleinigkeit, von da weiter war das Meer ruhige, und am Donnerstag konnten wir zum ersten Mal wieder essen.


Etwa nach einer Woche Fahrt ging unser Schiff in Lissabon an Land, und nahm Rindvieh mit auf.

fen in Rio. Unvergessliche Stunden lang am Stadtrand entlang, die Beleuchtung war einzigartig.

Dort im Hafen kamen Frauen mit ihren Booten ans Schiff und boten ihre Sachen an. Bananen, dass war für uns etwas nie gesehenes, 1 Flasche Wein und etwas Gebäck in einem Korb konnte man kaufen für 1 Dollar.

Die Fahrt Rio - Sao Francisco hatten wir nun hinter uns, im Hafen von Sao Francisco konnte damals noch kein grosses Schiff anlegen und so wir in kleinen Booten abgeholt und alle wieder Seekrank.

Rindvieh schlachten und Brot backen wurde auf dem Schiff des Nachts erledigt, da merkten wir Passagiere nichts von. An einem Tag wurde mein kleiner Ernst der arme Junge so krank dass ich mit ihm auf Tage unten im Schiffshospital musste. In einer Nacht, etwa um 12 Uhr starb ein kleines Kind, es wurde wie üblich im Meer versenkt. Und neben meinem Bett brachte eine Polenfrau einen Jungen zur Welt, der Kleine erhielt den Namen Tukoman. Wir hatten in den letzten Tagen eine ruhige und angenehme Fahrt, und langsam näherten wir uns dem Equator und die sogenannte Equatortaufe, woran sich hauptsächlich die Jugend beteiligt mit anfärben uns ins Wasser schmeissen. Und wir fahren langsam Santos entgegen, am Hafen angelegt, neben dem Schiff steht die Eisenbahn, als klein Heini dass sieht , ruft er ganz begeistert: ... raus, raus , raus, Opapa gehen, Opapa gehen ... weil wir in Deutschland alle paar Wochen per Eisenbahn nach den Grosseltern gefahren sind. Einen halben Tag vor Santos ging unser erster Offizier auf Deck spazieren, kippt um und war Tod, in Santos stand ein prunkvoller Sarg für ihn bereit. Die 3 Brüder Gehrmann machten hier erst mal einen Stadtbummel, wir beiden Frauen mit unseren 4 Kindern blieben auf dem Schiff. Nach Santos war der nächste Hafen Rio de Janeiro, mit 2 Tagen und 2 Nächten Aufenthalt, ein Ein und Ausladen, viele Passagiere blieben dort. In Rio hätten die drei gleich Arbeit gefunden , aber unser Ziel war Sao Francisco und so hiess es weiter auf dem Schiff bleiben, am 2ten Abend die Abfahrt aus dem Ha-

Und nun waren wir in dem Traumland Brasilien, wo, wie man immer glaubte, Milch und Honig fliessen soll, und hielten unseren Kindern ihre Pullis in den Händen um zu horchen wo man sie heiss machen könnte, es fanden sich ach gleich einige Frauen die dazu bereit waren, und so konnten unsere kleinen erst mal ihren Hunger stillen. Danch sassen wir wie verloren auf einer Bank . Da kam ein Herr auf uns zu und sprach uns auf Deutsch an, ... wo kommt Ihr her, wo wollt Ihr hin? Ich hab hier einen kleinen Laden (venda), habe nicht viel Platz, wollt Ihr auf den Fussboden schlafen? Könnt Ihr mit kommen, denn Betten habe ich für so viele nicht... Und nach Joinville, wo wir hin wollten, fuhr der Zug nur erst am anderen Morgen, also nahmen wir das freundliche Anerbeiten an, und gingen mit in seine Behausung, er sprach ja deutsch und dass war für uns eine grosse Wohltat und wir legten uns auf den Fussboden schlafen, dass war die erste Nacht auf dem brasilianischen Erdboden, denn wir waren müde, müde, gegen Morgen krähte irgendwo ein Hahn. Kikerikiii, ich wachte dadurch auf und musste denken, na ja, die Hähne krähen hier ja auch so wie in Deutschland. Danach nahm uns der Eisenbahnzug nach Joinville...

Oma Frieda Gehrmann, geb. Poley, erzählt am 14. Oktober 1982


Die Geschwister meines GroĂ&#x;vaters Gustav Gehrmann in Brasilien.


Zu Besuch bei der Familie Heinrich Gehrmann Pirabeiraba, Brasilien, April 2009

IMPRESSUM Denn ewig grünen die Wälder

Konzept und Fotografie: Martin Scherag Schriften: Caecilia LT Std Druckerei: ppp Cologne Kontakt: Fotodesign Martin Scherag Piusstr. 6 D-50823 Köln  T  +49 (0) 221 . 29 99 67 2190 M  +49 (0) 178 . 37 66 36 0 post @ martinscherag.de www . martinscherag.de

Gestaltet unter Prof. Susanne Brügger und Prof. Cindy Gates an der Fachhochschule Dortmund Fachbereich Design. Vielen Dank: an meine brasiliansche Familie Gehrmann Prof. Susanne Brügger und Prof. Cindy Gates Alfred Keller für die Begleitung als Lektor Daniel Treufeld für die grafische Unterstützung Nicci und meiner Familie © www.martinscherag.de 2010



Denn ewig Gruenen die Waelder / Deutsch-Brasilianos auf der Rua TestoAlto / Pomerode