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2013 /// wirtschaft /// ecco schuhe

family business

TEXT: GERHARD PIRKNER, Lisa brandstätter /// Fotos: Ramona waldner

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1988 in Salzburg. Im noblen Stadtteil Aigen stapeln der dänische Manager Lars Jacobsen und der Lienzer Erwin Rauchenbichler silberne Metallboxen. Jacobsen und Rauchenbichler bereiten sich auf den Start einer neuen Schuhmarke in Österreich vor: Ecco. Bequeme Schuhe aus Skandinavien. Ende der achtziger Jahre hatten die Sneakers noch nicht ihren weltweiten Siegeszug angetreten, es war nicht üblich, als Erwachsener den ganzen Tag in „Turnschuhen“ herumzurennen und Schuhwerk, dem man seine Bequemlichkeit ansah, war Pensionisten auf Busreisen vorbehalten. Entsprechend ambitioniert schien das Unterfangen von Jacobsen und Rauchenbichler. Der Schuh, mit dem die Skandinavier den österreichischen Markt aufmischen wollten, hieß „Ecco Walker“ und war rein optisch für damalige Trendsetter gewöhnungsbedürftig. Gekauft wurde er dennoch und zwar wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Verpackt in einer wertigen Metallbox und einem Sack aus Jute, wurde der dänische

Bequempatschen, wonach sich jede Marke sehnt: zum Einzigen seiner Art. Das nennt man USP. „Wir hatten natürlich ein breiteres Sortiment“ erinnert sich Erwin Rauchenbichler, „und in Deutschland oder Skandinavien stand Ecco damals auch für eine andere Kategorie von Schuhen. Aber der Walker war irgendwie besonders. Eben dänisch.“ Und das war der Schlüssel zum Erfolg. In einer Zeit, in der Schuhe primär „topmodisch“ und daher meist italienisch zu sein hatten, kamen die Dänen mit Bequemlichkeit daher, aber auch Lockerheit und einem neuen Körpergefühl. Sie trafen genau den Nerv der Konsumenten. Es war die Zeit, in der Umweltschutz zu boomen begann, Nachhaltigkeit wurde erstmals zu einer Vokabel, Heini Staudinger eröffnete mit „GEA“ neuartige Ökoshops und IKEA erklärte der Welt, was die Skandinavier designmäßig auf dem Kasten haben. „Irgendwie hatte man das Gefühl, skandinavisch ist super“, erklärt Rauchenbichler 25 Jahre später in der

Bürgeraustraße, in jenem Gebäude in der Peggetz, in dem Ecco seit Jahrzehnten seine Österreichzentrale hat und Dolomitenstadt seit kurzem die Redaktionsräume. Hier treffen wir Erwin Rauchenbichler und seinen Sohn Gabriel zum Fotoshooting. Auf dem Boden liegen bunte Schuhe und „Rauchenbichler Senior“ hält einen vergoldeten „Walker“ in seinen Händen. Mit diesem Modell und seinen Nachfolgern hat er den heimischen Markt aufgemischt. Heute verkauft Ecco rund eine Viertelmillion Schuhe pro Jahr in Österreich. Das Geschäft läuft ausnahmslos über die Firmenniederlassung in der Peggetz, wenngleich die Warenströme längst durch andere Bahnen fließen. Zwölf Mitarbeiter hatte Rauchenbichler in den besten Zeiten in Osttirol beschäftigt. Heute genügen ein kleines Büro zum Management der Kundenkontakte und ein winziges Lager, vorwiegend für Merchandising-Utensilien. Ein Showroom in Salzburg ist Anlaufstelle für die

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Dolomitenstadt - Das Magazin 03/2013  

Spannende Reportagen, tolle Bilder, volles Programm - Das Beste aus Lienz und der Region.

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