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Kapitel 1: Die frühe Phase (Early Game)

Stealquoten mit Monsterhänden eher zum Reraise zu tendieren und gegen loosere Gegner mit hohen Stealquoten eher zu callen. Auf diese Weise maximieren Sie Ihre Chancen, Chips zu gewinnen! Wenn alle Gegner vor Ihnen folden und nur der SB ins Geschehen einsteigt, wird es noch interessanter. Wenn Sie noch einmal einen kurzen Blick auf die aus dem SB spielbaren Hände werfen, wird Ihnen sehr schnell klar, dass Sie sich gegen den SB deutlich liberaler verteidigen können bzw. müssen als gegen Spieler in anderen Positionen. Zudem genießen Sie gegen den SB nach dem Flop Positionsvorteil, was ein sehr entscheidender, zusätzlicher Faktor ist. Unsere Empfehlung lautet, in etwa mit dem gleichen Spektrum gegen den SB zu verteidigen, mit dem Sie aus dem CO eröffnen (siehe Grafik), also mit 66+, A8s+, ATo+, KTs+, KJo+, QTs+, QJo, JTs, T9s. Je nach spielerischen Fähigkeiten sollten Sie sich mit weniger Händen verteidigen, etwa wenn Sie sich im Spiel nach dem Flop noch nicht so sicher fühlen, bzw. mit einigen mehr, wenn Sie ein besonders guter Postflop-Spieler sind. Bedenken Sie jedoch, dass es im Zweifelsfall immer besser ist, zu folden, da verlorene Chips wie bereits gelernt sehr viel wertvoller sind als gewonnene! Mit Ihren Monster-Händen wie TT+, AK sollten Sie vor dem Flop reraisen und ein All-In des Gegners callen. Aufgrund seines looseren Spektrums im SB können Sie Ihre Chips mit mehr Händen aufs Spiel setzen als in der frühen Phase üblich. Nach dem Flop sollten Sie im BB die relative Stärke Ihrer Hand beachten. Top Pair, guter Kicker und besser sind sehr starke Hände, mit denen Sie gegen schwache Gegner um einen großen Pot spielen können. Auch Middle Pair eignet sich noch hervorragend, um ein bis zwei Bets zu callen oder selbst zu bringen. Mit Bottom Pair sollten Sie maximal eine Bet gegen konservative Gegner und maximal zwei Bets gegen sehr loose Gegner callen, ansonsten in der Regel aussteigen. Wenn Sie SnGs professionell spielen möchten, sollten Sie sich auf jeden Fall noch eingehender mit dem Spiel aus den Blinds befassen. Weitere Ausführungen würden den Rahmen dieses Buches sprengen. Am meisten lernt man durch Beobachtung und Aufarbeitung der Spielweise professioneller Spieler hinzu. Videos auf Trainingsseiten bekannter Online-Pokerschulen sind hierbei sehr hilfreich.

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Erweiterte Konzepte für die frühe Phase

Erweiterte Konzepte für die frühe Phase (für fortgeschrittene Spieler ab den mittleren Buy-Ins) Ab den mittleren Buy-Ins treffen Sie zunehmend auf andere Spieler, die ihren Lebensunterhalt oder einen erheblichen Teil davon mit dem Pokern bestreiten. Daher ist es wichtig, einige zusätzliche professionelle Konzepte ins Spiel zu integrieren. Bedenken Sie jedoch, dass Sie die folgenden Konzepte ohne weiteres auch auf den niedrigen Buy-Ins (unter 20 $) anwenden können, auch wenn die zuvor beschriebenen Grundlagen dort im Allgemeinen schon reichen. Strategisches Denken (Game Plan) Wenn Sie sich dazu entschließen, eine Hand zu spielen, sollten Sie niemals nur die Aktion vor dem Flop planen, sondern sich gedanklich bereits damit befassen, wie Sie auf Flop, Turn und River gegen mögliche Aktionen und Handspektren (siehe auch Abschnitt „In Handspektren denken“ weiter unten) Ihres Gegners verfahren. Mithilfe eines solchen Plans (Game Plan) sind Sie in der Lage, schon frühzeitig aus einer Hand auszusteigen, wenn Ihre zukünftigen strategischen Handlungsalternativen alle ungünstig erscheinen. Beispiel 1.2: Die Blinds liegen bei 10/20. Sie verfügen noch über den Anfangsstack von 1.500 Chips und bekommen AKo in mittlerer Position. Schlechte Spieler bedenken in diesem Moment nur, dass Sie mit AKo auf 3 oder 4 BB raisen, und befassen sich erst auf dem Flop mit ihrer nächsten Aktion. Einem guten SnG-Spieler dagegen geht in etwa Folgendes durch den Kopf: „75 BB Stack, AKo, mittlere Position. Ich raise auf 4 BB, wobei ich gegen einen einzelnen unbekannten Gegner auf für mich vorteilhaften Boards eine Continuation Bet in Höhe von ca. 2/3 Potgröße bringen werde. Sollte mein Gegner wider Erwarten nicht checken, werde ich eine kleine Bet von ihm (ca. ein Drittel des Pots) als Schwäche interpretieren und ihn auch raisen, wenn ich den Flop verfehle. Treffe ich Top Pair oder besser auf dem Flop, möchte ich meinen Gegner elegant All-In bekommen. Das schaffe ich z. B., indem ich auf dem Flop 130 in den Pot von 170 setze, auf dem Turn 310 in den Pot von 430 und auf dem River mit dem Rest von 980 Chips in einem Pot mit 1.050 Chips All-In gehe.“ 47

Strategisches Denken (Game Plan)  

Strategisches Denken (Game Plan)

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