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Kapitel 5 · Im Preisgeld

Sie vornehmen müssen, sobald der Spieler im BB mit einem weiteren Handspektrum callt. Müssen Sie davon ausgehen, dass der BB ein schlechter Spieler ist, der Ihr All-In mit etwa 14 Prozent (44+, A4s+, A8o+, KJs+) callt, was eine Erweiterung um lediglich 4 Prozent darstellt, reduziert sich Ihr spielbares Handspektrum wie folgt:

Aufgrund der minimalen Änderung des Handspektrums des Spielers im BB müssen Sie Ihr eigenes Spektrum auf 12,4 Prozent verringern. Diese Tatsache folgt wieder aus dem Konzept der Bubble-Faktoren, das sich wie ein roter Faden durch das SnG zieht. Bis zum Heads-Up müssen Sie als mittlerer Stack eine solide Hand halten, sobald Sie gegen einen Spieler mit einem größeren Stack antreten wollen, wohingegen ein Spieler mit einem größeren Stack immer mit einem weiteren Spektrum spielen darf.

Spiel als mittlerer Stack

callen. Bei identischer Konstellation gibt es jedoch zwei Umstände, unter denen sich Ihr spielbares Handspektrum verändern kann. Erstens ist es möglich, dass der BB von seinem Handspektrum, mit dem er einen Push vom BU und Ihnen callt, abweicht. Sollte er gegen beide Kontrahenten zu loose callen, müssen Sie tighter callen – und umgekehrt. Zweitens verändert sich Ihr eigenes Spektrum, wenn der Spieler am BU mit einem anderen Handspektrum als nach Nash pushen sollte. Betrachten Sie dazu die folgende Grafik:

Beispiel 5.8: Sie sitzen nun im SB mit einem Stack von 5.000 Chips. Der Spieler am BU hat ebenfalls 5.000 Chips und der Chipleader sitzt demzufolge mit 10.000 Chips im BB.

Wie Sie sehen können, pusht der Spieler am BU nun mit exakt 40 Prozent, wodurch Ihr spielbares Spektrum auf 13,9 Prozent anwächst. Wäre der Chipleader am BU, könnten Sie gegen ein identisches All-In-Spektrum lediglich mit 8,7 Prozent (77+, A9s+, ATo+) callen, da Sie einen weitaus höheren Bubble-Faktor gegen diesen Spieler hätten. Zudem hätte das Spektrum, mit dem der Spieler im BB ein All-In der beiden Spieler vor ihm callt (Overcall-Spektrum), geringere Auswirkung auf Ihr eigenes Spiel, da Sie wiederum einen geringeren Bubble-Faktor gegen diesen Spieler haben.

Gehen Sie zunächst davon aus, dass der Spieler am BU exakt mit dem vom Nash-Gleichgewicht vorgeschlagenen Handspektrum von 29,7 Prozent (22+, A2s+, A3o+, K7s+, KTo+, Q8s+, QTo+, J8s+, JTo, T8s+, 98s) pusht. Daraufhin dürfen Sie mit etwa 10 Prozent (55+, A8s+, ATo+)

Beispiel 5.9: Bleiben wir nun bei der ursprünglichen Situation, in der der Chipleader im BB sitzt, doch diesmal können Sie sich als Erster am Pot beteiligen, da der Spieler am BU sich für einen Fold entscheidet.

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Kapitel 5 · Im Preisgeld

Spiel als mittlerer Stack

Gemäß des Nash-Gleichgewichtes dürfen Sie 45,4 Prozent (22+, A2+, K2s+, K6o+, Q4s+, Q9o+, J6s+, J9o+, T6s+, T8o+, 96s+, 98o, 85s+, 75s+, 65s, 54s) pushen, sofern der BB mit 28,4 Prozent (33+, A2+, K7s+, K9o+, Q9s+, QTo+, JTs) callt. Sollte der BB jedoch nicht optimal callen, verändert sich Ihr Handspektrum wie folgt:

Durch die minimale Reduzierung des gegnerischen Spektrums um ca. 3 Prozent vergrößert sich Ihr eigenes Spektrum von 45,4 Prozent auf 71,6 Prozent. Diese Tatsache lässt sich durch den enormen BubbleFaktor erklären, den Sie gegen den Spieler im BB haben. Wäre der Spieler mit 5.000 Chips hinter Ihnen im BB, könnten Sie gegen ein identisches Call-Spektrum von 28,4 Prozent mit nahezu beliebigen Karten All-In gehen. Außerdem dürften Sie mit einer Hand wie 65s, die gegen den Chipleader im BB, der mit 28,4 Prozent callt, die untere Grenze wäre, in fast allen realistischen Szenarien pushen. Dies verdeutlicht folgende Grafik:

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Anhand der Grafik erkennen Sie, dass Sie mit einer Hand, die ursprünglich die untere Grenze gegen ein Spektrum von 28,4 Prozent darstellte, nun bis zu einem gegnerischen Call-Spektrum von 40 Prozent profitabel pushen können. Da das Nash-Gleichgewicht dem Spieler im BB mit 5.000 Chips ein spielbares Call-Spektrum nach einem Push von 34,2 Prozent (22+, A2+, K4s+, K8o+, Q8s+, Q9o+, J9s+, JTo, T9s) errechnet, wird es nur selten Fälle geben, in denen ein Gegner mit deutlich mehr als 40 Prozent gegen Sie callt. Abgesehen von der Tatsache, dass Stack-Konstellationen und die daraus resultierenden Bubble-Faktoren eine enorme Rolle im Preisgeld spielen, konnten Sie den letzten beiden Beispielen ein weiteres Faktum entnehmen: Merksatz 5.4: In Ihrem Call-Handspektrum fallen die hervorgerufenen Reduzierungen bzw. Erweiterungen aufgrund von Veränderungen im gegnerischen Handspektrum deutlich geringer aus als in Ihrem All-In-Spektrum. Dennoch kosten Fehleinschätzungen in beiden Fällen ähnlich viel Equity und somit Geld.

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ICM-Beispiele im Preisgeld