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Justizvollzugsanstalt Bremervรถrde

Justizvollzugsanstalt Bremervรถrde in รถffentlich - p r i vat e r pa rt n e r s c h a f t


GRUSSWORT DES NIEDERSÄCHSISCHEN MINISTERPRÄSIDENTEN DAVID MCALLISTER

Niedersächsischer Ministerpräsident David McAllister

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es erfüllt uns alle mit freude, dass die neue Justizvollzugsanstalt Bremervörde heute eingeweiht und offiziell in Betrieb genommen werden kann. mit der realisierung dieses vorhabens erproben wir in Bremervörde erstmals die zusammenarbeit zwischen öffentlicher hand und einem privaten partner bei neubau und Betrieb einer Justizvollzugsanstalt. es sieht ganz so aus, dass dieser versuch von erfolg gekrönt sein wird. erfolg haben wir dann, wenn das projekt für das land rechtlich möglich, inhaltlich geboten und am ende wirtschaftlich vorteilhaft ist - und bislang stehen alle ampeln auf grün. unser privater partner, die Bam deutschland ag, hat in nur 18 monaten eine architektonisch ansprechende, den modernen standards umfassend gerecht werdende Justizvollzugsanstalt errichtet und hat sich dabei als zuverlässiger partner erwiesen. zudem ist der Kostenrahmen eingehalten worden. das ist nicht selbstverständlich bei derart komplexen vorhaben. hierfür danke ich allen Beteiligten sehr herzlich, auf seite unseres partners ebenso wie auf landesseite. im oktober 2012 wurde das projekt „modellvorhaben öpp-Jva Bremervörde“ in Berlin mit dem „innovationspreis ppp 2012“ ausgezeichnet. dieser preis wird unter der schirmherrschaft des Bundesfinanzministeriums durch den Bundesverband public private partnership e. v. und den Behörden spiegel ausgelobt. die Begründung lautete: es ist in besonders überzeugender Weise

gelungen, das vorhaben als öffentlich-private partnerschaft zum beiderseitigen nutzen zu realisieren. zu dieser auszeichnung möchte ich an dieser stelle noch einmal besonders gratulieren! Jetzt gilt es, den Betrieb der neuen Justizvollzugsanstalt aufzunehmen. allen in der Jva Bremervörde tätigen - auf hoheitlicher und privater seite - wünsche ich einen guten start und einen erfolgreichen weiteren Weg. hannover, im november 2012

david mcallister niedersächsischer ministerpräsident


GRUSSWORT DES JUSTIZMINISTERS BERND BUSEMAN

Justizminister Bernd Busemann

sehr geehrte damen und herren, mit der inbetriebnahme der Justizvollzugsanstalt Bremervörde kann ich das vorhaben, unsere niedersächsische vollzugslandkarte zu komplettieren, noch vor dem ende dieser legislaturperiode abschließen. dies erfüllt mich mit zufriedenheit und dank für die gute zusammenarbeit aller Beteiligten. das Werden der Jva Bremervörde habe ich mit besonderer aufmerksamkeit verfolgt, nicht nur, weil es eine Justizvollzugsanstalt ist, die mich als Justizminister sozusagen ressortbedingt interessiert und die zu meinem verantwortungsbereich gehört. das Besondere in diesem fall war, dass unmittelbar in meinem haus die federführung für das gesamte vorhaben lag – von der planungsphase über die vorbereitung und durchführung des ausschreibungsverfahrens bis zur vergabe, von der vertragsunterzeichnung mit unserem privaten partner bis zur Übernahme des gebäudes zum Jahreswechsel. Bei der Begleitung des Baus hat sich das im neubau von Justizvollzugsanstalten erfahrene Baumanagement des landes in einer neuen rolle an der seite der nutzenden verwaltung sehr erfolgreich eingebracht und

darauf geachtet, dass die Qualitäten stimmen und niedersächsische standards eingehalten werden. hierfür danke ich ganz herzlich! Wir haben uns mit der Jva Bremervörde vorgenommen, eine öffentlich-private partnerschaft im Bereich des Justizvollzuges in niedersachsen langfristig zu erproben. Wir wissen, dass auf den ersten Blick ähnliche vorhaben – etwa in anderen Bundesländern - nicht oder nur begrenzt mit unserem projekt vergleichbar sind. ich wünsche mir, der anstaltsleitung und dem gesamten team, ebenso wie unserem privaten partner, dass diesem innovativen modellvorhaben entfaltungsraum gegeben wird und der gesamte niedersächsische Justizvollzug von den erfahrungen profitieren kann. ich gratuliere uns allen zu dieser neuen Justizvollzugsanstalt in Bremervörde und wünsche viel erfolg und alles gute. ihr

Bernd Busemann

GRUSSWORT DER ABTEILUNGSLEITERIN DR. MONICA STEINHILPER

Abteilungsleiterin Dr.Monica Steinhilper

sehr geehrte damen und herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, die abteilung „Justizvollzug“ des Justizministeriums freut sich sehr, die Jva Bremervörde als 13. selbständige anstalt in die niedersächsische vollzugsorganisation aufnehmen und die neuen mitarbeiterinnen und mitarbeiter im Kreis der niedersächsischen vollzugsfamilie begrüßen zu können. herzlich willkommen heiße ich nicht n ur die jungen Beamtinnen und Beamten, die am 28. dezember 2012 ihre urkunden nach bestandener laufbahnprüfung erhalten haben, sondern ebenso die von unserem privaten partner eingestellten fachkräfte, die aufgaben im medizinischen, pädagogischen und psychologischen dienst, im sicherheitsbereich, gebäudemanagement und in der verwaltung übernehmen. denjenigen, die als erfahrene Bedienstete aus anderen vollzugseinrichtungen des landes kommen, danke ich herzlich für ihre Bereitschaft, sich auf das modellvorhaben einer Justizvollzugsanstalt in öffentlich-privater partnerschaft einzulassen und an dessen gelingen mitzuwirken. es sieht alles danach aus, dass hier in Bremervörde ein gutes team zusammengekommen ist, das die im niedersächsischen Justizvollzugsgesetz verankerten ziele „resozialisierung“ und „schutz der allgemeinheit“ erfolgreich nach den hohen standards unserer vollzugspraxis umsetzen wird. Wer durch die pforte der Jva Bremervörde in den inneren Bereich tritt, erblickt eine moderne, architektonisch

sehr ansprechende anstalt, die nicht nur durch ihre farbliche gestaltung, sondern auch durch ihren funktionalen aufbau und ihre sport- und freizeitanlagen überzeugt. hier sind die gefangenen gut untergebracht, hier finden auch die Bediensteten beste rahmenbedingungen für ihre nicht gerade leichte arbeit. ich habe den konzeptionellen aufbau der Jva Bremervörde eng begleiten können. der aufbaustab unter leitung von herrn dr. Wieben war eine zeit lang im Justizministerium in hannover angesiedelt und hat dort überaus engagiert und gründlich gearbeitet. das Konzept der Jva Bremervörde berücksichtigt unsere bewährten niedersächsischen standards uneingeschränkt und beinhaltet darüber hinaus auch neue zukunftsweisende aspekte, die wir nun im echtbetrieb erproben können. allen mitarbeiterinnen und mitarbeitern dieser anstalt sowie allen verantwortlichen leitungskräften auf hoheitlicher und privater seite wünsche ich einen guten start, ein konstruktives miteinander, viel freude und erfolg bei ihrer arbeit. das Justizministerium in hannover wird sie begleiten und unterstützen. mit freundlichen grüßen und den besten Wünschen ihre

dr. monica steinhilper

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GRUSSWORT BÜRGERMEISTER EDUARD GUMMICH

Bürgermeister Eduard Gummich

sehr geehrte damen und herren, die einweihung der ersten teilprivatisierten Justizvollzugsanstalt des landes niedersachsen auf dem gelände der früheren „vörde Kaserne“ ist ein herausragendes ereignis für die stadt Bremervörde. die schließung des luftwaffenstandortes brachte für Bremervörde enorme strukturelle und wirtschaftliche nachteile. mit großem einsatz hat die stadt ideen und Konzepte für eine nachnutzung des Kasernengeländes entwickelt, die allerdings aus verschiedenen gründen nicht umgesetzt werden konnten. als anfang 2006 die absicht der niedersächsischen landesregierung bekannt wurde, eine Justizvollzugsanstalt in Bremervörde zu errichten, haben rat und verwaltung diese zielrichtung des landes mit allen zur verfügung stehenden mitteln unterstützt, auch weil mit diesem projekt die mit der Kasernenschließung verbundenen nachteile ausgeglichen werden konnten. dem land niedersachsen gratuliere ich zu dieser neuen und sicher auch richtungsweisenden Justizvollzugsanstalt. Was innerhalb der kurzen Bauphase von der grundsteinlegung im Juni 2011 bis zur eröffnung im Januar 2013 auch mit Beteiligung von örtlichen und regionalen handwerksbetrieben geschaffen wurde, kann sich ganz zweifellos sehen lassen. städtebaulich und gestalterisch ist es hervorragend gelungen, die anstalt in den stadteingangsbereich einzubinden und sie nicht als fremdkörper wahrzunehmen. in verbindung mit der noch laufenden umsetzung der

stadtumbaumaßnahme „vörde Kaserne“ ist die stadt Bremervörde stolz auf dieses musterbeispiel einer Kasernenkonversion. ich verbinde mit der Justizvollzugsanstalt erhebliche positive wirtschaftliche impulse für die stadt und die region Bremervörde und bin mir sicher, dass besonders der dienstleistungsbereich, der handel und das gewerbe von dieser einrichtung profitieren werden. Besonders freue ich mich über die hohe akzeptanz, die die Justizvollzugsanstalt in der Bremervörder Bevölkerung genießt. dies konnte am Beginn der planung nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden. auch deshalb bin ich sehr optimistisch, dass die anstalt künftig fest mit unserer stadt verwurzelt sein wird. ich wünsche im namen der stadt Bremervörde, des rates und der verwaltung, aber auch ganz persönlich, dem land niedersachsen und seinem privaten partner, der anstaltsleitung und den mitarbeiterinnen und mitarbeitern, dass die neue Justizvollzugsanstalt Bremervörde ihren Beitrag leistet, die schwierige und gleichzeitig in einem demokratischen rechtsstaat zwingend notwendige aufgabe des Justizvollzuges zu bewältigen. mit freundlichen grüßen

eduard gummich Bürgermeister

G R U S S W O R T A N S TA LT S L E I T E R D R . A R N E W I E B E N

Anstaltsleiter Dr. Arne Wieben

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sehr geehrte damen und herren, verehrte gäste, im namen aller mitarbeiterinnen und mitarbeiter begrüße ich sie ganz herzlich zur feierlichen eröffnung der Justizvollzugsanstalt Bremervörde. die eröffnung einer Justizvollzugsanstalt ist etwas Besonderes. für die 13. und jüngste hauptanstalt des landes gilt dies umso mehr, als die Jva Bremervörde die erste teilprivatisierte einrichtung des niedersächsischen Justizvollzuges ist. die vergangenen gut eineinhalb Jahre standen im zeichen der errichtung und vorbereitung der inbetriebnahme der anstalt. Während die Baustelle die anlage in nur 19 monaten in einen zustand der schlüsselfertigen Übergabe versetzen musste, galt es betriebsseitig eine vollständig neue anstalt administrativ und personell aufzubauen und die verantwortungsvolle aufnahme und Betreuung von bis zu 300 gefangenen vorzubereiten. in dem zusammenwirken mit unserem privaten partner bestand eine wesentliche herausforderung darin, den Besonderheiten der teilprivatisierung gerecht zu werden. dabei musste der private partner in unsere abstimmungsprozesse bei der umsetzung der geschlossenen verträge eingebunden und das private

personal auf die arbeit in dem besonderen umfeld einer Justizvollzugsanstalt vorbereitet werden. allen an dieser vorbereitung Beteiligten – insbesondere aus dem niedersächsischen Justizministerium, den beteiligten Justizvollzugsanstalten und dem Bildungsinstitut des niedersächsischen Justizvollzuges – gilt unser herzlicher dank. meine mitarbeiterinnen und mitarbeitern – hoheitlich wie privat – möchte ich an dieser stelle ermutigen, sich der herausforderung der neuen anstalt und ihren öpp-spezifischen Besonderheiten zu stellen. als teilprivatisierte Justizvollzugsanstalt stehen wir in besonderem maße im fokus der öffentlichen und politischen Wahrnehmung. Begreifen sie dies aber nicht als last, sondern vielmehr als chance, denn nur wer herausforderungen auch annimmt, kann sich zeigen, beweisen und mit der neuen aufgabe – fachlich wie persönlich – wachsen. als ihr erster anstaltsleiter wünsche ich der Jva Bremervörde alles erdenklich gute – und uns allen einen ruhigen und professionellen start.

dr. arne Wieben


Blick auf das Unterkunftsgebäude A (rot) und das Haus C (re.) für Bildungsmaßnahmen.

ÖFFENTLICHE-PRIVATE-PARTNERSCHAFT (ÖPP)

Blick auf die JVA von Nordosten im Dezember.

Zum Richtfest trafen sich Justizminister Bernd Busemann, Ministerpräsident David McAllister, BAM-Projektleiter Steffen Böhme und der Vorstandsvorsitzende der BAM Deutschland AG Alexander Naujoks (v.l.)

die Jva Bremervörde ist die erste niedersächsische Justizvollzugsanstalt, deren planung, errichtung, finanzierung und teilbetrieb im rahmen einer öffentlichprivaten partnerschaft (öpp) erfolgt. nach einer europaweiten ausschreibung erhielt die Bam

deutschland, ein unternehmen der royal Bam group, im oktober 2010 den zuschlag für das projekt. nach der grundsteinlegung im Juni 2011 und dem richtfest im märz 2012 nimmt die Jva im Januar 2013 pünktlich ihren sechsmonatigen probebetrieb auf, bevor im Juli 2013 der realbetrieb startet.

haftplätze fÜr 300 gefangene in den vergangenen zwei Jahren entstand auf dem areal der früheren vörde-Kaserne nach einem entwurf der frick Krüger nusser plan 2 architekten eine moderne Jva. sie bietet raum für 300 haftplätze (180 im Bereich strafhaft, 90 für die untersuchungshaft und 30 plätze im offenen vollzug) und damit für ca. 5% aller strafgefangenen in niedersachsen. Wenn nun der Betrieb aufgenommen wird, arbeiten 148 mitarbeiter in der Jva, davon 84 Bedienstete des landes niedersachsen und ca. 60 Beschäftigte der privaten Betreiber. die aufgabenverteilung zwischen den öffentlichen und privaten mitarbeitern ist präzise definiert (s. grafik Beauftragtenkonzept s. 6).

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Übersicht Lageplan Funktionen

Die Vollzugsmagistrale verbindet als zentrale Achse alle Abteilungen auf kurzem Wege.

geWerBliche dienstleistungen so ist die Bam immobilien dienstleistungen gmbh, ein unternehmen der Bam deutschland ag, generalbetreiber und für das technische gebäudemanagement (u.a. Wartung, instandsetzung, medienver- und -entsorgung, reinigungsdienste, verwaltungshilfsdienste, gefangenenbeschäftigung etc.) zuständig. die hectas facility services stiftung & co. Kg verantwortet pforten- und Besuchsdienst, klassischen objektschutz, den Betrieb der hauptgeschäftsstelle sowie – in teilbereichen – der vollzugsgeschäftsstelle. hinzu kommt die gefangenenversorgung mit dingen des täglichen Bedarfs. um die verpflegung ebenso wie um die medizinische versorgung der gefangenen kümmert sich die dussmann service deutschland gmbh. und die ländliche erwachsenenbildung (leB) schließlich sichert das angebot im Bereich aus- und Weiterbildung sowie im Bereich der sozialfürsorge. 286 mio. euro gesamtinvestitionsvolumen das gesamtinvestitionsvolumen für die Betriebsphase zwischen Januar 2013 und dezember 2037 beträgt 286 mio. euro. das land niedersachsen zahlt der Bam quartalweise zunächst eine nettovergütung von 2,44 mio. euro. Bis zum ende der laufzeit erhöht sich die Quartalsrate auf 3,25 mio. euro. die finanzierung übernimmt ein Bankenkonsortium aus dz Bank ag, dekaBank deutsche girozentrale, volksbank eg osterholz-scharmbeck und sparkasse rotenburgBremervörde. gutachten haben belegt, dass die öffentliche hand gegenüber der eigenrealisierung der Jva einen wirtschaftlichen vorteil von ca. 5% durch das öpp-modell erzielt.

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Beauftragtenkonzept

Organigramm Bauherr

§ 178 DES NIEDERSÄCHSISCHEN JUSTIZ-VOLLZUGS-GESETZES (NJVOLLZG) RECHTSGRUNDLAGE FÜR ÖPP BEI JVA 1) fachlich geeignete und zuverlässige natürliche personen, juristische personen des öffentlichen und privaten rechts oder sonstige stellen können beauftragt werden, aufgaben für die vollzugsbehörden wahrzunehmen, soweit dabei keine entscheidungen oder sonstige in die rechte der gefangenen, sicherungsverwahrten oder anderer personen eingreifende maßnahmen zu treffen sind. 2) eine Übertragung von vollzuglichen aufgaben zur eigenverantwortlichen Wahrnehmung ist ausgeschlossen.


Auch die farbigen Fassaden sollen eine freundliche Atmosphäre schaffen.

STÄDTEBAU UND ARCHITEKTUR mit einer hellen und freundlichen architektur möchten die frick Krüger nusser plan2 architekten die Basis für eine positive atmosphäre in der Jva Bremervörde schaffen – ohne dabei die prioritäten der sicherheitstechnischen anforderungen und funktionalen zusammenhänge zu vernachlässigen. die Jva ist auf dem 11,5 ha großen areal der früheren vörde-Kaserne entstanden. eine zufahrtsstraße führt von der Wesermünder straße (B 71/74) zum vorplatz der anstalt. südlich gefasst wird dieser platz durch die

gebäude des offenen vollzugs. Über die pforte wird die Jva erschlossen.

die kompakte anordnung der gebäude sind praktische vorteile dieses Konzeptes.

KompaKte anordnung, Kurze Wege die gebäude konzentrieren sich auf den nordwestlichen Bereich des grundstücks. mit dieser verdichtung zielen die architekten auf die „richtige Balance zwischen urbaner dichte und räumlicher Weite“. Übersichtlichkeit, personaleffizienz durch kurze Wege und die minimierung der Bau- und unterhaltungskosten durch

vollzugsmagistrale das funktionale rückgrat der anstalt ist die zentrale haupterschließung, die sogenannte vollzugsmagistrale. diese von nordwesten nach südosten verlaufende achse verbindet sämtliche einrichtungen der Jva: im Westen die pforte mit sicherheitszentrale, Besuchsabteilung und verwaltung, im norden die Wohn- und freizeitflächen und im süden der arbeitsbereich samt anlieferung.

Die zentrale Erschließungsachse der JVA ist die Vollzugsmagistrale.

materialien und farBen der bewusste Wechsel von materialien und farben soll ein interessantes und abwechslungsreiches umfeld für mitarbeiter und gefangene schaffen. für die fassaden etwa wurden ziegelverblender, graue und rote Betonflächen, aluminiumprofile und wetterfeste hpl-platten genutzt. die reduzierung auf nur wenige fensterformate erzeugt ein bewusst ruhiges fassadenbild. zudem sorgen die großzügig dimensionierten fenster für ausreichend freundliches tageslicht in fast allen räumen. im innenbereich differenzieren zudem spezielle farben – nicht bunt, sondern anregend – bestimmte funktionseinheiten sowie haftgruppen und wirken damit einer anonymisierung entgegen.

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Die Dienstzimmer in den Etagen der Wohngebäude

Auch in der Küche arbeiten die Gefangenen künftig.

Getrennter Ein- und Ausgang für Mitarbeiter, Besucher und Lieferverkehr.

Außerhalb der Mauern der JVA liegt das Gebäude des Offenen Vollzugs.

FUNKTIONSEINHEITEN die 250 m lange achse der „vollzugsmagistrale“ verknüpft sämtliche einheiten der Jva auf kurzem Wege. haus a/B - WohngeBäude die häuser a und B werden durch ihre markante v-form zu den signifikantesten Baukörpern der anstalt. die drei obergeschosse nehmen die unterkünfte der gefangenen auf. in haus a sind neben strafgefangenen auch untersuchungsgefangene untergebracht. im erdgeschoss des haus ist die medizinische abteilung eingerichtet, im erdgeschoss von haus B u.a. die aufnahme. aus ihren dienstzimmern im Winkel der einzelnen gebäude haben die diensthabenden Beamten eine uneingeschränkte sicht in die zwei schließgänge und eine direkte anbindung an das treppenhaus und den lift. in den höfen sind die freistundenhöfe angelegt, mit rasenflächen, Bodendeckerbändern und befestigten Wegen. haus c – „gemeinsames haus“ im haus c, direkt an der magistrale, finden sich auf zwei geschossen räumlichkeiten für die ausbildung, die arbeitstherapie, die aula für größere veranstaltungen und weitere räume für behandlerische angebote. haus d/e – WerKstätten, KÜche und pufferlager die gebäudekomplexe sind klar differenziert nach nutzungen: „unternehmerbetriebe“, Küche und pufferlager. der Wareneingang und ausgang findet ausschließlich über die Kfz-schleuse statt, die direkt am zentralen anlieferhof anschließt. die zufahrt zum anlieferhof und die magistrale, über die mitarbeiter und gefangene die Werkstätten erreichen, sind

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durch ein metallgitter getrennt, um eine Kreuzung mit dem lieferverkehr zu vermeiden. um zu verhindern, dass mit dem Warenausgang auch gefangene den Weg in die freiheit finden, lagern die produkte vor dem verlassen der anstalt mindestens eine nacht im pufferlager. haus f – pforte und verWaltungsgeBäude Besucher, mitarbeiter und fahrzeuge haben jeweils eigene zugänge über die außenpforte in die anstalt. so werden unerwünschte Überschneidungen vermieden. direkt angeschlossen an die eingeschossige außenpforte ist die viergeschossige verwaltung, in der auch der Besuchsbereich untergebracht ist.

haus g – sporthalle nah am eingang positioniert ist die sporthalle, damit lokale vereine die moderne sportstätte nutzen können. nördlich der sporthalle schließen sich ein großspielfeld (94 m x 47 m), drei Basketball- und volleyballfelder sowie eine Jogginglaufbahn belegt mit rindenmulch.

haus h/i – offener vollzug am vorplatz und außerhalb der Jva-mauer liegen das unterkunftshaus und die Werkhalle des offenen vollzugs.


Sehr gut zu erkennen aus der Kran-Perspektive ist die modulare Struktur aus Fertigteilen.

BAUKONSTRUKTION grÜndung trotz des torfabbaus liegt Bremervörde in einer moorgeprägten landschaft. auch im Baufeld befinden sich daher torfschichten und torflinsen. sie machten es erforderlich, einen großen teil der gebäude auf stahlbetonstützen mit einer länge von bis zu 16 m zu gründen. 2.600 stahlbetonpfähle wurden eingebaut. BauausfÜhrung alle unterkellerten Bereiche sind aus wasserundurchlässigem Beton und in monolithischer Bauweise hergestellt. ab Bodenplatte aufwärts wurden ausschließlich fertigteile verwendet. für die außenwände kamen sandwichelemente zur ausführung. halbfertigteile und vollfertigteile wurden als innenwände, stützen, riegel und decken eingesetzt. die fertigteile sind zu großen teilen oberflächenfertig, so dass auf innenputzarbeiten komplett verzichtet werden konnte. gipskartonwände kamen nur in Bereichen zum einsatz, in denen gefangene keinen direkten zugang haben. dachdecKung es kamen ausschließlich flachdachabdichtungen als Warmdach in verschiedenster ausführung zum einsatz.

Die Fertigteile wurden mit integrierten Fenstergittern geliefert.

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Die 6,50 m hohe Stahlbetonmauer ist mit einer detektierten Mauerkronensicherung ausgestattet.

SICHERHEIT UND TECHNIK die neue Jva ist in der sicherheitsstufe iii kategorisiert. das entspricht einem mittleren und niedrigen sicherheitsstandard. der angeschlossene offene vollzug entspricht der sicherheitsstufe iv. die technische gebäudeausrüstung entspricht teilweise den anforderungen der sicherheitsstufe ii (hoher sicherheitsstandard). so unterbindet z.B. eine herzschlagdetektion – ein verfahren zur sondierung verschütteter etwa nach erdbeben – bei der Überprüfung herausfahrender fahrzeuge das ungenehmigte verlassen der Jva. alarmmanagement das alarmmanagement wird zentral über die sicherheitszentrale gesteuert und umfasst die videoüberwachung, detektion, Kommunikationsanlage, alarmanlage, hausalarm, funk- und schließanlagen. die videoüberwachung etwa erfasst den zaunzonenbereich, freigelände- und gebäudeteile wie freistundenhöfe, besonders gesicherte hafträume und schleusen.

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die Krone der das areal umschließenden stahlbetonmauer ist im Bereich der mauerkrone mit einer Übersteigdetektion ausgestattet. im alarmfall wird der mauerbereich innen und außen beleuchtet. alarm kann ausgelöst werden über die personennotrufanlage (pna) und den druckknopfalarm der hausalarmanlage. schliesssysteme alle hafträume und bereichsumfassende durchgangstüren sind mit hochsicherheitsschlössern versehen, alle übrigen türen mit einem profilzylinder-schließsystem. stromversorgung die unterbrechungsfreie stromversorgung (usv) gewährleistet bei stromausfall in vollem umfang den weiteren Betrieb der Jva bis die notstromversorgung einsetzt. angeschlossen sind die tor- und türsteuerungen samt der antriebe, Brandmeldeanlage, edv und notbeleuchtung.

technische geBäudeausstattung in der u1-ebene dient die magistrale ebenfalls als zentrale achse – zur versorgung aller Bereiche mit allen medien (strom, Kommunikation, Wasser, energie) auf kurzem Wege. KommuniKation als erste anstalt dieser größenordnung kommunizieren die mitarbeiter der Jva Bremervörde volldigital über ein voice-over-ip-system (telefon und datennetz über tK 2010). die gefangenen haben die möglichkeit über das analoge telio zehn gespeicherte nummern außerhalb der Jva anzurufen. zudem ist eine haftraumkommunikations- und lichtrufanlage (notmelde- system) installiert. für die feuerwehr und polizei ist eine Bos-funkanlage (ein nichtöffentlicher mobiler uKW-landfunkdienst für Behörden und organisationen mit sicherheitsaufgaben) installiert. zudem sind die, für den einsatz der polizei bestimmten räume mit je zwei anschlüssen für 2m-


Die Videoüberwachung kontrolliert sicherheitsrelevante Zonen innerhalb und außerhalb der Gebäude.

In der Sicherheitszentrale laufen Informationen zusammen und hier wird das Alarmmanagement zentral gesteuert.

Unterhalb der Vollzugsmagistrale verläuft die Versorgungsachse für Energie und Medien.

funk (einsatzstellenfunk) ausgestattet. in der verwaltung sind je zwei weitere anschlüsse für 2m-funk und 4m-funk (leitstellenfunk) eingerichtet. zudem ist die aufschaltung von videosignalen zum lage- und führungszentrum sowie facheinheiten des landeskriminalamts (lKa) möglich.

Hartmangangitter sichern die Fenster der Hafträume und Funktionsbereiche. Die Türen der Hafträume sind mit Hochsicherheitsschlössern gesichert.

geBäude- und aussenanlagensicherung die Jva wird von einer 6,50 m hohen stahlbetonmauer umschlossen, die mit einer detektierten mauerkronensicherung ausgestattet ist. der Begrenzung der funktionsbereiche (z.B. die freistundenhöfe oder der anlieferhof) sowie der kontrollierten Bewegungsführung innerhalb des „inneren sicherheitsbereiches“ dienen 4,50 m hohe metallzäume. in teilen der anstalt wurden fenster, fensterfassaden und innenverglasungen in der Beschussklasse fB 7 (hält einem gewehrbeschuss mit Kaliber 7,62x51 stand) mit entsprechender verglasung Br 7 und mit sprengwirkungshemmung (außenpforte, sicherheitszentrale und Waffenkammer) installiert. die fenster in den gefangenenunterkunfts- und funktionsbereichen sind mit hartmangangittern gesichert. innerhalb der gebäude wurde auf die vermeidung von nischen und spalten geachtet, um z.B. keinen raum für drogenverstecke zu bieten. auch Kleiderhaken, die nur maximal 40 kg halten, berücksichtigen die besondere lebenssituation der gefangenen.

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Herausgeber:

Justizvollzugsanstalt Bremervörde Am Steinberg 75, 27432 Bremervörde Tel.: 0049-(0)4761-8088-0 Fax.: 0049-(0)4761-8088-145 JVBRV-poststelle@justiz.niedersachsen.de www.jva-bremervoerde.niedersachsen.de

BAM Deutschland AG Tögelstraße 18 01257 Dresden Tel.: 03 51 / 2 82 99-0 Fax: 03 51 / 2 82 99-19 info@bam-deutschland.de www.bam-deutschland.de

Erschienen bei:

documedia Fachverlag GmbH Kirschgartenweg 58 67549 Worms Tel.: 0 62 41 – 97 66-0 Fax: 0 62 41 – 97 66-22 www. documedia-verlag.de info@documedia-verlag.de Fotos: Aranka Szabó, Bremervörde Redaktion: Friedhelm Feldhaus Gestaltung: Birgit Liebscher


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JVA Bremervörde