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Abb. 12: Ken Kurosu mit seinem Lehrer Prof. Inagaki Genshiro.

Abb. 13: Spiegelneurone im Gehirn von Primaten sorgen dafür, dass ein Verhaltensmuster (Zunge heraus strecken) von einem Für das Üben, keiko, bedeutet es, dass der Meister das Modell jungen Äffchen nur durch Beobachten nachgemacht werden darstellt. Das letztendliche Ziel des keiko ist, den Lehrer in sei- kann. nem Menschsein unmittelbar als kata, Form, genau zu kopieren. Dies ist überaus wichtig. Die Fähigkeit des Menschen mit Hilfe von Spiegelneuronen gesehene Verhaltensmuster nachzumachen, ist für das keiko, Üben, Will man also einen sehr starken Abschuss erlernen, so ist es in von großer Bedeutung. der heutigen Zeit wichtig, in einer Gruppe von Schützen zu üben, die einen sehr starken Abschuss machen. (8) 見取り稽古mitori geiko Üben durch Sehen (7) ミラーニューロン Spiegelneurone Mit mitori geiko ist gemeint, dass die Übung oder die Bewegung eines Älteren oder des Meisters nur über das Sehen begriffen wird. Es entsteht eine Art Gedankenverbindung. Man nennt es In den Neurowissenschaften ist in den vergangenen 10 Jahren auch Inneres Üben, kokoro no keiko, Üben mit dem Geist. Dies eine äußerst wichtige Entdeckung gemacht worden. An der Mai- ist von alters her eine wichtige Art des Übens. länder Universität entdeckte man an Primaten, dass ein Verhaltensmuster eines Tieres ein gleichartiges Muster bei einem an- Man sagt auch gerne, die Technik des Älteren stehlen, indem deren Individuum der gleichen Rasse hervorruft. Primaten ver- man sie sich durch Sehen merkt. Wichtiger noch als das Sehen fügen über Nervenstrukturen im Gehirn, Spiegelneurone, die ist es, das Gefühl zu haben, durch das Sehen in sein Gegenüber das Potential haben, Bewegungen oder Verhaltensmuster nach- einzugehen. Dabei werden die Spiegelneurone aktiv, das Gehirn zumachen, zu kopieren. Dasselbe Potential besitzen auch Men- arbeitet, als würde man das Beobachtete selbst tun. Man identischen. fiziert sich dabei mit dem Gesehenen oder dem Gegenüber auf eine Weise, als würde man die Bewegung selbst ausführen. Sind zwei Individuen in Ruhe und das eine Individum macht eine Bewegung, so kann das zweite Individuum nur durch Beobachtung diese Bewegung, wie das Schauen in einen Spiegel, nach- Die Bewegung des exzellenten Vorbildes und das Gehirn des machen. Das bedeutet, dass durch das Sehen allein schon eine Beobachtenden schalten sich gleich; im Gehirn des BeobachReaktion ausgelöst wird, die zu gleichen oder ähnlichen Verhal- tenden entsteht eine Simulation. Die Simulation verknüpft sich tensmustern führt. mit dem eigenen Handlungsmodell des Beobachtenden. Dadurch wird die gesehene Bewegung reproduzierbar. Jeder kennt die Situation im Theater, im Kino oder vor dem Fernseher, dass man das Gesehene mitfühlen kann, unbewusst gesehene Szenen nachmachen kann oder sogar direkt reagiert (z.B. bei Boxszenen).

Einen Film von Urakami Sakae sensei sollte man auf so eine Art anschauen, als wäre man Urakami sensei selbst. Es sollten nicht die Einzelheiten der Bewegungsausführung analysiert werden wie z. B. die linke oder rechte Hand. Das Sehen des Ganzen ist wichtig.

100 Jahre Prof. Genshiro Inagaki 2011 15

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