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Schwerpunkt | Ausbildung Ein weiteres Beispiel für kata ist aus der Etiquette der Ogasawara (5) 師弟同行・内弟子 shitei dôgyô – uchi deshi Lehrer Schule für die Samurai entnommen. Dabei müssen langsame Be- und Schüler gehen gleichen Schrittes – Haus-Lehrling wegung eingeübt werden, wie sie dann in der Vollendung vor dem Landesfürsten in dessen Palast ausgeführt werden müssen. Der Begriff 師弟同行 shitei dôgyô bedeutet, dass der Lehrer und der Schüler gleiche Schritte gehen; 内弟子 uchi deshi bedeutet Ein weiterer wichtiger Begriff ist 学ぶ manabu. Er bedeutet (in der Lehrling im Haus, Haus-Lehrling. der Schule) lernen. Er hängt mit 真似 manebu zusammen, welches nachmachen, imitieren bedeutet. Er wird in der Schule verwendet und bedeutet lernen, studieren. Auf das Kyûdô übertragen bedeutet er, dass die Techniken des Kyûdô, deren exakte Formen erlernt werden, z. B. beim Anfängertraining wird das mittels genauem Nachmachen der Formen erlernt. Im Sarugaku-Theaterspiel, dem ursprünglichen Volkstheater (um 1400), aus dem das Nô-Theater entstand, wird der Begriff maneru im Sinne von imitieren verwendet. Der Schauspieler muss dabei Menschen und Tiere nachahmen.

Abb. 11: Der berühmte Haiku-Dichter Bashô und sein Schüler gehen gleichen Schrittes, d. h. den Weg gemeinsam. Der Schüler lernt den Lehrer und seine Lebensweise in allen Situationen kennen. Mit dem Lehrer gleichen Schrittes gehen heißt, Meister und Schüler üben miteinander. Man nennt das 諭(さと)す satosu, Ermahnen, Belehren.

Abb. 10: Im Sarugaku-Theaterspiel imitieren Schauspieler Menschen und Tiere. Keiko, das Üben einer traditionellen Kunst, bedeutet also, eine vollendete Form kata zu erlernen narai, indem man sie nachahmt manabu. Das heißt auch, dass die Form kata, hoch bewertet wird. Die Forderung ist streng; man muss der Form entsprechen. Deshalb muss die Form, die aus der Erfahrung und aus dem Entwurf der alten Meister überliefert ist, genau erlernt werden. Dies erreicht man durch immer und immer wiederholtes Tun. Damit wird die Bedeutung von manabu, Nachmachen, mit dem Begriff keikô, Üben, verknüpft. In der theoretischen Schrift zum Nô-Schauspiel „Kadensho“ (Fûshi Kaden) des Ze-ami (1363-1443) steht: „Keiko heißt, Musik, Bewegung, Nachahmung, Gesang usw. modellhaft zu entwickeln. Wer es zunächst auf diesem Wege zu erreichen gedenkt, darf nicht davon abweichen.“

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Für das Üben von Budô bedeutet es, dass nicht nur die Kunst und die Form nachgemacht werden. Es werden auch die Lebensweise des Meisters, seine Art zu unterrichten und damit seine Lebensgewohnheiten als kata, Form, angenommen.

(6) 型としての師匠 Der Meister als das Modell Geht man als Schüler denselben Weg, den der Meister geht und richtet sein Leben genauso aus, um des Meisters Weg nachzumachen und verfolgt man den Prozess, wie er seine Fähigkeiten und Methoden entwickelt, dann wird es möglich, den erreichten Stand dieser Person (des Meisters) selbst zu erreichen. Das ist mit dem Nachzeichnen auf einem Transparentpapier vergleichbar. Das ist das System des Haus-Lehrlings, bei dem der Schüler im Haus des Meisters lebt und direkt von ihm lernt. Schießt also der Meister z.B. 100 Pfeile am Tag, so kann der Schüler an die Fähigkeiten des Lehrer nicht herankommen, wenn er weniger als 100 Pfeile am Tag schießt.

ZANSHIN I-2011  

Das Deutsche Kyudo Magazin (DKyuB e.V.) German Kyudo Magazine

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