Page 1

&

red queer

Nr.

7

2. Jahrgang Juni 2007

Von einer Gruppe Gleichartiger zur AG der DKP Zur Geschichte von DKP queer von Sascha Eigentlich geht unsere heutige Arbeit schon einige Jahrzehnte zurück. Als sich Anfang der 1980er Jahre die DeSi (Demokratische Schwuleninitiative) gründete. 1984 wurde die DeSi zur DeLSi (Demokratische Lesben und Schwuleninitiative) umbenannt. Wie vieles was der DKP nahestand, verschwand diese Initiative 1990 im Rahmen der Konterrevolution in Europa von der Bildfläche. Und nun war es Ende 2005 als sich ein junger Genosse aus dem Hochtaunus fragte, warum es eigentlich keine schwule „Ecke“ oder „Nische“ in der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) oder der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) gibt. Im „Taunus Echo“ schreibt dieser Genosse unter dem Pseudonym „Dominik“. Er fragte sich, warum es auf den CSDs (Christopher-Street-Days) keine Beteiligung der Partei oder des Jugendverbandes gibt und nahm

sich vor, dies mit anderen Genossen zu ändern. Wahrscheinlich wusste er nicht, dass er damit offene Türen eintrat, denn einerseits hatte es Mitte der 1990er Jahre noch einmal den Versuch gegeben auf einem UZ-Pressefest etwas zu reorganisieren und andererseits waren 2005 parallele Bestrebungen längst eingeleitet, die nur noch zusammengeführt werden mussten. Es war exakt diese Zeit, als ich in die Partei eintrat und mich eben dieselben Gedanken bewegten, wie „Dominik“. Ich hatte damals schon versucht, auf „GayRomeo“ (GR), einem InternetPortal für Schwule, unter dem Namen „United Gay Socialists“ eine sozialistische Gruppe zusammenzuführen. Es ging einerseits darum, der latenten Rechtslastigkeit dieses Portals, die sich unter anderem durch eine hohe Anzahl rechter und reaktionärer Fortsetzung auf Seite 2

Unser Beitrag auf dem UZPressefest: Samstag, 23.06.2007 „Spezifisch menschliche Sexualität als Ausdruck unserer gesellschaftlichen Natur“ – Diskussionsrunde mit Iris Rudolph Zeit: 16:00 Uhr Ort: Stand DKP queer Samstag, 23.06.2007 „Einheitsfront Baby!“ – Musik von und mit Compay Zeit: 18:00 Uhr Ort: Stand DKP queer Sonntag, 24.06.2007 „Tagesbefehl Nr. 2“ – Leander Sukov und Julietta lesen: Majakowsky, Weerth, Heine, Tucholsky und Sukov Zeit: 12:00 Uhr Ort: Stand DKP queer


red&queer Nr. 7  Seite 2

Aus dem Inhalt... Seite 3 Interview mit Thomas, Mitglied der Kollektiven Leitung von DKP queer

Seite 4 Leserbrief und Kommentar zu „Homosexualität und Sozialismus“

Seite 7 Leander Sukov: „Ich liebe Aleksandra“

Fortsetzung von Seite 1 Clubs zeigt, etwas entgegen zusetzen; andererseits hatte ich denselben Gedanken, wie Dominik, ich wollte schwule Genossen in der DKP kennen lernen und mit ihnen zusammen homo-politische Positionen in marxistischer Perspektive erarbeiten um so die Partei zu unterstützen aber auch DKP und SDAJ in der Community in bewusster Abgrenzung zum rechten LSVD (Lesben- und Schwulenverband Deutschlands) bekannt zu machen. Nach dem Flop von „United Gay Socialists“ gründete ich etwa Anfang/Mitte 2006 den „DKP-Club“ auf GR. Auf diesen wurde der Genosse Thomas, der, wie auch Dominik aus dem Hochtaunus kommt, aufmerksam und berichtete mir, dass er sich sehr freue, dass ein solcher Club endlich auf GR gegründet worden sei und dass es bereits Bestrebungen zur Gründung einer Gruppe in der DKP gibt. Er regte noch an, den Club auf „DKP-SDAJClub“ zu erweitern. Mittlerweile wird auch Sympathisanten dort eine Mitgliedschaft ermöglicht. Ende April des gleichen Jahres schließlich richtete der Genosse Roy unsere Internetseite www.dkp-queer.de ein.

„Dass es in so kurzer Zeit so viel Wellen schlägt, hab ich gar nicht gedacht. Ich habe eigentlich gedacht, wir machen hier etwas für ein paar schwule, lesbische und bisexuelle Jugendliche in Hessen. Jetzt schlägt das schon bundesweit Wellen.“, schrieb unser junger Genosse „Dominik“ noch in der zweiten Ausgabe des „Taunus Echo“ im Jahr 2006; und tatsächlich hatte sich schon einiges entwickelt. Auf dem bundesweiten Pfingstcamp der SDAJ (Warburg-Bonenburg: 02.06.-05.06.2006) gab es z.B. eine Beteiligung. Iris Rudolf, die auch am „Blauen Heft“(Grundsätze und Forderungen der DKP gegen die Diskriminierung der Homosexualität) mitgewirkt hatte, hielt dort ein Referat zum Thema „Ist die sexuelle Revolution schon zu Ende?“. Auch gab es auf dem Pfingstcamp einen Infostand und einen „Spät am Abend Schoppen“. Auf dem darauf folgenden CSD in Frankfurt am Main (29.07.-30.07.2006) gab es erstmals einen Infostand. Am dritten Juni-Wochenende vertrat uns der Genosse Jens auf dem Transgenialen CSD in Berlin, dem nichtkommerziellen CSD. Mittlerweile nannte sich die Gruppe schon „Queer DKP“ und veröffentlichte ihre Zeitschrift von da an auch unter diesem Namen. Schließlich gab es das erste Aktiventreffen der Guppe – die sich zuvor noch „Red&Gay“ genannt hatte – in der Karl-Liebknecht-Schule in Leverkusen am 19. und 20.08.2006. Hier gab sich die Gruppe ein ausformuliertes Selbstverständnis. Man weitete nun die Gruppe auf alle Schwulen, Lesben, Bisexuellen und TransgenderGenossen und Sympathisanten aus und einigte sich endgültig auf den Namen „DKP queer“. Am 09.09.2006 gab es dann eine Beteiligung auf dem CSD Iserlohn, nun bereits unter dem Namen „DKP queer“. Ab November 2006 hieß dann die Zeitschrift in Absetzung

zur Gruppe „red&queer“. Das zweite Treffen von Aktiven bzw. Mitgliedern der Gruppe hieß dann auch schon, wie in Folge, Bundestreffen und fand vom 01.12.-03.12.2006 in Frankfurt am Main statt. Hier bearbeitete die Gruppe ihr Selbstverständnis und beschloss sich als Arbeitsgruppe (AG) der Partei zu konstituieren. Am 14.01.2006 zeigte die Gruppe wortwörtlich Flagge auf der Liebknecht-Luxemburg-Demo in Berlin. Es dürfte das erste mal gewesen sein, dass man dort auch Regenbogenflaggen im Meer der anderen gesehen hat aber es hatte vor 2006 auch noch auf keinem CSD in der BRD eine Beteiligung einer Kommunistischen Partei gegeben. Zumindest ist nichts zu finden. Am 30.03.-01.04. traf sich die Gruppe zum 3. Bundestreffen im „Magda-Thürey-Zentrum“ in Hamburg. Hier wurde über unsere Beteiligung auf dem „UZ Pressefest – Volksfest der DKP“ vom 22.06.-24.06.2007 im Revierpark Wischlingen in Dortmund diskutiert. Der DKP-Vorsitzende Heinz Stehr besuchte das Treffen. Gemeinsam mit ihm und dem Hamburger Bezirksvorsitzenden Olaf Harms besprach man die Möglichkeit aus der Gruppe, eine ordentliche AG der Partei zu schaffen. Bis zur 14. Parteivorstandssitzung im September wird man den Antrag stellen, als AG des Parteivorstandes bestätigt zu werden. Um der Gruppe eine gewisse Struktur zu geben, beschloss man die Installation eines Leitungskollektivs, dass sich aus drei Genossen zusammensetzt, gegenwärtig sind das Thomas, Jens und ich, Sascha.


red&queer Nr. 7  Seite 3

Interview mit Thomas Organisations-Verantwortlicher der Kollektiven Leitung von DKP queer gemacht und eine inhaltliche Runde zum Thema „Ist die sexuelle Revolution schon zu Ende“ mit Iris Rudolph angeboten. Zudem gab es einen „Früh am Abend Schoppen“ auf dem Pfingstcamp. Die Vorbereitungen dazu waren zum Glück nicht sehr schwierig. Etwas mehr ins Gewicht viel dann schon die Vorbereitung der CSDs in Frankfurt und Iserlohn sowie das erste, zweite und dritte Bundestreffen. Gerade die Bundestreffen vorzubereiten etc. ist eine anstrengende Aufgabe.

red&queer: Thomas, du bist am 1. April in die Kollektive Leitung von DKP queer gewählt worden. Herzlichen Glückwunsch erstmal. Welche nächsten Aufgaben hast du? Thomas: Vielen Dank. Zu allererst ist es meine Aufgabe, unseren Beitrag auf dem UZ Pressefest vorzubereiten. Also den Stand zu Organisieren, den Schichtplan zu erarbeiten, zu Planen, wo das Material das wir brauchen zu besorgen ist, etc. Natürlich ist auch jetzt schon das vierte Bundestreffen in Nürnberg vorzubereiten. Vor allem da es dass erste Bundestreffen sein wird, wo auch wir etwas dazu lernen werden. Am Samstag Morgen soll es ein Referat zum Thema Transgender geben. Für eine Gruppe, wo bisher fast nur Schwule und Bisexuelle Männer zu den Bundestreffen angereist sind, einmal etwas neues. Und um nicht zu vergessen, der CSD in Frankfurt in diesem Jahr soll wie der im Vorjahr auch wieder ein großes Ereig-

nis für DKP queer werden. Dazu musste auch wieder der Stand angemeldet werden, Übernachtungsplätze organisiert werden, Material beschafft werden, dann gibt es mit der UZ (Unsere Zeit – Wochenzeitung der DKP) Gespräche, die dazu führten, dass in der Ausgabe zum CSD FFM eine Ganze Seite dem Thema DKP queer gewidmet wird. Dazu muss natürlich auch etwas geschrieben werden. (Zum Glück im Kollektiv). red&queer: Du bist seit etwas mehr als einem Jahr sozusagen schon in der Kollektiven Leitung gewesen, auch wenn es sie noch nicht gegeben hat. Was hast du in den ersten Monaten von DKP queer gemacht? Thomas: Wow! Das ist eine Frage die reinhaut. Also alles aus dem Kopf so einfach ist das nun nicht. Da war schon ne ganze Menge: Auf dem Pfingstcamp der SDAJ in Warburg Bohnenburg haben wir einen Infostand

red&queer: Wie sehen solche Vorbereitungen und auch die Durchführung solcher Bundestreffen aus? Thomas: Das ist auch eine ganze Menge, natürlich muss ein Ort für die Tagung gefunden werden, am besten einer der nichts oder wenig kostet. Dann geht es weiter mit der Tagesordnung, Einladung schreiben, Einladung verschicken, die eingehenden Zu- und Absagen ordnen, wo kommen die Teilnehmer unter, was müssen die Teilnehmer mitbringen, die Versorgung koordinieren, Einkauf, die ankommenden Leute empfangen, im Vorfeld der bisherigen Bundestreffen habe ich, da ich auch die Eröffnung und teilweise die Leitung des BT übernommen habe, Beiträge schreiben müssen; ein Abendprogramm auf die Beine stellen war auch immer meine Aufgabe. Also eine Arbeit die mich bisher immer ganz schön gefordert hat, vor allem da ich auch noch andere Aufgaben in der Partei habe. Aber – und das ist Ernst gemeint – es macht verdammt viel Spass! red&queer: Vielen Dank für das Gespräch. Thomas: Aber gerne.


red&queer Nr. 7  Seite 4

zu „Homosexualität und Sozialismus“ Leserbrief und Kommentar zum Artikel aus red&queer Nr. 6

Leserbrief

Ich muss auf diesem Wege gleich einmal eine Kritik am Artikel „Homosexualität und Sozialismus“ im aktuellen „Red&Queer“ loswerden, den ich gestern bekommen habe. Hier heißt es im drittletzten Abschnitt: „[...]Artikel 303 des Strafgesetzes verfügt allerdings, dass die öffentliche Zurschaustellung von Homosexualität strafbar ist. Die Kubanische Regierung sanktioniert oder bestraft homosexuelle Handlungen nicht. Schwule Männer können am sozialen und politischen Leben des Landes teilnehmen. [...] Die kubanischen Homosexuellen verspüren keinen Bedarf, für schwule Ehen zu kämpfen, da verheiratete und unverheiratete Menschen gleiche Rechte haben.“ In diesem Abschnitt werden die negativen Aspekte der Sexualpolitik Kubas beschrieben, jedoch für eine homosexuelle Sektion einer KP zu wenig kritisiert. Man hätte das Verbot des öffentlichen Zurschaustellens kritisieren müssen, da es eine Einschränkung im Leben der kubanischen Homosexuellen ist. Es passt auch nicht die nachfolgende Aussage, dass die kubanische Regierung homosexuelle Handlungen nicht sanktioniert. Durch die Aufrechterhaltung des Artikel 303 sanktioniert sie die öffentliche Zurschaustellung von Homosexualität. Schwule Männer können zwar als Bürger der kubanischen Republik am sozialen und politischen Leben des Landes teilnehmen, jedoch aus oben genannten Gründen nicht vollständig unter Auslebung ihrer Homosexualität. Ebenso muss ich die letztere Aussage kritisieren. Sicherlich ist es gut, dass verheiratete und unverheiratete Menschen auf Kuba die gleichen Rechte haben, jedoch sollte die homosexuelle Ehe auch auf Kuba „legalisiert“ werden, da es eine Emanzipation der Homosexuellen ist und man eine Ehe nicht nur wegen gesellschaftlichen und finanziellen Vorteilen eingeht. Wie ist deine Meinung dazu? Meine Meinung kann gerne in der DKP queer veröffentlicht werden. MfG, Golfi

In der letzen Ausgabe der red&queer veröffentlichte ich einen Artikel, der die Situation der Homosexuellen in Kuba beschreibt. Dazu ist bei mir nebenstehender Leserbrief (über Gayromeo) eingegangen.

Kommentar des Autors: Hallo Genosse, ich möchte mich erstmal für deine Kritik bedanken. Es tut mir leid, dass du auf eine entsprechende Antwort lange warten musstest, aber als mir T. die Kritik schickte hatte ich sehr viel zu tun und hatte deine Kritik erst mal ad acta gelegt. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und nun habe ich auch die Zeit gefunden auf deine Kritik einzugehen. Du schreibst unter anderem, dass man das Verbot einer öffentlichen Zurschaustellung der Homosexualität in Kuba hätte kritisieren müssen. Hier stellt sich aber erstmal die Frage, was man mit Zurschaustellung meint. Dass Homosexuelle sich nicht öffentlich als Homosexuelle zeigen dürfen, ist damit sicherlich nicht gemeint, da nun mal Homosexuelle Handlungen nicht bestraft werden und jene auch am öffentlichen und politischen Leben teilnehmen dürfen. Damit liegt keine staatliche Diskriminierung vor. Ich bin zwar kein Experte der kubanischen Gesetzeslage, aber ich gehe mal davon aus, dass mit Zurschaustellung nichts weiter gemeint ist als Pornographie, Prostitution, GayCruisings auf öffentlichen (!) Plätzen oder eine gewisse Überinterpretation dekadent-bürgerlicher Lebensweisen, wie das Reduzieren der Homo-


red&queer Nr. 7  Seite 5

sexualität auf „nur das eine“ oder abgehobene Lebensweisen (quasi, dass Schwule doch was Besseres seien als Heterosexuelle o. ä.). Kurz um: alles was mit dem Verkauf der Sexualität zu tun hat, wird sanktioniert – wenn du unter öffentlicher Zurschaustellung was anderes verstehst, klär mich bitte auf. Nur, sollte das, was ich mir darunter vorstelle und oben erwähnt habe, gemeint sein, so muss ich sagen, dass ich diese Maßnahmen unterstütze! Toleranz gegenüber Homosexualität heißt nicht, dass man alles durchgehen lassen sollte, schließlich betreffen ja solche Sanktionen (was immer man auch darunter verstehen will) auch nicht nur Homosexuelle, sondern auch Heterosexuelle! Weiterhin schreibst du, dass die Homo-Ehe auf Kuba legalisiert werden muss, weil es zur Emanzipation der Homosexuellen beitrage. Ich sage da eher: wenn alle das gleiche Recht haben am politischen Leben teilzunehmen, wenn alle das Recht auf Bildung und medizinische Versorgung haben, wenn alle steuerlich und juristisch vor dem Gesetz gleichgestellt sind, und das sowohl in der Theorie als auch in der Praxis ist ein solches Unterfangen nicht nur unsinnig, sondern in meinen Augen auch auf keinen Fall zu unterstützen! Warum? Kommunisten lehnen die Ehe als eine Form bürgerlichen Zusammenlebens ab, weil diese zur Unterdrückung der Frau beigetragen hat (der Mann verdient die Brötchen, die Frau bleibt zu Hause und macht sich somit vom Mann abhängig) und alternative Lebensweisen – seien es homosexuelle Beziehungen oder nicht-eheliche heterosexuelle Beziehungen – ausschließt (hier spielt die bürgerlichreligiöse Sexualmoral ebenso eine Rolle, wie steuerliche oder juristische Nachteile von Nicht-Ehen). Im Prinzip ist dies auch unsere Haltung zur Homo-Ehe. Wir unterstützen die Homo-Ehe aber nicht, weil wir die Ehe als solches gut finden, sondern, weil

z. B. die Homo-Ehe in Deutschland, Homosexuellen einige steuerliche und sonstige Vorteile bringt, die sie zu gleichberechtigten Bürgern macht (natürlich geht aber da die Homo-Ehe nicht weit genug, es gibt noch eine Reihe von Punkten, bei denen Homosexuelle immer noch benachteiligt werden). Da aber auf Kuba solche unvorteilhaften Bedingungen für Homosexuelle nicht vorherrschen, ist ein „Werben“ für eine Homo-Ehe nutzlos und würde sogar ein eher negatives Bild auf die Homosexuellen werfen, weil sie sich irgendwelche Sonderrechte wünschen, die sie von den anderen abheben (wo wir wieder bei der öffentlichen Zurschaustellung wären). Ich möchte auch betonen, dass Kuba natürlich nicht das Paradies für Homosexuelle ist. Es ist nicht auszuschließen, dass es wohl immer noch eine Reihe von Menschen dort gibt, die Homosexualität ablehnen. Das ist aber nicht der springende Punkt: auf gesetzlicher Grundlage gibt es eine Gleichstellung der Homosexuellen mit Heterosexuellen und es wird somit für Toleranz und Aufklärung geworben: etwas, wovon sich die USA ein oder zwei Scheiben abschneiden kann! Mit sozialistischen Grüßen, Michael

Leserbriefe an die Redaktion könnt ihr an folgende Adresse richten: DKP queer Redaktion „red&queer“ Postfach 13 44 61283 Bad Homburg

3. Bundestreffen von DKP queer

Vom 30. März bis 1. April 2007 traf sich DKP queer – eine Gruppe von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern in und bei der DKP - zu ihrem 3. Bundestreffen im MagdaThürey-Zentrum in Hamburg. Die Gruppe beschloß ihren Beitrag zum UZ-Pressefest – Volksfest der DKP, dass vom 22. bis 24. Juni in Dortmund (Wischlingen) stattfinden wird. DKP queer wird dort mit einem Stand und inhaltlichen Schwerpunkten vertreten sein. Des weiteren wurde die Arbeitsplanung für die anstehenden Monate beraten. So die Teilnahme an verschiedenen bundesweit stattfindenden Christopher Street Days (CSD). Diskutiert wurde auch die Bündnispolitik, wie etwa zu den queer-AGs von WASG und Linkspartei/PDS oder zu red:out von der KPÖ. Mit dem DKP-Parteivorsitzenden Heinz Stehr und dem Hamburger Bezirksvorsitzenden Olaf Harms erörterte man die Konstituierung der Gruppe. Dazu wurde beschlossen, zur 14. Parteivorstandstagung im September 2007, den Antrag zu stellen, als Arbeitsgruppe des Parteivorstands bestätigt zu werden. Auch wurde eine aus drei Mitgliedern bestehende kollektive Leitung gewählt.

oder per eMail an: info@dkp-queer.de

Weitere Bundestreffen sind in diesem Jahr noch für Nürnberg und Berlin geplant.


red&queer Nr. 7  Seite 6

Homosexualität (Homo-*; Sexual-*) f: (engl.) homosexuality; Bez. für sexuelle Orientierung, Erregbarkeit u. Aktivität gegenüber Partnerinnen od. Partnern gleichen Geschlechts; obwohl eine biographisch frühe Genese der H. angenommen wird, findet ihre Entdeckung meist erst im Jugendlichenalter statt; hierbei werden heftige Abwehrmechanismen beobachtet, die Verleugnungsarbeit wird erst i.R. der homosexuellen Identitätsfindung (sog. Coming out) überwunden. Vork.: 1. bei Frauen: etwa jede vierte Frau macht im Laufe ihres Lebens lesbische Erfahrungen, jede achte Frau unter Einschluß eines Orgasmus; ausschl. lesbisches Verhalten bei weniger als 5%; seltene Partnerwechsel bei der Mehrheit, hohe Befriedigungsrate; 2. bei Männern: etwa jeder zweite Mann macht im Laufe seines Lebens homosexuelle Erfahrungen, jeder dritte Mann unter Einschluß eines Orgasmus; ausschl. homosexuelles Verhalten bei 5-15%; hohe Promiskuitätsraten sind häufiger als bei Frauen. Durch das 29. Strafrechtsänderungsgesetz vom 31.5.1994 (BGBl. I S.1168) ist der eine besondere Strafbarkeit homosexueller Handlungen an minderjährigen Männern begründende §175 StGB abgeschafft u. zugleich die Bestimmung des §182 StGB in eine für beide Geschlechter geltende einheitl. Jugendschutzvorschrift umgestaltet worden, die den sexuellen Mißbrauch von männl. u. weibl. Jugendlichen unter 16 Jahren durch über 18 bzw. 21 Jahre alte Personen unter Strafandrohung stellt. zitiert nach: Pschyrembel, Medizinisches Fachwörterbuch, 258. Auflage

Spezifisch menschliche Sexualität als Ausdruck unserer gesellschaftlichen Natur – Hetero- und Homosexualität in weiblicher und männlicher Spielart heute Verunsicherungen und Fragen zur Sexualität betreffen nicht nur Menschen mit besonderer sexueller Ausrichtung. Über Generationen hinweg stellt sie sich allen immer wieder. Konventionelle Wissenschaften bieten keine befriedigenden Antworten, weit davon entfernt, die gesellschaftliche Natur des Menschen (im Wortsinn) erkannt zu haben. „Mit dem Anspruch, ihr Buch als Programmschrift für ihren eigenen unkonventionellen Lebensentwurf zu nehmen, geht Iris Rudolph über das traditionelle Wissenschaftsverständnis hinaus, bringt aber gerade dadurch ein hohes Maß von Intensitäten und Selbstreflexion ein,“ schreibt der Verlag. „Es geht ... um Geschichte, um Naturund Gesellschaftsgeschichte und darin eingewoben die Entwicklung der Sexualität im weitesten Sinne. Wie Iris Rudolph diese Geschichtsprozesse in gut verständlichem Deutsch schildert, das wäre es wert, unseren Schülerinnen und Schülern vorgesetzt zu werden.“ (Robert Steigerwald)

Iris Rudolph auf dem UZ-Fest: Iris Rudolph, Vortrag mit Diskussion, UZ-Pressefest, Dortmund-Wischlingen, Samstag, 23.Juni, 16:00 Uhr, am Stand von DKP queer. Moderation: Thomas Knecht Eintritt: frei

„Tod den Schwulen“ Die russische Polizei hat am 27. Mai 2007 zahlreiche Homosexuelle bei einer Kundgebung festgenommen. Die Demonstranten wollten dem Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow eine Petition überreichen, in der zahlreiche internationale Politiker eine Genehmigung der geplanten Homosexuellen-Parade, zu vergleichen mit dem CSD in der BRD forderten. Etwa 20 Menschen wurden nach übereinstimmenden Angaben von Organisatoren und Polizei vorübergehend auf Polizeiwachen gebracht. Vor dem Amtssitz Luschkows griffen Nationalisten und militante Orthodoxe die Homosexuellen an, schmissen Eier auf sie und riefen „Tod den Schwulen“. Schon am Vortag hatten einige Gruppen im Moskauer Stadtzentrum lautstark gegen Homosexuelle gewettert. „Das ist ein sehr gefährliches Land, wenn du schwul bist. Aber wir werden nicht aufgeben, bis sie uns unsere Rechte zugestehen“, sagte ein junger Teilnehmer der Kundgebung, der sich als Alexej ausgab. Zur Unterstützung der Schwulen und Lesben waren Politiker und Künstler aus dem Ausland eingereist. So war z.B. der Sänger Richard Fairbrass und sein Bruder von der Gruppe „Right Said Fred“ in Moskau. Auch er wurde Opfer eines militanten Orthodoxen, der darauf auch noch ein homophobes Statement in die Kamera geben konnte. Der B’90/Grüne Politiker Beck wurde kurzfristig verhaftet. Insgesamt sei er von den russischen Beamten etwa eine Stunde festgehalten worden, berichtete ein Fraktionssprecher in Berlin. Konkrete Vorwürfe seien bei der Festnahme nicht erhoben worden. „Angeblich wollte uns die Polizei schützen. Mir ist aber nicht klar, warum das gegen meinen Willen geschehen sollte und warum mein Pass mit Video abgefilmt wurde“, sagte Beck nach seiner Freilassung. In Russland und Polen werden Lesben und Schwule im Alltag oft diskriminiert und angegriffen. Luschkow selbst sprach von der geplanten Parade als „satanischem Akt“. Der Marsch war auch im letzten Jahr verboten worden. Als die Homosexuellen trotzdem durch die Stadt zogen, wurden sie von Sicherheitskräften, militanten orthodoxen Christen und Neonazis attackiert. Ähnliches geschah auch in Polen.


red&queer Nr. 7  Seite 7

Ich liebe Aleksandra von Leander Sukov

In meinem Leben gibt es eine wichtige Frau, die den bedauerlichen Nachteil hat, bereits gestorben gewesen zu sein, bevor ich geboren wurde. Ich liebe sie trotzdem. Die Frau war Tochter eines zaristischen Generals und eine gute Bekannte Lenins, sie kam mit der Krupskaja gut aus, mit Stalin nicht so recht und hat versucht, die Liebe zu befreien. Es ist ihr sogar halbswegs gelungen und bis zum Eintritt Stalins in die Leitungsfunktionen der kommunistischen Partei in der Sowjetunion, war viel erreicht worden. Gehalten indes hat es sich nicht. Und so ist es nicht das Problem vom Marx, Engels, Lenin oder gar der Person, um die es hier geht, dass Kommunisten häufig, aber geschichtlich gesehen ganz zu unrecht, als prüde und spießig galten. Es geht um Alexandra Kollontaj. Sie fand, nach einigen Eskapaden der Selbstfindung, aber auch der marxistischen Agitation und Forschung erst mit der russischen Revolution den Weg in die kommunistische Internationale. Aber sie fand ihn mit Bravour. Bis zum Jahr 1918 war sie im Kommissariat für Volkswohlfahrt tätig, gehörte als erste Frau dem revolutionären Kabinett an und war damit zugleich die erste Ministerin der Welt. Das liberale Ehescheidungs-, Mutterschutz- und Abtreibungsrecht der jungen Sowjetunion geht ebenso auf ihre Kappe, wie die Einrichtung von Volksküchen zur Entlastung der Reproduktionszeiten von Hausarbeiten, die Einrichtung von Kommunehäusern und die freie Liebe. „Freie Liebe“ führt in der Regel zu Mißverständnissen. Allerdings ist die Auffassung, es würde bedeuten Jeder müsste mit Jedem (das meine ich ganz geschlechtsneutral), völlig abwegig. Freie Liebe bedeutet schlicht, die Akzeptanz von allen freiwilligen Liebesformen: Homosexuellen, hete-

rosexuellen; monoamourösen oder polyamourösen. Und um der Sache einen Ausdruck zu geben, verwendete meine geliebte Aleksandra ein schönes Beispiel: Es sei, so sagte sie, wie Wasser mit Freunden zu trinken, wenn man Sex machte. Mir gefällt diese Allegorie. Beinhaltet sie doch Teilen, Durst und Erlabung. Dass Lenin ihr entgegenete, es könne schon sein, dass sie recht hätte, jedoch stelle sich die Frage, ob man es mögen müsse, aus fettigen, also benutzten, Gläsern zu trinken, habe ich mir immer erlaubt, außer Acht zu lassen. Aleksandra Kollentaj schrieb zu dem einige ganz unprätensiöse Liebesgeschichten, wurde Botschafterin der Sowjetunion unter Stalin in Norwegen, war die erste weibliche Diplomatin überhaupt, schloß ein wichtiges Handlungsabkommen und brachte Norwegen dazu, die Sowjetunion anzuerkennen. Sie führte die Friedensverhandlungen mit Finnland und war Mitglied der sowjetischen Delegation beim Völkerbund nach dem Sieg über das faschistische Deutschland. Sie verstarb 1952. Und weil ich sie in mein Herz geschlossen habe, konnte ich nicht umhin, ihr ein Gedicht zu schreiben, denn ich bin ja Dichter. „Nicht die sexuellen Beziehungen bestimmen das moralische Ansehen der Frau, sondern ihr Wert im Arbeitsleben, bei der gesellschaftlich-nützlichen Arbeit.“, hat sie geschrieben. Und der Satz gilt natürlich auch für Männer. Kollontaj ist wichtig für uns. Nicht nur, weil sie ein großer Mensch aus unserer, kommunistischen, Geschichte ist, sondern auch, weil es uns gut anstünde mit materialistischem Weltbild, marxistischer Wissenschaft und unserem Wollen für eine Bessere auch dort zu kämpfen, wo es um das Recht der sexuellen Freiheit geht ....

Fettige Gläser Gestern habe ich mit Aleksandra geschlafen hat sie in meinem Traum Durst hatten wir uns in den Armen lagen alle ihre Hoffnung hat sie nie begraben sagt sie hätte man sollen wollen die ganze falsche Moral. Ein Glas Wasser Kollontaj, bring mir ein Glas Wasser. Lass uns Pelmini essen in den Volksküchen. Gestern habe ich mit Aleksandra geschlafen hat sie in meinem Traum Durst haben wir gelöscht mit dem Glas Wasser fließt hinab die Moskwa. Wir schlugen uns Fragen in die Haut schnitten wir Rote Sterne sterben nie solche wie die. Ein Glas Wasser Kollontaj, ich bring Dir ein Glas Wasser. Lass uns Pelmini essen in den Volksküchen die noch nicht geöffnet haben. Und Kirschen sagt sie soll man singen frage ich kann Französisch, aber sprechen kann ich es nicht sagt sie dass es etwas macht sie den Anfang Le Temps des Cerises Ein Glas Wasser Kollontaj, Vera bringt uns ein Glas Wasser. Lass uns Kirschen essen in den Volksküchen. Man trägt Kohlen herbei. Es wird brennen.


red&queer Nr. 7  Seite 8

UZ - Sozialistische Wochenzeitung der DKP

Che würde UZ lesen!

Jetzt 10 Wochen testen! ò Bitte schicken Sie mir die Wochenzeitung „Unsere Zeit“ für 10 Wochen kostenlos. Das Testabo endet automatisch. ò An den Kosten beteilige ich mich freiwillig mit 10,- Euro pro Testabo. (bzw. mit einer Spende in Höhe von Euro.)

Name Vorname Telefon

Geburtsjahr

Straße PLZ / Ort

CommPress Verlag GmbH • Hoffnungstraße 1 • 45127 Essen Fax: 0201-24 86 484 • www.unsere-zeit.de

Impressum red&queer Zeitung der DKP queer Herausgeber und Redaktion: DKP queer V.i.S.d.P. Thomas Knecht Layout: Roy Druck: Karl-Liebknecht-Schule Anschrift & Kontakt: DKP queer Postfach 13 44 61283 Bad Homburg info@dkp-queer.de www.dkp-queer.de Spendenkonto: Konto 1060433 BLZ 43070024 Deutsche Bank Inhaber: Fotiadis V’zweck: „Spende queer“ Redaktionsschluß: 09.06.2007

DKP queer – Wer ist das eigentlich? DKP queer – Das sind Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle (SLBT) in und bei der Deutschen Kommunistischen Partei bzw. der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ). Der Kapitalismus bringt Kriege, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung und Umweltzerstörung hervor. Er hat keine Zukunft mehr. Deshalb gilt es, ihn erfolgreich zu bekämpfen. DKP queer will eine alternative Gesellschaft, den Sozialismus. Nicht mehr das Profitstreben einiger weniger soll entscheiden, sondern die Mehrheit der Arbeiter und Jugendlichen. Die SLBT-Kommunisten -und Sozialisten sind der Meinung, dass es an der Zeit für einen Gegenpol in der Community ist, der linke Akzente setzt und Alternativen zum kapitalistischen Wahnsinn und der rechten Anpassungspolitik des Lesben- und Schwulen-Verbandes Deutschland (LSVD) aufzeigt. Noch fehlen der DKP aktuelle Positionen zur Situation von SLBTMenschen. DKP queer sieht es daher als eines seiner Arbeitsfelder an, solche Positionen aus einer marxistischen Perspektive heraus zu erarbeiten und in DKP und SDAJ zu thematisieren. Mit der Tätigkeit von DKP queer soll die Gesamtpartei aber nicht aus der Verantwortung entlassen werden, sich als fortschrittliche Partei mit SLBT-Politik zu beschäftigen. Hierbei ist kommunistische SLBT-Politik keine eng gefasste Minderheitenpolitik, sondern ein Beitrag zu einer breit gefächerten emanzipatorischen Politik.

2007 Termine-Box 16./17.06.07, Düsseldorf Teilnahme und Infostand auf dem CSD

22.-24.06.2007, Dortmund Infostand mit Programm auf dem 15. UZ-Pressefest im Revierpark Wischlingen

23.06.2007, Berlin Teilnahme am Transgenialen CSD mit Flyer-Aktion

13.-15.07.2007, Nürnberg 4. Bundestreffen von DKP queer, Rotes Zentrum Nürnberg

20.-22.07.2007, Frankfurt/M. Teilnahme und Infostand auf dem CSD

03.-05.08.2007, Nürnberg Teilnahme und Infostand auf dem CSD

18.08.2007, Siegen Teilnahme und Infostand auf dem CSD

08.09.2007, Iserlohn Teilnahme und Infostand auf dem CSD

Nov./Dez. 2007, Berlin 5. Bundestreffen von DKP queer

red&queer 07/2007  

Unser Beitrag auf dem UZ- Pressefest: 2. Jahrgang Juni 2007 von Sascha Wie vieles was der DKP nahestand, verschwand diese Initiative 1990 im...

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you