Page 1

divingEurope 2|2017

Tauchreviere in Europa

Version für unterwegs

LEROS | MALLORCA (1) | TROMSØ | OKTOPUS

Nr. 10

www.divingeurope.de


Die Inselgruppe Malta, Gozo und Comino bildet ein ganz besonderes Tauchrevier im Herzen des Mittelmeers – nur 3 Flugstunden von Deutschland entfernt. Hier finden sowohl Anfänger als auch erfahrene Taucher optimale Bedingungen vor.

Malta & Gozo

TauchParadies

M

it ihren natürlichen Häfen, offenen, aber auch geschützten Buchten, Klippen, Felsenriffs und zahlreiche Schiffswracks laden die Inseln zu einer spannenden Entdeckungsreise unter Wasser ein. Die Wassertemperatur im Sommer beträgt im Durchschnitt 23ºC; zwischen Dezember und März fällt sie lediglich auf 13ºC bis 15ºC.Bis zu 30 Metern Tiefe sind die Sichtverhältnisse ausgezeichnet, was Malta zu einem Traumziel für Unterwasserfotografen und Fans von Nachttauchgängen macht. Auch über Wasser haben die Inseln viel zu bieten. Tauchurlauber können nicht nur eine spannende Zeitreise durch 7000 Jahre Ge-

schichte unternehmen und die köstliche, mediterran-orientalische Inselküche genießen. Maltas und Gozos Eventkalender ist das ganze Jahr über prall gefüllt – von religiösen Festen bis hin zu Pop, Klassik oder Jazz. Das Sportangebot zu Lande kann sich ebenfalls sehen lassen – wie wäre es mit einer abwechslungsreichen Mountainbike-, Wander- oder spannenden Klettertour? Weitere Informationen und kostenfreie Broschüren unter info@urlaubmalta.com www.mein-malta-urlaub.de www.visitmalta.com www.pdsa.org.mt

Nautic team Gozo the best place to be……… * Für die ganze Familie * technisches tauchen * Scooterausbildung und tauchen * Wracktauchen & ausbildung * Kindertauchen & ausbildung * uW-Fotografie * ozeanologie * apnoe * Yoga * tauchen für menschen mit Behinderungen * tauchlehrer-ausbildung * Wohnen, Flughafentransfers, autoverleih, Wellnessprogramm und vieles mehr…

www.nauticteam.com info@nauticteam.com Tel. +356 21 558507


divingEurope 2|2017

Liebe Leser, Natürlich haben Zeitungsmacher und damit auch wir regelmäßig das Problem, Reportagen saisonal so einzuordnen, dass dem Leser aus der Lektüre der größtmögliche Nutzen für seinen Urlaub entsteht. Oft ist es aber so, dass Reiseplanungen eine gewisse Vorlaufzeit bei der (Urlaubs-)Planung brauchen. Beim Erscheinen von vier Magazinen pro Jahr ist das noch kniffliger als bei Monatsheften. divingEurope möchten Ihnen aber lieber mehr Zeit zum Überlegen und Planen Ihrer Tauchreise lassen als zu wenig. So erscheint auch der Artikel über die Orcas Im Norden Euro-

pas in dieser Frühjahrs-Ausgabe und lässt Ihnen damit genügend Zeit zur Vorbereitung auf eine mögliche Reise. Timo Dersch hat sich in den richtigen Tauchanzug (genau: Trocken...) geschmissen und ist mit der Fotografin Amanda Cotton zu ganzen Herden von Schwertwalen ins Meer gestiegen. Auch so etwas bietet der europäische Kontinent: Niemand muss dafür um den halben Globus fliegen. Ein Tauchrevier mit (fast) stetem Sonnenschein ist dagegen die griechische Insel Leros. diving­ Europe ist überzeugt, dass diese Region zu sehr unterschätzt

wird. Oder haben Sie schon viel darüber gelesen? Liegt vielleicht daran, dass in Griechenland das Tauchen Jahrzehnte lang äußerst schwierig war. Was man von unserem vierten Ziel nicht behaupten kann: Mallorca ist ein so etwas wie ein europäischer Reiseklassiker. Wir stellen Ihnen den Basenverbund Mallorca Diving in zwei Teilen vor. Held unseres Tierporträts ist auch eine Art Klassiker: der Oktopus findet sich in fast jeder Bucht des Mittelmeers und des Ostatlantiks. Wo auch immer Ihre nächste Reise hinführt: wir wünschen Ihnen jetzt erstmal viel Spaß mit dem neuen divingEurope!

3


divingEurope 2|2017

Inhaltsverzeichnis Editorial ............................... 3 Inhalt/Impressum ................. 4 Griechenland/Leros: Zurück in die Zukunft ............... 6 Spanien/Mallorca (Teil 1): Tauchen à la Card .................. 48 Norwegen/Tromsø: Der Orca Flüsterer ................ 88

W

ürden Europas Meere ein Wappentier suchen, wäre der Braune Zackenbarsch zweifelsohne ein Kandidat für das Mittelmeer. Das Exemplar auf unserem Titelbild schwamm Frank Schneider bei Mallorca vor die Linse.

Tierportrait: Oktopus ............................. 106 Kleinanzeigen/ Europas Beste ................... 116 Übersicht aller Ausgaben divingEurope ................... 118

Impressum divingEurope ist kostenlos und

erscheint vier Mal im Jahr online. Redaktion IDP (International Dive Press) / Paul-W. Munzinger, Frank Schneider www.divingeurope.de redaktion@divingeurope.de Konzept, Gestaltung und Layout P.-W. Munzinger und F. Schneider Anschriften Redaktionsbüro Munzinger Im Rebstall 6, 79112 Freiburg Tel. 07665/972741 Umsatzsteuer-Identifikationsnummer gemäß § 27 a Umsatzsteuergesetz: DE173626442

Redaktionsbüro Schneider

Töpferstr. 26, 46244 Bottrop Tel. 02045/408917 Umsatzsteuer-Identifikationsnummer gemäß § 27 a Umsatzsteuergesetz: DE157286414 Fotos, Texte und Grafiken soweit nicht anders gekennzeichnet unterliegen dem Copyright von P.-W. Munzinger und F. Schneider. Die Nutzung von Fotos und Texten, auch auszugsweise, ist nur mit schriftlicher Ge­nehmigung gestattet. Verletzungen des Urheberrechts werden juristisch verfolgt. Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für Inhalte externer Links. Für den Inhalt verlinkter Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

4


divingEurope 2|2017

Seite 6 Leros steht bei der Gunst um Urlauber im Schatten von Mitbewerbern wie Kreta oder Mykonos. Taucher hingegen sollten sich unbedingt unseren Bericht über die Insel ansehen

Seite 48 Nein, wir haben nicht die Karibik ins Programm genommen: wie vielfältig Mallorca ist zeigt unsere Basen-Übersicht der Mallorca-Diving-­ Gruppe. Dieses Mal Teil 1.

3x

top

auf den

1. Beluga Taucherhaus Faial

Leistungen: Flug mit TAP Portugal, inkl. Tax, alle Transfers, 7 Übernachtungen im Beluga Taucherhaus, Doppelzimmer, Frühstück, 5 Tauchtage

ab € 899,2. Santa Maria

Seite 88 Wenn schon kaltes Wasser, dann muss es auch knallen. Das sehen auch Amanda Cotton und Timo Dersch so und haben sich in Norwegen zwischen Eisberge und Orcas gewagt.

Seite 106 Was guckscht Du!? Kaum einer im Meer ist so neugierig und hat dann hinterher aber auch genau so viel Angst wie der Oktopus. Was er noch so drauf hat lesen Sie im Tierporträt.

Leistungen: Flug mit TAP Portugal, inkl. Tax, alle Transfers, 7 Übernachtungen im Hotel Colombo, Doppelzimmer, Frühstück, 5 Tauchtage

ab € 1.259,3. Top Inselkombi

Leistungen: alle Flüge mit TAP Portugal oder Sata, inkl. Tax, alle Transfers, 8 Übernachtungen im Hotel Colombo, 7 Übernachtungen im Beluga Taucherhaus, jeweils Doppelzimmer mit Frühstück, insgesamt 10 Tauchtage

ab € 2.129,Sternstraße 19 · 37083 Göttingen Telefon 0551 63451340

www.belugareisen.de info@belugareisen.de

5


divingEurope 2|2017

6


divingEurope 2|2017

Wracks und Relikte auf dem Meeresgrund garantieren immer wieder spannende Tauchgänge. Auf der Insel Leros kann man davon regelrecht à la carte aussuchen: eine Unterwasser-Asservatenkammer der letzten 2000 Jahre. Von Paul Munzinger 7

Alle Fotos: Paul Munzinger

Insel Leros/Griechenland Mittelmeer


divingEurope 2|2017

8


divingEurope 2|2017

Die Tragflächen der „Tante Ju“ sind von farbigen Schwämmen besetzt

9


divingEurope 2|2017

10


divingEurope 2|2017

Fishfarming – die Zukunft der Fischerei

11


divingEurope 2|2017

Das Wrack der „Panorimitis“ liegt vor der Schwammtaucherinsel Kalymnos in der Inselgruppe Dodekanes

12


divingEurope 2|2017

D

ie Lockerung der griechischen Tauchgesetze im Jahre 2006 war ein Segen für uns alle. Seitdem vergeht kein Jahr, in dem nicht irgendwo eine neue Sensation unter den Wellen der Hellenen entdeckt wird. Klar, dass die „alten Schätze“ von den Tauchcentern fast wie Gold gehütet werden, denn sie sind ihr garantiertes zukünftiges Kapital. Wracks aus den Weltkriegen, aber auch aus dem Mittelalter bis hin zur Antike werden entweder durch Zufall entdeckt oder durch ganz gezieltes Suchen. In der östlichen Ägäis, ebenfalls als Südliche Sporaden bekannt, ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange zum Thema Wracks erreicht – und die Zukunft für Taucher daher recht rosig. Das Wrackrevier schlechthin liegt um die Insel Leros im Archipel der Dodekanes, den Churchill einmal das „Malta der Ägäis“ nannte und divingEurope zusätzlich noch einen draufsetzt: das „Truk Lagoon der Ägäis“. Wo finden wir das relativ unbekannte Leros überhaupt? Nahe der türkischen Küste, nicht weit von deren Badeort Bodrum und ganz im Osten Griechenlands auf der Inselgruppe der Dodekanes. Diese besteht aus zwölf Hauptinseln, in Wirklichkeit sind es aber um die 160 Inseln und Inselchen. Die touristisch 13


divingEurope 2|2017

viel bekannteren Inseln Patmos und Kalymnos sind nördlich und südlich von Leros, die Inseln Kos und Rhodos liegen nochmals einen Schlag weiter. So weit – so gut. Kleiner Exkurs in die Geschichte, damit man den marinen Friedhof versteht: frühe Bewohner waren zum Beispiel die Karer, Phönizier und Kreter, nach den Persischen Kriegen gehörte die Insel zum Athener Bund, Julius Caesar war auf einer Nachbarinsel in Gefangenschaft und in der Byzanz trieb sich Konstantin der Große hier herum. Viele Jahrhunderte später war Leros in italienischem Besitz und wurde 1923 zu einem reinen Waffenlager umfunktioniert. Viele militärische Einrichtungen wurden gebaut, es war ein bekannter Militärstützpunkt im Mittelmeerraum. Die Hauptstadt Lakki mit ihre großen Bucht, einem Naturhafen, wurde zu einem gewalti-

Alles bei einem Tauchgang gesehen: Mittelmeermuräne, eine alte Pistole aus dem 2. Weltkrieg und einen fotogenen Zapfenschwamm (von ob. nach u.) 14


divingEurope 2|2017

16


divingEurope 2|2017

gen Flottenstützpunkt. Wobei wir nun in der jüngeren Vergangenheit sind und auch wissen, warum sich rund um die recht ruhige Insel so viele Wracks der Weltkriege verteilen. Nach der Kapitulation der Italiener besetzten sie 1943 die Briten und im November des gleichen Jahres wurde sie von den deutschen Truppen zurückerobert. Die deutsche Luftwaffe war in Athen und auf Rhodos stationiert und für die Sturzkampfflieger nur 80 Minuten entfernt. Zu Kriegsende befreiten die Griechen, die dem Heersverband angehörten, die Insel. Nach der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches 1945 war Leros noch zwei Jahre in einer britischen Übergangsverwaltung und gehörte ab 1948 endgültig zum griechischen Staat. Warum wir diese Insel im Tauchvisier hatten, lag also in erster Linie an deren historischem Schatz, quasi einem Unterwassermuseum, das einer hegt und pflegt und nie-

Für Taucher ist Amphorenteile-Anfassen verboten – der Oktopus dagegen darf es: er dekoriert damit sogar seine Höhle

mand so gut kennt wie der Berufstaucher Kostas Kouvas. Auf ihn wurden wir auf der Messe „boot“ in Düsseldorf beim Stand von Scubahellas aufmerksam, einer griechischen Tauchbasenvereinigung. Beim Anblick der ausgestellten Wrackbilder lief einem förmlich das Wasser im Mund zusammen. Das Zünglein an der Waage war der Vorortagent und Griechenlandspezialist von Beluga Reisen in Athen. Der turnte zwischen Scubahellas und Beluga eifrig umher, um den vielen Neugierigen Infos aus erster Hand geben zu können. Was bei uns selten vorkommt: noch am gleichen Tag tüteten wir die Wracktour fest ein und buchten das „Hydrovius Dive Center“ von Kostas – so schnell waren wir überzeugt. Und vorweg: wir wurden nicht enttäuscht, jeder Tauchgang dort war ein Knaller. Kostas ist der Wassermann von Leros und gibt’s was unter den Wellen, wird er gerufen. Sein Hauptjob ist seine Tauchbasis und die könnte nicht besser liegen: ein paar Schritte und man ist auf seinen beiden Tauchbooten an der eigenen Pier in dem Miniort Krithoni, etwa einen Kilometer von Agia Marina entfernt. Gutes Leihequipment steht auf der PADI Basis genügend zur Verfügung, gesprochen wird Englisch und Griechisch. Bei Bedarf allerdings

Campese Diving Center Isola del Giglio Italien - Toscana

Ein Tipp für Taucher und Naturliebhaber Das Meer entdecken und erforschen Meeresbiologie mit dem CDC und dem Institut für Marine Biologie Giglio Attraktive Tauchpakete Sonderkonditionen für Studenten, Azubis, Gruppen und Vereine

Castello Campese

Giglio Porto

Isola del Giglio

www.cdc-giglio.de 17


divingEurope 2|2017

18


divingEurope 2|2017

Die große Leidenschaft von Iannis Paraponiaris ist das Sammeln von Relikten des 2. Weltkrieges. Sein privates Museum kann nach Anmeldung gerne besucht werden. Auch das städtische Museum in den Stollen ist höchst interessant

19


divingEurope 2|2017

auch Deutsch durch die Tourismus-Chefin des Ortes, Carolina Vaes. Sie ist Ex-Niederländerin, ein wandelndes Lexikon bezüglich der Insel und selbst angefressene Taucherin. Gibt’s Fragen oder Probleme führt kein Weg an ihr vorbei: sie organisiert den kompletten Leros-Urlaub von A-Z, vermietet Motorroller und Autos, bietet in ihrem Geschäft Leros Active zusammen mit ihrem griechischen Lebensgefährten einen alternativen Tourismus und vermittelt auch Hotels oder Pensionen. Unseres liegt gleich um die Ecke, nur fünf Gehminuten zur Tauchbasis entfernt. Eine Stunde nach unserer Ankunft stehen wir bereits auf der Matte des Tauchcenters. Kostas legt los, zunächst noch an Land und sofort ist klar - der Typ blickt`s und zwar gewaltig. Ganz nebenbei hören wir, dass er der Pionier bei der Erkundung vieler Wracks und auch zur Katalogisierung war und immer noch ist. Ebenfalls gut zu wissen: als freiberuflicher Mitarbeiter ruft ihn die Hafenpolizei, ebenso arbeitet er bei einer Fischfarm und man spürt bei dem sympathischen Kerl sofort höchste Professionalität und das immer 20

mit einem Lächeln im Gesicht. Außer es geht um die griechische Politik, sein ganz heißes Thema als einheimischer gewählter Politiker. Gut und beruhigend, dass er bei allen Ab-

Auf Leros planen wir das ein Anti-U-Boot-Schiff, die „Heinkel He 111“, die „Arado Ar 196“, die „Queen Olga“ und den Hauptkracher, den Fllieger „Tante Ju“. Auf der Nachbarinsel Kalymnos das alte Fährschiff „Panorimitis“ und einen See im Meer bei Lipsi. Dazu kommen natürlich noch andere Riffe und Höhlen, für unsere Woche ein kleiner Gewaltakt. Aber nur so geht’s und nur so macht es auch Spaß.

Das als Schwammtaucherinsel bekannte und benachbarte Kalymnos ist als erstes dran, da es heute weder Wellen noch Wind gibt, ideal für den Tagestrip. Für die etwa fünfzehn Kilometer benötigen wir eine knappe Stunde mit dem Tauchboot, dann sind wir im Hafen Mirties, wo ein einheimischer und befreundeter Tauchlehrer von Kostas auf uns Der Wassermann von Leros: Basischef wartet. Denn er will uns und Berufstaucher Kostas Kouvas nach dem Wracktauchgang noch das Labyrinstiegen immer dabei ist. Denn th zeigen – der Name spricht manche sind nicht gerade PilleBände und für ihn ist es sein palle. Arbeitszimmer. An die Südwestspitze der Insel Telendos, Insgesamt drei Dutzend Spots westlich von Kalymnos, hat es kennt er und schlägt seine Fadie Fähre „Panormitis“ auf die voriten für die Woche vor. Sein Felsen von Epano geschlagen. wichtigstes Utensil dabei ist der Das in Oslo gebaute Schiff war Laptop mit der Wettervorhersafür seine Eigenschaft, auch mit ge, denn auf allen Seiten der den härtesten Bedingungen gut Insel hat er etwas zu bieten. zurecht zu kommen, bekannt.


divingEurope 2|2017

Santa Margherita Ligure Rapallo Tauchen im MarineschutzPark Portofino in Ligurien / Italien

www.dgportofino.com Wir sprechen Deutsch!

21


divingEurope 2|2017

22


divingEurope 2|2017

23


divingEurope 2|2017

In Schräglage: das Wrack der Panorimitis vor der Insel Kalymnos

Man erinnert sich hierzulande noch an die legendäre 11-Beaufort-Fahrt im Jahre 1962 von Rhodos nach Kastelorizo, um eine schwerkranke Frau dorthin zu transportieren. Das unglückliche Finale des Schiffes war im Jahre 1966 während der Überfahrt, die wir gerade hinter uns haben, von Leros nach Kalymnos. Glücklicherweise haben alle Passagiere dank der sofortigen Hilfe 24

anderer überlebt. Auf 34 Meter ruht das künstliche Riff und eine Dekopause ist einem damit sicher. Übrigens: Es ist kein Gerücht, dass auf dem Anker ein Kreuz mit vier gleich langen, einheitlich abgewinkelten Armen zu sehen ist. Wir haben diese Swastika, ursprünglich ein Glücksbringerzeichen bei den Hindus, gesehen. Es ist das Hakenkreuz der Nazis. Erst

1958 wurde die Fähre von einer norwegischen Schiffsfirma an Griechenland verkauft. Eine Stunde später hängen wir die ganze Zeit unserem Kalymnos-Guide Mike auf Tiefen von zehn bis 30 Meter an den Flossen, anders würden wir uns glatt verirren: wir sind im Telendos-Labyrinth. Vorbei an bunten Steilwänden, mystischen Grotten und allerlei fotogenem Meeresgetier macht er den Spot,


divingEurope 2|2017

Der Mann blickt es, wenn es um das Tauchen auf Leros geht: Kostas zeigt uns Interessantes im Innern des Wracks und das Hakenkreuz auf dem Anker des Wracks der „Panorimitis“

den er übersetzt „Atemlos“ getauft hat, für uns zu einem absoluten Spitzentauchgang. Der Wettergott ist auf unserer Seite – auch für die nächsten Tage ist strahlend blauer Himmel und höchstens mal Windstärke 2 vorausgesagt. „Wollt ihr die Zukunft der griechischen Fischerei sehen und zugleich ein U-Boot-Netzzieher?“ – was für eine Frage. Fischfarmen durften wir noch nie betau-

Vorige Doppelseite: Der Tauchspot Telendos-Labyrinth macht nur mit einem erfahrenen Guide so richtig Spass. Nach einer Stunde vermeintlichen Irrweges bringt er uns wieder exakt zum Einstieg zurück 25


divingEurope 2|2017

26


divingEurope 2|2017

Es ist bekannt - der Fischbestand im gesamten Mittelmeer nimmt rasend ab. Fishfarming mit riesigen, schwimmenden Netzen heiĂ&#x;t die Zukunft; die Fischer werden immer weniger

27


divingEurope 2|2017

Bunt geht`s zu in der Gangway des zum Anti-U-Boot-Netzzieher umgebauten Cargoschiffes

chen, die Dinger sind überall ein heiliger Gral. Weltweit werden sie bestens bewacht, es geht ja auch um richtig viel Geld in den schwimmenden Aufzuchtsbecken. Nur ein Loch und schon schwimmen Hunderttausend Euros uneinholbar davon. Deshalb untersucht der Basischef alle Netze dreimal die Woche, über und unter Wasser. Über Wasser sind es Kor28

morane, die gerne geschickt räubern und Unterwasser machen sich ab und zu Thunfische und Delphine zu schaffen. Noch wichtiger: er schaut auch nach toten Fischen, die eventuell eine Krankheit haben. Denn dann muss schnellstens gehandelt werden. Wir schippern Richtung Norden in eine geschützte Bucht vor der Landebahn

des Flugplatzes bei Parthemi, wo sicherlich ein Dutzend Netze verankert sind. Keine hundert Meter entfernt ist der Spot des umgebauten italienischen Cargoschiffes, das spezielle Netze gegen feindliche U-Boote legte. Wir folgen einem dicken Seil bis knapp unter 40 Meter Tiefe. Der Bug des Wracks ist von roten Schwämmen überwu-


divingEurope 2|2017

ße sind bis zu einer halben Million Fische hinter Gitter.

chert, wir tauchen durch die farbige Gangway, schauen ins Innere der Aufbauten und des Maschinenraumes – einem Versteck für allerlei Fische.

Eine Kulisse, die man nicht vergisst. Man gestattet uns sogar einen Besuch auf der Farm und wir können die Anlagen einmal live sehen, die auch nach Deutschland ihre Produkte liefern. Selbst in Russland und Amerika sind ihre Kunden.

Imposant ist die große Winsch im Bugabschnitt, über die die Anti-U-Boot-Netze gezogen wurden, davor ist das Loch des Torpedotreffers zu sehen. Zum Abschluss tauchen wir um die vollen Netze, die sich bis auf 20 Meter Tiefe ziehen. Je nach Fischart und Grö-

Weiter geht’s: das Flugzeugwrack einer deutschen „Heinkel He 111“, einem zweimoto-

rigen Tiefdecker, hat ebenfalls im Norden von Leros sein nasses Grab. Nur einen Teil des Standardbombers der Luftwaffe sieht man auf 16 Meter Tiefe im Seegras: ein Stück Rumpf mit zwei Fenstern, in dessen Innenraum mehrere Sauerstoffflaschen stehen und den Meerbarbenkönige als Villa Kunterbunt nutzen. Auf jeden Fall reinschauen, es lohnt sich. Die Flügel des Bombers sind nur noch als Stummel vorhanden.

Werde i.a.c. Tauchlehrer

und profitiere von einem weltweiten Netzwerk umfangreicher und professioneller Service faire & stabile Kostenstruktur mehrsprachiges & multimediales Lehrmaterial hauseigene Touristik bringt dich an die besten Tauchspots der Welt weltweite Anerkennung durch ISO, EUF, RSTC und der CMAS

Crossover

nloses Infopaket

Fordere dein koste

an!

dem h eine E-Mail mit Sende dazu einfac aktdaten nt Ko en in und de Betreff "Infopaket“ e oder an info@diveiac.d . ter: 0201 670049 un an h fac ruf uns ein

29


divingEurope 2|2017

30


divingEurope 2|2017

Obwohl nicht mehr viel übrig blieb vom zweimotorigen Tiefdecker „Heinkel He 111“, lohnt ein Blick in den farbenfrohen Innenraum – eine echte Villa Kunterbunt

31


Foto: Jonn Leffmann

divingEurope 2|2017

Bis heute fliegen noch einige Modelle der „Junkers Ju 52“ – Spitzname „Tante Ju“ – auch für die Lufthansa AG. Ihre Erstflug war 1932

Ganz einfach, ohne Strömung und im klarsten Wasser schwimmen wir Richtung Boot über ein flaches Riff, das in der Antike einem Amphorenkahn zum Verhängnis wurde. Mit den zerbröselten und kläglichen Resten der Tongefäße schmücken heute Oktopusse ihre Eingänge. Ohne Zweifel ist die „Junkers Ju 52“, besser als „Tante Ju“ bekannt, das Paradewrack der Insel und war für uns quasi der Lockvogel. Denn Spots mit ei32

ner solchen Maschine sind äußerst rar. Auf Elba vor Portoferraio kann man den hinteren Teil der „Tante Ju“ betauchen, nördlich von Narvik in Norwegen liegt eines der meist geflogenen Flugzeuge Europas im Sand. Andere der noch heute fliegenden Legenden wurden geborgen und schlummern in Museen. Ganz tief im Schlamm vergraben soll eine sogar im Titisee im Schwarzwald verborgen sein. Aber eine so

gut erhaltene wie in Leros ist ein absoluter Glücksfall. Am 13. November 1943 flog eine ganze Staffel von „Ju 52“ Transportmaschinen mit Truppen über Leros und wurde unter Beschuss genommen. Eine wurde am Heck getroffen und landete auf der Ostseite der Insel im Wasser. Besuchen kann man sie unter guten Bedingungen und mit bester Vorbereitung, denn der Meeresboden um sie herum


divingEurope 2|2017

misst zwischen 52 und 56 Meter Tiefe. Deshalb können sich an ihr in der Panosini Bay nur erfahrene 3-Sterne-Taucher versenken und dies völlig zu recht. Mit viel Anschauungsmaterial werden wir zuvor in der Basis gebrieft, die genauen Tauchund Dekozeiten festgelegt, die nötigen Sicherheitsvorkehrungen besprochen. Heute machen wir „nur“ diesen einen Abstieg. Das Meer liegt wie ein Spiegel vor uns, die Anfahrt ist kurz, gerade mal um die drei Kilometer

nördlich von der Basis. Kostas hat keine Mühe, das Wrack mit den modernen Navigationsgeräten zu finden. Ein Anker wird geworfen, eine Boje am Seil befestigt. Nochmals Check und das Wichtigste in Kurzform, dann zügig ab durch ein Meer von Sonnenstrahlen. Ab etwa 25 Meter kann man die fliegende Wellblechkiste bereits erkennen, die aber völlig von Fischernetzen eingehüllt ist. Die Zeit scheint hier unten eingefroren zu sein und das bei Wassertemperaturen von 20 Grad.

Das fliegende, dreimotorige Denkmal hat allerdings nicht nur von der Tiefe und den gefährlichen Netzen ein Handicap, es liegt auch auf dem Rücken – auf Neudeutsch: upside down. Die Unterseite der Flügel ist durch verschiedene Schwämme ein Feuerwerk von Farben. Der fast rechteckige und knapp 19 Meter lange Rumpf ist ebenfalls fast völlig von dieser Spezies besetzt und in einem wirklich guten Zustand. Durch die Fensteröffnungen

Adrenalin im Atlantik Highlights der Azoren

Faial

Sternstraße 19 · 37083 Göttingen Telefon 0551 63451340 info@belugareisen.de www.belugareisen.de

Santa Maria

All You Can Dive 33


divingEurope 2|2017

34


divingEurope 2|2017

Die „Junkers Ju 52“ liegt kopfüber mit Fischernetzen umhüllt und von Schwämmen dekoriert zwischen 52 und 56 Meter Tiefe in der Panosini Bay auf der Ostseite von Leros. Das legendäre Flugzeug ist noch gut erhalten und somit ein wahres Denkmal. Reinblicken lohnt, überall gibt es interessante Details

35


divingEurope 2|2017

36


divingEurope 2|2017

schauen wir rein: man entdeckt Helme, Gewehre und viele andere Details wie Kommunikationsgeräte, das Steuer oder die Sitze. Eine Bordtüre steht offen und ganz

te lange um das Denkmal der Geschichte tauchen, die Zeit vergessen, aber der Computer warnt. Insgesamt 25 Minuten verbringen wir auf den vorgegeben Austauchstufen – voll-

Li. Seite: Riesige Tritonshörner sowie kleine Meerbarbenkönige sind tolle Fotomotive

vorsichtig wage ich mich hinein. Den Eichhörnchen- sowie Feilenfischen gefällt es in dem Wellblechhaus und überall schwimmen pinkfarbene Fahnenbarsche herum. Gefunden wurde die „Tante Ju“ von Fischern, die immer wieder mit Netzen an ihr hängenblieben. Das hörte Kostas und die Sensation war perfekt. Man könn-

gleich, entstanden durch die Kämpfe der alliierten Truppen und der Deutschen Wehrmacht aus den schlimmsten 52 Tagen der Insel im Jahre 1943. Sehen sollte man die tiefen Stol-

Ob.: Die ganze Insel ist von Stollen durchzogen

kommen easy ohne Strömung. Wieder an Bord erzählt uns der Entdecker von seiner Vision: das Wrack auf etwa 40 Meter Tiefe bringen und es von den Netzen befreien. Ob das gelingt, wir dürfen echt gespannt sein. Landgänge auf dem noch ziemlich untouristischen Eiland sind ein Muss. Die ganze Insel ist Museum und Mahnmal zu-

len in den Bergen, in denen viel Kriegsmaterial in einem öffentlichen Museum ausgestellt ist. Das private von Iannis Paraponiaris ist ebenfalls Pflicht. Sein Vater führte im Krieg genau Tagebuch und er sucht und sammelt nach dessen Aufzeichnungen noch heute nach Relikten. Das anfänglich kleine Sammelsurium im Wohnzimmer wurde immer größer, weil 37


divingEurope 2|2017

Tipps für die Zeit an Land Auf eigene Faust mit einem Reiseführer in der Hand oder mit Carolina Vaes von Leros-Active Travel & Discover. Günstige Autos, Roller oder Fahrräder kann man auch direkt bei ihr mieten. Interessant sind die Überreste der italienischen Artillerie auf den Bergen, die Schutzkeller und Stollen sowie ehemalige Munitionslager mit dem öffentlichem Museum. Geheimtipp: das Privatmuseum von Iannis Paraponiaris (Deposito di Guerra), die byzantinische Burg mit Kirche von Panaghia (re. ob.), den Ort Lakki mit seinen Gebäuden sowie den Hafen und die Kanonen von Navarone. In Agia gibt es einige alte, neoklassische Gebäude aus Ocker und Terrakotta und eine fotogene Windmühle im Wasser (re., mi.). In Platanos stehen gleich vier nebeneinander auf einem Hügel. Schöne Strände gibt es in Agia Marina, Panteli, Vromolitho, Alinda, Laki, Merikia, Xirokambos und Blefouti. Ausflüge sind täglich per Fähre oder Schnellboote möglich auf die Inseln Patmos, Lipsi, Kos, Rhodos, Symi und Nisyros oder zweimal pro Woche auf die Insel Samos. Restaurants und malerische Tavernen mit nationalen und

38

internationalen Speisen findet man überall (re. u.). Insel Patmos: Heilige Höhle der Apokalypse (re. u.), Kloster des heiligen Johannes, das Museum, Chora (Hauptstadt der Insel), Kastelli (antike Hochburg über dem Ort Skala) Insel Lipsi: es gibt nur einen Ort mit Bilderbuchhafen und guten Tavernen, mehrere unbewohnte Inseln, Karibik-Feeling, tolle Strände. Natura-2000-Gebiet. Insel Kalymnos: viertgrößte Dodekanesinsel, Hafen Pothia (Schwertfischjagd), Altstadt, Schwamm-Museum (re. ob.), Schifffahrts- und Volkskunde-Museum. Die Insel ist ein Eldorado für Sportkletterer. Insel Samos: Archäologisches Museum in Vathy mit dem Kouros und seltenen Funden aus der ionischen Zeit, Kirchenmuseum und Bibliothek, Rathaus und Pinakothek, verschiedene Kirchen, das Kloster, der Ort Pythagorion, das Ireon (archäologische Stätte), Efpalinos Tunnel. Weitere nützliche Infos: www.lerosactive.com www.patmos.gr www.lipsi-island.com www.kalymnos-isl.gr


divingEurope 2|2017

39


divingEurope 2|2017

ihm selbst Kriegsveteranen ihre Sachen schenkten. Heute sind seine unzähligen Schätze in einer großen Halle mit sehr viel Liebe zum Detail ausgestellt, die er nach vorheriger Anmeldung gerne zeigt und erklärt. Landgänge anderer erfreulicher Art sind die Tavernenbesuche. Am besten unternimmt man diese mit dem Basischef selbst oder lässt sich zumindest seine Empfehlungen geben, denn er kennt alle und alles. Zwei Wracks haben wir noch auf unserer to-do-Liste. Das bekannteste und der Stolz der Insel ist die „Queen Olga“ oder „The Vasilissa Olga“. Sie ist ein modifizierter Zerstörer mit fast hundert Meter Länge und wurde von Yarrow and Co. in Schottland 1937 gebaut. Sie diente der Königlichen Hellenistischen Marine und profilierte sich zum erfolgreichsten Schiff während des 2. Weltkrieges, bevor sie 1943 im Naturhafen von Lakki unterging. Einige „Junkers Ju 88“ Sturzkampfbomber griffen das stolze Schiff am 26. September 1943 an und über siebzig Menschen fanden dabei den Tod. Ihnen zu Ehren baute man ein Monument in der Stadt. So stolz der Zerstörer sich ehemals präsentierte – davon sieht man heute leider nichts mehr. „Das Wrack“ von Leros darf man nur mit Genehmigung betauchen, da es mitten 40

in der Bucht auf 34 Meter Tiefe in der Hafeneinfahrt liegt. Aber Hand aufs Herz und bei aller Ehrfurcht: mehr als ein Haufen Schrott sehen wir in der hier meist trüben Suppe nicht, ein Schiff kann man nur noch erahnen.

Nahezu alles, was das griechische Militär später gebrauchen konnte, wurde abgebaut und ein paar kleine Geschosse erinnern noch an ein Kriegsschiff. Mehr nicht! Den Tauchgang muss man nicht unbedingt machen und wir haken


divingEurope 2|2017

Linke Seite: Einst war sie ein stolzes Schiff, die „Queen Olga“. Heute ist das nur noch zu erahnen. Munition und Granaten findet man allerdings noch an einigen Stellen: Achtung – Hände weg!

Fast eine kitschige Postkarten­ idylle: Das glasklares Wasser vor der Insel Lipsi

ihn unter „erlebt, aber nicht zur Wiederholung“ empfohlen ab. Nur etwa ein Zehntel so groß wie die „Queen Olga“ ist das Schwimmflugzeug „Arado Ar 196“ – aber weitaus interessanter. Der Mehrzweckflieger wurde 1937 für die Kriegsmarine konstruiert und mischte nahezu bei jeder Seeschlacht als Aufklärer und U-Bootjäger mit. Der Flugzeugrumpf ruht auf einem leichten Abhang vor der kleinen Insel Agia Kyriaki, genau vor einer fotogenen Kirche. Zwischen 16 und 21 Meter Tiefe erinnert das Gerippe etwas an einen filetierten Fisch mit seinen Gräten, denn nur das Stahlrohrgerüst des trapezförmigen Querschnittes mit den Rohrbögen, Längsleisten und Spanten des einmotorigen Schulter-

deckers blieben erhalten. Die Rumpfverkleidung bestand bis zur Pilotenkanzel aus einer tragenden Alu-Metallverkleidung und dahinter aus Stoff. Beides hat das Meer zerfressen. Interessant ist die Kanzel mit dem Pilotensitz, dem Steuer und anderen technischen Details. Große gelbe Zapfenschwämme besiedeln sowohl das Gerippe als auch die Tragflächenansätze. Übrigens: auch das Riff ringsherum ist nicht von schlechten Eltern. Zum Abschluss machen wir einen Tagesausflug auf die nördlich benachbarte Inseln Patmos, die jeder Grieche kennt: Johannes der Evangelist – ein Schüler Jesus‘ – hatte in einer Höhle auf dem Berg die Vision der Apokalypse. Das darüber liegende Kloster, das an eine

byzantinische Burg erinnert, beherbergt in seinem Museum viele Sehenswürdigkeiten. Irgendwo auf dem Weg zurück werfen wir in einer Postkartenidylle Marke Karibik an einer der Miniinseln um Lipsi den Anker und tauchen ab. Später nennen wir den Spot „Middle of nowhere“, der in Sachen Amphoren alles bisher Gesehene schlägt: ein großes Feld mit zum Teil noch richtig gut erhaltenen Tongefäßen liegt unter uns, während wir zur Abwechslung eigentlich mal Fische fotografieren wollten. Dass man sich von so einem Fund kaum trennen kann, liegt auf der Hand. Trotzdem tauchen wir dann an die Überhänge des schönen Riffes, an dem einige Muränen 41


divingEurope 2|2017

42


divingEurope 2|2017

Das Wrack der „Arado AR 196“, ein Schwimmflugzeug und Mehrzweckflieger, liegt in moderaten Tiefen und der Tauchgang kann daher richtig genossen werden. Die Piloten­kanzel ist noch erstaunlich gut erhalten, die Bespannung des Rumpfes hat das Meer gefressen. Das Gerippe erinnert etwas an einen filetierten Fisch

43


divingEurope 2|2017

Beste Tauchplätze vor Leros Das Tauchrevier erstreckt sich um die ganze Insel. Somit kann man immer irgendwo in einer der geschützten Buchten/Naturhäfen tauchen. Thema Nr. 1 sind natürlich die Wracks, die Riffe, Steilwände und Höhlen mit ihrer Unterwasserflora- und Fauna sollte man trotzdem unbedingt sehen.

Wrack „Junkers Ju 52“ (Foto u.) Einzigartiges deutsches Flugzeugwrack, liegt kopfüber auf dem Grund. Achtung vor den vielen Fischernetzen. Bunte Schwämme auf der Unterseite von Tragflächen und Rumpf. Im Innern sieht man Helme und Gewehre. Bester Tauchplatz von Leros. Nur für 3 Sterne-Taucher! • Tiefe 52-56 m, Sicht 25-40 m Strömung: Tauchgang solte nur bei keiner oder leichter Strömung durchgeführt werden Schwierigkeit: mittel bis schwer (Tiefe)

Wrack „Heinkel He 111“ (Foto u.) Deutscher Jagdbomber, nur noch Teil des Rumpfes erhalten. Ins Innere schauen: sehr farbig, viele Meerbarbenkönige. In der Nähe flaches Riff mit Amphorenteilen. • Tiefe 16 m, Sicht bis 40 m, Strömung: keine, Schwierigkeit: einfach

Wrack „Arado AR 196“ (Foto re.) Das deutsche Schwimmflugzeug liegt auf leichtem Abhang, erhalten sind das Gerippe mit den Spanten sowie die Pilotenkanzel mit vielen technischen Details. Einige gelbe Zapfenschwämme besiedeln das Wrack, schönes Riff gleich daneben. • Tiefe 16-21 m, Sicht bis 40 m, Strömung: keine, Schwierigkeit: einfach Middle of nowhere (Foto u.) An einer der vielen kleinen Inseln mit karibischem Flair vor der Nachbarinsel Lipsi liegt ein riesiges Amphorenfeld. Einige Tongefäße sind noch gut erhalten. Schönes Riff mit Überhängen und vielen Fischen. In der Nähe kann man durch eine einfache Höhle in einen flachen See im Meer tauchen. • Tiefe 32 m, Sicht bis 40 m, Strömung: leicht, Schwierigkeit: einfach

Wrack „Anti-U-Boot-Schiff“ Ehemaliges italienisches Kargoschiff, das zum Anti-U-Boot-Netzzieher umgebaut wurde. Schön bewachsener Bug, große Winsch, farbige Gangway. Liegt nahe der Fischfarmen, die man am Ende des Tauchganges anschauen kann. • Tiefe 36-41 m, Sicht bis 25-40 m Strömung: leicht, Schwierigkeit: mittel

44


divingEurope 2|2017

45


divingEurope 2|2017

Info Wie komme ich hin? Es gibt Charter-Direktflüge von diversen deutschen Städten zur Nachbarinsel Kos und anschließendem Fährentransfer nach Leros. Flüge über Athen und weiter mit der Inland-Airline (Olympic Airways) nach Leros sind fast täglich möglich.

Tauchen Das Hydrovius Diving Center Leros von Kostas Kouvas liegt zwischen dem Saraya Resort und dem Ort Agia Marina in der Krithonibucht, direkt am Meer. Die Lage der Basis mit

Dekokammer ist auf Kalymnos. Ein Hausriff für Nachttauchgänge bis maximal 15 Meter Tiefe, zum Schnorcheln und zur Ausbildung gibt‘s auch.

Geld Bargeld mitnehmen, Karten werden im Hotel akzeptiert. Wohnen Das Saraya Resort liegt auf einem Hügel vor der Alinda-Bay mit Blick zum Meer und Agia Marina und verfügt über 30 Appartements, 3 Junior Suites und 6 Villen. Alle Zimmer haben eine kleine Küche, einen Balkon und sind klimatisiert. In der Mitte der Anlage ist ein großer Pool mit Pool-Bar. Im Hauptgebäude ist der Frühstücksraum. Baby-sitting möglich, Wifi vorhanden. Entfernung zum nächsten Shopping Center etwa 500 m, zum Strand 150–300 m, zum Tauchcenter ca. 1,5 km. www.sarayaresort.com

46

eigener Pier ist ideal: auf der Ostseite und etwa in der Inselmitte, ringsherum verteilen sich über 30 Tauchspots. Sichtweiten bis 40 m sind nicht selten. Voraussetzung AOWD und mindestens 50 gelogte Tauchgänge. Die PADI Tauchbasis ist mit Leihequipment für 15 Personen ausgestattet. Ein 7 m langes Schlauchboot und ein 10 m langes Festrumpfboot stehen für Ausfahrten zur Verfügung. Tauchflaschen 10, 12 und 15 Liter mit DIN-/ INT-Anschluss. Kein Nitrox. Alle Sicherheitsausrüstungen sind vorhanden, die nächste

Ausbildung Tauchkurse vom OWD bis Divemaster nach PADI-Richtlinien. Kontakt Beluga Reisen GmbH www.belugareisen.de info@belugareisen.de Tel. 0551/63451340


divingEurope 2|2017

zusammen mit knallroten Meerbarbenkönigen leben. Viele Meerjunker sind auf uns neugierig, große Sardinenschwärme ziehen im satten Blauwasser an uns vorbei. Eine Stunde später schweben wir durch einen Felsentorbogen in das Innere einer Insel und landen in einem fast abgeschlossenen See. Phantastischer Tag! Über dreißig Tauchplätze sind im Moment in den Gewässern um Leros gelistet, die für fortgeschrittene Taucher à la AOWD mit minimum 50 Abstiegen geeignet sind. In unserer Woche haben wir nur die bisher besten Spots besuchen können. Als sicher gilt, dass in der Zukunft noch viel Neues entdeckt wird, das in größeren Tiefen verborgen schlummert. Die Geschichte hat hier ihr Gedächtnis abgespeichert und die historische Unterwasser-Asservatenkammer wird wohl immer umfangreicher werden. Angefangen von Amphoren, die vor zwei Jahrtausenden als Transportgefäße dienten, über Wracks der Weltkriege bis hin zur neuesten Geschichte mit Frachtern oder Fähren. Eines ist allen gleich: dahinter stecken Tragödien und viele menschliche Schicksale. Genau das dürfen die Wrackfreaks im Truk Lagoon der Ägäis nie vergessen. Es sind Mahnmale, so spannend die Tauchgänge auch sind. 47


Alle Fotos: Frank Schneider

divingEurope 2|2017

48


divingEurope 2|2017

Spanien/Mallorca Mittelmeer

TAUCHEN À LA CARD

Eines mögen sie auf der größten Insel der Balearen genauso wenig wie die Sauftouristen am Ballermann: die unsägliche Abkürzung Malle. Die ist schließlich das Synonym für alles, was Mallorca nicht ist. Taucher sind dagegen gern gesehene Gäste. Und die finden an allen Küsten reichlich Optionen für ihren Urlaub. Lesen Sie in dieser Ausgabe den ersten Part unserer zweiteligen Übersicht des Mallorca-Diving-Tauchbasenverbunds. Von Frank Schneider 49


divingEurope 2|2017

50


divingEurope 2|2017

Einfach zu betauchende Hรถhlen sind ein Charakteristkum der Unterwasserlandschaft Mallorcas

51


divingEurope 2|2017

E

s darf fürwahr bezweifelt werden ob es wirklich amüsant ist, wenn sich Erwachsene oder Menschen, die sich zuhause schon gern als solche ausgeben, im Urlaub benehmen als gäb‘s kein Morgen. Wer nicht dem gleichen Alkohollevel anheim zu fallen vermag, der hat meist schon verloren. Insofern ist es sicher verständlich, dass auf der Insel Mallorca statt Sauftouristen (unter anderem) viel lieber Tauchtouristen gesehen sind. Während die einen (meist Dauerbedröhnten) seit Jahrzehnten wissen wo sie auf kleinsten geografischen Zonen ihre Glückseligkeit finden, ist vielen Unterwasserjüngern bis heute nicht ganz klar, was sie an den Küsten rund um die ganze Insel an Tauchgebieten erwartet. Dabei hat der Tauchsport auf Mallorca eine Jahrzehnte lange Tradition. Mallorca galt in den Anfängen der Taucherei als Alternative zur Costa Brava. Vor allem, wenn es darum ging, dass die Anreise nicht mit dem Auto stattfinden sollte. Cala Ratjada an der Ostseite der Insel war spätestens seit den 70ern ein fester Bestandteil im europäischen Tauchtourismus. Mit dem Aufstieg des Roten Meeres geriet Mallorca zunehmend aus dem Fokus der Taucher. Dabei hat sie in all den Jahren einen Vorteil behalten: wie im ganzen Mittelmeer sind hier keine Riffe übertaucht worden: bekanntlich gibt es im Mittelmeer keine riffbildenden Steinkorallen. Außerdem ist das Harpunieren als Freizeitbeschäftigung strengen Regelung unterworfen und extrem eingedämmt worden. Eingerichtete Schutzgebiete zeigen heute eine Unterwasserwelt, wie es sie zuletzt vor vielen Jahrzehnten gegeben hat. 52


divingEurope 2|2017

Karibik? Von wegen! Mallorca ist eben nicht nur Diskomeile und Teenie-Zoo 53


divingEurope 2|2017

Dabei muss natürlich realistisch gedacht werden: hier darf keiner die Fischsuppe der Malediven erwarten. Im Gegenzug ist es aber bei weitem auch nicht die „allseits fischbefreite Zone“, die Kritiker des Mittelmeeres nur zu gerne anführen. „Das ist Quatsch. Belege dafür gibt es ja genug rund um die Insel“, sagt auch Jaume Nicolai, Gründer der Tauchbasis Skualo Portocristo und Initiator des Basenverbunds Mallorca Diving. PORTOCRISTO liegt zentral an der Ostküste und spricht dem typischen Mallorca-Klischee sichtbar entgegen. Die Formulierung „klein, aber fein“ wird zwar oft bemüht (und der Autor wirft für die Verwendung des Zitats auch gleich mal zwei Euro in das Phrasenschwein auf dem Schreibtisch), trifft auf die Charakteristik des Örtchens allerdings tatsächlich zu.

Das weiche Karstgestein an den Ufern hat auch bei Portocristo für bizzarre Felsformationen gesorgt. Die alten Wehrtürme längs der Küste sind beliebte Ziele für kurze Ausflüge

54

Foto: Olaf Tausch/Free licence GNU

Im größten Teil des Hafens von Portocristo ist kein Meerwasser, es handelt sich vielmehr um einen kleinen Fluss. Bei der Einfahrt in den Hafen vom Meer öffnet sich dem Betrachter vom Wasser aus der Blick auf den kleinen Strand und die alte Kirche.


divingEurope 2|2017

Mit den für die Insel typischen Llauts, wie sie auch in Portocristo zu sehen sind, wird noch heute auf dem offenen Meer gefischt

Dann aber fallen sofort ein paar schmucke Jachten ins Auge, die an den Kaimauern festgemacht sind. Es sind keine Riesenpötte und auch nicht viele – dafür ist Portocristos Hafen viel zu klein. Aber es gibt das ein oder andere edle Teil zu Sehen. Zu denen gehört auch die „Beethoven“ von Tennisstar Rafael Nadal. Nebenan in Manacor geboren hat er sich auch gleich ein Häuschen in der Nähe gegönnt: Home, sweet home in Portocristo. 56

Ein weiteres Argument gegen die ewigen Mallorca-Vorurteile wie „Malle ist ja eh nur Ballermann“. Gegenüber den Jachten sind kleine Fischerboote zu bestaunen. Die als Llaut (oder auch Llaüt) bekannten, keine zehn Meter langen Schiffchen sind ein heimliches Wahrzeichen Mallorcas. Ein Teil der Nummer am Bug gibt den Hinweis auf das Baujahr. Llaut-­ Oldtimer sind vielleicht nicht so teuer wie alte Autos, sie werden aber zum Teil ebenfalls verhältnismäßig


Komm zu uns ...

Wir bieten ... • modernes Ausbildungsmaterial • weltweite Anerkennung durch Ausbildung nach ISO, RSTC und CMAS • proffessionelle Betreuung durch unser Head Office

www.nasds.com

RECREATIONAL SCUBA TRAINING COUNCIL

Europe

DSI

Diving Schools International

www.divedsi.com

Crossover zum • CMAS TL*– TL*** • NASDS Instructor Trainer Infomaterial bitte anfordern unter info@nasds.com | info@divedsi.com

Kontakt NASDS/DSI Head Office | Braker Straße 155 | 33729 Bielefeld | Tel. 05 21 . 5 20 55 64/48 | Fax 05 21 . 5 20 55 65/49


divingEurope 2|2017

58


divingEurope 2|2017

Das Skualo Dive Center von Jaume Nicolai (u. re.) liegt in Portocristo im kleinen geschützten Hafen (u. mi.). Drei schnelle Schlauchboote liegen direkt vor der Basis und bringen Taucher und Schnorchler an rund ein Dutzend Plätze vor der mittleren Ostküste (o. re.). Der nächste Spot liegt im Schatten des Leuchtturms (u. li.). Der historische Wachturm auf der Insel Cabrera (ob. li.) ist ein Ausflugsziel zwischen zwei Tauchgängen im Rahmen der Ganztagesfahrt in das Naturschutzgebiet

Divecard Mallorcadiving Dem Tauchbasenverbund Mallorca Diving sind sieben Tauchschulen angeschlossen. Sie verteilen sich an der Nord-, Ost- und Südküste der Insel. Zusammen haben sie die „Divecard Mallorcadiving“ herausgegeben. Egal wo sie gekauft wird können die Tauchgänge mit jeder der sieben Basen durchgeführt werden. Die Begleitung durch einen Guide ist eingeschlossen. Info und Buchung: www.mallorcadiving.com.

Tauchgebiet Mallorca

Die größte der Balearen ist abseits der Disko­ meilen eine wunderbare Insel. Tauchgebiete wie in den Tropen darf allerdings niemand erwarten; wir reden schließlich vom Mittelmeer. Die Tiefen liegen im Sporttauchbereich. Der Schwierigkeitsgrad ist meist einfach bis mittel. Die Unterwasserlandschaft ist durch Höhlen und Felsriffe geprägt. Fächerkorallen gibt es um Mallorca allerdings nicht. Besonders fischreich sind Tauchplätze in den Meeresschutzgebieten. 59


Foto: Jaume Nikolai

divingEurope 2|2017

60


divingEurope 2|2017

hoch gehandelt. Wer hofft, eine der begehrten historischen Llauts kaufen zu können braucht daher mehr als nur Geld: vor allem ist Geduld gefragt, bis so ein Teil angeboten wird. Eine Flussbiegung weiter Richtung Landesinnere ist auf der linken Seite die Basis Skualo Portocristo zu sehen. Die drei roten Schlauchboote mit Festrumpf sind direkt davor vertäut. „In der Antike hatten die Römer ihre Anlegestelle noch ein bisschen weiter“, erzählt Jaume und lacht: „unter der flachen Straßenbrücke können heute aber nur noch Fische und Vögel den kleinen Fluss hinauf.“ Als wir später zum Tauchen rausfahren, nimmt das Schlauchboot Fahrt auf und prescht unserem Tauchziel entgegen. Es geht zur kleinen Steilwand unterhalb des Leuchtturms. Mallorca bietet allgemein ein gemischtes Unterwasserprogramm. Die meisten Reviere haben allerdings moderate Schwierigkeitsgrade. In diese Kategorie fällt auch das kleine Drop-Off. Von etwa acht Meter geht es hinab bis auf rund 22 Meter. Strömung gibt‘s in der Regel keine. Somit eignet sich der

Die goldgesprenkelte Mittelmeermuräne ist eher ängstlich (li. ob). Seehasen sind die größten Nacktschnecken im Mittelmeer (li. u.) 61


divingEurope 2|2017

62


divingEurope 2|2017

Meerraben (re.) sind nicht grau, sondern schimmern in Wahrheit eher golden

Platz sogar für Anfänger und Wiedereinsteiger nach einer längeren Tauchpause. Unterhalb des schwarz-weiß gestreiften Leuchtturms sind (fast) alle Vertreter aus der Clique der gängigen Mittelmeer-Riffbewohner zu finden. Vom Oktopus über Drachenköpfe bis zu Muränen und im Sommer auch die typischen Fadenschnecken. Eines der mit Sicherheit bemerkenswertesten Tauchreviere Mallorcas ist das Areal der Insel Cabrera. Seit dem Frühjahr 1991 ist das kleine Archipel – es besteht aus der namensgebenden Hauptinsel und 17 weiteren kleinen Inseln – samt umgebender Gewässer eines der großen Natur-

In den Naurschutzgebieten haben sich die Bestände der Tiere längst erholt, so auch in Cabrera (li.)

Langusten sind immer vorsichtig (li.). Junge Garnelen suchen den Schutz der Wachsrose, einer Mittelmeeranemone (o.)

schutzgebiete von Mallorca. Während der Landteil 1318 Hektar umfasst, beträgt die geschützte Meeresfläche 8703 Hektar. Das sagt schon etwas aus. In den mehr als 25 vergangenen Jahren haben sich Flora und Fauna wunderbar regenerieren können. Ausgedehnte Posidonienwiesen belegen eine gute Wasserqualität. Das dicht wachsende Mittelmeerseegras ist zum einen der 63


divingEurope 2|2017

Die Insel Cabrera mit ihrer malerischen Ankerbucht im Südwesten Mallorcas zählt zu den bedeutendsten Naturschutzgebieten Spaniens. Hotels sucht man vergebens – gute Tauchplätze gibt es dagegen einige. Die Basis Skualo Portocristo fährt von Colonia de Sant Jordi dorthin. Gäste der Partnerbasis Skualo Portocolom können sich diesen Touren anschließen

64


divingEurope 2|2017

ständige Lebensraum vieler Arten, daneben aber auch Kinderstube für Tiere, die sich später anderswo aufhalten.

kommt ja auch nicht irgendwohin, wo von vornherein bekannt ist, dass es nix zu sehen gibt...

Zweifel, was solche Schutzmaßnahmen bewirken, wären regelrecht absurd. Das beweisen ganz einfach die fetten Zackenbarsche in der Cala Gaiota. Die hat sich übrigens auch Pierre-Yves Cousteau, jüngster Sohn des legendären Meeresforschers, zu Studienzwecken angeschaut. Und der

Skualo-Gäste mit einem Mietwagen können für diese Tour selber zum Hafen von Colonia de Sant Jordi düsen. Nach der Rückkehr am Nachmittag besteht dadurch die Option gleich wieder seiner individuellen Wege zu gehen und etwa einen Ausflug ins Landesinnere zu machen. Oder man genießt mit der 65


divingEurope 2|2017

Die Cueva de Coloms ist nur mit dem Boot zu erreichen. Innen ist es angenehm frisch. Trotzdem reicht ein Shorty für den Ausflug

ganzen Truppe in Portocristo noch ein paar Leckereien. Die gibt‘s gut und preiswert zum Beispiel in der Pizzeria Ca‘n Salvador ein paar Schritte von der Tauchbasis entfernt. Könnte auch sein, dass dort irgendwann die hungrigen Rückkehrer aus der Cueva 66

de Coloms einkehren. Diese Höhle ist kein Tauchrevier; nicht mal ein Schnorchel ist nötig. Aber nass wird trotzdem jeder. Der Spaß eignet sich für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, Tauchkenntnis-


divingEurope 2|2017

Die Skualo-Porto­cristo-Crew ist vielsprachig. Es sind auch deutsche Tauchlehrer und Guides im Team

se sind dabei nicht nötig. Einzig ein Grundmaß an Fitness sollte vorhanden sein. Ein bisschen (harmloses) Herumklettern steht schließlich neben dem Spaß im Wasser – samt Sprung ins feuchte Element – auch auf dem Programm. Tageslicht dringt nicht in die relativ große Höhle vor, aber jeder Teilnehmer bekommt mit seinem Helm auch eine Lampe. In der Zeit zwischen den Tauchgängen oder Tauchtagen laden natürlich die zahlreichen Strände der Insel zum Faulenzen ein. Palma de Mallorca liegt mit 65 Kilometern Entfernung nicht grad um die Ecke. Dafür sollte schon ein Tagesausflug geplant werden. Wer kurzfristig etwas anderes als Portocristo sehen will, der kann ins nahegelegene Städtchen Manacor. Zugegeben: die Peripherie ist zwar nicht gerade heimelig, aber im kleinen Viertel um die hübsche Kirche gibt es Cafés und Restaurants. Da lässt sich doch prima der Plan für den nächsten Ferientag ausarbeiten. In der Nähe von Portocristo liegt Manacor, der Geburtsort von Tennisstar Rafael Nadal. Im kleinen Viertel um die alte Kirche gibt es ein paar hübsche Cafés 68


divingEurope 2|2017

Info Beste Reisezeit April bis Oktober. Wie komme ich hin? Flug nach Palma de Mallorca; Mietwagen empfohlen. Portocristo liegt 53 km vom Flughafen entfernt. Wohnen Portocristo ist klein – und „IN“. So ist es nicht einfach eine Unterkunft zu finden. Die Basis hat meist aktuelle Tipps, sonst gängige Buchungsportale bemühen. Tauchen Bootstauchgänge (3 Schlauchboote/je 12

Taucher), ca. 12 Tauchplätze längs der Küste, Fahrtzeit 5-15 Minuten. Tipp: Tagesfahrt nach Cabrera. Ausbildung Kurse nach PADI. Kindertauchen. Ausflüge Boots- und Kletterpartie zur Piratenhöhle (Cova des Coloms in Cala Falco); Tropfsteinhöhle mit Süßwasserseen. Kontakt www.mallorcadiving.com, www.skualo.com, portocristo@skualo.com

S D N E I DIVING WITH FR MALDIVEN INDONESIEN ÄGYPTEN THAILAND SPANIEN OMAN MAURITIUS JAPAN KROATIEN

TOLLE ANGEBOTE ERWARTEN DICH AUF UNSERER WEBSITE! B UCH UN G E N UN D I N F OR M AT I ON :

ED_ww_UW_190x125.indd 1

www.euro-divers.com 03.03.15 14:03

69


divingEurope 2|2017

PORTOCOLOM ist die Heimat der südlichsten der drei Mallorca Diving Tauchbasen an der Ostküste. Geführt wird sie von Dirk Bornemann und Marina Hölzgen. Durch die Lage am Rand einer großen Bucht, die den größten Naturhafen Mallorcas bildet, gibt es im neueren Teil des Ortes abgesehen von Hotelburgen viele Segnungen des modernen Tourismus. Trotzdem hat der Ort seinen alten Kern und Charme behalten. Nicht zuletzt auch wegen der guten Restaurants an der Promenade. Wir könnten uns jetzt auslassen über entspannte Abende mit Blick auf dümpelnde Boote und Rezepte wie Wolfsbarsch in einer Salzkruste gebacken – aber letztlich ist divingEurope ja ein Tauchmagazin ... „Peter von Danzig“ ist folgerichtig auch kein lokaler Sternekoch, sondern eines der beiden Wracks, das vor der Küste bei Portocolom liegt. Nee, nee – die Rede ist nicht vom großen Hansekahn aus dem 15. Jahrhundert, sondern von einem kleineren Pott aus unseren Tagen. Der hat denn zur besseren Unterscheidung auch in den meisten Beschreibungen eine „II“ hinter dem Namen. Die Bojenleine zum Grund ist schon nach knappen zehn Minuten Fahrt erreicht. „Kann passieren, das hier Strömung ist“, sagt uns Dirk und empfiehlt das übliche Prozedere: „Erstmal an der Boje warten und dann gehen wir zusammen runter. Wenn es zieht, gesichert an der Leine.“ Aber so ist es dann doch nicht und wir können lockerleicht die maximal 26 Meter nach unten schweben. Wie oft im Mittelmeer haben sich auch an diesem tiefergelegten Schiff mehrere Hundertschaften von Mönchsfischen angesiedelt. Die Mittelmeerfahnenbarsche hauchen dem Alteisen 70


divingEurope 2|2017

Nicht weit vor der Bucht von Porto­colom liegen zwei Wracks 71


divingEurope 2|2017

72


divingEurope 2|2017

Die flammenartigen Farben an den Spitzen der Nesseltentakel von Cratena-Nacktschnecken sind ein Warnhinweis. Sie sollen potentiellen Fressfeinden signalisieren: Vorsicht, Gift

regelrecht neues Leben ein. Riesig ist das leicht schräg auf der Seite liegende Teil nicht. Aber so kommen angesichts der Maximaltiefe auch relative Anfänger zu einem stressfreien Wrackerlebnis. Beim zweiten Exemplar, der „Estrella“, stellt sich das schon anders dar. Das etwa 25 Meter lange Schiff liegt ebenfalls in Sichtweite des Ausgangs der Bucht. Der stählerne Rumpf ruht aber mit 33 Meter doch noch mal ein halbes bar Wasserdruck tiefer. Das macht diesen Spot vorzugsweise zu einem Ziel für den ersten Tauchgang des Tages. Wenn der dagegen an einer Steilwand stattfand, bekommen bei einem zweiten Abstieg an der „Estrella“ nicht nur Unterwasserfotografen schnell Probleme mit der Nullzeit. Wenn dann noch plötzliche Strömung einsetzt, ist etwas Taucherfahrung schon nicht schlecht. Drum herum gibt‘s nämlich nichts, das einen Aufstieg oder gar Deko-Stops im Strömungsschatten möglich macht. Die Skualo-Crew kennt die Verhältnisse und plant die Tauchgänge entsprechend der Wetterlage und Eignung der Taucher. Für alle ist dagegen der Ausflug zur 200 Meter vorgelagerten Felseninsel Faralló d’en Fred geeignet.

Apropos Gift: Anemonen, die hübschen Blumentiere, wie sie früher genannt wurden, gehören zu den giftigsten Wesen im Meer. Solange man sie nicht verschluckt sind sie aber harmlos und einfach schön anzusehen 73


divingEurope 2|2017

Bei dem Anblick schreit die Seele förmlich „lass mich hier baumeln!“ (ob.). Kein Problem: das ist die Aussicht beim Logbuchschreiben vor der Basis Skualo Portocolom (nächste Doppelseite ob. li.). Weitere Bilder auf den Seiten: Auch vor Portocolom geht es im Eingangsbereich von Tropfsteinhöhlen ohne Spezialausrüstung (ob. re.). Sind an fast allen Riffen zu sehen: Zweibindenbrassen (u. li.). Hatte irgendwann mal Glück im Unglück: dieser Oktopus überlebte die Attacke eines Angreifers, büßte aber einige Armenden ein (u. re.) 74


divingEurope 2|2017

Wie fast überall vor Portocolom – außer an der „Estrella“ – pendelt sich der Tiefenmesser auch an der kleinen Insel bei unter 30 Meter ein. Mit ein wenig Glück sieht man Barrakudas, Muränen, kleine Langusten strecken gelegentlich ihre Antennen aus Spalten im Fels und hier und da huschen junge Zackenbarsche umher. Nicht selten beäugt von Gruppen der bis 40 Zentimeter großen Meer-

raben, die offenbar so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Sehr relaxed geht‘s auch am Platz Torbogen zu. „Der Sage nach liegt dort eine in der Antike versunkene Straße“, erzählt Marina schmunzelnd. Wie das halt so ist mit den alten Sagen. Auf jeden Fall liefern die zusammen mit den Taucherlebnissen vom Tage genügend Fall Gesprächsstoff für das Abendessen an der Promenade von Portocolom. 75


divingEurope 2|2017

76


divingEurope 2|2017

77


divingEurope 2|2017

Info Beste Reisezeit April bis Oktober. Wie komme ich hin? Flug nach Palma de Mallorca; Mietwagen empfohlen. Portocolom liegt circa 65 km vom Flughafen entfernt im Südosten Mallorcas.

Küste, Fahrtzeit 5-20 Minuten. Tagesfahrt nach Cabrera in Kooperation mit der Basis Skualo Porto Cristo möglich. Ausbildung Kurse nach PADI und SSI bis Divemaster.

Wohnen In Portocolom gibt‘s kleine Hotels und Appartements. Auch hier hat die Tauchbasis aktuelle Tips zu Unterkünftsmöglichkeiten.

Ausflüge In der Umgebung gibt es Tropfsteinhöhlen, die Basis bietet Schnorcheltouren und Stand-Up-Paddling.

Tauchen Bootstauchgänge (2 Schlauchboote/je 12 Taucher), ca. 15 Tauchreviere längs der

Kontakt www.mallorcadiving.com, www.skualo.com, portocolom@skualo.com

Die Boote von Skualo Portocolom starten vom Steg in Sichtweite der Basis

78


HEINZ 02

UNTERWASSERFOTOGRAFIE UND TAUCHABENTEUER PUR


divingEurope 2|2017

80


divingEurope 2|2017

Mallorca bietet viel mehr als nur Strand­ urlaub zwischen den Tauchtagen. Wunderbare Landschaften (li. ob.) laden zum Wandern und Fahrradfahren ein, historische Burgen wie Capdepera (ob. re.) und kleine alte Städte wirken wie Zeitmaschinen. Auch wenn Palma de Mallorca mit ihrer berühmten gotischen Kathedrale (u. li.) von der Ostküste eine gute Stunde Autofahrt entfernt liegt sollte man sich einen Ausflug in die Inselhauptstadt unbedingt gönnen. Die typische mallorquinische Küche gibt es zum Glück selbst im kleinsten Dorf (u. mi.) 81


divingEurope 2|2017

In der Nähe der Bucht Font de Sa Cala gibt es mehrere Höhlen. Die Kathedrale eignet sich auch für Anfänger, da überall problemlos aufgetaucht werden kann 82


divingEurope 2|2017

CALA RATJADA und Font de Sa Cala sind die nördlichsten Standorte längs der Ostküste aller sieben Mallorca Diving Basen. Font de Sa Cala, der Name der Bucht, in der die Basis Dive & Fun beheimatet ist, wird den regelmäßigen divingEurope-­ Lesern bekannt vorkommen. Kein Wunder, wir haben das Ziel mit einem großen Artikel in unserer Ausgabe 3|2016 vorgestellt. Trotzdem darf die deutsche Tauchschule der Vollständigkeit halber in dieser Übersicht natürlich nicht fehlen. Verständlicherweise wollen wir an dieser Stelle aber wiederum auch nicht eine Kopie unserer letztes Jahr erschienen Reportage präsentieren. Es ist also eine kompakter Bericht, der dennoch alle wichtigen Infos beinhaltet. Die Bucht Font de Sa Cala liegt im nördlichen Abschnitt von Mallorcas Ostküste und dort etwas südlich vom berühmten Ferienort Cala Ratjada. In dessen Hafen können sich Taucher in der kleinen Niederlassung der Dive & Fun Stammbasis für Tauchgänge anmelden. Die Zweigstelle des Basis-Chefs Mike Baudach firmiert unter dem Namen Skualo Cala Ratjada und dient vornehmlich als Buchungsoffice und Treffpunkt. Beide Tauchcenter haben ein einheitliches Angebot. Die Leihausrüstung gibt es aber an der von Cressi ausgestatteten Tauchschule in Font de Sa Cala. Dahin geht‘s von Cala Ratjada auf Wunsch per kostenlosem Minibus-Shuttle der Basis in wenigen Minuten. Nur wenige Schritte gegenüber ist die Anlegestelle. Die Basis verfügt über zwei schnelle Schlauchboote. Je bis zu zwölf Taucher können damit an einen der etwa 24 Plätze gebracht werden. Der Topspot, die Unterwasserfelsen vor dem Cap de Freu, sind Teil des 2007 eingerichteten Meer83


divingEurope 2|2017

esschutzgebiets zwischen Cala Ratjada und Font de Sa Cala. In diesem Areal haben Meeresforscher bis dato rund 900 Arten gezählt. Mittelmeerfans wissen eh, dass Europas Hausmeer eine größere Artenvielfalt hat als die meisten tropischen Gebiete, allein die Zahl der Tiere ist geringer. Darauf angesprochen 84

berlinert Mike grinsend: „Langeweile kenn‘wa trotzdem nich, is‘ jenuch da.“ Wir stiefeln gerade zum Boot. Am Vormittag hatten wir die Barrakudas und Schwärme von Streifen- und Zweibindenbrassen sowie Goldstriemen am Cap de Freu gesehen und waren bei gemäßigter Strömung durch die allgegenwärtigen Mönchsfischwolken an diesem Top-Spot getaucht.


divingEurope 2|2017

Die Fahrt nach El Farayo ist kürzer, Am Spot mit dem Spitznamen „Käse“ stehen auch fast immer Barrakudas und kleine Schwärme. Der Clou ist aber das ausgehöhlte Innere der Felseninsel. Wer sich an das Titelfoto der Ausgabe 3|2016 erinnert: es zeigt das berühmte Teufelsgesicht. Die optische Täuschung ist nur von einer bestimmten Stelle im geräumigen Inneren zu erkennen. Noch an vielen anderen Plätzen bilden Höhlen die Kulissen für Tauchabenteuer, selbst für Anfänger. Allerdings geht es auch anders: das lassen Angebote wie Trimixkurse und Höhlentauchausbildung bei Dive & Fun erahnen.

Typisch Mittelmeer(ob. von li. nach re.): Zylinderrose, Drachenkopf, Leopardennacktschnecke. Mehr über die Tauchplätze von Dive & Fun wie das Cap de Freu (li. u.) Steht in divingEurope 3|2016

Mehr als Tauchen

&

Wir organisieren Ihren Tauchurlaub plus weltweit

LOGO-MANUAL P Individuelle Reiseangebote auf Ihre Wünsche zugeschnitten

rlaub

Familienu

Rundreise

Cluburlaub

P Professionelle Beratung nach Maß

individuelle Reiseangebote auf Ihre Wünsche zugeschnitten Professionelle Beratung nach Maß

Mehr als Tauchen

Wellness & Spa

Kreuzfahrt

g-Tour

Sightseein

Wir organisieren Ihren Tauchurlaub plus...

eit Tauchen und Reisen weltw Telefon 0201 868 10 75 info@tauchen-weltweit.de

Familienurlaub

Familienurlaub

Rundreise

Rundreise

85 Kreuzfahrt

Sight-See

in


divingEurope 2|2017

Info Beste Reisezeit April bis Oktober. Wie komme ich hin? Flug nach Palma de Mallorca; Mietwagen empfohlen. Vom Flughafen nach Cala Ratjada und Font de Sa Cala sind es circa 80 km. Wohnen

Zum Beispiel im 4-Sterne-Hotel Beach Club Font de Sa Cala (www.beachclub-fontdesacala.com).

Tauchen Landtauchgänge (auch Nachttauchen), Bootstauchgänge (2 Schlauchboote) ca. 24 Tauchplätze, Fahrtzeit 5-30 Minuten.

Ausbildung Nach CMAS , i.a.c. , PADI , SSI , ISE; Kindertauchen, Nitroxkurse, Trimix, Höhlentauchen. Ausflüge Tropfsteinhöhlen (auch per Bootsausflug), Schnorcheltouren, Schnellbootfahren (600 PS), Landsitz Es Calderers, Leuchtturm am Capdepera, Castell de Capdepera. Restauranttipp Font de Sa Cala: Roberto‘s Café. Kontakt www.mallorcadiving.de, www.skualo.com, info@mallorcadiving.de

Bei Skualo Cala Ratjada und Dive & Fun In Der Font De Sa Cala (im Foto ob.) sind

Kindertauchen, Nitroxkurse, Trimix, und Höhlentauchen im Programm 86


divingEurope 2|2017

Foto: Amanda Cotton

Tromsø/Norwegen Nordatlantk

88


divingEurope 2|2017

Der Orca Flüsterer

In Norwegens Nordlichtmetropole Tromsø gibt es für Touristen eine neue Naturattraktion. Zwischen Heringsschwärmen, Buckelwalfontänen und unter dem Gekreische der Möwen kann man jetzt mit Orcas schnorcheln. Von Timo Dersch

89


Foto: Timo Dersch

divingEurope 2|2017

90


divingEurope 2|2017

Bisher kamen Touristen wegen der Nordlichter – jetzt gibt es sie als Schmankerl dazu

91


divingEurope 2|2017

O

lav Stromsholms Lieblingsfisch ist Hering. Denn wo es Hering gibt, da gibt es Orcas. Und da der alte Norweger mit der Kapitänsmütze die gefleckten Riesen auch ziemlich gern hat, folgt er ihnen, wo auch immer sie hinschwimmen.

Foto: Timo Dersch

Dazu muss Olav wissen wie er die Heringsschwärme finden kann – wo sie laichen, was sie fressen – sie sind der Schlüssel zu den raren Begegnungen mit den Tieren. „Seit drei Jahren kommen die Orcas nach Tromsö“, säuselt er in seinen Schnurrbart während im kreisrunden Sichtfeld des Fernglas die pechschwarzen Schwerter auf und ab gleiten. „Der Fjord ist für sie wie McDonald’s: Fast & Easy Food.“

gemeinsames Ziel: Orcas – möglichst viele davon und möglichst nah. Reisegruppen aus der ganzen Welt gastieren mittlerweile auf die „Sula“. An keinem Ort sonst erhält man quasi eine Garantie mit den Unterwasser-Pandas schwimmen zu können. Als Killerwale werden die Räuber bezeichnet. Erbarmungslose Tötungsmaschinen. Doch sind sie nicht mehr „Killer“ als jedes andere Raubtier. Sie töten nicht weil sie mit der falschen Flosse aufgestanden sind oder das Frühstück nicht geschmeckt hat. Die Kolosse mit der außergewöhnlichen Zeichnung töten, weil sie essen möchten. Und da sie nicht einfach wie ihre größeren Artverwandten, die Wale, riesige Mengen an Meerwasser ein- und den Fisch raussaugen können, haben sich die Schlaufüchse dazu ein paar Techniken ausgedacht. Zum Beispiel die Karussell-Fütterung, ein Musterbeispiel animalischer Intelligenz.

Es ist halb zehn. Im Dämmerlicht läuft die „Sula“ aus. Olavs ganzer Stolz. 27 Meter Die 27 Meter lange „Sula“ ist ein geballte Power aus ehemaliges Fischerboot. Sie dient Stahl. Das ehemalige als Tauchbasis und Orca-Suchschiff Fischerboot fungiert als schwimmende TauchIn allerbester Schäferhund-Manier trennen basis, als Orca-Suchschiff und in den Winsie eine Gruppe Heringe vom Schwarm und termonaten als Zuhause für den gebürtigen treiben ihn an der Oberfläche entlang. Orcas Westnorweger sowie seine Orca-Brüder und können zwar tief tauchen, aber Luft brauchen Schwestern im Geiste. sie trotzdem. Deshalb gefällt ihnen der Flachbereich deutlich besser. Wie einen Fußball Zwölf Gäste plus sechs Mann Besatzung hatreiben die blitzschnellen Riesen die Heringsben Platz auf dem Expeditionskahn. Die Enge kugel vor sich her. Umkreisen ihn wie ein wild stört dabei nur Wenige. Schließlich gibt es ein 92


Foto: Amanda Cotton

divingEurope 2|2017

Rare Begegnung: Wilde Orcas unter Wasser sehen? Auf nach Tromsø!

93


divingEurope 2|2017

Olavs Augen leuchten. „Die Vögel kommen um ihren Anteil vom Kuchen zu bekommen und schießen im Sturzflug ins Wasser.“ Jetzt beginnen die Schwertwale den Heringen mit ihren Schwanzflossen eine vor den Latz zu knallen.

Der Platz wird knapp. Bis die runde Kugel voller Verzweiflung in ungewohntes Terrain zu flüchten sucht. „Das Meer gleicht in diesen Momenten einer kochenden Suppe.“

Das haben sie sich vielleicht vom Fuchshai abgeschaut. Oder war es andersrum? Das Resultat ist dasselbe. Benommene Omega-3-Nahrung auf dem Präsentierteller. Zu-

Foto: Timo Dersch

gewordener Mob – jagen den Fischen Angst ein – mit Luftblasen, durch Schreie, ja selbst durch das Vorzeigen ihrer blendend weißen Bäuche wollen sie Eindruck schinden. Mit Erfolg: Die Heringe rücken immer enger zusammen.

Fotografieren ist in Tromsø in den Wintermonaten anspruchsvoll: Es gibt nur drei Stunden am Tag dämmriges Licht

94


eine andere Art Mallorca zu entdecken M A L L OR C A D IVIN G

TAUCHAUSFLÜGE

TAUCHKURSE

BOOTSAUSFLÜGE

MULTIACTIVITY

KAJAKAUSFLÜGE

SEEHÖHLEN AUSFLÜGE

STAND UP PADDLE

SCHNORCHELN

SPEED BOAT

ALCÚDIA | CALA RATJADA | PORTO CRISTO | PORTOCOLOM TOLLERIC (S'ARENAL) | PORT ADRIANO | SANT ELM Informationen und Reservierungen info@mallorcadiving.com Tel. +34 971 815 094


divingEurope 2|2017

Jagen in Gruppen ist Teil des sozialen Verhaltens – und steigert nebenbei die Effizienz

Foto: Timo Dersch

schnappen. Gräten entfernen. Fertig. Denn wie die Zweibeiner an Land kann auch Kollege Meerespanda Schuppen und pieksige Knochen überhaupt nicht ab. Heringsschuppen treiben umher wie Schneeflocken im Januar-Sturm. Ist für die Sicht unter Wasser und vor allem für die Fotos nicht immer zuträglich, aber so ist das nun mal. Das Grätenskelett spuckt der Acht-Meter-­ Koloss nach der Mahlzeit wieder aus – als Ganzes. „Wir sind uns nicht sicher wie sie das schaffen“, erzählt Sebastian Hubertus fasziniert. „Wahrscheinlich rollen sie den Fisch mit der Zunge entlang der spitzen Zäh96

ne, so dass das Fleisch zwischen den Gräten hinausgedrückt wird.“ Der Tauchlehrer arbeitet als Sicherungs-Schnorchler für Olav und liebt seinen Job. „Einmal kam ein Orca mit dem Hering im Maul zu mir geschwommen und präsentierte stolz den Fang zwischen seinen Zähnen bevor er ihn verschlang.“ Das nennt man hier einen „Encounter Number Four“ – eine Begegnung vierten Grades. Gemeinsam mit dem Franzosen Pierre Robert de Latour haben die Norweger die Organisation USEA ins Leben gerufen. Bei ihr dreht sich alles um die Orca-Mensch-Interaktion.


divingEurope 2|2017

Schwimmst du aber seitlich in dieselbe Richtung wie die Tiere, so kann es zu einer länger anhaltenden Begegnung kommen. Manchmal wird ein Tier auch neugierig und schaut wer du bist. Hier sprechen wir von Begeg-

Foto: Amanda Cotton

„Wir analysieren Schwimmmuster und schaffen es so, Erkenntnise zu gelangen wie wir die besten Begegnungen schaffen können“, erzählt Sebastian. „Schwimmst du direkt auf einen Schwarm Orcas zu, tauchen sie ab und sind weg. Das ist eine Begegnung ersten Grades.

Feinschmecker: Orcas spucken Gräten und Schuppen der Heringe wieder aus

97


divingEurope 2|2017

98


divingEurope 2|2017

Nordlichter: Unvergleichliches Naturschauspiel 99


Foto: Amanda Cotton

divingEurope 2|2017

Orcas schwimmen in sogenannten Pods, eine Bezeichnung fĂźr den Familienverband

100


divingEurope 2|2017

nungen zweiten bis vierten Grades.“ Den fünften Grad will aber eigentlich niemand erleben. Wenn die großen Delfine aufdringlich werden sollten. Dann heißt es nichts wie raus aus dem Wasser. Das passiert aber quasi nie und insgeheim hoffen die Teilnehmer dann doch, dass es einmal in Richtung Nummer Fünf geht und man nicht nur den Einsern hinterherjagt. Die einzigen Angriffe auf Menschen wurden in Einrichtungen verzeichnet, in denen man die Säuger in Becken kaum größer als ein Wartezimmer beim Arzt sperrte und versuchte ihnen Kunststückchen beizubringen. Der Fall, der traurige Berühmtheit erlangte, ist der des Orca-Männchens Tilikum. Ein Individuum mit hängender Schwertflosse, weitergereicht von einem Meeresvergnügungspark zum nächsten, aufgrund seines aggressiven Verhaltens. Eine Trainerin bezahlte seine Betreuung mit ihrem Leben. In freier Wildbahn sind allerdings bis heute keine Angriffe durch Schwertwale auf Menschen bekannt. Die Tage sind in Tromsö kurz. Nur drei Stunden erlaubt das dämmrige Licht auf dem Wasser zu sein und mit den Tieren zu schwimmen. Doch wie Herumsitzen fühlt sich die restliche Zeit nicht an. Daniel aus Pforzheim kann sich kaum entscheiden ob ihm die Schneespaziergänge oder die tanzenden Nordlichter besser gefallen haben. Robin ist großer Fan der Bordküche, denn John, der Koch, verbringt die Sommermonate in Thailand. Norwegische Eintöpfe mit asiatischem Kokosmilch-Zitronengras-Einfluss – das ist schon was. Und für Rebekka stand schon am dritten Tag fest: 101


Fotos: lenanarvik, zettel, C.H., allfareren /Foap/Visitnorway.com

divingEurope 2|2017

102


divingEurope 2|2017

Neben Tauchen und Nordlichtern gibt es rund um Tromsø viele weitere Attraktionen: Zum Beispiel Skitouren laufen, Naturbeobachtungen beim Wandern, eine Rentierschlittenfahrt oder in einem traditionellem Tippi ßbernachten

103


Foto: Amanda Cotton

divingEurope 2|2017

Angriffe von Orcas auf Menschen in freier Wildbahn sind bis heute nicht bekannt

„Mein absolutes Highlight war der Ausflug mit dem Hydrophon.“ Denn eines Abends geht es mit dem kleinen Beiboot hinaus in den Fjord um dort ein langes Kabel mit einem Empfänger in die Tiefen des pechschwarzen Wassers hinabzulassen. Vor einem kleinen Radio, das aussieht als sei es einer amerikanischen Küche der Sechziger-Jahre entsprungen, sitzen die Gäste nun gespannt und Lauschen dem Tröpfeln und Knirschen bis es auf einmal losgeht. „Muuuuuaaaaahhhhh!“ – „Das ist ein Buckelwal“, ruft Olav begeistert. „Hört sich an wie eine Kuh!“ Das Muhen erhält Antwort. Ein anderer Wal kommuniziert zurück. Dazwischen 104

fiepende hohe Töne wie von einem Haufen Meerschweinchen. „Das sind die Orcas“, erklärt Olav. Alle Augen leuchten. Wow! Was an Bord des Wasser und beim Schwimmen kaum wahrgenommen wird: man hat es mit mitteilungsbedürftigen Lebewesen zu tun. Das müssen ganze Geschichten sein, die sich die Familienmitglieder hier erzählen. Während Olav auf der Brücke sitzt und den Polarlichtern beim Tanzen zusieht, nehmen die Reisenden das befriedigende Gefühl etwas gelernt zu haben und der Natur ein Stück näher gekommen zu sein, mit in ihre Kojen um sich dort von den sanften Bewegungen des Wassers im Hafenbecken in den Schlaf wiegen zu lassen.


divingEurope 2|2017

Info Beste Reisezeit Mitte November bis Anfang März. Wie komme ich hin? Flug über Oslo nach Tromsø mit Norwegian Airlines oder SAS. Direktflug nach Tromsø von Frankfurt mit Lufthansa. Wohnen/Schiff Auf den Schiffen „M/S Sula“, „M/S Malmö“ oder „S/Y Rembrandt van Rijn“ in einer Doppelkabine mit Stockbett, Badezimmer werden geteilt. An Bord Vollpension mit hervorragender Küche. Je nach Flugzeit wird die Nacht vor und nach der Schiffsreise in Tromsø verbracht. Tauchen Wassertemperatur 4-5 Grad. Trockenanzug

MIT DEM

mitbringen oder an Bord leihen. Wer agiler sein und mit den Tieren abtauchen will: dicken Neoprenanzug, Handschuhe und Boots mitbringen und die Kälte in Kauf nehmen. Thermowäsche und windfeste Polarjacke für Whale-Watching von Deck empfohlen. Tipps für die Zeit an Land Für Nordlichterfotos Stativ mitbringen. Alkohol gibt es an Bord nicht zu kaufen. Sparfüchse bringen den Alkohol aus Deutschland mit. Im Supermarkt berappt man für ein Sixpack Bier locker 20 Euro. Kontakt/Reiseveranstalter Wirodive Tauch- und Erlebnisreisen GmbH www.wirodive.de info@wirodive.de Tel. 08761/7248000

Reisecenter Federsee AUF DEN

KANAREN SPAREN UND DIE BESTEN TAUCHPLÄTZE DES ATLANTIKS ENTDECKEN.

Schussenrieder Str. 54 88422 Bad Buchau

Tel.: 0 75 82 93 20 790 Fax: 0 75 82 93 20 7990

reisen@reisecenter-federsee.de www.rcf-tauchreisen.de

105


Alle Fotos: Frank Schneider

divingEurope 2|2017

106


divingEurope 2|2017

TIERPORTRÄT

Oktopus: Schlaumeier mit acht Armen

Diving Center Elba

Wenn die Viecher das wüssten... Nur wenige Vertreter des Tierreichs sind für alle Zeiten in einem Beatles-Song verewigt oder kamen in einem James-Bond-Film zu weltweit ewigem Ruhm. Dabei sind die intelligenten Kopffüßer auch ohne solche Unterstützung etwas Besonderes. Von Frank Schneider

Das Mittelmeer von seiner schönsten Seite Tauchen lernen – Elba erleben Ausbildung für Anfänger und Fortgeschrittene Bequemes und sicheres Tauchen

Z

weifellos behandelt unser Tierportrait dieses Mal eine ziemlich geheimnisvolle Art. Wir versprechen Ihnen trotzdem, liebe Leser: auch dieses Mal gibt es keinen öden Biologieunterricht, sondern eine unterhaltsame Vorstellung dieses Tausendsassas. Seit Jahrhunderten ranken sich Mythen, Sagen und nicht zuletzt regelrechte Gruselgeschichten um die achtarmigen Weichtiere. Moment – acht

Gruppen und Charterangebote 9x nominiert 3x Gewinner des Tauchen-Awards

Omnisub-Elba

Mirjana und Markus Schempp

www.omnisub.com

107


divingEurope 2|2017

Die Augen der Kraken zählen zu den höchstentwickelten Sehorganen der Wirbellosen. Sie sind die einzigen Körperteile, die nicht verkleinert werden können. Das bedeutet: der Oktopus kommt durch jede Öffnung, durch die sein Auge passt. Noch beeindruckender: Er erkennt Hell und Dunkel auch mit der Haut

Arme? War da nicht auch was mit zehn Greifern? Jain – zwei mehr hat nur die Tintenfisch-Schwestergruppe eben der zehnarmigen Kopffüßer, so wie Sepien und Kalmare (Sie wissen schon: die beim Italiener oder Griechen in frittierter Form...). Der klassische Oktopus, egal in welchen Breitengraden er denn vorkommt, besitzt seines Namens gemäß nur acht Tentakel. Auch die sonderbaren tropischen Formen 108

haben nicht zwei mehr – trotz gelegentlich hörbarer irriger Annahmen irgendwelcher Besserwisser. Man muss ja nicht unbedingt Latein beherrschen, um zu wissen, dass der Wortteil „okto“ für acht steht. Im norwegischen Sprachgebrauch bekam das Tier schon vor Urzeiten einen anderen Namen verpasst: „Krake“ (übrigens der Krake, nicht die Krake). Selbst die sprachwissenschaftliche Truppe des Duden-Teams hat einigen Quellen zufolge

nicht herausbekommen, welcher Ursprung dabei zu Grunde liegt. Eine Definition lautet allerdings: Seeungeheuer. Na also, da isses wieder, das Geheimnisvolle. Muss aber wohl schon Urzeiten vor der Systematisierung der Fische gewesen sein, und definitiv vor der Zeit, da jeder mit dem Smartphone vom Kreuzfahrtschiff aus Bilder knipsen konnte. Zeitgenössische Darstellungen aus dieser ichthyologischen Frühzeit – sprich: irgendwann auf dem


divingEurope 2|2017

Vorwärts, rückwärts – was denn nun? Es ist eher ein oben (Augen) und unten (Schnabel), aber schnelles Schwimmen als Fluchtreaktion findet im Rückwärtsgang statt, also mit dem Körpersack in Zielrichtung, den Verfolger im Blick. Oder – ist das nur für uns „rückwärts“ und für die Tiere „vorwärts“?

Weg vom Spätmittelalter in die Renaissance – lassen Kraken gern ganze Segelschiffe in die Tiefe ziehen. Nun denn. Vielleicht haben sich die alten Seebären auch einfach nur einen Spaß mit den Landratten der damaligen Jahrhunderte gemacht? Klar haben sie übertrieben. Fakt ist aber auch: heute weiß man, dass in den nordischen Meeren schon ein paar größere Vertreter der Familie Leben. Man mag Zweifel haben, ob solche Sagenge110

schichten nun Oktopden oder doch die Riesenkalmare aufgreifen. Jedoch nicht nur im Norden erregten Tintenfische Aufmerksamkeit. Schon im 1. Jahrhundert gab es im alten Rom Berichte, die den Gemeinen Oktopus (Octopus vulgaris) nicht gerade in gutem Licht erschienen ließen. So beschrieb Cajus Plinius Secundus in der 37-bändigen „Naturalis Historia“ Oktopoden, die (aufgemerkt:) an Land offene Behälter der

Fischer plünderten. Wer jetzt kopfschüttelnd grinst und dem Wein im alten Rom die Schuld geben will: Durchtrieben sind die Biester schon. Und clever. Sie hatten ja auch Zeit sich zu entwickeln. Rund 100 Millionen Jahre behaupten sich die Cephalopoden schon in allen Ozeanen und so eben auch in allen europäischen Meeren. Der legendäre Meeresforscher Jacques Yves Cousteau hat ihnen gleich ein ganzes Buch gewidmet. In einem seiner Expe-


divingEurope 2|2017

rimente öffnete ein Oktopus im Aquarium den mit einem Deckel verschlossenen Behälter um an Nahrung zu kommen. Ich möchte mir jetzt gar nicht vorstellen, so ein Krake im Mittelmeer oder vor den Kanarischen Inseln hätte die Größe eines ausgewachsenen Mantas – und dabei Hunger auf Frischfleisch. Obwohl: bisherige Funde beweisen, dass selbst der profane Mittelmeer-Oktopus (genau den, den wir meist als kleinen Schisser auf der

schnellen Flucht sehen oder gut versteckt in einem Schlupfloch finden) sehr wohl 25 Kilo schwer werden kann. Ein solches Exemplar erreicht mit seinen abgespreizten Fangarmen zudem eine Spannweite von drei Meter. In der Praxis werden wir Taucher so ein Ungetüm aber eher nicht zu sehen bekommen. Also keinerlei Gefahr vom „Viereckauge“? Oder war da nicht auch irgendwas mit Gift beim Oktopus? Die Natur

hat zum Glück wie auch bei den Skorpionfischen einen Trennstrich zwischen Europa und den Tropen gezogen. So wie der Mittelmeerdrachenkopf im Gegensatz zum Steinfisch ein eher schwaches und (für Menschen ohne allergische Reaktionen) nicht tödliches Gift über seine Stacheln injiziert, haben auch die in Europa verbreiteten Kraken im Gegensatz zu ihrer tropischen Verwandtschaft keine tödlichen Waffen. Das heißt?

111


divingEurope 2|2017

Der Oktopus ist Einzelgänger, nur zur Paarung treffen sich Männchen und Weibchen (die nach der Eiablage sterben). Oktopusse lieben enge Höhlen als Verstecke. Nicht selten halten sie mit ihren Saugnäpfen Muschelschalen und flache Steine wie früher Ritter ihre Schilde zum Schutz vor den Körper. In erster Linie dienen die Saugnäpfe aber zum Festhalten der Beute. Wird ein Arm im Kampf abgebissen, wächst er nach

112

Trotzdem: Vorsicht! Zwar sind Todesfälle nur nach dem Biss des berühmten Blauringund seines weniger bekannten Cousins, dem Mototi-Oktopus (der hat auf jeder Seite nur einen blauen Ring) bekannt. Aber auch der Gemeine Oktopus macht ganz schön Aua mit seinem Schnabel. Der sitzt an der Körperunterseite, dort wo die mit Saugnäpfen bewehrten Arme zusammenlaufen. Dieser Hornschabel hat einen immensen Härtegrad, der – wie die Wis-

senschaft erst vor kurzer Zeit herausgefunden hat – zum Körper hin dagegen weicher wird. So wird Selbstverletzungen vorgebeugt, aber das Knacken von Muschelschalen und Krabbenpanzern ganz leicht. Der Oktopus im Mittelmeer injiziert zwar kein Gift, lässt aber seinen Speichel – eine Art Verdauungssaft – über die Wunde laufen. Im Fall des europäischen Gemeinen Oktopus verursacht das in der offenen Wunde


divingEurope 2|2017

heftige (und lang anhaltende) Schmerzen und es kann eine (ebenfalls lang anhaltende) Nekrose entstehen. Nun sind Oktopusse nicht nur scheu, sondern oft auch neugierig. Mehr als einmal habe ich im Mittelmeer erlebt, dass ein Exemplar aus freien Stücken auf Hände oder Arme eines Tauchers geschwommen ist – und nicht gebissen hat. Meinen Schnorchel darauf verwetten, dass er das nie tut würde ich aber auch nicht.

Dass man einen gut getarnten Oktopus schlichtweg übersieht ist dagegen viel wahrscheinlicher. Die Tiere sind schließlich in der Lage nicht nur ihre Farbe schlagartig zu wechseln, sondern auch die Oberflächenstruktur ihrer Haut.

Parmesankäse. Mimese nennt sich dieses Schauspiel, mit der sich die Tintenfische nahezu perfekt an ihre jeweilige Umgebung anpassen. In Versuchsreihen hat ein Oktopus sogar das Muster eines Schachbretts nachgeahmt.

Gerade noch glatt und blass wie ein Kinderpopo, eine Sekunde später dagegen dunkelgelb und runzlig, gar mit Knubbeln übersät wie ein aufgebrochener, überreifer Laib

Trotz aller Cleverness, seiner drei Herzen – einem Zentralplus zwei Kiemenherzen – und eines ausgeklügelten Gehirns, das ein neuronales Gewebe mit 500 Millionen Nervenzellen

113


divingEurope 2|2017

114


divingEurope 2|2017

Mimese und Mimikry: Das Erste ist die Tarnung durch bestmögliche Nachahmung an die Umgebung zum eigenen Schutz, das Zweite sind Täuschungsmanöver, bei denen Aussehen und Verhalten einer anderen Art imitiert wird. Bekannt dafür ist weniger der europäische Krake (li.), sondern der Mimik-Oktopus im Indischen Ozean

regiert sowie Haut, die Licht „sehen“ kann, hat der Oktopus ein Handycap. Sein blaugrünes Blut bindet den Sauerstoff nicht wie beim Menschen mit (dem roten) Hämoglobin, sondern mit (eben blaugrünem) Hämocyanin, einer Kupferverbindung. Und damit ineffizienter. Das ist der Grund, warum die Tiere bei einer Flucht nie lange durchhalten und schnell wieder Deckung suchen. Sie kommen

einfach schnell „außer Atem“. Trotz der drei Herzen, die den Lebenssaft besser durch ihren Körper jagen sollen. Womit das ins Spiel kommt, dem die Fische ihren landläufigen Namen verdanken: ihre Tinte. Die wird ausgestoßen um Verfolger und Angreifer zu irritieren, während der kleine Schlaumeier sich in der nächstbesten Spalte zu verkriechen versucht. Wünschen wir ihnen also immer eine volle Patrone.

115


divingEurope 2|2017

Dive Center AQUANAUTIC Club Tenerife Tauchen Buceo Diving PlongĂŠe

116

diving-tenerife.com 629 554 172 IAC CMAS PADI SSI


divingEurope 2|2017

www.divingeurope.de und www.kosmos.de verlosen Bücher!

Mit Ausgabe divingEurope 2|2017 stellen wir die Nr. 10 des kostenlosen und einzigen Tauchmagazins, das ausschließlich Ziele in Europa präsentiert, vor. Auch dieses Mal verschenken wir per Los zusammen mit dem Kosmos Verlag wieder ein Buch. Zu gewinnen gibt es den „Tauchreiseführer Italienische Inseln“ Es kann jeder gewinnen, der einfach eine E-Mail an unsere Mail-Adresse redaktion@divingeurope.de schickt. Natürlich gibt divingEurope Ihre E-Mail-Adresse NICHT weiter!!! Eine Anschrift ist auch erst dann nötig, wenn Sie eine Gewinnbenachrichtigung von uns bekommen. Viel Glück wünschen divingEurope und der Kosmos Verlag! 117


divingEurope 2|2017

Dänemark Grönland ................. 3|2015

Griechenland

Deutschland Sea Life NRW ............ 2|2015

Samos .................... 1|2017

Norwegen Tromsö ................... 2|2017

Leros ...................... 2|2017

Portugal Madeira ................... 2|2015

Monte Mare ............ 1|2017 Krämersee ............... 4|2016 Finnland Aland ..................... 4|2016 Frankreich Côte d‘Azur ............ 4|2015 Flugzeugwrack P-38 .. 1|2016

Kykladeninseln ......... 3|2016

Italien Tauchkreuzfahrt „Sir Robert“ ............... 1|2015 Ägadische Inseln ...... 2|2015 Giglio ...................... 3|2015

Europas Vielfalt Tauchkreuzfahrt Sir Robert Flusstauchen: Tessin Spanien: Cap de Creus Tierportrait: Zackenbarsch

118

Kanarische Inseln: El Hierro Portugal: Madeira Deutschland: Sea Life NRW Italien: Ägadische Inseln Tierportrait: Mönchsrobbe

Berlengas ................. 2|2016 Schweiz Flusstauchen/Tessin .. 1|2015 Spanien Cap de Creus ............ 1|2015

Portofino .................. 2|2016

El Hierro/Kanaren ..... 2|2015

Nr. 3 – 3|2015

Nr. 5 – 1|2016

• • • • •

Nr. 2 – 2|2015 • • • • •

Azoren .................... 3|2015

Baia Sardinia ............. 4|2015

Nr. 1 – 1|2015 • • • • •

Malta Gozo ....................... 3|2015

Dänemark: Grönland Portugal: Azoren Italien: Giglio Malta: Gozo Tierportrait: Mobula

• • • • •

Nr. 4 – 4|2015 • • • • •

Italien: Baia Sardinia Süßwasser: Goldener Oktober Spanien: La Palma Frankreich: Côte d‘Azur Tierportrait: Hecht

Süßwasser: Eistauchen Frankreich: Flugzeug P-38 Amphoren Spanien: L‘Estartit Tierportrait: Drachenkopf

Nr. 6 – 2|2016 • • • • •

Italien: Portofino Seatrekking Portugal: Berlengas Spanien: Gran Canaria Tierportrait: Seepferdchen


divingEurope 2|2017

L‘Estartit/Unisub ...... 1|2016 La Palma/Kanaren ...... 4|2015 Gran Canaria/Kanaren 2|2016 Mallorca/Balearen ...... 3|2016

Sonderthemen Amphoren ................ 1|2016 Seatrekking ................ 2|2016 Seerose .................... 3|2016

Mönchsrobbe .......... 2|2015 Mobula ................... 3|2015 Hecht .................... 4|2015

Süßwasser Heimische Gewässer im Herbst .............. 4|2015

Drachenkopf .............. 1|2016

Eistauchen .............. 1|2015

Leuchtqualle ........... 4|2016

Abruzzen-Seen ......... 3|2016

Aal ........................ 1|2017

Denia ......................... 1|2017

Krämerseen

Oktopus ................... 2|2017

Fuerteventura ............ 1|2017

Tierportrait

Mallorca Übersicht (1) . 2|2017

Zackenbarsch .......... 1|2015

Nr. 7 – 3|2016

Nr. 9 – 1|2017

Teneriffa/Kanaren ...... 3|2016 Winter am Mittelmeer .. 4|2016 Alciadesa .................. 4|2016

• • • • •

Spanien: Mallorca Griechenland: Ägäis Kanaren: Teneriffa Italien: Abruzzen-Seen Bioportrait: Seerose

Nr. 8 – 4|2016 • • • • •

Spanien: Mittelmeer-Winter Spanien: Costa del Sol Finnland: Alandinseln Deutschland: Krämerseen Tierportrait: Leuchtqualle

• • • • •

.........

4|2016

Kanaren: Fuerteventura Spanien: Denia Griechenland: Ägäis Indoor: Monte Mare Tierportrait: Aal

Nr. 10 – 2|2017 • Griechenland: Leros • Spanien: Mallorca Übersicht Teil 1 • Norwegen: Orcas • Tierportrait: Oktopus

Seepferdchen ........... 2|2016

Liebe Leser, unsere Übersicht zeigt Ihnen alle bislang erschienenen Ausgaben und Themen. Sie finden jeden Artikel über die Titelbilder der Magazine am Fensterrand links neben dieser Doppelseite. Unten stehen Jahreszahlen. Ein Klick darauf führt Sie direkt dorthin. Probieren Sie es einfach mal! Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim surfen durch die bisherigen divingEurope-Ausgaben! 119

divingEurope 2|2017  

Leros – Mallorca (1) – Tromsø – Oktoopuas / Krake

divingEurope 2|2017  

Leros – Mallorca (1) – Tromsø – Oktoopuas / Krake

Advertisement