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divingEurope 2|2016

Tauchreviere in Europa

PORTOFINO | SEATREKKING | BERLENGAS | GRAN CANARIA

Nr. 6

www.divingeurope.de


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Liebe Leser, wir haben Anfang April, der Frühling hat Einzug gehalten. Kurzum: selbst für diejenigen von Ihnen, die einem Tauchgang mit einem zugefrorenen See über der Kopfhaube gar nichts anfangen können, beginnt spätestens ab jetzt die Unterwasser-Wohlfühl-Saison. Gut – es gibt in Europa die sozusagen „immergrünen“ Fluchtpunkte in Form der Kanarischen Inseln. Dort sind selbst im Winter Tauchgänge zwischen möglicher weise etwas welligeren Tagen machbar. Aber im Atlantik geht die Saison nun ebenfalls richtig los, und folglich zieht es

auch divingEurope wieder vor die Westküste Afrikas. Wir stellen Ihnen aber nicht nur das Ganzjahresreiseziel Gran Canaria vor, sondern wagen uns dieses Mal an weitgehend unbekannte Gestade dieses Kontinents. Die Berlengas liegen zwar ebenfalls im Atlantik, gehören aber zu Portugal. Mittlerweile wird es jetzt auch an den Ufern des klassischsten aller Tauchgewässer, dem Mittelmeer, wieder spürbar wärmer. Wer über die Schweiz dorthin will, muss gar nicht viel weiter fahren. Ligurien ist bei Landratten sicher viel bekannter

als bei Tauchern. Kein Wunder: mit Cinque Terre im Osten und der ligurischen Riviera im Westen gibts gleich zwei beliebte Urlaubsgegenden am Meer. Wir dagegen empfehlen die Goldene Mitte: das Meeresschutzgebiet von Portofino. In vielen Meeren Europas gibt es Seepferdchen. Wussten Sie, dass die sogar ihre Farbe wechseln können? Noch mehr erfahren Sie im Tierportrait dieser Ausgabe. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Spaß mit dem neuen divingEurope!

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Inhaltsverzeichnis

Impressum

Editorial ............................... 3 Inhalt/Impressum .................. 4 Italien: Reich und schön ..................... 6 Seatrekking: Mit leichtem Gepäck ............ 38 Portugal: Juwelen im Atlantik ........... 56

D

as Hausriff von Tamariu ist ein kleines Seepferdchen-Paradies. Dort hat Maria Pichlmaier unser Titelbild fotografiert.

Spanien: Gran Canaria

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Tierportrait: Seepferdchen .................... 120 Kleinanzeigen/ Europas Beste ................. 134

divingEurope ist kostenlos und

erscheint vier Mal im Jahr online. Redaktion IDP (International Dive Press) / Paul-W. Munzinger, Frank Schneider www.divingeurope.de redaktion@divingeurope.de Konzept, Gestaltung und Layout P.-W. Munzinger und F. Schneider Anschriften Redaktionsbüro Munzinger Im Rebstall 6, 79112 Freiburg Tel. 07665/972741 Umsatzsteuer-Identifikationsnummer gemäß § 27 a Umsatzsteuergesetz: DE173626442

Redaktionsbüro Schneider

Töpferstr. 26, 46244 Bottrop Tel. 02045/408917 Umsatzsteuer-Identifikationsnummer gemäß § 27 a Umsatzsteuergesetz: DE157286414 Fotos, Texte und Grafiken soweit nicht anders gekennzeichnet unterliegen dem Copyright von P.-W. Munzinger und F. Schneider. Die Nutzung von Fotos und Texten, auch auszugsweise, ist nur mit schriftlicher Ge­nehmigung gestattet. Verletzungen des Urheberrechts werden juristisch verfolgt. Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für Inhalte externer Links. Für den Inhalt verlinkter Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

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Seite 6 Sie glauben in Europa gibt es keine Geheimtipps mehr? Wir beweisen Ihnen mit dem Meeresschutzpark von Portofino das Gegenteil 3x

Seite 38 Drei Tage jedes mal Schnorcheln ist keine Kunst. Aber wenn Schlafsack und Campingkocher im Rucksack immer mit im Wasser sind, ist‘s auf jeden Fall ein Abenteuer

Seite 50 Tauchen in Portugal findet nicht nur vor Madeira statt. Wussten Sie nicht? Dachten wir uns – und stellen deshalb das Berlenga-Archipel vor

Seite 76 Gran Canaria wird auch „Insel der vier Kontinente“ genannt. Wir würden sagen „fünf“: denn die Unterwasserwelt ist auch eine (Tauch-)Reise wert

Seite 98 Die Seepferdchen behaupten sich in der großen Skala der Lieblinge vieler Taucher ganz weit vorn. Wir stellen sie im Tierporträt dieser Ausgabe von divingEurope vor.

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Italien Portofino, Mittelmeer

Rundeich Schรถn 6


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Foto: Paul Munzinger

Auf der Hafenseite des Leuchtturms kann es vorkommen, dass man Giorgio Armani oder Monica Belucci bei Aperitif oder Espresso am Nebentisch sieht. Reich und schรถn in unserem Sinne ist allerdings vor allem die Unterwasserwelt rund um Portofino. Von Frank Schneider und Leda Monza 7


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Alle Fotos: Frank Schneider

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Dank einer strengen Ăœberwachung der Schutzzonen hat sich rund um die Halbinsel Portofino eine fantastische und fischreiche Unterwasserwelt entwickelt

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Lediglich ein kleines Parkhaus wurde unsichtbar am Ortsrand versteckt. Dafür zählen die Immobilienpreise in Portofino zu den höchsten in ganz Italien

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K

eine Flughäfen. Keine Schlangen am Gepäckschalter. Keine Wartezeit am Gate. Losfahren, wie es einem selber passt. Das ist beileibe kein neuer Trend. Aber wer hierzulande seinen Tauchurlaub von zuhause aus mit dem Auto genau so anfangen will, kann das ohne abenteuerlichen Aufwand nur mit Zielen in Europa. Dank moderner Preispolitik der Fluggesellschaften sind viele klassische (Tauch-)Reiseziele in Europa, die früher nur für Autofahrer anzusteuern waren (weil auf dem Luftweg schier unsagbar teuer), mittlerweile auch auf diesem Weg zu erreichen. Dennoch: wer individuell nach Süden will, der kommt am einfachsten auf den eigenen vier Rädern ans Mittelmeer. Die Tauchreviere im italienischen Teil des Gewässers liegen für viele von uns am nächsten. Die ligurische Küste zwischen Frankreich im Westen und der Toskana im Osten ist von Basel aus nur rund 500 Kilometer entfernt, und

Treffpunkt Portofino: Die Barrakudas gehören ebenso zur „Stammbesatzung“ des Marineschutzparks wie die sonst seltenen roten Edelkorallen 13


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Typisches Mittelmeer-Understatement: Die Gelben Kustenanemonen lieben schattige Felspartien; folglich zeigen sie sich erst im Licht der Tauchlampen derart farbenfroh wie auf dem Foto

selbst von der österreichischen Grenze am Brenner sind es zum in diesem Artikel vorgestellten Ziel auch nicht mehr als 540 Kilometer. Klar: Das ist keine Distanz, um mal eben ‘ne Pizza zu holen – aber mit dem Wissen, dort Tauchplätze zu erkunden, die zu den besten des europäischen Kontinents gehören, ist die Überlegung dieses Tauchurlaubs per Auto jeden Gedanken wert. Zumal Italien ja nicht nur als reines Tauchziel bekannt ist. Für Leckermäuler und Kulturliebhaber ist die Gegend rund um Genua ein genauso attraktives Ziel 14

wie eben für Unterwasserfans. Dazu können sich im hügeligen, bewaldeten Naturschutzgebiet von Portofino Wanderlustige stundenlang – nein: tagelang austoben. Und wenn sie irgendwo von dort oben einen freien Blick nach Süden haben, sehen sie das Mittelmeer, das unterhalb der atemberaubend in die Tiefe stürzenden Steilküste anschwappt. Auch dieser Teil von Portofino ist als Marinepark streng geschützt. In bestimmten Zonen darf nicht einmal geschwommen werden, geschweige denn mit einem Boot hinein ge-


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Die Tiere im Marineschutzpark von Portofino sind ganz entspannt. Zumindest, wenn es nicht selber ...

fahren werden. Zu den Tauchgebieten des Marineschutzparks dürfen nur Basen, die eine offizielle Lizenz der Behörden dafür besitzen. So wie das DWS Diving Center von Luca Smecca aus Santa Margherita Ligure. Wie alle Küstenorte der Region ist auch dieses Städtchen einst nur ein einfaches Fischerdorf gewesen. Das hat sich heute zwar geändert, aber so überlaufen wie in Portofino oder Rapallo ist es hier definitiv immer noch nicht. 16

... auf die Jagd geht oder natürliche Fressfeinde unterwegs sind. Taucher interessieren sie nur am Rande

Santa Marhgherita ist seit Hunderten von Jahren dem Meer verbunden. Das lässt sich am besten in der Kirche des Hl. Erasmus, Sant‘Erasmo di Corte, auf dem Felsen ein paar Meter oberhalb der Hafenbucht erkennen. Zwar gibt es noch immer ein paar Fischer in Santa Margherita, die ihre Fänge in der kleinen Halle des Fischmarkts und an die Restaurants verkaufen. Aber die meisten Kähne in der Bucht und in modernen Marina sind kleine, schmucke Jachten. „Die Boo-


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te der Tauchschulen fallen da gar nicht auf“, sagt Luca Smecca und schmunzelt dabei. Na, warum wohl? Natürlich hat der Basischef gut lachen – schließlich gibt es ja nicht so viele, entsprechend kontrolliert und sorgsam wird mit den Tauchgründen umgegangen. Hier gibt es fette Zackenbarsche ebenso wie knallgelb bewachsene Felsen, von Gorgonien überwucherte Steilwände eines Unterwasserbergs, über dem Barrakudas kreisen, mit scharfen Beißern bewaffnete große Brassen vom Typ „Hackfressenfisch“ genauso wie unzählige Nacktschnecken. Die Touris an Land ahnen davon meist nichts, sehen aber zumin-

dest recht regelmäßig Delfine, wenn sie mit dem Ausflugsdampfer nach Portofino oder zum Kloster San Fruttuoso tuckern. Dabei ist Portofino eben wirklich mehr als nur das Ex-Fischerdorf am Sackgassenende der Küstenstraße mit schicken Restaurants und Cafés. Der Name steht längst für ein wundervolles Naturschutzgebiet im hügeligen Rücken des Örtchens – und vor den Ufern der gleichnamigen Halbinsel. Im Klartext: in den Gewässerzonen des Gebiets darf weder gefischt, noch geangelt und schon mal gar nicht harpuniert werden.

Goldstriemenschwärme gibt es an fast allen Tauchplätzen

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Portofino ist unter Tauchern außerhalb Italiens trotzdem noch immer so etwas wie ein Geheimtipp. Vielleicht, weil jeder glaubt, die Gegend ist irre teuer? Für den Ort Portofino gilt das zum Teil wohl tatsächlich. Spätestens in den Fünfzigern, als Grace Kelly in Monaco durch ihre Heirat dort zur Fürstin wurde, avancierte auch das kaum fußballstadiongroße Kaff zum Insider-Treffpunkt von internationalen Stars und Möchtegern-VIPs aus der ganzen Welt. Da verwundert‘s eigentlich nicht, dass heute für die profane Cola im Café am Hafen ungefähr so viel zu berappen ist wie für vier 1-Liter-Flaschen im Supermarkt. Tauchurlaub in Ligurien kostet aber deswegen noch lange kein Vermögen“, sagt Luca, als er mit uns in seiner Basis unweit des Hafens die Ausrüstung auf seinen typisch italienischen, dreirädrigen Pickup, die Piaggio „Ape“, lädt. Ape bedeutet übersetzt Biene, und genauso fleißig bringt sie Flaschen und Netztaschen die paar Meter zum Boot. „Nur laufen und Tauchen müsst ihr selber“ grinst der Chef,

Lampe mitnehmen! Sonst bleiben die Roten Gorgonien immer Dunkelblau

Mönchsfische sind die Fahnenbarsche des Mittelmeers – nur eben braun

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Zahnbrassen sind schnelle Jäger und können mehr als einen Meter lang werden. Im Schutzgebiet ziehen sie aufmerksam durch die Felsenlandschaft

als er die klapprige Tür zuklatscht und das Gefährt mit dem typischen Zweitakter-Geräusch los zockelt. In kaum drei Minuten sind wir dann aber auch am Kai und verladen unsere Sachen auf das kleine Tauchschiff. „Heute nehmen wir das ‚Modulo‘-Fiberglasboot“, hatte er schon vorher erklärt, „das Schlauchboot bringt die Tauchgruppe aus der Schweiz zur ‚Isuela‘“. Irgendwie schon ganz schön gemein, uns ausgerechnet auf diese Weise das Wasser mit der Erwähnung des 20

Unterwasserbergs im Munde zusammenlaufen zu lassen. Hat er‘s gemerkt? Scheint so, angesichts seiner sofort folgenden Erklärung. Punta dell‘Altare ist einer der Top-Plätze an der Ostflanke“, sagt er sogleich. „Ihr werdet sehen – tranquillo, ragazzi!“. In kürzester Zeit sind Jackets und Regler montiert, das Nitrox-Gemisch gecheckt. Wenig später fahren wir an drei, vier Fischerbooten vorbei und lassen die Hafenausfahrt hinter uns.


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Wie in vielen Meeresschutzgebieten scheinen die Zackenbarsche auch vor Portofino genau zu wissen, wo sie sicher sind – daher gibt es entsprechend viele von ihnen und etliche sind zu kapitalen Brummern herangewachsen

Luca gibt allmählich Gas, und als die Maschine warm ist fliegt die „Modulo M“ über ein fast spiegelglattes Meer in Richtung des Leuchtturms von Portofino. Sightseeing vom Meer aus: erst rechts die alte gigantische Villa, die einem gewissen Signore Berlusconi gehört, dann ist schon die kleine Bucht des Ortes Portofino in Sicht. Okay: wo der liegt ahnt jeder auch ohne gesonderten Hinweis. Einfach da schauen, wo die fettesten Luxus-Jachten liegen. Die finden im kleinen Hafen keinen Platz

und müssen draußen bleiben. Im Tauchgebiet dürfen sie allerdings auch nicht ankern. So schnell könnten die auf der Brücke gar nicht gucken, wie die Carabinieri mit einem ihrer Boote anrauschen und sie mit ‘ner Anzeige auf dem Kartentisch wieder aus der Schutzzone hinaus geleiten würden. Die Grenze des Marineparks ist durch Bojen markiert, und auch Luca macht schön einen Bogen auf ihrer Außenseite um sie herum. 21


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Beste Tauchplätze vor Portofino Cristo degli Abissi In der Bucht von San Fruttuoso; zählt zu den berühmtesten Plätzen in ganz Italien. Überlebensgroße Christusstatue auf 17 Meter Tiefe. Östlich Felsrücken mit Roten Gorgonien an bis zu 30 Meter tiefer Außenseite. Viele Schwärme: Barrakudas, Goldstriemen, Meerraben, Mönchsfische. Dazu Zahnbrassen und Zackenbarsche. • Tiefe 15-30 m, Sicht 20-30 m, Strömung keine (Statue), Schwierigkeit: einfach (außen: mittel) Secca dell‘Isuela Spektakulärster Platz des Reviers; fast runder Unterwasserberg vor dem westlichen Kap. Mooring auf ca. 15 Meter. Mit Gelben Krustenanemonen bewachsene Wände bis auf rund 55 Meter, Nordost-Flanke besonders steil. Ab ca. 20 Meter Gelbe Gorgonien, ab 25 dichter Wuchs Roter Gorgonien, dort gelegentlich Eier von Katzenhaien. Strömung häufig sehr stark. Ab- und Aufstieg an der Mooring. • Tiefe 15-55 m, Sicht 20-40 m, oft Strömung, teils extrem, Schwierigkeit mittel bis sehr hoch Punta dell‘Altare Auf halber Strecke zwischen Bucht von San Fruttuoso und Ostkap mit Leuchtturm. Plateau, davor Riffkante mit Steilabfall von 20 auf ca. 40 Meter. Tauchgang beginnt auf 15 Meter zwischen Felsblöcken (Steilwand rechte Schulter). An Steilwand dichter Gorgonienwuchs (Gelbe, Rote), bei 30-35 Meter mehrere horizontale Spalten mit roten Edelkorallen. Bei guten Strömungsverhältnissen Abstecher zu weiteren Felsen mit Roten Gorgonien einige Meter vor der Steilwand. Auf dem Plateau Muränen, Schriftbarsche, in der Wand Langusten, Meeraale, Bärenkrebse, davor Mönchsfische, Doraden, Goldstriemen, Meerraben, Zackenbarsche. • Tiefe 15-45 m, Sicht 20-40 m, gelegentlich Strömung, Schwierigkeit einfach bis mittelschwer

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Wrack „Mohawk Deer“ 1896 in Kanada gebaut; 137,5 m lang. Bug und Anker auf ca. 22 Meter, Heck rund 45 m. Mittschiffs Aufbauten mit großen Fensteröffnungen (klasse Foto-Location). In der Tiefe an den Außenseiten kleine Gorgonien. Am Wrack und in der Umgebung Muränen, Meeraale (Conger), Langusten und Oktopusse. • Tiefe 20-45 m, Sicht 10-30 m, Strömung meist keine bis schwach, Schwierigkeit: einfach bis mittel Faro Unterhalb des Leuchtturms am Ostkap. Felslandschaft, teils dicht von Gelben Krustenanemonen bewuchert. Sehr viele und große Zackenbarsche. • Tiefe 12-20 m, Sicht 10-25 m, Strömung keine bis mittel, Schwierigkeit: einfach bis mittel

Die Ausfahrten dauern 10-30 Minuten

Secca Gonzatti Kleines Felsmassiv vor de Steilküste am Ausgang der Bucht von San Fruttuoso. Einfacher Platz auch für Anfänger. Mooring auf Felsplattform in ungefähr zehn Meter Tiefe. Weiter unten Gorgonienwuchs und Zackenbarsche. • Tiefe 5-35 m, Sicht 20-40 m, Strömung meist kaum bis schwach, Schwierigkeit leicht


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„Die Abkürzung direkt an den Felsen entlang zu nehmen ist keine gute Idee. Wird auch für Einheimische nicht weniger teuer“, brummt er. Wär aber auch echt blöd, wegen zwei Minuten Zeitsparen dieses Risiko einzugehen, denn schnell sind wir auch so an der Mooring über dem Altar vertäut.

fast keine Roten Korallen mehr gab. Der Hintergrund ist leicht erklärlich: Die Rote Koralle wurde seit Jahrhunderten zu Schmuck verarbeitet, weil sie als einzige der Mittelmeerkorallen einmal aus dem Wasser geholt nicht verbleicht, wenn sie poliert wird. Was vor Korsika und Sardinien in für Sportler unerreichbaren Tiefen von Berufstauchern Jahrzehnte lang an teilweise unterarmgroßen Stämmen heraufgeholt wurde, hatte in der Vergangenheit zeitweise den gleichen Preis wie Gold. Egal, ob man nun der Meinung war, das Abschlagen von Edelkorallen in Tiefen von 150 Meter sei im Hinblick auf die Unterwasser-

Wenig später schweben wir an der Steilwand. Mein Model Leda und mich interessieren besonders die Edelkorallen, auch wenn die nur für Nahaufnahmen taugen. Früher wurden sie überall im Mittelmeer von Tauchern abgebrochen, bis es in normal erreichbaren Tiefen

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welt vertretbar, weil Edelkorallen im Vergleich zu den in viel größerer Zahl wachsenden Gorgonien scheinbar keine signifikante Funktion haben oder immer schon strikt dagegen war: Fakt ist, dass sich viele Sporttaucher aller Herren Länder lange Zeit erlaubt haben, die Rote Koralle in relativ flachem Wasser schon als kleinste Stämmchen abzubrechen und als Souvenir mitzunehmen. Kein Wunder, dass bei so viel Idiotie die Edelkorallen-Bestände in geringen Tiefen im ganzen Mittelmeerraum fast gegen Null gingen. Nun gibt es die blutrote Edelkoralle zum Glück

wieder an vielen Stellen, und in den horizontalen Felsspalten des Altars wachsen sie dicht an dicht. Ein traumhafter Anblick und ein tolles Fotomotiv. Wer an diesem Platz stattdessen das Weitwinkelobjektiv drauf hat – kein Drama. Die Fülle an Gorgonienfächern macht sogar ohne Kamera Spaß, solange eine Tauchlampe zur Hand ist und ihre purpurrote Farbe hervorzaubert. Am Wrack der „Mohawk Deer“ ist die Leuchte ebenfalls angeraten. Der Tauchgang ist zwar nicht so bunt, weil nennenswerter

Das Wrack der „Mohawk Deer“ hat eine lange und bewegte Geschichte. Vor seinem Untergang an der Steilwand nahe der Bucht von San Fruttuoso war der ehemals kanadische Pott zuvor schon zwei Mal abgesoffen

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Santa Margherita Ligure Tauchen im Marineschutzpark Portofino in Ligurien / Norditalien

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Fast könnte man sagen: Zu schön um wahr zu sein – aber zwischen Portofino und Rapallo ist Santa Margherita fast so unauffällig geblieben wie sein Mini-Castello

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Gorgonienbewuchs nur an den Außenseiten der Bordwände vorhanden ist. Aber zum Wracktauchgang gehört eine Lampe, und sei sie noch so klein. Da gibt‘s doch viel zu viele Spalten und Ritzen, in denen Garnelen, Muränen oder sonstwelche Viecher ihr Versteck hüten. Daneben ist die „Mohawk Deer“ ein beliebter Fotospot ohne Risiko. Wer will hält sich einfach außerhalb jeder überdachten Ecke auf und hat trotz-


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dem einen schönen und interessanten Wracktauchgang. Schließlich geht es ja schon bei anfängerfreundlichen 20 Meter los. Die Sicht ist zwar nicht immer pralle an diesem Tauchplatz, aber dafür ist hier auch eher selten mit unangenehmer Strömung zu rechnen. Wer sich bemüßigt fühlt seine Stickstoffsättigung zu erhöhen: auf dem rund 40 Meter tiefen Grund um den Alteisenhaufen in Schiffsform liegen weitere, teils größere Wrackteile. Apropos Stickstoff. Wie in vielen Regionen des Mittelmeers gelten Dekotauchgänge auch vor Portofino nicht nicht per se als Teufelszeug. Tauchcomputer sind auf jeden Fall sozusagen Pflicht, Eigenverantwortung und Selbstdisziplin bei jedem Taucher auch. Fast könnte man sagen „die ist jeden Abend auch noch mal gefragt“, denn die ligurische Küche samt Pasta mit Pesto (die ja von hier kommt) oder mit Funghi Porcini – den Steinpilzen – und natürlich leckeren Fischgerichten verleiten mit dem dazu passenden Vino schnell zur Völlerei. Gut, dass am kommenden Tag wieder Bewegung angesagt ist. Und der soll für uns einen der taucherischen Höhepunkte von Portofino parat halten. Auf dem Plan steht der 27


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Weg zum Westkap am anderen Ende der Halbinsel. Und das bedeutet immer etwas Gutes. „Auf zum Unterwasserberg“, begrüßt uns Luca, als wir am nächsten Morgen in die Basis kommen. „Siiiiii!“ tönt es ihm gut gelaunt und von Lachen begleitet von den deutschen Gästen entgegen. Eveline, Klaus und Jürgen sind auch dieses Mal wieder mit uns auf demselben Boot und können kaum abwarten nochmal eine Steigerung zu den anderen Tauchspots zu erleben. Es wird die längste Strecke im Programm der Basis sein, die Fahrt dauert trotzdem nur eine schlappe halbe Stunde und geht die ganze Zeit an der Steilküste entlang. „La Isuela gilt als fürwahr legendärer Platz, an dem mehr

Tipps für die Zeit an Land Am westliche Ende der Halbinsel Portofino liegt der malerische Ort Camogli mit dem Castello della Dragonara aus dem 12. Jahrhundert (oben). Der schnellste Weg dahin führt über die Autobhan Richtung Genua. In Genua gibt es den größten erhaltenen und zusammenhängenden Altstadtkomplex Europas. Viele Palazzi können besichtigt werden. Allein der Palazzo Bianco und der Palazzo Rosso lohnen sich (u. li.). Wenn der Urlaub in Ligurien nicht nur aufs Tauchen ausgerichtet ist, darf ein Besuch der Cinque-Terre-Dörfer nicht fehlen. Tipp: mit dem Zug hinfahren – denn in der Gegend gibt es nur eine kleine Straße. Nach Portofino geht‘s am einfachsten für 2 Euro mit dem Bus vom Park in Santa. Folgende Doppelseite: Drei Kilometer weiter östlich liegt Rapallo. In der Nähe der Burg, die zur Piratenabwehr diente, gibt es viele Restaurants und Cafés.

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Foto: Michael Schneider

Foto: Michal Osmenda [CC BY 2.0 (creativecommons.org/licenses/by/2.0)],Wikimedia Commons

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Auch im Mittelmeer lassen sich ohne teure Profikamera und Extremobjektive schöne Fotos machen – zum Beispiel an einer der roten Fächerkorallen

sich vielleicht doch noch überlegen, ob das hier sinnvoll ist.

als nur eine Route getaucht werden kann“, erklärt Luca zu Beginn des Briefings in leicht verständlichem Englisch. Sein deutschsprachiger Guide ist heute mit den Schweizern auf dem anderen Boot. Zur Unterstützung zeigt Luca aber auch noch eine Skizze des Tauchplatzes. “Tutto bene?“ – „Siiiiii!“ Rund 55 Meter unter uns liegt der Meeresboden, von dem sich der Unterseeberg erhebt. Klingt zunächst so, als müsste man angesichts dieser Zahl erst mal schlucken und 32

Aber kurz nachgedacht und schön der Reihe nach: Niemand muss unbedingt auf den Grund hinunter tauchen und bei Strömung geht es zunächst einfach und sicher an der Mooringkette entlang nach unten auf ein kleines Plateau in nur 14 Meter Tiefe. Die Spitzen des Felsens ragen zwar nicht aus dem Wasser, bilden an den Flanken dieser Plattform aber eine Art Amphitheater. Sie reichen also noch etwas höher als das Plateau und folglich gibt es meistens selbst hier schon einen relativ guten Strömungsschatten. Denn eines ist klar: Ziehen tut’s hier ziemlich oft. Schließlich steht der Berg exponiert im Meer und nicht direkt vor der Unterwasserwand der Steilküste. Dafür tummeln sich bereits dort, wo die Kette der Mooringboje verankert ist, kleinere Zackenbarsche, Meer-


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raben und diverse kleinere Brassenarten. Die für das Mittelmeer typischen Doraden – den Fisch kennt (fast) jeder aus seinem italienischen Lieblingsrestaurant zuhause – schweben oft dichtgedrängt in einem Schwarm über die felsige Plattform, an deren Kante das Riff in einen Steilabfall übergeht. Wer weiß, ob da nicht wieder so eine gefräßige Riesen-Zahnbrasse auf Beute aus ist. Also gilt das Motto „Einigkeit macht stark“ – oder es erhöht zumindest die Chance nicht als erstes Schwarmmitglied gefressen zu werden. Spätestens an den Rändern der Drop Offs

sieht jeder Taucher, dass La Isuela ein absolut traumhafter Tauchplatz ist. Die größeren Braunen Zackenbarsche treiben sich hier herum, Wolken von Mönchsfischen schweben mal im Blau, mal dicht an den Felsen. Nach unten gerichtet fällt der Lichtstrahl der Tauchlampen auf knallgelbe Krustenanemonen und die häufigste Gorgonienart im Mittelmeer, die Gelbe Gorgonie. In den tieferen Zonen dominiert dagegen eine andere Farbe: Dicht nebeneinander stehende Rote Gorgonien prägen die Unterwasserland-

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Oben: So unschuldig die Kirche San‘Giorgio oberhalb von Portofino auch dasteht – kaum 200 Meter ums Eck haben sich die Modeschöpfer Dolce & Gabbana eine uralte Villa gekauft. Die übrigens nur vom Castello Brown zu sehen ist. Anders als das Geländer der Dachterrasse von Robert de Niros Appartement, das er sich für ein zweistelliges Millionensümmchen mitten im Ort gegönnt hat. Rechts: Was immer die Götter für die Mühen des Tages versprochen haben mögen: der Gedanke liegt nahe, dass ihnen die Ideen dazu in Italien gekommen sind 34


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Restaurant-Tipps Die Trattoria L’Ancora, ein kleines, familiäres Restaurant, liegt nur drei Minuten zu Fuß von der Basis entfernt an der Ecke der Via Ruffini und der Via A. M. Maragliano: sehr gut, super lecker und dazu günstig (Tipp: Anmeldung über die Tauchbasis). Das Ristorante La Cambusa liegt oberhalb der Uferstraße direkt vor der Kirche Sant’Erasmo mit Blick auf den Hafen. Wie im L‘Ancora gibt es komplette Menü-Angebote. Ziemlich im Zentrum von Santa, gegenüber dem kleinen Park am Meer, ist das

Ristorante Da Gennaro. Wer da hin will: besser schon tagsüber einen Tisch reservieren. Für den Aperitif zwischen Focaccia und Abendessen: das Caffé del Porto ist gleichzeitig Enoteca und Ristorante. Hier kann man es sich im alten Gewölbe oder unter Bäumen direkt am Wasser mit Blick auf die Boote gut gehen lassen. Ein Bierchen als Tagesabschluss? Die kleine Kneipe Fury Goose ein paar Schritte vom Park am Meer ist der ultimative Tipp zum Ab- und – Vorsicht – zum Ver-sacken.

schaft, aber an vielen Stellen sind auch kleine Stämme der Edelkorallen zu finden. Ewig kann man in der Tiefe nicht bleiben, aber auch der letzte Teil des Tauchgangs weiter oben hat seinen Reiz. Auch wenn das Meer kein Zoo ist: Mit etwas Glück lassen sich alle Klassiker des Mittelmeeres während eines Tauchgangs sehen: Langusten, Muränen, Meeraale und natürlich der ein oder anderen Oktopus.

Focaccia zwischen Genua und Cinque Terre geben. Vorsicht – der Stoff ist so lecker, man kann sich leicht vergaloppieren und sich den Magen in Verbindung mit ’nem Bierchen oder Glas Wein so voll damit schlagen, dass es eng wird fürs Abendessen. Allerdings...

Gesprächsstoff gibt‘s dem Heimweg also genug, und er reicht locker auch für das beinahe schon rituelle Treffen nach der Rückkehr zur Basis. Das findet traditionell in der kleinen Bar Margherita auf der Ecke zwischen Tauchschule und Hafen statt – bei einer Focaccia, der norditalienischen Spezialität. Die gibt’s mit Olivenöl beträufelt, mit Käse in der Mitte oder mit Salami – auch mit beidem – und mit Schinken natürlich auch. In der Bar wird sie in der Regel in Form reichlicher Häppchen meist einfach so zum Bier oder anderen Getränken gereicht. Zum Mitnehmen bekommt man die Focaccia ein paar Meter weiter in der Via Ruffini in der Panificio Fiordiponti Alberto. Eingeweihte sagen, da soll es die beste

... das findet in Italien ja eh nie vor ungefähr 20 Uhr statt. „In Milano wird um Acht zu Abend gegessen, in Sizilien um Zehn“, grinst Luca fröhlich und meint noch schnell: „Ihr kriegt aber auch schon was um Sechs oder Sieben, wenn es sein muss.“ Na ja – nach der Focaccia vorhin wird’s wohl eher doch nichts vor Acht. Für das Abendessen in Santa sind die Optionen zum Glück einfach göttlich und preislich nicht so exorbitant abgedreht wie ein paar Kilometer weiter in Portofino. Im Ort findet jeder die richtige Trattoria, Osteria oder das passende Ristorante für sich. Und wann ist es schöner, über den gerade vergangenen Tauchtag zu erzählen und den nächsten zu planen als bei einem guten italienischen Essen? Das ist viel besser als vermeintlich reich und schön.

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Die Christusstatue steht vor der Bucht des Klosters San Fruttuoso in 17 Meter Tiefe

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Info Wie komme ich hin? Mit dem Auto: Durch die Schweiz Autobahn Richtung Chiasso/Como, dann zunächst nach Genua. Durch Österreich auf die Brennerautobahn, dann Richtung Milano und nach Genua. Ab Genua auf der A12/E80 Richtung Livorno, Abfahrt Rapallo nehmen und im Ort nach Santa Margherita abbiegen. Mit dem Flugzeug: Zielflughafen ist Genua, von dort auf die Autobahn A12/E80 Richtung Livorno, die Abfahrt Rapallo nehmen und der Beschilderung nach Santa Margherita folgen.

Tauchen DWS hat die Lizenz um den Marineschutzpark von Portofino zu besuchen. Die Ausfahrten dauern rund 10 bis 30 Minuten. Die Tauchschule verfügt über ein Fiberglasboot Typ „Modulo M“ sowie ein schnelles Feststoffrumpf-Schlauchboot (Foto li.). Auf den Booten haben jeweils 12 bis 14 Taucher Platz. Flaschen und Ausrüstung werden von der Basis zum Boot und zurück transportiert. Wohnen Die Basis vermittelt Hotels und Appartements mit unterschiedlichen Standards. Aktuelle Infos dazu auf der Webseite der Basis: http://ger.dwsdiving.com/unterkunft Kontakt DWS Diving Center, Via Favale 11, Santa Margherita Ligure, Italien www.dwsdiving.com, info@dwsdiving.com. Tel.: +39/0185/282578, +39/335/7259758

DWS Diving Center Zur Tauchschule längs der Uferstraße fahren, bei der Mini-Tankstelle (linke Seite) rechts abbiegen, nach 90 Metern liegt sie auf der linken Straßenseite. Die Basis, ein mit Cressi-Ausrüstung ausgestattetes PADI 5* Instructor Development Center, steht unter der Leitung von Luca Smecca (Foto ob. re.). Ausbildung Kurse nach PADI vom Anfänger bis zum Tauchlehrer sowie PADI Specialund Tech-Tauchkurse (DISAT TEC40, DISAT TEC45 und DISAT TEC50).

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Seatrekking

Mit leichtem Gepäck

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Campingurlaube haben am Mittelmeer eine lange Tradition. Das Schnorcheln auch, sehr wahrscheinlich noch viel länger. Was also liegt näher, als beides zu kombinieren? Lasst das Abenteuer beginnen! Von Nik Linder

Alle Fotos: Mik Linder

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Das Meer erleben und eine gewisse Unabhängigket genießen: Seatrekking verknüft diese beiden Ideen

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Das Reduzieren auf das Wesentliche bringt auĂ&#x;er neuen Ansichten vielleicht auch neue Einsichten

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Der Cristo degli Abissi steht auf 17 Meter tiefem Grund, die Spitze der 1954 errichteten Statue ist gut drei Meter höher – ideal für Freitaucher

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Das Wandern ist des Schnorchlers Lust – jedenfalls beim Seatrekking (li.)

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as Klopfen am Fenster verheißt nichts gutes. „Wake up“ und „Passports“ sind die Begriffe, die ich schnell wahrnehme. Flo spricht auf italienisch mit den Carabinieri, die mit drei Wagen auf die Apfelwiese oberhalb von Rapallo an der

Uniformierte zu, während sein Kollege im Streifenwagen die Personalausweise überprüft und die anderen Carabinieri das Auto, einen alten Ford Transit, mit Taschenlampen umrunden. Ein kurzer Aufschrei als sie Laurenz finden, den hünenhaften, langhaarigen Blondschopf, der die Nacht hinter dem Auto

ligurischen Küste, gekommen sind. Wir sind Taucher, die rund um Portofino im Wasser wandern“, so oder ähnlich beschreibt Flo gestenreich unser Vorhaben. Interessiert hört der

geschlafen hat, weil es ihm mit Flo, Christian und mir zu eng im Fußraum des Wagens wurde. Wenig später sind die Carabinieri wieder Weg. Wir beschließen trotzdem die kurze Nacht

‘Ne Herbergsmutter gibt‘s hier nicht. Dafür bietet die uralte Bootsgarage eine kostenlose Logis (re.)

Selbst im Herbst offenbart sich Ligurien als reizvolles Ziel – erst recht für das Wandern mit ApnoeAusrüstung (li.)

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Der frühe Taucher sieht den Fisch – und vorher den Sonnenaufgang

zu beenden, in der wir über den komplett verschneiten Simplonpass gefahren und gegen halb drei früh auf dieser Obstwiese gelandet sind. Tja – und eigentlich schlafen wollten. Aus der Absicht, bis zum Morgen für den Trail fit zu sein und uns mit den anderen kurz vor Portofino zu treffen, wurde also nicht viel. Es ist der letzte Tag im Oktober, in der Nacht regnete es in strömen und angesichts der Tatsa46

che, dass wir die kommenden Nächte unter freiem Himmel und ohne Zelt verbringen sollen, macht sich bei mir eine „ob‘s das jetzt alles so bringt?“ Stimmung breit. Zum Glück bin ich wohl der einzige Skeptiker, wie ich bald merke: Flo, die Sportskanone, und Christian, ein Wildnispädagoge und Outdoorverrückter, bekommen das begeisterte Grinsen angesichts der bevorstehenden Tage auch im Schlaf nicht aus dem Gesicht. Na dann ...

In Rapallo trinken wir noch mal Kaffee in einem Panificio, essen ein paar süße Teilchen und wer kann, der genießt ein vorerst letztes Mal die Vorzüge eines WC. Kurz darauf treffen wir Björn, der seit Jahren als Tauchlehrer auf Elba arbeitet und Bernhard aus München. Er ist der Erfinder von Seatrekking und bringt die Taschen mit. Der Begriff Taschen ist dabei etwas untertrieben. Es handelt sich um Rucksäcke, die man komfortabel tragen kann und die absolut wasserdicht sind, so


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Oben: Nicht bewegen – nur gucken! Die Dinger sind schwer, und ob sie nach dem Untergang einen weiteren Rums verkraften ist ungewiss

dass man sie im Wasser hinter sich herziehen kann. Leichtes Gepäck ist also angesagt, ganz ach dem Motto „Minimize me“. Zunächst werden die Taschen auf dem Parkplatz ausgebreitet und gemeinsam gepackt. Reduktion ist das Zauberwort und jeder Artikel wird mehrmals geprüft, brauchen wir das oder ist es nur Luxus? Wenn wir eins nicht brauchen auf dem Trail, dann Luxus. Es ist schon erstaunlich, wie klein eine Isomatte und ein Schlafsack sein können. Was

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muss dabei sein und was kann man weglassen sind zum Teil wichtige Entscheidungen. Wie falsch man liegen kann, stellt Laurenz relativ bald auf der Wanderung fest. Als die Sonne herauskommt und er merkt, dass die Sonnenbrille im Auto liegt, weiß er: „Ich hätte das Handy im Auto lassen und die Sonnenbrille mitnehmen sollen“. Diese These bestätigt sich am nächsten Tag gnadenlos, als er das Handy im einzigen, nicht wasserdichten, Fach vergisst als wir ins Wasser gehen. Über einen Wander-


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Rechts: Die Taschen für das Seatrekking lassen sich als Rucksäcke tragen

Unten: Mittelmeer– romantik gibts inklusive

weg laufen wir Richtung Sankt Fruttuoso, wo es ein Kloster geben soll, an dem wir Wasser finden können. Bei aller Reduktion auf das Wesentliche ist die Suche nach Wasser eine der Grundbedürfnisse. Wenn man insgesamt nur 15 Kilo mitnehmen kann, nehmen drei bis vier Liter Wasser, die man täglich zum Kochen und Trinken braucht, eine ganze

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Seatrekking: Wandern im und am Wasser. Die Wurzeln liegen im Freitauchen

Menge Platz ein. Viel Reserve kann man hier nicht zu laden, stellt sich schon gleich am Anfang heraus. An das Gewicht an sich haben wir uns irgendwann gewöhnt. Nach einigen Stunden, in denen wir unseren Rhythmus finden und die Aussicht auf das Mittelmeer genießen, erreichen wir das Kloster. Unterhalb eines Hubschrauberlandeplatzes finden wir eine halbwegs ebene Stelle, auf der wir unser Lager aufschlagen können. Einige organisieren Wasser, anderer entsorgen grobe Steine vom Liegeplatz. Es ist erstaunlich, wie nahe wir im Naturschutzgebiet des Promontorio di Portofino an dicht besiedeltem Gebiet sind und dabei scheinbar dennoch so weit weg von der Zivilisation. 50

Das Essen schmeckt wunderbar, es gibt Pasta, Kartoffeln und Sauce. Dazu hat Christian eigene Powerbällchen gebacken. Kleine Teile mit viel Kalorien, auch bei der Nahrung wird auf kleine Mengen mit viel Wirkung gesetzt. Die Nacht ist trocken, überhaupt dreht die Sonne nochmal richtig auf und es ist nicht zu glauben, dass am folgenden Tag Allerheiligen ist. Wir schlafen auf Ultralight-Matten in Ultralight-Schlafsäcken und werden erst wach, als es langsam hell wird. Solange die Sonne noch nicht wärmend auf uns strahlt ist es recht kühl. Nach und nach stehen alle auf und wir beginnen mit einigen Atem- und Stretching-Übungen. Danach gibt es einen Kaffee und ein Müsli. Bevor die

Ausflugsboote, die im November nicht mehr so häufig kommen, das Kloster erreichen, gehen wir an den Strand, packen unser Apnoe-Equipment aus und sind dann bald im Wasser. Unsere Klamotten bleiben dabei trocken verstaut im Inneren des zum mit einer Leine gesicherten, an der Oberfläche treibenden Rucksacks. Nach kurzer Zeit schnorcheln wir direkt über der Jesus Statue, dem Unterwasser-Wahrzeichen der Halbinsel und des Marineschutzparks Portofino. Immer wieder tauche ich in die Tiefe und entdecke Spalten, kleine Vorsprünge und Findlinge, die in Ufernähe liegen. Was liegt darunter, wie setzt sich die Küstenlinie unter Wasser fort? Es ist ein beeindruckendes wandern im Wasser. Das Big-


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pack, das ich hinter mir her zie he, bemerke ich fast gar nicht. Langsam folgt mir die Tasche, die gleichermaßen Boje und Behältnis ist. Auf der Oberseite befindet sich die Taucherfahne, so dass uns die Boote gut sehen können.

Alles dabei: In die RucksackTaschen-Treibgut-Kombination fürs Seatrekking kommt alles rein, das für die Tage und Nächte benötigt wird

Auf der Mehrtagestour so wichtig wie Maske Flossen und Schlafsack: ein Camping oder Hobokocher

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Innerhalb sehr kurzer Zeit verändert sich unser Gruppenverhalten. Wir verteilen uns, und bald liegen 50 bis 100 Meter zwischen uns, da nach und nach jeder seinen eigenen Rhythmus gefunden hat. Schnell bemerke ich, dass Bernhard recht hatte, als er bei der Routenplanung empfahl nur kurze Strecken zu machen.

AUS FREUDE AM TAUCHEN

Der ein oder andere bleibt Wgleichmäßig langsam, wer will kann schneller schnorcheln um an prägnanten Stellen etwas länger zu verharren. Was ich vor die Maske bekomme ist beeindruckend: Ich habe im Mittelmeer selten so viele Fische gesehen. Brassen, Barrakudas und jede Menge Zackenbarsche, außerdem immer wieder Oktopusse. Durch den Schnorchel singe ich „Dirty old Town“ von den Pogues. Immer wieder drehe ich mich um, liege in der Sonne und sehe seitlich den Wald, die Klippen, bevor ich mich umdrehe, um wieder in den Schnorchelmodus zu wechseln.

Ganzjährig moderate Wassertemperaturen, enormer Fischreichtum und super Sichtweiten von bis zu 50 m in bizarren UW-Landschaften. Viele bekannte Spots wie das große und kleine Muränenriff in direkter Nähe, oft Großfische und im Sommer gute Chancen mit Walen zu tauchen. Mehrmals wöchentlich Dolphin-WatchTouren. Im Aldiana gibt es Kinderbetreuung!

Zwei Kilometer weiter finden wir den nächsten Platz. Laut Routenplanung kommen

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Das ehemalige Kloster San Fruttuoso ist nur per Schiff oder Wanderweg zu erreichen

Seatrekking: Wandern im und am Wasser. Die Wurzeln liegen im Freediving

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wir hier irgendwo an eine Frischwasserquelle. Schnell verteilen sich die Aufgaben, nach zwei Stunden steht das Lager. Die Nacht bricht ein, wir haben gegessen, getrunken und liegen bald in den Schlafsäcken, sehen die Sterne über uns. Das Handy funktioniert nicht, wir haben keine Musik. Einiges, das sonst das Leben bereichert, fehlt. Aber was fehlt wirklich in diesem Moment? Mir wird schnell klar, dass Reduzierung erfüllend sein kann. In den folgenden Tagen entdecken wir mal einen guten und mal einen schlechten Platz zum schlafen. Das Wetter ist immer noch fantastisch und wir haben ein tolle Zeit. Sowohl am zweiten und dritten Tag werden wir im Meer von der Wasserschutzpolizei gestoppt und nach unseren Harpunen gefragt. Wir haben die klassischen Apnoe- und Speerfischer-Anzüge an und müssen viel Überzeugungsarbeit leisten. „Nein, wir genießen nur die Landschaft

und vor allem den Fischreichtum.“ Seatrekking? Das kennt hier keiner. Wie auch – ist diese Art zu wandern, die Landschaft und sich selbst zu entdecken, doch völlig neu. Nach einer kleinen Bucht erreichen wir den Hafen von Portofino. Die letzten Nächte haben wir an Stränden und in den Wäldern zwischen San Fruttuoso und dem Promi-Ort verbracht. Unfassbar, dass man so billig Urlaub machen kann, an einer der teuersten Ecken von ganz Europa. Wir gehen an Land und finden unseren Weg durch die kleinen Gassen von Portofino. Obwohl Anfang November nicht mehr so richtig Saison ist, sind für unsere Verhältnisse – aber offenbar nicht für das Örtchen an sich – extrem viele Menschen unterwegs. Wir setzen uns an den Hafen und trinken Cappuccinos und Bier. Vermisst haben wir so etwas in den letzten Tagen nicht, es schmeckt aber trotzdem.

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Nikolay “Nik“ Linder (39) aus Freiburg hat das Apnoetauchen zu seinem Beruf gemacht. Er gibt regelmäßig Kurse im Freitauchen, sowohl im deutschsprachigen Raum als auch an internationalen Reisezielen. www.nikolaylinder.de

Mit dem Fotografen Paul Munzinger bietet Nik Linder zweitägige SeatrekkingSpezialtouren an, z.B. durch Flüsse, Seen, Altrhein-Arme und Quelltöpfe entlang der badisch/elsässischen Grenze. Anfragen: kontakt@nikolaylinder.de

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Portugal, Berlengas

JUWELEN im

Alle Fotos: Paul Munznger

Atlantik

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Leuchtende Farben, viele Fische, tolle Höhlen, „Wrack“-mente, Steilwände – das alles gibt’s an den Berlengas, einem Naturschutzgebiet im Atlantik. Von Paul Munzinger

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Gehรถrnte Schleimfische sind ebenso flink wie wachsam

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Berlenga Grandes – einst letztes Bollwerk vor dem Festland bei Peniche – ist als atlantisches Tauchziel weitgehend unbekannt

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F

ragen Sie weitgereiste Taucher, wo in Portugal gut tauchen ist, bekommen Sie ad hoc zwei Ziele serviert: Madeira und die Azoren. Mit Recht, denn es sind zwei absolute Klassiker und Topdestinationen im Atlantik mit fischreichen Unterwasser-Nationalparks. Doch diese Inseln liegen westlich von Afrika, was gibt’s denn eigentlich direkt vor Portugals Küste?

Mit etwas Phantasie ist in den JuwelenAnemonen ein erstauntes Gesicht zu erkennen (re.)

Warzensterne sind die größten Seesterne im Ostatlantik und können bis 80 cm Spannweite haben , ihre Färbung ist variabel (li.)

Immerhin ist die etwa 850 Kilometer lang, also ein nicht gerade kleiner Küstenabschnitt. Ja, die Algarve ist bei europäischen Tauchern zum Teil bekannt, das war`s aber dann schon. Auf dem portugiesischen Festland spielt der Tauchtourismus im Gegensatz zu den anderen Zielen eine eher untergeordnete Rolle, ist aber im Kommen. Wie Phönix aus der Asche erschien da nun vor ein paar Jahren ein neues Ziel auf dem Markt, die Berlengas. Etwa neunzig Kilometer von Lissabon liegt der unter Naturschutz liegende kleine Archipel, also bestens und schnell zu erreichen. Er besteht aus den drei

Inselgruppen Berlenga Grande, Farilhões und Estelas und ist etwa zehn Kilometer vom Ort Peniche entfernt. Klingt eigentlich nah und gut, doch diese paar Kilometer können es in sich haben. Vom Höllenritt bis zur absolut ruhigen Überfahrt ist alles drin. Atlantik halt und der ist – zumindest auf offener

See – wahrlich nur bedingt etwas für Land- und Weicheier wie mich. Aber es gibt ja Pillen. Entdeckt wurden diese Eilande bereits von den Griechen der Antike und auch Phönizier 63


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waren hier. Im Ort Peniche fand man sogar eine vorgeschichtliche Siedlung aus der Zeit der Neandertaler. Die Menschen lebten natürlich besonders vom Fischfang und das ist heute noch so, denn die Hafenstadt ist der zweitgrößte Umschlagplatz für Sardinen im Lande. „Wiederentdeckt“ wurden die Inseln allerdings von einem agilen Deutschen

namens Axel Becker, seines Zeichens Inhaber des bekannten Veranstalters mit dem Firmenlogo Weißer Wal, Beluga also. Der Mann ist bezüglich neuer Tauchziele ein wahrer Tausendsassa und hat Tonnen von Flöhen im Hintern, ist ständig auf Permanent-Suche nach Zutaten für schöne Reisen. Nicht nur in Europa, sondern weltweit. Ihm wurden von einer Tauchschule auf der Boot

Ganze Felswände sind wie im Farbenrausch mit verschiedenen Anemonenarten bedeckt

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2010 Bilder von Mondfischen gezeigt. Der „Tauch-B(e)äcker“ war sofort aus dem Häuschen und setzte sich in einen Flieger um die Sachen genauer unter die Lupe zu nehmen. Ein paar Monate später wurden bereits die ersten Reisen verkauft und wir waren gleich dabei. Um Wetterrisiken möglichst auszuschließen, heftigem Wellengang zu umgehen und die


Die Inselgruppe Malta, Gozo und Comino bildet ein ganz besonderes Tauchrevier im Herzen des Mittelmeers – nur 3 Flugstunden von Deutschland entfernt. Hier finden sowohl Anfänger als auch erfahrene Taucher optimale Bedingungen vor.

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Malta & Gozo

Tauch paradies

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it ihren natürlichen Häfen, offenen, aber auch geschützten Buchten, Klippen, Felsenriffs und zahlreiche Schiffswracks laden die Inseln zu einer spannenden Entdeckungsreise unter Wasser ein. Die Wassertemperatur im Sommer beträgt im Durchschnitt 23ºC; zwischen Dezember und März fällt sie lediglich auf 13ºC bis 15ºC.Bis zu 30 Metern Tiefe sind die Sichtverhältnisse ausgezeichnet, was Malta zu einem Traumziel für Unterwasserfotografen und Fans von Nachttauchgängen macht. Auch über Wasser haben die Inseln viel zu bieten. Tauchurlauber können nicht nur eine spannende Zeitreise durch 7000 Jahre Ge-

schichte unternehmen und die köstliche, mediterran-orientalische Inselküche genießen. Maltas und Gozos Eventkalender ist das ganze Jahr über prall gefüllt – von religiösen Festen bis hin zu Pop, Klassik oder Jazz. Das Sportangebot zu Lande kann sich ebenfalls sehen lassen – wie wäre es mit einer abwechslungsreichen Mountainbike-, Wander- oder spannenden Klettertour? Weitere Informationen und kostenfreie Broschüren unter info@urlaubmalta.com www.mein-malta-urlaub.de www.visitmalta.com www.pdsa.org.mt

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Mondfische zu sehen, wählten wir natürlich die beste Saison dafür. Es kam, wie es kommen musste, Murphy ‘s Law hatte uns mal wieder auf voller Breitseite erwischt und das Ende September, zur angeblich besten Saison: “Klasse Dreckswetter bei Euch hier“ begrüße ich erst mal recht herzlich den Macher der Basis. Der lacht nur und meinte lapidar: „Cool man, das ändert sich ganz schnell, morgen sind die Wellen nur noch zwei Meter hoch. Ist nur ein Zwischentief, die letzten Wochen waren bombig“. Mein Blutdruck beruhigt sich wieder auf unter 200, also alles im absolut grünen Bereich. Die Pille davor überreicht er uns daher gratis noch vor dem Beladen des Busses mit den Siebensachen. Keine Frage, das kleine Ding werfe ich mir gleich ein. Wir ruckeln los in Richtung Hafen und hier klappern die Takelagen der Segelschiffe schon verdächtig und unüberhörbar. Nur die Harten fahren bereits in den Garten, sprich Richtung Marinereservat. „Für unser Boot alles gar kein Problem!“ lautet der Versuch 66

des Wassermanns der Tauchbasis Haliotis, uns etwas runter zu beamen. Dann versammeln wir uns vor einem Monster von Schlauchboot, seiner „Lioti“: knallig orange, zwölf Meter

Diese Farbkraft ist nur mit Tauchlampe zu erkennen

lang, am Spiegel zwei richtig fette Außenborder, eine Ausstattung vom Feinsten. Boah! Alles verladen, abfahren und ein paar Minuten später, nach Pas-

sieren des schönen Cap Carvoeiro der Halbinsel Peniche, verkrampft sich bereits meine rechte Hand an einem Edelstahlrohr neben dem Sitz, die linken Greifer packen die Kamera, die auf meinem Schoß ruht, wie ein Neugeborenes. Nun wird’s wellig und recht bald müffle ich wie die anderen im engen Neopren vor Anspannung. Denn die Anzüge werden bereits immer vorher angezogen. „It`s better“, wie die Berlengas-Tauchprofis meinen. Etwas Erleichterung dann auf offener See, ich habe es mir eigentlich schlimmer vorgestellt, das orange Monster steckt wirklich viel weg. Die Pille funktioniert einwandfrei und meine Glotzer starren nur auf eines, den Horizont. Mein Magen verarbeitet bereits das Frühstück und das fliegt – der Pharmaindustrie sei hier ausdrücklich gedankt – nicht im hohen Bogen über Bord oder gar auf die mächtigen Luftwülste. Nach 30 aufregenden und nassen Minuten ist die 8-Seemeilen-Achterbahn zu Ende und wir grinsen uns wieder nett an, als wir am Tauchplatz ankommen. Denn der liegt völlig ge-


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schützt hinter einem markanten Felsen. Meine Gesichtsfarbe wechselt nun wieder von RAL 9001, dem Leichenweiß, zu RAL 9022, einem freundlichen Grau. Alles bestens – war da mal was? Anker raus, schnell eine Pfütze Wasser geschluckt, kurze Ansage des Tauchchefs und wir versenken uns als flotter Dreier an der Parede das Gorgonias. Die Übersetzung ist eigentlich überflüssig. Der Name des Platzes ist Programm unter den 68

Wellen. Am Ankerseil hangeln wir uns 27 Meter hinunter und schlagen auf einem Felsen auf, der ringsherum in Pink leuchtet. Die Untiefe ist komplett mit Gorgonien zugepflastert und die Farben kommen natürlich nur durch eine gute Funzel zur Geltung, die als absolutes Muss zu Tauchers Berlengas-Ausgehuniform gelten darf. Wir ziehen unsere Runden und als eine Vier auf meinem Handgelenkshirn aufleuchtet, deute ich „Ende Gelände“ an, die Hand einmal sehr deutlich quer

gerichtet: Schluss hier, nicht weiter, noch tiefer muss wirklich nicht sein, noch mehr Fächerkorallen geht wirklich nicht. Erfreulich: In der Tiefe ist auch die Sichtweite bedeutend besser, weiter oben verwirbelten wir im Grünwasser Millionen von Schwebeteilchen. Ein wirklicher Topspot, allerdings ganz sicher nichts für Anfänger. Wurde aber von der Basis vorher auch genau so und ganz eindeutig kommuniziert. Die Jungs haben alles richtig


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Links: Das Naturschutzgebiet der Berlengas wurde 2011 UNESCO BiosphärenReservat. Dies schließt die Stadt Peniche auf dem Festland ein

Re.: Endlich wieder eine normale Gesichtsfarbe!

Adrenalin im Atlantik Highlights der Azoren

Faial

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All You Can Dive 69


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Tipps für die Zeit an Land Óbidos Die mittelalterliche Kleinstadt liegt ca. 20 Minuten von Peniche entfernt, ein wahres Prachtstück mit seinen umgebenen Stadtmauern, dem historischen Ortskern mit der Burg, den Kirchen und den vielen blumengeschmückten Gassen. Wunderschön: Das Castelo von Obidos, die Kirche und geschmückte Gassen. Lecker: das hervorragende portugiesische Wein- und Fischangebot

Peniche Lange und sehr saubere Sandstrände, mit die besten Surfmöglichkeiten Europas. Sehenswürdigkeiten: Festung, Barockkirche, das Cabo Car-

voeiro mit dem Leuchturm, die Höhle Gruta da Furninha. Weinroute West Tour von Weingut zu Weingut. Die Weingüter heißen Quintas (Landgut), Weinkellereien Caves. Restauranttipps in Peniche Alle Variationen von Fisch essen! Es wird überall tagesfrisch serviert, wir empfehlen besonders die Restaurants Tasca do Joel, Mirandum, Nau dos Corvos und das Marisqueira dos Cortiçais.

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Lästige Parasiten: Ruderfußkrebse auf Mondfischen

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gemacht. Nun ist erst mal Pause angesagt, und die verbringen wir nahe der Hauptinsel. Um sich die Szenerie besser vorstellen zu können: Von weitem erinnern die Berlengas an die Islas Medas vor Estartit im Mittelmeer, die noch nördlicher gelegenen Farilhões an die markanten Socorro-Inseln im Pazifik. Wild, wild West!

meter Halbtrocken mitzunehmen war die falsche Entscheidung, morgen leihe ich mir deshalb ein dickeres Fell aus. Besser nachlesen und auch an die Daten glauben wäre schlauer gewesen. Was soll`s, immerhin verfüge ich über etwas mehr Bioprene und bin kein Hungerhaken wie mein portugiesischer Buddy.

Ein belegtes Brötchen passt nun auch schon wieder rein und beruhigt sowohl mich als auch meinen Magen. Schön, dass auf einmal die Wolken aufreißen und uns die Sonne zumindest partiell zulacht. Tut ganz gut nach der Wassertemperatur, die auf dem Computer mit frischen 16 Grad angegeben wurde. Gummi daher runter, ich taue auf. Fünf Milli-

Nach zwei Stunden aufwärmen, Sprüche klopfen und relaxen steht der nächste Abstieg an. Ebenfalls an den Farilhões, die westlich der Berlengas liegen und zum Archipel gehören. Nun aber sollen moderate Tiefen betaucht werden. Gut für den Zweiten, man will uns nun eine ganz bunte Höhle auf 19 m zeigen. An der Farilhăo da Cova darf wahrlich niemand


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meckern: Skorpionsfische, Oktopusse und Gabeldorsche an jedem Eck, weiße Gorgonien, knallrote Schleimfische, viele Lippfische und fette Barsche vor dem Höhleneingang.

der Inhaber von Haliotis, plötzlich den Motoren den Sprit weg, denn vor uns versammeln sich hunderte Möwen. „Sie jagen nach Schwimmkrabben, die sich hier momentan zum Gruppensex versammeln und ein gefundenes Fressen für die Vögel sind“, erklärt er.

Es blitzt aus allen Ecken und Enden, wir Fotofuzzis sind alle happy. Auch ein klasse Spot und ich hab bestimmt über hundert Mal auf den Auslöser gedrückt während der 50 Minuten. Auf der Rückfahrt nach Peniche nimmt Jose Alberto, einer

Vielleicht sind diese Möwen auch der Grund, warum sich im September und Oktober, vorausgesetzt der Atlantik zeigt sich auch einigermaßen ru-

hig, die Mondfische hier versammeln. Mit diesem Naturschauspiel, das wirklich nicht alltäglich ist, hatte man uns schließlich zu den Berlengas gelockt. Warum sie sich aber nur zu dieser Zeit hier versammeln, weiß keiner so ganz genau. Tatsache ist, dass viele dieser Flattermänner die Mondfische an der Wasseroberfläche putzen. Nur von der Ferne können wir beobachten, wie lästige Parasi-

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Violette Gorgonien fĂźhlen sich nur bei guter StrĂśmung und gutem Nahrungsangebot wohl

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Im September und Oktober zeigen sich die urig aussehenden Mondfische vor den Berlengas

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Die Mittagszeit wird meist am Fort von Berlenga Grande verbracht, Lunch und Getränke sind beim Tauchpreis schon dabei

ten von den Vögeln rausgepickt werden. Die Mondfische ohne ihre Putzer sieht man am besten schnorchelnderweise. Neuer Tag, neues Glück. Nun mit mehr Sonnenschein und relativ ruhigem Atlantik. Wir steuern auf die nordwestlich von Berlenga Grande liegende Inselgruppe Estelas zu, an der man uns eine ganz bunte Unterwasserwelt am Tauchplatz 76

Mula verspricht. Bereits in niederen Tiefen überwuchern kleine Juwelenanemonen in Rot, Gelb und Pink viele Felsen, große Brassenschwärme sind überall beim Fressen. Die Dünung macht mit uns, was sie will, halten ist absolut zwecklos, das Fotografieren ist wirklich nicht einfach. Speziell die Makrofotos von den Juwelen im Atlantik stellen mich auf eine harte Geduldsprobe.

Unter 1/ 250 Sekunde braucht man gar nicht zu fotografieren. Hübsch sind die Überhänge und die kleinen Höhlen, in denen man Meeraale und Seespinnen sieht. Nach der Dümpelei kommt ein „easy dive“ gerade recht und der wird in der Fort-Bay vor Berlenga Grande angeboten, in der auch Anfänger ihre ersten Flossenschläge machen können.


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Hier ist es weder tief noch wellig. Skurrile Garnelen und Krebse, gehörnte Schleimfische, Seezungen, wieder Massen an Juwelenanemonen, Schwämme und Seesterne sind nach 70 Minuten auf dem Chip. Wir sind begeistert, auch hinsichtlich der Überwasserszenerie auf Berlenga-Grande, wo die Mittagspausen inklusive Lunch eingelegt werden. An der Pier unterhalb des Forte de

São João Baptista, das 1502 erbaut wurde, legt unser Boot an. Ein paar Stufen hoch und wir sind an den eindrucksvollen Gemäuern und dem beliebtem Ausflugsziel. Früher wurde die Anlage zwei Jahrhunderte zur Verteidigung genutzt, heute kann man darin übernachten. Die zwanzig Zimmer sind allerdings winzig und erinnern eher an Gefängniszellen. Romantisch ist die restaurierte Anlage, die auf ei-

ner kleinen Insel steht und mit einer Brücke mit der Berlenga Grande verbunden ist, auf jeden Fall. Nicht weit von dem Fort liegt das Wrack der „Primavera“ oder besser dessen Fragmente. Das etwa 100 Meter lange Cargoschiff war mit Marmor beladen und kam aus dem italienischen Carrara, als es hier 1926 zerschellte. Ein riesiger Fressnapf für allerlei Nacktschnecken ist

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das mit Algen überzogene Gerippe. Anfängergeeignet ist die fischreiche südöstliche Bucht bei Cova do Sono, die meist geschützt ist. Anspruchsvoller wird wieder der Kormoranfelsen Cerro da Velva, an dem sich ab und zu auch Mondfische sehen lassen, täglich garantiert sind aber große Fischschulen. Im Norden der Berlenga-Inseln gibt‘s gleich vier Höhepunkte an einem Platz, bei Rinchão: Das im Jahr 1940 gesunkene Dampfschiff „Gomez VIII“, dessen Kessel noch erhalten sind und um das fotogene Dorsche ihre Runden ziehen, dann ein faszinierender Gorgonienhang in 23 Meter Tiefe, weiter oben

„Was guckst Du?“ Im Berlengas-Archipel toben manchmal die Wellen, aber immer das Fischleben. Hier schauen in die Kamera: Oktopus, Kleine Felsen-Garnele, Schwimmkrabbe (mi.), Grundel (u. li.) und eine Atlantik-Flunder.

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Monster-Schlauchboote: Die sind auch nötig, um die rund zehn Kilometer vom Hafen in Peniche zu den Inseln durch den Atlantik zu jagen

knackig farbige Wände mit Juwelenanemonen und am Ende des Tauchganges zeigen sich Makrelen- und Brassenschwärme an der Oberfläche. Für mich der schönste Platz der Region und trotz teilweise schwieriger Anfahrt und Strömung wirklich zu empfehlen. Ein Muss, wenn man hier ist. Übrigens: Die meisten Wracks um die Inseln wurden von einer Firma gesprengt, die das wertvolle Metall dann verkauft haben. Techis allerdings können ab 50 bis 66 Meter Tiefe immer noch ganz gut erhaltene Schiffe bewundern. Alle Gase für das

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Tieftauchen und entsprechendes Equipment kann von der Tauchbasis zu Verfügung gestellt werden. Selbst Höhlenfreaks kommen auf den Berlengas nicht zu kurz, denn es gibt hier einige tolle Dunkelzonen wie zum Beispiel den Eselsarsch, wie Gruta do Rabo-de-asno locker übersetzt heißt. Aber der bunte, etwa 60 Meter lange Tunnel bei den Farilhões auf 31 Meter Tiefe unterhalb einer pinkfarbenen Gorgonienwand ist nicht ohne und nur was für sehr geübte Cracks, die absolut nicht an Klaustrophobie leiden dürfen.


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Aufgrund seiner vielen Besonderheiten wurde der bizarre Außenposten aus Granitgestein im rauhen Atlantik sowohl zu einer Seeschutzzone als auch vom Europäischen Rat zum Biosphärenschutzgebiet erklärt. Das Klima wird vom Atlantik und auch vom Mittelmeer beeinflusst, deshalb hat der Archipel ein besonderes und einzigartiges Ökosystem. Wer schon mal da ist, sollte daher auch einmal die Flossen mit Wanderschuhen tauschen. Mehr als

Sternschnecken sind Kosmopoliten – leben also auch an den Berlengas

Beste Tauchplätze des Berlenga-Archipels Parede das Gorgonias (Farilhões) Lieblingsplatz der Tauchlehrer. Untiefe, die bis auf 27 m herauf ragt. Abstieg erfolgt am Ankerseil im Freiwasser. Die Wand ist komplett mit pinkfarbenen Gorgonien bewachsen, viele Fische. Unten meist bessere Sichtverhältnisse. • Tiefe 27-60 m, Sicht bis 20 m, Strömung schwach bis Mittel. Schwierigkeit: schwer. Mula (Esteleas) Der Name bedeutet übersetzt Maultier. Zwei Felsen, bei widrigen Bedingungen „tritt“ die See hier richtig zu, daher

die Bezeichnung. Geankert wird – wie meist – im geschützten Süden, dann gegen den Uhrzeigersinn um die markanten Felsen getaucht. Großes Amphitheater an der Nordwand mit viel Fisch und bunt mit Juwelenanemonen bewachsene Wände. • Tiefe 5-30 m, Sicht 15-20 m, nur ohne Strömung möglich. Schwierigkeit: mittel bis schwer. Baixa do Broeiro (Estelas) Das Riff wird von vielen als das beste in Portugal gehandelt. Sehr viele und verschiedene Fische, meist Strömung und klar, Sichtweite dann ca. 15 Meter. Nordseite mit

Steilwand und Plattform. Teile eines Wracks nördlich des Riffs • Tiefe 5-45 m, Sicht bis 15 m, meist Strömung. Schwierigkeitsgrad: mittel Rinchão (Berlenga) Einzigartiger Topspot nordöstlich von Berlenga Grande. Mehrere Highlights wie das Wrack (Dampfschiff), der Gorgonienhang, sehr bunte Wände mit Juwelenanemonen und viele Schwarmfische. • Tiefe 1-34 m, Sicht bis 25 m, meistens Strömung um den Felsen. Schwierigkeitsgrad: mittelschwer

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Dorsche kommen meist im Schwarm vor

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350 Personen täglich dürfen aus Gründen des Naturschutzes allerdings nicht auf die Inseln und gezählt wird genau. Interessant ist der Leuchtturm Duque de Bragança und der Weg dorthin mit den zahlreichen Land- und Meeresvögeln nebst ihren Brutgebieten, den Perleidechsen und den verschiedenen Pflanzenarten. Das Wappentier des Naturschutzgebietes ist übrigens die Trot-


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tellumme, sie erinnert etwas an einen kleinen Pinguin. Eine wahre Traumwelt erlebt man in der Grotte Furado Grande. Versuchen Sie doch einmal die Spezialität des Restaurants auf der Insel, den vorzüglichen Fischtopf inklusive tollem Blick auf den weiten Atlantik. Wer gerne auf eigene Faust die Insel erkunden möchte, kann sich ein Kanu ausleihen und nahe

am Fort gibt es auch einen Minibadestrand sowie einen Campingplatz. Absolute Ruhe Suchende sind hier gut aufgehoben. Nur die Insel Berlenga Grande mit einer Länge von 1500 Meter und 85 Meter Höhe ist bewohnt, die Menschen leben vom Fischfang und natürlich in der Saison von den Touris. Die kleineren Inseln Farilhões und Estelas sind dagegen unbewohnt.

So schön und wild romantisch die Inseln auch sind, taucherisch stellen sie zumindest teilweise eine Herausforderung dar. Für Gelegenheits-Taucher und Shortyfans sind sie nur bedingt „tauch“-lich, denn für die echten Topspots braucht man schon einige Erfahrung und eine geeignete Kaltwasserausrüstung. Es ist auch nicht jedermanns Sache, bereits morgens ins 83


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Die KĂźste vor Peniche und das Naturreservat Berlengas: eine wilde Gegend im Atlantik und beliebtes Ausflugsziel fĂźr die Portugiesen 85


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Lissabon ist dermaßen mit Sehenswürdigkeiten und Kultur voll gepackt, dass wir erst gar keinen Tipp geben wollen – außer diesem: einen Reiseführer kaufen und dann besichtigen was geht

Neopren zu steigen und die Pelle erst am Nachmittag wieder ablegen zu können. Was – zumindest mich als deutschen und zugegebenermaßen schon fast krankhaften Pünktlichkeitsfanatiker – etwas nervt, sind die portugiesischen Taucher mit ihren regelmäßigen Verspätungen. Das ist hier eigentlich Usus und genau genommen kräht kein anderer Hahn danach, nur ich bekam einen Föhn und musste das 86

HB-Männchen in mir nicht nur einmal unterdrücken. Ein verlängertes Wochenende für das Tauchen im Archipel geht auch. Die Flüge nach Lissabon sind kurz und preiswert, und der Transfer nach Peniche dauert auf der Autobahn eine knappe Stunde. Der wilde Westen Portugals bietet neben dem Tauchgebiet auch ein kulturelles, sportliches, kulinarisches, preislich

erschwingliches und selbst ein familienfreundliches Angebot rund um den Fischerort mit seinen ausgedehnten und bekannten Sandstränden. Ideal ist zudem die Verbindung mit einem Besuch von Lissabon. Die Berlengas im Atlantik sind also durchaus eine gute Alternative zum Mittelmeer und der Spot ist teils schneller zu erreichen als andere europäische Topreviere: vá lá – los gehts!.


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Das macht Laune: im Hotel Soleil Péniche

gibt es beheizte Außen- und Innenpools

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Spanien Kanarische Inseln, Atlantik

Gran Canarias

Hitparade

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Alle Fotos: Paul Munzinger

Yellow Submarine, The Wall, Octopus‘s Garden und Angel sind alle nicht nur legendäre Tophits, sondern auch echte Topspots im Atlantik vor Gran Canarias Westküste. In unseren divingEurope Charts mischt die Insel daher gut mit. Von Paul Munzinger

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Eine Wand aus Grunzern am Wrack der „Como tu“, auch The Wall genannt

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Puerto de Mogán, auch das „Venedig der Kanaren“ genannt, mit seinem kleinen Strand und dahinter die großzügige Hotelanlage Cordial Mogán Playa

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T

esten Sie sich bitte mal selbst und suchen nach Begriffen, mit denen Sie Gran Canaria definieren würden. Mein Selbsttest fiel ernüchternd aus, die Insel hatte – wie wir im Badischen sagen – ein „Gschmäckle“, also einen Beigeschmack bezogen auf das Image: Rentnerinsel, Jubel, Trubel, Heiterkeit bis zum Abwinken, Menschensilos, volle Strände, Schnitzel, Bratwurst und Co. an jeder Ecke in Playa Ingles. Zu Zeiten, als man noch auf Schreibmaschinen schrieb, war ich selbst einmal dort und damals schwor ich: Nie mehr hin, nix für mich. Auch die drei Tauchgänge waren nichts Gescheites und fotomäßig ein Flop – ich warf das Handtuch und wechselte zu Müllers-Lust-Reisen, ging im Inselinnern wandern. Das war Klasse!

Gorgonien kommen nur vereinzelt vor, etwas Strömung dabei vorausgesetzt

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Ausgerechnet der Manager eines renommierten Tauchreiseveranstalters läutete nun 30 Jahre nach diesem Highlight bei mir an und fragte durchaus ernsthaft, ob ich mir nicht einmal eine Tauchreportage über „diese tolle Insel“, so sein Originalton, vorstellen könnte. Grotesk hoch fünf. Es gibt wirklich nicht viele Momente im Leben, wobei mir die Luft wegbleibt, aber ich bekam kein Wort heraus. Ein dicker Kloß verstopfte meine Gurgel, ich schnappte nach Luft. Gefühlte fünf Minu-


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ten lang. „Bist du noch dran, Fotofuzzi?“, hakte Otmar Schmitz von den Extra Divers dann mal vorsichtig nach. “Ja , danke Otmar, super, aber ich hab die nächsten drei Jahre keine Zeit, leider alles terminlich ausgebucht. Läuft echt klasse momentan“. Lug und Trug meinerseits und Schande über mich, meinen verunglückten Saftbraten roch er natürlich: „Paule, entspann dich einfach, hör mal zu und Schnauze“. Der Mann sah mein bedröppeltes Gesicht wohl durch die Telefonleitung. Ich hörte also zu und schwieg ausnahmsweise mal, war zugegeben adrenalinbedingt aber äußerst angespannt.

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„Vergiß alles, was du einmal früher erlebt und gehört hast, Schnee von gestern und in Puerto de Mogán läuft eh vieles anders. Ich war selbst dort, nicht nur eine Woche, hab mir alles angeschaut und wir eröffnen eine neue Basis in Kürze. Das Tauchen ist dort wirklich gut, es gibt ‘ne Menge Fische und Wracks. Der Ort liegt im Südwesten der Insel, ist nicht groß und malerisch, man nennt es das Venedig der Kanaren, von der

Blick durchs Bullauge auf Wrackbewohner in der „Cermonia II“

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Atlantische Trompetenfische schaffen es bis zu einer Länge von 75 cm heranzuwachsen

Hotelanlage wirst du begeistert sein, unsere Basis wird hier integriert werden. Keine Massen und kein Massentauchen, keine Sorge. Das mit der reinen Rentnerinsel hat sich eh gewandelt, mittlerweile hat sie sich zur echten Aktivsportinsel gemausert, es gibt nichts, was es nicht gibt “ – nur einige seiner fast anwaltlichen Plädoyers, er textete mich regelrecht zu. Ich musste ihn also mal unterbrechen, bevor es weihnachtete: „Wenn Du mit mir hinfährst, bin ich dabei“. Den Mann kenne ich seit seiner Zeit, als er noch Basisbesitzer in Rosas an der Costa Brava war und alles lief mit ihm bisher bestens. Dachte aber schon noch insgeheim: Geteiltes Leid ist halbes Leid. „Ok, Herr Fotograf, wir planen es in den nächsten Wochen 96

Nächste Doppelseite: Gelbe Scherengarnele, Spinnenkrabbe, Grabhams Putzergarnele, Roter Atlantik-Riffhummer (im Uhrzeigersinn)

ein, du hörst bald von mir!“ Aus der Gran Canaria- Geschichte kam ich also nicht mehr raus, ohne mein Gesicht zu verlieren oder kräftig anzuecken. Die Tickets und Unterlagen fand ich bald im Briefkasten, selbst an mein umfangreiches Fotoübergepäck hatte man gedacht. Vier Wochen nach dem Telefonat trafen wir uns auf der fast runden Vulkaninsel und dies war vor sieben Jahren. Und jetzt halten Sie sich fest: mittlerweile bin ich das dritte Mal hin gedüst, ich wurde zum Gran Canaria Fan, denn das Tauchen ist im Westen wirklich top, das Gesamtpaket stimmt, ist den Preis wert und alles andere als ein Flop wie damals. Meinem Kopf verordnete ich deshalb ein Reset in Puncto „fiesem


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Das „Yellow Submarine“ kommt sehr nahe an den Wracks vorbei – ein besonderes Erlebnis

Gschmäckle“, das ist passé, denn der Extra Divers Manager hatte nicht übertrieben, ganz im Gegenteil. Selten sieht man solch extrem viel Fisch irgendwo anders. Nach Gran Canaria zu fliegen ist von keinem Flugplatz ein Problem, nahezu jede Airline hat die Insel im Programm. Runde vier Stunden Flugzeit von Frankfurt aus und schon landet man im Osten der Insel. Etwa drei Millionen Urlauber, nicht nur aus europäischen Ländern, besuchen sie jährlich und der Flugplatz kommt eigentlich nie richtig zur Ruhe. So auch bei mir, aber kein Problem: Flottes Durchwinken bei der Kontrolle, keine lange Wartezeiten am Gepäckband trotz Hunderter Sonne-Strand-Urlauber, Flucht aus dem Ter100

minal und schon entdecke ich im großen Gewühle ein Schild mit den Lettern Extra Divers. Erste Erleichterung, runter beamen. Der Transfer klappt und nun noch eine knappe Stunde automobile Fahrzeit bis zum Ziel meiner (un-) heimlichen Wünsche. Selbstverständlich auf einer gut ausgebauten Autopista, unseren alemannischen Autobahnen mindestens ebenbürtig, wenn nicht besser. „Die EU-Gelder sind hier bestens angelegt“, teilt uns der Fahrer verschmitzt in gutem Deutsch mit. Zweite Erleichterung: Mit jedem Kilometer Richtung Westen reduzieren sich die architektonischen Sünden, vorbei an Maspalomas und der Bahia del Ingles, meine Augen tränen


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Tigermuränen verstecken sich tagsüber in Spalten. Ihre Beute hat bei diesen Zähnchen keine Chance

von Kilometer zu Kilometer weniger und als wir von der Küstenstraße den ruhigen Atlantik unter uns sehen, grinst auch mein Gesicht vor marinen Vorfreuden. Außerdem herrscht Kaiserwetter im November ungefähr 200 Kilometer westlich von Marokko, ganz im Kontrast zum Schmuddelwetter daheim. So gefällt`s. Der erste Eindruck als wir in das Tal vor Playa Mogán fahren, fällt äußerst positiv aus, meine tonnenschwere und mentale Anti-Gran-Canaria-Last fällt von mir. Man kann nicht meckern, es ist hier wirklich anders, zwar schon einiges los, aber tot getreten wird hier keiner. Herzliches Willkommen in der hübschen Anlage des Vier-Sterne-Plus Hotels Cordial und eine halbe Stunde später stehe ich mit meiner Tauch102

tasche bereits vor dem „Blauen Haus“ – dem Taucherhaus, das in der hübschen und großzügigen Hotelanlage etwas abseits integriert ist. Der kurze Weg von meinem Zimmer dorthin war bereits eine Augenweide, ein Spaziergang durch eine angelegte Botanik mit über 220 verschiedenen Pflanzenarten. Vorbei an Tennisplätzen, einer Wellnessoase, Kindertagesstätte, einem Schachfeld, einem Hang mit archäologischen Ausgrabungen und zwei wunderschön angelegten Pools. Hier kann man wirklich Urlaub machen, dachte ich sofort. Alleine, zu zweit oder mit der Familie. Nach dem abendlichen Riesenbuffet gönne ich mir einen neugierigen Absacker in dem kleinen Ort, der sich blumenbunt und nett


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rausgeputzt zeigt. Seine Beinamen „Venedig der Kanaren“, „Klein Venedig“ oder „Venedig des Südens“ sind dann allerdings schon etwas hoch gegriffen. Der Ort entstand zwar am Reißbrett des berühmten Architekten Rapahael Neville vor rund 30 Jahren, aber die wenigen kleinen Kanäle und Gassen sind – sorry ihr „Werbe-slogan-er“ – nicht im entferntesten ein Abziehbild der weltbekannten Lagunenstadt. Mein geliebtes Freiburg im Breisgau besitzt mehr Gassen und wird von mehr Bächle und Kanälen durchflossen, allerdings ohne

Gschmäckle und wird auch nicht marketingtechnisch als das Black-Forest-Venedig gehandelt. Am nächsten Tag steh ich um 9 Uhr auf der Tauchmatte, einer sehr urlaubstauglichen Zeit. Meeting, übliches Zusammensuchen der Sachen und Einpacken. Durch den Hinterausgang geht’s in den tiefen Katakomben des Hotels zur Tiefgarage, zum Minibus und von hier aus in wenigen Minuten in den Hafen, direkt vor das Tauchboot. Nun Geräte zusammenbauen, einladen und noch am Steg den Anzug Nächste Seiten: Kleine Höhle im Reserva Marina del Cabron (li.), gefügelter Falterrochen

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Vor Gran Canarias Westküste nicht selten: der Gewöhnliche Engelhai

anziehen. Wo es hingeht? Unser spanischer Guide sagt zum heutigen Spot freudig Sopa de Pescado, übersetzt die Fischsuppe, aber der Spot heißt in Wahrheit anders: „Como tu“, manche sagen auch The Wall dazu, ein Tauchgang an einem Wrack. Es ist kein Taucherlatein, denn beim Abstieg am Ankerseil sieht man bereits eine Wand aus Fischen und deshalb kein Wrack. Tausende Grunzer versammeln sich um die „Como tu“, an der man regelrecht die Flossenträger wegschieben muss, um das Wrack fotografieren zu können. Der Schwarm ist so fotogen, dass ich für wertvolle Kleinigkeiten wie Keulenanemonen und Krebse ausnahmsweise keinen Nerv habe. Für die versprochenen und im Sand liegen106

den Falterrochen braucht man eine Suchmaschine, die Guides haben es aber gut drauf. Warum es ausgerechnet hier Fische en masse gibt, ist schnell erklärt. Der nährstoffreiche Golfstrom durchströmt die Kanaren und begünstigt so die Meeresfauna und das bei Sichtweiten um die 20 Meter und angenehmer Wassertemperatur. Das Wrack ist außerdem eine Oase im Meer, sozusagen ein Meeting Point und auf der ruhigeren Westseite ein angenehmes Revier für die Fische. Höchste fotografische Aufregung dann, als mir ein Engelshai kredenzt wird, eine Premiere für mich. Zunächst liegt das weit über ein Meter große Exemplar noch seelenruhig im Sand, doch das ganz nahe Herankommen mag er nicht so und gleitet dann elegant, aber gemächlich über den Sandboden in tie-


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fere Gefilde. Eigentlich ist der Tauchgang an der „Como tu“ kein anspruchsvoller, denn die Sichtweiten sind gut und bei Strömung wird dort eh nicht getaucht. Doch trotzdem Vorsicht, er wird als sogenannter Tieftauchgang eingestuft: das Wrack liegt zwischen 28 und 30 Meter Tiefe, die Nullzeit rennt affenschnell davon und Nitrox gibt’s leider (noch) nicht. So häng ich nach meiner intensiven Fotosession zusammen mit anderen am Ankerseil und warte, bis der Computer mich wieder nach oben lässt, ohne zu meckern. Per Speed-Boot geht’s von der atlantischen Fischsuppe wie-

der zum Hafen, Zeit fürs Lunch und Relaxen im Hotel, am Nachmittag steht der nächste Abstieg an. Den machen wir bei Taibabales, der keine zehn Minuten entfernt und ebenfalls an der Nordwestküste Richtung Teneriffa liegt. Ein interessantes Riff mit anschließender Sandfläche, an der man bei vorsichtiger Annäherung mit Luftanhalten Röhrenaale beobachten kann. Der ein oder andere Flattermann, sprich Rochen, versteckt sich ebenfalls im Sand und am Schluss des Tauchgangs tauchen wir in eine kleine Grotte ein, in der sich Langusten

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Las Palmas Die Inselhauptstadt lädt mit malerischen und blumengeschmückten Gassen ein. In den den Tapas-Bars gibt es Serranoschinken und den kräftigen Schafskäse Manchego. Typische kanarische Architektur in der Altstadt: weiße, rechteckige Steinfassaden, malerische Innenhöfe mit Brunnen, kunstvolle Holzbalkons. Imposant ist die Kathedrale von Santa Ana. Geheimtipp: Im Casa Colon (u. re.) hat Christoph Kolumbus seine Entdeckungsreise nach dem vermuteten Westindien vorbereitet. Was daraus wurde, ist Weltgeschichte. Maspalomas Der Ort mit der Playa del Ingles ist trotz Allem einen Kurzbesuch wert. Alleine schon wegen des berühmtesten Fotomotivs der Insel, des Dünenmeeres (u. re.). Der aus Afrika herübergewehte feine Sand türmt sich hier meterhoch auf. Spektakulär! Puerto de Mogán In der Nähe des malerischen Ortes mit den hübschen Gassen und kleinen Kanälen liegt ein Golfplatz (mi.). Reizvoll: der Markt (immer freitags); gute Restaurants und Bars. Ein kleiner Sandstrand lockt zum Sonnen außerhalb des Hotels. Hinterland Wanderungen in der Bergwelt (o. li.) und Besuch der Dörfer, zum Beispiel den malerischen Ort Teror. Sonntags ist dort Flohmarkt mit für die Kanaren typischen handgemachten Klöppelwaren. Aber: vorher den Tauchcomputer fragen, ob die No-FlightTime vorbei ist; die Berge sind so hoch, dass nach Tauchgängen am Vorabend die Dekompressionskrankeit zuschlagen kann! Anti-Trägheits-Programme In Hotels und an der Tauchbasis gibt es Flyer mit vielfältigen Freizeitoptionen (u. li.).

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Foto: Frank Schneider

Tipps für die Zeit an Land


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Foto: Guido Haeger / CC (GNU FDL)

Foto: Clemens Franz / CC BY-SA 3.0

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verstecken, davor stehen Trompetenfische im Wasser. Zurück auf der Tauchbasis trage ich mich für morgen zu zwei nahen Wracks am Hafen ein. Seit ein paar Minuten brummt mein Schädel gewaltig, doch weder an den momentanen 18 Meter Tiefe noch an dem gestrigen Deko-Bierchen kann dies liegen. Mit Gesten mach ich dem Guide klar, dass irgendwas nicht stimmt. Wir treiben uns am Wrack der „Cermonia II“ und „Allegranza“ herum, die auf dem Sandboden ruhen und schießen die Blitze fast leer. Alles ok, gestikuliert er, kurz darauf deutet er ins Blaue. Ein gelber Koloss kommt aus die-

sem Blau auf uns zu, ringsherum tummeln sich Fische. Gewaltige Luftmengen treten immer wieder aus dem Riesenteil wie Permanent-Blähungen heraus. Aha – jetzt dämmert`s mir wieder, es ist das Yellow Submarine, von dem beim Briefing der Wracks erzählt wurde. Ab und zu kann vor einem das Touristen-U-Boot hier wirklich auftauchen. Die beiden Schiffe wurden speziell für die Yellow-Submarine-Tour als Attraktion vor dem Hafen von Puerto de Mogán als künstliche Riffe versenkt und locken nun viele an, eine Idee mit amtlicher Lizenz zum richtig viel Geld verdienen.

Das Wrack der „Cermonia“ liegt keine fünf Minuten vom Hafen entfernt

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Die Touris werden von der ganzen Insel mit eigenen Bussen angekarrt, und wer das mitmachen möchte, muss rechtzeitig vorbuchen. Eine zweite Premiere für mich, ein echtes U-Boot Unterwasser! Klar, dass ich das gelbe Trumm ablichten will, doch der Guide zieht mich erst mal forsch zurück und mahnt: Abstand halten, sich aufs Wrack zurückziehen und alles aus sicherer Entfernung beobachten. Seine eindringliche Ermahnung an Land: „Achtung vor den Elektromotoren, die können nämlich einiges verwirbeln und auch Vorsicht vor den austretenden Blasen, die könnten einen schnell nach oben pusten“. Tatsächlich

wird das Monster an uns recht nahe vorbei manövriert, es blitzt und winkt aus allen Bullaugen, die Trockentaucher drücken sich förmlich die Nasen platt, wir im Wasser sind genau so interessant für sie wie die für uns. Begeisterung pur bei allen also! Nach kurzer Zeit ist der Spuk vorbei, ein mächtiger Grunzerschwarm versammelt sich nun wieder um die 40 Meter lange „Allegranza“, der einige Winterstürme schon böse zugesetzt haben. Fotogener präsentiert sich da die „Cermonia II“ ein paar Flossenschläge nebenan. Barrakudas und Thunfische jagen umher, das Wrack ist auch Treffpunkt für

Sieht man schon von oben: Wrack der „Como tu“ mit Grunzerschwarm

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Beste Tauchplätze im Westen von Gran Canaria

Tophits

Die Guides benannten die Spots nach bekannten Songs, ihr Spitzname ist hier das Programm. All die Plätze sind im Westen und Südwesten und nicht weit vom Hafen Puerto de Mogán entfernt. Das Wasser ist fast das ganze Jahr über klar, beeindruckende Fischschwärme sind an den meisten Plätzen vorhanden, Großfischbegegnungen mit Mantas, verschiedenen anderen Ro-

chenarten und Engelhaie sind immer wieder möglich. Die Unterwasserwelt ist ein gelungener Mix zwischen dem Mittelmeer und der Karibik und einige Wracks wurden speziell zur Attraktion und Bildung künstlicher Riffe nahe am Hafen versenkt. Speziell der Makrobereich ist im Marineschutzpark bei Arinaga sehr interessant. UW-Fotografen kommen überall voll auf ihre Kosten!

Yellow Submarine „Allegranza“ und „Cermonia II“ Die beiden Wracks liegen direkt vor dem Hafen und wurden als künstliche Riffe für die „Yellow Submarine“ (U-Boot) versenkt. Das ehemalige Fischerboot „Allegranza“ ist knapp 40 m lang, die „Cermonia II“ liegt etwa 40 m davon entfernt. Meist sind Thunfische und Barrakudas um das Wrack. • Tiefe 19 m, Sicht bis 25, Strömung keine bis schwach, Schwierigkeit: leicht

Angel Islands Corner Der nordwestlichste gelegene Spot der Extra Divers, wird von keiner anderen Basis angefahren (30 Minuten mit dem Boot). Die hohe Steilküste setzt sich bis ca. 12-19 m Tiefe Unterwasser fort. Großer Fischreichtum, Gorgonien, Stachelrochen sowie Engelshaie. • Tiefe 12-19 m, Sicht bis 35 m, Strömung oft stark, Schwierigkeit: mittel

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Oktopus`s Garden Arinaga / Reserva Marina del Cabron Der beliebteste und bekannteste Tauchplatz Gran Canarias unterhalb des Flugplatzes. Wird von den Extra Divers nur freitags angeboten. Per Bus fährt man hin, zu Fuß geht’s rein. Drei verschiedene Einstiege im Marineschutzpark. Grotten, Höhlen, toller Nahbereich. • Tiefe 8-32 m, Sicht bis 25 m, Strömung leicht, Schwierigkeit: mittel

The Wall Wrack „Como tu“ Sogenannter „Tieftauchgang“ an einem ca. 18 m langen, bunt bewachsenen Fischerboot. Eine Fischwand aus Grunzern („The Wall“) steht über oder neben dem Wrack. Im Sandboden sieht man Falterrochen, Atlantische Stechrochen und Engelshaie. Achtung: man kommt schnell in die Deko! • Tiefe 28-30 m, Sicht bis 35 m, Strömung meist gering, Schwierigkeit: mittel

That‘s a Moray Pasito Blanco Etwa 40 Minuten Bootsfahrzeit Richtung Süden liegt das ovalförmige Plateauriff. Große Artenvielfalt, einige Muränen, Barrakudas, Kugelfisch, Stachelrochen, schöner Nahbereich mit Anemonen und Symbiosen. • Tiefe 14-20 m, Sicht bis 25 m, Strömung wenig bis leicht, Schwierigkeit: leicht

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Umziehen am Hafen, rein ins Boot und Abtauchen – einfacher geht‘s nicht

Trompetenfische. Nach einer Stunde dann obligatorischer Sicherheitsstopp am Ankerseil, auftauchen, und in nur drei Minuten per Boot sind wir schon wieder im Hafen. Ein tolles Erlebnis.Um die vierzig Minuten Bootsfahrt dauert es und man kann an einem ovalförmigen Plateauriff namens Pasito Blanco abtauchen. Der nahe Hafen in der Bucht vor dem Leuchtturm von Maspalomas gab dem Spot den Namen. Knappe 20 Meter tief liegt das artenreiche Riff und durch schön gezeichnete Tiger114

muränen, stattliche Rochen und im Freiwasser jagende Raubfische wird jeder, für die lange Bootsfahrt sofort entschädigt. In etwa gleicher maximaler Tiefe liegen die Highlights von Islands Corner, dem nordwestlichsten Tauchplatz, den die Extra Divers ansteuern und der ansonsten bisher von niemandem anderem angefahren wird. Über den Wellen hat man beim Ankerplatz die imposante, etwa 60 Meter hohe Steilküste vor der Maske, die sich allerdings nicht so tief, aber nicht weniger faszinierend im Atlantik fortsetzt. Cor-


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ner bedeutet bekanntlich Ecke, und an Ecken strömt es meist, also Achtung. Belohnt wird man durch großen Fischreichtum und verschiedene Gorgonien. Dass es am Angel-Rock auch nicht immer ruhig zugehen kann, zeigen die vereinzelt stehenden gelben Gorgonienexemplare. Wir fahren allerdings nicht deshalb, sondern wegen der Engelshaie hin, die hier des Öfteren gesehen werden und dem Spot den Namen gegeben haben. Tatsächlich entdecken wir zwei stattliche und fotografisch äußerst kooperative Haie.

Nur freitags, wenn in Puerto de Mogán Trubel um den Markt herrscht, wird der Tauchplatz Arinaga angeboten. Er liegt weit weg im Riserva Marina del Cabron unterhalb des Flugplatzes. Per Auto geht’s zu dem Marineschutzpark, zu Fuß nicht immer ganz so einfach in die Fluten, je nach Laune des Meeres. Mit den Einstiegsstellen, Punta de la Sal, Punta de la Monja und El Hoyo, können dort gleich drei verschiedene Tauchgänge gemacht werden. Der Topspot ist äußerst beliebt, wir sind zum ersten Mal nicht alleine. Aber Unterwasser ver-

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läuft sich alles gut. Bizarr ist die Landschaft, fotogen sind Torbogen, Grotten und Höhlen. Atlantische Riffhummer, rote Seepferdchen, skurrile Spinnenkrabben, Scherengarnelen, Keulenanemonen und Himmelsgucker leben im Octopus‘s Garden. Speziell die Makrofotografen können sich mal richtig austoben. Insgesamt stehen den Extra Divers Gran Canaria zwei Dutzend verschiedene Plätze zur Auswahl, viele sind auch anfängertauglich und ein gelungener Mix zwischen Unterwasserflora und -fauna des Mittelmeeres und der Karibik. Die Basis steht für entspanntes Tauchen und wer Permanentdruck in Form von typischem amerikanischen täglichem Non-Limit-Tauchen braucht, dies abarbeiten will oder muss, ist nicht an der richtigen Adresse. Zwei Abstiege täglich sind Usus, denn ab und zu

Die Seelöwen-Lady Stand mal fest im Programm der Extra Divers, wird aber nicht mehr angeboten: Schnorcheln und baden mit 200 kg schweren Seelöwen. Das zwar nur im Pool, aber es war ein beeindruckendes und tolles Erlebnis. Diese „schwer erziehbaren Jungs“ von Tierparks und Shows, die sich mit anderen nicht mehr gut vertrugen und ansonsten hätten getötet werden müssen, wurden von einer Dänin liebevoll aufgenommen Sie hat sie in einem eigenen, großen Becken bestens versorgt. Doch es kostete viel zu viel Geld, ihr Projekt ging leider baden. Die eleganten Schwimmer sind nun im Aqualand von Maspalomas zu sehen und man kann nach spezieller Einweisung zusammen mit ihnen schwimmen.

sind diese auch etwas tiefer und nicht nur ganz so einfache Spaziergänge im Riff à la Tropen. Und klasse, dass man an fast allen Spots nur alleine unter Wasser ist. Wer einen relaxten Tauchurlaub in einer wirklich schönen Hotelanlage abseits vom Trubel auf Gran Canaria genießen will und eine Fischsuppe nicht nur beim Abendmahl im Topf liebt, sondern auch tagsüber live und außerdem den eher rauen Charme des Atlantiks liebt, liegt genau richtig. Idealer Urlaub übrigens ebenfalls für die ganze Familie sowie für Aktivurlauber, denn es werden nahezu alle Sportmöglichkeiten außer Skifahren und Rennrodeln angeboten, wohl aber Snowboard auf den entfernten Sanddünen inklusive Transfers von den Hotels. Eine Latte an Freizeitaktivitäten werden bereits im bunten Puerto de Mogán angeboten, Langeweile kommt bei Niemandem auf. Wenn Sie, wie ich, auch nicht zu Müllers-Lust-Reisen gehören, geben Sie sich auf jeden Fall trotzdem einen Tag die Kante mit Wandern im Inselinnern. Beeindruckend sind die Trockentäler, die malerischen Bergdörfer, die hohen Wipfel und großen Bananenplantagen. Erleben Sie abseits der Küste noch traditionelle kanarische Kultur, probieren Sie die Chorizo de Teror, die Paprikawurst, die in manchen Lokalen sogar flambiert wird. Schlussendlich, wir betonen es immer wieder gerne im Tauchmagazin divingEurope: all unsere Ziele sind europäisch, auch hier jenseits von Afrika auf dieser berühmt-berüchtigten Kanareninsel – es ist und bleibt Europa mit all seinen bekannten Vorteilen. Wo liegt also heute mein früheres Problem mit der „Allerwelts-Insel“? Nirgends, auch nicht in Playa Ingles, denn das ist weit weg; um das dortige Menschen- und Dünenmeer mach ich nach wie vor einen großen Bogen und hüpfe 117


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Meerraben sind nur eine Art von Schwarmfischen an den Islas Medas (li.) 118


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anderswo ins Nass des Atlantiks. Im Westen taucht man bestens unter und weitere Tauchspots testen wir demnächst – denn die gibt’s rund um die Hauptinsel der Kanaren, außer vor dem Engländer-Strand.

Hotel Cordial Mogán Playa: In der großzügigen und gepflegten Anlage kann man sich bestens verwöhnen lassen und einen herrlichen Urlaub machen

Klicken Sie doch mal in Google Earth die Ebene Ozeane an, und Sie werden sehen: es lauert genügend Arbeit in Form von Tauchreisereportagen auf uns. Der Herr schenke uns bitte daher ein langes Taucherleben.

Info Wie komme ich hin? Von Deutschland rund vier Stunden Flugzeit bis nach Gran Canaria. Autotransfer nach Puerto de Mogán etwa 1 Stunde. Beste Reisezeit Ganzjahresziel. Von Januar bis März Tauchen auf Anfrage. Tauchen Die Exra-Divers-Basis liegt im Hotel Cordial Mogán Playa oberhalb des Ortes Puerto de Mogán. Täglich mindestens zwei Bootsttauchgänge, die Spots liegen meist in der Nähe. Freitags Halbtagesausflug per Minibus in den Marineschutzpark von Arinaga. Kein Hausriff. Wassertemperaturen 18-24 Grad. Beste Tauchzeit September bis Ende November, dann warmes und ruhiges Wasser. Stahltanks 12- u.15-Liter (DIN). Leihausrüstung vorhanden. Kein Nitrox. Großer Tauchshop. Kostenloser Abholservice für Taucher von San Agustin, Playa del Ingles, Maspalomas und Puerto Rico. Ausbildung Kurse nach IDA/CMAS und SSI vom Anfänger bis zum Tauchlehrer.

Wohnen Das familienfreundliche Hotel Cordial Mogán Playa mit 432 Zimmern und 55 Suiten liegt oberhalb des Fischerortes Puerto de Mogán ca. 300 Meter von einem kleinen Sandstrand entfernt. Im 48 000 m² großen Areal gedeihen über 220 verschiedene Pflanzen und Bäume. Breites Sport- und Freizeitangebot, Kinderbetreuung ab 6 Monate möglich. www.cordialcanarias.com Über die Tauchbasis können Privatappartements im Ort angemietet werden. Weitere Infos www.extradiverskanaren.com grancanaria@extradivers.org Veranstalter Reisecenter Federsee www.rcf-tauchreisen.de reisen@reisecenter-federsee.de Tel.: 07582/93207 90 Extratour www.extratour-tauchreisen.de info@extratour-tauchreisen.de Tel.: 0551/42664

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TIERPORTRÄT

Alle Fotos: Paul Munzinger

Seepferdchen

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Sie zählen zu unseren Lieblingsfischen, sind Kult- und Souvenirobjekte – und stark gefährdet. Das Außergewöhnlichste ist: die Männchen müssen gebären, Emanzipation und Rollentausch klappen in ihrer Ehe perfekt. Von Paul Munzinger

H

abe heute übrigens schon wieder ein Seepferdchen entdeckt, diese Woche gab es wiederholte SichtSichtungen von drei verschiedenen Tieren. So früh im Jahr hatten wir das noch nie“, – schreibt mir Anfang April 2016 Maria Pichlmaier von Stollis Tauchbasis an der Costa Brava. Bei der Recherche für unser Tierporträt hatte ich verschiedene Basen europaweit angefragt, ob Seepferdchen in ihrem Tauchrevier vertreten sind. Resultat: das Aquanautic Dive Center Teneriffa, Giglio`s Campese Diving Center, Nautic Team Gozo, Barakuda Dive Center in Rosas, Najada diving in Kroatien und die Extra Divers in Gran Canaria schrieben, dass sie an mehreren 121


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gleich zu entdecken. Aber das ist uns allen ja wohl bekannt! Bei uns in Europa sind Meeresrösser im gesamten Mittelmeer und im Ostatlantik von den Kanaren, über Madeira bis zu den Britischen Inseln, also der Nordsee, zu finden. Auch Sichtungen im Schwarzen Meer sind nichts Ungewöhnliches.

Foto: Maria Pichlmaier

Die schuppenlosen Knochenfische, die zu den Röhrenmäulern gehören, leben sehr gerne in Seegraswiesen und Algenfeldern und somit in Küstennähe. Dass wir sie ausgerechnet immer hier sehen liegt vielleicht auch daran, dass wir in größeren Tiefen einfach zu wenig Zeit zur Suche haben und die meist ruhigen und strömungsfreien Austauchstufen dazu ideal sind. Von Hippocampus, so sein wissenschaftlicher Name, gibt es weltweit geschätzte 35 bis 80 verschiedene Arten, bei uns in Europa sind es das Langschnäuzige und das Kurzschnäuzige Seepferdchen.

Hausriff Tamariu/Spanien: Langnasen-Seepferdchen Sally

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Spots immer welche haben, also keine reinen Glückstreffer. Soll heißen: wenn sich die kleinen Gesellen tatsächlich wohlfühlen, bleiben sie auch dort, sind stationär anzutreffen. Und alle angeschriebenen Tauchbasen meinten, dass sie in Tiefen zwischen sechs bis 15 Meter vorkommen und das größte Problem ist, sie auch

Hippocampus heißt übersetzt Pferderaupe und treffender kann man die Gestalt der Seepferdchen eigentlich nicht beschreiben: Oben Pferd und unten Raupe. Sie zogen – zumindest in der griechischen Mythologie – den Streitwagen des Meeresgottes Poseidon. Somit fanden die in Wirklichkeit langsamen und kleinen, in Kunst und Literatur aber schnellen und großen Fabelmonster, immer wieder einen Platz in der


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Gran Canaria/Spanien: Ein KurzschnauzenSeepferdchen versteckt sich in einem Fischernetz

Literatur. Tatsache ist, dass sie zu ihrer Fortbewegung weder in waagrechter Position galoppieren können, noch sich irgendwie schlängelnd auf den Weg durch die Unterwasserwelt machen. Denn vorwärts kommen sie nur aufrecht und dazu bewegen sie ihre kleine Rückenflosse und die Brustflossen wellenartig hin und her. Wie ein Helikopter können sie damit, ohne ihre senkrechte

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Kornaten/Kroatien: Zotteliges und gepunktetes LangnasenSeepferdchen

Haltung zu verändern, manövrieren: seitlich, vor- und rückwärts, nach oben und nach unten. Sie sind nicht schnell und in voller Fahrt sind es maximal 35 Flossenschläge pro Sekunde. Mit Strömung können sie daher nicht oder sehr schlecht umgehen und benötigen auch immer wieder eine Pause. Ihr langer Wickelschwanz dient dann als beweglicher Anker und selbst ein Seegrashalm gibt ihnen einen guten Halt. Ist ein schönes Plätzchen gefunden, gehen sie in aller Ruhe 124

natürlich gut getarnt ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Rumhängen und Fressen nach. Letzteres oft stundenlang. Bis zu zehn Stunden können da schon mal draufgehen: Schnauze auf, Wasser einsaugen, Plankton rausfiltern und Wasser wieder rausdrücken. Ein Forscher hat festgestellt, dass sie dabei sogar ein wenig schmatzen! Auf dem Speiseplan der kleinen, zahnlosen Räuber sind winzige Krebstiere, Schwebegarnelen, Wasserflöhe und

auch Fischlarven. Alles mundgerecht, nie größer. Durch ihre chamäleonartig steuerbaren Augen entgeht ihnen fast nichts. Und so werden die ehemaligen Minis groß und größer zwischen 14 bis 16 Zentimeter lang, Riesenseepferdchen sogar bis 30 Zentimeter. Ihr Alter wird mit maximal vier Jahren angegeben. Kurzer Schwenk in die Tropen: hier gibt’s die Pygmäen-Seepferdchen, die Form und Farbe von Korallen annehmen, noch schwerer zu finden sind, da sie nur zwei bis vier Zentimeter „groß“ werden, die


eine andere Art Mallorca zu entdecken

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kleinsten also weltweit. Apropos Tarnkünstler: Seepferdchen können sich ihrer Umwelt farblich anpassen und ein neues Farboutfit anlegen: von grasgrün, grün-braun, gelb, rot, cremeweiß, grau bis zu schwarz.

Foto: Maria Pichlmaier

Allerdings nicht so rasant wie zum Beispiel bei einem Kraken, es dauert bei ihnen schon einige Tage oder gar Wochen. Tarnanzug und Hautknochenpan-

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zer schützen sie somit ganz gut vor Fressfeinden wie Krabben und besonders Fischen. Wer etwas Glück hat, kann in den Morgenstunden beobachten, wie Seepferdchen miteinander schmusen. Durch Seegraswiesen oder Riffe schwimmen sie meist gemeinsam. Soll heißen: wo eines ist, ist das nächste nicht weit weg durch ihre stark ausgeprägte Liebesbedürftigkeit.

Die monogamen Pärchen bleiben sich das ganze Seepferdchenleben treu. Stirbt ein Tierchen, sucht sich der Single nicht sofort einen oder eine andere, der Sex fällt erst einmal ins Wasser. Trauer ist angesagt und dies teils wochenlang. Erst dann geht’s wieder auf Partnersuche, was nicht ganz so einfach ist. Denn äußerliche Unterscheidungsmerkmale gibt es groß keine. Um die Hand angehalten wird mittels Klicklauten


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und es passt, wenn Madame bei der Brautwerbung immer erregter wird, ihren Kopf abwendet und versucht, den Freier seitlich zu berühren. Weicht er dabei aus oder sinkt langsam zu Boden steht fest: Partnersuche erfolgreich abgeschlossen, es kann zur Sache gehen. Irgendwann beginnen sie mit einem Paarungstanz, das Ritual kann sich tagelang hinziehen. Dabei will er ihr

Hausriff Tamariu/Spanien: Struwel und Peter sind ein Pärchen, Peters dicker Bauch ist deutlich zu erkennen

imponieren und pumpt sein Bäuchlein mit Wasser auf und flattert etwas mit seinen Flossen. Oder sie schwimmen im Gleichtakt, ab und zu Nase an Nase, ihre Schwänze ineinander fest umschlungen. Mit ihrem Wickel- und Greifschwanz macht das Weibchen dann einen grandiosen Trick: sie spritzt ihrem Gatten ihre Eier meist frühmorgens in den sogenannten Brutbeutel. Er bewegt sich dabei so, dass diese Eier auch gleichmäßig verteilt und von ihm besamt werden können. Dann schließt das Männchen seinen Brutbeutel und die befruchteten Eier gedeihen in Vaters Bauch, bekommen hier ihre Nährstoffe: Ein ganz außergewöhnliches Brutpflegeverhalten, Denn wo im Tierreich ist die Nachwuchsaufzucht Männersache und er ist schwanger mit einem Babybauch? Perfekter Rollentausch also. So lässt sich Mann und Frau Seepferd unterscheiden, denn er hat oft einen recht stattlichen Ranzen! Je nach Art des Seepferdchens beträgt die Tragezeit zwischen zwei bis sechs Wochen, was auch von der Wassertemperatur abhängt. Zum Schluss kommen die üblichen Wehen und eine ganze Armada an Jungtieren wird aus der Bruttasche in Schüben ausgestoßen (zwischen 50 und 1500, je nach Art).

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Die „Größe“ der Kinder liegt bei den „Langschnauzen“ bei etwa 127


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Teneriffa/Spanien: Hellbrauner Zottel in der Fiesta-Bucht

Insel Rab/Kroatien: Riesiges Seepferdchen an Andy Krons Hausriff 128


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20 Millimeter und schon jetzt sehen sie genau wie ihre Eltern aus. Schnurstracks müssen sie an die Wasseroberfläche, um ihre Schwimmblase mit Luft zu befüllen, sind also von nun an völlig auf sich alleine gestellt. Fast unglaublich: Nach der Entlassung der Kinder geht der Sex der Eltern sofort wieder von vorne los, gebärfreudiger geht’s wirklich nicht. Nun sollte man eigentlich meinen, dass bei den kleinen Sexmonstern das mit dem Nachfahrenproblem von der Natur bestens geregelt ist, doch Pfeifendeckel! Gefahren lauern überall von Fischen, die den feinen Braten riechen und der größte Teil landet in den ersten Minuten daher in den Mäulern von Hungrigen. Wer es glücklicherweise überlebt, und das sind gerade einmal vielleicht zwei Tierchen pro Geburt, schafft es in etwa zehn Monaten zum geschlechtsreifen Erwachsenen. Wie so oft ist der größte Feind wieder einmal der Mensch und deshalb gehören die possierlichen Tierchen zu den meist bedrohten Meeresfischen und unterliegen regionalen Schutzbestimmungen. Die Weltschutznaturunion IUCN (International Union for Conservation of Nature) hat das Seepferdchen Hippocampus kuda deshalb auf der Roten Liste und als schutzbedürftig eingestuft: Ein echtes Warnsignal für diese Tierart.

Zerstörung von Seegraswiesen, Wasserverschmutzungen, Beifang und Überfischung dezimieren selbst bei uns in Europa die Arten. Im Parque Naturals das Ria Formosa, der im südportugiesischen Golf von Cadiz liegt, war die Seepferdchenwelt vor ein paar Jahren noch in Ordnung und nirgends gab es so viele Lang- und Kurzschnauzen. Mittlerweile alarmieren die Meeresbiologen, dass 90 Prozent des Bestandes verschwunden ist. Den Grund sehen sie darin, dass sie sich nirgends mehr festhalten können, sie werden jetzt regelrecht durch Strömungen weggespült, da die Seegrasflächen erheblich kleiner wurden. Sand lagerte auf ihnen ab, sie wurden zerstört und selbst die Anker von Booten tragen dazu bei, dass die Posidoniawiesen – die wichtige Kinderstube von vielen Meerestieren – Schrittchen weise immer weniger werden. Kleiner Wehrmutstropfen: bei uns werden zwar im Gegensatz zu Fernost die Fische nicht tonnenweise getrocknet oder als Pulver auf den sogenannten Medizinmärkten angeboten, die potenzschwachen Asiaten als Wunderwaffe wieder „auf die Füße“ helfen sollen. Dort liegt der Kilopreis fast schon so hoch wie Gold und man schätzt, dass jährlich 30 Millionen gefangen werden! Aber auch bei uns in Südeu-

Diving_Europe_05_2016.qxp_Layout 1 02.05.16 08:00 Seite 1

... Geheimnisse der Tiefe 2016 Bestellen Sie unseren Katalog und monatlichen Newsletter unter: www.extratour-tauchreisen.de

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Gozo/Malta: Kleines Seepferdchen in der geschützten Bucht Mgarr Ix Xini

ropa kann man sie finden – in Souvenirläden: Bitte die Hände weg davon oder noch besser: Händler oder Interessierte darüber aufklären. Haben wir Taucher ein Seepferdchen glücklicherweise entdeckt, ist es eine Selbstverständlichkeit, es nicht anzufassen, um es in richtige fotografische Porträtposition zu bringen oder gar umzusetzen, wie schon selbst miterlebt. Haben Sie Mut und wettern sofort unter Wasser kräftig los und schlagen Alarm, wenn Sie solch rücksichtslose Zeitgenossen beobachten. Denn die Seepferdchen sind echte Sensibelchen und kriegen dabei fast den Herzkasper. Zumindest das sind wir unseren niedlichen, anmutigen und teils zotteligen Lieblingen einfach schuldig. 131


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Unser Gastkommentar kommt von Maria Pichlmaier, der Miteigentümerin von Stollis Tauchbasis in Tamariu an der Costa Brava. Seit vielen Jahren besucht die Tauchlehrerin fast täglich das Hausriff, eines der besten im gesamten Mittelmeerraum und findet mit sehr großer Wahrscheinlichkeit immer wieder ihre kleinen Lieblinge. Deshalb wird sie auch von vielen Gästen „Das Adlerauge“ genannt.

U

unsere Seepferdchen am Hausriff von Tamariu bekommen alle Namen, oft inspiriert durch ihre Färbung. Zorro war rot, Neus (katalanisch für Schneeflöckchen) war weiß, Tiger gelb-braun gestreift und AC/DC war über und über gefleckt mit einer wilden Mähne – ein ziemlich bunter Zoo also.

Das Seepferdchen Naranja lebt am Hausriff von Tamariu

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Wenige Wochen später wird es allerdings manchmal schwierig, die Namensgebung zu erklären, weil das Tierchen zwar noch seine Mähne hat, aber jetzt unscheinbar braun ist. „Das ist doch nicht das gleiche Tier“, mag sich da manch einer denken. Wenn man aber, so wie ich,

täglich vielleicht sogar mehrmals dasselbe Riff betaucht, stellt man schnell fest, dass Seepferdchen sehr ortstreu sind. Speziell wenn sich ein Pärchen zusammengefunden hat, beträgt der Aktionsradius (vor allem des Männchens) nur noch wenige Meter. Und so sehe ich die Tierchen dann beinahe täglich – inzwischen habe ich gelernt, sie zu unterscheiden: an der Größe, dem Geschlecht, den Fortsätzen, der Farbe und dem Standort.Die Farbe ist dabei aber nur ein kurzfristiger Indikator, denn die Seepferdchen verändern ihre Farbe je nach bevorzugtem Aufenthaltsort zur Tarnung und ja, manchmal – so wird

Fotos: Maria Pichlmaier (li.), Paul Munziger (ob.)

Spitzname „Adlerauge“: Maria Pichlmaier hat ein besonderes Steckenpferd: die Familie Hippocampus


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angenommen – auch nach Lust und Laune. Diesen Farbwechsel darf man sich aber nicht so rasant vorstellen wie bei Sepien oder Kraken, bei den Seepferdchen ist das ein schleichender Prozess über Wochen. Während manche sich relativ gleichmäßig in der Farbschattierung ändern, zum Beispiel von Rot über Orange zu Gelb wie bei Naranja, variieren andere ihre Farbe radikal, indem sie immer mehr deutliche Flecken in der neuen „Wunschfarbe“ bilden – so wie bei AC/DC eben. Das Geschlecht von ausgewachsenen Seepferdchen ist relativ einfach zu erkennen, da nur die Männchen einen deutlich sichtbaren Beutel für die Jungtiere unter dem Brustkorb tragen – ähnlich einem Känguru. 2015 hatte ich das unglaubliche Glück, bei einem Nachttauchgang eine Seepferdchen-Geburt beobachten zu können. Dabei stößt das Vater-Tier in mehreren starken Kontraktionen Hunderte winzige Baby-Seepferdchen ins Freie. Leider existiert davon kein Bildmaterial, weil ich als Guide unterwegs war, und in diesen Fällen nehme ich meine Kamera nicht mit. Und so hoffe ich, dass es nicht noch einmal 4000 Tauchgänge dauert, bis ich so etwas wieder beobachten kann. Weitere Infos: www.stollis-divebase.de

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divingEurope und www.kosmos.de verlosen Bücher! Nr. 2|2016 Ist nun schon die sechste Ausgabe von divingEurope – und auch dieses Mal verschenken wir per LosW zusammen mit dem Kosmos Verlag wieder ein Buch. Wer gewinnt kann zwischen dem „Tauchreiseführer Italienische Inseln“ und dem Fotopraxisbuch „Näher ran!“ wählen. Es kann jeder gewinnen, der auf diesen Link klickt redaktion@divingeurope.de und in die Betreffzeile schreibt, wie viel Ziele aus Italien in der Übersicht auf Seite 124 in dieser Ausgabe von divingEurope aufgelistet sind. Natürlich gibt divingEurope Ihre E-Mail-Adresse NICHT weiter!!! Eine Anschrift ist auch erst dann nötig, wenn Sie eine Gewinnbenachrichtigung von uns bekommen. Viel Glück wünschen divingEurope und der Kosmos Verlag! 135


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Dänemark Grönland ................. 3|2015

Portofino

Deutschland Sea Life NRW ............ 2|2015

Malta Gozo ....................... 3|2015

Frankreich Côte d‘Azur ............ 4|2015

Portugal Madeira ................... 2|2015

Flugzeugwrack P-38 .. 1|2016

Azoren .................... 3|2015

Italien Ägadische Inseln ...... 2|2015

Berlengas ................. 2|2016

Giglio ...................... 3|2015

.............

2|2016

Schweiz Flusstauchen/Tessin .. 1|2015

Nr. 1 – 1|2015 Europas Vielfalt Tauchkreuzfahrt Sir Robert Flusstauchen: Tessin Spanien: Cap de Creus Tierportrait: Zackenbarsch

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Kanarische Inseln: El Hierro Portugal: Madeira Deutschland: Sea Life NRW Italien: Ägadische Inseln Tierportrait: Mönchsrobbe

Tauchkreuzfahrt ....... 1|2015 El Hierro/Kanaren ..... 2|2015 La Palma/Kanaren ...... 4|2015 Gran Canaria/Kanaren 2|2016 Sonderthemen Amphoren ................ 1|2016

Nr. 3 – 3|2015 • • • • •

Nr. 2 – 2|2015 • • • • •

L‘Estartit/Unisub ...... 1|2016

Seatrekking ................ 2|2016

Baia Sardinia ............. 4|2015

• • • • •

Spanien Cap de Creus ............ 1|2015

Dänemark: Grönland Portugal: Azoren Italien: Giglio Malta: Gozo Tierportrait: Mobula

Nr. 5 – 1|2016 • • • • •

Nr. 4 – 4|2015 • • • • •

Italien: Baia Sardinia Süßwasser: Goldener Oktober Spanien: La Palma Frankreich: Côte d‘Azur Tierportrait: Hecht

Süßwasser: Eistauchen Frankreich: Flugzeug P-38 Amphoren Spanien: L‘Estartit Tierportrait: Drachenkopf

Nr. 6 – 2|2016 • • • • •

Italien: Portofino Seatrekking Portugal: Berlengas Spanien: Gran Canaria Tierportrait: Seepferdchen


Süßwasser Gewässer im Herbst .. 4|2015 Eistauchen .............. 1|2015 Tierportrait Zackenbarsch .......... 1|2015 Mönchsrobbe .......... 2|2015 Mobula ................... 3|2015 Hecht .................... 4|2015 Drachenkopf ........... 1|2016 Seepferdchen ........... 2|2016

Liebe Leser, Unsere Übersicht auf dieser Seite zeigt Ihnen alle bislang erschienenen Ausgaben und Themen. Sie finden jeden Artikel über die Titelbilder der Magazine am Fensterrand rechts neben dieser Seite. Ein Klick darauf führt Sie direkt dorthin. Probieren Sie es einfach mal! Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim surfen durch die bisherigen divingEurope-Ausgaben!


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