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divingEurope 3|2015

Tauchreviere in Europa

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GOZO | GRÖNLAND | GIGLIO | AZ0REN | TIERPORTRAIT

Nr. 3

www.divingeurope.de


Dänemark Grönland, Nordatlantik

Alle Fotos: Paul Munzinger

EISZEIT IM SOMMER


Immer noch Abenteuer pur ist eine Tauchreise auf die europäische Rieseninsel und ein Erlebnis der besonderen Art. Der Kick in der Kälte übertrifft alles, was man sich vorgestellt hat. Von Paul Munzinger


Foto: Morten Beier

Schwimmender Eisberg in der Diskobucht bei Ilulissat


Foto: Morten Beier

Gefährdetes Weltkulturerbe der UNESCO ist die Gegend um Ilulissat


G

rönland in der Sommerausgabe von divingEurope – seid ihr nicht ganz dicht?“ werden sich nun einige fragen, die die ersten Fotoseiten visuell inhaliert haben. Wir dürfen Sie beruhigen: Alles im grünen Bereich bei uns in der Redaktion, trotz momentanen 40 Grad in Deutschland beim Texten. Wir wären jetzt lieber dort auf 69 Grad nördlicher Breite.

Früher – zu Knud Rasmussens Zeiten – war eine Reise in dieses Wunderland eine Tour mit ungewissem Ausgang und eine Meisterleistung für Teilnehmer und Logistik. Heute kann das nahezu jeder buchen, selbst im Rentenalter. Zumindest das meiste, wenn es im körperlich machbarem Rahmen bleibt. Der finanzielle Rahmen ist etwas ganz anderes und der wird ordentlich strapaziert.

Also, wir sind`s noch, nur die Kameras waAber Einmaligkeit hat ren nicht immer dicht auch ihren Preis. Also: und kränkelten ab und wir berichten hier zu etwas. Kein Wunjetzt nicht von wahder: oben schon mal ren Expeditionen in satte 19 Grad plus im den ganz hohen NorSommer und drunten den von Grönland, die an den Eisbergen wenoch immer bis heute niger als Null! Ganz viel vom Menschen schön Stress für die fordern, sondern von Gehäuse, speziell für „Grönland light“, dem die „kleinen aus PlasErschlossenen der te“, denen ich aber größten Insel der Erde. trotzdem weiterhin Sprich: Das, was man treu bleibe. Dies ist in jedem halbwegs allerdings eine Gevernünftigen ReiseGanz normal in Grönland: Kühlschichte, für die, die büro oder im Netz buschrank vor dem Fenster sich mit Technik und chen kann. Gehäusebau besser auskennen und darErst mal zur Anreise. über spannende RoBequem geht’s von mane produzieren. Wir von divingEurope vielen europäischen Flughäfen nach Kopensind für das Schöne zuständig – nämlich für hagen. Meist muss hier übernachtet werden, Tauchreisen – und so soll`s auch bleiben. bevor es am nächsten Morgen zum Inlandflug nach Kangerlussuaq weitergeht. Ja – InlandWarum wir das Eisthema nun in unserer Somflug stimmt und wer es noch nicht wusste: das merausgabe veröffentlichen, ist ganz einfach: grüne Land gehört nämlich zum Königreich es liegt genau im Sommerzeitfenster, in dem Dänemark, ist aber autonom. Noch, denn vieman dort am besten in die Fluten steigt, ist le wollen vollends unabhängig sein, immer also aktuell. wieder tauchen irgendwo Forderungen auf.


Sisimiut oder auf Dänisch Holsteinburg aus der Vogelperspektive. Vor der Bucht wurde getaucht und von hier ging`s los Richtung Norden


Alles verstanden – oder gibts noch irgendwelche Fragen?

Geographisch gehört die Insel, die nicht mehr Mitglied der EU ist, zu Nordamerika. Vorab jedoch ein heißer Tipp für das meist unterkühlte Land: Wenn Sie sich beim Aussprechen von Kangerlussuaq bereits die Zunge blutig beißen oder ihnen die Plomben raus fallen, müssen Sie echt höllisch achtgeben, wenn Sie auf aktiver Grönland-Tour sind. Probieren Sie besser niemals das auszusprechen, was auf vielen Schildern steht . Denken Sie es besser nur und murmeln sie das in sich hinein. Die Sprache der Grönländer ist noch das ursprünglichste und auffallendste, was die Bewohner aus alten Zeiten in unser neues Jahrhundert retten konnten. Der dänische Name für den Hauptflugplatz und erste Station der

Reise klingt viel einfacher mit Søndre Strømfjord. Aber die modernen Eiszeitler hören ihre Orte eigentlich auch lieber in ihrer polysynthetischen Natursprache. Machen Sie sich von dem Gedanken frei, dass man echte Inuit an jeder Ecke oder auf dem Wasser beim Jagen sieht. Denn die gibt es kaum mehr, es sei denn im hohen Norden bei Thule. Wenn auch mal in einem Prospekt abgebildet, leben Sie nicht in Iglus und trägen nur Fell, aus dem einstigen Naturvolk – tollkühnen Jägern und Schlittenhundeführern – wurden zum größten Teil Fischer und die Nation eine Industriegesellschaft. Der moderne Grönländer im Süden lebt heute in mehrstöckigen Häusern, teils sogar Hoch-


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Grönlands Ureinwohner nennen sich selbst Inuit - „Mensch“. Der Begriff Eskimo bedeutet „Rohfleischfresser“ und wird als Schimpfwort aufgefasst

Vom Städtchen Sisimiut geht es mit einer von nur zwei Tauchbasen in ganz Grönland zu treibenden Eisbergen

häusern. Es ist ein Mischvolk, das in mehreren Jahrhunderten von europäischen Walfängern, durch Seefahrer und Kolonisatoren entstanden ist. Schon noch stark verwurzelt in einer alten Art und oft anders denkend, in der Lebensweise aber schon richtig europäisch. Vom bequemen Düsenjet wechselt man also in Søndre Strømfjord – wo uns selbst im Sommer der Neuschnee überrascht – in eine kleinere Propellermaschine von Air Greenland und macht einen kurzen, aber spektakulären Lufthopser mit viel Aussicht auf Sisimiut, oder Dänisch Holsteinborg. Der kleine Ort an der Westküste liegt etwa 100 Kilometer nördlich des Polarkreises auf einer Halbinsel, dahinter geht es bis auf fast 800 Meter hoch auf den Hausberg Nasaasaaq, übersetzt die “Frauenkapuze”. Warum sich ausgerechnet in dem Ort ein Tauchanbieter angesiedelt hat, liegt neben der interessanten Unterwasserwelt auch an

der im Winter eisfreien See, was schon im 15. Jahrhundert Walfänger angelockt hatte. Dem Walfang wurde übrigens bis Anfang des 20. Jahrhunderts nachgegangen, erst dann stellte man auf Fischerei und Fischverarbeitung um. Also ruhig Blut, Tauchgemeinde. Eine mit Blut getränkte See muss niemand rings um die etwa 6000-Seelen-Gemeinde ertragen, deren Wappen ein Walross trägt, das wir leider nie zu Gesicht bekamen. Der erste Eindruck von Sisimiut, auch aus der Luft: ein großer Hafen, dahinter ein bisschen Puppenstube mit den vielen kleinen und bunten Häuschen. Genau in so einem liegt unsere Tauchbasis, eine von Zweien in ganz Grönland. Das in einem Land, sechs Mal so groß ist wie Deutschland, in dem aber nur rund 57 000 Einwohner leben. Soll heißen: Taucher müssen etwas umdenken in der bisher gewohnten Form mit Infos und Vergleichen im Netz, Offerten in Magazinen, Schnäppchenpreisen oder last-minute-Offerten. Wer das


kalte Tauchabenteuer sucht, muss rechtzeitig buchen und es werden auch nur an wenigen Terminen Tauchtrips angeboten. Der Hintergrund liegt auf der Hand: es sind zwar viele, die das alles megagut auf Bildern finden, aber einfach zu wenige, die selbst ins kalte Wasser hüpfen wollen. Mit nur zwei Nasen lohnt sich keine Ausfahrt mit dem Aufwand und der Organisation. Oder man zahlt sich dumm und dappig per Privattour. Deshalb hat sich ein Veranstalter in Kopenhagen auf diese Trips spezialisiert und begleitet sie auch manchmal. Mit Morten Beier, dem Veranstalter und Inhaber von Tropic Ice Dive, haben auch wir unsere Reise unternommen. Nur er stellt aus Anfragen kleine Tauchgruppen zusammen. Klein deshalb, weil das Tauchschiff „Sirius“ einfach nicht mehr Kapazität verträgt. Es ist schon ein Liveaboard, alles tiptop ausgestattet, allerdings nicht in der allseits bekannten Größe und Form. Safari-Schiffe, die

auch im nördlicheren Packeis und bei den widrigsten Bedingungen sicher fahren sollen, müssen eben anders konzipiert sein. Bo Lings, der Eigentümer der Basis und des Schiffes, ist einer der wenigen Berufstaucher und deshalb bekannt wie ein bunter Hund. Er bietet seine Dienste für Sporttaucher nur nach vorheriger Absprache mit dem Veranstalter an. Ihn direkt zu kontaktieren bringt also gar nichts. Nach der ersten Hotelnacht fahren wir am sehr frühen Morgen gleich in den Hafen und packen das Tauchgerödel: alles findet sein Plätzchen, es wird zusammengebaut, geschraubt, überprüft und wir machen uns für die ersten zwei Tauchgänge startklar. Dass sich später alle in einen Trockentauchanzug zwängen, ist selbstverständlich. Die vorbereitenden Maßnahmen an Reißverschluss, Manschetten und den Trockentauchhandschuhen gleichen bei jedem fast einer heiligen Handlung, denn nass will bei den Wassertemperaturen von 3-4 Grad keiner werden.


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„One, two, three“ - Absprung und erst mal kurz akklimatisieren, Kamera prüfen und dann runter. Schon dieser Checktauchgang in der Bucht zeigt eine bunte Szenerie: Seesterne in allen Größen und Farben, der wirkliche Star der Sterne ist der große Sonnenseestern. Was gleich auffällt Seeigel gibt`s in Mengen. Daher wirklich Vorsicht mit den Lanzenträgern, die alle Felsen belagern, denn schnell ist ein Loch in den Trockenhandschuhen. Bei mir wäre es fatal – meine Fingerchen werden schön beheizt und das Kabel geht ja auch durch die Manschetten. Trocki mit Unterzieher würden so geflutet – das sichere Aus auch für den nächsten Abstieg. Denn trocken werden die Klamotten in der Zeit nicht.

hundert Meter anzutreffen ist. Was ich bis dato noch nicht wusste: Laminaria-Arten werden wirtschaftlich genutzt, denn sie liefern das Alginat. Auch für den Einsatz im Dentalbereich, für Kosmetika, als Nahrungsmittelergänzung, Heilmittel, Tierfutter oder zu Dünger werden sie verarbeitet.

Am späten Nachmittag geben wir uns nochmals die Kälte und auch dieser Tauchgang wird ein ganz bunter, der schon fast tropisch wirkt. Klar – mit Einschränkungen. Verschiedene Nacktschnecken grasen Felsen ab, im Freiwasser dümpeln einige Quallen umher, weiter unten entdecken wir neben gelben Seenelken rot marmorierte Skorpionsfische, die sich von uns überhaupt nicht beirren und uns ganz Was ebenfalls sofort benahe ran lassen. Super geistert: die Kelp- oder cool sind die Seewölfe Tangwälder, in denen im Kühlen: mit ihrem imsich einiges Getier verposanten Gebiss, das steckt – vom Dorsch bis schon furchteinflößend zu riesigen Krabben. wirken kann, sind sie Schon beim Checktauchgang gibt Die langen Laminaperfekte Models. Ihre es große Seesterne zu sehen ria-Blätter, eine Braunalgroßen Hauer knacken gen-Gattung, sind ein die Lieblingsspeisen wie Eldorado für Fotomotive im Makrobereich. Seeigel, Mollusken, Krabben oder auch HumAlso heißt es später die Kamera für Kleines mer. Kleiner zoologischer Exkurs: die Tiere umbauen und den bis zu einem Meter langen gehören zur Familie der Aaalmuttern, weltweit Seetang, der auf felsigem Untergrund wächst, biologisch korrekt heißen sie Anarhichadigenauer unter die Lupe zu nehmen. dae – übersetzt “Zertrümmerer”. Ihr Name ist also Programm. Auffallend ist auch ihr massiEr ist hier bis in etwa 15 Meter Tiefe zu finver Kopf und ihr langgestreckter Rumpf. Eine den, entscheidend dafür ist die Klarheit des Schwimmblase fehlt den grimmig ausschauWassers. Es gibt Meere, in denen er bis in fast enden Gesellen, die bis über zwei Meter lang


Diese Doppelseite: Auch in der Kälte kann es fast tropisch bunt sein


Genau hinschauen: Kelpstränge beherbergen eine faszinierende Makrowelt

Auch am Wrack der „Borgin“ sind die markanten Seewölfe zu sehen

werden können. Deshalb findet man sie auch immer am Boden. Die Viecher sehen wir noch ein zweites Mal an diesem Tag, ohne ihre Beißerchen: auf den Tellern beim Abendessen als Filet, eine Delikatesse!

vollen Ladung Salzfisch gekentert und steht jetzt senkrecht auf dem Meeresboden. Zwei der Masten erreichen fast die Meeresoberfläche. Im ausgebrannten Maschinenraum kann man zwei Zylinder und ein Schwungrad sehen. Auf der Backbordseite hängt noch der Anker, die Schraube sitzt dekorativ hinter dem großen Ruder. Eine Luke führt in den Mannschaftsraum, wo man Kojen, Kleider und eine Wascheinrichtung sieht. Um das Wrack herum schwimmen etliche Dorsche. Später besuchen wir ein versunkenes portugiesisches Gefängnisschiff, ebenfalls ein Dreimaster, mit knapp 50 Meter Länge. Nach vier Tagen in Sisimiut brechen wir gen Norden auf, Ziel Ilulissat, zu den majestätischen weißen Riesen, den Eispalästen. Die „Sirius“ wird nun unsere schwimmende Her-

Nächster Tag, neues Glück: an der Leuchtturminsel, einem Spot der Extraklasse, erinnern uns die Massen von roten Seegurken an einen Tauchgang auf der anderen Seite der Welt im tropischen Komodo. Nur eben etwa 26 Grad kälter. Wirklich irre. Als nächstes geht‘s zum Wrack der „Borgin“ ab, einem 3-Mast-Schoner, der 1954 unterging und nun auf 26 Meter Tiefe ruht. Es ist ein imposantes Schiff aus Holz, das 1914 gebaut wurde und ungefähr 33 Meter lang ist. Nach einem Feuer im Maschinenraum ist das Schiff mit einer


Aus dem Logbuch von Morten Beier: Die „Borgin“ Wir gleiten das Tau entlang zu einem der Masten, der fast bis zur Oberfläche reicht. Auf dem Weg nach unten kann ich das Rigg sehen und stelle mir vor, wie die Seeleute damals weit über das Deck herum geschwungen sind. Wir schwimmen zur Schraube und an das große Ruder, wo ich ein paar Fotos mache, und dann weiter die Backbordseite entlang. Die Schiffsseite ist intakt, und vorne beim Steven hängt ein großer Anker! Wir bewegen uns nach oben und finden eine große Luke an Deck. Sie misst 1,5 x 1,5 Meter – wir können problemlos hindurch. Einer nach dem anderen gleiten wir nach unten in die Dunkelheit und finden uns im alten

Mannschaftsraum wieder. Weiter hinten sehe ich eine Waschschüssel, einen Kohleofen und einen Haufen Geschirr. Mein Partner guckt in die Kojen, und entdeckt Matratzen, eine Hose sowie einen Gürtel, der über einer der Kojen hängt. Auf dem Weg zurück zur Oberfläche beobachten wir einen Dorschschwarm. Seine Silhouette sieht vor dem blau-grünen Hintergrund fantastisch aus. Die Mitternachtssonne hängt niedrig am Horizont und begrüßt uns warm, als wir die Oberfläche erreichen. So weit ich weiß, bin ich erst der zehnte Mensch auf der Welt gewesen, der bis zu diesem Zeitpunkt zum Wrack getaucht ist – ein einzigartiges Erlebnis!

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Letzter Check vor dem Abtauchen: Veranstalter Morten Beier mit Buddy machen sich auf der „Sirius“ bereit

berge. Alles schon etwas beengt und deshalb ist gute Ordnung angesagt. Innen im Warmen, aber auch draußen in der Kälte. Bo Lings, ein Mann wie ein Bär, die Ruhe selbst und überaus freundlich, zeigt uns auf einer Karte die etwa 300 Kilometer lange Route. Wir fahren nur teils im offenen Polarmeer, meist in parallel liegenden Fjorden zur Küstenlinie. Ruhiger und von Wind und Wellen geschützter. Dem Hünen kann man getrost vertrauen, seinen vielen Navigationsgeräten entlockt er alles Wichtige und beherrscht sie aus dem Effeff. Einen Fjordtauchgang als Strömungstauchgang bietet er uns nach ein paar Stunden Fahrt an, den natürlich niemand ausschlägt. In gnadenloser Strömung rasen wir mit Karacho an vielen Topmotiven vorbei, leider ohne Chance zum richtigen Fotografieren. Aus Sicherheitsgründen muss hier jeder eine

aufgeblasene Boje mit sich führen, sodass unser Captain immer alle im Blick hat. Als wir nach 40 Minuten schlotternd auftauchen hat das Wetter umgeschlagen. So schnell kann`s im Norden passieren. Unsere Weiterfahrt geht nun durch Wind, Kälte, Schnee und Eis – für unseren Skipper bei wenig Sicht und horizontal fliegenden Schneeflocken ein anstrengender mariner Ritt, der höchste Konzentration erfordert. “Keine Sorge”- meint er, als wir bedenklich mit der Nase rümpfen mit Gedanken auf das Highlight der Tour, dem Tauchen an und unter den Eisbergen – „das Wetter ändert sich bei uns schnell”. Recht hat er, denn als wir am nächsten Tag in der Diskobucht ankommen, lacht bereits die Sonne. Zumindest ab und zu. Was sich in der weltweit bekannten Bucht um uns herum abspielt, kann man weder richtig


beschreiben noch fotografisch vermitteln, man muss es einfach erleben. Inmitten hunderter riesiger Eisberge treibt unsere kleine warme Oase wie eine Nussschale. Keiner kommt bei diesem 360-Grad-Panorama aus dem Staunen heraus. Draußen wird es auf einmal wieder windiger bei minus 5 Grad. „Da ein Wal!“, „Und dort vorne kracht es gewaltig“ tönt es immer wieder. Da aber die Disko Bay sehr tief ist, verlieren sich die entstehenden großen Wellen relativ schnell. Direkt vor der Küste könnte es anders aussehen, Tsunamihohe Wellen gab es hier auch schon. Deshalb ist es Bo auch lieber, an einem relativ sicheren und kleineren treibenden

Vorige Doppelseite: Am besten einen Bogen darum tauchen: Riesige Quallen sieht man des öfteren im Freiwasser (li.). Das Wrack der „Borgin“ liegt bei Sisimiut (re.) Nächste Doppelseite: Walfleisch, Häuser in Sisimiut, erlegtes Rentier (Ob. v. li.). Walfischkiefer als Tor (mitte). Ilulissat, Northern Fulmar (Foto: Morten Beier), Möwe, Entfernungsschilder auf dem Flugplatz von Kangerlussuaq (unten)

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7/8 eines Eisbergs liegen unter der Wasseroberfläche, nur 1/8 von ihm ist darüber zu sehen

Eiszeit Etwa 85 Prozent der Fläche Grönlands ist von Eis bedeckt. An manchen Stellen ist es bis zu 3200 Meter dick. Eisberge entstanden langsam aus Schnee, der lange vor unserer Zeitrechnung zu Eis wurde. Die höchsten Eisberge ragen wie ein 15stöckiges Hochhaus aus dem Wasser. Nur 1/8 ragt heraus, 7/8 sind unter Wasser. Manche Eisriesen treiben bis zu 4000 km Richtung Süden, bevor sie in Höhe des 40. Breitengrades (etwa New York) abgeschmolzen sind. Sechs bis sieben Meter steigt der weltweite Meeresspiegel, würde das komplette Inlandeis schmelzen. Die gewaltige Eisdecke wird immer dünner, hierfür verantwortlich ist die globale Erwärmung. Der Klimawandel beeinflusst vor allem auch das Leben der Inuit. Der Ilulissat Eisfjord zählt seit 2004 zum Weltnaturerbe der UNESCO.

So schnell kann‘s gehen: von Sonnenschein zum Schnee in Nullkommanichts


Eisklotz zu tauchen als an einem, der groß ist und auf Grund sitzt. Und er hat ein gutes Auge dafür, was machbar ist. Nach sorgfältigem Inspizieren hat er einen gefunden, dann sein Kommando: „Boys – get ready“. In Zweiergruppen hüpfen wir rein, meine Zähne verbeißen sich wegen der Kälte sofort tief im Mundstück. Salopp formuliert: „saukalt“, alles andere wäre untertrieben. Morten Beier, Veranstalter und dieses Mal mein Buddy, formt seine Finger zum OK-Zeichen. Also ab, immer an der Wand lang. Licht, Reflexionen und Formationen im Eis sind ein Traum, einfach gigantisch. „Lang­­­ sam atmen“ trichtere ich mir immer wieder ein, nur keinen Vereiser bekommen. Nützt alles nichts, nach 20 Minuten habe ich das halbe Gerät schon ausgesaugt und meine Finger fangen zu kribbeln an, mein Akku ist leider auch leer. Aber egal, wir schweben im Wunderland, was ‘ne Wucht. Blick auf den Computer: 1° C, 18 Meter Tiefe, nun 80 bar, Tauchzeit 23 Minuten, Luftverbrauch wie ein Anfänger! Schande über mich, aber selbst das Fotografieren strengt hier unten echt an. Vorsichtshalber stelle ich die Verschlusszeiten mal kürzer ein, denn einhändig verzittere ich mittlerweile jedes Bild. Im Eismeer ist es nicht so still wie sonst unter den Wellen. Immer wieder knirscht und kracht es, die Eisberge bewegen sich, irgendwo lösen sich tonnenschwere Eisbrocken und stürzen tosend in die Fluten. Beim Gedanken, dass es unter uns zwischen 300 und 850 Meter tief ist, klammern sich meine Frostfinger nun ganz fest um die Kamera, obwohl sie ja gesichert wurde. Auch die kleine Digi, die sonst lässig überm Jacket schwebt, ist nochmal extra fixiert. Vorsichtshalber. Nach 28 Minuten mein eindeutiges Zeichen und breit grinsend: „Hoch“, unter Geschnaufe wie bei einer alten Dampflok. Schade, dass mich gerade niemand hören kann und Morten schaut mich auch fragend an, ob bei mir noch alles in Ordnung ist. Denn ich trällere zwischen Ein- und Ausatmen den Song „What a feeling“ laut in den

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Obwohl Kapitän Bo Lings lange nach einem sicheren Eisberg gesucht hat, sind solche Situationen immer wieder mal drin. Deshalb wäre es auch tödlicher Leichtsinn, an einem der Riesen abzutauchen, die etliche Stockwerke hoch sind und bereits Risse haben. An der Oberfläche verrät ein Blick zurück zu unserem weißen Kunstwerk, dass tatsächlich nur die Spitze aus dem Wasser herausschaut, sieben Achtel sind unter der Oberfläche. Durchgefroren kriechen wir mit unseren 16 Kg Blei etwas unbeholfen aber absolut happy an Bord. Ausziehen, Sachen richten, Mittagessen, Fotografieren und anschließend etwas relaxen, bevor wir uns nochmals den Kick in der Kälte gönnen. Zuvor aber die Kontrolle, ob unsere bisherigen Bilder etwas geworden sind und Infos vom Tauchcheffe.

Seegurke beim Fressen

Atemregler. Er lacht und singt mit. Jetzt, in den oberen Zonen, wo das Licht türkisfarbene Stimmungen zaubert und sich Salz- mit dem Schmelzwasser des Eisklotzes vermischt, erinnern die Wasserfarben etwas an die Karibik. Die Formationen sehen teilweise ganz verrückt aus: mit etwas Phanstasie erkennt man einen Hundekopf, eine Hand, daneben einen abgeschliffenen Eiszapfen oder einen Kristallklotz. Natürlich muss mein Buddy nochmals herhalten als Modell. Doch plötzlich kracht es höllisch und jagt uns einen gehörigen Schrecken ein! Nur ein kleines Stück Eisberg bricht neben uns runter, zum Glück sind wir weiter weg. Aber das Geräusch fährt schon gewaltig in die Knochen und wir schwimmen vorsichtshalber Richtung Tauchschiff.

„Nicht weit entfernt kalbt der Gletscher am Ende des 56 Kilometer langen Eisfjords. Jeden Tag so viel, dass ganz New York das jährliche Trinkwasser daraus machen könnte! Die Eisberge, die zwischen 100 bis 200 000 Jahre alt sind, gehen von hier auf ihre Reise“, erzählt uns Bo Lings. Dann folgt lautstark “Hykke Dykke“ von unseren Dänen an Bord: „los geht’s zum Tauchen“. Wir springen das letzte Mal von der Plattform in das klare Nordmeer, um die zu Eis gewordenen Schneeflocken zu bestaunen, die lange vor unserer Zeitrechnung entstanden sind. 30 Minuten sind wir im weißen Unterwasserparadies. Bibbernd, aber wieder euphorisch krabbeln wir an Bord. „Nicht so schlecht“ meint ein Engländer augenzwinkernd. „Tropentauchgänge hab ich schon viele vergessen, das bleibt in ewiger Erinnerung “ – und bringt es damit auf den Punkt. Dann geht’s zurück in den Hafen von Ilulissat, auch als Jakobshavn bekannt, und ins Hotel.


Huskys gehรถren zu Grรถnland wie Schnee und Eisberge


Die Kleinstadt mit ihren knapp 5000 Einwohner ist heute ist heute ein Besuchermagnet und UNESCO-Weltkulturerbe. Hier war ich schon mal vor 30 Jahren und sehe nun mit eigenen Augen, dass die Arktis in großer Gefahr ist: die Gletscher liegen viel weiter als damals im Landesinneren. Nirgendwo sind die Folgen der globalen Erwärmung besser zu sehen als hier im hohen Norden, wo die Temperaturen im weltweiten Durchschnitt doppelt so schnell steigen und das jahrtausendealte Eis im Eiltempo schmilzt. Auch viele Politiker kommen von Zeit zu Zeit hierher, um sich vor Ort selbst ein Bild davon zu machen.

Nicht leicht: Mit 16 Kilo Blei ins Wasser und zurück an Bord

In der bunten Stadt der Krabbenjäger, Heilbuttfänger und schwimmenden Eispa­ läste bleiben wir noch zwei Tage – ein absolutes Muss. Überall hört man den Gesang der Huskys, deren Anzahl doppelt so hoch ist wie die der Einwohnerzahl, von früh bis spät. Am letzten Abend vor dem Heim­­flug und nach dem Packen bleibt erst jetzt etwas Zeit für die obligatorischen Postkarten, auf die ich nur zwei Worte kritzle: “Inussiarnersumik inuulluaqqusilluta” – auf Grön­­­ländisch: “mit den besten Grüßen”.


Info Anreise Von mehreren deutschen Flughäfen zuerst nach Kopenhagen, dann am nächsten Tag mit Air Greenland (Airbus 330 oder Boing 757) nach Kangerlussuaq, weiter nach Sisimiut bzw. nach Illulissat. (DASH-7, Twinotter) www.Air-Greenland.com. EU-Bürgern reicht gültiger Reisepass. Zeitunterschied: -4 Stunden (zu MEZ / Berlin). Geld Währung ist die Dänische Krone. Tipp: Schon in Deutschland umtauschen. Vor Ort wird in Banken, Postämtern und einigen Hotels Geld zu gewechselt. Geldautomaten akzeptieren EC-Karte und Kreditkarten. In Hotels und größeren Restaurants bezahlen per Kreditkarte möglich. Kleidung Unabhängig von der Jahreszeit gilt das Zwiebelprinzip: außen eine wind- und wasserdichte Schicht, darunter z.B. Fleece und oder Wolle. Mütze, Schal, Handschuhe und feste Wanderschuhe (wichtig!) gehören auch ins Gepäck. Temperaturen im Winter zwischen -5° C und -30° C, im Sommer zwischen +5° C und +15° C. Die Luft in Grönland ist sehr trocken und fühlt sich nicht so kalt an wie bei uns.

Island. Tauchversicherung obligatorisch. Nach Vorheriger Reservierung können Trockentauchanzug Flossen und Jacket geliehen werden. Bleimenge von 15 Kg ist fast normal. Sichtweiten im späten Frühjahr und Sommer ca. 10-15 m bei etwa 1°-7° C. Jedes Grad kälter bringt ca. 5 m mehr Sichtweite. Im Winter etwa 50 m. Das Meer gefriert erst bei minus 1,7° C. Nur mit viel Glück sieht man Seehunde und Wale unter Wasser. Tauchen mit Tropic Ice Dive Morten Beier Tel. +45/26/800131 www.tropicicedive.com hello@tropicicedive.com Tauchschiff „Sirius“

Telefon Handyempfang in jedem Ort. Einkaufsmöglichkeiten In grönländischen Supermärkten gibt’s fast alles. Aber alles, außer Fisch und einigen Fleischprodukten, ist teurer als bei uns. Wesentlich mehr kosten Alkohol, Tabak, frisches Obst und Gemüse sowie Milchprodukte. Keine Narwalprodukte als Souvenirs kaufen, speziell immer auf die CITES- Erlaubnis achten. (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora). Elektrizität 220V, 50Hz Wechselspannung. EU-Stecker Ärztliche Versorgung In den größeren Orten sehr gut. Tauchen Nur mit Trockentauchanzug möglich und nur für erfahrene Taucher zu empfehlen. Nächste Dekokammer: 3 Stunden Flugzeit entfernt in

Eigner u. Käpt‘n: Bo Lings. Wenige Male pro Jahr ve­r­anstaltet er mit Morten Beier geführte Tauchtrips durch arktische Gewässer Weitere Aktivitäten Hundeschlittenfahren, Angeln, Jagen, Gletscher-Klettern, Segeln, Sightseeing-Touren, Wandern, Snow-Mobil, Helikopterflüge (teuer) Info und Buchung Z. B. bei Beluga Reisen Tel. 0551/63451340 www.belugareisen.de info@belugareisen.de Nützliche Infos www.greenland.com


Malta Gozo, Mittelmeer

ALLES – AUSSER LANGEWEILE


Die Nachbarinsel Maltas gehört zu den beliebte­ sten Allround-Tauchzielen im Mittelmeer. Schon lange ist Gozo für seine Höhlen, Wracks und Riffe bekannt. Wer dazu etwas noch spezielleres sucht findet es beim Tech-Tauchen - denn das lässt sich hier in der perfekten Szenerie lernen. Von Frank Schneider


Wie immer geht es bei taucherischem Neuland zunächst an relativ einfache Plätze, um sich mit der Materie vertraut zu machen – auch beim Höhlenkurs und beim Tech-Tauchen


K

ennen Sie das? „Kleiner Bruder“, „kleine Schwester“ - das klingt oft entweder verniedlichend-mitleidig oder verleiht gleich ganz unverblümt den Anstrich „Ach ist die putzig!“. Wir können Sie aber beruhigen: Sollte Ihnen Gozo als „Maltas kleine Schwester“ vorgestellt werden, vergessen Sie es einfach gleich wieder.

Gozos Markenzeichen: Das Azur Window

Klar liegen die beiden Inseln nebeneinander, und das sogar fast nur einen Delphinsprung entfernt. Und diese Nachbarschaft bedeutet im Mittelmeer auch, dass normalerweise dieselben klimatischen Verhältnisse herrschen und es nahezu die gleiche Vegetation gibt. Aber damit hat sichs auch schon fast in diesem Fall. Denn so viel steht fest: Malta und Gozo haben ganz eigene Charaktere, wobei das kleinere Gozo es geschafft hat, sich seine Ursprünglichkeit in deutlich größerem Maße zu erhalten wie die dem Staate Malta namensgebende, nicht mal fünf Kilometer entfernte Hauptinsel im Süden. Was andererseits absolut nichts Negatives bedeuten muss.

Aber während Malta bereits das endgültige Ziel für die meisten Urlauber des Drei-Insel-Archipels ist, blieb Gozo trotz der nur knapp halbstündigen Fährverbindung – Ab- und Anlegemanöver dabei schon mit eingerechnet – bis dato beschaulich. Die großen Hotels finden sich in einer der guten Nachfrage angemessenen Zahl auf Malta, Gozo hat, absichtlich oder nicht, diese Entwicklung an sich vorüberziehen lassen. Was bei sachlicher Betrachtung auch nicht verwundert: Nicht, dass Malta für sich alleine proklamieren könnte malerische Strände zu haben. Die berühmte Altstadt von Maltas Kapitale La Valletta, ebenso wunderschön wie historisch bedeutend, lockt mit all seinen Möglichkeiten von früh bis in die mögliche Party-Nacht nicht nur Strandurlauber und Taucher.

Die Insel hat wenige, aber schöne Strände (Foto rechts)

Natürlich gibt es letztere auf Malta auch, daran besteht kein Zweifel. Aber irgendwie hat sich Gozo heimlich still und leise den Status einer der Taucherinseln im gesamten Mittelmeer geschaffen.


Foto: Thomas Zurawski

Apropos Fähre: Das hier dürfte die wohl berühmteste im Staate Malta sein. Die „Xlendi“ wurde vor Gozos Südküste extra für Taucher versenkt

Nicht umsonst gibt es auf Malta das geflügelte Wort, man könne auf Gozo nur arbeiten, in die Kirche gehen und schlafen. Taucher wissen längst, dass das nicht stimmt und das verschlafene Gozo seiner Nachbarin zumindest in Sachen Unterwasserabenteuer waschechte Konkurrenz macht – wenn sie Malta in der Beziehung nicht gar schon überholt hat. Zwei, die dabei in Bezug auf den deutschen Markt kräftig mitgeholfen haben sind die Schwäbin Heike Merz und ihr Männe Thomas Zurawski, als gebürtiger Essener ein echter Ruhrgebiets-Westfale. Wenn Thomas sagt „an Malta kommt trotzdem keiner vorbei“, dann meint er das mit einem zwinkernden Auge auch deswegen, weil dort alle internationalen Flieger landen – und die Fähre nach Gozo ablegt. Bis die dort im Hafen von Mgarr wieder anlegt ist sie schon an einigen Tauchplätzen, die von Gozo aus angelaufen werden, in mehr oder minder großem Abstand vorbeigezogen. Die „MV Xlendi“, eine ehemalige Fähre, zählt dabei zu den mittlerweile bekanntesten Tauchstellen. Sie ist eines der ersten Wracks, die gezielt vor Gozo für Taucher versenkt wurden. „Schnelle Berühmtheit erlangte die ‚Xlendi‘ schon sofort nach ihrer Versenkung am 12. November 1999“, erzählt


Basisleiter Thomas mit einem Schmunzeln. Mit Heike führt er die Tauchschule Nautic Team Gozo im Örtchen Marsalforn an der Nordküste der Insel. Thomas war dabei, als die Fähre gut geplant untergehen sollte. „Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt“, erklärt Thomas den Vorgang des Untergangs: „Selbstverständlich sollte das ausgediente Schiff aufrecht versenkt werden. Nur kam das sinkende Wrack – sagen wir ‚durch un-

glückliche Umstände‘ an einen Felsen und rutschte daraufhin unter Wasser ab. Der Kahn ist dabei so unglücklich in Schieflage geraten und gekippt, dass er nicht wie gewünscht auf dem Kiel am Grund zu liegen kam, sondern im Gegenteil seitdem kieloben in rund 45 Meter Tiefe da liegt.“ Das attraktivste an der circa 80 Meter langen Autofähre „Xlendi“ ist nun ihr ehemaliger Laderaum. Die seitlichen Fenster und Türen sind offen und frei,

so dass man hier gefahrlos hinein und wieder heraus tauchen kann. Die Auf- und Abgänge, Säle und Innenräume des Wracks sind jedoch tabu ­– eine Orientierung in dem dunklen Rumpf ist beinahe unmöglich. Das Risiko sich dort bei Sichtweiten, die durch Unachtsamkeit in Sekunden auf Null reduziert werden, zu verirren ist extrem hoch – so kam es dort auch schon genau aus diesen Gründen zu Zwischenfällen

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das Nautic Team in genau dieser Angelegenheit bewiesen.

mit fatalem Ausgang. Hier ist also jeder Taucher gefordert, mit seinem Verantwortungsbewusstsein der Sicherheit für sich selbst und für andere Sorge zu tragen, denn gerade unerfahrene Taucher schätzen so eine surreale Umgebung schnell falsch ein. „Wer ganz sicher sein will, hört einfach auf die Empfehlungen der Tauchbasen“, appelliert auch Heike Merz.

Foto: Heike Merz

Aber nun es ist ja auch nicht so, als ob vor Gozo nur ein Kahn mit voller Absicht auf den Meeresboden geschickt worden ist. Und während die Insel unter Tauchern schon früh für fantastische Höhlenerlebnisse bekannt war, ist sie mittlerweile auch ein El Dorado für Mittelmeer-Wrack-Fans. „Die meisten Pötte liegen ja nicht so tief“, erzählt Heike, „da haben dann sogar Taucher mit relativ wenig Wrack-Erfahrung ihren Spaß.“ Allerdings gilt auch: wer einmal am Alteisen Blut geleckt hat, fühlt sich nicht selten fortan wie ein Wrack-Vampir: es zieht einen immer wie­der in abgesoffene Kähne und oft genug geht ab dann kein Tauchurlaub mehr ohne Heavy Metal unter Wasser über die nasse Bühne. Dass man eine Tugend auch ohne Not entwickeln kann, hat

Sind wir mal ehrlich. Mit den Wracks ist es doch wirklich so: entweder man steht drauf oder eben nicht. Und wenn ja, reicht bald das einfache „au geil, noch‘n Wrack“ vielleicht nicht mehr aus. Genau hier kommen die Tech-Taucher ins Spiel. „Die haben natürlich ganz andere Möglichkeiten der Wrack-Leidenschaft zu frönen“, sagt Thomas. Aber so martialisch und cool die sich auch alle geben, mit ihren schwarzen Anzügen, schwarzen Masken, schwarzen Flossen und wer weiß was noch alles schwarzes unter dem schwarzen Unterzieher steckt: „Eins ist so sicher wie das Amen in den ungezählten Kirchen von Gozo“, sagt Thomas lachend: „die haben alle nicht als Tech-Taucher angefangen.“ Gozos Wracks sind die optimale Umgebung (auch) für erste Tech-Tauchgänge

Weil das aber auch hierbei so ‘ne Sache ist mit dem „alles auf Schwarz“ ohne zu wissen, ob es hinterher nicht ganz anders ist – sprich: ob das Tech-Tauchen dann auch genau das ist, was man sich vorgestellt hat – kann man das beim Nautic Team Gozo von der (schwarzen) Pike auf bis zum fertigen Brevet lernen – und zwar ohne Kosten-Havarie erst mal mit dem perfekten Leihequipment.


Die Inselgruppe Malta, Gozo und Comino bildet ein ganz besonderes Tauchrevier im Herzen des Mittelmeers – nur 3 Flugstunden von Deutschland entfernt. Hier finden sowohl Anfänger als auch erfahrene Taucher optimale Bedingungen vor.

Gozo –

Dorado für Technisches Tauchen

E

iner der bekanntesten Landtauchgänge for Techdiver ist der „Inland Sea“ neben dem Azure Window.

Direkt an einem Parkplatz gelegen liegt der von Meerwasser gespeiste See. Von hier aus führt ein spaltartiger Tunnel ins offene Meer hinaus. Der Ausgang liegt auf 18 m Tiefe. Die daran anschließende Steilwand geht bis auf 60 m und gehört mit ihren imposanten Steinblöcken und dem Fischreichtum zu den besten Tauchplätzen Gozos. info@urlaubmalta.com . www.visitmalta.com


Nach den Richtlinien der in Thomas’ Heimatstadt Essen ansässigen Ausbildungsorganisation i.a.c. sind in Marsalforn verschiedene Tech-Kurse möglich. Die Rede ist hier vom Mischgastauchen mit allen fortgeschrittenen Finessen samt Trimix – also genau das, womit sich die Tekkies später in die großen Tiefen (und Pötte) fallen lassen. Vielleicht kennen Sie das auch noch aus Ihren taucherischen Anfangszeiten, als Sie sich gefragt haben „hier zuhause damit anfangen oder lieber gleich im Meer?“ Wie beim normalen Tauchkurs gibt es auch für potentielle Tech-Taucher die Möglichkeit, das Ganze nicht nur im Süßwasser daheim sondern di-

Schon 2006 hat sich das Nautic Team Gozo die Ausbildung von Tech-Tauchern auf die Fahnen geschrieben. Die meisten der Gäste kommen allerdings als Sporttaucher auf die Insel


Die bunt verkrustete Schraube der „Karwela“ liegt auf 42 Meter Tiefe

rekt im salzigen Element zu absolvieren. Maltas Nachbarinsel Gozo eignet sich dafür als Nahreiseziel im europäischen Binnenmeer südlich von Sizilien mit einer perfekten Logistik und Tauchplätzen, die ideal für den Einstieg in die Materie sind. Einer dieser Spots ist das Wrack „MV Karwela“, das wie auch die „Xlendi“ in der Bucht Xatt l-Ahmar liegt. Mit einer Länge von etwas mehr als 50 Meter und der Maximaltiefe am Grund von 42 Meter und ihren oberen Aufbauten bei ungefähr 30 Meter ist das Schiff nicht nur bei Sporttauchern beliebt, son-

dern auch für Tech-Einsteiger ein ideales Übungswrack. Bei der Versenkung der „Karwela“ – sie wurde 1957 von der Meyer Werft in Papenburg gebaut und als Fähre lange zwischen Norderney und Norddeich eingesetzt, bevor sie ab 1986 als „Nordpaloma“ vor Malta für Tagestouren genutzt wurde – ging alles glatt. So steht sie rund 100 Meter vor der Küste schick und aufrecht auf dem Meeresboden. Der Weg dahin erfolgt von Land – und in diesem Fall gleicht das Tech-Tauchen doch wieder dem Sporttauchen: Alle tragen

ihre Ausrüstung gleichermaßen vom Parklatz über das kleine Felsplateau zur Einstiegsstelle (an der übrigens eine Leiter für den späteren bequemen Ausstieg angebracht ist). Nach ein paar Minuten ist das Ziel erreicht. Natürlich ist die „MV Karwela“ keine Titanic. Bei der Grundtiefe von knapp über 40 Meter reichen die Mastspitzen des Schiffs aber bis in rund 25 Meter Tiefe nach oben und bieten damit trotzdem ein geheimnisvolles und beeindruckendes Bild bei der Annäherung in der dafür üblichen Tauchtiefe von etwa zehn Meter. Ihr Haupt-


deck liegt deutlich höher als 35 Meter und ist der Ausgangspunkt für die Entdeckung des Schiffs. Wenn der tiefste Punkt des Tauchgangs allen Regeln konform zuerst in Angriff genommen werden soll, schwingt sich der geneigte (künftige) Tech-Taucher – ebenso wie seine erfahrenen sporttauchenden Pendants, für die das Wracks keinesfalls im Tauchurlaub auf Gozo ausgelassen werden sollte – einfach über

MIT DEM

die Reling und macht sich auf zur Schiffsschraube. Der große Propeller ist bunt wie ein abstraktes Gemälde, denn seit der Versenkung haben sich bunte Verkrustungen darauf festgesetzt. Wie gesagt – der Kahn ist kein echter Gigant, und daher ist dann auch irgendwann gut mit der Tour rund herum auf dem Meeresgrund und es geht wieder aufs Deck nach oben. Alle Luken der „Karwela“ sind aus Sicherheitsgründen ausgebaut

worden, denn wie erwähnt soll der Pott auch ein ebenso ungefährliches wie beliebtes Ziel für Nicht-Tekkies sein. „Eins muss man ja auch sagen“, stellt Basisleiter Thomas fest: „mehrheitlich besuchen unsere ganz normal sporttauchenden Gäste die Wracks von Gozo. Allerdings wird unser Angebot des Tech-Tauchens immer öfter angenommen.“ Wer dabei mit Doppelgerät und Stage-Flaschen nicht durch die

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Nächste Doppelseite: Der Maschinenraum ist das Schatzkästchen des Wracks Luken und Glasscheiben wurden an der „Karwela“ entfernt

Tech-Tauchen lernen Seit 2006 bietet der i.a.c. (International Aquanautic Club) verschiedene Kurse für das Tech-Tauchen an. Längst wird dieser Zweig des Tauchens nicht mehr nur als Randbereich wahrgenommen. Selbst die Ausbildungsorganisationen, deren Hauptaugenmerk auf dem klassischen Sporttauchen liegt, sind dem Trend erfreulicherweise gefolgt. So bietet auch der durch RSTC und EUF weltweit anerkannte i.a.c. mit seinen

Partnerbasen wie dem Nautic Team Gozo die Möglichkeiten Tech-Kurse zu absolvieren. Schon 2010 hat die Tauchsportorganisation ein Programm entwickelt, das mit dem Basis-Kurs „Tec-Fundamental“ beginnt und weiter führende Ausbildungen wie z. B. „Tec-Advanced“, „Trimix 60“ und „Trimix 100“ einschließt. Weitere Infos: i.a.c. www.diveiac.de info@diveiac.de


offenen Türen auf dem Achterdeck ins Innere kommt, nimmt einfach den Weg durch eine der großen Fensteröffnungen, aus denen das Glas natürlich auch ausgebaut wurde. Für Unterwasserfotografen ist der Schuss von außen nach innen übrigens dank Altmetall, Taucher und blauem Umgebungslicht ein Top-Motiv für jede Art von wasserdichter Kamera. Vor allem: Wracks sind

immer mehr als einen Abstieg wert und wir alle kennen das – man entdeckt bei jedem weiteren Tauchgang große und kleine Dinge, die vorher einfach übersehen wurden. Die Guides vom Nautic Team kennen ihre Plätze natürlich in- und auswendig, und dazu zählt auch die Abkürzung ins Innere der „Karwela“. Die nimmt ihren Anfang auf dem Vordeck: Ein großer Schacht im Boden führt direkt

nach unten. Und die Exkursion dorthin lohnt sich. Das wirkliche Schmuckstück des Schiffs liegt nämlich in seinem Inneren. Wer Tech-Tauchen will, der ist sich – da sind wir uns sicher – selbst ganz sicher, dass ihm unter Wasser in geschlossenen Räumen keine unangenehmen Gefühlswallungen klaustrophobischer Art drohen. So wird der Weg durch das Treppenhaus in den Maschi-

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nenraum schon zur Vorfreude auf das was da kommt. Im Gegensatz zu so manch anderem Wrack ist der Maschinensaal der „Karwela“ noch immer mit den Resten der Antriebstechnik vollgestopft. Da geraten garantiert auch nicht-motorsport-affine Taucher in Verzückung! Der Blick vom Zugang in den stockdüsteren Raum offenbart im Schein der Tauchlampe, dass nach wie vor fast überall Rohre und Leitungen verlaufen. Seitlich des Ganges stehen die beiden Dieselmotoren, die das Schiff einst mit zehn Knoten vorangetrieben haben. Thomas kennt jede Schraube da unten: „Ob die Stages an einer oder auf beiden Seiten eingeklinkt sind ist hier egal, man kommt problemlos rein und wieder raus und auch zwischen drin gibt es kaum Engpässe. Zwar gehört das Ablegen der Flaschen zur Ausbildung und zum normalen Training, sowas muss man hier aber nicht machen.“ Während Sporttaucher an der „Karwela“ trotz ihrer relativ gemäßigten Tiefe doch vergleichsweise zeitig den Rückweg antreten müssen, bleibt die ausgiebige Erkundung des Maschinenraums als tiefstem Teils des Wrackinneren persé Tauchern mit einem großen Luftvorrat vorbehalten. Und da sind die Tech-Taucher mit ihren großen Tanks und Dekogasen nun mal ganz klar im Vorteil.

Aller guten Dinge sind drei, und da passt die 34 Meter lange „MV Cominoland“ als Ergänzung zu „Xlendi“ und „Karwela“ perfekt ins Ensemble. Der ExMinenleger wurde im Jahr 1941 im 2. Weltkrieg gebaut und lief unter dem Namen „HMS M-6“ für die British Royal Navy in England vom Stapel. Nach einem Umbau für die zivile Schiffahrt ab 1966 wurde sie 1968 in den Fährdienst zwischen Maltas La Valetta und der Insel Comino gestellt. Ab dieser Zeit hieß der Kahn übrigens „Minor Eagle“ und bot 400 Passagieren und zehn Autos Platz. Nach acht Jahren bekam das Schiff erstmals den Namen „Cominoland“. Eine Zeit lang hieß sie auch „Jylland II“, um schließlich ihre letzten Jahre auf dem Wasser doch wieder als „MV Cominoland“ zu verbringen. Am selben Tag wie die „Karwela“ versenkt ruht sie in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem 42 Meter tiefen Grund, ist aber etwas weiter vom Ufer entfernt. Weil man aus den Problemen bei der Versenkung der Fähre „Xlendi“ gelernt hatte, wurden bei den 2006er Wracks Auftriebskörper auf ihren Oberdecks montiert. So ist das Kippen verhindert worden. Wird über das Deck der „Cominoland“ bei 35 Meter außen weiter hinab getaucht ist zu erkennen, dass im Gegensatz zu ihren Nachbarn keine Farbe am Rumpf zu sehen ist. Kein Wunder, die wurde nämlich aus

Die „Karwela“ ist das beliebteste Wrack vor Gozo


Fotos: P. Munzinger (3), F. Schneider (1)


welchen Gründen auch immer vor dem Sinken entfernt. Wenn man ehrlich ist sind die beiden 2006 versenkten Schiffe wesentlich interessanter als die „Xlendi“. Und wer – ob Tech-Taucher in der Ausbildung oder ambitionierter Wrackfan unter den Sporttauchern – immer noch nicht genug hat (eingefleischte Gozo-Fans ahnen was jetzt kommt) findet mit der „Rozi“ unweit des Fähranlegers auf der maltesischen Seite, aber natürlich abseits der Fahrroute, „noch’n Wrack“. Der ehemalige Schlepper mit dem bulligen Stahlrumpf steht ebenfalls aufrecht in etwa 35

Altmetall wohin das Auge blickt: Im Uhrzeigersinn von links oben: „MV Cominoland“, die Schraube der kieloben liegenden „Xlendi“, das Wrack der „Pasewalk“ liegt im flachen Wasser vor der Insel Comino, die „Rosi“ steht vor Malta nahe dem Fähranleger nach Gozo

Meter Tiefe und der Besuch der Brücke samt hindurch tauchen ist einfach Pflicht. Die „Rozi“ wird übrigens auch mit „s“ in der Mitte oder mit „y“ am Ende in den diversen Tauchplatzbeschreibungen geführt. Noch genügend Luft über am Ende des Tauchgangs? In der Nähe gibt es in Austauchtiefe eine Madonnenstatue. Bei all dem Schrott im Wasser darf man natürlich nicht vergessen, dass das Tauchen rund um Gozo weitaus mehr Facetten hat – und natürlich auch, oder besser noch: besonders auch für ganz normale Sporttaucher. Einer der bekanntesten Plätze liegt unter dem berühmten Azur Window. Das Blue Hole von Gozo ist legendär und bietet einen Vorgeschmack auf die vielen weiteren Höhlentauchgänge, die an der Küste der Insel möglich sind. Am Blue Hole können ausgebildete Tech-­Taucher natürlich ebenfalls – wenngleich auch vermutlich eher in Maßen – glücklich werden. Aber so richtig geht ihnen das Herz erst auf, wenn der Tiefenmesser über die 50 Meter Marke hinaus wandert. Dafür muss zwar auch über die Küstengestade von Gozo hinaus geblickt werden, aber das steht für die „Schwarze Taucherzunft“ bei entsprechenden Möglichkeiten ja eher hinten an. Und davon gibt es einige: los gehts mit einem Schlepper auf


Beste Tauchplätze des Nautic Team Gozo

Wrack „MV Karwela“ Landtauchgang; das 50,3 Meter lange Schiff steht 100 Meter vom Ufer in der Bucht Xatt l-Ahmar bei Mgarr aufrecht auf dem Grund. Es wird vom Einstieg aus in rund 10 m Tiefe angetaucht. Die Masten ragen bis auf ca. 25 m Tiefe hinauf, das Oberdeck ist ca. 35 Meter tief. Fast vollständig erhaltener Maschinenraum. Tiefe 35 bis 42 Meter; Sicht 20 bis 40 m; Gelegentlich schwache bis mäßige Srömung; Schwierigkeitsgrad: mittel. Wrack „MV Cominoland“ Das 34 Meter lange Wrack liegt ebenfalls in der Bucht Xatt l-Ahmar und ist am selben Tag (12. August 2006) wie die „Karwela“ in deren Nähe und unweit der „Xlendi“ versenkt worden. Die „MV Cominoland“ liegt westlich der „Karwela“ etwas weiter weg vom Einstieg.

Im Angebot des Nautic Teams Gozo finden sich Rifftauchgänge (Foto rechte Seite: Blue Hole) ebenso wie Wracks und Höhlen für alle Erfahrungsstufen vom Anfänger bis zum Trimix-Experten

Tiefe 45 bis ca. 35 Meter; Sicht 20 bis 40 m; Gelegentlich schwache bis mäßige Strömung; Schwierigkeitsgrad: mittel. Blue Hole Landtauchgang; Einstieg nach Fußweg vom Parkplatz über unebenes Kalkgestein. Durch das Loch kann bis auf ca. 25 m Tiefe abgetaucht werden. Unter Wasser öffnet sich der Fels mit einem Durchbruch zum Meer (siehe Foto S. 53). Am Grund gibt es eine Höhle mit Kamin. Tiefe 0 bis ca. 26 Meter, außen am Durchbruch abfallend; Sicht 20 bis 40 m; Selten Strömung; Schwierigkeitsgrad: auch für Taucher mit weniger Erfahrung. Billnghursts Cave Bootstauchgang; vielleicht die schönste der vielen fantastischen Höhlen von Gozo.

Billinghursts Cave hat zwei größeren Kammern; Nach etwas mehr als 50 m führt ein Tunnel rund 50 m weit in eine zweite Kammer, in der aufgetaucht werden kann. Maximaltiefe ca. 35 m Sicht 20 bis 30 Meter In der Höhle keine Strömung Aufgrund der Länge nur für Taucher mit Höhlenerfahrung zu empfehlen Wracks für Tech-Tauchgänge Das Nautic Team bietet ausgebildeten Tech-Tauchern Abstiege zu Schiffen, die von Sporttauchern nicht betaucht werden können, z.B.: Schnellboot „S-31“, Tiefe 70 m, „HMS St. Angelo“ britischer Schlepper, Tiefe 54 m, „HMS Southwold“, Hunt Class Zerstörer, Tiefe 70 m, „Le Polynesian (152 Meter lang), Tiefe 60 Meter. „SS Luciston“ Etwas besonderes ist der Abstieg zur 98,4 m langen „SS Luciston“, einem Kohlenfrachter (engl.: collier), der am 11. August 1910 in Glasgow vom Stapel lief. Das Schiff wurde von Cardiff in Wales kommend am 29. November 1916 – also vor rund 100 Jahren im 1. Weltkrieg – von Cardiff (England) kommend von einem deutschen U-Boot per Torpedo vor Malta versenkt. Tiefe 104 m.


Tauchplatz fĂźr alle: das Blue Hole


Linke Seite oben: Gozo (vorne), Comino (mitte) und Malta (hinten) liegen nah beieinander. In Marsalforn an der Nordküste (Mitte li.) ist das Nautic Team Gozo zuhause. Die Ramla Bay habe den schönsten Strand, heißt es (Mitte re.). Pflichtprogramm: Ausflug in Gozos kleine Hauptstadt Victoria mit ihrer alten Zitadelle (unten)

54 Meter, der Tech-Höhepunkt ist aber sicher die fast 100 Jahre alte und 104 Meter tiefe „SS Luciston“. Bei all dem verlockenden Spaß unter der Meeresoberfläche darf aber der Blick für die spröde Schönheit der Insel nicht verloren gehen. Gozo, wie auch Malta, versprüht zunächst einen scheinbar eher trockenen Charme, zumindest in der meisten Zeit des Jahres.

Eine richtig blühende Landschaft zeigt sich dem Besucher besonders in den Monaten Januar bis April. Dann protzt die Natur so viel Grün, als wäre es von Irland importiert. „Fast unvorstellbar“, sagt Heike Merz­ und verspricht auch gleich einen Beweis.

Dominant zeigt sich der honiggelbe Ton des Sandsteins fast überall. Felsen, Wege, ja selbst Häuser präsentieren sich beinahe einfarbig, dennoch ist Gozo viel grüner als Malta.

Eine Quelle in einem versteckten Tal sorgt hier seit ewigen Zeiten für eine immer blühende Oase. Kein Wunder, dass sich einer der maltesischen Ritter hier im Jahre 1698 ein schmuckes Jagdschloss errichten ließ. Das ist - wer hätte es gedacht heute in Privatbesitz. Soviel zum maltesischen Vorurteil auf Gozo „nur arbeiten, beten, schlafen“...

Ggantija Tempel Die beiden nebeneinander errichteten Steinbauten von welthistorischer Bedeutung sind als UNESCO Weltkulturerbe eingestuft. Sie liegen nahe der Ortschaft Xagħra fast in der Inselmitte und gehören zu den ältesten teilerhaltenen freistehenden Gebäuden der Welt.

ten Sturm auf der Insel Ogygia gestrandet sein, von der viele glauben, es handele sich um das heutige Gozo. Oberhalb der Ramla Bay liegt eine Höhle, die der Legende nach der Ort sein soll, an dem der Seefahrerheld von Calypso, der Königin der Nymphen, sieben Jahre verführt und gefangen gehalten wurde.

hier schon 1500 v. Chr. In römischer Zeit war Gozo unabhängig von Malta; in der Zitadelle war damals das Verwaltungszentrum. Der Juno-Tempel stand dort, wo heute die Kathedrale ist. In Victorias Altstadt gibt es früh morgens einen Markt und rund herum finden sich zahlreiche Lädchen und Cafés.

Calypso Cave Der Legende nach soll Odysseus, als er auf seiner Reise durch das Mittelmeer alleine auf seinem Schiff war, in einem von Poseidon geschick-

Victoria Bis 1887 hieß Gozos Hauptstadt Rabat, dann wurde sie zu Ehren der britischen Königin in Victoria umbenannt Eine erste Festung entstand

Strände Berühmt: der rote Sandstrand der Ramla Bay. Klein, aber schmuck: Hondoq ir-Rummien, ein Geheimtipp östlich von Mgarr.

Tipps für die Zeit an Land


Das zumindest historisch bedeutendste Ausflugsziel auf Gozo ist der Ggantija Tempelkomplex. Die Bauten entstanden in grauer Vorzeit, vor etwa 5500 Jahren während der Megalithkultur. Seit 1990 zählen sie zum Weltkulturerbe der UNESCO. Wem nicht so der Sinn nach alten Steinen steht oder es danach gern wieder bunt und lebendig hat, dem sei der Ausflug in die Inselhauptstadt Victoria empfohlen. Die ist bei weitem nicht so trubelig wie La Valetta auf Malta – ist ja klar: schließlich haben die Kreuzritter nicht auf Gozo, sondern nebenan ihre Zelte aufgeschlagen respektive ihre große Festung gebaut und Schätze gehortet. Victoria mit seiner klei-

nen Festung spiegelt da ziemlich genau wieder, wie die Verhältnisse auf den Nachbarinseln insgesamt sind. Den Marktbesuch in Victoria als Geheimtipp zu deklarieren wäre vermessen, dafür ist der viel zu bekannt unter Urlaubern - aber auf jeden Fall einen Besuch wert. Noch immer gibt es auch Glasbläser auf Gozo; wenn es ins Handgepäck passt wäre so etwas ein authentisches Souvenir. Ebenfalls zu Gozos Berühmtheiten zählt die Calypso Cave. In dem heute beliebten Ausflugsziel wurde der Sage nach Odysseus hoch oben über dem rötlichen Sandstrand der Ramla Bay sieben lange Jahre von der Nymphe Calypso verführt und festgehalten, weshalb

Gozo auch gerne als „Insel der Calypso“ firmiert. Schließlich endet fast jeder Gozo-Urlaub mit dem Übersetzer nach und damit auch auf Malta. Und selbst wenn den eingefleischten Gozo-Fans die Hauptinsel mit ihrem an Festland-Europa erinnernden Verkehr oft ein Stirnrunzeln entdeckt - als neutraler Beobachter kommt man nicht umhin auch ihrer Hauptstadt La Valletta einige schöne Seiten abzugewinnen. Ein Abstecher in die Stadt, die mit ihrer einst bis an die Zähne bewaffneten Festung als Vorposten gegen die Angriffe der Sarazenen dienen sollte, muss also unbedingt eingeplant werden.


Rund 5500 Jahre alt sind die Ggantija-Tempelanlagen auf Gozo, von denen sich auch unser „modernes“ Wort gigantisch ableitetet (li. u. oben)

Die imposante Altstadt, Jahrhunderte lang Heimat der letzten Großmeister vom Ritterorden der Johanniter, zieht mit ihren Straßen und Gässchen jeden Besucher in ihren Bann. Paläste, Kathedralen und Kirchen sind vollgestopft mit Kunst aus den verschiedenen Epochen; so ist etwa das weltberühmte Kolossalgemälde von Caravaggio, „Enthauptung Johannes des Täufers“ von 1608, in der „St. John’s Co-Cathedral“ zu sehen. Wer (je nach Gusto) stilecht essen will: Am Hafen steht

die „Black Pearl“ an Land. Der Dreimaster gehörte dem im 20. Jahrhundert berühmten Schauspieler Errol Flynn. Nun ist darin ein Restaurant versteckt. Mit dem Film hat es Malta bis heute. Nur wenige wissen, dass hier regelmäßig auch für Hollywood gedreht wird – übrigens auch Stunt­szenen in einem Unterwasser-Studio. Naja, echte Taucherlebnis­ se sind aufregender und es ist immer besser eigene Abenteuer zu erleben. Vor Gozo finden Taucher dafür alles – aber garantiert keine Langeweile.

INFO Beste Reisezeit Mai bis Oktober.

Getaucht wird von Land u. vom RIB-Schlauchboot (ohne Aufpreis).

Anreise Per Flieger nach Malta, vom Flughafen organisieren Veranstalter oder Tauchbasis Transfers zur Unterkunft auf Gozo.

Kontakt www.nauticteam.com nautic@go.net.mt Tel. +356/21/558507

Unterkünfte Hotel/Gästehaus Maria Giovanna in Marsalforn; Appartements: Sea Shell und Crystal Palace Flats, etwas teurer: Penthouse Nest u. The Penthouse mit großen Terrassen. Tauchen Die Tauchschule Nautic Team Gozo von Heike Merz und Thomas Zurawski (Foto) liegt in Marsalforn. Im CMAS/IAC IT & TEC IT Center sind Kurse vom Anfänger bis TL*** und bis zum

Buchungen Tauchen & Reisen weltweit www.tauchen-weltweit.de info@tauchen-weltweit.de Tel.0201/8881075 TRMIX-100-Instructor möglich. Tauchen für Menschen mit Be­ hinderung nach IDDA-Richtlinien, Kindertauchen und UW-Fotokurse im Angebot. Höhlentauchausbildung (mitDoppelgerät bis Cave Intro (ei­ ne Stufe unter Full Cave Diver). Verleih von Komplettausrüstung (Sporttauchen, Tech-Tauchen).

Mehr u. ausführliche Info zu Malta u. Gozo www.visitmalta.com info@urlaubmalta.com Tipp für Taucher Tauchreiseführer Gozo von The Jetlagged, 26,90 Euro www.thejetlagged.com


Alle Fotos: Frank Schneider


Willkommen in der Toskana

Nichts in Italien liebt die deutsche Seele so wie den Landstrich mit den Weinfeldern und Zypressen. Daran, dass die Toskana auch Inseln hat, denken nur wenige. Giglio ist eine davon, mit fan­ tastischen Tauchgebiete und sogar einer deutschen Basis. Von Frank Schneider


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Am Tauchplatz Secca II bilden die Felsen in den flacheren Zonen tunnelartige Passagen


Hier tut sich nichts: Keine Hotelburgen, keine Superyachten – Porto Campese bleibt standhaft wie sein alter Wehrturm


K

auf dem verschlafenen Gehöft zwischen öln gilt – zumindest in Deutschland – Weinstöcken und Olivenhainen träumen, mit seinen römischen Wurzeln als nördlichssteht uns Tauchern eher nach anderem der te Stadt Italiens. Was wundert es da, wenn Sinn. Aber: Das Meer und die Toskana schlieirgendwann auch ein Kölner auf die Idee ßen sich nicht aus, kommt den antiken sondern sind durch Routenplaner einfach eine schöne – und vor umzudrehen und das allem sehr alte – GeLand von Kaiser Auschichte mit einander gustus nun für sich verbunden. Als die zu erobern? Natürlich römische Göttin Veohne all den Driss – nus einst dem Meer also den Mist, wie der emporstieg verlor sie Kölner gemeinhin zu Perlen aus einer Ketsagen pflegt –, der te – oder wars ein Didamals mit dem Reiadem? Egal: Diese sen über die Alpen Perlen bilden seitdem zwangsläufig verbundas Toskanische Arden war. Zugegeben: chipel mit seinen siewer mit dem Auto nach ben Hauptinseln. Italien will kommt je nach Standort seines Giglio ist eine davon, Heimatlagers in Gerund wenn sie bis 2012 manien nicht um eine kaum bekannt war, änSchweizer AutobahnVor Giglio leben mehrere derte sich das schlagvignette oder das ösOktopus Arten artig mit dem Unglück terreichische Pickerl des Kreuzfahrtschiffs herum. Es sei denn er Costa Concordia. Bis fliegt über die Alpen. dahin war die Insel, Und das ist ja heute die nur 15 Kilometer vom Festland entfernt nicht zuletzt für Taucher eine Option, die die liegt, nur den wenigen Urlaubern ein Begriff, Penunze im Geldbeutel nicht mehr bis auf die den Weg dorthin gefunden hatten. Wenige die letzte moderne Sesterze dem Untergang Urlauber deshalb, weil es dort mit Porto Gigweiht. lio, dem Fährhafen, das mit seiner Festungsmauer aus dem 15. Jahrhundert stammende Dem Kampf der Fluggesellschaften sei es geGiglio Castello oben auf dem Miniberg der Indankt, dass selbst mit Tauchgepäck das Reisel und mit dem kleinen Ex-Fischerdorf Camsen per Urlaubsflieger auch auf Strecken abpese an der Nordwestseite eben nicht für den seits der Hotelkettenziele aus den 70ern eine Massentourismus taugt. ernsthafte Alternative geworden ist. Das gilt mittlerweile auch für Goethes „Land, wo die ZiSpätestens jetzt müssten Taucher spitze Ohtronen blühen“ – sprich der Gegend zwischen ren bekommen haben, denn in der Einleitung Como und Palermo. Pi mal Daumen auf halhatten wir ja schon verraten, dass es hier ber Strecke liegt des Germanen der Neuzeit eine deutsche Tauchbasis gibt. Womit sich liebste Italien-Provinz, die Toskana. Während der Kreis zu unserem bereits erwähnten Köldie meisten Toskana-Fans vom Landurlaub


Schattenparker: Nach Möglichkeit sucht sich der Große Drachenkopf eine dunkle Ecke, um auf Beute­ zu lauerm


An Giglio – hier die Bucht von Campese – ist die Hotel-Bauwut anderer Urlaubsziele vorbei gegangen

ner auch gleich schließt. Der ist nämlich nicht nach Rom gegangen, sondern hatte sich von vornherein die Insel vor den Ufern von Grosseto als Ziel auserkoren. Ursprünglich hatte Reiner Krumbach am Institut für Marine Biologie, das Dr. Claus Valentin aus Flensburg hier angesiedelt hatte um Studenten die praktische Umsetzung eines Teils ihres Studiums auch unter Wasser zu ermöglichen, angefangen als Tauchlehrer zu arbeiten. Mittlerweile hat sich der alte Chef aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und Reiner die Basis, an der er viele Jahre gearbeitet hatte, zu seiner eigenen gemacht: dem Campese Diving Center. Das ehemalige Fischerdorf Campese kann man heute als touristisches Zentrum der In-

sel sehen. Nun ja – Hotels gibt es nur drei kleine, der Rest sind B&B-Unterkünfte, sowie ein Campingplatz und Appartements für Selbstversorger, die bei Bedarf in einer Handvoll Supermärkte und einem halben Dutzend Restaurants Unterstützung finden. Dabei darf nicht unterschlagen werden, dass wir bei dieser Aufzählung den Ort oben auf dem bewaldeten Berg schon mit einbeziehen. Weil sich die Küste von Giglio fast rundum felsig zeigt – die Bucht von Campese ist die Ausnahme, deswegen gibt es dort eben auch die meisten Unterkünfte – hat sich hier nicht viel Tourismus entwickelt. Insofern macht Giglio dem Ursprung seines Namens schon alle Ehre, denn in diesem Fall steht Giglio nicht für den italienischen Begriff für Lilie, sondern leitet sich aus dem lateinischen Wort für Ziege ab.


Wehe wenn die Leuchtqualle ihre Nesseln zu langen Fäden ausbildet - dann heiĂ&#x;t es Abstand halten, sonst wird es schmerzhaft


Irgendwann wurden dann doch Menschen auf der Ziegeninsel heimisch und es wäre ja letztlich verwunderlich, wenn in der Neuzeit nicht auch Urlauber hierher gefunden hätten. „Aber selbst die halten sich in überschaubarem Rahmen“, sagt Reiner, der die Entwicklung über rund zwei Jahrzehnte vor Ort verfolgt hat. „Hier ist ja nicht viel mehr Platz. Und genauso verschlafen ist das eben auch unter Wasser – wenn man das auf die Zahl der Taucher bezieht“, ergänzt der gebürtige Rheinländer, dem seit 2006 die einzige deutsche Tauchschule auf der Insel, das CDC (Campese Diving Center) gehört. Ursprünglich und bis zur Übrnahme von Reiner Krumbach war die Tauchbasis Teil des Instituts für Marine Biologie, einer privaten Lehreinrichtung für Biologie-Studenten, die zum Teil mit ihren Professoren oder Dozenten hierher kamen, um mit dem Tauchen der Sparte Meeresbiologie im Studium echte Praxis am und im Meer hinzu zu fügen. Biologie-Studenten kommen übrigens immer noch nach Giglio – Claus Valentin konnte sich am Ende dann doch nicht so ganz von seiner langjährigen Heimat trennen und kommt oft und gerne ins CDC. So ganz weit hat er es ja auch nicht, denn in dem Appartement-Komplex 100 Meter neben der Basis unterhält der Mann aus Norddeutschland nach wie vor seine private Lehreinrichtung, die immer noch mit Universitäten zusammenarbeitet. So sind immer wieder mal Studenten mitsamt Dozenten bei Reiner. „Das wird aber strikt getrennt“ stellt er klar. Die kommen mit ihren eigenen Tauchlehrern und werden von uns natürlich rausgefahren, aber diese Ausfahrten sind unabhängig von denen für Taucher, die hier Urlaub machen. Da gibt‘s auch kein Chaos und jeder kann ruhig schlafen!“ Von Chaos ist die Unterwasserwelt vor Giglio letztlich dann auch verschont geblieben,

Campese Diving Center Isola del Giglio Italien - Toscana

Ein Tipp für Taucher und Naturliebhaber Das Meer entdecken und erforschen Meeresbiologie mit dem CDC und dem Institut für Marine Biologie Giglio Attraktive Tauchpakete Sonderkonditionen für Studenten, Azubis, Gruppen und Vereine

Castello Campese

Giglio Porto

Isola del Giglio

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obwohl das – und wir reden hier nur von der Umwelt und wollen die tragischen über 30 Todesfälle der „Costa Concordia“-Havarie keinesfalls verharmlosen oder gar herunter spielen – für das Biotop Meer um Giglio herum böse hätte enden können. Wäre das Schiff nicht um Haaresbreite auf einem Plateau vor einer Steilwand zu liegen gekommen, wer weiß, was den Menschen an Bord noch passiert wäre, die jetzt im Nachhinein betrachtet Glück hatten – und wie die marine Flora und Fauna reagiert hätte. „Alle Messungen von internationalen Umweltschutzorganastionen und Behörden haben ergeben, dass die Unterwasserwelt keinen Schaden genommen hat“, erklärt der Basisleiter. Vermutlich hätte das dem Tourismus einen weit größeren Schaden hinterlassen als den jetzigen in Form des Ausfalls dreier Urlaubssaisons auf der Insel. Vor allem die Taucher hätten es wohl gemerkt, denn es ist anzunehmen, das die empfindlichen Seegraswiesen und Hornkorallen einen Chemie-Gau durch den Mix von 25.000 Liter Öl, Diesel und Schmierstoffen eines auslaufenden Wracks kaum ohne Wirkung überstanden hätten. Selbst im Detail hat der Tauchplatz Le Scole und damit auch die Neptunjünger, die hierher kommen, Dusel gehabt. Der Riesenpott ist ungebremst genau auf den Felsen gedonnert, der sich nur ein paar Meter neben dem Ankerplatz der Tauch-Dinghis aus dem Meer erhebt. Der Teil des Steins, den das Kreuzfahrtschiff abgebrochen und der sich in dessen Rumpf verkeilt hatte, wurde 2014 mit einer Gedenktafel versehen wieder an seine alte Stelle gebracht.

Goldstriemen ziehen in Schwärmen am Riff entlang (ob.). Steckmuscheln brauchen eine gute Wasserqualität zum leben

Le Scole ist zum einen für seine marine Vielfalt bekannt; hier gibt es im Flachwasser ausgedehnte Posidonien-Wiesen, deren lange grüne Blätter sich wie eh und je der Mittelmeersonne entgegen recken und für viele


Da hat‘s gescheppert: Reiner Krumbach zeigt den Felsen am Platz Le Scole, auf den die „Costa Concordia“ aufgelaufen ist

Nicht weit davon entfernt steht eine Skulpturengruppe – immer noch unbeschadet

Der alte Stockanker bei Le Scole verweist auf die Nähe des Hafens Porto Giglio (u.)


Beste Tauchplätze um Giglio Fennaio Fahrzeit 10 Minuten. Giglios beste Steilwand; fantastischer Bewuchs mit Weißen, Gelben Gorgonien (Foto re. ob.) und Roten Gorgonien. Großer Überhang mit Krustenanemonen. Oft Barrakudas im Freiwasser, Zahnbrassen, Schwarmfische wie Doraden und Mönchsfische, Meerraben, Barsche, Langusten, Sternschnecken (li. ob.). Tiefe 0 bis 40 Meter. Schwierigkeitsgrad: einfach, bei starker Strömung mittelschwer Secca II Fahrzeit 8 Minuten. Untiefe am Ausgang der Bucht. Sehr schöner Gorgonienbestand, Krustenanemonen. Mönchsfische, kleine Barsche, Kleine und Große Drachenköpfe, Oktopusse, Meerjunker, Leopardennacktschnecken, Muränen (mitte li.), Kardinalsbarsche (re. u.). Tiefe 5 bis 65 Meter. Schwierigkeitsgrad: einfach Le Scole Fahrzeit 40 Minuten. Riff aus Granitgestein an der Ostseite. Seegraswiesen, Gelbe und Rote Gorgonien, auf 20 m Skulpturengruppe. Gelegentlich größere Zahnbrassen, Doraden, Schriftbarsche, Muränen, Langusten, Fadenschnecken (Foto li. unten). Tiefe 0- 40 Meter. Schwierigkeitsgrad: einfach Kuppeldach Fahrzeit 20 Minuten. Auf Grund der großen Mindesttiefe Tiefe nur für erfahrene Taucher. Schön bewachsenes Riff, alter Anker. 25-40 Meter. Schwierigkeitsgrad: schwer Secca III Fahrzeit 20 Minuten. Mit 400 m am weitesten von Giglio entfernt, daher sehr fischreich. Bärenkrebse, Langusten. Tiefe 5-40 Meter. Schwierigkeitsgrad: schwer


Arten eine Kinderstube sind. Daneben, in den tieferen Regionen, wachsen Gelbe und Rote Gorgonien. Heimliche Stars von Le Scole sind allerdings die Skulpturen, die dort aufgestellt wurden. Eine zeigt einen scheinbar liegenden Taucher, der von zwei Delphinen flankiert wird, gleich daneben steht eine die Hände gen Himmel reckende Christusstatue. Vielleicht war es ja tatsächlich himmlischer Beistand oder der Segen der alten römischen Götter, dass das Schiffsunglück nicht zur Katastrophe für noch mehr Familien wurde. Seit letztem Jahr ist der am Ende schwimmfähig gemachte Schrotthaufen von der Hafeneinfahrt nach Giglio Porto, neben der er unmittelbar zu liegen gekommen war, wieder verschwunden. Die Ausfahrt nach Le Scole muss nicht mehr am Havaristen vorbei führen und Taucher können sich nach dem Abtauchen gleich an den gegen Wasserverschmutzung

Selbst Giglio Porto mit dem Fähranleger ist beschaulich geblieben – die ganze Insel hat nur rund 1500 Einwohner (drei Fotos oben). Versteckte Sehenswürdigkeit dort: der Sarazenenturm von 1596. Giglio Castello (u.) liegt 400 m hoch und entstand bereits ab dem 12. Jahrhundert

Tipps für die Zeit an Land Giglio ist klein. Drei Straßen verbinden Giglio Porto, Castello und Campese. Von Ort zu Ort gibt es eine Busverbindung. Mit dem Auto kommt man in die Weinberge und kann dort wandern, ebenso wie über schmale Wege vom Meer hinauf nach Castello und zurück. Unbedingt: der Besuch der alten Festungsstadt Castello. Weitere Abwechslung schafft ein Ausflug nach Giglio Porto.

allergischen aber eben gesund gebliebenen Steckmuscheln erfreuen. Im Laufe des Tauchgangs gibt es hier zum Beispiel Leopardenund Fadenschnecken zu sehen, etwas tiefer leben Bärenkrebse, Langusten und ihre Jäger, die etwas größeren Oktopusse. Um Meeraale zu sehen ist dagegen etwas Glück von Nöten. Durch die Felsenlandschaft huschen kleine Zackenbarsche und beim genaueren Blick in diese oder jene Spalte lässt sich sicher irgendwann eine typische kleine, goldgesprenkelte Mittelmeermuräne entdecken. Abgesehen von den seltenen, weil wetter-, saison- und von der Teilnehmerzahl abhängigen Tagestouren zur Insel Giannutri in Giglios Süden zählt Le Scole mit circa 40 Minuten Fahrzeit schon zu den längeren Touren. Das der Tauchschule nächstgelegene Tauchrevier ist dagegen von der Basistür aus bequem zu Fuß zu erreichen. Schließlich sind es ja kaum mehr als 50 Meter bis zum Strand. Direkt davor wächst eine ausgedehnte Seegraswiese. Neben kleinen Fischen und Mini-Sepien gibt es dort auch den Marmorierten Seehasen, eine der größten Nacktschnecken des Mittelmeeres, „und es ist ein ziemlich sicheres Revier um Seepferdchen zu sehen“, erzählt Hausriff-Kenner Reiner. Das Flachwasserrevier ist auch Alexander Bublitz‘ liebster Tauchplatz. Der Meeresbiologe und Unterwasser-Fotograf hat allein dort vier verschiedene Arten von Oktopoden identifiziert, „und einen Decapoden, also einen Kopffüßer mit zehn Armen“, erzählt der gebürtige Pforzheimer. Alex ist daneben auch noch Divemaster und genießt das Privileg auf Giglio bleiben zu können, wenn alle Tauch-Urlauber und -Studenten am Ende der Saison die toskanische Insel wieder verlassen. Um die Kraken genauer zu verstehen, betreibt er in einem großen Aquarium Verhaltensforschung. „Da entwickeln sich echte Freundschaften


Vor der Steilwand von Fennaio kreuzen oft Barrakudas

mit diesen Tieren. Ich merke, dass die mich irgendwann wiedererkennen“, berichtet er. Genau das ist auch Teil seiner Dissertation – und vermutlich werden sie dem zur Zeit noch „Dipl.“-Biologen nächstes Jahr aus gutem Grund den Spitznamen „Dr. Oktopus“ verpassen. Übrigens ist das Campese-Hausriff Gegenstand des Non-Limit-Pakets des Campese Diving Centers: hier kann (fast) rund um die Uhr getaucht werden, denn sogar nachts ist der strömungsfreie Platz in Ufernähe jeden Besuch wert. Wenn es lieber ein Bootstauchgang zur nächtlichen Stunde sein soll wird auch das bei gegebener Nachfrage von Tauchchef Reiner organisiert. Die Plätze Secca I und Secca II eignen sich dabei für alle Taucher. Nummer I liegt nur 300 Meter von der Insel entfernt in

der Bucht von Campese, ist fast immer strömungsfrei und wird durch einen circa 50 Meter langen und etwa 25 Meter breiten Felsen markiert, der sich bis zwei Meter unter die Oberfläche erhebt. Während zur Insel hin eine Seegraswiese liegt, fällt der Grund auf der anderen Seite nach 25 Meter Tiefe zunehmend steiler ab bis er auf 45 Meter als flacher Sandboden ausläuft. Durch das felsige Areal huschen hier und da kleine Gruppen von Doraden, Schriftbarsche und kleine Zackenbarsche verteidigen ihre Reviere und Drachenköpfe jeder Größe lauern ihrer Beute auf. Oder warten die nur auf den nächsten Taucher mit Kamera? Manchmal siehts tatsächlich so aus. Das Alles geschieht im Schatten der dicht von Gelben Krustenane­monen überzogenen Wände: ein Feuerwerk in leuchtendem Orangegelb, dass auf Fotos einen völlig krassen


Farbgegensatz zum Blau des Wassers ergibt. Noch viel bunter geht‘s am Secca II zu. Obwohl der Platz noch gerade vor dem Ausgang der Bucht und kaum 150 Meter vor dem Ufer liegt, geht unter Wasser die (Tauch-)Post ab. Hier tauchen, hoch kommen und behaupten „das Mittelmeer ist doof“ geht gar nicht. Ganz ehrlich: in dem Fall gibt es nur die Empfehlung Tauchklamotten für das erstbeste Gebot in der Versteigerungsbucht verscherbeln und ein anderes Hobby suchen. Wie könnte man nicht von den dicht an dicht wachsenden großen Fächern der Roten Gor-

gonien fasziniert sein? Natürlich ist ihre Purpurfarbe in Tiefen zwischen 25 und mehr als 40 Meter nur mit Tauchlampe zu sehen. Aber das weiß ja nun mal jeder Taucher seit seinem Grundkurs und jeder kann sich darauf einstellen. Gleiches gilt für die Gelben Hornkorallen, die sozusagen eine Etage höher, also in der Zone um 20 Meter, wachsen und deren Besuch sich folgerichtig für den gemächlichen Rückweg nach oben aufgehoben werden sollte. Der Meeresgrund liegt an der tiefsten Stelle rund um das Secca II bei 65 Meter, aber das Interessante ist hier der Korallenwuchs und nicht die maximale Tiefenangabe im Logbuch.


Darf nicht fehlen: ein Abstecher in die Altstadt von Giglio Castello


Foto:Alexander

Erstes Briefing im Boot nur ein paar Meter vor der Basis

Info Anreise Mit dem PKW nach Grosseto, dort auf die Fähre. Per Flieger nach Rom oder Pisa. Von da mit Mietwagen oder Zug nach Grosseto; vom Bahnhof mit Bus zur Fähre. Transfers von Porto Giglio zur Basis nach Absprache.

Restaurants In Campese z. B. Pizzeria Da Tony oder Ristorante Mario di Meino; beide haben mehr als nur Pizza! Tipp für Castello Campese: Il Trione di Meino am Eingang der Stadtmauer: exzellente Fischgerichte, gute Pizzen!

Beste Reisezeit Von Mai bis Mitte Oktober. Im Juli und August italienische Hauptsaison – alles voll.

Tauchen Campese Diving Center Geöffnet März - Ende Oktober. Leitung: Reiner Krumbach. Die Tauchbasis liegt in Porto Campese direkt am Strand, die Zone davor gilt als Hausriff., hier legen die 2 Schlauchboote ab. Ca. 20 Tauchplätze. 2-3 Bootstauchgänge tägl. (Fahrzeit ca. 5-40 Minuten). Nitrox (28%) und Füllungen mit Dekogasen (50 % und 100 % Sauerstoff) gegen Aufpreis. 30 Ausrüstungen sowie einige Stages im Verleih.

Unterkunft Das Hotel Campese (47 Zimmer) ist eines von drei kleinen Hotels in der Bucht. www.hotelcampese.com Appartements in Campese ab ca. 25-30 Euro pro Person (Nebensaison). Reservierung über die Tauchbasis. Handtücher und Bettzeug mitbringen! Selbstverpfleger Wer mit dem Auto kommt und Platz hat: von zuhause mitbringen was reinpasst. Auf Giglio gibt‘s fast alles, nur nicht immer günstig, Brot jedoch jeden Morgen frisch.

Kontakt www.cdc-giglio.de info@cdc-giglio.de


Zwar ist im Mittelmeer im Gegensatz zu vielen tropischen Tauchgebieten fast immer eigenverantwortliches Tauchen angesagt, aber man muss es ja nicht übertreiben. Vielleicht steht noch ein anderer Tauchgang auf dem Plan und es lohnt sich lange Dekozeiten zu vermeiden. Das könnte beispielsweise der Punta del Fennaio sein. Sie haben doch nicht etwa geglaubt, dass Secca II schon das Highlight war? Die Ouvertüre trifft es besser, denn die große Oper, das ist Fennaio, Giglios berühmteste und schönste Steilwand. Hier ist alles einfach noch mal einen Tick schöner als an den anderen Plätzen. Los geht‘s direkt unter der Oberfläche und nach unten bis auf 40 Meter. Dazwischen das Furioso der Gorgonien, bei knapp 19 Meter die zarten Weißen, dann kräftigere Gelbe und zum Schluss auf dem Weg nach unten vergleichbar mit der großen Arie die ausladenden Roten Fächerkorallen des Mittelmeers in überbordender Fülle. Den sanften Ausklang liefert auf dem Rückweg der mit Gelben Krustenanemonen übersäte große Überhang. Aber – einen kleinen Haken hat die Sache dann doch. Der Tauchplatz liegt ziemlich am Eck, soll heißen: hier kann sich äußerst heftige Strömung einstellen. Da freuen sich zwar die Barrakudas im Freiwasser vor dem Riff, aber für faules Treiben (lassen) immer an der (Steil-)Wand lang ist für Taucher ein gewisses Maß an Erfahrung nötig. Ansonsten, das ist die erfreuliche Nachricht, steht das konzertante Unterwassererlebnis von Fennaio sogar Anfängern offen. Am Ende des Tages sind aber wieder alle gleich – und gehen entweder zur Pizzeria Da Tony am Strand, fahren in Grüppchen hoch nach Giglio Castello oder treffen sich zu einer gemeinsamen Pasta-Session an den Tischen vor der Basis. Egal wo: es wird lecker, fröhlich und laut. Schließlich sind wir in Italien. Besser noch: in der Toskana!

Madeira Madeira das einzigartige Hausriff

das einzigartige Hausriff

 Einzige dt. Basis direkt im UW-Nationalpark  4 top Hausriffspots bis 34m Tiefe, nur 20m zum Wasser  Atlantische und tropische Fischvielfalt  Steilwand, Tunnel und Höhlen  Selbständiges Tauchen für Erfahrene  Geführtes Tauchen für Anfänger  Ideal auch für Familien und Schnorchler  Auch Bootsfahrten sowie Nitrox 7x Gewinner des Tauchen-Awards: „Beste Tauchbasis Atlantik“ Einzige ISO 24803 zertifizierte Basis im Atlantik

Manta Diving Center www.mantadiving.com www.galoresort.com


Alle Fotos: Paul Munzinger


Azorenhoch

Diese Inseln sind momentan in aller Munde und bei Veranstaltern ein Selbstläufer. Kein Wunder: sie liegen in Europa, die FlĂźge sind kurz, die Chance GroĂ&#x;es zu sehen ist immer drin und der Preis passt. Von Paul Munzinger


GroĂ&#x;er und kleiner Lippfisch: immer neugierig und immer auf Futtersuche


Schwarze Korallen gedeihen an der Ostseite der Formigas-Riffe, einem Hochseespot auch mit Chance auf GroĂ&#x;fischbegegnungen


G

anz ehrlich: Hohe Wellen, lange Dünung und stundenlange Ausfahrten mit dem Schlauchboot sind als hochgeborener Schwarzwälder wirklich nicht so mein Ding. Und so machte ich, abgesehen von Zwischenlandungen, um die wilden Inseln im Atlantik bisher einen großen Bogen in meinem Taucherleben. Klar gefielen mir die Bilder mit Mantaschulen, Walen und Blauhaien der werten Kollegen, aber lohnte der ganze Aufwand, stellte ich mir immer wieder die Frage. Meine interne Rechnung, Tauchen geteilt Freude mal Nutzen ging dabei nie so recht auf, denn gerade die Highlights der Ozeane sind ja nicht programmierbar und einen Tag lang im dicken Neopren vor sich hin müffeln und Ausschau halten

zu müssen, na ja - es gibt wohl wirkliche Schöneres. „Da musst du unbedingt hin, wird dir gefallen, echt der Wahnsinn“ – eine Ansage ohne Namen, nur mit dem Tonfall totaler Begeisterung. Aber ich kannte ihn, den Mann am Telefon. Es war Axel Becker von Beluga-Reisen. Er rief mich vor drei Jahren noch auf dem Nachhauseweg nach seinem Santa-Maria-Trip an und wollte mich gleich heiß machen. Es gelang ihm! Da bisher alles Neue von ihm noch nie taucherisch in die Hose ging, kam von mir noch als Letztes nur noch die Frage: „Wann ist die beste Zeit dafür“? – und die Sache war gebongt. So sitzen wir Mitte Juli im Clube Naval de Santa Maria ober-

Rings um die Boje bei Ambrosia ziehen die Mobulas ihre Kreise

halb des Hafens von Vila do Porto. Zusammen mit anderen Pressluftjunkies und Paolo, der die Tauchbasis Paralelo 37 als zweites Standbein betreibt und hauptberuflich in der Flugsicherung tätig ist. Mit preiswerten Dekobierchen begießen wir alle den gelungenen Tauchtag. Für später wird ein Tisch zum Thema „frisch aus dem Atlantik“ gleich reserviert, denn das angeschlossene Restaurant läuft am Abend wie geschmiert. Clube Naval ist die urige Kneipe der hiesigen Fischer, die sich ab und zu nach erfolgreichem Thunfischfang ‘ne kleine Kante geben. Von ihnen erfährt man dann brandaktuell die News zum Atlantik. Gestern hatten sie die Mantas wieder im Nordwesten der Insel gesehen, als sie von ihrem traditionell ausgeübten Fischfang zurück kehrten. Sie nennen sie Mantas, was nicht ganz stimmt. Korrekt sind es ihre kleineren Verwandten, die Mobulas. Aber egal. Für unseren einheimischen Tauchguide Paolo, der den Fischern öfters hilft und einer von ihnen ist, war`s sofort klar: Nix wie hin mit uns. Er brauchte auch gar nicht zu fragen, wo sie waren, denn das ist auf der Insel kein Geheimnis: der Spot heißt Ambrosia. Der Tauchplatz ist der Gipfel. Einerseits der Gipfel eines Unterwasserberges, der aus der Tiefsee emporschießt und an-


Der farbenfrohe Lippfisch grast Algenwiesen ab

dererseits der Gipfel für Mobulabegegnungen und weltweit einer der besten Spots dafür. Doch die Flattermänner, die sich hier in einer Schule versammeln, sind nicht ganzjährig anzutreffen. Ein bis maximal sechs Dutzend Tiere fliegen rund um den Seamount etwa von Mitte Juli bis Mitte September. An einem Hochseespot können natürlich Strömungen auftreten und zum schnellen Auffinden und Runterhangeln haben die örtlichen Tauchbasen eine Boje gesetzt, die auf 47 Meter verankert ist. Die Leine ist die

Am Eingang zur Blue Cave leben viele Glasfische

Adrenalin im Atlantik Highlights der Azoren

Faial

Sternstraße 19 · 37083 Göttingen Telefon 0551 63451340 info@belugareisen.de www.belugareisen.de

Santa Maria

All You Can Dive


Foto: Daniel Brinckmann

Superbequem: ein wahres Monster-Schlauchboot mit zwei starken Außenbordern der Tauchbasis Haliotis Santa Maria

Präferenz, an der wir uns immer wieder orientieren können und um die auch die eleganten, kleineren Teufelsrochen ihre Kreise ziehen. Klein ist aber relativ – denn die Größten von ihnen haben sicherlich eine Spannweite von drei Metern. Etwa 16 Kilometer vom Hafen und fünf Kilometer von der Küste liegt der Freiwasserplatz und ist damit etwas für einen Tagesausflug mit zwei Abstiegen. Wenn sich der Atlantik ruhig zeigt, ist dies ein Klacks. Bei Wellen und Dünung nicht jedermanns Sache. Wir haben zweifach Glück. Das Wetter spielt mit und deshalb packen wir frühmorgens alles in das komfortable Schlauchboot. Zudem

sind wir die Ersten an der Unterwasseroase. Denn zu viele Taucher verscheuchen die Tiere. Die Basen haben sich in der Regel abgesprochen, so dass immer nur eine Gruppe im Wasser ist. Bei uns klappt das prima, aber man hat auch schon anderes gehört. In der Nähe der Boje machen wir uns fertig, dann werden wir hingefahren und ab Rolle rückwärts, kurz orientieren und am Seil runter. Zwischen 15 und 20 Meter Tiefe warten wir keine zwei Minuten und aus dem tiefblauen und klaren Atlantik schweben uns einige der „Aliens“ zu. Nicht selten beäugten uns die Mobulas so nahe, dass man ihnen direkt ins Auge und ins

Maul schauen konnte. Und jeder von ihnen hatte mindestens einen Anhalter dabei, manche sogar drei. Wie bei ihren größeren Verwandten saugen sich Remoras, auf Deutsch Schiffshalter, gerne fest und lassen sich mitziehen. Sie hinterlassen tiefe Spuren auf der Haut und gehen nicht gerade zimperlich mit den Mobulas um. Trotz dicker Gummipelle, die seitens des Veranstalters empfohlen wurde und trotz stark erhöhtem Adrenalinspiegel bringen laue 19 Grad Wassertemperatur unsere Knochen zum Zittern. Kein Wunder, 80 Minuten Tauchzeit sind schon lange. Auch die Mobulas frieren übrigens nicht gerne und lieben


Beliebtes Ausflugsziel: Wasserfall an St. Marias Ostküste (li.) Die Westküste präsentiert sich wild und zerklüftet (re.)

easy diving: die Woche zuvor war der Atlantik stürmisch und hatte noch ein paar Grad weniger – und sie hielten sich irgendwo im atlantischen Ozean auf, wo es ihnen besser gefiel. Über eine Stunde war alles Top und wir im „Mantarausch“ und: so schnell sie kamen, so schnell waren sie auf einmal wieder weg, wie auf fremden Zuruf. Eine Stunde höchstes Taucherglück, denn alle in unserer Gruppe verhielten sich astrein und vorbildlich gemäß Briefing, niemand machte sein eigenes Ding, jeder nahm Rücksicht. Chapeau an alle nachträglich – der Tauchgang war so Weltklasse. „Tatsächlich besuchen sie uns ausschließlich im Sommer“, erzählt uns der Tauchchef in der Hafenkneipe, „ansonsten zieht

es sie in wärmere Gefilde, vermutlich an die Kapverdischen Inseln“. Genau in diesen Monaten zwischen Juni und September ist auf Santa Maria wirklich die beste Tauchzeit. Wenn es auch manche nicht so gerne hören, die Azoren sind kein klassisches Ganzjahresziel, genau wie das Mittelmeer. Die Wassertemperatur geht im Winter allerdings fast nie unter 17 Grad und über den Wellen sind die Temperaturen gemäßigt, Minusgrade ein Fremdwort. Santa Maria ist die wärmste aller Azoreninseln und läuft deshalb gerne unter „Sun Island“ im Archipel, auch mit dem Beinamen „Azorean Algarve“ – nicht nur wegen ihrer fünf Sandstrände. Tauchen, wie wir es eigentlich lieben, ist aber im Winter kein Thema, denn Wind


und Wellen können schon sehr heftig sein. Alles andere als ein Zuckerschlecken. Klar, kann es auch ruhige Tage geben, aber wohlverdienter Tauchurlaub darf nicht zum Lotteriespiel werden. Wanderer und Relaxer haben es da schon besser. Am mittelatlantischen Rücken locken aber noch weitere hochkarätige Schmankerl als wahre Tauchabenteuer und ziehen damit nicht nur engagierte Unterwasserfotografen wie magisch an. Zum Repertoire der Azoren gehören ebenso riesige

Pottwale, Walhaie sowie elegante Blauhaie. Nur, diese werden natürlich nicht auf einem Tablett serviert, Glück gehört schon dazu. Auch hier spielt entscheidend das Wetter mit und die notwendige Warmwasserfront dazu liegt bei uns leider momentan um die 60 Kilometer entfernt, was zu der Jahreszeit ungewöhnlich ist. Eben diese aber braucht`s, dennnur dann zieht es die Großen des Atlantiks in den Archipel. Zwei Versuche mit Köder für Blauhaie irgendwo mitten von nowhere, wurden zur langwei-

ligen noshow im Schlauchboot, den ganzen Tag im Gummi verpackt, sowie Wind und Wellen ausgesetzt. Genau so, wie ich es liebe. Kann eben passieren. Aber genau deshalb gelten die Inseln als Europas Wetterküche und nicht selten erlebt man alle Wetter an einem einzigen Tag. Auch das Thema Moby Dick, der durch den Roman von Herman Melville berühmt wurde, ist ein ganz besonderes: wer mit den mittlerweile streng geschützten Pottwalen schnor-


São Lourenço: Malerischer Ort an der Ostküste mit Naturschwimmbecken


Kleine Eberfische als Baitball bei Ambrosia

cheln will, benötigt eine behördliche Lizenz. Die muss lange vor dem Urlaub beantragt werden – mit Angabe stichhaltiger Gründe – also nix mal hoppla hopp vor Ort fragen. Und dafür müssen mittlerweile eine Menge Euros hingeblättert werden, denn Anfragen boomen. Wer dies will, sollte es unbedingt vorher mit dem Veranstalter, der einem dann auch den aktuellen Preis sagen kann, vereinbaren. Fakt ist, dass dies nur in einer Kleingruppe erlaubt wird, Tauchen mit ihnen ist eh streng verboten. Es gehört jedenfalls zum ultimativsten Unterwassererlebnis, wenn das größte Raubtier der Erde vor der Tauchmaske aufkreuzt. Die Bullen der Sperm Whales, wie sie auf Englisch heißen, können bis zu 20 Me-

ter lang werden und bis zu 50 Tonnen wiegen. Markant ist ihr überdimensionaler, riesiger Kopf, dessen Hirn allein fast zehn Kilo wiegen kann. Whalewatching wird auf Santa Maria selbstverständlich angeboten und ist eine lukrative Einnahmequelle im ganzen Azorenarchipel. Fährt man zum nächsten Hochseespot, dem unbewohnten Naturschutzgebiet der Formigas, kann es schon passieren, dass während des etwa 55-Kilometer-Trips (!) vom Hafen einem das Glück beschert ist, einen dieser Zahnwalgiganten zu sehen. Und Unterwasser sind die Chancen auf Großfische an diesem „Mount Everest“ vor Santa Maria am besten. Die paar Miniinseln inklusive Leuchtturm nordöstlich sind die

weitest entfernten Plätze, die angesteuert werden und sie sind quasi das Pendant zu den Princess Alice Banks bei der Insel Pico. Nur eben mit dem Vorteil, dass sie nicht so weit entfernt liegen. Für die Tour sollte man sich sprichwörtlich warm anziehen: insgesamt etwa zehn Stunden im Neopren ist schon ‘ne harte Nummer und die etwa zweieinhalbstündige Anfahrt eine Crux fürs Kreuz, selbst bei besten Bedingungen. Mit nur einem Außenborder, wenn auch einem wahren Boliden, ist der Ritt schon etwas zu abenteuerlich für mich. Zumal der Handyempfang so weit weg vom Schuss nicht mehr funktioniert. Auf dem heißen Ritt dorthin begleiten einem immer wieder Delphine und wer will, kann mit ihnen schnorcheln.


Die Inseln sind erste Sahne, was Formationen und Fischvielfalt im Nordatlantik angeht. Viele Schwärme, Raubfische wie Makrelen, Barrakudas und Haie, ab und zu auch Mobulas sowie schwarze Korallen auf der Ostseite - der Tagesausflug lohnt sich jedenfalls, wenn man seefest ist. Ansonsten sollte man dies wirklich besser bleiben lassen. Fährt man fünf Kilometer südöstlich, kommt man zu einem Unterwasserplateau in der

Größe eines Fußballplatzes. Es liegt etwa 15 Meter tief unter der Oberfläche, im östlichen Teil geht’s steil bergab, bis ca. 1000 Meter, im westlichen „nur“ 100 bis 200 Meter Tiefe: das Dollabarat Riff glänzt mit Supersichtweiten und vielen Zackenbarschen. Erkaltete Lavaströme formten diesen Platz mit vielen Kanälen, Überhängen und Durchbrüchen. An der Nordwand patrouillieren ab und zu Hammerhaie und andere Räuber des Atlantiks. Ein Topspot also, bei dem meist

ein von der Natur herrlich inszenierter Unterwasserfilm vor einem abläuft. Erfreulich: Die Rückfahrt nach den Tauchgängen am Nachmittag zum Hafen von Vila do Porto geht jedenfalls erheblich schneller- man reitet und surft mit den Wellen. Neben den drei Hochsee-Highlights lockt noch eine Menge anderer lohnenswerter Tauchplätze rund um die östlichste und südlichste Insel des Azorenarchipels, der aus insgesamt neun größeren und mehreren kleinen Eilanden besteht.


Insel Santa Maria Zusammen mit São Miguel gehört sie zu den östlichen Azoren. Santa Maria ist 102 Kilometer von der Hauptinsel entfernt und liegt dem kontinentalen Portugal am nächsten. Ihre Fläche beträgt circa 97,5 Quadratkilometer, sie ist ungefähr 18 Kilometer lang und zehn Kilometer breit. Das Klima ist mild. Es gibt Theorien, die besagen schon den Phöniziern wären die Azoren bekannt gewesen, denn im 17. Jahrhundert sollen auf den Azoren phönizische Münzen gefunden worden sein. Nach offizieller Geschichtsschreibung wurde Santa Maria und damit das Archipel erst 1427 vom Portugiesen Diogo de Silves entdeckt. Heinrich der Seefahrer forcierte die Besiedlung der Inseln und ließ zwischen 1431 und 1432 zuerst Tiere auf den Inseln aussetzen, bevor 1439 die ersten Siedler aus der Algarve an die Nordküste von Santa Maria bei Praia des Lobos kamen. 1493 landete auch Christoph Columbus auf der Rückreise von seiner ersten Amerikareise auf Santa Maria – und wurde mal gleich für ein paar Tage verhaftet, weil man ihn für einen Seeräuber hielt. Die weißen Schornsteine einiger Häuser auf Santa Maria erinnern noch heute an die Siedler aus der Algarve, die sie von dort übernommen haben.

Den Azorenhochs sei Dank: Blumenpracht auf der Insel Santa Maria

Unten: Santa Maria und die Azoren wurden 1427 entdeckt - noch ganz ohne Leuchtturm


Oben: Windmühlen gibt‘s – naja, weil‘s auf den Azoren manchmal recht windig ist. Die Festung São Bras bewacht den Hafen von Santa Maria. Die Kirche in Santo Espirto ist ein beliebtes Fotomotiv

Tipps für die Zeit an Land Ausflug mit Auto Dafür sollte ein ganzer Tag eingeplant werden. Auf den Azoren herrscht kein Mittelmeerwetter, morgens ist es ab und zu neblig. Unbedingt anschauen Der 587 Meter hohe Pico Alto (höchster Punkt, Rundblick), S. Laurenco (Sandstrand, Naturschwimmbecken), Santo Espirito (ursprünglicher Ort, hübsche Kirche), Maia (tolle Steilküste, Naturschwimmbecken, Leuchtturm, Wasserfall), Praia Formosa (weißer Sandstrand), Anjos (Fischerhafen, Natur-

schwimmbecken, Kapelle von Columbus), Forte de São Bras (Festung des 16. Jahrhunderts mit Kapelle, über Hafen in Vila do Porto). Weitere Freizeitaktivitäten Angeln/Hochseeangeln, Gleitschirmfliegen, Wandern. Gute Restaurants Clube Naval de Santa Maria, Hafen von Vila do Porto, Tel.+351/296883 230 Restaurante Os Mariensis, Vila do Porto, Tel. +351/296882478 Restaurante Bar Esplanada, Vila do Porto, Tel. +351/296882513


Der bunte Meerpfau ist auch im Mittelmeer bekannt

Beste Tauchplätze um Santa Maria

Ambrosia Freiwassertauchgang, ca. 5 km vor der Nordwestküste, Boje vorhanden, Weltspitzenplatz für Mobulae. Von Mitte Juli bis Mitte September zweitweise Schulen von 12 bis max. 60 Tieren. Tiefe 0-47 Meter. Schwierigkeit: mittelschwer. Formigas Naturschutzgebiet, kleine Felsgruppe mit Leuchtturm nordnordöstlich etwa 55 km vom Hafen von St. Maria. Viel Schwarmfische, Jäger wie Makrelen, Barrakudas und Haie. Absoluter Spitzenplatz. Schwierigkeit: mittelschwer.

Dollabarat Das Riff liegt ca. 5 km südöstlich der Formigas, Größe ungefähr so wie ein Fußballfeld und ist der Gipfel eines 1000 Meter hohen Unterwasserbergs. Schöne Unterwasserlandschaft aus Lavaformationen, Raubfische (auch Hammerhaie), Mobulae, etliche Zackenbarsche. Tiefe 15-30 Meter. Schwierigkeit: mittelschwer. Blue Cave Auch unter Gruta Azul bekannt, die schönste aller Höhlen der Insel. Mehrere innere Gänge und Ein- bzw. Ausgänge, zeichnet sich aus

durch große Dimensionen, Stalaktiten (Tropfsteinformationen), klares Wasser. Nicht selten große Stechrochen, viele Schalentiere. Tiefe 12-17 Meter. Schwierigkeit: leicht. Pedrinhas Mehrere Unterwasser-Felsnadeln aus Lava, schöne Canyons und Durchbrüche, Tunnel. Viele Kleinlebewesen, einiges an Fisch, auch Raubfische. Das besondere an diesem Tauchplatz: die standorttreue Muräne (Vanessa). Tiefe 7-32 Meter, Schwierigkeit: leicht.


Zum Repertoire von Santa Maria, die auf dem 37. Breitengrad liegt, gehören mehrere Grotten und Höhlen. Die Gruta Azul oder auch Blue Cave ist jedoch die schönste und relativ einfach zu betauchen: große Dimensionen, maximale Tiefe von 17 Meter und drei Ein- bzw. Ausgänge mit stahlblauem Wasser für tolle Motive. Im Innern leben Stechrochen und kleineres Krebsgetier. Die Blue Cave ist fast 20 Kilometer vom Hafen

entfernt, fast genau so weit die Gruta Paralelo, die aber nur erfahrenen Tauchern vorbehalten ist. Halb so weit liegt die Gruta dos Enchareus , die für Stachelmakrelen, Rochen und gelegentlich hier dösenden Ammenhaien bekannt ist. Bei allen Grotten und Höhlen muss immer die Kraft der Dünung beachtet werden, ansonsten verwirbelt es einen schon mal gehörig. Sieben Kilometer vom Hafen entfernt gehört der Spot Pedrinha zum Pflichttauchgang.

Rendezvous mit Vanessa, der bekannten Muräne. Aber nächstes Mal bitte Hände weg!

Lavafelsnadeln ragen nach oben, dazwischen liegen Canyons, Durchbrüche, Tunnels und auch eine Steilwand bis 31 Meter Tiefe machen so richtig Laune. Riffbarsche, Zackis, viele farbenfrohe Lippfische und eine zutrauliche Muräne alles da. Direkt vor Vila do Porto verspricht man an der Insel Ilheu da Vila zwei nette Abstiege und an der Ostseite von St. Maria mit Baixa da Maia hübsche Seeanemonen, viele Kleinfi-


Das Unterwasserplateau Dollabarat ist bei Zackenbarschen sehr beliebt

sche sowie Nacktschnecken. Weitere Spots heißen zum Beispiel Penedia da Maia und Joao Lops, an denen man die üblichen atlantischen Verdächtigen antrifft. Paulos Motto lautet „nice, slowly and easy“ und das hört man mehrmals am Tag. Hektisch wird es bei ihm und auch dem Rest der Insulaner eigentlich selten und manch ein akkurat-pünktlicher Alemanne kann da schon mal die Augen verdrehen. Portugiesische Taucher sehen das etwas lockerer, gehen mit Zeit und Raum anders um. Apropos Raum und ehrliche

Worte zum Hotel, in dem wir untergebracht wurden und in dem die Tauchbasis liegt. Kein Student der Architektur hätte mit diesem Entwurf bei uns das Zwischenstaatsexamen erfolgreich bestanden. Es erinnert ganz stark an die Sechzigerjahre oder an ehemalige DDR-Hotels mit Null Charme, sowohl innen als auch außen. Man hat zwar nahezu alles reingepackt, vom Fitness Center bis zum Swimming-Pool, aber bei manchem tränt einem schon ein bisschen das Auge. Da sich das Ambiente, Service und auch die Küche gerade das

Blitzschneller Jäger: AugenstreifenBernsteinmakrele (rechte Seite)

Prädikat „ausreichend“ verdienten, marschierten wir zum gelungenen Tagesabschluss lieber die 15 bis 25 Minuten den leichten Hügel hinunter in eine der guten Kneipen und Restaurants. Und falls die Füße dann doch schwerer wurden beim Nachhauseweg, die Taxifahrer nahmen dafür etwa plus minus fünf Euros. Muss drin sein bei den auch ansonsten sehr moderaten Preisen für Speis und Trank. So – dies war der Blick zurück. Und heute? Paolo betreibt weiterhin seine Tauchbasis, wenn jetzt auch in einer anderen


Geschäftslage und im kleinen Rahmen. Bei der Unterwasserwelt hat sich nichts verändert und Santa Maria ist immer noch eine recht verschlafene Insel. Nur kam noch eine Tauchbasis hinzu: die Macher von Beluga-Reisen waren so angefressen und begeistert, dass sie hier als Veranstalter kräftig investierten und seit letztem Jahr ihren eigenen Weg mit einem altbekannten, portugiesischen Partner gehen: mit ihrer Tauchbasis „Haliotis Santa Maria“. Sie ist Top ausgestattet und in den Räumen des Hotels Colombo, also gleiche Lage wir zuvor. Aber nichts blieb beim

Alten und manche Improvisationen, über die wir damals nach der Eröffnung stolperten, sind erfreulicherweise Schnee von gestern. Es arbeitet hauptberuflich ein kompetentes Team zusammen, eine fette Kompressorstation und gleich zwei wahre und kostspielige Monster an Schlauchbooten wurden angeschafft. Die versprechen wirklich angenehmere Ausfahrten und Platz ist reichlich vorhanden – auch für die Herren Fotografen. Die Boote verfügen über je zwei Motoren sowie Satellitentelefon und erfüllen somit auch die eigentlich selbstverständlichen

Sicherheitsnormen. Im Portfolio stehen nun auch andere Herbergen, die näher am Hafen liegen, Transfers zur Basis und zurück sind kein Problem. Wer will, der kann. Abschließend das obligate Wort zum Sonntag: Für diejenigen, die auch in Europa den Großen ins Auge schauen möchten, ist Santa Maria eine preiswerte und schnell zu erreichende Alternative zu tropischen Zielen. Mit der Einschränkung, dass hier die Wassertemperaturen kühler sind, die Unterwasserwelt bei den Tauchgängen sich nicht so farbig präsentiert und das Wetter einem kurzfristig


Nicht weit vom Hafen Vila do Porto liegt die Jugendherberge

Die Blue Cave ist bei allen Tauchern beliebt

schon mal einen Strich durch die Rechnung machen kann. Die Bibel der örtlichen Basen ist der Wetterbericht – aber damit lebt es sich gut hier. Auch bei mir ging die Rechnung in den zehn Tagen vollends auf, denn alleine die Mobulabegeg-

nungen waren es mir schon wert und gehören für mich zu den „best of“– und das weltweit. Der Rest der Tauchgänge sammelte immer wieder Punkte und ergab für mich schlussendlich die Note „Gut“ für diese Destination. Schön auch, dass der Insel und dem Tauchen garantiert

nie so eine negative Massen­ entwicklung beschieden sein wird, wie teilweise andernorts.

Ärztliche Versorgung Durchgängig gut. Nächste Dekokammer auf der Insel Sao Miguel.

an und fährt mit dem Minibus zum Hafen. Je nach Anzahl der Taucher gibt es zwei große Schlauchboote (10-12 Meter, je 2 Außenborder) mit allen sicherheitstechnischen Ausrüstungen. Tauchausrüstung im Verleih. Täglich 2 Tauchgänge / Tagesfahrten mit Guide. Bootstrips dauern meist ca. 20-40 Minuten (Ohrenschutz mitnehmen) Rückkehr gegen 16-17 Uhr.

Wer hierher fährt, kann meist schon tauchen, gut so! Auch das Klientel ist ein etwas anderes, Schickimickis bleiben weg. Sehr gut so!

INFO Anreise Mit TAP Portugal von mehreren deutschen Flughäfen nach Lissabon und dann mit SATA Air nach Santa Maria. EU-Bürgern reicht ein gültiger Personalausweis. Zeitunterschied: -2 Stunden (MEZ/Berlin). Geld Euro, alle gängigen Kreditkarten. Telefon Mobilfon auf Sta. Maria, aber nicht auf den Formigas! Strom 240 V, EU-Stecker.

Sprache Portugiesisch, Englisch wird überall verstanden. Tauchen Voraussetzung: mind. AOWD. Beste Monate: Juni bis September. Wassertemperaturen dann 19-24 Grad, empfohlener Tauchanzug 7-mm oder 5-mm-Halbtrocken. Die Basis „Haliotis Santa Maria“ (PADI) liegt hinter dem Hotel Colombo. Hier zieht man sich

Info und Buchung Beluga Reisen www.belugareisen.de info@belugareise.de Tel. 0551/63451340


Alle Fotos: Paul Munzinger


TIERPORTRÄT

Meeresteufel Mobula Völlig zu unrecht erhielten die friedfertigen und harmlosen Geschöpfe diesen negativen Namen von Seefahrern vor langer Zeit. Der blieb bis heute und wird’s auch ewig bleiben. Von Paul Munzinger

Teufelsrochen, zu der der Meeresteufel ge-

hört, sind pelagische Vertreter tropischer und subtropischer Gewässer. Zwei Gattungen gibt es bei den Mobulidae, den Teufelsrochen, und nach heutigem Stand zwölf Arten: die Mobulas sind mit neun Arten und Mantas mit dreien vertreten. Gemeinsam ist allen, dass sie meist gemächlich, elegant und friedfertig die Weltmeere nach Fressbarem durchpflügen. Ob als Einzelgänger, Paar oder in kleinen oder ganz großen Gruppen. Die europäischen Arten der Mobulas sind nur schwer von den tropischen Arten – die sieht man mit etwas Glück immer wieder in Grup-


pen auf den Malediven, vor den Galapagos-Inseln oder in mexikanischen Gefilden – zu unterscheiden, wodurch es auch immer wieder gerne zu Verwechslungen kommt.

Nicht immer einfach zu erkennen, aber ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal: Das Maul des Mobula-Rochens (oben) ist unterständig, das des Mantas (unten) endständig

Unser divingEurope-­ Thema sind die Meeresteufel, die subtropische Art der neun Mobula-Arten. Genau die, die sich auch um die Azoren auf der Insel Santa Maria am Tauchplatz Ambrosia, wie in unserer Geschichte zuvor beschrieben, herumtreiben. Damit sie nicht mit den vielen deutschen Namen verschiedener Wasserteufel durcheinanderkommen, nennen wir ihnen ihren wissenschaftlich korrekten Namen: Mobula mobular. Denn es gibt ja zum Beispiel auch noch einen Seeteufel, der absolut nichts mit den friedlichen Flattermännern zu tun hat, er ist ein am Boden lebender und jagender Anglerfisch und ganz grimmig aussehend. Lebensraum und Vorkommen der Meeresteufel ist der Ostatlantik vom Südwesten Irlands bis auf die Kanarischen und Kapverdischen Inseln, Madeira sowie die Azoren. Aber auch in unserem Hausmeer, dem Mittelmeer, sind sie zu Hause: vor Spanien, Frankreich, Italien, Kroatien, Grie-


chenland oder Malta. Marinebiologische Studien zeigen, dass die Tiere wandern und auch immer wieder gleiche Orte zu einer bestimmten Zeit aufsuchen. Beim Hochseespot Ambrosia sind die Begegnungen mit ihnen fast garantiert und wie vorprogrammiert. Das Zeitfenster dazu liegt zwischen den Monaten Juli und September und sie sind die wahren Lockvögel für dortige Tauchbasen und Veranstalter. Kein Wunder: der Preis der Reise ist heiß, sprich kostengünstig, das Wasser meist klar und sie kommen sehr nahe an die Taucher heran, zeigen kaum Scheu. Ausnahmslos alle, die den Rochen in die großen Augen schauen durften, sind vollends begeistert. Ein Erlebnis der Extraklasse.

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Mit den Extra Divers auf den Kanaren tauchen! Gran Canaria – Hotel Cordial Mogán Playa

Unser Meeresteufel gehört natürlich auch zur Familie der Adlerrochen. Im Englischen heißt er „Devil fish“, was man sich merken sollte, denn Mobula sagen wirklich die wenigsten. Die mei­ 1 Woche inkl. Flüge, Transfers, 7 Nächte Doppelzimmer, Halbpension pro Person ab EUR 780,5 Tauchtage (je 2 Tauchgänge) mit Extra Divers Gran Canaria EUR 265,-

© Beo Brockhausen

Mobulas lieben es in Schwärmen durch die Weltmeere zu ziehen

El Hierro – Apartments La Restinga

10 Tage Reise inkl. Flüge nach Gran Canaria, alle Transfers, 1 Zwischenübernachtung, Inlandsflüge nach El Hierro, 9 Nächte im DZ Apartment pro Person ab EUR 855,5 Tauchtage (je 2 Tauchgänge) mit Extra Divers El Hierro EUR 247,-

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Außer den beiden Kopfflossen sind ihr breiter Kopf und die großen Augen charakteristisch für die Art Mobula


sten sagen eher Manta, was aber auch nicht ganz stimmt. Den größeren Manta nennen viele „Giant Devil Ray“ oder auch einfach nur Manta. Also schon wieder Verwirrspiel. Denn den Manta auf die Schnelle von unserem reizenden und fotogenen Teufelchen zu unterscheiden, ist nicht ganz einfach. Aber näher betrachtet schon: Mobulas besitzen ein unterständiges Maul, die größeren Mantas ein endständiges. Auch am Schwanz unterscheiden sie sich. Der Mobula trägt auf der Oberseite einen oder mehrere gezackte Stacheln, der Manta nicht. Der sogenannte kleine Sägestachel ist mit Widerhaken ausgestattet und hat sogar eine Giftdrüse als Geheimwaffe. Taucher also aufgepasst und natürlich wie immer Finger weg von allen Meerestieren. Wenn der Mobula zu stark genervt wird, kann er damit zuschlagen und hinterlässt nicht nur eine blutende Fleischwunde, sondern der Stachel kann sogar abbrechen, was enorme Schmerzen und Vergiftungen hervorruft. Bei einer anderen Rochenart – dem Blaupunktrochen – haben wir das selbst einmal miterlebt. Ein ägyptischer Guide wollte imponieren und in Sekundenschnelle landete die Peitsche auf seiner Hand. Mit dem Resultat, dass er höllische Schmerzen bekam, sofort zum Arzt musste und anschließend tagelang außer Gefecht gesetzt war. Ein anderes Unterscheidungsmerkmal, wenn auch nicht das beste, sind die Größen der Tiere. Während der Mobula „nur“ bis maximal fünf Meter Spannweite erreichen kann, übertrumpft sein größerer Verwandte, der Manta, ihn um bis zu drei Meter. Solche bis zwei Tonnen schwere Kolosse sind aber äußerst selten, die größten haben wir wirklich auf Yap in den Kanälen oder den Socorros vor der Insel San Benedicto gesehen. Was bei uns Menschen absolut unglücklich aussieht und dem Schönheitsideal wirklich


Vorsicht auch mit den Schiffshaltern: wenn sie genervt sind, können sie schnell nach dem Taucher in der Nähe schnappen

nicht entspricht, trägt bei den Mobulas hingegen zur Eleganz bei: ihr Körper ist breiter als lang und scheibenförmig. Genau gesagt in Form einer Raute, ihre Flügel sind fast eins mit dem Kopf, sie sind dreieckig und spitz zulaufend, in der Evolution umgewandelte Brustflossen. Ihre Rücken oder Oberseiten sind entweder grünlich, bläulich-dunkel oder auch dunkelbraun, ihre Unterseite bzw. ihr Bauch ist weiß.

Manche besitzen hier dunkle Flecken und genau daran kann man sie ebenfalls identifizieren. Nur treten Mobulas meist in Schwärmen auf, die genaue Identifikation eines einzelnen Tieres und in der Schnelle, mit der sie vorbeiziehen, ist alles andere als einfach. Bei den Mantas wird die Identifikation erleichtert, denn sie lieben es auch gerne mal alleine herum zu ziehen und lassen sich öfters an


Santa Margherita Ligure Tauchen im Marineschutzpark Portofino in Ligurien / Norditalien

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Mantas gehören mit ihren drei Arten zur selben Gattung wie Mobulas, sie werden aber alle deutlich größer als die neun Mobula-Arten

sogenannten Putzerstationen von Parasiten befreien. Wie in Trance bewegen sie sich bei ihrem Beautysalonbesuch. Ein geübtes Auge wie das des weltbekannten Mantameisters von Yap, Bill Acker, kann sie dann bestens unterscheiden. Vor seiner Tauchbasis Yap-Divers hängen daher über hundert Fotos und Zeichnungen seiner geliebten Schützlinge, allen gab er einen Namen. Das Markanteste bei den Meeresteufeln ist dagegen ihr breiter Kopf mit den großen Augen und ihre beiden Kopfflossen. Ja – sie lesen richtig: diese abgerundeten und hornartigen Hautlappen, die mit etwas Phantasie wie Hörner eines Teufels aussehen, sind tatsächlich umgewandelte Flossen. Sie dienen allerdings nicht zum Schwimmen, sondern zum Fressen. Werden sie „entrollt“, dienen sie regelrecht als Auffanglenker der Kleinstlebewesen und ab

geht´s in den Rachen. Im Ruhezustand sind diese Hautlappen wie eine überdimensionale Zigarre zusammengerollt. Das im Gegensatz zum Manta viel kleinere Maul besitzt dichte Zahnreihen, es sollen 150 bis 200 sein. Zum Fressen öffnet der Mobula also nur seine Klappe, schwimmt durch das Wasser und schaufelt so Plankton in sich, das dann gefiltert wird. Das filtrierte oder restliche Wasser strömt durch die fünf Kiemenspalten wieder heraus. Na ja, ein paar kleine Schwarmfische verschwinden schon mal im großen Bauch, da sind sie keine Kostverächter. Mobulas, deren maximales Alter nicht bekannt ist, sind also keine Raubfische, sondern ganz friedliche Jungs und Mädels. Zum Thema Geschlecht: wie kann man sie voneinander unterscheiden? Dies funktioniert mit Blick aufs Hinterteil von unten. Genauer


da, wo der Schwanz anfängt, sind zwei Anhängsel, es sind umgebildete Bauchflossen, welche bei den Männern größer sind als bei den Damen. Dies ist auch das Begattungsorgan, aber über deren Fortpflanzung weiß man bis heute recht wenig. Alle drei bis vier Jahre sollen die Weibchen nur ein Junges im Mutterleib haben. Nach der Befruchtung entwickelt sich der Mini im Ei, was aber nicht irgendwo abgelegt oder versteckt wird, sondern sich weiter entwickelt und nur über einen Dottersack ernährt wird. Ist dieser Vorrat von dem kleinen Mobula aufgebraucht, kommt er raus in die Wasserwelt. Die Gelehrten nennen diese innere Entwicklung „ovovivipar“ – ein Mittelding zwischen „vivipar“, lebend gebärend, und Eier legend. Die Tragezeit soll Jahre dauern, was verhängnisvoll sein kann für den Fortbestand der Tiere. Nicht selten findet man sie als Beifang in Netzen, obwohl sie nicht gezielt gejagt werden. Zumindest in Europa! Dies ist mit ein Grund, dass man Mobulas nach Expertenberichten immer seltener sieht und die Gesamtpopulation weltweit dezimiert wird. Viele Tiere besuchen die gleichen Spots immer wieder, zur Freude der Taucher und Basen. Ab und zu fliegen sie aber tatsächlich auch über den Wellen. Warum sie aus dem Wasser schießen und wieder mit lautem Knall auf die Oberfläche klatschen, darüber wird schon immer spekuliert: entledigen sie sich somit lästiger Parasiten auf der Haut, ist es eine geschickte Fluchtstrategie vor Verfolgern oder einfach nur Lebensfreude pur mit Lust auf Sprünge und Pirouetten? Ein Rätsel – wie noch so Vieles unter den Wellen. Der divingEurope-Videotipp Zum aktuellen Tierporträt gibt es den Film „Mobula Ray splashing“ (von BBC One) auf der facebook-Seite von divingEurope: divingEurope für alle!


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divingEurope

Ausgabe Nr. 1 – 1|2015 Europas Vielfalt Tauchkreuzfahrt: Mittelmeer Flusstauchen: Tessin Costa Brava: Cap de Creus Tierportrait: Zackenbarsch

Land Dänemark Grönland ............. 3|2015 Deutschland

Sea Life NRW ......... 2|2015

Italien

Ägadische Inseln ...... 2|2015 Giglio ...................... 3|2015

Malta Nr. 2 – 2|2015

Gozo ....................... 3|2015

Kanarische Inseln: El Hierro

Portugal

Portugal: Madeira Deutschland: Sea Life NRW Italien: Ägadische Inseln Tierportrait: Mönchsrobbe

Madeira ................. 2|2015 Azoren ...................... 3|2015

Schweiz

Flusstauchen/Tessin .. 1|2015

Spanien

Cap de Creus ............ 1|2015

Nr. 3 – 3|2015 Dänemark: Grönland Portugal: Azoren Italien: Giglio

Tauchkreuzfahrt ....... 1|2015 El Hierro/Kanaren ..... 2|2015

Tierportrait

Zackenbarsch ........... 1|2015

Malta: Gozo

Mönchsrobbe ........... 2|2015

Tierportrait: Mobula

Mobula .................... 3|2015

Vergangenheit vielleicht verpasst haben. Alle Titelseiten und die Artikel der bisherigen Nummern sind mit einem Link hinterlegt, der Sie direkt zum Magazin mit

der jeweiligen Reportage führt. Probieren Sie es einfach mal aus!

Liebe Leser, Gegliedert nach Ausgaben und Themen können Sie mit einem Klick zu dem Artikel springen, den Sie gerne noch ein Mal lesen wollen oder den Sie in der

Viel Spaß beim surfen durch die bisherigen divingEurope-Ausgaben!


divingEurope 3|2015  

Gozo – Grönland – Giglio – Azoren

divingEurope 3|2015  

Gozo – Grönland – Giglio – Azoren

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