Diskurs 07 - Jugend & Sexualität

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Themenschwerpunkt „Jugend und Sexualität“


Autorinnen / Autoren DSAin Michaela Moosmann Sexualpädagogin, Sexualberaterin, Mitarbeiterin des Mädchenzentrums Amazone und Projektleiterin des Aufklärungsprojekts „Klipp & Klar“ Seite 04-07

Dr.in Renate Fleisch Leiterin der Aidshilfe Vorarlberg Seite 08-09

Lukas Geiser Sexualpädagoge, Fachmitarbeiter von Lust und Frust – Fachstelle für Sexualpädagogik Zürich, Fachmann für reproduktive und sexuelle Gesundheit PLANeS Seite 18-21

Elisabeth Bauer Studierende an der Fachhochschule Joanneum im Studiengang Sozialarbeit und Sozialmanagement, Leiterin von Workshops zu Körper und Sexualität für Mädchen Seite 28-29

Impressum Medieninhaber, Herausgeber: koje - Koordinationsbüro für Offene Jugendarbeit und Entwicklung, Bregenz und aha - Tipps & Infos für junge Leute, Dornbirn | Redaktionsleitung: Sabine Liebentritt Redaktionsteam: Margit Diem, Roland Marent, Michael Rauch redaktion@jugend-diskurs.at | Lektorat: Margit Diem | Gestaltung & Illustrationen: chilidesign.at | Druck: Hugo Mayer GmbH, Dornbirn Finanzierung: Land Vorarlberg - Jugend Diskurs kostenlos bestellen: abo@jugend-diskurs.at

Im Diskurs haben Menschen als AutorInnen Gelegenheit, ihre Interpretationen von Zahlen und Fakten sowie persönliche Meinungen und Haltungen als redaktionellen Beitrag darzustellen. Hinweis: Allgemeine männliche Bezeichnungen im Diskurs inkludieren die weibliche Form.


Die ersten Worte Jugendsexualität – zwischen Klippen und Klarheit

04-07

Vorarlberger AIDS-Gespräche 2008

08-09

Lesbisch – schwul – homosexuell

10-13

Plattform Sexualaufklärung

14-15

Kommentare

16-17

Eine Vernetzungsinitiative des Landes Vorarlberg von Martina Eisendle und Sabine Liebentritt sowie Dr.in Susanne Fischer

Inhalt Geil, scharf, porno

18-21

jung sein ...

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Jugendliche im Pornorausch; pädagogische Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten Interviews mit jungen Menschen

Mit einer Expertin im Gespräch

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Chancen der HIV-Prävention in der offenen Jugendarbeit

Diskurs stellt Fragen zur Diskussion

26-27

Nicht zu übersehen – nicht übersehen

28-29

Statements von María Molina Parra und Brigitte Riedmann Sexualisierte Gewalt im Alltag

Statements von Erwachsenen

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Jugendzeitungen stellen sich vor

31

Jugendzeitung „jugendinfo“

Special: Serviceteil zum Rausnehmen

Verhütungsübersicht, Surftipps – Sexualpädagogik

Der junge Mensch auf dem Weg zum Erwachsenwerden: Vieles ist neu, manches wird mit anderen Augen gesehen und einiges neu bewertet und bekommt – in Verbindung mit der eigenen Person und Persönlichkeit – eine spezielle und persönliche Bedeutung – wie beispielsweise das Thema „Sexualität“. Sexualpädagogik ist also wichtig, doch darf es dabei nicht nur um die Vermittlung von Zahlen, Daten und Fakten gehen. Der persönliche Bezug des jungen Menschen zu ihrer/seiner Sexualität steht im Mittelpunkt. Es geht um Normen und Werte und die Möglichkeit, eine eigene Position dazu einnehmen zu können. Es geht um Wünsche, Ängste und Vorurteile. Es geht darum, Fragen haben zu dürfen, unsicher und unwissend sein zu dürfen, sich abgrenzen und experimentieren zu dürfen, ohne allzu viele Risiken einzugehen. Es geht um die Befähigung sich selbst, seinen Körper, seine Bedürfnisse wahrzunehmen, ernst zu nehmen und sich über diese Erkenntnisse und Erfahrungen weiterzuentwickeln. Doch auch Aspekte wie sexualisierte Gewalt, HIV-Prävention oder Sexualität als Phänomen in der Gesellschaft finden in dieser Diskurs-Ausgabe ihren Platz. Wir wünschen inspirierende Momente beim Lesen. Sabine Liebentritt, Margit Diem, Roland Marent und Michael Rauch als Redaktionsteam


Stefan Franke / youthphotos.eu

Jugendsexualität – zwischen Klippen und Klarheit


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Hast du gewusst,… ... dass Jugendliche relativ problemlos mit Begriffen wie „Dildo“, „Domina“ oder „Dreier“ hantieren, jedoch zu Themen wie Empfängnisverhütung und Schwangerschaft kaum Wissen vorweisen können?1 ... dass gut aufgeklärte Jugendliche erst später ihre ersten sexuellen Erfahrungen machen als unaufgeklärte?2 ... dass das Durchschnittsalter beim „ersten Mal“ bei den Vorarlberger Jugendlichen – mit einer geringen geschlechtlichen Abweichung (m=14,74 / w=15,03) – bei 15 Jahren liegt und sich damit im europäischen Schnitt befindet?3 ... dass jedes fünfte Mädchen ihr „erstes Mal“ auf Grund des „Drängens“ ihres Partners hinter sich bringt?4 ... dass Österreich im Verhältnis zur Bevölkerungsdichte mit 12 Schwangerschaften pro 1.000 weiblichen Teenagern zwischen 15 und 19 Jahren europaweit im vorderen Feld liegt und Mädchen mit niedrigerem Bildungsniveau häufiger Gefahr laufen, schwanger zu werden?5 ... dass laut einer Umfrage der Jugendambulanz „First Love“ an der Wiener Rudolfstiftung etwa 50 % der Jugendlichen ungeschützten bzw. unregelmäßig geschützten Geschlechtsverkehr praktizieren?6

Klippen Sexualität ist heute im privaten und öffentlichen Bereich lange nicht mehr so tabuisiert, aber nach wie vor ein heikles Thema. Auf der einen Seite versuchen die Eltern, häufig mit Scham und Angst, ihre Kinder aufzuklären und als sexuelle Wesen anzuerkennen. Auf der anderen Seite versucht die schulische Sexualaufklärung einen „Trockenschwimmkurs“, wobei Theorie und Praxis unvermittelt nebeneinander stehen (vgl. Klees, Marburger, Schumacher: „Mädchenarbeit“). Eltern, LehrerInnen und auch JugendarbeiterInnen gehen dem Thema Sexualität oft aus dem Weg, sei es aus persönlicher Befangenheit, aus Unsicherheit oder um allfällige Konflikte und Diskussionen zu vermeiden.7 Die Informationsflut zum Thema Sexualität und Liebe über Medien (Kino, Fernsehen, Zeitschriften, Internet) liefert Jugendlichen nicht nur die gewünschten Informationen, sondern transportiert damit zugleich auch jene für die Kommerzialisierung von Sexualität generell typische Ideologie, die gekennzeichnet ist, die Sexualität auf ihre körperlich-technische Dimension zu reduzieren. Die Informationen bleiben unreflektiert und tragen dazu bei, dass Mädchen und Jungen dem Bild des starken, aufgeklärten und coolen Jugendlichen entsprechen wollen und auch müssen, ohne tatsächlich umfassend informiert und aufgeklärt zu sein. Es ist wichtig, mit den Jugendlichen diese Bilder auf ihre Alltagstauglichkeit zu prüfen, sie zu hinterfragen und dadurch ihr Selbstwertgefühl zu stärken. So wird der „Außendruck“, sexuelle Erfahrungen machen zu müssen, abgebaut und sie entscheiden selbst, wann und wie diese stattfinden.

Situation der Jugendlichen – zwischen biologischen Abläufen, Gruppen- und Mediendruck und Selbstbestimmung Gerade in der Pubertät, in der die Psyche und auch der Körper verrückt spielen, ergeben sich viele innere Konflikte für die Jugendlichen. Oft übertragen sich diese inneren Konflikte ins „Außen“, da sie wenige Möglichkeiten finden, diese für sich zu lösen. Laut Sexualforscher Norbert Kluge setzt die Geschlechtsreife in den westlichen Ländern bei Mädchen wie Jungen immer

früher ein. Pro Jahr verschiebt sich die erste Menstruation bzw. der erste Samenerguss um zwei Monate nach vorne. Für das Jahr 2010 prognostiziert er, dass Mädchen und Jungen mit zehn Jahren geschlechtsreif werden. Diese These wird in der Sexualpädagogik kontrovers diskutiert, da die Individualität der Jugendlichen sowie die Erreichung des Entwicklungsplateaus nicht berücksichtigt werden. Rechtliches Ab dem 12. Lebensjahr sind Zärtlichkeiten ohne Geschlechtsverkehr erlaubt, der/die Sexualpartner/in darf aber nicht mehr als 4 Jahre älter sein. Ab dem 13. Lebensjahr ist der Geschlechtsverkehr erlaubt, sofern der/die Sexualpartner/in nicht mehr als 3 Jahre älter ist. Ab dem 14. Lebensjahr ist der Geschlechtsverkehr bei freier Wahl des/der Sexualpartner/in erlaubt. Selbstentscheidung bei medizinischen Behandlungen/ Verschreibung von Verhütungsmitteln. Selbstentscheidung bei einem Schwangerschaftsabbruch.


Paulius Visockas / youthphotos.eu

Finden Teenager Sex tatsächlich immer früher „cool“? Nein, tun sie nicht. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wünschen sich 80 % der 14-jährigen Mädchen nach ihrem „ersten Mal“, sie hätten damit noch gewartet.8 Hinsichtlich der Sexualreife sowie der Aufnahme sexueller Kontakte hat sich eine auffällige Annäherung der Geschlechter entwickelt. Daher ist die Behauptung, dass Mädchen weniger sexuell interessiert oder sexuell aktiv sind, nicht mehr zeitgemäß.9 „Die Kluft zwischen körperlicher und geistig-psychischer Sexualreife wird immer größer“, bemerkt Sexualpädagoge Kluge nach einer Befragung von 6.000 Jugendlichen. „Dabei hat Sexualität ganz viel mit Verantwortung zu tun, mit Mitmenschlichkeit, mit Bindung und mit Ängsten.“ All das kommt zu kurz, wenn zwar die körperliche Reife da ist, aber die Seele dafür noch nicht bereit ist. Mädchen wie Jungen wissen heute früher und detaillierter über Sex Bescheid als etwa in den 80er Jahren. Viele ihrer sexuellen Informationen besorgen sie sich einfach selbst – ein Phänomen, das SoziologInnen als Selbstsozialisation bezeichnen. Sie nutzen dafür nicht nur die klassischen Jugendzeitschriften, sondern im wachsenden Maße auch das Internet. Laut BZgA Studie will jede und jeder zweite 14-Jährige mehr über das Thema Sexualität wissen.10 Die „American Health Public Association“ bestätigt: 15-Jährige haben zweieinhalb Mal mehr Sex, wenn sie glauben, dass auch ihre Freundinnen bzw. Freunde schon sexuell aktiv sind. Der Gruppendruck ist einfach zu groß. Plattform Sexuelle Bildung Auf der anderen Seite ist es www.sexuellebildung.at für die heutige Teenager-GeDas Ziel der Plattform ist es, neration gar nicht so ungeden Austausch und die Verwöhnlich, sich für die „große netzung unter den qualifizierLiebe“ aufsparen zu wollen. ten und ausgebildeten SeDie Vorarlberger JugendstuxualpädagogInnen und den SexualberaterInnen in ganz die von 04/05 zeigt, dass 84 Österreich zu fördern sowie % der Jugendlichen voll oder das Bewusstsein und die Lobeher an die „wahre Liebe“ byarbeit für die Sexuelle Bilglauben und 77 % von ihdung zu erweitern. Weiters möchte die Plattform nen sich Sex ohne Liebe nicht in Zukunft den Berufsverband vorstellen können. Laut einer für SexualpädagogInnen etaStudie vom BZgA können soblieren und eine Berufsanergar 90 % der 11- bis 17-Jährikennung bewirken. gen wenig mit Sex anfangen,

solange die Verliebtheit fehlt. Diese Ergebnisse passen nicht zum Bild der konsumorientierten, verrohten Jugendsexualität. Die Bedeutung der Liebe in der Sexualität scheint unter Jugendlichen nicht gesunken, sondern gestiegen zu sein. Die Pärchenliebe und serielle Monogamie sind Werte, die sie erstrebenswert finden. „Jugendliche wissen zwar heute bereits in der Pubertät, was SM ist, aber das grundlegende Wissen über die Sexualorgane und deren sexuelle Erregbarkeit fehlt“, erklärt die Beratungsstelle Pro Familia. „Scheinaufgeklärt“ seien die Jugendlichen, bestätigt die „Deutsche Gesellschaft für sexualwissenschaftliche Sozialforschung“. Das Wissen über Sex sei extrem gering, die Illusion etwas zu wissen dagegen groß – eine besonders gefährliche Mischung. Abgeklärte Informiertheit und Romantikbedürfnis prallen bei unseren Jugendlichen aufeinander. Im Grunde ist das gar kein Widerspruch, sondern Bestandteil eines Lernprozesses der Pubertät. Wenn sich mit 13, 14 oder 15 Jahren das sexuelle Interesse zu entfalten beginnt, geht es um sehr konkrete durchaus technische Fragen: Wie macht man das? Mache ich alles richtig? Wie schaffe ich das „erste Mal“, ohne mich zu blamieren? Die Standards für das „Bescheid-wissen“ sind heutzutage hoch gesteckt – und eines wollen Jugendliche ganz bestimmt nicht sein: uninformiert.

Klarheit – Aufgabe der Jugendarbeit Die JugendarbeiterInnen, ErzieherInnen und LehrerInnen werden von den Jugendlichen als „Role Model“, deren Verhaltensweisen übernommen werden, erlebt. Aber was geben wir für ein Vorbild für unsere Jugendlichen


07 ab, die mit unserer Sprachlosigkeit konfrontiert sind oder merken, wie wir uns peinlich berührt um eine Antwort herumdrücken? Wie sollen sie erleben, dass Sexualität ein normales Gesprächsthema sein kann, dass sie ihre Fragen und Ängste zu diesem Thema äußern dürfen, wenn wir es selbst nicht bewerkstelligen? Eine offene Kommunikation und insbesonders ein akzeptierender und unbefangener Umgang mit sexuellen Bedürfnissen und Wünschen von Heranwachsenden sind in der Offenen Jugendarbeit enorm wichtig. Auf dieser Basis erhalten die Jugendlichen umfassende sachgerechte Informationen zum Sexualbereich. Darüber hinaus sollen sie die Möglichkeit haben, ihre Wünsche, Träume, Ängste, Hoffnungen und Befürchtungen zu verbalisieren, sich im gegenseitigen Erfahrungsaustausch der eigenen Bedürfnisse und Interessen bewusster zu werden und deren Ausleben als legitim und wichtig anzuerkennen. Es muss eine Atmosphäre geschaffen werden, in der

sich die Jugendlichen wohl fühlen und sie mit ihrer „Jugendsprache“ über Sexualität ernst genommen werden. Eine nachhaltige Sexualpädagogik zielt nicht nur auf „Crash-Informationsveranstaltungen“ ab, sondern baut Beziehungen auf und begleitet die Jugendlichen längerfristig. Sie möchte die Jugendlichen dort abholen, wo sie stehen und verwendet daher spielerische, jugendgerechte und lustvolle Methoden zur Wissensvermittlung. Deshalb sollte eine aufgeschlossene Sexualpädagogik in jeder Jugendeinrichtung zum Standard zählen. Damit haben Mädchen und Jungen fixe Anlaufstellen, wo sie ihre Unsicherheiten, Ängste und Probleme reflektieren können. So lernen sie eine selbstbestimmte, verantwortungsbewusste und lustvolle Sexualität und sind dadurch besser vor sexueller Ausbeutung und einer ungewollter Schwangerschaft geschützt.

Anmerkung der Autorin: Ich möchte mit diesem Artikel engagierte JugendarbeiterInnen motivieren, sich mehr mit dem Themenkreis Sexualität auseinanderzusetzen, sich Wissen anzueignen oder Weiterbildungen zu besuchen. Gerade Jugendliche, die ihre ersten sexuellen Erfahrungen machen und am Experimentieren sind, benötigen freundliche und konstante Begleitung, um eine befriedigende und selbstbestimmte Sexualität zu entwickeln. Interessierte JugendarbeiterInnen können sexualpädagogische Coachings bei diversen Problemstellungen oder für die Planung sexualpädagogischer Maßnahmen in Anspruch nehmen, welche ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Mitarbeiterin des Mädchenzentrums Amazone anbiete. Kontakt: DSAin/Sexualpädagogin/Sexualberaterin Michaela Moosmann Kirchstraße 39, 6900 Bregenz T: 05574/45801 E: m.moosmann@amazone.or.at www.amazone.or.at

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DSAin Michaela Moosmann

Lugstein, Teresa: Zusammenfassung der Fachtagung zur Sexualpädagogischen Mädchenarbeit beim Mädchenvernetzungstreffen 2003 2 Kluge, Norbert: Sexualverhalten Jugendlicher heute. Ergebnisse einer repräsentativen Jugend- und Elternstudie,1998 3 Koje – Jugendbeteiligungsprojekt und Studie „Was bewegt die Jugendlichen in Vorarlberg“, 2004/2005 4 Chantal, Louis: Zu früher Sex? In: Emma, Ausgabe März/April 2007 5 www.netdoktor.at 6 www.netdoktor.at 7 Moosmann, Michaela: klipp & klar Konzept / Mädchenzentrum Amazone, 2003 8 Lindner, Markus: Auf der Suche nach der passenden Lust. In: Geo, Das Bild der Erde, Ausgabe Februar 2007 9 Moosmann, Michaela: Let`s play about sex… Diplomarbeit, 1999 10 Chantal, Louis: Zu früher Sex? In: Emma, Ausgabe März/April 2007 1


aha

Vorarlberger

AIDS-Gespräche 2008 Die Vorarlberger AIDS-Gespräche haben das Ziel, wichtige Aspekte rund um HIV/AIDS aufzuzeigen und ein Forum für fachliche Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Berufsgruppen in Vorarlberg anzubieten. Die Veranstaltung der AIDS-Hilfe Vorarlberg konnte in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg einerseits und der koje – Koordinationsbüro für Offene Jugendarbeit und Entwicklung andererseits durchgeführt werden. Bei der Veranstaltung, die am 30. Mai 2008 in Hard stattfand, hat die AIDS-Hilfe Vorarlberg zwei Schwerpunkte gesetzt:

Hauptreferate:

HIV/AIDS in Medizin und Pflege und AIDS-Prävention in der Schule und Offenen Jugendarbeit

Nach den Fachvorträgen hatten die TeilnehmerInnen in drei verschiedenen Workshops die Gelegenheit, die Inhalte nach ihrem Bedarf zu bearbeiten und zu vertiefen.

- HIV/AIDS in Medizin und Pflege Dr.in Maria Kitchen, Fachärztin HIV-Abteilung der Universitätsklinik Innsbruck - AIDS-Prävention die ankommt – Zugangswege und aktuelle Informationen zur Aufklärung über HIV/AIDS für Kinder/Jugendliche in der Schule und Offenen Jugendarbeit Mag.a Carola Koppermann, Dipl. Pädagogin und Trainerin für sexuelle Bildung, Wien

Workshops: - Psychosoziale Aspekte in der Begleitung von HIV/ AIDS-Betroffenen Dr.in Birgit Mumelter, Psychologin, Innsbruck


09 - HIV- und Hepatitis-Prävention in Gesundheitsberufen, Umgang mit Ängsten und Unsicherheiten – Faktenwissen schützt Dr. Helmut Pietschmann, Berufsgruppenprävention in der AIDS-Hilfe Wien - Update sexualpädagogischer Methoden zur Präventionsarbeit in der Schule und Offenen Jugendarbeit Mag.a Carola Koppermann, Dipl. Pädagogin und Trainerin für sexuelle Bildung, Wien Die Veranstaltung richtete sich an LehrerInnen, JugendarbeiterInnen, SozialarbeiterInnen, StudentInnen der Krankenpflegeschule, der Pädagogischen Hochschule und der Fachhochschule, MitarbeiterInnen des Roten Kreuzes, Personen, die beruflich oder privat mit HIV-infizierten oder AIDS-kranken Menschen zu tun haben, Angehörige und Interessierte. Namhafte ExpertInnen und rund 120 TeilnehmerInnen ließen die Veranstaltung auch 2008 wieder zu einem Erfolg werden.

bei sozialen, rechtlichen und finanziellen Problemen, bei der Wohnungssuche und bei der Durchsetzung von Ansprüchen gegenüber Ämtern, Behörden, etc. - Information – Prävention Vorträge, Workshops, Seminare und Projekte für Jugendliche in Schulen und Jugendeinrichtungen, LehrerInnen, MitarbeiterInnen von sozialen Einrichtungen, Pflegepersonal und alle Interessierten. Ausleihe von Informationsmaterialien, Büchern und Videos. Beratung bei der Vorbereitung von Referaten, Seminar- und Diplomarbeiten. - Testung Testung auf HIV-Antikörper („AIDS-Test“), Hepatitis C und Syphilis. Dr.in Renate Fleisch

Aids-Hilfe Vorarlberg Kaspar-Hagen-Straße 5, A-6900 Bregenz T: 05574/ 46 5 26 Die Männernummer: 05574/ 46 52 66 E: contact@aidshilfe-vorarlberg.at www.aidshilfe-vorarlberg.at

Fakten rund um die AIDS-Hilfe Vorarlberg Die AIDS-Hilfe Vorarlberg ist ein gemeinnütziger Verein mit dem umfassenden Auftrag, die HIV/AIDS-Thematik und die daraus resultierenden psychischen, medizinischen, sozialen und politischen Folgen aufzuzeigen, Interessierte zu informieren und zu beraten sowie Betroffene zu unterstützen. Das Team ist interdisziplinär und setzt sich aus SozialarbeiterInnen, PädagogInnen und ÄrztInnen zusammen. Alle Angebote sind anonym und kostenlos: - Beratung Persönlich, telefonisch oder per E-Mail zu den Themen HIV/AIDS, Hepatitis; STD’s, Sexualität und PartnerInnenschaft. - Betreuung und soziale Beratung Hilfestellung und Unterstützung für HIV-positive und AIDS-kranke Menschen, ihre Angehörige und FreundInnen

Spendenkonto: Hypo-Bank Bregenz, Kontonummer 10193263114, BLZ 58000 Öffnungszeiten: Beratung: Dienstag und Donnerstag von 17 - 19 Uhr; Mittwoch und Freitag von 10 - 13 Uhr

Lust auf Liebe aber sicher!

Testung: Dienstag und Donnerstag von 17 - 19 Uhr Telefonische und persönliche Beratung sind außerhalb dieser Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich.


machwerk

Lesbisch – schwul –

homosexuell Als homosexuell wird z.B. ein Mädchen, das sich in ein Mädchen verliebt und ein Junge, der sich in einen Jungen verliebt, bezeichnet. Mit lesbisch ist exklusiv die weibliche und mit schwul die männliche Homosexualität gemeint. Studien gehen davon aus, dass zwischen 5 – 10 Prozent der Gesellschaft homosexuell sind. Dieser Prozentsatz kann damit auch auf die Jugend umgelegt werden. Stellt man sich eine

Klasse mit 20 Schülerinnen und Schülern vor, so kann man davon ausgehen, dass eine Schülerin lesbisch und ein Schüler schwul ist.

Das Sich-bewusst-Werden Der Prozess des Sich-bewusst-Werdens über das „Anderssein“ im Bezug auf die sexuelle Orientierung wird Coming-out genannt. Sich outen heisst, zu sich zu stehen, sich so anzunehmen wie man ist und wie man fühlt (inneres Coming-out). Erzählen homosexuelle Jugendliche

auch im Freundeskreis, in der Familie und in der Schule von ihren gleichgeschlechtlichen Gefühlen, spricht man vom äußeren Coming-out. Das äußere Coming-out bedeutet für die Jugendlichen, dass sie mit unterschiedlichsten Reaktionen rechnen müssen. Diese können verhalten, negativ, aber auch positiv und bestärkend sein.

So tun als ob Jugendliche, die nicht als Lesben oder Schwule erkannt werden wollen, schwanken


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Was ist wichtig im Umgang mit homo- oder bisexuellen Jugendlichen? • Die geschilderten Gefühle der Mädchen und Jungen ernst nehmen. • Die gleichgeschlechtlichen Gefühle nicht als Phase ‚abtun’. • Der Homo- und Bisexualität als eine gleichberechtigte Form des Liebens, des Lebens einer Beziehung, der Erfüllung von Sexualität betrachten.

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deshalb manchmal zwischen zwei Polen: so zu tun, als wären sie hetero oder sich zu outen. Selbst für beliebte Schülerinnen und Schüler mit gutem Selbstwertgefühl ist es nicht immer leicht, sich zu outen. Gleichgeschlechtlich liebende Schülerinnen und Schüler fühlen sich deshalb oft ausgegrenzt, in ihrer Identität nicht wahrgenommen und es können Isolations-Gefühle entstehen. Neben dem Bestehen im Freundeskreis müssen sich homosexuelle Jugendliche auch mit einem möglichen Outing in ihrer Familie auseinandersetzen und mit den damit verbundenen Ängsten. Der gesellschaftliche Druck der Heteronormativität ist gerade in Teenagerjahren sehr groß. Verliebt sich ein Teenager entgegen der gesellschaftlichen Erwartung in das gleiche Geschlecht, muss

sie oder er aus den erwarteten Rollen ausbrechen, was viel Mut und Kraft braucht. Gerade wenn sich homosexuelle Jugendliche niemandem anvertrauen können, isoliert sind und keine Perspektive

bezüglich ihrer gleichgeschlechtlichen Gefühle sehen, kann dies zu Suchtmittelmissbrauch oder gar zu Suizid-Tendenzen führen.

Lesbische Mädchen Mädchen, die sich in andere Mädchen, in Lehrerinnen oder Frauen verlieben, haben oft Angst zu ihren Gefühlen stehen zu können. Oftmals werden die Gefühle aus Angst vor Ablehnung im Freundeskreis verdrängt und nicht wahrgenommen. Findet ein Mädchen den Mut, sich

• Im Aufklärungsunterricht soll Homo- und Bisexualität enttabuisiert werden und gleichberechtigt neben der Heterosexualität dargestellt werden. • Lehrpersonen in der Schule oder im Aufklärungsunterricht sowie Jugendarbeitende sollen auf diskriminierende Aussagen von Jugendlichen eingehen, diese als nicht o.k. bewerten, offen darüber diskutieren mit dem Ziel, lesbische Schülerinnen und schwule Schüler zu schützen. • Homophobe, d.h. homound bisexuellen-feindliche Übergriffe nicht dulden oder ignorieren. Zivilcourage von Mitschülerinnen und Mitschülern sind gefragt. • Homo- und bisexuelle Jugendliche definieren sich nicht nur über ihre sexuelle Orientierung, sie sollten deshalb nicht darauf reduziert werden.


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Gut zu wissen • Die Begriffe „homosexuell“, „lesbisch“, „schwul“, „bisexuell“ sind keine Schimpfwörter, außer sie werden in der Absicht verwendet, jemanden zu verletzen oder wenn sie zusammen mit einem andern diskriminierenden Kraftausdruck verwendet werden. • Lehrpersonen, Jugendarbeiterinnen und -arbeiter sowie Angehörige können sich bei Fragen an den Verein Go West wenden.

Literaturtipps Bass Ellen & Kaufman Kate. (1999). Wir lieben, wen wir wollen. Selbsthilfe für lesbische, schwule und bisexuelle Jugendliche. Orlanda Frauenverlag Braun Joachim & Martin Beate. (2000). Gemischte Gefühle. Ein Lesebuch zur sexuellen Orientierung. Rowohlt Taschenbuch Verlag Werner Pia & Wörmann Barbara. (2000). Jane liebt Julia. Das Coming-Out-Buch. Knaur

bei ihren meist heterosexuellen Freundinnen zu outen, können diese wiederum Angst haben, dass sich das lesbische Mädchen in sie verlieben könnte und sie dadurch mitstigmatisiert werden. Die Freundinnen könnten Angst haben, selber als lesbisch zu gelten und damit an Attraktivität bei den Jungen zu verlieren. Durch ein Outing können Freundschaften auf die Probe gestellt werden und es kann auch zu Freundschaftsabbrüchen kommen. Die sexuelle Identität zu finden ist ein wichtiges Thema in Teenagerjahren. Für lesbische Mädchen ist diese viel herausfordernder, da sie zu einer Minderheit gehören. Die meisten Freundinnen müssen sich mit dieser Frage weniger auseinandersetzten, da automatisch davon ausgegangen wird, dass sich ein Mädchen in einen Jungen verliebt. Mädchen werden gefragt: „Hast du einen Freund?“ aber nie: „Hast du einen

Freund oder eine Freundin?“. Lesbische Mädchen können mit einer Reihe von Vorurteilen konfrontiert werden: Lesben sind Männerhasserinnen, sind keine richtigen Frauen, sind Mannsweiber etc. Aber: Lesbische Mädchen sind in erster Linie Mädchen, die sich in andere Mädchen verlieben. Das hat nichts damit zu tun, dass sie deswegen Jungen oder Männer hassen. Sehr viele lesbische Mädchen kommen sehr gut mit Jungs aus. Wichtig zu betonen ist auch, dass lesbische Mädchen genauso unterschiedlich sind wie heterosexuelle Mädchen: Sie haben kurze oder lange Haare, sie tragen Röcke oder Hosen, haben einen coolen oder noblen Style usw.

Schwule Jungen Gregor (er könnte auch anders heißen) ist schwul. Glaubt er zumindest, genau weiß er es noch nicht. Das Gefühl kam vor wenigen Wochen und beschäftigt ihn


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Tag und Nacht. Der 15-Jährige wohnt in einem kleinen Ort in Vorarlberg und steckt mitten in seinem Comingout-Prozess, in dem er lernt, mit seiner Homosexualität umzugehen. So viele Fragen und scheinbar niemand, der sie beantworten könnte. Denn Jungen, die ihre Homosexualität entdecken, stehen mit ihren Problemen erst einmal alleine da. Mit Freunden trauen sie sich ganz oft nicht, offen

über ihre Gefühle zu reden, mit den Eltern erst recht nicht. Zu groß ist die Angst davor, dass Freundschaften gekündigt werden oder Eltern überfordert sind und den Sohn auf die Straße setzen. Dabei ist gerade während dieser Phase das Redebedürfnis riesig. Viele schwule Jungs laufen monatelang, teilweise sogar über Jahre hinweg, mit einem Geheimnis herum und mit jedem Tag wächst der Wunsch, sich anderen mitzuteilen. „Schwule wechseln ständig ihren Partner, Schwule haben affektierte Stimmen, sind tuntig und haben nichts als Sex im Kopf.“ Mit diesen Vorurteilen hat auch Gregor zu kämpfen, denn so ist er nicht und will er nicht sein. Schwule Jugendliche sind im ganz normalen Alltag anzutreffen: z.B. in der Schule, im Bus, bei der Arbeit, im Jugendzentrum und im Eiscafé. Mit den gleichen Gefühlen, den gleichen Bedürfnissen und den gleichen Ängsten wie alle anderen Menschen auch. In erster Linie geht es bei schwulen Jugendlichen nicht darum, dass sie einen Jungen lieben, sondern darum, dass sie einen Menschen lieben.

Gregors Coming-out Wenn Gregor den Schritt des Coming-outs schafft, dann wird sein Leben nicht plötzlich sorgenfrei sein. Denn vor allem die Angst, dass irgendwann von irgendwoher ein blöder Kommentar kommt, bleibt präsent. Ständig wird er sich für seine Sexualität rechtfertigen müssen. Kein Heterosexueller würde jemals auf die Idee kommen, anderen zu sagen, dass er heterosexuell ist. Als Schwuler hingegen muss er ständig abwägen, was er von sich preisgeben möchte, wenn er andere Leute kennen lernt. Wenn Gregor den Schritt des Coming-outs schafft, dann wird er im Gegensatz zu den Ängsten aber auch sehr viele positive

Kontakt: Go West, Verein für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgenderpersonen E-Mail-Anfragen: gowest.info@yahoo.de Tel. Frauen: 0681/10864866, jeweils Do von 18 – 20 Uhr Tel. Männer: 0681/10864832, jeweils Do von 18 – 20 Uhr

Erfahrungen machen, Menschen kennen lernen, denen es ganz ähnlich ergangen ist, die ihn in schwierigen Phasen begleiten werden usw. Und: Gregor wird immer wieder Menschen begegnen, die mit seiner Homosexualität ganz offen umgehen und die ihm nach seinem Coming-out die Frage stellen werden: „Ja und? “. Corinne Scherrer, Sozialarbeiterin FH, Beraterin bei Go West (Autorin Allgemeiner Teil und Lesbische Mädchen) Thomas Pfeifer, DSA, Berater bei Go West (Autor des Teils Schwule Jungen)


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Plattform

Sexualaufklärung

Eine Vernetzungsinitiative des Landes Vorarlberg

Roland Marent vom Landesjugendreferat und Monika Lindermayr vom Landesfrauenreferat sind gemeinsam mit der Betreuung der Vorarlberger Internetplattform für Sexualaufklärung beauftragt. www.6fragen.at 1. Was ist die Plattform Sexualerziehung und welche Personen/Institutionen sind darin vertreten? Was ist das Ziel dieser Plattform? Am 5. November 2002 wurde die Plattform zur Vernetzung von Institutionen und Einrichtungen auf Grund einer Landtagsentschließung eingerichtet.

Bei der Einrichtung der Plattform zeigte sich, dass viele Einrichtungen, Institutionen und Privatpersonen in Vorarlberg Beiträge zum Thema „Sexualaufklärung für Jugendliche“ haben. So war und ist es für uns wichtig, die Angebote kennen zu lernen, Synergien herzustellen, Vernetzungsmöglichkeiten zu schaffen und inhaltliche Zusammenarbeit zu garantieren und die Angebote zu optimieren. Mitglieder der Plattform Sexualaufklärung sind u.a. die Koordinatorin und die Moderatorin des Projektes „Love Talks“, Sexualpädagoginnen und Sexualpädagogen, das Institut für Sexualpädagogik und Kinderschutz, das Ehe- und Familienzentrum, das Mädchenzentrum Amazone, die Aidshilfe Vorarlberg, der Kinder- und Jugendanwalt, die IfS Beratungseinrichtung, Elternvereinsvertreterinnen und –vertreter, der Landesschulrat, das Amt der Vorarlberger Landesregierung, Abt. IVa etc. (Adressen s. www.6fragen.at) Das gemeinsame Anliegen der TeilnehmerInnen der Plattform Sexualaufklärung ist es, die Aufklärung, das Wissen zum Thema Sexualität von jungen Menschen zu verbessern.


15 2. Wie beurteilen Sie die Bedeutung der Sexualpädagogik in Vorarlberg – welchen Stellenwert hat das Thema „Sexualerziehung“? Für Jugendliche nehmen die Themen Sexualität und Partnerschaft einen hohen Stellenwert ein. Wir sind uns der Wichtigkeit der Bedeutung von Sexualität für den Menschen bewusst und nehmen die Jugendlichen in ihren Anliegen ernst. Deshalb fördern wie unter anderem gezielt Informations- und Beratungsstellen, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und Angebote für Jugendliche. Die IfS-Sexualberatungsstellen erfahren eine rege Inanspruchnahme. In Jugendberatungsstellen und Jugendzentren werden Partnerschaft und Sexualität thematisiert. Kurse zur Selbstverteidigung für Frauen und Mädchen werden angeboten. In diesen Kursen werden Sexualität, Gewalt und Verhütung thematisiert. Das Mädchenzentrum Amazone sieht in seinem Konzept Beratung als niederschwelliges Angebot vor. Hier besteht ein offenes Beratungsangebot zum Bereich Sexualität. Gerade in diesen Freiräumen für Mädchen können junge Frauen ihre eigenständige Persönlichkeit erfahren und eine positive Bewertung und Selbstbewertung des Weiblichen erfahren.

3. Was ist aus Sicht des Landes wichtig, wenn es um Sexualpädagogik geht? Wo besteht ein Weiterentwicklungsbedarf? Sexualerziehung muss neben der Vermittlung von Wissen über körperliche Funktionen und Abläufe Sexualität im Zusammenhang mit Emotionalität, Partnerschaft und Geschlechtsidentität thematisieren. Die kritische Auseinandersetzung mit herkömmlichen Geschlechterrollenstereotypen muss dabei ebenso angeregt werden, wie insgesamt geschlechtsspezifische Ausgangslagen und Bedürfnisse zu berücksichtigen sind. Burschen müssen Verantwortungsbereitschaft lernen und gleichzeitig Unterstützung bei der Beschäftigung mit den eigenen emotionalen Bedürfnissen und deren Ausdruck erhalten. Mädchen haben traditionelle Sozialisationselemente wie Passivität und Zurückhaltung bei der Abgrenzung und Durchsetzung eigener Bedürfnisse zu überwinden. 4. Was wünschen Sie jungen Menschen in Hinsicht auf ihre Sexualität? Wir wünschen jungen Menschen, dass sie in Bezug auf ihre Sexualität ernst genommen werden.

Eine Sexualpädagogin und ein Sexualpädagoge zu ihrer Arbeit: Erziehung ist die Begleitung von Kindern auf ihrem Weg zur Adoleszenz. Auf diesem Weg der Sozialisation werden sie von verschiedenen Personen mit deren eigenen persönlichen Entwicklungen und Erfahrungen in unterschiedlichen Systemen begleitet. Im Falle der sexuellen Sozialisation geht es um Sexualerziehung, die eine selbstbestimmte Sexualität eines/einer Heranwachsenden zum Ziel hat. Diese beinhaltet den Beziehungs-, Identitäts-, Lust- und Fortpflanzungsaspekt. Ziel unserer sexualpädagogischen Arbeit ist es, einen Beitrag zu einer ganzheitlichen Sexualerziehung zu leisten. Dabei · unterstützen und begleiten wir Erziehungsberechtigte und PädagogInnen in ihrer sexualpädagogischen Arbeit, · gestalten Seminare, Unterrichtsprojekte mit Kindern und Jugendlichen, · führen Elternabende durch, · vertiefen und ergänzen vorhandenes Wissen und vermitteln neues Wissen. · Dabei orientieren wir uns an den Themen, Wünschen und Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen, · beziehen uns auf die jeweiligen Lehrpläne · und arbeiten nach sexualpädagogischen Grundsätzen. In unseren Seminaren arbeiten wir mit den Kindern und Jugendlichen zu folgenden Themen: · · · · · · ·

Körper- und Sexualaufklärung Sexualität und Sprache Geschlechterrolle Körper und Sinne Beziehungen Werte und Normen das „andere Gesicht“ der Sexualität

An den Elternabenden stellen wir den Eltern unsere Projekte, die wir zusammen mit den PädagogInnen durchführen, vor. Brunhilde und Peter Mayrhofer, Diplom- und Sexualpädagogen, Wolfurt


Geil, geiler, am geilsten Das Thema „Sprache und Sexualität“ einseitig, mosaikartig und insbesondere subjektiv beleuchtet ohne Anspruch auf Vollständigkeit Sprache ist wunderschön. Sie lässt Bilder entstehen. Bringt Gefühle zum Ausdruck. Kreiert Gefühle. Verschafft Gefühlen Platz. Sprache vermittelt. Sprache verletzt, erzeugt Angst, Sprache kann verärgern, Sprache ist eine Barriere. Sprache ist das Abgrenzungsmittel Nr. 1. Sprache informiert und manipuliert. Sie beschreibt Situationen und sie konstruiert Realitäten. Rassismus und Sexismus sind sowohl Ergebnis als auch Begleiter von Wirklichkeitskonstruktionen, die durch Sprache geschaffen oder durch Sprache aufrecht erhalten werden. Sprache und Sexualität ist vor allem durch eines geprägt: Sprachlosigkeit. Nein, um Worte sind wir nicht verlegen, wenn zur Begrüßung „hey alter Wixer“ oder „hey alte Schlampe“ bereits „normale“ Floskeln sind. Doch Sprache, das Sprechen, ist mehr als nur sich mit einigen aneinandergereihten Worten auszudrücken. Sprache hat den Anspruch und die Funktion, dass Menschen miteinander in Verbindung treten. Und wie und ob der als „Wixer“ Bezeichnete und die als „Schlampe“ Benannte miteinander in Verbindung treten, was sie an sich und gegenseitig interaktiv wahrnehmen (oder auch nicht) – das wäre es wert, genauer zu beleuchten. Jugendliche haben es wirklich nicht einfach: mit Worten zu schockieren ist mühsam (und zu schockieren ist ein wesentlicher und legitimer Bestandteil des jugendlichen Daseins). Man muss sich stets etwas Neues einfallen lassen. „Geil“ ist heute ein Wort, das schon bei dreijährigen Kindern beim Legospielen fällt. Es bezeichnet allerhand harmlose Dinge: es gibt „geile“ T-Shirts, „geiles“ Essen, „geile“ Autos. Alles kann geil sein. Doch was hat das alles dann noch mit Sex zu tun? Sprachkultur ist stets ein Abbild einer Gesellschaft. Wenn alles so geil ist, sind wir also eine geile Gesellschaft? Und wenn wir so geil sind, worauf und wodurch sind wir eigentlich so geil? Vielleicht ist diese Geilheit vielmehr ein Sehnen nach einer Gesellschaft, in welcher Sexualität wieder etwas Intimes ist, etwas, das das Herz und den Körper eines Menschen im sich Einlassen auf andere Menschen betrifft und nicht Songtexte, Werbetafeln, Talk-Show-Fernsehsendungen, Computerspiele, Handyvideos, Anzeigen in einer Gratis-Zeitung und vieles mehr. Vielleicht ist unsere Geilheit ein Sehnen nach einem Berühren und Berührt-werden und nicht nach einem Ficken und Gefickt-werden. Martina Eisendle und Sabine Liebentritt


Und so kann‘s Übersicht über Mittel und Methoden der Empfängnisregelung

gehen ...

Was ist es? Wie wirkt es?

Wie sicher ist es?

Was ist zu beachten?

Wo bekommt man es?

Pille

Hormontabletten; verhindern den Eisprung

Bei richtiger Anwendung sehr sicher

Bei Erbrechen 2-4 Stunden nach der Einnahme keine Sicherheit mehr; neue Einnahme erforderlich. Bei Durchfall unbedingt Arzt/Ärztin aufsuchen; Medikamente (z.B. Antibiotika) beeinträchtigen die Wirkung

Mit Rezept in der Apotheke

Minipille

Enthält nur Gestagen; verhindert den Eisprung nicht generell, wirkt an der Gebärmutterschleimhaut und verhindert die Verflüssigung des Zervixschleimes. Spermien können daher nicht in die Gebärmutter gelangen.

Bei richtiger Anwendung sicher

Minipille muss ohne Pillenpause täglich exakt zur gleichen Zeit eingenommen werden. Hohe Einnahmedisziplin erforderlich.

Mit Rezept in der Apotheke

Vaginalring

Flexibler Ring aus Kunststoff, enthält ein Östrogen- und Gestagendepot. Die Hormone werden kontinuierlich an die Scheidenhaut abgegeben und dort aufgenommen. Wie die Pille verhindert der Vaginalring den Eisprung.

Nach Angabe des Herstellers so sicher wie die Pille

Wird von der Frau selbst in die Scheide eingelegt. Nach 3 Wochen folgt eine einwöchige Pause. Im Anschluss muss ein neuer Ring eingesetzt werden.

Mit Rezept in der Apotheke

Verhütungspflaster

Östrogen- und gestagenhaltiges Pflaster, die Hormone werden gleichmäßig über die Haut ins Blut abgegeben.

Nach Angabe des Herstellers so sicher wie die Pille

Das Pflaster bleibt 7 Tage auf der Haut, wird dann gewechselt, nach insgesamt 3 Wochen ist die 4. Woche pflasterfrei.

Rezeptpflichtig

Methoden und Mittel

Hormonelle Methoden


Methoden und Mittel

Was ist es? Wie wirkt es?

Wie sicher ist es?

Was ist zu beachten?

Wo bekommt man es?

Hormonelle Langzeitmethoden Implantat

Kleines flexibles Hormonstäbchen, das der Frau an der Innenseite des weniger aktiven Oberarms direkt unter die Haut eingesetzt wird. Die Wirkung hält drei Jahre lang an. Das Stäbchen gibt gleichmässig kleinste Mengen Gestagen ab, enthält aber kein Östrogen. Wie bei der Pille wird der Eisprung verhindert.

Nach Angabe des Herstellers so sicher wie die Pille

Wird von FrauenärztInnen eingesetzt. Einlage am 1.-5. Zyklustag, die Wirkung setzt sofort ein. Nach spätestens 3 Jahren wird das Stäbchen entfernt, es kann auch sofort ein neues eingesetzt werden.

Bei FrauenärztInnen

Dreimonatsspritze

Enthält nur Gestagen, verhindert in erster Linie den Eisprung

Bei richtiger Anwendung sehr sicher

Muss alle 3 Monate vom Arzt/Ärztin gespritzt werden.

Bei Arzt oder Ärztin

Hormonspirale (Intrauterinsystem IUS)

Kunststoffspirale, die ein Gestagendepot enthält, das kontinuierlich Hormone in kleinen Mengen an die Gebärmutterschleimhaut abgibt. Verhindert Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, hält den Schleimpfropf im Gebärmutterhals dicht, daher können keine Spermien in die Gebärmutter gelangen. Wirkung 5 Jahre

Sehr sicher

Kann nur vom Frauenarzt/ärztin eingelegt werden. Regelmäßig sollte mit Hilfe der in die Scheide hineinreichenden Fäden der Sitz überprüft werden. Alle 6 Monate Überprüfung mit Ultraschall durch den Arzt/die Äztin empfehlenswert.

Bei FrauenärztInnen

Kunststoffspirale mit Kupferdraht umwickelt. Samenzellen werden in ihrer Beweglichkeit gestört, Einnistung eines eventuell befruchteten Eies wird verhindert. Wirkung 3-5 Jahre

Sicher

Kann nur vom Frauenarzt/ärztin eingelegt werden. Regelmäßig sollte mit Hilfe der in die Scheide hineinreichenden Fäden der Sitz überprüft werden. Alle 6 Monate Überprüfung mit Ultraschall durch den Arzt/die Äztin empfehlenswert.

Bei FrauenärztInnen

Intrauterinpessar Spirale (Intrauterinpessar IUP)

Apotheke, Drogerie, Warenhaus, Automaten


Methoden und Mittel

Was ist es? Wie wirkt es?

Wie sicher ist es?

Was ist zu beachten?

Wo bekommt man es?

Mechanische Methoden Kondom

Gummischutz, der über das Glied gezogen wird; Samenzellen gelangen nicht in die Scheide

Bei richtiger Anwendung sicher SCHUTZ VOR ÜBERTRAGBA REN KRANKHEITEN (AIDS!)

Beim Kauf: Markenfabrikate mit „DLF“-Siegel (elektronisch geprüft). Beim Anwenden: keine spitzen Gegenstände, keine fetthaltigen Cremes oder Öle.

Apotheke, Drogerie, Warenhaus, Automaten

Diaphragma

gewölbtes Gummi, von einem elastischen Ring gehalten + Creme; Samenzellen kommen nicht in die Gebärmutter

Bei richtigem Sitz und der Verwendung von Creme sicher

Maximal 2 Stunden vor dem Geschlechtsverkehr einsetzen; muss nach dem GV mindestens 6-8 Stunden in der Scheide bleiben; während dieser Zeit nicht baden, schwimmen; Haltbarkeit 2 Jahre

Apotheke, internationale Apotheke, pro familia-Stellen

Chemische Mittel

Creme, Schaum, Zäpfchen, Vaginaltabletten; sie lösen sich in der Scheide auf, die Samenzellen werden abgetötet oder die Beweglichkeit verändert

Als alleiniger Schutz sehr unsicher, daher nicht geeignet ! Nur in Kombination mit dem Ddiaphragma (+ Creme) zu benutzen!

Mindestens 10 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr einführen; Wirkungsdauer ca. 1 Stunde.

Apotheke, Drogerie, Warenhaus

Sterilisation

Operativer Eingriff, bei dem die Eileiter (Frau) oder Samenleiter (Mann) unterbrochen werden

Sehr sicher Endgültiger Eingriff

Quelle dieser Darstellung: Unterrichtsmaterial ISP Dortmund


Aus der Jugendarbeit – ein Veranstaltungstipp FORUM 20:08

Surftipps

– Sexualpädagogik

www.sextra.de

Seite der Pro familia – Allgemeine Aufklärung

www.pille.com

Seite des Pharmaunternehmens Schering

www.bravo.de

„Dr. Sommer“ Sexualberatung

www.lovespace.de Seite für Jugendliche, gestaltet von der FH Merseburg, die einen Studienzweig „Sexualpädagogik“ führt www.bzga.de

Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Köln (unter Infomaterial/Bestellungen können Broschüren und Untersuchungen bestellt werden)

Österreich speziell: www.lovetour.at/lovelexikon.htm ein Sexualpädagogisches Projekt in Oberösterreich, betreut Schulen und Jugendgruppen, gutes Lexikon www.fgz.co.at

Frauengesundheitszentrum Graz, engagierte Homepage, viel Information und Service

www.fem.at/home4x.htm

Wiener Frauen- und Männergesundheitszentrum

www.frauenratgeberin.at/ hier finden sich nicht nur Gesundheitsthemen, sondern alles von „Abfertigung“ bis „Zwangsheirat“ www.verhuetung.at/

teuer gemachte Pharmaseite für Österreich – in den Suchmaschinen ganz oben

Im Gegensatz zu Heimat steht das Territorium: es definiert sich nicht über die Mitte, sondern über Grenzen. Gerade Jugendliche sind immer wieder mit territorialen Problemen konfrontiert: mit Erwachsenen und ihren Systemen, die Bewegungs- und Begegnungsraum einengen, mit Jugendcliquen, die gewaltsam Grenzen setzen, mit damit verbundenen Gefühlen der Einsamkeit und des Ausgeschlossenseins. Die Fachtagung FORUM 20:08 will ein Ort der Begegnung sein, an dem das eigene Handeln im Austausch mit anderen gestärkt werden soll. Alle, die in Österreich, Liechtenstein, der Schweiz, Deutschland und Südtirol gemeinsam mit Jugendlichen Heimat schaffen – Einrichtungen der offenen und verbandlichen Jugendarbeit, des Streetworks und der Prävention – sind zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen! Termin: 6. bis 8. Oktober 2008 Veranstaltungsort: Jugend- und Familiengästehaus Bregenz Anmeldung: Jugendreferat des Landes Vorarlberg, E: gabriela.bohle-faast@vorarlberg.at


17 Sexualität im Jugendalter aus der Sicht einer Medizinerin

Kommentare

Zwei Aspekte in diesem Kontext sind für uns Mediziner wichtig: Aufklärung und Beratung. Wobei nicht nur die anatomischen Grundlagen zu vermitteln wären, sondern auch die Verhütung ungewollter Schwangerschaften und die Grundkenntnisse bezüglich sexuell übertragbarer Erkrankungen. Nahezu jeder weiß, dass es Pillen gibt. Aber wie nehme ich sie korrekt ein? Täglich? Bei Bedarf? Wie und vor allem wie oft kann ich ein Kondom verwenden? Gibt es ein Ablaufdatum? Gleich, welche Verhütungsmethode – falsch anwenden lassen sich alle. Gezielte Aufklärung verhindert Anwendungsfehler und somit auch weitgehend unerwünschte Schwangerschaften. Es ist wichtig zu wissen, welche Erkrankungen sexuell übertragbar sind. Wie sehen Feigwarzen oder Herpes genitalis aus? Kann ich sie verhindern? Es geht nicht darum, Jugendliche nachhaltig durch medizinische Krankheitsbilder abzuschrecken. Es geht um Information. Um Wissen, welche Erkrankung vermieden werden kann. Bei abweichender Anatomie, der Auswahl der individuellen Verhütungsmethode, der Feststellung einer etwaigen Geschlechtskrankheit, Sexualstörungen, … ist Beratung erforderlich. Gleich, welcher Themenkomplex angesprochen wird, ein Jugendlicher kann sich auf die ärztliche Schweigepflicht verlassen. Beratung erfordert nicht nur einen geeigneten Rahmen, sondern auch Zeit. Zeit, ungeniert zu fragen. Eine Zeit, welche es sich zu investieren lohnt. Dr.in Susanne Fischer Gynäkologin, www.drfischer.at


Geil, scharf,

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Jugendliche im Pornorausch; pädagogische Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten Die heutige Generation wächst mit vielen neuen Medien auf. Informationsbeschaffung, Spiele, chatten in Foren, mailen, SMS und MSN gehören zum Alltag von Jugendlichen. Musikdownloads können gleichzeitig mit Pornodownloads gemacht werden. Mit 98 % steht heute in fast allen Haushalten, in denen 12- bis 19-Jährige aufwachsen, mindestens ein Computer zur Verfügung. Die persönliche Ausstattung der Jugendlichen mit Computern ist mit 67 % ebenfalls sehr hoch. Diese Zahlen der JIM Studie1 aus Deutschland kann man auch für Österreich und die Schweiz gelten lassen.

Zufällig gefunden? Die Erkenntnis – oder vielmehr Bestätigung – der hohen Zahlen bei Jugendlichen zeigt, dass ein kluger Umgang mit den neuen, nicht wegzudenkenden Medien ansteht. Betrachtet man die Zahlen der Google Suchmaschine, dann lässt sich erahnen, dass Sexseiten einen beträchtlichen Anteil der Internetnutzung ausmachen. (Ergebnisse am 07.05.2008 ungefähr 641.000.000 für Sex). Doch

schauen wir etwas differenzierter auf das Spektrum von sexualitätsbezogenen Inhalten. Die Nutzung im Internet, somit auch auf den mobilen Geräten, ist sehr vielfältig. · Zufälliges Treffen auf ungewünschte Inhalte · Abruf von Erotika und Pornografie · Sexueller Selbstausdruck durch die eigene Publikation entsprechenden Materials · Cybersex und Cyberliebe · Meinungs- und Erfahrungsaustausch · Rezeption von Aufklärungs- und Informationsseiten · Inanspruchnahme professioneller Online-Beratung zu sexuellen Fragen2 Diese Aufstellung zeigt, dass nicht alles mit bewusstem Pornokonsum zusammenhängt, was im Internet gesehen wird. Trotzdem suchen Jungen und Mädchen oft bewusst nach erotischen oder pornografischen Inhalten, die nicht selten mit Gewalt verbunden sind. Oder sie produzieren diese sogar selber.

Neugier und pubertärer Anerkennungsdrang Ein mögliches Motiv für die Nutzung und mediale Produktion von Sex und Pornografie ist einerseits entwicklungsbedingt im Kontext von sexueller Heranreifung zum Erwachsenen. Anderseits ist es ein Konstitutionsmerkmal, das heißt ein unbefangenes, zielgerichtetes „auf die Welt zugehen“, um sich der Realität Stück für Stück anzunähern. Alles was geht, wird erprobt.3 Und das gilt auch für das Thema Sexualität und damit


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verbunden Pornografie. Als drittes Motiv gilt auch der Faktor von Sensation Seeking, das heißt, die Lust am Verbotenen, dabei einen Kick zu erleben oder nach Neuem zu streben. In der Wissenschaft geht man davon aus, dass Sensation Seeking entwicklungsbezogenen Veränderungen unterliegt und man eine stetige Abnahme im Verlauf des Erwachsenenalters feststellt.4 Dann geht es auch um die Anerkennung in der Peergruppe. Aus entwicklungspsychologischer Sicht wird klar, dass sich einige dieser Faktoren wie z.B. Neugier, Sensation Seeking, pubertärer Anerkennungsdrang oder auch das Konstitutionsmerkmal mit zunehmendem Alter vermindern. Das ließe darauf schließen, dass nicht alles so im Argen liegt, wie befürchtet.

Dabei stellt sich die Frage, welche Ängste oder Befürchtungen damit verbunden sind, wenn Jugendliche Pornografie konsumieren oder erstellen. Wie wirken sich diese Bilder auf das spätere Leben respektiv auf das sexuelle Verhalten aus? Haben wir Angst, dass die Jugendlichen weniger liebesfähig sind, mehr sexuelle Gewalt anwenden oder sexuell abstumpfen? Vielleicht leben sie Sexpraktiken miteinander, die auf uns Erwachsenen heute fremd und abstoßend wirken.

Sexuelle Gewalt Heute wissen wir nicht, welchen Umgang Jugendliche als Erwachsene mit ihrer Sexualität pflegen werden. Dies können wir nur erahnen und kritisch auf das Verhalten der Jugendlichen schauen. Auch wäre es undifferenziert, die heute viel diskutierte sexuelle Gewalt unter Jugendlichen als Folge übermäßigen Pornokonsums abzutun. Fred Schell, Direktor des Institutes für Medienpädagogik in Deutschland, weist auch darauf hin, dass die Motivation, sexuelle Gewalt anzuwenden, sehr differenziert zu betrachten ist.


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Das Ursachenspektrum reicht von diskrepanten Chancenstrukturen, sozialer Ungleichheit, Arbeitslosigkeit, Perspektivenlosigkeit, mangelndem Selbstbewusstsein, mangelndem Selbstwert, einer gestörten Ich-Identität, eigens erlebten Gewalterfahrungen bis hin zur Unfähigkeit, mit den eigenen Gefühlen umzugehen.5 Eine Kumulation solcher Faktoren kann dazu führen, dass Jugendliche einen problematischen Umgang mit Sexualität erlernen.

Die Verantwortung der Erwachsenen Welche pädagogischen Akzente können wir Erwachsene nun setzen, damit Jugendliche einen positiven realitätsnahen Umgang mit Ihrer Sexualität leben können? Aus den oben gemachten Überlegungen erachte ich es als wichtig, Jugendlichen Angebote zur Verfügung zu stellen, damit sie lernen, Sex und Pornos einzuordnen und damit umzugehen. Gefordert sind dabei Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern, die Schule, die Sexualpädagogik und alle weiteren Per-

1 JIM Studie 2007, http://www.mpfs.de/index.php?id=110, 04.06.2008 2 Eichenberger Chistiane, 2004, http://www.profamilia.de/getpic/2142.pdf, 04.06.2008 3 Schell Fred in: Anfang Günter, Demmler Kathrin, Ertelt Jürgen, Schmidt Ulrike, Handy, eine Herausforderung für die Pädagogik, kopaed, 2006, Seite 39 4 Marvin Zuckerman in Jürgen Raithel: Jugendliches Risikoverhalten. Eine Einführung. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2004, Seite 127 5 Schell Fred in: Anfang Günter, Demmler Kathrin, Ertelt Jürgen, Schmidt Ulrike, Handy, eine Herausforderung für die Pädagogik, kopaed, 2006, Seite 41

sonen und Institutionen, die mit Jugendlichen arbeiten. Das könnte sich folgendermaßen gestalten: · Grenzen setzen, wenn die Integrität anderer Menschen virtuell oder real verletzt wird. · Jugendlichen den Konsum von sexualisierten Websites nicht verbieten und verteufeln. (Sie beschaffen es sich sowieso.) · Selbstverständlich darüber sprechen, dass im Internet sexualisierte Bilder gezeigt und von Jugendlichen konsumiert werden. · Kritische Punkte zu Porno-

grafie benennen und Position beziehen. · Angeben von Web-Links, die differenzierte und nützliche Informationen verbreiten. · Diskussionen über positive und negative Seiten führen. (Was ist o.k.? Was ist nicht o.k.?) · Diskussionen über Begriffe, die Jugendlichen nützen, um ein differenziertes Bild der sexuellen Wirklichkeit zu erhalten. (Pornografie, Erotik, Liebe, ...) · Fördern von kritischem Hinterfragen des Erlebten und Gesagten. Lukas Geiser


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jung sein ... Interviews mit jungen Menschen

Ines, 17 Jahre, Lehre Sex ist schöner, wenn man eine Beziehung hat, weil man dann weiß, dass man geliebt wird. Ich hatte aber schon beides: Sex in einer Beziehung und Sex ohne Beziehung. Beim ersten Mal war ich 13 Jahre alt. Ich war damals lange mit meinem Freund zusammen und wollte auch mit ihm schlafen. Wir hatten in der Schule Aufklärungsunterricht. Mit meiner Mutter und meinen Freundinnen kann ich auch gut über Sex reden. Die Pille ist für mich ein gutes Verhütungs-

mittel. Für Mädchen ist Sex eine gefühlvolle Sache – bei Jungs zählt oft einfach der Spaß. Ich bin auch schon von einem Jungen ausgenützt worden. Das wird mir nicht mehr passieren. Ich passe seither besser auf und warte von nun an, bis ich jemanden besser kenne, bevor ich mit ihm schlafe. Dann weiß ich eher, ob er es ernst meint.


23 Sebastian Albert / Youthphotos.eu

Björn, 14, Schüler Ich habe noch keine Erfahrungen mit Sexualität gemacht, denn ich hatte noch nie eine Freundin. Für mich kann Sex Geschlechtsverkehr, Selbstbefriedigung und Kuscheln sein. Ich war noch im Kindergarten, als ich von

älteren Kindern aufgeschnappt habe, was Sex ist. Verhütung finde ich sehr wichtig und es sollten beide daran denken. Ich denke, Frauen wollen mehr Zärtlichkeit und brauchen auch länger zu einem Orgasmus als Männer. Ganz wichtig ist mir natürlich, dass beide es wollen und bereit dazu sind, niemand sollte gezwungen mit jemandem schlafen. Mich nervt, dass viele Leute nicht offen über ihre Sexualität reden und manche sich so benehmen, als ob es etwas Ekliges ist.

Ghita Andrada / Youthphotos.eu

Jana, 14, Schülerin Ich bin schon einige Monate mit meinem Freund zusammen und wir haben auch schon miteinander geschlafen. Sex ist für mich Geschlechtsverkehr, intim sein und Kuscheln. Ich wurde schon im Kindergarten, als ich auf dem Spielplatz gespielt habe, von anderen Kindern aufgeklärt. Verhütung spielt bei mir eine wichtige Rolle, wenn man einer Person wirklich vertrauen kann, dann kann man mit einem anderen Verhütungsmittel als Kondom Geschlechtsverkehr haben. Aber sonst nur mit Kondom, denn nur das hilft vor allen Geschlechtskrankheiten. Ich denke, die meisten Mädchen lassen sich Zeit bis zum ersten Mal, bis

sie wirklich bereit dazu sind. Man sollte bereit für Sex sein und es nicht zu früh machen, wenn man es noch nicht will. Die Diskriminierung von Homo- und Bisexuellen finde ich nicht okay. Nervig finde ich auch, dass viele Leute so verklemmt sind und daraus ein Geheimnis machen.

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Michelle, 14, Schülerin Ich habe schon geknutscht und gekuschelt. Sexualität bedeutet für mich küssen, streicheln, Geschlechtsverkehr sowie einfach zusammen sein und vertrauen. Aufgeklärt wurde ich gegen Ende der Volksschule durch ein Buch meiner Eltern. Ich denke, man sollte immer ver-

hüten und dies ja nicht vergessen, denn die Folgen können sehr schlimm sein, auch eine Schwangerschaft ist ungewollt nicht passend. Die meisten Mädchen wollen sich Zeit zum Sex lassen und meinen es dann auch richtig ernst, doch es gibt Jungs, die Geschlechtsverkehr einfach nur haben, um cool zu sein. Mir ist auch wichtig, dass beide bereit sind und nicht gezwungenermaßen miteinander schlafen, denn dann ist das erste Mal wahrscheinlich nicht schön. Pornos nerven mich, denn darin werden Frauen oftmals nur als Objekt dargestellt und Liebe spielt hier keine Rolle.

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Manuel, 19, Lehre Aufgeklärt wurde ich schon mit 11 durch Pornos von Kollegen. Später kam dann die Schule dazu. Ich habe viel Erfahrung mit Sex. Wenn es gut läuft, hab ich jedes Wochenende eine Andere. Für mich ist Sex Spaß und einfach das Schönste. Außer beim ersten Mal verhüte ich immer mit Kondom. Ich habe doch keine Lust auf AIDS und außerdem kann man mit Kondom auch länger. Ich denke, dass für Buben Sex wichtiger ist als für Mädchen. Wir denken gleich

immer an Sex, aber es gibt auch Mädchen, die so drauf sind. Für mich ist beim Sex wichtig, dass das Mädchen auch Spaß hat, sonst ist es für mich doch auch langweilig. Wenn Sex, dann richtig!


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Eva, 16 Jahre, Schülerin In einer langen Beziehung gehört Sex klar dazu. Mein damaliger Freund hat gewartet, bis auch ich soweit war. Dann haben wir miteinander geschlafen. Das erste Mal war für mich nicht so schön. Mit mehr Erfahrung ist dann auch der Sex schöner geworden. Ich finde es sehr wichtig, dass sich auch Mädchen trauen zu sagen, wie weit ein Junge gehen darf. Ich sage klar, was mir gefällt und was mir zu weit geht. Super ist, wenn man eine längere Beziehung hat und sich schon besser kennt. Dann kann man gut aufeinander einge-

hen. Buben wollen oft sehr schnell Sex. Mädchen lassen sich viel mehr Zeit und genießen auch alles rund um. Mich nervt es, wenn Jungs die Grenzen nicht einhalten und sauer werden und gleich Schluss machen, wenn man etwas nicht will.

Pierre, 17, Lehre Auch wenn ich schon öfters die Chance hatte, habe ich mein erstes Mal noch nicht hinter mir. Aufgeklärt wurde ich so mit 15 durch Kollegen und ihre Pornos.

Mit Sex verbinde ich Liebe, Beziehung, Geilheit aber auch Enttäuschung, Brutalität, Abenteuer, Ficken, Romantik, geplant, ungeplant, u.v.m. Viele Jungs denken immer gleich an Sex. Sie machen den Mädchen schöne Augen, um sie ins Bett zu bekommen. Viele fallen drauf rein und haben dann keinen Bock mehr auf Jungs. Kondom ist bei mir fix! Ich weiß ja nicht, wer da schon alles drin war. Ich will in das Mädchen, mit dem ich Sex habe, verliebt sein. Es soll meine Freundin sein, wobei Abwechslung dabei sein muss. Sie muss schon auch Gas geben können! Mir ist halt Ehrlichkeit und Vertrauen wichtig und dass das Mädchen mich so nimmt, wie ich bin, aber auch Verhütung.

Niklas, 14, Schüler Bei mir bedeutet Sexualität Geschlechtsverkehr und ich habe auch schon sexuelle Erfahrungen. Als ich in der 1. Klasse der Hauptschule war, wurde ich von meinen Freunden aufgeklärt. Ich finde, beim Sex sollte man im-

mer verhüten, um sich vor übertragbaren Krankheiten sowie vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen. Ein Unterschied zwischen Mädchen und Jungen ist, dass Mädchen viel länger zu einem Orgasmus brauchen. Mir ist wichtig, dass man nicht bedrängt wird und freiwillig Sex hat. Mich nervt total, dass man Homo- und Bisexuelle diskriminiert, denn ich selber fühle mich auch zum selben Geschlecht hingezogen.


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Mit einer Expertin Carola Coppermann zu Chancen der HIV-Prävention in der Offenen Jugendarbeit

im Gespräch

Was spricht für die HIV-Prävention in der Offenen Jugendarbeit? Das Hauptargument ist sicher, dass die Kids ein gutes Verhältnis zu den BetreuerInnen haben. Die Möglichkeit ist größer, auf die jugendkulturellen und interkulturellen Interessen und Bedürfnisse einzugehen. Durch einen längerfristigen und niederschwelligen Zugang können nachhaltig präventive Themen bearbeitet werden. Dabei kann die offene Jugendarbeit schnell auf neue Trends – z.B. keine Kondome zu verwenden – Einfluss nehmen. Die Offene Jugendarbeit erreicht vor allem bildungsferne Jugendliche. Durch ihren demokratischeren Zugang wird Partizipation erleichtert. Was für ein Rahmen ist für die HIV-Prävention notwendig? Alles, was jugendgerecht ist, ist auch präventionsgerecht. Wenn Jugendliche gelernt haben über Gefühle und Probleme zu sprechen, dann bildet es den Boden für Gespräche über Sexualität. Dies kann in Kleingruppen oder Zwiegesprächen geschehen. Wichtig ist das situative Aufgreifen von Fragen. Jedoch ist es nicht immer ratsam, diese Fragen zwischen Tür und Angel zu besprechen. Man kann den Jugendlichen einen Termin geben oder eine Sexsprechstunde einführen. Durch eine Zettelbox – auch digital – kann das Stellen von Fragen erleichtert werden.

Was ist für die HIV-Prävention wichtig? Das Setting ist sehr wichtig sowie auch der Schutz der Intimsphäre, vor allem auch derjenige der BetreuerInnen. Die Jugendlichen sollen zu einer Gesprächskultur erzogen werden, dazu eignen sich vor allem Rollenmodelle. Dabei können Rollenmuster aufgebrochen werden. Bei derber Sprache kann auf ihren verletzenden Inhalt aufmerksam gemacht werden. Es ist sinnvoll, Angebote für Mädchen und Jungen getrennt und dann auch wieder gemeinsam anzubieten. Besonders gut eignen sich Peer-Projekte, die sind aber leider oft sehr teuer. Im kleinen Rahmen kann man auch mit älteren Jugendlichen den Peer-to-Peer-Gedanken verwirklichen. Das kann zu einem Rollenmodellverstärker führen. Vor allem Medienprojekte wie youtube oder Homepages sind gute Möglichkeiten, um mit Jugendlichen zum Thema Prävention zu arbeiten. Können Sie uns noch einige gute Beispiele im In- und Ausland zur HIV-Prävention und Sexualpädagogik nennen? In Wuppertal (www.medienprojekt-wuppertal.de) haben sie tolle Geschichten mit Medien gemacht. Man soll den Carola Koppermann Jugendlichen ruhig Surftipps geben, denn sie sind Diplompädagogin, Wien E: c.koppermann@chello.at ja sowieso im Netz. Oder auch der Mädchengarten Dozentin des Instituts für in Wien. Für einen JungenSexualpädagogik - ISP Dortraum eignet sich auch so mund, selbständige Trainerin und Ausbilderin für ein erlebnispädagogischer Sexualpädagogik, sexuelle Zugang. Im Alltag soll die Bildung und Gendertraining HIV-Prävention mitgedacht werden, den Kids immer Arbeitsschwerpunkte: - Mädchenarbeit Kondome zustecken, auch - Sexualpädagogik in KinderPlakate werden gelesen. gärten, Schulen, JugendwohlDanke für das Gespräch fahrt und freier Jugendarbeit Das Gespräch führten - wissenschaftliche Begleitung Monika Valentin und Marcel Franke.


Diskurs stellt Fragen zur Diskussion

Statements von Fachpersonen zu ausgewählten Fragestellungen Hier ist auch Ihr Standpunkt gefragt: Welche Position und Haltung haben Sie bei diesen Fragen? Teilen Sie Diskurs Ihre persönliche Sichtweise mit unter redaktion@jugend-diskurs.at

1. Sexualität als Wert Wie haben Sie in Ihrer Kindheit das Thema „Sexualität“ im Kontext Ihrer Familie und in Ihrer näheren Umgebung erlebt? Welche Werte haben Sie in diesem Zusammenhang geprägt? 1. Meine Mutter hat immer versucht uns zu vermitteln, dass

María Molina Parra Alter: 25 Beruf: Kunsthistorikerin Was ich mich im Zusammenhang mit Sex immer schon gefragt habe: Wenn ich an Kinder vor dem Fernseher denke, bieten meiner Meinung nach Gewaltszenen viel mehr Anlass zur Sorge als Szenen mit sexuellem Inhalt.

das alles ganz natürlich ist und dass wir mit allen Fragen zu ihr kommen können. Doch es fühlte sich sehr komisch an zu Hause darüber zu sprechen. Mit Freunden – meistens FreundINNEN – war das immer viel einfacher. Meiner Meinung nach sind sie die wichtigste Informationsquelle, wenn man jung ist und sich schämt, bestimmte Themen anzusprechen. Manchmal kann das aber auch gefährlich sein, denn normalerweise wissen sie nicht mehr als man selbst oder sie schätzen Dinge falsch ein. Heutzutage sind Zeitschriften eine wichtige Informationsquelle für Jugendliche, und das halte ich auch für ziemlich gefährlich: Wenn ich die Fragen lese, die sie bei Konferenzen oder in diesen Zeitschriften stellen, dann wird klar, wie wenig sie in Wirklichkeit über das Thema wissen, obwohl Informationen zu diesem Thema überall präsent sind.

1. In meiner Kindheit wurde innerhalb der Familie kaum über

Brigitte Riedmann Alter: 56 Beruf: Lehrerin, Erwachsenenbildnerin Was ich mich im Zusammenhang mit Sex immer schon gefragt habe: Erleben Männer und Frauen die Sexualität auf der emotionalen Ebene gleich?

Sexualität gesprochen. Als ich ca. zwölf Jahre alt war, hat meine Mutter die offensichtlich unangenehme Aufgabe der Aufklärung übernommen. Im Dunkeln informierte sie mich, den Umweg über die Bienen nehmend, über die „Befruchtung“ beim Menschen. Sexualität als solche schien für mich bei meinen Eltern nicht stattzufinden. Über entsprechende Beobachtungen in Fernsehfilmen oder Stellen in Büchern sprach ich mit ein paar Freundinnen, die aber ihrerseits auch nicht viel mehr Ahnung hatten. Fazit: Sex schien eine unvermeidbare Tatsache zu sein, die für alle von einigem Interesse war, über die man aber nicht sprach. Das Thema bekam so etwas Anrüchiges, etwas, dem man nicht entkommen konnte, vor dem man sich aber in Acht nehmen sollte, weil man leicht in sündige Milieus abrutschen konnte.


27 2. Sex als Ware „sex sells“ – das ist eine bekannte Marketingstrategie und sie wird erbarmungslos eingesetzt. Sex ist salonfähig und eine nackte Brust auf einem Plakat ist längst kein Anlass mehr, sich darüber aufzuregen. Wie nehmen Sie die ständige Präsenz von Sex wahr? Welche Wirkungen nehmen Sie wahr?

3. Wertewandel ist sexy? Zwischen „Kondome beim Weltjugendtag der katholischen Kirche“ über Diskussionen von „bauchfrei verboten an Schulen“ bis hin zu „ich gehe keusch in die Ehe“ – welche Tendenzen zeichnen sich aus Ihrer Sicht ab und wie erleben Sie Jugendliche inmitten dieser Bandbreite?

2. Ich finde, es gibt ein bisschen zu viel davon in den Medien, es gibt aber meiner Meinung nach keinen Anlass zur Beunruhigung. Manchmal sind Sexszenen in Filmen und Fernsehshows zu Zeiten zu sehen, wenn Kinder noch vor dem Fernseher sitzen, aber es gibt auch jede Menge Gewalt in den Nachrichtensendungen, und ich finde, das ist ziemlich gefährlich. Natürlich soll man diese Dinge nicht vor Kindern verstecken, aber manchmal sind die Bilder zu eindrücklich für ihr Alter. Ich finde deshalb, dass die Eltern ein Auge darauf haben sollen, was ihre Kinder anschauen, und nicht nur die Programmverantwortlichen. Alle tragen einen Teil der Verantwortung. Ein anderes Thema ist die ständige Präsenz von Sex in der Werbung und in Zeitschriften. Meist ist weibliche Nacktheit das Thema. Wir sollten uns bemühen, zu zeigen, dass Nacktheit etwas Natürliches ist, aber nicht so explizit sein mit den Bildern (es sollte uns an Schönheit gelegen sein und nicht an Obszönität).

3. Ich kenne keine überzeugten Katholiken, die nach dem Motto „keusch in die Ehe” oder ähnlichen Formeln leben, ich kann also nichts dazu sagen. Teenager folgen meistens der aktuellen Mode und kümmern sich nicht um moralische Fragen. Ich glaube, nur sehr traditionelle Menschen kümmern sich darum. Und Kondome sind notwendig, da ist es mir egal, was die Kirche sagt (nicht nur wegen ungewollter Schwangerschaften, sondern wegen der Gefahr der Übertragung von Geschlechtskrankheiten).

2. Ich habe mich an Sex in der Werbung gewöhnt. Meistens

3. In diesem Zusammenhang orte ich eine gewisse Versachli-

gehe ich achtlos daran vorüber. Wenn die Darstellung jedoch geschmacklos und plump ist – eben als Verkauf förderndes Attribut – oder so gar nicht in Zusammenhang mit dem Thema oder Produkt steht, ärgere ich mich auch manches Mal. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Art von Werbung erfolgreich ist. Ich jedenfalls erinnere mich kaum daran, wofür hier geworben wurde. Es kommt aber auch vor, dass ich eine gut gestaltete Werbung, die auf raffinierte Art mit Sex spielt, als anziehend und anregend empfinde. Dabei spielt eine große Rolle, wie gut der Zusammenhang, das Zusammenspiel von zu verkaufendem Produkt und Sex gelungen ist.

chung von Sex und Erotik. Einerseits kann man z.B. als Lehrerin offen über Sexualität sprechen. Die jungen Menschen sind mit Fachausdrücken über Techniken und Spezialitäten vertraut. D.h., sie haben ein Wissen darüber. Bei näheren Gesprächen stelle ich dann fest, dass die Verunsicherung durch die Medien groß ist. Ich denke, dass die große Diskrepanz zwischen eigenem Erleben und Erfahrungen und dem „coolen“ Umgang mit dem Thema Sexualität zu dieser Verunsicherung führt. Die Reaktionen sind gespalten: Die einen verschließen sich eigenen Erfahrungen, schieben die Verantwortung und die Entscheidung auf Institutionen wie Kirche und Ehe, die anderen geben sich rund um die Uhr „sexy“ ohne zu differenzieren. Beides ist für mich eine Werteverschiebung: Die Verantwortung für die eigene Sexualität wird abgegeben oder öffentlich gemacht und daher der Wert für die Bindung an einen Partner verringert.


Sexualisierte Gewalt im Alltag

Poecherstorfer Nicole / Youthphotos.eu

Nicht zu übersehen

– nicht übersehen

Im vorliegenden Artikel möchte ich keine wissenschaftliche Arbeit vorlegen, sondern alltägliche Formen sexualisierter Gewalt aus der Sicht einer 21-jährigen österreichischen Studentin beschreiben. Wenn wir den Begriff „sexualisierte Gewalt“ hören, denken wir zu allererst an Formen sexueller Übergriffe wie Vergewaltigungen und andere massive körperliche Gewalttaten. Wir denken weniger an jene Formen von sexualisierter Gewalt, mit denen Mädchen und junge Frauen sich täglich auseinandersetzen müssen, ohne dass sie diese immer bewusst wahrnehmen. Sexualisierte Gewalt ist Bestandteil der Werbung,

der Musik und der Sprache unter Jugendlichen und wird oftmals nicht hinterfragt.

Objektivierung des weiblichen Körpers Geworben wird überall: auf den Straßen, in Bildungseinrichtungen, im Radio, im Fernsehen, auf Autos, in Geschäften oder in Zeitungen. Schockierend dabei ist die Darstellung von Mädchen und Frauen in dieser permanenten Werbeeinschaltung. Wenn die Werbung eines Produkts auf Frauen abzielt, ist das zentrale Thema zumeist der weibliche Körper mit klaren Vorgaben für attraktives Aussehen. Diese Objektivie-

rung des weiblichen Körpers verschärft sich, wenn der Körper der Frau zu Werbezwecken instrumentalisiert wird. Besonders fallen hier Autowerbungen auf: Dem Schönheitsideal entsprechende Frauen schmiegen sich oft an Motorhauben, um das Produkt „an den Mann zu bringen“. Hier wird der Frauenkörper als zu erwerbendes, zu besitzendes Objekt dargestellt, als „kleines Extra“ zum Sportauto, wie ein Schlüsselanhänger oder ein Wunderbaum. In manchen Musikvideos läuft es nicht viel anders ab. Spärlich bekleidete Frauen mit Topmodelfiguren tänzeln


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Zweideutige Botschaften Auch Girlbands der kommerziellen Popmusik zeichnen oft kein realistischeres Frauenbild, sondern machen die Sache verwirrender. Girlbands werden oft als geballte Frauenpower verkauft, singen Texte, in denen sie Männer in die Wüste schicken und geben in Interviews Floskeln von sich, wie stark sie als Frauen doch sind. Optisch sind sie allerdings kaum von den oben genannten Frauen zu unterscheiden. Auch sie verkaufen ihre Musik mit ihren Körpern und pflegen ein „perfektes Aussehen“. Diese zweideutigen Botschaften sind verwirrend und tragen nicht zuletzt dazu bei, dass junge Mädchen oftmals keine gesunde Beziehung zu ih-

rem eigenen Körper haben. Trends in der Musik beeinflussen auch die Sprache der Jugendlichen. Oft werden englische Wörter zwar sinngemäß in den deutschen Sprachgebrauch übernommen, jedoch ohne Wissen darüber, was sie genau bedeuten. So passiert es, dass Zuschreibungen wie „Pussy“ oder „Bitch“ für Mädchen unter Jugendlichen alltäglich werden. Mädchen werden hier erneut auf ihren Körper reduziert und permanent mit sexuellen Handlungen in Verbindung gebracht.

Wichtig: Sensibler Blick Sexualisierte Gewalt beginnt also da, wo das Machtgefälle zwischen Männern und Frauen erhalten und verstärkt wird. Durch die oben genannten Beispiele wird deutlich, dass Bilder und Sprache mit der Objektivierung des weiblichen Körpers die Integrität von Mädchen und Frauen verletzen können. Es geht darum, einen sensiblen Blick auf die Darstellung von Weiblichkeit und der Rolle der Frau zu haben und Selbstbestimmung sowie Selbstverantwortung zuzulassen. Elisabeth Bauer

Der Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch zu „Sexualisierte Gewalt“ Die nahe liegende Assoziation beim Thema „sexuelle/sexualisierte Gewalt und Jungen“ ist die Frage nach Ursachen und Gründen, welche zu Übergriffen führen. Männliche Jugendliche als Täter, Mädchen und Frauen als Opfer. Vor der Erörterung von Risikofaktoren ist darauf hinzuweisen, dass mit der sexuellen Entwicklung nicht selten auch ein Probierverhalten verbunden ist, wobei derartige „Fummeleien“ auch ohne Gewaltanwendung, beispielsweise begangen von Jugendlichen gegenüber Kindern, schon grenzverletzend sein können. Wie bei der Jugendkriminalität im Allgemeinen müssen solche entwicklungsbedingten Fehlverhaltensweisen abgegrenzt werden von sexuellen Grenzverletzungen, die persönlichkeitsspezifisch sind. Es gilt – entwicklungsbedingte – Gelegenheitstäter von so genannten Neigungstätern zu unterscheiden. Bei sexueller Gewalt an Kindern durch Jugendliche handelt es sich meist um Gelegenheitstäter, die in ihrer sexuellen Entwicklungsphase eine sexuelle Interaktion suchen, die Ersatzcharakter für gewünschte partnerschaftliche Sexualität hat. Hierbei sind diese entwicklungsbedingten Fehlverhaltensweisen in der Regel weniger schwerwiegend. Ansonsten können u.a. folgende Risikofaktoren Ursachen für schwere Formen von sexuell grenzverletzendem Verhalten sein: Erfahrungen von Gewaltanwendung in der Familie, Alkoholabhängigkeit bzw. Alkoholmissbrauch, Fremdplatzierungen in Familien bzw. Heimunterbringungen, frühe Randständigkeit, die sich insbesondere in Schulproblemen zeigt, sexuelle Grenzverletzungen in der Familie, insbesondere sexueller Missbrauch der Kinder in der Familie, Aufenthalt in Risikogruppen bzw. umgekehrt soziale Isolation oder auch psychische Störungen. Mädchen werden als Opfer, männliche Jugendliche vorwiegend als Täter wahrgenommen. Dabei gilt es zu beachten, dass auch männliche Jugendliche Opfer von sexueller Gewalt werden können. Insgesamt geht es bei Jugendlichen darum, den Tätern wie den Opfern gerecht zu werden. Sexualgrenzverletzende Kinder und Jugendliche sind kein neues Problem, wir müssen uns aber intensiver um diese Kinder und Jugendlichen kümmern.

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um einen Mann herum und werden zum Aushängeschild der männlichen Macht. Musik ist für Jugendliche ein Mittel der Identitätsfindung. Unter diesem Aspekt kommt den in den Musikvideos produzierten Bildern besondere Bedeutung zu: Frauenkörper sind Schmuck des Mannes, stehen jederzeit zur Verfügung und sind absolut austauschbar.


Statements von Erwachsenen

Katharina , 24, Dornbirn, Sozialarbeiterin Wenn ich an meine Jugend zurückdenke: Das erste Mal bei mir war nicht toll, in der Zeit danach war Sexualität mehr ein Probieren als ein lustvolles Erleben. Auch war ich unsicher in dieser Zeit. Verhütung war immer ein Thema – damals hauptsächlich wegen einer möglichen Schwangerschaft; mein Wissen über Krankheiten hielt sich noch in

Grenzen. Die Jugendlichen von heute, vor allem die Mädels, möchte ich dazu ermuntern, selbstbewusst mit dem Thema umzugehen und sich nichts gefallen zu lassen.

Dirk, 29, Bregenz, Gastronom Sexualität macht Spaß und gehört zum Leben dazu. Ich selbst bin homosexuell. Das bemerkte ich als Jugendlicher im Sportunterricht, als ich mich für andere Jungs

interessierte. Es war mir peinlich und ich bekam dies auch negativ zu spüren. Da ich nicht richtig aufgeklärt wurde, war Verhütung auch kein Thema für mich. Heute denke ich anders darüber. Den Jugendlichen heute möchte ich sagen, dass Verhütung sehr wichtig ist, denn es gibt nicht nur Aids, sondern auch andere sexuell übertragbare Krankheiten.

Hedi, 55, Therapeutin Sexualität begleitet uns das Leben lang. Sie steigert sich eher noch, weil tiefere Schichten von weiblichen und männlichen Qualitäten bei beiden entwickelt werden können. Da ich zu den unruhigen 70er-Jahre Jugendlichen gehöre, stand uns die Pille jeher zur Verfügung. Sie hat unsere Perspektive als Frauen entscheidend verändert, denn wir konnten selbst den Zeitpunkt festsetzen, wann wir Kinder bekommen und konnten Bildung auch vorziehen. Aufgeklärt haben wir uns untereinander, von den Eltern nahmen wir das nicht an. Freie

Liebe stand zur Diskussion, aber leben wollte ich Liebe und Sex nur im Doppelpack. Nach wie vor empfinde ich einen großen Unterschied zwischen den Generationen, aber ich staune, wie verantwortungsvoll die allermeisten Jugendlichen heute sind.

Stefan, 27, Nüziders, Sozialarbeiter Sex bedeutet für mich Zwischenmenschlichkeit, Beziehung, Freude und natürlich Liebe. Ich erinnere mich, dass das erste Mal irgendwie lustig war, es war einfach nicht ernst. Zuerst war es angstbesetzt, aber nachher nur noch lustig. Als Kind bedeutete Sex für mich das, was man im Fernsehen zu sehen bekommt, wenn man länger aufbleiben darf. Aufgeklärt wurde ich von meiner Schwester. Unter Kollegen wurde vor allem darüber verhandelt, was man denn beim Sex alles machen kann. Fragen stellte man keine, da war der Druck zu groß. Am Anfang war wichtig herauszufinden, was man sich selber wünscht.

Später werden die Wünsche des Partners immer wichtiger. Trotz gutem Verhältnis mit meinen Eltern sprach ich nicht über Sex mit ihnen. Ich wünsche den Jugendlichen, dass sie ihre Sexualität ohne gesellschaftlichen, familiären und freundschaftlichen Druck passieren lassen können.


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jugendinfo Das Jugendheft der Stadt Dornbirn erscheint seit 1994 und ist damit eine der ersten Jugendpublikationen einer Gemeinde in Vorarlberg. Der bunte Themenmix bietet einiges, was das junge Leserherz begehrt: Jugendliche erhalten Infos zu aktuellen Projekten und Aktionen Dornbirner Jugendeinrichtungen und -organisationen, lesen Reportagen zu Events, erfahren, was andere Jugendliche zu verschiedenen Themen zu sagen haben und bekommen einen Überblick zu wichtigen Adressen. Fünf Mal im Jahr wird das „jugendinfo“ mit einer Auflage von 5.000

Exemplaren veröffentlicht. Zielgruppe sind die Dornbirner Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren sowie MultiplikatorInnen und Fachleute der Jugendarbeit.

Das Sprachrohr von Stadt, Vereinen und Jugendlichen Neben den Aktionen der Jugendabteilung im Dornbirner Rathaus können Vereine ihre aktuellen Angebote präsentieren. In jeder Ausgabe steht z.B. der Offenen Jugendarbeit Dornbirn mit den beiden Jugendhäusern Vismut und Arena, dem Verein Jugendbeteiligung Dornbirn („JUGENDORNBIRN“), dem Jugendinformationszentrum aha, der Vorarlberger Jugendkarte 360 und dem Arbeits- und Bildungsprojekt Dornbirner Jugendwerkstätten sowie der verbandlichen Jugendarbeit Platz für Berichte, Projekte und Infos zur Verfügung. Jugendliche kommen laufend durch Befragungen zu verschiedenen Themen zu Wort. Über die jährlich stattfindenden Jugendbegegnungen mit Dornbirns Partnerstädten Kecskemét (Ungarn) und Sélestat (Frankreich) wird ebenso umfangreich berichtet wie über das Jugend-Festival auf der Frühjahrsmesse.

Kontakt Amt der Stadt Dornbirn Jugendabteilung Elmar Luger, Christa Kohler, Emanuel Jochum Rathausplatz 2 6850 Dornbirn T: 05572/306-4400 E: jugendsupport@dornbirn.at www.dornbirn.at/jugend

Einfach und praktisch Das „jugendinfo“ ist durch den einfachen und übersichtlichen inhaltlichen Aufbau gekennzeichnet. Brandaktuell ist die Präsentation verschiedener Jugendszenen in jeder Ausgabe – Jugendliche erfahren so einiges über die Eigenschaften und Eigenheiten der jeweiligen Szene und auch Szeneangehörige können sich über andere Szenen informieren. Das praktische A6-Format passt in jede Hosentasche und kann daher überall mitgenommen werden.

Jugendliche gestalten mit Im Herbst 2008 erscheint das „jugendinfo“ mit neuen Inhalten. Gemeinsam mit Jugendlichen wird derzeit ein neues Konzept erarbeitet. Ideen und Vorschläge von Jugendlichen werden auch hier sehr ernst genommen.


Ausgabe 07 September 2008

DVR 0662321

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Sollten Sie keine Zusendung des Jugend-Fachmagazins Diskurs wünschen, melden Sie sich bitte unter abo@jugend-diskurs.at oder im aha unter 05572/52212.

...lesen Sie Meinungen und Ansichten zum Thema „Gewaltprävention und Jugendarbeit“.

Auf den Punkt gebracht.


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