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DIE DRITTE AUFLAGE


FRÃœHEN%),CHIB VON RAINER MARIA RILKE

LEIPZIG Im INSEL-VERLAG

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DAS IST DIE SEHNSUCHT: WOHNEN' IM GEWOGE UND KEINE HEIMAT HABEN IN DER ZFIT. UND DAS SIND WÜNSCHE: LEISE DIALOGE TÄGUCHER STUNDEN MIT DER EWIGKEIT.

UND DAS IST LEBEN. BIS AUS EINEM GESTERN DIE EINSAMSTE VON ALLEN STUNDEN STEIGT, DIE, ANDERS LÄCHELND ALS DIE ANDERN SCHWESTERN, DEM EWIGEN ENTGEGENSCHWEIGT.


ICH

bin so jung.

Ich möchte jedem Klange,

der mir vorüberrauscht, mich schauernd schenken,

und

willig in des

Windes liebem Zwange,

wie Windendes über dem Gartengange, will

meine Sehnsucht ihre Ranken schwenken.

Und

jeder

Rüstung bar will ich mich brüsten,

solang ich fühle, wie die Brust sich breitet.

Denn wenn der

es ist Zeit, sich reisig auszurüsten,

aus der frühen

Tag mich

Kühle dieser Küsten

in die Binnenlande leitet.


ICH

will ein Garten sein, an dessen

Bronnen

Träume neue Blumen brächen, einen abgesondert und versonnen,

die vielen

die

und

die geeint in

Und wo

sie schreiten,

will ich mit

und

wo

schweigsamen Gesprächen.

sie

über ihren Raupten

Worten wie mit Wipfeln

rauschen,

ruhen, will ich den Betäubten

mit meinem Schweigen in den Schlummer lauschen.


ICH

will nicht langen nach

dem

lauten

Leben

und keinen fragen nach dem fremden Tage:

Ich fühle, wie ich weiße Blüten trage, die in der

Kühle ihre Kelche heben.

Es drängen viele aus den Frühlingserden,

darinnen ihre Wurzeln Tiefen trinken,

um

nicht

mehr könnend

vor Sommern,

in die

Knie zu sinken

die sie niemals segnen werden.


MEINE frühverliehnen Lieder oft in der

Ruh

überrankter Ruinen

sang ich

Hätte

sie

dem Abend gerne zu

sie zu.

Ronden

aneinandergereiht, einer erwachsenen Blonden als

Geschenk und Geschmeid.

Aber unter

allen

war

ich einzig allein;

und

so ließ ich sie fallen:

sie verrollten

wie

lose Korallen

weit in den Abend hinein.


Worte, im DIE armen unscheinbaren Worte,

Alltag darben,

die

die

Aus meinen Festen schenk da lächeln

Ihr

sie

Wesen,

lieb ich so.

ich ihnen Farben,

und werden langsam

das sie

bang

in sich

froh.

bezwangen,

erneut sich deutlich, daĂ&#x; es jeder sieht; sie sind

noch niemals im Gesang gegangen,

und schauernd

schreiten sie in

meinem

Lied.


A RME Heilige aus Holz jr^kam meine Mutter beschenken; und

sie

staunten

stumm und

stolz

hinter den harten Bänken.

Haben ihrem heißen Mühn sicher

den Dank vergessen,

kannten nur das Kerzenglühn ihrer kalten Messen.

Aber meine Mutter kam ihnen Blumen geben.

Meine Mutter alle

aus

die

Blumen nahm

meinem Leben.


ICH am einem

geh

jetzt

immer den

Garten entlang,

wo

gleichen Pfad; die

Rosen grad

sich vorbereiten;

aber ich fühle; noch lang, noch lang ist

das alles nicht

mein Empfang,

und ich muß ohne Dank und Klang ihnen vorüberschreiten.

Ich bin nur der, der den

dem

die

bis die

Gaben nicht

kommen,

Zug

die seliger sind,

lichte, stille Gestalten,

sich alle

Rosen im

wie rote Fahnen

entfalten.

werden

beginnt,

galten;

Wind


DAS

ist

das

ist

der Tag, in

dem

die Nacht, die

ich traurig throne,

mich

ins

Knieen warf;

da bet ich: daß ich einmal meine Krone

von meinem Haupte heben

darf.

Lang muß ich ihrem dumpfen Drucke dienen, darf ich

zum Dank

nicht einmal ihren blaun

Türkisen, ihren Rauten und Rubinen

erschauernd in die

Augen schaun?

Vielleicht erstarb schon lang der Strahl der Steine, es stahl sie

vielleicht

die ich

mir

vielleicht

mein Gast, der Gram,

auch waren in der Krone keine,

bekam?

.

.

.


WEISSE Seelen nnt den Silberschwingen, Kinderseelen, die noch niemals sangen, die nur leis in

zu

dem Leben

immer weitern Ringen ziehn, vor

dem

sie

bangen,

werdet ihr nicht euren Traum enttäuschen,

wenn und

die

ihr

nicht

Stimmen draußen euch erwachen,

könnt aus tausend Taggeräuschen

mehr

lösen euer Liederlachen?

IG

1


ICH

bin zu Hause zwischen

Tag und Traum.

wo die Kinder schläfern, heiß vom Hetzen, wo die Alten sich zu Abend setzen,

Dort dort

und Herde glühn und

hellen ihren E^aum.

Ich bin zu Hause zwischen

Dort

wo

die

Abendglocken

Tag und Traum. klar verklangen

und Mädchen, vom Verhallenden befangen, sich

Und und

müde

stützen auf den Brunnensaum.

eine Linde alle

ist

mein Lieblingsbaum;

Sommer, welche

in ihr schweigen,

rühren sich wieder in den tausend Zweigen

und wachen wieder zwischen Tag und Traum.

II


UND

Dämmerung und vom Schoß

einmal lös ich in der

der Pinien von Schulter

mein dunkles Kleid wie eine Lüge

und tauche und

zeige

den mir die

wie das

die

los

Sonne bleich und bloß

meinem Meere:

Dann wird

Und

in die

Brandung

Wogen

ich bin jung.

sein

wie ein Empfang,

festlich vorbereiten.

eine jede zittert nach der zweiten, soll

ich ganz allein entgegenschreiten:

macht mich bang

.

.

.

Ich weiß: die hellgesellten Wellen

weben

mir einen Wind;

und wenn der

erst beginnt,

so wird er wieder meine

12

Arme heben


Du,du den wir und alle

sangen,

einziger

echter Christ,

du Kinderkönig, der du ich bin allein; mein

bist,

alles ist

entgegen dir gegangen.

Du

Mai, vor deinen Mienen

mich

sieh

bereit, die

Arme

weit:

dein Unmut, deine Zögerzeit,

Mut und deine Müdigkeit alles Raum in ihnen

dein hat

.

.

.

13


Du

wacher Wald, inmitten wehen Wintern

hast

und

du ein Frühlingsfühlen

du dein

leise lassest

dir erkühnt,

Silber sintern^

damit ich seh, wie deine Sehnsucht grünt.

Und wie mich

weiter deine

erkenn ich kein

Wohin und

Wege kein

führen,

Woher

und weiß; vor deinen Tiefen waren Türen und

sind nicht mehr.

H

I


Du

mußt

dann wird

Und so

Leben nicht verstehen,

das

es

laß dir jeden

werden wie ein

Fest.

Tag geschehen

wie ein Kind im Weitergehen

von jedem Wehen sich viele Blüten

schenken

läßt.

Sie

aufzusammeln und zu sparen,

das

kommt dem Kind

Es löst

sie leise

drin

sie

und

hält

nicht in den Sinn.

aus den Haaren,

so gern gefangen waren,

den lieben jungen Jahren

nach neuen seine Hände hin.

15


ICH

mĂśchte werden wie

die ganz

Geheimen:

Nicht auf der Stirne die Gedanken denken,

nur eine Sehnsucht reichen in den Reimen, mit allen Blicken nur ein

Keimen,

leises

mit meinem Schweigen nur ein Schauern schenken.

Nicht mehr verraten und mich ganz verschanzen

und einsam Erst

bleiben; denn so tun die Ganzen:

wenn, wie

die laute

Menge

dann heben

hingefällt tief ins

sie die

von

glitt,

Herzen wie Monstranzen

aus ihrer Brust und segnen

t6

lichten Lanzen,

Knieen

sie

damit.


VOR

lauter

du mein

Lauschen und Staunen

tieftiefes

daß du weißt, was der

sei

still,

Leben;

Wind

dir will,

eh noch die Birken beben.

Und wenn

dir einmal das

Schweigen sprach,

laß deine Sinne besiegen.

Jedem Hauche gib er

dich, gib nach,

wird dich lieben und wiegen.

Und dann meine daß

dir das

breite dich

Seele sei weit, sei weit,

Leben

gelinge,

wie ein Feierkleid

über die sinnenden Dinge.

17


TRÄUME, aus

Wie

die in deinen Tiefen wallen,

dem Dunkel

Fontänen sind

lichter

und

laß sie alle los.

sie,

und

sie fallen

in Liederintervallen

ihren Schalen wieder in den Schoß.

Und

ich

weiß

Alle Angst

ist

jetzt:

wie

die

Kinder werde.

nur ein Anbeginn;

aber ohne Ende

ist

die Erde,

und

das

ist

nur die Gebärde,

und

die Sehnsucht

i8

Bangen

ist

ihr Sinn


ENGELLIEDER


ICH ließ und

meinen Engel lange nicht

er verarmte

und wurde

klein,

und ich wurde groß:

und auf einmal war ich und

das Erbarmen,

er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab und

los,

mir in den Armen

ich

er ließ

ihm

seine

Himmel

gegeben,

mir das Nahe, daraus er entschwand;

er lernte das

Schweben, ich lernte das Leben,

und wir haben langsam einander erkannt

20

.

.

.


SEIT

mich mein Engel nicht mehr bewacht,

kann

und

er frei seine Flügel entfalten

die Stille der Sterne durchspalten,

muß

denn

er

nicht

mehr

seit

meiner einsamen Nacht

die ängstlichen

Hände

halten

mich mein Engel nicht mehr bewacht.

21


.

HAT seit

auch mein Engel keine Pflicht mehr, ihn mein strenger Tag vertrieb,

oft senkt er

sehnend sein Gesicht her

und hat

Himmel

die

nicht

mehr

lieb.

Er möchte wieder aus armen Tagen über der Wälder rauschendem Ragen

meine blassen Gebete tragen in die

Heimat der Cherubim.

Dorthin trug

er

mein frühes Weinen

und Bedanken, und meine kleinen Leiden wuchsen dorten zu Hainen,

welche

zz

flüstern

über ihm

.

.


.

WENN

ich einmal im Lebensland, im Gelärme von Markt und Messe

meiner Kindheit erblühte

Meinen seine

Blässe:

ernsten Engel vergesse

Güte und

sein

Gewand,

die betenden Hände, die segnende Hand,

in

meinen heimlichsten Träumen behalten

werde ich immer

das Flügelfalten,

das wie eine weiße Zypresse hinter

ihm

stand

.

.

M


SEINE

Hände

Vögel, die,

wenn

bleiben wie blinde

um

Sonne betrogen,

die andern über die

Wogen

zu den währenden Lenzen zogen, in der leeren, entlaubten Linde

wehren müssen dem Winterwinde.

Auf

seinen

Wangen war

die

Scham

der Bräute, die über der Seele Schrecken

dunkle Purpurdecken breiten

Und

dem

in den

Glanz von

Bräutigam.

Augen

dem

lag

ersten Tag,

aber weit über allem war

ragend das tragende Flügelpaar

24

.

.

.


UM

die vielen

viele

die

Madonnen

sind

ewige Engelknaben,

Verheißung und Heimat haben

dem Garten, wo Gott beginnt. Und sie ragen alle nach Rang, in

und

sie

und

die Schönsten dürfen nie schweigen:

tragen die goldenen Geigen,

ihre Seelen sind aus Gesang.

Immer wieder müssen klingen

alle die

sie

dunkeln Chorale,

die sie klangen vicltausend Male:

Gott

stieg nieder aus

und du warst

die schönste Schale

Seiner Sehnsucht,

Aber

seinem Strahle,

oft in der

Madonna

Marie.

Dämmerung

wird die Mutter müder und müder,

und dann und

Und

sie sie

flüstern die Engelbrüder,

jubeln sie wieder jung.

winken mit den weißen

Flügeln festlich

und

sie

im Hallenhofe,

heben aus den heißen

Herzen höher die eine Strophe: Alle, die in Schönheit gehn,

werden

in Schönheit auferstehn.

^5


!

GEBET

ERNSTER Du

Engel aus Ebenholz:

riesige

Ruh.

Dein Schweigen schmolz

noch

nie in den Bränden

von Büßerhänden. Flammenumflehter Deine Beter sind stolz:

wie du.

Der du

versteinst,

du über den Blicken beginnender König, erkiese dir ein Geschlecht,

dem du

gerecht

erscheinst,

saumsinnender Riese.

Du,

aller

Matten

Furchteinflößer,

Einer als

26

ist

größer

du: dein Schatten.


LAUSCHENDE \\'OLKE ÜBER DEM WALD. WIE WIR SIE LIEBEN LERNTEN, SEIT WIR WISSEN, WIE WUNDERBALD SIE ALS WECKENDER REGEN PRALLT

AN

DIE

TRÄUMENDEN ERNTEN.

V


UND ist

tiefer

ich ahne: in

dem Abendschweigen

ein einstiger Opferbrauch;

atmend hebt

sich jeder

Hauch:

ein ErfĂźllen will sich niederneigen

zu dem schwarzen hingeknieten Strauch. Und die Sterne trennen sich und steigen,

und

28

die Dunkelheiten steigen auch.


GEHST du außen

Mauern

die

entlang,

kannst du die vielen Rosen nicht schauen in

dem fremden

Gartengang;

aber in deinem tiefen Vertrauen darfst

du

sie

fühlen wie nahende Frauen.

Sicher schreiten sie zwei zu zwein,

um

und

sie

und

die roten singen allein;

halten sich

und dann

fallen

leise, leise die

die Hüften,

mit ihren Düften

weißen

ein

.

.

.

^9


IST

ein Schloß.

Das vergehende

Wappen über dem

Tor.

Wipfel wachsen wie flehende

Hände höher

davor.

In das langsam versinkende Fenster stieg eine blinkende

blaue Blume zur Schau.

Keine weinende Frau sie ist die letzte

in

Winkende

dem gebrochenen

30

— Bau.


;

ZUR auf denn

mußt du aufwärts

kleinen Kirche

einen Hügel hat

dieses

arme Dorf

und schützend

soll sie

ist

man

sie

steigen,

gebaut

ihr vertraut,

schauen auf sein Schweigen.

Der Frühling aber kann noch höher bauen; sie lächelt licht

wie eine weiße Braut

und kann schon nicht mehr

und schaut nur ihn und

ihre

Hütten schauen

läutet nicht

mehr

laut

.

.

.


DASWenn

sind die Gärten, an die ich glaube; das Blühn in den Beeten bleicht,

und im Kies unterm löschenden Laube Schweigen hinrinnt, durch Linden

Auf dem Teich schwimmt

Und

er

ein

geseigt.

aus den glänzenden Ringen

Schwan dann von Rand zu Rand.

wird auf den schimmernden Schwingen

als erster

MUde

des

Mondes bringen

an den nicht mehr deutlichen Strand.

3^


SCHAU,

wie

die Zypressen

scWärzer werden

in den Wiesengründen, und auf

wen

in den unbetretbaren Alleen die Gestalten mit den Steingebärden

weiterwarten, die uns übersehn.

Solchen

und

stillen

Bildern will ich gleichen

gelassen aus den

'welche

Rosen reichen,

wiederkommen und vergehn;

immerzu wie

einer

von den Teichen

dunkle Spiegel immergrüner Eichen in mir halten,

und

die

großen Zeichen

ungezählter Nächte näher sehn.

35


ERSTE und wie ein

Rosen erwachen,

ihr Duften leisleises

ist

zag

Lachen;

flüchtig mit schwalbenflachen

Flügeln

streift es

und wohin du da

ist alles

den Tag;

langst,

noch Angst.

Jeder Schimmer

ist

scheu,

und kein Klang

ist

noch zahm,

und

die

und

die Schönheit

34

Nacht

ist

zu neu, ist

Scham.


BLENDENDER Weg,

der sich vor Licht verlor,

Sonnengewicht auf allem Weingelände.

Und dann

auf einmal, wie im Traum: ein Tor,

breit eingebaut in unsichtbare

Der Türen Holz doch das

ist

lang

trotzig dauert auf

Wappen und

Wände.

im Tag verbrannt;

dem Bogenrand

das Fürstendiadem.

— Bei wem?

Und wenn du eintrittst, bist du Gast. Und schauernd schaust du in das wilde

Land.

35


DA

steht er gestützt

können

sein

Nur

und

die

Wipfel und Fahnen

Warten ahnen,

sie flüstern sich

furchtsam: der Sturm.

Das hören die Birken,

und stemmen wie eine

am Turm.

Stamm zum Stamme;

sich

farblose

zart,

Flamme

flattert sein Bart.

Und dann

wissen's die Kinder schon,

suchen der Mutter Mienen.

Wie von ist

3««

wilden Bienen

in der Luft ein

Ton.


flachen

Land war

ein

Erwarten

IMnach einem Gast, der niemals noch einmal dann

Und

>3?^ird

fragt der

sein Lächeln

in den

kam;

bange Garten, langsam lahm.

müßigen Morästen

verarmt im Abend die Allee, die Apfel ängsten an

und

jeder

Wind

tut

den Ästen, ihnen weh.

37


WER

einst das

einsame Haus erbaut,

ich konnte es nirgends erlauschen.

Auch

die

Wipfel wagen

um

sein

Im

Parke: Tot

und

alle

nicht, laut

Ragen zu rauschen.

ist

jeder

Ton

Farben sind entflohn,

nur rotrote Blüten baten

.

.

.

als müßte alten Mord der Mohn immer wieder von Sohn zu Sohn

verraten.


DAS und

ist

dort,

wo

Hütten sind

neue Häuser, die mit engen Brüsten

sich drängen aus

den bangen Baugerüsten

und wissen wollen, Dort

die letzten

wo

bleibt der Frühling

das Feld beginnt.

immer

halb

und

blaß,

der

Sommer

die

Kirschenbäume und die Kinder kranken,

fiebert hinter diesen

und nur der Herbst

Planken;

hat dorten irgendwas

Versöhnliches und Fernes; manchesmal sind seine die Schafe

Abende von sanftem Schmelze: schummern, und der Hirt im Pelze

lehnt dunkel an

dem

letzten

Lampenpfahl.

39


MANCHMAL geschieht Wind

daĂ&#x; der

und

er

kommt

leise, leise ins

Und

die Allee allein

Dorf

herein.

den Teich,

er tastet bis an

und dann horcht

Und

die

er

herum:

Häuser sind

alle bleich,

und die Eichen sind stumm

40

es in tiefer

Nacht,

wie ein Kind erwacht,

.

.

.


WIR

wollen,

wenn

es

wieder Mondnacht wird,

die Traurigkeit zu großer Stadt vergessen

und hingehn und uns an das uns

Wer

das Gitter pressen,

von dem versagten Garten

kennt ihn

jetzt,

der ihn

trennt.

am Tage

traf :

mit Kindern, lichten Kleidern, Sommerhüten,

wer kennt ihn

so:

allein

die Teiche offen, liegend

Figuren, welche

steinerner

Gestalten an

Die

Wege

mit seinen Blüten,

ohne

Schlaf.

stumm im Dunkel

stehn,

leise aufzurichten,

scheinen sich

und

und

stiller

sind die lichten

dem Eingang

der Alleen.

liegen gleich entwirrten Strähnen

nebeneinander, ruhig, eines Zieles.

Der

Mond

ist

den Blumen

zu den

fließt

Wiesen unterwegs;

der Duft herab wie Tränen.

Über den heimgefallenen Fontänen stehn

noch

die

kühlen Spuren ihres Spieles

in nächtiger Luft.

41


MÃ&#x201E;DCHEN - GESTALTEN


ALSda duwarmich

einst

gefunden

hast,

ich klein, so klein,

und blühte wie nur

still

Vor

ein Lindenast

in dich hinein.

Kleinheit

war

ich namenlos

und sehnte mich so bis

du mir

für jeden

Da

sagst,

hin,

daß ich zu groß

Namen

bin:

fühl ich, daß ich eines bin

mit Mythe, Mai und Meer,

und wie der Duft

des

Weines bin

ich deiner Seele schwer

.

.

.

43


VIEL Fähren sind auf den Flüssen, und

eine bringt sicher ihn;

aber ich kann nicht küssen, so wird er vorüberziehn.

Draußen war Mai.

Auf

unserer alten

Kommode

brannten der Kerzen zwei; die

Mutter sprach mit dem Tode,

da brach ihr die Stimme entzwei.

Und wie

ich klein in der Stille stand,

reichte ich nicht in das

das

fremde Land,

meine Mutter bange erkannt,

ragte nur bis

zum

Bettesrand,

fand allein ihre blasse Hand,

von der ich Segen bekam. Aber der Vater, von Wahnsinn wund, riß

mich hoch an der Mutter Mund,

der mir den Segen nahm.

44


ICH

bin ein Waise.

hat jemand

um

Nie

meinetwillen

die Geschichten berichtet, die die Kinder bestärken

Wo Wer

kommt

und

stillen.

mir das plötzlich her?

hat es mir zugetragen?

Für ihn weiß ich

und was man

alle

erzählt

Sagen

am Meer.

45


ICH und

war

ein

hatte

da trug ein

Kind und träumte

viel

noch nicht Mai;

Mann

sein Saitenspiel

an unserm Hof vorbei.

Da hab

„O

ich bange aufgeschaut;

Mutter, laß mich

frei

.

."

.

Bei seiner Laute erstem Laut

brach etwas mir entzwei.

Ich wußte, eh sein Sang begann:

Es wird mein Leben

sein.

Sing nicht, sing nicht, du fremder Es wird mein Leben

Du

sein.

mein Glück und meine Müh,

singst

mein Lied

Mein

singst

du und dann:

Schicksal singst du viel zu früh,

so daß ich, wie ich blüh es nie

und blüh,

mehr leben kann.

Er sang. er

Mann:

Und dann

verklang sein Schritt,

mußte weiterziehn;

und sang mein

Lied, das ich nie

und sang mein Glück,

litt,

das mir entglitt,

und nahm mich mit und nahm mich mit und keiner weiß wohin

.

.

.


LIEDER DER

MÄDCHEN

MÄDCHEN SEID WIE DIE GÄRTEN ABEND IM APRIL. FRÜHUNG AUF VIELEN FÄHRTEN, IHR

AxM

ABER NOCH NIRGENDS EIN

ZIEL.


JETZT

sind sie alle schon selber Frauen.

Haben Kinder und Träume

verloren,

und Kinder geboren

und Kinder geboren, und

sie >3f^issen; in

werden wir

alle

Alles Ihre hat

Nur

in

diesen

Gram

Raum im

Toren ergrauen.

Haus.

das Ave-Maria-Läuten

hat ihren Herzen noch ein Bedeuten,

und dann kommen

Wenn

die

Wege

zu

sie

müd

heraus.

wachsen beginnen,

kühl aus der blassen Campagna

zieht's:

ihres alten Lächelns entsinnen sie sich

48

wie

eines alten Lieds

.

.

.


GEH

ich die Gassen entlang,

da sitzen

alle die

braunen

Mädchen und schauen und staunen hinter meinem Gang. Bis eine zu singen beginnt

und

ihrem Schweigen

alle aus

sich lächelnd niederneigen:

Schwestern, wir mĂźssen

wer wir

ihm

zeigen,

sind.

49


KÖNIGINNEN Um als

die Lieder

seid ihr

und

noch reicher

blühende Bäume.

Nicht wahr, der Fremdling

Aber noch

ist

viel, viel bleicher

sind seine Lieblingsträume, sind

wie Rosen im Teich.

Das empfandet Königinnen

50

reich.

ihr gleich:

seid ihr

und

reich.

bleich?


DIE Welleauchschwieg euch so seid

und

singt

wie

ihr nie

nie,

still

sie;

und was tiefinnen euer Wesen

will,

wird Melodie;

Und

ließ

den Klang in euch der Schönheit Scham

erste hn?

Erweckte ihn ein junger Mädchengram

um wen? Die Lieder kamen, wie das Sehnen kam,

und werden langsam mit dem Bräutigam vergehn

.

.

.

51


DIE Mädchen

sehn: der

Kähne Fahrt

kehrt fernher hafenein,

und schauen scheu und

dichtgepaart,

wie schwer das weiße Wasser ward: denn das

ist

Abends Art,

so des

wie eine Angst zu

sein.

Und so ist keine Wiederkehr: Es kommen von dem müden Meer die Schiffe schwarz

kein als

Wimpel oben

hätte alle irgendwer

besiegt.

52

und groß und fliegt:

leer,


IHR

Mädchen

seid

wie

die

Kähne;

an die Ufer der Stunden seid ihr

darum

immer gebunden,

bleibt ihr so bleich;

ohne hinzudenken, wollt ihr den euer

Traum

Winden euch schenken:

ist

der Teich.

Manchmal nimmt euch der Strandwind mit, bis die Ketten gespannt sind,

und dann

liebt ihr ihn:

Schwestern,

jetzt

sind wir Schwäne,

die

am

die

Märchenmuschel

Goldgesträhne ziehn.

53


Schwestern DIEimblonden Gehn Gesträhn goldnem

flochten froh

aus

bis alles

Land vor ihnen

so

wie Gold zu glühn beginnt; da sagen

sie sich:

wir hingeraten

wunderwo

sind.

Der Abend wird den Blüten schwer, die Schwestern stehn in

Scham

und

halten ihre Hände her und lauschen lang und lächeln und eine jede sehnt sich: wer ist

54

unser Bräutigam

.

.

.

leer,

Stroh,


WENN

die

blonden Flechterinnen

gehn im Glanz des Abendlands: sie sind alle

Königinnen

und ersinnen und beginnen ihren eignen Kronenkranz.

Denn ist

das Licht, darin sie leben,

ein großes

Gnadegeben

kommt von

und

es

und

das Stroh, das sie zersträhnen,

ihnen her,

trank von ihren Mädchentränen

und

es

woirde Gold und schwer.

))


EH

der Garten ganz beginnt

sich der

stehn die

Güte hinzugeben,

Mädchen

drin

vor

dem zögernden

und

aus engen Ängsten

sie

heben

die Hände in den Wind.

Und als

und beben

Erleben,

sie

ob

und

gehn auf scheuen Schuhn,

sie die

Kleider preßten;

das sind die ersten Gesten,

die sie

im

Gefiihl

von Festen

ihrem Traum entgegentun

56

.

.

.


ALLE ^ jetzt

Straßen führen

grade hinein ins Gold:

den Türen

die Töchter vor

haben das so gewollt.

Sie sagen nicht

Abschied den Alten,

und

ist

doch:

wie

sie

so leicht

sie

wandern weit;

und

befreit

anders einander halten,

und

um

in anderen Falten

die lichten Gestalten

gleitet das Kleid.

57


NOCH

ahnst du nichts

drin lichte

vom

Herbst des Haines,

Mädchen lachend gehn;

nur manchmal küßt wie fernes, feines Erinnern dich der Duft des Weines, sie

lauschen,

und

es singt

wohl

In leiser Luft die

Ranken schwanken,

wie wenn wer Abschied winkt. stehn

alle

Rosen

sehen ihren

und leise

58

eines

wehes Lied vom Wiedersehn.

ein

sie

Gedanken;

Sommer kranken,

seine hellen

von

in

— Am Pfad

Hände sanken

seiner reifen Tat.


Mädchen singen:

DIE

Zeit,

von der

die

Mütter sprachen,

fand nicht zu unsern Schlafgemachen,

und

drin blieb alles glatt

Sie sagen uns,

in

daß

sie

einem sturmgejagten

Wir

wissen nicht:

tief

ist das,

Sturm?

im Turm

und hören manchmal nur von die

klar.

Jahr.

Was

Wir wohnen immer

und

zerbrachen

fern

Wälder draußen wehn;

und einmal

blieb ein fremder Stern

bei uns stehn.

Und wenn wir dann im

Garten sind,

so zittern wir, daß es beginnt,

und warten Tag

Aber nirgends

ist

um Tag ein

Wind,

der uns biegen mag.

59


Mädchen singen:

WIR

haben lange im Licht gelacht,

und

jede hat einer jeden

Nelken und Reseden festlich

wie einer Braut gebracht

und war

Dann

ein Rätseln

hat sich mit

langsam die

und Reden.

dem Namen

der

Nacht

Stille besternt.

Da waren wir wie

aus allem erwacht

und weit voneinander haben die Sehnsucht,

entfernt: die traurig macht,

wie ein Lied gelernt ...

60

â&#x20AC;&#x201D;


M채dchen am Gartenhange DIEhaben lange gelacht

und mit ihrem Ges채nge wie mit weitem Gange sich

m체d

gemacht.

Die M채dchen bei den Zypressen zittern:

da alle

sie

Die Stunde beginnt,

nicht wissen, wessen

Dinge

sind.

6\


Eine

war

ICH

in ferner

mich: arm und zart und meinem Schämen schlich;

bis ich

aus

ich warte hinter

singt,

Fremde Kind, blind

Wald und Wind

gewiß schon lang auf mich. Ich bin allein und weit

und sinne

still;

Fragt jemand, .

.

.

vom Haus

wie seh ich

wer

aus?

ich sei?

und

Gott, ich bin jung

ich bin blond

und habe

ein

Gebet gekonnt

und geh gewiß umsonst umsonnt

und fremd an mir vorbei

6i

.

.

.


Und singt: müßte mich

einer führen,

ESaber nicht der Wind; weil der Orte und Türen so viele sind.

Wen soll ich soll

ich

und

es

um

alles

fragen;

immer nur gehn wie im Traum ertragen,

daß die Berge und Burgen ragen an

dem Saum

der fremden Seen?

.

.

.

(>\


Und

WIR

sind uns alle schwesterlich.

Aber Abende sind, da wir und einander langsam verlieren,

und

eine jede

Freundinnen

Jetzt fürchtest

lassen uns ganz allein,

wo

die Ängste

mögen wir

(S4

frieren

möchte ihren

flüstern:

Die Mütter sagen uns nicht,

und

singt:

wo

wir

du dich

sind,

enden und Gott beginnt

vielleicht sein

.

.

.


GEBETE DER

MADCHEN ZUR MARIA

MACH, DASS ETWAS UNS GESCHIEHT! WIE WIR NACH LEBEN BEBEN. UND WIR WOLLEN UNS ERHEBEN WIE EIN GLANZ UND WIE EIN LIED.

SIEH,

65


Du

wolltest

>x^ie

die andern sein,

die sich scheu in

Kühle kleiden;

deine Seele wollte seiden ihre

müden Mädchenleiden

weiterblühn

Aber

am

tief aus

Lebensrain.

deinem Kranken

wagte eine Kraft zu ranken,

Sonnen lohten, Samen sanken:

und du wurdest wie der Wein.

Und

jetzt bist

du süß und

wie ein Abend auf uns

und wir

fühlen, wie wir fallen,

und du machst uns

66

satt

allen,

alle

matt

.

.

.


SCHAU,

unsre Tage sind so eng

und bang wir langen

das

alle

Nachtgemach;

ungelenk

den roten Rosen nach.

Du mußt

uns milde

sein,

wir blühn aus deinem

und du so

weh

Du

allein

Marie,

Blut,

kannst wissen, wie

die Sehnsucht tut;

hast ja dieses

Mädchenweh

der Seele selbst erkannt: sie

fühlt sich an

und

steht

wie Weihnachtsschnee,

doch ganz

in

Brand

.

.

.

<57


VON

so vielem blieb uns der Sinn,

gerade von

dem

Sanften und Zarten

haben wir irgendein Wissen:

wie von einem geheimen Garten, wie von einem samtenen Kissen, das sich uns unter den

wie von etwas,

Schlummer

schiebt;

das uns liebt

mit einer verwirrenden Zärtlichkeit,

aber viele

Viele

und

Worte

sind aus den Sinnen entilohn

sich

um

horchend

um

deinen Thron,

einen steigenden Ton,

Mutter Maria,

gestellt;

und dein Sohn lächelt sie an:

Sieh deinen Sohn.

68

sind weit.

aus der Welt.

Haben wie

Worte

â&#x20AC;&#x201D;


DEIN Garten

wollt' ich sein zuerst

und Ranken haben und Rabatten,

und deine Schönheit damit du mit

überschatten,

dem muttermatten

Lächeln gern mir wiederkehrst.

Da

aber

ist

etwas mit dir eingetreten:

das ruft

als

du kamst und gingst,

mich zu den roten Beeten,

wenn du mir

aus den

weißen winkst.

69


UNSRE Mütter

sind schon

und wenn wir

drängen,

Hände hängen,

lassen sie die

und

müd;

sie ängstlich

glauben fernen Klängen:

sie

O, wir haben auch geblüht!

Und

sie

nähen an den weißen

Kleidern, die wir schnell zerreißen, in

dem

Wie

staubigen Stubenlicht.

sie sich so treu befleißen,

und da sehn

sie

Hände

.

Und

nicht

unsre heißen .

wir müssen

>ö^enn die

und

.

sie

sie dir zeigen,

Mutter nicht mehr wacht;

werden

in der

Nacht

wie zwei weiße Flammen

70

steigen.


ICH war

einmal so kinderkühl:

da traf mich Jetzt ist

alles

wie ein Bangen.

mir jede Angst vergangen,

nur diese wärmt mir noch die Wangen: ich fürchte

Es

ist

nicht

mehr

wie schützend es ist

bis

und

ein

mich vor dem Gefühl. das Tal, darin ein Lied

seine lichten

Schwingen

Turm, der vor den Fluren

meine Sehnsucht hoch zitternd mit der

die sie so selig

vom Saume

fremden Stärke

von den Zinnen

breitet,

flieht,

sieht

streitet,

zieht.

71


MARIA, du weinst,

Und

ich weiß.

da möcht ich weinen

zu deinem Preis.

Mit der weinen

Stirne auf Steinen .

.

.

Deine Hände sind heiß;

könnt ich dann wäre

Aber

72

dir

dir

Tasten darunterschieben,

doch ein Lied gebUeben.

die Stunde stirbt

ohne Vermächtnis


GESTERN hab ich im Traum gesehn einen Stern in der

Und

ich fühlte:

Stille stehn.

Madonna

sprach:

Diesem Stern in der Nacht blüh nach.

Und

ich

nahm

alle

Kraft zu Rat.

Grad und schlank aus des Hemdes Schnee streckte ich mich.

mir auf einmal

weh

.

Und .

das Blühen tat

.

73


WIE

kam, wie kam aus deinem Schoß,

Maria, so viel Lichte los

und

so viel

Gram?

Wer war

dein Bräutigam?

Du

du

rufst,

rufst,

und du

daß du nicht mehr dieselbe

vergißt,

bist,

die mir in

Kühle kam.

Ich bin

noch so blumenjung.

Wie vom

ja

soll

ich auf den

Zehn

Kindsein zur Verkündigung

durch

alle

deine

Dämmerung

in deinen Garten gehn?

74


DEINER ernsten Engel einen stell

und

befiehl

Schwestern

Denn allen

wie Weil

was

der Sehnsucht hin

ihm, daß er meinen sagt:

es sind die

Ihr werdet

weinen

Rosenreinen

Prüfungen und Feinen ein Spiel

sie

von Anbeginn.

überwunden wähnen,

die Kindheit kindisch

gehn

und

am Rand

sie

sie

in die

litt,

lächelnd zwischen Zähnen,

tragen keine Tränen

neuen Leiden mit

.

.

.

75


daß wir so endlos werden mußten!

OH,Immer

noch Entfalten

um

Entfalten,

und wir haben unsrer Kälte Krusten lange, lange für den

Und ob wir und

Grund

gehalten.

uns aneinander binden

in Furcht uns

immer

fester fassen

und uns langsam, wie von Brunnenwinden, weiter in uns selber gleiten lassen:

keine kann mit ihren blassen, blinden

Händen

7(>

tastend unsre Tiefen finden.


MIR wäre mein wird

als

helles

Haar zur

Last,

drin verwühlt

ein dunkler Limonenast,

der schon in seinem Blühn verblaßt

und schwerer wird, weil erfüllt

den Frühling

Nimm Du

er

schon

fast

fühlt.

du von mir

die

bange Zier!

bist

noch kühl und grün,

weil unter deinen Dornen dir die

Mädchenmyrten blühn.

77


UND

war

wie die .

.

.

die

um

in allen alten Jahren

ich feierlich

schönen Engelscharen, deine

Wunder waren:

meine Mutter glich

Und

und froh

dir so

.

.

.

ich bin erst traurig, seit

ihre Küsse mir verblaßten;

und mein Horchen und mein Hasten

und mein Ahnen

ist

ein Tasten

nach der neuen Zärtlichkeit.

78


sagen

SIE

alle:

was kann

Mir

Du

wenn

Kind?

dir fehlen,

alle

hell

Geschmeid.

fehlt ein goldenes

Ich kann nicht gehn

und

hast Zeit,

im Kinderkleid,

schon so brautbereit

und

heilig sind.

Nichts fehlt mir,

als

ein

wenig Raum,

ich bin in einem Bann,

und immer enger wird mein Traum.

Nur Raum, daß

aus

dem Seidensaum

ich

hoch

die

Hände heben kann

bis in

den Blütenbaum .

.

.

79


'WTT IRD

\^

dieses

ungestüme, wilde

Hinsehnen meinen Schwestern schwer,

so flüchten sie zu deinem Bilde,

und du und

Du

bist

entbreitest dich,

du Milde,

vor ihnen wie das Meer.

flutest

ihnen sanft entgegen,

sie retten sich

auf deinen

in deine Tiefen hin

wie

sich die

und

als

Wünsche

ein blauer

Wegen

und sehn, leiser

legen

Sommerregen

auf weichen Inseln niedergehn.


Nach den Gebeten:

ICH

aber fühle,

wie ich wärmer

und wärmer werde, Königin, und daß ich jeden Abend ärmer und jeden Morgen müder

bin.

Ich reiße an der weißen Seide,

und meine scheuen Träume schrein: O, laß mich Leid von deinem Leide, O, laß uns beide

wund von

demselben Wunder

sein!


UNSERE TRAUME SIND MARMORHERMEN, DIE WIR IN UNSERE TEMPEL STELLEN, UND SIE MIT UNSEREN KRÄNZEN ERHELLEN UND SIE MIT UNSEREN WÜNSCHEN ERWÄRMEN. UNSERE WORTE SIND GOLDENE BÜSTEN, DIE WIR IN UNSERE TAGE TRAGEN, DIE LEBENDIGEN GÖTTER RAGEN IN DER KÜHLE ANDERER KÜSTEN.

WIR

SIND IMMER IN EINEM ERMATTEN, OB WIR RÜSTIG SIND ODER RUHN, ABER WIR HABEN STRAHLENDE SCHATTEN, WELCHE DIE EWIGEN GESTEN TUN.


EsDa

noch Tag auf der

ist

wenn

Terrasse.

fühle ich ein neues Freuen:

ich jetzt in den

ich könnte Gold

Abend

fasse,

in jede Gasse

aus meiner Stille niederstreuen.

Ich bin

jetzt

von der Welt so weit.

Mit ihrem späten Glanz verbräme ich meine ernste Einsamkeit.

Mir

ist, als

jetzt leise

ob mir

so zärtlich, daß ich

und weiß:

84

irgendNx^er

meinen Namen nähme,

mich nicht schäme

ich brauche keinen mehr.


DAS Dunkel

sind die Stunden, da ich

allen

finde.

wallen die Wiesen im Winde,

Birken schimmert die Rinde,

und der Abend kommt Ăźber

Und

mich

sie.

ich wachse in seinem Schweigen,

mĂśchte blĂźhen mit vielen Zweigen, nur

um

mit allen mich einzureigen

in die einige

Harmonie

.

.

.

8j


DER Abend die

ist

mein Buch. Ihm prangen

Deckel purpurn in Damast;

ich löse seine goldnen Spangen

mit kühlen Händen, ohne Hast.

Und

lese seine erste Seite,

beglückt durch den vertrauten Ton,

und

lese leiser seine zweite,

und

seine dritte

86

träum ich schon.


OFT

fühl ich in scheuen Schauern,

wie

tief ich

im Leben

bin.

Die Worte sind nur die Mauern. Dahinter in immer blauern

Bergen schimmert ihr Sinn.

Ich weiß von keinem die Marken, aber ich lausch in sein Land.

Hör

an den Hängen die Harken

und

das

und

die Stille

Baden der Barken

am

Strand.

87


U^D

so

ist

unser erstes Schweigen:

wir schenken uns dem

und

zitternd

und horchen

Da

ist

Wind

zu eigen,

werden wir zu Zweigen in den

Mai

hinein.

ein Schatten auf den

wir lauschen,

â&#x20AC;&#x201D; und

Wegen,

es rauscht ein

Regen:

ihm wächst die ganze Welt entgegen, um seiner Gnade nah zu sein.

88


ABER der Abend wird schwer; ^Alle gleichen verwaisten

Kindern

jetzt;

die meisten

kennen einander nicht mehr.

Gehn wie langsam

in

am

fremdem Land

Häuserrand,

lauschen in jeden Garten,

wissen kaum, daß bis das

sie

warten,

Eine geschieht:

Unsichtbare Hände heben aus einem fremden leise das

Leben

eigene Lied.

8p


WIR

sind ganz angstallein,

haben nur aneinander Halt,

Wort wird wie vor unserm Wandern jedes

Unser Wille

ist

ein

Wald

sein.

nur der Wind,

der uns drängt und dreht,

weil wir selber die Sehnsucht sind, die in BlĂźten steht.

90


ICH

mich

fürchte

so vor der

Menschen Wort.

Sie sprechen alles so deutlich aus:

Und und

dieses heißt

hier

ist

Mich bangt auch sie

wissen

alles,

kein Berg

ist

ihr Garten

Ich will

Hund und

jenes heißt Haus,

Beginn und das Ende

ist

dort.

ihr Sinn, ihr Spiel mit

dem Spott,

was wird und war;

ihnen mehr wunderbar;

und Gut grenzt grade an Gott.

immer warnen und wehren:

Bleibt fern.

Die Dinge singen hör ich so gern. Ihr rührt

sie

an: sie sind starr

Ihr bringt mir

alle die

und stumm.

Dinge um.

Pl


Aufgang NENN Denn manchmal ich dich

oder Untergang?

bin ich vor

und

und ahne

dem Morgen bang

nach seiner Rosen Röte

greife scheu

eine Angst in seiner Flöte

vor Tagen, welche liedlos sind und lang.

Aber

die

Abende

sind mild

von meinem Schauen sind in

meinen Armen schlafen Wälder

und

beschienen; ein,

ich bin selbst das Klingen über ihnen,

und mit dem Dunkel verwandt durch

9^

und mein,

sie still

all

in den Violinen

mein Dunkelsein.


SENKE

dich du langsames Serale,

das aus feierlichen Fernen fließt.

Ich empfange dich, ich bin die Schale, die dich faßt

Stille

hält

und

nichts vergießt.

dich und werde in mir klar,

weite,

Was

und

leise,

aufgelöste Stunde.

gebildet

laß es sehn.

ist

auf meinem Grunde,

Ich weiß nicht, was es war.

91


KANN mirmeinem Leben wohin einer sagen,

ich mit

Ob und

reiche

als

und ob

Welle

wohne im

ich nicht selbst

Teiche,

noch

frĂźhlingfrierende Birke bin?

94

?

ich nicht auch noch im Sturme streiche

die blasse, bleiche


TTT" riE wir auch

\^ es

nicht unser

kommen

alles in

der Nacht benannten,

Name macht

Pfeile, stark

die

-

Dinge groß:

und atemlos,

aus Bogen, welche sich zu Spielen spannten.

Und

so wie Pilger, welche unvermutet,

da eines letzten Vorhangs Falten

fielen,

den Altar schaun, darauf der Becher blutet

und nicht mehr rückwärts können

aus

dem

Heile;

so in die Kreise stürzen sich die Pfeile

und stehen

zitternd mitten in

den Zielen.

P5


wächst wie DIEwoNacht nach stummen

eine schwarze Stadt,

Gesetzen

sich die Gassen mit Gassen vernetzen

und

sich Plätze fügen zu Plätzen,

und

die bald an die tausend

Aber

die

du weißt

Türme

Häuser der schwarzen nicht,

wer

hat.

Stadt,

darin siedelt.

In ihrer Gärten schweigendem Glanz reihen sich reigende

Träume zum Tanz,

und du weißt

wer ihnen

96

nicht,

fiedelt

.

— .

.


AUCH du ^

und

Der Tag ermattete

seine Liebe

Dann es

hast es einmal erlebt, ich weiß:

ist

ein

in

armen Gassen,

wurde zweifelnd

Abschiednehmen

leis

rings

im

Kreis,

schenken sich die müden Mauermassen

die letzten Fensterblicke, hell

bis sich die

und heiß,

Dinge nicht mehr unterscheiden.

Und halb im Wie wir uns

Traum.e hauchen alle

sie sich zu:

heimlich verkleiden,

in graue Seiden alle

uns kleiden,

wer von uns beiden bist jetzt

du?

91


:

WENN

die

Uhren

so

nah

wie im eigenen Herzen schlagen,

und

die

Dinge mit zagen

Stimmen Bist

sich fragen:

du da?

Dann

bin ich nicht der, der

einen

Namen

den keiner, den ich

ohne

tiefes

am Morgen

schenkt mir die Nacht,

am Tage

Fürchten erführe

sprach,

Jede Türe in mir gibt nach

Und

.

.

.

da weiß ich, daß nichts vergeht,

keine Geste und kein Gebet,

98

erwacht,


(dazu sind die Dinge zu schwer)

meine ganze Kindheit

steht

immer um mich

her.

Niemals bin ich

allein.

Viele, die vor

und

fort

mir lebten

von mir

strebten,

webten,

webten an

meinem

Und und

Sein.

setz ich

mich zu

dir her

sage dir leise: Ich

litt

â&#x20AC;&#x201D;

hĂśrst du?

Wer

weiĂ&#x; wer

murmelt

es mit.

99


im Traum, Traum hat recht:

weiĂ&#x;

ICH

und der

es

Ich brauche

Raum

wie ein ganzes Geschlecht.

Mich

hat nicht eine Mutter geboren.

Tausend Mßtter haben an den kränklichen Knaben die tausend

die sie

100

Leben verloren,

ihm gaben.


FÜRCHTE

dich nicht, sind die Astern auch

streut der

in den Gleichmut des Sees, die Schönheit

wurde

sie

alt,

Sturm auch den welkenden Wald

reif,

wächst aus der engen Gestalt;

und mit milder Gewalt

zerbricht sie das alte Gefäß.

kommt

Sie

in

aus den

mich und

nicht

der

um

Bäumen

in dich,

zu ruhn;

Sommer ward

ihr zu feierlich.

Aus vollen Früchten und

steigt aus

arm

ins

flüchtet sie sich

betäubenden Träumen

tägUche Tun.

lOI


Du

darfst nicht warten, bis

und

Gott zu dir geht

Ich bin.

sagt;

Ein Gott, der seine Stärke eingesteht, hat keinen Sinn.

Da mußt du seit

wissen, daß dich Gott durchweht

Anbeginn,

und wenn dein Herz dann

102

schafft er drin.

dir glüht

und

nichts verrät,,


DIE WEISSE FÜRSTIN EINE SZENE AM MEER


:

Szene Die Hinterbühne: Eine fürstliche

Villa

(gegen Ende des

Auf offener

hunderts).

XVL

Jahr-

Loggia von fünf Bogen ein

einfaches^ geschlossenes Pilastergeschoß.

Davor

von Stauten eingefaßte Terrasse, von der

eine

sich eine

Treppe mit breiten Stufen nach dem Garten nieder-

Im Hintergründe,

läßt.

hinter der Villa: der Park,

Die Mittelbühne :

Der Garten j der Mitte,

Vorn

Lorbeerbüsche, Maulbeerbäume,

auf

links:

und

in

die Treppe zu, eine Platanen- Allee.

eine Steinbank mit Kissen

und

die Bild-

säule einer vielbrüstigen Göttin,

Die Vorderbühne: Steiniger Strand (mit Landungssteg) "welches

von der

Seite des

und das Meer,

Zuschauers her gegen die

Szene voogt, in gleichmäßig landender Bewegung.

Die

Villa

spiegelt

den Himmel und die Weite des

Meeres,

Figuren

Die weiße Fürstin,

Ihre Schwester

Der Haushofmeister Amadeo, schwarzer Maske,

lOzj.

Ein

Bote,

Monna

Lara,

Zwei Mönche

in


DIE WEISSE FÜRSTIN

sie

lehnt vorn

Sie trägt ein "joeiches,

Steinbank.

In ihren

Augen

ist

auf der

weißes Gewand,

Warten und Lauschen»

Pause,

AMADEO, DER ALTE ernst.

Der Fürst

Er

in schwarzer Haustracht,

neigt sich tief

ist fort.

DIE WEISSE FÜRSTIN

senkt

leise die Stirne,

Pause,

AMADEO, DER ALTE Und was

gebietet Ihr?

Pause,

Es

DIE WEISSE FÜRSTIN in Gedanken ist zum erstenmal, daß uns der Fürst verläßt,

nicht wahr?

AMADEO, DER ALTE Zum

erstenmal

seit

Eurem

Hochzeitsfest.

DIE WEISSE FÜRSTIN

Und

das

ist

lange.

AMADEO, DER ALTE Es

ist

das elfte Jahr, seit wir das

Tor geschmückt

Euch zum Empfange. Pause.

105


DIE WEISSE FÜRSTIN

Man muß war

Ich

nicht denken, daß das viele sind.

ein Kind.

AMADEO, DER ALTE Ich kann mich noch entsinnen; der Kranz schien viel zu früh für Euer Haupt

Er

zögert äjigstlich:

aber aus Kindern werden Königinnen

Ja,

.

.

.

DIE WEISSE FÜRSTIN wenn man ihnen alle Rosen raubt

und

alle

Mythen

und mit den reifenden Orangenblüten die Stirn umlaubt, bis sie die Schatten glaubt, die kalt

vom

frühen Brautkranz auf

sie

dann werden aus den Kindern

niederrinnen:

Königinnen.

Pause, Sie erhebt sicb^ lebhafter:

Der

Fürst

nahm

Diener in den Wald?

viele

Rasch:

Send'

alle fort,

mach mir

die Säle leer,

daß keiner mir begegne in den Gängen;

denn mir

soll sein, als

kam

zu singen und die Säulen zu

io6

ich heute her,

umwinden


mit Fruchtgehängen, dichtgefügt und schwer.

AMADEO, DER ALTE Befehlt, ich

und

werde einen Vorwand finden

das Gesinde in die

Winde

streun;

wohl Euern Tag betreun?

ich aber darf

DIE WEISSE FÜRSTIN Nein. Geh auch du. Mir ist, du wolltest

längst

nach Pietrasanta, deine Enkel sehn.

Heut

soll's

geschehn.

AMADEO, DER ALTE Ihr wißt so gütig meiner zu gedenken ...

DIE WEISSE FÜRSTIN Ich bin nicht gut.

Ich kann dich nur beschenken,

weil du mit gleicher Freiheit mich beschenkst.

Und weil du so an Monna so nimm sie mit zu deinen

Lara hängst,

klugen Kleinen.

AMADEO, DER ALTE Das

ist

ein Goldenes, das Ihr

mir gönnt.

DIE WEISSE FÜRSTIN

Und dann

vergeßt nicht: Seide nehmt und Leinen

aus meinen Schränken mit, soviel Ihr könnt.

07


;

AMADEO, DER ALTE Ihr

macht uns

reich.

DIE WEISSE FÜRSTIN Könnt ich Euch

sorglos machen!

Wer hat denn an Not zu denken, Zeit

das

Leben

ist

so viel

an die kleinen Sachen,

da doch in uns die großen Dinge wachen.

Man

soll

nicht weinen,

hingleiten soll

und man

man wie

nicht lachen

soll

Nachen

ein sanfter

und horchen auf des eignen Kieles

Spiel.

Pause. Verzeiht, ich rede aus Gedanken. die sind in

so Jahr

und

um

Wie

Jahr.

einer, der sehr

und wenn

Ihr

woran

Kind

>5^ollen

das

und

das

Aber, geht,

wiederkommt,

erzählt

sich freuen kann.

Euch Freudiges bevor.

Wir

welcher dichtet,

einer,

alt ist,

in seinem Innern findet.

ein

Seht,

mir so seltsam aufgeschichtet,

mir was,

Es steht

Vielleicht auch mir.

aneinander denken.

AMADEO, DER ALTE

verneigt

gebt durch die Platanen- Allee

quer

auf das

Er Haus zu und

sich

tief.

'über die Terrasse.

Pause,

DIE WEISSE FÜRSTIN io8

tritt

ganz an den Rand der


Küste, die

In ihren Augen

Arme und

ist das

Meer, Sie hebt langsam

hält sie eine Weile "xeit ausgebreitet.

Pause,

MONNA LARA Sie trägt ein

kommt von

der

Terrasse her,

hängendes Kleid aus verblichenem Blau,

Arm um

Leise legt sie den

die Fürstin,

Sie schauen

beide aufs Meer.

Pause,

MONNA LARA Laß mich

leise

bei dir.

Pause,

DIE WEISSE FÜRSTIN

Du

liebst

doch Kinder, nicht?

MONNA LARA Ich liebe dich. Kleine Pause,

DIE WEISSE FÜRSTIN Du weißt nicht, wer ich bin.

MONNA LARA

wendet das Haupt und

sieht

der

Schwester ins Gesicht.

DIE WEISSE FÜRSTIN

Du

Kind

.

.

.

MONNA LARA Ob

wir im Traum

nicht

manchmal

älter sind?

109


.

Da

Da

sah ich dich.

Du

standest einsam und so jung von Grün

warst du wie ein Baum.

und warst von einem Abend angeglüht. Und ich ging hin und kam ganz nah

Du hast noch nicht geblüht. Wann wirst du blühn?

und sah und sagte

Und

laut:

fragte dich:

DIE WEISSE FÜRSTIN nimmt

'ihre

Hände

beiden

leise

Nun

stell dir

Sei tief

vor, der

im Traum, du

Traum

der

Es

sei

Hast du oft geträumt,

du auch, wie unberechenbar

Traum uns

sich auf,

nicht vorbei.

Schlafende.

dein Traum und meiner. so weißt

ist

und

Er rennt und

trägt.

Er wendet

sich, er

bäumt

er ist voll Gefahr.

dann wieder

jagt,

steht er

still

will nicht weiter; und er zittert so,

und

wie Pferde

zittern,

wenn von irgendwo

genau derselbe Reiter noch einmal

entgegenkommt, genau dasselbe Tier, derselbe Herr darauf, verzerrt So, nicht wahr,

Du

weißt,

geschehn.

Wie

eine

es

Blume

und du erwachst I

IG

fahl

ohne Absehn träumen wir.

im Traume kann

Und

und

so vielerlei

kann so verwandelt

lautlos schläfst vielleicht in

du

sein.

ein,

einem Schrei

.

.

.


MONNA LARA Doch Traum

Und wenn und

ist

Traum. Das

kommt und

Morgen ist, so glänzt Träume sehen anders aus

alle

es

.

das vergeht.

das Haus, .

.

DIE WEISSE FÜRSTIN

Und als

doch ewig

sind

Bedenk,

mehr erlebt Träume Bilder? Und mehr dein?

deiner

Du

in uns eingewebt.

irgend Leben

ist

Die Türe

schläfst, allein.

Nichts kann geschehn.

Und

ist

verriegelt.

doch, von dir gespiegelt,

hängt eine fremde Welt in dich hinein. Pause,

So lag ich

oft.

Und

draußen war ein Wandern,

da nahte, da entfernte sich ein Schritt;

mir aber war's der Herzschlag eines andern,

und den ich drinnen

der draußen schlug

Ich

litt

wie ein Tier den Tod

ihn,

ich konnte

erleidet,

keinem sagen, was mir war.

Aber am Morgen kämmten

und immer wieder ward für einen

Tag

Mir war,

als

;

sie

mein Haar,

ich angekleidet

mir schien

es

für ein Jahr.

ob das ganze Leben stände,

solang ich wachte; fiel

litt.

alles

was geschah,

mir vorbei den Träumen in die Hände

jetzt

aber weiß ich:

es ist

dennoch

da.

I

I

I


Die Welt

groß, doch in uns wird

ist

wie Meeresgrund.

Es hat

ob einer wachte oder er hat sein ganzes

Glück

sie tief

zu sagen,

schlief,

Leben doch getragen,

wird dennoch sein, und

sein Leid sein

fast nichts

es verlief

Tief unter schwerer

sich nicht.

Ruh

geschieht Notwendiges in halbem Lichte,

und endlich kommt, mit strahlendem dennoch auf ihn

sein Schicksal

Gesichte,

zu.

MONNA LARA Ich weiß nicht, Schwester, was du

Es tut mir

dich nur.

von

Du

dir.

Und doch

bist so

will ich

alles

sagst.

Ich seh

weh

schwer.

mehr von

dir wissen.

Ich will eine Nacht auf deinem Kissen schlafen.

Ich will

Haar kämmen

am Morgen drei

Stunden

dein warmes

solang meines

Armes Kraft

ist.

Ich will dir dienen.

DIE WEISSE FÜRSTIN

Du

bist

mir nie so erwachsen erschienen.

MONNA LARA Ich will mit dir weinen

DIE WEISSE FÜRSTIN Ich weine nicht.

HZ

Ich denke an Einen.


MONNA LARA Denkst du ihn klar? Ich möchte so gerne an einen denken, aber ich kann mich in keinen versenken; jeder zerfließt mir so sonderbar.

DIE WEISSE FÜRSTIN Ich fühle ihn klarer Jahr

um

Jahr.

Er hat dich einmal an der Hand gehalten, (da warst du klein).

Dir war er Gestalt unter großen Gestalten,

mir

NJf^ar

Aber

er nicht mein.

in einer Nacht, in der einen,

da ich lange und ungestillt weinte, da bildete sich sein Bild aus

meinen Händen unter dem Weinen.

Und

seither

wuchs

es in

mir heran,

wie Knaben wachsen;

und

ist

ein

Mann.

MONNA LARA Das kann

um

tief zu

also sein:

gedenken

daß man .

.

tief vergißt,

.

DIE WEISSE FÜRSTIN

Wir

sind des Falles

entfernter

Dinge dämmernder Schacht

— in


MONNA LARA Und meine Tage? Und Nacht um Nacht? Und ich soll warten? — Gott, wie ist alles lange

und langsam, was Leben

ist.

DIE WEISSE FÜRSTIN

Du

liebe kleine Schwester, sei nicht bange;

bedenke, das

unser Traum;

ist alles

da kann das Kurze lang sein, und das Lange

Und

ist

ohne Ende.

Sie

nimmt Mo nna Laras Haupt

und küßt

ihre Stirne

AmadeOy der

die Zeit

ist

Raum.

in ihre beiden

Hände

mit langer milder Zärtlichkeit.

Alte, der seit einer Weile in der Allee

gestandenhat, kom??it vorsichtig näher; er verneigt[ich,

AMADEO, DER ALTE Frau Fürstin

DIE WEISSE FÜRSTIN Seid Ihr noch nicht fort?

AMADEO, DER ALTE Verzeiht.

Zum da

Aufbruch waren wir

kam

bereit,

ein Bote in verstaubtem Kleid

mit einem Brief;

jetzt

wartet er

im

Saal.

DIE WEISSE FÜRSTIN Ich will ihn sehn.

Amadea, der

114

Alte, verneigt sich.


.

DIE WEISSE FÜRSTIN Und Monna Lara wird ein andres Mal zu Euren blonden Enkeln Euch begleiten.

MONNA LARA zu Wir

Amadeo

wollen einmal früh hinüberreiten

an einem Sommermorgen, Ihr und ich;

mein

Freund, heut grüß ich

alter

ich bin zu traurig

und zu

vom weiten,

sie

feierlich

.

.

AMADEO, DER ALTE verneigt [ich

Geht in das Haus,

tief.

MONNA LARA Zu

feierlich für Kinder.

Nicht wahr? Was etwas

zum

hinüberfliegen; da sie

ist

es

sich,

beginnt

Meine Hände sind

keine

und

Weg

Kind.

Etwas verwandelt

erstenmal das

versuchen, die

merken für den

Und doch Doch

das Nächste.

Zugvögel, die

Und

sonst.

ab von mir.

fällt

noch nicht

zu

nachdenklich lächelnd

Meer

Stelle.

jene Welle

der Wiederkehr

DIE WEISSE FÜRSTIN nimmt

ihre beiden

Hände und

Sie scheinen sich allein;

desselben

doch

betrachtet sie

fliegen

Schwärme

Weges zu den heißen Hügeln; 115


der

Himmel

Und

alle

Indessen

liegt

auf Millionen Flügeln.

kommen ist

in die große

Wärme.

der Bote schnellen Schrittes in der Allee

näher gekommen^ da Monna Lara ihn gev^ahrt, macht sie sich

in

frei

und

sieht

ihm entgegen.

Plötzlich,

wie

Angst

MONNA LARA du gern

Soll ich hineingehn? Bist

allein?

DIE WEISSE FÜRSTIN Nein.

Wenn du

Denn was

gehst, so gehst

bedeutet

es,

geht

an dir vorbei. Das, was du

Du Der

bist nicht fort,

Bote geht

einen Brief.

auf

und

du nur zum Schein.

Baum nach Baum

bist,

das rührt sich

ich bin nicht allein.

die Fürstin

Er geht

kaum.

zu und

reicht ihr

hierauf bis an den Anfang

der Allee zurück.

Die Fürstin

Monna

öffnet ihn

und

reicht ihn, ohne

zu

lesen,

Lara-, sie lächelt.

DIE WEISSE FÜRSTIN Ich weiß die Botschaft.

Aber

Lange.

lies.

MONNA LARA sie liest

Und wenn du Ii6

aufjnerksam, fast angestrengt

winkest

.

.

.

Was

bedeutet dies?


DIE WEISSE FÜRSTIN Daß ich hier gebiete.

Daß Daß

ich allein bin.

Und

daß ich einen, welcher uns

seine Barke landen

erwürgen würde:

hier,

kann am Strand. verriete,

mit dieser Hand.

MONNA LARA staunend So

kommen,

soll er

hier

wird

heute, her?

er landen, wirklich,

Am

Parke

wie ein Gast?

DIE WEISSE FÜRSTIN Hast du das nicht gewußt?

MONNA LARA Es war mir als

fast,

ginge heute etwas auf uns zu.

Mit plötzlicher Bewunderung:

Du

du Wundersame, Starke.

Liebliche,

DIE WEISSE FÜRSTIN Er schickt noch einen

Er

muß noch

kommet.

ein Bote.

Ist

Stille,

ein Vogelruf,

und

mein Blut denn blind?

Hundert Boten habe

ich heute schon empfangen.

Gesang und

Gedanken

große Kind.

schreiben, dieser liebe Knabe:

,Schau her, ich

Und noch

in

Brief, das

Duft und Wind,

fernes Wagenrollen,

du, dein Bleibenwollen

was war nicht Bote?

Wie

vor meinem Herzen,

viel

Boten stehn

gehn mir im Gehöre 17


.

und drängen

Und

meinen Adern

sich in

er besorgt noch,

ach!

daß ich ihn verlöre.

MONNA LARA Ich kann verstehen, daß er tausendfach

Wenn

sich sichern will.

wenn

ein Geschick sich

o welche Angst

diese

ist

von Kommendem

.

etwas noch geschähe,

wendete und drohte,

große Nähe

.

DIE WEISSE FÜRSTIN Der Bote. Er wartet noch, und wir vergessen ihn. Sie ijüinkt.

Ihr sollt

Der

Euch

auf Euren

Bote tritt herzu

stärken, Freund.

Brief.

Der

Weg war

und

verneigt

sich.

Die Sonne schien weit und heiß.

Ihr seid aus Lucca?

DER BOTE Wie

Ihr sagt.

DIE WEISSE FÜRSTIN Ich weiß.

Wie

steht es in der Stadt?

DER BOTE Erlauchte Frau,

Grau

ist

die Stadt.

Wie

dieser Staub so grau.

Sie steht, als stünde Frohes nicht bevor.

Sie

war ganz ohne Stimme, nur am Tor,

ii8


da rauften sich die Wachen, da ich ging,

und

schrien

mich an und

fielen

nach mir

aus.

Ich dankte Gott, daß ich mich nicht verfing

Hauen.

in dieses

kam

Heil

DIE WEISSE FÜRSTIN Bank

ich heraus

auf der sie immer

läßt sich vorn

nieder; 'während des Folgenden hört

weniger auf die Worte des Boten und versinkt in sich selbst^

mit

Augen hinausschauend aufs

"weiten

Meer

Und

wandertet, vermut ich, voller

Mut

Weges? War der Weg denn

und

heil des

Der

Weg war

gut?

DER BOTE zwar wenig Schatten. als

durch

so ging

Da

ist

die

Er bot

gut, erlauchte Frau.

Aber das war

Dörfer kommen.

man durch den

Wie

besser,

durch Messer,

Aufschrei ihrer Not.

der Tod, erlauchte Frau, der Tod.

Ich sah ein Haus, in seiner Türe schrie ein schwangres

Und das

Weib und

riß sich

— schrien wie

sie.

macht die Angst, so denke ich

Und und

an den Haaren.

viele Frauen, die nicht schwanger waren

da und dort ging einer mir vorbei griff

und biß

auf einmal so ins Ungewisse

die Luft,

und

plötzlich durch die Bisse

iip


des blauen

Mundes drängte

man

Ein Schrei, das sagt Ich habe viele

und

es

kam

Männer

sich ein Schrei.

so,

wer

läßt sich stören?

schreien hören,

vor, ich habe selbst geschrien;

doch niemals hört' ich einen schrein wie ihn. gibt Dinge, die

Ja, es

man

nicht vergißt:

da war die Angst, die in den Tieren

ist,

die

Angst von Weibern, wenn

die

Angst von kleinen Kindern war darin,

und

das ergriff ihn,

und

das

war

das

müßt'

so, als

MONNA LARA,

und

es

warf ihn

hin,

ihn zerreißen.

die den Boten starr ansieht, tritt

an die Bank zurück.

scheu

kreißen,

sie irre

Sie

zwingt

sich

sagen

War

das in San Terenzo,

was Ihr

saht?

DER BOTE Nein, edles Fräulein. In San Terenzo

war

in eine Kirche ein

im

In Vezzano es

und

still.

war

es.

Ich trat

bat

Lichte eines einzigen Altares

um

gute Reise.

Doch

Ich

war ganz

allein.

in Sarzana, in der Kathedrale,

da sangen

sie.

Was

sag ich, singen? Nein,

auch das war Schreien: wie mit einem Male an Siebenhundert und die Orgel schrien.

I20

zu


.

Ihre Hälse

Sie knieten, Fräulein.

waren

wie Stengel vom Rhabarber, stimmenstrotzend. Die Augen waren bei den Männern glotzend,

wie Munde

offen, bei

den Frauen

zu.

Sogar die Kinder hatten keine Ruh:

wie lange Hälse streckten

und

hielten sie

Arme

Mund

wie einen zweiten

dem Gedränge,

aus

sie die

erbarme! brüllten

aus

sie,

dem warmen Schwärme;

erbarme! Und:

erbarme! donnerte im Hintergrund der breite Bischof vor

dem

Hochaltare

das Tabernakel an, so daß die klare

Monstranz

und

erzitterte

sie

Blicke aus.

als

zöge Gott

schien, als sende

Sie aber schrien, es war, sie

an

dem obern Ende

der langen Stimmen wie an langem Haar.

Und

ich

als

mich zwischen

die andern schob,

empfand ich (noch empfind

ich's

an den Sohlen),

daß sich die ganze Kathedrale hob

und wieder Das war

senkte,

ein

wie ein Atemholen.

Wunder. Wunder tun uns

Ihr habt das nicht gesehen, wie der

da

kommt und

und

ist

nicht

geht, ganz

unser Tod,

— not.

Tod

wie im eignen Haus; ein fremder, aus...

aus irgendeiner grundverhurten Stadt,

kein

Tod von Gott

besoldet

.

.

I

21


.

DIE WEISSE FÜRSTIN Tod? Was hat er da gesagt?

sieht plötzlich

auf

MONNA LARA Ich bitte dich, befiehl ihm, daß er ginge.

Mir graut vor ihm,

Dinge

er redet solche

DER BOTE Ein fremder er aber

ist

Tod

sag ich, den keiner kennt,

bekannt mit einem jeden

.

.

DIE WEISSE FÜRSTIN sieht Monna Laras Angst Verzeih, ich ließ ihn immer weiterreden, mir klang's von ferne wie ein Instrument. Sie geixiahrty

daß Monna Lara

den Briefe den hat.

Lächelnd

Und

sieh,

sie

immer noch

mein Brief

.

.

Erregung

ganz

zerrissen

.

Monna Lara

erschrickt.

DIE WEISSE FÜRSTIN So leben deine Hände für sich allein

in ihrer

hielt,

ohne

Vorwurf

Zum

Boten:

Mein guter Freund, es wohnt im Meierhofe mancher Mann; der Euch besser zu Gehör, daß es sich

stände lohnt.

Hier sind nur Frauen und sind ungewohnt

122


;

Ihr verschont

so ernsthaften Gespräches.

uns sicher gern, vor allem dieses Kind.

DER BOTE

tritt

zurück und verneigt

Verzeiht, erlauchte Frau, ich

daß ich nicht

sah,

wie

es

war wie

dem

sich

blind,

Fräulein schadet.

Es riß mich mit, wie schon die Worte sind.

Doch wenn

Ihr

mich zu einem noch begnadet,

so laßt mich's sagen.

DIE WEISSE FÜRSTIN

Wenn

mild

es

sprecht.

ist,

DER BOTE Ihr seid so unbewacht.

Der Park

und

offen

ist

am

hier

Da denk

Das

ist

nicht recht.

wie des Herrgotts Land,

Strande kann ein jeder gehen.

ich mir, verzeiht, es kann geschehen,

daß diese Hunde kommen; nah von hier

gehn

sie

schon um.

Da

sah ich ihrer vier

raubvogelhaft vor einem Haus gespenstern; sie

warten überall und dauern

aus,

und winkt man ihnen furchtsam aus den Fenstern, so

kommen

sie

was Totes da sie

nehmen

Man

sagt,

doch wie

und holen aus dem Haus,

ist:

alles,

daß sie

sie

Kinder, Männer, Frauen,

ohne Unterschied. auch nach den Kranken schauen

schauen?

Ja,

weiß Gott, man

sieht

IM


.

Es geht ein kaltes Grauen

nicht ihr Gesicht.

von ihnen Das, was

und

Ich könnte keinem trauen.

aus.

sie tun,

mag

ja

barmherzig sein

christlich gut: sie sorgen für die

und tragen

sie

heraus, so

was aber tragen

ist's

Toten

geboten,

Haus hinein?

sie ins

Und wenn sie draußen stehn im Feuerschein und wenn von ihren hohen Leichenhaufen Rauch und Schauder

aus

dann gehn Es

ist, als

sie in

hätte,

die Pflicht, sich

dem

sich die

Flamme

Feuer aus und

wer noch

hebt,

ein.

lebt,

von den Brüdern freizukaufen

.

DIE WEISSE FÜRSTIN Das müßt Ihr tun, mein Freund; das Lösegeld will ich

Euch morgen senden.

im Meierhofe,

Bleibt zur

Nacht

dort seid Ihr bewacht

und könnt geruhig schlafen und der Welt erhalten bleiben.

Geht

in Gottes

Namen.

DER BOTE Dank und Vergebung, für

meine

sehr erlauchte

Damen,

lästige Beredsamkeit.

Es tut in dieser wunderlichen Zeit so gut, zu sprechen

von der Dinge Lauf.

Dank, und vergeßt

nicht, stellet

besser

124

ist

besser; sie

sind wie

Wachen

auf,

die Kletten


sich an einen an

und hängen

den Scheiterhaufen es bliebe

auf, so

und betten

daß

man

denkt,

einem selber nicht geschenkt^

darauf zu schlafen.

Nun,

für

DIE WEISSE FÜRSTIN diesmal mag

Euch noch

Nun, hoff und

ein andres Bette

schlaft

wärmen.

So.

auch getrost und froh,

ich, seid Ihr

Euch Mut zu einem Keimkehrtag.

DER BOTE

verneigt sich tief

und geht durch

die

Allee ab,

MONNA LARA, die ganz reglos dagestanden hatte, Weinen

bricht plötzlich in sie

des

Haupt

Arm

in den

Die Fürstin zieht

aus.

neben sich auf die Bank, und

sie legt ihr

weinen-

der Schwester,

DIE WEISSE FÜRSTIN Mein

liebes

Kind,

bist

nicht bange sein; das

um

du

ist

erregt?

Du mußt

Geschwätz, geschart

feige Furcht, geringe Redensart

MONNA LARA Ich habe

alles dieses

Nun kommt nun

auf einmal

bricht es über

ich ahne jetzt

Daß

nicht

das nicht

erst,

mich

gewußt

alles

.

.

.

über mich,

herein,

und

ich,

daß das Leben droht.

Leben war, das

sanfte Sein,

IM


das sich mir bot,

wer mit

lebt, ist traurig, hilflos

und

allein

mit Sorge, Angst, Gefahr und Tod,

sich,

DIE WEISSE FÜRSTIN

Und wenn er's wäre, meine Freundin, sieh, wenn er es ist, wie ich es bin seit Jahren,

glaubst du, die Tage, welche trostlos waren,

dürften mir fehlen in der Melodie der großen Freude, die ich heute trage? Sie sagen:

Tod Nur

Tod,

ist es

sie

im ganzen

die vielen Worte,

wo

es sage:

dann nicht wie aus anderm Klang?

macht

ausgelöst, vereinzelt

Nimm nur

doch hör, wenn ich

nimm

sie alle bis ins

es

alle, als

sie in

bang.

das Deine,

Gebrauch:

Ungemeine

und Große wachsen, wächst

das eine auch.

MONNA LARA Doch

nicht

um

Worte handelt

Sie sterben, viele.

Jetzt

und

sich's: sie sterben.

jetzt

und

jetzt.

Sie ringen noch, sie hoffen bis zuletzt;

noch wenn der Tod

um von

sie

zu würgen, hoffen

sie,

gehetzt

ihrer Angst.

Monna Lara Stille; die

ii6

die Finger angesetzt,

sieht ratlos

um

Fürstin schüttelt

sich.

leise

Es

entsteht eine

das Haupt,


MONNA LARA horchend Und

jetzt!

der Fürstin zu Füßen, flehend mit

Sie wiyft sich

ringenden Händen

O

Laß uns weiches Linnen

laß uns helfen!

aus deinen Schränken

und was

bereit

war

nehmen

für die

für die Betten,

Wöchnerinnen

an Binden, Hemden, Salben, Amuletten.

Die dichten Tropfen und die

leisen Öle,

die Elixiere für das trübe Blut

o irgend etwas, das in ihrer Höhle

noch niemals war und

Wunder tut. Warum geschieht kein Wunder? Daß ich wüßte, mit welchem Wort ich dich erreichen kann; Maria! Warum rührst du sie nicht an? Wo ist dein Mund, der Jesu Wunden küßte? Ekelt es dich? ein

Und

das ein

willst

du nicht geruhn,

Wunder an den Stinkenden

zu tun,

so tu's an mir: gib Milch in meine Brüste,

daß ich

sie

tränke

Monna Lara sie,

daß sie

.

.

hat sich knteend zurückgcvoorfen

hält mit beiden

ihre

.

Händen

ihre Brüste hin, als ivartete

sich füllen sollten.

Spannung

und

So bleibt sie eine Weile,

steigert sich, bricht ab,

und

sie

fällt

vornüber der Fürstin in den Schoß.

1^7


DIE WEISSE FÜRSTIN

sie streicht

der Knieenden

sanft, beruhigend über das Haar und

spricht,

über

sie geneigt^ leise, eindringlich

"Wir

dem

Unsrige zu

N57ollen das

Ihren tun.

wollen die Falten in ihren weichen Lagern

Wir

glätten,

so daß sie es hätten wie die Kinder der Reichen.

Wir wollen ihnen nicht scheuen,

wegen.

und

zureden wie Tieren, daß selbst alle

sie sich

Scheu verlieren ihret-

Ich will mich zu denen legen, die frieren.

Ich will die Stirnen der Sterbenden halten. will die Alten reinigen die

Decken

und ihnen

Ich

die Barte über

den Kindern

breiten. Heiter will ich zu

hinüberschauen und die Frauen erleichtern, und ihre blauen

schrecken.

Nägel und ihr Eiter

Und

soll

mich nicht

ich will für die Toten sorgen

Pause,

MONNA LARA

hebt das Haupt.

Sie ist

ganz

ruhig, fast nüchtern,

DIE WEISSE FÜRSTIN

über

sie

fortschauend,

zögernd

Von morgen

an wird das mein Tagwerk sein

und meiner langen Nächte Werk.

MONNA LARA Von morgen? 128


DIE WEISSE FÜRSTIN

Von morgen, des

Schwester.

Heute bin ich

sein,

Kommenden.

Wie ihm

seiner Väter Erbschaft zugefallen, reich für ihn allein.

mein Gemahl hat mich für ihn bewahrt;

Selbst

mit seiner Wildheit übergroßem Jähzorn,

dem

wenn er tobt, andern Wort und Art:

keiner wehren könnte,

hielt er in

Bann der

der Edelleute, Dichter und des Herzogs. Pause.

So bUeb ich

Moima Lara erhoben j

Braut.

Dem

Worte

-jcährcnd der letzten

hat sich

sie steht steif

vor der Fürstin

Weitesten verlobt.

und

und

hilfios,

spricht

fast puppenhaft

mit seltsam tonloser

Stimme.

MONNA LARA Und

dein Gemahl, der Fürst, lag nie bei dir? Pause. '

Die Fürstin aufs Meer hinaushlickend.

DIE WEISSE FÜRSTIN Er lag bei mir. Sie

erhebt sich,

Monna Lara

tritt scheu

vor ihr

zurück.

Wenn

abends die Musik

129


ihn sänftigte, so daß er nichts verlangte,

ihm mein

so bot ich

mir

Sein

Bett.

Auge dankte

Seine harte Lippe schwieg.

lange.

So schlief

Und mir war

er ein.

gar nicht bange.

Nachts saß ich manchmal auf und sah ihn an, die scharfe Falte zwischen seinen Brauen,

und

sah: jetzt träumte er

von den andern Frauen

von jener blonden Loredan,

(vielleicht

die ihn so liebte)

— träumte

Da war

Da

ich

frei.

nicht

von mir.

sah ich stundenlang

durch hohe Fensterbogen:

fort über ihn

wie Himmel, weit und ohne Wogen,

das Meer,

und etwas

Klares, welches langsam sank;

was keiner

sieht

Dann kam ein im Raum und

und

sagt:

Monduntergang.

frühes Fischerboot gezogen

wie der Mond.

lautlos

Das Ziehn

von diesen beiden schien mir so verwandt. Mit einem senkte

und durch

Und

ich

das andre

was

ward

war wach und

und eingeweiht Mir war,

sich der

als

frei

Weite weit.

und ohne Späher

ginge dieses von mir aus,

Ich streckte mich, und entstand ein Duft

130

die

näher,

in diese Einsamkeit.

sich so traumhaft

Und wie

Himmel

sich

und

durch den

Raum

wenn mein

Leib sich regte,

bewegte.

duftete hinaus.

Blumen geben an den Raum,


daß jeder Lufthauch mit Geruch beladen

von ihnen

fortgeht,

meinem GeUebten

gab ich mich in Gnaden

Traum.

in den

Mit diesen Stunden

hielt ich ihn.

Pause.

Es gab

auch andre Stunden, da ich ihn verlor.

Wenn

ich drin wachte

dann

und

W2ii ich

so

Grab: Stein unter meinem Rücken

selber hart

Wenn

und er stand davor,

Türe einzudrücken,

vielleicht bereit, die

wie eine

Steinfigur.

meine Züge einen Ausdruck hatten,

war

das nur der

Ampel Schein und Schatten

auf einer inhaltlosen Meißelspur.

So lag

ich, Bild

von

einer welche war,

auf meines Lagers breitem Sarkophage,

und

die

Und lag

Sekunden gingen: Jahr und

Jahr.

unter mir und in derselben Lage

meine Leiche welk

in

ihrem Haar.

Pause.

Monna Lara

Sieh, so

ist

tritt

zur Fürstin und umfaßt

sie leise.

DIE WEISSE FÜRSTIN Tod im Leben. Beides läuft einem Teppich

so durcheinander,

wie

die Fäden laufen;

und daraus

in

entsteht

131


für einen, der vorübergeht, ein Bild.

Wenn jemand stirbt, das nicht allein ist Tod. Tod ist, wenn einer lebt und es nicht weiß. Tod ist, wenn einer gar nicht sterben kann. Vieles

Tod; man kann

ist

In uns

ist

und wir

täglich Sterben

es

nicht begraben.

und Geburt,

sind rücksichtslos

wie

die Natur,

die über beiden dauert, trauerlos

und ohne

Anteil.

Leid und Freude sind

nur Farben für den Fremden, der uns schaut.

Darum

bedeutet es für uns so

viel,

den Schauenden zu finden, ihn, der

sieht,

der uns zusammenfaßt in seinem Schauen

und einfach

wo

sagt:

und

ich sehe das

das,

andere nur raten oder lügen.

MONNA LARA Ja, ja,

das

ist's.

Ein solcher

muß

es sein,

sonst wird das namenlose Bild zu schwer. Kleine Pause.

Dir

kommt

er heut

.

.

.

Kleine Pause.

Wie

aber konntest du's

so lange tragen? Ich vermag's

kaum mehr.

Wenn

noch

ich mir denke, daß ich

herumgehn

n^

soll

ein Jahr

mit unerklärtem Blut,


unausgeruht,

von meinem eignen Haar

hochmütig übersehen wie ein Kind, allein

und blind inmitten meiner Brände,

sogar den

Hunden neu und wie

versagt,

mir selbst so fremd, daß mich die eignen anrühren wie die Hände einer

wenn so

ich ein Jahr

noch

Magd

.

.

Hände

. :

also leben soll,

werf ich mich nach diesem einen Jahre

einem Bedienten in den

Weg

und

mir das erspare.

fleh ihn an,

Wie

trugst

Mein

Blut

du

daß

er

wie

toll

das?

DIE WEISSE FÜRSTIN Oft

war

übervoll.

rief es laut,

daß ich davon erwachte,

mich weinend fand und

und

in

mein Kissen

In einer solchen Nacht

von

seines Kreuzes

mein Christus so groß die

in die Stille lachte

biß, bis es zerriß.

— ich weiß noch — schmolz

Ebenholz

los;

war meine Glut:

Arme

ofl^en lag er

.

.

.

über mir.

MONNA LARA Und dennoch war

so tiefe Kraft in dir.

DIE WEISSE FÜRSTIN Das war nicht Kraft. Geiz war

es,

Habsucht war

es.

133


womit

ich alle Gluten jedes Jahres

aufsparte für den späten Hochzeitstag.

Nun

schlägt ist

in

Mit tausendfachem Schlag

er da.

ist

Der Wurzeln

mir das Herz.

mich eingegangen; ich bin

Mein Haupt

ist

letzte

Süße

reif.

schön, und unter meine leichten

Füße schiebt sich die Erde

Und morgen

Du

jung

bist

wie ein Wolkenstreif.

darf ich altern.

MONNA LARA

DIE WEISSE FÜRSTIN Jugend

ist

zärtlich lächelnd

nur Erinnerung

an einen, der noch nicht kam. Sie

faßt

die Schwester

i7jit

beiden

Händen an den

Schultern.

Auch du wirst sparen für den Bräutigam. Denn deine Ungeduld ist Übergang. Lang

ist

das Leben.

Pause.

MONNA LARA Glanz geht von dir

und

M4

eine Stärke

he^xundernd

aus,

wie von Königinnen.


DIE WEISSE FÜRSTIN nach

sieht aufgerichtet

zurück

dem Palast

Die Sonne sinkt und spiegelt sich im Haus.

Nun

will ich warten,

und dann

will ich winken.

MONNA LARA Winktest du nicht?

DIE WEISSE FÜRSTIN So hieße

das: uns droht

Gefahr.

MONNA LARA

;/;/>

geschlossenen Augen, traum-

haft schmerzlich

Er

fiihre

wie das frühe Fischerboot

vorüber von

dem

Sie reift

rechten

Rand zum

linken.

wie in Angst die Augen auf.

Aber du winkst?!

DIE WEISSE FÜRSTIN glücklich Wenn dort das Meer verloht, so wink ich aufrecht in das Abendrot. Das Haus

ist

leer

MONNA LARA Still!

Waren

das nicht Schritte?

DIE WEISSE FÜRSTIN Nein;

komm

zur Terrasse.

horcht einen Augenblick

Man sieht von der Mitte

so weit ins Meer.

M5


Sie gehen,

sich

umfaßt

langsam durch die

haltend,

Das Meer atmet langsamer und

Platanen- Allee.

Als die Fürstin einmal stehen bleibt

sch-xerer.

und

zurücksieht, sagt

MONNA LARA Nun

^uoie

einen Kindervers

kannst du nicht gehen und Linnen ver-

schenken,

und Ol und Salbe und

mußt an daß

Spezerei,

dein eigenes Bette denken,

es bereitet

und

selig sei.

DIE WEISSE FÜRSTIN

gehen,

Ein Stück

nickt ernsthaft

^joeiter

Fürstin an der Hand.

im Weiter-

faßt Monna Lara die

Sie bleiben beide stehen,

Fürstin sieht ivieäer nach

die

dem Meer.

MONNA LARA Glaubst du, kann ich

dir dein

und

das Becken, in das

Mir

ist, als

alles,

weiter^

ob meine Hände wüßten

so

nickt,

kommen

und

sie

auf

sie

gehen

ijcieder ein Stück

die Stufen der Terrasse

bleiben wieder stehen.

MONNA LARA Ich will dich betten. Alles

1^,6

du dein Antlitz tauchst?

was du heute brauchst.

Die Fürstin

und

Lager rüsten

Meine

ist

kniet plötzlich nieder

Ich will dir dienen.

zu dir treu


Die

hebt sie leise empor, faßt ihr

"weiße Fürstin

Gesicht mit beiden

Händen und

sieht hinein.

DIE WEISSE FÜRSTIN Deine Augen sind tief und neu. Ich sehe mein ganzes Glück in ihnen.

auf den Mund, Monna Lara macht los und eilt ins Haus hinein.

Sie küßt sie sich schnell

Die Fürstin

schreitet jetzt die letzten Stufen empor,

"wendet sich

und

Meer

sieht in

— Nach

hinaus,

großem Er'warten auf das

einer Weile erscheint

Lara, einen silbernen Spiegel tragend, den

dem

sie niederkniet,

der Fürstin vorhält.

Monna sie,

in-

Langsam

ordnet die Fürstin ihr schweres Haar.

MONNA LARA Jetzt ist er in

ujJter

dem

Spiegel, leise

mir wiedergekommen.

Er hat mich einmal an der Hand genommen. Jetzt fühl ich es

Sieh, so

wieder in meiner Hand.

hab ich ihn doch gekannt

Die Fürstin hinhörend.

lächelt in

Gleich

.

.

.

den Spiegel hinein, zerstreut

darauf richtet

sie sich, ausblickend,

auf,

MONNA LARA Jetzt

geht die Sonne ins Meer. Sie eilt ins

Haus

zurück.

Pause.

n7


Die weiße Fürstin

steht jetzt allein, aufrecht

gespanntem Schauen, auf der Terrasse,

und in

Die

Villa

hinter ihr ivird iinmer strahlender (als leuchtete ein

vom Widerschein der sinkenden

großes Fest darin)

Da

Sonne.

erketint die Fürstin, nach rechts blickend,

etwas Fernes. Gürteltasche,

Dann

wartet

die näher

Sie langt

wie

einmal flüchtig nach der

um zum

IVinken bereit zu sein^

man

Endlich hört

sie.

kommen.

Während

Ruderschläfre^

der Be-

die Fürstin

wegung draußen mit ihrem ganzen Wesen

folgt,

ist

den Strand entlang lon rechts (vom Zuschauer aus gemeint) ein Frater der Misericordia, die schwarze

Maske vor dem

Anfang

Gesicht, aufgetreten

der Allee gegangen.

Sie sehen

beide nach

einander.

Jetzt,

da

und

Ihm folgt

dem Haus und die Fürstin

bis

an den

ein zweiter,

flüstern mit-

mit einer schnellen

Gebärde nach ihrem Tuchs

greift,

und der

erste

einige rasche Schritte vor-

wärts.

Dann

Mönch macht zögert

er,

Gefährten zurück, steht ihn bemerkt.

nur ihn; liert

rühren

wendet

still.

sich

nach seinem

Die weiße Fürstin hat

Von diesem Augenblick an

sieht sie

ihre Gestalt erstarrt in Schrecken, sie ver-

das Meer aus den Augen, aus

während jetzt ganz

dem Bewußtsein,

laut die Ruderschläge von dort,

langsam, zögernd, vernehmbar sind.

macht eine große Anstrengung, den

138

sich beide,

Die Fürstin

entsetzlichen

Bann


zu brechen und dennoch zu dauert dieser Kampf.

Schritte, so

daß

z^weite

er jetzt fast neben

Die Fürstin rührt

Die Fronte der Villa beginnt zu Boot

muß

ferner

Eine Weile

müh-

Bei einer ihrer schweren^

samen Beilegungen macht der

Allee steht,

^winken.

vorbeigefahren sein,

verliert sich der

Bruder ein paar

dem

ersten in der

sich nicht

mehr.

verlöschen.

leiser,

ferner

Das

und

Ruderschlag in dem schweren

Branden des fast nächtlichen Meeres. Da, oben

als

man

ihn eben noch unterscheiden kann, vcird

im Haus der Vorhang von

Bogenfenster fortgerissen erscheint,

Winkt

einejji

der hohen

und etwas Helles,

Schlankes

fast wie die Figur eines Kindes, und winkt.

erst

rufend^ hält einen Augenblick ein

und

winkt dann anders: schwer und langsam in zögernden Zügen, wie

man zum

Abschied winkt.

Vorhang.

M9


1

INHALT DAS

IST DIE

SEHNSUCHT

I

Ich möchte jedem Klange

2

Ich will ein Garten sein, an dessen Bronnen

3

Ich bin so jung.

dem

Ich will nicht langen nach

Meine frühverliehnen Lieder

lauten

Leben

4

....

Die armen Worte, die im Alltag darben

Arme

Heilige aus Holz

immer den

Ich geh

jetzt

Das

der Tag, in

ist

Weiße

dem

gleichen Pfad

Seelen mit den Silberschwingen

einmal lös ich in der

Du, den wir

alle

.

.

Tag und Traum

Ich bin zu Hause zwischen

Und

.

ich traurig throne

Dämmerung

.

sangen

9

10 1 1

2

13

Du wacher Wald, inmitten wehen Wintern Du mußt das Leben nicht verstehen

14

Geheimen

16

Ich möchte werden wie die ganz

Vor

lauter

Träume,

Lauschen und Staunen

sei still

die in deinen Tiefen wallen

18

ENGELUEDER

19

Ich ließ meinen Engel lange nicht los Seit

.

mich mein Engel nicht mehr bewacht

Hat auch mein Engel keine

Wenn Seine

ich einmal

Hände

15

Pflicht

im Lebensland

mehr

20 2

I

2 2

.

bleiben wie blinde Vögel

.

141


Um

die vielen

Madonnen

Ernster Engel aus Ebenholz

....

LAUSCHENDE WOLKE ÜBER DEM WALD

Und

ich ahne: in

dem Abendschweigen

Gehst du außen die Mauern entlang Ist

ein Schloß

Zur kleinen Kirche mußt du aufwärts Das sind

steigen

die Gärten, an die ich glaube

Schau, wie die Zypressen schwärzer werden Erste

Rosen erwachen

Blendender Weg, der sich vor Licht verlor

Da steht er gestützt am Turm Im flachen Land war ein Erwarten Wer einst das einsame Haus erbaut Das

ist

dort,

Manchmal

wo

die letzten

.

.

Hütten sind

geschieht es in tiefer Nacht

.

Wir wollen, wenn es wieder Mondnacht wird

....

MÄDCHEN-GESTALTES

Als du mich einst gefunden hast

.

Viel Fähren sind auf den Flüssen

.

Ich bin eine Waise

Ich war ein Kind und träumte viel

LIEDER DER

MADCHEN

Jetzt sind sie alle

Geh

schon selber Frauen

ich die Gassen entlang

Königinnen

142

....

seid ihr

und

reich


Die Welle

euch nie

sch>57ieg

.

51

Die Mädchen sehn: der Kähne Fahrt

5^

Ihr

Mädchen

seid

wie

die

.

.

Kähne

53

Die blonden Schwestern flochten froh

54

Wenn

55

Eh

die

blonden Flechterinnen

der Garten ganz beginnt

56

.

Alle Straßen führen

Noch Die

Zeit,

Wir

57

ahnst du nichts

von der

die

vom Herbst

des Haines

Mütter sprachen

haben lange im Licht gelacht

Die Mädchen

am Gartenhange

Wir

59

60

.

61

.

6z

Ich war in ferner Fremde Kind

Es müßte mich einer führen

58

^3

.

sind uns alle schwesterlich

.

GEBETE DER MÄDCPIEN ZUR MARIA

65

Du

.

66

so vielem blieb uns der Sinn

67 68

wolltest

wie

die andern sein

Schau, unsre Tage sind so eng

Von

Dein Garten

wollt' ich sein zuerst

Unsre Mütter sind schon

müd

70

Ich war einmal so kinderkühl

Maria, du weinst,

ich

weiß

Gestern hab ich im

Traum

Wie kam, wie kam

aus

71 .

gesehn

deinem Schoß

Deiner ernsten Engel einen

Oh, daß wir

so endlos

69

werden mußten

7^ 73

74 75

76 43


1

Mir wird mein

Und

helles

Haar zur Last

Sie sagen alle:

Wird

dieses

Du

78

....

hast Zeit

79 80

ungestüme, wilde Hinsehnen

Ich aber fühle, wie ich

wärmer und wärmer

UNSERE TRÄUME SIND MARMORHERMEN Es

77

in allen alten Jahren

8

noch Tag auf der Terrasse

ist

Das sind

die Stunden, da ich

Der Abend

ist

mein Buch

84

mich

finde

8) 8(S

.

Oft fühl ich in scheuen Schauern

Und

so

ist

i

^5

.

^7 88

unser erstes Schweigen

Aber der Abend wird schwer

89

Wir

90

sind ganz angstallein

.

Ich fürchte mich so vor der Menschen

Nenn

ich dich

Wie

9

Aufgang oder Untergang

Senke dich du langsames Serale

Kann mir

Wort

9^ 93

.

einer sagen

94 der Nacht benannten

95

Die Nacht wächst wie eine schwarze Stadt

i)6

Auch du

()j

wir auch

Wenn

hast es einmal erlebt, ich

die

Ich weiß

alles in

Uhren es

weiß

98 100

im Traum

Fürchte dich nicht, sind die Astern auch

Du

darfst nicht warten, bis

DIE WEISSE FÜRSTIN

44

.

so nah

alt

Gott zu dir geht

i

o

i

102 I

O^


BUCH WURDE GEDRUCKT IN DER OFFIZIN W.DRUGULIN, LEIPZIG DIESES


inr^i.

Pr

2635 I65A17 1913

Rilke, Rainer Maria Die frühen Gedichte ^3. Aufl., ""

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Rainer Maria Rilke - Die frühen Gedichte, 1913  

Pages in original color. Source: Internet Archive; Digitizing Sponsor: University of Toronto; Contributor: University of Toronto – Robarts...

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