Issuu on Google+

»Joachim Ringelnatz: Ein adliger Schwärmer edler Art mit einem Dichterherzen und einem kleinen Vogel im ritterlichen Kopf.« Hermann Hesse


Taschengeld für Geschenke nicht ausreichte, entwendete ich zu Hause nach und nach unseren gesamten Christbaumschmuck. Bald trugen alle dreiundzwanzig Insulanerinnen Glaskugeln, (…) Wachsengel und Ketten im Haar. Sie dankten mir, indem sie mich anlächelten oder über mein blondes Haar strichen, was mich beseligte. Aber eine von ihnen erfüllte mir eines Tages meinen Wunsch, mir ein ›H‹ auf den Unterarm einzustechen. Das geschah in der großen Unterrichtspause. Die dauerte eine Viertelstunde, das Tätowieren aber einundeinehalbe Stunde.« Der junge Hans Bötticher, wie Ringelnatz eigentlich hieß, wird des Gymnasiums verwiesen. Das Exotische und das Unkonventionelle – von jung auf lässt sich Ringelnatz von ihnen verführen. Der Sohn aus gutbürgerlichem Elternhaus mit künstlerischem Einschlag (der Vater, ein angesehener kunstgewerblicher Zeichner, schreibt humoristische Texte für Jung und Alt) wechselt von der Pennäler- in die Seemannstracht und zieht als Schiffsjunge auf dem Segelschiff ›Elli‹ durch die Welt.

Joachim Ringelnatz In der Schule fand Ringelnatz die Kreide »abscheulich zum Anfassen« und ihr Quietschen auf der Tafel »stechend empörend«. Er wurde »verpetzt oder erwischt und immer wieder bestraft« und schließlich vom Unterricht ausgeschlossen. Der Grund dafür waren im weitesten Sinne die Frauen, genau genommen dreiundzwanzig Schönheiten aus Samoa, die mit drei Häuptlingen im Hamburger Zoo anlässlich einer Völkerschau zu bewundern waren: »Ich befand mich in den Pubertätsjahren und konnte mich an den bronzefarbenen, dunkelhaarigen Weibern nicht sattsehen. Da mein kleines

Einige Länder lernt er Das näher kennen, da er mehrRingelnatz mals Reißaus nahm. WähLesebuch Diogenes rend seiner Fluchten nimmt er, um nicht zu verhungern, alle möglichen Hilfsarbeiten an, die ungewöhnlichste ist die eines Schlangenbändigers. In Hamburg beginnt er als Bürolehrling einer Dachpappenfabrik eine kaufmännische Karriere, die in einem Münchner Reisebüro endet, als der Weltreisende, der angegeben hatte, fünf Sprachen zu sprechen, einen spanischen Kunden nur mit »Aranjuez, Don Carlos« zu bedienen wusste. Die kaufmännische Lehre unterbricht Ringelnatz 1904 um den einjährig-freiwilligen Militärdienst bei der Kaiserlichen Marine in Kiel zu leisten.


1883

Nach Beendigung der Lehre hielt sich Bötticher mit verschiedenen Gelegenheitsjobs über Wasser und kam 1909 nach München. Hier entdeckt Ringelnatz das Künstlerlokal Simplicissimus, und der ›Simpl‹ entdeckt ihn: Er wird zum ›Hausdichter‹ und beginnt Gedichte und Geschichten zu veröffentlichen. Er hat viele Künstlerfreunde und sehr wenig Geld. Als er in der Nachbarschaft ein Zigarrengeschäft eröffnet, bringen es »gute Freunde und Mangel an Kapital nach neun Monaten aus dem Gleichgewicht«. Als 1914 der 1. Weltkrieg ausbricht, meldet sich Ringelnatz freiwillig und will in den Krieg ziehen. Doch er wird nicht an die Front geschickt, sondern zur Rekrutenausbildung an die Nordsee. Ab 1917 ist Ringelnatz Leutnant zur See und Kommandant des Minensuchbootes ›Caroline‹, später dann der ›Fairplay VI‹. Seine Erinnerungen an diese Zeit veröffentlicht Ringelnatz später im Buch Als Mariner im Krieg.

Joachim Ringelnatz wird am 7. August als Hans Gustav Bötticher in Wurzen geboren. Er ist das dritte Kind des Schriftstellers und Musterzeichners Georg Bötticher und dessen Frau Rosa Marie.

1887 Umzug der Familie nach Leipzig, der stets zu Streichen aufgelegte Junge wächst in einem toleranten Elternhaus auf.

Nach dem Weltkrieg beginnt der Leutnant a.D., seine Verse mit Ringelnatz, dem seemännischen Namen für das glückbringende Seepferdchen, zu signieren, und

1901 oben: Elternhaus von Ringelnatz unten: Familie Bötticher, Ringelnatz sitzt ganz inks am Tischende

Ringelnatz als Kind

wird berühmt. Das Kabarett rettet ihn aus der Misere, Ringelnatz wird beim Berliner Schall und Rauch engagiert und tourt danach, seine Dichtungen vortragend, durch ganz Deutschland. Anfangs schläft er bei Freunden in Teppiche eingerollt, später reist er mit der Lufthansa. Mit Nonsens und schwarzem Humor wurde Ringelnatz als Dichter berühmt. Und doch gibt es noch einen anderen Ringelnatz, der bis heute leicht übersehen wird: den zarten Melancholiker, der die großen Gefühle in die kleine Form gegossen hat und neben Klamauk und großen Tönen auch immer wieder eine stille, ernste Seite anstimmt. »Es ist so traurig, dass sich die meisten gewöhnt haben, über Ringelnatz als einen

Abschluss der Schulzeit mit dem EinjährigenFreiwilligen-Examen. Sein Berufswunsch ist es, zur See zu fahren. Als Schiffsjunge auf dem Segelschiff ›Elli‹ bereist er unter anderem Venedig, Konstantinopel, Liverpool und Rio de Janeiro. Erste Geschichten werden in Auerbach’s Deutschem Kinderkalender publiziert, den sein Vater herausgibt.


1902 Als Leichtmatrose ist Ringelnatz auf mehreren Schiffen unterwegs und lebt für längere Zeit in Hull (England).

Joachim Ringelnatz Sämtliche Erzählungen Diogenes

1903 Beginnt eine kaufmännische Lehre bei einer Speditionsfirma in Hamburg und fährt wieder zur See, darf den Beruf jedoch nicht mehr weiter ausüben, da ihm die nötige Sehschärfe fehlt. Ringelnatz absolviert die Qualifikationsfahrt für den Militärdienst bei der Marine. Die Lehre beendet er 1905 bei einer Dachpappenfirma.

1904 Dient als Einjährig-Freiwilliger bei der Kaiserlichen Marine in Kiel.

Hanswurst oder Suppenkasper zu lachen. Merken denn so wenige, dass man keine Kabarettnummer, sondern einen Dichter vor sich hat? Ringelnatz ist ein Dichter. Und bei Gott kein geringer«, bemerkte schon 1924 Erich Kästner. Ähnlich bekannt wie Ringelnatz’ Ameisen, die nach Australien reisen wollen, es aber nur bis Altona schaffen, oder der Bumerang, auf den das Publikum vergebens wartet, sind Zeilen wie »Ich habe dich so lieb! / Ich würde dir ohne Bedenken / Eine Kachel aus meinem Ofen / Schenken« oder »Der du meine Wege mit mir gehst«, Gedichte wie Zu dir oder jenes über den männlichen Briefmark, der »von einer Prinzessin beleckt« die Liebe entdeckt, doch jäh von ihr und einer glücklichen Zukunft getrennt wird. »Ein adliger Schwärmer edler Art mit einem Dichterherzen und einem kleinen Vogel im ritterlichen Kopf« nannte Hermann Hesse Ringelnatz. Denn hinter der Leidenschaft fürs Leben, für Abenteuer, starke Sinneseindrücke, derbe Erotik oder viel Wein versteckt sich ein zweiter Ringelnatz, der von der großen Liebe träumt. Einem Cyrano ähnlich, sucht Ringelnatz, der sich von jung an hässlich und unvollkommen fand, unter den Frauen diejenigen, »die den Mann nicht äußerlich schön verlangen«. Trotz Affären und Eskapaden im Kreise seiner Künstlerfreunde sucht der ehemalige Seemann nach dem sicheren Hafen der Ehe. Erste ernste Absichten hegt er gegenüber Amalia Tamm, die er Eichhörnchen nennt. Sie ist Hauslehrerin des Grafen Yorck auf Schloss KleinOels, wo Ringelnatz 1912 als Bibliothekar arbeitet. 1913 verlobt sich Ringelnatz mit Alma Baumgarten, die er Maulwurf nennt, doch der Vater lehnt den Bund ab. 1918 macht er Annemarie Ruland, einer Schauspielerin ohne Engagement, per Feldpostkarte einen Heiratsantrag, doch sie entscheidet sich gegen ihn. Das lässt ihn umso heftiger um Leonharda Pieper alias Muschelkalk werben, doch die fünfzehn Jahre jüngere Bürgermeister-Tochter ist anfänglich zurückhaltend. Sie sind ein ungleiches Paar wie Tante Qualle und der Elefant im gleichnamigen

Gedicht. Er ein Luftikus und Vagabund, der nicht mehr von Hafen zu Hafen unterwegs ist, sondern von einer Aufführung zur nächsten, und als Beruf »reisender Artist« in Formulare und Meldezettel einträgt. Sie hütet die Wohnung in München, hält sich mit Übersetzungen und Lektoratsarbeiten über Wasser oder gibt Sprachunterricht. »Nicht als Reisebegleiter, sondern als zweites Mich« will er sie. 1920 heiraten beide

oben: Der Mariner links: Leonharda (Lona) Pieper, genannt Muschelkalk


1905

Postkarte an Dora Bötticher, 4.5.1915 (Ringelnatz sitzt rechts)

Ringelnatz malt die ersten bekannten Ölbilder Kriegsschiff und Dachpanorama.

1907 Arbeitet als Commis (Handlungsgehilfe) in Leipzig.

1908 Commis in Frankfurt. Reist erneut nach Hull, arbeitet nach seiner Rückkehr in einem Reisebüro in München, wo er nach kurzer Zeit entlassen wird.

»ohne Geld, ohne Wohnung und ohne Verstand«. Im Februar 1930 ziehen die beiden nach Berlin um, wo sich Ringelnatz größere berufliche Möglichkeiten verspricht. In Berlin arbeitet Ringelnatz sehr viel und erhält Anerkennung als Schriftsteller, Vortragskünstler und Maler. Seine Tourneen führen ihn durch ganz Deutschland und die Schweiz. Doch das Glück ist nicht von langer Dauer. Mit den 1933 an die Macht gekommenen Nationalsozialisten bricht für Ringelnatz eine schwierige Zeit an. Als am 28. Februar 1933 die »Verordnung zum Schutz von Volk und Staat zur Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte« erlassen wird, erhält Ringelnatz Auftrittsverbot. In einem Brief vom 5. April wundert sich Ringelnatz: »Mein Gastspiel in Dresden wurde trotz Applaus und bester Presse plötzlich polizeilich verboten.« Als dann noch seine Bücher als »undeutscher Schund« beschlagnahmt und verbrennt werden, hat Ringelnatz mit einem Schlag seine Existenzgrundlage verloren. Er verliert jeden Lebensmut,

zu allem Übel erkrankt er schwer an Tuberkulose, an der er schließlich am 17. November 1934 im Alter von 52 Jahren in Berlin stirbt. Wie er es gewünscht hatte, singt die Trauergemeinde bei der Grablegung auf dem Berliner Waldfriedhof an der Heerstraße La Paloma.

1909 Erste Auftritte in der Münchner Künstlerkneipe Simplicissimus. Er kauft den Tabakladen Tabackhaus: Zum Hausdichter, der bereits nach wenigen Monaten pleite geht.


1910–1911 Der erste Band mit Gedichten erscheint, sowie das Schiffsjungen-Tagebuch.

»Eine der schönsten Gesamtausgaben der letzten Jahre.« Süddeutsche Zeitung, München

1912 Bibliothekar beim Grafen Yorck von Wartenburg in Schlesien. Die Schnupftabaksdose mit Illustrationen von Richard Seewald erscheint.

1913 Bibliothekar beim Kammerherrn Börries Freiherr von Münchhausen, danach arbeitet er als Fremdenführer auf Burg Lauenstein. Verlobung mit Alma Baumgarten, die auf Druck der Eltern Almas bald wieder gelöst wird.

3008 Seiten, Halbleinen € (D) 152.– / sFr 262.90* € (A) 156.30 ISBN 978-3-257-06040-9

Alle erhaltenen Werke von Ringelnatz und eine umfangreiche Auswahl aus den Briefen auf 3000 Seiten in sieben Bänden. Vieles ist überhaupt zum ersten Mal aus dem Nachlass veröffentlicht, so allein 444 Gedichte. 232 Zeichnungen und Gemälde zu eigenen Werken, Handschriften-Faksimiles runden das Bild von Joachim Ringelnatz ab. Alle Bände enthalten einen Anhang von Walter Pape mit der nötigen textkritischen Rechenschaft und mit Erläuterungen von autobiographischen, zeitgenössischen und literarischen Anspielungen, Begriffen und Namen. Die kritische Werkausgabe gerät so zu einem Stück Zeitgeschichte. Brief von Ringelnatz an seine Schwester Ottilie ca. 1897


1914–1918

z G. Schmidt an Ringelnat zember] 1931 Baden-Baden [wohl De ch habe dem Kinderverwirrbu Lieber Ringelnatz! In ist nicht ne Son vorgestellt. Die ich mir manches anders sondern so so d sieht ht in die Pfanne Eier un Der Osterhase legt nic so aus sondern 4 Beine. Der Elefant hat nicht 6, n ein keine alte Hexe, sonder Dornrös’chen ist aber Königskind. ten. nicht vorn, sondern hin Ihren Euter hat die Kuh

milzt, ht brennen, sondern er sch Der Schnee kann gar nic recht, Un da bst – Und Du schrei und das Feuer geht aus. hauen. seine Großmutter zu ver Es grüßt G.S.

Meldet sich gleich zu Beginn des Krieges freiwillig. Wird Mariner bei der Kriegsmarine, ab 1917 Leutnant zur See und Kommandant eines Minensuchbootes.

1918 Tod des Vaters

1920 Heirat mit Leonharda (Lona) Pieper, genannt Muschelkalk. Erste Erfolge als Maler und Schriftsteller. Hans Bötticher nimmt das Pseudonym Ringelnatz an – die seemännische Bezeichnung für ein Seepferdchen. Die Turngedichte und Kuttel Daddeldu erscheinen. Als reisender Vortragskünstler ist er mehrere Monate im Jahr auf Bühnen unterwegs.

Joachim Ringelnatz Kuttel Daddeldu Mit Zeichnungen von Karl Arnold Diogenes

An G. Schmidt [Stuttgart, wohl Dezember 1931] Liebe G. S. Ich danke Dir für Deinen schönen Brief. Du hast mit der Sonne, mit dem Elefante n und allem anderen ganz recht. Ich habe mich da sehr geirrt. Aber das kommt davon, wenn man in der Schule nichts lernt. Nun grüße ich Dich und Deine Elte rn herzlichst und wünsche, dass Euch der Osterhase viel neben die Pfanne legt. Dein Joachim Ringelnatz


1922 Etabliert sich in Kabarett- und Theaterkreisen in Berlin. Widmet sich intensiv der Malerei.

1923 Stellt zum ersten Mal seine Bilder bei der Galerie Flechtheim in Berlin aus. Weitere Ausstellungen und Auktionen im Inund Ausland folgen.

1924 Ringelnatz’ Geheimes Kinderspielbuch wird publiziert. Die Mutter Rosa Marie stirbt.

Joachim Ringelnatz

Hommagen

»Ringelnatz’ Reise Gedichte beinhalte verwandlung von S in lyrischen Leicht Peter Rühmkorf

»Er war ein Mensch, der am liebsten die Blumen im Teppich begossen hätte, weil die niemals Wasser bekommen.« Paul Wegener

»Ein Bruder Karl Valentins.« Max Herrmann-Neisse

1925 Ringelnatz hält sich für drei Wochen in Paris auf und lernt unter anderem Jules Pascin und Jean Cocteau kennen.

Zeichnung von Jean Cocteau für Ringelnatz, Januar 1925

»Der größte ›Eigenbrettler‹ nach Frank Wedekind, dessen Kunst in einem Splitter die ganze Shakespeare-Welt auffängt.« Anton Kuh

»Ein Eulenspiegel, wenn auch einer aus Sachsen, mit koboldischer Lust am Durcheinanderbringen Sinn und Unsinn. Sein Humor hatte eine derbe un eine sublime Seite, und unnachahmlich bleibt die geistige Grazie, mit der er von der einen zur ande hinüberwechselte, sozusagen mit einem Satz (in Wortes zwiefacher Meinung).« Alfred Polgar


ebriefe und en die UmSchwermut tsinn.«

, von d e eren des

1928 Das Buch Als Mariner im Krieg erscheint unter dem Pseudonym Gustav Hester bei Rowohlt. Eine umfassende Ausstellung zeigt seine Bilder in Leipzig.

Joachim Ringelnatz Als Mariner im Krieg Diogenes

Hafenkneipe, Ölgemälde, 1933

Seegang, Ölgemälde, undatiert

1929

»So stark ist der Dichter in dem Manne, der erlebt, dass das Banalste und Niedrigste durch ihn zum Wunder wird. Ringelnatz steht in der neusten Literaturgeschichte noch immer nicht auf dem Platze, der ihm gebührt.« Erich Kästner

Die Situation von Ringelnatz verschlechtert sich, die Reisen strapazieren seine Gesundheit und bringen wenig Einnahmen.

1930 Umzug von München nach Berlin.


1931–1932 Ringelnatz veröffentlicht viel – unter anderem die Autobiographie Mein Leben bis zum Kriege und das Geheime KinderVerwirr-Buch. Ringelnatz tourt mit seinen Gedichten und Texten durch Deutschland und die Schweiz.

Das große Ringelnatz-Buch mit vielen Bildern von Tatjana Hauptmann

»Die Bilder von Tatjana Hauptmann passen auf wunderlichwunderbarste Weise zum ollen Seemann.« Die Welt, Berlin

1933 Im April 1933 werden seine Auftritte im Münchner Simplicissimus polizeilich verboten, seine Bilder gelten als entartete Kunst, und die meisten seiner Bücher werden verbrannt. Er wird mit Auftrittsverbot belegt und verarmt, da die Bühnenauftritte die wichtigste Einnahmequelle waren.

Die Ameisen

Das große Ringelnatz-Buch Die schönsten Gedichte und Geschichten mit vielen Bildern von Tatjana Hauptmann

Diogenes

144 Seiten, Leinen € (D) 24.90 / sFr 43.90* € (A) 25.60 ISBN 978-3-257-01012-1

Hilfreiche Verse (»Das ABC ist äußerst wichtig. Im Telefonbuch steht es richtig«), obskure Reime, rätselhafte Märchen, unglaubliches Seemannsgarn und viele weitere Gedichte und Geschichten – das Schönste von Joachim Ringelnatz.

Ein männlicher Briefmark erlebte Was Schönes, bevor er klebte. Er war von einer Prinzessin beleckt. Da war die Liebe in ihm erweckt. Er wollte sie wiederküssen, Da hat er verreisen müssen. So liebte er sie vergebens. Das ist die Tragik des Lebens!

In Hamburg lebten zwei Ameisen, Die wollten nach Australien reisen. Bei Altona auf der Chaussee Da taten ihnen die Beine weh, Und da verzichteten sie weise Denn auf den letzten Teil der Reise. So will man oft und kann doch nicht Und leistet dann recht gern Verzicht.


1934

Ich habe dich so lieb Ich habe dich so lieb! Ich würde dir ohne Bedenken Eine Kachel aus meinem Ofen Schenken. Ich habe dir nichts getan. Nun ist mir traurig zu Mut. An den Hängen der Eisenbahn Leuchtet der Ginster so gut. Vorbei – verjährt – Doch nimmer vergessen. Ich reise. Alles, was lange währt, Ist leise. Die Zeit entstellt Alle Lebewesen. Ein Hund bellt. Er kann nicht lesen. Er kann nicht schreiben. Wir können nicht bleiben. Ich lache. Die Löcher sind die Hauptsache An einem Sieb. Ich habe dich so lieb.

Gastspiele in Basel und Zürich. Joachim Ringelnatz erkrankt an Tuberkulose und stirbt am 17. November in seiner Berliner Wohnung. Beisetzung auf dem Berliner Waldfriedhof an der Heerstraße.


Gedichte und Prosa Joachim Ringelnatz Sämtliche Gedichte Diogenes

Joachim Ringelnatz Kuttel Daddeldu Mit Zeichnungen von Karl Arnold Diogenes

Ringelnatz Gedichte und Prosa Diogenes

Ich habe dich so lieb! Die schönsten Liebesgedichte von

Joachim Ringelnatz

Weihnachten mit Ringelnatz

Diogenes

Diogenes

detebe 23597, 144 Seiten € (D) 7.90 / sFr 12.80* € (A) 8.20

detebe 23467, 864 Seiten € (D) 12.90 / sFr 22.90* € (A) 13.30

detebe 23547, 128 Seiten € (D) 7.90 / sFr 13.90* € (A) 8.20

detebe 22771, 160 Seiten € (D) 8.90 / sFr 15.80* € (A) 9.20

96 Seiten, Pappband € (D) 9.90 / sFr 17.90* € (A) 10.20

Bei Ringelnatz sind nicht nur Männer einsam in Frauen verliebt, sondern auch der Briefmark in die Prinzessin und der Elefant in die Qualle. Dass das nicht gutgehen kann, versteht sich von selbst, und doch fragt der Dichter: »Wer reist aufs neue mit mir ins Himmelblau?« Ringelnatz singt wilde Lieder und findet milde Worte, kennt Glück, das »ganz und rasch und leise« ist, weiß, wann Untreue verjährt, leidet an der Einsamkeit und verrät Turnübungen gegen die Begierde.

»Sie sind unsterblich, die ›kleinen Gedichtchen‹.« Frankfurter Allgemeine Zeitung

Den Kern des Gedichtbandes Kuttel Daddeldu und zugleich die Säulen des Vortragsprogramms, mit dem Ringelnatz quer durch Deutschland tingelte, bilden moritatenhafte Seemannslieder, in denen Kuttel von wilden Seefahrten und nicht weniger chaotischen Landaufenthalten Bericht gibt: von Hafenkneipen und Bordellen, von der festen Braut Marie, die aus Bayern stammt, und von seinen Kindern in aller Herren Ländern.

Das Schönste und Bekannteste aus dem Gesamtwerk in kleiner Auswahl. Seit 30 Jahren das Ringelnatz-Taschenbuch.

Dieses kleine feine Weihnachtsbuch vereint heitere und auch besinnliche Gedanken.

»Neben den spaßhaften Gedichten, in denen Ringelnatz den ›risus interruptus‹ erfunden hat, stehen jene Verse, die wir wohl alle lieben, weil sie unsre Melancholie enthalten, eine, deren man sich niemals zu schämen hat ...« Kurt Tucholsky »Ringelnatz’ Gedichte beinhalten die Umverwandlung von Schwermut in lyrischen Leichtsinn.« Peter Rühmkorf

Der bekannte Karikaturist des Simplicissimus, Karl Arnold, illustrierte 24 der fast 50 Gedichte mit jeweils einer Federzeichnung.

»Der Ringelnatz-Ton ist unverkennbar. Skurriler Witz, schwarzer Humor, erotische Derbheit und zarte Melancholie. Die großen Gefühle hat Ringelnatz in kleine Formen gegossen, die Schwermut in Leichtsinn und in den kleinen Dingen die Poesie entdeckt.« Kurier, Wien

»Dieser unvergleichliche Ringelnatz hat den Stein der Narren entdeckt (welcher, wie wunderbar, dem der Weisen zum Verwechseln ähnlich sieht).« Alfred Polgar


Erzählungen und Geschichten Joachim Ringelnatz Sämtliche Erzählungen Diogenes

Joachim Ringelnatz Als Mariner im Krieg Ringelnatz Die wilde Miß vom Ohio

Das Ringelnatz Lesebuch Diogenes

Diogenes

und andere ungewöhnliche Geschichten Mit Zeichnungen des Autors

Ringelnatz Meistererzählungen Diogenes

Diogenes

detebe 23466, 368 Seiten € (D) 9.90 / sFr 17.90* € (A) 10.20

detebe 22813, 224 Seiten € (D) 8.90 / sFr 15.90* € (A) 9.20

detebe 23441, 384 Seiten € (D) 9.90 / sFr 17.80* € (A) 10.20

detebe 23003, 176 Seiten € (D) 7.90 / sFr 13.90* € (A) 8.20

detebe 21157, 288 Seiten € (D) 9.90 / sFr 17.90* € (A) 10.20

Populär sind die Gedichte von Joachim Ringelnatz, das erzählerische Werk wird meist weniger beachtet – zu Unrecht. Neben dem Dichter und Kabarettisten gibt es nämlich auch den begnadeten Erzähler Ringelnatz zu entdecken.

In der deutschen Literatur gibt es nicht viele Dichter der grotesken Erzählung. Joachim Ringelnatz nimmt zweifellos einen hohen Rang unter ihnen ein. Wie viele Leser kennen den Prosaisten Ringelnatz, der als Lyriker große Popularität genießt? Hier werden nun seine liebenswerten Geschichten, Märchen und Grotesken vorgestellt, um zu zeigen, dass er auch als Erzähler zu begeistern vermag.

Joachim Ringelnatz wird im Ersten Weltkrieg zum Kriegsdienst bei der Marine eingezogen. Ohne seinen anfänglichen Enthusiasmus zu verleugnen, dokumentiert er die Seemannswelt bei der Kaiserlichen Marine mit all ihren Erlebnissen und all ihren Schrecken.

Diese Auswahl stellt den Erzähler Ringelnatz vor und die schönsten seiner ganz eigenen, melancholischen, heiteren, grotesken, phantastischen, liebenswerten Geschichten.

Ein Querschnitt durch das Gesamtwerk von Joachim Ringelnatz.

»Joachim Ringelnatz, der im bürgerlichen Leben ein Außenseiter war und es in der Literatur bis heute ist, war ein großer Erzähler von eigenen Gnaden.« Der Tagesspiegel, Berlin

»Vor Gottfried Benn stehe ich stramm, aber vor Ringelnatz knie ich.« Peter Rühmkorf

Als Mariner im Krieg ist die tagebuchhafte Erzählung der Erlebnisse Ringelnatz’ vom 1. August 1914 bis zum 29. November 1918, also vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur November-Revolution, und erschien erstmals 1928 bei Ernst Rowohlt.

»Meine alte Lieblingsgeschichte: Durch das Schlüsselloch eines Lebens. Sie stand einmal im Simplicissimus – und ich wusste jahrelang ganze Absätze daraus fast auswendig.« Kurt Tucholsky


Sämtliche Erzählungen und Gedichte in Kassette

»Von diesem Ringelnatz behaupte ich, dass er der größte Lyriker unserer Epoche ist« Kurt Pinthus

Joachim Jo achim Ringelnatz Ringelnatz Sämtliche Erzählungen S ämtliche Er rzählun ungen

JJoachim oachim R Ringelnatz ingelnatz Sämtliche S ämtliche Gedichte Gedichte

Diogenes D iogene nes

Diogenes Di iogene nes

1232 Seiten, Halbleinen € (D) 29.90 / sFr 53.90* € (A) 30.80 ISBN 978-3-257-06358-5

368 Seiten, Leinen € (D) 14.90 / sFr 26.90* € (A) 15.40 ISBN 978-3-257-06357-8

864 Seiten, Leinen € (D) 17.90 / sFr 31.90* € (A) 18.40 ISBN 978-3-257-06145-1

»Diese zweibändigeAusgabe zeigt, warum Ringelnatz in jeden gut sortierten Giftschrank gehört.« Robert Gernhardt

Ob man Ringelnatz schon kennen- und liebengelernt hat oder sich völlig neu mit ihm befasst – diese gesammelten Erzählungen machen deutlich, was uns der Dichter, der sich als Pseudonym den seemännischen Namen für das glücksbringende Seepferdchen ausgesucht hatte, auch sagen wollte: Frei sein und dem Wink des Lebens vertrauen.

»Richtig bekannt ist im Grunde nur ein Bruchteil der umfangreichen Ringelnatz-Poesie. Viele seiner wunderbar verqueren, krausen Gedichte bestätigen die scheinbare Deckungsgleichheit der skurrilen Zeilen und der skurrilen Gestalt, die Ringelnatz schon rein äußerlich abgab.« Nürnberger Zeitung

»Joachim Ringelnatz, der im bürgerlichen Leben ein Außenseiter war und es in der Literatur bis heute ist, war ein großer Erzähler von eigenen Gnaden.« Peter Köhler / Der Tagesspiegel, Berlin


Die Schnupftabaksdose

Bildnachweise: Alle Illustrationen im Booklet © Tatjana Hauptmann/ Diogenes Verlag AG, Zürich. Titelfoto: © Archiv für Kunst und Geschichte, Berlin. Fotografien S. 3 (Ringelnatz als Kind): Mit freundlicher Genehmigung des JoachimRingelnatz-Museums Cuxhaven, (Familie Bötticher): Mit freundlicher Genehmigung des Joachim-RingelnatzMuseums Cuxhaven, (Elternhaus): © Ullstein Bild imagebroker.net. S. 4 (Ringelnatz mit Lona & als Mariner): © Ullstein Bild. S. 5 (Postkarte): Sammlung Gescher, Berlin, (Ringelnatz stehend): © Kulturgeschichtliches Museum, Wurzen. S. 6/7 (Brief): © Sammlung Gescher, Berlin. S. 8 (Zeichnung von J. Cocteau): © 2009 ProLitteris, Zürich. S. 8/9 (Hintergrundfoto): Archiv für Kunst und Geschichte Berlin. S. 8 (Seegang): Mit freundlicher Genehmigung des JoachimRingelnatz-Museums, Cuxhaven, S. 9 (Hafenkneipe): © Hamburger Kunsthalle, ein Geschenk der »Freunde der Kunsthalle e.V.«/bpk, Foto von Elke Walford. S. 13 (Foto): Archiv Diogenes Verlag. S. 14 (Foto): © Ullstein Bild. S. 15 (Foto): © Kulturgeschichtliches Museum, Wurzen. Rückseite: © Ullstein Bild - AKG Pressebild

Es war eine Schnupftabaksdose, Die hatte Friedrich der Große Sich selbst geschnitzelt aus Nussbaumholz. Und darauf war sie natürlich stolz. Da kam ein Holzwurm gekrochen. Der hatte Nussbaum gerochen. Die Dose erzählte ihm lang und breit Von Friedrich dem Großen und seiner Zeit.

Alle Angaben ohne Gewähr © Diogenes Verlag AG Zürich *Die angegebenen sFr-Preise sind empfohlene Verkaufspreise.

Sie nannte den alten Fritz generös. Da aber wurde der Holzwurm nervös Und sagte, indem er zu bohren begann: »Was geht mich Friedrich der Große an!« Als Einjährig-Freiwilliger der Kaiserlichen Marine 1904


Der Komiker Ein Komiker von erstem Rang Ging eine Straße links entlang. Die Leute sagten rings umher Hindeutend: »Das ist der und der!« Der Komiker fuhr aus der Haut Nach Haus und würgte seine Braut. Nicht etwa wie von ungefähr, Nein ernst, als ob das komisch wär.

Ich, der Matrose Ringelnatz. Die Wellen des Meeres auf und nieder Tragen mich und meine Lieder Von Hafenplatz zu Hafenplatz. Ihr kennt meine lange Nase, Mein vom Sturm zerknittertes Gesicht. Dass ich so gern spaße Nach der harten Arbeit draußen, Versteht ihr das? Oder nicht?

Bestellnummer: 978-3-257-95207-0 (20 Ex.)

Ich komme und gehe wieder,

1. Auflage 2009 © Diogenes Verlag AG, Zürich

Joachim Ringelnatz


Diogenes Booklet Joachim Ringelnatz