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»Unmoralisch ist nur, lebendig tot zu sein, sonnenerloschen und eifrig bemüht, die Sonne auch in andern auszulöschen.«

D.H. Lawrence Diogenes

www.diogenes.ch


D.H. Lawrence D. H. Lawrence, porträtiert von Tomi Ungerer.

Lange als Skandalautor verkannt, »zählt er heute zu den bedeutendsten Autoren der englischen Literatur im 20. Jahrhundert« (Romeo Giger /Neue Zürcher Zeitung). D. H. Lawrence, viertes Kind einer Lehrerin aus bürgerlichem Haus und eines ungebildeten Bergarbeiters, wurde dank Stipendien und selbsterarbeitetem Geld Lehrer. Eine Freundin schickte erste Gedichte an die einflussreiche English Review, wo er von Ford Madox Ford entdeckt und gefördert wurde. Lawrence wurde rasch berühmt – und berüchtigt, denn sein Hauptthema, die Beziehung zwischen Mann und Frau, und seine offene literarische Darstellung schockierten das puritanische Publikum. Auch im eigenen Leben setzte er sich über die Konventionen hinweg: Er brannte mit Frieda von Richthofen, der Frau seines ehemaligen Professors, nach Deutschland und Italien durch, ihre drei kleinen Kinder ließ Frieda zurück. Die stürmische Beziehung hielt, trotz Affären und bitterer Armut, ein Leben lang. 1914 heirateten sie in London, zwei Wochen später brach der Krieg aus, beide saßen in England fest – sie hatten weder Ausreisepapiere

noch Geld, da Lawrence’ Roman Der Regenbogen wegen Pornographie verboten worden war und die Verlage seine Werke mieden. Seinen Landsleuten war Lawrence wegen seiner antimilitaristischen und antinationalen Gesinnung suspekt, die Polizei bespitzelte das Paar, weil sie in Frieda eine Spionin vermutete. Kaum war der Krieg vorbei, fuhren die Lawrences auch schon nach Italien: Florenz, Capri, Sizilien waren die ersten Stationen eines rastlosen Herumvagabundierens, das über Ceylon, Australien, Neuseeland nach Neu Mexiko führte, wo das Paar den langgehegten Traum verwirklichte, mit einer Gruppe gleichgesinnter Freunde in einer utopischen Kolonie naturverbunden und in Freiheit zu leben. Doch Lawrence’ bekanntester Roman, Lady Chatterley’s Lover, der 1928 erschien, blieb in England dreißig Jahre verboten. In seinen letzten zwei Lebensjahren reiste Lawrence wieder unstet durch Europa, diesmal auf der Suche nach einem Klima, das seine Tuberkulose mildern sollte. Vergeblich, er starb 1930 in Frankreich, begraben ist er aber in Neu Mexiko.


»All unser Wissen ist nichts, wir sind nur vollgestopfte Papierkörbe, wenn wir nicht in Fühlung sind mit dem in uns, was lacht über all unser Wissen.«

D. H. Lawrence Lady Chatterley’s Lover Die zweite Fassung

Roman · Diogenes

D.H. Lawrence

»Ein genialer Schriftsteller von Weltbedeutung.«

D. H. Lawrence Mr. Noon Autobiographischer Roman

Diogenes

Neue Zürcher Zeitung

D. H. Lawrence in der Toskana, ca. 1926.

D. H. Lawrence Die Frau, die davonritt Erzählungen · Diogenes


Wie ich Schriftsteller wurde Eine autobiographische Skizze von D. H. Lawrence

»Es gehörte zu seinem Wesen, Gefühle und Verwicklungen auf zarte wie auch nüchterne und auch extreme Art zu sondieren. Lawrence besaß die Eigenschaft des Genies, die aus gewöhnlichen Erfahrungen Essenzen gewinnt, die den Menschen seltsam fremd sind.« Anaïs Nin

D. H. Lawrence und seine Frau Frieda von Richthofen, 1925.


M

an hat mich gefragt: »Haben Sie es sehr schwer gefunden, voranzukommen und ein Erfolg zu werden?« Falls man von mir behaupten kann, ich sei vorangekommen, und falls man mich ›einen Erfolg‹ nennen kann, muss ich gestehen, dass ich es nicht schwer fand. Ich hauste niemals halb verhungert in ei-ner Mansarde, noch wartete ich sorgenvoll auf die Post, ob sie mir eine Antwort von einem Redakteur oder Verleger bringen würde, noch bemühte ich mich blutschwitzend, gewaltige Werke hervorzubringen, noch wachte ich eines Tages auf und sah mich berühmt. Ich war ein armer Bursche. Eigentlich hätte ich mich im grimmigen Zugriff der Verhältnisse abrackern und die Keulenschläge des Schicksals erdulden müssen, ehe ich ein Schriftsteller mit einem sehr bescheidenen Einkommen und einem sehr fragwürdigen Ruf wurde. Aber so war es nicht. Es geschah alles von selber und ohne irgendwelches Gestöhne meinerseits. Es scheint bedauerlich zu sein, denn ich war zweifellos ein armer Bursche aus der Arbeiterklasse – und ohne eine wahrnehmbare Zukunft vor mir. Aber schließlich: Was bin ich denn jetzt? Ich wurde in der Arbeiterklasse geboren und wuchs in ihr auf. Mein Vater war ein Grubenarbeiter und nichts als ein Grubenarbeiter – ohne rühmenswerte Eigenschaften. Er wurde nicht einmal sehr geachtet, da

er sich ziemlich häufig betrank, niemals in die Kirche ging und zu seinem unmittelbar über ihm stehenden kleinen Vorgesetzten in der Grube meistens recht grob war. Die ganze Zeit, die er ein Kumpel war, nahm er kaum jemals einen guten Stand ein, weil er immer ärgerliche oder törichte Sachen über die Männer im Bergwerk sagte, denen er direkt unterstellt war. Er beleidigte sie alle, beinahe absichtlich: Wie konnte er also erwarten, dass sie ihm Wohlwollen entgegenbrachten? Doch er murrte, wenn sie es nicht taten. Meine Mutter war die Überlegene, nehme ich an. Sie stammte aus der Stadt und gehörte sogar der einfacheren Bourgeoisie an. Sie sprach King’s English, ohne einen Akzent, und in ihrem ganzen Leben konnte sie niemals auch nur einen Satz des Dialekts nachmachen, den mein Vater sprach und den wir Kinder auf der Straße sprachen. Sie schrieb eine feine lateinische Schrift und konnte, wenn ihr der Sinn danach stand, kluge und amüsante Briefe abfassen. Und als sie älter wurde, begann sie wieder Romane zu lesen, ärger-

1885 David Herbert Lawrence wird in Eastwood (Nottinghamshire) geboren als Sohn eines Bergarbeiters und einer Lehrerin.

1905 Dank Stipendien und eigener Arbeit als Lehrer besucht Lawrence die British School in Eastwood. Er schreibt Gedichte und beginnt seinen ersten Roman Laetitia (später The White Peacock).

1907 gewinnt er den WeihnachtsgeschichtenWettbewerb der Zeitung Nottinghamshire Guardian mit der Erzählung A Prelude.

1908 Lehrerdiplom am Nottingham University College. Lawrence tritt anschließend eine Stelle als Grundschullehrer an der Davidson Road School in Croydon an.

1909 Oben: Der junge David Herbert, ca. 1899 als Schüler der Nottingham High School. Unten links: Die LawrenceFamilie, David Herbert vorne zwischen seinen Eltern. Rechts: Lawrence’ Geburtshaus in Eastwood, Nottinghamshire, heute ein Museum.

Ford Madox Hueffer (der sich später Ford Madox Ford nannte) beginnt, Lawrence’ Gedichte und Erzählungen in der English Review zu veröffentlichen.


1910 Tod der Mutter. Verlobung mit Louie Burrows.

1911 The White Peacock erscheint im Verlag William Heinemann. Ein schwere Lungenentzündung zwingt Lawrence, den Lehrerberuf aufzugeben.

1912 Auflösung der Verlobung mit Louie. Lawrence kehrt nach Eastwood zurück und lernt Frieda von Richthofen kennen. Die beiden reisen gemeinsam nach Deutschland und Italien. Frieda verlässt für Lawrence ihren Mann und ihre Kinder.

1913 Sons and Lovers erscheint und begründet Lawrence’ literarischen Ruhm.

1914 Lawrence und Frieda heiraten im Juli. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zwingt sie, in England zu bleiben.

1915 Der Regenbogen erscheint im September und wird im Oktober wegen Obszönität verboten. Mit Frieda zieht Lawrence nach Cornwall.

te sich furchtbar über Diana of the Crossways und fand East Lynne furchtbar spannend. Doch in ihrer armseligen kleinen schwarzen Haube und mit ihrem gescheiten, hellen und ›andersartigen‹ Gesicht war sie die Ehefrau eines Arbeiters und sonst nichts. Aber sie war sehr geachtet, ebenso sehr wie mein Vater nicht geachtet war. Von Natur war sie flink und feinfühlig, und sie war wohl tatsächlich die Überlegene. Aber sie steckte unten, tief unten in der Arbeiterklasse und gehörte zur großen Schar der ärmeren Grubenarbeiterfrauen. Ich war ein zarter Bengel mit einer Schnüffelnase, den die meisten Leute recht sanft behandelten – wie einen ganz gewöhnlichen, zarten kleinen Jungen. Als ich zwölf Jahre alt war, erhielt ich vom County Council ein Stipendium – zwölf Pfund im Jahr –, und ich besuchte die High School in Nottingham. Nachdem ich die Schule beendet hatte, war ich drei Monate lang Büroangestellter, dann bekam ich mit siebzehn Jahren eine sehr schwere Lungenentzündung, die meine Gesundheit fürs ganze Leben untergrub. Ein Jahr darauf wurde ich Lehrer, und nachdem ich mich drei Jahre lang mit dem Unterrichten von Grubenarbeiterjungen abgeplagt hatte, ging ich an die Universität Nottingham, um dort die üblichen Vorlesungen zu belegen. So froh ich war, die Schule zu verlassen, so froh war ich, als ich vom College abgehen konnte. Anstatt mich in einen lebendigen Kontakt mit Menschen zu bringen, war es nur enttäuschend gewesen. Nach dem College ging ich nach Croydon bei London, um für hundert Pfund jährlich an einer Grundschule zu unterrichten. Oben: D. H. Lawrence als 21-Jähriger.

Während ich in Croydon war – damals dreiundzwanzigjährig –, schrieb meine beste Jugendfreundin, die jetzt selber Lehrerin in einem Bergwerksdorf bei uns zu Hause war, einige meiner Gedichte ab und schickte sie, ohne es mir zu sagen, an die English Review, die gerade unter Ford Madox Hueffer eine großartige Wiedergeburt erlebte. Hueffer war äußerst liebenswürdig. Er veröffentlichte die Gedichte und bat mich, ihn zu besuchen. So mühelos hatte mich ein Mädchen auf meine literarische Laufbahn lanciert, wie eine Prinzessin das Band durchschneidet, wenn sie ein Schiff vom Stapel lässt. Vier Jahre lang hatte ich mich damit herumgeschlagen, in bruchstückhaften Anfängen The White Peacock aus dem Untergrund meines Bewusstseins zu heben. Den größten Teil muss ich fünf- oder sechsmal geschrieben haben, doch nur in Abständen, niemals als eine Pflichtarbeit oder als eine göttliche Aufgabe oder unter Geburtswehen. Meistens nahm ich einen Anlauf, schrieb ein bisschen und zeigte es dem Mädchen; sie bewunderte es stets; nachher merkte ich, dass es nicht das war, was ich wollte, und nahm einen neuen Anlauf. In Croydon hatte ich abends nach der Schule ziemlich regelmäßig daran gearbeitet. Jedenfalls hatte ich den Roman nach vier oder fünf Jahren sprunghafter Arbeit beendet. Hueffer verlangte gleich das Manuskript zu sehen. Er las es sofort und nahm es mit der vergnügtesten Art von Freundlichkeit und Bluff auf. Als wir in London in einem Omnibus saßen, schrie er mir mit seiner wunderlichen Stimme ins Ohr: »Er hat sämtliche Fehler, die ein englischer Roman haben kann.«


»Wer wissen will, wie es um unser technisches Zeitalter steht, der lese Lawrence. Er fand den Weg heraus. Er lebte.« Sherwood Anderson

1916 Italienische Dämmerung erscheint.

1917 Wegen Spionageverdachts werden Frieda und Lawrence aus Cornwall ausgewiesen.

1919 Nach Reisen in Italien lässt er sich mit Frieda auf Capri nieder. Verliebt erscheint.

1922 – 23 Reisen nach Ceylon, Australien, dann nach Neu Mexiko und Mexiko.

1924 Tod des Vaters. Lawrence selbst ist schwer krank und stirbt fast an Typhus und Lungenentzündung.

Oben: Mit Frieda 1926 in der Villa Mirenda, Toskana. Rechts: 1925 mit Frieda in Mexiko City. Großes Bild: In London, 1913.


»Lady Chatterley’s Lover ist kein unanständiges Buch – ich habe versucht, die sexuelle Beziehung als etwas Wertvolles darzustellen, nicht als etwas, für das man sich schämen muss. Mit diesem Roman bin ich so weit gegangen wie nie zuvor. Für mich ist er wunderschön und zart und zerbrechlich wie ein nackter Körper.« D.H. Lawrence

Lady Chatterley’s Lover wurde schon 1928 geschrieben, konnte in England aber erst 1960 erscheinen – davor war der Roman wegen Obszönität verboten. Auf dem großen Bild sind zwei Damen zu sehen, die nach der Aufhebung des Verbots 1960 neugierig in der Erstausgabe im Penguin Verlag stöbern. Der Phönix auf dem Cover spielt auf die Phönix-Essays von D. H. Lawrence an; der Vogel, der immer wieder neu aus der Asche ersteht, ist sozusagen sein Wappentier. Links die deutsche Erstausgabe der zweiten Fassung des Romans unter dem Titel John Thomas &Lady Jane im Diogenes Verlag, 1975. Heute ist er wieder als Lady Chatterley’s Lover im Taschenbuch lieferbar. Der Roman wurde mehrmals verfilmt.

Filmszene links: Danielle Darrieux als Lady Chatterley in einer französischen Verfilmung von 1955. Rechts: 1981 kommt die Verfilmung von Just Jaecking mit Sylvia Kristel und Nicholas Clay in den Hauptrollen in die Kinos.


1925 Damals hieß es gerade vom englischen Roman, er habe – im Vergleich zum französischen Roman – so viele Fehler, dass er eigentlich überhaupt nicht existieren dürfte. »Aber«, schrie Hueffer im Omnibus, »Sie haben Genie.« Darüber hätte ich am liebsten gelacht, weil es so komisch klang. In der ersten Zeit sagten mir immer alle, ich hätte Genie – wie um mich zu trösten, dass ich nicht ihre unvergleichlichen Vorzüge besäße. Aber das hatte Hueffer nicht gemeint. Ich hatte immer gefunden, er habe selber etwas von einem Genie. Jedenfalls schickte er das Manuskript des White Peacock an William Heinemann, der es sofort akzeptierte und mich nur vier kleine Zeilen ändern ließ, über deren Streichung heute jedermann lächeln würde. Ich sollte bei Erscheinen des Buches fünfzig Pfund erhalten. Unterdessen brachte Hueffer in der English Review noch mehr Gedichte und einige Erzählungen von mir heraus, und die Leute lasen sie und erzählten es mir – sehr zu meiner Beschämung und zu meinem Ärger. Es war mir grässlich, in den Augen der Leute ein Schriftsteller zu sein, vor allem deshalb, weil ich ja Lehrer war. Als ich fünfundzwanzig Jahre alt war, starb meine Mutter, und zwei Monate danach wurde The White Peacock veröffentlicht. Aber es sagte mir nichts. Ich fuhr fort, noch ein Jahr zu unterrichten, und dann kam wieder eine schlimme Lungenentzündung dazwischen. Als es mir besser ging, kehrte ich nicht an die Schule zurück. Von da an lebte ich von meinen spärlichen literarischen Einkünften. Es ist lange her, seit ich das Unterrichten aufgab und anfing, als freier Schriftsteller zu leben. Ich musste nie hungern und habe mich sogar niemals arm gefühlt, obwohl mein Einkommen während der ersten

zehn Jahre nicht besser und häufig schlechter war, als wenn ich Lehrer geblieben wäre. Aber wenn man von Geburt arm ist, kann sehr wenig Geld schon ausreichen. Mein Vater würde mich jetzt für reich halten, auch wenn es sonst niemand dächte. Und meine Mutter würde finden, ich sei in der Welt vorangekommen, auch wenn ich selbst es nicht finde. Aber etwas stimmt nicht – entweder mit mir oder mit der Welt oder mit uns beiden. Ich bin weit herumgereist und habe alle möglichen Leute in allen möglichen Verhältnissen kennengelernt, und viele von ihnen habe ich aufrichtig gerngehabt und geschätzt. Persönlich sind die Menschen fast immer freundlich gewesen. Von Kritikern wollen wir nicht sprechen, sie sind eine Fauna für sich. Und ich wollte zu meinen Mitmenschen, mindestens zu einigen, gerne aufrichtig freundlich sein. Doch es ist mir nie ganz gelungen.«

Oben: Lawrence 1923 auf einem Segelboot auf dem Lake Chapala. Rechts: Lawrence’ letzte Ruhestätte in Neu Mexiko.

wird Tuberkulose diagnostiziert. Rückkehr nach Europa, zuerst nach England, dann Italien.

1926 Lawrence schreibt die erste Version von Lady Chatterley’s Lover. Er beginnt zu malen.

1928 Lawrence beendet Lady Chatterley’s Lover.

1929 Die Polizei schikaniert ihn: Manuskripte werden beschlagnahmt, bei einer Ausstellung seiner Bilder in London gibt es eine Razzia.

1930 Lawrence wird im Februar ins Sanatorium ›Ad Astra‹ in Vence, Südfrankreich, eingeliefert. Am 1. März verlässt er das Krankenhaus und stirbt am 2.3.1930 in der Villa Robermond.


»Es fragt sich, ob nicht sein Haupttalent die Erzählung gewesen ist. D.H. Lawrence neigt zu einem jähen Zupacken, die Geschichten wirken oft wie in ihrem Lauf aufgehalten, vielfach sind sie unfertig und abgerissen, aber in den glücklichsten Fällen haben sie etwas gespenstisch Überwirkliches, als hätte in ihrem Verfasser ein phantasievoller Erzähler von hohen Graden gesteckt.« W. E. Süskind

»Den eigentlichen Lawrence findet man in seinen Erzählungen.« Günter Blöcker

»Dieser Autor kann Bilder von unvergesslicher Zartheit und Transparenz erschaffen.« Hermann Hesse

»D.H. Lawrence hat sein Bestes in der Kurzgeschichte geleistet.« George Orwell D. H. Lawrence 1915 in London.


Gesammelte Erzählungen und Kurzromane Lange Zeit im Schatten von Lady Chatterley’s Lover, dem skandalträchtigen Roman, der zu den meistgelesenen Büchern des 20. Jahrhunderts zählt, werden die Erzählungen und Kurzromane von Lawrence heute von vielen Kritikern für seine bedeutendsten Werke gehalten. In der Form geschlossener als seine Romane, an den großen Erzählern des 19. Jahrhunderts geschult, doch modern in der Themenwahl, der Offenheit der Darstellung und der Psychologie, im Stil klar und doch poetisch, porträtiert D. H. Lawrence Schicksale, die noch heute jeden Leser packen. Die frühen Erzählungen spielen im Bergarbeiter- und Militärmilieu, darunter die berühmte Geschichte Chrysanthemenduft: das einfühlsame Porträt einer Frau, die beim Tod ihres Mannes ihr eigenes Leben und ihre Ehe als Scherbenhaufen erkennt. In der wegen ihrer Freizügigkeit berühmt-berüchtigten Erzählung Sonne findet eine junge New Yorkerin in Italien in der Symbiose mit der Natur zurück zu Ursprünglichkeit und Körperlichkeit und kommt doch von ihrem Ehemann nicht los. In Der Fuchs, »ein Höhepunkt im erzählerischen Werk« (Kindlers Literaturlexikon), wird die lesbische Beziehung zweier Frauen durch einen Fuchs und durch einen jungen Mann durcheinandergebracht. Neben vielen Geschichten, die um Lawrence’ Hauptthema, die Liebe und die Beziehungen zwischen Mann und Frau, kreisen, gibt es auch thematische Entdeckungen, zum Beispiel die Erzählung Der Mann, der Inseln liebte – eine Anti-Robinsonade über einen Mann, der sich auf immer kleinere Inseln zurückzieht und doch vor sich selbst nicht fliehen kann. Der Mann, der gestorben war, kurz vor Lawrence’ Tod geschrieben, ist eine verblüffende Variation der Auferstehungsgeschichte, in der sich Jesus von seiner Messiasrolle distanziert und eine andere Art der Auferweckung lebt.

2 Bände im Schuber, 1920 Seiten € (D) 49.90 / sFr 87.90* / €(A) 51.30 ISBN 978-3-257-06590-9 *unverbindliche Preisempfehlung (gilt für den sFr-Preis bei Büchern und für Hörbücher generell)


Liebe, Leidenschaft, Erotik – wer könnte davon sinnlicher erzählen als D.H. Lawrence? »Dann aber ließ Henry sie aus zwei Gründen sitzen. Er konnte ihre Mutter nicht ausstehen, und ihre Mutter konnte ihn nicht ausstehen.« So einfach geht es selten zu bei D. H. Lawrence. Denn wenn Lawrence von Liebe und Leidenschaft erzählt, geht es auch um das Gegenteil – um Hass und Eifersucht, um die Schwierigkeiten einer erfüllten Zweisamkeit, um die Unmöglichkeit, sich zu finden und sich zu offenbaren – kurz, sich zu lieben. Das macht D. H. Lawrence’ Geschichten so modern. Oft sind es kleine Details, die eine Beziehung erschüttern: Ein weißer Strumpf wird in der gleichnamigen Erzählung Anlass für eine Eifersuchtsszene, die ein junges Eheglück erschüttert. Die blauen Mokassins, die in einer Theateraufführung als Requisite dienen, sind Symbol für den unüberbrückbaren Altersunterschied eines Paars. In Verliebt gerät ein Mädchen kurz vor der Hochzeit in eine Krise: Entsetzt merkt sie, dass ihr Bräutigam in sie verliebt ist – aber liebt er sie auch? Wenige Autoren haben so offen über Liebe und Leidenschaft geschrieben wie D. H. Lawrence.

»D.H. Lawrence ist ein Hymniker des Liebesleids.«

D.H. Lawrence

Die Zeit

»Seine Verdienste um die moderne englische Literatur sind erkannt und anerkannt. Nach wie vor umstritten dagegen bleiben seine Ansichten über das Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Gerade darin aber liegt seine Aktualität.« Neue Zürcher Zeitung

Verliebt

Meistererzählungen 416 Seiten, Leinen 9 x 14,8 cm € (D) 19.90 / sFr 35.90* / €(A) 20.50 ISBN 978-3-257-06572-5

Diogenes Hörbuch SAMMLER-EDITION

Diogenes Hörbuch Sammler-Edition Gelesen von Hans Korte, Anna König, Brigitte Buhre und Rolf Boysen 7 CD in Geschenk-Verpackung inkl. Booklet, Spieldauer 416 Min. € 39.90 / sFr 71.90* ISBN 978-3-257-80903-9

Eine Auswahl der schönsten Erzählungen von D. H. Lawrence als wunderschön aufgenommenes und aufgemachtes Hörbuch. Die Spannungen zwischen Mann und Frau, Zivilisation und Natur, Gesellschaft und Individuum, Geist und Materialismus – D.H. Lawrence’ Erzählungen sind so modern wie seine Themen.

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»Bei Lawrence geht es nicht darum, die speziellen Beziehungen zwischen Mann und Frau zu definieren, sondern sie alle beide in die Wahrheit des Lebens einzuordnen. Diese Wahrheit ist weder Wille noch Vorstellung: Sie schließt auch die tierische Natur in sich ein, in der das menschliche Wesen seine Wurzeln hat.« Simone de Beauvoir

D. H. Lawrence Lady Chatterley’s Lover

D. H. Lawrence Mr. Noon Autobiographischer Roman

Die zweite Fassung

Roman · Diogenes

»Lawrence schrieb nie nur mit dem Kopf, man spürt den ganzen Menschen: Haut, Nerven, Geruch, Gesicht.« Sherwood Anderson

D. H. Lawrence in Santa Fe, März 1923.

Diogenes

detebe 23650, 512 Seiten € (D) 11.90 / sFr 21.90* / €(A) 12.30

detebe 22633, 432 Seiten € (D) 10.90 / sFr 19.90* / €(A) 11.30

Die zweite und beste Fassung der Lady Chatterley. Die Ehe von Clifford Chatterley, Bergbauchef, und der jungen, schönen Connie ist inhaltslos geworden. Da lernt sie den Wildhüter Parkin kennen… Die Verteidigung der Sinnlichkeit und Natur gegen Konventionen und Industrialisierung – der Roman einer amour fou, die stärker ist als Standesgrenzen.

In Mr. Noon hat D. H. Lawrence einen dramatischen Teil seiner Biographie aufgearbeitet: wie er die deutsche Adlige Frieda von Richthofen kurz vor dem Ersten Weltkrieg verführte und entführte, liebte und fürchtete. Der Dichter propagiert die freie Liebe, Johanna/Frieda lebt sie. Sie verführt den jungen Gilbert am ersten Abend, und eine Liebe beginnt, die »wie Feuer brennt und kalt wie Eis« ist.

»Warum die zweite Fassung, wenn die dritte und endgültige schon ein Klassiker geworden ist? Die Antwort ist ziemlich einfach: Die jetzt vorliegende Fassung ist besser als die endgültige, lebendiger, ehrlicher, deutlicher.« Neue Zürcher Zeitung

»Ein aufregender Roman, besonders für deutsche Leser.« Stern, Hamburg

»Von sprudelnder Lawrencescher Lebendigkeit.« Neue Zürcher Zeitung

D. H. Lawrence Briefe Diogenes

detebe 20954, 416 Seiten € (D) 12.90 / sFr 22.90* / €(A) 13.30

Vor allem am Anfang seines Lebens und dann wieder gegen das Ende war D. H. Lawrence ein fleißiger Briefeschreiber. Dieser Band versammelt Briefe an Freunde und Verwandte – ob an die Schwiegermutter (auf Deutsch geschrieben), Katherine Mansfield oder Aldous Huxley. »Die Briefe ergänzen – anstelle einer Autobiographie – das Bild, das man sich von D. H. Lawrence machen konnte. Sie zeigen ihn unverhüllt, direkt über die Jahrzehnte.« Karl Krolow / Darmstädter Echo


Ausgewählte Erzählungen als Diogenes Taschenbücher

detebe 20185, 288 Seiten € (D) 8.90 / sFr 14.90* / €(A) 9.20

»D. H. Lawrence ist üppig, farbig, überbordend, bestürzend.« Ford Madox Ford

detebe 20188, 208 Seiten € (D) 8.90 / sFr 14.90* / €(A) 9.20

detebe 20190, 224 Seiten € (D) 6.90 / sFr 11.90* / €(A) 7.10

D. H. Lawrence Liebe im Heu

D. H. Lawrence Die Frau, die davonritt

D. H. Lawrence Der preußische Offizier

Erzählungen · Diogenes

Erzählungen · Diogenes

Erzählungen · Diogenes

detebe 20191, 208 Seiten € (D) 7.90 / sFr 12.90* / €(A) 8.20

detebe 20186, 288 Seiten € (D) 9.90 / sFr 16.90* / €(A) 10.20

detebe 20184, 320 Seiten € (D) 9.90 / sFr 16.90* / €(A) 10.20

»Gestern Abend entdeckt, wie sehr mich die Lektüre von Sonne und Die Frau, die davonritt von Lawrence geformt hat.« Cesare Pavese *unverbindliche Preisempfehlung (gilt für den sFr-Preis bei Büchern und für Hörbücher generell)


Die Reisereportagen von D. H. Lawrence

D. H. Lawrence Mexikanischer Morgen

D. H. Lawrence Das Meer und Sardinien

D. H. Lawrence Etruskische Stätten

D. H. Lawrence Italienische Dämmerung

Diogenes

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Diogenes

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detebe 21312, 288 Seiten € (D) 8.90 / sFr 15.90* / €(A) 9.20

detebe 21313, 176 Seiten € (D) 7.90 / sFr 13.90* / €(A) 8.20

»Die acht Skizzen des Buches Mexikanischer Morgen, die Lawrence zum größten Teil während des in Oaxaca verbrachten Winters 1924/25 schrieb, enthalten nicht nur den Eindruck, den Land und Leute auf Lawrence ausübten, sondern sie zeugen dafür, dass der Dichter die Religion der Ureinwohner Mexikos studierte.«

»Die Frucht eines zehn Tage dauernden Abstechers nach Sardinien ist ein Meisterwerk. Das Meer und Sardinien ist eine Reisereportage, aber geschrieben von einem Dichter in einer vor Vitalität leuchtenden, verzaubernden und beglükkenden Sprache.«

»Glänzend geschrieben, lehrreich, unterhaltsam, bewegend!«

Neue Zürcher Zeitung

Robert Fricker

Anthony Burgess

»Die Etrurienreise, die Lawrence 1927 unternahm, berührte Caere, Tarquina, Vulci und Volterra. In buntem Wechsel wird von den antiken Stätten, von der Landschaft und den heutigen Bewohnern erzählt, die in ihrer Eigenart scharf erfasst und liebevoll charakterisiert sind.« Neue Zürcher Zeitung

Der Phönix, der Vogel, der immer wieder neu aus der Asche ersteht.

detebe 21314, 208 Seiten € (D) 8.90 / sFr 15.90* / €(A) 9.20

Lawrence berichtet von seiner Fußwanderung über die Alpen ins Tessin bis zum Gardasee – poetisch und sinnlich erfahrbar. »Lawrence’ Naturschilderungen sind das Feuer seines Werkes, sind erregend, weil Literatur zu Leben wird.« Ford Madox Ford »Italienische Dämmerung ist vielleicht sogar poetischer als viele seiner Gedichte.« Richard Aldington

»Die Bücher sind Reisereportagen. Aber D.H. Lawrence fängt darin Stimmungen ein, bei denen auch der heutige Leser noch ins Träumen gerät.« ORF, Wien

Textnachweis: D.H. Lawrence, Wie ich Schriftsteller wurde. Aus dem Englischen von Elisabeth Schnack. Erstmals erschienen im Band D.H. Lawrence, Der Fremdenlegionär, Diogenes, Zürich 1975. Bildnachweise: Titelseite: D.H. Lawrence, 1915. Foto © Hulton-Deutsch Collection/Corbis Seite 2: Zeichnung von Tomi Ungerer Seite 3: D.H. Lawrence, Villa Mirenda, San Polo Mosciano, ca.1926 –1927, mit freundlicher Genehmigung der University of Nottingham Seite 4: Foto © Bettmann/Corbis Seite 5 unten: Familie Lawrence ca. 1893, Foto © Ullstein-Granger Seite 5 unten rechts: Foto © britainonview.com Seite 5 oben: D.H. Lawrence, Nottingham High School, 1899 oder 1900, mit freundlicher Genehmigung der Nottingham High School Seite 6: Archiv Harry T. Moore Seite 7 klein oben: Archiv Miss F. Gair Wilkinson Seite 7 klein unten: Foto © D.H. Lawrence Collection, The University of Texas. Seite 7 großes Bild: D.H. Lawrence 1913, Foto © Bettmann/Corbis Seite 8 groß: Foto © Getty Images Seite 8 Film: 1. Bild aus der Verfilmung ›Lady Chatterleys Liebhaber‹ von Just Jaeckin, 1981. Foto © Jauch & Scheikowski, Hamburg Seite 8 Film: 2. Bild aus der Verfilmung ›Die Liebe der Lady Chatterley‹ von Marc Allégret, 1960. Foto © Ullstein Bild Seite 9 oben: Foto von Witter Bynner Seite 9 unten: Foto © Kim Kulish/ Corbis Seite 10: siehe Titelseite Seite 13: Foto von Witter Bynner mit freundlicher Genehmigung der University of Nottingham Seite 14: Foto © Bettmann/Corbis Seite 16 klein: Ada und D.H. Lawrence, Mablethorpe, August 1926, Foto von Eddie Clarke, mit freundlicher Genehmigung der University of Nottingham Seite 16 groß: © Brad Swonetz/ zefa/Corbis Alle Angaben ohne Gewähr © Diogenes Verlag AG Zürich


Bestell-Nr.: 978-3-257-95133-2 (20 Ex.) / 2. Auflage 2007 © Diogenes Verlag AG

»Ich glaube, dass die höchste Tugend darin besteht, glücklich zu sein.« D. H. Lawrence

»D.H. Lawrence hatte zwanzig Jahre zum Schreiben. Und wenn man sein Werk nicht nur nach seinem Volumen, sondern qualitativ betrachtet, dann ist es nur fair zu sagen, dass er ein Gigant war.« Henry Miller

Diogenes Verlag Sprecherstraße 8 CH-8032 Zürich info@diogenes.ch

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Diogenes Booklet D.H. Lawrence