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»Der Größte unter uns allen.« Ernest Hemingway

F.Scott

Fitzgerald Diogenes


»Die Seele saß ihm in der Pupille. Sein prismatischer Stil – die Entdeckung von Farbe und Melodie als Instrumente eines verfeinerten erzählerischen Realismus: Das ist Fitzgeralds historische Tat.« Neue Zürcher Zeitung


F.Scott Fitzgerald Er war unglücklich als Princeton-Student, weil er nicht Kapitän der Football-Mannschaft wurde, unglücklich als Leutnant, weil er nicht zum Fronteinsatz nach Europa kam, und unglücklich als Liebhaber. »Ich war in einen Wirbelwind verliebt und mußte ein Netz spinnen.« Der Wirbelwind war eine wunderschöne, verwöhnte, kapriziöse Tochter aus gutem Hause, Zelda Sayre. Das einzige Netz, mit dem er sie hätte fangen können, war aus Geld und Ruhm gestrickt. Nach zwei Jahren in einer New Yorker Werbeagentur hatte Fitzgerald sein Ziel erreicht: Mit 23 Jahren machte ihn sein erster Roman Diesseits vom Paradies berühmt und reich, und Zelda wurde seine Frau. Sie verkörperten den amerikanischen Traum. Jung, schön und erfolgreich, standen sie im Mittelpunkt von Glanz und Glamour und führten ein Leben mit »tausend Partys und ohne zu arbeiten«. Die Dollars wurden wie Konfetti verschleudert auf Long Island, in Paris und an der Riviera. Die Schönen und Verdammten konnten zwar nicht ganz an den Erfolg des Erstlings anschließen, Der große Gatsby hingegen wurde von der Kritik sofort als sein bestes Buch bezeichnet. Während der Wirtschaftskrise schrieb Fitzgerald immer seltener und trank immer mehr. Zärtlich ist die Nacht fiel bei den Lesern und Kritikern durch. Zank und Geldprobleme zerstörten die Ehe mit Zelda, die 1934 in eine Nervenklinik eingeliefert wurde. Um ihre Krankenhausrechnungen und das Schulgeld der Tochter zahlen zu können, ging Fitzgerald 1937 nach Hollywood. Als die Metro-Goldwyn-Mayer dem Drehbuchschreiber Schulberg mitteilte, man habe einen neuen Mitarbeiter eingestellt, rief jener aus: »Fitzgerald? Ich dachte, er sei tot.« Vier Jahre später war er es. Er war noch mitten an der Arbeit an Die Liebe des letzten Tycoon, als er am 21. Dezember 1940 einem Herzinfarkt erlag. Im Jahr seines Todes verkaufte sein Verlag Charles Scribner’s Sons 21 Exemplare seiner Bücher. Heute zählt Fitzgerald zu den ganz Großen der amerikanischen Literatur. Ein modern classic, der vor allem eines ist: modern.

F. Scott Fitzgerald in den 20er Jahren.


Gute und schlechte Geschichten In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts publizierten zahlreiche amerikanische Magazine Erzählungen und verschafften so den Autoren eine bedeutende Einkommensquelle. Besonders The Saturday Evening Post war für den jungen, berühmten Schriftsteller eine goldene Brücke. Fitzgerald schrieb seine erste Erzählung, als er dreizehn Jahre alt war. Weitere 160 sollten folgen. Selten vergingen drei Monate, ohne daß er eine Geschichte schrieb. Er behauptete, er schreibe sie fürs Geld und er würde sich lieber dem Roman widmen. Daß der Roman etwas ganz anderes sei: »Es ist verdammt noch mal schwieriger, einen langen Seufzer auszustoßen, als nur zu hüsteln.« Fitzgerald beteuerte, man müsse kommerzielle Erzählungen in einem Zug, allerhöchstens innerhalb dreier Tage hinschmieren. »Man sollte dreiteilige Erzählungen an drei aufeinanderfolgenden Tagen schreiben, dann einen oder anderthalb Tage für ihre Überarbeitung aufwenden und sie sogleich wegschikken.« Diese Aussage muß ergänzt werden: »Ich brauchte durchschnittlich sechs Wochen, um mich für die Abfassung einer Erzählung für die Saturday Evening Post in Stimmung zu bringen.« Trotzdem befinden sich unter diesen ›kommerziellen‹ Erzählungen einige Meisterwerke. Es waren übrigens genau jene, welche die Magazine im allgemeinen ablehnten oder nur ungern akzeptierten. Fitzgerald erwarb die Fertigkeit, leichte Geschichten zu verfassen, die er abspulte wie ein Barpianist seine populären Melodien. Er kannte die Kniffe:

»Wenn die Frauen häßlich sind, so mache aus ihnen Milliardärinnen oder Nymphomaninnen; sind es Hausfrauen, so zeige sie aufreizend und unwiderstehlich.« Trotzdem ist er sich der Erzählkunst und der Genauigkeit bewußt, die sie erfordert: »In einer Erzählung hat man gerade genug Geld, um sich einen Anzug zu kaufen. Nicht mehrere. Ein einziger Mißgriff bei den Schuhen oder bei der Krawatte, und alles ist verloren.« Aber die Post mit ihrer konformistischen Leserschaft hatte ihre Kriterien. So durfte man nicht von Selbstmord reden. Das Magazin verlangte Geschichten mit HappyEnd und hätte gerne auf die »Tendenz zum Verhängnis« verzichtet, die Fitzgeralds Werk prägte, und dafür nur dessen Glamour bewahrt. Es kam vor, daß die Zeitung aus einer Erzählung Passagen strich, auf die der Autor Wert legte. Scott sammelte diese Fragmente in seinen Notizbüchern unter der Rubrik B (Brillante Abfälle) in der Absicht, sie bei anderer Gelegenheit zu verwenden. Er hatte auch einen Ordner für »Abgelehnte und zerstückelte Erzählungen«. Er bedauerte, daß ein eher schwacher Text wie The Popular Girl, den er verfaßte, während Zelda in den Geburtswehen lag, ihm 1500 Dollar einbrachte, Ein Diamant so groß wie das Ritz hingegen gar nichts.

Ganz links: Fitzgerald mit ungefähr sechs Jahren. Unten: Fitzgerald karikiert zur Zeit seines Studiums in Princeton, ca. 1916 – eine Anspielung darauf, daß er in der StudentenShow ›The Evil Eye‹ in Frauenkleidern aufgetreten ist.

1896

1898 –1908

1909

1911

Am 24. September wird Francis Scott Key Fitzgerald in St. Paul, Minnesota, geboren.

Die Familie lebt in Syracuse und in Buffalo, New York. 1908 kehren die Fitzgeralds nach St. Paul zurück, wo Francis in die St. Paul Academy eintritt.

In der Schulzeitschrift der St. Paul Academy, Now and Then, erscheint Fitzgeralds erste Erzählung The Mystery of the Raymond Mortgage.

Fitzgerald wechselt in ein Internat, die Newman School in New Jersey, für deren Schulzeitung er ebenfalls Storys und Theaterstücke verfaßt.


»Ich weiß gar nicht, ob ich tatsächlich existiere oder ob ich nicht nur ein Held aus einer meiner Geschichten bin.« F. Scott Fitzgerald

Oben: Fitzgerald als Student. Ganz links: Die letzte Seite der Story The Swimmers für die Saturday Evening Post, mit Fitzgeralds Überarbeitungen. Daneben: Erste Seite des Manuskripts von Der große Gatsby. Rechts: Umschlag der Zeitschrift The Smart Set mit Fitzgeralds Erzählung Ein Diamant so groß wie das Ritz.


Die Prinzessin Scott lernte Zelda Sayre im Juli 1918 im Country Club von Montgomery kennen. Er war Offizier. Sie war das auffälligste unter den jungen Mädchen. Die Eroberung einer solchen Prinzessin war die Revanche, nach der sich dieser frustrierte, gedemütigte Junge schon immer gesehnt hatte. Zelda schien sich recht wenig darum zu scheren, ob ihr Gatte ein der Bezeichnung Schriftsteller würScott und Zelda, 1934. diger Autor war, solange er Erfolg und Geld hatte. Nach ihrem ersten Nervenzusammenbruch notierte er, daß er Stimmen höre, die, immer schwächer werdend, fragten: »Wie geht es Zelda? Wie geht es Zelda? Sagen Sie uns doch, wie geht es Zelda?« Einer jener Sätze, die mit jeder Wiederholung mehr schmerzen. Eines Tages, nachdem er sie in der Klinik besucht hat, schreibt er: »Sie glich in jeder Beziehung der Frau, die ich kannte. Aber dies erschien uns beiden, vielleicht gerade aus diesem Grund, sehr traurig, und sie weinte in meinen Armen, und wir fanden, daß der erlöschende Sommer unser beider Leben widerspiegelt, das ebenfalls am Erlöschen ist.« Von Zeit zu Zeit schreiben sich Scott und Zelda Briefe, in welchen sie ihre ganze Geschichte aufwärmen und von ihren Vorwürfen nicht loskommen. Es sind regelrechte Zusammenfassungen ihrer Lebensläufe, voller Bitterkeit 1913 –1916 Fitzgerald studiert in Princeton und lernt unter anderem Edmund Wilson und John Peale Bishop kennen, die seine Freunde werden. Er schreibt Stücke und Lieder für Auf-

führungen des Princeton Triangle Club und veröffentlicht ab 1914 Stücke, Gedichte und Geschichten im Princeton Tiger und im Nassau Literary Magazine. Seine vielen Interessen neben

dem Studium führen immer wieder zu schlechten Noten. In Princeton beginnt Fitzgerald auch seinen ersten Roman Diesseits vom Paradies, der 1918 vom Verlag Scribner’s abgelehnt wird.

»Wir haben uns verloren. Ich dachte nie, daß wir uns verl würden.« F. Scott Fitzgerald


und Trauer. In einem Brief, den er nicht abschickt, erklärt Scott: »Ich erinnere mich, daß ich mich fragte, weshalb ich weiterarbeitete, um die Rechnungen dieser beklagenswerten Ehe zu bezahlen, die ich fabriziert hatte.« In Zärtlich ist die Nacht äußert die Heldin Nicole: »Man ist nur noch das Echo, das von einer Mauerruine zurückgeworfen wird.« Die Art und Weise, wie das Unheil ihre so brillante Ehe zerstörte, verstärkt das Schuldgefühl von Scott, vergrößert seinen Minderwertigkeitskomplex. Er weiß sich nicht anders zu helfen, als sich dem Trunk zu ergeben. Im Juli 1938 schreibt er seiner Tochter: »Es war ein Fehler von mir, Deine Mutter zu heiraten. Wir gehörten verschiedenen Welten an: Sie hätte glücklich sein können mit einem rechtschaffenen Mann, in einem Garten im Süden des Landes.«

ieren

Rechts: Fitzgerald in Uniform, 1918. Unten: Zelda, 1920, kurz vor der Hochzeit mit Scott.

1917

Großes Bild: Zelda und Scott in New York, 1921. Links: Die Portraits von Zelda und Scott von Gordon Bryant, die im selben Jahr entstanden sind. Oben: Erstausgabe von Fitzgeralds erstem Roman Diesseits vom Paradies, 1920.

Fitzgerald meldet sich als Freiwilliger zur Armee. 1918 lernt er in Montgomery, Alabama, wo er stationiert ist, die junge Zelda Sayre kennen.


Illustration von M.L. Blumenthal zu einem Artikel von Fitzgerald, der 1924 in der Saturday Evening Post erschien und der ihm 1000 Dollar einbrachte. In dem betreffenden Jahr verdiente Fitzgerald übrigens ›nur‹ 28000 Dollar.

Der Traum vom Geld Oft verdient Fitzgerald mit seinen Erzählungen und Büchern viel Geld. Aber es ist immer weniger als das, was er ausgibt. Man könnte in Zahlen über seine Karriere berichten. Im Jahr 1923 verdient er 28 754.78 Dollar. Am Ende seiner Laufbahn weist der Auszug seines Autorenkontos vom 1. August 1940 noch 13.13 Dollar aus. Sein Verlag Scribner’s und sein Agent Harold Ober überwiesen ihm oft Vorschußzahlungen. Schon 1920 nimmt er auf seine künftigen Tantiemen Anleihen auf. Fitzgerald ist nicht imstande, seine Ausgaben unter Kontrolle zu halten, ebensowenig wie jene von Zelda oder seiner Tochter Scottie. Er erzählt dem kanadischen Schriftsteller Morley Callaghan, er sei Millionär. Hat er denn nicht ein Einkommen von fünfzigtausend Dollar im Jahr? Callaghan macht ihn darauf aufmerksam, daß er vielleicht ebensoviel verdient hat, wie ein Millionär an Einkommen kassiert, daß er deshalb aber noch lange keine Million besitzt. Scott erwidert, sein Kapital, das sei sein Talent. Und wenn sein Talent ihm fünfzigtausend Dollar im Jahr einbringe, so müsse man ihn als Millionär betrachten.

Fitzgerald verleiht dem Reichtum vor allem mit Hilfe der Frauen seine volle Bedeutung. Daisy, die von Gatsby geliebt wird, hat eine Stimme »full of money«. Daisy selbst ist »glanzvoll wie das Geld, geborgen und dem hitzigen Kampf der Armen stolz überlegen«. Ginevra King, ein Geschöpf aus dem realen Leben, das Scott jedoch in einer dichterischen Fiktion verklärt, wird für immer die Frau sein, die das Dach des Hotels Ritz zum Leuchten brachte. So bleibt der berühmte Palast, Symbol des Reichtums, mit dem erhabensten Augenblick dieser Liebe verbunden. Seine Romanheldinnen gleichen den Golden Girls von Henry James, sind aber ins Gegenteil verkehrt. Die reichen und unschuldigen weiblichen Wesen haben sich zu Ludern gewandelt, und die Männer – Gatsby, Dick Diver – sind die unschuldigen Opfer. Das Geld, das Fitzgerald in den meisten seiner Werke mythologisiert hat, wird am Ende seines Lebenslaufs, in Pat Hobby’s Hollywood Stories, zur gewöhnlichen, schmutzigen Banknote, zum Dollar, den man auftreiben muß, um sich einen Drink und ein Sandwich leisten zu können.

1919

1920

1922

1924

Fitzgerald tritt aus der Armee aus und jobbt kurze Zeit in einer Werbeagentur in New York. Er überarbeitet seinen Roman und schickt ihn erneut an Scribner’s. Diesmal wird er akzeptiert.

Diesseits vom Paradies wird zum Bestseller. Fitzgerald und Zelda Sayre heiraten und werden in New York bald zu bekannten Persönlichkeiten. 1921 kommt die Tochter Frances Scott zur Welt.

Der Roman Die Schönen und Verdammten und die Storysammlung Tales of the Jazz Age erscheinen. Umzug nach Great Neck auf Long Island bei NewYork.

Scott und Zelda ziehen nach Europa, um Geld zu sparen. Sie halten sich in den nächsten Jahren an der französischen Riviera, in Rom und in Paris auf.

Zelda und Scott mit ihrer Tochter Scottie und deren Nanny an der französischen Riviera.


»Lebenskraft zeigt sich nicht nur als Stehvermögen,sondern auch als Mut zum Neubeginn.« F. Scott Fitzgerald

Fitzgerald mit Tochter Scottie an der Riviera, ca. 1924.

Umschläge der Erstausgaben von Tales of the Jazz Age und Die Schönen und Verdammten (beide 1922). Über letzteren schrieb Fitzgerald an seinen Lektor Max Perkins: »Das Mädchen ist natürlich toll, sie sieht ungefähr aus wie Zelda, aber der Mann ist wohl, nehme ich an, so etwas wie eine verkommene Version von mir.«


Die für immer verlorene Zeit »In dem Augenblick, da er sie küßte, wußte er, daß er eine Ewigkeit lang suchen könnte und doch diese Stunden im April nie wiederfinden würde. Er konnte sie lange an sich pressen, bis sich seine Armmuskeln verkrampften – nie würde er dieses kaum wahrnehmbare Gemurmel in der Dämmerung oder in der Abendbrise hören… Nun ja, es ist vorbei, befand er. Der April ist vorüber, der April ist vorüber. Es gibt alle Arten von Liebe auf dieser Welt, aber nie zweimal dieselbe.« Scott bemüht sich nie, die verlorene Zeit wiederzufinden. Im Gegenteil, in dem Moment, da er ein Gefühl hat, denkt er daran, daß es nie mehr wiederkommen wird, und er wird von Traurigkeit übermannt: »Ich erinnere mich an einen Nachmittag, als ich inmitten der riesigen Wolkenkratzer unter einem blaßlilarosafarbenen Himmel im Taxi durch die Straßen fuhr 1925

1926

Der große Gatsby erscheint. Fitzgerald lernt in Paris Ernest Hemingway kennen.

Die dritte KurzgeschichtenSammlung All the Sad Young Men erscheint.

und wie ein Kalb zu stöhnen begann, weil ich alles, was ich wollte, bekommen hatte und nie mehr so glücklich sein würde.« (My Lost City) Es fällt auf: Er sagt lost. Er spricht von New York und will ausdrücken, daß es seine Stadt ist und daß er sie verloren hat. Man sollte einmal nachzählen, wie oft in seinen Titeln oder in seinen Texten das Wort »verloren« vorkommt. Fitzgerald gehört zu jenen Menschen, für welche die verrinnende Zeit einer blutenden Wunde gleicht. Seine Treue gegenüber der Universität Princeton ist ein Zeichen seiner Anhänglichkeit an die entflohenen Tage, als würde er auf dem Campus das Gespenst des Studenten suchen, der er einmal war. Dieser Mann mit dem ungeregelten Leben führte seit seinen Anfängen als Schriftsteller ein peinlich genaues »Register«, in das er seine Bibliographie, seine Einkünfte und biographische Anhaltspunkte notiert sowie für jedes Jahr ein Werturteil: Hat er gute Arbeit geleistet, wie sind seine intimen Beziehungen mit Zelda abgelaufen, ist er glücklich gewesen? »Register« ist das passende Wort, da er sich für dieses Journal eines Buchhaltungs-Registers bedient. Er stellt auch ein scrapbook zusammen. Es ist mehr als ein Fotoalbum. Er klebt Eintrittskarten fürs Theater oder Kino ein sowie Quittungen eines Blumenhändlers für den Strauß, den er für eine Schöne kaufte, den Umschlag einer Tanzkarte, die Aufforderung des Dekans von Princeton zu einer Prüfung, die Seite aus einer Zeitschrift, wo zum ersten Mal sein Name gedruckt war, der Brief von Perkins mit der Mitteilung, daß Diesseits vom Paradies von Scribner’s angenommen wurde.

Zeichnung von Zelda für den Schutzumschlag von Die Schönen und Verdammten. Rechts: Sam Waterston und Robert Redford in der Verfilmung von Der große Gatsby von 1974.

1930

1931

1933

Zelda erleidet in Paris einen Nervenzusammenbruch und verbringt den Sommer in psychiatrischen Kliniken in der Schweiz. Zwei weitere schwere Zusammenbrüche folgen 1932 und 1934.

Die Fitzgeralds kehren nach Amerika zurück. Scott zieht nach Hollywood, wo er für die mgmStudios Drehbücher schreibt.

Fitzgerald beendet den Roman Zärtlich ist die Nacht.


Fitzgerald, 1921. Oben links: Erstausgaben von Zärtlich ist die Nacht (1934) und Der groĂ&#x;e Gatsby (1925) mit dem Umschlagmotiv von Francis Cugat.


»Was wäre die amerikanische Literatur ohne Fitzgerald? Die ›Titanic‹ ohne deren Untergang. Der Literatur würde der Biß fehlen und besonders die ›Vorahnung des Unheils‹.« F. O. Gisbert

Fitzgerald an seinem Schreibtisch in der Villa La Paix in Baltimore, Maryland, ca. 1932. Links: In Hollywood schickte sich ein einsamer Fitzgerald selbst diese Postkarte. Rechts: Diese »Entschuldigung des Autors« wurde 1920 anläßlich eines BuchhändlerKongresses dem Roman Diesseits vom Paradies beigelegt.


Eine Tendenz zum Verhängnis »Alle Geschichten, die mir durch den Kopf gingen, hatten eine Tendenz zum Verhängnis: die charmanten, jungen Gestalten meiner Romane richteten sich zugrunde, die Diamantenberge in meinen Erzählungen verflüchtigten sich, meine Millionäre waren ebenso hochmütig und fluchbeladen wie die Bauern von Thomas Hardy. Im wirklichen Leben hatten sich diese Dinge noch nicht ereignet…« Bis zum Überdruß wurde der erste Satz von Der Knacks zitiert: »Jedes Leben ist selbstverständlich ein Prozeß der Zerstörung.« Ob wirklich oder teilweise eingebildet – die Gefühle von Verarmung, von Frustration, von Ausgestoßensein und Unsicherheit, die der junge Scott empfindet, prägen von Anfang an alles, was er schreibt. Er sagte, er habe seinen Erfolg der Verzweiflung abgerungen. Sein erster Roman, Diesseits vom Paradies, wurde als Manifest, als Triumphgesang einer Generation begrüßt. Und doch haben die letzten Buchseiten nichts Triumphalisches. Am Schluß von Die Schönen und Verdammten spricht Anthony Patch, dessen Untergang das Thema des Romans ist, fünf Worte zu sich selbst. Knapper kann man nicht andeuten, daß er seine Niederlage zwar eingesteht, aber sich dabei seinen Teil denkt, daß er zwar allein gegen alle dasteht, aber doch einen Anschein von Stolz bewahrt: »Ich hab’ es ihnen gezeigt.« Anthony und Gloria ähneln Scott und Zelda und nehmen ihren moralischen und materiellen Ruin vorweg. Anthonys Alkoholismus, Glorias verblichene Schönheit sind prophetisch.

Illustration von Covarrubias zu einer Stückfassung von Der große Gatsby am Broadway (aus dem New Yorker).

Man weiß, wie Gatsby endet. Der Held von Zärtlich ist die Nacht heißt Diver, was Taucher bedeutet. Er taucht ein, er geht unter. Im Moment der Niederlage macht Dick Diver eine eigenartige, etwas mystische Gebärde. Als Besiegter, Verbannter, Ausgeschlossener blickt er zum letzten Mal auf den Strand an der Riviera, wo er so glücklich war, und deutet mit der rechten Hand eine segnende Geste an. Es ist wie ein Echo der ein wenig feierlichen Gebärde von Gatsby, der auf der Freitreppe seines Hauses steht und die Hand hebt, um seine Gäste zu verabschieden. Fitzgerald liebt sie, diese verletzlichen Gestalten, die er in jedem Roman neu erfindet, weil sie seinesgleichen sind: »Gatsby ist mein fiktiver älterer Bruder, Amory mein jüngerer Bruder, Anthony macht mir Sorgen, Dick macht eine ziemlich gute Figur, aber alle sind weit weg von zu Hause.« Auf diese Tendenz zum Verhängnis, die schließlich zur Schönheit von Fitzgeralds Werk gehört, trifft er mit untrüglichem Gespür auch in der Realität. Ohne darauf zu warten, daß das Unglück von allein kommt, fordern es Scott und Zelda mit ihrem selbstmörderischen Verhalten bald heraus: Geldverschwendung, Alkoholismus, Extravaganzen aller Art. Mehr als einmal träumte Scott davon, Selbstmord zu begehen. Er erzählte einer Vertrauten, Laura Guthrie Hearne, auf welche Weise er Schluß machen würde. »Ich fand immer, der Sprung aus einem Boot wäre das beste. Niemand in der Nähe, Sie brauchen mit niemandem mehr zu reden, endlich allein. Sie machen einfach einen Kopfsprung, und es ist vorbei.« Ist der Gedanke zu simpel, daß Fitzgerald den eigentlichen Selbstmord in einem anderen flüssigen Element beging, nämlich im Gin? Mitte: Flachmann, der Fitzgerald 1918 von Freunden aus Montgomery, Alabama geschenkt wurde, mit der Inschrift: »Vergißmeinnicht, Zelda.«


»The poor son-of-a-bitch« »Als er im Alter von vierundvierzig Jahren starb, war F. Scott Fitzgerald, 1922 als führendes Haupt seiner Generation gefeiert, bei seinen Zeitgenossen fast ebensowenig bekannt wie jene Leute, welche 1929 die berühmten krisensicheren Staatspapiere ausstellten.« So oder ähnlich wie hier in den Chicago Daily News klangen die Nachrufe in der Presse. Edmund Wilson machte eine Bemerkung, die zweifellos auch auf andere, zu früh verstorbene Schriftsteller zutrifft: »Es war ein Schock zu erfahren, daß Scott Fitzgerald, der sich noch auf dem Weg zur Erfüllung dessen befand, was seine unvollkommenen Bücher versprachen, plötzlich, viel zu früh verstorben sei. Aber wir entdeckten bald, daß dieses unvollkommene Werk eine fast klassische Wirkung hatte.« In der Wordsworth-Halle wiederholte Dorothy Parker vor dem Leichnam ihres Freundes immer wieder die Worte: »The poor son-of-a-bitch, der arme Hurensohn…« Man war schockiert darüber. Niemandem fiel auf, daß es die Grabrede für Jay Gatsby war.

Fitzgerald als Erzengel, Zeichnung von Zelda, 1932.

Fitzgerald in New York, 1937.

1936

1939

1940

1948

The Crack-Up erscheint, eine Sammlung von Artikeln, in denen Fitzgerald seinen eigenen Kollaps beschreibt.

Fitzgerald beginnt den Roman Die Liebe des letzten Tycoon, der unvollendet bleibt.

Am 21. Dezember stirbt Fitzgerald nach zwei Herzinfarkten in Hollywood.

Zelda Fitzgerald stirbt beim Brand einer Klinik in Asheville am 10. März.

Links: Nach ihrem Tod wurde Zelda neben ihrem Mann begraben – der gemeinsame Grabstein auf dem Rockville Union Cemetery in Rockville, Maryland.


Erstausgabe von Fitzgeralds letztem, unvollendeten Roman, der 1941 posthum erschien.

»Ich weiß, wie meine Generation gesprochen hat. Ich habe ihre Sprache 20 Jahre lang belauscht … Wie können sie mich derart wegwerfen?« F. Scott Fitzgerald


ÂťF. Scott Fitzgerald steht allein mit James Joyce und William Faulkner als Genie der englischen Prosa im 20. Jahrhundert.ÂŤ Newsweek, New York


Neuedition der Romane In Neuübersetzungen und mit Nachworten

»Das faszinierende und bis heute lebendig gebliebene Zeugnis einer Generation im Aufbruch.« Manfred Papst im Nachwort

»Fitzgeralds oft unterschätzter zweiter Roman – die erschütternde Chronik eines Niedergangs.« F. Scott Fitzgerald Diesseits vom Paradies Roman · Diogenes

Leinen, 432 Seiten € (D)24.90/sFr 43.90*/€ (A)25.60 ISBN 978-3-257-06517-6

Amory Blaine ist begabt und privilegiert. Von der Mutter hat er die Überzeugung, zu Höherem geboren zu sein. Er studiert in Princeton, und nach etlichen Flirts begegnet er Rosalind, seiner ersten großen Liebe. Als sie ihn für einen anderen verläßt, zerschellen Amorys jugendliche Ideale. Was bleibt, ist der Alkohol – aber trotz aller Trauer und Enttäuschung auch die Erkenntnis, daß das Leben, so pathetisch und lächerlich es oft scheint, doch lebenswert ist: nicht jenseits, sondern diesseits vom Paradies. Mit diesem ersten Roman begründete F. Scott Fitzgerald 1920 seinen Ruhm als Chronist seiner Zeit. Über Nacht wurde der Roman zum Kultbuch für die amerikanische Nachkriegsgeneration. In Rhythmus und Klang bereits ein unverkennbarer Fitzgerald – ironisch und warmherzig, glitzernd und wehmütig zugleich.

*unverbindliche Preisempfehlung (gilt für den sFr-Preis bei Büchern und für Hörbücher generell)

Manfred Papst im Nachwort

F. Scott Fitzgerald Die Schönen und Verdammten Roman · Diogenes

Leinen, 608 Seiten € (D)24.90/sFr 43.90*/€ (A)25.60 ISBN 978-3-257-06520-6

Ihr Leben ist eine einzige Party, sie trinken und tanzen die Nächte durch. Gloria und Anthony sind ein Traumpaar – sie sind jung, schön, verschwenderisch … und verdammt. Bald schon müssen sie aus Geldnot New York verlassen. Unter dem weiten Himmel von Connecticut holt sie die Langeweile ein, und alles endet in einem fürcherlichen Kater. Gloria und Anthony – zwei Liebende, die »galant zur Hölle fahren«. »Ein atemberaubendes Buch, witzig, voll Erotik, aber auch voll tiefer Trauer über die Unbarmherzigkeit einer angeblich neuen Gesellschaft, in der letztlich wiederum nur der blinde, dumpfe Geschäftstrieb die Oberhand gewinnt.« Brigitte, Hamburg


»Müßte ich einen Roman auswendig lernen, es könnte nur ›Der große Gatsby‹ sein.« Paul Ingendaay im Nachwort

F. Scott Fitzgerald Der große Gatsby

»Selten hat Fitzgerald mit so atemberaubender Sicherheit erzählt. Jedes Detail hat einen doppelten Boden.« Heinrich Detering im Nachwort

F. Scott Fitzgerald Zärtlich ist die Nacht Roman · Diogenes

Roman · Diogenes

Leinen, 256 Seiten € (D)19.90/sFr 35.90*/€ (A)20.50 ISBN 978-3-257-06518-3

Leinen, 560 Seiten € (D)24.90/sFr 43.90*/€ (A)25.60 ISBN 978-3-257-06521-3

New York 1922. Auf seinem Anwesen in Long Island gibt Jay Gatsby sagenhafte Feste. Er hofft, mit seinem neuerworbenen Reichtum, mit Swing und Champagner seine verlorene Liebe zurückzugewinnen. Zu spät merkt er, daß er sich von einer romantischen Illusion hat verführen lassen. Gatsby wurde zum Sinnbild des amerikanischen Traums und dessen Scheiterns, zum Inbegriff von Aufstieg und Fall.

Dick und Nicole Diver führen das Leben kultivierter Expatriates an der französischen Riviera. In ihrer Villa gehen Künstler und andere Exzentriker ein und aus. Darunter auch die hübsche Schauspielerin Rosemary. Jung und ehrgeizig, hat sie sich in den Kopf gesetzt, den Herrn des Hauses zu verführen. Allerdings weiß sie nicht, worauf sie sich dabei einläßt – welche Geheimnisse der Psychiater und seine zarte Frau verbergen.

»Ich habe es dreimal gelesen. Seit Jahren hat mich kein neues Buch mehr so gefangengenommen und begeistert. Ich glaube, damit hat die amerikanische Literatur den ersten Schritt über Henry James hinaus gemacht.«

»Ein Schriftsteller, der mir lieb ist: Scott Fitzgerald. Immer bei seinem Agenten in der Kreide; mit einer Frau, die verrückt war und in Heimen untergebracht werden mußte; Scott, extravagant, liebenswert, verspielt und unmöglich. Sein Genie blühte.«

T. S. Eliot an F. Scott Fitzgerald

Carson McCullers

»Er hat eine der seltensten Gaben – Charme. Wer hat das heute noch? Es geht dabei nicht um schöne Worte oder klaren Stil. Es ist eine Art gedämpfte Magie, zurückhaltend und kultiviert, etwas, das wie ein gutes Streichquartett klingt.« Raymond Chandler


»Das Gegenstück aus dem Westen Amerikas zum ›Großen Gatsby‹ aus dem Osten. Mit einem Helden, der sich aus eigener Kraft hochgearbeitet hat.«

F. Scott Fitzgerald Die Liebe des letzten Tycoon Roman · Diogenes

»In den Kurzgeschichten ist es Fitzgerald gelungen, Form und Inhalt zu einer vollkommenen Einheit zusammenzufügen.« Hessischer Rundfunk

F. Scott Fitzgerald Drei Stunden zwischen zwei Flügen und andere Meistererzählungen Diogenes Bibliothek

Verena Lueken im Nachwort Leinen, 240 Seiten € (D)19.90/sFr 35.90*/€ (A)20.50 ISBN 978-3-257-06519-0

Er ist der letzte Hollywood-Produzent, der Mittelmaß und Klischees nicht duldet: Monroe Stahr verbringt Tag und Nacht in den Aufnahmestudios, Vorführräumen und Drehbuchschreiber-Büros, um die Arbeit an seinen Filmen zu überwachen. Als ein Gewitter nachts die Kulisse für eine Burma-Szene unter Wasser setzt, ist er sofort zur Stelle – und entdeckt dabei zwei Frauen, die sich unerlaubt auf das Gelände geschlichen haben. Eine davon ist Kathleen Moore – deren natürlicher Charme Monroe Stahr vom ersten Augenblick an in den Bann zieht. Bevor er seinen fünften Roman zum Abschluß bringen konnte, erlag Fitzgerald einem Herzinfarkt. Dennoch liest sich das Fragment wie ein abgeschlossener Roman. »Ich bin überzeugt, daß dieses Fragment einen großen Einfluß haben wird auf die Zukunft der amerikanischen Literatur. Ein starkes Buch.« John Dos Passos (1945)

»Die Traumfabrik Hollywood hat Fitzgerald so eindringlich und objektiv geschildert wie kaum ein anderer vor und nach ihm.« Kindlers Neues Literaturlexikon

*unverbindliche Preisempfehlung (gilt für den sFr-Preis bei Büchern und für Hörbücher generell)

Leinen, 464 Seiten, 9 x 14,8 cm € (D)19.90/sFr 35.90*/€ (A)20.50 ISBN 978-3-257-06556-5

In Wiedersehen mit Babylon kehrt ein Amerikaner nach Paris zurück: Sein Vermögen ist verloren, seine Frau tot, seine Tochter will man ihm nicht anvertrauen… und die Bar des Ritz ist leer. In Drei Stunden zwischen zwei Flügen reichen drei Stunden aus, um einer verflossenen ersten Liebe wiederzubegegnen, das Herz wieder in Schwingung zu versetzen – und für immer verletzt zu werden. Fitzgeralds Figuren suchen in diesen Meistererzählungen voller Sehnsucht nach etwas, was nie gefunden werden kann, weil die Vergangenheit für immer verloren ist. Und je diffuser die Erinnerung an die einstigen Gefühle wird, desto weniger kann man sie vergessen. »Wiedersehen mit Babylon ist genial. Hemingway hat dieses Niveau nie erreicht.« Yasmina Reza Ausschnitte auch als Diogenes Hörbuch F. Scott Fitzgerald Drei Stunden zwischen zwei Flügen und andere Meistererzählungen Gelesen von Helene Grass, Volker Hanisch, Hannelore Hoger, Dietmar Mues, Friedhelm Ptok und Ernst Schröder Diogenes Sammler Edition 6 CD in Geschenk-Verpackung inkl. Booklet Spieldauer 376 Min. € 39.90 / sFr 71.90* ISBN 978-3-257-80901-5

Nachweis: Text: Roger Grenier. Aus dem Französischen von Lislott Pfaff. Auszüge aus dem Buch Trois heures du matin. Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Editions Gallimard. © Gallimard, Paris 1995. Bilder: Titelseite (Fitzgerald): The Arthur Mizener Collection; (Auto): © Michael Furman. Seite 2: © Horst. Seite 3: Diogenes Archiv. Seite 4/5 (Fitzgerald als Junge und als Student), Seite 7 (Fotos Zelda und Scott), Seite 12 (Fitzgerald), Seite 14 (Grabstein), Rückseite: The Arthur Mizener Collection. Seite 4/5 (Typoskript), Seite 6/7 (Portraits von Gordon Bryant), Seite 12 (›The Authors Apology‹), Seite 13 (Flachmann), Seite 14 u. Seite 16 (Fitzgerald): The Bruccoli Collection. Seite 4/5 (Karikatur und Manuskript), Seite 6 und 6/7 (Fotos Scott und Zelda), Seite 8/9 (Familienfotos), Seite 10 (Zeichnung Zelda), Seite 11 (Hintergrund), Seite 12 (Postkarte), Seite 13 (Illustration Covarrubias), Seite 14 (Zeichnung Zelda): © Frances Scott Fizgerald Smith. Seite 9 (großes Foto): © Clifford Coffin. Seite 15 (großes Foto): © Norman Parkinson.


»Schade, daß er nicht weiß, wie gut er ist. Er ist der Beste.« Dashiell Hammett

»Man wird über Fitzgerald noch reden, wenn die Namen der meisten seiner schreibenden Zeitgenossen verblichen sind.« Gertrude Stein

»My all time favorite hero.« Doris Dörrie

»Mein Lieblingsautor.«

Bestell-Nr.: 3 257 95060 8 (20 Ex.) / 1. Auflage 05

Haruki Murakami

Diogenes Verlag Sprecherstr. 8 CH-8032 Zürich www.diogenes.ch


Diogenes Booklet F. Scott Fitzgerald