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Übersicht der Berichte

Tipps für Fotografen: Insel Runde bei den Papageientauchern (klicken ins Bild führt zum Bericht)

Zu Fuß zum nördlichsten Festlandpunkt Europas - zum Nordkinn

Svartisen NP : Alpe Granneset Hängebrücken-Wanderung

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Dovrefjell im Sommer zu den Moschusochsen

Floßfahrt auf dem Klarälven

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Dovrefjell im Winter zu den Moschusochsen

Einsame Kanutour auf dem Ivalojoki

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Skjomendalen und Gautelifjell - als ob die Eiszeit erst gestern gewesen wäre -

Reisaelva - Ideale Kanutour für Familien

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Europas nördlichster Festlandpunkt ist das „Nordkinn“

Im Winter zum

Nordkinn

Der nördlichste Festland-Punkt Europas auf 71° 08‘ n. Br., das Nordkinn


Kurzinfos zur Nordkinn-Tour Ausgangsort

Mehamn auf der Nordkinn-Halbinsel

Ausgangspunkt für Nordkinn-Tour

ca. 7 km südlich von Mehamn, direkt an der Hauptstraße, siehe Bild unten auf 70°59,3706‘ N / 27°48,1634‘ E

Landkarte

Mehamn - Best. Nr. 1389 Utgitt 1980 oder neuer Kartblad 2237 II 1:50 000 vom Statens Kartverk in 3504 Hønefoss

Tour - Länge, Dauer, was mitnehmen?

ca. 50 km, 2 - 3 Tage, im Winter sind Steigeisen gut, alles was man braucht ist selbst mitzunehmen

Campingplatz

wurde ganz neu erstellt von Vidar dem Vikinger, derzeit 5 Stellplätze in Mehamn

Links die oben genannte Landkarte vom Nordkinn mit der vom GPS übertragenen Route. Leider ist der Ausgangspunkt auf der Karte nicht mehr ersichtlich. Er ist aber relativ leicht zu finden, denn er trifft sich am logischen Kreuzungspunkt, wenn man die Linie der Straße in den Süden und die rote Linie verlängert. Die rote Linie kennzeichnet unseren Weg zum Nordkinn.

Ausgangspunkt zum Nordkinn


Europas nördlichster Festlandpunkt ist das „Nordkinn“

Blick von Mehamn, ganz rechts im Hintergrund der Ausläufer des Nordkinns

W

er eine sportliche Herausforderung sucht und die Einsamkeit liebt oder einfach keine Lust hat mit Tausenden das Nordkap zu teilen, für den gibt es eine „echte“ Alternative, nämlich den wirklich nördlichsten Festland-Punkt Europas anzusteuern, das Nordkinn. Wer zudem den Mückenschwärmen, den Bachwatestellen, den Sumpfgebieten und dem Steine-Hüpfen entgehen will, der sollte diese Tour im Winter machen.

W

ie man sich „nicht“ vorbereitet

Es ist Mitte März, wir befinden uns im Kältezentrum Europas, im norwegischen Karasjok. Wir, das sind mein Begleiter und Bergkamerad Helmut und ich. Helmut begleitet mich auf meiner Winter-Fotoreise durch Nordskandinavien.

Helmut ist seit kurzem in Pension und genießt es Zeit fürs Reisen zu haben. Sein Lieblingsspruch ist: „Des hon i in mienem Alter nümma meh nötig“.

gemeinte Frage: „na, wie wär´s denn mit einer mehrtägigen Pensionisten-Schitour?“ dauerte es nicht lange und unser Entschluss steht fest: auf zum Nordkinn.

Eigentlich bin ich gedanklich schon fast bei der Heimreise, als wir, gemütlich im warmen Auto sitzend, an diesem Abend erneut das Thema Nordkinn aufgreifen. Ich bin der Meinung, Helmut interessiere dieser Abstecher nicht. Ich bin mir selbst nicht sicher, ob ich diese Tour wirklich machen will. Auf meine nicht ernst

Eine Nordkinn-Expedition zu Fuß, mit Schi und im Winter ist gewiss eine tolle Sache. Noch ahnen wir nicht was uns erwarten wird. Informationen dazu haben wir so gut wie keine. So wissen wir nicht genau wie weit, wie schwierig und auch nicht von wo wir starten müssen.

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Europas nördlichster Festlandpunkt ist das „Nordkinn“

Hauptstraße nach Mehamn

Ich weiß nur, dass der wirklich nördlichste Punkt irgendwo auf der östlichen Nachbar-Halbinsel vom Nordkap, auf dem Nordkinn liegt. Man kann ihn - im Gegensatz zum Nordkap - nicht mit dem Auto erreichen, ca. 50 km Fußmarsch sind notwendig. Nur das wie und wo liegt noch völlig im unklaren.

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Die Route dorthin soll umständlich und strapaziös sein. Hütten oder andere Unterkünfte gibt es nicht. Das heißt Zelt, Schlafsack, Kocher, Essen im Rucksack mitschleppen? Ob dies auch im Winter eine gute Idee ist? Ob wir uns das Zelt sparen können, wenn wir uns stattdessen eine Schneehöhle graben? Fragen, auf die wir keine Antwort haben. So fahren wir mit einem eher gemischten Gefühl Richtung Mehamn, denn dies scheint laut unserer Straßenkarte der nächstgelegene Ort zu sein.

Schon die Fahrt dorthin, wir fahren über Tana bru und das Ifjordfjellet nach Mehamn, ist ein Erlebnis. Auf der 150 km langen Strecke dorthin stellt sich heraus, dass es keine einzige Tankstelle gibt. Zudem wird auf den Hochebenen ständig die Straße derart vom Schnee zugeweht, dass selbst mit Schneeketten ein Weitekommen unmöglich ist. Immer wieder heißt es warten, bis der Schneepflug kommt und die Straße wieder passierbar macht.

Schon eine halbe Stunde nach dem Pflug ist an ein Durchkommen nicht mehr zu denken, der Schnee liegt bereits wieder metertief auf der Straße.

Mehamn selbst ist ein 900 Seelen-Dorf und wirkt in dieser Jahreszeit eher verschlafen. Wir erkunden die Gegend, auf der Suche nach unserer Route. Da wir das Gelände nicht einsehen können, suchen wir nach dem theoretisch kürzesten Weg und der geht unserer Meinung nach gleich hinter dem Flughafen los. Wir diskutieren, ob wir zuerst dem Strand entlang gehen sollen, um dann über eine kleine Bergkette Richtung Nordkinn zu gelangen. Wir versuchen eine Wanderkarte von dieser Gegend zu bekommen, doch alle Geschäfte scheinen diese gerade ausverkauft zu haben. Für den heutigen Tag ist es schon spät, es wird bald dunkel und so suchen wir - wie jeden Tag - einen geeigneten Stellplatz, irgendwo in freier Natur. Die wenigen Leute die unterwegs sind grüßen freundlich. Von einem werden wir angesprochen. Später erfahren wir, dass er Vidar heißt und im Nebenberuf Touristenführer ist. Er kennt sich hier wie in seiner Westentasche aus. Er ist gerade dabei seine Motorschlitten abzuladen und aufzutanken. Wir erzählen ihm von unserem Vorhaben und er gibt uns spontan unzählige Tipps.

Mehamn


Europas nördlichster Festlandpunkt ist das „Nordkinn“

Mehamn

Zu guter Letzt lädt er uns zu sich nach Hause ein. Er habe dort eine Landkarte mit genau eingezeichneter Route. Mir fällt auf, dass seine Motorschlitten mit GPS ausgestattet sind. Als wir zu Vidar nach Hause fahren, ca. 1 km weit, lässt er alle Motorschlitten mit angestecktem Zündschlüssel offen im Freien stehen. Auf meine besorgte Frage, ob denn diese teuren Fahrzeuge, wenn schon nicht in einer Garage untergebracht, so doch wenigstens abgesperrt werden sollen, lächelt er nur und meint: „wir sind hier in einer ruhigen Gegend!“. Vidar versorgt uns mit Informationen, Landkarte und vielen Tipps.

Fast hätte er mir noch die Trackdaten auf mein GPS überspielt, doch sein Computer hatte in den letzten Tagen Viren-Besuch. Als wir dann um 23 Uhr das Haus verlassen, sind wir um viele Erkenntnisse und Informationen reicher. Wir sind uns sicher, ohne diese Infos wäre es uns genauso ergehen wie den Tschechen. Diese Gruppe junger Leute soll - laut Vidar - schon viermal hier gewesen sein und keiner von ihnen habe jemals das Nordkinn erreicht. Vidar ist sehr besorgt um uns, gibt uns seine Handynummer und sagt: „ ihr könnt mich damit Tag und Nacht erreichen“, Handyempfang vorausgesetzt. Das einzige, das wir jetzt noch brauchten wäre besseres Wetter.

Am nächsten Morgen scheint zwar die Sonne aber es heult unvermindert der Sturm um das Auto. Die Vorbereitungen wie Rucksackpacken werden im Auto erledigt. Wir veranschlagen bei den momentanen Wetter-Verhältnissen mindestens 2 bis 3 Tage für die 50 Kilometer hin und retour. Einen Tag hin und wahrscheinlich 2 oder mehr retour. Obwohl wir nur das allernotwenigste einpacken, ist unser Rucksack doch unangenehm schwer geworden. Zur Sicherheit packen wir GPS, Handy, Landkarte und eine kleine Apotheke ein. Statt Zelt versuchen wir es mit Lawinenschaufel und Biwaksack. 10


Europas nördlichster Festlandpunkt ist das „Nordkinn“ sie für Schitouren in den Alpen verwendet. Zu den Alpinschiern gehören Steigfelle, die man vor jeder Steigung montieren und bei jeder Abfahrt wieder entfernen muss. Wie wir von den Einheimischen wissen, verwenden diese für solche Vorhaben Pulkas - eine Art Schlitten in die das Gepäck und die gesamte Ausrüstung gelegt und gezogen, also nicht getragen werden muss und leichte, aber doch warme Langlaufschuhe sowie Langlaufschier. Diese Ausrüstung ist für flache und lange Touren sicher besser geeignet. Weigerte ich mich zuhause noch vehement eine Schitour mit langem und flachem Talhatscher zu gehen, so trifft dies hier genau zu. Endlose Weiten und trotzdem geht es immer rauf und runter. Nicht viel - manchmal nur 50 Höhenmeter - aber doch soviel, dass wir vorher diskutieren, ob wir die Steigfelle abmontieren sollen oder nicht.

Wind, unser treuer Begleiter

Die Norweger schütteln den Kopf Wir glauben an unsere Fähigkeiten, an unsere Outdoor- und Bergerfahrungen und machen uns keine Sorgen wegen der Biwaks im Freien. 11

Im Nachhinein muss ich allerdings sagen, jeder Norweger hätte vermutlich die Hände über dem Kopf

zusammengeschlagen bei der Wahl der Ausrüstung. So benutzen wir - weil nichts anderes vorhanden und weil wir auch nichts kaufen wollten - unsere schweren Schischuhe, unsere Alpinschier mit ihrer schweren Bindung, eben die Ausrüstung wie man

Die erste Markierungsstange


Europas nördlichster Festlandpunkt ist das „Nordkinn“ mit anderen Problemen zu kämpfen. Großräumige Sumpfgebiete müssen umgangen werden. Es gibt auch im Sommer keinen Weg, nur ab und zu Pfadspuren von den Rentieren. Diese führen meist nicht zum ersehnten Ziel, sondern sie verbinden die saftigsten Weideflächen miteinander. Grobblockige Steinfelder erschweren besonders im Sommer das Vorwärtskommen. Ein anderes Problem können im Sommer die Bäche darstellen. Diese sind selbst an ihrer niedrigsten Stelle oft nur schwer zu durchwaten.

sanfte Pässe folgen sanften Tälern

B

is das Meer auftaucht westwärts

Den Ausgangspunkt wissen wir von Vidar punktgenau, er befindet sich 7 km südlich der Ortschaft. Er zeichnet uns auch die zwei Stellen in die Karte ein, an denen ein Handyempfang möglich sein soll. Unsere Route kommt an diesen Stellen leider nicht vorbei. Es ist 10 Uhr. Der Sturm hat seit dem Morgen noch etwas zugelegt und so schnallen wir die Schi im Windschatten unseres Autos an. In Gedanken eine Schneehöhle für das Nachtlager schaufelnd setze ich einen Fuß vor den anderen. Jeder ist in seinen Gedanken versunken, wir überqueren wortlos zugefrorene Seen und Bäche, immer den Sturm im Rücken. „Im Sommer stürmt es hier nicht so stark“, erklärte uns Vidar und ich denke mir: „vor allem fühlt es sich dann ein paar Grad wärmer an“. Dafür habe man

Nach ca. 2 Stunden treffen wir auf die ersten Markierungsstangen von Vidar. Vidar hat diese als Orientierungshilfe mit seinem Schneemobil gesetzt. Schnell kann es hier zu Wetterwechseln kommen. Innert weniger Minuten kann Sonnenschein mit Schneefall und Nebel wechseln und die Sicht auf Null reduzieren. Für diesen Fall hoffen wir auf das GPS, sodass wir wenigstens wieder zurückfinden. Immer wieder treffen wir auf

halbzugewehte Snowmobilspuren. Wir hätten sie gerne als Orientierungshilfe benutzt. Was wir von den Spuren nicht wissen ist, wohin der Fahrer wollte. Viele Einheimische gehen hier dem Eisfischen nach und diese Spuren enden dann meist an einem einsamen See. Vidar verriet uns, dass momentan für die Eisfischerei keine gute Zeit sei. „Bei Ostwind beißen die Tiere nicht“, meinte er und es hat schon seit Tagen nur Ostwind. Dafür schaufelt dieser Wind die Kälte in rauen Mengen von Sibirien hierher. Hier, wo nicht einmal das Eismeer zufriert, wo die Temperaturen selbst im Hochwinter selten unter minus 10 Grad fallen, hier kann es trotzdem ungemütlich kalt werden.

Der Wind ist unser Antrieb

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Europas nördlichster Festlandpunkt ist das „Nordkinn“ ohne unser Zutun sogar bergauf voran. So sehr ich diesen Service für die Hinfahrt auch schätze, beim Rückweg könnte dies zu unserem Verhängnis werden. Im Notfall werden wir halt ein, zwei Tage zuwarten müssen, irgendwann wird sich der Wind schon legen oder drehen, beruhige ich mich selber.

zuerst heißt es westwärts gehen

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Wir folgen einer Reihe aneinandergereihter Täler, die meist über flache Pässe miteinander verbunden sind. Die Orientierung wird zunehmend schwieriger. Viele Hügel, Pässe und Kämme gleichen sich in ihrem Winterkleid. Vielfach sind auch die Markierungsstangen nicht zu sehen, der Wind wirbelt allen losen Schnee bis 2 m Höhe auf und in dieser Schicht sieht alles gleich, alles unscharf aus. Wir werden buchstäblich vom Wind zu unserem Ziel geschoben. In ebenen Passagen legen wir die Felle gar nicht mehr an. Wir stellen uns breitbeinig hin und bieten so dem Wind eine möglichst breite Angriffsfläche. Wie von Geisterhand erfasst werden wir vorwärtsgeschoben. Der Untergrund trägt das seine noch dazu bei. Pickelharter Schnee und Eis gleitet gut und so kommen wir an manchen Stellen

Nach ca. 3 Stunden erreichen wir den Aufstieg zum Hochplateau. Speziell für dieses Hochplateau - das bei Nebel kaum Anhaltspunkte liefert - hat Vidar die Markierungsstangen gesetzt. Ist hier der angekündigte Wendepunkt gegen Norden? Zu Beginn, so hieß es von Vidar, sollen wir uns westwärts halten und erst am Beginn des Hochplateaus, wenn wir das Meer auf der anderen Seite der Halbinsel das erste Mal sehen können, sollen wir uns nach Norden wenden. Sollte es uns etwa gleich wie den Tschechen ergehen? Noch sind wir nicht soweit.

V

on jetzt an geht´s nordwärts

Allmählich erreichen wir den Scheitelpunkt des Hochplateaus, gute 300 m überm Meer. Der Wind tobt sich hier voll aus. Wie Marionetten werden wir hin und hergeschoben. Wir überqueren die Kammgrenze und finden in Sichtweite keine Markierungen mehr. Ich hole mein GPS heraus. Zu meinem Entsetzen hat sich dieses trotz neuer Batterien ausgeschaltet. So orientieren wir uns an den Geländeformen, an der Himmelsrichtung, an unserem Gespür. Nach mehreren hundert Metern dann eine Markierungsstange und die Gewissheit immer noch auf dem richtigen Weg zu sein. Langsam nur geht es auf der anderen Seite abwärts, der Bergrücken neben uns bietet noch keinen ausreichenden Windschutz, da das

Unser „Hotel“ mit Meerblick


Europas nördlichster Festlandpunkt ist das „Nordkinn“ heutigen Tagesziel. Je näher wir der Bucht kommen, um so steiler werden die Stufen die auf das nächste Plateau hinunterführen. Hatten wir auf den Bergkuppen keine Bedenken bezüglich der Stabilität der zugefrorenen Seen, so finden wir, je näher wir dem Meer kommen, immer mehr offene Stellen an den Zu- und Abflussstellen. Wir haben zwar etwas Reservegewand dabei, aber ich will mir nicht vorstellen, wie es ist, mit den Schiern an den Füßen im eiskalten Wasser zu schwimmen. Die Bucht

dahinterliegende Tal nur wenige Meter tiefer liegt. Es ist faszinierend wie sanft sich das Tal dem Meer zuneigt, Kilometer um Kilometer legen die Füße zurück bis wir endlich den Winddruck nicht mehr so stark spüren. Das will nicht heißen, dass es windstill ist, aber für die Teepause ist es jetzt allemal angenehmer als vorher. Der Weg zum Nordkinn verläuft im Sommer anders als im Winter. Aber auch im Winter gibt es zwei Routen. Die eine verläuft im letzten Drittel weiter östlich, stets auf dem Hochplateau bleibend. Unser gewählter Weg soll uns in die Bucht auf der Westseite führen. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Auf dem Hochplateau muss man nicht so viel Höhe abgeben, man hat Chancen mit dem Handy einen Empfang zu haben und bei genug Schnee könnte ein Snowmobil zur Rettung eingesetzt werden. Bei viel Ostwind ist die westliche Variante, die dem vor Wind etwas geschützteren Tal folgt und in die Meeresbucht führt, die Idealere. Das Tal, in dem wir uns nun befinden, führt mehr oder weniger direkt in die Sandfjorden-Bucht, unserem

Es ist früher Nachmittag und wir stehen ca. 50 Hm oberhalb der Buch an einer steilen, pickelhart vereisten Abbruchkante. Ganz weit links scheint die Abbruchkante gegen das Meer hin flach auszulaufen, das würde aber mindestens eine Stunde Umweg bedeuten. So suchen wir einen geeigneten Durchschlupf. Ich liebe harten Schnee, nur eisig darf es nicht sein. Auf Eis würden die Stahlkanten bei dieser Steilheit zuwenig greifen, ein Absturz in das grobsteinige Gelände unter uns wäre die Folge und eine Verletzung wahr-

scheinlich. Zwischen zwei blankgefegten, aber steinharten Grasrippen finde ich eine ca. 40 Grad steile Rinne, von der ich weiß, dass ich sie auch mit schwerem Rucksack fahren kann.

U

nser „Hotel“ kommt in Sicht

Schnell ist der Abstieg geschafft und die ganze Bucht liegt nun vor uns, ein mehrere hundert Meter breiter, weißer Sandstrand. Weiter nördlich in unserer Richtung ein flaches Geröllfeld, abwechselnd mal Schnee mal Steine. Der Schnee hier in der Bucht liegt nur wenige cm tief und ist hart wie Eis. An den Bau einer Schneehöhle ist nicht zu denken. Weiter Richtung Norden soll sich die ehemalige Siedlung „Roren“ befunden haben, kurz vor dem Aufstieg zum Nordkinn. Vidar erzählte, dass dort früher mal eine alte, halbzerfallene Hütte gestanden sei. Vielleicht steht sie ja heute noch.

14 WC mit Meerblick hat unser „Hotel“


Europas nördlichster Festlandpunkt ist das „Nordkinn“ Helmut stopft die Löcher Der Wind heult in Sturmstärke um und durch die Wände. Helmuts erste Beschäftigung gilt dem Abdichten der undichten Stellen, ich versuche den Ofen in Gang zu setzen. Holz gibt es in der Umgebung mehr als genug, aber meist in Baumstammgröße. Nach kurzer Suche finde ich eine Säge und mache mich ans Werk. Die abgeschnittenen Holzscheiben sind immer noch zu groß, wir würden eine Axt brauchen. Diese ist trotz langem Suchen nicht zu finden und mit dem Sackmesser wird das auch nichts. Ich versuche es mit dem kleinsten Stück Holz, das ich finden kann. Zersäge es in noch kleinere Stücke, nehme das Messer und schnitze mir Späne davon ab. Es reicht gerade zum Anzünden, dann erlischt das Feuer für immer. Ich werfe unseren Kocher an, doch der Wind bläst die Flamme des Kochers trotz geschlossener Tür aus. An einer windgeschützeren Stelle werkelt dann unser Kocher noch den ganzen Abend. Wir haben kein Thermometer dabei, aber die Teebeutel, die wir auf den Tisch legen, frieren daran fest. In dieser Abgeschiedenheit ist diese Hütte mehr als ein Hotel

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Abwechselnd gehen wir mit den Schiern mal über vereiste Schotterhalden dann wieder über vereiste Schneefelder. Der Wind hat uns inzwischen wieder eingeholt und bläst uns wie gewohnt voran. Wir wenden wieder unsere Breitmachetaktik an und lassen uns voranschieben. Nur die im Wege stehenden Geröllrippen hindern etwas unser Vorwärtskommen. Steile, grobblockige Fels- und Geröllhalden begleiten uns auf der rechten Seite, während links das Meer vom Wind aufgepeitscht wird.

Vereinzelt liegen eingebettet in Eis, Baumstämme, Taue und verrostete Eisenteile am Strand. Immer mehr Holz liegt herum. Hier musste also die Siedlung gestanden sein. Ein paar Meter weiter dann eine in den Grundrissen 2 x 3 m große, mit Gras bedeckte Hütte. Die Tür wird von einer Eisenstange zugehalten und fällt uns entgegen als wir diese wegnehmen. Wir stehen in einem 1 x 2 m großen Vorraum, Platz für unsere Rucksäcke. Der Hauptraum selber - 2 x 2 m - erscheint uns luxuriös: ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl, ein Ofen

Für das Nachtlager steht dem einen eine Matratze und dem anderen der harte Boden zur Verfügung. Wenn auch die „Hundehütte“ - wie Helmut sie liebevoll getauft hat - als Beherbergungsbetrieb keinen Stern bekommen hätte, für uns ist sie fast überlebensnotwendig. Sogar ein Hüttenbuch gibt es. Demnach sind in den letzten 25 Jahren keine Handvoll Personen im Winter hier gewesen, Vidar war einer von Ihnen. Die wenigen Sommer-Eintragungen beginnen meist im Juni und enden im September.


Europas nördlichster Festlandpunkt ist das „Nordkinn“ blick der Geröllflanke wird mir klar warum. Ca. 200 Hm Abstieg über grobblockige Geröllfelder, dann wieder ca. 140 Hm hinauf und das ganze wieder retour. Diese Zahlen scheinen im allgemeinen nicht sehr groß zu sein. Wenn man aber bedenkt, dass die Personen oft schon mehrere Tage unterwegs sind und den ganzen Rückweg noch vor sich haben, dann versteht man diese Entscheidung.

D

Aufstieg ins Nordavindskardet

as Nordkinn ruft

Am nächsten Morgen scheint mir, als ob der Wind etwas nachgelassen hätte. Unser Plan für heute ist das Nordkinn und wieder zurück zu unserem „Hotel“. Zuerst noch ein Stück dem Strand entlang bis sich eine Möglichkeit - sprich Rinne - auftut, um in das Hochtal zwischen Nordkinn und Reipnakktinden zu gelangen. Das erste flache Stück am Strand entlang ist schnell zurückgelegt und schon sehen wir eine schneebedeckte Rinne - vermutlich im Sommer ein Bachbett - nach oben ziehen. Beim Näherkommen schaut sie dann nicht mehr so flach aus, vor allem die glasharte Oberfläche macht uns immer wieder zu schaffen. Hier hätten vermutlich meine im Auto gelassenen Steigeisen gute Dienste geleistet. Am Ende der Rinne stehen wir im Hochtal „Nordavindskardet“, links von uns die Flanke des Nordkinns, rechts die Flanke des Reipnakktinden. In manchen Berichten - wie ich später nachlesen konnte - endeten die Touren am Reipnakktinden. Beim An-

Wir befinden uns im flachen Talgrund. Der Weg auf das Nordkinn scheint problemlos. Keine Freude bereitet uns der wenige Schnee. Sämtlichen Schneeflecken werden zusammengesucht und doch müssen wir mit den Schiern immer wieder über Geröll ins nächste Schneefeld steigen. Am Ende des Tales dann eine schwach ausgeprägte Rinne. Nach vielleicht 100 Höhenmetern (Hm) wird es flacher. Wir halten leicht rechts, dort scheint der nördlichste Punkt zu liegen. 50 Meter vor dem Ziel gibt es endgültig zuwenig Schnee. Wir lassen die Schier zurück und gehen die letzten Meter über vereiste Blockhalden dem Ziel, einem 2 m hohen Steinmann, entgegen.

A

m Nordkinn

Der Wind bläst in einer angenehmen Stärke, mal kommt die Sonne durch, mal wird es düster, als ob die Welt unterginge. So habe ich mir das nördlichste Festland-Ende Europas vorgestellt. Richtung Mehamn wären es übers Meer nur 13 km Luftlinie. Eine vorgelagerte Landzunge lässt den Ort nur erahnen. Sehen könnten wir ihn sowieso nicht, eine dicke Wolkenbank mit Schleier bis zum Boden, kommt aus nördlicher Richtung auf uns zugerollt. Ein kräftiges Händeschütteln, einen Schluck aus der Thermoskanne, ein paar Fotos und ein paar Minuten Ruhe und Einsamkeit gönnen wir uns an diesem abgeschiedenen Ort. Wir haben gerade mal 1 ½ Stunden für den Aufstieg gebraucht und eigentlich für heute viel Zeit übrig. Ein paar Meter weiter nördlich die Abbruchkante, an der es 240 m teils senkrecht ins Eismeer abfällt. Da die Felsplatten stark vereist sind ist Vorsicht geboten. Nachdem der Graupelschauer über uns hinweggefegt ist erkunden wir die nähere Umgebung. 100 m weiter rechts nochmals ein Steinmann, diesmal etwas kleiner und etwas näher an der Abbruchkante, laut GPS aber eindeutig ein paar Meter nördlicher. Mit den Schiern sind wir in einer halben Stunde wieder bei unserer Luxusherberge angelangt. Ich verwende den Rest des Tages um Fotos zu machen und Helmut repariert seine Felle, sie hatten die Strapazen der Steinquerungen nicht heil überstanden.

Die letzten Meter ins Hochtal

Wir verbringen noch eine Nacht in „Roren“, unserem Urlaubsort.

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Europas nördlichster Festlandpunkt ist das „Nordkinn“

Die letzten Meter aufs Nordkinn

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Blick ins Nordavindskardet

Rechts der zweite, der nördlichere Steinmann

Blick Richtung Mehamn


Europas nördlichster Festlandpunkt ist das „Nordkinn“

D

er Rückweg bereitet mir Kopfzerbrechen

Am nächsten Tag stehen wir schon um 8 Uhr abmarschbereit vor der Hütte, verschließen mit dem Eisenpfahl die lose Türe und marschieren Richtung Auto. Der Wind, der sich in der Nacht etwas gelegt hat, ist uns gnädig. Wenn er sich nicht dramatisch verschlechtert, haben wir wettermäßig den besten Tag seit langem. Bald stehen wir wieder in der Sandbucht und suchen nach einem geeigneten Durchlass ins höher gelegene Plateau. Unsere Abfahrtsvariante erscheint uns für den Aufstieg nicht günstig und so probieren wir es an anderer Stelle. Wie immer sind die Schneerinnen auf der Oberfläche stark vereist und mit flachen Spuren, nur auf den Stahlkanten stehend, kommen wir lang-

sam höher. Ich versuche eine Variante über vereistes Grasgelände und komme gut voran. Als ich die Kante zum Plateau erreiche, empfängt mich heftiger Wind. Es ist zu gefährlich an der Abbruchkante zu verweilen, eine Windbö könnte mich in die Tiefe befördern und so warte ich an einem windgeschützten Platz auf Helmut. Nach ein paar Minuten werde ich unruhig und muss nachschauen gehen. Er sollte längst hier sein.

H

elmut ist abgestürzt

Er wird doch wohl nicht abgestürzt sein, sich vielleicht verletzt haben und auf Hilfe warten? Ich gehe die Kante hin und her, kann ihn aber nicht entdecken. Dann sehe ich ihn meiner Spur folgend den Hang erklimmen. Erst mal bin ich erleichtert. Verletzt scheint er nicht zu sein. Als er bei mir anlangt, erzählt er von

seinem Absturz. Die Rinne habe ihn zurück an den Wandfuß geworfen. Gott sei Dank lagen keine Steine im Weg. „Ein paar Abschürfungen, aber ansonsten bin ich wohlauf“, lacht er. Der Rest der Tour wird flacher. Was jetzt gefordert ist, Durchhaltevermögen. Immer wieder kommen Windböen. Manchmal stoppen sie einfach nur den Schritt, manchmal muss man sich am Boden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln festklammern. Auf eisigem Untergrund kein leichtes Unterfangen. Wir glauben schon eine Ewigkeit gegangen zu sein und erwarten längst unseren Wendepunkt, an dem wir Richtung Osten abdrehen sollen, als mich der Kontrollblick auf das GPS eines besseren belehrt. Man glaubt gar nicht, wie endlos diese km gegen den Sturm sein können. Ganz weit am Horizont erkennen wir Mulden,

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Europas nördlichster Festlandpunkt ist das „Nordkinn“ kleine Täler und immer meinen wir, dass der Wendepunkt vorher sein müsse. Und jedes Mal sind wir bis zum Horizont gehatscht, um am nächsten Horizont das gleiche zu erleben. Ich habe auch ständig das Gefühl aufwärts zu gehen, selbst wenn ich einen waagrechten See quere.

P

lötzlich sehen wir nichts mehr

Die ersten Markierungsstangen über das Hochplateau kommen in Sicht und markieren den Weg zum Wendepunkt. Plötzlich fällt starker Nebel ein und verhindert jedes Weiterkommen. Ich nehme mein GPS zur Hilfe und stelle fest, dass wir etwas zu weit nach rechts

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abgedriftet sind. Wir warten eine Stunde, dann bessert sich die Sicht. Nach 6 Stunden dann unser Wendepunkt. Jetzt, so glauben wir, kann es nicht mehr weit bis zum Auto sein. Und wieder folgen km um km. Ich habe beim Hinweg gar nicht bemerkt wieviele Täler und Pässe wir durchschritten haben. Nicht nur mir, auch Helmut geht es so. Es dauert noch lange 3 Stunden ehe wir unser Auto betreten können. Müde, aber zufrieden, stoßen wir schmunzelnd auf unsere „Pensionistentour“ an und fragen uns: „Hon miar des i üserem Alter no nötig?“

Lichtstimmung am Nordkinn

Auch Tage nach der Tour bleibt uns der Wind noch erhalten


GPS-Aufzeichnungsdaten der Nordkinn-Tour Längen- und Breitenangaben sind im WGS84 Datum Geogr. Breite in Grad und Dezimalstellen 70.9891892 70.9901977 70.9901547 70.9912491 70.9924722 70.9930944 70.9948754 70.9952831 70.9958625 70.9975362 71.0001755 71.0004544 71.0011411 71.0013771 71.0030508 71.0032010 71.0045528 71.0057330 71.0069132 71.0069132 71.0079217 71.0081363 71.0088873 71.0092092 71.0099173 71.0104108 71.0112047 71.0125566 71.0133719 71.0140157 71.0141015 71.0145307 71.0148740 71.0156035 71.0164189 71.0177922

Geogr. Länge in Grad und Dezimalstellen 27.8035855 27.8013539 27.7971053 27.7883935 27.7815914 27.7793598 27.7742958 27.7731800 27.7723002 27.7697468 27.7602196 27.7595329 27.7585030 27.7580309 27.7519798 27.7512932 27.7458000 27.7416587 27.7368307 27.7368093 27.7345133 27.7334189 27.7305865 27.7288270 27.7256513 27.7226901 27.7197504 27.7141500 27.7096438 27.7050304 27.7029061 27.6906967 27.6861048 27.6747966 27.6656127 27.6591110

UTM Rechtswerte 529214.70 529132.09 528977.71 528659.43 528410.42 528328.41 528141.81 528100.68 528067.88 527972.72 527622.82 527597.48 527559.10 527541.62 527319.46 527294.31 527092.90 526940.85 526763.88 526763.10 526678.34 526638.31 526534.43 526470.09 526353.81 526245.62 526137.81 525932.66 525767.97 525599.63 525522.39 525078.54 524911.38 524499.91 524165.48 523927.77

UTM Hochwerte UTM Zone 7876384.74 7876496.13 7876489.31 7876607.21 7876740.41 7876808.76 7877005.02 7877049.97 7877114.17 7877299.64 7877589.61 7877620.41 7877696.52 7877722.62 7877906.54 7877922.98 7878071.28 7878201.05 7878330.52 7878330.51 7878441.97 7878465.42 7878547.93 7878583.06 7878660.64 7878714.40 7878801.67 7878950.02 7879039.04 7879108.87 7879117.55 7879160.31 7879196.70 7879273.46 7879360.70 7879511.28

35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W

Höhe in Metern 105.9 93.4 94.3 90.0 106.4 130.9 140.5 141.0 134.7 141.5 138.1 136.6 132.8 129.0 145.3 153.0 147.7 152.5 182.3 175.6 177.0 179.9 200.6 216.0 219.3 203.9 176.1 170.3 177.5 214.5 232.8 213.6 217.4 270.7 252.0 226.5

71.0189724 71.0210323 71.0218048 71.0227060 71.0230494 71.0233712 71.0255814 71.0271049 71.0328770 71.0344005 71.0367394 71.0393357 71.0405374 71.0419536 71.0442281 71.0445714 71.0456872 71.0476613 71.0490346 71.0516524 71.0550857 71.0596347 71.0606432 71.0622954 71.0655785 71.0668016 71.0679603 71.0699773 71.0740972 71.0753202 71.0801697 71.0821009 71.0824871 71.0841608 71.0853195 71.0869503 71.0891604 71.0907698 71.0910273 71.0910487 71.0915208 71.0922718

27.6564932 27.6533818 27.6507640 27.6474166 27.6466870 27.6461077 27.6399279 27.6381254 27.6339412 27.6305938 27.6267314 27.6201010 27.6208091 27.6204872 27.6168609 27.6170969 27.6172471 27.6178694 27.6214314 27.6259804 27.6282549 27.6352286 27.6363444 27.6382971 27.6418161 27.6429963 27.6455712 27.6485968 27.6572227 27.6588964 27.6629734 27.6624799 27.6601195 27.6566863 27.6539397 27.6527381 27.6508927 27.6472449 27.6466870 27.6460862 27.6459360 27.6434040

523831.32 523715.90 523619.95 523497.39 523470.50 523449.09 523222.21 523155.02 522996.46 522873.26 522730.47 522487.04 522511.35 522498.06 522363.99 522372.16 522376.34 522396.65 522524.19 522686.05 522764.51 523011.87 523051.11 523119.89 523243.47 523284.77 523376.63 523483.77 523791.10 523850.20 523991.85 523971.63 523885.76 523759.51 523658.75 523613.31 523543.91 523410.05 523389.56 523367.81 523361.82 523269.35

7879641.86 7879870.38 7879955.50 7880054.71 7880092.72 7880128.39 7880372.49 7880541.71 7881183.85 7881352.49 7881611.88 7881898.97 7882033.24 7882191.07 7882443.39 7882481.76 7882606.26 7882826.65 7882981.13 7883274.78 7883658.53 7884168.49 7884281.39 7884466.40 7884833.89 7884970.74 7885100.96 7885327.08 7885789.92 7885926.98 7886469.42 7886684.60 7886726.74 7886912.05 7887040.20 7887221.61 7887467.38 7887645.44 7887673.94 7887676.10 7887728.69 7887811.48

35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W

221.7 232.3 248.6 283.7 287.6 293.8 303.0 302.0 259.2 255.4 273.6 282.8 279.9 285.2 274.6 271.7 261.1 260.2 245.8 243.8 223.6 226.5 229.4 228.0 205.9 207.8 200.6 192.9 178.0 174.6 152.0 138.6 127.0 112.1 80.9 64.5 56.9 72.7 65.5 65.5 66.0 55.4

20


21

Geogr. Breite in Grad und Dezimalstellen

Geogr. Länge in Grad und Dezimalstellen

UTM Rechtswerte

71.0920143 71.0926366 71.0924649 71.0931301 71.0931301 71.0947609 71.0959196 71.0962415 71.0962844 71.0964561 71.0965848 71.0965204 71.0965633 71.0965633 71.0966492 71.0966492 71.0966706 71.0967779 71.0971212 71.0972714 71.0978508 71.0981568 71.0990524 71.0993080 71.1002522 71.1013461 71.1021408 71.1036716 71.1041436 71.1058855 71.1071184 71.1076866 71.1099588 71.1110741 71.1124385 71.1130343 71.1139870 71.1146744 71.1151307

27.6404428 27.6393056 27.6383829 27.6367092 27.6367092 27.6362371 27.6422024 27.6428461 27.6428676 27.6424384 27.6423955 27.6411724 27.6412368 27.6411080 27.6408720 27.6408291 27.6407647 27.6403570 27.6414514 27.6422453 27.6426744 27.6437266 27.6447129 27.6453109 27.6463106 27.6480691 27.6481354 27.6490828 27.6495535 27.6490470 27.6476034 27.6473180 27.6463509 27.6467116 27.6455024 27.6445644 27.6438546 27.6436030 27.6424427

523162.57 523120.71 523087.54 523026.23 523026.23 523007.25 523221.58 523244.48 523245.20 523229.48 523227.78 523183.63 523185.91 523181.25 523172.62 523171.07 523168.71 523153.85 523193.01 523221.53 523236.37 523274.04 523308.64 523329.95 523364.97 523427.23 523428.68 523461.10 523477.55 523457.16 523403.52 523392.52 523354.87 523366.58 523321.27 523286.67 523259.90 523250.00 523207.54

UTM Hochwerte UTM Zone 7887781.62 7887850.59 7887831.09 7887904.64 7887904.64 7888086.34 7888217.84 7888253.98 7888258.78 7888277.76 7888292.10 7888284.45 7888289.26 7888289.21 7888298.69 7888298.68 7888301.05 7888312.85 7888351.56 7888368.62 7888433.40 7888467.93 7888568.19 7888596.93 7888702.61 7888825.29 7888913.94 7889085.03 7889137.86 7889331.92 7889468.86 7889532.12 7889785.16 7889909.68 7890061.39 7890127.47 7890233.44 7890310.01 7890360.46

35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W

Höhe in Metern 46.3 45.8 46.3 46.3 37.6 40.5 44.8 48.2 51.1 40.0 43.4 30.9 17.9 13.6 16.0 3.5 14.6 5.9 2.5 4.9 10.7 3.0 11.7 7.3 8.8 13.1 15.0 12.6 18.4 3.5 15.5 21.3 15.0 16.0 -8.5 -8.5 -9.0 -7.1 -4.2

71.1154516 71.1156200 71.1157321 71.1163149 71.1173134 71.1187290 71.1212611 71.1218834 71.1220765 71.1223984 71.1231494 71.1232781 71.1235356 71.1245227 71.1265183 71.1270976 71.1271620 71.1276984 71.1277843 71.1279130 71.1279345 71.1278701 71.1280417 71.1281061 71.1281276 71.1284065 71.1287687 71.1288445 71.1289644 71.1290717 71.1296940 71.1299364 71.1301448

27.6427372 27.6435543 27.6441962 27.6458329 27.6475322 27.6487697 27.6497769 27.6504421 27.6507211 27.6508498 27.6503348 27.6503563 27.6506138 27.6506138 27.6524591 27.6524162 27.6520515 27.6512146 27.6508284 27.6496053 27.6493049 27.6486397 27.6483393 27.6478887 27.6477385 27.6468372 27.6478232 27.6477075 27.6473522 27.6472878 27.6481238 27.6496407 27.6494098

523217.80 523247.12 523270.17 523328.60 523388.78 523431.79 523465.14 523488.41 523498.25 523502.52 523483.02 523483.64 523492.63 523491.45 523555.68 523553.43 523540.19 523509.33 523495.29 523450.98 523440.11 523416.17 523405.12 523388.78 523383.33 523350.47 523385.63 523381.36 523368.39 523365.94 523395.37 523449.84 523441.25

7890396.36 7890415.46 7890428.20 7890493.82 7890605.85 7890764.19 7891046.98 7891116.64 7891138.29 7891174.23 7891257.79 7891272.16 7891300.97 7891411.05 7891634.33 7891698.92 7891705.96 7891765.46 7891774.89 7891788.77 7891791.05 7891783.61 7891802.64 7891809.64 7891811.98 7891842.74 7891883.51 7891891.92 7891905.16 7891917.10 7891986.83 7892014.45 7892037.60

35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W 35W

1.6 29.5 17.9 61.2 78.0 76.6 86.2 79.9 87.6 88.1 110.2 94.8 97.7 115.5 106.4 111.7 110.7 133.8 131.4 173.7 168.8 181.8 189.5 188.6 198.6 204.4 217.9 216.4 216.0 225.1 218.4 221.2 217.4

Diese Zahlen können für die direkte Übernahme ins GSPS-Gerät auch als Fugawi Wegaufzeichnung/Trackdatei per Email angefordert werden. Aufgenommen wurden dieser Track auf dem Rückweg mit dem Garmin GPSmap 76S, sind dann umgedreht worden und werden hier unverändert wiedergegeben. Die Höhenangaben sind relativ zu verstehen, da diese vom Luftdruck beeinflusst werden. Die erste Zeile der Tabelle gibt den Ausgangspunkt unserer Tour an (ca. 7 km südlich von Mehamn) und die letzte Zeile markiert den Gipfel des Nordkinn.


Dovrefjell - im Sommer zu den Moschusochsen Die Gegend um die Reinheim-Hütte war somit moschusochsenfrei. Sie hatten sich auf die südliche Seite - in die Nähe von Snøheim begeben. Wir hatten Glück und fanden sie zufällig ganz in der Nähe unseres Weges zum Gipfel.

In diesem Kapitel geben wir Ihnen eine kleine Hilfe, wie man diese urzeitlichen Viecher auf eigene Faust eventuell zu Gesicht bekommen kann. Obwohl der Nationalpark durch sein Blumenparadies bekannt ist, faszinieren uns hier besonders die aus der Eiszeit stammenden Verwandten des Mammuts. Wo kann man noch in freier Natur solchen Lebewesen begegnen? Diese aus Grönland stammenden Urviecher waren in Europa ausgestorben. Eine kleine Herde von 35 Tieren wurde hier 1945 ausgesetzt. Ihre Größe und ihr Aussehen lassen den Besucher staunen. Sie schauen nicht nur unheimlich aus, sie können es auch sein. Es empfiehlt sich ein Sicherheitsabstand von 200 m einzuhalten. Diese mehrere 100 kg schweren Pflanzenfresser können sehr schnell und durchaus gefährlich sein. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, nicht Kongsvoll als Ausgangspunkt

zu wählen, sondern südlich davon in Hjerkinn abzuzweigen. Über eine Mautstraße vom Militär gelangt man bis zu einem Parkplatz, kurz vor der Snøheim-Hütte. Hier endet die genehmigte Zufahrt, obwohl die Straße noch weiterführt. Zuerst wollten wir an diesen Tag nur auf den Gipfel des Snøhetta (2.286 m), aber die Moschusochsen drängten sich geradezu auf. Grundsätzlich gilt, dass es in der Gegend rund um Snøhetta, im besonderen auf dem Wanderweg von Kongsvoll zur Reinheim-Hütte, im Kaldvelldalen und im Strølådalen mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Begegnung mit diesen zotteligen Urzeittieren kommen soll. Von Wanderern haben wir erfahren, dass diese Tiere in diesem Jahr eine Verlagerung des Aufenthaltsortes ins Nachbartal vollzogen haben.

Oft sind die Tiere nur schwer auszumachen. Meist liegen sie auf Schneefeldern oder grasen in der Nähe. Mit einem Fernglas ausgerüstet erspart man sich das Abwandern sämtlicher Schneefelder. Die Chance sie formatfüllend zu Gesicht zu bekommen ist um ein vielfaches größer und weniger gefährlich. Die Tiere sehen nämlich schlecht und bei Gefahr überrennen sie alles was Ihnen im Wege steht. Wir konnten uns auf einem gegenüberliegenden Hügel bis auf etwa 50 m Luftlinie nähern, ohne dass die Tiere unruhig wurden. Schutz würde man in dieser baumlosen Gegend kaum finden und Risiko wollten wir mit unserer Tochter Nicole auch keines eingehen.

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Dovrefjell - im Winter zu den Moschusochsen Eine Alternative der Besonderen Art ist die Begegnung mit diesen Wildtieren im Winter. Die Gegend ist bekannt für eisige Kälte und stürmisches Wetter. Wahrscheinlich auch deshalb fühlen sich diese Zotteltiere hier in dieser Abgeschiedenheit so richtig wohl.

ben, da glaube ich gesehen zu haben, dass sich die vermeintlichen Steine bewegten. Und da Helmut auch keine besser Idee hat gehen wir wortlos in diese Richtung.

Es ist schon bewundernwert, wenn man bedenkt, dass diese mächtigen Grasfresser den ganzen Energiebedarf aus ein paar Grashalmen bestreiten können. Wir Menschen müssen uns mit Daunenkleidung, Überhosen, Handschuhen, Mützen, Winterschuhen und warmer Unterwäsche ausrüsten. Diese Tiere kommen ohne zusätzliche Hilfsmittel aus und fühlen sich scheinbar auch noch wohl dabei. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich mit Helmut im Winter bei Sturm diese Tiere verzweifelt gesucht und nur mit viel Glück auch gefunden habe. Ohne jede Bewegung lagen sie auf einem abgeblasenen Grat zwischen großen Steinen, dem Sturm ausgesetzt und waren aus der Ferne nicht von den Felsen zu unterscheiden. Erst als wir auf 300 m heran waren, waren wir uns gewiss, dass es diesmal keine Steine, sondern diese grandiosen Überlebenskünstler sind.

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weil es hier auch geführte Touren zu diesen Tieren gibt. Ich entschied mich dann für den Gemütlichsten, der auch ohne das Auffinden dieser Tiere für uns interessant sein würde. Die Militärstation vom Sommer kam dafür nicht in Frage. Zu umständlich und weitläufig wäre die Suche verlaufen. So entschied ich mich für die übliche Sommer-Moschusochsen-Tour. Sie startet direkt in der Kongsvoll-Fjellstue - die übrigens auch im Winter geöffnet ist - und führt Richtung Hestgjeter-Hytta. Anfangs geht es stetig bergauf, nach 1 - 1 ½ Std. wird es flacher, links ein Ausläufer vom Snøhetta, rechts flache Hänge, die zu abgeblasenen Graten führen.

Am Grat wird der Sturm immer beißender. Es ist kaum noch möglich sich auf den Beinen zu halten, geschweige denn das Objektiv zu wechseln. So benutzte ich mein 200er Tele als Dauerobjektiv. Um aber ein halbwegs formatfüllendes Bild zu erhalten müssen wir uns bis auf 20 m herankommen. Wie Indianer schleichen wir uns an und freuen uns über jeden Meter. Fast wären wir mit “Suchbildern” abgefahren, als sich dann ein Tier doch noch entschließt aufzustehen und sich für uns in Pose setzt. Naturfotografen habens manchmal schwer.

Infos: Literatur:

Naturwanderführer von Peter Mertz - Bruckmann Verlag

Landkarte: Staatskarte Blatt 1519 IV, Snøhetta Staatskarte Blatt 1519 III, Knutshø Ausgangsort im Sommer:

Hjerkinn / E6

Bevor wir loszogen, versuchte ich in Kongsvoll Informationen über mögliche Aufenthaltsorte einzuholen.

Es stürmt derart, dass wir wie in einem Nebel aus Schneekristallen stehen und nur wenige Meter weit sehen. Das Fernglas haben wir deshalb gleich im Auto gelassen, was die Suche aber nicht erleichtert.

Ausgangsort im Winter:

Kongsvoll / E6

Gehzeit:

ca. 4 - 5 Std.

Man gab man uns ca. 10 Standorte an, vielleicht

Angesichts des Sturmes will ich schon fast aufge-

Tipp:

Fernglas mitnehmen, Sturmkleidung


Tipps für Fotografen: Insel Runde - bei den Papageientauchern Vögeln diese Insel beheimaten und es war fast kein Vogel zu sehen. Ausgerüstet mit Tele-Objektiv, Fernglas, Stativ und unzähligen Filmen kehrte ich enttäuscht zum Auto zurück.

Sie schauen niedlich aus und sind auf jedem Prospekt formatfüllend abgebildet. Also kann es doch nicht schwierig sein, diese in voller Größe in den Fotoapparat zu bringen. Leider falsch gedacht, wenn man nicht weiß wann, wie und wo. In natura schauen diese putzigen Tierchen mit ihren roten Füßen kleiner aus als erwartet. Um so schwieriger ist es auch sie entsprechend groß abzubilden. Fast alle Vorkommen befinden sich auf Inseln. Aber nicht überall ist es erlaubt hinzugehen. Auf der Insel Runde ist dies relativ einfach möglich. Die Wanderung haltet sich in Grenzen, d. h. man kann schon mal etwas mehr an Gepäck mitnehmen und wenn man Glück hat, kommt man auch bis auf wenige Meter an sie heran. Beim ersten Mal war ich enttäuscht. Es sollen doch hier 100.000e Paare von verschiedensten

Erst als mir die Einheimischen erklärten, dass die Tiere nur am Abend zu sehen sind und sich untertags auf dem Meer aufhalten, war es möglich brauchbare Bilder zu machen. Neben Papageientauchern findet man hier auch Baßtölpel, Trottellumen, Tordalke, Kormorane und viele andere Arten. Wer erst im August kommt, ist vermutlich zu spät dran, die beste Jahreszeit ist von Mitte Juni bis Mitte Juli. Später im Jahr werden es immer weniger bis gar keine mehr da sind. Da wir erst am 20. Juli hier eintreffen, ist die Auswahl schon sehr bescheiden. Um diese Jahreszeit scheint die Sonne den ganzen Tag vom Himmel. Der Begriff Abend ist also relativ zur Tageszeit zu verstehen. Vor 22 Uhr spielt sich nur wenig ab, um 23 Uhr ist es dann bei mir so richtig lebendig geworden. Die Eltern-Vögel kommen vom Meer her mit Fisch im Maul angeflogen und fliegen direkt zu Ihrem Bau, in dem sich die Jungen aufhalten. Es empfiehlt sich daher, die Eingänge zu ihren

Nestern schon vorher ausfindig zu machen. Man erkennt diese an kleinen Löchern in den Grassteilhängen, oft unterhalb von hervorspringenden Felsen. Meist ist auch der Kot bei den Einfluglöchern ein sicheres Zeichen dafür. Die Vögel brüten in unterschiedlichen FelsEtagen, wobei die Papageientaucher die oberste bewohnen. Diese befinden sich meist in sehr, sehr steilem Fels- und Grasgelände, die übergangslos in Felsklippen übergehen. Ein Ausrutscher hätte meist tödliche Folgen. Gutes Schuhwerk ist in diesem Gelände unbedingt Pflicht. Das Gelände sollte nur von erfahrenen „Berglern“ angegangen werden. Die Vorschriften und Hinweisschilder zum Schutze der Vögel sollten dabei auf jeden Fall eingehalten werden.

Infos: Literatur:

Naturwanderführer von Peter Mertz - Bruckmann Verlag

Landkarte: samt Lageplan soll es im Kiosk-Camping von Goksøyr geben Ausgangsort: Goksøyr auf der Insel Runde Gehzeit:

ca. 3 Std.

Tipp:

Fernglas mitnehmen, Bergschuhe! Auch starten mehrmals täglich Bootstouren, Abfahrtszeiten am Kiosk

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Svartisen NP - Alpe Granneset - Hängebrücken-Wanderung Besucher, dass dies auch so bleiben möge. Wir benutzten zwar das Matratzenlager, brauchen aber sonst nichts und hinterlassen die Hütte in dem gepflegten Zustand wie wir sie angetroffen hatten. Manche der An- und Abstiege sind steil und bei Nässe rutschig. Es bewähren sich dann immer die alten Gummistiefel, die hier im Norden sowieso in jedes Reisegepäck gehören. Trotz Nähe zum Polarkreis ist hier die Landschaft urwaldähnlich, es hat viele Rinnsale und Bäche. Der Name Gran bedeutet Fichte und weist auf den Fichtenwald hin. Dieser soll das nördlichste Vorkommen in ganz Norwegen sein.

Infos: Literatur:

Auf dem Weg in den Norden gibt es an der E6 zahlreiche Möglichkeiten Norwegen näher kennenzulernen. Eine Möglichkeit ist es, eine verlassene Alpe zu besuchen, die jedermann offen steht. Der Weg dorthin führt über mehrere, teils imposante Hängebrücken. Das Ziel ist Granneset.

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Unsere Tochter Nicole war derart begeistert von der Alphütte, dass wir eine Übernachtung einlegten, obwohl wir weder den nötigen Proviant noch Schlafsäcke oder sonstwas dabei hatten.

Naturwanderführer von Peter Mertz - Bruckmann Verlag

Die Alpe Granneset ist voll eingerichtet. Sie scheint aber nicht überlaufen zu sein. Das, obwohl die Hütte mit Geschirr ausgestattet ist, einen Ofen zum Heizen hat, sich ein kleiner Garten vor der Tür befindet, Matratzen vorhanden sind, die Wanderung zur Alpe schon abwechslungsreich ist und am nächsten Tag ins Tal oder auf einen Gipfel fortgesetzt werden kann. Und zudem ist alles kostenlos.

Landkarte: Staatskarte 1:50.000, Blatt 2028 II, Bjøllådalen

Gehzeit:

ca. 4 - 5 Std.

Die Norweger scheinen mit dieser offen gelassenen Hütte keine schlechte Erfahrungen gemacht zu haben und ich appelliere an alle

Tipp:

Bergschuhe oder Gummistiefel Proviant + Schlafsack, wenn übernachtet werden soll

Ausgangsort: 1 km vor dem Rastplatz in Storvollen an der E6, 45 km nördlich von Mo i Rana, kurz vor dem Polarkreis


Floßfahrt auf dem Klarälven das ganze Floß nicht mal eine Aktentasche trug. Selbst das Gewicht unserer Tochter mit knapp 20 kg Gewicht ließ unseren Prototyp untergehen als ob es auf Stein gebaut wäre. 3 Lagen Holzstämme und ein Bretterboden waren entweder nicht genug oder aber wir verwendeten das falsche Holz.

Wer träumte nicht schon mal davon wie Huckle Berry Finn seine Abenteuer zu erleben? Leider sind unsere Flüsse immer mehr verbaut und reguliert worden. Freie Fahrt ohne Staumauer, Wasserfälle, künstlichen Begradigungen, Uferverbauungen und das auf über 100 km sind in Europa selten. Aber gerade das gibt es noch in Südschweden. Ein paar Kilometer oberhalb von Sysslebäck fanden wir einen Platz direkt am Fluss, wo wir unsere Träume verwirklichen konnten. In einem alten Führer steht noch, dass genügend Baumaterial für den Floßbau herumliege. Das mag vor vielen Jahren gewesen sein. Heute ist dem leider nicht mehr so. Und so gestaltet sich der Bau eines selbstgezimmerten Floßes denn schwieriger als geplant, im speziellen betrifft dies die Suche nach geeignetem Holzmaterial. Nach einer Woche harten Einsatzes - es standen nur eine Hand-Bogensäge und ein Beil zur Verfügung - musste ich feststellen, dass

Wie wir später feststellten, war letzteres der Fall. Erst der beharrliche Wunsch meiner Tochter dieses Projekt noch einmal zu probieren, ließ mich mehrere Wochen später noch einmal anfangen. Diesmal wurde nicht einfach das herumliegende Holz verwendet, sondern erst mal standen umfangreiche Tests auf dem Programm. Welches Holz schwimmt besser, hat den größeren Auftrieb und sauft sich weniger an? So schieden bald Birke und andere Harthölzer aus. Zur Verfügung standen noch Fichte und Föhre. Beides schwamm gut und wenn genug Lagen vorhanden waren, müsste es uns alle tragen, wie wir meinten.

Reinigen der Polstermöbel beschäftigt wie für die Transporte. Wie sich später herausstellte, hatte sich der Aufwand diesmal aber gelohnt. Nach gut einer Woche war unser 3 x 3 m kleines Floß zur Abfahrt bereit. In der Bauphase regnete es tagelang. Kaum fertig, schien die Sonne und unserem Vorhaben, eine Woche lang den Klarälven gemütlich hinunter zu schippern, stand nichts mehr im Wege. Als Sonnen- und Regenschutz bauten wir unser Zelt drauf, eine kleine Veranda ließ sich zum Sonnen und Gegendanschauen nutzen. Wir ließen dabei offen, ob wir auf dem Floß oder irgendwo an Land gingen um unser Nachtlager aufzubauen. Die erste Nacht musste es logischerweise auf dem Fluss sein. Das leichte Schaukeln wog uns ungewohnt, aber nicht unangenehm in den Schlaf. Dann fanden wir eine kleine Wiese, direkt am Fluss. Von hier waren wir in 5 Minuten zu Fuß im nächsten Dorf. Ein Hinweisschild am Ufer machte

Wir fanden nach langer Suche einen alten Kahlschlag in der Nähe, bei dem noch so einiges an Holz rumlag und der Besitzer uns die Erlaubnis zur Nutzung gab. Wieder dauerte es Tage bis wir das Holz zur Einsatzstelle transportiert hatten. So viel wir reinbrachten wurde in das Wohnauto gepackt. Unser Wohnmobil glich in ein paar Tagen eher einem Müllauto als einem Campingmobil. Claudia war anschließend gleich lang am

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Fortsetzung der Floßfahrt auf dem Klarälven uns aufmerksam, dass es in der Nähe eine Einkaufsmöglichkeit gibt. Mit 3 - 4 km/h Geschwindigkeit, herrlichem Wetter und allem an Bord was wir brauchten, kam in den folgenden Tagen kein Stress auf. Der Klarälven durchläuft zwar nicht menschenleeres Gebiet, aber vom Fluss aus sieht und hört man fast nur Natur. Ganz selten taucht mal eine Brücke auf und erinnert daran, dass nicht weit vom Fluss entfernt eine Straße verläuft. Diese stört die Floßfahrt kaum. Im Gegenteil, die Straßennähe macht das Ganze auch etwas unkomplizierter. Hat man keine Lust mehr, kann man so jederzeit aufhören und mit dem Postauto kommt man bequem zum Ausgangsort zurück. Wir wollten so lange auf dem Floß bleiben, so lange wir richtig Spaß hatten. Die ersten 2 Tage vergingen wie im Fluge. Noch müde vom Holzschleppen und -sägen freuten wir uns über ein paar Tage des Nichtstuns. 27

Im obersten Teil konnten wir vom Floß aus Biber und Elche

beobachten, sprangen, wenn´s uns zu warm wurde, ins kühle Nass oder ließen uns einfach nur die Sonne auf den Bauch scheinen. Nach 5 Tagen hatten wir das Gefühl jetzt wieder mal was anderes erleben zu wollen und kamen gerade an einem Campingplatz vorbei.

Claudia hatte da so eine Idee und sagte, sie wolle hier aussteigen und mal schauen gehen. Eine Stunde später kam sie mit 2 Urlaubern zurück und führte Ihnen unser Floß vor. So wechselte für 350,-- Euro das Floß den Besitzer und wir hatten das Gefühl, dass sich die Arbeit nun zweimal gelohnt habe.


Skjomendalen und Gautelifjell - als ob die Eiszeit erst gestern gewesen wäre -

Von Süden kommend, zweigt 18 Kilometer vor Narvik, nach der imposanten Brücke über den Skjomenfjorden, eine winzige, gewundene Straße ins Skjomendalen ab. Jede Kurve schein uns ein Jahrhundert weiter in der Zeit zurückzuführen. Am Ende des Skjomenfjorden sind wir fast in der Eiszeit. Von Gletschern glattgeschliffene, nackte Granitplatten umgeben uns. Runde kahle Felshügel, wie ruhende Dinosaurier, die jederzeit aus ihrem Schlaf erwachen könnten. Noch hat es kaum eine Vegetation geschafft Fuß zu fassen. Ganz einzeln sprießen in den Felspalten zarte Gräser. Flechten bedecken die ungeschützte Haut der Erde. Um so erstaunlicher erscheint es uns, dass einzelne,

vom Sturm verkrümmte Föhren bis zu stattlichen Größen herangewachsen sind.

Der türkisfarbene Fjord umspült mit 2 Armen diese Urlandschaft. Zwischen seinen Armen eingebettet liegt der Gipfel des Skjomen Idrettslag. Der Gipfel ist von verschieden Seiten aus weglos ersteigbar. Der Aufstieg führt über glatte Felsplatten. Wir haben unsere Tochter Nicole dabei ans kurze Seil genommen, denn wer da ins Kollern kommt... Die Platten sind großteils mit verschiedensten Flechten-Mustern überzogen, bei Trockenheit ein faszinierender Anblick, bei Nässe die Garantie für eine Rutschpartie. Das Gipfelerlebnis ist einmalig. Eingebettet in die sanftgewellten Granitplatten liegen glasklare Seen, in denen sich die Gletscher des benachbarten Frostisen spiegeln. Unter

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Fortsetzung von: Skjomendalen und Gautelifjell Tümpeln, Seen und Wollgrasfeldern, Samiland – Rentierweiden von Alters her. Diese Urlandschaft zieht nicht nur Rentiere, sondern auch Fischer und Wanderer an. Der Nordkalottleden, ein Wanderweg mit einer Gesamtlänge von 800 Kilometer, führt durch dieses einsame Gebiet. Von hier aus sind verschiedenste Touren mit Hüttenstützpunkten möglich.

Infos: Der Wanderführer Nordskandinavien von Peter Bickel ISBN 3-85862-150-1

uns, auf beiden Seiten des Berges, die tiefblauen Arme des Fjords und im Hintergrund die Weiten des Gautelifjells. Wir genießen das Gipfelschwimmbad in vollen Zügen, die Granitplatten wirken als Wärmespeicher, während das kühle Wasser für die nötige Erfrischung sorgt.

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Auf den Hauptgipfel des Skjomen Idrettslag sind es vom Meer aus ca. 3 Stunden Aufstieg. Wen das Auto nicht reut, der kann einen Großteil der Höhe über eine schlechte Schotterpiste abkürzen. Dazu fährt er am rechten Fjordarm weiter, bis

eine steile, extrem schlechte Schotterstraße links abgeht. Wenn es das Auto überlebt hat, erreicht man herrliche Schlafplätze und einen deutlich höheren Ausgangspunkt. Für Liebhaber einsamer, karger Landschaften bietet sich ein Abstecher ins Gautelifjell an. Am Ende des nördlichen Fjordarms führt eine Schotterstraße weit bis ins Fjell hinauf, bis zum Gauteli See. Eine baumlose Hochebene erstreckt sich soweit das Auge reicht. Kahler Granit in freundlich runden Formen, durchsetzt von kleinen


Reisaelva - Ideale Kanutour für Familien

Viele Flüsse Norwegens bestehen aus langen, strömungslosen Abschnitten (sogenannten Selstrecken), die von einzelnen Stromschnellen unterbrochen werden. Besonders in Finnland und Schweden laden ganze Seenketten zu Rundtouren ein, doch Flüsse mit flotter, durchgehender Strömung - im Schwierigkeitsbereich 1-2 - sind in Lappland Mangelware. Eine der Ausnahmen ist der Reisaelva. Er bietet auf ca. 30 Kilometern eine Fahrt in flotter Strömung. Kurven und Kiesbankschwälle sind die einzigen Hindernisse. Der Schwierigkeitsgrad von 1-2 ist, ebenso wie die Strömungsgeschwindigkeit, stark vom Wasserstand abhängig.

Durch das breite U-Tal zieht der Reisaelva in vielen Windungen von den schroffen Bergen bis zum Meer. Sein glasklares Wasser sucht sich seinen Weg im breiten Kiesbett. Weite, unbebaute Ufer und Kiesbänke laden zum Übernachten ein. Die Straße ist nie weit weg, sie wäre im Notfall immer zu Fuß erreichbar, doch ist sie durch einen Wald- und Buschgürtel so vom Fluss getrennt, dass man sie meist weder hört noch sieht. Durch seine leichte Zugänglichkeit, seine Ungefährlichkeit, die landschaftliche Schönheit und die vielen Übernachtungs-Möglichkeiten am Fluss ist der Reisaelva ideal für mehrtägige Familientouren – vielleicht auch als Einstiegstour für größere Nordland-Unternehmungen.

Aber Achtung: durch die Öffnung zum Meer hin ist das Tal sehr windanfällig. In der letzten großen Flussschleife vor der Auswasserungsstelle wird das Wasser fast strömungslos (vor allem bei einsetzender Flut). Kommt dann noch der nachmittägliche Gegenwind dazu, sind gute Muskeln und viel Ausdauer gefragt. Der Reisaelva kann auch in verschiedenen Teilabschnitten befahren werden, die Straße und damit auch das Wohnmobil, ist nie weit vom Fluss entfernt.

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Fortsetzung Reisaelva Info:

Tipp:

Kanu DKV-Auslandsführer Skandinavien

Es gibt noch eine andere Alternative ganz in der Nähe für eine kurze, spritzige Tour, den Divielva. Wir konnten ihn in keinen Führer finden. Es ist ein kleiner Nebenbach des Malselva. Auf rund 20 Kilometern bietet er glasklares Wasser, mit teilweise schneller Strömung, in total unberührter Landschaft im 2. Schwierigkeitsgrad.

Zufahrt: Der E6 bis ca. 170 Kilometer südlich von Alta folgen. Bei Storslett quert die E6 den Reisaelva. Am nördlichen Flussufer der Straße ins Reisadalen folgen. Bei Potka quert die Straße zum ersten Mal den Fluss. Hier ist eine Einwasserung möglich, jedoch kein Autoabstellplatz, besser bei der nächsten Brücke oder wie im DKV Führer beschrieben, noch weiter im Tal (wir haben diese Einsatzstelle jedoch nicht gefunden). Die Auswasserung liegt direkt an der E6, bei der Touristinfo von Storslett, hier ist auch der Busfahrplan erhältlich, es gibt nämlich einen Bus ins Reisadalen, doch der fährt nicht täglich. Autostop kann auf Grund des geringen Verkehrsaufkommens sehr mühsam sein.

Zufahrt: Etwa 120 Kilometer nördlich von Narvik, zweigt von der E6 die Straße Nr. 87 ab. Dieser Straße ca. 40 Kilometer weit bis kurz vor Overgard folgen. Hier zweigt rechter Hand die Straße ins Dividalen ab. Linker Hand Zufahrt zu Häusern und vermutlich zum Fluss möglich, hier auswassern oder 10 Kilometer weiter bei einer Brücke (unserer Auswasserungsstelle) oder statt auszuwassern die Kanutour auf dem Malselva fortsetzen, diesen wiederum findet ihr im Kanu DKV – Auslandsführer Skandinavien. Um zur Einwasserungsstelle zu kommen weiter der Straße ins Tal folgen. Die zuerst auf der rechten Talseite verlaufende Straße wechselt nach ca. 20 Kilometern auf die linke Flussseite. Bei der Brücke Kiesbank und ideale Einsatzstelle. Es lohnt sich noch ein kleines Stück weiter der Straße flussaufwärts zu folgen um die enge Schlucht des Nedre Divi foss zu bewundern.

31 Claudia auf dem Divielva

kurz nach der Einsatzstelle beim Divielva


Einsame Kanutour auf dem Ivalojoki Noch vor wenigen Jahren war diese Tour absolut einsam, heute tummeln sich immer mehr Kanuten auf dieser Strecke, sodass man sogar mit Hilfe spekulieren könnte. Aber eben nur spekulieren, denn Handyempfang gibt es so gut wie keinen. In 2 Tagen haben wir mit Freunden von daheim einen Treffpunkt in Kuttura vereinbart und so nutzen wir die Zeit den Fluss hier heroben kennen zu lernen.

Der Ausgangspunkt heißt Lisma. Wer hier beginnt, hat eine der schönsten und einsamsten Kanutouren Europas vor sich. 4 Tage lang Kanu pur. Die erste Etappe bringt uns auf dem Lismajoki - kaum viel breiter als das Kanu - zum Ivalojoki, der zwar noch weiter oben entspringen würde, aber keine Zufahrtmöglichkeit mehr hat. Nach wenigen Kilometern ist unser Fluss erreicht. Hier heroben ist er noch schmal, bringt aber genügend Wasser mit sich. Auch technisch sind die Schwierigkeiten am Anfang etwas geringer, hängen unter anderem aber stark vom Wasserstand ab. Wir sind im Herbst unterwegs und der Wasserstand hat seine Tiefstmarke erreicht. Die Wasserwucht hält sich in Grenzen, es müssen dafür um so mehr Steine umschifft werden. Der Ivalojoki zählt zu den Schwarzwasser-

Flüssen, d.h. das Wasser ist dunkel und die Steine sind schwarz. Oft sind die Steine kaum auszumachen, speziell, wenn sie nur knapp bis unter der Wasseroberfläche reichen. Claudia befährt die erste Etappe bis zur Straßenkreuzung südlich von Ivalon Matti allein, während ich mit Nicole das Auto dorthin bringe. Hier könnte man ebenfalls einsetzen, verschenkt aber eine ideale Strecke zum Eingewöhnen. Nur wenige Koskis, wie hier die Stromschnellen genannt werden, bremsen die Kanufahrt. Diese treten nicht oft, aber doch mit einer gewissen Regelmäßigkeit auf. Sie überschreiten nie den 2. bis 3. Schwierigkeitsgrad, können aber bei einem vollgeladenen Kanu, bei fehlender Routine oder Unachtsamkeit, schnell zum Kentern führen. Wer dann noch alle Sachen und das Kanu wieder einsammeln kann, kann ja die Fahrt fortsetzen.

Da ich am nächsten Tag das Ruder übernehmen darf, trifft es Claudia das Auto zum Treffpunkt zu fahren. Während ich ca. 25 km allein auf dem Fluss unterwegs bin, muss Claudia über 100 km weit fahren, bis wir uns wieder treffen. Kuttura besteht aus 5 Häusern und liegt sehr abgeschieden in den finnischen Wäldern. Hier hat man seine Ruhe, vielleicht mehr als einem lieb ist. Als Treffpunkt ideal mit Parkplatz und Toilette direkt am Fluss gelegen. So braucht Claudia hier nur zu Parken und ich kann unseren 3 m hohen Bus nicht übersehen. Erst spät am Abend treffe ich ein. Massiver Gegenwird hat mir schwer zu schaffen gemacht. Da ich allein unterwegs bin, ist es viel schwieriger Kurs zu halten und Fahrt zu machen. Die Strömung nimmt kurz vor den Stromschnellen zu und verlangsamt sich dann zusehends immer mehr, sodass der Wind volle Arbeit leisten kann. Nicht alle Koskis sind von vornherein gut einzusehen und so gesehen, hatte ich wohl auch ein bisschen Glück, immer die richtige Fahrrinne auf Anhieb erwischt zu haben.

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Fortsetzung der Kanutour auf dem Ivalojoki Wie vereinbart, treffen einen Tag später unsere Freunde ein. Ab jetzt sind wir mit 3 Booten unterwegs. Die Ernsthaftigkeit lässt nach und macht einer unbändigen Freude Platz. Wir haben nicht genug Boote für alle und so teilen wir uns auf. Während Claudia mit den Kollegen die nächste Etappe fährt, organisiere ich den Fußmarsch zu unseren Freunden, die wir am Abend treffen wollen. Ein Stück weit können wir mit den Auto in die Nähe fahren, die letzten 10 km sind Fußmarsch angesagt. Der manchmal ausgetretene Weg führt vorbei an Goldgräberstellen - wo ganze Anlagen vor sich hinrosten - aber auch teilweise noch in Betrieb sind. Auf einem eingerichteten Lagerplatz mit Feuerholz plaudern wir mit unseren Freunden noch lange in die Nacht hinein über die gefahrenen Flusskilometer und mutmaßen über die Koskis, die da noch kommen werden. Nach der gemeinsamen Übernachtung gibt es wieder einen Schichtwechsel in den Bootsbesatzungen. Diesmal darf Claudia mit Tochter und 2 unserer Damen zurück zum Auto wandern und das Auto überstellen.

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Auch auf der nächsten Etappe versprechen einige dieser Koskis brodelndes Wildwasser in tiefen Schluchten. Die Tiefe der Schluchten war dann doch nicht so beeindruckend, wenn man aus den Alpen kommt, aber 500 m lange Koskis mit rechtem Gefälle forderten schon unsere ganze Aufmerksamkeit.

Kurz vor Schluss - als wolle sich der Fluss noch einmal von seiner besten Seite zeigen - war für mich der wohl längste und beeindruckendste Koski von der ganzen Strecke. Dietmar - mein Namenskollege - fuhr ohne anzulanden oder vorher anzuschauen in diesen ein und wir folgten ihm in entsprechendem Abstand. Die Wellen waren hoch, der Weg durch die Steine verwinkelt, aber halbwegs gut einzusehen. Kurz vor dem Auslauf ins ruhigere Gewässer noch zwei 90 Grad Kurven eng zwischen hohen Steinen durch und wir hatten es geschafft. Wir hatten uns am Abend viel zu erzählen und alle waren sich einig, die lange Anreise aus Österreich hatte sich auf jeden Fall gelohnt. Für dieses Mal sagen wir Dankeschön. Wir werden sicher wiederkehren. Die Tour wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Infos: Landkarten:

von Genimap(.fi) Lemmen-Joki 1:100.000 ISBN: 951-593-822-8 reicht von Lisma bis Kuttura und von Karttakeskus(.fi) Hammas-Tunturi - Saariselka 1:100.000 ISBN: 951-593-595-4 reicht von Kuttura bis Ivalo

Charakter:

abgelegener Wildfluss im 1. bis 3. Schwierigkeitsgrad; gesamt 4 Tage; kein HandyEmpfang; gut zum Campen


Nacht-Sonne