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WW MAGAZIN Nr. 5 OKTOBER / NOVEMBER 2016

Netzwerker

Kommunikator Walter De Gregorio ist wieder da – und schreibt, wie man Kontakte pflegt

SCHUSTER, BLEIB

NICHT BEI DEINEN LEISTEN

Eine ganze Ausgabe darüber, wie CHRISTIAN LOUBOUTIN und andere Unternehmer neue Geschäftsfelder betraten und in ungeahnte Höhen aufstiegen. Oder mit anderen Worten: wie sie mit Innovation Erfolg hatten

SAISON-TRENDS

Smarte Objekte, Mode, Kulinarik, Kunst und Holzbau

Fr. 6.50


Innenbetrachtung  Editorial

Bild: HUGUES LAURENT

Wie er das geschafft hat Sein Plan sei ­es ­gewesen, ­keinen Plan zu ­haben, sagt er, ­unter anderem. Nicht ­jeder ­ENTREPRENEUR ist so bescheiden. Nur die ­erfolgreichen können sich das erlauben. Und z­ ugeben, dass es n ­ eben ­Talent, Fleiss und der richtigen Idee auch Für diese Ausgabe ­haben ­ ouboutin wir uns mit ­Menschen ­­­unter- Glück braucht. L ­hatte Glück, dass er die Zeit ­ halten und uns mit ­Firmen befasst, ­denen ­aussergewöhn- erwischte, in der es ­üblich liche ­Leistungen ­geglückt sind wurde, 500 oder 1000 ­Franken für ein Paar Schuhe respektive d ­ eren Geschäftsauszugeben. Oder war er ­ modelle auf N ­ euheiten, auf mitverantwortlich, dass es ­Innovationen fussen. Meine ­Kollegin Marianne Eschbach diese Zeit gab und gibt? Ich etwa hat ­Christian ­Louboutin wünsche Ihnen viel Spass in Paris getroffen und ­­erfah- beim ­Lesen ­des Gesprächs ren, wie er aus ­seinem ­Ein- und der a­ nderen Artikel auf den ­folgenden ­Seiten. Mann-­Atelier, in dem er ­ chuhmodelle entwarf, eine Und ich wünsche I­ hnen Glück. S international ­aufgestellte Lifestyle-­Marke ­machte. Rote Sohle, hoher Absatz, höherer Preis – oder wie Christian Louboutin es ­ geschafft hat, dass ihm die Bewohnerinnen der Modewelt zu Füssen liegen.

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Oktober / November

Nr. 5 2016


Innenbetrachtung  Mitarbeiter dieser Ausgabe

1) WALTER DE GREGORIO

3 ) CAROLE BOLLIGER

Unser Mitarbeiter ist Journalist, was nichts Besonderes ist, wenn man jemanden vorstellt, der ­einen Artikel für eine Zeitschrift ­geschrieben hat. Aufgefallen und bekannt geworden aber ist der 51-­Jährige, der S ­ chweizer und italienischer Staatsbürger ist, als Kommunikationschef der Fifa, der er bis vergangenes Jahr war. Spätestens sein Auftritt ohne den ­damaligen ­F ifa-Präsidenten ­Joseph B ­ latter vor hundert Journalisten aus der ganzen Welt – nachdem hohe F ­ ifa-Mitglieder in einem Hotel in Zürich verhaftet worden waren – hat ihn ­bekannt gemacht. Jetzt meldet sich De Gregorio, der V ­ ater von drei Kindern ist und in Zürich lebt, zurück: Er hat ein Beratungs­unternehmen gegründet. Wer sich seine Dienste nicht leisten kann oder mag, liest bei uns, wie man ein Netzwerk aufbaut, pflegt und nutzt. Seite 14.

Das Holzhaus, Pardon: das nachhaltig gebaute Holzhaus, über das unsere Mitarbeiterin schreibt, steht im Allgäu. Doch der Weg zum Haus führt vorbei am Zürcher Bahnhof Tiefenbrunnen – dort hat der Schweizer Designer Alfredo Häberli sein Atelier. ­Richtig gelesen: Für das Einfamilienhaus mit Stöckli ist kein A ­ rchitekt verantwortlich, sondern ein Produkt-­ designer, der in der Vergangenheit etwa mit Entwürfen für Gläser oder Kinderzimmervorhänge aufgefallen ist. Was sich der ­Designer und seine Auftraggeberin, die ­Geschäftsführerin des ­deutschen Serienhausbauers Baufritz, d ­ abei gedacht h ­ aben, e­ rfahren Sie ab Seite 34. ­Carole Bolliger gibt mit diesem Artikel ihren E ­ instand in unserer Zeitschrift. Sie wohnt in Oberrieden und arbeitet als freie J­ ournalistin etwa für die ­Zürichsee-Zeitung und verantwortet die Lokalzeitung Kilchberger.

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1

WALTER DE ­GREGORIO , ­TOBIAS ­MOORSTEDT , ­CAROLE BOLLIGER UND MICHAEL ­BRUNNBAUER 1)

2)

3)

In seinem ersten Artikel für WW-Magazin beschrieb unser Mitarbeiter, wie bei der britischen Manufaktur Joseph ­Cheaney  &  Sons ­rahmengenähte ­Schuhe für die Schweizer M ­ arke Navyboot hergestellt werden. Für ­d iese ­Ausgabe befasste er sich mit e­ inem, im Vergleich dazu ­weniger ­bodenständigen ­Unternehmen: mit dem ­StreamingDienst r­ espektive der F ­ ilmproduktionsfirma N ­ etflix. Während rahmengenähte ­Schuhe für so etwas wie die gute alte Zeit des Handwerks ­stehen, ­verkauft ­Netflix – als e­ iner der ersten Anbieter – das Fernsehen der Neuzeit. Der Journalist in München, der u ­ nter a­ nderem für die Süddeutsche ­Zeitung oder Neon schreibt, ­erzählt die N ­ etflixStory ab Seite 40. Eine Warnung schon an dieser Stelle: Netflix kann süchtig machen.

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4)

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4) MICHAEL BRUNNBAUER

Unser Mitarbeiter, der ebenfalls zum ersten Mal für WW-Magazin schreibt, hat einen angenehmen Arbeitsalltag: Er taucht im Ozean der neuesten Gadgets nach Perlen. Das heisst, er prüft und berichtet über Unterhaltungselektronikgeräte und ähnliches. Wie man zu so einem Job kommt? Im Fall von Michael durch eine gute Ausbildung – er war auf der Deutschen Journalistenschule in München, danach längere Zeit Technik-­ Redaktor von GQ, einem Männermagazin, anschliessend machte er sich selbständig. Seit 2011 l­eitet er, unter anderem, das z ­ weimal jährlich erscheinende MännerLifestyle-Magazin Provocateur. ­Darin geht es um alles, was Männer ­bewegt, sagt er, also Filme, Serien, Autos, Uhren, Sport und spannende neue Start-up-Firmen. Seine Objekte-Auswahl für uns gibt es auf den Seiten 20 und 22.

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Bilder: Tanja Demarmels, Frank Stolle

2) TOBIAS MOORSTEDT


Aventus

The fragrance for men

250 years of excellence


Innenbetrachtung  Inhaltsverzeichnis

WW Magazin Nr. 5    IN H A LT NEULICH AUF DEM BLAUEN TEPPICH MIT ANNA

Der K ­ ÖNIG DER

­HOHEN ­A BSÄTZE ,

Christian Louboutin und Anna Wintour vor einem Abendessen im «Ritz» in Paris, zur Feier der «Kate Moss for Fred»Schmuckkollektion.

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Titelbild: Hugues Laurent Bild auf dieser Seite: Dukas

­ hristian Louboutin, C ­findet ­flache Männerschuhe sexy, weil sie ­kraftvoll ­wirken. Deshalb trägt er ­T URNSCHUHE oder ­MOKASSINS. Die ­Eiskönigin ­neben ihm ist Anna ­Wintour, Chefin der ­amerikanischen Vogue und eine der wichtigsten Entscheidungsträgerinnen DES ­MODEPLANETEN. Sie trägt nicht ganz so hohe ­Absätze, wie sie ihm ­gefallen. Aber er hat schon ­GENUG KUNDINNEN. Was er sonst noch ­denkt und wie er die Welt sieht, ­erfährt man ab ­Seite

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339 andere Leute im Flugzeug?

Es fühlt sich an, als wäre ich der Einzige. SWISS First In SWISS First begrüssen wir Sie mit Ihrem Namen. Denn hier dreht sich alles nur um Sie und Ihre Wünsche.

swiss.com/rst

Made of Switzerland.


Innenbetrachtung  Inhaltsverzeichnis

    I N H A LT

WW Magazin Nr. 5 CONTRIBUTORS

SPEZIAL-REPORT

Mitarbeiter dieser Ausgabe SEITE 8

TREND-REPORTE

DESIGN-FÜLLER

SEITE 20 GESEHEN BEI SWAROVSKI

SMARTE STÜCKE

SEITE 22

NETFLIX

Wie der FILM- UND SERIEN-STREAMING-DIENST unverzichtbar wurde. SEITE 40

KOLUMNEN

RUBRIKEN, GESCHICHTEN

NETZWERKEN

von Walter De Gregorio SEITE 14 BRIEFING

KUNST

Innovation & Innovatoren

von Andreas Ritter

SEITE 18

SEITE 16

REPORT

Alfredo Häberlis Holzhaus SEITE 34 KULINARIK

von Sarah Stutte

WANDERLUST

von Mark van Huisseling SEITE 50

SERVICE ANLEITUNG BEZUGSQUELLEN

SEITE 53

VICTORINOX

IMPRESSUM

Am Anfang war das Offiziersmesser

SEITE 53

SEITE 44

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ARBITER ELEGANTIARUM

Carmen Busquets SEITE 52

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Bilder: Netflix, Cyrill Matter, Daniele Kaehr & Maya Wipf

SEITE 48


BUCHERER.COM

EINZIGARTIG WIE IHRE EMOTIONEN – SEIT 1888 UHREN SCHMUCK JUWELEN


Aussenbetrachtung  Netzwerken

Illustration: TIM LAHAN

«HÄSCH ZIIT FÜR ÄS KÄFELI?»

Im Geschäftsleben ist es gut, LEUTE ZU KENNEN. Noch besser ist es, wenn ­einen diese Leute ebenfalls kennen. Und zwar nicht als jemanden, der sich nur meldet, wenn er etwas braucht. Sondern als jemanden, der den WERT VON KONTAKTEN zu schätzen weiss. Dann kann daraus ein interessantes Geschäftsmodell entstehen, sagt unser Autor, NETZWERKER und KONTAKTPFLEGER von Berufs wegen.

Text:

WALTER DE GREGORIO

M

an hört ihn das ganze Jahr nie, dann plötzlich, wie aus dem Nichts, hängt er am Telefon und redet einem einen Blumenkohl ans Ohr: der Bekannte, der sich nur meldet, wenn er gerade wieder klamm ist oder sonst Hilfe braucht. Ein Ticket für ein Champions-League-Spiel? Mitanpacken beim Zügeltermin? Ein Auto für ein Wochenende in den Bergen . . . Jeder von uns kennt ihn, jeder geht anders mit ihm um. Kürzlich rief mich ein ebensolcher Bekannter an und redete, als hätten wir uns vor ein paar Tagen zuletzt gesehen. Doch es war schon länger her, drum auch sein Erstaunen: «Was, du hast jetzt schon drei Kinder? Cool!», ­«Aha, bist schon wieder getrennt, schade.» Trotzdem mag ich ihn irgendwie, wir waren einst eng ­befreundet, und darum helfe ich ihm, wenn ich kann. Den Spruch konnte ich mir aber nicht verkneifen: «Also, in einem Jahr wieder, gell?» Im Geschäftsleben wäre das unmöglich. Beziehungen müssen gepflegt werden, ­regel-mässig und vor allem, indem man keine ­A nsprüche stellt. Wer sich nur meldet, wenn er etwas braucht, hat keine Chance, ein solides, engmaschiges Netzwerk aufzubauen. Ich habe das immer so gehalten, und ich bin gut damit gefahren. Es ist für mich die goldene ­Regel. Ich bin kein Romantiker, aber langfristige Geschäftsbeziehungen beginnen oft auf persönlicher Ebene. Ein asiatischer Investor zum Beispiel, der in Europa verschiedene interessante P ­ rojekte prüft, wollte mich in London treffen. Ich flog hin, wir redeten über alles, ausser übers ­Geschäft. Später traf ich ihn in Madrid, dann in Mailand, und wir sprachen wieder über Gott und

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die Welt. Erst beim vierten Treffen innerhalb weniger Monate, wieder in London, wurde er konkret. Und am Schluss sagte er: «I like you.» Mit einem amerikanischen Geschäftsmann wäre die Sache vermutlich früher ins Rollen g ­ ekommen – oder schon nach dem ersten Meeting gescheitert. Gespräche mit R ­ ussen ­gestalten sich wiederum anders als jene mit Arabern oder Südamerikanern. Kurz: Es gibt keine allgemeingültigen Regeln, wie man sein Beziehungsnetz auf- und ausbaut, wie man es pflegt. Ausser, dass man Menschen grundsätzlich ­mögen sollte. Kling banal, ist aber zentral. Wer erfolgreicher Netzwerker sein will, muss sich auf der Strasse, in Restaurants oder an Veranstaltungen wohler fühlen als allein im Büro. Wie aber kann man das Beziehungsnetz fürs Geschäft nutzen? Was ist der Wert ­einer Telefonnummer oder eines persönlichen Kontakts? Was kostet es, die Vorzimmer zu ­umgehen und einem Kunden direkten Zugang zu einem Entscheidungsträger zu ermöglichen? Früher, als ich noch Journalist und in der Schweiz, insbesondere im Fussball, gut vernetzt war, ­belief sich der Preis einer Kontaktvermittlung auf ­einen einstelligen Frankenbetrag, eine Art «Spaziermünz». «Häsch Ziit für äs Käfeli?», wurde ich zu Treffen eingeladen, an denen es nach ein paar Minuten Smalltalk oft um einen konkreten Gefallen ging. «Du kennst doch . . .» Heute, da ich mein Beziehungsnetz ­international ausgeworfen habe und zahlreiche Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft und ­Politik kenne, kann ich es mir nicht mehr leisten, für «äs Käfeli» Nummern und ­Zugänge zu hohen Entscheidungsträgern rauszugeben. Erstens, weil diese wichtige Bestandteile meines Geschäftsmodells sind. Und zweitens, viel wichtiger: Wenn ich jemanden bei e­ iner ­gefragten Persönlichkeit einführe, dannbin ich verantwortlich für das Verhalten des ­Besuchers, den ich vermittle. Es kann nicht sein, dass dieser plötzlich persönliche Anliegen deponiert.

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So geschehen bei einem meiner früheren Arbeitgeber. Jemand hatte ein Treffen organisiert, bei welchem ich zugegen war. Der Besucher wollte mit meinem damaligen Chef über ein gemeinnütziges Projekt sprechen. Tatsächlich aber nutzte er das Rendezvous als Werbeblock für seinen Sohn: «Er würde bestens in Ihr Unternehmen passen, er hat eben die Uni bravourös abgeschlossen.» Es war das erste, einzige und letzte Treffen der beiden Männer. Sowie der letzte Kontakt des Mannes, der das Meeting eingefädelt hatte, mit meinem damaligen Chef. Die Szene erinnerte mich an meine Korres­ pondentenzeit in Rom, als Strassenverkäufer meiner damaligen Frau beim Spazieren­gehen jeweils Rosen schenken wollten. «Sie sehen wunderbar aus, Signora, für Sie ist diese Rose darum gratis.» Was nicht ganz falsch war, denn das Geld verlangten die Verkäufer von mir. Und während man noch über den Preis des Weg­zolles verhandelte – weil man in Roms Fussgängerzonen erst mit einer Rose in der Hand freies Geleit hat –, packten andere ­fliegende Händler schon Waren für die Kinder aus, Plüsch­tiere, Trompeten, Plastikpistolen, Wasserwerfer, U-Boote, Flugzeugträger  . . . Was ich vom Waffenarsenal hatte, das ich mir so anhäufte? Keine Ahnung. Womit wir bei einer weiteren Regel wären: Beziehungen baut man auch auf, wenn kein unmittelbarer Nutzen ersichtlich ist. Aus Neugier zum Beispiel. So lernte ich die Strassenverkäufer mit Namen kennen. Der Wegzoll wurde mir dann irgendwann einmal erlassen.

WALTER DE GREGORIO, 51, Historiker, Journalist und ehemaliger ­ Kommunikationsdirektor der Fifa, gründete zusammen mit Partnern Greg and Grey LTD, ein international ausgerichtetes Beratungsunternehmen. www.gregandgrey.com.

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«Heute kann ich es mir nicht mehr leisten, für ‹äs ­Käfeli› Nummern und Zugänge zu ­hohen Entscheidungsträgern rauszugeben» – Walter De G ­ regorio über den Wert von Kontakten.


Aussenbetrachtung  Kunstkolumne

Der Film «Mapplethorpe: Look at the Pictures» läuft ab 10. November 2016 im Kino Arthouse Le Paris in Zürich. Portät von Lisa Lyon, Bodybuilding-Weltmeisterin 1979, von Robert Mapplethorpe aus dem Jahr 1982.

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Kunstkolumne  Aussenbetrachtung

DIE KUNST EINES ­E RFOLGREICHEN

KÜNSTLER SIND INNOVATOREN, jedenfalls die guten. Und die zu Lebzeiten ­­

erfolgreichen unter den guten leben immer auch nach dem Tod weiter, ­gewissermassen. Richtig gemacht, erhält ein Nachlass das WERK DES KÜNSTLERS ­L EBENDIG und spielt als eigentliches Innovationsunternehmen eine aktive und wichtige Rolle im zeitgenössischen Kunstgeschehen.

Text:

ANDREAS RITTER

Bild: Robert Mapplethorpe Foundation. Used by permission.

K

ünstlernachlässe aus Amerika dominieren: Es gibt dort mindestens 368 Künstlerstiftungen, die über ein Vermögen von 3 ­ ,5 Milliarden US-Dollar verfügen und jährlich Ausgaben von rund 150 ­Millionen ­US-Dollar veranlassen. Ein paar Beispiele: Robert Rauschenberg (1925–2008) gehörte als ­Maler, Fotograf und Objektkünstler fraglos zu den wichtigsten ­amerikanischen Künstlern des 20. Jahrhunderts, und seine Bedeutung wird eher noch zunehmen. ­Seine Stiftung hält die Lebensphilosophie «Art Can Change the World» des Künstlers aufrecht und hat allein seit 2012 insgesamt 350 Stipendien von jeweils bis zu 150 000 US-Dollar vergeben. Die beiden Kinder des Minimalisten Donald Judd (1928–1994) waren 23 beziehungsweise 26 ­Jahre alt, als ihr Vater starb und sie die Verantwortung für die Judd Foundation in New York übernahmen, die heute sechzehn Grundstücke in New York und in Marfa (Texas) mit insgesamt 12 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche verwaltet. Und der Fotokünstler Robert ­Mapplethorpe (1946–1989) gründete noch kurz vor seinem viel zu frühen Tod – und auf dem Höhepunkt seiner Karriere – eine gemeinnützige Stiftung, um sein Werk zu schützen und Projekte zu fördern, die ihm persönlich wichtig waren. 1993 machte die Foundation eine e­ rste ­umfangreiche Schenkung an das Guggenheim Museum in New York, dem dadurch die Errichtung der Robert-­Mapplethorpe-Gallery und die Gründung einer neuen Fotoabteilung ermöglicht wurden. Die Stiftung übergab dem Getty Center das Archiv, verwaltet aktiv die

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Urheberrechte des Künstlers, unterstützt seit Jahren zahlreiche Ausstellungen und Publikationen zeitgenössischer ­Fotografie und vergibt schliesslich ­Zuschüsse in Millionenhöhe für wissenschaftliche Forschung im Kampf ­gegen das HI-Virus respektive Aids. Im Rahmen des diesjährigen ­Zurich Film ­Festivals feierte ein ­Dokument­a rfilm über das L ­ eben ­Mapplethorpes Schweizer Premiere, der im ­November ­regulär in die Kinos kommt und den die Stiftung g ­ efördert hat. Doch Vorsicht: Bloss die ­wenigsten ­Künstler spielen in dieser Liga. Die Übrigen stellen besser zu Lebzeiten die Weichen den Realitäten entsprechend. «Keeping the Legacy Alive» war der T itel ­ ­ einer kürzlich in Berlin abgehaltenen, international besetzten Konferenz über ­Künstlernachlässe. Mit dabei: alle Stiftungen der Amerikaner, von denen ich hier geschrieben habe. Die Botschaft ist indessen in Kontinentaleuropa noch immer nicht angekommen. Natürlich muss man aufpassen und die geschilderten Beispiele von amerikanischen Stars nicht für allgemein­gültig erklären. Dennoch ­geben sie wichtige und beispiel­hafte Hinweise, w ­ orauf es bei der Planung eines Künstlernachlasses ­ankommt: Noch zu Lebzeiten muss der Künstler sein eigenes Werk stets hinterfragen, muss es ordnen, Werke verschenken sowie nicht z ­ uletzt auch entsorgen, was nicht auf ewig ­bewahrt werden soll. Das ist z ­ uweilen hart, aber notwendig. Der Künstler ist gefordert, möglichst schlüssige Vorstellungen zu formulieren, was mit seinem Nachlass einst zu geschehen habe und wie es mit den Urheberrechten stehen soll. Nach meiner ­Erfahrung ist es allerdings meist so, dass Menschen, ­die Verantwortung für e­ inen Künstlernachlass übernehmen, mehr oder weniger unvorbereitet in ihre neue Rolle stolpern – als Sohn, Tochter, Enkel oder weil sie den Künstler als Ehefrau, Lebensgefährte oder Freund

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begleitet haben, stehen sie plötzlich in der Verantwortung, sich um das Œuvre des Verstorbenen zu kümmern. Den Rechtsnachfolgern wird – meist ungefragt – ein ­Bestand von Hunderten, wenn nicht Tausenden von Werken und zusätzlich w ­ omöglich gar ein K ­ ünstleratelier übereignet. Initiativen wie der Verein Art Dock in Zürich, der g ­ anze Künstlernachlässe übernimmt, versuchen A ­ bhilfe zu schaffen. Doch aus meiner Sicht führen solche Unterfangen oft nur zu «Särgen de luxe», wie es auch ein ­Museumskurator einmal pointiert ausdrückte. In der Not heisst das Zauberwort deshalb meist «Stiftung». Eine solche zu errichten, in der Vorstellung, die künstlerische Hinterlassenschaft hierdurch auf ewig erhalten zu können, erweist sich nur allzu oft als Trugschluss. Denn ohne ausreichende Finanzmittel wird auch ein gestifteter Nachlass innert kürzester Zeit in Vergessenheit geraten, und es tritt genau das ein, was die gutgemeinte, von grossem persön­ lichen Engagement getragene Absicht verhindern ­wollte. Auch das Ansinnen, den ganzen Nachlass in ein Museum zu geben, ist meist weder Option noch Alternative, liegt doch die prioritäre Aufgabe öffentlicher Sammlungen nicht in der Nachlasssicherung. Was also ist ein mögliches Erfolgsrezept? Künstlernachlässe sind so unterschiedlich, wie Künstler genial, eigenwillig und verschieden sind. Erfolgreich ist ein Nachlass dann, wenn es ihm gelingt, das anvertraute Werk lebendig zu erhalten. Die Arbeit hierzu beginnt zu ­L ebzeiten – und liegt beim Künstler selbst.

ANDREAS RITTER ist Rechtsanwalt für Kunstrecht. Der 52-Jährige führt gemeinsam mit Sibylle Loyrette die Kanzlei Ritter & Partner Rechtsanwälte in Zürich.

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Aussenbetrachtung  Innovation & Innovatoren

Redaktion: SARAH STUTTE  Illustration: PAUL BLOW

Briefing WER HAT'S ERFUNDEN? SEITENNUMMERIERUNG

FRAUEN VOR

 . . . ein gezielter ­Veränder­ungs-­ prozess, der eine wirtschaftliche, technische und gesellschaftliche Wandlung nach sich zieht. Der Begriff w ­ urde durch den Österreicher Joseph Schumpeter ­geprägt, der bis heute als einer der h ­ erausragenden Ökonomen des 20. Jahrhunderts gilt. Auch der von ihm ­verwendete Ausdruck der «schöpferischen Zerstörung» ist heute Teil des g ­ ebräuchlichen Manager-­Jargons. «

ANTIKE Fast alle wichtigen Neuerungen haben ­ihren Ursprung in der Antike. Die Ägypter waren wohl bei weitem am produktivsten, erfanden Hieroglyphen, Papyrus und Bleistift, die Sonnenuhr, den Webstuhl oder Glas. Die Mesopotamier wiederum entwickelten das Rad, die Chinesen den Kompass, die Griechen die Geometrie und die Sumerer brauten Bier.

ANÄSTHESIE Der Bostoner Zahnarzt William T ­ homas Green Morton führte 1846 die erste ­Narkose in der Öffentlichkeit durch, mit Äther. Zuvor hatte man schon Lachgas zur Schmerzlinderung eingesetzt. Doch die meisten Chirurgen waren der festen Überzeugung, dass sich die Anästhesie (abgeleitet von «An» und «Aisthesis», griechisch für «ohne» und «Empfindung») bei kleineren Operationen nicht lohne – sie führten noch lange danach etwa ­Amputationen von Gliedmassen bei vollem Bewusstsein der Patienten durch.

Der moderne Buchdruck durch Gutenberg Mitte des 15. J ­ ahrhunderts ist eine der wichtigsten ­Erfindungen der Neuzeit. Sie ermöglichte die ­b illige Massenproduktion von ­Schriften und deren ­umfassende ­Verbreitung. ­Innovativ ­waren im 12. Jahrhundert auch die Idee der Seitennummerierung und der Gebrauch von ­Registern und Verzeichnissen. Dadurch ­musste man nicht mehr ein Buch von der ersten bis zur letzten Seite lesen, sondern konnte das Gesuchte nachschlagen, was auch die Verbreitung von L ­ exika beeinflusste.

SCHLECHTES TIMING

Seit 2011 wird der EU-Innovationspreis für Frauen vergeben. Dabei werden jeweils drei Frauen ausgezeichnet, die herausra­gende Innovationen in den Bereichen Wissenschaft, ­ I ndustrie, Forschung oder ­Medien entwickelt und auf den Markt gebracht haben. Die Auszeichnung will mehr Frauen für eine Laufbahn als Unternehmerin gewinnen. 2011 gewann die deutsche Biochemikerin

Gitte Neubauer den ersten Preis für die Er forschu ng neuer Wirkstoffe gegen Entzündungskrankheiten. 2014 wurde Saskia Biskup ausgezeichnet, die mit ihrer Tübinger BiotechFirma ­neueste Erbgut-Analysetechnologien entwickelt. Der diesjährige e­ rste Preis ging an die Portugiesin Susana S ­ argento, sie ist Mitbegründerin einer drahtlosen, günstigen InternetInfrastruktur für Fahrzeuge.

Jede Innovation braucht ­g utes Timing. Als der ungarische Arzt Ignaz Semmelweis 1847 herausfand, dass das Kindbettfieber durch m ­ angelnde H ­ ygiene ­begünstigt wurde, b ­ elächelten ihn die Fachkollegen. Erst Jahrzehnte später erfuhr man von Bakterien als Krankheits­erreger und setzte die von Semmelweis vorgeschlagene Massnahme allgemeingültig um. Auch die ­Mikrowelle war 1947 ihrer Zeit ­voraus: gross wie ein Kühlschrank, 340 kg schwer. Erst zwanzig Jahre später ­erfuhr sie einen B ­ eliebtheitsschub, auch durch die Zunahme von SingleHaushalten.­

KEIN GELD, KEIN RUHM – WAS NUN?

MUSK-HAVE

Elon Musks Firma Tesla Motors (siehe rechts) ­w urde nach dem 1856 in Kroatien geborenen Erfinder Nikola ­Tesla ­benannt. Tesla arbeitete für Thomas Edison, verfolgte aber viele e­ igene Ideen. Der «Magier der Elektrizität» e­ ntwickelte etwa das Prinzip des Wechselstroms und die R ­ adiotechnik – gewinnbringend v­ ermarktet wurden seine Erfindungen aber von anderen. Am Ende s­ eines Lebens gingen über 700 ­Patente auf Tesla ­z urück; er starb ohne Geld und Ruhm.

Mit zwölf Jahren entwickelte der Südafrikaner Elon Musk ein ­Videospiel, 1995 gründete er sein erstes ­Unternehmen und etablierte ­damit das ­Online-Bezahlsystem Paypal. H ­ eute, mit 45, ist er ­Multi-Unternehmer und -Milliardär. Ihm gehört und er führt etwa den Elektroautohersteller Tesla Motors oder die Raumfahrtfirma SpaceX. Sein Ziel: Die Energieerzeugung und den Energieverbrauch zu verändern.

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Oktober / November

Nr. 5 2016

Quellen: www.bayfor.org, www.ec.europa.eu, Geo Online, Creaffective.de, Wikipedia, Zeit Online, Welt Online, FAZ, Oppisworld, Tagesanzeiger, Chemgeneration

INNOVATION IST . . .


Mit dem Combi-Steam kocht man gerne. V-ZUG erleichtert Ihnen das Kochen mit einfachen und individuellen Lösungen. Der neue Combi-Steam MSLQ ist das weltweit erste Gerät, das konventionelle Beheizungsarten, Dampf und Mikrowelle in sich vereint. So macht schnelles und gesundes Kochen Freude: vzug.com

Schweizer Perfektion für zuhause


Aussenbetrachtung  Opener

Redaktion: MICHAEL BRUNNBAUER  Bild: DOUGLAS MANDRY  Model: LEILA S./TIME

WW Magazin Nr. 5    T R EN D-R EPORT

E

Der Füller in DER HAND macht noch nicht DEN SCHREIBER – doch er sieht super aus.

Ein Füllfederhalter verbreitet in der Zeit von Smartphones, elektrischen Autos und Virtual-­RealityBrillen schon einen Hauch von Anachronismus: ein Schreibgerät für Menschen, die lieber Briefe statt E-Mails schreiben, die öfter in Zeitschriften blättern, als einem Blog zu folgen und die auf ihre mechanische Uhr am Handgelenk sehen, um die genaue Uhrzeit zu erfahren, nicht auf ihr Smartphone. I­ nsofern mag es auf den ersten Blick verwundern, dass ausgerechnet der ­preisgekrönte ­australische ­Designer Marc ­Newson – massgeblich für den Entwurf der neuen Apple Watch verantwortlich – ein analoges ­Produkt wie einen Füllfederhalter entwirft. Doch genau das reizte Newson daran: «Der ‹­Montblanc M› bietet eine m ­ akellose Schreiberfahrung, die die Sinne ­berührt – dank der Optik der reinen Linien oder den polierten Oberflächen und dem mit ­Ruthenium (grau glänzendes Übergangsmetall) ­beschichteten Vorderteil.» Ganz ohne technische Finesse ging es dann aber für N ­ ewson doch nicht: Ein mag­ netischer Schliessmechanismus sorgt dafür, dass sich die Kappe wie von Zauberhand stets perfekt zum Montblanc-Logo ausrichtet, das sich am Ende des Stifts befindet. So geht das – die Verbindung von Tradition und Innovation.

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FÜLLFEDER­ HALTER «MONTBLANC M» aus schwarzem ­E delharz, Fr. 535.–; www.mont­blanc.com

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PROFILEISTUNG AKKUKOMFORT

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Gültig bis 31.12.2016

Für alle 400er, 500er Modelle & LC 141Li, bei gleichzeitigem Kauf von 1 Gerät + 1 Akku ab Modell BLi150 + 1 Ladegerät QC 330 als Set. Name / Vorname Strasse, Nr. PLZ / Ort E-Mail / Telefon Gerät/Serienummer

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Aussenbetrachtung  Geräte

Redaktion: MICHAEL BRUNNBAUER

Trend-Report SMARTE STÜCKE TAUSCHHANDEL

NICHT-SO-SMART-PHONE

Diese Smartwatch hat ähnliche Funktionen wie die ­Apple Watch, ist allerdings mehr auf die Verbindung mit Android-Geräten ausgelegt. Ist die Uhr nach ein paar Jahren veraltet, kann man sie ­gegen einen Aufpreis in eine normale Tag-Heuer-«Carrera» ­umtauschen.

Mit dem «MP 01»-Telefon der ­Firma Punkt, entworfen von ­Jasper ­Morrison, kann man nur telefonieren und SMS versenden. Es sieht gut aus, und wenn man es verleiht, kann keiner private Videos oder ­Fotos ansehen.

«Connected» von Tag Heuer, ca. Fr. 1470.–.

STAUBFÄNGER

Der Staubsauger-Roboter von ­Dyson scannt mittels K ­ amera jede Wohnung und erfasst so ­genau ­deren Grösse und Gegebenheiten. Damit, wenn er in Aktion ist, nichts k ­ aputtgeht.

«MP 01» von Punkt, c­ a. ­F r. 280.–.

«360 Eye» von D ­ yson, c­ a. Fr. 1090.–.

FITBLING

Dieses Schmuckstück wirkt wie ein typisches Swarovski-Armband. Darin steckt aber ein ­activity tracker, der, mit dem Smartphone verbunden, Auskunft über Schrittzahl, zurückgelegte Distanz und Kalorien­verbrauch gibt.

EINCHECKER

VERSCHLUSSSACHE

Das sogenannte Electronic Tag der neuen Rimowa-Koffer ersetzt die ­ G epäcketikette aus Papier vom Check-inSchalter. Der Strichcode lässt sich ­bereits zu Hause mittels App auf den Koffer laden und e­ rspart eine M ­ enge Zeit bei der G ­ epäckaufgabe. Solange die A ­ nzeige auf dem Display nicht geändert wird, verbraucht sie keinen Strom. Der Akku wird also selbst bei längeren R ­ eisen nicht leer.

Für Schlüsselverlierer empfiehlt sich dieses intelligente Vorhängeschloss. Mittels App und einer Bluetooth-Verbindung kann ein Code eingegeben werden, der das Schloss öffnet und schliesst. Demnächst ist es auch als VeloschlossVariante erhältlich.

Koffer von Rimowa, M ­ odell ­« Topas Stealth», inklusive ElectronicTag, ca. Fr. 900.–.

«Noke Padlock» von Noke, Fr. 69.– (bei Galaxus.ch).

­ Activity Tracking-Jewelry von Swarovski, ca. Fr. 155.–.

DAMPFBAD

WÄRMESPARER

Dieser neue Thermostat lässt jetzt auch Mieter ihre Heizung per App oder Smartphone regeln, die keine zentralgesteuerte Heizung haben. Heizkörperthermostat von Tado, Set ab ca. Fr. 182.–.

BERGFLOH

Das Besondere an diesem E -Velo ist, dass es ganz ­ normal aussieht. Denn die komplette Elektronik wurde in den Rahmen verbaut. Mit 1­3,7 Kilo wiegt es auch nicht viel mehr als ein normales Fahrrad (andere ­E-Bikes liegen oft bei 20 Kilo, und sind ­somit gar nicht oder nur schwer fahrbar, wenn der Akku leer ist).

«Steam Finish» heisst das Verfahren, das Gläser, Besteck und ­Geschirr mit reinem Dampf pflegt und ­somit fleckenfreie Sauberkeit und funkelnden Glanz garantiert. Bei der patentierten «Steam Finish»-Technik wird am Schluss des Trocknungsprozesses Dampf ­erzeugt. Dieser entfernt ­Spuren von Restsalz sowie Spül- und Glanzmittel. Und das ist bewiesen: Labor Veritas, ein unabhängiges Prüf­ laboratorium, hat die Wirksamkeit bestätigt, vorbehaltlos. «Adora SL» von V-Zug, mit «Steam Finish»Funktion, ab Fr. 3900.–.

«One Soho» von Coboc, ca. Fr. 3700.–.

22  WW Magazin

Oktober / November

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Stand Oktober 2016

VIS

U U NE

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Story WW-Persönlichkeit

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Im Alte ND rtum ve IGE U L D A r k r örperte R E IC H E sic weil nu der Schu , T h Schuhe leis H C h MA lalter waren ten und solc te it M s in is b he tragen durften. Und ABSÄTZ E DER männlichen ELI TE – gab es eine andere? – vorbehalten. Das mit den hohen Absätzen für Männer sieht Christian Louboutin, DER WICHTIGSTE SCHUHDESIGNER zurzeit, anders. Aber was den Rest der Aussage angeht, 24  WW Magazin gilt in seinem Universum noch immer das GESETZ DER ANTIKE. Nr. 5 2016


Christian Louboutin, mit zwei Schuhlöffeln, im Geschäft an der Pariser Rue Jean-Jacques Rousseau, wo sein Aufstieg begann. Schuhlöffel gibt es dort keine zu kaufen, übrigens.


K

Story  WW-Persönlichkeit

Keine Feier ohne . . . Meier heisst er nicht, sondern Louboutin, Christian ­Louboutin. Aber der Spruch trifft zu. Der Mann, der als Schuhmacher ­angefangen und in den vergangenen 25 Jahren aus dem kleinen Atelier eine grosse Lifestyle-Marke gebaut hat, ist einer der beliebtesten ­Partygäste der ­Modewelt. Weil er Erfolg hat, und weil er Frauen mit seinen Schuhen, Taschen und, neuerdings, Beauty-Produkten und Accessoires schmeichelt und sie (noch) schöner macht. Und weil er ein ausgesprochen netter Mensch ist; einer, der Zeit zu haben scheint für Small Talk, der anderen gerne ­zuhört und sich selber zurücknimmt. Wenn man sich mit ihm über sein Unternehmen unterhält, fragt man sich, weshalb man nicht selber seinen Weg eingeschlagen hat und zum Darling der beau monde sowie zum ­Multimillionär geworden ist – so einfach, wie er es beschreibt, hätte man es wohl auch hinbekommen. Oder etwa nicht? Doch, auf jeden Fall. Vorausgesetzt, man h ­ ätte ­seine Vorstellung von Mode gehabt und die Kraft, d ­ iese durchzusetzen. Und das Glück, den Zeitabschnitt zu erwischen, in dem es plötzlich mehr als in Ordnung wurde, 500 Franken, 1000 Franken oder mehr, für ein Paar rote Sohlen, zwei hohe Absätze und ein paar Lederbändchen auszugeben. Das heisst, allenfalls war der nette Mann mitverantwortlich d ­ afür, dass u ­ nsere Popkultur sich veränderte und dass wir ungefähr seit der ­Jahrhundertwende die age of high heels and It bags haben . . .  Was man halt so macht als I­nnovator des Modegeschäfts. Monsieur Louboutin, Sie haben vor 25 Jahren klein angefangen mit einem Schuhgeschäft – und sind heute einer der erfolgreichsten und ­bekanntesten Designer der Modewelt. Wie sind Sie der Unternehmer geworden, der Sie heute sind?

Gerade weil ich mir nie diese Frage gestellt habe. Ich wollte kein ­ nternehmen gründen, sondern eine Boutique eröffnen, in der ich m U ­ eine Entwürfe präsentieren konnte. Wenn ich mit der Idee, ein Unternehmen zu gründen, begonnen hätte, wäre die ­Geschichte wohl eine ­andere gewesen.

bin ich sehr zufrieden. Wenn ich damals gewusst hätte, dass ich in 25 Jahren hundert Läden haben und im Jahr eine Million Paar S ­ chuhe herstellen müsste, wäre ich vor Angst gestorben. Ich finde, man soll kein Ziel verfolgen, das nicht greifbar ist, etwas, was keiner sehen kann. Man kann einen Schuh sehen, eine Tasche, ein Objekt. Aber nicht das Unternehmen, das diese Stücke herstellt. Das interessiert die meisten Leute auch nicht. Man muss ­Produkte machen, und zwar mit Leidenschaft. Meine ­Leidenschaft habe ich in die Entwürfe gesteckt, nicht in die Gründung und den Aufbau eines Unternehmens. Wie viele Entwürfe machen sie pro Saison?

Etwa 600, davon werden etwa 400 als Prototypen realisiert, und darunter sind etwa 200 Modelle, die am Schluss hergestellt ­werden. Ich zeichne in zwei grossen Design-Etappen im Jahr, d ­ araus ­stellen wir vier Kollektionen zusammen. Besitzen Sie eigene Fabriken?

Ja, ich habe zwei Fabriken in Italien, die exklusiv für uns arbeiten. Alle meine Schuhe werden in Italien hergestellt, ausser Espadrilles, die lasse ich in Spanien produzieren. Und Sneakers, die ich noch nicht so lange anbiete, werden in anderen Fabriken in I­talien produziert, weil sie kompliziert sind in der Herstellung. Bereitet Ihnen das Umfeld in Frankreich – 35-Stunden-Woche, hohe­ Steuern und so weiter – grosse Schwierigkeiten?

Ich bin ein positiver Mensch, ich konzentriere mich auf das Gute. Mode ist ein Gebiet, das Vergnügen bereiten soll. Wenn man schweren Gedanken nachhängt und das Glas immer halb leer sieht, schafft man es nicht. Als kleines Unternehmen muss man bei der Arbeit glücklich sein, Lebensfreude versprühen. Das ist super wichtig. Ich lasse mich überhaupt nicht beeindrucken von negativen Umständen. Ich trage da eine Schutzhülle. Politik beschäftigt mich nicht sehr. Es ist nicht so, dass mich diese Dinge nicht interessieren, aber ich bin ziemlich impräg­ niert, was äusseren Einfluss auf ­meine Arbeit angeht. Ich ­verschwende keine Zeit auf Negatives, non. Man sagt, Sie lassen wenig Leute an sich heran und ­arbeiten auch heute noch, als weltweit verkaufende Marke, mit einem kleinem Team?

Ja, ich habe zwei Teilhaber. Einer davon ist ein stiller Partner, der nicht im Unternehmen arbeitet, der andere ist Bruno ­Chambelland, der Präsident meiner Firma. Im ersten Jahr haben wir sehr wenig verkauft und Geld verloren. Man hatte uns geraten, aufzuhören. Ich habe das aber nicht erfahren. Bruno hat mir erst gesagt, wie hart der Anfang war, als wir bereits aus dem Schneider waren, nach über zwei Jahren. Er wollte mich nicht damit belasten, weil Freiheit ein Motor ist. Ich bin wirklich verwöhnt, einen Geschäftspartner zu haben, den ich schon sehr, sehr lange Zeit kenne. Er ist mein ältester Freund. Es gibt zwar den Leitsatz, man soll nicht dort arbeiten, wo man schläft und nicht dort schlafen, wo man arbeitet. Und vor allem nie mit Freunden Geschäfte machen, weil das im Streit enden werde. Nun, Bruno, unser stiller Teilhaber und ich sind der ­lebende ­Beweis, dass auch das Gegenteil der Fall sein kann. Wir arbeiten seit 25 J­ ahren zusammen – die gleichen drei Leute, die ganze Zeit.

Sie haben es trotzdem geschafft.

Auf Deutsch heisst es: «Schuster, bleib bei deinem Leisten». Sie haben sich nicht daran gehalten, Sie stellen eine ganze Reihe ­Luxusgüter her.

Ich habe alles in meinem Rhythmus gemacht. Ich hatte eine Boutique, dann eine zweite, dann begannen wir mit dem Export  . . . Die ­Dinge ­haben sich organisch entwickelt. Wenn man zu gross denkt, e­ rzeugt das viel Druck für nichts. Das ist idiotisch. Mir hat jeder Tag neue und interessante Einsichten gebracht. Jeder Tag war bereichernd, für mich, für meine Arbeit, für meine Entwürfe – und in der Folge für den Entwicklungsprozess, aus dem mein Unternehmen entstanden ist. Damit

Ja, wir waren sehr aktiv. Vor drei Jahren haben wir begonnen, K ­ osmetik anzubieten. Nagellack war das erste Produkt. Das lag ­irgendwie auf der Hand. Der rote Nagellack meiner Mitarbeiterin hat mich ja vor vielen Jahren zur roten Sohle inspiriert. Inzwischen sind L ­ ippenstifte und Lipgloss dazu gekommen. Und in diesem Herbst bringen wir drei ­Parfüms heraus. Die Parfümflakons hat der Architekt ­Thomas ­Heatherwick entworfen. Es sind richtige Objekte geworden.

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«Im ersten Jahr haben wir Geld v ­ erloren. Ich habe das aber nicht erfahren. Bruno hat mir erst gesagt, wie hart der Anfang war, als wir aus dem Schneider waren. Er wollte mich nicht belasten, weil Freiheit ein Motor ist.» Sie klingen begeistert.

Oh ja, mich faszinieren Proportionen und Formen nicht nur bei ­Schuhen, sondern auch bei Gebäuden. Ich habe ein Foto eines G ­ ebäudes in Tokio gesehen. Ich war überzeugt, es habe fünfzig Etagen. Als ich dann schliesslich vor dem Gebäude stand, war es ­dreistöckig. Die Form evoziert manchmal eine ganz andere G ­ rösse, wenn ein Massstab daneben fehlt. Der Taj Mahal ist enorm gross. Aber wenn man ihn auf einem Foto sieht, denkt man eher an ein kleines Schmuckstück. Mit einem Objekt wie dem Parfümflakon will ich Grösse ausdrücken. Es soll an einen Brunnen oder ein Gebäude erinnern. Die Aufgabe hat niemand besser hingekriegt als Thomas. Weshalb stellen Sie Kosmetik her?

Schönheit hat mich schon immer interessiert. Hier sind Frauen ihre eigenen Chefinnen und entscheiden, wie sie sich ins b ­ este Licht rücken wollen. Jede Frau hat ein Recht darauf, zu entscheiden, was sie nach aussen für ein Bild von sich ­abgeben will. Und was sie lieber für sich behält. Schon kleine Mädchen experimentieren mit Make-up. Anders ist es beim Parfüm. Kinder finden vielleicht den Duft ­einer Blume interessant, aber sie mögen kein Parfüm. Diesen Sinn entwickeln sie erst später. Gerüche öffnen eine raffinierte Welt. Es braucht Reife, das zu verstehen. Eine Frau soll mit ihrem Parfüm Souveränität ausdrücken können. Mit meinen Parfüms erzähle ich die Geschichte des Erwachsenwerdens meiner Patentochter Elisa Sednaoui.

vergleichbar sind. Man muss sich etwa an Flächenvorgaben halten. Mein Faible für Miniaturmalereien hat mir dabei geholfen. «Big is better» habe ich auch in der Kunst nie begriffen. Galerien, die sich auf 100 000 Quadratmeter austoben und Bilder, die zehn Q ­ uadratmeter gross sind, ­verstehe ich nicht. Ich entdecke lieber ­Details, sei es in einer Fotografie, ­einem Schuh oder einer Uhr. Das sind die interessanten Dinge für mich. Es ist heute scheinbar normal, 1000 Euro für ein Paar Designerschuhe auszugeben. Man findet bei Ihnen sogar Sneakers für 3500 Euro. Aber eigentlich leben wir nicht in den wirtschaftlich besten Zeiten . . .

Es ist ganz einfach: Jeder kann selbst entscheiden, wie viel Geld er ausgeben möchte. Niemand braucht seine Ausgaben zu rechtfertigen. Wie erklären Sie die Preise?

Den Unterschied macht nicht das Design, sondern die Fabrikation und deren Gesetzmässigkeiten: Die Produktion eines Schuhs ist subtil. Es gibt grosse Unterschiede von Schuh zu Schuh, die man nicht sofort sieht. Es gibt Schuhe, deren Design auf den ersten Blick gut aussieht, aber der Absatz bricht nach einer Stunde, weil er nicht in Balance mit der Form des Schuhs steht. Das Leder ist schlecht. Am Fuss wirft er Falten an den Seiten. Oder die Kanten sind nicht sauber verarbeitet, das Leder ist schwarz, aber die Schnittkante eine weisse Linie. S ­ obald man einen Qualitätsschuh anhat, spürt man den Komfort. Weil alles an ihm ausgewogen und harmonisch ist.

Wo der Kopf ist, ist oben. Wo Louboutin ist, ebenfalls. Der Designer mit Mannequin in seinem Showroom in der Nähe des Louvre in Paris.

Ist Ihre Kosmetika qualitativ besser als die anderer Marken?

Ich denke schon, dass sie sehr gut ist. Wichtig ist, dass wir d ­ ahinterstehen. Unser Beauty-Geschäft gehört uns zu hundert Prozent. Wir machen nur, was wir richtig finden. Mit der Schweizer Uhrenfirma Jaeger-LeCoultre sind Sie eine ­Kollaboration eingegangen. Weshalb?

Ich bin qualitäts- und detailversessen. Und bei J­aeger-LeCoultre widmen sie auch jeder Kleinigkeit ­besondere Aufmerksamkeit. Da hat sich sogar für mich eine neue Welt aufgetan – diese Details, diese Sorgfalt. Eine Uhr ist natürlich viel kleiner als ein Schuh, doch die Verbindung zwischen den Jaeger-Leuten und mir war gleich da. Eine gute Uhr ist die Summe von Details. Und ich bin s­ owieso eher für die kleinen Dinge. Weil man im Kleinen eine Fülle von D ­ etails entdecken kann. Was haben Sie gemacht?

Also, die legendären Art-déco-Linien und das Format der «Reverso»-Uhr können nicht verbessert werden. Der spannende Teil bestand darin, durch eine ­originelle ­Gestaltung des Zifferblattes und Armbands neue Perspek­ tiven zu zeigen. Ich habe mich darauf konzentriert, mit Farben, ­Materialien und neuen Texturen zu spielen. Es gibt zahlreiche Punkte, die mit dem Designen von Schuhen

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KUNST AM FUSS

Der Schuh ist der Star, und ­darum werden die Modelle in L ­ ouboutins Boutique im ersten Pariser A ­ rrondissement wie Kunstwerke im Museum präsentiert. Natürlich kann man sie auch a­ nziehen, wenn auch nicht zwingend, um damit aus dem Haus zu gehen. 1

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1. Detail der Schuhauslage in der Louboutin-Boutique. 2. Jaeger-LeCoultre und ­Christian ­Louboutin. Zum 85-jährigen ­Jubiläum der «Reverso» gibt es ein ­cutout-Armband des ­Schuhdesigners. 3. Für Stubentiger: L ­ oafers «Loubiforever» und ­«Dandelion Tassel Tresse ­Royal». 4. La Cage aux Folles . . . «Redalen»-Pump. 5. Schachteln voller ­Schuhträume. 6. Sneaker-Teamwork mit dem E-Concept-Store Sporty Henri. 7. Dekoration in ­Louboutins Pariser Boutique: «Pyrabubble»-Sandalen und «Simple»-Pumps. 8. Louboutins «Paloma»-­ Tasche und «Reverso»-Uhr von Jaeger-LeCoultre mit Louboutin-Lederband.

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Rote Sohle, gute Laune – Christian Louboutin in einer alten Einkaufspassage nahe seines Geschäfts an der Rue Jean-Jacques Rousseau in Paris.


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Wo wird am meisten gespart bei der Schuhherstellung?

Bei der Qualität! Und beim Leder und bei den Bestandteilen. Wenn man wenig Geld bei der Produktion ausgeben möchte, macht man die Grössen 36, 37 und 38 auf demselben Leisten. Nehmen wir einen Pump, Grösse 37, mit Absatz. Falls der Absatz für eine 37 gemacht wurde, ist er für eine 36 etwas zu hoch. Das gibt dann einen Knick und verzieht den ganzen Schuh. Wenn man denselben Absatz für eine 38 verwendet, ist er zu niedrig. Unter dem Gewicht der Trägerin verzieht er sich ebenfalls. Das fällt beim Kauf zunächst nicht auf, erst nach ein paar Stunden oder Tagen. Wir passen die Absatzhöhe der Schuhgrösse an, und das ist nur ein Detail. Weshalb wohl gibt es Schuhe für 59.90 Euro und andere, die 750 Euro kosten? Ärgert Sie die Preisfrage?

Ach, wissen Sie . . . Nehmen wir anstelle von Schuhen einmal R ­ otwein. Eine Flasche, daneben eine andere. Zwei Flaschen. Dieselbe Form, g ­ leiche Menge. Doch beim Wein versteht jeder, warum ein « ­ Lafite» ­700 Euro kostet und ein Fontaine 19 Euro. Die Qualität liegt in der ­Herstellung, in der Fabrikation, in jedem Detail. Ein gut gemachter Schuh ist wie eine gute Flasche Wein. Wie lange dauert die Herstellung eines Schuhs?

Unsere Schuhe sind mindestens vier Tage auf der Montagestrecke in der Fabrikation. Bei industriell hergestellten Schuhen sind es zwei Stunden. Aber ein Schuh muss Zeit haben, sich dem Leisten ­anzupassen. Weshalb ist Ihre famose rote Sohle nicht durchgefärbt? Mit jedem Schritt verliert Ihr Markenzeichen ein wenig Farbe . . .

Wir haben tatsächlich versucht, sie durchzufärben. Aber es funktioniert nicht. Sie färbt ab, sie blutet aus, könnte man sagen. Es sieht wirklich aus wie Blut am Fuss. Sie haben die rote Sohle vor Nachahmung schützen lassen, auf der ganzen Welt. Ausser in der Schweiz – hier sagt der Gesetzgeber, eine rote Sohle sei ein dekoratives Element und kein Markenzeichen . . .

Die Schweizer Behörden verstehen wohl nicht so viel von diesen Dingen. Ich finde, sie sollten etwas genauer darüber nachdenken. Wir sind eine sehr bekannte Marke. Ausser für Schweizer Ämter. Das ist ein sehr kleines Denken, die Leute dort können sich offenbar kreative Prozesse und die Schaffung einer Marke nicht vorstellen. Was ist das Wichtigste, das Sie bisher als Unternehmer gelernt haben?

Am Anfang war es, Vertrauen in mich zu haben. Und anderen zuzuhören. Aber es gibt auch Ratgeber und Einflüsterer, von denen man sich abwenden muss. Wenn man als Designer von etwas überzeugt ist, muss man es machen. Auch wenn die Verkaufsabteilung oder sonst j­emand ­anderer Meinung ist. Man muss wissen, was man zeigen möchte – und das dann auch entwerfen. Die technischen Dinge kommen später. Und man muss seinen Enthusiasmus behalten, das Feuer und die Motivation. Und dann sollte man auch einmal mit sich selbst zufrieden sein. Wie finden Sie superhohe Absätze?

Ich glaube an Absätze. Ein Absatz ist Ausdruck von Zerbrechlichkeit, aber auch von Stärke. Der hohe Absatz verleiht der Weiblichkeit ihren Schwung. Er ist ein kleines Objekt, das nur am Fuss spielt, das aber dem ganzen Körper Spannung verleiht. Die Energie des Absatzes strahlt aus. Es ist eine physische und mentale Energie. Und wie soll man als Frau darauf gehen, Treppen steigen und Kopfsteinpflaster überqueren?

Einige Leute verstauchen sich ab und zu mal den Knöchel – meistens passiert das aber, wenn sie flache Schuhe tragen. Mit Absatz passiert das

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sehr selten. Höchstens, wenn eine Frau betrunken ist. Sonst nicht. Weshalb? Weil Absätze nach Körperbeherrschung verlangen. Mit A ­ bsätzen spürt man den Körper, mit flachen Schuhen vergisst man ihn. Man muss sich umso mehr auf die Körperhaltung konzentrieren. Und manchmal lässt halt die Konzentration nach . . . Haltung und Körperhaltung sind etwas, was mich immer fasziniert hat.

«Die Schweizer Behörden verstehen wohl nicht so viel von diesen ­Dingen. Ich finde, sie sollten genauer ­darüber nachdenken.» – Der Meister auf die ­Frage, weshalb seine rote Sohle überall ­geschützt ist, ausser in der Schweiz. Flache Schuhe sind eine Notwendigkeit, nicht wahr?

Flache Schuhe waren schon immer notwendig. Der allererste Schuh, den ich entworfen habe, war flach. Ich bin mit drei Schwestern aufgewachsen. Ich kenne den Alltag, die Bedürfnisse und Wünsche von Frauen. Es gibt nicht den einzigen perfekten Schuh. Diese Anspruchshaltung habe ich nie verstanden. Wenn etwas perfekt ist, was kommt dann? Daneben hat noch vieles mehr seine Existenzberechtigung. ­Flache Schuhe und hohe Absätze, spitze Modelle oder solche mit runden Kappen . . . Und für Männerschuhe?

Lustigerweise sind bei Männern Sneakers sexier als, sagen wir: ­ okassins. Der Sneaker ist das Pendant des Mannes zum sexy M ­Damen-Pump. In einem Turnschuh liegt viel Kraft. Und viel Arbeit. Das ist ein sexy Männerschuh. Wann ist ein Männerschuh ein guter Schuh?

Wenn es ein Schuh ist, der dem Mann und seiner Frau gefällt. Ein guter Schuh kommuniziert zwischen demjenigen, der ihn trägt, und den Leuten, die ihn sehen. Und wenn der Schuh nur dem Träger gefällt, s­ ollte man sich das Vergnügen, ihn zu tragen, trotzdem gelegentlich erlauben. Manchmal ist es super, ein Egoist zu sein. Der gute Damenschuh ist präsent, verschwindet aber auch wieder und lässt der Frau Raum, sich auszudrücken. In einem guten Schuh sieht man zuerst die Frau. Die gute Haltung der Trägerin fällt einem auf, bevor man den Schuh bemerkt. Männer schauen erst auf die Schuhe, wenn sie einen Hinweis bekommen – von der Postur der Frau, die ihn trägt. Mussten Sie Ihr Handwerk neu lernen, als sie anfingen, Männerschuhe ­herzustellen?

Nein, es war ganz anders. Ich dachte, Männer seien sehr tradi­tionell und behielten ihre Schuhe fünfzig Jahre lang, um sie dann an den Sohn zu vererben. Ich habe lange Männerschuhe nur für mich g ­ emacht, um mich zu amüsieren. Ich dachte nicht, dass andere Männer Schuhe so sehen wie ich. Doch die Beziehung des Manns zum Schuh hat sich ­geändert. Männer kaufen heute auch intuitiv und aufgeregt und aus Freude an neuen Dingen. Sind Schuhe Fetischobjekte für Frauen und Männer?

Früher habe ich Schuhe für Cabaretbühnen in Paris entworfen. Seither weiss ich, dass in jeder Frau ein Showgirl steckt. Genauso steckt in jedem Mann ein Showman. Als ich mit der Männerlinie anfing, war ich überzeugt, das Design anders angehen zu müssen als bei der Linie für Frauen. Das Gegenteil ist der Fall. Ich entwerfe jetzt für Männer

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Story  WW-Persönlichkeit Bilder: Getty Images, Dukas

VIELE SCHÖNE SCHUHE

Wer berühmt ist, hat coole Freundinnen. Wer zudem die schönsten Schuhe macht – und solche verschenkt –, hat viele coole und schöne Freundinnen (plus mindestens zwei Freunde).

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WW-Persönlichkeit  Story

und Frauen nach den gleichen Grundsätzen, nämlich mit Vergnügen an der Sache und ohne Einschränkungen. Denn nur so passieren die guten Dinge. Diese Erkenntnis hat mich sehr befreit. Warum tragen Männer extravagante Schuhe?

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Im Geschäftsalltag bewegt sich der Mann immer noch hauptsächlich in einem Umfeld, das eine bestimmte Garderobe verlangt. Und abends, gerade im Smoking, sehen Männer auch alle ähnlich aus. Es ist aber ein Bedürfnis des Menschen, auch des Mannes, seine Persönlichkeit auszudrücken. In den 1950er Jahren gab es diese Möglichkeit kaum. Man hielt sich an die Uniform. In den 1960er Jahren fingen Männer an, mit dem Haarschnitt und auch mit Farbe in der Kleidung zu experimentieren. In den 1970er Jahren ging es erstmals ein wenig um Extravaganz. Doch erst seit etwa zehn Jahren kann der Mann sich mehr oder weniger ungeniert durch seine Kleidung von anderen abheben. Interessieren Sie sich für die Looks der Menschen auf der Strasse?

Natürlich, immer. Aber ich schaue nie explizit auf die Füsse. In Paris haben die Frauen einen guten Gang. Der Gang der Pariserin, der Leute in Paris im Allgemeinen, ist gut. In Vierteln, in denen die Pariser leben und es nur wenige Touristen gibt, findet man ein schönes Strassenbild.

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Die Pariserin – ist sie weltweit stilprägend?

Die Pariserin sehe ich als freie Frau. Die Kultur prägt sie wie ihre Gene. Sie kann aus dem Vollen schöpfen: Mode, Schönheit, die gros­ sen Juweliere, die ­Kürschner, die Couturiers . . . Die Pariserin ist deshalb auch untreu. Im Vergleich zur New Yorkerin, die von Kopf bis Fuss ­assortiere Farben und Stücke eines einzigen Designers trägt. Die Amerikanerin mag die gesellschaftliche Uniform lieber. Die ­Pariserin ist so gesehen undiszipliniert, weil sie alles mischt. Sie liebt b ­ estimmte Marken und Silhouetten, aber damit hat es sich. Sie kleidet sich, wie es ihr gefällt. Ihre Kollektion für den kommenden Winter heisst «La Répétition» – wiederholen Sie sich?

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1. Christian Louboutin mit Karl Lagerfeld und Ashley Olsen, New York, 2014. 2. Mit Reese Witherspoon (links) und Alessandra ­Ambrosio, BoutiqueEröffnung in Brentwood/ Kalifornien, 2015. 3. Mit Diane von F ­ urstenberg, Ausstellung «Journey of a Dress» in Los Angeles, 2014. 4. Mit Monica Bellucci, ­Antiques Fair Paris, 2006. 5. Mit Carla Bruni Sarkozy (Mitte) und Farida Khelfa, Paris Fashion Week, 2016. 6. Mit Kylie Minogue, E ­ lton John, Aids-Foundation­Party, Los Angeles, 2015. 7. Mit Kate Moss, «Ritz Hotel», Paris, 2011. 8. Mit Hamish Bowles, Benefiz-Gala, New York, 2011. 9. Mit Naomi Campbell, ­Filmfestival Cannes, 2010.

Ich will nicht jede Saison eine Revolution anzetteln. Wenn Stücke die Zeit überdauern sollen, führt das auch zu einer Wiederholung von Kodizes, Farben und Materialien, die ich mag. Formen zu ändern, ist leicht. Aber ich stelle mein Design und meine Arbeit nicht jede Saison in Frage. Ich funktioniere so, wie ich denke, dass auch Frauen funk­ tionieren: Ich glaube, dass man schöne und gute Dinge behalten will. Ich arbeite nicht für den Moment, sondern mit einer Idee, die dauerhaft ist. Halten Ihre Schuhe lange?

Ich freue mich, wenn Kundinnen meine Schuhe lange tragen. Wenn ein Schuh nach fünf Jahren noch so gut funktioniert wie am Anfang, habe ich etwas richtig gemacht. Aber ich mag es natürlich auch, wenn sie ein neues M ­ odell aus der aktuellen Saison am Fuss haben. In welche Schuhe soll man jetzt investieren?

Kommt drauf an, für welchen Anlass man sie braucht, welchen ­ ebensstil man pflegt. Ich gebe keine pauschalen Empfehlungen. Ich L ­werde gern von meiner eigenen Arbeit überrascht. Ich bin jedes Mal neugierig, welche Modelle sich wie gut verkaufen. Ich weiss das nie im Voraus. Werden Sie oft überrascht?

Oh ja. Ich habe vor einiger Zeit einen Männerschuh entworfen, eine klassische Form aus den 1950er Jahren, aber sehr übertrieben, mit ­Absatz, vorne spitz zulaufend. Beinahe wie bei einem Pump für Frauen. Sechs Monate lang passierte nicht viel. Dann plötzlich ging es los, das ­Modell wurde ein Renner. Manchmal ist es eben eine Frage der Zeit.

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Bilder: Jonas Kuhn

Story  Nachhaltiges Bauen

Das «Flaggschiff» genannte Hauptgebäude hat 300 Quadratmeter Wohnfläche, das kleinere «Stöckli» rund 100. Bis auf das Fundament, das aus Beton ist, sind beide Häuser aus Holz; sie stehen im Allgäu (Deutschland).

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Holzhütte

Nachhaltiges Bauen  Story

Es gibt wenig Argumente gegen WOHNBAUTEN AUS HOLZ und viele dafür: Holz ist ein NATURMATERIAL, das schön altert und nachwächst. Seit in der Schweiz neue Brandschutzvorschriften gelten, dürfen auch Schulen, Altersheime oder Ladengeschäfte aus Holz sein– sogar HOLZHOCHHÄUSER sind erlaubt. Der Schweizer Designer ALFREDO HÄBERLI hat sein erstes Einfamilienholzhaus entworfen, gebaut hat es das deutsche Unternehmen BAUFRITZ. Text:

CAROLE BOLLIGER

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B

Story  Nachhaltiges Bauen

Bauen mit Holz wird in der Schweiz beliebt. Michael Meuter von «Lignum – Holzwirtschaft Schweiz» schätzt den Marktanteil von Holzbauten im Schweizer Baugeschäft zurzeit auf 14 Prozent. Am meisten wird Holz bei Einfamilienhäusern verwendet, in 15 bis 18 Prozent der Fälle, mit anderen Worten: Jedes sechste neugebaute Privathaus ist aus dem nachwachsenden Naturmaterial. «Der Trend zu umweltschonendem und klimafreundlichem Bauen gibt Holz kräftig Schub», sagt Meuter. Aber nicht bloss ökologische Gründe sind verantwortlich für die Beliebtheit des

Naturprodukts. 2005 traten in der Schweiz ­holzfreundlichere Brandschutzvorschriften in Kraft, die es e­ rmöglichten, bis zu sechs Geschosse hoch aus Holz zu bauen – seither entstehen in der Schweiz jedes Jahr ­Hunderte grosser ­Wohn-, Büro- oder Schulgebäude aus Holz. Der Werkstoff kann nun zum Beispiel auch für ­Hotels, Altersheime oder Verkaufsgeschäfte bis 30 Meter Gesamthöhe verwendet werden; ­unter bestimmten Voraussetzungen sind sogar Holzhochhäuser möglich – das e­ rste entsteht derzeit in der Innerschweiz. «Der Holzbau expandiert, weil er hochleistungsfähig und auch preislich ­attraktiv ist», sagt Meuter von der Holzwirtschaft. Die ­Digitalisierung erlaube etwa die ­millimetergenaue ­industrielle Vorfertigung, das sei e­ xakt und rationell, und dadurch ­verkürze sich die Bauzeit. Aber auch enorme ­Fortschritte in der Verleimung von Schichtholz wirken unterstützend, und Entwicklungen bei Konstruktionshölzern schaffen neue Voraussetzungen für architektonische ­K reativität. SEIN LIEBLINGSMATERIAL

Hier setzt auch die Zusammenarbeit der Allgäuer Firma Baufritz mit dem 52-jährigen Schweizer Produktdesigner Alfredo Häberli an. Das 120 Jahre alte Familienunternehmen hat sich nach eigenen Angaben vom klassischen Zimmereibetrieb zum Pionier des ökologisch und baubiologisch n ­ achhaltigen Hausbaus entwickelt. Die Baufritz-Verantwortlichen gehen der Frage nach, wie ideales Wohnen in der Zukunft aussieht. Und dabei ist Nachhaltigkeit ein wichtiger Punkt. In den vergangenen zwei Jahren sind mit Hilfe von Häberli ein «Flaggschiff» genanntes Hauptgebäude mit 300 Quadratmetern und ein kleineres Nebengebäude, das «Stöckli», auf rund 100 Quadratmetern entstanden. Bis auf das Fundament, das aus Beton besteht, sind beide Häuser aus Holz. «Kein Kunststoff kommt an dieses Material ran», sagt Häberli, der Holz darum als sein Lieblingsmaterial bezeichnet. Und obwohl er schon lange damit arbeite, staune er immer wieder, wie schön Holz zum Beispiel a­ ltere, sagt er. Im Hauptgebäude wird das Erdgeschoss sowohl optisch als auch Sie hatten einen Plan, nun haben sie zwei Häuser am See – Kooperation funktional von einem Rückgrat von Baufritz, einem deutschen Serienhaushersteller, getragen: einem Wand­möbel mit und Alfredo Häberli, einem Schweizer Designer aus Buenos Aires, viel Stauraum, das sich über die der in Zürich lebt und arbeitet.

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«Hier ist etwas Machbares entstanden», sagt BaufritzChefin Dagmar Fritz-Kramer, nämlich ein qualitativ hochwertiges, wohngesundes ökologisches Haus, dessen Baukosten zehn Prozent über den Kosten eines konventionellen Hauses liegen.

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gesamte Gebäudelänge erstreckt. ­D ieses ­Möbelstück ist Trenn- und Rückwand in ­einem. ­Rundherum gibt es kleine ­R äume. ­Stehen Schiebetüren offen, werden die Räume zu Nischen. «Das Erdgeschoss ist die E ­ tage der Ruhe, ein Ort der Privatheit», ­erklärt Häberli sein Konzept. Viele Räume seien ­definiert, a ­ ndere w ­ iederum hätten keine klar definierten Funktionen. Das Obergeschoss ist ein lichtdurchfluteter, grosszügiger Raum mit Küche, Esszimmer und vorgelagerter Terrasse, ähnlich einem

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Nachhaltiges Bauen  Story

«Der Holzbau expandiert, weil er ­hochleistungsfähig und preislich attraktiv ist», sagt Michael M ­ euter von der Holzwirtschaft. Die Digitalisierung ­erlaube die millimetergenaue, industrielle Vorfertigung, das verkürze die Bauzeit. Auch Fortschritte in der ­Verleimung von Schichtholz wirken ­unterstützend, und weiterentwickelte Konstruktionshölzer s­ chaffen neue Voraussetzungen für architektonische Kreativität. Nr. 5 2016

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Bootsdeck. Als eine Art Loft mit durchgehenden Fensterflächen gibt es weder Wände noch Pfeiler. Im hinteren Teil, dem Wohn­bereich, bildet eine drehbare Media-Koje einen Raum im Raum. Als Landschaft mit Terrassierung wirkt sie wie eine Bühne und dient zugleich als Sitz-, Liege- und Ablagefläche. Entlang der Aussenwände verläuft ein fenster-­simshohes Bücherregal, das viele weitere Nutzungsmöglichkeiten zulässt. Während der Gestaltung und Planung seines Werks mit Namen «Haussicht» hat

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Story  Nachhaltiges Bauen

«Was passiert, wenn die Kinder ausziehen? Wenn die ­Bewohner älter werden, aber dennoch im Haus bleiben möchten?» – Häberli hat zuerst gedacht, dann geplant.

sich Häberli damit beschäftigt, was mit einem ­G ebäude im Laufe der Zeit passiert. Damit ­meine er nicht das Altern des Hauses, sondern die wechselnden Ansprüche, die an die Funktion gestellt würden, sagt er. «Was passiert etwa, wenn die Kinder ausziehen? Wenn die Bewohner älter werden, aber dennoch im Haus bleiben möchten?» Oder darüber hinausgehende Überlegungen, die etwa Wohnen und Arbeiten im Haus betreffen und so weiter. Häberlis Lösungsansatz: Neben dem Hauptgebäude ein kleineres Haus, ein sogenanntes Stöckli, zu bauen. Dieses kann als Atelier, Gästehaus oder als Altersresidenz verwendet werden. «Das Stöckli ist mein Versuch, dieses wichtige Thema für eine besondere Gestaltung zu nutzen und daraus ein neues Raum- und Nutzungskonzept zu entwickeln.» Häberli nennt das «barrierefreies Wohnen». Der Name «Haussicht» kam z ­ ustande, weil es Häberlis Sicht darauf ist, wie wir in Z ­ ukunft leben werden. DREI JAHRE SPÄTER

«Alfredo Häberli zeichnet aus, dass er spüren kann, wo ein Material hinwill», sagt Baufritz-Chefin Dagmar Fritz-Kramer über den Kooperationspartner. Und trotz Vorurteilen, dass ein Designer vor allem auf Äusserliches achte, habe sie von Anfang an darauf vertraut, dass er auch ein funktional überzeugendes Haus bauen könne. 38  WW Magazin

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Die Verbindung von Baufritz und H ­ äberli wirkt organisch. Es dauerte aber einige Zeit, bis der Designer, der noch nie zuvor ein Haus entworfen hat, und der Anbieter von Serienhäusern zusammenfanden. H ­ äberli erzählt, er habe nach dem Lesen eines A ­ rtikels über Baufritz die Geschäftsführerin Dagmar FritzKramer, die das Familienunternehmen seit zwölf Jahren in der vierten Generation leitet, angeschrieben und eine Zusammenarbeit vorgeschlagen, aber keine Antwort erhalten. «Ich habe den Brief gelesen, er ging aber ­irgendwie unter», sagt Fritz-Kramer. Doch drei Jahre später meldete sich die Baufritz-Chefin dann doch. Und gleich beim ersten Treffen habe Häberli ­erkannt, dass ­Baufritz der p ­ erfekte Partner für sein Projekt sei. Die Chemie habe gestimmt, und die Idee mit dem Stöckli überzeugte D ­ agmar Fritz-­K ramer s­ ofort. «Alfredo Häberli zeichnet aus, dass er spüren kann, wo ein Material hinwill», sagt sie über den Kooperations­partner. Und trotz Vorurteilen, dass ein Designer vor a ­ llem auf Äusserliches achte, habe sie von Anfang an darauf vertraut, dass ­Häberli auch ein funktional überzeugendes Haus bauen könne. Bevor Häberli sich an die Planung seines Systembau-Hauses machte, betrieb er ­Recherche über Bauökologie und Baubiologie. «Als Nicht-Architekt wollte ich mich nicht l­ächerlich machen», sagt er. Von der Technik und der Produktion, die im Hause ­Baufritz stattfindet, wollte er anfangs nicht viel wissen. «Ich muss in der Gestaltungsphase möglichst frei sein.» Dann würden vor seinem inneren Auge Bilder entstehen, die er

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Nachhaltiges Bauen  Story

reifen lasse, bis sie ausgearbeitet und vollständig seien. Seine grösste Herausforderung sei es gewesen, die Vision des Ganzen, des fertigen Hauses, nicht zu verlieren, sondern Aus­dauer zu zeigen und an seine Initialidee zu g ­ lauben. «Wenn ich einen Stuhl designe, ­setze ich mich drauf und merke, ob er ­bequem ist oder nicht. Beim Haus sieht man es erst, wenn es fertig ist», sagt er. Dagmar Fritz-Kramer liess dem Schweizer Designer freie Hand. Und wenn ihre ­A rchitekten und Ingenieure sagten, etwas sei nicht möglich, dann hielt sie dagegen, man müsse es halt möglich machen. Ihr Ziel war, Experten aus unterschiedlichen Bereichen in einem Boot zu versammeln und ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Und dass dies klappte, erklärt die Baufritz-Chefin damit, dass «jeder befeuert war von der Idee, etwas wirklich Neues zu schaffen». Nicht immer lief alles wie am Schnürchen, logischerweise. Zum Beispiel war lange nicht klar, ob und wie das Terrassengeländer funktionieren würde. Die Verantwortlichen der Technik meinten, es halte nicht. Also musste

es ausprobiert werden. Mit dem Ergebnis, dass das Geländer stark ­genug geplant worden war und seine Aufgabe e­ rfüllte. Dass für jedes Problem eine Lösung gefunden werden konnte, hing auch mit der Überzeugung von Fritz-Kramer ­ z usammen: «‹Haussicht› sehe ich als Pionierarbeit für ökologisches Bauen, so war es von A ­ nfang an gedacht. Ich ­g laube ­daran, dass sich das Thema mit ­L ebensfreude verbinden lässt, mit Schönheit, Spass und Genuss. Es m ­ usste gelingen, Techniken und Formen dafür zu finden.» Und das Beste sei, findet sie, dass mit «Haussicht» mehr als nur ein Showcase produziert worden sei: «Hier ist ­etwas Machbares entstanden» –ein qualitativ hochwertiges, wohngesundes ökologisches Haus, dessen Baukosten etwa zehn Prozent über den Kosten eines konventionellen Hauses liegen und das modellhaft für eine zukunftsgerichtete Form des Wohnens stehe, findet Fritz-Kramer. Das Ziel sei erreicht, wenn jemand ins Haus ­trete und sage: «Was, das ist öko? Hätte ich mir nie so modern vorgestellt, es sieht aus wie hightech.»

«Wollte mich nicht lächerlich machen», Designer Alfredo Häberli entwarf sein erstes Haus.


Story  Streaming-Dienst

Loading…

Das Ergebnis einer guten und INNOVATIVEN GESCHÄFTSIDEE ist oft die Frage: «Wie haben wir bloss früher gelebt, ohne . . . ?» Wer den Film- und TV-Serien-Streaming-Dienst abonniert hat, fragt sich vielleicht nicht gerade, wie er ohne Netflix g ­ elebt hat. Aber er fragt sich, was er früher abends ohne DAS UNTERHALTUNGSPROGRAMM gemacht hat. 40  WW Magazin

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D Text:

TOBIAS MOORSTEDT

Die Idee zu Netflix kam Reed Hastings, weil er sich ungern mit seiner Ehefrau streitet. Ende der 1990er Jahre hatte der amerikanische Computerwissenschaftler einmal ­vergessen, den Film «Apollo 11» in die ­Videothek ­zurückzubringen. Nun ­musste er vierzig ­US-Dollar S ­ trafe zahlen. «Ich habe es ihr verschwiegen», erinnerte er sich später, «und mich dann geärgert, dass ich den Ehefrieden wegen eines Versäumniszuschlags riskiert hatte. Es ­musste einen besseren Weg geben.» Hastings, der zuvor die ­F irma ­P ulse Software gegründet und an die ­Börse ­gebracht hatte, entwarf also ein neuartiges DVD-Verleih-Geschäftsmodell nach dem Vorbild eines Fitnessstudios: «Man kann das ­A ngebot so oft nutzen, wie man will.» Je nachdem, wie viel Kraft man hat. Knapp zwanzig Jahre später ist Netflix an der Börse zirka 41 Millionen US-Dollar (Forbes, Stand Mai 2016) wert. Der Konzern hat 81 Millionen Nutzer (Stand Juni 2016) in 190 Ländern und veränderte das ­G eschäft mit der Unterhaltung wohl mehr als jeder P ­ layer seit den Warner-Brüdern zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. ­Würde man die ­G eschichte von Hastings verfilmen, w ­ ürde der flick (englisch für Streifen) im sehr differenzierten Genre-Raster von N ­ etflix – i­ nsgesamt gibt es mehr als ­­76 000 Kategorien – vielleicht so eingeordnet werden: «Romantische Film-­Biografie», «Showbiz-Drama, basierend auf einer wahren ­G eschichte», «Inspirierter BusinessFilm». Die Wandlung ist rasant: Netflix begann als Online-Videothek, die DVDs in kleinen roten Umschlägen an Kunden ­verschickte. 2007 wurde der Streaming-Dienst – bei dem man Filme digital konsumieren kann,

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Streaming-Dienst  Story

ohne sie herunter­laden zu müssen – eingeführt. 2013 kam mit D ­ avid Finchers «House of Cards» die e­ rste selbstproduzierte Serie, die vom ersten Tag an vollständig verfügbar war und die sogenanntes binge-­watching (englisch für exzessiven Konsum; alle oder mehrere Folgen auf einmal) e­ rmöglichte. Im Januar 2016 wurde das Netflix-­A ngebot s­ imultan in 130 weiteren Ländern erhältlich – d ­ arunter auch die Schweiz, wo Filme und Serien deutsch oder französisch synchronisiert oder in der englischen Originalfassung zu sehen und hören sind, dies für rund fünfzehn Franken im Monat. Im Frühsommer kam mit «Marseille», in der Gérard ­Depardieu einen korrupten B ­ ürgermeister spielt, die erste europäische Netflix-Serie heraus. Und das Tempo der Entwicklung soll weiter hoch bleiben. «In den kommenden zwanzig Jahren», sagte Hastings in einem ­Interview mit der New York Times, «wird das l­ ineare Fernsehprogramm aufhören zu existieren. Genau wie Festnetztelefonie.» Wenn Hastings und andere NetflixManager den Erfolg des Unternehmens ­erklären sollen, reden sie interessanterweise weniger über hochwertige TV-­Serien oder komplexe Computerprogramme, sondern über die Kultur des Unternehmens: Von ­Beginn an hatte Hastings ein Unternehmen schaffen wollen, das sehr schnell wächst, ohne den unternehmerischen Start-up-Geist zu verlieren. ­Netflix ­w urde zum angewandten Test seiner Theorie. Zum einen zahlt das U ­ nternehmen hohe Gehälter, um die besten Mitarbeiter zu bekommen. Aber auch A ­ bfindungspakete bei Kündigungen sind a ­ ussergewöhnlich grosszügig, damit ­ A bteilungsleiter ­u nterdurchschnittliche Performer nicht aus schlechtem Gewissen behalten. ­Einen Einblick in die Netflix-Kultur gibt eine ­Powerpoint-Präsentation von Hastings, die auf Slideshare.net mittlerweile mehr als vierzehn Millionen Mal angeklickt ­w urde. Zu den wichtigsten U ­ nternehmenswerten ­gehören demnach Urteilskraft, Neugier und Mut. Weiter heisst es: «Wir sind ­keine F ­ amilie, ­sondern ein Team, das in der höchsten Liga spielt ( . . . ) Wir brauchen Stars auf jeder Position des Feldes.» In der jährlichen «Disrupters»-­Liste von Vanity Fair, in der Unternehmer d ­ anach beurteilt werden, wie sehr sie «die Welt verändern und erobern», landen Hastings und sein Chief of Content, Ted Sarandos, regelmässig in den Top Ten (abgehängt nur von Mark Zuckerberg, Larry Page und Elon Musk). Das ist kein Wunder, denn Netflix steht fast idealtypisch

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für die wichtigsten Glaubenssätze und Technologien des ­Silicon Valley: WEM DATEN GEHÖREN, DEM GEHÖRT DIE WELT

Vom ersten Tag an hat Netflix enorme ­Datenmengen über das Sehverhalten der Kunden gesammelt. Die Fähigkeit des Konzerns, Nutzervorlieben zu analysieren, nach Mustern zu suchen, und Einkauf sowie Produktion auf die Erkenntnisse abzustimmen, ist ausserordentlich. Das beste Beispiel ­dafür ist wohl die ­Serie «House of Cards», die von Kritikern ausgezeichnet und von Zuschauern geliebt wird. Darin gibt es zu sehen, was Netflix-­Zuschauer aufgrund der Big-Data-Erkenntnisse und dem Algorithmus sehen wollen, nämlich eine spannende Handlung v ­ oller Überraschungen in einer schicken Welt –und Kevin Spacey ­sowie Robin Wright in den Hauptrollen. NUTZUNGSRECHTE SIND WICHTIGER ALS BESITZ

Genau wie Airbnb, Uber und andere Aushängeschilder der Sharing Economy profitiert Netflix davon, dass es den Kunden egal ist, wer ein Objekt oder Produkt rechtlich besitzt und wo es sich genau befindet, wenn man es nicht gerade nutzt; ­Hauptsache, es ist da, wenn man es braucht. INHALTE ÜBER ALLES

Nutzer können heute unter so vielen ­A nbietern wählen, dass sie nur den wählen, der hat, was sie suchen. Im Falle von N ­ etflix bedeutet das: Serien, die man ­gesehen ­haben muss, um in der ­M ittagspause im Büro mitreden zu können. Nur drei Jahre nach dem Start ins Produktionsgeschäft stehen Netflix zurzeit schon 600 Stunden eigene P ­ rogramminhalte zur Verfügung. Unter den Hits befinden sich scheinbar ­obskure Dokumentationen wie «Making a Murderer» ebenso wie Blockbuster-Serien wie «­Marvels ­Daredevil». GRÖSSE SPIELT KEINE ROLLE

Ein Unternehmen muss nicht gross sein, um die Welt zu verändern. Noch 2010 s­ pottete Jeff Bewkes, der ­Vorstandsvorsitzende von Time Warner, über Netflix: «Das ist, als würde die albanische Armee die Welt ­erobern.» Heute sagt sein ­Kollege John Landgraf von FX Networks: « ­ Netflix ist für mich eine Firma, die versucht, die Welt zu erobern.» Und es klingt so, als habe er Angst. Aus gutem Grund, so sieht es aus: Amerikanische Netflix-Nutzer verbringen h ­ eute bis zu zwei Stunden täglich mit dem ­A ngebot des Streaming-Dienstes, zu

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Story  Streaming-Dienst

­ pitzenzeiten sorgt das Unternehmen für S 37 Prozent des gesamten Internetverkehrs von Nordame­r ika. Je mehr man sich als ­Medienkonsument an die ­personalisierte ­on ­d emand-Welt gewöhnt, desto altmodischer erscheint einem die ­traditionelle TV-Logik, in der man eine Woche auf die nächste ­Folge einer Show warten muss oder in der die D ­ okumentation über die Folgen des Klimawandels von ­Werbespots der ­Unternehmen unterbrochen wird, die ­dafür mitverantwortlich sind. Und bevor wir es vergessen: Wer ist heute noch b ­ ereit, zu den Zeiten fernzusehen, zu denen es sich Sender­a nstalten wünschen, während man bei Netflix alles ­immer abrufen kann? Jede Zeit bekommt die Traumfabrik, die sie verdient. In der ersten ­Hälfte des 20. Jahrhunderts etablierte sich, analog zur Massenkonsumgesellschaft, das ­Hollywood-Studiosystem, das Stars und Träume am Fliessband lieferte. In den 1960er und 1970er Jahren stellten die jungen Wilden um Francis Ford Coppola, e­ benso wie die APO (ausserparlamentarische

Opposition) und die Hippies, Regeln in ­F rage. Die 1980er brachten das Privatfernsehen und die Weltherrschaft des Pops. Und heute sitzt eben der Z ­ uschauer, ­unterstützt durch e­ inen Algorithmus, der errechnet, was Nutzer wollen, auf dem ­Regie- oder Programmdirektorenstuhl. Doch wie immer steht auch Netflix ­neuen Unternehmen gegenüber, die die ­Netflix-Idee übernehmen. «Kann N ­ etflix in der Welt überleben, die es selbst ­geschaffen hat?», fragte die New York Times. Anbieter wie Hulu, Vimeo oder Amazon Prime ­gefährden die Stellung des Streaming-­ Primus ebenso wie die alten Grössen Time Warner oder Disney. Der Konzern braucht ständig frisches Kapital, um teure Verwertungsrechte zu kaufen, und macht bisher nur wenig Gewinn (28 Millionen US-­Dollar im ersten Quartal 2016) – die Börse wird diese Zahlen nur akzeptieren, s­ olange die aktiven Nutzer weiter zunehmen. Aber ist endloses Wachstum möglich? Und wie wird sich der globale Unterhaltungsmarkt entwickeln? E ­ inerseits will die E ­ uropäische

Union Firmen wie Netflix mit e­ iner Quotenregelung dazu zwingen, bis zu 20 % der ­Inhaltsbibliothek für europäische ­Serien zu reservieren und die «heimische» Produktion durch Einzahlung in einen Fonds zu unterstützen. ­A ndererseits haben Nutzer oft kein Interesse an «heimischen» Inhalten und immer weniger Verständnis dafür, dass die Serie X zwar im US-Angebot von Netflix angeboten wird, aber nicht in der Schweiz, Frankreich oder Japan (weshalb Nutzer eine immer grössere Kompetenz entwickeln, die bestehenden Rechtsgrenzen durch Einsatz technischer Mittel zu unterlaufen). Und werden die Leute im Jahr 2025 überhaupt noch Serien gucken? Netflix-Gründer und Milliardär Reed Hastings bleibt entspannt, wenn es um mögliche Gefahren für sein Unternehmen geht: «Weil es so ­v iele unterschiedliche Formen der Unterhaltung gibt, kann es schon sein, dass ­F ilme und TV-Serien ­eines ­Tages wirken wie die Oper oder ein Roman, als eine Art historisches R ­ elikt. Aber das dauert wohl noch mindestens hundert ­Jahre.»

DIE WELT VON NETFLIX

Im Januar 2016 wurde Netflix in 130 weiteren Ländern freigeschaltet. Somit ist der Streamingdienst nun in fast a ­ llen Ländern der Welt verfügbar, einzig in der Volksrepublik China, Nordkorea, Syrien und auf der Krim nicht.

Verfügbar Nicht verfügbar

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Streaming-Dienst  Story

DIE BESTE SERIE AUF NETFLIX IST?

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Darüber gehen die M ­ einungen auseinander. Ist es «The Get Down» über die Entstehung des H ­ ip-Hop, weil sie die bisher t­ euerste E ­ igenproduktion ist (120 Mio. US-Dollar)? Oder die Gefängnis-Tragikomödie «Orange Is the New Black»? Oder doch der Krimi «Bloodline» . . . ? 2

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Bilder: Netflix

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1. «Narcos» (seit 2015), Pablo Escobars Aufstieg zum mächtigsten Drogenschmuggler aller Zeiten. 2. «Stranger Things» (seit 2016), Kinder verschwinden auf mysteriöse Weise in einer Kleinstadt. 3. «The Get Down» (seit 2016), New York in den siebziger Jahren und der Hip-Hop. 4. «Daredevil» (seit 2015), blinder ­Marvel-Superheld kämpft gegen Bösewichte. 5. «Orange is the New Black» (seit 2013), ­ Yuppie-Girl landet im Knast. 6. «Bloodline» (seit 2015), Familienzwist auf den Florida Keys. 7. «Marseille» (seit 2016), Bürgermeister kämpft um seine Wiederwahl.

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Gilet «Sculptors Weste», Fr. 369.–, Pullover «Ombre Black Heather», Fr. 199.–, Hose «Industriast Slim Hose», Fr. 149.–, Uhr «Airboss Mach 9 Black Edition», Fr. 2375.–, alles von VICTORINOX.


Markenentwicklung  Story

Styling: KIM DUNG NGUYEN  Model: MATIAS M./SCOUT

Schnittige Story AM ANFANG war das Offiziersmesser, auch SWISS ARMY ­K NIFE genannt. Mehr als ein Jahrhundert später

begann der Urenkel des Firmengründers, die Schwyzer ­Messerschmiede VICTORINOX in eine Mode- und Accessoire-Marke mit i­nternationaler Ausstrahlung umzubauen. Text:

Bilder:

JÜRG ZBINDEN

CYRILL MATTER

D

Die sogenannten Bösen haben sicher eins und die Guten erst recht: ein Original Schweizer Sackmesser beziehungs­ weise ein «Original Swiss Army Knife». Gegründet von ­Karl Elsener I. anno 1884, hat die einstige Messerschmiede mit H ­ auptsitz in Ibach, Schwyz, das zündrote Sackmesser weltbekannt gemacht, weder Schwinger noch Pfadfinder mögen auf ein schlichtes oder multifunktionales Victori­ nox-Messer verzichten. Mit ihm kann man ein Kreuz in die Grill-Cervelat schneiden, einen Bündner Herrschäft­ ler entkorken oder ein abenteuerliches Wochenende im

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Survival-Camp überleben. Das Schweizer Offiziersmesser, wie das rostfreie Original auch genannt wird, gehört nach wie vor zu den beliebtesten Mitbringseln von Touristen. In den 1980er und 1990er Jahren gelang Victorinox mit häufi­ gem product placement in der amerikanischen Fernsehserie ­«MacGyver» ein Coup, von dem man bis ­heute profitiert. Inzwischen wurde die Produktepalette erweitert. Das Victorinox-Logo findet man mittlerweile auf R ­ eisegepäck, Bekleidung, Uhren und Parfüms und natürlich immer noch auf einer Riesenauswahl an Haushalts-, ­B erufsund Taschenmessern. Victorinox hat aber nicht blind­ lings drauflosdiversifiziert und dabei die t­ raditionelle, eher konservative Kundschaft aus den Augen verloren oder mit einer trendbewussten Luxus-Klientel geliebäugelt wie die Verantwortlichen anderer Marken. Der Familienbetrieb in vierter Generation hält den festen Bodenkontakt, auch und gerade mit seinem Reisegepäck, auf Englisch: travel gear. Apropos Gepäck: Victorinox ist ein sogenanntes Koffer­ wort, das sich zusammensetzt aus dem Namen der ­Mutter des Gründers, Victoria, und Inox, der internationalen ­Bezeichnung für rostfreien Stahl. Die N ­ amensänderung der Einzelfirma Messerfabrik Carl Elsener in das Fami­ lienunternehmen Victorinox AG fand im Jahr 1979 statt. Wer den Victorinox-Flagship-Store am Zürcher ­Rennweg betritt, nur ein paar Schritte von der ­Bahnhofstrasse entfernt, braucht nicht lange zu suchen – die Koffer, Trolleys, Taschen und Rucksäcke befinden sich im

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DAS ORIGINAL

Mit multifunktionalen Taschenmessern fing alles an. Das «Swiss Army Knife» gilt als Kernprodukt der Victorinox-Linie.

WAITER

9 Funktionen, Fr. 14.–.

SWISSTOOL X

28 Funktionen, Fr. 138.–.

VICTORINOX@WORK USB 16 GB

8 Funktionen, Fr. 29.–.

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Story  Markenentwicklung

GROSSES ANGEBOT

Die Produktpalette umfasst sechs Kategorien, so auch Bekleidung, Reisegepäck und Uhren.

MANTEL «MASON W»

Fr. 629.–.

KOFFER «LEXICON DUAL-CASTER GLOBAL CARRY-ON»

Fr. 495.–.

UHR «ALLIANCE CHRONOGRAPH»

Fr. 565.–.

JACKE «STUDIO JACKE»

Fr. 399.–.

REISETASCHE «SPORT LOCKER SEESACK»­

Fr. 215.–.

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Eingangsbereich, der die Aufmerksamkeit der Besucher mit einem von der Decke hängenden Globus aus 15 824 klei­ nen, roten ­Taschenmessern auf sich zieht. Jährlich produ­ ziert Victorinox 25 Millionen Messer, das heisst 120 000 pro Tag (60 000 Taschenmesser und 60 000 Berufs- und Haushaltsmesser). Unsere Zeit hat es mit sich gebracht, dass je länger, je mehr gereist wird. Die Feriendestinationen entfernen sich dabei seit Jahrzehnten weiter und weiter vom Heimatland; Mallorca und Rimini waren gestern, heute ­locken Burma und Samoa.

verantwortlich für die markante Handschrift der ­Kollektion: der Brite Christopher Ræburn. Der Absolvent des Londoner Royal College of Art, Jahrgang 1982, ist ein g ­ efragter Mann; er ist nicht bloss «Artistic ­Director» von ­Victorinox, sondern führt auch sein eigenes Label mit Mens- und W ­ omenswear zwischen Alltag und Kunst. Zu seinem Markenzeichen ­entwickelt haben sich die ledernen Rucksäcke in tierischer Form, etwa jener eines ­Orang-Utans oder eines Hasen. Im Vorjahr hat Ræburn z ­ udem eine e ­ rste S ­ chuhkollektion für Clark entworfen, und für den Reisetaschenhersteller ­Modern Creation München, kurz MCM, zum vierzigsten Jahrestag der Firmengründung eine «­Capsule Collection» für globale Nomaden. Vor bald acht Jahren eröffnete Victorinox an der Lon­ doner New Bond Street einen dreistöckigen Flagship-Store und markiert seither Präsenz in einem internationalen Umfeld an bester Lage. Das Atelier von Ræburn und sei­ nem Team b ­ efindet sich im East End, zirka eine Autostun­ de von der Bond Street entfernt. Dort befindet sich auch das Archiv, in dem sämtliche Kollektionsteile, die er für ­Victorinox ­geschaffen hat, sorgsam aufbewahrt w ­ erden. Den Ritterschlag der Mode empfing der ­3 4-Jährige nicht von der Queen, sondern durch Anna Wintour, C ­ hefin der amerikanischen Vogue, die 2010 nach Begutachtung der­­ Designliebhaber werden vielleicht nicht gerade in haltlose Herbst/Winter-Kollektion des jungen Briten ihrer Begeisterung ausbrechen bei der Musterung des G ­ epäcks. ­L eserschaft riet: «Remember the four R’s – Reduce, ­Re-use, Doch es ist offensichtlich, worauf besonderer Wert gelegt Recycle and ­R æburn.» (Vergessen Sie nicht die vier R: wurde: auf die Funktionalität und den Preis. Das Preis- ­Reduzieren, ­re-use, also Wiederverwenden, Rezyklieren Leistungs-Verhältnis muss gut schweizerisch sein. Die am­ und Ræburn.) Noch im selben Jahr kontaktierte Victorinoxbitionierteste Linie der travel gear orientiert sich in puncto Konzernchef Carl E ­ lsener junior das Nachwuchs­talent – Design an einem Beruf, der dem Modedesigner dicht auf ­wobei dies möglicherweise nicht auf die Vogue-­Lektüre den Fersen ist: jenem des Architekten oder der Architek­ allein ­ z urückzuführen ist. Der von den Lesern der ­ andelszeitung zum «Unternehmer des Jahres 2013»tin. Architekten tragen Schwarz, so das Klischee. Bitte ­H sehr! Victorinox proudly presents: die ­«Architecture U ­ rban ­G ewählte nutzt ­bestimmt auch andere ­Informationskanäle Black Diamond Limited Edition». ­Je nach Modell sind 30 für die Besetzung wichtiger Stellen. bis 160 Stück in den Handel gelangt. Und ­diese Exklu­ Zur Auszeichnung trug auch die Übernahme des sivität hat ihren Preis: 595 Franken kostet eine ­Tasche, ­Konkurrenten Wenger bei. Wenger machte sich einen Namen als zweiter Originalhersteller des Schweizer 295 Franken ein Rucksack. Der Beobachter hielt dem Schwyzer Familienbetrieb ­Taschenmessers. 2013 liess Victorinox den Markennamen vor, Etikettenschwindel zu betreiben, indem das im Aus­ Wenger über die Klinge springen, heute werden sämtliche land produzierte Reisegepäck mit dem Swissness-Verkaufs­ Messer unter dem Namen Victorinox verkauft. Die lange, schon mehr als 130 Jahre währende ­Reise argument angepriesen wurde. Dass aber Konsumenten ­höhere Preise für in der Schweiz gefertigte Artikel in Kauf von Victorinox geht weiter, so sieht es aus. ­A llein für nehmen würden, ist zu bezweifeln. Ohnehin tritt 2017 das das ­U hrenkompetenzzentrum in Delémont gibt V ­ ictorinox neue Markenschutzgesetz in Kraft, das heisst, dass die ­unter «Neuste Investitionen» 32 Millionen Franken an. ­behauptete Schweizer Provenienz die Erfüllung ­strengerer ­Separate Investitionen 2015 waren 6 Millionen Franken Auflagen voraussetzt. für die S ­ pritzerei in Ibach, 3 Millionen Franken flossen in Unter Design-Fachleuten geniesst Victorinox einigen ­Gebäudesanierungen. Weltweit existieren ­ungefähr 50 000 ­Respekt, doch es gibt auch Kommentatoren, die eine ­gewisse ­Verkaufspunkte, wovon rund 80 V ­ ictorinox-­Retail-Stores Biederkeit feststellen. Das Schweizer Attribut dafür lau­ sind, neben Shop-in-Shops, ­ e igenen F ­ lagship- und tet «bünzlig», was oft schnell relativiert wird durch «e chli ­Brand-Stores. Sogar in den Anden, in ­Chile, Peru und bünzlig», «ein bisschen bieder» also. Nun sind aufsehen-­ ­B olivien, hat sich der Schweizer ­global brand nieder­ erregende Innovationen bei Reisegepäck eher die Ausnahme, gelassen. das ist auch beim Branchenriesen Samsonite nicht anders. Über 2000 Mitarbeiter zählt das Unternehmen ­Positionieren kann man sich aber auch über unternehmeri­ ­weltweit, davon arbeiten 1200 in der Schweiz. Für 2015 sche Entscheide: 2014 nahm Victorinox das Reisegepäck­ nennt ­Victorinox einen Umsatz von rund 500 Millionen geschäft von der amerikanischen TRG Group, der früheren ­Franken, über den Gewinn schweigt man sich aus. ­A llein mit Lizenznehmerin und Herstellerin für die Käuferin, in die ­Schwingern, Pfadfindern und Angehörigen der S ­ chweizer eigenen Hände und gründete eine neue Geschäftseinheit: Armee als Kunden kann ein Unternehmen, das sich die Victorinox Travel Gear AG. ­international ausrichtet und Präsenz auf dem Weltmarkt Im Gegensatz zum travel gear, für das ein ­Designteam markieren will, nicht erfolgreich sein. Das hat ­Victorinox zuständig ist, ist im Bekleidungssortiment ein Einzelner erkannt. Und seither wurde entsprechend g ­ ehandelt.

Vor bald acht Jahren e­ röffnete Victorinox an der Londoner New Bond Street einen d ­ reistöckigen Flagship-Store und m ­ arkiert ­seither Präsenz in einem inter­­ nationalen Umfeld an bester Lage.

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Jacke «Bernhold Steppoberhemd», F ­ r. 269.–, Tasche «Voltaire ­Tote/ Backpack», Fr. 295.–, beides von VICTORINOX.


Die Idee des «Spritz» ist noch älter als die von Aperol; sie existiert in Italien seit dem 19. Jahrhundert. Aperol gibt's «erst» seit 1919.


Kulinarik  Aussenbetrachtung

Bild: DANIELE KAEHR & MAYA WIPF

VERLEIHT FLÜGEL

Von Venedig aus eroberte APEROL die Bars der Welt. Das alkoholische BITTERGETRÄNK aus einer g­ eheimen Kräutermischung wird nicht nur zur blauen Stunde ­getrunken. ­GESPRITZT wird es ZUM ENERGY-DRINK. Text: SARAH STUTTE

W

er Venedig entdeckt, ob zu Fuss oder auf dem Wasserweg unter 395 Brücken hindurch, sieht vor allem eines, wenn er sich die Zeit dafür nimmt: Orange. In den vielen kleinen ­Osterien, die in den calli, den engeren Gassen Venedigs entlang der Seitenkanäle zu suchen und finden sind, wird ­Aperol Spritz getrunken. Und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit, wie man beim Beobachten von Einheimischen erkennt. Das orangefarbene Aperitif-Getränk gehört zur Lebensart der Lagunenstadt einfach mit dazu – und darum ist es in den Gastronomiebetrieben auch gut distribuiert, was man besonders dann bemerkt, wenn man um die Mittagszeit in einigen bacari einkehrt, schlichte Stehbars, von denen es die ursprünglichsten im Rialto-Viertel im Stadteil San Polo gibt, wo sich auch der ­grosse Gemüse- und Fischmarkt befindet. Hier, abseits der Touristenströme, treffen sich Venezianer auf ein Gläschen Hauswein, genannt ombra, oder eben einen Aperol und zu einem Schwatz. Traditionell isst man dazu kleine Tapas-ähnliche Häppchen, cicheti, die warm oder kalt angeboten werden und von Brotscheiben mit vielerlei Belag über frittierten Tintenfisch bis zu gefüllten Fleischbällchen reichen. Auch typisch venezianische Leckerbissen wie Sardinenröllchen in weisser Polenta oder cicheti mit ­baccalà mantecato-Belag (eingelegter Stockfisch) sollte man sich nicht entgehen lassen. Jede der Stehbars bietet eigene Spezialitäten an, weshalb die Vielfalt der Köstlichkeiten überwältigen kann. Genauso gross wie die Auswahl in den Auslagen der bacari scheinen die Kombinationsmöglichkeiten des Mixgetränks Aperol (siehe Randspalte), obwohl der Aperol Spritz wohl als bekanntester Drink ­daraus hervorgegangen ist. Dies konnten die Brüder Luigi und Silvio Barbieri natürlich noch nicht ­wissen, als sie 1919 von ihrer Heimatstadt Venedig aus ins benachbarte Padua an eine Messe reisten – im ­Gepäck den exklusiv dafür entwickelten Aperitif, in dessen Namen das französische Wort ­apéro steckt. Von der besonderen Mischung aus Bitterorangen, Chinarinde, Rhabarber, Enzian und einer V ­ ielzahl an Kräutern, die dem Getränk sein bittersüsses Aroma und die orangerote Färbung verliehen, waren die Brüder überzeugt – aber nicht nur sie. In Padua steht noch heute die erste Aperol-Fabrik, in der seit fast hundert Jahren die vielseitige Spirituose (in Italien und der Schweiz mit 11 % Alkoholgehalt, 15 % in Frankreich und Deutschland) produziert wird. Das Rezept ist immer unverändert geblieben, und noch immer sind die genauen Ingredienzen ein gutgehütetes Geheimnis. Die Idee des «Spritz» ist ­sogar noch älter als die von Aperol. Sie existiert in Italien seit dem 19. Jahrhundert, als deutsche Soldaten in der Region stationiert waren. Diese tranken den Wein mit einem Spritzer Wasser, wodurch das deutsche Wort in die italienische Sprache aufgenommen wurde. Seit 2003 gehört die Marke Aperol der Mailänder Campari-Gruppe, die mehr als 50 Spirituosen im Portfolio hat, darunter Cinzano oder Grand Marnier, doch der Umsatz von Aperol wächst mit ­Abstand am schnellsten. Im vergangenen Jahr wurden knapp 32 Millionen Liter Aperol weltweit verkauft (­Quelle: Süddeutsche Zeitung). Die Campari-Gruppe teilte mit, dass Aperol in der ersten Jahreshälfte 2016 ein zweistelliges organisches Wachstum erreichte, was vor allem dank positiver Resultate in den wichtigsten Kernmärkten zustande gekommen sei: in Italien, Deutschland, Frankreich, Belgien und der Schweiz. Auch bei uns hat Aperol Spritz innert kurzer Zeit viele Bars erobert und sich zu e­ inem Lieblingsaperitif entwickelt. Letzteres ging aus einer Umfrage für 20 Minuten online im Jahr 2013 hervor. Und er scheint im Sommer genauso beliebt zu sein wie als Après-Ski-Getränk im Winter. Während der Drink in den Städten der Deutschschweiz überall angekommen sei, biete sich in ländlichen Gegenden sowie in der Romandie grosses Wachstumspotenzial, heisst es von der Campari-Gruppe. Warum wohl lieben so viele den orangen Aperitif? Davide Fornasiero, Bartending-Trainer der C ­ ampariGruppe, erklärt es so: «Menschen trinken gerne in Gesellschaft. Der Aperol Spritz ist ein Drink, den alle mögen. Man teilt das gleiche Getränk und somit dasselbe Erlebnis.» Daneben sei er einfach zuzubereiten, man müsse nur die richtige Reihenfolge beachten. Das bedeutet: ein Original-Aperol-Glas oder ein Weinglas gut mit Eiswürfeln auffüllen, zuerst den Prosecco zu drei Teilen eingiessen, den Aperol zu zwei und zuletzt einen Teil Soda durch ein Siphon, damit sich die Flüssigkeiten gut vermischen. Gibt man dann noch eine Orangenscheibe und eine Olive auf einem Stick hinzu, holt man ein wenig venezianische Atmosphäre dahin, wo immer man sich befindet. Auch wenn Kanäle und Gondeln fehlen. Cin cin.

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DRINKS À GOGO

APEROL SPRITZ 4 CL Aperol, 6 CL Prosecco, ­ 2 CL Soda, Orangenscheibe oder Olive (Venezianische art), Eis APEROL POMPELMO 6 CL Aperol, 12 CL Grapefruitsaft, Eis APEROL CLASSICO 4 CL Aperol, Soda, eine Orangenscheibe, Eis APEROL WODKA 3 CL Aperol, 6 CL Wodka, Eis SWEETHEART 3 CL Aperol, 3 CL Wodka, ­ 3 CL C ­ ranberrysaft, 1 CL L ­ imoncello, 1­ CL Z ­ itronensaft, ­ 3 ­Cranberrys, Eis APEROL BETTY 6 Cl Aperol, 3 Cl Orangensaft, 3 Cl Grapefruitsaft, Eis APEROL ROYAL 4 CL Aperol, 6 CL Prosecco, 1 CL Kirschsaft, Eis CLIMAX COCKTAIL 3 cl Gin, 3 cl Lillet, 2 cl Zuckersirup, 2 cl Zitronensaft, 3 Himbeeren, 1 Eiweiss, 1 TL Absinth APEROL SLAMMER 3 Cl Aperol, 2 cl Triple Sec, 1 cl Maracujalikör, 2 cl Limettensaft, 2 cl Pfirsichsaft, 2 cl Maracujasaft, 4 cl Zitronenlimonade CAIPIROL 6 cl Aperol, 2 Tl Rohrzucker, ­ 3/4 Limetten APEROL SOUR 4 Cl Aperol, 2 CL Zitronensaft, 10 CL Orangensaft SUNFLOWER 4 CL Aperol, 6 CL Maracujasaft, 6 CL Ananassaft, 1 CL Grenadine, 8 CL Orangensaft, 4 CL Malibu FRESH SUMMER 1 CL Aperol, 1 CL Blue Curaçao, 3 CL weisser Rum, 2 CL Zitronensaft, 80 ml Orangensaft ITALIAN SLING 3 CL Aperol, 3 CL Gin, 2 CL Zitronensaft, 1 CL Zuckersirup, 1/2 cl Orangensaft, 1/2 Cl Sodawasser ABOVE 5 Cl Aperol, 4 CL Wodka, 1 CL Z ­ itronensaft, 1 CL Z ­ uckersirup, 1 ­E nergy-Drink 454 4 CL 2 CL 2 CL 4 CL

aperol, 4 CL Wodka, Orangensaft, 2 CL Kirschsirup, Amaretto, Bourbon-­W hiskey, EIs

WW Magazin 49


Aussenbetrachtung  Wanderlust

Illustration: ZOHAR LAZAR

«Berlin, wir haben ein Problem. Berlin?» Solange alles nach PLAN läuft, ist AIR ­BERLIN eine prima ­F LUGGESELLSCHAFT. Doch als unser vielreisender Autor ­einmal eine ­Beschwerde ­hatte, erlebte er, dass das U ­ nternehmen ­U NZUFRIEDENEN ­K UNDEN nicht helfen kann. Oder will. Text:

V

MARK VAN HUISSELING

Vielflieger wissen es: Man sollte, falls man seinen Seelenfrieden möchte, nie den Sitznachbarn fragen, wie viel er oder sie für seinen Platz im Flugzeug bezahlt hat. Denn die ­Chance ist hoch, dass er oder sie einen ganz anderen Preis bezahlt hat als man selber. Und zwar ­einen niedrigeren. In meinem Fall, den ich hier beschreibe, war die Sitznachbarin meine Ehefrau. Ich w ­ usste, wie teuer ihr Flugticket war. Gleich teuer wie meines nämlich, um die 500 Franken herum für die ganze Reise. Doch meiner Sitznachbarin und Ehefrau sollte auf einem anderen Gebiet eine andere Behandlung widerfahren. Das

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Verspätet angekommen, machten wir uns daran, unsere Fälle der zuständigen ­Air-Berlin-Abteilung mitzuteilen. Das heisst, wir fanden heraus, dass es keine dafür ­zuständige Air-Berlin-Abteilung gibt.

wusste ich aber noch nicht, als wir im Air-Berlin-Flug mit Nummer 3527 sassen und warteten, dass die Maschine die Startbahn von Palma de Mallorca verlässt, um uns nach Zürich zu bringen. Planmässig hätte der Start um 10.15 Uhr sein sollen. Wir hatten aber erfahren, dass er mindestens zwei Stunden später erfolgen ­werde. Um genau zu sein: Wir hatten dies beim Check-in im Flughafen erfahren, nicht

Oktober / November

zuvor mittels Textbotschaft aufs Mobiltelefon oder so. Ich bin Mitglied des Air-Berlin-­ Kundenbindungsprogramms, nebenbei, bringe es auf zehn bis zwanzig Flüge jährlich und dies seit Jahren. Ich gehöre also zu den besten und treuesten Kunden, meinte ich. Auf jeden Fall lernten wir erst im Flughafen, dass es nicht nötig gewesen wäre, das Frühstück im Boutique-Hotel in der Altstadt von Palma im Eiltempo zu verzehren.

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Wanderlust  Aussenbetrachtung

Um 13.23 Uhr schliesslich wurden die Bildschirme im Flieger eingefahren, was ein sicheres Zeichen ist, dass der Take-off unmittelbar bevorsteht. Aus Beweisgründen machte ich mit meinem Smartphone ein Foto des Bildschirms. Flugpassagiere haben nämlich Rechte. Respektive Fluggesellschaften haben Pflichten. Etwa die Pflicht, Kunden zu entschädigen, falls ­Verspätungen entstehen oder Flüge gestrichen werden und so weiter (nachzu­lesen im WWW auf der Seite mit der am Textende angegebenen URL). Verspätet zu Hause angekommen, machten wir uns daran, unsere Fälle der zuständigen ­A ir-Berlin-Abteilung mitzuteilen. Das

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heisst, wir fanden heraus, dass es keine dafür ­ zuständige Air-Berlin-Abteilung gibt. Man kann aber auf der Firmen-Website sein ­Anliegen mitteilen. Dort wird man dann aufgefordert, D ­ okumente, die den Vorfall beweisen, einzusenden. Leider ist es technisch nicht möglich, ein i­ Phone-Beweisbild zu übermitteln – das System akzeptiert das Dateiformat nicht  . . . Nach unseren Mitteilungen bekamen wir Eingangsbestätigungen (« . . .  versuchen wir Ihnen schnellstmöglich eine Antwort ­zukommen zu lassen»). Es blieb beim Versuch, ­vermute ich. Die E-Mail von Air Berlin hatte keinen Absender, eine Telefonnummer

Oktober / November

fehlte ebenfalls. Ich rief also die Nummer an, unter der man Flüge buchen kann, – eine solche gibt es –, dort nahm ein Mitarbeiter das Gespräch an. Und er war hilfsbereit: Er s­ agte, nachdem er gebeten hatte, seinen Namen nicht zu nennen, dass es Absicht sei, Kunden mit Reklamationen oder Ansprüchen zu zermürben. Er riet, jeden Tag die gleiche E-Mail von neuem zu senden, weil nur die Hartnäckigsten zum Ziel kommen würden. Nach zwanzig Tagen und E-Mails hatte ich Air Berlin noch immer nicht zermürbt. ­Meine Frau, übrigens, hatte bereits nach weniger ­E-Mails ein Angebot erhalten: 100 Euro Entschädigung (auf der Fluggastrechte-­Website steht, es hätten 250 Euro sein sollen). Ich ­bekam dann auch ein Angebot, nämlich, an ­einem Wettbewerb teilzunehmen, als Trostpflaster, da man mich nicht entschädigen ­könne, weil Gründe für eine Haftung in meinem Fall nicht gegeben seien . . . Air Berlin 1 : van Huisseling, Mark 0. Zermürbt wandte ich mich an die Medienstelle. Weniger wegen einer Entschädigung, mehr in der Hoffnung, mit einem Menschen mit N ­ amen ­reden und von ihm lernen zu dürfen, weshalb im Fall meiner Sitznachbarin Gründe für eine Haftung gegeben waren, bei mir dagegen nicht. Es rief niemand zurück, der reden durfte, obwohl ich mehrmals bei einer Assistentin darum gebeten hatte. Mehrere schriftliche Bitten um Kontaktaufnahme wurden ebenfalls nicht erhört. Damit wir uns richtig verstehen: Jeder hat das Recht, Fehler zu machen. Auch Air ­Berlin und ihre 9000 Mitarbeiter. Entscheidend ist, in meinen Augen, wie man damit umgeht. Die Fluggesellschaft hat wenig Interesse d ­ aran, so sieht es aus, Kunden, die meinen, sie hätten nicht die ihnen zustehende Dienstleistung ­erhalten, anzuhören, ernstzunehmen und eine Lösung für sie zu finden. Ein Recht auf diesen Fehler gibt es nicht, finde ich. Und jedem soll man zutrauen, dass er sich bessert, finden Menschen in Europa seit der Aufklärung. Auch Air Berlin soll das zugetraut werden. Obwohl, ganz sicher bin ich nicht in diesem Fall. Als ­W W-Magazin Redaktionsschluss ­hatte, gab der Chef der Fluggesellschaft f­ olgende News bekannt: Das Unternehmen wird die Mitarbeiterzahl um 1200 (14 Prozent) verringern und verkauft die Hälfte seiner Flugzeuge, um zu sparen. Air Berlin machte in den vergangenen drei Jahren eine Milliarde Euro Verlust.

FLUGGASTRECHTE Diese Website gibt Auskunft darüber, was Passagieren, ­deren Flüge annulliert werden, überbucht waren oder mit Verspätung verkehrten, zusteht: http://europa.eu/­ youreurope/citizens/travel/passenger-rights/ air/­index_de.htm

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Anleitung  Arbiter Elegantiarum

Redaktion: YVONNE WIGGER

FÜR DEN LUXUSTAG IM BÜRO

Sonnenbrille von EMPORIO ARMANI, ­ Fr. 201.–.

Halskette von GUCCI, ­ ca. Fr. 14 120.– (bei Net-a-porter.com).

Tasche von JIL SANDER, ­ ca. Fr. 1250.–.

Die Shorts zu kurz und ein No-go im Büro sowieso, dito die ­ausgeschnittenen Ankle-Boots mit hohen Absätzen.

Bluse von COS, ­ Fr. 115.–.

Schuhe von JIMMY CHOO, ­ Fr. 750.–.

52  WW Magazin

Einverstanden, nicht jede Frau, die es im Geschäftsleben weit b ­ ringen will, kann so SEXY ­GEKLEIDET ins Büro gehen wie Carmen B ­ usquets. Aber als Nachfahrin einer I­ndustriellenfamilie aus V ­ enezuela und wenn man mit Millionen-Investitionen in J­UNGE MODEUNTERNEHMEN eine gute Hand bewiesen hat, darf man das nicht bloss – man muss es tun. Nichts macht eine ­S TARKE FRAU STÄRKER, als ein Outfit, das e­ igentlich zu gewagt ist für ihre Stellung. Oktober / November

A

An ihrem Stil würden B ­ erater von Frauen, die im ­Geschäftsleben e­ rnst genommen werden wollen, keinen gute Faden lassen – die Halsketten zu schwer und auf­fällig, die Fingerringe zu gross und massiv, die Shorts zu kurz und ein ­No-go im Büro ­sowieso, dito die ausgeschnittenen Ankle-Boots mit ­hohen ­Absätzen. Doch ­Carmen Busquets, ­unsere S ­ tilvorlage des ­Monats, ­dürfte ­wenig Lebenszeit mit Nachdenken ­­über ­solche Rückmeldungen ­verschwenden. Die Frau – genannt «gute Fee des ­ I nternet-Modehandels» – war ­Mitgründerin des Webshops Net-a-Porter, der sich zu einer ­erfolgreichen Anlage entwickelte. Insgesamt hat die Nachfahrin einer Industriellenfamilie aus Venezuela mehr als fünfzig Millionen US-Dollar in junge und kleine Modeunternehmen investiert. Das heisst, sie ist wirtschaftlich unabhängig und ­a ndererseits eine Modekennerin auf der ganzen L ­ inie – nicht bloss, was Kollektionen angeht, sondern auch, was die g ­ eschäftliche ­Seite betrifft. Stilberatung braucht sie ebenfalls keine. Sie hat die ­ganze Woche das Privileg, das ­Männer nur am ­casual ­F riday ­haben, nämlich sich zu kleiden, wie sie will. ­Während männliche ­Manager bloss freitags angezogen wie Kunststudenten ins Büro ­ gehen dürfen, macht sie sich zurecht, wie es ihr ­gefällt, von ­Montag bis ­Montag. Und w ­ ährend ein unsicherer Mann sich in seinem Anzug und hinter seiner K ­ rawatte sicher fühlt wie ein ­R itter in der Rüstung, trägt eine starke Frau Outfits, die eigentlich zu sexy sind für ihre Stellung. Wer will es ihr schon vorhalten? Ihr Vermögen, ihr Erfolg und, vor allem, ihr Look g ­ eben ihr recht. Mark van Huisseling

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Bild: Diana Gomez

CARMEN BUSQUETS


Bezugsquellen Xxxxxx Xxxx  Xxxxxx & Impressum

Styling: XXXX XXXX XXXX  Model: XXXX XXXX

Nr.6 WW MAGAZIN

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Weltwoche Verlags AG Förrlibuckstrasse 70, Postfach, 8021 Zürich REDAKTION: Telefon: 043 444 57 00 Fax: 043 444 56 69 E-Mail: redaktion@weltwoche.ch E-Mail: leserbriefe@weltwoche.ch VERLAG:

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erscheint am 24. NOVEMBER 2016

E-MAIL-ADRESSEN:

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Karl von Schumacher (1894–1957) VERLEGER UND CHEFREDAKTOR:

Roger Köppel REDAKTIONSLEITER:

Mark van Huisseling GESTALTUNGSKONZEPT:

Team Alexis Zurflüh CREATIVE-DIRECTOR:

Beni Haslimeier PRODUKTION:

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Duong Nguyen KORREKTORAT: Oliver Schmuki,

Sarah Stutte MITARBEITER DIESER AUSGABE:

Art/Bild: Tim Lahan, Paul Blow, ­ Daniele Kaehr & Maya Wipf, Jonas Kuhn, Hugues Laurent, Douglas Mandry, Cyrill Matter, Zohar Lazar

SWAROVSKI

Text/Redaktion: Carole Bolliger, Michael Brunnbauer, Marianne Eschbach, Walter De Gregorio, Tobias Moorstedt, Andreas Ritter, Yvonne Wigger, Jürg Zbinden

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SEKRETARIAT:

Inga-Maj Hojaij-Huber, Sabine Mähner

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MARKETING: Guido Bertuzzi (Leitung) ANZEIGENVERKAUF:

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WW Magazin No. 5/16  
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