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WW MAGAZIN Nr. 4 NOVEMBER / DEZEMBER 2017

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Styling: XXXX XXXX XXXX  Model: XXXX XXXX

Kapstadt-Reportage

DIE SCHÖNE UND WENIGER SCHÖNE SEITE DER STADT AM SÜDLICHEN ENDE AFRIKAS Mobilität der (nahen) Zukunft

«HERR AUTO, FAHREN SIE MICH NACH HAUSE» Wir bauen eine Uhr

«TANK»WATCH-STORY Wie Louis Cartier vor hundert Jahren an der Zielgruppe ­vorbeiproduzierte – und die erste Uhr entwarf, die zur Legende wurde

Grosser EINFLUSS ZOË PASTELLE ist eine der

zurzeit umworbensten «Influencerinnen» auf den sozialen Netzwerken – was macht eine solche eigentlich? November / Dezember

Nr. 4 2017

Bild: Xxxxxx Xxxxxxx

SCHNELL­ BLEICHE BEI LES AMBASSADEURS – UNSER REPORTER WAR DABEI


Innenbetrachtung  Editorial

In unserer letzten ­Ausgabe des Jahres, die wir rund ­einen Monat vor den Feiertagen veröffentlichen, ­berichten wir immer besonders viel über kostbare Uhren und schönen Schmuck – ­könnte ja sein, dass Sie noch auf der S­ uche nach Präsenten für die ­Liebsten sind . . . ­Davon ­abgesehen stellen wir d ­ ieses Mal eine Frau vor, die den zurzeit angesagtesten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Status hat: Zoë Pastelle, 18, ist Influencerin. Und im Nebenerwerb Schauspielerin, Model et cetera. ­Influencerin? Das sind Zeitgenossen, die mit Fotos von sich in ­sozialen Medien dafür sorgen, dass auch Sie und ich lernen, ­welche die ­Produkte und Marken du 4  WW Magazin

jour sind. Und wie sich das L ­ ebensgefühl der ­people, die heute ­verkörpern, was früher Topmodels oder ­It-Girls waren, anfühlt. Der Beitrag, der aus der Reihe fällt, wie der Begriff «Stacheldraht» aus der Aufzählung «Samtkordel, Gartenzaun, Raumtrennelement» ist die Kapstadt-Reportage. Weil wir nicht bloss über die Sicht vom Tafelberg oder das ­Essen im Restaurant «Pot Luck Club» berichten. S ­ ondern auch über die Township-Tour und ­darüber, wie sehr (oder w ­ enig) sich die ­Besitzverhältnisse in der schönen Stadt am Ende des afrikanischen ­Kontinents ­geändert haben, seit die Apartheid ­beendet wurde – vor sechzehn Jahren. Ich wünsche gute Lektüre

November / Dezember

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Illustration: Pieter Van Eenoge

Fällt aus der Reihe


Innenbetrachtung  Mitarbeiter dieser Ausgabe

1) MUIR VIDLER

3) GISBERT L. BRUNNER

Der Schotte, der in ­L ondon lebt, ist regelmässiger WW-­ Magazin-Mitarbeiter, vor a­ llem hält er u ­ nsere R ­ eisereportagen bildlich fest. Vor einem Jahr etwa begleitete er dafür unseren ­Redaktionsleiter nach Nordafrika (nach Marrakesch in ­Marokko, um genau zu sein). ­Dieses Mal war sein Reiseziel Südafrika (und zwar Kapstadt). Die südlichste Stadt des Kontinents ist eine beliebte D ­ estination, auch für S ­ chweizer, unter a ­ nderem weil es dort so schön ist und die Natur viel bietet. Davon ­haben wir profitiert und Muir hat es dokumentiert. Zusätzlich hat sich der Brite mit Kamera in der Armensiedlung ­K hayelitsha am Stadtrand umgesehen, wo ­zirka 300 000 Menschen wohnen, grossmehrheitlich in ehemals für Warentransporte genutzten Blechcontainern. Entstanden ist ein fotografisches Kontrastprogramm, sie sehen es ab S ­ eite 34.

Als unser Redaktionsleiter zum ersten Mal an der P ­ räsentation einer Uhrenfirma mitbekam, wie die Verantwortlichen über ihn sprachen – «Mechanik-­Maestro», «Komplikationen-Kenner», «Zeitmesser-Zar» – war für ihn klar: ein Text von «Mr. Time-­Writer», auch bekannt als Gisbert L. Brunner, muss ins Heft. Es hat ein wenig gedauert, doch jetzt ist es soweit – der Münchner, von Haus aus Anwalt, der sein Geld auch mit dem An- und Verkaufen seltener Armbanduhren verdient, beschreibt den Zustand der Uhrenindustrie zurzeit – auf ­Seite 12.

2) BENI HASLIMEIER

Mit dieser WW-Magazin-Ausgabe verabschiedet sich u ­ nser Art-Director, der in den vergangenen zwei Jahren für das Aussehen von zehn Heften verantwortlich war. Beni l­egte – vom doppelseitigen Foto in einer Modestrecke bis zur Kleinst­illustration irgendwo im Heft unten links – immer den gleichen Qualitätsmassstab an, wenn es um Bilder ging: Nur was in seinen Augen wirklich gut aussah, schaffte es in sein Heft. Das hat den Abschlussprozess nicht immer beschleunigt, aber das Ergebnis immer verbessert. Seine persönliche Spezialität sind typografisch gestaltete Aufmacher: dieses Mal etwa die Einstiegsseite der Cartier-Tank-Watch- ­G eschichte auf Seite 30. Wir wünschen Beni Haslimeier an seinem ­neuen Arbeitsplatz in einer Agentur für integrierte Kommunikation viel Erfolg und Freude. Und werden ihn vermissen.

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1

MUIR VIDLER , BENI HASLIMEIER , GISBERT L. BRUNNER , RAPHAEL SUTER UND SARAH STUTTE 1)

2)

3)

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5)

4) RAPHAEL SUTER

Unser Mitarbeiter ist im richtigen Leben Mitglied der Chefredaktion der Basler Zeitung, was, denken wir, ein ziemlich guter Job ist. Doch noch lieber möchte er Uhrmacher sein, weil mechanische Ticker seine grosse Leidenschaft sind. Träume soll man sich erfüllen, finden wir, also wurde er Uhrmacher – um für uns darüber zu schreiben –, wenn auch nur für einen Tag. Wie er seine eher spät im Leben absolvierte Schnupperlehre erlebte, beschreibt er ab ­Seite 44. 5) SARAH STUTTE

2

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3

Der zweite Abgang, den wir ­heute vermelden müssen, ­betrifft unsere Produzentin, Schlussredaktorin und Korrektorin. In diesen Positionen ist sie verantwortlich, dass unsere Zeitschrift so daherkommt, wie Sie, liebe Leserinnen und Leser, es ­erwarten: (weitestgehend) frei von Rechtschreibefehlern, sauber ­redigiert und vollständig kreditiert (das heisst, dass man rausfindet, wer ein Bild fotorgrafiert hat beziehungsweise von welcher ­Marke die Stiefel auf Seite 20 sind). Glücklicherweise bleibt sie uns in ihrer Funktion als ­Autorin erhalten. Ein grosses, von ihr ­geführtes Interview etwa gibt es dieses Mal ab Seite 22.

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Sie glauben nicht an hรถhere Intelligenz? Denken Sie nicht an ein Auto. Audi ist mehr. Der neue Audi A8.

Audi Vorsprung durch Technik

audi.ch


Innenbetrachtung  Inhaltsverzeichnis

WW Magazin Nr. 4    IN H A LT ER TRÄGT BESTIMMT ITALIENISCHE SCHUHE – ZUM GRILLFEST

In ­Grossbritannien sagt man mind over matter, was s­ oviel heisst wie «­reine ­Willenssache». In Südafrika sagt man es nicht nur, ­sondern setzt es um. Wenn sich ­beispielsweise ein african ­dandy fein macht, als w ­ ürde er zum ­Nachmittagstee ins Londoner H ­ otel «Ritz» ­gehen. Stattdessen aber an ein braai ­genanntes GRILL- UND TRINKFEST geht,

das zum Teil in ­einem ­verrauchten Schuppen ­stattfindet und zum ­grösseren Teil unter f­reiem Himmel. Was wir sonst noch für ­BILDER UND Bild auf dieser Seite: Muir Vidler

­GESCHICHTEN AUS KAPSTADT

34 8  WW Magazin

Titelbild: Micha Freutel

mitgebracht haben, sehen Sie ab Seite

November / Dezember

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Ich muss nicht 2 Stunden vor Abug hier sein.

In


Innenbetrachtung  Inhaltsverzeichnis

    I N H A LT

WW Magazin Nr. 4 CONTRIBUTORS

WW-PERSÖNLICHKEIT

Mitarbeiter dieser Ausgabe SEITE 6

TREND-REPORTE

UHREN & SCHMUCK

SEITE 18 GESEHEN BEI DIOR

MODE

SEITE 20

KOLUMNEN

ZOË PASTELLE

Was ist (und was genau tut) eine INFLUENCERIN? SEITE 22

UHRENINDUSTRIE

von Gisbert L. Brunner SEITE 12

RUBRIKEN, GESCHICHTEN

KUNST

von Andreas Ritter

BRIEFING

SEITE 14

WANDERLUST

von Mark van Huisseling SEITE 50 UHRMACHER FÜR EINEN TAG

SPEZIAL-REPORT

von Raphael Suter SEITE 44

WW-TALK

KULINARIK

von Mark van Huisseling

von Sarah Stutte

SEITE 21

SEITE 48

SERVICE ANLEITUNG BEZUGSQUELLEN

SEITE 53

ARBITER CARTIER

ELEGANTIARUM

IMPRESSUM

Die «Tank»-Watch wird 100

Sofia Coppola

SEITE 53

SEITE 30

SEITE 52

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Bilder: Micha Freutel, Gian Marco Castelberg , Getty Images

SEITE 16

Illustrationen: Pieter Van Eenoge, Cartier

Uhren & Schmuck


Aventus

The fragrance for men

250 years of excellence


Uhrenkolumne  Aussenbetrachtung

Illustration: RICHIE POPE

NICHT SONDERLICH VIEL, ABER IMMERHIN Vergangenes Jahr herrschte SCHLECHTE STIMMUNG IN DER U ­ HRENBRANCHE , weil die Zahlen hinter den ERGEBNISSEN DER VORJAHRE zurückblieben. Wenn ­ ekordjahr war. sie auch i­mmer noch über dem Resultat von 2013 lagen, was ein R Doch der Schreck hatte HEILSAME ­W IRKUNG: darum geht es im laufenden Jahr wieder aufwärts in diesem für die Schweiz wichtigen Wirtschaftszweig.

Text:

GISBERT L. BRUNNER

N

ach einem wenig erbaulichen Jahr 2016 atmen die Verantwortlichen der Uhrenindustrie spürbar auf, denn die Statistikkurven zeigen wieder nach oben. Die September-Zahlen des Verbands der Schweizer U ­ hrenindustrie (FHS) liegen bereits vor und man blickt auf den sechsten Wachstumsmonat in Folge zurück; gegenüber dem Vorjahresmonat vermeldeten die Exportstatistiker ein Plus von 3,7 %. ­Bezogen auf die ersten neun Monate des Jahres 2017 ist also eine anhaltende Erholung zu vermelden, die auch in Zukunft zu erwarten sein wird. Zu verdanken ist der Aufwärtstrend primär den Armbanduhren im obersten Preissegment, sprich jenen mit über 3000 Franken Exportpreis. Exemplare mit E ­ delmetallgehäuse legten überdurchschnittlich zu. Äusserer L ­ uxus gepaart mit hochwertigem mechanischen ­Innenleben ist weniger konjunkturanfällig. Dagegen setzten dem Einstiegspreisbereich smarte Armbanduhren von Apple & Co. kräftig zu. Als Einzelmarke hat sich das Unternehmen aus Cupertino gemäss CEO Tim Cook in p ­ unkto Umsatz mittlerweile schon knapp vor dem Schweizer Giganten Rolex eingereiht. Und jedes Quartal entstehen inzwischen mehr ­sogenannte wearables, als die Schweizer U ­ hrenindustrie in einem ganzen Jahr an ­U hren exportiert. Jean-Claude Biver, verantwortlich für die zur Louis Vuitton-Gruppe gehörenden Uhrenmarken, hat auf diesen Trend richtig reagiert. Von seinem TAG Heuer-Modell «Connected» (made in Switzerland) möchte er im laufenden Jahr mehr als 60 000 Exemplare absetzen. Diese Armbanduhr zeichnet sich aus durch Funktionalität und vor allem Flexibilität: mit

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wenigen Handgriffen lassen sich die verfügbaren Gehäuse mit elektronischem oder mechanischem Innenleben austauschen. In Gedanken ist der Uhr-Visionär freilich noch viel weiter – «Die Zukunft gehört der Smartwatch, welche ganz ohne Telefon auskommt», sagt ­Biver. Diesem ambitionierten Ziel nähert er sich ­unter anderem durch eine Dependance im Silicon Valley, nahe bei Zulieferanten wie Intel oder Google gelegen. Smarte Wege beschreitet auch Peter Stas mit den von ihm geleiteten Uhrenmarken Frédérique Constant und Alpina. Die zum ­R ichemont-Konzern gehörende Marke ­Montblanc hat die «Summit» im Programm, ­L ouis Vuitton schickt die «Tambour Horizon» ins Rennen. Noch nichts Entsprechendes ist hingegen bei der Swatch Group in Sicht. Krisenstimmung, wie die im Jahr 2016, hat auch ihre guten Seiten. Das betrifft vor allem die Preise, welche sich in den vergangenen Jahren immer stärker von den verfügbaren Einkommen möglicher Käufer entfernten. Nicht zuletzt bedingt durch Nachfrageschwäche, v ­ olle Lager und harte Konkurrenz rechnet die Branche nun aber wieder mit spitzerem Bleistift. Die Resultate demonstrieren zahlreiche neue Armbanduhren. Selbst für höchst innovative Produkte werden nicht mehr zwangsläufig P ­ hantasiepreise verlangt. Ein Beispiel dafür ist die in einer Mini-Edition aufgelegte «Zenith Défy Lab» mit dem revolutionären S ­ émon-Oszillator, welcher minimale Gangabweichungen von täglich 0,3 Sekunden verheisst. Wenn die damit ausgestatteten Zeitmesser 2018 bei Zenith und TAG Heuer in Serie gehen werden, sollen dem Vernehmen nach Preise zwischen vier- und zehntausend Franken dafür aufgerufen werden. Silizium, das hierfür ­verwendete Zaubermaterial, macht sich in immer mehr Uhren breit. Patek ­Philippe etwa kultiviert es bereits seit

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2005 und verbaut es auch in seiner limitierten «Aquanaut-Referenz 5650», die ebenso ausverkauft ist wie der von Hublot zusammen mit Ferrari entwickelte «Techframe»-Chronograph oder die «LAB-ID Luminor 1950 Carbotech­ 3 Days», deren einwandfreie Funktion ­Panerai fünfzig Jahre lang garantiert. Bei Problemen liefert die Manufaktur ein neues Exemplar. Apropos Garantie: Auch hier tut sich ­einiges. Rolex gibt fünf Jahre. Breitling praktiziert Gleiches bei seinen Manufaktur-Zeitmessern. Ulysse Nardin ist seit 2017 ebenfalls Mitglied des Fünf-Jahre-Clubs. Andere Marken dürften über kurz oder lang folgen. Bei Zifferblättern ist Blau das neue Schwarz. Und schon seit Jahren erfreut sich gekonnter Retro-Look grösster Beliebtheit. ­Beispielsweise war die in Basel vorgestellte «Oris Big Crown 1917» schon nach der halber Messezeit ausverkauft. Nichts falsch macht auch, was Preisstabilität angeht, wer echte Klassiker kauft, sprich seit Jahren unverändert hergestellte Armbanduhren. Mit Blick auf die nicht n ­ achvollziehbare Preisentwicklung bei neuen Uhren, welche selbst Cartier-Chef Cyrill Vigneron im ­G espräch mit Le Temps als teilweise überzogen bezeichnete, setzen kundige Uhrenliebhaber zunehmend auf Vintage. Mit der Folge, dass echte Okkasionen immer seltener werden. Neben Armbanduhren von Cartier, Omega, Patek Philippe und Rolex, für die ­Höchstpreise bei Auktionen eher die Regel denn Ausnahmen sind, legt auch Betagtes von Heuer, hier insbesondere der «Autavia»-Chronograph, oder Universal Genéve kräftig zu. Für den «Tri Compax» im sogenannten Panda-Look, einst ­getragen von Rock-Legende Eric Clapton, zahlen Sammler mehr als 20 000 Franken. Connaisseurs schwören also auf Tickendes aus vergangenen ­Epochen – das ist dann wohl der neue Luxus.

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Aussenbetrachtung  Kunstkolumne

WENIGER WICHTIG ALS DIE ELEFANTEN ODER DAS POLYBÄHNLI

Text:

ANDREAS RITTER

K

unst als Integrationsfaktor der ­modernen Gesellschaft schreitet voran: Allein im letzten Quartal 2017 eröffnen rund um den Globus zahlreiche neue und ­erweiterte Kunstmuseen. Das Bass-Museum in Miami Beach etwa f­eierte im Oktober eine glanzvolle Wiedereröffnung und präsentiert als ­erste Ausstellung eine ­grosse Einzelschau des Schweizers Ugo R ­ ondinone unter dem Titel «Good Evening Beautiful Blue». D ­ iese hätte eigentlich perfekt nach Zürich gepasst, nicht nur des Titels wegen. Oder im September ­eröffnete das Zeitz Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst in Kapstadt, finanziert durch eine ­Retail- und Tourismus-Gesellschaft und basierend auf der Privatsammlung des deutschen Managers Jochen Zeitz (sehen Sie auch die Kapstadt-­ReiseReportage auf S ­ eite 34). Und in Paris eröffnete eben Le Musée de la Monnaie . . . Die Liste könnte um zahlreiche Einträge ergänzt werden. Und wie steht es um unser Kunsthaus in ­Zürich, dessen Erweiterungsbau 2020 eröffnen soll? Jedes Mal, wenn ich den Heimplatz in Richtung Bahnhof oder Flughafen überquere, ist der ­Chipperfield-Kubus ein weiteres Stück gen Himmel gewachsen, schon ist die grosse Eingangs- und Begegnungshalle sichtbar und auch der Platz für den Skulpturengarten, der sich dort befinden wird, wo wir früher als Gymnasiasten an den Ringen geturnt haben. Doch wächst auch die Vorfreude, wachsen Ideen und Konzepte, was mit dem neuen, durchaus glamourösen Museum alles angestellt respektive was darin ausgestellt werden soll auf dereinst doppelt so grosser Fläche? Und gibt es grundsätzlich so etwas wie eine Strategie, wie sich das Kunstmuseum für die Ansprüche zukünftiger Generationen rüstet? Bemüht sich das Museum

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um Sammler – P ­ rivate wie Unternehmen –, werden diese eingebunden und motiviert, namhafte Beiträge zu leisten, etwa in Form von Schenkungen wichtiger Werke? Und was macht eigentlich die Stadt? Das sind v ­ iele Fragen. Auf die, so scheint es mir und anderen Kunstinteressierten, bisher verdächtig wenig Antworten vorliegen. Die ­Webseite von Zürich Tourismus ­beispielsweise führt ­unter ­ihrem Eintrag «14 gute Gründe, warum man ­unsere Stadt b ­ esuchen sollte», das Kunst- und Kulturangebot an 14. Stelle; nach den Elefanten im Zoo, dem «­Züri-Gschnätzlets» und der putzig roten Polybahn. Noch schärfer formulierte die Autorin ­eines Beitrags im Tages-Anzeiger: Zürich sei halt nicht mehr Passantenlage für globale Millionäre, die neben ihren Geheimkonten auch G ­ alerien im ­Löwenbräu-Areal und anderswo besuchen und für gute Laune sorgen würden. Dabei liegt ein Wiederbesinnen auf die eigene Identität als Kunststadt doch auf der Hand. Bloss, etwas gar sorg- und begeisterungslos wurde in den vergangenen Jahren mit dem Image umgegangen, das sich Zürich in den 1990er Jahren durchaus verdient erworben hatte. Denn noch immer beherbergen wir grossartige Privatsammlungen, eine reiche Museumslandschaft und alternative Kunstschauplätze, haben Galerieausstellungen von Weltrang und ebensolche Künstler . . . Weshalb also verkaufen wir uns heute unter Wert? Gestützt auf diese Erkenntnis haben wir in einem kleinen Kreis von initiativen und engagierten Kunstsammlern und -liebhabern, fast schon im Sinne einer Art B ­ ürgerinitiative, eine Stiftung mit Namen Kunstforum Zürich gegründet und in diesem Frühling sowie im Herbst die ersten zwei Anlässe ausgerichtet. Wir wollen so Begeisterung wecken und eine Diskussion in Gang bringen, zu Themen des Kunstplatzes Zürich und des Kunstmarktes Schweiz generell, Verständnis schaffen und aufräumen mit Vorurteilen und Halbwahrheiten. Kunst ist ein Katalysator gesellschaftlicher Entwicklung – daran glauben wir. In unserer

November / Dezember

ersten Veranstaltung ging es um eine Einordnung des Museums der Zukunft, vorgenommen durch ausgewiesene internationale Experten (Sam Keller oder Chris Dercon). Und Ende September baten wir wichtige Zürcher Sammlungen um Auskunft, worauf sie achten, bevor sie ihre Stücke der ­Öffentlichkeit anvertrauen. Und wir luden Zürcher Museumsdirektoren auf ein gemeinsames Podium. Es ging darum, wie den Herausforderungen zu begegnen sei, welche Chancen sich böten. Und, natürlich: Wie sieht eine t­augliche Strategie aus? Das Gute vorweg: die Museums­leiter (und die Sammlungs­verantwortlichen) sprechen mit­ einander, sie sind bereit zusammen­zuarbeiten. Das war nicht immer so. Von dort an aber wird der gemeinsame Nenner klein: Die einen setzen auf das Museumscafé, die anderen auf Pädagogik oder würden gerne Gratiseintritte anbieten. Das alleine ist aber noch keine Strategie. Mit ­a nderen Worten: Die Leitungen und Vorstände unserer ­Museen und auch die Stadt sind gefordert, will man auch nur einigermassen mithalten mit den Entwicklungen anderswo – und will man das hiesige ­Potential ausschöpfen. Wohlgemerkt: Wir wollen uns nicht vergleichen mit dem Louvre, auch nicht mit dessen UFO auf einer künstlichen Insel vor Abu Dhabi, das ebenfalls dieser Tage eröffnet. Aber wenn zum Beispiel der Museumsableger Tate St Ives in Cornwall nur unwesentlich weniger Besucher anzieht als unser erstes Haus am Platz, gibt es bestimmt noch Luft nach oben.

Bilder rechts aus der aktuellen Ausstellung «Figure Ground» von THOMAS STRUTH, im Haus der Kunst in München (noch bis 7. Jan. 2018). Katalog dazu erschienen bei Schirmer/Mosel V ­ erlag ­München, 320 Seiten, 420 Abbildungen, davon 112 T ­ afeln, Fr. 66.70

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Bilder: ©Thomas Struth/courtesy Schirmer/Mosel

Vielen Verantwortlichen scheint ZÜRICHS BEDEUTUNG ALS STADT DER KUNST nicht so bedeutend: Auf der «14 gute Gründe, warum man unsere Stadt b ­ esuchen sollte»-Liste von Zürich Tourismus etwa, steht das Kunst- und ­Kulturangebot an 14. Stelle. Jetzt ergriffen KUNSTFREUNDE UND -SAMMLER die Bürgerinitiative und gründeten das KUNSTFORUM ZÜRICH.


Kunstkolumne  Aussenbetrachtung

Der Blick des Kunstfotografen Thomas Struth in andere Museen: Art Institute of Chicago (ganz oben) und Louvre, Paris.

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Aussenbetrachtung  Uhren & Schmuck

Redaktion: SARAH STUTTE  Illustration: AKIRA SORIMACHI

Briefing GLANZLICHTER UND LEUCHTTÜRME VON 4.95 USD AUF 2 MILLIARDEN

Tiffany & Co. überschreitet jährlich die Zwei-Milliarden-­ Grenze im Umsatz und ist damit der g ­ rösste Schmuckkonzern. ­Dabei verkaufte der amerikanische Juwelier Charles Lewis Tiffany am ersten Verkaufstag 1837 gerade einmal Stücke für damalige 4.95 US-Dollar.

GANZ OBEN Die Schweiz produziert jährlich etwa dreissig Millionen Uhren. Das entspricht zwar nur etwa 2,5 Prozent der weltweit produzierten Exemplare, betrachtet man jedoch den Wert der Uhren, erzielen Schweizer Erzeugnisse zirka fünfzig Prozent des weltweiten Umsatzes mit Uhren. Laut Schätzungen stammen 95 Prozent der verkauften Zeitmesser mit einem Preis über 1000 Franken aus der Schweiz.

Beyer Uhren & Juwelen ist das älteste Uhrengeschäft der Schweiz. Zum 1760 gegründeten Familienbetrieb an der ­Zürcher Bahnhofstrasse gehört auch die weltweit bedeutende Sammlung des Uhrenmuseums Beyer, die etwa 300 O ­ bjekte ausstellt. Dazu zählen seltene Exponate wie S­ chattenstäbe und Öluhren sowie wissenschaftliche Instrumente zur ­Zeitbestimmung. Das Museum darf besichtigt werden. VON LUZERN IN DIE WELT

Aus einem Spielwarengeschäft, das 1888 von Carl F. ­Bucherer und seiner Frau in Luzern eröffnet wurde, ist ein Uhren- und Schmuckkonzern ­gewachsen, der sich heute bereits in dritter ­Generation in Familienbesitz befindet. Die von Jörg ­Bucherer geführte Gruppe betreibt weltweit zahlreiche ­ U hren- und Schmuckfachgeschäfte, davon acht in der Schweiz, und ist der ­g rösste Verkäufer von Rolex-­ Uhren. ­Unter dem Markennamen Carl F. B ­ ucherer werden auch e­ igene Uhren angeboten.

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POUR MADAME

Baume & Mercier wurde 1830 im jurassischen Les Bois von den Brüdern Baume gegründet. ­Später zog der Betrieb nach Genf und man setzte den Fokus auf luxuriöse Armbanduhren für Frauen, die

wie edle Armreifen wirken ­sollten. Baume & Mercier war das erste Unternehmen, das Formuhren, also Uhren mit eckigem Zifferblatt, einführte. 1988 übernahm die ­R ichemont-Gruppe den Betrieb.

PLACE VENDÔME

Während die ersten beiden Generationen des französischen Familienbetriebs Cartier vor allem Schmuck und Juwelen anboten, erwies sich L ­ ouis Cartier, aus der dritten Generation, als Liebhaber der Uhrmacherkunst. Heute gehört Cartier zur Richemont-Gruppe mit Hauptsitz in der Schweiz und zu den grössten Juwelier- und Uhrenfirmen der Welt; neben Schmuck werden auch Parfüms, Lederwaren und Schreibgeräte hergestellt.

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UNSERE BESTE «Wer mit 50 keine Rolex besitzt, hat es in seinem Leben zu nichts gebracht», sagte der französische Werber Jacques Séguéla. Und tatsächlich – bis heute geniessen die Uhren der Luxusmarke ein einzigartiges Prestige. Rolex ist die Schweizer Marke, die sich weltweit am besten verkauft. 2015 betrug der Umsatz schätzungsweise fünf Milliarden Franken, das Unternehmen veröffentlicht nur wenig genaue Zahlen, damit liegt Rolex weit vor Omega und Cartier (je zwei Milliarden Franken).

KOMPLIZIERT, KOMPLIZIERT

Die Erfolgsgeschichte beginnt, als sich 1851 der polnische Unternehmer Graf de Patek mit dem begabten französischen Uhrmacher Jean-Adrien Philippe zusammentut. P ­ hilippe ­hatte die Uhrenindustrie bereits um eine ihrer revolutionärsten Erfindungen bereichert: den Kronenaufzug. Seitdem brauchen Uhren nicht mehr mit einem zusätzlichen Schlüssel aufgezogen zu werden. Bis heute gilt ­Patek Philippe als ­führende Marke für komplizierte ­Modelle, auch aufgrund der zahlreichen Erfindungen, welche die f­ eine Uhrmacherei b ­ eeinflusst haben.

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Quellen: Wikipedia, Swissinfo, Bilanz, Schönes Leben, Beyer, Handelszeitung, Uhren-Wiki, Finanz und Wirtschaft

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Aussenbetrachtung  Opener

Redaktion: MARIANNE ESCHBACH  

WW Magazin Nr. 4    T R EN D-R EPORT

E

Die ganze WELT am kleinen FINGER – Ringe «PEEKABOO» von Bucherer

Es gibt keinen besseren Moment für Realitätsflucht als ­t urbulente Zeiten wie die unsrigen. Die Preziosen-Branche amüsiert sich ­gerade mit Kindheitserinnerungen: B ­ ucherer spielt mit Armbändern, Ringen und Ohrsteckern mit Namen «Peekaboo». Auf Deutsch heisst das soviel wie «Gugus-­ Dada-Spiel», mit dem man Kleinkinder amüsieren kann. Das Luzerner U ­ nternehmen hat dafür Yunjo Lee engagiert, die schon für Tiffany & Co. gearbeitet hat. «­Peekaboo» beziehe sich auf die Verspieltheit des Designs, lässt die in New York lebende D ­ esignerin mit Wurzeln in Südkorea ausrichten. Sie h ­ ätte für das Haus mit seiner fast 130 Jahre alten ­G eschichte ein T ­ hema gewollt, das in der alten und der neuen Welt zu Hause ist und sei dabei schnell auf K ­ önigin ­M arie-­A ntoinette ­g estossen. Kontrovers zwar, doch auch ­wegen ihrer Schönheit, J­ugend und ­extravaganten Lebensart in ­Erinnerung geblieben. Den royalen Stil fürs 21. Jahrhundert sieht Yunjo genauso bunt wie die Kostüme aus Sophia Coppolas Film von 2006 über die Königin: rosa Morganit, hellblauer Aquamarin und grüngelbe Berylle stehen im Zentrum der Kollektion. Diamanten sind schmückendes Beiwerk und o ­ ptional auf der Fassung und Ringschiene erhältlich.

18  WW Magazin

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Uhren & Schmuck  Aussenbetrachtung

Redaktion: MARIANNE ESCHBACH

Trend-Report MÄRCHENFARBEN

FÜR SIE GEFUNDEN

1 LIEBLINGSSTÜCKE

7

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14 17 13

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2. Uhr «Historiques American 1921» von VACHERON CONSTANTIN,

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eiss wie Schnee, SCHWARZ WIE EBENHOLZ und rot wie Blut – im Märchen sind es die FARBEN DER SCHÖNHEIT, im Hier und Jetzt die TRENDFARBEN DES WINTERS.

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von GLASHÜTTE ORIGINAL, Fr. 8100.–.

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1. Uhr «Sixties Iconic Square Fire»

Fr. 36 800.–. 3. Uhr «Heure H» von HERMÈS, Fr. 2950.–. 4. Uhr «Jade Grand Feu» von ULYSSE NARDIN, Fr. 14 900.–. 5. Uhr «Ahoi Neomatik» von NOMOS GLASHÜTTE, ­­­­Fr. 3160.–. 6. Uhr «Reverso One Duetto Moon» von JAEGER-LECOULTRE , Fr. 23 400.–.

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Outfit von max mara, Rollkragenpullover: Fr. 460.–, Gilet: Fr. 330.–, Rock: Fr. 335.–, Tasche: ca. Fr. 2200.–. Pumps: Fr. 420.–.

7. Ohrhänger «Ancient Path» von GÜBELIN, Preis a. A. 8. Ring «Festa Italiana Torta Ciliegia», GESEHEN BEI MAX MARA

Roségold mit Koralle, von BULGARI, Preis a. A. 9. Ring «Marry me Lips», Gelbgold mit Rubinen, von DELFINA DELETTREZ, ca. Fr. 3100.–. 10. Ring «Chinha», Weissgold mit Rubellit, von BOUCHERON, Preis a. A. 11. Ring «Perlée» von ­VAN CLEEF & ARPELS,­Preis a. A. 12. Ohrhänger «Automne à Pékin» von LYDIA COURTEILLE PARIS, Preis a. A. 13. Ohrringe «Victoria» von POMELLATO, Fr. 3380.–. 14. Ring «Cactus de Cartier», Roségold mit Spinellen, von CARTIER, Fr. 19 700.–. 15. Armspange «Red Carpet», Weissgold mit Rubinen, von ­CHOPARD, Preis a. A. 16. Ring, Weissgold mit BurmaRubin, von BEYER UHREN UND JUWELEN, Preis. a. A. 17. Collier «Aria Passionata»,

Uhr «La Mini D de Dior Wraparound»

Granat-Rhodolite und Rubine,

von DIOR, Fr. 4150.–.

Nr. 4 2017

von CHAUMET, Preis a. A.

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Aussenbetrachtung  Mode

Redaktion: WW-FASHION-TEAM

Trend-Report STREET-STYLE 1. Handschuhe von MICHAEL KORS COLLECTION, ­ca. Fr. 790.–. 2. Sonnenbrille von ACNE STUDIOS, Fr. 360.– (bei Mytheresa.com). 3. Schal von SANTONI, Fr. 900.–. 4. Lidschatten von CHANEL, Fr. 42.–.

GESEHEN BEI ­F ENDI

5. Mantel von MAX MARA, ca. Fr. 5430.– (bei Net-a-porter.com). 6. Buch Bauhaus N° 8 «Bewegung» von STIFTUNG BAUHAUS DESSAU, Fr. 16.90.

Tasche «Osiride» von GUCCI,

7. Tasche von PRADA,

Fr. 2650.– (bei Mytheresa.com).

ca. Fr. 2610.–. 8. Stiefel von OFF-WHITE, ca. Fr. 1360.– (bei Net-a-porter.com).

IT PIECES / ACCESSOIRES

9. Outfit von PRADA, Jacke: ca. Fr. 5470.–,

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Rock: ca. Fr. 2495.–, Schuhe: ca. Fr. 1815.–. 10. Outfit von MIU MIU,

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Mantel: ca. Fr. 3305.–, Gürtel: ca. Fr. 785.–,

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Schuhe: ca. Fr. 900.–,

Outfit von FENDI, Pelz: ca. Fr. 11 285.–, Bluse: ca. Fr. 1080.–, Rock: ca. Fr. 1360.–, Schuhe: ca. Fr. 1350.–, Tasche: ca. Fr. 3875.–, Ohrringe: ca. Fr. 465.– Taschengurt: ca. Fr. 1020.–.

M

Socken: ca. Fr. 100.–, Hut: ca. Fr. 670.–. 11. Outfit von LOUIS VUITTON, Top: Fr. 1870.–, Hose: Preis a. A., Tasche «City Steamer MM»: Fr. 3650.–, Stiefel: Fr. 1330.–.

ODERNE GIRLS ­tragen in

12. Outfit von CALVIN KLEIN

­dieser ­Saison ­knallige ­Farben:

K ­ AMINROT, SENFGELB UND BLAU. Die K ­ lassiker ­erinnern an die BAUHAUS-EPOCHE.

205W39NYC, Hemd: ca. Fr. 690.–, Hose: ca. Fr. 830.–, Rollkragenpullover: ca. Fr. 290.–, Stiefel: ca. Fr. 1615.–. 13. Outfit von JIL SANDER, ca. Fr. 1920.–.

AUF DEM LAUFSTEG

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Bilder: DAVID BIEDERT UND SVEN KUNZ

TALK Was sind echte Innovationen und was bloss Marketing-Gags? Darüber diskutierten Zahnärztin Haleh Abivardi, Gastronom Michel Péclard (ganz oben links) und Audi-Schweiz-Marketingchef Livio Piatti (ganz oben rechts) vor geladenen Gästen am 24. Oktober im «Aura» in Zürich. Den Talk leitete WW Magazin-Chef Mark van Huisseling. Der nächste WW Talk findet statt im Frühling 2018.

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(Von links) 1. Michel Péclard, Haleh Abivardi, Mark van Huisseling, Livio Piatti. 2. Manfred Strobl (CEO

Mediaschneider), Axel ­Beckmann (CEO GroupM) 3. Michel Péclard, René ­Gauthier (Neopost)

4. Urs Bischof (Mitinhaber Annex), Brita Vasalli, (Weltwoche Verlag), Martin Vogel (Swiss Casinos)

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Styling: XXXX XXXX XXXX  Model: XXXX XXXX «Ich bin recht ­kritisch damit

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­ uszusuchen, was ich mache a und was nicht», Zoë Pastelle über die Zusammenarbeit mit Unternehmen (vor der Blumenkunst-Wand des Hotels «Eden Roc», Ascona).

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WW-Persönlichkeit  Story

ZOË PASTELLE Nr. 4 2017

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Story  WW-Persönlichkeit

Einst waren die ANGESAGTESTEN FRAUEN IHRER ZEIT ­AIR-HOSTESSEN, dann Topmodels und It-Girls – h ­ eute ist der ­Status, den am MEISTEN TEENAGER-MÄDCHEN möchten, der ­einer ­SOGENANNTEN INFLUENCERIN. Zoë Pastelle ist eine ­solche. Was das ist und wie man eine wird, erzählt sie hier. Text: Sarah Stutte

Zahl an Followern erreichen. Influencer werben somit auch für die ­Sachen, die sie cool finden, so wie ich beispielsweise für Lifestyle oder Fashion werbe. Es gibt tausend verschiedene Themen, worüber man seine Leserschaft informieren kann, indem man Beiträge dazu veröffentlicht: Mode, Essen, Motivation, Natur . . .  Jeder Influencer kann seine Stärken so zum Ausdruck bringen. Seine Aufgabe ist es, seine Follower zu inspirieren.

Bilder: Micha Freutel

Wie sieht dein Alltag als eine erfolgreiche Schweizer Influencerin aus?

Immer anders. Im Oktober habe ich meine Schauspielausbildung an der EFAS [European Film Actor School] in Zürich abgeschlossen. Da war es noch so, dass ich nachmittags in die Schule ging und vormittags meine Zeit selber eingeteilt habe, vor allem fürs Bloggen, für Meetings oder Shootings. Abends habe ich dann für die Schule geprobt oder nochmals etwas gebloggt. Verdienst du bares Geld damit oder wirst du mit Materialleistungen wie Übernachtungen in Hotels oder mit Kleidern bezahlt?

Beides. Es ist relativ ausgewogen und kommt ganz auf die Zusammenarbeit an. Sagst du, wieviel du verdienst?

Nein. Ich habe nicht einen fixen Preis. Es kommt wirklich sehr auf die Zusammenarbeit an, auf den Brand [die Marke], den Aufwand, ob ich drei Tage hintereinander fotografiert werde . . . es sind sehr viele verschiedene Aspekte, die dabei eine Rolle spielen. Es gibt keine Zahl, an der man das festmachen kann.

Den Nachnamen Holthuizen hat sie von ihrem Vater, der holländischer Abstammung ist. Und ihre Mutter kommt aus dem heutigen Tschechien. Die erst 18-jährige Zürcherin Zoë Pastelle ist Schauspielerin, ­Bloggerin, Model und, vor allem, Influencerin. Sie macht viel, wenn ihr Tag lang ist und reist dafür um die Welt. Auf Instagram verfolgen ­Hunderttausende ihr Leben mit, seit diesem Jahr ist sie auch eines der neuen Gesichter der Coca-Cola «One Brand»-Kampagne in der Schweiz. Und sie spielt eine der Hauptrollen im Kinofilm «Blue my Mind» von Lisa Brühlmann. Der Film, der aktuell in den Schweizer Kinos zu sehen ist, war der grosse Gewinner am diesjährigen Zurich Film Festival. Man kann also sagen, das Jugendwort des Jahres 2016, «Fly sein», trifft auf sie zu. Es ­bedeutet soviel wie: Etwas oder jemand geht besonders ab. Dabei steht sie erst ganz am Anfang ihrer Karriere. Wie erklärst du jemandem, der nicht in Social Media bewandert ist, was eine Influencerin wie du ist und was sie tut?

Ein Influencer postet auf seinem Channel in einem sozialen Netzwerk über das, was ihn interessiert und kann so eine relativ grosse

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Wann hast du angefangen über Fashion zu bloggen und was war deine Motivation dabei?

Mein Instagram-Profil habe ich mit vierzehn erstellt. Nicht um i­rgendeinem Trend zu folgen, sondern just for fun. Am A ­ nfang p ­ ostete ich private Fashion-Fotos aus den Ferien. Ich habe mich i­mmer schon mega gerne ausgefallen angezogen, früher noch extremer. Recht schnell gaben mir die Leute positives Feedback zu den Bildern und deshalb habe ich weitergemacht. Ich liebe das Kombinieren, beispielsweise von Highend-Brands mit abgerockten Secondhand-Kleidern. Es ist toll, in neuen Städten auf die Suche zu gehen und in VintageStores coole Sachen zu finden. Das macht mir Spass. Bist du in der Position, dir Aufträge, die du gerne haben möchtest, auszusuchen?

Anfangs habe ich selber Kooperationen gesucht. Mittlerweile werde ich häufig über meine Instagram-Seite angeschrieben. Ich bin recht kritisch damit auszusuchen, was ich mache und was nicht. Wenn ich weiss, ich bin dann und dann in New York oder in London und ich will unbedingt mit einem bestimmten Hotel zusammenarbeiten, dann schreibe ich dieses selber an. Aber meistens läuft es anders herum.

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Styling: XXXX XXXX XXXX  Model: XXXX XXXX

«Influencer werben für die Sachen, die sie cool finden, so wie ich beispielsweise für Lifestyle oder Fashion werbe», Zoë Pastelle Nr. 4 2017 über ihren Beruf.

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Styling: XXXX XXXX XXXX  Model: XXXX XXXX

«Im Moment steht für mich die Schauspielerei im Zentrum. Alles ­andere ist offen», Zoë Pastelle über Planung.

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WW-Persönlichkeit  Story

Was heisst kritisch?

Es muss hundertprozentig zu mir passen und ich muss dahinterstehen können. Ich kann jetzt nicht mit einem Pelzhersteller arbeiten [sie ernährt sich vegan], das wäre nicht authentisch. Obwohl ich beispielsweise Lederschuhe trage, weil es auf dem Modemarkt diesbezüglich noch zu wenig Auswahl gibt. Abgesehen von einigen mega coolen japanischen Designern, die total hochwertig aussehende fake fur-Kleidung [Pelzimitationen] machen. Wenn du nicht echt rüber kommst, machst du schlussendlich Minus, weil die Leute merken, dass du nicht total dahinter stehst. Sie wollen schliesslich dich sehen. Also ist Authentizität wichtig?

Das ist das A und O als Influencer. Manche in der Szene geben sich zwar echt, sind es aber nicht. Ich selbst folge nicht jemandem, um die Person in einer Rolle zu sehen, die schon Tausend andere spielen. Ich folge jemandem, weil er so ist, wie er ist und genau den Stil hat, den sonst nicht viele Leute haben. Und genau die Tipps gibt, die mir sonst niemand geben kann. Willst du vor allem eine Marke sein oder vielleicht später mal ein Unternehmen aufbauen mit Büroräumen und Mitarbeitern?

Soweit habe ich noch gar nicht überlegt. Ich lasse es auf mich zukommen. Ich habe schon noch ein paar andere Ideen und Konzepte. Vielleicht wird das in Richtung eines Unternehmens gehen. Die grössten Blogger der Welt haben alle eigene Unternehmen hochgezogen, Kleiderlinien etabliert und eigene Charity-Projekte [Vorhaben für einen guten Zweck] angestossen. Aber ich möchte sowieso mein Leben lang eigene Projekte starten, egal ob ich jetzt eine Bloggerin bin oder nicht. Im Moment steht für mich die Schauspielerei im Zentrum. Alles andere ist offen. In früheren Interviews war zu lesen, dass du als Schauspielerin unbedingt in Amerika Fuss fassen willst . . .

Nicht unbedingt. Mein Traum ist es, irgendwann von der Schauspielerei leben zu können. Es ist mir eigentlich egal, ob hier oder in London, Berlin oder Amerika. Natürlich wäre es toll, einmal in einer amerikanischen Produktion mitzuwirken, genauso wie in Deutschland Fuss zu fassen. Aber ich mache mir jetzt nicht die krasse Traumvorstellung. Ich würde nur in die Staaten gehen, wenn ich wirklich einen Plan hätte. Du lebst mehr im Moment?

Genau. Ich bin nicht so die Planerin. Ich habe das einmal ausprobiert und dann gemerkt, es kommt sowieso anders, also planst du besser nichts. Es passiert so, wie es soll. Wenn ich allerdings ein Projekt habe, muss alles perfekt vorbereitet sein. Was wäre denn dein Traumprojekt, wenn du ein Angebot aus dem Ausland, vielleicht aus Amerika, bekämst?

Irgendwas in Richtung Action oder Psychothriller, also kein typischer Hollywood-Liebesfilm, sondern eher die Rolle eines Mädchens mit einem schlimmen Geheimnis.

Ich kann nicht mit einem P ­ elzhersteller arbeiten [sie ernährt sich v ­ egan], das wäre nicht authentisch. O ­ bwohl ich ­Lederschuhe trage, weil es diesbezüglich noch zu wenig Auswahl gibt. sich intensiv damit beschäftigt. Doch auch in der Schweiz wird ein Umdenken stattfinden. Wie unterscheiden sich für dich Werbespots von Filmprojekten. Was ist warum herausfordernder?

Ein Film ist herausfordernder, weil man ein paar Monate mit e­ iner Rolle schwanger geht. In Werbespots ist man meistens man selbst, vor allem, wenn man schon etwas gemacht hat und die Leute dich ein ­wenig kennen. Wenn du das Produkt, für das du Werbung machst, auch noch cool findest, ist es sicher einfacher in einem Werbespot mitzuwirken. Ich mache beides gerne. Werbespots sind mit viel Spass verbunden und Filme sind eine tiefere Erfahrung. Du bist als Schauspielerin erfolgreich. Doch ursprünglich wolltest du Tänzerin werden. Warum und wann ist aus diesem Traum ein anderer geworden?

Ja, das stimmt. Ich hatte einen ungewöhnlichen Bildungsweg. Weil ich mit elf Jahren die Aufnahmeprüfung für die Ballettausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste [ZHdK] b ­ estanden habe, bin ich in der 5. Primarschule abgegangen und war danach an mehreren Privatschulen. Ich musste mir für die Tanz-Akademie ­immer die Nachmittage frei halten, das liess sich mit einer staat­ lichen Schule kaum vereinbaren. Ballett ist etwas Wunderschönes und ich habe wahnsinnig viel gelernt, aber es war zu wenig mein e­ igener style. Ich wollte etwas machen, worin ich mich selbst ausleben kann. Ich habe die Ausbildung abgebrochen und war dann noch etwas über ein Jahr in der Sekundarschule. Kurz nach dem Abschluss bekam ich dann die Chance, in meiner ersten K ­ inoproduktion mitzuspielen [«Amateur Teens», 2015]. Die Filmluft, die ich dabei schnuppern konnte, gefiel mir so gut, dass ich nicht mehr davon loskam. Ich habe gleichzeitig die Gymiprüfung und die Prüfung für die Schauspielschule gemacht – und beide bestanden. Das ging dann ­wochenlang hin und her. Was soll ich machen? Gehe ich den r­ iskanten Weg oder den normalen? Da ich schon immer irgendwie meiner Passion gefolgt bin, war dann aber rasch klar: Ich muss das jetzt mit der Schauspielerei machen. Setzt du nur deine eigenen Ideen um oder hast du Berater?

Es sind meine Ideen. Ich habe Leute, die ich um Hilfe fragen kann, beispielsweise in rechtlichen Sachen. Aber die Ideen kommen immer von mir oder ich entwickle sie bei einem Shooting mit einem Fotografen zusammen. Das ist mir wichtig, dass ich das immer selber bestimmen kann und es von mir kommt.

Glaubst du, dass du in Amerika, anders als in der Schweiz, eher dein Ding machen könntest mit den verschiedenen Sachen, die dich interessieren?

Was ist dir wichtig auf Instagram zu vermitteln?

Das kann man überall auf der Welt. Vielleicht wird es in der Schweiz einfach noch nicht so hundertprozentig akzeptiert wie in anderen Ländern. Jemand, der Instagram nicht jeden Tag mitverfolgt, bekommt aus den Medien ein oberflächliches Bild davon. Man kann es nur verstehen, wenn man selbst aktiv ist oder

Ich bin nicht jemand, der darüber schreibt, was in diesem Herbst der grösste hype ist. Jeder soll seinen eigenen Stil finden und man kann auch fünf verschiedene haben und nicht bloss einen. Ich selbst habe auch mehrere styles, das kommt immer auf meine jeweilige ­Laune an.

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Story  WW-Persönlichkeit

BLUE MY MIND

Viele junge User geraten in den Stress, es auch so machen zu müssen. Ich versuche, ­einen gesunden Lebensstil zu v ­ ermitteln. Das ist wichtig, wenn man junge ­Follower hat. Man trägt Verantwortung. Was hat das stetige Wachstum deiner Follower-Gemeinde [momentan über 150 000, Stand Oktober 2017] in dir ausgelöst?

Anfangs hatte ich recht Angst auf Brands zuzugehen und sie für Kooperationen anzufragen. Einer der ersten Brands war das Zürcher Modelabel Big. Sie haben Bilder von mir gelikt, und ich dachte, wenn sie meinen style schon cool finden, kann ich ihnen vielleicht noch eine Nachricht schicken. Daraufhin kam gleich eine Zusage. Niklaus Hilbers «Amateur Teens», in dem du mitspielst, kritisiert unter anderem die Social Media-Abhängigkeit der heutigen Kids. Wie stehst du als Instagram-Bloggerin zu dem Thema?

Klar, Social Media hat auch seine negativen Seiten. Auf m ­ einen Bildern versuche ich, echt zu sein, doch meine Passion ist es, bei Shoots natürlich auch ein schönes Bild zu kreieren und nicht irgendwas Zufälliges zu machen. In meinen Instagram-Storys, die jeden Tag 24 Stunden sichtbar sind, versuche ich mich nicht zu verstellen und mich auch mal mit einem Pickel zu zeigen oder wie ich am Morgen nach dem Aufwachen aussehe, damit die Nähe zu den Nutzern entsteht. Es gibt aber auch einige Profile, auf denen die Bilder total ­bearbeitet sind, krasse Diäten gepostet werden oder dass man fünfmal am Tag ins Fitnessstudio gehen soll, was völlig unnatürlich ist. Viele ­junge User merken das gar nicht und geraten in den Stress, das auch so machen zu müssen. Ich versuche immer einen gesunden Lebensstil zu vermitteln. Das ist wichtig, gerade wenn man junge Follower hat. Man trägt ihnen gegenüber schon eine gewisse Verantwortung. Ich versuche einen Weg zu finden, mich möglichst wenig zu verstellen und gleichzeitig noch ein gutes Vorbild zu sein. Das Modeln gehört auch noch auf die lange Liste der Sachen, die du machst  . . .

Manchmal geraten die Erinnerungen durcheinander, aber eigentlich schaffe ich es schon, alles zu koordinieren. Ab und zu wird es auch ein wenig stressig, man hat kein Wochenende frei wie bei einem Bürojob. Seit zwei Jahren gibt es sicher keinen Tag, an dem ich nichts gepostet habe. Eigentlich habe ich auch nie Ferien, weil ich dann sogar noch mehr Inhalt produziere zum posten, wenn die Location cool ist. Zwischendrin kann man sich dann aber wieder eine kleine Auszeit nehmen. Und ich bin jung, ich schaffe das. Ich kann chillen, wenn ich älter bin. Glaubst du, dass es deinen Instagram-Account in fünf Jahren noch gibt?

Je nachdem, ob es Instagram dann noch gibt. Angenommen, es ist in fünf Jahren noch von keinem grösseren Portal übernommen worden, kann ich mir das durchaus vorstellen. Wahrscheinlich wäre der Inhalt ein anderer, weil ich mich schon innerhalb eines Jahres ­total verändere. Es kommen wieder neue Leute dazu, die es vielleicht cool finden, was ich dann mache. Und einige die gehen, weil sie die ­alten ­Sachen cooler fanden. Und wieder andere bleiben, weil sie mehr an mir als Person interessiert sind. Mir ist es nur wichtig, auch in fünf Jahren noch alle meine Interessen miteinander verbinden zu können. Und mich nicht für etwas entscheiden zu müssen.

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oë Pastelle spielt eine der Hauptrollen in dem Kinofilm «Blue my Mind» von Lisa Brühlmann. Als Gianna ist sie die Anführerin einer Mädchenclique, die sich mit der gleichaltrigen Mia (Luna Wedler) anfreundet. Diese ist neu an der Schule und durchlebt eine für sie albtraumhafte Verwandlung. Zwischen märchenhaft-poetischen und ungeschönten Bildern mühelos balancierend, erzählt der Film von einer Sinnsuche und den Wirrungen der Pubertät. Am diesjährigen Zurich Film Festival im Oktober gewann er gleich drei Preise, darunter den Jurypreis für den besten deutschsprachigen Film und den Kritikerpreis der Schweizer Filmjournalisten. Er läuft aktuell in den Schweizer Kinos.

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WW-Persönlichkeit  Story

zoepastelle

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Bilder: Zoë Pastelle

Z o ë P a s t e l l e actress, fashion lover, creative mind, hungry for life zoe@pastelle.life based in zurich zoepastelle next: LA, rome www.lofficiel.ch/beauty/mit-zoe-pastelle-in-cannes

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Styling: XXXX XXXX XXXX  Model: XXXX XXXX

Die «Tank de Cartier» skizziert von einem Fan und Träger mit Namen 30  WW Magazin Andy Warhol.

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Cartier  Story

HAPPY BIRTHDAY Text: MARIANNE ESCHBACH

Bild: © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./ProLitteris, Zürich

Vor HUNDERT JAHREN, gegen Ende des E ­ rsten Weltkriegs, entwarf der Pariser ­Uhrmacher und J­ UWELIER LOUIS CARTIER eine ­eckige Uhr für Offiziere der französischen ­Armee. I­nspiration des GEHÄUSES waren damals NEUE PANZER und das Armband erinnerte an die R ­ aupen, die um die Räder der schweren ­Gefährte verliefen. Doch rasch wurde die «Tank» zum L­ IEBLINGSMODELL DER FEINEN LEUTE . Sie ­verdrängten den m ­ artialischen Hintergrund – und Cartiers vielleicht w ­ ichtigstes Stück wurde zu einer BOTSCHAFTERIN DES FRIEDENS. Nr. 4 2017

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Taschenuhren hatten gerade erst ihre Ketten gesprengt und sich auf den Weg von den Westen an die Handgelenke gemacht, als Louis Cartier bereits mit ihrer Form zu experimentieren begann. Der Pariser Juwelier wollte nicht weniger, als die Uhren seiner Zeit revolutionieren. Diese waren zu neunzig Prozent rund und die restlichen zehn Prozent nannte man «Formenuhren». Und hier sah Monsieur ­Cartier Potenzial. Er war damals 41 Jahre alt, geschieden von seiner ersten Frau A ­ ndrée Worth und lebte im Hotel «Ritz», nur ein paar Meter von seinem Schmuck- und Uhrmacheratelier an der Rue de la Paix entfernt, wo sich noch immer das Cartier-Stammgeschäft befindet und die sogenannte Haute Joaillerie-Kollektion entsteht. Der Mann interessierte sich für neue Technologien, für Sport, Autos und die Fliegerei. Zu der Zeit wurden in Europa Schlachten geschlagen; Louis’ jüngere Brüder Pierre und Jacques wurden in die französische ­A rmee eingezogen, die im ersten Weltkrieg gegen deutsche Soldaten kämpfte. Er selbst ­leitete das Familienunternehmen zu dieser Zeit a ­ llein und diente nebenbei als Unteroffizier beim Roten Kreuz. Louis Cartier brachte mit seinen Uhren und Accessoires etwas Licht in diese dunklen Jahre. Klare ­Linien entsprachen seinem Geschmack, vielleicht als Gegenentwurf zu der verwirrenden Zeitgeschichte. 1888 hatte Cartier angefangen, Uhrwerke in Armschmuck für Frauen zu ­integrieren. Das technische Wissen, um die Räder eines Uhrwerks in allen Positionen zum Funktionieren zu bringen, hatte man schon. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts gab es die ­A nkerhemmung, 1801 hatte Abraham-Louis Breguet das Tourbillon erfunden, seit 1806 schützte eine Antischock-Vorrichtung vor Stössen und auch gegen kühlere Temperaturen, die am Handgelenk herrschen – in ­einer Westentasche beträgt sie dagegen rund 32 Grad –, gab es seit wenigen Jahren eine thermisch stabile Stahl-Nickel-Legierung. Fest entschlossen, die Uhrenproduktion mit Pendulen und Armbanduhren im Juwelierunternehmen voranzutreiben, schloss

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Louis Cartier 1907 einen Vertrag mit dem ­Elsässer Uhrenkonstrukteur ­Edmond Jaeger ab. Dieser war bekannt dafür, die feinsten und flachsten Uhrwerke herzustellen sowie dafür, dass er immer eine Lösung fand, um das Werk zu platzieren. Die technische Fertigkeit seines Compagnons liess Louis Cartier viel kreativen Freiraum, um seine Gehäuseformen zu entwickeln. Zusammengebaut wurden Jaegers Werke übrigens bei der ­Firma LeCoultre im Schweizer Vallée de Joux. Die Wiegen der beiden bekanntesten eckigen U ­ hren, der «Tank» von Cartier und der «­Reverso» von Jaeger-LeCoultre liegen also nah beisammen. Die Uhr, in welche der Antrieb eingebaut werden sollte, hatte Louis Cartier mit vier Strichen entworfen. Die Skizzen sahen etwa so aus wie eine Bahre, an deren Querverstrebungen das Armband befestigt werden ­konnte. Für seinen Freund, den brasilianischen Flugpionier Alberto Santos-Dumont, hatte Louis Cartier bereits eine quadratische Uhr entwickelt. Denn der hatte sich eine Armbanduhr gewünscht, von der er während des Fliegens die Zeit einfach ablesen k ­ onnte. Die «Santos» war geboren. Vorerst waren aber nur Quartiermeister der Armee an solchen Armbanduhren interessiert – sie fanden sie nützlicher für ihre Offiziere und Soldaten als hergebrachte Taschenuhren. Die gestalterische Bestätigung seiner Idee fand Cartier in einer neuen Erfindung der englischen und amerikanischen Armee: Panzerfahrzeugen. Die sogenannten «Tanks» kamen ab 1916 erstmals in Europa zum Einsatz, nachdem die Kämpfe an der Somme eine Million Verletzte und eine halbe Million Tote gefordert hatten. Die «gepanzerten Autos» wurden von der Presse als «Monster» beschrieben und mit Sauriern verglichen, welche die deutsche Armee vernichten würden. Die französische Wochenzeitung L’Illustration erreichte ihre höchste Auflage, als sie einen Tank auf ihrem Titel zeigte. Die Raupenketten, die den Fahrzeugkörper überragten, wurden zum Vorbild für die Uhrenkonstruktion und die Befestigung des Armbandes. Wohl zum Dank für die Inspiration soll Louis Cartier einige der ersten Tankuhren, die 1917 aus seinem ­Atelier kamen, General Pershing geschenkt haben, dem Kommandanten der amerikanischen Streitkräfte in Europa. Nachdem der Schlachtenlärm verstummt war und die Armee-Panzer abgezogen w ­ orden waren, begann der Siegeszug der « ­ Tank de Cartier» – die Uhrenmodelle blieben nie ­lange im Schaufenster am P ­ ariser Friedensplatz. Zum Marketing des Hauses g ­ ehörte es schon damals, einer Herrenuhr gleich

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ein ­Damenmodell folgen zu lassen. Und die «Tank» ist bis heute das Uhrenmodell mit der rekordverdächtigen Zahl von Interpretationen: es gibt sie in Gold und Stahl, mit Diamanten und ohne, mit mechanischem und mit Quarz-Antrieb, mit einfachen und mit komplizierten Uhrwerken, extraflach, in diversen Grössen und den leicht unterschiedlichen Stilen der Cartier-Metropolen Paris, ­London, New York. Es gibt etwa die «Tank ­L ouis ­Cartier» mit fast quadratischem G ­ ehäuse, die etwas schlankere «Tank ­A mericaine», die «Tank A ­ nglaise», die «Tank Chinoise», mit markanten Querverstrebungen, die an Tempeleingänge in Asien erinnern, die «Tank Française», die quergestellte «Tank Diwan», die bombierte «Tank C ­ intrée», die «Tank» im Art-Déco-Stil mit Emaille-Dekor . . . Eine «Tank» ist mindestens so sehr Accessoire oder Schmuckstück wie ein Instrument zum Ablesen der Zeit. Und kommt bei Männern und F ­ rauen gleich gut an. Ausserdem bei Stars und Blaublütigen. Der Stummfilmheld Rudolph V ­ alentino bestand 1926 darauf, seine «Tank» im Streifen «Der Sohn des Scheichs» zu tragen, obwohl das Accessoire nicht zur Handlung passte. Oder Truman C ­ apote soll sich in einem Interview einmal über die offenbar hässliche Uhr des Journalisten geärgert haben und ihm gleich seine eigene «Tank» geschenkt haben, weil er mindestens sieben davon besass. Die «Tank» kennt auch Krisen. Nach dem Börsenkrach von 1929 brachen die Umsätze ein. Hatte Cartier in Paris 1925 noch 500 Armbanduhren im Jahr verkauft, waren es 1932 nur noch 130 Stück. In den F ­ ilialen in London und New York sah es nicht besser aus. Was gravierende Auswirkungen auf die Entwicklung der «Tank» hatte. Der ­Exklusivvertrag mit den Produzenten ­Jaeger und LeCoultre musste aufgelöst werden. ­Einzelne Modelle verschwanden jahrzehntelang vom Markt. So zum Beispiel die «Tank ­Chinoise», die vierzig Jahre nicht ausgeliefert wurde – bis zur Neuauflage von 2004. ­P ierre ­Rainero, Cartiers Heritage-Direktor, erklärt den ­Erfolg des Uhrenmodells, von dem ­heute rechnerisch alle fünf Minuten ­irgendwo auf der Welt ein Exemplar verkauft wird, so: «Die Form der ‹Tank› oszilliert zwischen quadratisch und rechteckig. Ihre Eleganz ist zeitlos und kennt kein G ­ eschlecht. Männer und Frauen lieben sie wegen ihrer perfekten Proportionen. Sie ist visionär und ihr Design überdauert die ­Moden.» Oder um es mit den W ­ orten von L ­ ouis ­Cartier zu s­ agen: «Wären alle ‹Tanks› von Cartier, gäbe es ­keine Kriege mehr. Sondern es wäre Frieden auf der Welt.»

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Bilder: Archives Cartier

Story  Cartier


«Tank»2017

«Tank Américaine», kleines Modell aus Edelstahl mit Quarzwerk und Mehrkantaufzugskrone.

«Tank Louis Cartier», ­k leines Modell aus Rotgold mit mechanischem Uhrwerk.

Wenn eine Uhr ­Zeitgeschichte wird «Tank Cintrée», Limitiertes Modell aus Platin mit mechanischem Uhrwerk (Handaufzug).

«Tank Louis Cartier», grosses Modell, aus ­rhodiniertem Weissgold mit Diamanten.

1. Rudolph Valentino mit seinem Uhr-Stilbruch im Film «Der Sohn des Scheichs, 1926. 2. Auch die ­D eneuve trug ihre «Tank» mit Stolz. 3. An Cary Coopers Arm wurde die Uhr zum Schmuckstück. 4. Der elegante Mann mit der eleganten Uhr – Yves Saint Laurent. 5. Ein Werbeauftritt, der keinen Preis hat. ­Darum ­zahlte ­P rinzessin Diana für ihre «Tank» von ­C artier, und nicht ­u mgekehrt. 6. Von General Pershing kam die Idee, von Louis Cartier die Uhr. 7. Andy Warhol e­ rfreute sich am Äusseren ­seiner Uhr, das Innere sei ihm egal gewesen, sagt man.


Story  Reisereportage

Wenn bei uns DER WINTER BEGINNT, wird es SOMMER AN AFRIKAS SÜDSPITZE. Das heisst, jetzt ist DIE BESTE REISEZEIT. Auch wer schon dort war, sollte wieder ­hinfahren. Und sich vielleicht anschauen, was er bisher noch nicht gesehen hat – zum Beispiel die weniger schönen Ecken. DENN KAPSTADT IST vor allem auch eine INTERESSANTE SCHÖNHEIT.

Text:

MARK VAN HUISSELING

Bilder:

MUIR VIDLER

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Camps Bay(watch) – die Bucht gilt als eine der besten Wohnlagen. Falls man das Wetter nicht mag – warten Sie fünfzehn Minuten, es wechselt rasch.


Story  Reisereportage

enn man zum ersten Mal ankommt, fällt einem viel Schönes auf. Die Lage zum Beispiel ist fast nicht zu übertreffen: Die Stadt schmiegt sich an Gipfel, die Namen haben wie «Tafelberg» oder «­L öwenkopf», und an die blauen Fluten des Atlantiks. Das Klima ist zwar im Grunde harsch – brennende Sonne, heftige Winde, ­starke Niederschläge –, doch das Wetter kann man oft als gut bezeichnen; im S ­ ommer, der hier von Dezember bis Februar stattfindet, erreichen die höchsten Temperaturen 25, die tiefsten nicht unter 16 Grad. Die Flora ist üppig und präsentiert sich in satten Farben, auch dank des schmeichelnden Lichts, wie man es von Technicolor-Bildern aus dem Kino oder dem Home-Entertainment-Center kennt. Kurz, die Schönheit, der man am Kap, an Afrikas ­Südspitze, begegnet, hält, was einem der Reiseführer verspricht. «Das schönste Ende der Welt», steht etwa im Baedeker. Wenn man das zweite, dritte oder x-te Mal ankommt, was schon sehr für eine Destination spricht, findet man auch weniger Schönes in der Stadt, die einwohnerzahlenmässig ungefähr mit Zürich zu vergleichen ist. Während meines Aufenthalts im Oktober dieses Jahres – meinem dritten bisher – war beispielsweise in der Daily Voice, einer Tageszeitung mit vielen Bildern – von einer Schiesserei im internationalen Flughafen zu lesen: Der Anschlag galt dem angeblichen Boss der Sexy Boys, einer V ­ erbrecherbande, die zur Hauptsache mit Drogen handelt. Dieser überlebte den dritten Versuch seiner Feinde, ihn aus dem Weg zu schaffen, innerhalb von sechs Monaten; ein unbeteiligter Flughafenbesucher wurde zudem von einer querschlagenden Kugel getroffen. Man erinnert sich daran, auf der Webseite des Schweizer Aussendepartements eine Warnung für Reisende gelesen zu haben – die Gewaltkriminalität sei hoch . . . Mit anderen Worten: Kapstadt ist nicht nur eine schöne, sondern auch eine schön interessante Stadt. PLUS ÇA CHANGE, PLUS C'EST LA MÊME CHOSE

Am Anfang der meisten Aufenthalte steht wohl ein Bummel entlang der Victoria & Alfred Waterfront auf dem Programm. Dort gab es die längste Zeit nichts, was es nicht überall gibt, wo Touristen sich scharen. Also nichts, was man wirklich braucht. Seit diesem September ist das anders, seit der Eröffnung des Zeitz-Museums für zeitgenössische afrikanische Kunst (kurz: Zeitz M ­ OCAA). In einem architektonisch überzeugenden, frisch renovierten und umgebauten ehemaligem Getreidesilo befindet sich die ­grösste Sammlung solcher Kunst. Sie gehört Jochen Zeitz, einem ehemaligen Puma-Manager, der die Werke dem Museum in einer öffentlich-privaten Partnerschaft für lange Zeit überlässt. Chefkurator des MOCAA ist Mark Coetzee, ein 53-jähriger Südafrikaner, der die vergangenen 25 Jahre im Ausland verbracht und in dieser Zeit etwa Zeitz’ Sammlung mitaufgebaut hat. In seinem fensterlosen Büro im Silo empfängt er uns. Der Entscheid von Zeitz, seine Sammlung in Kapstadt zu zeigen, habe dazu geführt, dass ­diese weltweite Beachtung erhalte – hätte er als Standort eine Kunsthauptstadt wie Berlin, London oder New York ausgewählt, wäre das Interesse an den Werken viel geringer, sagt Coetzee, der den Museumsjob pro bono, also umsonst, verrichtet. «Hat sich in ­Ihren Augen sehr viel verändert in den Jahren, in denen Sie nicht in Kapstadt lebten?», frage ich. Ja und nein. Es gäbe viele neue ­Geschäfte, Hotels, Restaurants und ähnliches,

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sagte er. Doch die Macht- und Besitzverhältnisse seien eigentlich noch die selben wie früher – «die Regierung hat gewechselt, klar, doch die Reichen konnten ihre Vermögen halten, die Stadt gehört immer noch den gleichen Leuten.» Die Apartheid, übrigens, endete offiziell 1991. Die schlechteste Quelle, die ein Journalist zitieren kann, sagt man, seien Taxifahrer. Diese Redensart ist viele Jahre alt, Uber, den Fahrdienst, gab es damals noch nicht. Doch wahrscheinlich darf man heute Uberfahrer mit Taxifahrer gleichsetzen, was die Zitierfähigkeit angeht. Uber ist das bevorzugte Fortbewegungsmittel von Touristen in Kapstadt, die keinen Mietwagen haben. Und sich nicht trauen, ein Sammeltaxi zu benutzen, was klüger ist. Eine Uberfahrt vom Hotel – zum Beispiel dem empfehlenswerten «Hilton Cape Town City Centre», in dem der Fotograf und ich Gast waren – an die meisten Ziele, die man als Besucher erreichen möchte, kostet umgerechnet zwischen zwei und fünf Franken. Überhaupt ist das Touristenleben in der Stadt ein günstiges, falls man in Schweizer Franken oder Euro umrechnet – was d ­ amit zu tun hat, dass der Südafrikanische Rand im Verhältnis zu diesen Währungen gesunken ist. Was verschiedene H ­ intergründe hat, u ­ nter anderem die inkompetente und korrupte Regierung des ­A frican National Congress-Politikers und Präsidenten Jacob Zuma sowie dessen Führung der Republik mit rund 56 Millionen Einwohnern (plus mehreren Millionen Flüchtlingen aus Simbabwe). Das sagen viele Uberfahrer ungefragt. Und obwohl sie als Quellen nicht die besten sein mögen und Politik im Allgemeinen, Wirtschaftspolitik im Besonderen, komplex ist, sind Korruption und Inkompetenz der Regierung mehr oder weniger u ­ nbestreitbare Fakten und nicht bloss Uberfahrer-Behauptungen. Kurz zwei Punkte, die Zuma nicht entlasten sollen, aber der Fairness ­halber anzufügen sind: Der Nach-Nach-Nachfolger von Nelson ­Mandela zu sein, ist bestimmt nicht einfach. Und ein multikulturelles Land zu regieren, ebenfalls nicht – zu Apartheid-Zeiten wurde die ­Bevölkerung des 1,2 Millionen Quadratkilometer grossen Staats (rund dreissig Mal die Fläche der Schweiz) unterteilt in S ­ chwarze, ­Farbige, Weisse und Asiaten. Die Farbigen sind Nachkommen von Weissen und deren Sklaven oder Ureinwohnern und ein Hinweis auf die Bedeutung des Kolonialismus. Die Schwarzen wiederum, die heute rund 80 Prozent der Bevölkerung ausmachen, ­bestehen aus wenigstens neun wichtigen Volksgruppen (von Zulu bis N ­ debele), die weniger wichtigen werden hier unterschlagen. MUEZZIN-RUFE UND OPULENTES LEBEN

Das Stadtviertel Bo-Kaap mit seinen bei Touristen zurecht ­beliebten pastellfarbenen Häusern ist zum Beispiel das Zentrum muslimischer Einwohner, die vor Jahrhunderten als Zwangsarbeiter aus südasiatischen Ländern geholt wurden. Darum gibt es dort noch heute Moscheen zu sehen und MuezzinRufe zu h ­ ören. Geografisch nahe, ethnologisch weit entfernt, verläuft die Kloof-Strasse mit ihren zahlreichen besuchenswerten Geschäften und Restaurants – darunter etwa «Opulent Living»,

Überhaupt ist das Touristenleben in der Stadt ein günstiges, falls man in Schweizer Franken umrechnet – was damit zu tun hat, dass der Südafrikanische Rand gesunken ist.

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Reisereportage  Story

Üben für den Karneval, der hier sehr ernstgenommen wird. Im Bo-Kaap-Viertel.

Kunst am Bau oder w ­ ohnen in einem ausrangierten Container – auf die Betrachtung kommt es an. Im Township Khayelitsha.

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7 1. Wohin einst Zwangsarbeiter aus Malaysia verschleppt ­w urden – Bo-Kaap-Viertel. 2. «Village House» heisst ein Restaurant im Township Khayelitsha. 3. Grillchef auf afrikanische Art.

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4. Mark Coetzee ist Chefkurator des Zeitz Museums für zeitgenössische afrikanische Kunst. 5. Gesangs- und Tanzeinlage im empfehlenswerten «Gold»Restaurant nahe der Waterfront.

6. Manna vom Himmel oder wenigstens Kohle von Touristen – Bettler sind nicht selten. 7. Ein schöner Rücken kann auch entzücken. 8. Man trägt wieder Mohawk, vor allem zum Grillfest, hier braai genannt.

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Xxxxxx  Xxxxxx Xxxx Blick vom Signal Hill, auf dem man kein Mobiltelefon-Signal ­empfängt, auf Green Bay und die Waterkant.

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Story  Reisereportage

ein sogenannter Conceptstore einer ausgewanderten Deutschen, oder «Kloof Street House», ein Restaurant, wo man Tage im voraus seinen Tisch reservieren lassen sollte. Das Shopping- und Gastronomieangebot lässt Touristen vergessen, dass man sich in Afrika befindet. Auf und um Kloof Street haben die meisten Weltküchen einen A ­ bleger (Thai, Italienisch, Mexikanisch et cetera) und es gibt ­greasy spoons – «fettige Löffel» wörtlich übersetzt –, in denen den ganzen Tag und die halbe Nacht amerikanisches Frühstück auf den Tisch kommt. Die Immobilienpreise in den bevorzugten Vierteln e­ rscheinen Menschen, die sich mit den Verhältnissen in Zürich, London oder Tokio auskennen, vertretbar. Für alle anderen sind sie hoch: ein hübsches, geräumiges Apartment oder ein kleines Haus kann ­umgerechnet eine halbe Million Franken kosten. In Camps Bay, ­einer Gegend mit steil zum Atlantik abfallenden Bergausläufern und grossartiger Fernsicht, so etwas wie das Kapstadt-Gegenstück zu Los Angeles und seiner Vorstadt Santa Monica, sind die P ­ reise noch höher, fast auf der Höhe von Zürich, London oder Tokio. In Camps Bay, übrigens, sollen auch Sexy Boys-Mitglieder in Villen wohnen, hört man auf dem Rücksitz während der Uberfahrt dorthin. VORSICHT: GENTRIFIZIERUNG IM GANG

Am Kap ist der als «Gentrifizierung» bekannte Prozess im Gang, wobei Wohnungen und Häuser in Gebieten, die die ­längste Zeit auch für Wenigergutverdiener bezahlbar w ­ aren, rasch ­teurer werden und viele Ansässige deshalb wegziehen ­müssen. Das Viertel Woodstock ist zurzeit etwa davon betroffen. Dort b ­ efindet sich die alte Keksmühle (Old Biscuit Mill), auf ­deren ­Gelände es G ­ eschäfte und Weinbars gibt sowie A ­ nbieter, die sich auf E ­ spresso spezialisiert haben – tatsächlich ist in der Stadt eine Kaffeekultur entstanden, die sich an der von San ­Francisco ­orientiert. Die Lokale haben eigene Röstungen und die ­A ngestellten zeigen, dass Kaffee nicht einfach Kaffee ist, sondern eine ­ernste Sache. Das Gleiche gilt für in M ­ ikrobrauereien ­hergestellte ­Biere, die nur lokal zu finden sind, etwa von der nahe ­gelegenen «­Woodstock Brewery». Die paar hundert Meter zwischen Old B ­ iscuit Mill und «Woodstock Brewery», nebenbei, ­empfiehlt uns die Betreiberin eines Kamera- und Filmgeschäfts, nicht zu Fuss zurückzulegen – aus Sicherheitsgründen, nachdem sie die Profiausrüstung des WW-Magazin-Fotografen gesehen hat. Was so ziemlich der Lehrbuch-Definition eines gerade gentrifiziert werdenden Stadtteils entspricht: Ecken, in denen s­ chicke ­L okale und Läden entstehen, verbunden durch Strassen, vor d ­ enen ­ängstlichere Anwohner als no-go areas warnen. Und über allem strahlt wie ein Leuchtturm das Restaurant mit Namen «Pot Luck Club» vom Dach der alten Keksmühle in die Kapstadter Nacht. Es handelt sich ­dabei um das wohl angesagteste Lokal der Stadt. Der Hotelconcierge lachte nur, als ich fragte, ob er dort ­einen Tisch für zwei für morgen Abend reservieren lassen könne. Der Vorlauf ­betrage drei M ­ onate, sagte er, nachdem er aufgehört hatte zu lachen. Dass wir trotzdem einen Tisch on short notice bekamen, hatte mit der Überzeugungskraft des Fotografen und seiner Kamera zu tun. Das Essen ist eine Mischung aus traditionell und zeitgemäss (Springbok-Tataki, Fisch- und Krustentier-­Tajine, Frischfisch-Crudo, ähnlich wie Ceviche beispielsweise), erinnert aber eher an ein Gastro-Pub als an fine dining, was in meiner Wertordnung ein Kompliment ist. Was ich mitnehme von dieser Reise nach Kapstadt, weil es ein Erlebnis war, das einem so anderswo nicht geboten wird, war die «Township Art Tour» in Khayelitsha, einer Siedlung am

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Was ich mitnehme von dieser Reise, weil es ein Erlebnis war, das einem so anderswo nicht geboten wird, war die «Township Art Tour» in Khayelitsha, einer Siedlung am Stadtrand. Stadtrand in den Cape Flats, der Ebene. Das Township mit über 300 000 Einwohnern, eines der grössten des Landes, ist von einer Autobahn getrennt und besteht aus einem formalen Teil mit g ­ emauerten Häusern und einem grösseren, informellen Teil, wo die Menschen in ausrangierten Blechcontainern, wie sie zum ­Warentransport auf Frachtschiffen verwendet werden, leben. Wo es kein fliessendes Wasser und keine Toilette in vielen «Häusern» gibt, sondern wo sich mehrere Familien im Freien befindliche Wasserhahne und mobile Toiletten, wie wir sie von Baustellen kennen, teilen. Khayelitsha ist ein geschlossenes System, in dem es Supermärkte und Banken, Spitäler und Polizeistationen, Schulen und Kindergärten gibt (im formalen Teil) respektive kleinere Lebensmittelgeschäfte und andere Läden, die Waren für den täglichen Bedarf verkaufen (im informellen Teil). Die Container stehen nicht illegal dort, sie sind im Grunde bloss Provisorien, denn die Regierung hat, verkürzt gesagt, allen Einwohnern decent housing (anständige Behausung) versprochen. Darauf warten diese nun, teilweise seit Jahren schon. Und wahrscheinlich noch viele Jahre mehr. Obwohl man es nicht bemerkt, kommt jeder Tourist, der die schöne Stadt am Kap besucht, in Kontakt mit Bewohnern von Khayelitsha, auch wenn man dort nicht hinfährt: es sind Zimmermädchen im Hotel, Uberfahrer, Bauarbeiter und so weiter. Wer sich am späteren Nachmittag im Township aufhält, sieht, wie Pendler zurückkommen und in ihren Containern verschwinden – Frauen und Männer, die von ihren schlecht bezahlten Jobs im Stadtzentrum oder den nahen Weinbaugebieten zurückkehren und dabei nicht gross anders aussehen, als Menschen, die in der Stadt leben, das gleiche gilt für Schulkinder in ihren Uniformen. Die Apartheid ist zu Ende. Und geht weiter. Mit dem U ­ nterschied, dass die Bewohner der informellen Städte auf der ­falschen Seite der Autobahn früher bloss eine vage Vorstellung vom ­Leben auf der Sonnenseite hatten. Heute haben sie, dank s­ ozialen Netzwerken und Medien, einen Sitz in der ersten R ­ eihe vor der B ­ ühne, auf der das gute Leben stattfindet. Sie ­schauen sich, so sieht es aus, das Schauspiel in Würde an. Und das ist ­keine ­schlechte Leistung, finde ich. Ein Haftungsausschluss: es ist nicht e­ mpfehlenswert, auf eigene Faust respektive ohne ­lokal i­ntegrierten Tourguide wie beispielsweise den Vertretern von Township Art Tours (www.townshiparttours. co.za) in ein Township zu fahren. Nur schon deshalb, weil es nicht einfach ist, sich in dem Gewirr von Strassen ohne Namen zurechtund wieder herauszufinden. Und die Sprache, die man sprechen sollte, wenn man was wissen möchte, isiXhosa ist. Wenn man das erste Mal in einem Township unterwegs ist, fällt einem viel nicht so Schönes auf. Denn man sieht Menschen und ihre Lebensbedingungen, mit denen man nicht gerechnet hat in einer schönen und reichen Stadt wie Kapstadt. Dennoch sollte man sich beides ansehen. Denn die Schöne zwischen den Bergen mit den klingenden Namen und den blauen Fluten des Atlantiks und die weniger Schöne, die sich in der Cape Flats heissenden Ebene versteckt, sind Schwestern.

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Reisereportage  Story

Man ist, was man isst und viele Südafrikaner essen nichts lieber als Fleisch vom Grill, braai heisst das.

Jeden Abend ist Showtime – Sonnenuntergang von Signal Hill aus betrachtet.

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Auf dem Werkhalter ist die Grundplatine festgeschraubt, worauf die einzelnen Teile präzise aufgesetzt werden mßssen.


Uhrmacher Crash-Kurs  Story

Uhrmacher für einen Tag Es gibt Männer, die möchten ZUM MOND FLIEGEN. Oder auf der Panamericana von A ­ laska nach Feuerland fahren. Oder wenigstens mit D ­ ELPHINEN SCHWIMMEN. Unser Autor wollte SCHON IMMER SELBER EINE UHR BAUEN. Die Firma Les Ambassadeurs erfüllt ihm – und anderen Uhrenfreunden – diesen Wunsch.

Text: RAPHAEL SUTER

Bilder: GIAN MARCO CASTELBERG Nr. 4 2017

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n Tischen, auf denen die wichtigsten U ­ tensilien ausgelegt wurden, sitzen im dritten Stock der Les Ambassadeurs-Boutique, mit tollem Ausblick auf den Luzerner Kappelplatz, sechs Teilnehmer (fünf Männer und eine Frau). Es gilt an diesem Tag eine Uhr, unter Anleitung von zwei Uhrmachern zwar, aber weitgehend selbständig dennoch, zusammenzubauen. Das Ziel ist, zuletzt die eigene Uhr am Handgelenk nach Hause tragen zu können. Uhrenliebhaber haben höchsten Respekt vor Uhr­ machern. Und dieser wächst weiter, nachdem man sich selber einmal in diesem anspruchsvollen Handwerk versucht hat. Das Uhrengeschäft Les Ambassadeurs bietet unter dem Titel «Watchmaker for a day» einen eintägigen Kurs in Luzern an, währenddem Teilnehmer eine Uhr zusammenbauen dürfen. Das Interesse ist riesig: Mehr als 150 Personen, der jüngste war neun, der älteste über achtzig Jahre alt, haben den Kurs bereits absolviert. Wer sich für den Uhrmacherberuf entscheidet, macht normalerweise eine dreijährige Lehre. Bis er als Chefuhrmacher in einem Betrieb arbeiten kann, dauert es noch etliche weitere Jahre. Und wer glaubt, die ­Herstellung von Luxusuhren werde fürstlich bezahlt, irrt. Die U ­ hrmacherei ist eine Leidenschaft, kein Geldjob. Doch gerade im Zeitalter von Smartwatches nimmt die Faszination, die davon ausgeht, ­anspruchsvolle ­mechanische Uhren herzustellen, zu. Die komplizierteste Uhr der Welt, gebaut von Vacheron Constantin, ­besteht aus 2826 Komponenten und hat 57 Funktionen. Sie ist ein m ­ echanisches Wunderwerk, für das Sammler bis zu zehn ­Millionen US-Dollar zahlen. Die Uhrmacherkunst ­gehört zu den Handwerken, auf die wir Schweizer ­besonders stolz sind. Mit Recht – doch eigentlich sind wir nicht ­deren Erfinder. Am Anfang waren es englische und französische Uhrmacher, deren Innovationen t­ eilweise bis heute Bestand haben. Doch in den letzten hundert Jahren ­haben Schweizer Manufakturen das Handwerk auf die Spitze getrieben. Komplizierte Luxusuhren stehen heute denn auch synonym für Schweizer Uhren.

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Story  Uhrmacher Crash-Kurs

Danach lernen die Teilnehmer das ETA-Kaliber 6497-1 kennen, mit dem wir uns an diesem Tag beschäftigen. Das mechanische Uhrenkaliber mit Handaufzug und ­einer kleinen Sekunde wurde bereits in den 1950er Jahren entwickelt und gilt ­wegen ­seiner Robustheit als «Traktor unter den Handaufzugswerken».

Unsere beiden Uhrmacher-Lehrer sind Joël Hug und Phichet Koedjongrak. Hug liess sich im ­sogenannten Zeitzentrum in Grenchen zum Uhrmacher ausbilden, ­Koedjongrak hat bereits für Marken wie Patek, Breitling und Gübelin gearbeitet; er stammt übrigens aus T ­ hailand. Zuerst machen sich die Teilnehmer ein wenig mit der ­Geschichte der Zeitmessung von der Antike bis in die Gegenwart vertraut. Danach lernen sie das ETA-Kaliber 6497-1 kennen, mit dem wir uns an diesem Tag beschäftigen. Das mechanische Uhrenkaliber mit Handaufzug und einer kleinen Sekunde wurde bereits in den 1­ 950er Jahren entwickelt und gilt wegen seiner Robustheit als «Traktor unter den Handaufzugswerken», sagt Joël Hug. «Dieses Werk ist gross genug, dass jeder Teilnehmer gut damit arbeiten kann. Und trotzdem einen vollständigen Einblick in die Mechanik bekommt», erklärt der Uhrmacher weiter. Nur das Werk ist vorgegeben, welches Uhrenmodell die Teilnehmer aber bauen möchten, bleibt jedem selber überlassen. Je nach Zifferblatt, Zeiger und Bändern bekommt die Uhr einen klassisch-eleganten Look oder sie sieht wie eine Fliegeruhr aus. Bis es soweit ist, liegen allerdings noch einige Arbeitsstunden vor uns. Erst einmal muss man sich mit den verschiedenen Werkzeugen vertraut machen. Das wichtigste ist die «Brucelles», eine Kronzange mit der die Teile festgehalten werden. «Sie ist so etwas wie der verlängerte F ­ inger des Uhrmachers», sagt Phichet Koedjongrak. ­Zuerst wird die Grundplatine auf dem Werkhalter platziert. ­Darauf werden dann die weiteren Teile gesetzt. Die Lupe mit dem Lupenhalter am Kopf ermöglicht den scharfen Blick auf die kleinen Räderwerke, aber auch auf S ­ taubpartikel, die für den Uhrmacher der grösste Horror sind. Deshalb wird der Staub mit Rodico-Knete immer wieder ­weggetupft. Wenn erst einmal die Räder, die zum Aufziehen des Federhauses dienen, befestigt sind, wird das Räderwerk mit der Räderwerkbrücke eingesetzt. Die Unruh ist das Herz der Uhr, sie treibt das Werk an. Gebläute Schrauben müssen platziert und angezogen werden. Und dann wird das Ganze immer wieder geölt. Tönt alles einfacher als es ist, denn ein kleiner Öltropfen muss auf einen ganz ­bestimmten Punkt des Uhrwerks gesetzt werden. Ohne Öl laufen die Teile nicht wie geschmiert, aber mit zu viel Öl wird das Lager verunreinigt und muss wieder auseinandergebaut werden.

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1. In einem Kästchen liegen die verschiedenen Einzelteile bereit, die für den Bau der Uhr benötigt werden. 2. Joël Hug zeigt einem der Teilnehmer, wie er ein Rädchen einsetzen muss. 3. Konzentration und immer wieder ein Blick durch die Lupe helfen bei der anspruchsvollen Arbeit. 4. Geschafft. Der selber zusammengebaute Zeitmesser – hier im Look einer Fliegeruhr.

Ist das Werk endlich zusammengebaut, muss das Zifferblatt aufgesetzt und fixiert sowie die Zeiger gesetzt werden. Eine Leichtigkeit nach dem mühsamen Einpassen der Kleinstteile, sollte man meinen. Doch dieser Arbeitsschritt ist tatsächlich einer der schwierigsten: Die Zeiger müssen nämlich mit Druck auf dem Zifferblatt platziert werden – und zwar muss das ganz genau senkrecht geschehen. Weiter soll dabei der Minutenzeiger ­deckungsgleich mit dem Stundenzeiger sein. Und erst das Aufsetzen des Sekundenzeigers – das ist die allergrösste Herausforderung. Mit Hilfe von Uhrmacher Koedjongrak gelingt es schliesslich doch noch. Über alles gesehen halten er und sein Kollege sich aber z ­ urück mit dem Eingreifen in den Prozess. Klar zeigen sie ab und zu, wie und wo ein Teilchen eingesetzt werden muss. Doch sobald dies geschehen ist, entfernen sie das Teil auch gleich wieder, denn jeder Teilnehmer soll seine Uhr wirklich selber ­zusammenbauen. Schliesslich stellt sich nur so am Ende des Kurstags auch ein Erfolgserlebnis ein. Zum Schluss wird die Uhr eingeschaltet und der Gehäuseboden montiert. Jetzt kommt der grosse Moment. Läuft die Uhr? Und falls ja, läuft sie genau? Die beiden Uhrmacher überprüfen jede Uhr auf ihre Genauigkeit, die dann auch im Uhrenpass festgehalten wird, die jeder Teilnehmer am Schluss zusammen mit seiner Uhr bekommt. Man kann das Aufatmen in der Gruppe spüren: Alle Uhren funktionieren einwandfrei. Acht Stunden, unterbrochen durch eine kurze Mittagspause, haben die Amateur-Uhrmacher benötigt, um ihre eigene Uhr zusammenzubauen. Mit einem Glas Champagner wird auf den Erfolg angestossen. «Wie lange brauchen Sie, um dieses Werk zum Laufen zu bringen», fragt ein Teilnehmer Joël Hug. «Rund zehn Minuten», ist seine Antwort. Die Absolventen des Kurses werden die Handwerkskunst der Uhrmacherei in Zukunft noch höher schätzen.

UHRMACHERKURS Der eintägige Uhrmacherkurs bei Les Ambassadeurs Luzern kostet 790 Franken, die Uhr und ein Lunch sind inbegriffen. Da die nächsten Kurse alle bereits ausgebucht sind, empfiehlt Les Ambassadeurs, sich vorgängig über die Nummer 041 227 10 50 zu informieren und sich direkt anzumelden.

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Aussenbetrachtung  Kulinarik

Illustration: LEO ESPINOSA

WANDERN VON GANG ZU GANG VORSPEISE , HAUPTSPEISE , DESSERT sind nicht von kurzen P ­ ausen

­unterbrochen, sondern von kürzeren (oder längeren) Fussmärschen: ­«KULINARIK-TRAIL» NENNT SICH DAS. Und lässt sich in Flims-Laax-­Falera ­erleben. Unsere A ­ utorin b ­ erichtet, was sie erschöpfender fand – ­ die ­NAHRUNGSAUFNAHME oder die ­L EIBESERTÜCHTIGUNG.

Text:

SARAH STUTTE

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er gerne gut isst und dazu schneebedeckte und kühlere Wintertage durchschreiten möchte, sollte sich auf den Weg nach Graubünden machen. Seit nunmehr vierzehn Jahren bietet die Region Flims-Laax-Falera zwei ­sogenannte Kulinarik-Trails an – die einzigen in der ganzen Schweiz. Auf vorgegebenen Wegen wandert man von einer Gaststätte zur a ­ nderen oder von der Vorspeise zum Hauptgang und von dort zum Dessert. Dabei werden feinste Bündner Spezialitäten serviert – unter anderem Capuns da Larnags, Bündner Jägerplättli, ­hausgemachte Trinser Birnenravioli oder Rosinen-Pizokel. Die beiden Trails unterscheiden sich in ihrer Länge, der ausgewählten Route und der Anzahl der aufgestellten Gänge. Der erste führt in die Höhe auf den Panorama-Wanderweg und nennt sich im Sommer sowie Herbst «Berg und Sicht» und im Winter «Berg und Winter». Je nach Jahreszeit macht man dabei entweder Halt in vier oder fünf Restaurants. An milderen ­Tagen wandert man von Falera über die Runcahöhe und Startgels nach Fidaz; im Winter fährt man mit der Seilbahn von Laax aus auf den 2252 ­Meter hohen Gipfel Crap Sogn Gion, um von dort aus loszulaufen. Insgesamt ist man dabei sieben bis acht Stunden unterwegs, davon benötigt man an reiner Marschzeit im Sommer ungefähr sechs Stunden und im Winter knappe drei Stunden. Der zwölf Kilometer lange 3-Gänger namens «Wald und Wasser» (oder «Wald und Winter») führt durch den Flimserwald entlang des C ­ aumasees nach Conn und um den Crestasee wieder zurück nach Flims. Hier läuft man etwa zwei bis drei Stunden. Damit man es unterwegs wie auch im Restaurant ein wenig gemütlich

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nehmen kann, sollte man für die ganze Tour ungefähr sechs bis sieben Stunden einplanen. Da ich besagten Trail im Spätherbst unternahm, wählte ich die Route «Wald und Wasser» für meine erste kulinarische Wandererfahrung. Diese unterscheidet sich von derjenigen im Winter, die von Anfang Januar bis Mitte April angeboten wird, nur geringfügig. In Flims Waldhaus angekommen, suchte ich als ersten Marschhalt die «Aktienbrauerei» im Dorf auf, um mich mit der Vorspeise für die anstehende Strecke zu stärken. Die Lokalität beeindruckt schon mit ihrem Interieur – zwei grossen kupfernen Braukesseln hinter der Theke. Ich durfte zwischen einem ­Salat mit Alpkäsestreifen an einem Bierdressing oder einer Weisswurst mit Brezel wählen. Dazu gab es ein Getränk. Ich entschied mich für die bayrische Variante und nahm dazu ein «Winterbock», ein saisonales Spezialbier mit i­ ntensiver Malznote. Zur Wurst wurde ein selbstgemachter süsser Senf gereicht – der b ­ este, den ich je probiert habe. Mein Kompliment zum Senf e­ rwiderte man mit dem Aushändigen des R ­ ezepts. Schon ein G ­ ewinn, bevor ich überhaupt den ersten Wanderschritt unter die Füsse genommen hatte. Leider erfuhr ich auch, dass die 2005 ­eröffnete Brauerei bald schliessen müsse (beim Erscheinen dieser Ausgabe von WW-Magazin wird der ­Betrieb bereits eingestellt sein). Die einheimischen Biersorten sollen j­ edoch von einer B ­ rauerei in Appenzell weiter hergestellt werden. Dann folgte ich dem gut ausgeschilderten Wanderweg, der vom Dorfkern aus leicht zu finden ist. Der erste «Wow»-Effekt auf der Strecke stellte sich ein, als ich am Ufer des Caumasees stand und auf das türkisgrüne Wasser blickte. Auch im Winter friert der See nicht, anscheinend aufgrund mächtiger unterirdischer Quellen, von denen er durchflossen wird. Entlang des Sees geht es, abseits des Spaziergängerstroms, weiter über teils verwurzelte Waldwege nach Conn. Immer wieder kreuzt das Connbächli den Pfad, ein alter Bewässerungskanal,

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der einen quer durch den Flimserwald begleitet. In Conn kehre ich im gleichnamigen Bergrestaurant ein, das auf einer Terrasse liegt und für seine hausgemachten Trinser Birnenravioli sowie Bündner Polenta bekannt ist. Hier, wie auch schon zuvor in der Brauerei, sind die Portionen reichlich. Nur fünf Minuten vom Restaurant entfernt, liegt die Aussichtsplattform Il Spir. Sie bietet einen herrlichen Blick in die Rheinschlucht, wo sich der Vorderrhein durch das Tal schlängelt. Nach weiteren eineinhalb Stunden Marsch erreicht man den Crestasee, der in einer Mulde im Grosswald von Flims liegt und nicht minder eindrucksvoll ist. Der See ist auf drei Seiten von Wald umgeben und auch hier wirken unterirdische Quellen. Ich bekomme mein wohlverdientes Dessert im oberhalb gelegenen Restaurant vorgeschlagen und kann mich fast nicht zwischen der Waldbeerwähe, einer Käseplatte oder dem Wahlcoupe von der Karte entscheiden. Letztlich siegt das Glacé. Der Schlussabschnitt des Weges führt noch einmal ein wenig hinauf, ­bevor man zufrieden das Ziel erreicht. Die leichte Route ist auch für Wanderanfänger bestens geeignet, denn hohe Aufstiegspunkte gibt es nur wenige und die Anstrengung hält sich bei insgesamt zu bewältigenden 324 Höhenmetern in Grenzen. Falls man erschöpft ist – dann vom Essen.

KULINARIK-TRAILS Den Kulinarik-Trail-Voucher, den man auf der Route beim jeweiligen Restaurant vorzeigen muss, erhält man von den Tourismusbüros in Flims, Laax oder Falera. Zu einer genussreichen Tour gehört auch die sorgfältige Planung derselben. So sollte man sich vorab bei den lokalen Informationsstellen über die Strecken- und Wetterverhältnisse informieren, besonders im Winter. Je nach Witterung und Schneefall kann eine Route gesperrt oder unterbrochen sein. (Sommertrails: www.flims.com, Wintertrails: www.laax.com)

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Der zwölf Kilometer lange 3-Gänger namens «Wald und Winter» führt durch den Flimserwald.


Aussenbetrachtung  Wanderlust

Illustration: PIETER VAN EENOGE

«Audi, fahr mich heim» Er könnte es, der neue ­Audi A8 mit dem sogenannten STAU­ PILOTEN, einer S ­ oftware, die ­automatisiertes ­Fahren möglich macht. Jetzt müssen noch die ­Behörden nachziehen – und das ­System auf SCHWEIZER STRASSEN zulassen. Interview:

MARK V ­ AN HUISSELING

S

Simon Ulbrich, die Entwicklung des Staupiloten – ist das eine Aufgabe, die eine ganze Abteilung beschäftigt, oder haben Sie das mehr oder weniger alleine gemacht?

Eher ersteres. Der technische Aufwand, den ein Automobilkonzern erbringen muss, um pilotiertes Fahren zu ermöglichen, ist tatsächlich enorm – wir haben eine grosse Abteilung, ein grosses Team, das sich ausschliesslich mit dem Thema «pilotiertes Fahren» beschäftigt. Wir decken viele Aspekte ab: im Systemdesign, in der Sensorik, in der Vernetzung des Fahrzeugs. Und natürlich im Design der ­Sicherheit des Fahrzeugs, damit sicheres Fahren gewährleistet ist. Dafür braucht es grosse und interdisziplinäre Teams. Die Entwicklung des pilotierten Fahrens ist ein technischer Leuchtturm.

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«Es ist nicht natürlich, in einem fahrenden Auto die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Aber man ­gewöhnt sich überraschend schnell daran», Simon Ulbrich, Projektleiter Staupilot bei Audi.

Der neue Audi A8 beherrscht als erstes Serien­ auto automatisiertes Fahren des Levels 3 (sehen Sie den Kasten dazu). Haben wir es hierbei mit einer massgebenden technischen Entwicklung zu tun oder eher mit einer Evolution?

Auf jeden Fall mit einer massgebenden technischen Entwicklung. Wir haben ganz bewusst gesagt, dass wir den Fahrer in ­Situationen unterstützen möchten, in denen das Fahren keinen Spass macht – im Stop-andgo-Verkehr, Stossstange an Stossstange, im Stau. Da entlasten wir den Fahrer, damit er sich mit anderen Sachen beschäftigen kann.

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Schwierige Frage an Sie als Audi-Mitarbeiter: Ist Audi Weltmarktführer auf diesem Gebiet?

Man kann eine einfache Antwort darauf ­ eben: Alles, was zurzeit kaufbar ist, von g Audi oder Mitbewerbern, sind Level 2-Systeme. Das heisst, es ist assistiertes Fahren; es gibt aktuell keinen Automobilhersteller, der ein Level 3-System anbietet. Also würde ich sagen: Audi ist klar führend. Natürlich haben wir keinen Einblick in die Entwicklungen bei Wettbewerbern, aber ich gehe davon aus, dass unser Level 3-System das erste sein wird, das auf den Markt kommen wird.

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Wanderlust  Aussenbetrachtung

gefreut hat, was Technologie erreichen kann. Es ist tatsächlich etwas Faszinierendes. Mussten Sie starke innere Widerstände überwinden, bevor Sie die Hände vom Lenkrad nahmen und den Staupiloten übernehmen liessen?

Bei mir als Entwickler ist es schon so, dass ich eine Portion Misstrauen habe – weil ich genau weiss, worauf wir alles beim Entwickeln achten mussten . . . Um eine Analogie zum Personal Computer zu ma­ chen: «Sind Sie sicher, dass das Fahrzeug jetzt scharf abbremsen soll?», möchte man nicht l­ esen auf dem Bildschirm des Autos mit Staupilot.

Entwicklungen laufen verschieden ab in verschiedenen Branchen. Weil man diesen ­hohen Anspruch in einer Branche hat, die ­sicherheitskritisch ist – in der Automobilbranche kann man Systeme nur reif auf den Markt bringen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um automatisiertes oder herkömmliches Fahren handelt. Und noch das: Der Fahrer wird nicht bevormundet. Er kann jederzeit selber fahren, wenn er das möchte. Grosse Frage zum Schluss: Ab wann kann man den Staupiloten als gewöhnlicher Autokäufer flä­ chendeckend einsetzen?

Sie haben den Staupiloten getestet und sich in dem von Ihnen mitentwickelten Auto durch den Verkehr fahren lassen – wie war das?

Am Anfang, muss ich sagen, ist es erst mal ungewohnt. Es ist nicht natürlich, in einem fahrenden Auto die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Aber man gewöhnt sich überraschend schnell daran. Und kommt bald in den Zustand, in dem man es einfach nur als angenehm erlebt, nicht mehr in der Fahrerrolle zu sein, sondern andere Dinge tun zu können. Ich kann es nachvollziehen, wenn Menschen fragen, ob sie sich pilotiertes Fahren überhaupt wünschen; ich kann aber sagen, ich habe noch keinen getroffen, der nicht mit einem Grinsen im Gesicht aus dem Auto gestiegen ist, nachdem er es erlebt hat. Und sich nicht darüber

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Stufen zum autonomen Fahren:

Bei der Klassifizierung haben sich die verantwortlichen Gremien auf sechs Stufen geeinigt. Level 0, manuelles Fahren: Der Fahrer ist verantwortlich. Level 1, assistiertes Fahren: Der Fahrer wird vom Assistenz­system unterstützt, bleibt jedoch verantwortlich. Level 2, teilautomatisiertes Fahren: Der Fahrer kann in bestimm­ten Anwendungsfällen an das System übergeben, hat aber immer die Überwachungs- und Übersteuerungsfunktion. Level 3, hoch­automatisiertes Fahren: Der Fahrer muss das Fahrzeug nicht mehr perma­nent überwachen und kann bordgestützte Neben­tätigkeiten ausführen. Level 4, vollautomatisiertes Fahren: Hier kann der Fahrer die komplette Fahraufgabe an das System übergeben. Level 5, autonomes Fahren: Das System benötigt die ­Hilfe des Fahrers in keiner ­Situation.

November / Dezember

Zuerst mussten wir technisch soweit sein, dass das System die erwähnte Marktreife erreicht. Danach kommt die Homologation, die Zulassung, eines solchen Systems. Und weiter muss das Strassenverkehrsgesetz in einem Land das pilotierte Fahren zulassen. Gesetzliche Bedingungen in einzelnen Ländern können Auswirkungen haben auf ­unsere Systeme, können also technische Schleifen verursachen. Nun sind wir soweit, dass wir mit den Behörden einzelner Länder an der Zulassung des Stau­ piloten arbeiten, und in verschiedenen Ländern sind die Gesetzgeber dem System g ­ egenüber sehr aufgeschlossen. In Deutschland wurde der Einsatz des Staupiloten auf Autobahnen zugelassen. Und wir hoffen ­natürlich, dass dieser Entscheid eine Strahlkraft auf andere Länder ausüben wird. [Der Markenchef Audi Schweiz, D ­ onato ­Bochicchio, sagte in einem Interview mit der Handelszeitung, Ende 2018/ Anfang 2019 d ­ ürfte es in u ­ nserem Land so weit sein].

STAUPILOT Simon Ulbrich, 31, arbeitet für Audi in Ingolstadt; der promovierte Wirtschaftsingenieur ist ­Projektleiter des ­sogenannten Staupiloten. Im Jahr 2015 war er ­mitverantwortlich für die Entwicklung der Software des Autos, das ohne Eingreifen eines Menschen die rund 850 Kilometer lange Strecke von San Francisco nach Las ­Vegas schadenfrei zurücklegte.

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Sie wählt Kleider, die einer P ­ rinzessin angemessen sind. Und ihr stehen – was man zum Beispiel hier sehen kann. Kleider, die ­Einblicke gewähren, aber immer auch ­genügend solche verwehren: Regisseurin Coppola. Kleid von VALENTINO, ­ca. Fr. 6840.– (bei Mytheresa.com).

Tasche «Lockett Mini» von JIMMY CHOO, ­ca. Fr. 1800.–.

Schuhe von LOEWE, ­ca. Fr. 900.– (bei Net-a-porter.com).

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Attraktiv, aber nicht zu sexy; ­stilvoll, aber nicht zu modisch – ­R EGISSEURIN UND TOCHTER des Auteur-Königs Francis Ford C ­ oppola weiss, wie sich eine FRAU VON ­I HREM STAND in der Ö ­ ffentlichkeit kleiden und zurechtmachen soll. Sollte sie einen Film über eine ­HOLLYWOOD-PRINZESSIN unserer Zeit drehen, würde sie am besten sich selber casten. November / Dezember

Sie ist zurzeit wohl die einzige Frau, die so etwas wie den Stand einer Prinzessin von ­Hollywood inne hat. Das hat damit zu tun, dass ihr Vater Francis einer der grossen Regisseure und ein ­auteur ist. Vor allem aber darf man Prinzessin Sofia als eine solche ­bezeichnen, weil sie längst hinter der Kamera steht und nicht mehr davor. Was dazu führt, dass sie heute ihren Stars sagt, was d ­ iese tun sollen. Nicht umgekehrt. Mit anderen Worten: Sofia ist eine wichtige Frau. Und so zieht sie sich auch an, wenn sie ausgeht und man sie beobachten kann. Sie wählt Kleider, die einer P ­ rinzessin angemessen sind. Und die ihr stehen – was man zum Beispiel auf dem Bild auf dieser ­Seite sehen kann. Kleider, die zwar ­Einblicke gewähren, aber immer auch ­genügend solche verwehren. Und dafür sorgen, dass sich die Trägerin nicht unter ihr Niveau begibt. Dieses, so sieht es aus, ist ziemlich hoch: Nie würde sie sich den Augen ihrer Untertanen aussetzen in zu enger, kurzer, oder ausgeschnittener et c­ etera G arderobe. Sie schreibt zwar ­ ­ihren Vornamen gleich wie Sofia ­Vergara, sie buchstabiert aber Stil und die Botschaft, die dieser verbreitet, anders als die TV-Schauspielerin. Sofia Coppola wünscht sich, vermuten wir, keinen Eintrag auf der Maxim Hot-100-Liste, was sowieso nicht Prinzessinnenlike wäre. Kommt dazu, dass für ­h otness in der Familie ein anderer zuständig ist: ihr Rockstar-Ehemann Thomas Mars von der französischen Band Phoenix, die zwar eher brav ist, mais quand même. Was sie auch noch hat: Einen Platz auf der Vanity Fair Best-DressedListe. Was erstens verdient und zweitens standesgemäss ist. Mark van Huisseling

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WW Magazin No. 4/17  
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