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Hals über Kopf Als sie ihren Blick länger auf ihn gerichtet hatte, erkannte sie in diesem Jungen einen Mann. Einen Mann, dessen Zartheit sie ebenso überraschte, wie seine eigenwillige Art, die Welt sehen zu wollen und sich gleichzeitig doch von ihr fernzuhalten. Übergangslos entstand ein Einverständnis in ihr, eine Hoffnung auf lautlose Verständigung, deren Intensität ihr bis dahin unbekannt gewesen war. Wenn sie für einen Moment an sich herunterschaute, war da ein schwebendes Gefühl, wie eine Hülle, von der nicht auszumachen war, ob sie diesem besonderen Einvernehmen entsprang oder das Einssein überhaupt erst möglich machte.

Jana Kempe - Monolog mit meinen Töchtern  

Kempe, Jana - Monolog mit meinen Töchtern 454-210

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