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Z a pa l l a l | Yu r i n a k i

AndrĂŠs MarroquĂ­n Winkelmann


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erú hat 27 012 900 Einwohner, etwa die Hälfte von ihnen lebt in Armut. Ein Drittel der Bevölkerung lebt in Elendsvierteln oder Slums, davon neun Millionen in der Hauptstadt Lima, dem politischen und ökonomischen Zentrum des Landes. Vor zwei Jahren konnten 20% Prozent der Kinder keine Schule besuchen. (1)

In der letzten 15 Jahren ist die Anzahl der Slums, die die Hauptstadt umgeben, radikal angewachsen, manche sind mittlerweile sogar Stadtteile geworden. Zapallal liegt an der peruanischen Küste, 40km vom Stadtzentrum Lima entfernt. Um nach Yurinaki zu kommen, einem kleinen Dorf im Dschungel, muss man 4755 Höhenmeter überwinden u nd 14 Stunden mit öffentlichen Verkehrsmittel zurücklegen. Die klimatische Diversität in Perú, seine raue Geografie und die wirtschaftlichen Verhältnisse führen zu grossen kulturellen Unterschieden im Land. Mit Hilfe der Gemeinden von Zapallal und Yurinaki, habe ich ein fotografisches Projekt angefangen, dass sich mit dem Lebensbedingungen in diesen Umgebungen befasst. Es ging mir dabei nicht um klassische Reportage oder Bildjournalismus - ich wollte die Gemeinde an diesem Projekt beteiligen und habe die von mir Porträtierten in den kreativen Prozess mit einbezogen. Sie halfen mir dabei die Bilder zusammenzustellen, charakteristische Elemente der Umgebung auszuwählen und zu arrangieren, typische Räume zu suchen, um Alltagssituationen zu inszenieren um soziale und politische Themen zu behandeln. Der Grossteil der Menschen, die jetzt im Zapallal leben kam en vom Land in die Slums in die an den Rändern von Lima liegen, in der Hoffnung, bessere Arbeitsmöglichkeiten und gesicherte Wirtschaftliche Verhältnisse zu finden. Die hohe Arbeitslosigkeit und die überbevölkerte Hauptstadt liessen ihnen nicht sehr viele Möglichkeiten ausser der einen, wieder ganz von vorne anzufangen. Die meisten Menschen, die ich in meinem Projekt fotografiert habe, haben diese soziale Unsicherheit erlebt. Die Regierung kümmert sich kaum um ländlichen Gegenden wie zum Beispiel Yurinaki und diese Isolierung verstärkt die sowieso schon konservative Mentalität der Dorfbewohner und führt zum Schluss vielleicht sogar zu Misstrauen. Die alte Generation zweifelt an beinahe allem was mit Veränderung und Entwicklung zu tun hat. Absurde und altmodische Gewohnheiten werden beibehalten: junge Männer heiraten ältere Frauen und zwingen sie dazu auf dem Feld zu arbeiten, so viele Kinder wie möglich zu haben um möglich viele Personen zu haben die für die Familie arbeiten. In den meisten Fällen lernen diese Familien nur die einfachsten hygienischen, sozialen Verhaltensweisen und die simpelsten Regeln eines gleichberechtigten menschlichen Umgangs von der jüngeren Generation und durch die Erziehungsprogramme, die internationalen oder private Institutionen vorgeben. Meistens sind es die Kinder, die ihre Familien dazu bringen neue Werte einzuführen - sie übernehmen häufig die Rolle des Modells oder sogar das Oberhaupts der Familie und machen damit den Anfang in der Entwicklung eines neuen Sozialverhaltens.

   


Ich habe einen fünftägigen Foto-Workshop mit Kindern zwischen acht und vierzehn Jahren organisiert. Den Teilnehmern wurden Wegwerfkameras zu Verfügung gestellt, mit denen sie Bilder zu  folgende Themenbereichen machen sollten: Bilder von ihrem Schlafzimmer, von ihrer Familie, von dem, was es zu essen gibt, von ihrem Haus und ihrer Wohnung, von ihrer Straße. Jeden Tag musste eine Aufgabe erledigt werden, zu jedem Thema mussten fünf Aufnahmen gemacht werden. Die Kinder haben mit ihren Eltern Notizen zu ihrer Arbeit gemacht und Bildbeschreibungen verfasst, um sich so über Fortgang und Realität ihrer Arbeit Klarheit zu verschaffen. Ich habe während des Workshops jede beteiligte Familie besucht und einige Zeit mit ihr verbracht.   Ich habe die gleichen Aufnahmen gemacht, die auch den Kindern aufgegeben wurden, habe wie sie mit Wegwerfkameras gearbeitet und den Blick eines Kindes simuliert und “von unten”, aus einer “kindlichen” Perspektive fotografiert. Nach einer Woche der Ausarbeitung und Zusammenstellung habe ich für die Gemeinde und alle, die am Projekt mitgearbeitet hatten, eine kleine Ausstellung organisiert, die die erste Phase der Entwicklung einer visuellen Welt zeigen sollte. Die Bilder der Kinder wurden mit meinen Bildern gemischt und gemeinsam auf einer Wand präsentiert, sodass der Betrachter nicht unterscheiden konnte, welche Bilder ich und welche die Minder gemacht hatten. Durch die Präsentation aller Fotos als “gleichwertige” Bestandteile konnten die Betrachter leichter erkennen, welches Potenzial in den Kindern steckt, zu welchen Leistungen sie fähig sind.   Dieses Projekt liefert eine fotografische Montage eines aktuellen, gerade ablaufenden sozialen Entwicklungsprozesses - die Bildinszenierung ist das Resultat einer Interaktion der Gemeinde mit den Kindern. Und es sind wieder einmal die Kinder, die - nachdem ihnen gezeigt wurde, wie so etwa gemacht werden kann ein Bild ihrer Umwelt schaffen, der Gemeinde in einer Ausstellung ihre Perspektiven zeigen und so eine andere Möglichkeit der Kommunikation möglich machen. Durch die Kinder von Zapallal und Yurinaki haben die Familien jetzt eine Möglichkeit, ihre überkommenen Gewohnheiten abzulegen und neue, verlässlichere Werte zu entwickeln. Ich wollte mit diesem Projekt, die Familien zur Interaktion ermutigen und so zur Förderung der Individuellen und sozialen Entwicklungschancen beitragen.  

(1)Human development reports Instituto Nacional de Estadística e informática (INEI) Karina Garay Rojas, `La falta de oportunidades empuja a niños al trabajo`, El Peruano, 24/5/06


Special Thanks to: Manolo Leila Norma Rosa Hermana Leticia Nicolas Asselin DIANE Welke SVEN MüLLER jörn Wiemann Patricia Silva Sandra Müller Kitty Maria and to everyone at “Mi otro Mundo” for their help and support in this project.

Photographers Of zapallal: Allison Velásquez portales Maricris Chavez estrada Joel Rios evangelista Nayeli carguallay Sacha ROXANA PACHECO Mendoza

Photographers of yurinaki: Anali Catalina Aliaga Alarcón Ángela Alejandres Álvarez Marcela Mayra Ampicha  Rubén BLANCA ÑAHUI PUÑIRO


© A n d r é s Marroquín Winkelmann


Andrés Marroquín Winkelmann & Jarne Ricardo Ramon & Cesar Zamalloa - Zapalla Yurinaki  

Winkelmann, Andrés Marroquín _ Ramon, JarneRicardo _ Zamalloa, Cesar - Zapalla Yurinaki 069-210

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