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Zeitung der GRAS Salzburg

salzburg.gras.at

November 201 1

Editorial

Bildungsvolksbegehren … was nun?

Ja, das Semester ist in vollem Gange. Und mit ihm die Arbeit in GRAS und ÖH. Irgendwie sind immer alle fleißig – irgendwie ist immer was los. Wirf doch mal einen Blick auf die Termine weiter unten! Einige denken: „Spannende Themen, wenn ich doch nur Zeit hätte!“. Zugegeben, die Zeit ist echt ein Monster, das verdammt schnell rennt und nie anhält. Da kann man noch so an ihm zerren. Das können wir auch nicht ändern. Und wir tun es uns trotzdem von Monat zu Monat an, wichtige Themen aufzugreifen und aufzubereiten. Und das garantiert ECTS-frei. Aber trotzdem (oder gerade deshalb?) mit dem Prädikat "wertvoll" versehen.

Bereits im Vorfeld war das "Bildungsvolksbegehren" mit der Bezeichnung "Österreich darf nicht sitzen bleiben" Gegenstand vieler Diskussionen: Eine breite Koalition, von SPÖ und Grünen über Wirtschaftskammer bis hin zur Industriellenvereinigung versuchten, die Bevölkerung zu mobilisieren. Der Initiator Hannes Androsch erklärte vorab, dass 850.000 Unterschriften als erfolgreich zu bewerten seien. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Das Volksbegehren erreichte mit 383.820 Unterschriften

eine Beteiligung von knapp 5,9 % und landete somit auf Platz 1 7 der bisher in durchgeführten Volksbegehren. Die möglichen Gründe für die geringe Unterstützung sind zahlreich. Zentral ist, dass das Volksbegehren ein unübersichtliches Sammelsurium an Einzelforderungen umfasste. So bleibt das Gefühl, dass man nicht genau weiß, worum es beim Volksbegehren eigentlich ging. (Weiter auf Seite 2)

Nach dem Motto absolviert Sabine, Gras-Aktivistin, ein Praktikum in Algerien, um Deutsch-als-Fremdsprache zu unterrichten. Viele Erfahrungen machen auch Barbara, Su, Claudia, Simon und Kay mit ihren Erfolgen in der ÖH-Arbeit. Apropos Erfolg: Darf man das Bildungsvolksbegehren auch einen Erfolg nennen? Viel Spaß beim Lesen & Durchhaltevermögen im Eifer des Uni-Gefechts wünscht dir die GRAS Salzburg! Termine

Mi. 23.1 1 . 1 8.30 Vortrag mit Diskussion „Das bedingungslose Grundeinkommen“ HS 382, Geswi (Rudolfskai 42) Do. 24.1 1 . 1 7-20.00 "Die FPÖ und ihre Kritiker" HS 381 , GesWi (ÖH und Basisgruppe Gesellschaftskritik) Mo. 28.1 1 . 1 9-21 .00 GRAS-Filmabend "Amerikas meist gehasste Familie" HS 1 .006 (Unipark Nonntal, OG 1 ) Sa. 3.1 2. 1 1 -1 8.00 Seminar „Finanzkapital und Finanzkrise“ SUB (Müllnerhauptstr. 1 1 b) [geskrit] Di. 6.1 2. 1 9-21 .00 GRAS-Filmabend "Weißer König, roter Kautschuk, schwarzer Tod", Grüner Hörsaal, NaWi Mi. 7.1 2. 20.00-05.00 "Das Ende einer Legende - Akademiestraße 24" Abrissparty, von ÖH und We are Salzburg Sa. 1 0.1 2. 1 7.00 "Abtreibung ist Frauenrecht!" Gegenkundgebung zur Human Life Initiative vor dem LKH, Mi. 1 4.1 2. 1 9.00 Diskussionsabend "Bildung im Kapitalismus" im SUB Salzburg [geskrit]


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Bildungsvolksbegehren ... was nun?

News rund um Uni und Studium

Was im Volksbgehren fehlte

Neuer Entwicklungsplan der Uni Salzburg für 201 2-201 5

Aus Sicht der GRAS fehlten zentrale Punkte im Volksbegehren: • Es fehlte das Bekenntnis zu einem freien und offenen Hochschulzugang, einhergehend mit klaren Absagen an Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen • Es fehlte das klare Bekenntnis zu einer Gesamtschule • Es fehlte das Bekenntnis zu einer flächendeckenden Bildungsberatung • Es fehlte das Bekenntnis zu einem sozialen Fördermodell für Studierende mit einer elternunabhängigen Grundsicherung • Es fehlte das Bekenntnis zu demokratischer Mitbestimmung in Universitäten und Schulen. Die aufgezählten Forderungen würden gewährleisten, dass die Unis nicht einfach mehr Geld erhalten. Vielmehr würde der Zugang zu höherer Bildung sozial gerechter, die Hochschulen würden demokratischer und die zusätzlichen Mittel würden auch wirklich bei Studierenden ankommen!

ÖH-MaturantInnenberatung ausgebaut

Seit Jahren betont die ÖH, dass Zugangsbeschränkung keine Orientierungshilfe für junge Menschen sind. Vielmehr braucht es eine flächendeckende Studienberatung. Dieses Ziel rückt näher: Ab 201 2 wird die Studienberatung der ÖH in Oberstufenklassen deutlich ausgebaut: Das BMWF verdoppelt die eingesetzten Mittel auf 254.000 Euro. Damit können rund 1 3.200 SchülerInnen pro Jahr beraten werden.

Auch wenn der Erfolg hinter den Erwartungen blieb, erreichte es somit die 1 00.000er-Hürde und muss somit im Nationalrat behandelt werden. Die MandatarInnen müssen in Folge entweder einen Gesetzesantrag, einen Entschließungsantrag oder einen Bericht zu den Inhalten des Volksbegehrens abliefern.

Im Jänner wird der neue Entwicklungsplan beschlossen. Dieser gibt den Rahmen für die künftige Entwicklung der Uni in Lehre, Forschung, Personal, etc. vor. Der Entwurf enthält einige heikle Stellen, z.B. die Forderungen nach Zugangsbeschränkungen, starker Einbindung der Privatwirtschaft und nach Pflicht-Aufenthalten im Ausland für Sprachstudierende.

Curricula-Zwangsumstellung Alles in allem also eher vage Folgen, die ein Volksbegehren mit sich bringt. Eines hat das Bildungsvolksbegehren immerhin geschafft – die Sinnhaftigkeit von Volksbegehren und das Thema Bildung im Allgemeinen wurden stärker diskutiert, als es seit den UniBrenntProtesten 2009/201 0 der Fall war. [ES]

Biologie: Wegen Verwaltungsfehler 1 6 LVen gestrichen! Ende Oktober wurde am Fachbereich Biologie bekannt, dass rund 1 6 Lehrveranstaltungen von Externen Lehrenden gestrichten würden. Der Grund: Fachbereichsleiter und Dekanat hatten übersehen, dass die LVen in der Höhe von über 1 60.000 Euro budgetär nicht gedeckt waren! Auf Intervention der STVen Biologie und Molekulare Biologie werden einige LVen nun doch finanziert und weiterhin abgehalten.

Anfang Oktober erfuhren hunderte Lehramtsstudierende der KGWFakultät überraschend, dass sie in einem neuen Curriculum seien und daher Leistungen nachliefern müssten. Der Grund: Ein wichtiger Passus mit Übergangsbestimmungen wurde bei der Verlautbarung des Curriculums durch das Rektorat unterschlagen! Auf Nachhaken der ÖH wurde der Fehler korrigiert und die Umstellung rückgängig gemacht.

Neue Inskriptionsfristen

Diesen Sommer wurde erstmals die sog. "Studienvoranmeldung" angewandt. Die ÖH sprach vom "Flop des Jahres". Die ÖH erreichte in Verhandlungen mit BMWF und RektorInnen einen Kompromiss: Die Voranmeldung wird zugunsten einer früheren Inskriptionsfrist abgeschafft. Die Zulassungsfrist für BA- und Diplomstudien endet jetzt am 5.09. Für den Umstieg BA-MA gilt und die Meldung der Fortsetzung des Studiums gilt weiterhin der 30.1 1 .


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Unipark Nonntal: Modern, prestigeträchtig – aber barrierefrei? Ein Gebäude für die Postkarte? Während der Architekt die Ästehtik lobt, mehren sich die Klagen der MitarbeiterInnen und Studierenden. Diese kritisieren die Platznot, die fehlende Privatsphäre – und die mangelnde Barrierefreiheit. Mitte Oktober unternahm die ÖH mit körperlich beeinträchtigen Studierenden eine Begehung im neuen Unipark. Ziel war es, die Barrierfreiheit zu prüfen. Positiv war die Brailleschrift bei den Liften und Tafeln der Hörsäle. Einige

Kritikpunkte wurden kurz nach der Begehung von Universität und Unikum-Café rasch umgesetzt, beispielsweise die niedrigeren Tische im Unikum-Café, die für RollstuhlfahrerInnen wichtig sind. Leider gibt es aber auch eine Reihe an baulichen und technischen Mängeln, die für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen eine große und teilweise unüberwindbare Hürde darstellen. So befinden sich auf der Dachterrasse und im Bibliotheksbereich Räume, die nur über Treppen erreichbar sind.

Auch die elektrischen Türen bergen durch ihr Gewicht für Sehbeeinträchtigte große Verletzungsgefahr.

Begrenzte Kooperation Das Blindenleitsystem vor dem UniPark, das von der Busstation zum Haupteingang führt, wird oft von Fahrrädern verstellt. Der Grund: Die meisten Radständer befinden sich auf der Rückseite des Uniparks, nicht beim Haupteingang! Die ÖHVorschlag, eine Boden-markierung anzubringen, ist bei der Behindertenbeauftragten der Uni bis jetzt auf wenig Resonanz gestoßen ... (BR)

Let’s do it green! GRAS in der ÖH – ein Unterschied? Im Mai fanden ÖH Wahlen statt – und in Salzburg wie auf Bundes-Ebene ist die GRAS wieder in den ÖH-Exekutiven beteiligt! Aber welchen Unterschied macht die GRASArbeit in der ÖH eigentlich? Zum einen setzen wir inhaltliche Schwerpunkte, die von anderen Gruppierungen an der Uni vernachlässigt werden.

ECTS, Curricula & Radfahren Ein zentrales Anliegen ist uns die Reform der Curricula und der ECTSBewertung: Viele Studienpläne sind überfrachtet. Zwischen Pflichtkursen und Voraussetzungsketten bleibt kaum Platz für ein selbstbestimmtes Studium. Gemeinsam mit den Studienvertretungen (STVen) arbeiten wir an der Entlastung der Studienpläne. Mit den zuständigen Vizerektoren Erich Müller und Rudolf Feik verhandeln wir derzeit über ein

faires ECTS-Punkte-System. Ein zweiter Schwerpunkt ist das Projekt "ÖH Green Campus". Im letzten Jahr erreichte unsere Initiative, dass die Uni endlich das Thema Nachhaltigkeit aufgreift.

Aktuelle Schwerpunkte in der ÖH: - ECTS-Bewertung reformieren - Mehr Radabstellplätze an der Uni - Studieren barrierfrei - Überarbeitung von Curricula – mehr Freiräume, weniger Stress!

Nach dem Fokus auf uni-interne Maßnahmen greifen wir nun das Thema der Mobilität auf. Obwohl rund die Hälfte der Salzburger Studierenden mit dem Rad zur Uni fahren, gibt es vielerorts zu wenige Abstellplätze - rund um den neuen Unipark gibt es kaum überdachte Radabstellplätze!

Mitte Oktober haben wir der UniLeitung einen umfassenden Forderungskatalog zum Unipark übergeben.

GRAS in der ÖH Salzburg * ÖH-Vorsitzteam * Bildungspolitisches Referat * Gesellschaftspolitisches Referat * Öffentlichkeitsreferat * Organisationsreferat * Studienvertretungen (STVen) * Fakultätsvertretung KGW * Senat & Kommissionen, etc.

GRAS-Arbeitsweise in der ÖH Neben unseren Inhalten bringen wir unsere Arbeitsweise in der ÖH ein: Wir bemühen uns um flache Hierarchien und demokratische Entscheidungsfindung, binden politisch unabhängige KollegInnen in die ÖH-Arbeit ein, scheuen den Konflikt mit Autoritäten nicht und lehnen jede Form der Parteihörigkeit ab! Außerdem ... nehmen wir uns nicht wichtiger als wir sind ;-) (SH, KMD)


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GRASSIEREND

Von Datteln, Milch und Fremdheitserfahrung im Auslandspraktikum "Um mich herum findet sich ein Sprachgewirr, Laute, die ich nicht verstehe. Auf den Verkehrszeichen stehen Schriftzeichen, die maximal meinem ästhetischen Anspruch Genüge tun, die ich nicht entziffern kann. Frauen tragen Kopftuch und hautenge Kleidung und Stöckelschuhe, Burka oder auch Hijab. An der Uni fällt wieder für eine Woche der Strom aus. Am Abend sind die Straßen frauenleer, dafür trainiert das Frauenfussballteam dreimal die Woche um Mittag in der sengenden Hitze im Sportdress. Nicht der Wecker, sondern der Muezzin weckt mich."

ginnt eigentlich im Oktober tatsächlich aber Mitte November. Früher fuhren hier auch Frauen mit dem Rad. In der Cafeteria halten sich ausschließlich Männer auf und am großen Markt riecht es nach Petersilie und Koriander ... einen Geruch, den ich eigentlich nicht mag, oder einfach nur nicht gewohnt bin? Es ist anders hier.

Nicht besser, nicht schlechter – anders. Ich verstehe vieles nicht, auch abseits der Sprachbarriere – wie auch, meine Sozialisation ist eine vollkommen andere. Beobachtungen und Erlebnisse grundsätzlich vor allem als „anders“ – wertfrei – zu erleben, ohne dem „Normalen“, dem Bekannten, dem Gewohnten den Vorzug zu geben, ist auf jeden Fall eine Herausforderung, der es sich zu stellen gilt." [SaH, seit Oktober in Algerien]

"Algerien war nicht meine erste Wahl - wie auch, wessen erste Wahl wäre wohl aktuell Algerien gewesen? Und doch ist es wie so oft: Man fühlt sich am richtigen Platz, ist glücklich und dankbar für die Zufälle, und fühlt sich wohl. Wie überall spielen Kinder. Man hört Lachen, das mein gebrochenes Französisch nicht stört. Als Gast wird man zu „ma soeur“ und als Begrüßung gibt es freundliches Lächeln, Datteln und Milch." "Der Unterricht an der Universität be-

Wir, die GRAS ... sind eine Gruppe von ca. 1 5 grün & alternativ denkenden Studierenden, die sich nicht nur an der Uni Salzburg engagieren, sondern auch über den universitären Tellerrand blicken wollen! Was uns eint, ist der Wille etwas an Universität und Gesellschaft zu verändern. Über die ÖH vertreten wir die Interessen der StudentInnen und setzen uns für die Verbesserung der Studienbedingungen ein.

Zu unserer politischen Arbeit zählen Diskussionen, Mitbestimmung in universitären Gremien, Aktionismus und Öffentlichkeitsarbeit, die Organisation von Veranstaltungen, der direkte Dialog mit und vieles mehr! Unsere Themen sind unter anderem: • Bildungspolitik • Feminismus • Gesellschaftspolitik & Soziales • Migration • Demokratie & Mitgestaltung • Ökologie & Nachhaltigkeit

Wir freuen uns immer über InteressentInnen und AktivistInen ! Schreib' uns einfach eine Email an salzburg@gras.at


Grassierend November 2011