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WIR BEWEGEN

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Aus dem Inhalt Wandern wie im Himmel Regina Wörner ist bei der Baiersbronn Touristik für den Wanderhimmel zuständig. Der Baiersbronner Wanderhimmel ist ein Vorzeigeprojekt, an dem fortwährend gefeilt wird. Wenn es ums

Thema Wandern geht, ist Baiersbronn Vorreiter. Das Wanderinformationszentrum, WIZ abgekürzt, ist wie eine Pforte mit Rundumservice für Wanderer. Im WIZ können zum Beispiel GPS-Geräte oder Schneeschuhe geliehen werden. Es gibt Kartenmaterial, individuelle Tourenberatung, Auskünfte über Wegesperrungen und ein Wanderprogramm mit 370 geführten Touren im Jahr.

Wertvolle Tipps im Internet Bewegung kann so vieles sein: vom geselligen Wandern über gemächliches Radfahrern bis hin zu anspruchsvollem Laufen, rasantem Mountainbiken und waghalsigem Klettern. Da gibt es keine Ausreden, denn für jeden Geschmack und Geldbeutel gibt es die passende Sport- respektive Bewegungsart.Wir sind dem nachgegangen: Zusammen mit Lauf-Experte Christian Lenk erklären wir in unserer Videoserie etwa, was man beim Joggen beachten sollte. Mit Mountainbike-Kenner Rainer Schairer haben wir darüber gesprochen, wie man sicher im Gelände unterwegs ist. Außerdem ha-

ben wir E- Bikes und Pedelecs getestet. Des Weiteren haben wir uns mit Outdoor-Sportler Umut Bora auf eine Slackline gewagt, eine Schwarzwälder Kletterwand erprobt und die Wildnis des Nordschwarzwalds zu Fuß erkundet. Wem das zu anstrengend ist, für den gibt’s Bewegung am Bildschirm: Unsere »Fit zwischendurch«-Videos mit den Physiotherapeuten Maria Paul, Julia Scheid und Dominik Graf von KörperBau in Balingen sorgen auch am Arbeitsplatz für Entspannung. Mehr Informationen regelmäßig neu unter www.schwabo.de/ wirbewegen

Mit dem Verein groß geworden Albrecht Syring ist seit einem Vierteljahrhundert Mitglied im TSV Calw. An ein Leben ohne den Verein kann er sich nicht er-

innern, denn er ist gerade einmal 27 Jahre alt. Begonnen hat der Calwer mit Turnen, in seiner Jugend begann er zusätzlich mit Basketball. Heute ist Syring Sportfachschaftslehrer an der VogtHess-Gemeinschaftsschule in Herrenberg. Und seinem Verein immer noch treu – als Trainingshelfer und Vorstandsmitglied. Jetzt freut sich der ganze Verein auf das neue Sportzentrum. Der TSV geht davon aus, dass er mit diesem keine Konkurrenz mehr zu fürchten braucht.

Was gibt es beim Joggen zu beachten? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es unter www.schwabo.de/wirbewegen

Die Muckibude im Grünen

Fünf Übungen gegen Rückenschmerzen

Die Säure muss aus dem Körper

Aus Respekt für die Natur

»Das war eine wunderbare Idee«, findet Christoph Tscheuschner. Seitdem im Grüttpark im Lörrach eine Outdoor-Fitnessanlage mit sechs Geräten angelegt wurde, kommt der 52-Jährige hier regelmäßig vorbei. »Das Beste ist, dass man hier im Freien und im Grünen trainiert.« Denn Studios oder

Five heißt das Konzept, das das muskuläre System im Körper stärken und optimieren soll. Am Anfang des Konzepts der Five-Ge-

Laufen ist für Pascal Brobeil mehr als nur ein Sport, es ist eine Passion. Der Weg zu Höchstleistungen war für den 31-jährigen Wahl-Balinger ein langer Prozess: »Ich habe jetzt die für mich ideale Balance zwischen Training, Leistung und Ernährung gefunden.« Er bevorzugt basische Lebensmittel und achtet penibel darauf, ge-

Fabian Lehmann zieht es in die Natur. »Sport ist ganz elementar für mich«, erzählt der 37-Jährige. Der Rottweiler war schon als Kind

ZGH 0120/03 · 06/17 · Foto: Joel Micah Miller

Für mehr Stärke in Leben und Beruf. Lebe-Balance.de

Hallen, das sei noch nie sein Ding gewesen. Tscheuschner kommt drei- bis viermal pro Woche hierher zum Trainieren. Meist mit dem Mountainbike, stellt es an einem Baum ab – und schon geht’s los.

schäftsführer Lutz Kruger und Wolf Harwath (Bild) aus Donaueschingen standen fünf Übungen und gaben ihm seinen Namen. Entstanden ist das Konzept aus einer Krankheitsgeschichte heraus. Massive Rückenprobleme gaben den Anstoß für das Konzept, das ergänzend zu Ausdauer und KraftAOK Baden-Württemberg training die Beweglichkeit schulen und seinen Siegeszug aus Donaueschingen heraus längst in die ganze Republik angetreten hat.

nügend Mineralstoffe zu sich zu nehmen. »Nur so bekommt man die Säure aus dem Körper und macht ihn leistungsfähig.« Seine Philosophie gibt ihm Recht. In Barcelona hat er im März seinen bisher erst zweiten Marathon in einer Zeit von 2:46:32 Stunden erfolgreich bestritten.

immer in Bewegung. Fuhr Rad, ging mit den Eltern wandern und fing mit Anfang 20 das Klettern an. Heute leitet er das K5-Kletterzentrum in Rottweil. Noch lieber aber ist er in den Bergen. Lehmann begegnet der Natur mit Respekt. Dazu gehört für ihn eine gute Vorbereitung auf Touren und die richtige Technik. Darüber hinaus setzt er auf eine Profi-Ausrüstung – aus Materialien, die bestenfalls die Umwelt schonen.


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Kraftaufbau im Grünen Outdoor: Christoph Tscheuschner trainiert in Lörrachs Freiluft-Fitnessanlage

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as war wirklich eine wunderbare Idee«, gerät Christoph Tscheuschner geradezu ins Schwärmen. Seitdem im Grüttpark im Lörrach (Promenadenweg) nämlich eine Outdoor-Fitnessanlage für Jedermann mit sechs Geräten unter dem Motto »Fit im Grütt« angelegt wurde, kommt der 52-Jährige hier regelmäßig vorbei. »Das Beste ist, dass man hier im Freien und im Grünen trainieren kann.« Denn Studios oder Hallen, das sei noch nie so richtig sein Ding gewesen. »Aber hier, diese Outdoor-Anlage, macht richtig Spaß«, sagt er. Seitdem das Gemeinschaftsprojekt von Bürgerstiftung, Stadt und verschiedenen Sponsoren vor rund drei Jahren auf die Beine gestellt und eröffnet wurde, ist Tscheuschner drei- bis viermal pro Woche zum Trainieren da. Meist kommt er mit dem Mountainbike angefahren, stellt das Rad an einem Baum ab – und schon geht’s los. »Man kann hier wunderbar Ganzkörpertraining betreiben«, lobt er die Macher für die Auswahl der Trimm- und Trainingsgeräte. Nun ja, den Stepper, den brauche er nicht wirklich. »Der bringt mir nichts«, sagt der 52-Jährige. Vielmehr schwört er auf die anderen Geräte, als da wären Schwebeplattform, Reckstangen, Liegestütz-Armzug sowie Bein- und auch Bauch-Rücken-Station. »Vom ausgiebigen Dehnen bis zum Auspowern, alles ist möglich«, schätzt er das kostenlos zur Verfügung stehende Angebot. Er komme auch im Winter her, manchmal auch bei leichtem Regen. »Das Regelmäßige ist wichtig«, weiß auch er nur zu gut. Und mittlerweile muss er sich auch nicht mehr zum Trainieren überwinden. Denn er, der allzu oft beim Job im Büro sitzen muss und weiß, dass Bewegung ihm gut tut, bekennt aufrichtig: »Es macht richtig Spaß.« Und schon geht er zum wiederholten Mal an die Reckstangen – und absolviert mehrere Sets an unterschiedlich ausgeführten Klimmzügen. Man müsse ja nicht ausschließlich das machen, was auf den InfoTafeln beschrieben ist. »Improvisation und Fantasie sind ebenso gefragt«, lacht er – und zieht sich erneut zehn Mal in die Höhe und bildet dabei zudem mit den Beinen einen rechten Winkel zum Oberkörper. Kurz darauf zieht es ihn an die Station Liegestütze. »Na ja, der Boden an der mittlerweile zweiten Lörracher Outdoor-Anlage in der Hammerstraße an der Grenze zu Riehen ist vorteilhafter.« Stören tut’s ihn indes nicht sonderlich und er betont: »Ich hab’ mich an die Anlage im Grütt gewöhnt.« Wie gesagt, am meisten schätzt er die Bewegung im Freien, an der frischen Luft. Meist kommt er alleine zum Trainieren. »Ich mache das ja ausschließlich für mich und meine Gesundheit.« Christoph Tscheuschner ist stolz, dass er, seitdem er im Grütt im Freien trainiert, nicht mehr erkältet oder krank war. Manchmal treffe er auch andere Leute, die auch regelmäßig hier üben. Bisweilen stören aber auch ein paar Kinder, die eher zum Spielen kommen als zur Körperertüchtigung. »Na ja, es ist ja ein kostenloses Angebot, da kann man es nicht jedem rechtmachen«, sagt er und betont aber gleichzeitig: »Ich bin froh, dass es so etwas in meiner Heimatstadt gibt.« Genau das hatte ja auch die Bürgerstiftung im Jahr 2014 im Sinn gehabt, als man mit weiteren Partnern daran ging, einen Outdoor-Fitnessparcour auf den Weg zu bringen. Mit diesem Projekt ist das Grütt nochmals aufgewertet worden«, hatte Vorsitzende Ute Lusche bei der Einweihung erklärt. Und ihre Hoffnung, dass der Platz zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs werde, ist erfüllt wor-

Christpoh Tscheuschner beim Training Foto: Lustig

den. Darin weiß sie sich mit der damaligen städtischen Sportkoordinatorin Julia Arndt einig. »Mit dem Parcours nehmen wir den Trend zum selbst organisierten Sporttreiben auf und wollen mit dieser frei zugänglichen Anlage ein offenes Angebot initiieren«, hatte es vor 2014 geheißen. Alle Übungen können im Übrigen in einer leichten, mittleren und schweren Variante ausgeführt werden. Instruktionen, wie trainiert werden kann oder sollte, gibt es auf sechs Hinweistafeln. Bei der Auswahl der Geräte und der Ausarbeitung des sportpädagogischen Nutzungskonzepts hatten unter anderem zwei Sportstudenten der Uni Freiburg mitgeholfen. Die Geräte selbst, allesamt aus hochwertigen und rostfreiem Stahl, haben rund 20 000 Euro gekostet. Und: Bislang sind noch keine größeren Schäden bekannt geworden. n von Gerd Lustig


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Ein gesunder Geist in einem gesundem Körper? – »Schön wär’s« Interview: Arzt und Theologe kritisiert das übertriebene Streben nach Gesundheit und Fitness

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esunde Ernährung und Sport sind heute eine Art Bürgerpflicht und werden gerne mal übertrieben. Das ärgert den Mediziner und Theologen Manfred Lütz. Er hält es für falsch, »erwachsene Menschen dauernd zu pädagogisieren«.

Im Gespräch mit

Herr Lütz, immer mehr Menschen achten auf ihre Gesundheit, treiben Sport und ernähren sich bewusst. Ist das nicht eine erfreuliche Entwicklung? Nicht unbedingt. Das Problem ist die Übertreibung. Es gibt Menschen, die leben nur noch vorbeugend und sterben dann gesund. Aber auch wer gesund stirbt, ist leider definitiv tot. Ich glaube, dass die Menschen auch heute noch eine tiefe Sehnsucht nach ewigem Leben haben, und da die Religion sich ein bisschen zurückgezogen hat, versuchen sie durch gute Gesundheitswerke den Tod zu vermeiden. Ich habe solche Patienten erlebt, die dann bei einer Krebsdiagnose völlig fassungslos waren...

Wollen Sie etwa behaupten, dass zwischen Verhalten und Gesundheit gar kein Zusammenhang besteht? Natürlich nicht. Als Arzt plädiere ich selbstverständlich dafür, verantwortungsvoll mit der Gesundheit umzugehen, nicht dauernd Fast-Food zu essen und vielleicht auch etwas Ausgleichssport zu betreiben. Ich polemisiere nur gegen die mitunter aberwitzigen Übertreibungen. Gesundheitsgläubige sind gewöhnlich auch leider komplett humorlos.

...weil sie das als ungerecht empfanden? Ja. Die hatten ein entsagungsreiches Leben mit Körnern und regelmäßigem Joggen geführt und fühlen sich nun um den Erfolg betrogen. Was ist denn schlecht daran, seinen Körper in Form zu halten? In einem gesunden Körper wohnt doch auch ein gesunder Geist – oder? Da haben Sie den antiken Schriftsteller Juvenal falsch verstanden. Der hat gesagt, man solle darum beten, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper sei. Schön wär’s. Steven Hawking hat einen total ungesunden Körper, aber einen brillanten Geist. Dagegen verfügt Boris Becker wohl immer noch über einen gesunden Body, aber wenn man liest, was er so von sich gibt, ist man nicht gerade ver-

Es gibt Ärzte als Halbgötter in Weiß, Wallfahrten zum Spezialisten, den bruchlosen Übergang von der katholischen Prozessionstradition in die Chefarztvisite. Diätbewegungen gehen wie wellenförmige Massenbewegungen über Land – in ihrem Ernst die Büßer- und Geißlerbewegungen des Mittelalters bei Weitem übertreffend. Beobachten Sie selber mal, wo in Ihrem sprachlichen Umfeld der Ausdruck Sünde vorkommt: Nur noch im Zusammenhang mit Sahnetorte!

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die Fragen stellte Werner Ludwig

Impressum Wir bewegen Sonderbeilage, Freitag, 30. Juni 2017

Manfred Lütz, Mediziner und Theologe sucht, mit ihm eine intellektuelle Diskussion zu führen. Sie sagen, der Fitness- und Gesundheitskult sei eine Art Religion. Woran machen Sie das fest?

Verlag und Herausgeber OBERBADISCHES VERLAGSHAUS GEORG JAUMANN GmbH & Co. KG, 79539 Lörrach, Am Alten Markt 2, Tel. 07621/4033-0, Fax 07621/4033-80 Geschäftsführer: Martin Pförtner Internet: www.dieoberbadische.de www.weilerzeitung.de www.markgraeflertagblatt.de

Tipps für Bewegungsmuffel

E-Mail: anzeigen@verlagshaus-jaumann.de

• Klein anfangen Man sollte für sich einen realistischen Trainingsplan entwerfen. Wichtig ist, dass man langsam, aber regelmäßig und langfristig in Bewegung kommt.

Anzeigenleiter: Christian Hügerich

• Willenskraft bündeln Oft fällt es am schwersten, sich aufzurappeln. Hier ist Willenskraft gefragt. Man sollte mal bewusst auf die Botschaften des »inneren Schweinehundes« achten und diesen ganz gezielt bezwingen. Wer sich vornimmt, nach der Arbeit ins Fitnessstudio zu gehen, sollte diese Zeit als Termin einplanen und die Sporttasche mit zur Arbeit nehmen. • Bewegungstagebuch führen Vor dem ersten Training notiert man Gesundheitsdaten wie Gewicht und Cholesterinwerte. Nach dem Training wird die Leistung notiert – etwa wann, wie und wie lange man sich bewegt hat.

REDAKTION Schwarzwälder Bote Redaktionsgesellschaft mbH Kirchtorstr. 14, 78727 Oberndorf a. N Tel. 07423/78-132, Fax 07423/7873 E-Mail: redaktion@schwarzwälder-bote.de Redaktion: Hans-Peter Schreijäg, Martin Wagner DRUCK Druckzentrum Südwest GmbH 78052 Villingen-Schwenningen


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Vom Sitzenbleiber zum Stehauf-Typ Bewegung: Im Berufsalltag keine Zeit für Sport? Die Ausrede lassen drei Experten nicht gelten – und geben Tipps

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iertel vor acht morgens. Zu dieser Zeit könnte man sich noch einmal im Bett umdrehen. Oder sich genüsslich eine zweite Tasse Tee einschenken, dabei Radio hören, mit dem Tablet die Neuigkeiten des Tages checken oder in der Zeitung blättern. Alles Dinge, die den Start an diesem Morgen weitaus verlockender erscheinen lassen, als im Wohnzimmer auf einer Yoga-Matte zu liegen, die angewinkelten Beine zur Seite zu bewegen, den Kopf in die entgegengesetzte Richtung zu drehen – und mit Erschrecken zu hören, wie es im Kreuz knackt. Dazu ertönt die aufmunternde Stimme von Sabrina Birkicht: »Hüfte noch ein bisschen vorschieben, die Knie auf einer Höhe lassen – und dehnen!« Es ist die erste Übung von dreien, die die Personal-Trainerin und Gesundheitscoachin aus Stuttgart-Degerloch gleich nach dem Aufstehen empfiehlt. Sozusagen als »kleines dynamisches Start-up in den Tag«, wie sie sagt. Und das, nach ein bisschen Routine, höchstens eine Viertelstunde dauern soll. Viele weitere solcher kleinen Bewegungseinheiten werden den Tag über noch folgen – alle für Arbeitnehmer gedacht, die den ganzen Tag im Büro verbringen: 7,5 Stunden – so lange sitzt laut Krankenkassenberichten der Berufstätige im Bundesdurchschnitt. Angesichts dieser Bewegungslosigkeit kommt schnell das schlechte Gewissen auf. Doch im eng getakteten Berufs- und Familienalltag fällt es schwer, körperlich aktiv zu sein. Zwar kennt man die Ratschläge: Treppe statt Lift oder für das Auto einen entlegenen Parkplatz wählen. Doch lohnen sich die kleinen Anstrengungen zwischendurch, oder dienen sie nur der Selbstberuhigung?

Gebeugte Haltung führt zu Rundrücken Die Antwort der Experten ist da eindeutig: »Bewegung ist immer gut«, sagt Clemens Becker, Chefarzt der Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus. »Das bedeutet aber nicht, dass man jeden Tag Sport treiben muss.« Auch viele kleine Bewegungen mobilisieren den Kreislauf, wirken stressmindernd und schützen vor Krankheiten. Kleine Bewegungen – damit meint der Gerontologe schnelles Gehen vom Parkplatz bis zum Schreibtisch oder Treppensteigen. Eben alles, bei dem die Atmung ein wenig beschleunigt und es einem warm wird. Wichtig sei in jedem Fall, das lange Sitzen in irgendeiner Form zu unterbrechen, sagt Becker. Die Personal-Fitnesstrainerin Sabrina Birkicht erwartet da schon ein bisschen mehr Leistung: Kaum ist eine Stunde nach Arbeitsbeginn verstrichen, heißt es: »Zeit für ein bisschen Stretching«. Was folgt, sind Übungen, die die Wirbelsäule stabilisieren und die Bandscheiben entlasten. Alles, was es dazu braucht, sind ein Bürostuhl und etwas Mut, sich vor den Kollegen in seltsamen Körperpositionen zu zeigen. Etwa bei der Übung, die hauptsächlich der Streckung der Wirbelsäule dient: Der Oberkörper wird im 90-Grad-Winkel nach vorne gebeugt, die Hände

Die Mitarbeiter einer Hamburger Firma nehmen in ihrer Mittagspause an einem Zumba-Kurs mit Kursleiter Dilava Singh teil, weil der Arbeitgeber ein Betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt hat. Foto: Ulrich Perrey umfassen die Rückenlehne des Stuhls, und der Po wird in die Höhe gereckt. Da geht einem unwillkürlich das Kinderlied »Alle meine Entchen« durch den Kopf. Doch was sind schon die Blicke der Kollegen angesichts der Nachteile des Dauerhockens, die Birkicht aufzählt: »Die Muskeln verspannen sich, Muskelfasern und Bandscheiben werden schlechter mit Nährstoffen versorgt.« Außerdem führe die gebeugte Haltung am Schreibtisch nicht selten zu einem Rundrücken – und zum Orthopäden: So werden Schätzungen zufolge 90 Prozent aller Rückenbeschwerden durch Fehlfunktionen der Muskulatur ausgelöst, etwa aufgrund einer verspannten Nackenmuskulatur beim Arbeiten am PC. Der Mediziner Becker sieht in seinen Sprechstunden bei Sitzenbleibern noch ganz andere gesundheitliche Beschwerden. »Sitzen fördert Volkskrankheiten.« Bereits drei bis vier Stunden ununterbrochenes Sitzen kann den Stoffwechsel so verändern, dass beispielsweise Fette nicht mehr richtig abgebaut werden. Die Folge: Der Cholesterinspiegel im Blut steigt an – und damit das Risiko für Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Weshalb Becker empfiehlt, sich gezielt während in der Arbeitszeit mehr zu bewegen. Das gilt auch für diejenigen, die am Feierabend ins Fitnessstudio oder zum Lauftreff gehen. »Die toxische Wirkung des Dauersitzens lässt sich durch abendlichen Sport nicht kompensieren.« Also wird das Smartphone eingestellt. Alle 60 Minuten ertönt der Vibrationsalarm: aufstehen, dehnen, ein paar Schritte auf dem Flur, dann zurück an den Schreibtisch. Das geht so

bis zur Mittagspause. Und auch die wird bewegt: Sabrina Birkicht juckt’s in den Beinen. Ein flotter Spaziergang steht auf dem Programm. Optimal wäre für sie die Möglichkeit, mit ihrem Schützling eine halbstündige Joggingrunde zu drehen – den Herzschlag nach oben treiben und ins Schwitzen kommen: »Wer kann, sollte einfach mal raus aus der Komfortzone.« Zu sehr habe man sich an die Bequemlichkeiten des Alltags gewöhnt. Deshalb falle es vielen so schwer, in ihren Tagesablauf ein paar Hürden einzubauen. Psychologen raten Bewegungsmuffeln, die Macht der Gewohnheit für sportliche Ziele zu nutzen: Studien zeigen, dass ein neues Verhalten – etwa ein Spaziergang in der Mittagspause – binnen weniger Wochen zur Routine werden kann, sofern man sich daran hält. »Entscheidend ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass man in der Lage ist, in seinem Alltag körperlich aktiv zu sein«, wird der Sportpsychologe Ralf Brand von der Uni Potsdam in einem Interview zitiert. »Ohne dass es schmerzt, man schwitzt oder außer Atem kommt.« Dass Außer-Atem-Sein bleibt jedoch nicht aus, wer mit einer Fitnesstrainerin unterwegs ist, selbst wenn es nur kurz durch den Wald geht. Das gute Gefühl stellt sich aber ein. »Das sollte auch die Motivation sein«, sagt Birkicht. »Das gute Körpergefühl bewahren.« Sie will zeigen, dass Sport nicht nur den Sportlichen gehört, sondern helfen kann, sich in seiner Haut wohlzufühlen. Nur dann kann der Wechsel gelingen: vom Sitzenbleiber zum Stehauf-Menschen. n von Regine Warth


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»Unser Körper benötigt ein Gleichgewicht von An- und Entspannung« Interview: Johannes Probst spricht über Bewegung im Alltag / Dreieinhalb Stunden pro Woche Aktivität Foto: Susie Eising/Martina Görlach

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ewegung ist ein Thema, das im Alltag vieler Menschen häufig zu kurz kommt. Was passiert, wenn man zu wenig Bewegung hat, und wie wichtig sie für Körper und Seele ist, darüber spricht der Facharzt für Sportmedizin Johannes Probst aus St. Georgen im Schwarzwald-Baar-Kreis, im Interview. Wie wichtig ist Bewegung für die Gesundheit? Bewegung ist neben der Ernährung bei gegebener genetischer Veranlagung eine von zwei sehr entscheidenden Möglichkeiten, unsere Gesundheit positiv zu beeinflussen. Leider wird sie häufig ebenso vernachlässigt wie die Umsetzung unserer Kennt-

Im Gespräch mit

Johannes Probst, Sportmediziner

nis einer gesunden Ernährung. Beides ist schädlich und wirkt sich sehr nachteilig auf unsere Lebensfreude und -dauer aus. Welche Auswirkungen hat Bewegungsmangel auf den Körper? Bewegung steuert den Stoffwechsel, die Sauerstoffaufnahme des gesamten Körpers und die Fitness unseres Bewegungssystems. Bewegungsmangel bedingt Leistungsminderung, begünstigt Übergewicht, die seelische Stabilität und geistige Leistungsfähigkeit nehmen ab. Hilft Bewegung zur Bewältigung von Stress? Unser Körper benötigt ein Gleichgewicht von Anund Entspannung. Stress ist wie Fahren mit angezogener Handbremse. Sportliche Aktivität im Zusammenhang mit entspannenden Verfahren lehren den Körper, wieder das eine oder das andere zu tun: entweder muskuläre Anspannung oder entsprechende Entspannung. Zudem ermöglicht sportliche Tätigkeit eine sinnvolle Kanalisierung von Energien, die uns als eigentliche Jäger ja eingepflanzt scheinen und die wir nach außen (in Form der Bewegung) statt nach innen (gegen unsere Organe) richten sollten. Wie kann jeder Einzelne mehr Bewegung in seinen Alltag bringen? Bewegung muss integrativer Bestandteil unseres Alltags sein, wie das Zähneputzen, geregelte Mahlzeiten oder Schlaf. Wir sollten die Bewegung in Bereichen praktizieren, die wir als Belohnung und als schön und wohltuend empfinden. Dann erreichen wir die dreieinhalb Stunden pro Woche spielend und mit Freude, die für eine gute Pflege unseres Körpers notwendig sind. n

die Fragen stellte Julia Christiane Hanauer


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Rückwärts geht’s besser vorwärts Gesundheit: Five-Konzept als Ergänzung zu Ausdauer- und Krafttraining / Verkürzte Muskeln werden in normale Länge gebracht

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eben Ausdauer und Krafttraining sollte auch Beweglichkeit im Alltag nicht zu kurz kommen. Das Five-Konzept bietet hierzu viele Möglichkeiten. Der Mensch, zusammengesunken auf einem Stuhl, die Schultern nach vorne gedreht, die Hüfte eingeknickt, krummer Rücken: Ein eindrückliches Bild, das Wolf Harwath, Inhaber und Geschäftsführer der Five-Konzept GmbH mit Sitz in Hüfingen (Schwarzwald-Baar-Kreis), auf seinem Computerbildschirm präsentiert. Es zeigt die Entwicklung des Menschen hin zum aufrechten Gang – und von dort aus zu dem zusammengesunkenen Menschen auf dem Stuhl. Vom Bewegungsapparat her sei der Mensch nach wie vor ein Jäger und Sammler, erläutert Harwath. Doch durch einseitige Haltung, bedingt durch die heutigen Lebens- und Arbeitsbedingungen, verändere sich auch der Körper und die Haltung. Es komme zu Verkürzungen der Muskulatur – vor allem auf der Vorderseite, was wiederum zu starken statischen Veränderungen im Körper führt – und somit oftmals auch zu Schmerzen. Und genau hier setzt das Five-Konzept an. Bewegung und Beweglichkeit sind die zwei entscheidenden Stichworte. Hierbei wird in der Rückwärtsbewegung trainiert. Hohlkreuz ist ausdrücklich erwünscht. Mit diesen Übungen sollen die Muskeln der Vorderpartie wieder in ihre normale Länge gebracht werden. Der Vorteil: Es werden nicht isolierte Muskeln gedehnt, sondern ganze Muskelgruppen angesprochen. Das wiederum entspricht der natürlichen Beweglichkeit des Menschen. Damit soll der Körper stabilisiert, zugleich aber auch flexibler – sprich: beweglicher – werden. Harwath sieht es nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu einem aus Ausdauer und Kraft bestehenden Fitnesstraining. Er nennt es »die dritte Säule«. Entstanden ist das Five-Konzept aus einer Krankheitsgeschichte heraus, berichtet Wolf Harwath. Lutz Kruger, Five-Geschäftsführer und Inhaber des Fitness-Studios Rückgrat in Donaueschingen, hatte massive Rückenprobleme. Damals kam er in Kontakt mit der Wissenschaft der Biokinematik. Daraus resultierten verschiedene, rückwärtsgewandte Übungen, von denen eines Tages auch Christoph Limberger, ein Schreiner und ebenfalls von Schmerzen geplagt, hörte. Er konstruierte das erste Gerät – zunächst eigentlich nur für sich. Zu dritt entwickelten Lutz Kruger, Christoph Limberger und Wolf Harwath weitere Geräte. 2004 gründeten sie die Five-Konzept GmbH. Was mit anfänglich fünf Übungen – daher der Konzeptname Five – entstanden ist, hat sich inzwischen zu einem Unternehmen entwickelt. Im Portfolio gibt es mittlerweile unzählige Geräte, die weltweit gefragt sind. Nach wie vor bestehen die Five-Geräte aus Holz, zunächst tatsächlich der Tatsache geschuldet, dass die Idee dazu von einem Schreiner stammte. Aber »der Naturstoff passt zum Thema Entspannung«, meint Wolf Harwath. Es sei ein »Wohlfühlelement«. Wolf Harwath, der nicht nur Five-Inhaber ist, sondern auch Physiotherapeut, empfiehlt generell ein Training, das aus Kraft, Ausdauer und eben Beweglichkeit besteht. Zwei bis drei Mal pro Woche würden bereits reichen. »Damit kann man viel erreichen«, meint er. Ausdauer-Training wirke sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus, Krafttraining habe einen positiven Einfluss auf die Muskulatur

Die Geräte von Five-Konzept sind aus Holz gefertigt, ein »Wohlfühlelement«, das zum Thema Entspannung passt, sagt Inhaber und Geschäftsführer Wolf Harwath. Foto: Eich und das Skelett und auch der Hormonhaushalt profitiere davon. Dazu ein funktionelles Beweglichkeitstraining. Bewegung sei wichtig, um schmerzfrei und leistungsfähig zu bleiben. Zudem bringe sie durch mehr Mobilität auch mehr Lebensqualität im Alter, sagt Harwath. »Das Komplettpaket ist notwendig. Das sollte jeder machen«, sagt der 34-Jährige. Zudem empfiehlt er Faszienarbeit. Die Faszien sind eine Hülle am Muskel, die ein Netz am gesamten Körper bilden. Oft sind diese verklebt. Diese können von außen bearbeitet werden, wodurch sich die Verklebungen besser lösen. Das wiederum hat zur Auswirkung, dass die Beweglichkeitsübungen leichter werden und es eine schnellere Weiterentwicklung gibt. »Der Körper profitiert vom Training«, sagt Harwath. Es sollte selbstverständlich werden, jeden Tag Beweglichkeitsübungen zu machen – »wie Zähneputzen«. »Man braucht ein ganzheitliches Bewegungstraining, um den Körper geschmeidig, beweglich und gesund zu halten«, sagt Wolf Harwath. n

von Julia Christiane Hanauer


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Weder zu viel, noch zu wenig Ernährung: Heike Entenmann gibt ambitionierten Freizeitsportlern Tipps und zeigt die Unterschiede zu Hochleistungssportlern auf Foto: Arno Burgi

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rnährung ist für Sportler, egal ob Leistungsoder Freizeitsportler, ein Thema. Kohlenhydrate oder Eiweiß? Viel trinken oder wenig? Vor oder nach dem Sport? Wir fragten Ernährungsberaterin Heike Entenmann. Sportler sollten auf ihre Ernährung achten. Warum? Durch Sport wird dem Körper Höchstleistung abverlangt. Daher ist eine ausgewogene Ernährung, die den Körper mit allen Nährstoffen versorgt, umso wichtiger. Nur durch ein ausgewogenes Maß an den Hauptnährstoffen Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett, sowie an Vitaminen und Mineralstoffen, kann der Körper optimal funktionieren. Kohlenhydrate oder Eiweiß? Pasta oder Steak? Welche Ernährung empfehlen Sie ambitionierten Freizeitsportlern? Nur bei Hochleistungssportlern ist es wichtig, die Kohlenhydratspeicher optimal zu füllen. Denn diese entscheiden oft, wer beim Endspurt die Nase vorn hat. Im Freizeitsport ist es allerdings nicht so entscheidend. Hier geht es vielmehr darum, dass die Mahlzeit nach dem Sport neben reichlich Gemüse, sowohl eine Kohlenhydratbeilage, beispielsweise Nudeln, als auch eine Eiweißkomponente, etwa Fleisch, und nicht so viel Fett enthält. Flüssigkeit braucht jeder Sportler. Gibt es ein Zuviel davon? Beim Sport, insbesondere beim Ausdauersport wird stark geschwitzt. Daher haben viele Sportler Angst vor einer Dehydrierung – Austrocknung – und trinken eventuell auch zu viel. Doch ein Zuviel kann zu einer Überhydrierung führen. Die Gefahren sind deutlich größer als bei einem Flüssigkeitsdefizit. Es

kann zu Kreislaufproblemen führen. In Extremfällen können Hirnödeme auftreten. Wieso schwören Leistungssportler wie Pascal Brobeil besonders auf Mineralstoffe? Mit dem Schweiß gehen neben Flüssigkeit auch Mineralstoffe verloren. Besonders auf Magnesium sollten Sportler achten. Ein eindeutiges Zeichen für einen Magnesiummangel sind Muskelkrämpfe, besonders in den Waden. Dies sollten Sportler natürlich vermeiden. n die Fragen stellte Martin Wagner

Im Gespräch mit

Heike Entenmann, Ernährungsberaterin


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Aus dem Inhalt Wandern wie im Himmel Regina Wörner ist bei der Baiersbronn Touristik für den Wanderhimmel zuständig. Der Baiersbronner Wanderhimmel ist ein Vorzeigeprojekt, an dem fortwährend gefeilt wird. Wenn es ums

Thema Wandern geht, ist Baiersbronn Vorreiter. Das Wanderinformationszentrum, WIZ abgekürzt, ist wie eine Pforte mit Rundumservice für Wanderer. Im WIZ können zum Beispiel GPS-Geräte oder Schneeschuhe geliehen werden. Es gibt Kartenmaterial, individuelle Tourenberatung, Auskünfte über Wegesperrungen und ein Wanderprogramm mit 370 geführten Touren im Jahr.

Wertvolle Tipps im Internet Bewegung kann so vieles sein: vom geselligen Wandern über gemächliches Radfahrern bis hin zu anspruchsvollem Laufen, rasantem Mountainbiken und waghalsigem Klettern. Da gibt es keine Ausreden, denn für jeden Geschmack und Geldbeutel gibt es die passende Sport- respektive Bewegungsart.Wir sind dem nachgegangen: Zusammen mit Lauf-Experte Christian Lenk erklären wir in unserer Videoserie etwa, was man beim Joggen beachten sollte. Mit Mountainbike-Kenner Rainer Schairer haben wir darüber gesprochen, wie man sicher im Gelände unterwegs ist. Außerdem ha-

ben wir E- Bikes und Pedelecs getestet. Des Weiteren haben wir uns mit Outdoor-Sportler Umut Bora auf eine Slackline gewagt, eine Schwarzwälder Kletterwand erprobt und die Wildnis des Nordschwarzwalds zu Fuß erkundet. Wem das zu anstrengend ist, für den gibt’s Bewegung am Bildschirm: Unsere »Fit zwischendurch«-Videos mit den Physiotherapeuten Maria Paul, Julia Scheid und Dominik Graf von KörperBau in Balingen sorgen auch am Arbeitsplatz für Entspannung. Mehr Informationen regelmäßig neu unter www.schwabo.de/ wirbewegen

Mit dem Verein groß geworden Albrecht Syring ist seit einem Vierteljahrhundert Mitglied im TSV Calw. An ein Leben ohne den Verein kann er sich nicht er-

innern, denn er ist gerade einmal 27 Jahre alt. Begonnen hat der Calwer mit Turnen, in seiner Jugend begann er zusätzlich mit Basketball. Heute ist Syring Sportfachschaftslehrer an der VogtHess-Gemeinschaftsschule in Herrenberg. Und seinem Verein immer noch treu – als Trainingshelfer und Vorstandsmitglied. Jetzt freut sich der ganze Verein auf das neue Sportzentrum. Der TSV geht davon aus, dass er mit diesem keine Konkurrenz mehr zu fürchten braucht.

Was gibt es beim Joggen zu beachten? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es unter www.schwabo.de/wirbewegen

Die Muckibude im Grünen

Fünf Übungen gegen Rückenschmerzen

Die Säure muss aus dem Körper

Aus Respekt für die Natur

»Das war eine wunderbare Idee«, findet Christoph Tscheuschner. Seitdem im Grüttpark im Lörrach eine Outdoor-Fitnessanlage mit sechs Geräten angelegt wurde, kommt der 52-Jährige hier regelmäßig vorbei. »Das Beste ist, dass man hier im Freien und im Grünen trainiert.« Denn Studios oder

Five heißt das Konzept, das das muskuläre System im Körper stärken und optimieren soll. Am Anfang des Konzepts der Five-Ge-

Laufen ist für Pascal Brobeil mehr als nur ein Sport, es ist eine Passion. Der Weg zu Höchstleistungen war für den 31-jährigen Wahl-Balinger ein langer Prozess: »Ich habe jetzt die für mich ideale Balance zwischen Training, Leistung und Ernährung gefunden.« Er bevorzugt basische Lebensmittel und achtet penibel darauf, ge-

Fabian Lehmann zieht es in die Natur. »Sport ist ganz elementar für mich«, erzählt der 37-Jährige. Der Rottweiler war schon als Kind

Hallen, das sei noch nie sein Ding gewesen. Tscheuschner kommt drei- bis viermal pro Woche hierher zum Trainieren. Meist mit dem Mountainbike, stellt es an einem Baum ab – und schon geht’s los.

schäftsführer Lutz Kruger und Wolf Harwath (Bild) aus Donaueschingen standen fünf Übungen und gaben ihm seinen Namen. Entstanden ist das Konzept aus einer Krankheitsgeschichte heraus. Massive Rückenprobleme gaben den Anstoß für das Konzept, das ergänzend zu Ausdauer und Krafttraining die Beweglichkeit schulen und seinen Siegeszug aus Donaueschingen heraus längst in die ganze Republik angetreten hat.

nügend Mineralstoffe zu sich zu nehmen. »Nur so bekommt man die Säure aus dem Körper und macht ihn leistungsfähig.« Seine Philosophie gibt ihm Recht. In Barcelona hat er im März seinen bisher erst zweiten Marathon in einer Zeit von 2:46:32 Stunden erfolgreich bestritten.

immer in Bewegung. Fuhr Rad, ging mit den Eltern wandern und fing mit Anfang 20 das Klettern an. Heute leitet er das K5-Kletterzentrum in Rottweil. Noch lieber aber ist er in den Bergen. Lehmann begegnet der Natur mit Respekt. Dazu gehört für ihn eine gute Vorbereitung auf Touren und die richtige Technik. Darüber hinaus setzt er auf eine Profi-Ausrüstung – aus Materialien, die bestenfalls die Umwelt schonen.


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Wer sein Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit auch noch die Treppen heraufträgt, verbrennt doppelt Kalorien: durch das Treppensteigen, das zusätzliche Gewicht – und hinterher auf dem Fahrrad. Foto: Christin Klose

Treppe nehmen und radeln Tipp: Fahrrad statt Auto, Treppe statt Aufzug – Kleine Veränderungen im Alltag führen zu einem deutlich höheren Kalorienverbrauch im Körper

A

ber welche Bewegungen sind besonders effektiv – und wovon hängt der Kalorienverbrauch eigentlich ab? Wer seine Gewohnheiten ein wenig umstellt, kann im Alltag viele Kalorien verbrauchen. Treppenlaufen statt den Fahrstuhl zu nehmen ist besonders effektiv: Dabei verbrennt der Körper pro Minute im Schnitt ungefähr 18 Kalorien, erläutert die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG). Damit ist der Energieumsatz beim Treppensteigen vergleichsweise deutlich höher als bei einer lockeren Laufrunde. »Der Körper verbraucht besonders viele

Kalorien, wenn er große Muskelgruppen beansprucht«, erklärt Aline Emanuel von der DHfPG. Das seien zum Beispiel die Bein-, Rücken und Gesäßmuskulatur. Auch durch Aktivitäten im Haushalt verbrennt der Körper einige Kalorien: Beim Putzen etwa vier, beim Kochen und Bügeln circa drei pro Minute. Wer auf der Couch liegt, verbrennt dagegen in der gleichen Zeit nur eine Kalorie. Grundsätzlich sollte man deshalb alle Gelegenheiten im Alltag nutzen, um sich zu bewegen, rät Emanuel. Das gelte auch für den Weg zur Arbeit. Wer gemütlich mit 15 Stundenkilometer Fahrrad fährt, verbraucht sechs Kalorien pro Minute. Bei Fußgängern sind es etwa drei Kalorien.

Die Werte orientieren sich jeweils an einer 70 Kilogramm schweren Person und sind bei jedem Mensch unterschiedlich. Wer opitmal trainiert ist, also über große Muskeln verfügt, verbraucht bei Beanspruchung mehr Kalorien. Unabhängig von der Bewegung ist der Kalorienumsatz höher, je jünger und schwerer ein Mensch ist. Zur Erhebung der Werte wird der Atemgasaustausch bei einer Bewegung gemessen. Dabei vergleichen die Experten den Sauerstoffverbrauch mit dem Ausstoß von Kohlenstoffdioxid. Als Berechnungsgrundlage entsteht der Kalorienverbrauch pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde.

Individuell eindeutige Kennzeichnung

Schäden an den Felgen rechtzeitig erkennen

Fahrräder sollten mit einer individuellen Nummer gekennzeichnet sein. Darauf weist das Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProBK) hin. Nur mit Hilfe einer solchen Nummer könne ein gestohlenes Rad, das wiedergefunden wurde, seinem Besitzer eindeutig zugeordnet werden. Viele Fahrräder haben eine Rahmennummer, die sich zum Beispiel am Sitzrohr, auf der Tretlager-Unterseite oder der Gepäckträgerplatte befinden kann. Fehlt eine Rahmennummer, sollten Radfahrer eine eigene Kennung anbringen. Das kann man auch im Fachhandel erledigen lassen. Das ProBK rät zu einer Fahrradcodierung mit amtlichen Schlüsselzahlen wie dem Straßenschüssel und der Hausnummer. Damit könne die Polizei die Wohnanschrift des Eigentümers herausfinden – und zwar auch dann, wenn das Rad nicht in polizeilichen Fahndungsdateien erfasst ist. Die Daten zum Fahrrad sowie die eigene Anschrift sollten Besitzer außerdem in einem Fahrradpass notieren lassen. Viele Händler stellen ihn schon beim Kauf aus – falls nicht, sollte man gezielt nachfragen. Zusammen mit einem Foto des Fahrrads ist dieses Dokument im Falle eines Diebstahls ein wichtiger Nachweis für Polizei und Versicherung.

Schäden an einer Fahrradfelge lassen sich unter anderem anhand von Verfärbungen erkennen. Helle Stellen im Aluminium zum Beispiel deuten auf dünnes oder brüchiges Material hin, erläutert Thomas Geisler vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). Dunkler Abrieb von den Bremsen sei zwar unproblematisch. Ein kratzendes Geräusch beim Bremsen kann jedoch auf einen Felgenschaden hindeuten. Radfahrer sollten dann prüfen, ob Steine oder Schmutz an den Bremsklötzen oder Rillen auf der Flanke der Felge zu sehen sind. Entsprechende Schäden können den Fahrkomfort und das Bremsverhalten stören. »Bei Beschädigungen und Zweifeln sollten Radfahrer die Felge von einem Fachhändler durchchecken lassen«, rät Geisler. Grundsätzlich sei Felgenverschleiß ein schleichender Prozess. Deshalb sollte man die Felgen nicht nur nach schweren Schlägen auf Schäden hin überprüfen. »Die Merkmale für Beschädigungen bei Aluminium- und Carbonfelgen sind gleich«, sagt Geisler. Um Schäden zu verhindern, sollten Radfahrer den angegebenen Reifendruck einhalten, damit Unebenheiten auf dem Boden nicht bis auf die Felge durchschlagen.


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»Ich hab unseren Planeten im Auge« Ausrüstung: Kleidung, Technik, gute Vorbereitung und die richtigen Begleiter – So ist Fabian Lehmann sicher in der Natur unterwegs

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abian Lehmann zieht es in die Natur, seit jeher. »Sport ist ganz elementar für mich«, erzählt der 37-Jährige. Schon als Kind ist er immer in Bewegung. Fährt Rad, geht mit den Eltern wandern, macht Triathlon und fängt mit Anfang 20 das Klettern an. Für den Rottweiler sind die Berge ein Rückzugspunkt aus dem stressigen, schnelllebigen Alltag, sie ermöglichen ein Rückbesinnen auf das Wesentliche. Leichtsinn hat dort keinen Platz. Den Bergen und der Natur müsse man sehr viel Respekt entgegenbringen, sagt Lehmann. Wer mit Demut unterwegs sei, der könne in der Natur viel erleben. Für Fabian Lehmann gehört dazu die passende Ausrüstung. Immer wieder sieht er »Wanderer«, die mit Turnschuhen oder gar Sandalen auf Tour sind. Manchmal kann er sich dann nicht zurückhalten, spricht die Leute an. Denn gerade der richtige Schuh sei das A und O. »Umso fester das Schuhwerk ist, desto besser stützt es.« Bevor Lehmann mit einer Gruppe als Tourenführer aufbricht, checkt er deshalb das Material. Und mit Material kennt sich der Betriebsleiter des K 5-Kletterzentrums in Rottweil aus. Fabian Lehmann ist gelernter Schreiner – seine Leidenschaft für Sport allerdings hat er zum Beruf gemacht. Seit vier Jahren leitet er das damals neu eröffnete K 5 der Sektion Oberer Neckar des deutschen Alpenvereins (DAV). Zuvor war er fünf Jahre lang in einem Sportgeschäft tätig. Zu diesem Job war er über das Fahrradfahren gekommen – sein Bedarf an guter Ausrüstung war schon damals hoch. Wer draußen unterwegs ist, sollte sich in Schichten kleiden, empfiehlt Lehmann. Über die Unterwäsche kommt ein dünnes Shirt – mit oder ohne Ärmel, Letzteres bestenfalls aus Merino oder Fleece. Fleece besteht grob gesagt aus gehäckselten Plastikresten und ist »sehr widerstandsfähig«. Darüber trägt Lehmann eine dünne Daunenjacke mit einer Außenhülle aus Polyester. Wer sich rasant bewegt – etwa Ski- und Radfahrer – benötigt noch einen Windstopper, damit der Oberkörper nicht auskühlt. In Fabian Lehmanns Rucksack gehört zudem eine wasserabweisende Jacke – auch, weil diese umweltschonender sei als eine wasserdichte. Denn zu seinem Respekt für die Natur gehört, dass er auf umweltschonende Materialien zurückgreift. 70 Prozent der Bergsteiger wollen Naturmaterialien, sagt Lehmann. Gerade ältere setzten noch auf das typische Flanellhemd. Allerdings zieht Baumwolle viel Wasser. Polyester dagegen trocknet schnell. Letztlich müsse sich jeder beraten lassen über die Vor- und Nachteile von Natur- und Kunststoffmaterialien. Wenigstens, sagt Lehmann, gebe es heutzutage recycelte Kunststoffe. Und Hersteller, die auf Öko-Produkte setzen. Er hat für sich schon vor Jahren die Entscheidung getroffen, auch bei der Wahl seiner Ausrüstung die Natur zu schonen. »Ich hab immer unseren Planeten im Auge.« Seit 15 Jahren besitzt er eine recycelte, wasserdichte Jacke und Hose. Die 800 Euro von einst sind bis heute gut investiert, findet Lehmann. Als der 37-Jährige bei einer Skitour mit seinem Sohn verunglückt, trägt er eben jene Hose. Der Rottweiler stürzt schwer und bricht sich den Unterschenkel, die Bergrettung ist schnell vor Ort. Trotz der Schmerzen: »Mir war’s wichtig, dass sie mir nicht meine Hose zerschneiden«, erzählt Fabian Lehmann schmunzelnd. »Da bin ich Schwabe.«

Fabian Lehmann leitet das Rottweiler Kletterzentrum K5 – noch lieber erklimmt er aber echte Berge. Foto: Parage Doch das richtige Material ist für ihn mehr als nur die Ausrüstung. Von der Technik einmal abgesehen, ist es auch eine gute Begleitung und damit das Wissen: »Jawohl, ich hab jemanden an meiner Seite, der mich nicht in Gefahr bringt.« Deshalb ist für ihn gute Vorbereitung unerlässlich. »Bergretter sagen oft: Die Leute, die es meistens trifft, sind schlecht vorbereitet.« Der DAV bietet darum Kurse etwa zur Tourenleitung oder zur Lawinenrettung an. Wer sich auskennt, kann Notsituationen vermeiden oder Verunglückten helfen. Als der Rottweiler vor zwei Jahren im Blautal klettert – »ein schwieriges Gebiet« –, erlebt er, wie wichtig Begleiter sind, denen er vertrauen kann. Er steht auf zehn Metern Höhe, kommt nicht weiter. Die Im Rottweiler Blautal wird Fabian Lehmann letzte Zwischensicherung ist weit klar, wie wichtig Begleiter beim Klettern sind unter ihm. Da wird ihm klar: »Wenn es dumm läuft, dann fall’ ich auf den Boden.« Also klettert er wieder nach unten, und sein Kollege macht ihm vor, wie’s geht. Lehmann bezwingt den Fels im zweiten Anlauf. Seine Lust aufs Klettern ist damit noch lange nicht gestillt. »Dieses Jahr hab ich vor, noch ein paar Viertausender zu machen«, erzählt Fabian Lehmann. »Unter anderem den Mont Blanc.« Also nichts wie raus. n

von Verena Parage


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»Roter Teppich« für Radler: Doch ein eigener Weg ist kein Freibrief. Fahrradfahrer müssen sich im Straßenverkehr an viele Regeln halten. Foto:Tobias Hase

Kopfhörer ja, Handy nein – einige Irrtümer rund ums Radfahren Ratgeber: Helme können vor schweren Verletzungen schützen, sind aber nicht Pflicht / Viele Gänge müssen nicht sein

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ind viele Gänge besser als wenige, und ein weicher Sattel bequem? Ein Überblick dazu, was richtig ist und was nur ein populärer Irrtum. Radfahrer gehören nicht auf die Straße, ist immer wieder zu hören. Doch das ist nur bedingt richtig. »Gibt es einen Radweg, muss der von Fahrradfahrern nur zwingend genutzt werden, wenn auch das entsprechende Gebotsschild – weißes Rad auf blauem Grund – darauf hinweist«, sagt David Koßmann vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). Ansonsten stehe es Radlern frei, auf die normale Fahrbahn zu wechseln. »Keinesfalls aber darf der Fußweg zum Radweg umfunktioniert werden. Das ist nur erlaubt, wenn es entsprechend beschildert ist, etwa in Parks. Fußgänger haben dann aber immer Vortritt.« Einzig Kinder bis zehn Jahre dürfen den Fußweg entlangradeln. Bis acht Jahre darf sie dort neuerdings ein Elternteil auf dem Rad begleiten. Wie beim Auto ist Telefonieren nur mit Freisprecheinrichtung erlaubt. »Ein Verstoß kostet 25 Euro Bußgeld«, sagt Goldkamp. »Im Gegensatz zum Telefonieren beim Autofahren gibt es aber keinen Punkt in Flensburg.« Erlaubt ist es nur, wenn etwa ein Knopf im Ohr genutzt wird. Entsprechende Freisprecheinrichtungen gibt es kabelgebunden oder via

Bluetooth. Verboten sind Kopfhörer nicht. »Zum Telefonieren, Navigieren und auch zum Musikhören ist das erlaubt«, sagt Koßmann. »Allerdings im Falle der Musik nur so laut, dass Umgebungsgeräusche noch gut wahrgenommen werden können.« Apropos Kopf: Auch wenn die Zahl der Fahrradfahrer mit Helm nach Auskunft des Bundesverkehrsministerium seit Jahren steigt: »Helme können schützen, aber eine Helmpflicht gibt es in Deutschland nicht, auch nicht für einzelne Altersgruppen wie Kinder«, erklärt Koßmann. Einer auf dem Sattel, einer auf dem Gepäckträger: Zu zweit auf dem Fahrrad zu fahren, ist zwar nicht sehr bequem, aber es funktioniert. Nur erlaubt ist es nicht. »Mitgenommen werden dürfen nur Kinder bis sieben Jahre und auch nur in einer geeigneten Sitzvorkehrung, sprich einem Kindersitz«, sagt Goldkamp. Zudem muss der Fahrradfahrer mindestens 16 Jahre alt sein. Stichwort Sattel: Hier hält sich das Gerücht, ein weicher Sattel sei bequemer und gesünder als ein harter. Ein Irrtum, der schnell wehtun könne, sagt Koßmann. Viel wichtiger als eine große Polsterfläche sei die richtige Form des Sattels – die finde jeder am besten über Probefahr-

ten heraus. Auch nicht richtig: je mehr Gänge, desto besser. Inzwischen weiß man, dass das Quatsch ist. »Nicht die Anzahl der Gänge ist wichtig, es müssen vielmehr die richtigen sein«, sagt Koßmann. Wer vorne drei Kettenblätter und hinten acht Ritzel habe, schalte ständig hin und her und über Kreuz, was zudem noch ineffektiv sei. »Viel besser ist es, linear zu schalten, also ein Gang nach dem anderen, wie es bei Nabenschaltungen ohnehin der Fall ist.« Bei einem Rad mit Kettenschaltung kann man durch extragroße Ritzel-Kassetten heute auch mit einem Kettenblatt an der Kurbel gut auskommen. Mal blinkt der Helm, mal strahlt der Rucksack, andere tragen die Leuchte einfach in der Hand. Fakt jedoch ist: »Die Fahrradbeleuchtung braucht eine Zulassung vom Kraftfahrtbundesamt, zu erkennen an der Kennzeichnung ~K«, sagt Koßmann. Hier gebe es auch Modelle, die mobil mitgenommen und angesteckt werden könnten. Blinkende Leuchtdioden am Rad aber seien ebenso wenig erlaubt wie eine einfache Taschenlampe. Wer mit defekter Beleuchtung liegenbleibt, sollte am besten vom Rad absteigen und im Sinne der eigenen Sicherheit schieben. n

von Claudius Lüder


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Immer mal wieder kommt ein Wölkchen dazu Outdoor: Baiersbronner Wanderhimmel: Für Regina Wörner ist das Thema Wandern eine echte Herzensangelegenheit

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iefe Wälder, geheimnisvolle Karseen, reizvolle Wege, viele davon im Nationalparkgebiet, eine ganze Reihe von urigen bewirtschafteten Hütten und ein umfangreicher Service für Wanderer – der Baiersbronner Wanderhimmel hat’s. Wandern liegt seit Jahren im Trend – quer durch alle Altersklassen. »Ich denke, es ist das Bedürfnis, wieder mehr die Natur und die Ruhe zu erleben in einer hektischen Welt«, sagt Regina Wörner. Sie ist bei der Baiersbronn Touristik für die Projektleitung Wanderhimmel zuständig. Und das passt. Denn Wandern ist für Regina Wörner eine echte Herzensangelegenheit. Da haben sie schon ihre Eltern

geprägt. »Es tut einfach gut, man kommt runter«, sagt sie. Der Baiersbronner Wanderhimmel ist ein Vorzeigeprojekt, an dem die Tourismusgemeinde im Nordschwarzwald fortwährend feilt. Wenn es ums Thema Wandern geht, ist Baiersbronn in vielem ein Vorreiter. Um das Konzept kennenzulernen, kämen immer wieder Delegationen von Touristikern aus dem In- und Ausland in die Murgtalgemeinde, so Regina Wörner. Das Acht-Sterne-Dorf hat auch kulinarisch jede Menge zu bieten – und das nicht nur in den mit Michelin-Sternen gekürten Häusern, sondern in der gesamten gastronomischen Bandbreite – angefangen bei den Wanderhütten. Wanderhimmel, was ist das? In Baiersbronn kommt da nach und nach immer wieder ein Wölkchen dazu, damit sich Wanderer wie im siebten Himmel fühlen. Den Anfang machte ein neues Wegekonzept mit einem hohen Anteil von Pfaden. »Da wurden auch alte Holzmacherpfade wieder aktiviert«, erzählt Regina Wörner. Doch dabei blieb es nicht. Die Gemeinde investierte kräftig, baute sogar selbst zwei Wanderhütten, eröffnete das Wanderinformationszentrum direkt im Bahnhofsgebäude. Das Wanderinformationszentrum, WIZ abgekürzt, gehört zur Baiersbronn Touristik und ist im Wanderhimmel wie eine Pforte mit Rundumservice für Wanderer. Regina Wörner kennt sich bestens aus, was das WIZ angeht, denn auch dort hat sie einige Jahre gearbeitet. Im WIZ können zum Beispiel GPS-Geräte oder Schneeschuhe geliehen werden. Es gibt Kartenmaterial, individuelle Tourenberatung, Auskünfte über aktuelle Wegesperrungen und ein Wanderprogramm mit 370 geführten Touren im Jahr – Wandertouren, Ortsrundgänge und Mountainbiketouren. 550 Kilometer Wanderwege gehören zum Wanderhimmel. Darunter sind zertifizierte Wege wie die vier Genießerpfade, die zu Hütten führen, der Etappenwanderweg Murgleiter von Gaggenau bis zum Schliffkopf, von dem zwei Etappen auf Baiersbronner Gemarkung verlaufen, oder der Seensteig mit fünf Etappen. Auch barrierefreie Angebote gibt es in der Tourismusgemeinde.

Auch Biker kommen in den Wanderhimmel

Regina Wörner geht auch selbst gerne wandern. Foto: Michel

Dazu kommen 440 Kilometer ausgewiesene Mountainbikewege und elf beschriebene Rundtouren für Mountainbiker. Das ist übrigens ein neues Projekt, das 2016 an den Start ging: Mountainbiking im Wanderhimmel. Und auch da

will Baiersbronn Vorreiter sein. Denn nahezu das gesamte Streckennetz verläuft auf Wanderwegen. Da ist Rücksicht gefragt und Verständnis für die jeweils anderen. »Wir sind überzeugt, dass es funktioniert«, sagt Regina Wörner. Und dann ist da noch der kulinarische Wanderhimmel. Der verbindet zwei große Themen der Tourismusgemeinde: Natur und Kulinarik. »Der kulinarische Wanderhimmel ruht auf verschiedenen Pfeilern«, erklärt Regina Wörner. Da gibt es die sogenannten Genussplätze, architektonisch interessant gestaltete und schön gelegene Standorte für ein Picknick, eine ganze Reihe von geführten Touren, die Wildkräuterwirte, die mit heimischen Wildpflanzen kochen, und die »Baiersbronner Schätze« – vom Ziegenkäse bis zur Forelle. »An der Weiterentwicklung des Wanderhimmels wird beständig gearbeitet«, stellt Regina Wörner fest. Doch das Thema Wandern mit dem Thema Kulinarik zu verbinden, das sei von Anfang an geplant gewesen.

Kinder treiben ihre Eltern vom Sofa in die Natur Wandern ist in Baiersbronn aber nicht nur etwas für erwachsene Naturliebhaber, sondern auch für die Kinder. Für Familien gibt es die Familienwanderkarte mit Erlebnispass für die jüngeren Wanderer. Da gilt es, verschiedene Aufgaben zu lösen. Ist das geschafft, bekommen die Kinder im WIZ eine Urkunde, einen Titel und einen kleinen Preis. Als ganz spezielles Thema beschreibt Regina Wörner das Geocaching – eine Art moderner Schnitzeljagd mit Hilfe von GPS. Und das mache manchen Kindern so viel Spaß, dass schließlich sie ihre Eltern weg vom Sofa in die Natur treiben. Eigentlich kommt Regina Wörner aus der Buchhaltung. Einige Jahre arbeitete sie im renommierten Hotel Bareiss in der Finanzbuchhaltung, machte dann nebenbei eine Ausbildung zum SchwarzwaldGuide und verband im Hotel Bareiss beides. Seit 2007 widmet sich die Baiersbronnerin hauptberuflich dem Thema Wandern. Kommt sie denn überhaupt noch selbst zum Wandern? Wenn es die Zeit zulässt, aber dann auch oft außerhalb Baiersbronns. »Um zu gucken, was die anderen machen«, sagt sie. Und wo sollte man im Baiersbronner Wanderhimmel unbedingt gewesen sein? »Am Buhlbachsee«, sagt Regina Wörner ganz spontan. Es scheine, als ob von diesem Ort eine ganz eigene positive Energie ausgehe. n

von Helga Michel


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