Jahresrückblick 2022

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Ein bewegtes Jahr liegt hinter uns.

Das Verlagshaus Jaumann wünscht Ihnen einen guten Start ins neue Jahr.

JAHRESRÜCKBLICK
2022
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In Juni waren die vorbereitenden Baumaßnahmen mit umfangreichen Demontagearbeiten in den Schulgebäuden abgeschlossen.

Foto: zVg

Pünktlicher Start in der Zwischenunterkunft

mit Aktionen

Lörrach Als ich gefragt wurde, ob ich bereit wäre, einen persönlichen Jahresrückblick zu schreiben, dachte ich sofort: Dann muss ich aber im Herbst 2021 beginnen, denn da zog die gesamte Fridolinschule von ihrem angestammten Standort im Herzen Stettens an die Neumattschule um.

Unglaublich – aber tatsächlich war alles, was umziehen sollte, am Ende der Herbstferien am neuen Standort, sogar in den richtigen Klassenzimmern, sodass wir am 8. November 2021 pünktlich um 8.00 Uhr mit dem Unterricht beginnen konnten. Entgegen aller Zweifel und Zweifler: Alle Schülerinnen und Schüler waren pünktlich auf dem Schulhof und konnten von ihren Lehrerinnen in Empfang genommen werden.

Da wir mit offenen Armen von der Neumattschule empfangen wurden, fiel es leicht, uns schnell einzugewöhnen. Schließlich hatten wir nun im wahrsten Sinne des Wortes eine große „Baustelle“ weniger und konnten uns wieder voll und ganz unserem Kerngeschäft widmen: Wir gestalten Lernen.

Als dann am 13. Januar 2022 auf dem Schulhof der

„Alten Fridolinschule“ offiziell die Sanierung durch Herrn Oberbürgermeister Jörg Lutz gestartet wurde, konnte ich voller Überzeugung kundtun: Ja, wir sind am Standort Neumattschule angekommen und haben uns sehr gut eingelebt.

Corona-Einschränkungen

Das neue Jahr 2022 startete zum Glück in Präsenz, auch wenn wir durch „Kohortenbildung“, Maskentragen und regelmäßige Testungen weiterhin eingeschränkt waren.

Zu unser aller Erleichterung wurden die Beschränkungen bis Fasnacht dahingehend gelockert, dass außerschulische Koopera-

tionspartner wieder in die Schule kommen konnten Dies nutzten wir: In der Woche vor Fasnacht fand in Kooperation mit Tempus fugit das Schulprojekt „Utopische Woche“ statt: Alle Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich in ihren Klassen über vier Tage auf vielfältige Art und Weise mit dem Thema „Zukunft“. Leider durften die Ergebnisse nicht wie eigentlich angemessen in einer gemeinsamen Aufführung präsentiert werden, schließlich galten die einschränkenden Regelungen immer noch Stattdessen war ein Film entstanden, der die Arbeitsergebnisse der einzelnen Klassen festhielt.

Einen der berührendsten Momente des vergangenen Jahres habe ich erlebt, als sich alle Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen und den Akteuren von Tempus fugit auf dem Schulhof versammelt hatten, um gemeinsam das in dieser Woche entstandene Lied „Wir sind die Kinder der Schule

des Fridolin“ zu singen und aufzunehmen. Fast andächtig waren alle zusammengekommen und genossen es, sich endlich wieder einmal als Gemeinschaft zu erleben. An einem Donnerstag nach den Ferien sahen sich dann alle Klassen zur gleichen Zeit in ihren Klassenzimmern den Film an, und das war dann doch schon fast so, als hätte es eine gemeinsam erlebte Aufführung gegeben.

Der Osterbasar

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat uns alle –Erwachsene wie Kinder – entsetzt und beschäftigt. In Kooperation mit Unicef-Botschafterin Christine Langen informierten sich die Klassen in diesem Zusammenhang über die Arbeit von Unicef. Zum Glück waren die Corona-Maßnahmen weiter gelockert worden, und wir konnten gemeinsam mit der Neumattschule einen Osterbasar zu Gunsten von Unicef planen. Die Kinder beider Schulen bastelten mit viel Hinga-

be und Einsatz außergewöhnlich schönen Osterschmuck, den wir Anfang April auf dem Schulhof ausstellten und an die Eltern verkauften. Auch der Oberbürgermeister honorierte den Einsatz der Kinder durch seinen Besuch. Die Elternbeiräte beider Schulen kümmerten sich hervorragend um die Verpflegung. Beeindruckend war auch die Summe, die wir nach dem Osterbasar an Unicef Lörrach überweisen konnten: 6000 Euro.

Um hier vor Ort auch längerfristig aktiv zu sein, boten wir dem Staatlichen Schulamt die Einrichtung einer weiteren Vorbereitungsklasse (VKL) an der Fridolinschule für den Campus Neumattschule an. Und so können seit dem 1. Juni 2022 Kinder, die noch ohne Deutschkenntnisse nach Lörrach kommen, Teil der Fridolingemeinschaft werden.

Die Höhepunkte Nach zwei Jahren Pause konnte vor den Pfingstferien ein Highlight unseres Schullebens endlich wieder stattfinden: Die Bundesjugendspiele – wie immer ein riesengroßes Sportfest mit viel Spiel und Spaß, auch dank der großartigen Hilfe vieler Eltern, die Riegen geführt oder Spielestationen betreut haben.

Den krönenden Abschluss des Schuljahres bot die Aufführung des „Circus Furioso“ im Zirkuszelt der Kaltenbachstiftung. Die Musicalund Zirkuskinder von Fridolin- und Hebelschule zeigten angeleitet von der Musik-

schullehrerin Kathy Schann ihren Mitschülerinnen und -schülern und den Lehrerinnen, was sie im Laufe des Schuljahres einstudiert hatten.

Start nach den Ferien

Das neue Schuljahr musste krankheitsbedingt ohne mich starten. Gemeinsam mit meiner Stellvertreterin Petra Keller hatte ich deshalb Anfang September das neue Schuljahr gründlich vorbereitet. Die meisten Sorgen, die ich im Vorfeld hatte, erwiesen sich als unbegründet: Das tolle Team der Fridolinschule mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglichte den Schülerinnen und Schülern einen reibungslosen Start in das neue Schuljahr. So konnte ich mich in Ruhe erholen und fand bei meinem Einstieg nach den Herbstferien eine gut aufgestellte Schule vor Unbehelligt von Pandemiemaßnahmen klang das Jahr mit einer gemeinsamen Advents- und Weihnachtsfeier am letzten Schultag aus. Was auch immer das neue Jahr für uns bereithält, ich schaue ihm zuversichtlich entgegen.

Die Autorin

Die Schulleiterin der Fridolinschule, Christine Mörth, hat seit Beginn des Schuljahres 2013/14 die Leitung inne. Mörth war im Sommer 2012 an die rund 300 Schüler zählende Fridolinschule gewechselt, zuvor war sie bereits sechs Jahre lang als Konrektorin an der Hellbergschule in Brombach tätig Schlagzeilen machte sie mit der temporären Schließung der Schule aus Sicherheitsgründen 2019.

SONDERVERÖFFENTLICHUNG Samstag, 31 Dezember 2022 Nummer 303 Jahresrückblick 2022 – Lörrach Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Christine Mörth
Auch die sanitären Anlagen sind dran.Foto: zVg
n Von Christine Veränderungen | Fridolinschüler mit offenen Armen von der Neumattschule empfangen / Nach Corona wieder Der geplante Neubau der Fridolinschul-Turnhalle Visualisierung: Thoma. Lay. Buchler.Architekte

Engagiert und an der Sache orientiert

Lörrach „Zeitenwende“ ist das Wort des Jahres 2022. Wir sind an einem Zeitpunkt in unserer Geschichte, von dem wir gehofft hatten, ihn nicht mehr erleben zu müssen: Es herrscht Krieg in Europa. Und das in unserem Europäischen Haus, nicht irgendwo fernab auf einem anderen Kontinent. Mit seinem Angriff auf die Ukraine führt Putin nicht nur einen Krieg gegen die Ukraine und ihre Menschen, sondern auch gegen unser Wertesystem und unsere auf Völkerrecht basierende Weltordnung. Putin führt Krieg gegen Demokratie und Freiheit und ist damit nicht allein: Auch das aggressive menschenverachtende Verhalten der Regierung im Iran gegen das eigene Volk, das für Demokratie und Freiheit auf die Straße geht, oder die strenge Zensur Chinas und seine Polizei-Aktionen gegen Proteste der Bevölkerung zeigen einen großen Konflikt um Wertesysteme und politische Ordnungen.

Einsatz ist gefragt Demokratie ist eben keine Selbstverständlichkeit, sondern braucht ein ständiges Bewusstsein und den täglichen Einsatz von uns allen im Kleinen wie im Großen, zum Beispiel als Klassensprecherin und Klassensprecher, Mitglied einer Bürgerinitiative, als Ortschafts- oder Gemeinderat wie auch den Einsatz in einem sozialen Ehrenamt.

Auch wenn ich mich seit einigen Jahren als Kreisrätin im Landkreis Lörrach engagiere, ist mir das als Abgeordnete des Deutschen Bundestages, sozusagen dem zentralen Hort unserer Demokratie in Deutschland, nochmal sehr deutlich geworden. Tatsächlich ist die Welt durch Handel, Daten- und Warenaustausch, wirtschaftliche und politische Verbindungen so „klein“ geworden, dass internationale Krisen und Konflikte oder der russische Krieg gegen die Ukraine auch das Leben in Deutschland sofort und stark beeinflusst. So wurden davon auch die politischen Entscheidungen des Deutschen Bundestages 2022 geprägt.

Denn das Aussetzen der Gaslieferungen durch Russland, der Mangel an Strom und Wärme, die Steigerung der Inflationsrate, die Gefahr von Angriffen auf unsere Infrastruktur erfordern politische Antworten. Unternehmen brauchen Handlungsspielräume, Krisen zu managen, Kliniken und soziale Einrichtungen brauchen Ver-

lässlichkeit und finanziellen Schutz. Und natürlich braucht eine Bevölkerung vor allem Vertrauen, dass die Regierung alles tut, damit das Land und seine Menschen in der Gegenwart und Zukunft gut zurechtkommen und gutes Leben möglich ist.

Keine Regierung wünscht sich eine solche herausfordernde Krisensituation. Aber der Umgang mit Herausforderungen und Krisen zeigt, ob eine Regierung grundsätzlich in der Lage ist, ein Land zu führen Leider hat die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP hier viel Potential verspielt, auch nur im Ansatz eine der viel beschworenen Zeitenwende gerechte Politik zu machen Ihr erstes Regierungsjahr wird daher nicht nur von mir sehr kritisch beurteilt – auch rund 68 Prozent der Bürgerinnen und Bürger sind mit der Arbeit der Bundesregierung unzufrieden.

Aus Opposition heraus Für mich als Oppositions-Politikerin hat das Jahr in Berlin aber auch die Erkenntnis gebracht, dass konstruktive und zielgerichtete Politik der Opposition sehr viel bewirken kann. Ob zuletzt beim Bürgergeld, beim Sondervermögen für die Bundeswehr, der gestoppten Flächenstilllegung in der Landwirtschaft sowie der abgewendeten Gasumlage oder bei der (leider zu spät) kommenden Gas- und Strompreisbremse – ursprünglich eine Unionsidee –wir konnten unsere Politik einbringen und Entscheidungen der Ampel korrigieren. Über diese politischen Erfolge freue ich mich natürlich sehr! Nicht immer merken die Menschen, dass die konstruktive Kritik der Oppo-

sition zu einem verändertem Vorgehen oder Gesetz der Regierung führt. Letztendlich ist das aber unwichtig –wichtig ist, dass die Veränderung zum Wohle des Landes und der Menschen erreicht wurde

Im Oktober dieses Jahres stand mein erstes Bundestags-Jubiläum an, ein Jahr als direkt gewählte Abgeordnete für den wunderschönen Wahlkreis Lörrach-Müllheim in Berlin! Dies macht mich stolz und erfüllt mich mit Dankbarkeit. Mich für die

Schulen im Wahlkreis konnte ich meine Arbeit als Abgeordnete vorstellen und Fragen zur aktuellen Politik beantworten. Ich bin immer wieder begeistert wie sehr sich die jungen Menschen aktuell für die Politik interessieren.

Ich konnte viele Anliegen aus dem Wahlkreis bei den Ministerien vorbringen. Besonders freut es mich natürlich, wenn hieraus konkrete Schritte entstehen. Ein Beispiel ist die nun bevorstehende Lärmschutzprüfung an

heitsministers mit uns als Parlamentariern im Gesundheitsausschuss, aber auch im eigenen Haus und mit Verbänden, lässt sehr zu wünschen übrig. Mehr erfährt man nur, wenn man den Twitter-Kanal Karl Lauterbachs abonniert hat oder Auftritte bei Talkshows oder Podiumsgesprächen analysiert. Vieles kündigt er dort auch an, die Umsetzung lässt aber auf sich warten. Im Ausschuss sehen wir ihn dahingegen nur selten. Ich kann an einer Hand abzählen, wie oft der Minister uns dort im Jahr 2022 Rede und Antwort gestanden hat.

Kritik an Corona-Politik

„GKV-Stabilisierungsgesetz“ leider nur eine kurzfristige Regelung bleibt. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Reha-Kliniken erhalten die dringend notwendigen Hilfen aufgrund der Energiekosten- und Inflationssteigerungen leider sehr spät und nicht wirklich sachgerecht. Zu einer Krankenhausstrukturreform liegen nun erste Vorschläge vor, die jedoch sehr stark in die föderalistische Entscheidungskompetenz der Länder eingreifen. Dringend notwendige Krisengipfel gegen Medikamenten-Engpässe und den Fachkräftemangel in Pflege und Medizin, die mich persönlich auch im Wahlkreis sehr umtreiben, werden nicht einberufen

Ein weiteres drängendes Problem für mich als Berichterstatterin meiner Fraktion für Psychotherapie und Psychiatrie ist der Mangel an Psychotherapieplätzen, niederschwelligen psychosozialen Diensten und die personelle Ausstattung der stationären Einrichtungen der Psychiatrie. Für das kommende Jahr steht die Neuregelung des begleiteten Suizids an. Ich habe mich hier einem Gruppenantrag von Abgeordneten verschiedener Fraktionen angeschlossen, der die damit zusammenhängende Suizidprävention und den Ausbau der Palliativversorgung besonders in den Vordergrund rückt.

Menschen in meiner Heimat in Berlin engagieren zu dürfen, Anliegen mit Nachdruck vorzubringen und zu sehen, wie sie in bundespolitisches Handeln einfließen, ist für mich gelebte Demokratie.

Im Herzen werde ich immer Kommunalpolitikerin bleiben, daher bin ich auch weiterhin Kreisrätin und führe mein vielfältiges Engagement auf kommunaler Ebene fort. Aber vieles, was politisch unser Leben prägt, wird auf Bundesebene entschieden. Hier mitwirken zu können und meine politische und berufliche Erfahrung einzubringen ist für mich sehr erfüllend.

Neun Plenarreden

In meinem ersten Jahr als Bundestagsabgeordnete habe ich neun Plenarreden gehalten 32 Einzelanfragen gestellt und als Mitglied des Gesundheitsausschusses drei „Kleine Anfragen“ mit jeweils 40 Einzelfragen an die Bundesregierung eingebracht. Besondere Freude macht mir, wie bereits als Kreisrätin und als Bürgermeisterin, ins Gespräch mit jungen Menschen zu gehen und zu vermitteln, wie wichtig Demokratie und Mitwirkung sind: Rund 300 Schülerinnen und Schüler waren bei mir zu Besuch im Deutschen Bundestag, an einigen

der Autobahn 5 bei Bad Bellingen, wegen der ich mich an Bundesverkehrsminister Volker Wissing gewandt hatte. Wenige Wochen später kam die Nachricht, dass die Prüfung realisiert wird. Es ist ein schönes Gefühl, sagen zu können: Engagement wirkt!

Sehr verwundert – und teils auch geärgert – hat mich die Zusammenarbeit als Fachpolitikerin mit dem zuständigen Ministerium. Ich bin Mitglied im Gesundheitsausschuss und konnte daher die Arbeit von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach genau verfolgen Oder auch eben nicht. Denn die Kommunikation des Gesund-

Die Gesundheitspolitik der Regierung war bis vor kurzem noch sehr stark von Corona geprägt Über das ganze Jahr lief jedoch gerade die Corona-Politik mehr oder weniger planlos. Zum Beispiel blieb die einrichtungsbezogene Impfpflicht leider weiter bestehen, als die allgemeine Impfpflicht zu Recht gescheitert war. Masken müssen nicht mehr im Flugzeug, aber bei der Bahn getragen werden. Die Gesetzesentwürfe sind in der Regel handwerklich sehr schlecht gemacht, teilweise kommen kurzfristig noch Änderungen, die man gar nicht mehr nachvollziehen kann. Meist ist es auch der kleinste Nenner der Regierungskoalition und man merkt die Unzufriedenheit der regierenden Fraktionen, dass einzelne Punkte so nicht umgesetzt werden konnten.

Echte Herausforderungen werden dahingegen schlecht angegangen: Unter anderem die Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen, die mit dem verabschiedeten

Bei meinen vielen Gesprächen vor Ort im Wahlkreis, zum Beispiel mit Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Reha-Kliniken, Verbänden, aber auch den Krankenkassen wird mir immer wieder bestätigt, wo es bei der Gesundheitspolitik in Deutschland schiefläuft. Ich werde mich auch im kommenden Jahr mit aller Kraft dafür einsetzen, engagiert und an der Sache orientiert, damit die drängenden Probleme im deutschen Gesundheitswesen endlich gelöst werden

Die Autorin

Seit der Bundestagswahl 2021 ist Diana Stöcker (CDU) als direkt gewählte Abgeordnete Mitglied des Parlaments in Berlin. Von 2000 bis 2015 war sie als Geschäftsführerin des Innocel Innovation-Centers Lörrach tätig, danach bis zum Erringen des Mandats Bürgermeisterin in Rheinfelden. Seit 2014 ist die Lörracherin zudem Kreisrätin. Für die CDU ist sie auf verschiedenen Ebenen in Gremien aktiv

SONDERVERÖFFENTLICHUNG Samstag, 31 Dezember 2022 Nummer 303
– Lörrach Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler
Jahresrückblick 2022
Zeitung
Vor-Ort-Termin mit Bürgermeister Carsten Vogelpohl (2.v.r.)
zum
Lärmschutz an der A5 bei Bad Bellingen Parlamentserfahrung | Das erste Jahr als heimische Bundestagsabgeordnete / Viele Anliegen aus dem Wahlkreis vorgebracht Das Team von Diana Stöcker aus dem Bundestag und dem WahlkreisFotos: zVg Bei der Rede zur künftigen Finanzierung des Gesundheitssystems im Rahmen der Haushaltsverhandlungen 2023 Diana Stöcker

Der Aufwand hat sich gelohnt

Lörrach Kaum ein Jahr hat das Museumsteam und mich persönlich so intensiv gefordert wie 2022 Anfangs mussten Besucherinnen und Besucher noch Testnachweise, Adresse und Maske vorweisen und sich für Führungen und Veranstaltungen anmelden.

Als Museumsleiter war ich gefordert, eine gute Balance zwischen vielen Emotionen zu finden: Unsicherheit und Ängste auf der einen, Unverständnis und zunehmender Ärger auf der anderen Seite. Zugleich blieb für mich wichtig, den Museumsbetrieb so schnell wie möglich wieder für unser Publikum hochzufahren.

Sechs Millionen Euro

Die Pandemie erschwerte auch den Bau des Museumsdepots. Doch ist es mit Architekt Frank Hovenbitzer, der Stadtverwaltung, den beteiligten Firmen, Flexibilität und Kompromissen gelun-

gen den Bau trotz Lieferengpässen mit wenigen Monaten Verzögerung fertigzustellen und den Kostenrahmen von gut sechs Millionen Euro einzuhalten Die Eröffnung im September wurde ein schönes lebendiges Fest mit der Bevölkerung, Prominenz und zahlreichen Gästen aus Frankreich und der Schweiz.

Um ein Depot, das eigentliche Herz eines Museums, musste ich drei Jahrzehnte hart kämpfen. Dabei erlebte ich viele Jahre der Zurückweisung und so manche schlaflose Nacht. Ich musste viel wertvolle Lebenszeit opfern, um zu verhindern, dass das mir anvertraute Kulturgut keinen Schaden nimmt und erhalten bleibt Doch jetzt setzt das Depot ein deutliches Zeichen: Die Zukunft der einzigartigen Dreiländersammlung scheint gesichert und sie kann vielfach genutzt werden.

Rund

100

Laster-Ladungen

Es war schon heftig: Bereits am Tag nach der Eröffnung

musste der Umzug beginnen. 50 000 Objekte in rund 100 Lkw-Ladungen ins neue Depot zu bringen und dort vor-

läufig zu verteilen, bedeutete eine große logistische Herausforderung. Da war ich froh, dass Depotleiter Arne Gentzsch und Sammlungskuratorin Ulrike Konrad mit ihren Helferinnen und Helfern sehr selbständig handelten und sich sensibel um die empfindlichen Objekte kümmerten.

Dass trotzdem aus einem 100 Jahre alten Lörracher Barometer Quecksilber austrat und von der Feuerwehr ein Großeinsatz ausgelöst wurde, gehört zu den vielen Unwägbarkeiten, mit denen wir im Museum immer wieder konfrontiert sind. Museumsarbeit erfordert eben fast jeden Tag, mit sehr komplexen Herausforderungen umgehen zu können.

Das Interreg-Projekt

Komplex ist auch das Interreg-Projekt „Die Dreiländersammlung“, das 2022 seinen Höhepunkt erreichte. Es bringt EU-Zuschüsse von zwei Millionen Euro für unsere grenzüberschreitenden Aktivitäten und das Depot. Zwei Jahre Vorbereitung, drei Jahre Durchführung, 30 Partner in drei Ländern, Abrechnung aller Budgets: Es war mutig, dieses Projekt als Dreiländermuseum zu stemmen. Jetzt bin ich froh zu merken: der Aufwand lohnt. Neben vielen Pflichten im Museum gab es für mich 2022 eine besondere Freude: Die grenzüberschreitende Ausstellungsreihe „Der Rhein“, von mir seit vier Jah-

Anspruchsvoll und herausfordernd

ren vorbereitet, wurde mit 38 Ausstellungen zum derzeit größten grenzüberschreitenden Kulturprojekt am Oberrhein. Die Überblicksausstellung im Dreiländermuseum zeigt spannende Ergebnisse, und uns gelang eine attraktive Gestaltung Unser Katalog wird am ganzen Oberrhein nachgefragt.

Der Nachfolger

Das neue Jahr beginne ich mit einer schönen Aussicht: Jan Merk wird mir nach 32 Jahren im Mai als Museumsleiter folgen. Bei ihm, mit seiner Persönlichkeit und seiner großen Erfahrung, wird das Museum in besten Händen sein. Über den Museumsverein werde ich dem Dreiländermuseum aber eng verbunden bleiben.

Der Autor

Im Jahr 1991 ist Markus Moehring vom

als Leiter des „Museums am Burghof“ gewählt worden, dem heutigen Dreiländermuseum. In den 32 Jahren an der Spitze hat der Historiker und Volkskundler sehr viel bewegt, unter anderem das neue Museumsdepot realisiert. Moehring geht im Mai in den Ruhestand.

n Von Britta Staub-Abt

Lörrach Wenn ich das Jahr 2022 Revue passieren lasse, fallen mir spontan Begriffe ein: verrücktes Jahr, Krisen, Krieg, unsichere Rahmenbedingungen, Lieferengpässe, häufiger Wechsel bei Fördermitteln und Gesetzgebung im Energiebereich, zum Teil sehr lange Genehmigungs-

phasen bei Fördermittelanträgen, steigende Anzahl der Energieberatungen und Anfragen aus der Bürgerschaft, kurz zusammengefasst: herausfordernd Noch in den Corona-Maßnahmen steckend, kam am 24. Januar 2022 völlig überraschend ein Programmstopp für die Bundesförderung für effiziente Gebäude

(BEG) der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Mit den im Juli verabschiedeten Förderbedingungen hatten wir somit im Verlauf des Jahres bis zu fünf unterschiedliche Rahmenbedingungen für Förderungen bei Sanierung und Neubau. Während ich den Artikel schreibe, kommen die Änderungen zur Förderkulisse für Januar 2023, mit der Ankündigung weiterer im Jahr 2023.

Positiv ist, dass der Bund 13 Milliarden Euro zur Verfügung stellen möchte. Diese fortlaufenden Änderungen sind nicht nur eine Herausforderung für die Energieberatung der Bürgerschaft und für die Bauunterhaltung und Neubau städtischer Gebäude, sondern bieten keine ausreichend stabile Planungssi-

cherheit auf dem Weg zur Wärmewende.

Parallel gibt es viele kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen für mehr Energieeffizienz und weitere Gesetzesänderungen, die sehr kurzfristig verabschiedet wurden und zügig umgesetzt werden mussten. Aber leider auch wieder für verschiedene Betroffene höhere Dokumentationspflichten bedeuten Ich frage mich, wäre angesichts unseres Fachkräftemangels, diese Zeit nicht besser in Umsetzungen investiert?

Die Energiemangellage Und wer hätte noch im vergangenen Jahr gedacht, dass wir uns auch in Lörrach mit dem Thema Energiemangellage und potenziellen Stromausfällen auseinandersetzen

müssen?

Aus der Krise heraus, sind die steigenden Nachfragen nach Energieberatung und nach Umsetzung von energetischen Maßnahmen in der Bürgerschaft ein positives Zeichen, Ressourcen zu sparen und Ziele zu erreichen. Dies wird dauerhaft aber nicht durch kurzfristige Maßnahmen möglich sein. Deshalb gilt es, die vor Jahren begonnene Reise zum Ziel der Klimaneutralität und Nachhaltigkeit fortzusetzen. Verschiedene wichtige Maßnahmen und Projekte im Bereich Energie sind in der Prüfung, Planung oder Umsetzung zum Beispiel der geplante Anschluss des Rathauses ans Wärmenetz, die Wärmeleitplanung: Wie sieht zukünftige Wärmeversorgung der Stadt aus? Welches sind die nächsten PV-Anlagen auf kommunalen Dächern? Wo können wir noch verstärkt Eigenstrom nutzen? Dazu kommen Energieberatungen und Infoveranstaltungen.

Auch der Ausbau des Fernwärmenetzes durch die Stadtenergie schreitet fort. Und dann gibt es auch noch weitere Projekte, wie zum Beispiel Klimaanpassung, Lärmaktionsplan, Ausgleichsmaßnahmen. Sie alle aufzuzählen würde hier den Rahmen sprengen. Für all diese Pro-

jekte braucht es eine gute Vorbereitung für Planung und Umsetzung und Zeit. Zeit, eine Ressource die in diesem Jahr immer knapp war. Durch die vielen Projekte und die schnelllebige gesetzgeberische und förderpolitsche Gegenwart, die auch im nächsten Jahr sein wird, bleibt es „anspruchsvoll“. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir auch nächstes Jahr wieder einige Projekte abschließen.

die Autorin

Britta Staub-Abt

Die Fachbereichsleiterin Umwelt und Mobilität, Britta Staub-Abt, ist seit mehr als 35 Jahren bei der Stadt Lörrach beschäftig, Ab 1987 als Umweltschutzbeauftragte. Später folgte die stellvertretende Leitung des Bereichs Stadtplanung, Baurecht und Umwelt, seit knapp zehn Jahren stellt sie als Leiterin passend die Weichen.

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Das Rathaus wird ans Wärmenetz angeschlossen. Foto: Fraune Gefordert | Dreiländermuseum meistert Corona-Einschränkungen, Museumsdepot-Umzug und große Ausstellungsreihe Ein schöner Augenblick im zurückliegenden Jahr 2022: Partner des Netzwerks Museen präsentieren ihre 38 Ausstellungen erstmals öffentlich in Mannheim mit Plakat und Katalog der Lörracher Ausstellung. Foto: Netzwerk Museen + rem/Foto Rebecca Kind Markus Moehring im neuen Museumsdepot Foto: Dreiländermuseum/E.Naused Gemeinderat Markus Moehring

Schönes Symbol für die Lebensfreude

Lörrach Als am Donnerstag nach Fasnacht 2020 über das erste Opfer einer bis dahin unbekannten Corona-Erkrankung in der Region berichtet wurde, war sehr rasch nichts mehr so wie es zuvor gewesen ist. Schon am Folgetag wurde die Basler Fasnacht abgesagt und wenige Tage später befanden auch wir uns plötzlich im Lock-Down.

Nicht wenige Menschen hatten sich damals darüber gefreut, dass wir in Lörrach wenigstens noch unsere Fasnacht feiern konnten, bevor sich die gespenstische Stille des Lock-Downs über das Land legte. Und fast alle waren guter Dinge, dass in wenigen Monaten ohnehin alles wieder vorbei sein wird. Weit gefehlt!

Mit Künstlerfasnacht 2021 waren immer noch – bis auf die Narrenmesse – keinerlei Veranstaltungen möglich Während viele Narrenzünfte und Fasnachtsgesellschaften den Gedanken akzeptierten, dass die Fasnacht eben einmal ein Jahr lang nicht gefeiert werden kann, hatten wir eine Künstlerfasnacht ausgerufen und eine Open-Air-Galerie mit dem Fotokünstler Jochen Scherzinger organisiert. Auch digitale Formate wurden erprobt und fanden regen Anklang. Das war natürlich kein Ersatz für eine normale Fasnacht, aber eine klare Aussage und Willensbekundung für die Fasnacht: Wir geben nicht auf! Und wiederum waren viele der Meinung: spätestens 2022 ist dann wirklich alles wieder so wie es war. Noch weiter gefehlt!

Ungeachtet der sich abzeichnenden Entwicklungen an der Pandemiefront hatten wir unsere Vorbereitungen für eine Straßenfasnacht 2022 vorangetrieben und Konzepte entwickelt, die auch unter strengen Hygienevorschriften umsetzbar gewesen wären Einmal mehr mussten wir im Dezember dann aber akzeptieren, dass eine gewohnte normale Fasnacht zum zweiten Mal nicht möglich sein wird.

Suche nach Alternative Was nun? Wie soll man auf eine solche außergewöhnliche Situation reagieren? Was ist die richtige Strategie? Eine zweite Künstlerfasnacht gepaart mit digitalen Angeboten war ganz offenbar nicht das, auf das sich die Menschen ein weiteres Mal einlassen würden Wir hatten die Auswirkungen der Absage der Fasnacht 1991 nach dem ersten Golf-

krieg noch sehr gut in Erinnerung. Es dauerte Jahre, bis die Schäden dieser Absage –materieller und mentaler Art – überwunden waren Nun also zwei Jahre ohne Fasnacht.

Aus den ersten Cliquen hörten wir bereits, dass man spürbar Mitglieder verliert. Wieso sollte man auch Mitglied einer Clique oder Musik bleiben, wenn ohnehin nichts stattfindet? Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen sind zwei Jahre eine extrem lange Zeit und die demotivierende Wirkung entsprechend groß.

Zunehmend mussten wir auch vernehmen, dass sich immer öfters finanzielle Schwierigkeiten einstellen. Ausgaben, zum Beispiel für Vereinsheime, sind weitergelaufen – Einnahmen aber weggebrochen Langjährige Partner und Sponsoren gab

es plötzlich nicht mehr.

Ein Balanceakt Mit diesen Tatsachen im Hinterkopf mussten wir also den Balanceakt zwischen dem Ziel einer vernünftigen Traditionspflege und der Chance zum Überleben wagen. Natürlich ist auch für uns die Fasnacht ein Fest im Jahresablauf, das seinen festen Platz vor der österlichen Fastenzeit haben soll. Wenn aber plötzlich keine Menschen mehr da sind, die bereit sind oder die nicht mehr dazu in der Lage sind, Traditionen zu pflegen, dann würde man der Brauchtumspflege mit einer orthodoxen Haltung einen Bärendienst erweisen. Schließlich ein letzter Aspekt: Für uns Lörracher Narren ist die Fasnacht keine Museumsveranstaltung. Die wichtigste Tradition ist jene, dass die Fas-

nacht die Menschen unserer Stadt jeden Alters, Geschlechts und unabhängig von der jeweiligen Herkunft oder des persönlichen Lebenskonzepts vereint und zusammenbringt. Die Lörracher Fasnacht will offen, liberal und integrativ sein – kurz ein Fest für alle die sich davon begeistern lassen.

Confetti-Sommer-Festival

Wir haben uns also dazu entschlossen ausgewählte Traditionsveranstaltungen unter strengsten Auflagen in der eigentlichen Fasnachtszeit durchzuführen – das Narrenbaumstellen, den Dällerschlägg, das Schnitzelbanggsingen und die Narrenmesse. Und wir haben uns dazu durchgerungen, als Ersatz für die erneut ausgefallene Fasnacht im Sommer ein spezielles Festival auszurufen, das wir Confetti-Sommer-Festival genannt haben. Keine Sommerfasnacht –auch wenn dies ein gerne benutztes Schlagwort in der Presse gewesen ist – aber ein erstes großes Fest nach langen Monaten der Pandemie. Ein Fest der Lebensfreude, wobei Konfetti ein wunderschönes Symbol für diese Lebensfreude ist. Es sollte Konzerte, Umzüge, einen Seniorennachmittag und ein buntes Kinderfest geben. Die Menschen sollten sich endlich wieder treffen und unbeschwert feiern.

Natürlich war uns immer bewusst, dass nicht wenige den Faktor „Brauchtum“ stärker gewichten als das für uns so wichtige „verbindende

Element“ der Fasnacht. Aus diesem Grund haben wir auch eine offene Einladung ausgesprochen und von niemandem eine Teilnahme erwartet. Alle die wollen, sollten dabei sein dürfen – ganz nach einer alten fasnächtlichen Tradition, die besagt: jedem zur Freud – niemandem zu Leid.

Negativ überrascht Wir waren durchaus überrascht von der Heftigkeit der Reaktion seitens der alten Narrenverbände. Was für eine Angst musste man dort gehabt haben, wenn man die eigenen Mitglieder unter Androhung ernster Konsequenzen davon abhalten musste, sich auf das Sommer-Festival in Lörrach einzulassen? Einmal mehr waren wir froh, der Enge des Denkens in diesen Verbänden schon vor Jahren durch Austritt entkommen zu sein.

Im Juni und im Juli fanden dann die Veranstaltungen des Confetti-Sommer-Festivals 2022 statt. Und es war genauso, wie erhofft: fröhli-

che Menschen in Outfits, welche Lebensfreude ausstrahlten. Jeder kam, wie er oder sie wollte – wer es wünschte auch im fasnächtlichen Kostüm, wobei nur eine kleine Minderheit zum Häs oder Kostüm griff. Unzählige Menschen haben die Gelegenheit genutzt, nach der letzten Großveranstaltung vor der Pandemie (der Fasnacht 2020) die erste Großveranstaltung nach der Pandemie (das Sommer-Festival 2022) zu feiern. Und allein schon die Temperaturen, die zu keinem Zeitpunkt unter 30 Grad im Schatten lagen, sorgten dafür, dass sehr wohl Festival-Feeling, nicht aber Fasnachtsstimmung aufkommen konnte.

Keine Wiederholung

Natürlich gab es sogleich Stimmen, die eine Wiederholung forderten – aber eigentlich will das niemand. Was wir uns wünschen, ist eine Fasnacht im Winter als Auftakt zur österlichen Fastenzeit – da wo sie hingehört. Trotzdem war die Entscheidung für das Festival im Sommer richtig – es half einigen Cliquen und Musiken die finanziellen Auswirkungen der Pandemie zu mildern, trug dazu bei, dass die Motivation vieler Aktiven erhalten blieb und bot den Menschen unserer Stadt die Gelegenheit für eine Auszeit nach den langen, schweren und einsamen Monaten der Pandemie.

Wir sind davon überzeugt, dass Traditionen für die Menschen und nicht Menschen für Traditionen da sein sollten, wobei sich letztere natürlich wandeln und anpassen dürfen. Es braucht ein gewisses Maß an Weisheit und Toleranz zu unterscheiden, was man anpassen darf und was man unverändert erhalten muss. Wir hoffen, die richtige Balance gefunden zu haben und freuen uns nun auf eine großartige Fasnacht 2023

Der Autor

Jörg Roßkopf

Für Obergildenmeister Jörg Roßkopf ist die Fasnacht keine Museumsveranstaltung. Vielmehr setzt er darauf, dass die Traditionsveranstaltung eine Zukunft hat Für seine besonderen ehrenamtlichen Verdienste ist Roßkopf schon 2019 die Ehrennadel des Landes verliehen worden.

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Hochwillkommen: Eine kleine Erfrischung für die Zuschauer. Foto: Anja Bertsch Veranstaltung | Confetti-Sommer-Festival sorgt für Festival-Feeling statt für Fasnachtsstimmung / Heftige Reaktionen Gediegen durchs Geschehen cruisen. am Lörracher Confetti-Festival. Fotos: Anja Bertsch Die Gilden-VIPs führten den Umzug im Oldtimer-Cabrio an. Nicht fehlen durften Waggis in groß.

Sommerfasnacht – OB-Wahl – Bombenfund

1. Januar: In seiner Neujahrsansprache per Video benennt OB Jörg Lutz vier große Herausforderungen: Bewältigung der Corona-Krise, Maßnahmen gegen den Klimawandel, Investitionen in die Schulen und Verkehrswende. Auch Veränderungen in der Innenstadt sind für ihn ein wichtiges Thema

12 Januar: Die Stadt teilt die Zahl von 2335 Geburten im vergangenen Jahr in Lörrach mit. Bei den Vornamen sind Mia und Elias Spitzenreiter.

17 Januar: In Stetten startet die Sanierung der Fridolinschule für rund 13 Millionen Euro.

24 Januar: Im Landkreis ist mit 1066,7 Fällen die Tausender-Marke an Corona-Neuinfektionen überschritten.

3. Februar: OB Jörg Lutz kündigt an, sich um eine Wiederwahl zu bewerben

7. Februar: Zu einer Kundgebung unter dem Motto „Wir sind Demokratie“ haben die Ortsverbände von SPD, Grünen, CDU und FDP aufgerufen. Damit soll ein Zeichen gesetzt werden gegen die Montags-Spaziergänge der Gegner staatlicher Corona-Maßnahmen

25 Februar: Die fünfte Welle der Pandemie hat wohl ihren Höhepunkt überschritten. Im Dreiland sinken die Fallzahlen und damit die Inzidenzen.

26 Februar: Mehr als 600 Menschen folgen dem Aufruf zu einer Kundgebung gegen den russischen Angriff auf die Ukraine.

3. März: Ganz ohne Fasnacht geht es in Hauingen nicht. Trotz Corona erfolgt die Entmachtung von Ortsvorsteher Günter Schlecht. Die „Adrüllete“ erfolgt am Narrenbrunnen.

9. März: Bei seiner Hauptversammlung berichtet der Museumsverein, dass 200 000 Euro vorhanden sind, um erhebliche Teile der Innenausstattung des neuen Museumsdepots zu finanzieren.

17 März: Der neue Burghof-Geschäftsführer Timo Sadovnik stellt sich vor.

18 März: Harter Schlag für Haagen: Heute schließt die Metzgerei Bachmann.

24 März: Dem Stettener Ehepaar Knop ist es gelungen, 42 ukrainische Flüchtlinge von der polnisch-ukrainischen Grenze nach Lörrach zu bringen.

3. April: Seit Sonntag ist die allgemeine Maskenpflicht außer für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und im Rathaus aufgehoben.

12 April: Am Nachmittag erhält der Platz vor dem Rathaus einen Namen: Egon-Hugenschmidt-Platz. Damit wird Egon Hugenschmidt gewürdigt, der von 1960 bis 1983 OB war.

25 April: Ein Streik bei Bus und Bahn legt Teile des öf-

fentlichen Nahverkehrs lahm.

4. Mai: Bei der Hauptversammlung von Pro Lörrach gibt es eine Neuorientierung In Zukunft sollen nicht mehr nur Einzelhändler, sondern auch andere Branchen in den Verband aufgenommen werden.

12 Mai: Wie jetzt bekannt wird, hat die SMV des Hans-Thoma-Gymnasiums bei einem Sponsorenlauf 32 000 Euro sammeln können. Das Geld wird zur Hälfte dem Freundeskreis Asyl und der Hilfe für Lörrachs befreunde ukrainische Stadt Wyschhorod zur Verfügung gestellt.

16 Mai: Für die OB-Wahl am 3. Juli hat sich ein zweiter Bewerber gemeldet: der 57-jährige Claus Seibt.

24 Mai: Wegen einer Gewaltandrohung haben sich die Schulleitung der Albert-Schweitzer-Schule und die Polizei entschlossen, heute keinen regulären Unterricht durchzuführen.

2. Juni: Die Fusion mit der Volksbank SchopfheimMaulburg im vergangenen Jahr hat die Volksbank Dreiländereck gestärkt Die Bilanzsumme liegt jetzt bei knapp 2,35 Milliarden Euro.

7. Juni: Jetzt steht fest, dass es drei Bewerber um das OB-Amt gibt: Amtsinhaber Jörg Lutz, Claus Seibt und Klaus Springer.

11./12 Juni: Ein Ersatz-Fasnachtswochenende im Sommer erleben die Lörracher. Tausende kommen zu den Veranstaltungen der Narrengilde: „Confetti-Festival“, Lasser-Gugge-Explosion und Narrendorf. Am Sonntag beteiligen sich 1500 Fasnächtler in 70 Gruppen am Umzug 23 Juni: Als Nachfolger von

Professor Theodor Sproll wird Professor Gerhard Jäger Rektor der DHBW Lörrach. Zum „Tag des Handwerks“ kommen rund 500 Gäste in den Burghof. Hauptredner ist der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen 26. Juni: Am Sonntag teilt Diakon Ralf Ochs mit, dass das einsturzgefährdete Dach der Kirche St. Peter vorerst nicht saniert werden kann.

fangsgebäude des Hauptbahnhofs wird eröffnet.

18 Juli: Ulrike Krämer wird als Vorsitzende des CDU-Stadtverbands bestätigt.

22 Juli: Mit einer Feier werden auf der Tüllinger Höhe Christof Schwald und Hermann Harrer verabschiedet. Mit Norbert Reckel-Probst als Einrichtungsleiter und Klaus Jost als Aufsichtsratsvorsitzender sind die Nachfolger schon seit einigen Monaten im Amt.

28 Juli: Mehr als 100 Seniorinnen kommen in die neue Brombacher Sporthalle zum Auftakt für das Projekt „Gemeinsam für mehr Lebensqualität in Brombach und Hauingen“.

10 August: Großalarm in Brombach: An der „Mobilitätsdrehscheibe“ entdeckt ein Baggerfahrer eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Entschärfung verläuft problemlos.

Ruhestand. Er war auch 15 Jahre lang ehrenamtlich als Ortsbeauftragter des THW tätig.

11. September: Der Löschzug Tumringen der Freiwilligen Feuerwehr Lörrach feiert 150-jähriges Bestehen 14. September: Der Bau des Zentralklinikums Entenbad wird teurer. Die Kostenprognose liegt jetzt bei 415 Millionen Euro.

15. September: Vor rund 200 Gästen wird das neue Museumsdepot eingeweiht – mit 50 000 Exponaten eine der größten Sammlungen am Oberrhein

23. September: Die Schöpflin-Stiftung feiert 20-jähriges Bestehen.

27. September: Derzeit leben 435 geflüchtete Menschen aus der Ukraine in Lörrach. Die Stadt stellt sich darauf ein, dass es noch mehr werden könnten.

sorgt für einen Gefahrgut-Einsatz der Feuerwehr.

5. November: Die Feuerwehr Haagen feiert 150-jähriges Bestehen.

11 November: Die Narren geben die Losung der neuen Fasnacht bekannt: „Gännt Gas!“. Als gemeinsame Protektoren wird das Dreigestirn der Ortsvorsteher vorgestellt.

11 November: Philipp Lotter wird als Nachfolger von Michael Pilgermayer zum Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Lörrach gewählt.

26 November: Der Umzug der Werkrealschule von der Hellbergschule in die Neumattschule ist die voraussichtlich schnellste Möglichkeit, der Raumnot und dem Sanierungsbedarf in der Brombacher Schule zu begegnen.

1. Juli: Die Israelische Kultusgemeinde feiert ihre 1995 erfolgte Wiedergründung. Gewürdigt wird Hanna Scheinker, die von Anfang an sich für die Gemeinde engagiert hat.

3. Juli: Schon bald nach Schließung der Wahllokale steht das Ergebnis fest: Mit 86,7 Prozent bleibt Jörg Lutz weitere acht Jahre OB von Lörrach. Auf Mitbewerber Claus Seibt entfallen 8,1, auf Klaus Springer 3,1 Prozent der Stimmen. Als enttäuschend wird die mit 20,36 Prozent niedrigste Beteiligung bei einer OB-Wahl in Lörrach empfunden.

9./10. Juli: Das zweitägige Sommerfest „Lörrach swingt“ von Pro Lörrach ist bei hochsommerlichen Temperaturen gut besucht

Am Samstag feiert die Hebelschule die Einweihung des Altbaus vor 150 Jahren.

13. Juli: Im Werkraum Schöpflin feiert die Bürgerstiftung ihr 20-jähriges Bestehen 15. Juli: Das renovierte Emp-

21 August: Mit einem Festgottesdienst feiert die katholische Gemeinde St. Fridolin in Stetten die Einweihung der Kirche vor 200 Jahren 22 August: In der Palmstraße beginnen die Bauarbeiten zur Umgestaltung von der Autostraße zu einem Raum mit Aufenthaltsqualität 30 August: Der Lebensmittelhändler Lidl will das Areal an der westlichen Weiler Straße komplett neugestalten.

3./4. September: Dem zweitägigen „Stettemer Strooßefescht“ lacht die Sonne.

6. September: Nach 25 Dienstjahren geht Roland Kraus als hauptamtlicher Mitarbeiter des DRK in den

8./9. Oktober: Das Herbstfest von „Pro Lörrach“ lockt in die Einkaufsmetropole

12. Oktober: Der Umzug ist in vollem Gang: 50 000 Objekte „wandern“ ins neue Museumsdepot.

15. Oktober: Tom Leischner wird neuer Leiter der Volkshochschule Lörrach.

16. Oktober: Haagen und Village-Neuf bekräftigen ihre Freundschaft mit einem Fest.

21. Oktober: Lörracher Sportler werden für herausragende Leistungen in den Jahren 2019, 2020 und 2021 geehrt.

26. Oktober: Donat Miftari wird Vorsitzender des neuen Lörracher Jugendrats

28. Oktober: Ein Austritt von Salzsäure aus einem Behälter an der Brombacher Straße

1. Dezember: Der Lörracher Weihnachtsmarkt 2022 startet an den drei Standorten Alter Marktplatz, Hebelpark und Senser Platz. 10./11. Dezember: Der Brombacher Weihnachtsmarkt begeistert Jung und Alt.

14 Dezember: Der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Manuel Müller, wird Lörrach voraussichtlich im März 2023 verlassen.

15 Dezember: Einstimmig genehmigt der Gemeinderat den Haushalt 2023. Investitionen in Höhe von 19,74 Millionen Euro sind vorgesehen. Zum Jahresende 2023 wird ein Schuldenstand von 19,1 Millionen Euro prognostiziert.

21 Dezember: Mit „Brombach-Ost“ wird das letzte neue Gewerbegebiet der Stadt Lörrach eingeweiht.

SONDERVERÖFFENTLICHUNG Samstag, 31 Dezember 2022 Nummer 303 Jahresrückblick 2022 – Lörrach Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Streiflichter | Bautätigkeit allerorten in der Kreisstadt / Chlorgas-Ausbruch im November / Werkrealschule nach Stetten? Im Februar folgen mehr als 600 Menschen dem Aufruf zu einer Kundgebung gegen den russischen Angriff auf die Ukraine. Foto: Peter Ade 86,7 Prozent: Oberbürgermeister Jörg Lutz ist für weitere acht Jahre im Amt bestätigt worden Ein Bombenfund an der Brombacher S-Bahn-Haltestelle sorgt für Aufregung Reges Kommen und Gehen beim Herbstfest von „Pro Lörrach“ in der Innenstadt. Fotos: Marco Fraune/Gabriele Hauger/Florian Ade Ansehnlich: das sanierte Bahnhofsgebäude Foto: Fraune

Beschluss, Verschiebung und Bürgerentscheid

Weil am Rhein (ilz). Für viel Gesprächsstoff sorgten im zu Ende gehendenJahr die Entwicklungen rund um das ThemaFußgängerzone. Ende Juli stimmte zunächst der Weiler Gemeinderatmehrheitlich für die Einrichtung einer Fußgängerzone zwischen dem Sparkassen- und dem Schlaufenkreisel. Noch im September sollte die Einrichtung erfolgen.Kurz darauf jedoch wurde der Termin auf April verschoben Die zusätzliche Zeit sollte genutzt werden, um das Konzept –auch in Absprache mit dem Einzelhandelund den Anwohnern –detaillierter auszuarbeiten

Fast zeitgleich bildete sich indes grundsätzlicher Widerstand gegendas Unterfangen. Es wurden Unterschriften für ein entsprechendes Bürgerbegehren gesammelt. Da das erforderlicheQuorum erreicht wurde,entscheiden nun im Februardie Bürger.

Japankäfer geht in die

Falle

Weil am Rhein (sas). Ein kleines Insekt hatte im Sommer kurzzeitigfür Aufsehengesorgt: Zum ersten Mal war ein weiblicher Japankäferin Deutschland entdecktworden –und zwar in Weil am Rhein. Dieser war in eine Falle gegangen, die sich zwischen dem Umschlagbahnhof und dem Zoll befindet. Vermutlich ist das Tier per Laster oder Zug in die 3-Länder-Stadtgekommen.

Um zu überprüfen, ob sich eine Populationgebildet hat, wurden zusätzliche Fallen aufgehängt. Es wurde kein weiterer Käfer gefangen, berichtete Frauke Rinke,Referentin für Pflanzengesundheit im Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg, kurz vor Weihnachten.

Wohin mit dem Recyclinghof?

Weil am Rhein-Märkt (sas) Im Stadtteil Märkt kamen in diesem Jahr die Pläne,den Recyclinghof auf das Gelände der ehemaligenHolcim-Kiesgrube zu verlegen, wieder aufs Tapet. „Das Holcim-Areal istimmer noch eine Option, die aktuellvon den beteiligten Stellen geprüft wird“, erklärt Anna Sebastian, Sprecherin des EigenbetriebsAbfallwirtschaftdes LandkreisesLörrach, nun auf Nachfrage. Dass am aktuellen Standort die Öffnungszeiten erweitert wurden, habe dieSituation auf jeden Fall entspannt.

Zukunft der Dorfstube

Weil am Rhein-Ötlingen (ilz). Gute Nachrichten gab es im zu Ende gehenden Jahrim Museum Dorfstube Ötlingen. Denn zum einenkonnte die Einrichtung ihre Türen wieder für die Besucher öffnen. Zum anderen übernahm Desiree Thudichum den Vorsitz des Fördervereins der Dorfstube. Damit zeichnete sich ab, dass nicht nur der Förderverein, sondernauch die Betreuung des Museums in Zukunft weiter Bestand haben wird.

Dreiländergalerie öffnet Türen

n Von Saskia Scherer

WeilamRhein. Knapp vier Jahre nach dem ersten symbolischenSpatenstich ist am 29. September dieDreiländergalerie mit ihren rund 70 Geschäften und Gastronomiebetriebeneröffnet worden. Rund 150 Millionen Eurohat das Gebäude gekostet, mit dem Center verbunden sind 400Arbeitsplätze.

Am Morgen des Eröffnungstags drängten sich die Kunden vor dem Haupteingang, warteten auf den Einlassund damit die Gelegen-

heit, den neuen Einkaufstempel zu erkunden.Peter Krause, Geschäftsführer der Weil am Rhein Wirtschaft &TourismusGmbH(WWT), durchschnitt gemeinsam mit Architektin Yvonne von Salm, CentermanagerAndreas Thielemeierund Peter Littmann (Bevollmächtigter der Investoren) das goldene Band.

Bei einer kleinen Umfrage unsererZeitung zeigten sich die Menschen angetan von demneuen 25 000 Quadratmeter großenEinkaufs- und Dienstleistungszentrum mit

16 500 QuadratmeternVerkaufsfläche.Sie lobtendie Architekturund bescheinigten der Galerie,die Attraktivität der 3-Länder-Stadt zu steigern. Die Angebotsvielfalt in Weil am Rhein vergrößere sich deutlich, befand Erster Bürgermeister Rudolf Koger. Außerdemhelfe das Einkaufscenter, den Abfluss der lokalen Kaufkraft zu vermeiden.

Bereits am Vorabend hatte eine Feier für geladene Gäste stattgefunden,ander rund 500 Personen teilnahmen. Die Moderationoblag Frau-

ke Ludowig.Die Feier wurde von Musikern sowie Auftritten von Vanessa Sweghorst vom Zirkus Roncalli und bekannt aus der Fernsehsendung „Das Supertalent“ umrahmt.

Des einen Freud, des anderen Leid: Weil das Parken in derDreiländergalerie kostenpflichtig ist und Kunden von ihren Navigationsgeräten teilweise zum Europaplatz gelotst wurdenstatt zur Einfahrt an der Bundesstraße3, hat sich der Parkdruck in den umliegenden Parkhäusernerhöht.

Leuchtturm der regionalen Kunstszene

Weil am Rhein-Ötlingen (ilz). Nachdem es coronabedingt zuletzt hatte ruhiger zugehen müssen, präsentierte sich Ötlingen im abgelaufenen Jahr wieder als Leuchtturm der regionalenKunstszene. An insgesamt vier Wochenenden konnten Besucher zahlreichen Künstlernüber die Schulter schauen. Dabei erfuhrensie, wie Kunstwerke entstehen, welche Materialien zum Einsatz kommen und was die Inspiration für die Motive und Formen ist. An verschiedenen Stationen –vor allem entlang der Ötlinger Dorfstraße– hatten die beteiligten Künstler ihre provisorischen Werkstätten eingerichtet. Immer wieder bildeten sich an den Stationen kleine Gruppen, manstaunte, fachsimpelte und ließ sich zahlreicheFacettendes künstlerischen Schaffensprozesses erläutern Durch die insgesamtacht zur Verfügung stehenden Tage wardie gesamteVeranstaltung nicht nur entzerrt, sondern auchentspannt.

Unermüdliches Engagement

Weil am Rhein (ilz). Unermüdlich engagierte sich der Weiler FDP-Stadtrat und Apotheker Thomas Harms im zurückliegenden Jahrfür die Menschen in der Ukraine. Dabei nutzte er seineumfangreichen Kontakte, die er durch seine Arbeit als Vorsitzender des Vereins „KiHeV –Kinderhilfe Kiew“ über Jahrzehnte geknüpft hatte. Dieser Verein setztsich für Kinder ein, die in Folge der Tschernobyl-Katastrophe Strahlenschäden erlitten haben. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraineweitete der

76-Jährige sein soziales Engagementüber die Strahlenklinik hinaus aus.

Von derSammlung von Sach-und Geldspenden bis hin zur Organisationvon Benefizveranstaltungen –bei Harms liefen dieFäden zusammen. Harms arbeitete unter anderemmit der Freiburger Hilfsorganisation „S’Einlädele“zusammen, organisierte aber auch gemeinsam mit zahlreichenKulturschaffenden ein großes Benefizkonzert in der Stadt.

Der Lions-Club unterstützte Harms mit einer großen

Spende und übergabimSommer 63 000 Euro. Wie Harms damals berichtete, seien mit dem Geld unter anderem Verbandsmaterial und Medikamente beschafftworden. Nebenden Sachspenden, sei es aberauchwichtig,Geld in die Ukraine zu schicken, damit bestimmte Artikel weiterhin vor Ort gekauft werden können

Jeden Tag war und ist Harmsdirekt mit den Betroffeneninder Ukraine in Kontakt. „Es ist ein Leben mit der Angst“, schilderteerdie Eindrücke der Ukrainer.

Seit 60 JahrenPartner

Jumelage | Weil und Huningue feiern

Weil am Rhein (ilz). Mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen feierten Weil am Rhein und Huninguedie seit 60 Jahren bestehendeStädtepartnerschaft. Unter anderem wurdenzweisprachig Stadtführungen und Rundfahrten angeboten, aber auch ein gemeinsamerStadtplan vorgestellt.

Auf kultureller Ebene nahm man sich dem 60-jähringen Bestehen der Städtepartnerschaft unter anderem mit der Karikaturen-Ausstellung im MuseumamLindenplatz an. Mitder Ausstellung im Museum Weiler Textilgeschichte und mit der Rhein-Ausstellung im Museum am Lindenplatzwurde

und wird die Städtepartnerschaft weiter gefeiert.

Darüber hinaus wurde der Förderungder elsässischen Sprache durch das Kolloquium „Sprochrenner“ im Kesselhaus Rechnung getragen. Und mehrmals standen darüber hinaus Lehrende sowie Schülerder Musikschulen Weil am Rhein und Huningue gemeinsam auf der Bühne.

Wie Oberbürgermeister WolfgangDietz erklärte, sei es ihm und Bürgermeister Jean-Marc Deichtmann aus Huningueinder Vorbereitung wichtig gewesen,Begegnungen zu schaffenund die Menschen zusammenzubringen.

Heldelinger Unterführung noch ein Jahr gesperrt

Noch etwa ein Jahr sollendie Bauarbeiten rund um dieHeldelinger Unterführung in Anspruch nehmen. In diesem Jahr wurden unter anderem Wasserleitungen verlegt. Suchschlitze,umTele-

kommunikationsleitungen aufzuspüren, sorgten dafür,dass fürkurzeZeit auchder Fuß-und Radweg gesperrt werdenmusste. Nach den Weihnachtsferiengehtesweiter. Foto: Saskia Scherer

SONDERVERÖFFENTLICHUNG ·Samstag, 31. Dezember 2022 ·Nummer303
2022 –Weil am Rhein Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick
Innenstadt | Kunden stürmen in das neue Einkaufs- und Dienstleistungszentrum
Beider offiziellen Eröffnungder Dreiländergalerie am 29.Septemberstürmten die Kunden das Einkaufscenter. Foto:SaskiaScherer Der Weiler Apotheker und KiHev-VorsitzendeThomas Harms (links) und Nikolai Prokoptschukvon „S’Einlädele“(Zweiter von rechts) mitfreiwilligen Helfern Foto: Saskia Scherer Beim ersten„Wochenende der Kunst“ Foto:Ingmar Lorenz Thomas Harms setzt sich für die Menschen in der Ukraine ein

Wohnraum beschaffen als oberste Priorität

Weil am Rhein. Bei Jahresrückblicken ist das Jahrimmer ganz besonders und herausfordernd. Für 2022 scheint diese Beschreibung aber schon fastuntertrieben.

Aus den Beschränkungen einer Pandemie, nahtlosin die Bewältigung von Kriegsfolgen, von Null auf Hundert innerhalb weniger Tage.Einfach schrecklich! Alle Beteiligten wurden bis an die Grenze des Machbarenbelastet.

Während der Pandemie war der Willkommenskreis, die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in Weil am Rhein, auch gezwungen, seine Tätigkeiten auszusetzen. Im Januar fingen wir wieder an zu planenund Helfer zu motivieren. Doch der 24. Februar durchkreuztealle Pläne. Über Nacht haben sich die Anforderungen an die Hilfsleistungenschlagartig verändert. Wirstanden vor der Aufgabe, einen riesigen Flüchtlingsstrom aus der Ukraine aufzunehmen. Wohnraum beschaffen wurde zur ersten Priorität.

Unterbringen und ausstatten

Die neuen Unterbringungsmöglichkeiten mussten aber auch ausgestattet werden Die Stadtverwaltung hatte daher intern aufgerufen, Haushaltsgegenständezu spenden. Die Resonanz war überwältigend. Ein Berg an Sachspenden wurde zusammengetragen und musste sortiert und geordnet verteilt werden. Wer denkt, dies sei eine einfacheAngelegenheit, irrt.

Schnell konnte das ehemalige Kleiderkammer-Team

des Willkommenskreises um Gabi Nagel reaktiviert werden. Über Wochen sortierten sie routiniert jeden Montagmorgen neu gespendete Gegenstände und packten sogenannte „Erstausstattungspakete“.

Der Ruf nacheiner erneuten Kleiderkammer für Weil am Rhein wurde wieder vorgebracht. Die langjährigen Erfahrungen ließen uns jedocheinen effizienteren Weggehen.Das bedeutete, spezifische Bedürfnisse wurden im internen Verteiler gesucht und vermittelt, und zum Beispiel Kleidung konnte gut über schonvorhandenen Verteilstellenabgedeckt werden.

Parallel zu diesen Aktivitäten etablierte derWillkommenskreis einen Treffpunkt für ukrainische Flüchtlinge. MitDina Lützelschwab und Madeleine Warken-Jugl fanden wir neue Verbündete, die auch bereitwaren,Führungsaufgaben zu übernehmen. Brigitte Lill, die Quar-

tiersmanagerin AugustBauer-Straße,stellte ihren Raum,den Quartierstreff, zur Verfügung. Seitdem 5. April 2022 treffen sich nun in dieseridealen Umgebung jeden Dienstagnachmittag Ukrainerinnen und ihre Kinder. Begleitet werdensie von einer kleinen,aber sehr aktiven Helfergruppe. Bei Kaffee und Kuchen werdenInformationen ausgetauscht, individuelle Hilfeleistungen organisiert oder mit den Kindern gespielt. Diesem neu gewonnenen Helferteam könnenwir nicht genug danken, bis heute sind sie mit Freudedabei.

Helferzahl eine Begrenzung

Ideen fürweitere Aktivitäten hatten wir viele, aber leider war die mangelndeHelferzahl eine Begrenzung, um Neues zu starten. Wir mussten Prioritäten setzten. Das Organisieren von Deutschkursenrückte nun in den Vordergrund. Nicht alle Ukrainerinnenbekamen einen Platz in den offiziellen Deutschkursen. Für diese Frauenstartete ab Mai ein „Deutsch-Brückenkurs“. Montag- und freitagmorgens lernen nun Frauen mit Marianne Groß, die schoninder ersten Welle aktiv war, im Quartierstreff Deutsch.

Das Lernender deutschen Sprache war auch in den Schulen ThemaNummer eins. Das Programmder Lernpatenschaften bestand zum Glück noch und wird von Sigrid Fuchsbetreut. Lernpaten gehen am Nachmittag in die Schule und machen mit ihren „Schützlin-

gen“Hausaufgaben oder üben zum Beispiel das Lesen. NeueHelfer konnten in das Programm integriert werden Neue Unterkunft in Haltingen

Im Mai erhielten wir die Information, dass das Landratsamt in Weil am Rhein wieder eine Gemeinschaftsunterkunft (GU) einrichtet. Im September war es dann soweit, die ersten ukrainischen Mütter mit Kindernzogen in die neuenContainereinheiten in Haltingen ein, aber auchFlüchtlinge aus anderen Ländern. Die Tatsache, dass es Flüchtlinge nicht nur aus derUkrainegibt,ist bei vielen Menschen in den Hintergrundgeraten. An manchen Stellen scheinendiese Flüchtlingesogar wie in einer Warteschleife zu sein. Als Helferkreis dürfen wir diese Flüchtlingenicht vergessen. Ihre Betreuungmuss gleichwertig mitberücksichtigt werden Gernewärenwir, wie 2015, mit einem bereiten Helferteam für die GU in Haltingen von Anfang an dagewesen. In dieser Welle müssen wir es in kleinen Schritten machen. Wir sind auf Abruf durch die Heimleitungda, und eineHausaufgabenbetreuung einmal die Woche hat gestartet.

Unterstützung im „Paragrafen-Dschungel“

Im Projekt „Flüchtlinge in Ausbildung“werdenAuszubildende unterstützt. Über jede erfolgreicheAusbildung freutsich der Willkommenskreis. Aber der Unterstützungsbedarf besteht auch überdie erfolgreicheBeendi-

gung einerAusbildunghinaus. Besonders die Unterstützungim„Paragrafen-Dschungel“ ist unbedingt nötig, denn davon profitieren auch die Arbeitgeber. Mit einem Mitarbeiter in einem gesicherten Flüchtlingsstatus könnensie verlässlicher planen.

Im Oktober fand das Quartierfestander August-Bauer-Straße statt. Eine tolle Gelegenheit zu zeigen, dass die Herkunft derFlüchtlinge in Weil am Rhein sehr vielfältig ist. Lokale Spezialitäten aus Gambia, Afghanistan und der Ukraine wurden angeboten. Vom Erdnussbuttereintopf über Reismit Gemüse bis zu süßen Teigtaschen erweiterten wir das Essensangebot.Für Flüchtlinge und Helfer war es wieder einmal nach langer Zeit eine gemeinsame Aktion, in deren Vordergrund nicht Migrationsproblemestanden, sondern manwollte anderen Menschen einfach eine Freude bereiten.Das Lob fürs tolle Essen, glückliche Gesichter und gute Gespräche bestätigten: Es war ein voller Erfolg.

Geschenke zu Weihnachten Eine riesige Freude machten die Zweitklässler aus Eimeldingen den Kindern in der GU Haltingen. Sie verschenkten zu Weihnachten ihr ausgedientes Spielzeug, und auchder Weihnachtsbaum aus der Grundschule Eimeldingen fand seinen Weg in die GU Haltingen.

Gerne hättenwir mehr solcher Momente der Freude und des Miteinander organi-

siert. Aber dazu braucht es Menschen,die helfen und Führung übernehmen.Bleiben wir ein kleiner Kreis, werden wir in der Flüchtlingsarbeit nur das Notwendigste schaffenund die schönen Möglichkeiten der Vielfalt leider verpassen.Deshalb: Ideenund Hilfe sind jederzeit willkommen.

Die autorin

Bieber-Wlaschny

Die 66-Jährige ist seit Anfang 2015 im Weiler Willkommenskreis tätig. Nach einem aufregendem Berufsleben im globalen Marketingist sie nun Rentnerin.InihremBeruf ist sie sehr viel in der Welt gereistund wurde immer und überall gut aufgenommen. Da fand Monika Bieber-Wlaschny, dasssie etwas von diesem Willkommen auch in ihrem Ort zurück geben könnte. Der Willkommenskreis hat ihr die perfekte Möglichkeit geboten, etwas für Menschen zu tun, die warum auch immer hier „stranden“.

Monika Durchden Krieginder Ukraine galtes, einen Flüchtlingsstrom aufzunehmen –auchinWeilamRhein.Foto: Saskia Scherer
| Für den Weiler Willkommenskreis hatten sich die Anforderungen an die Hilfsleistungen schlagartig verändert
Flucht
Der Willkommenskreis etablierteauch einen Treffpunkt zum Austausch fürGeflüchtete. Foto:SaskiaScherer
Die fleißigen Helferinnen vom Willkommenskreis Weil am Rhein um Koordinatorin Monika Bieber-Wlaschny (links) beim sortierender vielen Sachspenden, die im Rathaus eingingen. Foto: Bähr 31.Dezember 2022 ·Nummer303
SONDERVERÖFFENTLICHUNG Jahresrückblick 2022 –Weil am Rhein Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung ·Samstag,

„Das Gesicht der Stadt wird sichverändern“

freundlichere Fortbewegungsmittel zu motivieren.

Weil am Rhein. Es istbesser, einen Schritt zu tun, als über 1000 nachzudenken –ich weiß nicht, von wem dieses Zitat ist, es kommtmir aber sofort in den Sinn, wenn ich auf das vergangene Jahr zurückblicke.

Vielleicht deshalb, weil die Diskussionumdie Einführung der Fußgängerzone in der Hauptstraße das im wahrsten Sinne bewegendste ThemainWeil am Rhein war. Für michpersönlich begann diesesThemabereits im Dezember2020. Ich besuchtezum ersten Mal Weil am Rhein und schlenderte den Innenstadtbereich vom SchlaufenkreiselinRichtung Sparkasse entlang Warum gibt es hier eigentlich keine Fußgängerzone?“, war mein erster Gedanke. An diesem Tag wusste ich noch nichts von den vielen verschiedenen Planungen, Diskussionen und Gesprächen, die seit Jahren mal mehr und mal weniger emotional über dieses Thema geführt wurden.

Im Mai 2022 haben Gemeinderat und Verwaltung dann den Mut gefasst, dieses Themakonkret anzugehen, was aufgrund der langen Vorgeschichte aus meiner Sicht schoneinen großen Erfolg darstellt. Zeigt es doch, dass Menschen in der Stadt leben,die mit dem Status Quo nicht zufrieden sind. Menschen, die etwas verändern, die etwas gegen die qualitative Verschlechterung des Einzelhandelsangebots bis hin zum Leerstand tun wollen. Ein „Weiter so“ oder ein „das haben wir aber schon immer so gemacht“ ist für sie keineLösung

Attraktive Adresse Sicherlich mag es auch andere Meinungengeben,Meinungen,die deutlich zu verstehengeben, dass eine Fußgängerzone zwischen Schlaufen- undSparkassenkreisel keine Zukunft hat. Wir nehmen dieseAnsichten ernst, stellen uns den Ängsten und Sorgen, zeigen allen Interessiertenunsere Lösungsvorschläge und Antwortenauf. Dabei geht es für uns,und in besonderemMaßeauch für mich persönlich, nicht darum Rechtzuhaben oderes besserwissen zu wollen. Es geht einzig darum,durch gezielte städtebauliche Maßnahmen eine Verbesserung zu bewirken und dem gefährlichenTrend mit einseitigen

Nutzungen sowie Verlust von Attraktivität und Image entgegenzuwirken. Der zentrale Abschnitt der Hauptstraße soll wiedereine attraktive Adresse für Ansiedlungen werden.

Motivationsschub

Das Thema Fußgängerzone hat innerhalb des Gemeinderats und der Verwaltung zu einem Motivationsschubgeführt. Ich freue mich darüber,welche Ideen geboren werden, mit welcher Kreativität gearbeitet und mit welch enormen Einsatz diesesProjekt, das für die städtebauliche Zukunft der Innenstadtvon entscheidender Bedeutung ist, vorangetrieben wird. Mich macht es daher auchein wenig stolz,wenn ich sehe, dass nachvielen Worten nun Taten folgen sollen. Es ist eben besser, einen Schritt zu tun, als über 1000 nachzudenken.

Viele Menschen haben den MutzuVeränderung,gehen mit positiven Gedanken diese Herausforderung an.

Mein zweites Jahr als Bürgermeister dieser Stadt war mein erstes mit Außenterminen. Kontakte gab es im Jahr 2022 daher viele, obwohl zu Jahresbeginn,wie auch im letzten Jahr, dieCorona-Pandemie den Alltag bestimmte. Die durch die Pandemie resultierenden Personalausfälle, der Fachkräftemangelund gravierende Lieferengpässe stellen für michals verantwortlicher Baudezernent bis heute eine herausfordernde Aufgabe dar.

Tiefer Einschnitt

Der 24. Februar, als russische Truppen die Ukraine überfielen, war für mich ein weiterer tiefer Einschnitt. Dieser Krieg zeigt uns anschaulich, wie verletzlich unser europäisches System ist. Die spürbaren Folgen sind neben einer echten Energiekrise,Inflation und Flüchtlingsströmen, eine tiefe,zusätzliche Verunsicherung in der Bevölkerung. Eine Situation, die nicht einfachist, der wir uns aber stellen müssen. Letztlich bin ich zuversichtlich, dass wir auch diese Herausforderung meistern.

AproposHerausforderung: Heute müssen wir uns ganz anderen Aufgaben stellen, als es unsere Eltern taten. Es geht um Nachhaltigkeit, um den Schutz unseresKlimas, um die Zukunftunseres Planeten.

Nicht nur bei uns in Weil am Rhein wird es darumgehen, Lebensweisenanzupassen und liebgewonnene Gewohnheiten aufzugeben.Allen dürfteklar sein, dassdie Energiereserven fossiler Brennstoffe begrenztsind und der Raubbau an unserer

Umweltaufhören muss. Wir sollten uns klar werden, was für eine Erde wir unseren Kindern hinterlassen möchten.

Aber was heißt das genau für uns? Ähnlich wie andere Städte in der Region, Basel beispielsweise, müssen wir uns die Fragenach unserem Mobilitätsverhalten stellen. Wir müssen weg vom motorisierten Individualverkehr und hin zu einemnachhaltigen,öffentlichen Personennahverkehr, zu mehr Fahrradnutzungund Fußwegen. Dafür brauchen wir nicht zwingend neue Straßenund Wege, sondern sollten eine Nutzung ermöglichen, bei der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigtsind.

Mit der Veränderung der Parkgebührensatzung konnten wir einen kleinen Schritt in Richtung Mobilitätswende vollziehen. Die Gebührenhöhe für Anwohner ist nun abhängig von der Größe eines Fahrzeugs und seiner Antriebsart. Das ist gerecht,da größere Autos mehr Fläche verbrauchen, öffentlicheFläche, die für alle Bürger zugänglich sein soll. Die Leitidee dahinter ist, Anreize zur Nutzung umweltfreundlicher Autos zu schaffen oder gleich zum Umstieg aufklima-

Parkgebühren alleine werden jedoch nicht reichen. Wir brauchen aufgrund des Klimawandels und den immer wärmeren Temperaturen eine Aufwertung unserer Wohnquartiere mit mehr Grün und Beschattung Gleichzeitig müssen wir die fortschreitende innerstädtische Versiegelung stoppen und wo möglich zurückbauen. Es gilt, den zukünftigen Hitze- und Unwetterbelastungen gerechtzuwerden und in besonders belasteten Bereichen „Oasen“ zu schaffen. Alles zusammen wird am Endezueiner Verbesserung unserer Lebens- und Aufenthaltsqualität führen.

Ein weiteres Themaist die klimaneutrale Wärmeversorgung. Seit Jahren schon verfolgen wir als Stadtdiesen Ansatz.Unsere Stadtwerke bauen das Fernwärmenetz, welchesbereits jetzt zu 45 Prozentklimaneutral betrieben werden kann, konsequent aus. Das ist das richtige Instrument und der notwendige politische Fingerzeig, der von einer öffentlichenNetzversorgung ausgehen muss: Es gilt, rasch den Schalter von fossilen Energien auf CO²-neutrale, erneuerbare Energien umzulegen.

Schritte gehen 2040 wollen wir in unserem Land klimaneutral sein. Dieses Ziel erreichen wir nur, wenn wir ab sofort einengesunden Pragmatismus an den Tag legen. Wir müssen uns daher wieder trauen, Schritte

zu gehen, die nicht mehr zu 100 Prozent perfektdurchgeplant sind. Schritte, die nicht in allen Punkten zielkonform sind und nicht immer alle Details und Bedürfnisse berücksichtigen.Nur so gehen wir weiterund haben die Chance unsere Zukunft lebenswert zu halten Das Gesicht der Stadt wird sich in Zukunftverändern. Wie es sich verändert,liegt dabeianuns allen.

Der Autor

Der 54-Jährige ist seit Juni 2021 Bürgermeister der Stadt Weil am Rhein. Der gelernte Architekt arbeitete zuvor als technischer Leiter der Waldhaus-Brauerei, davor war er zwölf Jahre lang Leiter des Hochbauamts von Waldshut-Tiengen,ab2014erster Beigeordneter der Stadt. Ende März 2021 war Gruner dann vom Weiler Gemeinderat zum Beigeordnetengewähltworden,erkonnte sich mit 17 zu neunStimmen gegenseinen Mitbewerber durchsetzen.

Für Bürgermeister Martin Grunerwar die Diskussionumdie Einführung der Fußgängerzone dasimwahrsten Sinne bewegendste ThemaimzuEndegehenden JahrinWeil am Rhein.Foto: SaskiaScherer n Von Martin Gruner Verwaltung | Fußgängerzone, Krieg, Energiekrise –Viele Themen haben Bürgermeister Martin Gruner umgetrieben Beim Info-Standzur geplanten Fußgängerzone: MartinGruner (Drittervon rechts) im Gesprächmit BürgernFoto: Mirko Bähr Auch
dasThema Energietreibt dieStadt um. Foto: Scherer
Martin Gruner
·Nummer 303 Jahresrückblick 2022 –Weil am Rhein Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
SONDERVERÖFFENTLICHUNG ·Samstag, 31.Dezember 2022

Kohl(e)kraft und Kerzenschein

Feuer unterm Hintern

Auf niedrigster Gasflamme: So köcheln seit Jahr und Tag die Ausbaupläne für die drei Knoten an der B317 dahin. Ein klein bisschen heißer wird’s jetzt doch: Das Straßenbauamtmachtzumindest im Ost en mit der Hangentwässerung bei chen den erstenSchrittfür den euzungsfreien Umbau der Anbindungzur B518. Derweil gibt es im Westen beim viel unfallträchtigeren Knoten Mitte,weiter nix Neues. Vielleichtsollte die Stadt den zuständigen Instanzen mal was auf die Mütze geben oder –allen Energiepreissteigerungen zum Trotz -Feuer unterm -na, wissen schon -Hintern machen

Ölbohrinsel

Ein teures Vergnügen: Nein, die Rede ist nicht von Heiz- oder Stromkosten, sondern vielmehr von den neuen Parkgebühren in der Innenstadt. Während die Stadt dieTarife im bislang eher stiefmütterlich beachteten Uehlin-Parkhaushalbiert, schlägt sieinder so genannten Kernzone schlin ist insel Kohl so tig in die Kasse wie bei den Ölschei Katar

Kino-Kraft

Die Schließung des Scala-Kinos und Pläne,das Areal zu überbauen, sorgen bei Cineasten für Ärger. Sie wollensich dafür einsetzen, dass das alte Lichtspieltheater erhalten bleibt. Es könnten dann weiterhinFilme gezeigt werden wie wende“, bellio gie“ durch Energie che, fest.

Warmherzig

Holz der Hütte

endlich neues wahres Schmuckmaroden Altbaurin des Gelän600 000 Euroan Millionen Euro Den Restbringen –mit Hilfe von Zuschüssen und von Sponsodurch Spenden evon 265 000 osicherstellen dass der Verein für sein Mammutprojekt genügend Holz vor der Hütte hat.

Kerzenschein

Um Energie zu sparen, hängt die Stadt keine Weihnachtsbeleuchtung auf. Adven ne Lichterschmuck gewöhnungsbedürftig, und mancheiner, der sich sonst über ein Zuviel bei der Lichterket tenausbreitungbeschwert, vermisst sie jetzt. Damit die Stadt nicht in der Be leuchtungslosigkeit versinkt, lädt der Gewerbeverein zum Lichterfest ein. Zum LED-Kerzenlichterfest.

Die lieren

Und: Es wirdauch wieder geblitzt. Lichtenergie gegen Verkehrssünder sozusagen.Grelle Blitze gegen Raser. Was zur Folgehat: Aus dem ird abgezo-

Die Schockwellendes Ukraine-Kriegs bekommenauch die Einwohner der Markgrafenstadt hautnahzuspüren. Dass –angefangen bei Gas und Strom, Kraftstoff und Lebensmitteln -auf breiter Front die Preisesteigen,ist nur das eine. Viel lionen Ukrainer schon kurz nac suchen Familie inSchopfheimS privat unter, füra Festhalle Fahr zur Verfügung. 2023 sollen ger-Heim noch Geflüchtete Platz finden.Für die Kinder gibt Platz in Kitas und Schulen, manc ihrer Eltern finden sogar Arbeit– so viel Warmherzigkeit lässt selbst in der Energiekrise keinen kalt.

Wasserkraft

Pure Energie verspürt, wer seinem Körper etwas Gesundes tut und schwimmt. Damit das so bleibtund das Höhenschwimmbad auf der Schweigmatt erhalten bleibt, gründ die Badliebhabe Fördervereinu setzen ihre ganze Energie ein, um das Bad Top-Form zu bringen. Wasserkraft, die mit Unterstützung Stadt dazu führt, Zukunft des Bads fürzwei Jahre gesichert ist.

Abschalten

Ach, waren das noch Zeiten, als „Montagsmaler“ für TV-Unterhaltung sorgten. Statt dessen machen deren moderne Wiedergänger mit schrägen Parolen Randale -indem sie als so genannte „Montagsspaziergänger“ über die vermeintliche Corona-Diktatur schwadronieren und mitihrem verschw theoretischen CO politische Klimav schade: Atom kannman den Stecker ziehen,solch wirrem Gefasel leider nicht. für eine Energie schwendung!

Kraftpaket

Keine Energie

Null Energie verbraucht hat so mancher währendder Lockdown-Phase wegen Corona. Die Pandemie spielt noch weit hinein ins Jahreine Rolle, die Kita Langenauzum Beispiel muss komplett dichtmachen wegen zu vieler Erkrankungen. Auch der Energiegehalt der Veranstaltungskalender ist nahe punkt. Bis die Regeln gelockert werden, es Frühjahr. Dann sorgt die Sonnenenergie wieder für sinkende Ansteckungszahlen

Synergetisch

Energien bündeln, Synergienschaffen:Darum geht es bei den Stadtentwicklungsprogrammen (Isek) und Schopfheim-West. Nicht Bauvorhaben einzeln betrachten, sondernimgroßen Kontext. Das will die Stadt wuppen-und kommtdamit bei den Bürgern gut an. Dass Macher damit Ortsteile und zuhödort der drückt, uf positiResonanz. Vorhaalsomit hohem Energiegehalt – hier wirddie Stadtder Zukunft geplant.

Ein Energiebündel vor dem Herrn:Klaus Fleckwird 80. Der frühere SchopfheimerBürgermeister feiert bei bester körperlicher und geistiger Verfassung seinen runden Geburtstag –und bekommt neben jederMengeBlumen, Glückwünschen und Geschenken der Stadt oben-

AmtsRathaus Markierte,

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Jahresrückblick 2022 –Schopfheim
Rückblick | Schopfheim im Krisenjahr: Energiebilanz ziehen die Stromableser Petra Martin und Werner Müller

Vulkan

Hausdrache

es Volkszorns Kompromiss wird aber Schwertlinien und Teichbinzen bepflanzt. Die sorbei immerheißeren Somrbessere ng –der sbruch bleibt aus.

Windjammer

MehrPfuus:Die Windkraftgegner aus Gersbach und ihre Gesinnungsgenossen aus dem Kleinen Wiesental blasen zum geSie wollen ihre bündeln und ehr Power eineinem lauen Konteine Windhose alles mitreißt, was –außer dem Rotnatürlich.Doch weiß, in diesen der unwiderruflichen Energiede geht vielleicht sogar den selbst ernannten on Quijotesirgendwann ein (Wind-) Lichtlein auf und sieblasenihr Wind(ge)jammerab.

Antriebsenergie

Mit hoherAntriebsenergie ist der neue Beigeordnete gestartet. Nach dem Rücktritt von EddiMutter wird Stadtplaner ThomasSchmitz in das Amt gewählt. Der junge, aber erfahreneund hoch qualifizierte Mitarbeiter derStadtverwaltungund Isek-Wegbereit steht für einen überzeug wie tion sich derat Ein werk für verw

Ölsardinen

Eins ist genug: Die Markgrafenstadt braucht kein weiteres Gymnasium. Obwohl das THG aus allen Nähten platzt–fürs neue Schuljahr haben sich sage und schreibe 185 Sextanerangemeldet -, kommt für den Gemeinderat ein zweites Gyminicht in Frage. Statt dessen wollen Schule und Stadt mit Containern, multifunktionalen Räumen und Wanderklassen, die den Campus-Neubau nutzen, dafürsorgen, dass die Pennäler künftig nicht wie die –energiereichen –Ölsardinen fürs Abi büffeln müssen.

Energieriegel

Kein Hemd Kein Zunftabend und kein Umzug Na wenn schon! Dannmachen die Fasnachterwährendder fünften JahreszeithaltRemmidemmi im eigenen Stall.Der Rücktritt oderDann-Doch-Nicht-Rücktritt des Oberzunftmeisters bringt die Narrenschar nicht nur zum Schunkeln, sondern-getreu ihrem Schlachtruf-schier „außer Randund Band“. Doch dem drohenden Tohuwabohu schiebt der neue Aruba-Energiebolzen Frank Pfeiffer einen –nawas wohl?Energieriegel vor.

Aufschubenergie

Existenz-Energie

Kaum mehr Und die stehe müss einkaufen helfen telmit re schen

Wegen fehlenderRechtssicherheit für eine Reihe von Bauten auf dem Geländedes Golfplatzes gibt es Diskussionen im Gemeinderat. Schließlich einigt man sich auf die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Es könnenalso wieder Eisen zum Abschlag mitgebracht und dann die Golfbälle zügig eingelocht werden.

Bremsenergie

gebremst werden Autos, die Hauptstraße durch enstadt fahren. Für teuer es der Gemeinderat bewerden Baumbottiche angeUmriss der Altstadt haben. und nicht am Kreuzungstdie Ausbremsungdes s–Fußgänger sollen es und leichterdie Straße ineFußgängerzone gibt sund nichts Ganzesalso? Die Praxis wird es zeigen.

Doch kein Ladenhüter: Nach jahrelangem Schattenboxen mit finaroden en, tt“ zuNeuInnennden uns und kenden zu Öl-, Pellet-

Ruf-Energie

Der City-Bus kommt,wennerbestellt wird. „Ondemand“ heißt das Konzept,mit demder klassischeFahrplan abgelöst werden soll. Allerdings bedingt sich der Gemeinderat noch Bedenkzeit aus. Erst sollen die genauen Kosten fürdiese neue Art der Nahverkeh den Tisch. men die Stadt räte doch zu. Bus auf –den davon ange nioren und Pendler haben.

Rohrkrepierer

Erinnert irgendwie an das Nordstream 2-Debakel: Als Heilsbringer fürdie kriselnde Ärzteversorgunginder Markgrafenstadt auserkoren, entpuppt sich das Medi-MVZ schon kurz nach dem Startals Rohrkrepierer. Von neuen,jungen und zusätzlichen Doktoren keine Spur, die Patienten müssen Knebelverträge unterschreiben und suchen scharenweisedas Weite, so sie noch irgendwohausärztlichen Unterschlupffinden.Und so ist es mit der hiesigen Ärzteversorgung wie mit der nigelnagelneuen Erdgaspipeline in der Ostsee–sie hat ein riesengroßes Loch.

Dr. med. Energie

Von Hausen nachSchopfheim: Die Gemeinschafts-Praxis eröffnet in der Roggenbachstraße das neue Ärztehaus –und ein Run auf Termine setzt ein. Nun will die Arztpraxis sogarpersonell aufstocken, denn der Ärztemangel in der Stadt führt zu Versorgungslücken.Anders alsbeim Gasmangel geht es hier aber direkt um die Gesundheit von Menschen –nicht nur von deneninder (Midlife-)Crisis. Das Personal rackert sich ab –eine Symptomatik,die zu einer Energiekrise anderer Art führen kann.

Kohl(e)kraft

So schnell dreht dem Hof Dinke den Saftab. Der landwirtschaftl zeigebetrieb lässt sich von der Umstrukturierung des Markus-Pflüger-Heimsnicht das Land –und nicht den Schneidabkaufen.Im Gegenteil. Der Biohof mit sozialerKomponente (er beschäftigt 15 Menschenmit Betreuungsbedarf) geht in die Offensive und schmiedet Pläne eine längst überfälligeErweite ökologischer Betriebmit Modellcharakter und „vollautarkem Energiekonzept“. Kraft aus Kohl stattaus Kohle!

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Jahresrückblick
BebenimBifig: Die Stadtwill den Seitenkanal in „Klein-Venedig“zuschütten, weil dieser bei Niedrigwasser in der Wiese immer wieder trocken fälltund Fischsterben verursacht. Die Anwohner sammeln Unterschriften und laufen Sturm gegen die Pläne.Esbrodelt am

Hohe Investitionen für neueWärmenetze

sen untergebrachtwaren.

Kleines Wiesental. Für einen im Kleinen Wiesental lang gehegten Wunsch gab es in diesem Jahr den Baustart: das Dorfgemeinschaftshaus in Wieslet. Aber kaum begonnen, ruhten die Arbeiten auch schon wieder, weil dieses Projektauch nicht von den Lieferproblemen am Bau verschont ist. Dennoch hofft Bürgermeister Gerd Schönbett, dassesmit der Einweihung in genau einemJahr noch klappt.

Das Jahr im Kleinen Wiesental begannmit einem Schock. Nach fahrlässigem Umgang mit Feuer durch einen zehnjährigenSchützling der Jugendhilfe-Einrichtung Belchenhöfe brannte der Ebereschenhof in Neuenweg ab.

Dadurch wurde einer von fünf ehemaligen Bauernhöfenzerstört, in dem Kinder aus schwierigen Verhältnis-

Für die Acht- bis 14jährigen war der Verlust des Zuhauses auf Zeit ein Trauma.

Zwei Konsequenzen folgten auf den Fuß. Der junge Brandstifter musstedie Einrichtung verlassen, während die anderenKinder auf dem Dachshof bei den Unteren Belchenhöfen untergekommensind. Die liebevolle Atmosphäreder anthroposophisch orientierten Einrichtung ist allgemeinanerkannt.

Welle der Hilfsbereitschaft nach dem Brand Wie sehr sieauchinder Nachbarschaft geschätzt werde, hat das Betreiber-Ehepaar Joedecke erst in der Krise gemerkt: „Es gab eine Welle der Hilfsbereitschaft.“

Volker Joedecke gibtsich optimistisch und strahlt Zuversicht aus, wenn er sagt: „Wir wollen das Haus in zwei Jahren wieder beziehen können.“ Christine Joedecke

abschließend: „Wir blicken nach vorne.“

Ihren Abschluss haben die Sanierungsarbeiten an der Halle in Tegernau gefunden Nach dreijähriger Bauzeit strahltdie Halle am Schulzentrum fast wiederwie neu.

1,75 Millionen Euro wurden investiert, darunter 76 000 EuroSportstättenförderung, 364 000 ELR-Mittel sowie 800 000 Euro aus dem Ausgleichstock.„Man muss die Maßnahme im Gesamtpaket sehen“, erklärt Bürgermeister GerdSchönbett. Für die Baumaßnahmen an Schule, Werkhof und Wärmenetz wurde der stolzeBetragvon 7,5 MioEuro aufgebracht.

Wenndas Wärmenetz in Wieslet im nächstenJahr steht, kann die Gemeinde 80 Prozent der von ihr benötigten Energie regenerativ erzeugen.

DochSchönbettgibtsich damit nichtzufrieden. Eigentlich sollte in diesemJahrein Energiemanagereingestellt werden. „Leider gab es keine Bewerbungen“, bedauertdas Gemeinde-Oberhaupt.Folge: beim Aufbau vonPhotovoltaikanlagenauf kommunalen Dächern hakt es.

Dabeiwäre geradedas

Schuldach ideal. Angesichts nahezu verdoppelter Stromkosten erwägt Schönbett, nicht auf das PV-Gesamtkonzept zu warten.Erwill vorzugsweiseauf dem Schuldach Sonnenenergie produzieren. Dieerforderlichen 100 000 Euro seienallemal besser angelegt als ein ähnlich hoher Preis für eine Parkplatz-Gestaltung am Nonnenmattweiher, um dort Parkgebührenerheben zu können.

Bürgerbus bringt Bewegung ins Tal Da dieGemeindeohnehin auf ein Besucher-Lenkungskonzeptdes Biosphärengebiets wartenmuss, gibt es aktuell auch keine Dringlichkeit. Und bei einem erwarteten Defizit von 300 000 bis 400 000 Euro im kommenden Jahr wachsen die Bäume nun mal nicht in den Himmel Positiv ist für die Gemeinde, dasssie nicht vom Aus-

baustoppdes Zweckverbandsfür die Verlegung von Glasfaserkabeln betroffenist. So wurden dieses Jahr Bürchau und Wambachmit dem Kabel erschlossen, in Holl und Langensee wird gebaut und Elbenschwandvorbereitet. In Sallneck hakt der Ausbau derzeit, weil der Ortsteil ebenfalls ein Wärmenetz schaffen will und die Planungen noch nicht abgeschlossen hat.

Im Tal kommtimnächsten Jahr noch mehr Bewegungin Fahrt. Dann soll der Bürgerbus Senioren zu Arztbesuchen nach Schopfheim oder Lörrach bringen. Wichtig ist dem Bürgermeister: „Es wird nur bei Bedarfgefahrenund keineheiße Luft produziert.“ Komplettist seit Jahresende auch wieder der Fuhrpark der Feuerwehr Kleines Wiesental, nachdem in Tegernau Ersatzfür ein verunfalltes Löschfahrzeug gefunden werden konnte.

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Jahresrückblick
um
Ein Schock war das große Feuer am Ebereschenhof im Märzin Neuenweg, dernun vonder betroffenen Jugendhilfe-Einrichtung wiederaufgebautwird. Der große Wurf soll das DorfgemeinschaftshausinWiesletwerden,hierder SpatenstichimApril. Trotz Verzögerung am Bau durch Lieferprobleme hofft die Gemeinde, denMehrzweckbauineinem Jahr einweihen zu können. Fotos:Gerald Nill n Von Gerald Nill Energie | In der Gemeinde Kleines Wiesental wurden und werden zahlreiche Bauprojekte umgesetzt Bürgermeister Gerd Schönbett ist nichtunzufrieden mitder Situation im KleinenWiesental

Kima sagt adieu, Nachfolger ist Littwin

Hasel. Sich mal ein Jahr zu gar nichts verpflichten, darauf freutsich HelmutKima, der nach 24 Jahren als Bürgermeister von Hasel zum Jahreswechseldie Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Frank-Michael Littwin abgibt. Er lässt keinen Zweifel, dass er geordnete Verhältnisse überlässt. Auch im letzten Jahr gab es nochmal Baustellen zu regeln,aber unaufgeregt, wie es die Art ist von Helmut Kima.

50000 Euro-Investition

Zu den besonderen Veränderungen in diesemJahr gehört die Wiedereröffnung der Erdmannshöhle mit einem Besucher-Leitsystem,das eine führerlose Besichtigung derspektakulärenUnterwelt erlaubt. Kima fühlt sich der Erdmannshöhle besonders verbunden und berichtet, dass der personelle Engpass an Höhlenführern sich in der Corona-Zeit noch verschlimmert hat. Deshalbhabe sich die Gemeindezueiner 50 000-Euro-Investition entschlossen und ein Leitsystem mit Infotafeln, Ampelschaltung an Engpässen und Videoüberwachung von einer internationalen Fachfirma installieren lassen, das Gästen einen Besuch ohneBegleitung ermöglicht.

„Wir warenanfangs skeptisch,obdas funktioniert“, gesteht Kima. Jetzt ziehtder scheidende Bürgermeister ein klares Fazit: Die Investition und die neue Regelung haben sich bewährt. „Anders hättenwir die Führungen auch gar nicht mehr hinbekommen“, spricht Kima von einer alternativlosen Neuerung.

Höhle mit Ampel

DieResonanzder Höhlenbesuchersei fast durchweg positiv bis begeistert.Früher seien auchschon mal 30 Besucherund mehr einemFührer gefolgt. Das sei für ein gelungenes Höhlenerlebnis nichtimmer förderlich. Ganz abgesehenvon den Wartezeiten, wennBesucher nicht zur vollen Stundeerschienen. Jetzt können die Interessenten frei eintreten, auch mal vor und wieder zurück Und wenn es der Enkel wünscht, auch dreimal zurück, um alle versteckten Erdmännchen zu finden.„Jeder kann verweilen,wie er will“,nennt Kima den Hauptvorteil. Ein Ampelsystemin der Höhle ermögliche unkompliziert das Passieren einer Engstelle. Sonderfüh-

rungen für Gruppen und Schulklassen seien aber nach Voranmeldung weiterhin möglich,betont der Bürgermeister. Selbstjetzt in der Winterzeit, in der die Höhle offiziell nochbis Palmsonntag geschlossen ist. Fledermäuse überwintern übrigens nicht in der Erdmannshöhle.

Fazit: Auch betriebswirtschaftlich läuft der Höhlenbetrieb jetzt besser als zuvor.

Tagebruch am Bach Geklemmt hat es in Hasel in diesem Jahr beim Breitbandausbau, der bereits im Vorjahrbegonnen worden war. „Das lief nicht glücklich“, räumt Kima ein. Eine andere Dauer-Baustellesorgte im Landratsamt für mehr Aufregungals vor Ort. Am Hasel-Bach trat ein sogenannter Tagebruch auf.Wie am Schammerbach versickerte das Bachwasserund Löcher wurden zunächst provisorisch mit Sandsäcken abgedichtet, damitdie Fische im Bachnicht auf dem Trockenen saßen.Aber auch die Fahrbahn der Kreisstraße wurde teilweise unterspült, so dass Straßenbauarbeiten erforderlich wurden. Kima bliebgelassen, da jederHasler wisse, dassimUntergrund Klüfte und Hohlräume

Bürgermeister Martin Bühler vor demRathaus. In einem halben Jahr räumt er dort denChefsessel Fotos: Gerald Nill

Vieles zum Abschluss gebracht

Abschied | Rückblick auf das letzte Jahr von Martin Bühler als Bürgermeister

n Von Gerald Nill

Hausen Zum letzten Mal in seiner 24-jährigen Amtszeit kann HausensBürgermeister Martin Bühlerauf ein Jahr in seiner Gemeinde zurückblicken. Es ist eine positiveBilanz, zumal mit der Einweihung des Pflegeheims an der Wiese erst kürzlich ein lang gehegtes Wunschprojekt realisiert werden konnte.

Bei einem Festaktsprach Landrätin Marion Dammann Ende Oktober zum einen die Geburtswehenbei der Planung des Pflegeheims an, war andererseits aberüberzeugt, dass für die Bevölkerung „ein wunderbares Angebot“geschaffenwerde. Aktuell erfolgt der Bezug der zwölf Millionen teuren Einrichtung für 60 Bewohner

nern genutzt werden solle. Rückblickendäußert Bühler sein Unverständnisüber den anfänglichen Protest gegen die Einrichtung. „Was michjetzt persönlich freut, ist das große Interesse der Hausener und die vielen Anmeldungen.“ Bühlerweiter: „Dass die Heimplätzevon den Bürgern belegt werden, war meine große Hoffnung.“ Positiver Nebeneffekt sei, dass durch einenUmzug ins

rand des Ortes in Richtung Fahrnau. Dort entsteht Platz für entweder elf Einfamilienhäuser oder 22 Doppelhaushälften. Aktuell überlegt die Gemeinde, wie sie eine soziale Komponente einbringen und junge Familien bevorzugen kann. Aber bei rund 320 Euro Grundstückskosten pro Quadratmeter,also rund 200 000 Euro für einenBauplatz und galoppierenden Baukosten sowie Zinssteige-

stellen hättenden Bürgerneiniges an Geduld abverlangt, weiß er, aber am Ende stehe eine Infrastruktur, die auf lange Sicht modernisiert sei. Sowohl die Baumaßnahme in der Hebel-als auch die Buddelei in der Bergwerkstraße,die neueLeitungen fürWasser,Abwasser und Gas gebrachthabe, sei ein „Puzzlespiel“ gewesen. Das lasse sich aber nicht vermeiden in einerStraße, in der „die Hauptleitungen für das ganzeWiesental liegen“.

DasneuePflegeheimdes Landkreises „Haus an der Wiese“

bestehen,die immer mal wieder abschnittsweise einbrechen können: „Für uns ist das fast normal.“

Unddannwar da nochdie Bürgermeisterwahl mitinsgesamt fünf Kandidaten. Nach einemsachlichen und fairen Wahlkampf machte der in Schopfheim lebende Verwaltungsangestellte aus Rheinfelden, Frank-Michael Littwin, der auch schonErfahrungen als Ortsvorsteher in Herten hat, das Rennen. Seit Wochen trifft Kima sich regelmäßigmit seinem Nachfolger und hat auch den Haushalt für das kommende Jahrmit ihm abgestimmt, um für einen reibungslosen Übergang zum JahreswechselimRathaus zu sorgen.

Eine hitzige Debatte Bereits2014 war die Dezentralisierung des Martin-Pflüger-Heimesmit seinen 245 Plätzenbeschlossen worden Von den drei geplanten psychosozialenPflegezentren sollte eines in Hausenentstehen. Doch es regte sich Widerstand bei den Bürgern. „Die hitzige Debattewar lehrreich für uns“, gestand die Landrätin, die sich erleichtert zeigte, dass Hausen sich in einer Kampfabstimmung für die Einrichtung entschied.Nun werde den Bürgern auch etwas zurückgegeben. Zum einen durch 15 Heimplätze, die für den Ort reserviert bleiben, aber auch durch ein Café, das von möglichst vielen Einwoh-

Haus an der Wiese Wohnungen und Häuser auf den Markt kommen. „So können wir an Bestandsimmobilien kommen“, erhofft Bühler sich eine gewisse Entspannung auf dem Wohnungsmarkt. „Damit ist eine positive Sache zum Abschluss gekommen, und ich binpositiv gestimmt“, so Bühler in einemder letztenInterviews seiner Amtszeit. In einem halben Jahr räumterseinen Sessel im Rathaus für einen Nachfolger.

Erschlossen wird derzeit ein Neubaugebiet am Süd-

rungen sind die jungen Familien wohl bald aus dem Rennen, bedauertBühler.

Die Gemeinde habeviel für Kinder getan. Es sei ein Glücksgriffgewesen, sich Kinderbildungszentrum zu beteiligen. Als letzteBaumaßnahme stehe die Freifläche hinter der Sprachheilschule an. Die Aufwertung des Areals, das auch unter der Bezeichnung „neue Ortsmitte“ läuft, habe „Potenzial für die Zukunft“, und Bühler beziehtausdrücklich das Café im neuen Seniorenzentrum mit ein. Die vielen Bau-

„Ein gut bestelltes Feld“ Die Fertigstellung der Bergwerkstraße als „Fahrradstraße“ 2023 sei ein großes Plus. „Die Radfahrer sind zu manchen Zeiten die Mehrheit“, beobachtet der Bürgermeister, der selbst gerne radelt. Und bei einerFörderquote von 90 Prozentsei die Fahrradstraße „ohne Alternative“. Bühler lässt keinen Zweifel, dass er ein gut bestelltes Feldhinterlassen wird. Die Infrastruktursei rechtzeitig erneuert worden: bei den Quellleitungen aus Richtungen Gresgen, bei der frühzeitigen Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED, Wasserzählern per Funk und jetzt auch noch bestellten Notstrom-Aggregaten für den Tiefbrunnenund den Wasserhochbehälter. Fehltnoch: Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden. Insgesamt bilanziert Martin Bühler:„Wir sind richtig gut aufgestellt, und im nächsten Jahr kommtnoch vieles zum Abschluss.“

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Jahresrückblick 2022 –Rund um Schopfheim
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Neuer Bürgermeister vonHasel:Frank-Michael Littwin Foto: zVg DieAufregung wegen einesTagebruchs am Haselbach warim Landratsamt größer alsvor Ort,indem jeder weiß, dass der Untergrund zerklüftet ist. Foto:Gerald Nill

Marc Sutterer verlässt Politik

Steinen. Marc Sutterer,bis dahin CDU-Fraktionssprecher, zieht sich im August aus der Kommunalpolitik zurück. Er habe sich schon länger mit dem Gedanken getragen, sagt Sutterer. Die Arbeit im Gemeinderat nehme immerZeit in Anspruchund werde immer langatmiger. Gleichzeitig erfolgedie Umsetzung derBeschlüsse immer langsamer. Manerreiche immer weniger Ergebnisse. Nun freueersich, wieder mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können. Für Sutterer rückt TanjaHug aus Höllstein in den Gemeinderat nach. Neue Fraktionssprecherinwird SabineGlaser. Sein Amtals Bürgermeister-Stellvertreterübernimmt Dietmar Ernst

Im Ortskern giltTempo30

Steinen Sie stehen schon im Sommer, doch „scharf“gestelltwerdensie erst einige Wochen nach den Sommerferien: die neuenTempo-30-Schilder in der Lörracher, der Kanderner und der Eisenbahnstraße. Bis es soweit war, hat es drei Anläufe mit dem Lärmaktionsplan und ein „zähes bürokratisches Ringen“ gebraucht.

Doch weitere Straßen im Gemeindegebiet sollen folgen,kündigt Bürgermeister Gunther Braun bei der Eröffnung an. Und so gibt es weitere Bestrebungenunter anderem in Weitenau und Schlächtenhaus. Doch auch im Ortskern soll es künftig mit der Verkehrsberuhigung weitergehen, kündigt Braun an. Gedacht ist an die Kirchstraße, die Bahnhofstraße und die Wiesenstraße.

Und über allem steht der Wunsch nach einer großräumigen Ost-Umfahrung der Gemeinde. Einen Schrittin diese Richtung unternimmt

die Gemeindeauchbeim Bebauungsplan Steinen Ost. Kritik gibt es bei den neuen

Tempo-30-Schildern aber auch:Sie hätten durchaus in den Bereichen der Brücke

über dieWieseund an der Turnhalle an der Kanderner Straße nochgelten können

Zukunftdes Schwimmbads bleibt ungewiss

Steinen. Wie soll es weitergehen mit dem Steinener Freibad?Die Frage dürfteden Gemeinderat im kommenden Jahr noch intensiver beschäftigen als im vergangenen Jahr.

Steinen-Schlächtenhaus. Arno Knebelist neuer Pfarrer derevangelischen Kirchengemeinde VorderesKleines Wiesental. Der 1958 geborene Theologe, der vier erwachseneKinder im Alter von 25 bis 35 Jahren hat,kam mit seiner FrauUlrike nach Steinen. Zuvorwar er lange in Baden-Baden tätig.Dort war er unter anderem als Seelsorger Beauftragterfür Flucht und Integration. Zudem war er Klinikseelsorger an vier verschiedenen Kliniken.

In dem heißen Sommer sind 76 000 Eintritte ins Freibad verzeichnet worden. Doch die Anlageist stark sanierungsbedürftig und die Gemeinde bekanntlich klamm. Gegen Endedes Jahres kommt dann noch ein herber Rückschlag: Die Gemeinde ist mit ihrer Sanierungdes Schwimmbads nicht im Bundesprogramm „Sanierung kommunalerEin-

Streit um Scherracker

Baugebiet | Preise und Naturschutz

Steinen-Höllstein DenBebauungsplan Scherrackerbeschließtder Gemeinderat Ende Mai. Anfang November erfolgt der Spatenstich für die Erschließungsarbeiten

des rundeinen Hektar großen Wohngebiets südlich der Friedrichstraße. Dort sollen vier Einzel- und 18 Doppelhäuser entstehen.

Ein Problem bei der Bebauung ist das Wasser. So muss ein Teil der Häuser etwas erhöht gebaut werden, um bei Extremereignissennicht in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Anwohner befürchten, dass der aktuelle Hochwasserschutz nicht ausreicht, und bringen das auchinGemeinderatssitzungen zum Ausdruck. Bürgermeister Gunther Braunwiderspricht und verweist auf Experten.

Uneinigkeit herrscht im Rat Ende November hingegen bei den Grundstückspreisen. Während die Gemeinschaftfür ein lebenswertesDorf den Quadratmeterpreis für das Baulandvon 390 Euro, wie es die Verwaltung vorschlägt, auf 380 Euro senkenwill, setzt die CDU-Fraktion einen Preis von 450 Euro durch.Das Verfahren und das Abstimmungsprozedere werdenallerdings nocheinmal von der Kommunalaufsichtgeprüft, sagt Braun in der letztenSitzung des Jahres.

Wechsel in Weitenau

Steinen-Weitenau. Ulrike Mölbert löst Freya Bachmannals Ortsvorsteherin von Weitenau ab. Bachmann hatte ihr Amt2014 angetreten und war zuvor schon seit 2004 Mitglied des Ortschaftsrats.

Es sei mit ein Verdienst Bachmanns, den in Weitenau sprichwörtlichen dörflichen Zusammenhalterhalten und dabei die Neubürgeraus den in der Vergangenheit entstandenen neuen Wohnbereichen integriert zu haben, sagt Mölbert. Sie bescheinigt ihrer Vorgängerin „150 Prozent Einsatz und viel, vielHerzblut“. Da Mölbert alsOrtsvorsteherin nicht mehr Bürgermeister-Stellvertreterin sein kann, übernimmtStephanMohr den Posten. Er teilt sich mit Mölbert nunauch den Posten als Fraktionssprecher der Gemeinschaft für ein lebenswertes Dorf.

richtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ zum Zug gekommen. Dabei hätte es einen Zuschuss in Höhe von 45 Prozent geben können.

Fürdie Sanierung des Schwimmbads sind mehr als sieben Millionen Euro veranschlagtworden.Dafür hätte es im Lauf der kommenden fünf Jahre ein neues Schwimmer-, ein neues Nichtschwimmer- und ein neues Planschbecken gegeben.

Immerhin: Laut BürgermeisterGunther Braun will derbisherigeBetreiber des Schwimmbads auchweiterhin dort Regie führen.

Ende abgewendet

Einzelhandel | Fenno kann doch bleiben

Steinen. Eigentlich währt das Hin und Her um das „Fenno Kinderparadies“schon mehrere Jahre, aber erst im März wird das drohende Ende des Geschäfts der Öffentlichkeit bekannt.

Weil am Standortvon Fenno der Bebauungsplan keinen Einzelhandel zulässt, muss Fenno schließen, heißt es seitens des Landratsamts und des Regierungspräsidiums. Das Landratsamt setzt eine Frist bis September für den Räumungsverkauf. Doch dagegen regt sich Widerstand. Es gibt Unterschriftenlisten und Online-Petitionen. Bei Sitzungen des Gemeinderats werden Banner hochgehalten, als dort das Thema auf den Tisch kommt. Die SPD stellt den Antrag, einen Grundsatzbeschluss in der CausaFennozufassen: Tenor: Man setzt sich für den Erhalt ein und ändert den Bebauungsplan.

Bereits im April spricht sich der Gemeinderat für eine Fremdkörperregelung aus. Auch eine Ausweitung des Mischgebiets hatte zur Wahl gestanden. Ende des Jahres kommt der Entwurf dafürindie Offenlage.

Das „Fenno Kinderparadies“ an derWiesenstraßeFoto:Archiv

Eigentlich war Fenno als Großhandel für Kindergarten- und Schulbedarf von Benno Feigher, dem Vater der heutigen Betreiberin Lisa Feigher, gegründet worden. Doch die Einkaufsgewohnheiten der Schulen und Kindergärten änderten sich, und Fenno verlagerte sein Geschäft in Richtung Einzelhandel. Sie sei nicht davon ausgegangen, dass das nicht rechtens sei, sagt Lisa Feigher heute.Aber inzwischen habe sie vieles über Bebauungspläne und Kommunalpolitik gelernt. Und sie freut sich über die Unterstützung, die sie erfahren hat.

Drei Frauen leiten Mühlehof

Steinen. Wolfram Uhl,bislang Geschäftsführer des Mühlehof-Seniorenzentrums, wird im April von einem Dreiergespann abgelöst.

Die Verantwortungtragen fortan Nicole Meier, Sandra Schlageter und Karina Wnuk. Die drei waren schon zuvor im Mühlehof tätig und bereits 2021 mit Prokura ausgestattet worden.

Jubiläum im Bauamt

Steinen. Vor 30 Jahren und im Alter von 30 Jahren kam Patrik Riesterer zur Gemeinde Steinen. Seitdem ist er Leiter des Amts für Bauverwaltung und hat an einigengroßen Projekten mitgewirkt und einige Veränderungen miterlebt. Dazu gehört die Digitalisierung.

Ein großes Projekt im Jahr 2022 war für Riesterer, der auch Vorsitzenderdes Personalrats der Gemeinde mit ihren rund 220 Mitarbeitern ist, die Grundsteuerreform. Dafürwurde das Gebiet der Gemeinde in 300 Zonen eingeteilt.

SONDERVERÖFFENTLICHUNG ·Samstag, 31.Dezember 2022 ·Nummer303 Jahresrückblick 2022 -Steinen /Maulburg Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Pfarrer ArnoKnebel mit DekaninBärbelSchäferFoto: Archiv
Arno Knebel ist neuer Pfarrer
Marc Sutterer Foto:Archiv
Patrik RiestererFoto:Archiv
Ulrike Mölbert (links) löst Freya Bachmann alsOrtsvorsteherin von Weitenau ab. Foto:Archiv Verkehr | Im dritten Anlauf gelingt die Beruhigung /Weitere Limits in Planung Im dritten Anlauf desLärmaktionsplansklappt es: Im Ortskern giltauf der Lörracher,der Kanderner und derEisenbahnstraße Tempo30. Foto:Maximilian Müller
Freizeit | Steinen geht bei Förderprogramm leer aus /76000 Eintritte
Die Gemeinde hatbei den Plänenzur Sanierungdes Freibads einen Rückschlagerlitten. Foto: Archiv

AWO-Ortsvereine verschmelzen

Maulburg/Steinen. Mit dem Jahreswechselsind die beidenAWO-OrtsvereineSteinen und Maulburg Geschichte. Sie verschmelzen zu einem gemeinsamen Verein. Der Verein startet dann mit 116 Mitgliedern –76aus Maulburg, 40 aus Steinen –ins neueJahr.

Der Entschluss, aus den beidenOrtsvereinen einen gemeinsamen zu machen, sei in Zeiten der wachsenden Probleme aller Institutionen mit dem Ehrenamt genau der richtige, sind sich bei der Gründungsversammlung Maulburgs Bürgermeister Jürgen Multner und sein Steinener Amtskollege Gunther Brauneinig.

Braun begrüßt das Zusammenrücken der beiden Vereine. Bei der Feuerwehr und im Sport gebe es dies schon länger, sagt Braun.Multner meintmit einem Augenzwinkern, dass mit der ersten Fusion im sozialen Bereich die Mentalitätsgrenze zwischen Maulburgern und Steinenern überwundenwerde.

Neue Vorsitzende ist Ina Pietschmann, ihr Stellvertreter ist Rudolf Steck. Schriftführerin wurde Sabine Brunner, Kassierer Markus Trefzer.

73 neue Wohnungen

Maulburg Mit dem Satzungsbeschluss des Bebauungsplans „Buchmatt II“ macht der Gemeinderat den Weg für ein Bauprojekt frei. Auf der etwa einen halben Hektar großenFläche gegenüber vom ehemaligen Medima-Gelände sollen in vier Gebäuden 73 Wohneinheiten entstehen. Das Projekt hatte den Gemeinderat das Jahr hindurch begleitet. Anwohner hatten kritisiert, dass für den Bau Bäumegefällt würden.

Hilfseinsatz für geflüchtete Ukrainer

Steinen/Maulburg. Hilfsgüter wie Saatgut,Hygieneartikel und Windeln bringen David Schiller und weitere Helfer nachdem Ausbruch des Krieges an die ukrainisch-ungarische Grenze.

Der Steinener ist in Maulburgals Sozialarbeiter tätig. Als ein „Abenteuer fürs Leben“ bezeichnen Schillerund sein Cousin Fabian Jenczak der die Reisebegleitet, die Hilfsaktion, für die es viel Unterstützung örtlicher Firmenund Einrichtungen gibt. Aufder Rückfahrt nehmen sie auchMenschen aus der Ukrainemit.

Tagelang mit Kleinbussen unterwegs

Tagelang sind auch WolfgangKropf, Kurt Winkler, Thomas Baltensberger und Dolmetscher Anton Petenko aus Steinen mit Kleinbussen unterwegs, um Flüchtlinge aus der Ukrainenach DeutschlandinSicherheit zu

bringen. Unterstützung bekommen sie dabeivon vielen Seiten, darunter Unternehmen,die Gemeinde und Vereine.

Statt nach Polen geht es nach Ungarn

Ursprünglich wollen Wolfgang Kropf Verwandte seines ukrainischen Freundes Anton Petenkoaus Warschau abholen, doch diese hatten schneller als erwartet einen Bus nach Deutschland bekommen

Aber der Anfang der Organisation einer solchen Fahrt war schon gemacht, und Kropf und seinedrei Freunde entscheiden sich,trotzdem zu fahren Allerdings nicht nach Polen,sonder quer durch Österreich und Ungarn ins dortigeBeregsurány.

Auf der Rückfahrt bringen sie ukrainische Familien nach München, Freiburg, Baden-Baden und Kandern.

Feuerwehr Maulburg begehtihr 150-jähriges Bestehen

Sicherheit | Auszeichnungen für Kommandanten, Kassierer und weitere Verantwortungsträger

Maulburg Mit mit einem internen Dankesabend mit der Gemeinde Maulburgund mit einem „Tag der offenen Tür“ begeht die Feuerwehr ihr 150-jährigesBestehen. Besondere Ehrung erfahren die Kameraden bei einem Festabend in der Mensa der Wiesentalschule

Neue Schwerpunkte Ganz deutlich sei in den vergangenen Jahrenund Jahrzehnten die Verlagerung des Einsatzschwerpunkts weg von Brandeinsätzen, sagt

Kommandant Dietmar Fink. Technische Hilfeleistungen, etwa bei mehreren Hochwasser-Ereignissen und immer auch bei Unfällen sind seit längerem die meisten Alarmierungsgründefür die Maulburger Wehr,der auch vier Frauen angehören.

Ehrenkreuz in Bronze

Ihren Sitz haben die Wehrleute seit mehr als 25 Jahren auf dem Kähny-Areal und damit in Nachbarschaft zum Gebäude des DRK Maulburg/KleinesWiesentalund

Kirche muss schließen

Religion | Elektrik in St. Paul in desolatemZustand

Maulburg. DieKirche St. Paul wird im Oktober geschlossen. Die Elektrik ist in einem so desolaten Zustand, dass dort aus Gründen der Arbeitssicherheit niemand mehr tätig sein darf. Dazu kommen nochMängel an Fassade und Dach. Die Heizung ist auch noch überaltert und eine Dämmung fehlt.

So steht die katholische Gemeinde vor einem Sanierungsstau, dessen Behebung

mit mehr als einerMillion Euro zu Buche schlagenwürde. Auf der anderenSeitefinden dort bis zur Schließung etwa drei Gottesdienste im Monat. Beieiner Gemeindeversammlung wird die Situation dargestellt.

Das Erzbischöfliche Bauamtstellt in seiner Stellungnahme die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis–insbesondere vor dem Hintergrundder anstehenden

Neustrukturierung der Gemeinden.

Dementsprechend gedrücktist die Stimmungbei der Gemeindeversammlung, die PfarrerMichaelLatzel und der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Wolfram Gniewosz leiten Hintergrund der Schließung war ein Elektro-Check. Bei dem war aufgefallen, dass die Installationnicht mehr dem Stand der Technik entspricht und es mehr Sicherungsvorkehrungen braucht.

Er sei nicht von einem so raschenHandlungsbedarf ausgegangen, sagt Pfarrer Michael Latzel.Das Gebäudekonzept der Gemeinde habe eher vorgesehen, dass man sich der Kirche etwaim Jahr 2030 widmen würde. Diese Ausgaben könne die Gemeindesich in keiner Weise leisten.

Und wenn die Gemeinde die Kirche aufgeben sollte, was passiert dann mit dem Gebäude? Auch das ist unklar. Aber eine Umnutzung unterliege klaren Regeln, machtPfarrerLatzel deutlich. Er geht davon aus,dass bald mehr Kirchenvon ähnlichen Problemen wie die Filialkirche St. Paul betroffen seien.

Jahrezurück

Sänger

Maulburg. Nichtnur die Feuerwehr in Maulburg hat eine lange Geschichte,der ältesteVereinder Gemeinde ist der MännerchorMaulburg mit 180 Jahren.

Unter der Leitungvon Elena Freydkina tragendie 27 Sänger bei der „Geburtstagsfeier“ klassisches Liedgut ebenso sicher vor wie Schlager von Peter Maffay, Karat oderHowardCarpendale Die Vereinsgeschichte sei ein Spiegelbild der Kultur und Geschichte von Dorf, Region und Land. Wichtig sei nicht

nur der Beitrag zum kulturellen, sondern auch zum sozialen Leben, sagt Bürgermeister Jürgen Multner.

Datum nicht gesichert Der Männerchorweist einen ziemlichhohen Altersschnitt auf. Insgesamt kommen 1789 Jahre zusammen Das Gründungsdatum ist urkundlich nicht nachgewiesen. Gesichert durch einen Protokolleintrag aus dem Mai 1843 ist aber, dassein Maulburger Gesangverein an einem Sängerfest in Schopf-

zum kommunalen Werkhof. Bei einer Feier erhalten Kommandant Dietmar Fink und Kassenwart Joachim Sahner das Ehrenkreuz in Bronze des Deutschen Feuerwehrverbandes. Die EhrennadelinGold des Kreisfeuerwehrverbandes Lörrachgeht an den stellvertretenden Maulburger Kommandanten Oliver Fuchs; die Ehrennadel in Silber bekommen der zweite stellvertretende Kommandant Jörg Wagner sowie die beiden Gerätewarte Martin Fink und Heinz Schmidt.

heim teilgenommen habe. Daraus leitet man 1842 als Gründungsjahr ab. Es könnte aber auch schon vorher organisierten Männergesang im Dorf gegeben haben.

Bis 2000 leiten durchweg Männer den Chor als Dirigenten. Mit IbolyaBarla steht von 2000 bis 2015 die erste Frau am Dirigentenpult. Danach übernimmtFreydkina die Chorleitung. Eine seltene Ehrung gibt es für den 83-jährigen HaraldBeck. Er ist seit 65 Jahren aktives Männerchor-Mitglied.

SONDERVERÖFFENTLICHUNG ·Samstag, 31.Dezember 2022 ·Nummer 303
2022
/Maulburg Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick
-Steinen
Krieg | Helfer aus Maulburg und Steinen bringen Flüchtlinge nach Deutschland in Sicherheit David Schiller ist einer der Helfer, diesich nach Ausbruch des Krieges fürMenschen ausder Ukraine eingesetzthaben. Foto:Archiv Die FeuerwehrMaulburg –hierbei einerÜbung –schaut auf 150 Foto:Archiv
Musik | Männerchor blickt auf lange Geschichte zurück
feiern 180-Jähriges
zu seinem
Foto: Archiv
Unter Leitungvon ElenaFreydkina gestaltet derMännerchor MaulburgeineMatinee 180-jährigen Bestehen. Die Elektrikder Filialkirche St. Paulist in einemsodesolatenZustand, dassindem Gebäude keine Gottesdienste mehrstattfinden. Foto: Archiv

Rheinfelden „Vielen Dank. Schön war’s“. Mit diesem Slogan wird das Jubiläumsjahr „100 Jahre Stadt Rheinfelden“ verabschiedet. Die Verantwortlichen und die Macher des Stadtfestes ziehen eine durchweg positive Bilanz.

Insgesamt hat die Stadt Rheinfelden ihr Jubiläum mit 165 Veranstaltungen, 60 verschiedenen Akteuren und 49 Veranstaltungsorten gefeiert. „Gelungen! Und auch außerhalb unserer Stadt wurde gut beobachtet, was wir in Rheinfelden gemacht haben“, lautet das Resultat von Oberbürgermeister Klaus Eberhardt. Er attestierte dem Kulturamt mit Dario Rago und Anika Neugart eine „Top-Leistung“ Bezüglich der finanziellen Situation zieht Eberhardt ebenso ein zufriedenes Resümee.

Förderverein löst sich auf „Für den Haushalt werden wir das Budget voraussichtlich halten können. Die genauen Zahlen werden in der Gemeinderatssitzung am 30. Januar bekannt geben“, kündigt der OB an. Finanzielle Unterstützung, so berichtet Cornelia Rösner, die Vorsitzende der Bürgerstiftung, gab es von der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden mit 10 000 Euro, was elf Projekte, die von Bürgern umgesetzt wurden, ermöglichte.

Der Förderverein sammelte mehr als 106 000 Euro für diverse Projekte. Dazu attestiert der Fördervereins-Vorsitzende Rolf Brugger: „Der Verein wird sich Ende dieses Jahres auflösen. Eine Restsumme von mehreren Tausend Euro befindet sich noch in der Vereinskasse und wird 2023 ausgeschüttet. Der Zweck steht noch nicht fest, aber Ideen gibt es viele.“

Sehr viel ehrenamtliches bürgerschaftliches Engagement hat zudem zum Erfolg beige-

tragen. „Wir feiern gemeinsam “ wurde wörtlich genommen

„Brückenschlag“

Die Kommunikation des Jubiläums wurde durch die Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Ein spannender Bildband dokumentiert nun die Geschichte der Stadt Rheinfelden. Er ist das Werk des Arbeitskreises Geschichte des Haus-Salmegg-Vereins. „Brückenschlag“ unter der Regie des Fördervereins ist eine Hochglanzbroschüre und reicht inhaltlich bis in die Schweizer Schwesterstadt. Ein Werk, das auch nach dem Jubiläum sehr lesenswert ist.

Festliche Höhepunkte „Raus aus den Palästen rein in die Bevölkerung“, lautete die Devise der Veranstaltungsreihe. Damit konnte man die Auswirkungen des Coronavirus größtenteils ausschließen 500 Gäste fanden sich beispielsweise am

„Langen Tisch“ in der Fußgängerzone zusammen, und auf Schloss Beuggen wurde eine ganze Eventwoche mit Konzerten und Kindertag geboten.

Fazit: „Gelungen!“

Die Kombination mit Trottoirfest und Brückensensationen ist überdies geglückt, und auf die Bedeutung der Städtepartnerschaften ging der OB beim Jubiläumsakt ein. Bürgerheimfest und Gewerbeschau im Zentrum waren weitere publikumsstarke Anziehungspunkte. Von dem Konzert mit Sol Gabetta und Bertrand Chamayou wird man auch noch lange reden in Rheinfelden.

Das Finale bildete der große Jubiläumsball im Bürgersaal. „Der Stadt sind sehr viele Vereine und Bürger gefolgt. Das Gesamtfazit lautet: Gelungen“, sagte ein zufriedener Oberbürgermeister.

Am 14. Mai 2011 stand das einstige Herz der City auf einmal still

Interview | 80 Jahre lang war das Kaufhaus Blum eine dominierende Größe und ein wichtiger

Rheinfelden Die meisten Rheinfelder, die dem Kindesalter entwachsen sind, erinnern sich noch heute gerne an das Kaufhaus Blum zurück. Einst quasi das Herzstück der Innenstadt, hat das große Geschäft die Stadt Rheinfelden jahrzehntelang geprägt. Unsere Mitarbeiterin Petra Wunderle hat sich mit Aribert Blum unterhalten, der das bekannte Haus einst führte.

Im Gespräch mit Aribert Blum

Herr Blum, Ihr Name steht für das einstige „Kaufhaus Blum“ in unserer Industriestadt. Bitte erzählen Sie etwas über die Entstehung, über die Geschichte des „Blum“.

Die Anfänge liegen bei meinem Großvater Josef Blum. Er hatte in den Jahren 1910 bis 1931 in Freiburg, Oberlinden 7, ein Spezialgeschäft für Holzbearbeitung und Eisenwaren. Das Ganze hatte den Namen „Consumgeschäft“. Josef Blum und sein Sohn Erwin – also mein Vater – grün-

deten dann 1931 am Oberrheinplatz in Rheinfelden –wo heute das Eiscafé ist – ein Kaufhaus. Wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete mein Vater Erwin am Friedrichsplatz neue Geschäftsräume. Schon bald reichte der Platz nicht mehr aus Der enorme Aufschwung veranlasste ihn erneut dazu, das Kaufhaus zu vergrößern. 1961 konnte der Anbau übergeben werden In Wyhlen kam vier Jahre später eine Filiale hinzu. Diese wurde dann aber bald wieder geschlossen, um sich ganz auf Rheinfelden zu konzentrieren.

Sie und Ihre Brüder Wilfried und Detlef arbeiteten immer mit. Sind Sie damals gerne in den Familienbetrieb eingestiegen? Keiner von uns Dreien war dazu gezwungen worden. Wir haben sozusagen im Kaufhaus gewohnt, da die Wohnung unserer Eltern im selben Gebäude war. Wir waren automatisch und gerne im Geschäft. Wilfried Blum, der älteste von uns Brüdern, war sozusagen der Ladenbauer. Detlef, der inzwischen verstorben ist, hat die Her-

renabteilung geleitet, und ich, der Jüngste, war für den kaufmännischen Bereich verantwortlich.

Wie ging es dann in Rheinfelden weiter? Wir hatten mit Platzsorgen zu kämpfen. Pläne, sich am alten Standort Friedrichsplatz auszudehnen, ließen

sich nicht realisieren. Gespräche mit der Stadt Rheinfelden führten zu einem erfolgreichen Abschluss. An der Kapuzinerstraße bot sich eine neue städtebauliche Lösung an. Für die Sanierung des Stadtzentrums eröffneten sich neue Lichtblicke. Für die Planung und Bauleitung bediente sich unser Kaufhaus

Arbeitgeber in

Blum der Firma Expert, einer Gesellschaft für die Projektierung von Industrie- und Geschäftsbauten, die in Deutschland auch mit dem Kaufring zusammenarbeitet.

Was stellte das Kaufhaus Blum wirtschaftlich für die Stadt Rheinfelden dar? Wir waren einst einer der

Rheinfelden

größten Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler. Über 130 Mitarbeiter hatten einen sicheren Arbeitsplatz. Wir waren Ausbildungsstätte in den Berufen Verkäufer/in, Einzelhandels- und Bürokaufmann/-frau

Was hat das „Blum“ neben einem breiten Warenangebot noch geboten?

Eine Vielzahl von Serviceleistungen, zum Beispiel Konfektionsänderungsdienst, Gardinen-, Näh- und Montagedienst, Tennisbesaitungsdienst, Schlüssel-, Fahrradreparatur und Elektroreparaturdienst – und nicht zu vergessen den Zustelldienst für gekaufte Ware.

Am 14. Mai 2011 ging mit der Schließung des Hauses die große Ära „Blum“ zu Ende.

Das war ein sehr trauriger Tag. Am selben Tag, denn nur 38 Jahre zuvor, nämlich am 14. Mai 1973, war der Neubau an der Kapuzinerstraße eröffnet worden Dass beide Ereignisse auf den 14 Mai gefallen sind, war reiner Zufall. Jedenfalls möchte ich allen unseren Kunden Danke für die Treue sagen

SONDERVERÖFFENTLICHUNG Samstag, 31 Dezember 2022 Nummer 303
2022 – Rheinfelden Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick
Aribert Blum Foto: Petra Wunderle
Rheinfelden zeigt, wie man gemeinsam feiert Jubiläum | 165 Veranstaltungen, 60 verschiedene Akteuren und 49 Veranstaltungsorte aus Anlass von „100 Jahre Stadt Rheinfelden“
nur eine von 165 Veranstaltungen, mit denen
Der große Galaabend war das Rheinfelder Stadtjubiläum begangen wurde.Foto: Petra Wunderle Alle Generationen begingen das
Stadtjubiläum
gemeinsam Diese
Aufnahme
entstand am Kinderfest. Foto: Petra Wunderle

Kesslergrube: Die Schadstoffe sind draußen

des Bodens zu gewährleisten.

Rückbau

Die Altablagerung Kesslergrube setzt sich aus mehreren ehemaligen Kiesgruben im Ortsteil Grenzach der Gemeinde Grenzach-Wyhlen zusammen. Sie wurden zwischen 1913 und 1969 angelegt und betrieben. Ab den 1950er Jahren bis 1976 wurden die Kiesgruben mit Erdaushub, Bauschutt, Hausmüll und Abfällen der chemisch-pharmazeutischen Industrie wiederverfüllt.

Grenzach-Wyhlen

Ziele der Sanierung

Die Roche Pharma AG (Roche) hat das westliche Areal der Kesslergrube (Perimeter 1 und der nordwestliche Teil von Perimeter 3), für den sie verantwortlich ist, vollständig ausgehoben und das Aushubmaterial thermisch entsorgt Roche strebte mit der Sanierung eine möglichst vollständige Entfernung der vorherrschenden Kontaminationen in Boden und Grundwasser an. Die Sanierung erfolgte nachhaltig und umweltschonend und trägt den Interessen von Mensch und Umwelt Rechnung.

Die Sicherheit für Mensch und Umwelt hat für Roche bei allen Maßnahmen immer höchste Priorität.

Die Sanierung

Die Entfernung des Deponiematerials erfolgte innerhalb einer Einhausung. Neben dem Abfallmaterial hat Roche auch den belasteten Untergrund vollständig bis ins Grundwasser entfernt.

Die Abfälle und belasteten Böden, insgesamt rund 360 000 Tonnen, wurden konditioniert und in Spezial-Transportcontainern zur thermischen Entsorgung transportiert. Seit Ende März 2022 sind die Aushubarbeiten beendet; seitdem ist das Sanierungsareal schadstofffrei.

Die Sanierung erfolgte in enger Abstimmung mit der Gemeinde Grenzach-Wyhlen und den relevanten Bewilligungsbehörden, dem Landratsamt Lörrach und dem Regierungspräsidium Freiburg.

Vorbereitungsarbeiten

Das Landratsamt Lörrach hat am 14. November 2014 den Sanierungsplan von Roche genehmigt. Für die Sanierung der Kesslergrube hat das Unternehmen zwischen 2013 und 2017 verschiedene Vorbereitungsarbeiten durchgeführt, beispielsweise Rodungsarbeiten, Einrichten von Arbeitsflächen, Errichtung einer Baugrubenumschließung und Bau einer Alternativtrasse für den gesperrten Salzländeweg sowie der Bau einer Schiffsanlegestelle.

Einhausung

Der Aushubbereich erhielt im Jahr 2017 eine luftdichte und schallgedämmte Aushubhalle, um Emissionen zu verhindern. Die Einhausung verhinderte den direkten Kontakt von Oberflächenwasser mit den Abfällen. Eine Abluftreinigungsanlage mit einer Leistung von mehr als 140 000 Kubikmetern pro

Stunde entfernte auftretende Schadstoffe aus der Abluft. Für die Behandlung des belasteten Grundwassers und des allgemeinen Baustellenabwassers wurden mehrstufige Abwasserbehandlungsanlagen gebaut.

Aushubarbeiten

Der in die drei Baufelder Nord, Mitte und Süd unterteilte Sanierungsbereich wurde etappenweise ausgehoben und saniert. Ende 2017 begannen die Aushubarbeiten im Baufeld Nord. Ende März 2022 wurde der Aushub im letzten Baufeld (Mitte) abgeschlossen.

Der Aushubprozess wurde eng koordiniert und überwacht. Bagger lösten das belastete Erdreich im Baufeld Radlader nahmen dieses auf und verfüllten es in die bereitstehenden havariesicheren und gasdichten Spezialtransportcontainer. Nach der Befüllung wurden die Transportcontainer verschlossen,

äußerlich gereinigt und ausgeschleust.

Abtransport Nach der Ausschleusung transportierte eine Zugmaschine die Spezialcontainer zum Schiffsanleger, von dem aus diese auf das dort bereitliegende Schiff verladen wurden. Anschließend erfolgte der Transport zu den Rheinhäfen Auhafen (Muttenz, Schweiz) sowie Weil am Rhein.

In den Rheinhäfen wurden die Spezialcontainer auf die Schiene umgeladen und per Bahn zu den thermischen Entsorgungsanlagen transportiert. Der Abtransport des belasteten Bodenmaterials erfolgte größtenteils per Schiff und Bahn (ab dem Duss-Terminal Weil am Rhein). Aufgrund der Schadstoffcharakteristik im belasteten Erdreich mussten gewisse Chargen direkt per Lastwagen zu Entsorgungsanlagen in Deutschland ver-

bracht werden

Sohlbeprobung Nachdem in den Baufeldern die geplante Aushubtiefe erreicht worden war, fand jeweils die Sohlbeprobung statt. Damit wurde untersucht, ob die behördlich festgelegten Schadstoffgrenzwerte an der Baugrubensohle unterschritten wurden. Danach erfolgte die Hallenreinigung. Dabei wurden im Halleninnern Stäube auf Installationen und Gerätschaften gründlich entfernt.

Wiederverfüllung Im Rahmen der Wiederverfüllung wurden die Baufelder mit frischem Erdmaterial (Schotter und Kies) wiederverfüllt. Der Antransport des frischen Erdmaterials erfolgte per Schiff und Lastwagen zur Baustelle. Das Einbringen des Erdmaterials wurde überwacht, um sowohl die Tragfähigkeit als auch die hydraulische Durchlässigkeit

Seit Sommer 2022 erfolgt der gestaffelte Rückbau der gesamten Sanierungsinfrastruktur. Nach der Entfernung aller Hallen (Aushub, Logistik, Grundwasserreinigung) und der gesamten technischen Infrastruktur werden die Asphaltflächen sowie die für das Projekt unterirdisch verlegten Rohrleitungen rückgebaut. Im Anschluss wird die gesamte Fläche profiliert und für eine Begrünung vorbereitet. Der Abschluss der Rückbauarbeiten und des Sanierungsprojekts erfolgt voraussichtlich Ende des zweiten Quartals 2023.

Ausblick

Roche wird voraussichtlich 2024 das Rheinufer im Bereich des heutigen Schiffsanlegers renaturieren. Im heutigen Uferbereich des Sanierungsgeländes und im Bereich des Schiffsanlegers soll eine großzügige und für Flora und Fauna ökologisch wertvolle Flachwasserzone geschaffen werden Mit dem vollständigen Rückbau der Sanierungsbaustelle wird eine gewerblich-industrielle Nachnutzung innerhalb des Bebauungsplans der Doppelgemeinde wieder möglich.

Erste Überlegungen zur konkreten Nachnutzung des Geländes finden derzeit statt.

Grenzach-Wyhlen. Das Jahr 2022 bot bei der Sanierung des Roche-Teils der Kesslergrube zahlreiche Höhepunkte. Eine kurze Rückschau

Januar bis März

Der Aushub im letzten der drei Baufelder, dem Baufeld Mitte, geht stetig weiter und steht kurz vor der Ziellinie. Seit dem Start der Aushub-

arbeiten im Baufeld Mitte am 17. Mai 2021 konnten 68 945 Tonnen von rund 90 000 Tonnen belastetem Erdreich ausgehoben und in thermischen Behandlungsanlagen entsorgt werden.

30. März

Abschluss der Aushubarbeiten: Das Roche-Areal der Altablagerung Kesslergrube ist damit „schadstofffrei“. Seit Beginn der Sanierungsarbeiten 2015 wurden mehr als 360 000 Tonnen belastetes Erdreich aus dem Sanierungsareal entfernt und zur thermischen Entsorgung abtransportiert

April bis Juni

Die Sohlbeprobung bestätigt die Entfernung aller Schadstoffquellen.

Anfang Mai Abtransport des letzten mit belasteten Abfällen befüllten Spezialtransportcontainers.

Anschließend Rückverfüllung des Aushubbereiches mit sauberem Erdmaterial. Das für die Rückverfüllung verwendete frische Erdmaterial stammte aus dem Steinbruch der Hartsteinwerke Sooneck GmbH in Trechtingshausen (Rheinland-Pfalz). Das Material

wurde per Schiff angeliefert. Die zweite und abschließende Etappe der Rückverfüllung erfolgt nach dem Rückbau der Halleninfrastruktur im Frühjahr 2023

Nicht mehr benötige Baumaschinen und Anlagenteile werden nach und nach gereinigt, demontiert und abtrans-

portiert. Der Raupengittermastkran, mit dem die befüllten Spezialtransportcontainer während der Aushubarbeiten auf das bereitliegende Schiff für den Transport zu den Bahnverladestationen gebracht wurden, hat die Baustelle bereits verlassen. Heute steht er auf der gegenüberliegenden Schweizer Rheinseite im Einsatz.

2. Juli

Letzter Tag der offenen Tür mit mehr als 900 Besuchern (Rekord)

Die aktuelle Energiesituation machte auch vor dem Sanierungsprojekt keinen Halt. Nachdem bereits über 35 000 Tonnen Verfüllmaterial aus dem Steinbruch Trechtingshausen per Schiff zur Sanierungsbaustelle transportiert worden war, musste, mangels derzeit verfügbarer Schiffe und sehr geringen Rheinwassertiefen, kurzfristig auf Lkw-Transpor-

te aus dem nahegelegenen Steinbruch Minseln umgestellt werden.

31. August Nationale Auszeichnung des VCI (Verband der chemischen Industrie) für die Öffentlichkeitsarbeit der Roche Pharma AG zur Sanierung der Kesslergrube

September

Beginn der Reinigungsarbeiten im Baufeld Mitte. Im Baufeld Süd ist der Rückbau der Einrichtungen weit fortgeschritten.

14. Oktober Festakt zum Abschluss der Sanierung von Perimeter 1/3-NW der Altablagerung Kesslergrube mit zahlreichen prominenten Gästen

Ende November Die Reinigung des letzten Baufelds wurde erfolgreich

SONDERVERÖFFENTLICHUNG Samstag, 31 Dezember 2022 Nummer 303 Jahresrückblick 2022 – Grenzach-Wyhlen Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Sanierungsprojekt | Roche schließt den Vollaushub ihres Teils der früheren Bodenaltlast ab / Kosten: fast 250 Millionen Euro
abgeschlossen Kein Gift mehr im Boden: Am 30. März war der große Tag Sanierungsprojekt | Großer Festakt im Herbst zum Ende der Sanierungsmaßnahme / Zahlreiche Prominente Gäste ist Kommunikationsmanager bei der Roche Pharma AG in Grenzach-Wyhlen. Holger Büth der autor
In Gegenwart prominenter Gäste wurde am 14 Oktober die Zeitkapsel zum Abschluss der Sanierungsmaßnahmen in der Kesslergrube versenkt. Foto: Tim Nagengast
Der Vollaushub des Roche-Teils der Kesslergrube war die größte Baustelle ihrer Art in Deutschland. Foto: zVg/Pressefoto Roche

Inzlingengeht den Hochwasserschutz an

Inzlingen Was in Sachen Hochwasserschutzmaßnahmen in der Februarsitzung des Gemeinderates in diesem Jahr kontrovers diskutiert worden war, ist im Bereich des Steinengrabens und des Talwegs mittlerweileWirklichkeit geworden.

Brennpunkt

Zu erkennen sind in diesen Bereichen bereits ein Geröllfang und ein Einlaufbauwerk,das in den Regenwasserkanal entwässert, wobei die Sedimente zuvor abgefangen werden können.Diese und andereMaßnahmen wurden vorrangig umgesetzt, um im Rahmen eines Hochwasserschutzkonzepts zumindest in diesen Brennpunkten Inzlingen bei Starkregen zu schützen.

Herkulesaufgabe

In der Sitzung des Gemeinderates im Februar erläuterten Patrick Blau vom Büro für Geoinformatik und Umwelttechnik,die Ingenieure Adolf Himmelsbachvom Büro Himmelsbachund Scheurer sowiedie Experten Matthias Keller und ThomasHoffmann vom Planungsbüro Südwest ihre Vorschläge für Schutz- und Rententionsbauten.

Blau hatte darauf hingewiesen, dass die Erstellung eines Gesamtkonzepts zu einer Herkulesaufgabe werde, bevor mit der eigentlichen Planung überhauptbegonnen werden könne

Eigenschutz im Fokus

Hintergrund sei die Tatsache, dass viele wichtige Voraussetzungen für eine wirkungsvolle Hochwasserschutz-Planung in Inzlingen nicht oder nur an wenigen Orten gebe. Der Eigenschutz der Grund-

stückseigentümer stehedamit noch mehr im Fokus.

Rückhaltebecken

In Bezug auf die technischen Schutzmaßnahmen hatten sich nach Angabenvon Blau mögliche Rückhaltebecken am Talweg, im Bereich Langmatt sowie ein Geröllfang im Steinengraben, der nun aufgrund des aktuellen Zustandes der Klamm und der GefahrimVerzug aus den Gesamtmaßnahmen herausgelöstwerden soll, herauskristallisiert. Das galt auchfür Retentionsflächen im Bereich Bützmatt/Lichse und eine Ableitung am Isäkleweg, was sich nach Anga-

ben von Blau mittlerweile aufgrund von weiteren Untersuchungen erledigt hat. Konkret beauftragt wurde Bürgermeister Marco Muchenberger in der damaligen Sitzungjedoch zunächst mit der Auftragsvergabe für den GeröllfangimSteingraben und für ein sogenanntes Einlaufbauwerk am Talweg. Außerdemwurde der Bürgermeister autorisiert, Bauarbeiten in Auftrag zu geben, um denSteinenweg wieder befahrbar zu machen und die Wegentwässerung neu einzurichten.

Klima-Bilanz gefordert Eine längere Debatteent-

forderten, vor den Bauarbeiten die CO2-Bilanz prüfen zu lassen. Diese Überlegungen

müssten vor einem Beschluss über die Maßnahmen erfolgen.

Dies sorgte bei anderen Gemeinderätenfür Unverständnis, etwa bei Thomas Kunzelmann(CDU).Ersagte, jetzt müsseesprimär um die Sicherheit der Bürger gehen, man sei als Gemeinderat unteranderem auch dafür gewähltworden. Markus Haag (Gemeinsam für Inzlingen) sagte,dass die Einwändeder SPD-Räte zwar nachvollziehbar ,aber zum falschenZeitpunktvorgebracht worden seien

Sicherheit soll vorgehen Unverständnis über die Anliegen von Sprachta und Glatzel zeigten auch einige der Hochwasseropfervom 15. Juli des vergangenen Jahres. Sie bemängelten, dass keiner der SPD-Rätevor Ort gewesen sei, als Keller und Wohnungen überschwemmt wurden.

Jetzt müsse es zunächst um die Sicherheit der Bürger gehen, bevor man über CO-Bilanzenspreche,die den Bau im Übrigen nur verzögern würden.

Vermessung der Gewässer

Zur aktuellen Lage teilte Blau dieser Tage mit, dass derzeit die Oberflächengewässer in Inzlingen vermessen würden, um diehydraulische Leistungsfähigkeit festzustellen. Auf dieseWeise soll ermittelt werden, wie viel Wasser die geplanten Rückhaltemaßnahmen schadlos durch den Ort leiten können.

Enge Zusammenarbeit

Ohne eine enge Zusammenarbeit mit den Schweizer Behörden wären die Rückhaltemaßnahmen für Inzlingen wirtschaftlich aber nicht darstellbar, sagte der Inzlinger Diplomhydrologe

Schwörstadt. Kinder standen dieses Jahr in Schwörstadt hoch im Kurs. Zu Jahresbeginn wurde der neue Kindergartenneben der Schule eröffnet. Als sich vor Jahren der Engpass bei der Kinderbetreuungabzeichnete, gab es vieleÜberlegungen, um die beste Variante für mehr Kindergartenplätze zu finden.

Kindergarten erweitert

Eine Erweiterung des katholischenKindergartensander Rheinstraße erwies sich als nicht möglich, Platz für einen Neubau gab es auchnicht. Zunächst einmalwar ein Übergangsquartierinder Ortsverwaltung Dossenbach eingerichtet worden. Dann bot sich an, im nicht mehr benötigten Anbau der Schule einen Kindergarten einzurichten. Nun sind die Mädchen und Jungen eingezogen.

Barrierefreie Toiletten

Die Schule selbst nahmin diesem Jahr auch einen Aufschwung.Seit mehreren Jahren war siebaulich in Ordnung gebracht worden, abschließend wurden noch

neue barrierefreieToiletten installiert. Viele Leistungen davon erbrachte der Bauhof selbst, das sparte Investitionskosten. Künftig stehen nocheinige neue Leitungsverlegungen an. Lärmdämmende Akustikdecken werden ebenfalls noch eingebaut.

Bessere Vorbereitung Auch inhaltlich richtete sich die Schuleneu aus. Sie ist jetzt Naturparkschule. Besonders eng aber ist die Zusammenarbeit zwischen Schule und Kindergarten Die Vorschulkinder können zum Beispiel dieKlassenräume nach dem Unterrichtmitbenutzen. Diese Kooperation ermöglichte den Ausbau als Kinderbildungszentrum.

Wesentlicher Vorteil dieser Zusammenarbeit ist die noch bessereVorbereitung der Vorschulkinder auf ihre Einschulung.

„Wald schafft Zukunft“ Dank der Partnerschaft zu externen Begleitern ergeben sich auch neue Bildungsmöglichkeiten. Helmut Hälker aus Dossenbach fungiert als Projektleiter in Zusammenarbeit mit dem Verein„Wald schafft Zukunft“. In Ba-

den-Württemberg werden insgesamt 19 derartige Projekte gefördert. Zwei Jahre lang gab es dafür jeweils 20 000 Euro.

Baugebiet

Eine andere Zukunftsaufgabe, die in diesem Jahroft im Blickpunktstand, war die weitere Vorbereitung des

Wohngebiets „Am Rhein“. Der Verkauf an die Bauinteressenten ist vorbereitet, nur die Preisesind noch nicht festgelegt. Das habe aber auch Zeit, denn wichtige eine Voraussetzung für den Beginn derErschließungist nochnicht geschaffen: Die Rheinstraße muss zunächst grundlegend saniert werden.

Eingebrochen

Da dort der verdolte Dorfbach eingebrochen ist, wird nun ein Umbau erforderlich. Der neue Kanal für den Dorfbach soll in der Straßenmitte und nicht mehr unterm Gehweg verlegt werden. Da die Baupreise regelrecht explodierten,verteuert sich das Gesamtprojekt. Im nächsten Jahr sollen die Bauarbeiten in der Rheinstraße losgehen.

Hangrutsch Ebenfalls verschoben, aber nun wohl vor dem Beginn steht die Instandsetzung des Hangrutsches in der Bergstraße. Zwar rollt dort auch bei eingeschränkter Fahrbahnbreite noch der Verkehr, abereben nicht ungehindert.

Spende für Orgel

Im Ortsteil Dossenbach stand einmal mehr die Sanierung derOrgel in der PelagiuskircheimBlickpunkt. Um die denkmalgeschützte Merklin-Orgel zu erhalten, bedarf es vieler Förderungen und Spenden. Das erfreulichstes Ereignis war im Sommer die Übergabeeiner großen Spende durch die Denkmalstiftung Baden-Württemberg.

Freibad doch geöffnet Entgegen der Vorhersagen war das Freibad in diesem Sommer doch geöffnet, der Betreiber sieht den Zustand nicht so kritisch, dass die Anlage geschlossen werden müsste. Aber nun muss doch jährlich etwas getan werden, um das Freibadzuerhalten.

Jubiläen

Der Musikverein Schwörstadt wurde 125 Jahre alt und feierte mit mehreren großen Konzerten. Nichtnur, dass die heimischenMusiker selbst das Publikum begeisterten, auch mehrere Gäste traten auf. In Dossenbach blickte der Gesangverein auf 150 Jahre seines Bestehens zurück. Im Mai gestaltete der Chor einen sehr ideenreichen und mitreißenden Jubiläumstag

SONDERVERÖFFENTLICHUNG ·Samstag, 31.Dezember 2022 ·Nummer 303
2022 –Inzlingen/Schwörstadt Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick
In Schwörstadt dreht sich viel um Kinder und Bildung Rückblick | Spende für Pelagius-Orgel /Verzögerungen beim Baugebiet „Am Rhein“ /Neuer Dorfbach-Kanal Auf den Rheinwiesen soll dasneueWohngebiet „Am Rhein“entstehen.Foto:Rolf Reißmann
Mitden ersten ArbeitensolltenBrennpunkte entschärft werden stand, als Gemeinderat Jan Sprachta und sein Kollege Thilo Glatzel (beide SPD) Sicherheit | Erste Bauten entstehen im Bereich des Steinengrabens und des Talwegs /Hitzige Diskussion um CO2-Bilanz Die Arbeiten für die Schutzanlagen haben schon begonnen.Fotos:HeinzVollmar

„Wir dürfen auf Wirtschaft und Gesellschaft stolz sein“

Für uns alle war das Jahr 2022 anspruchsvoll. Kaum je erlebte ich dermaßen viele Gegensätze: Schreckensmomente, Glücksgefühle, Stillstand, Innovation, Solidarität und Abgrenzung. Wirtschaft und Gesellschaft waren auch im Jahr 2022 stark gefordert und ich bin stolz zu sehen, wie gut die Bevölkerung und die Unternehmen in unserer trinationalen Wirtschaftsregion die zahlreichen Herausforderungen gemeistert haben.

Von der Gesundheitsin die Versorgungskrise Kaum hatten sich die Wogen rund um die Corona-Krise etwas gelegt, zeichnete sich ein Aufatmen ab, passierte etwas, was weder Gesellschaft noch Wirtschaft im Dreiland wirklich für möglich hielten. Russland marschierte in die Ukraine ein und in Osteuropa entbrannte ein grauenvoller Krieg Ein Krieg, der in erster Linie den Menschen in der Ukraine ein schreckliches Schicksal bescherte, aber auch Europa, ja die Welt plötzlich aus den Fugen hob. Durch den Krieg wurde deutlich, wie verletzlich unser Wirtschaftssystem sein kann.

Gemeinsam beschlossen wir Sanktionen gegen Russland, die Lieferketten funktionierten nicht mehr, Rohstoffe und Halbfertigprodukte wurden Mangelware und zu guter Letzt geriet die Ener-

gieversorgung schwer ins Wanken. Ein drohender Energiemangel konnte bis heute nur mit großen Anstrengungen und Eingeständnissen verhindert werden.

Die Unternehmen der Region bewiesen ihre Kompetenz und Flexibilität und richteten ihre Produktionen laufend neu aus. Dies war nötig, denn die Auftragslage war gut. Die Mitarbeiter leisteten viel und wurden jeden Tag aufs Neue gefordert.

Unterstützt wurden sie durch die stabile Life Sciences Branche, die einmal mehr gezeigt hat, wie wichtig sie für die Region ist In unseren Stimmungsbarometern zeichnete sich aber zunehmend Verunsicherung ab.

Preiserhöhungen

als eine riesige Belastung

Die Inflation führte zu Preisaufschlägen an den Energiemärkten und im Handel, die wir so noch nie erlebt haben.

Eine riesige Belastung für die Unternehmen und die Konsumentinnen und Konsumenten Plötzlich mussten wir für eine Kilowattstunde das Zehnfache berappen und die Transportkosten für einen Überseecontainer schossen in die Höhe. Gleichzeitig mussten sich die Unternehmen strukturell auf eine Strommangellage vorbereiten. Doch es war beeindruckend, wie rasch sie reagier-

ten und kostspielige Prozesse anpassten, um Strom zu sparen. Zwischenzeitlich hat sich die Situation wieder etwas beruhigt, bleibt aber fragil.

Innovationen im Bereich der Energieversorgung Lösungen, wie unsere Energieversorgung CO2-neutral werden und vor allem zuverlässig bleiben kann, sind gefragter denn je. Um eine sichere, bezahlbare und klimafreundliche Energieversorgung sicherzustellen, hat die Handelskammer beider Basel mit Partnern aus Deutschland und Frankreich im Sommer 2022 die trinationale Initiative „3H2“ gegründet. Denn die Region Basel ist aufgrund ihrer geografischen Lage im Dreiländereck und im Herzen Europas prädestiniert dafür, sich ans geplante europäische Wasserstoffleitungsnetz anzuschließen. Das stellt eine eigene Produktion, aber auch wirtschaftliche Importe in Aussicht. Und grüner Wasserstoff bietet beim Schwerverkehr und in der Industrie große Chancen, wenn es darum geht, klimaneutral zu werden Wasserstoff könnte nicht nur beim Klimaschutz in Zukunft eine tragende Rolle spielen, sondern auch ein wichtiger Standortfaktor für die Unternehmen in der trinationalen Region Basel werden

Europafragen müssen gelöst werden Das Verhältnis der Schweiz zur EU ist getrübt. Die gescheiterten Verhandlungen über ein Rahmenabkommen saßen auch im Jahr 2022 tief und zeigten ihre ersten negativen Folgen. Der Marktzugang für Schweizer Unternehmen wird schwieriger und teurer. Die Erosion der MRA-Abkommen schleicht voran. Ein Ende der Unsicherheit ist nicht in Sicht. Die Unternehmen und die Politik der trinationalen Region Basel machen sich deshalb große Sorgen Die große Unsicherheit in der Wirtschaft und in der Forschung ist Gift für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit unserer Region. Sie bedroht die Errungenschaften der bilateralen Abkommen, die den Menschen und Unternehmen in den Grenzregionen das Leben bisher erleichtern

Beim Europa-Dialog tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter von Politik und Wirtschaft aus dem Dreiland zum Verhältnis Schweiz-EU aus – ihr Appell: „Jetzt handeln!“ Die Wirtschaftsverbände und Unternehmen der trinationalen Region Basel riefen deshalb in einem Brief den Schweizer Bundesrat und die EU-Kommission auf, rasch an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Der Ausschluss der Schweiz vom EU-Forschungsprogramm Horizon Europe schadet dem gesamten europäischen Forschungsstandort. Je länger die Schweiz nicht an Horizon Europe assoziiert ist, desto mehr leidet der Innovationsstandort am Dreiländereck Zudem sollen die EU und die Schweiz in wichtigen Bereichen neue Abkommen abschließen. Dazu gehört insbesondere ein Stromabkommen. Um die Versorgungssicherheit in Europa sicherzustellen und die Energiewende zu bewältigen, muss die Schweiz in den europäischen Strommarkt eingebunden sein.

Inwieweit in der Zwischenzeit Fortschritte erzielt wurden oder ob der neue zusammengesetzte Bundesrat der Schweiz den konstruktive Weg finden wird, ist noch offen, aber zumindest ist eine gewisse Entspannung wahrnehmbar, die Hoffnung macht, dass erkannt wurde, wie wichtig die bilateralen Abkommen für eine Grenzregion sind

Digitalisierungsimpulse für die Leitbranche Auch wenn wir es vielleicht fast nicht mehr hören können, aber die Digitalisierung spielt, ob wir es wollen oder nicht, eine entscheidende Rolle wie sich unsere Wirtschaftsregion weiterentwickeln soll.

Die Life Sciences-Industrie, ja das ganze Gesundheitswesen, befinden sich in einem Transformationsprozess hin zu einer datenbasierten Gesundheitswirtschaft. Weltweit entwickelt sich ein neuer Wirtschaftszweig, in dem Gesundheitsdaten so gesammelt werden dass diese sowohl in der Gesundheitsversorgung als auch in der Forschung und Entwicklung genutzt werden können

Eine Entwicklung, die auch die Life Sciences-Industrie der trinationalen Region Basel mitmachen will und muss, wenn unser Wirtschaftsstandort den Ruf als weltweit führend erhalten will. Die Schweiz hat den Weg zu einer datenbasierten Gesundheitswirtschaft zwar eingeschlagen, setze aber notwendige Schritte nur zö-

gerlich um.

Damit sich das ändert, setzten wir im vergangenen Jahr gezielt Impulse. Mit zwei Standesinitiativen der beiden Baseler Kantone haben wir die Politik aufgefordert, nun die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranschreiten kann. Die erstberatende Kommission in Bundesbern hat die Initiativen unterstützt. Das stimmt einen zuversichtlich, denn wir haben in der Region Basel die besten Voraussetzungen, eine Vorreiter-Rolle einzunehmen.

So blicke ich auf ein für Wirtschaft und Gesellschaft anspruchsvolles, wie dynamisches Jahr zurück. Leistung, Kompetenz, Flexibilität, Solidarität, Innovation und Mut werden uns auch im neuen Jahr begleiten und uns Menschen im Dreiländereck Wohlstand bescheren. Tragen wir Sorge dafür.

Der Autor

Martin Dätwyler ist Direktor der Handelskammer beider Basel. Er vertritt in dieser Funktion die Interessen von rund 2100 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistung und Handel der Region Basel. Er studierte Geographie und Biologie, absolvierte ein EMBA und politisiert für die FDP im Landrat (kantonale Legislative) des Kantons Basel-Landschaft. Er ist verheiratet, Vater einer Tochter und lebt in Laufen

SONDERVERÖFFENTLICHUNG Samstag, 31 Dezember 2022 Nummer 303
2022 – Regio Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick
Martin Dätwyler Europa-Dialog mit Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter sowie Vertreterinnen und Vertretern der IHKs, der Unternehmen und der Politik aus dem Dreiland Foto: zVg n Von Martin Dätwyler Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, blickt auf ein herausforderndes und bewegtes Jahr für die Unternehmer der Region zurück Foto: Michael Werndorff

Abfallwirtschaft auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft

Betriebsleiterin Silke Bienroth zieht Bilanz aus dem vergangenen Jahr

Kreis Lörrach Weniger von einem Kreislauf als von einem Strudel mit der Tendenz zur ein oder anderen Turbulenz würde ich sprechen, wenn ich auf das vergangene Jahr der Abfallbewirtschaftung im Landkreis Lörrach zurückblicke. Eine solche Turbulenz ist sicherlich die notwendige Erhöhung der Abfallgebühren für 2023 um 25 Prozent.

Für viele Bürgerinnen und Bürger des Landkreises ein nachvollziehbares Ärgernis, das wir ihnen gerne erspart hätten. Verfolgt man die Medienberichte lässt sich hier leider ein bundesweiter Trend beobachten: So muss ein Großteil der Kommunen seine Steuern und Gebühren anheben

Gebührenerhöhung

Ein Teil der Erhöhung ist bereits seit 2017 geplant, da Gelder aus einer Rückzahlung der Verbrennungsanlage Basel in den vergangenen Jahren Erhöhungen abmildern konnten, jetzt aber aufgebraucht sind. Unerwartet und leider zeitgleich mit dem Wegfall dieser Rücklagen treffen uns die allgemeinen

Kostensteigerungen. Besonders das Einsammeln und Transportieren der Abfälle ist mit Blick auf die gestiegenen Treibstoffkosten ein enormer Kostentreiber. Auch der gestiegene Frankenkurs, der die Restmüllverbrennung in Basel verteuert, oder die Anhebung des Mindestlohns tragen zu der Gebührenerhöhung bei. Auf diese äußeren Einflüsse lässt sich nur sehr begrenzt reagieren Wir be-

»Ein Großteil der Kommunen muss seine Steuern und Gebühren anheben.«

finden uns in langfristig angelegten Verträgen und können Einsparungen, um solche unerwarteten Kosten auszugleichen, nur mittel- bis langfristig umsetzen.

Außerdem sehen wir uns mit stetig steigenden gesetzlichen Anforderungen an eine fach- und umweltgerechte Entsorgung konfrontiert, was sich ebenfalls in den Kosten bemerkbar macht. Diese Entwicklung ist dennoch für den Umwelt- und Ressourcen-

schutz eindeutig positiv zu bewerten, weil hier ein wichtiger Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise geleistet wird. Turbulent haben sich in den letzten Jahren auch die Wertstoffmärkte verhalten. Dort kam es innerhalb sehr kurzer Zeiträume zu extremen Schwankungen. Nur für einen Teil der Abfälle, die wir beispielsweise auf den Recyclinghöfen erfassen, können Erlöse erzielt werden. Diese werden zum Stabilisieren der Gebühren verwendet. Für den anderen Teil müssen für die Verwertung Zuzahlungen geleistet werden. Der Begriff „Wertstoffe“ ist darum weniger materiell zu verstehen. Sein Wert misst sich in seiner wichtigen Rolle als Rohstoffersatz

Große Unterschiede

Die Landkreise und Städte unterschieden sich in ihrer Abfallbewirtschaftung häufig voneinander. Das betrifft auch die Gebührensysteme und die darin enthaltenen Leistungen.

So sind in vielen anderen Städten und Landkreisen einzelne Leistungen mit separaten Gebühren verbunden. Darauf wird bei uns bewusst verzichtet. Das heißt, bis auf

die Restmüllentsorgung sind alle Leistungen wie Recyclinghöfe, Grünabfallannahmestellen, Schadstoffsammlung und Biotonne über die Jahresgebühr finanziert. Dieses „all-inclusive“-Angebot verringert „Hürden“ und soll dazu beitragen, dass alle Abfälle richtig voneinander getrennt und im Anschluss hochwertig verwertet werden. Darüber hinaus spart dies Verwaltungskosten.

Dieser Grundsatz beruht auf dem Solidarprinzip. Dieses geht davon aus, dass von jedem Haushalt in Summe ein ähnlicher Umfang an Leistungen in Anspruch genommen wird. Dadurch gleicht sich das Nutzen sowie Nicht-Nutzen einzelner Leistung aus. Ein Beispiel: Haushalte im städtischen Gebiet nutzen die Biotonne, Eigenkompostierer im ländlichen Raum benötigen diese nicht, bringen aber regelmäßig Grünabfälle zur Verwertung auf den Häckselplatz oder zur Kompostanlage.

Recyclinghofkonzept Es ist uns ein wichtiges Anliegen, unsere Recyclinghöfe zu modernisieren und zukunftsfähig zu machen Dabei sind Aspekte des Kundenservice, der Ökologie und der Wirtschaftlichkeit zu beachten Belange des Service und des Umweltschutzes stehen leider häufig im Gegensatz zur Wirtschaftlichkeit.

Die von uns vorgeschlagene Zentralisierung der Recyclinghöfe, die mit einer Schließung verschiedener Standorte verbunden wäre, hat eine Diskussion in der Bürgerschaft entfacht. Die Bedenken und Einwände der betroffenen Bürgerinnen und Bürger sind absolut nachvollziehbar. Bezieht man aber die Belange des gesamten Landkreises, die Vorteile der neuen Konzeption sowie Kostenaspekte ein, stellt sich die Frage, ob nicht eine Verschlechterung für wenige bei gleichzeitiger Verbesserung für viele hingenommen werden kann Eine solche Verbesserung wäre die Erweiterung der Öffnungszeiten einiger Höfe. Vor allem durch Digitalisierung können Anlieferungen besser gesteuert und damit die Wartezeiten vor allem zu Stoßzeiten ver-

ringert werden Im Januar wird dazu auf dem Recyclinghof Lörrach das Pilotprojekt „Recyclinghof digital“ starten. Innerhalb eines dreimonatigen Testzeitraums kann man über eine App Anlieferungstermine außerhalb der regulären Öffnungszeit buchen und ohne Wartezeit anliefern. Wir sind gespannt, wie das Angebot angenommen wird und werden nach der Auswertung dieser Testphase gegebenenfalls die feste Einrichtung und auch Erweiterung auf andere Höfe planen.

Klimaschutz Neben solchen konkreten Projekten beschäftigt uns maßgeblich das übergeordnete Thema Klima- und Ressourcenschutz. Konkrete Vermeidungs- und Wiederverwendungsanreize zu schaffen ist ein gesetzlicher Auftrag.

Neben unseren seit zwei Jahrzehnten etablierten Buchschachteln haben wir mit der Plattform „Wegweiser – Abfall vermeiden“ (www.abfallwirtschaft-loerrach-landkreis.de/wegweiser-abfall-vermeiden) ein zusätzliches Angebot geschaffen. Dieses soll nun stärker beworben und um zusätzliche Angebote erweitern werden.

Eine weitere Klimaschutzmaßnahme ist die getrennte Erfassung und Verwertung von Bioabfällen, aus denen zum einen Biogas und zum anderen Gärreste und Komposte für die Landwirtschaft und den Gartenbau gewonnen werden Die Verwertung unserer Bioabfälle erfolgt derzeit in einer Anlage in Freiburg. Gemeinsam mit dem Landkreis Waldshut bestehen Planungen, die Bioabfälle regional auf einer Deponie des Nachbarlandkreises zu verwerten, die direkt an der Kreisgrenze liegt.

Der Erfolg dieses Projektes hängt maßgeblich davon ab, einen möglichst großen Teil der Bioabfälle getrennt und

in hoher Qualität zu erfassen. Insbesondere die Qualität ist derzeit noch nicht zufriedenstellend, zu viele Störstoffe und vor allem Kunststoffe landen bei uns in den Biotonnen. Seit November testen wir gebietsweise ein Detektionssystem, das an ein bestehendes Fahrzeug angebracht wurde und Störstoffe vor dem Leeren erkennt.

In welchem Umfang in den kommenden Jahren die Abfallbewirtschaftung im Landkreis Lörrach auf Klimaschutzziele und innovative Lösungen ausgerichtet sein wird, unterliegt sicherlich auch Kostenaspekten. Das Potenzial, sauber getrennte Abfälle in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen, ist hoch und sollte von uns allen zur Einsparung von Ressourcen und Energie ausgeschöpft werden

Die Autorin

Die bekennende Pfälzerin Silke Bienroth, aufgewachsen ist sie in Landau, hat Biologie in Heidelberg studiert. Promoviert hat sie am Biozentrum der Universität Basel. 1993 kam sie zunächst als Abfallberaterin zur Abfallwirtschaft im Landkreis Lörrach Später übernahm sie in diesem Bereich die technische Kontrolle, danach die technische Betriebsleitung.

Seit acht Jahren ist Bienroth Leiterin des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft, eine Aufgabe, die sie noch immer begeistert, wie sie sagt.

Silke Bienroth lebt in Lörrach, ist verheiratet und hat zwei Söhne.

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Jahresrückblick
n Von Silke Bienroth Foto Ch risto ph Reic hman n Die Qualität des Bioabfalls ist derzeit noch nicht zufriedenstellend, zu viele Störstoffe und vor allem Kunststoffe landen in den Biotonnen. Foto: Eigenbetrieb Abfallwirtschaft
»
Es ist uns ein wichtiges Anliegen, unsere Recyclinghöfe zu modernisieren.«
Silke Bienroth

Gartenstadt wächst weiter

Kandern (sas). Die sogenannte Gartenstadt mit Wohnungen und Gewerbe, verteilt auf sieben Gebäude (fünf Wohnkomplexe, Stadthaus und Bürohaus), entsteht im Herzen von Kandern Das Projekt des Riedlinger Bauunternehmers Alfred Munz hat dieses Jahr einen großen Fortschritt gemacht: Die ersten Bewohner sind eingezogen. Anfang Februar waren die ersten 22 Wohnungen übergeben worden. Im Mai ist der Polizeiposten Markgräflerland umgezogen und seitdem im Stadthaus beheimatet. Dort hat außerdem das Gesundheitszentrum Sutter für Physiotherapie und Ergotherapie eröffnet.

Insgesamt entstehen 53 Wohneinheiten und rund 900 Quadratmeter Gewerbefläche. Auch eine 2700 Quadratmeter große Tiefgarage mit 68 Stellplätzen gehört dazu. Die Gartenstadt ist als autofreie Wohnanlage konzipiert. Das Gesamtinvestitionsvolumen liegt bei 24 Millionen Euro.

Wie viele Unternehmer hatte auch Munz mit Preissteigerungen und Lieferengpässen zu kämpfen. Dennoch wuchs und gedieh die Gartenstadt weiter In einem Jahr soll sie fertig sein.

Campingplatz wird verkauft

Kandern (sas). Nach 17 Jahren hat die Stadt Kandern den Campingplatz-Betreibern Matthias und Silvia Mischee im Frühjahr den Pachtvertrag zum Jahresende gekündigt Im Herbst wurde dann bekannt, dass die Stadt das Areal verkaufen will Derzeit wird an den letzten Vertragsdetails gefeilt: Die heimischen Geschäftsleute Sven Quade vom Autohaus Quade und Ralf Brombacher von der gleichnamigen Hausverwaltung in Kandern wollen mit ihrer gemeinsamen QB-Management-GmbH den Campingplatz kaufen. Der Vertrag ist noch nicht unterschrieben, die Anlage soll aber zum Saisonstart wieder geöffnet werden, lautet das Ziel.

Die Hitze macht zu schaffen

Natur | Revierleiter zieht Bilanz für den Kanderner Stadtwald

n Von Otto-Jesko von Schroeder

Kandern Für die Bäume des Stadtwalds Kandern ist das Jahr 2022 in Bezug auf Trockenheit und Hitze im Vergleich zu den Vorjahren etwas erträglicher gewesen. Dennoch geschwächt durch die trockenen Jahre zuvor machten dem Wald auch in diesem Jahr Hitze und fehlender Regen während der Hauptvegetationsperiode wieder deutlich zu schaffen. Vor allem geschwächte Fichten, Lärchen und vereinzelt auch Tannen waren ein leichtes Opfer für Borkenkäfer, auch wenn glücklicherweise die Anzahl und Größe der Befallsflächen in diesem Jahr deutlich geringer ausfielen. Dennoch war vereinzelt ein schnelles Handeln durch Entfernen befallener Bäume hier und da notwendig um Massenvermehrungen von Borkenkäfern zu verhindern und gesunde Baumbestände vor Befall zu schützen.

Auch der Buche sieht man von Jahr zu Jahr immer deutlicher an, dass sie sich nicht so ohne weiteres an die neuen klimatischen Bedingungen hierzulande anpassen kann. Hier ist vor allem bei älteren Bäumen auf trockeneren Standorten ein Absterben der oberen Kronenbereiche bis hin zum Komplettausfall des Baumes zu beobachten.

Sorgenkind bleibt die Esche

Sorgenkind ist aber weiterhin vor allem die Esche, die große Schwierigkeiten mit dem Eschentriebsterben hat. Verursacher dieser Krankheit ist ein aus Asien eingeschleppter Pilz, der bereits nahezu alle Eschen befallen hat und sowohl ihre Triebe als auch Wurzeln langsam zum Absterben bringt.

Zu den Baumarten im Stadtwald Kandern, die bisher relativ gut mit Trockenheit und Hitze zurechtkamen, zählen insbesondere

die Eiche, Douglasie und auch größtenteils die Tanne, welche in nur geringer Zahl Ausfälle zu beklagen hatte.

Bauindustrie fragt Nadelholz nach

Weiterhin wird eine der Kernaufgaben im Revier Kandern die Überführung der übrigen kollinen Fichtenbestände zu klimastabilen und standortsgerechten Mischwäldern mit Buche, Eiche, Tanne, Douglasie und Edellaubhölzern sein, die nicht nur Zeit, sondern auch verstärkt Investitionen an Geld und Arbeitskraft bedarf. Was die Holzvermarktung betrifft, konnten für die Stadt Kandern deutlich höhere Erlöse erzielt werden als in den Jahren zuvor. Grund hierfür war vor allem die steigende Nachfrage der Bauindustrie nach Nadelholz. Auch war der Nadelholzmarkt etwas weniger stark mit Fichten-Käferholz gesättigt. Somit stiegen die Holzerlöse sowohl

für Nadel-Käferholz wie auch für Frischholz wieder auf ein relativ gutes Niveau an und erreichten mit 90 Euro/Festmeter und mehr für das Leitsortiment Fichte B Werte, welche vor den Kalamitätsjahren erzielt wurden Die Stammholzpreise für Laubholz blieben wie auch in den Jahren zuvor recht stabil und haben nochmal etwas angezogen.

»Ein etwas kühler und verregneter Sommer würde der Natur auf jeden Fall gut tun.«

Insgesamt bleibt für das kommende Jahr aus forstlicher Sicht zu hoffen, dass sich die klimatischen Bedingungen für unsere Wälder nicht weiter verschlechtern und zur Abwechslung auf deutlich zu trockene und heiße Sommer auch wieder mal ein etwas kühler und verregneter folgt. Der Natur würde es auf jeden Fall gut tun.

Der Autor

Der gebürtige Dinkelberger Otto-Jesko von Schroeder absolvierte das zweijährige Trainee-Programm von ForstBW noch vor der Forstreform 2020 bei der unteren Forstbehörde Lörrach im Staatswald. Im Anschluss stand er für die Forstzentrale Lörrach im Dienst. Vor seiner Zeit als Trainee schloss er das Bachelor-Studium in Forstwirtschaft an der Hochschule in Rottenburg am Neckar ab. Seit dem 1. August 2021 ist von Schroeder der neue Revierleiter des Stadtwalds Kandern Er folgt auf Reiner Dickele, der mehr als 30 Jahre mit Eifer und Engagement das Revier Kandern erfolgreich leitete.

Der Autor

Kandern. 2021 war für die Kandertal-S-Bahn ein gutes Jahr: Mit der Förderzusage des Landes für die Machbarkeitsstudie nahm der Prozess Fahrt auf. 2022 lässt sich so beschreiben: Man sitzt in einem langsamer werdenden Zug, während der Zugführer nur unvollständig informiert, um dann nach einer Vollbremsung mitzuteilen dass der Zug nicht weiterfährt –und das auf freier Strecke.

Schon beim ersten Bericht zur Studie im Februar überraschte mich der Fokus des Landratsamts Lörrach auf ein Buskonzept für das Kandertal. Ebenso, dass im zweiten Schritt mit einer S7 nach Basel und einer S5 nach Lörrach gleich ein Halbstundentakt in der Machbarkeitsstudie untersucht werden sollte. Dies obwohl, verglichen mit der heutigen Situation, die Fahrt von Kandern mit einer

S7 wesentlich attraktiver würde; die mit der S5 nicht.

Dennoch bescheinigte man im Juli der Kandertal-S-Bahn mit dieser bis heute noch

nicht abgeschlossenen Studie die Unwirtschaftlichkeit. Dies, ohne ihre Ergebnisse und Methoden vollständig zu veröffentlichen. Viele Fragen

bleiben offen: Neben den eben genannten auch die Frage, ob für die Finanzen des Kreises eine S-Bahn nicht besser wäre Denn die Kos-

ten für den Busverkehr muss der Landkreis zu fast 100 Prozent tragen, während der Schienenverkehr durch das Land großzügig gefördert wird.

Dass die „Vollbremsung“ nicht notwendig war, zeigte die ergänzende Betrachtung der IG Pro Kandertalbahn im Oktober. Hierfür braucht es aber den Willen des Ermöglichens. Letzteres haben die Unternehmer des Kandertals bewiesen, die eine eigene Studie zur Wirtschaftlichkeit der Kandertal-S-Bahn auf eigene Kosten in Auftrag gegeben haben Ich hoffe, dass man sich dies in der nun zu erfolgenden Nachuntersuchung zu Herzen nimmt. Bei der Wehratalbahn haben die Landkreise Waldshut und Lörrach bereits reagiert: Hier hat man das Untersuchungsszenario angepasst, als man merkte, dass man auf dem falschen Gleis war.

Josha Frey wurde 1959 geboren, er ist Mitglied des Landtags und europapolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion. Seitdem er politisch aktiv ist, begleitet ihn die Idee einer Kandertal-S-Bahn: in den 1990erJahren als Kreisrat und seit seiner ersten Wahl in den Landtag 2011 als Landtagsabgeordneter. Bei der Landtagswahl 2016 konnte er erstmals das Direktmandat für die Grünen im Wahlkreis Lörrach erringen. 2021 verteidigte er dieses. Regional setzt er sich für klimafreundlichen Verkehr ein.

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Jahresrückblick
Otto-Jesko von Schroeder n Von Josha Frey
Zug fährt langsamer, dann folgt die Vollbremsung Mobilität | Kandertal-S-Bahn wurde Unwirtschaftlichkeit bescheinigt / Eigene Studie in Auftrag gegeben
Beim Besuch von Andreas Schwarz, Fraktionsvorsitzender der Grünen Landtagsfraktion (links), in Haltingen bei der Kandertalbahn rechts daneben Josha Frey Foto: zVg Der Revierleiter hofft, dass sich die klimatischen Bedingungen für die Wälder nicht weiter verschlechtern. Foto: zVg Josha Frey

Langer Kampfletztlich vergeblich

Rümmingen (ter). Kein Projekt stand in Rümmingen so sehr in den Schlagzeilenwie die umstrittene Ortsumfahrung: 50 Jahre wurde diskutiert und geplant. Noch im Frühjahr 2022 hatte das Regierungspräsidium auf Antrag des Landkreises Lörrach als Vorhabensträger das Planfeststellungsverfahren eingeleitet, doch vor rund sechs Wochen, Mitte November, kam das Aus für das umstrittene Straßenbauprojekt.

Der Kreistag hat auf Anträge von SPD,Bündnis90/Die Grünen und der CDU mehrheitlich beschlossen, aus „ökologischen, juristischen und wirtschaftlichenGründen“ die Teilortsumfahrung Rümmingen nicht mehr zu realisieren und das Planfeststellungsverfahren zurückzuziehen. Rümmingens BürgermeisterinDaniela Meier war tief enttäuscht und kritisierte den Beschluss mit folgenden Worten: „Dies ist der traurige Höhepunktvon mehr als 50 Jahre des Wartens, Hinhaltens und nun derblanken Enttäuschung. Ich bin entsetzt, dasssichder Landkreis Lörrach als verantwortlicher Straßenbaulastträger mit diesem Beschlussvorschlagaus der Verantwortung stehlen

will.“ KeinProjekt hat in der Gemeinde Rümmingen und darüber hinaus so polarisiert wie diese geplante Teilortsumfahrung, für die sich Gemeindeverwaltung und Gemeinderat starkgemacht haben. Mitder Ortsumfahrung sollte ein 1,1 Kilometerlanger Lückenschluss geschlossen und die beiden Kreisstraßen K6327 (RichtungSchall-

bach) und die K6354 (Richtung A98) verbundenwerden. Denn beide Straßen münden derzeitins Dorf.

Es bildeten sich Bürgerinitiativen, derenunterschiedliche Argumenteaufeinander prallten. Die IG Ortsumfahrung, die sich hinter das Zwölf-Millionen-Projekt stellte,führte eine „deutliche Verkehrsentlastung“, ver-

bunden mit weniger Lärm, weniger Abgasen und damit mit mehr Aufenthaltsqualität an. Des Weiteren listeten die Befürworter auf, dass dann entlang der Lörracher Straße auch durchgängigGehwege angelegt werdenkönnen. Dadurch entstünde mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer.

Dem hielten die Gegner

der Umfahrung, zusammengeschlossen in der Interessengemeinschaft „Moderne Mobilität Rümmingen“,entgegen, dass eine Umfahrung wertvolle Natur- und landwirtschaftliche Flächen zerschneiden,Flora und Fauna zerstören und zudemden Bürginhof stark in Mitleidenschaft ziehen würde.Ohnedies zweifelten die Gegner

den Entlastungseffekt an, denn es käme auch zu einer Verlagerung des Verkehrs.

Zu den Akten gelegt

Auch in Binzen regte sich Widerstandgegen das Projekt. Es wurden Unterschriften gesammelt und von einem aus der Zeit gefallenen Projekt gesprochen. Der Gemeinderat der Nachbargemeinde lehnte die Umfahrung mehrheitlich ab. Schließlich legte der Kreistag das umstrittene Straßenbauprojekt zu den Akten, dies zumal, da es nach Darlegung der Politiker immer aufwendigere Vorschriften für Arten-, Lärm-und Klimaschutz gebe. Zudem sei es Zielder Kandertalgemeinden, den motorisierten Individualverkehr zurückzudrängen.

Mit der Ablehnungdes Projekts sicherteder Landkreis der Gemeinde Rümmingen eine Planungspauschale von 50 000 Euro zu. Mitdem Geld soll die Kreisverwaltung zusammen mit der Gemeindeverwaltung Vorschläge erarbeiten, wie die Ortsdurchfahrt für Fußgänger und Radfahrer ruhigerund sicherer gemacht werden kann.

Auf die Menschen im Dorf ist Verlass

Bilanz | Schallbacher Bürgermeister blickt auf sein erstes Jahr Amtszeit zurück

Viel Gesprächsstoff

Malsburg-Marzell (kn). Während das Vereins-und politische Leben nach Corona-Zeiten langsam wieder zur Normalität zurückfanden, gab es im zu Ende gehenden Jahr vor allemzwei Themen, die in der Berggemeinde für reichlich Gesprächsstoff sorgten: Zum einen,als zu Beginndes Schuljahrsdie Frage der Beförderung der Schulkinder aus den Ortsteilen Vogelbach,Käsacker, Kaltenbachund Lütschenbach zur Grundschule in Marzell noch nicht gelöst war. Die SWEGhatte nämlich den bestehenden Vertrag für die Beförderung mit einem Kleinbus aufgekündigt. So kam es zur befremdlichenSituation, dass die Eltern aus den Ortsteilen allein oder in Fahrgemeinschaften zur Schule bringen und dort wieder abholen mussten. Betroffen waren 17 Kinder aus den Ortsteilen.

Erst im November zeichnete sich eine Lösung ab, als das Kanderner Beförderungsunternehmen Heckert ein neues, für die Gemeinde akzeptables und finanziell verkraftbares Angebot vorlegte: Der nun auf dieGemeinde entfallende jährliche Kostenbeitrag von rund 11 000 Euro wurde vom Gemeinderat gebilligt. DieKinder aus Vogelbach und Käsacker werden

vom Kleinbus zur Hauptstrecke ins Talbefördert und von dortauch wieder zurückgebracht, die Kinder aus Kaltenbach und Lütschenbach bringt der Busdirekt zur Schule und nach Schulende wieder zurück In der Grundschule selbst gab es auch eine wichtige Veränderung:Nach achtjährigerSchulleitungwurde Rektorin Sabine Pernak verabschiedet, ihre Nachfolgerin ist Tamaris Reuther.

Anfang des Jahres hatte aucheine kräftige Gebührenerhöhung im Wasser- und Abwasserbereich Wellen geschlagen. Coronabedingt musste der evangelischeKindergartenzeitweise geschlossen werden. Fortschritte machte der Breitbandausbau in der Gemeinde, der Septemberregen rettete letztlich die (zu) trockene Weidesaison Im Oktober wurde der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt ein totes neugeborenes KalbimOrtsteil Käsackermit Verdacht auf Riss durch einenWolf gemeldet. Untersuchungenim ChemischenVeterinäruntersuchungsamt Freiburgbestätigten den Verdacht jedoch nicht: Es konnten keine Merkmale festgestellt werden, die auf eine Tötung schließen ließen.

Schallbach. Kaum zu glauben, dass schon ein Jahr Amtszeit vorbei ist. Beiuns standensehr viele Projekte und Aktionen auf der Agenda. Dankder guten Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat, der Bevölkerungund den örtlichen Vereinen haben wireiniges geschafft und in die Wege geleitet.

Ich möchte nur die wichtigsten Dinge aufführen:

Beim Glasfaserausbau konnten wir mit einer Bürgerabfrage belegen, dass die Blauenstraßeund „Hinter der Eichstraße“schlecht mit Internet versorgtsind. Diese wurdenjetzt im Zuge des Glasfaserausbaus zur Grundschule mitverlegt.Wir hoffen, dass im ersten Quartal 2023 alle angeschlossenen Haushalte ans Netz gehen.

Bei der Starkregenschutzaktion im Märzhaben sehr viele Helfer aus dem Dorf mit dem Gemeinderat die bestehenden Schutzmaßnahmen erneuert und zusätzlich neue erstellt. Diese Maßnahmen haben sich bei den GewitternimMai bewährt. Nun ist ein Planungsbüro beauftragt, die Grundlagen für einen Förderantrag für die kostenintensiven Maßnahmen am Kanalnetz auszuarbeiten.

Große Hilfsbereitschaft

Durch die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung wurden bei uns sehr viele ukrainische Flüchtlinge aufgenommen. Es wurde ein Helferkreis gegründet,über den die Menschen schnell mit dem Nötigsten versorgt waren. Die Gemeindehat ein Wohnhaus angemietetund mit vielen freiwilligen Hel-

fern renoviert.Durch diese Aktion habe ich Menschen kennen und schätzen gelernt. Wir konnten uns aber auch auf die altbewährten Helfer aus dem Dorf und den sozial sehr engagiertenFrauenverein verlassen Auch konnte die Gemeinde sich zweigroße Grundstücke mit teilweise renovierungsbedürftigen Gebäuden in der Ortsmitte sichern. Hierfür wurde ein Darlehen in Höhe von 500 000 Euro aufgenommen.Der positive Abschluss der BaugebieteHüttstall 1 und 2sowie ein Grundstückverkauf kamen uns finanziell zugute. Finanziell sehen wir Dankder kürzlichbekannt gegebenen Abschlüsse der Jahre2019/20 zuversichtlich in die Zukunftund können auch weiterhin wichtige Investitionen tätigen. Gerade jetzt werden Renovierungsund Umbaumaßnahmen im Kindergarten durchgeführt In Sachen Energieversorgungund Klimaschutz waren

wir auch nicht untätig. Der Energiedienst stellt eine Machbarkeitsstudie für ein Wärmenetz auf. Die Potenzialanalyse stieß auf große Resonanz in der Bevölkerung. Schlussendlich müssen die Anschluss- und Energiekosten attraktiv und konkurrenzfähig zu Eigenlösungen sein, damit das Projekt erfolgreich starten kann

Suche nach Fläche

Bei der angedachten Freiflächen-PV-Anlagefür 1200 Haushalte laufendie Verhandlungen. Wir sind optimistisch, dass eine geeignete Fläche gefunden wird.

Auch war einiges an traditionellen und kulturellen Veranstaltungen und Festen geboten, unter anderemein Fasnachtsfeuer, Kulturtagein der Kirche, Wasserwanderung, Chorjubiläum, Zeechefest,GVV-Jubiläum und ein Bürgerempfang.

Der autor

Der 57-Jährige ist seit Dezember 2021 ehrenamtlicher Bürgermeister von Schallbach, wo er auchwohnt. Er arbeitet als Heizwerkführer in einem Industriepark in Muttenz und betreibt eine Nebenerwerbslandwirtschaft. Mit Ideenund praktischenLösungen versucht er, das Dorf vorwärtszubringen.

SONDERVERÖFFENTLICHUNG ·Samstag, 31.Dezember 2022 ·Nummer303 Jahresrückblick 2022 –Kandertal Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Christian Iselin VielefreiwilligeHelfer haben in Schallbach dieses Jahrein Wohnhaus für Flüchtlinge aus der Ukrainerenoviert. Foto: Alexandra Günzschel Berggemeinde | Schulbus und totes Kalb Verkehr | Nach 50 Jahren des Diskutierens und Planens kam das Aus für die Rümminger Teilortsumfahrung Die Rümminger Ortsdurchfahrtrespektive dieLörracherStraße soll nun,nachdem derKreistag eine Teilortsumfahrung abgelehnthat fürFußgänger und Radfahrer sicherer werden.Foto:ter Schüler beim Einsteigeninden neuen Kleinbus Foto:Kanmacher

Reblandhalle frisch saniert

Eimeldingen (ilz). Doppelten Grundzum Feierngab es 2022 für die Gemeinde Eimeldingen. Denn mit dem offiziellen Beginndes Dorffestes wurde auch die frisch sanierteReblandhalle wiedereröffnet.Bürgermeister Oliver Friebolin ließ in seiner Ansprache die rund einjährige Sanierung Revuepassieren, erinnerte aber auch an den Bau des Gebäudes, das aus dem Jahr1978 stammt. Für das Gemeinschaftsleben,das Zusammenkommen der Menschen und den Zusammenhalt des Ortes habe die Reblandhalle ebenso wie Kirche, Dorfplatz oder Gaststätten eine große Bedeutung,soFriebolin

Ein Traum hat sicherfüllt

Bäume gehen auf Wanderschaft

Eimeldingen (ilz). AufInitiative von Elisabeth Azem und BirgitPohl wurde 2022 das Wanderbaum-Projekt initiiert. Dabei geht es darum auszuprobieren, wo Bäume die Aufenthaltsqualität im Ort steigern könnten. Dafür haben Azemund Pohl mit Unterstützung des Eimeldinger Werkhofs drei Pflanzkisten auf Rädern für jeweils einen Baum geschaffen, die auch als Sitzbänkegenutzt werden können. Mit einer ersten Wanderung und einer Willkommensfeier am ersten Standort auf dem Bahnhofsplatz startete das Projekt.

Binzen.Bereits kurz nach der Gründungdes Arbeitskreises Jugend in Binzen im Dezember 2014 durch Oliver Baumert, Christian Rützel, Claudia Hummitzsch, Frank Krumm und mich, hatten wir ein großes Ziel: EinenOrt zu schaffen, an dem diejungen Menschen aus Binzen mit ihren Freunden einfachungestört seinkönnenund dabei niemanden stören.

Als dann 2016 klar war, dassGemeinde und TUS einen neuen Sportplatz planen, galt es für uns,auf dem nochungenutzten Stück Landfür Jugendliche außerhalbder wertvollenVereinskultur Raumzuschaffen,an dem sie sich sportlich austoben, Neues entdecken und zwanglosGemeinschaft erleben können.

DreiJahre galt es am Ball zu bleiben, unser Großprojektnicht aus den Augen zu verlieren und durchunsere umfassende und wertvolle ehrenamtliche Arbeit in vielen anderen kleinen undgroßen Veranstaltungenzulegitimieren.Der Gemeinderat warleicht vom Nutzen einer solchen Anlage zu überzeu-

gen und die Verwaltung hat uns auf allen Ebenen bereitwillig unterstützt. Das nenne ich Weitblick!

Ein echter Glücksgriff

Im Juni2019 wurde der neue Fußballplatzeingeweiht. Und bereits im Juli gab es den ersten Vor-Ort-Termin, um eine mögliche Pump-

track-Anlagezubesprechen.

Im August 2020 engagierte die Gemeinde den Freiraumund Landschaftsarchitekten Ralf Wermuth. Ein echter Glücksgriff!

Herr Wermuth gestaltete mit uns dank seinerumfangreichen Erfahrungmit Sportanlagen im öffentlichenBereichein Gelände,das viele Zielgruppen und Vorlieben in sich vereint und hat so ein

langlebiges Konzept geschaffen. Die umfangreichen Wünsche und Verbesserungsvorschläge der Jugendlichen, die in mehreren Veranstaltungen direktabgefragt worden waren,hat er immer berücksichtigt und ein stimmiges Ganzesdaraus gemacht. Für die hervorragende Zusammenarbeit bedanke ich mich nochmals sehr herzlich.

Viele Möglichkeiten

Wir haben uns bemüht, möglichstvieleSportarten, die in Binzen nicht im Vereinangebotenwerden, die sich aber schonJahrzehnte ungebrochener Beliebtheit erfreuen, zu ermöglichen, aber auch dem „Chillen“ den nötigen Raum und eine guteAtmosphäre zu verschaffen.

Ich bin allen Akteuren überaus dankbar,dass wir hier mit vereinten Kräften etwas wirklichAußergewöhnlichesvon Dauer geschaffen haben. Ich freue mich bei jedem Spaziergangrund um das Gelände, dass es rege genutzt wird.

Die Autorin

Als Gründungsmitglied des Arbeitskreises (AK) Jugend hat Christine Braundas Projekt, das dieses Jahr fertiggestellt wurde,von Anfang an begleitet. Der AK Jugend hat es sich zum Ziel gesetzt, sinnvolle und attraktive Angebote für Kinder und Jugendliche in Binzen zu schaffen.

Ein Dorf feiert

Jubiläum | „1250-Jähriges“ in Fischingen

Fischingen. Mit einem großen Fest feierte die kleine Gemeinde am Läufelberg im Jahr 2022 ihr 1250-jähriges Bestehen. An einemWochenende im Juli verwandelte sich das gesamte Dorf in eine Festmeile. Eröffnet wurden die Feierlichkeiten mit einem offiziellen Festakt in

der Läufelberghalle. Bei der Ausrichtung der Feier waren zahlreicheVereine aus Fischingen und derRegion mit im Boot Zudem war im Vorfeld eine Chronik erstellt worden, in der die Geschichte des Orts seit seiner Gründung als „Fiscinga“beleuchtet wurde.

ngen feierte sein 1250-jähriges Bestehen. Foto:Ehrlich
2022 -Binzen /Eimeldingen /Fischingen Die
SONDERVERÖFFENTLICHUNG ·Samstag, 31.Dezember 2022 ·Nummer303
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DasWanderbaum-Projekt Foto: Ehrlich DieReblandhalle wurde saniert.Foto:Ehrlich Auch einPumptrackstehtden Jugendlichen nun zur Verfügung. Fotos:Beatrice Ehrlich n VonChristine Braun Freizeit | ChristineBraun berichtet von der Umsetzung der neu eröffneten Sportanlage in Binzen Christine Braun Bei deroffiziellen Eröffnungdes Basketballplatzes:(v.l.) Landschaftsbauer HubertPfefferle,Christine Braun (AKJugend), junge Assistentin, Bürgermeister Andreas Schneucker und PlanerRalfWermuth.

Der 24. Februar hatallesverändert

Efringen-Kirchen. Zahlreiche Menschen aus der Ukraine mussten im zurückliegenden Jahr vor dem Krieg in ihrem Heimatlandfliehen.Tetiana Zahaietska sowie Hanna, die ihren Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, berichten:

Tetiana Zahaietska: Dieses Jahr würde ich als Jahr riesiger, radikaler Transformationen bezeichnen,welche mich so stark wie nie geprägt haben. Wenn ich auf mein Leben vor und nach dem Krieg zurückschaue und es analysiere, sehe ich so große Unterschiede zwischen mir selbst. Sie sind wie ein tiefer Abgrund. Vor einemJahr drehtesich mein Leben um die Familie: ein kleines Baby, Mann,Haus,Spaziergänge mit den Freundinnenund keine Sorgen. DieZukunft sahfür mich klar und glücklich aus, allesändertesich aber am 24. Februar. Erste Reaktion: Schock. Ist es überhaupt möglich im 21. Jahrhundert?InEuropa? In meinem Land? Woran sind wir schuld? Unsere Kinder?

»Zum erstenMal im Leben klangfür mich der Laut eines Flugzeugs todbringend.«

Ein paar Tagen nach dem Kriegsbeginnwurde auch meineStadt bombardiert. Wir wohnen sehr nah an einem wichtigen Militärgebäude. Zumersten Mal im Leben klang für mich der Laut eines Flugzeugstodbringend. Über meinem Haus, sehr nah. Man konnte das Gesicht des Piloten fast erkennen, wenn es nicht dunkelgewesen wäre. Er ist hier, um zu zerstören. Um zu töten. Im Keller trafenwir die einzige richtige Entscheidung für uns: nach Deutsch-

land zu fahren. Dorthabe ich viele Freunde, die mich unterstützen werden und zudem sprecheich Deutsch.

Der Weg warkompliziert, ich hatte keinen Plan, fuhr einfach mit dem Kind und der Schwiegermutter los, vertraute fremden Menschen mit großenHerzen,wohnte bei einer sehr freundlichen Gastfamilie in Brandenburg und kam schließlich nach Efringen-Kirchen, wo meine Freunde für uns eine Wohnung gefunden haben.

Ichhabe, Gottsei Dank, keine Gewalterlebt, außer einen Riesenschock. Der Lärm der Flugzeuge war für mich langefürchterlich.Die Gefühle beim kleinen Erdbeben brachten mich wieder zurück zu jenemTag,und beim Probealarm lief es kalt über denRücken.Das ist jetzt ein Teil von mir, für immer. Es gibt aberMenschen, meine Landsleute, deren Geschichten entsetzlich sind. Ein so hohes Maß an Gewalt kannman nicht vergessen, kaumdurchleben. Das sind nicht einfach Worte,das sind menschliche Schicksale. Gebrochene

Ich denke oft daranund

danke Gott, dassich und meine Tochter in Sicherheit sind; dass sie diese Gräuel nicht durchlebt hat.

Es ist einfach unmöglich zu beschreiben, welche inneren Veränderungen ich und jeder Ukrainer erlebthat. Wir schätzen jetzt wirklich wichtige Dinge:Familie, Frieden, Sicherheit, Gesundheit. Wir haben keine Angst, etwas Materielles zu verlieren.Stabilität ist relativ, und in Panik kann man alle materiellen Sachennicht in kleinen Koffer einpacken.Man nimmt immer sich selbst mit. Das ist vielleicht der Hauptgedanke

dieses Jahres –dass man stark, menschlich, gutherzig, und hilfsbereit ist. Schließlich weiß man nie, was uns morgen erwartet.

Hanna: Ichhabe das Jahr 2022 in den Armen meines Mannes und meiner Kinder begrüßt, wir waren froh, ein neues Jahr voller Pläne und Hoffnungenzuhaben. Wir hatten dieses Jahrviel zu tun: meine jüngere Tochter in den Kindergarten zu schicken, das Gymnasium zu suchen, das meineältere Tochter besuchen sollte, ich wollte nach dem Mutterschafts-

urlaub wiederarbeiten, wir planten einen Sommerurlaub

Doch gegen 4Uhr morgens am 24. Februar änderte sich alles. Russland hat einen Krieg gegen die Ukraine begonnen. Alles, wofür wir geplant und gelebt hatten, reduzierte sich nun auf eine einzige Frage: Wie könnenwir unser Leben retten? Um meine Kinder zu retten, war ich gezwungen, meine Heimat, mein Land, meine Verwandten, meinen Mann zu verlassen. Wir haben geweint und uns sehr viel umarmt. Ich bin mit meinen beiden Töchtern nach Deutschland gegangen. Ich bin diesem Land und seinen Menschen sehr dankbar für die herzliche und wirklich aufrichtige Aufnahme und Hilfe. Ich magdie deutsche Spracheund bin froh, sie jetzt zu lernen und plane, Deutschland in der Zukunft zu danken,indem ich in der Lage bin, in diesem wunderbaren Land zu arbeiten und der Wirtschaft zu nützen.

Fürmich persönlich als Frau hat sich nach Kriegsbeginn allesgeändert. Ich bin allein verantwortlich für das Leben und Wohlergehen

Carolin Holzmüller übernimmt

Efringen-Kirchen (bea). Efringen-Kirchen hat seit dem 6. Novembereine neue Bürgermeisterin: Carolin Holzmüller. Mit über72Prozent der Stimmen lag die 34-jährige Bewerberin nach der Auszählung weit vorn, Amtsinhaber Philipp Schmid landete abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Durch ihr klares Votum haben die Bürger Efringen-Kirchens deutlich gemacht, dass sie sich einen Wechsel an der Rathausspitze wünschen.Dieser wird nun am 14. Februar stattfinden, wenn die neue Bürgermeisterinihr Amtantritt.

Dass der AmtsinhaberPhilipp Schmidbei der Wahl mit kräftigem Gegenwind zu kämpfen haben würde, war schon das ganzeJahrüber in vielerlei Äußerungen spürbar, überraschend war aber dann doch, wie deutlicher von seiner Kontrahentin geschlagen wurde. Erst rund vier Wochenvor der Wahl hatte die Agrarmanagerin, Winzerin und FDP-Kommunalpolitikerinaus der Nähe von Karlsruhe ihre Kandidatur bekannt gegeben. In einem regelrechten Durch-

marsch gelang es ihr dann, unterstützt von einem parteiübergreifenden Bündnis, Ortsteil für Ortsteildie Wähler für sich einzunehmen Ihre fehlende Verwaltungserfahrung –nicht zu verwechseln mit Politik- und Wahlkampferfahrung –machte sie wett durch einen überaus engagierten Wahlkampf, in dem sie keine Gelegenheit ausließ, mit Bürgern

in Kontakt zu kommen. Mit vollem Einsatz und dem festen Willen, Bürgermeisterin zu werden,wenn auch nachihren eigenen Wortenkeineswegs siegessicher, absolvierte Holzmüller einen regelrechten Marathon an Terminen, der erst am Vorabend der Wahlein Ende fand. Sei es bei den Landfrauen, mit Jugendlichen oder den örtlichen Unternehmern,

beim Konzert des Musikvereins,beim Blutspendenoder beieiner Feuerwehrübung, überall gingsie gleichermaßen offen und mit echtemInteresse auf die Menschen zu. Nach diesem fulminanten Einstand trauen die Wähler der jungen Frau ganz offensichtlich zu, die Geschicke Efringen-Kirchens in den nächsten acht Jahren zu lenken

meiner Kinder, ich bin der einzige, der alle Entscheidungen trifft, ich bin der einzige, der sich um die Kinder kümmert, den Haushaltführe ich komplettalleine, alleine... Aber um diesen Preissind meine Kinder sicher, sie wissen vom Krieg, aber sie haben ihn nicht in vollem Umfang erlebt.

Wir haben durch den Krieg viel verloren –wir können nicht mit unserer Familie und unseren Freunden zusammensein, wir können nicht in unserer Heimat sein, aber trotzdem versucheich immer, positiv zu denken. Ich habe jetzt gute Freunde in Deutschland, ich lerne Deutsch, wasfür mich interessant ist: Ich plane, einen interessantenJob zu finden.

Von Beruf bin ich Finanzfachfrau, ich habeein Universitätsstudiumabsolviert und drei Diplome mit Auszeichnung erworben. Ich habe auchein Hobby: Ich nähe Kleidung.

»Um meine Kinderzuretten, war ich gezwungen, meine Heimat und meinen Mann zu verlassen.«

Was hat sich für michim letztenJahr verändert? Mein ganzes Leben hat sich verändert: Land, Zuhause, Arbeit, Menschenummich herum, Wohlbefinden, Lebensziele. Diese Veränderungen geschahen nicht, weil wir es wollten, sondern wegen des Krieges. Ich vermissemeine Familie sehr, meinZuhause, meinegewohnten Dinge. Ich glaube und weiß, dassich eines Tages definitivnach Hausezurückkehren werde Wir Ukrainer wollen wie andere Menschen in Europa und der Welt in unserem freienLand leben,Sicherheit und das Recht auf Leben und Zukunft haben.

SONDERVERÖFFENTLICHUNG ·Samstag, 31.Dezember 2022 ·Nummer 303 Jahresrückblick2022 -Efringen-Kirchen Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
TetianaZahaietska(l.)und Hanna Fotos:zVg Wahl | Neue Bürgermeisterin in Efringen-Kirchen /Mehr als 72 Prozent Carolin Holzmüller ist neueBürgermeisterin vonEfringen-Kirchen. Foto: Beatrice Ehrlich Krieg | Zwei ukrainische Frauen, die in Efringen-Kirchen leben, berichten von ihren Erfahrungen während der Flucht Der russische Angriffskrieg hatdas Leben derukrainischen Bevölkerung auf den Kopf gestellt. Foto: Pixabay

Bedeutende Kirche feiert „200-Jähriges“

Istein Das Organisations-Team hat in Ungewissheit der Überraschungen durch die Corona-Pandemie und im Vertrauen auf deren mildenVerlauf im Frühjahr das Festprogrammerarbeitet. Dafür durften wir auf die Unterstützung einer großen Zahl an Helfern hoffen und wie wir heute wissen, auch vertrauensvoll bauen Eröffnet wurde das Jubiläumsjahr am ersten Fastensonntag –dem 6. März –mit dem Errichten einerKlagemauer in der Kirche. Die Sorgen, Nöte, Klagenund Bitten der Gläubigen spiegeln die Krisender Politik, aber auch im persönlichen Umfeld wider, dies auch im zu Ende gehenden Jahr, so dass diese Möglichkeit der Erhörung weiterhin bestehen bleibt

In der Woche vor Pfingsten fand täglich ab 19 Uhr ein abendliches Pfingstgebet statt.

Am 15. Juli eröffnete der Chor „In Takt“ den Reigen der Veranstaltungen unter dem Motto „Applaus, Applaus für die letzten 200 Jahre Kirchengeschichte“. Diese wurde am Konzertabend auszugsweise durch den ModeratorMichael Kiffe den Besuchern vorgestellt. Julian Kiffe und Fabian Müllerhaben keinezeitlichen Mühen gescheut, das Kircheninnere festlich im Rhythmusder Gesangsbeiträgezuilluminieren.

Der Abend am 2. September wardem Beitrag„Ein Stück vom Himmel“gewidmet. Isabel Dietrich nahm die Teilnehmer mit ihrem lebhaften und mit vielHerzblut begleiteten Auftritt sowie bildhaften Impressionen, Erlebnissen, aber auch Erschwernissen mit auf den Jakobsweg nach Santiago de

Am 11. September fand eine Taizé-Andachtmit dem Projektchorunter der Leitung von unserer Organistin ElkeKeller statt. Das Motto: „Verloren und wiedergefunden“.

Ansprechende Konzerte Unter dem Titel „Pusanti aperietur“ (Wer anklopft, dem wird geöffnet) inszenierte die mit acht glockenreinen Stimmen besetzte Frauenschola „Exsulta Sion“ am 17. September unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Hönerlage ein eindrückliches Konzert. In Abwechslung zu den gregorianischen Gesängen präsentierte MatthiasStich Saxophon-Improvisationen

Am Vorabend des Patrozinium-Festshat die Pfarrgemeinde zu einerVigil-Feier eingeladen.Vigil bedeutet: Einstimmung auf den folgenden Festtag.Die Andacht wurde musikalisch von einer Abordnung des Musikvereins Istein begleitet. Im Anschluss begeisterten die Turmbläserdie Teilnehmer auf dem Kirchplatz und die Zuhörer im Dorf mit ein paar Melodien vom beleuchteten Kirchturm

Der eigentliche Festtag war das Patrozinium am Sonntag, 25. September, mit Festgottesdienst, musikalisch begleitet durch den Kirchenchor und anschließendem Gemeindefest unter Mitwirkung des Musikvereins Istein.Die Festpredigt hielt Pfarreri.R Hermann Vogt aus Oberkirch mit mehreren Schwerpunkten: Bezugnahme auf den Kirchenpatron und Erz-

engel Michael,aber auchder fehlende Halt der Menschen in der schnelllebigen Zeit–hier bietet die Kirche den Raum, zur Ruhe zu kommen, und die Gemeindemitglieder sind in Zukunft mehr denn je gefordert, Glauben und Kirche zu vermitteln,weil es immer weniger hauptamtliche Kirchenvertreter vorOrt gebe. Ein großes Helferteam bewirtete die mehr als 180 hungrigen Gäste mit einem leckeren MittagessenimSt. Gregorius-Haus.

Das von Jugendlichen organisierten Kinderschminken im Pfarrhausund die Geschicklichkeitsspieleauf dem Kirchplatz fandengroßen Zuspruch.

Als Abschluss des 200-Jahr-Events hatte die Pfarrgemeinde zu einem Orgelkonzert am 30. September eingeladen. Das Orgelkonzert bewog eine großeZahl

musikbegeisterterZuhörer, in die Isteiner Kirche zu kommen. Damit die 1926 Orgelpfeifen den Ansprüchen dieses Konzertes genügen konnten, waren AndreasMölder, der Lehrer unseres in Ausbildung befindlichen Organisten Elias Stark und Elke Keller teilweisegemeinsam an den zwei Manualen der Orgel tätig.Das anspruchsvolle und musikalisch hochstehende Orgelkonzert wurde für die Akteure mit stehenden Ovationenbedacht. Ulrike Böhm und Elke Kellerbereicherten mit brillanten Gesangseinlagen das Orgelkonzert. Spontane Stimmen wünschten sich eine Wiederholung im kommenden Jahr. Gemeinsamer Austausch Im Anschluss zu den Veranstaltungen gab es jeweils einen gut besuchten StehempfangimSt. Gregorius

Haus.Dabei konnten die gewonnenenEindrücke im gemütlichen Rahmen ausgetauscht werden

Die Vorgängerkirche, deren Niedergang, die Planung, der Bau der heutigen Pfarrkirche St. Michael und die damitverbundenen wichtigen Ereignisse, auch Besonderheiten im Gemeindeleben, wurden in der neu erstellten und begleitenden Festschrift, sowie in einer AusstellungimKirchenschiff und Gebetskapelle ausführlich dokumentiert.Eine Nachbestellung der Festschrift ist bereits im Verkauf Die Ausstellung ist noch ein paar Wochenzusehen.

Die Pfarrgemeinde bedankte sich bei allenHelferinnenund Helfer mit einem Helfer-Essen und dem Wunsch, dass der gute Geist Gottes, welcherimJubiläumsjahrherrschte, nochlange im Ort Istein erhalten bleibe und weiter ein gutes Miteinander bewirke.

Der Autor

Wolfgang Hugenschmidt hat gemeinsammit Franz Kiefer und Michael Kiffe die Festschrift anlässlich des Kirchenjubiläums erstellt. Sie erzählt die Geschichte des Kirchengebäudes und gibtzugleichEinblickeindas vielseitigeInnenlebender Pfarrgemeinde.

Blansingen (ilz). Über die erneute Auszeichnung mit einem Stern des Gastro-Führers „Guide Michelin“konnten sich im März des zurückliegendenJahrs Daniela Hasse und Brian Wawrykvon der „Traube“ in Blansingen

freuen. Es sei eine große Anerkennung, den Stern weiter tragen zu dürfen, sagteDaniela Hasse. Zugleich sei es aberaucheine große Herausforderung:Perfektion,Kontinuität, die Qualität der Grundprodukte und das

handwerklicheGeschick des Küchenteams müssten zusammenkommen, um die hohen Ansprüche der Franzosen zu erfüllen, erläuterte sie.

Das Team der „Traube“ erhielt die hohe gastronomische Auszeichnung 2022

zum dritten Mal.Die Sterne-Küchehat in der „Traube“ übrigens Tradition. Denn schondie früherenKüchenchefs Georg Albrecht und Henrik Weisererkochten die Auszeichnung für das Restaurant.

SONDERVERÖFFENTLICHUNG ·Samstag, 31.Dezember 2022 ·Nummer303 Jahresrückblick2022 -Efringen-Kirchen Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler
Zeitung
Compostela. UlrikeBöhm lockerte mit modernen Songs, welche zum Mitsingen animierten, den informativen Abend auf Ihre Weise auf. Glaube | Langjähriges Bestehen der Kirche St. Michael in Istein mit zahlreichen Veranstaltungen und Festschrift gewürdigt In derKirche St. Michael in Isteingab es im Jahr 2022 Grund zum Feiern.Foto:zVg/Matthias Holthaus
Der gastronomischeStern leuchtetweiter Kulinarik | Blansinger Restaurant „Traube“ verteidigt Michelin-Stern
Die „Traube“ ist weiterhin Sterne-Restaurant. Foto:Ehrlich
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Wolfgang Hugenschmidt
AllenKunden und Geschäftspartnern wünschen wir ein frohes und gesundes Jahr 2023.
Rathberger GmbH Beim Breitenstein 25 D-79588 Efringen-Kirchen +49 (0)76 28 918 33-0 info@rathberger.de www.rathberger.de

Therme istbisher Großverbraucherin von Gas

BadBellingen. UnserThermalwasser ist das,was uns als Heilbad ausmacht. Die Bad Bellinger Therme liegt im Herzen des Markgräflerlands. Unsere Tagesgäste kommen aus dem gesamten Dreiland,zugleichen Teilen aus der Nordwestschweiz, aus dem Elsass wie aus Südbaden. Kur- und Urlaubsgäste schätzendas familiäre Flair und die Verwurzelung im alemannischen Kulturraum ohneGrenzen.Kein Wunder, dass zahlreiche Stammgäste im Ruhestand nach Bad Bellingen ziehen, um die Vorzügeder Lage im Dreiländereck und der vielfältigen Landschaft zwischen Rhein und Schwarzwald zu genießen

Coronawar ein historischer Einschnitt: Plötzlich warendie Grenzen zu und für zweiDrittel unserer Stammgäste war der Kurort unerreichbar.Inden beiden Corona-Winternwar die Thermefür viele Monate komplett geschlossen.Das scheint manche Gewohnheit geändert zu haben. Leider ist es in diesem Jahr 2022 nicht gelungen,alle Stammgäste vor allem aus unserenbeiden Nachbarländern zurückzugewinnen. DieBesucherzahlen liegen noch immer nur bei gut der Hälfte von 2019 vor der Pandemie.

Ich bin mir sicher, dass die neue Geschäftsführung den Schwerpunktihrer Arbeit auf eine professionelle Betriebsführung der Thermelegen wird. Ihre Aufgabe wirdes sein, die Therme durch eine noch bessere Kundenorien-

Nochsind die Besucherzahlen derThermeBad Bellingenunter dem Niveauaus Vor-Corona-Zeiten. Foto: zVg/BuK Bad Bellingen

tierung Schritt für Schritt wieder in die Erfolgszone zu führen. Wir wollenunsere Stammgäste zurückgewinnen und durcheinen guten Service neue Gäste überzeugen.Zugleichmuss die Wirtschaftlichkeit der Anlage in den Fokusrücken angesichts drastisch gestiegener Energiepreise und Inflationssorgen

Ein Wärmenetz für das Kurgebiet aufbauen Bislang ist die Therme eine Großverbraucherin von Gas. Das ist schädlich für das Klima und insbesondere für einen Kurort politisch nicht mehr vertretbar. Die Heraus-

forderung der Zukunft ist es, die benötigte Energie zu verlässlichenPreisen klimaneutral herzustellen. Darum wollen wir ein Wärmenetz im Kurgebiet aufbauen und die Restwärme des Thermalwassers möglichst vollständig zur Energieerzeugung nutzen. Die Gemeinde wird diesen Prozess aufmerksam begleiten und beim Gebäude- und Liegenschaftsmanagement wie beim Kurpark oder dem Kurhaus unterstützen. Für Gäste wie Einheimische wollen wir unsere Freiflächen attraktiv halten. Nach der Eröffnungdes neuen Rheinstegs mit Fitnessareal in 2021 wird die größte Baumaßnah-

„Eine riesen Leistung aller“

Schliengen (ars). DieErste MarkgräflerWinzergenossenschaft Schliengen-Müllheim hatimAugusteineneue Traubenannahme für1,2 Millionen Euroangeschafft. Geschäftsführer HeikoSchapitz blicktauf 2022 zurück.

Wasbedeutetdiese Traubenannahme für die WG? Die Sanierung und Modernisierung der Traubenannahme nach über 40 Jahren Laufzeit und nach fünf Jahren betriebswirtschaftlicher Sanierung war der erste und entscheidendeSchritt in die Zukunft. Trotz sehr ungünstiger Rahmenbedingungen, eine hochmoderne, technisch komplexe Anlageineinen beengten Altbau mit stati-

schen Herausforderungen zu integrieren, Brandschutz-Standards herzustellen und gleichzeitig die vorgelagerte Elektrik auf heutige Sicherheitsstandards zu bringen, das in einem Zeitraum von Dezember 2021 bis August 2022, mit allen nötigen Genehmigungsverfahren, inklusive der Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine:Das war eine riesen Leistung des Anlagenbauers, aller beteiligten, örtlichen Handwerker und Baufirmen, Bauleitung –auch auf die Behörden war Verlass. Die wirtschaftlichen Berechnungen haben sich als richtig erwiesen. Die Kosten der Investition sind vorteilhafter, als vordem der Betrieb der al-

ten Anlage mit hohem Reparaturaufwand, Energie-Kosten und deutlich mehr Betriebsstunden im Herbst.

Hat sich die Anlage bei der Lese bewährt? Ja, für alle. Zum einen konnte die verfahrenstechnisch sehr gute Konzeptionder Kelter hinter der Traubenannahmeerstmals voll genutzt werden. Dadurch kam es kaum zu Wartezeiten für unsere Winzer. Die Traktorenschlangen der Vergangenheit haben wir 2022 nicht gesehen, trotz eines viel größeren Herbstes. Das beste aber: Der Kellermeister ist begeistert von den mit der neuen Technik eingelagerten Mosten. Die Traubenkommen mit deutlich weniger Belastung auf die Keltern. Und gute Weine hattenwir in den letztenzwei Jahrgängen auch schon wieder.

Und wie wird der Jahrgang 2022?

Das ist die gute Nachricht für unsere Winzerund Kunden: Mengeund Qualität der angelieferten Trauben sind für beide Seiten ein Grund zur Freude. Die Weine sind nicht ganz so schwer wienoch die letztenJahre, wir haben eine sehr positive Entwicklung zu fruchtigenund ausgewogenen Weinen. Ich glaube, mit dem Jahrgang 2022 im Glas könnenwir ein schwieriges Jahrzehnthinter unslassen.

me in den kommenden Jahren die Sanierungdes Kurparkweihers sein. Aberauch mit kleineren Schritten wie dem Aufstellenvon Bänken oderdem Bau eines neuen naturkundlichenLehrpfads mit ehrenamtlicherUnterstützung kommen wir voran.

Viele neue medizinische Einrichtungen in 2022 Kurorte sind immer stärker Standortefür Gesundheitsund soziale Einrichtungen. Ich freue mich, dass wir im Kurmittelhaus an der Therme im vergangenen Jahr 2022 ein allgemeinärztliches Medizinisches Versorgungszentrum und in diesem

Herbst eineneueHautarztpraxis ansiedeln konnten. Im Kurgebiet ist ein neues Demenzzentrum im Bau und im ehemaligen Hotel Ambiente entsteht eine Pflegeeinrichtung für schwerstbehinderte, dauerbeatmungspflichtige Kinder und Jugendliche DieGäste, die in diesem Jahr Bad Bellingen besuchten, haben einenlebendigen Kurort kennengelernt. Zahlreiche Veranstaltungen fanden im Kurpark statt,das diesjährige Lichterfest war das erfolgreichste seiner Geschichte. Vereine feierten ihre Jubiläen, jahreszeitliche Märkte lockten die Besucher. Für das nächste Jahr sind

wieder die sonntäglichen Kurkonzerte geplant. Die Unsicherheit der letzten beidenPandemiejahrewich neuerZuversicht. Gastgeber berichten von ausgebuchten Restaurants und gut gefüllten Betten. Landhaus Ettenbühl, Golfplatz und Camping hatten einenexzellenten Sommer. Selbstinder Vorweihnachtszeit ist derWohnmobilstellplatz an der Therme voll. Das kannauch an der Kunsteisbahn mit Schlittschuhverleih liegen, die noch bis Januarinden winterlichen Kurpark lockt

Carsten Vogelpohl ist seit 2018 Bürgermeister von Bad Bellingen und Aufsichtsratsvorsitzender der Bade-und Kurverwaltung Bad BellingenGmbH.AnseinerAufgabe reizt ihn die Vielfältigkeit: vier in der Region verwurzelte Teilorte, die Chancen der dynamischenOrtsentwicklung der letzten Jahre und die Herausforderungendes andauernden Wandels des Heilbads Bad Bellingen. Vogelpohl ist verheiratet und Vaterzweier Söhne, die im Kurpark am liebsten eine RundeMinigolfspielen

Festbankett und Winzerhock

Jubiläum | Winzerkeller Auggener Schäf feiert 100. Geburtstag

Auggen (anl). Mit einem Festbankett, einem Winzerhock und einemTag des offenen Winzerkellers für die Mitgliederhat der Winzerkeller Auggener Schäf in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Gegründet wurde die Genossenschaft am 9. August 1922 im Gasthaus „Krone“ als Winzerverein Auggen. Anlass warendie Sorgen der Auggener Winzer um den Absatz ihres Weins.Inden Jahren nach dem Ersten Weltkrieg hatten sie mit sinkenden Preisenund Weinhändlern zu kämpfen, welche die Winzer gegeneinander ausspielten. Einige im Weinbau führende Bürger sowie der damalige Ratsschreiber und spätere Bürgermeister Ludwig Muserriefen deshalb im August 1922 alle Weinbauern zu einer Besprechung und zur Gründung einergenossenschaftlichen Selbsthilfeeinrichtung.

Dem neu gegründeten Winzerverein traten auf Anhieb 220 Winzer bei. Erster Geschäftsführerund Rechner wurde Emil Jacoby. Als erster Kellermeister agierteKüfermeister KarlZöllin. Der genossenschaftliche Gedanke „Nur gemeinsam sind wir stark“ wird auch heute noch bei den 440 Winzern und Winzerfamilien aus Auggen Feldberg, Vögisheim, Müllheim, Neuenburgund Laufen großgeschrieben.

Von zentraler Bedeutung in der WG-Geschichte waren die Fusionen mit der Winzergenossenschaft Neuenburg im Jahr 1986 sowie 2011 mit der Winzergenossenschaft Laufen.Mit 536 Hektar Rebfläche verfügt die Genossenschaft über die richtige Größe um Keller und Tanks optimal auszulasten sowie die Weine gut vermarktenzu können. Diesspiegelt sich stets in den Geschäftsberichten wieder.ImGeschäftsjahr 2021/22wurdeein Umsatz von 12,6 MillionenEuro er-

zielt.Bei der Auszahlung der Traubengelder liegt der Winzerkeller seit Jahren im oberen Drittel im Markgräflerland.„Sie könnenstolz sein auf ihren Betrieb und die überdurchschnittlicheAuszahlung“, wurde dem Winzerkeller einmal mehr von Seitendes Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandsbestätigt.

Gleichwohl wird es im neuen Jahr einenUmbruch geben: Geschäftsführer Thomas Baselwird Ende Juni 2023 in den Ruhestand gehen.

SONDERVERÖFFENTLICHUNG ·Samstag, 31.Dezember 2022 ·Nummer303 Jahresrückblick 2022 –Bad Bellingen/Schliengen/Auggen Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Jahresrückblick | Bad Bellingens Bürgermeister über Erfolge und Herausforderungen im Jahr 2022 für seine Gemeinde DEr Autor Carsten Vogelpohl Vor mehr als 40 Jahren zog der Winzerkeller an die B3.Foto:anl
Schliengens Geschäftsführer über Traubenannahme
Investition|
Geschäftsführer Heiko Schapitz (li.)und der Erste Kellermeister Michael Nußbaumer konntenimAugust 2022 auf die neue Traubenannahme mitihren weißen Quetschventilenanstoßen. Foto:sih

Weit mehr alseine reine Blumenschau

Neuenburg am Rhein.Momentevoller großer Gefühle. Aber auch viele kleine Gesten und Geschichten. Die Rheinterrasse und der Landkreis-Spielplatz mit Leben und Lachen gefüllt.Laue SommerabendeimKastanien-Garten. Nach zwei Jahren auf Abstand gehen, nun endlich wieder miteinander feiern,etwas erleben. Blicke in die Zukunft und auf Neuenburg am Rheinslängstvergangene Zeiten. Mit einem Wort: 164 Tage Landesgartenschau in Neuenburg am Rhein

Mehr als ein Jahrzehnt wird geplant, Ideen gesponnen, begleiten viele Menschen aus der Stadtverwaltung und aus der Stadt dieses Projekt. In rund zweieinhalb Jahren Bauzeit entsteht zwischen Stadt und Rhein ein rund 24 Hektar großes Gelände mit einem aufgewerteten Stadtpark und einer neu angelegten Parkanlage

Kurz nach Beginn derBaumaßnahmen, hat im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie die Welt im Griff–und somit auch die Vorbereitungen zur Landesgartenschau. Ungebrochen bleibtder Rückhalt aus der Neuenburger Bevölkerung. Auch unter Pandemie-Bedingungenwerden bis zumBeginn derLandesgartenschau rund 14 500 Dauerkarten ausgegeben. In diesen aufregenden Wochen vor Eröffnung schwanken die Gefühle zwischen Vorfreude und bangenMomenten. Wird auf dem Gelände

allesfertigwerden?

Am 22. April zeigt sich das Geländemit vielen tausend Frühjahrsblühernbei herrlichem Sonnenschein von seiner schönsten Seite.Und füllt sich mit Leben. Eine trinationale Landesgartenschau soll es werden. Bereits an diesem Tag feiern Deutsche, Schweizer und Franzosen miteinander.Auf derBühne vereint durch ein trinationales Moderatoren-Trio und mit einem Programm,das sich bereits an diesem ersten Tag auf die Fahnen schreibt, was diese Landesgartenschau zeigen möchte:Diese Region. Mit allen ihren Besonderheiten und mit ihrer kulturellen Vielfalt. Nach dem offiziellen Eröffnungsakt mit Ministerpräsident Winfried Kretschmannist es soweit: Das Geländemöchte entdeckt werden. Leben ist eingekehrt!

Die 29. baden-württember-

gische Landsgartenschau schenkt unter dem Motto „Weil es uns zusammenbringt“den Besuchern mitten in einem weiteren Rekord-Hitzesommer eine grüne Oaseund 164 TageBlütenpracht. Während der außergewöhnlich heißen und trockenen Sommermonate laufen die gärtnerischen Betriebe zu Höchstleistungen auf, um die Gesamtanlage bis zum letzten Tag in einem guten Zustand präsentierenzu können.

Doch es ist weit mehr als eine reine „Blumenschau“. Stadt und Rhein, sie sind nach vielen entbehrungsreichen Jahren wieder zusammengerückt. Die Landesgartenschau setzt einen Meilenstein im Rahmen der um dieses Projekt gebündelten Stadtentwicklung. Begleitend zu den Baumaßnahmen zur Landesgartenschauerfolgt die Umgestaltung der

Schlüsselstraße, der Neubau des Kindergartens, die Gestaltungdes Kronenrains mit Münsterplatz,Parkhaus am Rheintor, Zähringerbrücke und Bertholdturm, sowie viele weitere Maßnahmen.

Rund 2000 Veranstaltungen finden in den rund sechs Monaten auf dem gesamten Gelände stattund bescheren den Besuchern eine grandiose Zeit: Die Höhner, Axel Prahlund sein Inselorchester, die Whitney-Houston-Tribute-Band –der Ausstellungssommer bringt große Konzertabende mit Festivalcharakter mit sich.

Es sind aber auchdie vielen kleinen Auftritte und Ensembles, welche die Besucher –und allen voran die Dauerkartenbesitzer schätzen und lieben lernen. Auf den Bühnen wechselt sich spannungsreiches Theater mit Lesungen ab, Blasmusik mit Rockevents, mitreißende

Blickvom Rhein überdie Rheingärten Foto: zVg/LGS Neuenburg 2022GmbH

Herzblut und ihremunermüdlichen Engagement zum Erfolg beigetragen. „Ich habe viel gegeben, abernoch viel mehr bekommen“–diesen Satz hört man mehr als einmal. AlteFreundschaften wurden wiederbelebt, viele neue sind entstanden Viel zu schnell gehen die lang ersehnten 164 Tage vorbei. Am 3. Oktober –fast genau ein Jahr nachder Fahnenübergabe –heißtesnoch ein letztes Mal die Tore öffnen. Karten abscannen. Wege erklären. Zeit, gemeinsam Abschied zu nehmen.

Die Autorin

Tanzvorführungen mit informativen Vorträgen.

Gerade unsere Aussteller erweitern mit ihren eigenen Veranstaltungendas Angebot. So zum Beispiel das benachbarte Elsass, der Treffpunkt Baden-Württemberg mit einerVielzahl von Ausstellungen und Veranstaltungen oderauch die evangelische und die katholische Kirche. Auch der Landkreis und die Gemeindeninder Umgebung nutzen die Plattform, um sichzupräsentieren. Eine Gartenschau nicht von und für Neuenburg am Rhein, sondernfür und mit allen und allem was diese Region auszeichnet und einmalig macht.

Wassich nicht in Zahlen messen lässt, ist das neu gewachsene Gemeinschaftsgefühl. Mehrals 300 Rheinheimische haben während der Ausstellungsmonate mit ihrer Begeisterung, ihrem

Andrea Leisinger leitet seit 2019 das TeamVeranstaltungen und Touristik der Stadt Neuenburg am Rhein, seit 2013 ist sie darüber hinaus städtische Geschäftsführerin der zur Organisation der Landesgartenschau gegründeten Landesgartenschau 2022 Neuenburg am Rhein GmbH. Zusammen mit ihrer Familie lebt sie im Neuenburger Ortsteil Grißheim

Kultur stiftet Zusammenhalt durch Erlebnisse

Jahresrückblick | Scheidender Kulturdezernent Jan Merk über 2022 für Müllheim

n Von Jan Merk

Müllheim.2022 war nachden pandemiebedingten Einschränkungen der Vorjahre ein Jahr mit mehr Möglichkeiten und dem spürbaren Publikumsbedürfnis nach Anregung und Austausch. Zugleich machten Ukraine-Krieg und neue Krisen überdeutlich, dass wir in einer Zeitenwendeleben

In Müllheim mit den idyllischen Ortsteilen haben sich Vereine, Gastronomie, Weinwirtschaft, Kultureinrichtungen und die Stadt mit attraktiven Veranstaltungen ins Zeug gelegt. Zudem haben wir mit der Buchhandlung Beidek, dem Kino Central, dem Verein Kultig, der Purpur-Bar und weiteren engagierten Orten einfach Glück. Ein Höhepunktdes Jahres war „50 Jahre Stadtfest“ als gemeinsame Aktion vieler Partner mit ausgewählten Highlights rund um die artistische Traber-Hochseil-Show. Trotz Weinmarkt-Absage im April konnte maninder Museumsausstellung „Ausgeschenkt“ dessen 150 Jahre lange Geschichte nacherleben. MitKunstausstellungen von Modeste zur Nedden, Wolfgang Faller, Johannes Beyerle und Rosa Lachenmeier, der Ausstellung „Müllheim unter der Trikolore 1945-1952“, einer Schau zur regionalen Geld-Geschichte und einem Outdoor-Kunst-Projektzuden Bammerthüsli –jeweils be-

gleitet von Vorträgen, Führungen, Spaziergängen, Diskussionenund einemKinoabend –erreichtedas Museum fast wieder die Vor-Corona-Besucherzahlen.Nicht zuletzt wegen populistischer Angriffeauf unsere Demokratie ist verantwortungsvolles historisches Erinnern,wie momentan zum Zivi-Haus und zur jüdischenGeschichte Müllheims, so wichtig.

Das Mühlenmuseum Frick-Mühlemit erweiterten Öffnungszeiten, dem Mühlentag und der in beidenMuseen gefeierten Museumsnacht Jazz-Wein-Kultur war tatkräftig dabei. „Jazz in Gärten“,die Cover-Nights,ein italienisches Fest, Konzerte in derMartinskirche, Kleinkunst aufder „Bühne 79379“sowie schöne Vereinsaktivitätenbereicherten den Sommerund Herbst.Die Mediathek entwickelte pfiffige Formate, auch nachtsmit Taschenlampe, undbaute ihr digitales Angebotaus.Manche neuestädtische Veranstaltungstieß auf eherzögerliche Resonanz –gerade in Konzerten, Theater oder Kinohat sich das Besucherverhalten geändert. GroßenZuspruchfandimAdventdagegen die Eisbahn.

Für mich persönlich gehen 20 erfüllte Jahre in Müllheim zu Ende,indenen ich in Kultur und Tourismus Verantwortungtragen durfte. Mit kreativenTeams habeich vor allemauf dreiDinge Wert gelegt: ein fokussiertes Angebot für Viele in Stadt und Re-

gion; die öffentliche Förderung für unverzichtbare Bereiche, die es auf dem Markt schwer haben; und eine selbstbewusste Profilierung Müllheims als Mitte des Markgräflerlands.

Dankbarbin ich für viele wertvolle Begegnungen–2022 darf ich zwei Förderer neben Stadtwerken und Volksbank nennen. Harald Schneider, künstlerischer Leiter unsererAbo-Reihe, hat mit einem Kuratoriumdie wunderbare Aktion „Ein neuer Flügel für die Martinskirche“ initiiert. Und die Sparkasse Markgräflerland finanziert ein bronzenes Landschaftsrelief vor der Martinskirche, in dem die unterschiedlichen Grenzziehungendes Markgräflerlands erstmals deutlich sichtbar werden. Ich bin überzeugt: Kultur stiftet Zusammenhalt und ist gesellschaftlich rele-

Der Autor

Jan Merk

Historiker, ab 2002 Leiter des Markgräfler Museums und ab 2013 auch Kultur- und Tourismusdezernent in Müllheim, übernimmt im Mai 2023 die Leitung des Dreiländermuseums Lörrach.

SONDERVERÖFFENTLICHUNG ·Samstag, 31.Dezember 2022 ·Nummer303 Jahresrückblick 2022 –Neuenburg /Müllheim Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
Landesgartenschau | Geschäftsführerin Andrea Leisinger über 164 „rheinmalige“ Tage im Jahr 2022 für Neuenburg am Rhein Andrea Leisinger vant –inZeiten wie unseren in denenOrientierung und kulturelleBildung ohne Zeigefinger benötigt wird, mehr denn je. Illuminiert: dieJazz-Wein-KulturFoto:zVg/Jan-PeterWahlmann

GroßeFreuden treffenauf großen Frust

Oberes Wiesental. Es war erneut ein außergewöhnliches Jahr, dieses2022. Wir befragten Persönlichkeiten und Vereinsvertreter aus dem Oberen Wiesental, wie sie das Jahrerlebt haben, was ihre größten Freuden, aber auch ihre größtenAufreger warenund was sie sich für das neue Jahrwünschen

Peter Mauthe,Präsident der Fasnachtsgesellschaft Zell: „Die größten Aufreger warenfür mich als alter Fasnächtler tatsächlichdie UnsicherheitenzuJahresbeginn, Wir stelltenuns die Fragen: Wie können wir in welcher Form unsere tolleFasnacht machen, 2G, 3G, Maskenpflicht? Schlussendlich gab es dochnoch Lockerungen, aber keine Umzüge. Es war eine sehr nervenaufreibende Zeit, verbunden mit vielen ganz kurzfristigen Entscheidungen, die auch nicht immer auf ’Gegenliebe’gestoßen sind.

einfachen Zeiten sollte für jeden machbar sein.“

Auch mit Norbert Asal, Schulleiter der Montfort-Realschule Zell, haben wir gesprochen. Er fasst ebenfalls die größten Aufreger zusammen:„Sicherlichwar neben der hoffentlich abflauenden Coronawelle der Krieg in der Ukraineein großer Aufreger. Hiererleben wir wieder einmal, dass die Weltpolitik und das Weltgeschehen direkt vor Ort spürbar sind. Wir haben an unsererSchule mittlerweile langjährige Erfahrunginder Beschulung von Kindern aus unterschiedlichen Nationen, die bei uns zunächst Deutsch lernen. Diese Erfahrungen konnten wir gut an andere Schulen weitergeben. Für die ankommenden Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine konnten so vernünftige Beschulungsmöglichkeiten geschaffen werden.Die Ungewissheit der Gesamtsituation hat aber auch uns wie so viele andere in Spannung gehalten.

„Eine große Freude war dann,dass wir mit unserer Skulpturenpräsentation auch wieder Fasnachtsveranstaltungen im Städtli hatten.Es war auch eine Freude, dass wir in einer spontanen Spendenaktion 2222 Euro für die Ukrainehilfesammeln konnten. Und natürlich eine große Freudewar, dassich wieder einen Hürussuchen durfte und, dass es uns gelungen ist, wieder einen tollen Ölfde Ölfde an alter Stätte, in der Stadthalle, auf die Beine zu stellen.“

Was sich Mauthe für 2023 wünscht: „Dass der Ölfde Ölfde der Auftakt zu einer schönen, bunten, an keine Einschränkungen mehr gebundene Zeller Fasnacht ist, so wie es vor Coronawar. Und ich wünschemir, dass es den Leuten nicht zu schlecht geht, dass sich alle schöne und unbeschwerte Stunden bei der Fasnacht leisten können. Ein bisschen Entspannung in diesen nicht ganz

Und was waren die größten Freudenfür Norbert Asal? „Die größte Freude machte uns die Fertigstellung unserer Sanierung. Nach etwa drei Jahren haben wir nun tolle Klassen- und Fachräume, die technisch, medial und digital auf dem neuestenStand sind. Wir können so den Schülern und Lehrern moderne Lehr- und Lernbedingungen bieten und das erweiterte Platzangebot mit Differenzierungsräumen nutzen.

rung oderder Prävention durchgeführt werden. Dies alles war in den Hochzeiten von Corona nicht möglich. Für die Kinder sind neben dem schulischen Lernen solche Aktivitäten im schulischen Erleben von ungeheurer Bedeutung.“

Was sich Norbert Asal für 2023 wünscht: „Für das neue Jahr wünsche ich mir,dass unsere Schüler weiter gut lernen können.Ich wünsche mir, dass außerschulische Einflüsse wie Corona oder Krieg keinen entscheidenden Einfluss auf das Schulgeschehen nehmen werden. Ganz besonders freue ich mich aber auf ein schönes Schulfest im Laufe des kommenden Jahres, bei dem wir der Öffentlichkeit sehr gerne unsere neue Schule und die neuen Lernbedingungen prä-

Daneben hat mich riesig gefreut, dass nach den coronabedingten Einschränkungen im Schulbetrieb nun wieder schulische Aktivitäten möglich waren.Eskonnten wieder Ausflüge und Klassenfahrten, aber auchschulische Aktionen für die gesamte Schulgemeinschaft stattfinden.Mit unseren Kooperationspartnernkonnten wieder Veranstaltungenim Bereichder Berufsorientie-

sentieren wollen.“

Auch Alfred Knauber aus Zell blickt als Kreisobmann des Bundes Heimat und Volksleben (BHV)zurück: „Schön war, dass die Zusammenarbeit mit den Trachtengruppen im Landkreis so gut funktioniert, und ein Höhepunkt im Jahr war sicherlich das Kreistrachtenfest in Weil am Rhein.Unabhängig vom BHV organisiere ich mit einigen Frauen vier Mal im Jahr einen Nachmittag für die Zeller Senioren–auch das ist jedes Mal ein Höhepunkt. Auch unserAusflug mit den Senioren im Juli war sehrgut besucht.“ Und was hat Alfred Knauber 2022 besonders aufgeregt? „Im Vereinsleben gibt es keineAufreger. Aber mich regt es auf, dass oft gemotzt wird, dass in Zell nichts los ist, aber wenn klei-

germeistervon Fröhnd, blickt ebenfalls zurück: „Für dieGemeindeein großer Erfolg war, dass wir die beantragten Fördergelder aus dem Ausgleichstock und die ELR-Mittel erhalten haben. Das sind 1,4 Millionen Euro für die Sanierung der Gemeindehalle, die nächstes Jahr ansteht. Auch eine große Freude war, dass die Bürgerabstimmung zur Windkraft so eine große Beteiligunghatte und die Mehrheit sich für den Umbruch entschieden hat. Wiederum ein großes Ärgernis ist, dass die Gegner der Windkraft trotzdem noch nachtreten mussten, obwohl es ein klares Votum gibt und die Mehrheit dafürist.“ SeinWunsch für

2023: „Friedenund gegenseitigen Respekt, den Rest bekommen wirgeregelt.“

Helmut Löffler,Pfarrer in der katholischen Seelsorgeeinheit OberesWiesental, schaut auch auf das Jahr 2022: „Der größte Aufreger: als sich im heißen Sommer dieses Jahres Fledermäuse in meiner Wohnung niederließen. Die größten Freuden, dass ich nachAufhebungder Corona-Beschränkungen sehr vieleTrauungenund Taufen halten konnte,denn das zeigt, dassesneben vielen Zukunftsängsten auch Zukunftshoffnung gibt.

MeinWunsch für2023: Natürlich, dass Friede für alle Menschen Wirklichkeit wird, aber auch, dasswir uns einander das Leben nicht unnötig schwermachen und, dass die Menschen die Freude am Glaubenwiederentdecken.“

Claudia Steinhardt, Leiterin der Tourist-Info der Bergwelt Todtnau bei der Hochschwarzwald Tourismus, sagt in ihrem Rückblick:„Sicherlichüberschattet ein Krieg in Europa alles. Für den Tourismus war es ein aufregendes Jahr. Nachzwei Jahren Pandemie hat man gespürt, dass die Menschen wieder reisen möchten und die Lust auf Reisen da ist! Die Buchungen bei unseren Leis-

tungsträgernsind wieder gestiegen. Doch es gibtneue Herausforderungen: Personalmangel, starkgestiegene Lebensmittelpreise, ganz zu schweigenvon den immens gestiegenen Energiepreisen. Dies alles machteseiner Branche, die nahezu auf Null zurückgefahren wurde, nicht leicht, ihrengewohnt sehr guten Service zu halten bzw. wieder aufzubauen.“ Aber auch von ihren größten Freuden spricht Steinhardt:„Endlich wieder Gäste aus dem Inund Ausland zu begrüßen, die ihren Urlaubbei uns auch wieder mit Besuchen und Treffen in der Gastronomie oder bei einem Besuch vonVeranstaltungengenießen und ergänzen konnten Endlich auch wieder Veranstaltungenplanen und durchführenzudürfen. Und besonders auch der Beginn des Baus der Hängebrückein Todtnauberg und des Wasserfallportals in Aftersteg.“

Für 2023 wünscht sich Claudia Steinhardt von der HochschwarzwaldTourismus: „Vor allemFrieden, eine gute Zusammenarbeit in allen Bereichen, denn nur gemeinsam werden Erfolge erzielt, wieder mehr Akzeptanz des Tourismus, denn ohne diesen wichtigen Wirtschaftszweig und die wertvolle Arbeit allerimTourismus beteiligten Personen, wärenviele Leistungen und Annehmlichkeiten für alle nichtmöglich. Undnicht zuletzt für alle bezahlbare Kosten und zufriedene Gäste, die sich auf ihren Urlaub in unserer schönen Ferienregion freuen.“

SONDERVERÖFFENTLICHUNG ·Samstag, 31.Dezember 2022 ·Nummer 303
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler
Jahresrückblick 2022 –Oberes Wiesental
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ne Vereine etwas veranstalten, kommt fast niemand.“ Michael Engesser,Bür- Jahresrückblick | Persönlichkeiten und Vereinsvertreter aus dem Oberen Wiesental blickenzurück auf das Jahr 2022 In Todtnauberg freut mansichüber denBau der Hängebrücke überden Wasserfallmit einem gigantischenAusblick über dasTal. Foto: Verena Wehrle PeterMauthe Foto: Archiv DieZeller feierten ihreFasnacht mit einer Skulpturenausstellung, diegut ankam. Foto: Archiv NorbertAsal Foto:Archiv AlfredKnauberFoto:Archiv Claudia Steinhardt Foto:Archiv
EinMeilenstein2022: Fröhnds Bürgermeister Michael Engesser undTobias Tusch vom derWindparkZeller Blauenhaben den Grundstücksnutzungsvertrag fürWindenergieanlagen unterzeichnet.Foto:zVg
Pfarrer Helmut Löffler Foto:Wehrle

Von Drohbriefen und Geldsegen

Zell. Zells Bürgermeister Peter Palme blickt auf ein –wie er sagt –„besondersaktives Jahr, vor allemfür die Bauabteilung“ zurück.Verena Wehrle hat mit ihm über die Höhepunkte,Herausforderungen,Freudenund Ärgernisse von 2022 gesprochen.

Herr Palme,was waren im vergangenen Jahrdie größtenProjektefür Zell? Eingroßes Projekt war mit Sicherheit, dass wir die ZielgeradeimKomplettumbau der Realschule erreicht haben, dieses Projekt hat mich schon meine ganze Amtszeit beschäftigt. Auch die Sanierung der Außenanlage der Kita in der Gottfried-Feßmann-Straße zählt dazu. Hier wollenwir außen mehr Grün für die Kinder schaffen.Ein weiteres großesProjekt war die Wasserversorgung Riedi-

freuen?

Ja, wir bekommen jährlich auchEWS-Fördergelder für Klimaschutzprojekte, dabei werden 35 000 Euro auf die Städte Zell, Schopfheim, Gersbach und die Gemeinde Häg-Ehrsberg verteilt. Besondersgroßist die finanzielle Förderung der Zeller Vereine sowie zahlreicher Sozial- und Naturschutzprojekte durch dieBürgerstiftungder Sparkasse, das Biosphärengebiet und den NaturparkSüdschwarzwald. Besonders betont werden muss an dieser Stelle der Bürgerverein Zell, welcher jährlich 25 000 Euro für das Stadtmarketing zur Verfügung stellt. Auch die Richard-Grossmann-Stiftung Lörrach unterstützte uns wieder in hohem Maße bei der Seniorenarbeit mitAusflügen und Seniorennachmittagen

Was waren für Sie die größten Herausforderungen?

Dazu zählt bestimmt, als Bürgermeisterjedem gerecht zu werden, man muss sich auch um die kleinen Belange der Bürger kümmern, von Fragen zur Schneeräumung, übergelbe Säcke bis hin zur Hundetoilette.Das ist mitunter auch anstrengend.

„Früher war mehrlos in Zell“ –diesen Vorwurf hören Sie bestimmt immer wieder. HabenSie das Gefühl, dassdie Pandemie auch das Zeller Vereinsleben zum Stillstand gebracht hat?

chen mit Quelltransportleitung.

Undwas hat Sie selbst am meisten gefreut? Dasswir die Felssicherung in der SchönauerStraßefinal abschließen konnten.Auch der 5-Tonnen-Brocken in der Liebeck wurde nun geräumt, hier wird eine neue Bohlenwand aufgebaut. Besonders schön war auch das Jubiläum zur 40-jährigen Städtepartnerschaft in EmbruninVerbindung mit der Restaurierung unseres Embruner Platzes durch den Zeller Bürgerverein. Überhauptfreue ich mich sehr über das enorme Engagement der Zeller Vereine mit ihrer erfolgreichen Jugend- und Seniorenarbeit und der Unterstützung für die Tafel. Auch über das herausragende Engagementdes Markus-Pflüger-Heimsin unserem Wildgehege, das das Gehegeund die Tiere voller Herzblut pflegt, und über die herausragende Unterstützung des DRK-Ortsvereins Zellbei Impfaktionen, Seniorenfahrdiensten und Veranstaltungen freue ich mich.Eine große Freude war auch die Bewilligung der Fördergelder für den Umbau und die Erweiterung des Kindergartencampus in der Bahnhofstraße in Höhevon rund zweiMillionen Euro. Das gibteine tolle Sache.

KonntenSie sichüber nochmehr Geldsegen

Viel größerwar jedoch die Herausforderung,mit verbalen und schriftlichen Angriffen vonWindkraft-Gegnern umzugehen. Da –und auch in Bezug auf die Kündigung des Jugendbetreuers –gab es tatsächlich auchDrohbriefe gegen mich persönlich, die ich bei der Polizei angezeigt habe. Ich bin aber froh, dass es in Zell wesentlich gesitteter zugeht als in anderenOrten. Dass etwa mein Bürgermeister-Kollege GerdSchönbett kürzlich in die Enge gedrängt wurde, verachte ich aufs Allerschärfste. Für mich ist das Allerschlimmste, wenn solche Berufsdemonstranten die Demokratiemit Füßen treten.

Und wie hatder Ukraine-Krieg die Stadt betroffen?

Ja, auch der Umgangmit den Folgen des von Putin angezettelten Angriffskriegs gehörte zu unserengroßen Herausforderungen.Dazu zählte vor allem die Bewältigung der Flüchtlingswelle und die Folgen der Krise mit den steigenden Energiepreisen.Das stellt Kommunen vor große finanzielle Probleme.

Neben dem Ukraine-Krieg hat auch Coronaweiterhin dasLeben bestimmt. Wie istdie Stadt damit umgegangen?

Mit unseren Impfaktionen haben wir das bürokratische System des Landkreiseszum ersten Mal durchbrochen Denn wir haben –unter Federführung von Dominika Anti –ein Impfzentrumganz ohneTerminvereinbarung eingerichtet und haben damit vor allem jene Menschen erreicht, die keinen Arzt aufgesucht hätten

Nein. Klar, brauchen die Vereine Zeit,umsich wieder neu zu organisieren. Aber das Zeller Vereinsleben läuft weiter. Paradebeispieleiner großformatigenVeranstaltung diesesJahr war das 250-jährigeVereinsjubiläum des FC Zell, der RG Hausen-Zell und des Skiclubs.

Alle Veranstaltungen in Zell haben gezeigt, dass wir den Rathausplatz mehr nutzen und öfter mal etwas Neues wagen müssen. Was klar ist: Diese großen Städtlefeste, wie wir sie aus den 70er-Jahren kennen, wird es nicht mehr geben. Wir müssen kleinere Brötchen backen. Trotzdem sind weiterhingroße und kleine Veranstaltungen möglich. Die Stadt Zell lebt von ihren Vereinen.

»Für michist es das Allerschlimmste, wennBerufsdemonstranten die Demokratie mit Füßen treten.

Bürgemeister Peter Palme

Beim Rückblickauf 2022: Washat Siepersönlich besonders geärgert? Nebenden persönlichen Angriffen etwaauchdie Preissteigerungen bei Baumaterial, weswegen Projekte abgesagt werdenmussten. Für sie haben die Haushaltsmittel nicht mehr ausgereicht.

DasEndevom Jahr bedeutet ja auch immer einBlick auf möglicheVeränderungen.Wosehen Sie in der Zeller Verwaltungsarbeit noch Verbesserungspotential?

Das seheich ganz klar in der

Bürokratie. Die Abläufe in der Rathausverwaltungmüssen digitaler werdenund damit einfacher, schneller und preiswerter. Da ist nochsehr viel Luft nach oben. Hier brauchen wir dringend eine Lenkung durchsLand, besser nochdurch den Bund.

Was wünschen Siesich für Zellund die Bürger für das Jahr 2023?

Viel Energie, Zufriedenheit und vor allem Gesundheit sowie ein friedliches Miteinander. Nach der längsten Friedensperiode in Europa herrscht nun eine unbegreifliche Situation vor –mit fürchterlichen Auswirkungen.Friedenist keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern ein Ziel, welches wir alle gemeinsam erreichenmüssen. Ich wünsche mir, dass wir wieder mehr zusammentreffen. Wir müssen schauen, dass die Corona-Maßnahmen dauerhaft auf das Mindestnotwendige beschränkt werden.Ich unterschätze die Risiken nicht, aber wir wollen wieder normal leben und arbeiten.

Wagen Siezum Schluss noch einen kleinenAusblick?

Große Projekte werden 2023 der Kindergartencampus sein.AbJanuarwirdauch den Jugendlichen wiederetwas geboten,die dann von einemneuen Betreuer im JUZ begleitet werden.Dieser wird dem Gemeinderat noch vorgestellt. Der Rathausplatz bekommtein neues Erscheinungsbild, rund um Zell wird es neue Spazierrundwege geben unddie Stadt präsentiert sich mit einer neuen Internetseite

SONDERVERÖFFENTLICHUNG ·Samstag, 31.Dezember 2022 ·Nummer 303
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler
Jahresrückblick 2022 –Oberes Wiesental
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Rückblick | Zells Bürgermeister Peter Palme blickt im Interview auf große Projekte zurück und lobt die Vereine Als Paradebeispiel für große Veranstaltungen in der Stadtnennt Peter Palme dieVereinsjubiläen desFCZell,der RG Hausen-Zell und desSkiclubs im JuliimSportparkimGrendel. .Fotos: Archiv PeterPalmeblickt auf das Jahr 2022 zurück Großer Dankgilt dem Bürgerverein Zell, der dieVereine unterstützt Ein Höhepunktwar das Jubiläum der 40-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Embrun undZell. Mit Plakaten protestiertenEltern und Jugendliche im Junigegen die Entlassung eines städtischen Mitarbeiters.Bürgermeister Palme bekam deswegen auchDrohbriefe Ein Meilenstein war die abgeschlossene Sanierungder Montfort-Realschule.

Veränderungen selbst anstoßen

Lörrach. Knapp ein Jahr ist es nun her, dass meine Frau, unsere beiden Töchter, drei und fünf Jahre, und ich von Wien nach Lörrach übersiedelt sind. Die Zeit ist verflogen. Umfang und Tragweite dieser Veränderung waren uns bewusst, aber natürlich haben wir sie am Ende dennoch unterschätzt. So schön die neue Umgebung, so vielfältig die Themen und Aufgaben, die mit einem internationalen Wohnortswechsel verbunden sind. Langsam kommen wir an, jeden Tag ein wenig mehr.

Schon manches verändert Das Programm des Stimmen-Festivals und der Burghof-Saison bis Mai 2023 stand weitestgehend bereits fest und konnte ich nur punktuell ergänzen. Trotzdem hat sich in der vergangenen Zeit

viel getan und bereits manches verändert. Nicht nur kamen ein paar weitere Krisenthemen zum Thema Pandemie hinzu, auch wurde schnell klar, dass dies nur eine Verstärkung der Probleme darstellt, die bereits lange im Kulturbetrieb köcheln Frage nach der Relevanz Die Frage nach der Relevanz drängt sich naturgemäß immer dann in den Vordergrund, wenn es im Kontext knapper Ressourcen um die Verteilung öffentlicher Mittel geht. Diese Frage hat der Kulturbetrieb, und dabei vor allem die großen Häuser, also die Tempel der sogenannten Hochkultur, lange nicht so dringend und umfänglich gestellt bekommen. Nämlich nicht nur vonseiten des Fördergebers, sondern auch publikumsseitig, wenn plötzlich die Säle wieder geöffnet werden dürfen, aber der Publi-

kumszuspruch sich weit verhaltener zeigt als sich viele erhofft und manche in Erinnerung hatten. Was wird wem geboten? Über welche Kanäle werden die Inhalte kommuniziert und in welcher Sprache? Wem stehen die Türen grundsätzlich offen, und warum sind sie eigentlich in vielen Fällen die meiste Zeit geschlossen? Warum so viel Geld für Angebote, die am Ende einer kleinen Minderheit zugutekommen?

Auf diese Fragen muss jedes Haus, jede Institution, ob groß, ob klein, für sich Antworten finden. Antworten die man am Ende nicht bloß selbst als nachvollziehbar und ausreichend ansieht, sondern die von Publikum, Politik und Sponsoren, ja, die von der Gesellschaft insgesamt, verstanden und anerkannt werden. Denn in Zukunft werden diese Antwor-

ten über den Fortbestand entscheiden, wenn sich Demografie und Lebensgewohnheiten, Kommunikationsund Kulturnutzungsverhalten immer weiter verändern und entwickeln.

Veränderungen gestalten Deshalb sehe ich es als zentrale Herausforderung, gemeinsam mit dem Team im Burghof, diese Entwicklungen fortwährend und mit Kreativität mitzugehen und bestenfalls mitzugestalten. Denn Veränderungen haben meist dann einen schalen Beigeschmack wenn sie von außen bestimmt sind. Sie selbst mit anzustoßen, birgt zwar mitunter Risiken, eröffnet aber Gestaltungsspielraum

Dieser Spielraum ist am Ende, was Kulturhäuser brauchen. Das ist es auch, was den Reiz des Kulturschaffens ausmacht. Die

Hintersinnig, eingängig, trinational

Willkommen sind wieder die Wintergäste Nach Corona-Unterbrechung meldet sich die Literaturreihe mit einem ganztägigen Lesefest zum Thema „Moment und Ewigkeit“ zurück.

Trinationale Vielfalt zeigt die Regionale noch bis ins neue Jahr hinein. In Riehen, Basel, Freiburg oder Mulhouse wird in verschiedenen Häusern Kunst präsentiert.

Eigenwillig berührend, bewegend sind die Werke des großen Künstlers Jürgen Brodwolf, des Erfinders der Tubenfigur Er feiert am 14. März seinen 90. Geburtstag und wird unter anderem im Markgräfler Museum gewürdigt.

Aktuell ist die Schau „Plastik.Die Welt neu denken“ im Weiler Vitra Design Museum. Dabei wird das Material nicht verteufelt, sondern seine Vielschichtigkeit und Bedeutung herausgearbeitet.

Vielfältig präsentieren sich verschiedene Dialekte bei der traditionellen Mundart-Literaturwerkstatt mit ihrer 32. Ausgabe im April. Ein faszinierender Blick auf die kulturelle Vielfalt der Mundart

End mit Heidi gibt

es auf der Bühne des Basler Theaters. Der über 20 Jahre lang in Basel wirkende beliebte Ballettdirektor Richard Wherlock zeigt sein letztes großes Handlungsballett „Heidi“ im Mai.

Unangefochten ist der Status der Kunstmesse Art Basel in der Fachwelt und weit darüber hinaus. Die Auflage vom 16. bis 19. Juni präsentiert 289 Galerien aus 40 Ländern von mehr als 4000 Künstlern.

Ausverkauft ist als erstes das Stimmen-Konzert mit den Rock-Dinos Deep Purple,

die am 24. Juli den Marktplatz zum Beben bringen. Auch sonst bietet das Festival viele schöne Konzerte.

Bluesig wird’s wieder beim Dreylandbluesfestival in Schopfheim Bad Säckingen und Wehr vom 18. bis 20. August mit etablierten sowie neuen jungen Bands.

Gerührt ist Dieter Bitterli vom Theater im Hof: Denn die hochkarätige Kulturveranstaltung im charismatischen Ambiente des Hofs unter der Kastanie gibt es tatsächlich seit 30 Jahren Endlich wieder ohne Corona-Ein-

schränkungen bieten die Kulturtage im August Balkanklänge, Bach und Mantra.

Publikumsnah lebt Basel die Kunst – und macht diese mit den Kunsttagen vom 1. bis 4. September in 55 Häusern niederschwellig für ein breites Publikum erlebbar

Hintersinnig ist eine Ausstellung im Museum Tinguely, die seit September der Frage nachgeht: „Wohin mit dem Abfall?“ Unter anderem zu sehen: ein Abfalleimer, der den Müll wieder ausspuckt, zu sehen noch bis 8. Januar.

Schätze vergangener Epochen müssen wir wahren und zugänglich machen. Gleichzeitig ist es aber auch die Aufgabe, gegenwärtige Strömungen abzubilden und, dort wo möglich, Visionen von Zukunftsmodellen zur Diskussion zu stellen Daraus ergibt sich die Aktualität und Relevanz, die oft, wenn auch nicht immer, zu Recht infrage gestellt wird.

Es ist eine spannende, auch sehr herausfordernde Zeit, die uns bevorsteht. Dabei sind wir alle gefordert, als Einzelne und als Gesellschaft, die brennenden Diskussionen besonnen zu führen, um gemeinsam die richtigen Richtungen einzuschlagen.

Mit dem Burghof und dem Stimmen-Festival trägt Lörrach in erheblichem Ausmaß dazu bei, dass in der Region Kunst und Kultur, Dialog und Diskurs, über die Ränder

von Tradition und Moderne hinaus, gelebt und praktiziert werden.

Das nehme ich als Herausforderung und als Anspruch an meine Arbeit mit dem Team an und freue mich auf alles, was kommt. Aber nun erst mal auf ein schönes Weihnachtsfest mit meiner Familie und einen guten Start ins neue Jahr

der autor

Der Kulturmanager Timo Sadovnik aus Wien hat am 1. März 2022 seine neue Position als Geschäftsführer und Künstlerischer Leiter im Burghof Lörrach und beim Stimmen-Festival angetreten Der 41-Jährige ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Lörrach

Feministische Kunst zeigt das Basler Kunstmuseum mit „Fun Feminism“ – und räumt mit der Vorstellung auf, das feministische Kunst a priori humorlos ist.

Eindrucksvoll ist die am 30. Oktober eröffnete neue Sammlungspräsentation zum 25. Jubiläum der Fondation Beyeler mit den hyperrealistischen Skulpturen des Amerikaners Duane Hanson. Eine Präsentation hochkarätiger Kunst von van Gogh bis Anselm Kiefer, die durch diese Kombination neue Perspektiven eröffnet, zu sehen noch bis 8. Januar.

Eingängige Sounds liefert die Baloise Session zur Eröffnung mit OneRepublic. Die Konzerte sind wie gewohnt ausverkauft.

Trotzige Macht über die Männer brachte Anfang November die Oper „Salome“ von Richard Strauss auf die Bühne des Basler Theaters, das insgesamt in puncto Offenheit und Publikumsansprache ambitionierte neue Wege einschlägt

Queere Literatur setzte beim Basler Literaturfestival Ende November ein Zeichen Außerdem ging es um das aktuelle Thema „Grenze“. Die Besucherresonanz war groß.

Cool und rockig war der Stimmen-Auftritt von Deep Purple Foto: Michael Hundt Blick in die Plastik-Ausstellung Foto: Gabriele Hauger Kultur | Der neue Burghofgeschäftsführer und Stimmen-Chef Timo Sadovnik blickt auf sein erstes Jahr in Lörrach Timo Sadovnik an seiner Arbeitsstätte im BurghofFoto: Gabriele Hauger
Nummer 303 Jahresrückblick 2022 – Regio Kultur Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung
SONDERVERÖFFENTLICHUNG Samstag, 31 Dezember 2022
Happy
Rückblick | Was in der Regio kulturell so alles los war – ein Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit Immer einen Besuch wert: die Fondation Beyeler – hier ein Blick in die ungewöhnliche Sammlungspräsentation zum 25-jährigen Bestehen. Foto: Gabriele Hauger
Timo Sadovnik

Jahresrückblick 2022 –Regionalsport

„Ich glaube, in mir steckt noch viel Potenzial“

Lörrach. Sie istwohldie bislang erfolgreichste Radrennsportlerinimsüdwestlichen Zipfelder Republik.Doch hinter Clara Koppenburg liegt eine schwereZeit, die von Verletzungengeprägt war. Nun greift die 27-jährige Lörracherin wieder an, will in ihrer bislang so erfolgreichen Profikarriere noch eine Mengebewegen. Mit Clara Koppenburg hat sich unser Redakteur Uli Nodler unterhalten.

HinterIhnen liegt sportlich eine schwere Zeit. Verletzungen habenSie ausder Bahn geworfen. Wiegeht es Ihnen aktuell?

Mir geht es sehr gut.Von meiner Verletzung spüre ich so gut wie nichts mehr. Lediglichetwas Beweglichkeit und Kraftunterschiede in den Beinensind nochzuspüren, aber das wirdauch immer besser. Vor wenigen Tagen habe ich das erste Teamtrainingslagerinder spanischen Stadt Dénia absolviert. Das tat so gut, wieder mit meinem TeamConfidis unterwegs zu sein, das typischeLeben eines Radprofis zu leben und gut zu trainieren. Leistungstechnisch bin ich mit Sicherheit auf dem Stand der anderen im Team, was auch gut zu wissen ist.

Wiralle wissen, dassSie eine Kämpferin sind. Hat es aber in der Vergangen-

heitauch einen Moment gegeben,woSie den Profiradrennsport an denNagel hängen wollten?

Eigentlichnichtwirklich. Kurz nach dem zweiten Sturz hab ich mir natürlichschon Gedanken gemacht, aber auchgemerkt, dass ich einfachnoch nicht bereit bin, den Radsport aufzugeben Ich glaube, in mir steckt noch vielPotenzial, das ich unbedingt ausschöpfen will und sehen möchte, wie weit ich komme,wenn malalles gut läuft. Das Radfahren werde

ich wahrscheinlich eh niemals aufgeben, weil es für mich nichtsSchöneresgibt.

Wie es mit dem professionellen Rennen fahren aussieht muss manschauen, aber die nächsten Jahre möchte ich das auf jeden Fall noch machen und das Bestmögliche aus mir herausholen.

Wiesieht Ihre Vorbereitung auf die neue Saison aus?

Momentan fahre ich vor allem viele Stunden im Grundlagenbereich. Das erste Trai-

ningslager in Spanien ist schonwieder vorbei, das nächsteerfolgt im Januar mit der Nationalmannschaft in Mallorcaund von dort geht es auch direkt wieder nach Dénia, wo wir dann Ende Februarauch das erste Rennen fahren. Ansonstenverbringe ich viel Zeit im Fitnessstudio, um dort an meiner Kraft und Muskulatur zu arbeiten. Außerdem fahre ich vermehrt auch mit einem Gravelbike(Anm. d. Red.) Rennrad für Kies und Schotterpisten), um meineBikeSkills zu verbessern. Außerdem habe ich mentalesTraining und Techniktraining im Programm,ummeine Ängste auf dem Rad zu bewältigen. Aktuell sind meineTage nahezu komplett ausgefüllt.

Können Sie Ihren Leistungsstand alseine der weltbesten Bergfahrerinnenwie vor denVerletzungen wieder erreichen odergar steigern?

Das ist natürlich das Ziel. Ich denke aber, dassich das auch wieder schaffe. Zumindest bergauf.Bergab muss ich hartanmir arbeiten, um nicht abgehängt zu werden Es kostet dann viel Kraft, wieder an das Feld heranzufahren. Leidergewinnt man nur sehrwenigeRennen als Bergfahrerin, da es anders als bei den Männern kaum Rennen gibt, die so geschnitten sind,dass man als reineBerg-

fahrerin gut abschneiden kann. Es braucht deshalb eher Allrounder. Daher möchte ich meinen Fokus darauf legen, in Zukunft auch an meinen Zeitfahr- und Sprintqualitäten sowie am taktischen Verhalten zu arbeiten, um bei mehr Rennen als den Bergankünften, vorne mitfahren zu können

Ihreschweren Stürzegeschahen auf Abfahrten.

Wie gehenSie dieses Problem im Training an?Kann man das überhaupt trainieren?

Das stimmt,und ich muss zugeben, dass das einiges mit mir gemachthat. Vor den Stürzen bin ichdie Abfahrten heruntergeprescht. Jetzt ist es eher Kategorie ’Großmutter’. Nichts gegen meine Oma. Mit meinen Teamkolleginnen kann ich im Trainingslager die Abfahrt üben indem sie mich ans Hinterrad nehmen, und ich versuche, die exakt gleiche Linie zu fahren undnicht abreißen zu lassen. Außerdem habe ich vom Olympiastützpunkt einen Mentalcoach,der Ex-MTB-Profi und daher technisch supergut ist. Wir werden ab JanuarimGelände zusammen arbeiten und versuchen, mir zum einen die Angst zu nehmen, zum anderenauchdie richtige und ungemein wichtige Kurven- und Abfahrtstechnik beizubringen.

Was setzen Sie sichfür realistische Ziele im Jahr 2023?

Wie jedesJahrwürde ich gerne die Deutsche Meisterschaftangehen und. gewinnen. Außerdem möchte ich beim Giro d’Italia und der Tour de France einen Top Zehn-Platzoder gar eine Podiums-Klassierung in einer der Etappen einfahren. Mein größtes Zielist es jedoch, mit großen und kleinen Erfolgen heil und glücklich durch die Saisonzukommen

Fahren Sie weiterfür Ihren bisherigen Rennstall? 2023 werde ich auf jeden Fall noch bei Cofidis sein.Was sich dann für die nächsten Jahre ergibt, mussman sehen.

Wielange wollen Sienoch den Profiradrennsportbetreiben?

So lange, wie ich Freude daran habe und spüre, dass es nichts anderes gibt,dass mich so erfüllen würde wie der Profisport.

WelcheZielestrebenSie nachIhrer aktiven Laufbahn an?

Einglückliches Familienleben,einen anderenBeruf, der mich so glücklich macht wie mein aktuellerund dass ich den Radsport aus einer anderen Perspektive immer noch genießen und mit Freunden teilen kann.

n Beifall

Der Bengel fährt einfach allen davon. Schon im Schüleralter lehrte er die Konkurrenz auf nationaler und internationaler Ebenedas Fürchten. Snowboardcrosser Leon Ulbricht vom SC Rötteln in Lörrach ein Hochtalentierter? In der Tat: Ulbrichts Leistungen lassen seine Trainer, aber auch die Kenner der Szene mit der Zunge schnalzen. Als 17-Jähriger wurdeer im März 2022 Junioren-Weltmeister. Und im ersten Weltcup der Bestenbelegte er jüngst auf Anhiebden elften Rang.LeonUlbricht kannim Snowboardcrossein ganz Großer werden.

n Pfiffe

Oh je, FCB. Die fettenJahre des einstigen Schweizer Serienmeisters sind schonlange vorbei. Der FC Basel ist nicht mehr das Aushängeschild des eidgenössischen Profifußballs. Warumist das so? Der Niedergang bei den „Bebbi“ begann nach der Entlassung von Trainer Urs Fischer, weil der „Jugendwahn des damaligen SportdirektorMarco Streller zu dieser unbedachten Entscheidung getriebenhatte. Die Folgenwaren fatal. Trainer und Spielergaben sich die Klinkeindie Hand. Die Erfolge bliebenaus und ein Ende der Krise ist nicht in Sicht.

Info

Beifall &Pfiffe

Objektivität ist ein hohes Gut. Aber: Auchwir sind nur Menschen und nehmen sportliche Ereignisse subjektiv wahr.

Im Jahr2022habenwir wieder über eineVielzahl positiver Momente berichtet,die uns begeistertenund den Arbeitstagversüßten.Aberes gabauch Negatives, das uns

missfiel und Kopfschütteln auslöste

In unseremJahresrückblick nennenwir unter der Rubrik „Beifall &Pfiffe“ dieDinge beim Namen,die uns gefreut oder auch geärgert haben.

IhreSportredaktion

Uli Nodler

MichaelHundt FabianSchreiner

n Beifall

Wie ein Stehaufmännchen zeigte sich Radrennfahrerin Clara Koppenburg in diesem Jahr. 2021 stürzte sie beim Giro d’Italia Donne schwer und verletzte sich an der Schulter. Doch die Lörracherin kämpfte sich wiederzurück in die Weltspitze. In diesen Jahrhatte sie dann beim Giro d’Italia Donne ein Déjà-Vu-Erlebis und brach sich dasBecken.Erneut ließ sich Koppenburgnicht unterkriegen. Während der Reha am Tegernsee, trat sie als Co-Kommentatorin bei den Radrennen der EM auf, versprühtedabei Kompetenz und Optimismus

n Pfiffe

Die sportliche Talfahrt beim VfR Bad Bellingen gibt Anlass zur Sorge. Auf Grund des Kaders hätte man erwarten können, dass der Absteiger in der Bezirksligaoben mitspielt. Doch weit gefehlt. Immer wiederschlägt bei den Kurstädtern das Verletzungspech zu. So wird Stürmer Tim Siegin stets aufs Neue von Verletzugenheimgesucht und hat längst nicht mehr die Durchsetzungskraft wie zu seinen besten Tagen in der Landesliga.Dort hatte er allein durch die Zahl seiner Treffer den einen oder anderenFehler in der Hintermanschaft ausgeglichen

n Beifall

Mit Roger Federer verließ in diesem Jahr einer der größten Tennisspieler aller Zeiten die große Bühne. Der gebürtige Basler wollte ursprünglich in diesem Jahr auf die Tour zurückkehren.Seine Knieverletzung ließ das aber nicht zu. Somit kam es zum Abschied beim Laver Cup. Im Doppel. Mit Rafael Nadal. Sie bestritten zum zweiten Mal zusammen ein Doppel. Das Match wurde zwarverloren, doch das interessierte an diesem Abend keinen. Federergewann 20 Grand-Slam-Titel und stand 310 Wochenander Spitze der Weltrangliste.

n Pfiffe

Gleich vier Spiele sind im Laufe der Hinrunde der Kreisliga A-West am „Grünen Tisch“ entschieden worden. Vor allemdie Mannschaften in den unteren Tabellenregionen hatten immer wieder mit großen personellen Problemen zu kämpfen. Bei der Konkurrenz kam das nicht gut an. „Ich ärgere mich schon manchmal,wenn Teams nicht antreten.Das sollte stärker bestraft werden“, machte etwa Hausens Trainer Michael Brunner deutlich. Bleibt schließlich zu hoffen, dass die Spielabsagen in der Rückrunde wieder wenigerwerden.

SONDERVERöFFENTLICHUNG ·Samstag, 31. Dezember 2022 ·Nummer303
Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler
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Radsport | Interview mit der Lörracher Profiradsportlerin Clara Koppenburg /Zusammenarbeit mit Mental- und Techniktrainer Clara Koppenburg Foto:Uli Nodler Uli Nodler Foto: Archiv MichaelHundtFoto:Archiv FabianSchreinerFoto:Archiv