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Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung

Jahresrückblick 2020 – Lörrach SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Ein großer, arbeitsintensiver Lernprozess

Stadtverwaltung | Fachbereichsleiterin Geraldine Dannecker über Bürgerservice in Zeiten der Corona-Pandemie n

Von Geraldine Dannecker

Lörrach. Im Rückblick auf das vergangene Jahr, insbesondere auf den Beginn der Pandemie, sind so manche Gedanken, Fragen und Zukunftsprognosen zwischenzeitlich in neues Licht gerückt. Zu Beginn der Infektionen in China waren die Auswirkungen auf unseren Alltag, beruflich wie privat, noch nicht einmal annähernd absehbar. Die erste Welle der Pandemie im Frühjahr war daher wie für die Bürger auch für die gesamte Verwaltung eine neuartige Situation und somit eine große Herausforderung für unser Team. Die sich fortlaufend ändernde, ebenfalls noch lernende, Gesetzgebung führte zu einer Vielzahl an Regelungen, teils auch mit deutlichem Nachbesserungsbedarf. Dies hat auch bei der Bevölkerung zu einer anfänglichen Unsicherheit geführt, welcher wir durch Beratung und Information zu begegnen versucht haben. Die Schaffung neuer Strukturen und die Auseinandersetzung mit allen Themen rund um Corona war daher sehr arbeitsintensiv, dynamisch und ein großer Lernprozess. Zudem stellte die Sicherstellung der Bürgerdienstleistungen eine große Aufgabe für uns dar, so haben wir unsere tägliche Arbeit umstrukturiert. Der Kontakt zur Bürgerschaft erfolgte zunächst ausschließlich per Telefon, E-Mail oder Briefverkehr. Zeitgleich haben wir ein Online-Terminsystem eingeführt, und es wurden Vorkehrungen zum Schutz von Mitarbeitern und Bürgern getroffen, um eine möglichst geringe Infektionsgefahr bei persönlichen Vorsprachen sicher zu stellen. Die Umstellung auf die Online-Terminvereinbarung hat sich zwischenzeitlich bewährt und die Lenkung des Besucherstroms vereinfacht, dies führt auch zu sehr kurzen Wartezeiten für Bürger. Nach wie vor finden Vorsprachen von Bürgern nur nach Terminvereinbarung statt, ein großer Teil der Ser-

Im Lörracher Rathaus wurde inzwischen eine Corona-Zentrale eingerichtet. viceleistungen wird weiterhin ohne persönliche Vorsprachen bearbeitet, was für die Beschäftigten jedoch eine erhöhte Arbeitsbelastung mit sich bringt.

Gefühl der Ungleichbehandlung bei Betreibern Nach dem ersten Lockdown erfolgte die stufenweise Öffnung verschiedener Bereiche. Dies führte jedoch auch zu einer hohen Unzufriedenheit und dem Gefühl der Ungleichbehandlung bei Betreibern verschiedener Betriebsformen. Viele Bürger sehnten auch die Grenzöffnung herbei, da die Beschränkungen teilweise zu erheblichen Einschränkungen im Alltag der Menschen führten und die enge Verzahnung der Lebensbereiche der Menschen im Dreiländereck aufgezeigt hat. Auch die nur langsame

Ermöglichung von Treffen größerer Personengruppen stellte eine große Belastung für viele Menschen dar. Dies hatte sich zwischenzeitlich über den Sommer deutlich gebessert, als Treffen von Familien und mit Freunden wieder in größerem Umfang möglich waren. Zu dieser Jahreszeit ist auch in unsere Arbeit im Rathaus wieder etwas Alltag eingekehrt. Das Reiseverhalten der Menschen hat uns aber aufgrund der mit dem Reisen einhergehenden Quarantäneverpflichtungen weiterhin stark beschäftigt. Zwischenzeitlich hat uns die zweite Welle der Pandemie im Landkreis Lörrach wieder fest im Griff. Dies geht auch mit für uns neuen Aufgaben einher. In den bisherigen Pandemiephasen konnte die Kontaktnachverfolgung und Anordnung der Quarantäne durch das Gesundheitsamt geleistet wer-

den. Aufgrund der massiv gestiegenen Fallzahlen und dem damit verbundenen Anstieg von Index- und Kontaktpersonen haben wir die Quarantäneanordnungen und deren Kontrolle, ohne Kontaktnachverfolgung, vom Gesundheitsamt übernommen. Um den deutlich erhöhten Arbeitsanfall zu bewältigen, wurde eine Corona-Zentrale im Haus eingerichtet. Dort arbeiten durchschnittlich sechs Mitarbeiter parallel und bearbeiten alle Anliegen und Themen rund um Corona für die Stadt Lörrach.

Regelungen für die Bürger verständlich transportieren Wir beraten und beantworten Fragen zu den derzeit geltenden und wechselnden Verordnungen und deren Regelungsbereichen, zum Bei-

Fotos: Kristoff Meller/zVg spiel Ansammlungen und private Treffen, Hygienekonzepte und deren Umsetzung, Schließung von Betrieben, Reisen und Quarantäne. Die nun vor Weihnachten erlassenen Regelungen sind auch für uns wieder eine Herausforderung, und wir versuchen, diese für die Bürger verständlich zu transportieren. Hierbei sind die Besorgnis und Ängste, aber teilweise auch die Unzufriedenheit der Menschen zu spüren. Gleiches gilt für die Sorgen der vielen Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen, welche stark durch den Lockdown getroffen werden. Die zuletzt stark steigenden Fallzahlen lassen uns besorgt zurück und ins neue Jahr blicken. Wir appellieren daher auch weiterhin an die Bürger, die Vorgaben einzuhalten und auch mögliche Spielräume nicht bis zum Äußersten auszuschöpfen. Auch wir in der Verwaltung erle-

Bürger können nur nach Terminvereinbarung ins Rathaus und müssen dort natürlich ebenfalls Abstand halten und eine Maske tragen.

ben die Beschränkungen im privaten Alltag und haben daher auch für den Wunsch nach Normalität großes Verständnis. Um diese wieder unbeschwert genießen zu können, erscheint aber ein gemeinsamer zeitlicher Verzicht in unserem Alltag unabdingbar.

DIE AUTORin

Geraldine Dannecker Geraldine Dannecker ist seit September 2018 Leiterin des Fachbereichs Bürgerdienste bei der Stadt Lörrach. Zuvor war sie bei der großen Kreisstadt Rottenburg am Neckar als stellvertretende Amtsleiterin des Ordnungsamtes und als Abteilungsleiterin im Bereich öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie bei der Stadtverwaltung Villingen-Schwenningen im Bereich Ausländerwesen und als stellvertretende Abteilungsleiterin tätig. Sie studierte im Bachelor of Public Management an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl und berufsbegleitend im Master of Mediation an der Fernuniversität in Hagen.


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Jahresrückblick 2020 - Lörrach SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Mehrere große Steine vom Herzen gefallen

Dreiländermuseum | Markus Moehring über das Corona-Jahr mit Museumsschließung und Baubeginn des Museumsdepots n

Corona hat das Jahr 2020 verändert, aber Lörrachs Museum ging seit seiner Gründung 1882 schon durch schlimmere Krisen. Dazu gehören nicht nur die beiden Weltkriege. 1932 erhielt die Sammlung ihr erstes festes Gebäude dort, wo heute der Burghof steht. Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und Geldnot der Stadt Lörrach waren damals viel größer als heute – und dennoch entschied sich die Stadt zu diesem mutigen Schritt. Uns allen tut es gut, wenn wir bei aktuellen Problemen das langfristig Wichtige nicht aus den Augen verlieren. Das gilt auch für die Museumsarbeit. Wir dürfen dankbar sein, dass uns diese auch 2020 entsprechend der Museumsdefinition von ICOM Deutschland, des internationalen Museumsbundes, möglich war: „Ein Museum ist eine dauerhafte Einrichtung, die keinen Gewinn erzielen will, öffentlich zugänglich ist und im Dienst der Gesellschaft und deren Entwicklung steht. Sie erwirbt, bewahrt, beforscht, präsentiert und vermittelt das materielle und immaterielle Erbe der Menschheit und deren Umwelt zum Zweck von Studien, der Bildung und des Genusses.“

Von Markus Moehring

Lörrach. Auch im Dreiländermuseum prägte Corona das Jahr 2020. Die Ausstellungen schlossen im Frühjahr und seit November, für Veranstaltungen und Führungen galten auch im Sommer große Einschränkungen. Wir haben viel Kraft in gute Hygienevorschriften investiert und den Kontakt zur Bevölkerung mit digitalen Kampagnen aufrecht erhalten, bei denen wir über 1000 Exponate aus unserer Sammlung zu verschiedenen Themen präsentiert haben. Museumsleute blicken aber immer über das Aktuelle hinaus. Corona war für uns auch ein interessantes historisches Ereignis, das wir in

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Corona war für uns auch ein interessantes historisches Ereignis, das wir in der Museumssammlung für die Nachwelt dokumentieren wollten.« Markus Moehring

der Museumssammlung für die Nachwelt dokumentieren wollten. Erstmals nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg schlossen die Grenzen und wie damals Museumsgründer Ernst Schultz haben auch wir Fotos und Objekte dazu in die Sammlung aufgenommen, um künftigen Generationen so die Besonderheit des Jahres 2020 anschaulich zu machen.

Neun Ausstellungen und 60 Veranstaltungen – trotz Corona-Pandemie Neben der großen Erleichterung, dass bislang niemand im Museumsteam an Corona erkrankt ist, gibt es auch eine gewisse Enttäuschung darüber, was Corona hier im zurückliegenden Jahr alles verhindert hat. Vor allem fehlten Begegnungen, Führun-

DER AUTOR

Das Dreiländermuseum gen und Veranstaltungen mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die unser Museum sonst so lebendig machen und viele für eine tiefe Auseinandersetzung mit Geschichte und Kultur mitnehmen. Erst ein intensiverer Rückblick auf das Jahr zeigte, dass doch mit neun Ausstellungen und 60 Veranstaltungen weit mehr als zunächst gefühlt möglich war. Zur großen Ausstellung zu Paul Ibenthalers 100. Ge-

Jubiläum 2020: mit „Kunst und Nationalsozialismus“ erschien das 30. Lörracher Heft. Es wurde von Barbara Hauß mit Markus Moehring (l.) und Waldemar Lutz präsentiert. Foto: zVg

Foto: Martin Schulte-Kellinghaus/zVg burtstag zu Jahresbeginn erschien ebenso ein Katalog wie zu dem seit vielen Jahren vorbereitete Großprojekt „Kunst und Nationalsozialismus“. Diese Ausstellung löste beim Publikum lebhafte Diskussionen aus und hatte, solange sie offen sein konnte, viele interessierte Besucher und eine überregionale Berichterstattung. Als erste badische Institution zeigt das Dreiländermuseum mit herausragenden Exponaten, wie wichtig eine differenzierte Betrachtung der NS- Zeit zu diesem Thema ist. Auch die parallel gezeigte Ausstellung über die NS-Zeit in Haagen, Hauingen und Brombach mit dem dritten Lörracher Heft des Jahres bedeutet für Lörrach ein wichtiges Stück Aufarbeitung. Die Partnerausstellung „Grenzfälle. Basel 1933-1945“ im Historischen Museum Basel konnte das Dreiländermuseum mit repräsentativen Leihgaben ausstatten. So war 2020 doch weit mehr möglich als zunächst intuitiv vermutet, auch wenn das große Potenzial von

Der Sammlungsbestand leidet im aktuellen provisorischen Depot in Tumringen. Doch schon bald sollen die Obejkte in das im Bau befindliche Museumsdepot umziehen.

„Kunst und Nationalsozialismus“ bislang bei weitem nicht ausgeschöpft werden konnte. Deshalb bin ich auch froh, dass wir diese Ausstellung und ihr Begleitprogramm noch bis Frühjahr 2021 verlängert werden kann und hoffe dann auf eine neue Chance.

Schlaflose Nächte wegen Museumsdepot Schlaflose Nächte hat mir die Befürchtung bereitet, Corona könnte den bereits beschlossenen Bau des Museumsdepots wieder stoppen. Schließlich ist für Außenstehende die zentrale Bedeutung des Depots für ein funktionierendes Museum ja nur schwer vorstellbar. Es ist das eigentliche Herz eines Museums, die Ausstellungen im Museumsgebäude würde ich eher mit einem Schaufenster vergleichen. Auch drückt die Verantwortung zu sehen, wenn Kulturgut und historische Dokumente leiden, wo es doch unsere ureigene Aufgabe ist, sie für kommende Generationen zu erhalten. Es brauchte zwei intensive Jahre, um gemeinsam mit 30 Partnern und mit einem mehrere hundert Seiten starken Antrag über ein Dutzend offizielle Gremien davon zu überzeugen, über 1,7 Millionen Euro für ein Depot nach Lörrach zu geben. Noch nie war dies einem Museum am Oberrhein gelungen – und nun stand im Frühjahr alles wieder zur Disposition. Museumsverein und Gemeinderat bin ich daher sehr dankbar, dass sie an dieser einmaligen Chance und entscheidenden Weichenstellung festgehalten haben. Mir fielen nach dem positiven Entscheid gleich mehrere große Steine vom Herzen! So

ist nicht nur im März das vom Dreiländermuseum organisierte Interreg-Projekt gestartet, bei dem unsere Partner drei Jahre lang mit Aktionen überall am Oberrhein beweisen, wie wichtig Lörrachs Museumssammlung für den ganzen Oberrhein ist. Auch der Bau des Museumsdepots konnte im Dezember starten, gut geplant und begleitet von Architekt Hovenbitzer und dem Fachbereich Gebäudemanagement.

Markus Moehring Markus Moehring, 1958 in Lörrach geboren, ist Historiker und Volkskundler. Nach dem Volontariat im Henry Ford Museum bei Detroit und Referendariat am Gymnasium in Leonberg übernahm er Aufbau und Leitung des Oberrheinischen Bäderund Heimatmuseums. Seit 1991 leitet er das Dreilädermuseum, gibt dessen Buchreihe „Lörracher Hefte“ heraus und organisiert oberrheinweite Ausstellungsreihen.


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Jahresrückblick 2020 - Lörrach SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

„Wir standen am Rande des Ruins“ Messe Lörrach | Die Geschäftsführung berichtet über die „Chronologie der eigenen Katastrophe“

n Von Natalia Golovina, Thomas Platzer und Monika Grimmer

Lörrach. Am Ende des Jahres zieht man für gewöhnlich die Bilanz für die vergangenen zwölf Monate und macht Pläne für die kommende Zeit. Dieser Vorgang war diesmal für die Messe Lörrach in jeder Hinsicht eine Ausnahme: die Bilanz 2020 fiel für uns katastrophal aus, wir standen am Rande des Ruins, und auch die Zukunft ist nicht mehr so gewiss, wie es mal früher war. Wie fasst man die Chronologie der eigenen Katastrophe zusammen? Zumal diese Katastrophe extrem viele gleichzeitig getroffen hat und die Einzelschicksale in diesem Fall gerne zu einer diffusen Masse verschmelzen. In einem Weltuntergangsfilm würde alles mit den Bildern eines durch nichts betrübten Alltags beginnen… Nun, nicht ganz so sorgenfrei ging es Anfang 2020 los. Die Regio-Messe sollte zunächst wie gewohnt vom 14. bis 22. März stattfinden. Die Planungen waren bereits abgeschlossen, als die ersten Nachrichten aus China ankamen. Es war aber alles noch ganz weit weg. Im Februar begannen wir mit dem Aufbau der Hallen und der Virus hat seinen Weg nach Europa gefunden. Wir fingen damit an, den Tag mit dem Lesen der neuesten Empfehlungen des RKI zu beginnen.

Sicherheit der Besucher wurde mehr und mehr in Vordergrund gerückt Noch war keine Rede davon, Großveranstaltungen oder Messen abzusagen. Die Sicherheit der Besucher wurde jedoch mehr und mehr in den Vordergrund gerückt – zusammen mit unseren Partnern haben wir ein Hygienekonzept nach Vorgaben des RKI grundlegend umgearbeitet und entsprechende Vorkehrungen unternommen. Langsam wurde es März. Wir waren zuversichtlich, da die Straßenfasnacht kurz davor problemlos durchgeführt werden konnte. Die Hallen

Das Gelände der Regio-Messe aus der Luft – in diesem Frühjahr wurden die Hallen erst auf- und dann gleich wieder abgebaut. standen. Der Innenausbau war größtenteils fertig. In sechs Tagen sollten die ersten Aussteller anreisen und mit dem Aufbau ihrer Stände beginnen, in zehn Tagen sollte die Messe eröffnet werden. Und dann kam der erste Corona-Fall im Landkreis, und das Damoklesschwert über unseren Köpfen wurde zum ersten Mal wirklich spürbar. Heute, fast zehn Monate später, könnte man darüber nur milde lächeln. Damals war aber alles noch ganz neu – niemand wusste mit Sicherheit, welche Schritte man unternehmen soll. Ein paar Stimmen hatten es leicht: „Sagt doch die Messe einfach ab!“ Eine Veranstaltung, die über 500 Aussteller und Partner vorweisen kann, kann sich nicht erlauben, leichtfertig einen festen Termin abzusagen. Es handelt sich um Aussteller, die diesen Termin manchmal ein Jahr und mehr im Voraus einplanen, die entsprechend ihr Marketing darauf ausrichten und Personal besorgen, die von den Umsätzen oder Aufträgen auf der Messe finanziell abhängig sind. Wir haben auch ihnen gegenüber Verantwortung zu tragen. Ein anderer Grund besteht darin, dass die Messe Lörrach im Gegensatz zu vielen Messeveranstaltern keine finanzielle Unterstützung seitens

Monika Grimmer (l.), Thomas Platzer und Natalia Golovina

des Landes oder der Stadt Lörrach erhält. Wir sind eine reine Privatfirma und müssen für unsere Verluste selbst gerade stehen. Eine Absage ohne zwingende Gründe wäre nicht möglich gewesen – Messen waren zu diesem Zeitpunkt unter Einhaltung der RKI-Richtlinien nach wie vor möglich. So nahm die „Katastrophe“ ihren Lauf. Zwei Tage nach dem ersten offiziellen Corona-Fall im Landkreis erhielten wir ein Signal seitens der Stadt, dass die Durchführung untersagt wird. Am darauffolgenden Tag, eine Woche vor Messebeginn, hatten wir es schriftlich. Es war vorbei! Was fühlt man dabei, wenn die Arbeit eines ganzen Jahres plötzlich „für umme“ war? Zunächst – für ein paar Minuten – Ohnmacht. Danach mussten wir reagieren und versuchen, den Schaden für uns, unsere Partner, Zulieferer und natürlich für unsere Aussteller zu minimieren. Sie wurden per E-Mail, Webseite, soziale Medien, per Briefmailing und zum Teil telefonisch über die Absage informiert. So konnte zumindest vermieden werden, dass sie sich auf den Weg nach Lörrach machen. Diejenigen, die bereits auf dem Gelände ihre Stände aufgebaut haben, mussten unverrichteter Dinge abreisen. Gleichzeitig wurden die noch nicht ausgeführten Leistungen unserer Zulieferer und Partner gestoppt – soweit das noch ging. Erst als diese ersten Notfall-Maßnahmen unternommen waren, konnten wir uns Zeit für andere Gefühle nehmen… bei einigen von uns flossen kurz Tränen der Enttäuschung, Ohnmacht und Ärger. Wir sind... Nein, wir waren ein kleines Team von sechs Personen (zum Teil in Teilzeit, zwei Auszubildende). Um es gleich vorweg zu nehmen – in Folge der Corona-Krise mussten wir uns von einem Teilzeit-Mitarbeiter verabschieden; die beiden Auszubildenden, die im Sommer mit ihrer Ausbildung fertig waren, konnten nicht übernommen werden, und einen neuen Auszubildenden wollten wir nicht aufnehmen, weil derzeit keine vernünftige Ausbildungsarbeit stattfinden kann – es findet ja nichts statt. Deshalb hat es alle unmittelbar und hart getroffen. Zusammen mit der vor uns geplanten Ausbildungsmesse Cult und der hinterher geplanten Mineralienmesse Euromin waren

wir vermutlich die ersten Opfer in der Veranstaltungsbranche im Landkreis.

Gerade erst aufgestellte Leichtbauhallen werden wieder abgebaut Besonders schwer war es, zu sehen, wie die gerade erst aufgestellten Hallen, wieder abgebaut wurden: Zunächst wurden sie „ausgeweidet“ – die Wände und Teppichböden entfernt, danach wurden sie „gehäutet“ – die Deckenplanen abgezogen, dann blieb nur noch das „Gerippe“ der Alukonstruktion stehen. Symbolbild für den Tod der „REGIO-Messe 2020“. Wir haben uns einen Monat Zeit genommen, um die Lage abzuschätzen und zu entscheiden, wie es weiter gehen soll und kann. An eine zeitliche Verschiebung war angesichts der undurchsichtigen Lage nicht zu denken – die Geschichte hat uns in diesem Fall Recht gegeben. Die REGIO-Messe 2020 wurde für die Messe Lörrach GmbH zu einem Totalschaden. Die nächsten zwei bis drei Monate waren wir mit nichts anderem beschäftigt, als die Aussteller zu kontaktieren und ihnen zu erklären, warum wir einen Teil der Standkosten trotz der nicht stattgefundenen Messe einbehalten werden. Laut unseren Messeund Ausstellungsbedingungen war dieses Vorgehen gerechtfertigt. Verständlicherweise konnten es aber nicht alle nachvollziehen. Einige, sehr emotional schwere Gespräche mussten geführt werden. Zugegebenermaßen befanden wir uns im rechtlichen Neuland, das erst jetzt in der Folge aufgearbeitet wird. Alle Beträge, die über der Höhe dieser Beteiligung von den Ausstellern gezahlt wurden, mussten wir zurückzahlen. Wir erlebten aber auch sehr viel Verständnis und Mitgefühl – ganz besonders von unseren regionalen Ausstellern. Einige von ihnen haben die zu viel bezahlten Beträge als Anzahlung für die nächste REGIO-Messe belassen. So viel Vertrauen in die Messe Lörrach, in die REGIO-Messe und in uns persönlich führte dazu, dass wir begonnen haben, etwas Licht am Horizont zu sehen. Die Zukunft ist jedoch nicht ohne Schmerzen und Opfer zu haben. Die Kosten für die REGIO 2020 sind fast zu 100 Prozent angefallen, und nur ein Bruchteil der ge-

planten Umsätze konnte durch die Ausstellerbeteiligung realisiert werden. Der bestehende finanzielle Puffer, der für größere ungeplante Ausgaben reichen sollte, wurde in kürzester Zeit aufgebraucht. Der eine oder andere Zulieferer ist uns etwas entgegengekommen. Trotzdem, angesichts der Schulden bei den Zulieferern und den Ausstellern, war recht früh abzusehen, dass die Messe Lörrach eigentlich pleite ist. Von den staatlichen Hilfen konnten wir nur von der Soforthilfe in Höhe von 9000 Euro und dem Kurzarbeitergeld für eine Mitarbeiterin „profitieren“. Willkommene Hilfe – aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein! Einige Unternehmen konnten ihre Umsatzausfälle für die Monate ab April geltend machen. Wir konnten nur betrübt zusehen – unsere Umsätze sind fast ausschließlich auf Oktober bis März beschränkt. Wir gingen leer aus.

Insolvenz anmelden oder hohen Kredit aufnehmen Irgendwann war uns klar, dass es nur zwei mögliche Wege gibt: Die erste Variante war, für die Messe Lörrach Insolvenz anzumelden. Dies hätte bedeutet, dass wir die Veranstaltung der nächsten REGIO-Messe vergessen können. Aussteller und Zulieferer würden uns nicht mehr vertrauen. Für die zweite Variante müssten wir einen sehr hohen Kredit aufnehmen. Dieser würde uns jedoch er-

Foto: Messe Lörrach/zVg lauben, zunächst die Schulden zu begleichen und bis zur nächsten Messe zu „überleben“. So begab sich die Messe Lörrach zum ersten Mal in ihrem fast 30-jährigen Firmenleben zum Gespräch bei der Hausbank. Erfreulicherweise waren die Zahlen der vergangenen Jahre gut genug, dass der KfW-Kredit tatsächlich gewährt wurde. Wir konnten weiterarbeiten. Ende Sommer und ganz besonders im Herbst wurde dann leider klar, dass die nächste REGIO-Messe nicht wie gewohnt im März 2021 stattfinden kann – die Zahlen der Infizierten stiegen von Tag zu Tag, viele größere Messen wurden absagt. Nach einer Situationsanalyse haben wir uns entschlossen, die REGIO-Messe 2021 in den Herbst zu verschieben, was natürlich eine zusätzliche Durststrecke bedeutet. Bis dahin sollte nach Einschätzung der Behörden die Impfung der Bevölkerung jedoch weit vorangeschritten sein. Die Messe ist vom 9. bis 17. Oktober 2021 geplant. Als Ironie des Schicksals kam da die Nachricht, dass das Impfzentrum im Soccer-Bereich des Impulsiv Sportzentrums aufgebaut wird. „Unsere Halle 1“ mutiert zum Epizentrum der Vakzinierung im Landkreis. Es sieht nun so aus, dass die Messe Lörrach fast ein Jahr nach dem Genickschlag durch Covid19 beim Innenausbau des Impfzentrums eingesetzt wird und so bei der Bekämpfung der Plage mitwirken darf. Die Opfer schlagen zurück?

DIE AUTOREN

Natalia Golovina, Thomas Platzer und Monika Grimmer Monika Grimmer Die Projektleiterin der Messe Lörrach verfügt über langjährige Erfahrung als Büro- und Werbekauffrau, kennt Menschen und Märkte und kümmert sich mit Herzblut um die Wünsche der Stamm- und Neukunden. Natalia Golovina Die kaufmännische Geschäftsführerin der Messe Lörrach sah ihre erste REGIO-Messe noch als Praktikantin. Danach kam die Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau und die Übernahme in den festen Mitarbeiterstamm. Inzwischen ist sie seit 17 Jahren dabei und konnte zwischen 2016 und 2019 zu-

sammen mit Thomas Platzer die Nachfolge von Uwe Claassen und Michael Agel als Geschäftsführerin und Eigentümerin antreten. Thomas Platzer Der gebürtige Sachse kam 2007 als Praktikant zur Messe Lörrach. Die Veranstaltungsbranche hat ihn so fasziniert, dass er seitdem zum festen Bestandteil der REGIO-Messe wurde – erst war er für den Vertrieb zuständig, später übernahm er die Aufgaben der technischen Leitung. Mit dem Ausscheiden der ehemaligen Geschäftsführer wurde er zusammen mit Natalia Golovina neuer Eigentümer.


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Jahresrückblick 2020 – Lörrach SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Corona bremst Vereine und Veranstalter aus Rückblick | Lörracher Streiflichter des Jahres 2020 – Januar bis Juni n

Von Peter Ade und Julia Greiter

3. Januar: Insgesamt 578 Flüchtlinge leben in Lörrach, davon 293 in der Anschlussunterbringung in Haagen, in der Gretherstraße und am Bächlinweg. OB Jörg Lutz zieht ein positives Fazit über die bisherigen Erfahrungen. 4. Januar: Die Schließung der drei Traditionsbetriebe Lauffenmühle, Textilveredlung und Reiss-Mühle bezeichnet Ortsvorsteherin Silke Herzog beim Neujahrsempfang als „schlimm für Brombach“. 6. Januar: „Ohni moos nüt los“, so lautet das Motto der Hauinger Buurefasnacht. Zum ersten Mal wird die Saison mit einem Familientag eröffnet. Die Lörracher Narrengilde hat zum Neujahresempfang in die Alte Halle Haagen eingeladen. Der neue Protektor heißt Matthias Zeller. 13. Januar: Große Aufgaben liegen vor der Stadt, deshalb brauche sie Ziele, so Jörg Lutz beim Neujahrsempfang. Zentralklinikum und Bau von Wohnraum sind schon auf dem Weg, Ausbau der Schulen, Strukturwandel in Gewerbe und Handel, Bürgerbeteiligung und Klimaschutz sind weitere wichtige Zukunftsthemen. 21. Januar: Zehnmal wurde in den vergangenen drei Monaten in Schulen eingebrochen – zuletzt zum zweiten Mal in der Pestalozzischule. Insgesamt ist ein Schaden von 50 000 Euro entstanden. 24. Januar: Der Öffentlichkeit werden der 1. und 2. Platz des Wettbewerbs IBA-Projekts „Am Zoll Lörrach/Riehen“ vorgestellt. Als

Die fast ausgestorbene Innenstadt im Frühjahr Margot Schwarzwälder-Wicki erzählt im „TonArt“ von ihrer Deportation ins Konzentrationslager Gurs am Fuße der Pyrenäen während der Zeit des Nationalsozialismus. Die 89-Jährige fordert die Schüler auf, sich gegen das Vergessen zu stemmen. 12. Februar: Der erste Zunftabend beweist erneut die große spielerische Klasse der Truppe. 13. Februar: Die Evangelische Kirchengemeinde wählt mit Gert Schramm und Pfarrer Markus Schulz einen neuen Vorstand. Sie lösen Thomas Walkling und Dirk Ücker ab. 15. Februar: Die Guggemusik Gugge 53 wird beim 37. Internationalen Guggemusiktreffen in Schwäbisch Gmünd mit dem Preis für

Torten in Form von Klopapierrollen für den guten Zweck Siegerentwurf wählt die Jury die Pläne der Arbeitsgemeinschaft „Yewo Landscapes“, Studio Vlay „Streeruwitz und „con.sens Verkehrsplanung“ aus. 30. Januar: Die Brauerei Lasser kann 2019 ihren Bier-Absatz gegen den Trend um 3,5 Prozent steigern. Rund 50 Mitarbeiter sind in dem traditionsreichen Unternehmen beschäftigt. 17 Gasthäuser sind im Besitz der Brauerei, über 350 Gastro-Betriebe werden beliefert. 1./2. Februar: Der Februar beginnt mit zwei großen Fasnachtsereignissen auf dem Alten Marktplatz. Zuerst wird das neue Narrenschiff auf den Namen „Annerösli“ getauft. Danach wird der Narrenbaum aufgestellt. 8. Februar: Die 17. Benefizgala der Bürgerstiftung findet zum ersten Mal im Februar statt. Es ist der Wunsch der Wirte, da diese Zeit für sie besser sei als der Herbst. Trotz Terminumstellung ist das Interesse an der Gala so groß wie nie. 11. Februar: Zeitzeugin

den besten Sound ausgezeichnet. 18. Februar: Der Gemeinderat beschließt einstimmig das Konzept zur Sanierung der nördlichen Innenstadt. Der Bahnhofsplatz und das neue Geschäftshaus „Lö“ sollen für den nicht motorisierten Verkehr besser mit der Innenstadt verbunden werden. 21. Februar: Rund 150 Demonstranten kommen zur Klima-Tanz-Demo von Fridays-for-Future. 22./23. Februar: Die Lasser-Gugge-Explosion bringt neben fast 2000 Musikern wieder Zehntausende Besucher in die Innenstadt. 28. Februar: Während die Basler Fasnacht wegen des sich ausbreitenden Coronavirus abgesagt wird, kann die Hauinger Buurefasnacht stattfinden. 3. März: Das Sozialministerium von Baden-Württemberg hat für den Landkreis den ersten Fall einer Corona-Infektion bestätigt. Bisher sind 54 Personen getestet worden. Da weitere Infektio-

nen erwartet werden, hat das Kreiskrankenhaus vorsorglich eine Isolierstation eingerichtet. 4. März: Der Landkreis gibt die Empfehlung, wegen der sprunghaft ansteigenden Corona-Infektionen in Deutschland, in der benachbarten Schweiz und im Elsass auf Veranstaltungen mit mehr als 200 Personen zu verzichten. Abgesagt wird die Bildungsmesse Cult. 5. März: Immer stärker sind die Auswirkungen des Corona-Virus auf das öffentliche Leben zu spüren. Nun werden auch die Regio-Messe und die Mineralienmesse Euromin abgesagt. 11. März: Verschärfung der Lage an den Schulen durch Corona: An der FES müssen vier Realschulklassen zu Hause blieben, Lehrkräfte, die im Elsass wohnen oder in Norditalien waren, ebenfalls. 13. März: Der seit Beginn der Corona-Pandemie gebildete städtische Krisenstab hat umfangreiche Maßnahmen getroffen. So werden ab sofort das Rathaus für Publikumsverkehr und alle städtischen Einrichtungen vorläufig bis zum 12. April geschlossen. Der langjährige Leiter des Polizeireviers Lörrach, Wolfgang Grethler, geht nach 41 Jahren in den Ruhestand. Andreas Nagy wird Nachfolger. 16. März: Seit heute müssen die Menschen im Dreiland mit einer Schließung der Grenzen leben. Der direkte Transit von Weil am Rhein nach Lörrach ist nur noch für Autos über die Zollfreie Straße möglich. 21./22. Februar: Abermals gibt es eine drastische Verschärfung der Bestimmungen: Seit Samstag dürfen sich nur noch zwei Personen miteinander in der Öffentlichkeit bewegen, ausgenommen davon sind die Kernfamilien.

Fotos: Kristoff Meller Gastronomiebetriebe und Friseure müssen schließen. 25. März: Erstmals gibt es drei Todesfälle wegen Corona im Landkreis zu beklagen. 30. März: Die Infektionszahlen im Landkreis sind auf 230 gestiegen, 18 davon werden stationär behandelt. Fünf Menschen sind bisher in Zusammenhang mit dem Covid19-Virus gestorben. 4./5. April: Es ist das erste Wochenende der Osterferien. Doch die Schulen sind seit fast drei Wochen geschlossen. 8. April: Die Kassenärztliche Vereinigung betreibt ab sofort in Lörrach eine zentrale Corona-Ambulanz, um dafür sorgen, dass Menschen mit Verdacht auf eine Infektion nicht in die Hausarztpraxen gehen müssen. 11. April: Das Seelsorgeteam der Katholischen Kirchengemeinde Lörrach-Inzlingen verteilt Hunderte von Torten in Form von Klopapierrollen. Sie wurden von der Bäckerei Paul hergestellt und erinnern an die Hamsterkäufe. Für die Torten werden Spenden für das Hilfswerk Misereor in Afrika angenommen. 14. April: Am Vormittag gerät auf der Baustelle am „Lö“ ein Kran in Schieflage. Der Bahnhofsplatz, Teile der Palmstraße und der Bahnhof werden gesperrt. 17. April: Der für Juni geplante „Tag des Handwerks“ wird abgesagt. Abgesagt sind mittlerweile auch die Stimmen-Marktplatz-Konzerte. 18. April: Abends kommt es oberhalb des Schützenhauses in Hauingen zu einem Waldbrand. In dem unwegsamen Gelände sind 70 Feuerwehrleute im Einsatz. 20. April: Seit heute ist eine Wiederöffnung von Geschäften mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmeter unter bestimmten Sicher-

Kurz vor Corona: Bei der Gugge-Explosion feiern Tausende.

heitsvorkehrungen erlaubt. 21. April: Auf 560 ist die Zahl der Infizierten jetzt gestiegen. 32 Todesfälle sind zu beklagen. 40 Menschen müssen im Krankenhaus behandelt werden. Mit Eröffnung der Geschäfte und durch das sonnige Wetter wird die Innenstadt wieder deutlich belebter. 30. April: Ab heute hat die Stadtverwaltung für den Marktbesuch Maskenpflicht eingeführt. Abgesagt sind alle Veranstaltungen in Zusammenhang mit dem 1. Mai. 7. Mai: Wenig optimistisch zeigen sich die Lörracher Einzelhändler. In einer Um-

einer gemeinsamen Prozession können Gläubige einzeln die geschmückten Stationen ablaufen. 25. Mai: Der Spatenstich zur Erweiterung der Albert-Schweitzer Gesamtschule ist ein Meilenstein für die Schulentwicklung in Lörrach. Rund 17,4 Millionen Euro werden investiert. 30. Mai: Formal ist die Stadt Lörrach jetzt Eigentümerin des Lauffenmühle-Areals. Für 10,5 Millionen Euro wurde das 40 000 Quadratmeter große Gelände erworben. Vor allem Gewerbebetriebe sollen hier Platz finden können. 5. Juni: Heute schließt die für Corona-Verdachtsfälle eingerichtete Fieberambulanz der Kassenärztlichen Vereinigung. Der Rückgang der Infektionen und die bessere Ausrüstung der Arztpraxen mit Schutzkleidung machen dies möglich. 9. Juni: Probleme, zusammen proben zu können, haben neben den Chören vor allem auch die Blasmusiken. In den bisherigen Proberäumen sind die Abstandsregeln nicht einzuhalten. 11. Juni: Ohne Festgottesdienst und Prozession müssen die Katholiken Fronleichnam feiern. Dennoch wurde von Gläubigen in St. Bonifatius auf Anregung von Helga Bing ein Blumenteppich gestaltet. 15. Juni: In einem symbolischen Akt haben OB Jörg Lutz und Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde die Absperrungen an der

Grenze zu: der Radweg an der Wiese ist (fast) unpassierbar. frage von Pro Lörrach sind über 80 Prozent der Meinung, dass sich das Jahresgeschäft kaum bis gar nicht aufholen lässt. 8. Mai: Heute teilt Festivalleiter Markus Muffler die Absage von Stimmen 2020 mit. Etliche Konzerte können auf 2021 verschoben werden. 16. Mai: Eine schrittweise Öffnung der Grenzen beginnt. Allerdings darf die Grenze weiterhin nur aus „triftigen“ Gründen überschritten werden. 18. Mai: Ab heute können auch die Viertklässler wieder in die Schule. Unterrichtet wird nur Mathematik, Deutsch und Sachkunde. 20. Mai: Unter Corona-Bedingungen beginnt für über 500 Schüler an den allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien die Reifeprüfung. Für Lehrkräfte und Prüflinge ist es eine Ausnahmesituation, da die gewohnte Vorbereitung nicht oder nur eingeschränkt stattfinden konnte. Ebenso müssen rund 240 Real- und Werkrealschüler ihre Prüfungen bewältigen. 21. Mai: Eine Flurprozession der anderen Art findet in St. Fridolin in Stetten an Fronleichnam statt. Statt

Grenze zwischen Stetten und Riehen entfernt. Damit ist die Grenze wieder offen. 26. Juni: Bis zum Jahr 2030 will die Stadt rund 25 Millionen Euro in den Ausbau der Radinfrastruktur investieren. Die Hälfte davon soll über Zuschüsse finanziert werden. 29. Juni: Heute öffnet das Freibad verspätet wieder. Aufgrund der Corona-Bestimmungen findet der Betrieb vorläufig in zwei Schichten für jeweils 500 Besucher statt. 30. Juni: Am Morgen löst eine in den Rathausbriefkasten geworfene Substanz einen Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei aus. Das Rathaus wird geräumt. Mitarbeiter der Poststelle klagten über Augen- und Atemwegsreizungen. Entwarnung konnte insoweit gegeben werden, dass es sich „nur“ um Kalziumkarbonat handelte. 30. Juni: Eine Ära endet bei der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden. Der seit 2007 amtierende Vorstandsvorsitzende André Marker geht in den Ruhestand. Nachfolger wird das bisherige Vorstandsmitglied Rainer Liebenow. u

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Jahresrückblick 2020 - Lörrach SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Spatenstich für Zentralklinikum ohne Feier Rückblick | Lörracher Streiflichter des Jahres 2020 – Juli bis Dezember

u Fortsetzung von Seite 5 5. Juli: Einen Weltrekord stellt der Lörracher BMX-Athlet Chris Böhm im ZDF-Fernsehgarten auf. In der Disziplin „No Hand Spins“ dreht er sich ohne Hand am Lenker 36 Mal auf dem Hinterrad um die eigene Achse. 11. Juli: Gut 150 Menschen demonstrieren auf dem Senser Platz gegen Alltagsrassismus, für Offenheit und Chancengleichheit. 16. Juli: Einen Wechsel gibt es im Vorsitz des Stiftungsrates der Bürgerstiftung. André Marker gibt mit dem Beginn seines Ruhestandes als Vorsitzender der Sparkasse dieses Amt ab. Der Stiftungsrat wählt Rainer Liebenow zum Vorsitzenden. 22. Juli: Bei vier Enthaltungen beschließt der Kreistag die Finanzierung des neuen Zentralklinikums. 24. Juli: Am Hebel-Gymnasium haben 56 Schüler ihr Abitur bestanden, am Hans-Thoma-Gymnasium 128. 30. Juli: Bei der Hauptversammlung der Narrengilde werden mit Klaus Breitenfeld, Thorsten Schützek und Frank Morgenstern drei verdiente Gildenmeister aus der Vorstandsarbeit verabschiedet. 3. August: Seit heute gehört die Nördliche Basler Straße von der Einmündung Herrenstraße bis zum Aichele-Knoten zur Fußgängerstraße. 8. August: Zu einem Großeinsatz müssen Rettungskräfte an ein Gartengrundstück in die Alte Basler Straße ausrücken. Auslöser ist das gefährliche Hantieren eines 48-Jährigen mit Feuerzeug, Gasflasche und Benzinkanister. Ein Sondereinsatzkommando der Polizei überwältigt den Mann. 16. August: Die Stettener Johannisgemeinde verabschiedet Pfarrerin Susanne Bömers. 16 Jahre hat sie die Gemeinde betreut, um nun in den hohen Norden zu wechseln. 22./23. August: Über das Wochenende wird erneut in die Pestalozzischule eingebrochen. Es ist der vierte gewaltsame Einstieg innerhalb weniger Monate. 26. August: Neuer Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks (THW) ist Nico Lang, der Nicole Endreß

nachfolgt. Neuer Zugführer wird Nikolas Schrieder, neuer Ausbildungsleiter Bastian Fleitz. 28. August: Hans-Werner Breuer, Vorsitzender von Pro Lörrach geht für den Einzelhandel von deutlichen Umsatzverlusten aus. Neben einer zu beobachtenden Konsumzurückhaltung bleibe die Schweizer Kundschaft spürbar hinter der Vor-Corona-Zeit zurück. 1. September: In den Ruhestand geht der Leiter der unter ihm ausgebauten Unfallchirurgie im Kreiskrankenhaus, Christoph Haag. 41 Jahre hat er als Klinikarzt gearbeitet, seit 1999 in Lörrach. Neuer Chefarzt wird der bisherige Stellvertreter Winfried Reichert. Ebenso in Ruhestand geht Ulf Bleckmann, Vorstandsmitglied der Volksbank Dreiländereck. Sein Nachfolger wird Marco Kückmann. 2. September: Pro Lörrach entschließt sich zur Absage des Herbstfestes. 3. September: Trotz Corona überwiegt bei der Volkshochschule Lörrach der Optimismus. Über 400 Kurse werden im Herbst-/Wintersemester angeboten, rund 2000 Anmeldungen liegen bereits vor. 7. September: Seit heute ist die zentrale Abstrichstelle der Kassenärztlichen Vereini-

Im September werden die ersten acht Stolpersteine verlegt. 11. September: Die Leiterin der Haagener Schlossbergschule Silvia Burger geht in den Ruhestand. 13. September: Heute endet die Freibadsaison. Immerhin kamen trotz der verspäteten Öffnung am 19. Juni etwas mehr als 43 000 Menschen. Das ist knapp die Hälfte sonstiger Jahre. 15. September: Der 48-jährige Thomas Orschitt tritt seinen Dienst als Leiter der Zweigstelle Lörrach der Staatsanwaltschaft an. 20. September: Auftakt für

Trotz der verspäteten Öffnung haben mehr als 43 000 Menschen das Parkschwimmbad in diesem Jahr besucht. gung für Corona-Tests auf dem Pendlerparkplatz bei der S-Bahnhaltestelle Haagen/Messe geöffnet. 10. September: Der bundesweite Warntag, an dem gestern zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder die Sirenen getestet wurden, hat in Lörrach funktioniert. Nur die Sirene auf dem Dach der Gewerbeschule ging nicht los.

das Stadtradeln. Wieder geht es darum, dass möglichst viele registrierte Radler möglichst viele Kilometer strampeln. 21. September: Es wird bekannt, dass der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster neuer Chef des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn wird. Er gibt dafür sein Bundestagsmandat auf und tritt 2021 auch nicht wieder als Kandidat an. 24. September: Nach einem umfassenden Prozess zur Erinnerungskultur werden als erstes Ergebnis acht Stolpersteine für Opfer der nationalsozialistischen Diktatur durch den Künstler Gunter Demnig verlegt. 24. September: Der Gemeinderat entscheidet über wichtige Schulprojekte. Auf den Bau eines dritten Gymnasiums soll vorläufig verzichtet und nicht mehr am vorgesehenen Standort Neumatt festgehalten werden. Dafür sollen zwei Varianten für eine dringend notwendige Erweiterung am Hans-Thoma-Gymnasium geprüft werden. Die Grundsanierung der Fridolinschule samt Neubau der Turnhalle soll bald beginnen. Für die Hellberg-Grund- und Werkrealschule, ebenfalls mit hohem Sanierungs- und Ausbaustau, müssen die konzeptionellen Voraussetzungen

geprüft werden. 27. September: Die katholische Kirchengemeinde Lörrach und Inzlingen verabschiedet nach neunjähriger Tätigkeit Pfarrer Michael Spath in einem Online-Gottesdienst in den Ruhestand. 6. Oktober: Unter Corona-Bedingungen findet die offizielle Verabschiedung von Sparkassen-Chef André Marker im Burghof statt. 7. Oktober: Vor allem nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle ist die Frage nach der Sicherheit der Lörracher Synagoge neu aufgetaucht. Die Israelitische Kultusgemeinde wünscht sich Poller und Sicherheitsglas für das exponiert stehende Haus. 7.Oktoberr: Ute Schilling ist offiziell Rektorin der Schlossbergschule in Haagen. 10. Oktober: Gut 250 Menschen folgen dem Aufruf zu einer Mahnwache der Initiative „Querdenken“. Diese wendet sich gegen die staatlich verordneten Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. 15. Oktober: Den höchsten Überschuss ihrer Geschichte kann die Wohnbau Lörrach mit fast 3,2 Millionen Euro ausweisen. 15. Oktober: Vor 40 Jahren wurde der Kiwanis-Club Lörrach gegründet. Aus diesem Anlass übergibt der Club eine Spende in Höhe von 12 000 Euro an die Tüllinger Höhe. Viele soziale Einrichtungen und Initiativen für Kinder wurden in den vier Jahrzehnten unterstützt. 20. Oktober: 55 000 Euro will die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden Vereinen zur Verfügung stellen, die unter der Corona-Pandemie leiden. 23. Oktober: Die Stadt wird sich von Burghof-Geschäftsführer Markus Muffler trennen. Um die Höhe des für den Betrieb des Burghofs nötigen städtischen Zuschusses gibt es Auseinandersetzungen. 28. Oktober: Wie die Stadt mitteilt, droht dem Haushalt für 2021 ein riesiges Finanzloch von deutlich über zehn Millionen Euro. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie kommen bei den Kommunen an. 30. Oktober: Mit Ablauf des Monats verlässt der stellvertretende Leiter des Amtsgerichts, Richter Martin Graf, die Stadt. Er übernimmt die Fachaufsicht für Jugendstrafrecht beim Amtsgericht Freiburg. 3. November: Das in Lörrach verbliebene Rest-Unter-

Fotos: Kristoff Meller nehmen der einst großen KBC blickt zuversichtlich in die Zukunft. Unter dem neuen Geschäftsführer Francesco Bonanno Gaetani konzentriert man sich auf Entwicklung und Vertrieb von Stoffdruckdesigns. 9. November: Der Reichspogromnacht 1938 kann nur virtuell gedacht werden. 11. November: „Überall Maskenball“ heißt das Motto der Fasnacht von Zunft und Gilde. Es wird bei einem Mini-Event im Gildenkeller verkündet. Ebenso wird mit der Rheinfelder Bürgermeisterin Diana Stöcker die neue Protektorin für die Jahre 2021 und 2022 vorgestellt. 12. November: Statt eines großen Festes wird der Spatenstich für das Zentralklinikum mit einem Mediengespräch begangen. Landrätin Marion Dammann und OB Jörg Lutz zeigen sich über den pünktlichen Baubeginn zufrieden. 14. November: Es wird wieder gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert. Nach Augenzeugenberichten halten sich etliche der 150 bis 200 Teilnehmer nicht an die Abstandsregeln und die Mas-

Bürgerstiftung leidet unter Corona. So ist jetzt schon die für den 23. Januar 2021 geplante Benefizgala abgesagt. 28./29. November: Das „Klopfen“ von „Chinderlache“ findet nur virtuell statt. Ab dem Ersten Advent sind Videos mit den drei klopfenden Königen zu sehen. 3. Dezember: Die Neukalkulation der Abwassergebühren 2021 und 2022 hat eine Erhöhung der Schmutzwassergebühr von 1,39 Euro auf 1,59 Euro pro Kubikmeter sowie eine Senkung der Niederschlagswassergebühr von 0,76 Euro auf 0,66 Euro pro Quadratmeter ergeben. 11. Dezember: Ab heute gelten kreisweit Ausgangsbeschränkungen zwischen 21 und 5 Uhr. Die Polizei ist verstärkt auf Streife und setzt Schwerpunkte in den Städten. 16. Dezember: Auf dem Lauffenmühle-Areal soll das erste deutsche Gewerbegebiet in Holzbauweise entstehen. Das Land sagt Fördermittel zu. 17. Dezember: 21,87 Millionen Euro möchte die Stadt im Jahr 2021 investieren – insbesondere in Bildung und

Diana Stöcker wird Protektorin der Fasnacht 2021 und 2022. kenpflicht. Auf dem Senser Platz sorgt ein Redebeitrag des Stadtrats der Freien Wähler, Jörg Müller, für Aufregung. Er rückt in einem Vergleich die Tatenlosigkeit von Menschen gegen die Grundrechtseinschränkungen durch Corona in die Nähe der Tatenlosigkeit von Menschen gegen die Konzentrationslager in der NS-Zeit. 17. November: Die Elektrizitäts-Genossenschaft Hauingen bleibt auf Erfolgskurs. Sie erzielte 2019 einen Reingewinn von fast 34 000 Euro. 19. November: Der in Lörrach geborene Kabarettist Florian Schroeder wird mit dem Deutschen Kleinkunstpreis 2021 ausgezeichnet. 26. November: Auch die

Infrastruktur. 18. Dezember: Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirchengemeinde Lörrach-Inzlingen werden zu Weihnachten auf Präsenz-Gottesdienste verzichten. Den Gläubigen werden Online-Feiern angeboten. 23. Dezember: Der kleine Grenzverkehr wird durch eine Verschärfung der Corona-Verordnung stark begrenzt. Einkaufs- und Skitourismus werden faktisch unmöglich. 24. Deezmber: Die Aktion „Leser helfen Not leidenden Menschen“ unserer Zeitung kann trotz Corona und der Absage aller Veranstaltungen Rekordspenden in Höhe von mindestens 230 000 Euro verbuchen.


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Jahresrückblick 2020 – Weil am Rhein SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Der große Umzug konnte am 1. März noch stattfinden. Kurz darauf folgten die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Weil am Rhein.

Alle Fotos: Marco Fraune

Zwangspause für die Herzensangelegenheit

Rückblick | Obwohl die Veranstaltungen am Buurefasnachtswochenende ausfallen richtet sich der Blick der IG nach vorne

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Von Uwe Wissler

Weil am Rhein. Die vergangene Saison war – obwohl wir am Buurefasnachtswochenende noch mit einem blauen Auge davongekommen sind – bereits von der Corona-Pandemie überschattet. Was danach für die Gesellschaft folgte, konnte wohl kaum einer von uns wirklich abschätzen. Trotzdem mussten wir erst einmal alles für die kommende Saison in die Wege leiten. Alle Bestellungen wurden getätigt, um uns selbst etwas Luft zu verschaffen. Am 16. Oktober fand die gemeinsame Cliquensitzung in der Altrheinhalle statt. Alle 20 Cliquen bewiesen Weitblick und Verständnis, so dass es zu einem einstimmigen Ergebnis kam. Für die kommende Saison sind (wie bereits publiziert) sämtliche Veranstaltungen, wie auch das 22-Jahr-Jubiläum der IG Weiler Straßenfasnacht, selbstverständlich abgesagt worden. Es gilt der Pandemie die Stirn und keine Möglichkeit zur weiteren Verbreitung zu bieten. Zumal aufgrund der aktuellen Beschränkungen eine Durchführung sowieso nicht möglich wäre. Einzig die Fasnachtsplakette, welche ab dem neuen Jahr erhältlich sein wird (wir berichten noch) wird uns an die fünfte Jahreszeit erinnern. Für uns war es eine Selbstverständ-

lichkeit, auch im Hinblick auf die vielen Sammler, keine Lücke entstehen zu lassen. Mit dem Kauf wird die Arbeit der IG als auch der angeschlossenen Cliquen direkt unterstützt.

Herzensangelegenheit Die Fasnacht, als größte kulturelle Veranstaltung der Stadt Weil am Rhein mit alljährlich tausenden von Aktiven und Zuschauern, hat sich in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt und genießt unter den Fasnachtsfreunden der Regio und des erweiterten Umlands große Beliebtheit. Gäste aus der Schweiz, dem Elsass und sogar aus dem württembergischen Teil unseres Bundeslands bestätigen dies eindrücklich. Für viele bedeutet Fasnacht feiern, ausgelassen sein, Freude erleben und Freude teilen. Für uns von der IG Straßenfasnacht ist sie eine Herzensangelegenheit. Die Fasnacht als altes Brauchtum gilt es zu erhalten und zu pflegen. Die Vorstandschaft besteht aktuell aus sieben Personen (Interessierte sind jederzeit gerne gesehen), die das „Projekt Buurefasnacht“ Jahr für Jahr gemeinsam mit den uns angeschlossenen Cliquen und Musiken aufs Neue stemmen. Durch die „Fasnacht vor der Fasnacht“ bleibt uns für eigene fas-

Der IG-Vorsitzende Uwe Wissler hat gemeinsam mit den übrigen Cliquen die Fasnachtsveranstaltungen 2020/21 absagen müssen. nächtliche Aktivitäten relativ wenig Zeit, und ohne die Unterstützung und Toleranz unserer Familien wäre das alles nicht durchführbar. Dafür ein großes Dankeschön.

Veranstaltungen Trotzdem macht uns die Arbeit natürlich viel Spaß – denn schließlich haben wir uns dieses Hobby auch selbst

Hexen sollen erst wieder in der nächsten Session ihr Unwesen treiben.

auferlegt. Die Interessengemeinschaft Weiler Straßenfasnacht e.V. ist ein eigenständiger Verein mit eigener Vorstandschaft und eigener Buchhaltung und hat mittlerweile den Umfang eines Kleinunternehmens. Der IG Straßenfasnacht gehören 20 Weiler Fasnachtscliquen an. Die Veranstaltungen, welche die IG Straßenfasnacht plant und durchführt, sind insbesondere: das Narrenbaumsetzen in Alt-Weil, die Hemleglunkiumzüge in Weil und Haltingen, die Kinderfasnacht, das Monsterkonzert auf dem Rathausplatz, das Narrenfest auf dem Lindenplatz, der große Buurefasnachtsumzug und das Fasnachtsfeuer auf der Tüllinger Höhe. Diese Veranstaltungen stellen wir immer wieder auf den internen Prüfstand, denn selbstverständlich wollen wir uns permanent verbessern und die Events den aktuellen Gegebenheiten und Brauchentwicklungen anpassen. Auch hier sind wir natürlich stets offen für Vorschläge. Und selbstverständlich ob-

liegt der IG auch der Entwurf, die Herstellung, die Disposition und der Verkauf der alljährlichen Weiler Fasnachtsplakette, welche ein begehrtes Sammlerobjekt ist. All das wäre ohne unsere treuen und teils jahrelangen Unterstützer und Sponsoren kaum durchführbar. Ein großes Dankeschön für die alljährlich hervorragende Zusammenarbeit geht zudem an die Stadt Weil am Rhein, mit all ihren involvierten Behörden und Institutionen. Ohne diesen Rückhalt wäre vieles schlicht einfach nicht möglich.

Neue Räumlichkeiten Leider wird die Arbeit der IG Straßenfasnacht aber auch immer wieder erschwert durch etwaige Gesetzesänderungen (wie zum Beispiel die Datenschutzgrundverordnung), oder auch durch uneinsichtige Personen, welche beispielsweise an den Veranstaltungen Absperrungen ignorieren oder den Weisungen der Ordner nicht Folge leisten. Hier appellieren wir

nochmals an die Vernunft und auch die Toleranz aller Beteiligten. Ein Grundsatz der Fasnacht lautet schließlich „Jedem zur Freud, und niemand zum Leid“. Was wird uns die Zukunft bringen? Nun, langsam aber sicher müssen wir uns um ein festes Domizil kümmern, denn viele Utensilien, Materialien und Unterlagen wollen dauerhaft eingelagert und einer zentralen Anlaufstelle zugeführt werden. Wer solche Räumlichkeiten kennt oder vielleicht sogar sein Eigen nennt, und diese zur Verfügung stellen möchte und kann, der darf sich gerne mit uns in Verbindung setzen. Ferner versuchen wir bereits ein Gefühl für die Fasnacht 2022 zu bekommen, um eventuelle Nachwehen abzuschätzen. Wir freuen uns trotzdem auf eine etwas andere Fasnacht 2021, wie diese genau aussehen wird, wird sich zeigen. Bitte bleiben Sie gesund! Wileri – Wilero!

Info

Der Autor Die „aktive närrische Karriere“ von Uwe Wissler, Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Weiler Straßenfasnacht, beginnt im Jahr 1997, als er zur „Alti Fabriknäscht Cligge“ in Friedlingen gestoßen ist. Nachdem er dort mehrere Ämter bekleidet hatte (unter anderem als Kassierer oder erster Vorsitzender) und auch bei den „Ghettosingers“ Schnitzelbängg gesungen hat, wechselte Wissler im Jahr 2011 in den Passivstand. Im selben Jahr, als auch der Jahreskonvent des Verbands Oberrheinischer Narrenzünfte in Weil am Rhein stattfand, trat er der IG Weiler Straßenfasnacht zunächst als Beisitzer bei. Nach einer weiteren Station als zweiter Vorsitzender übernahm Wissler im Jahr 2015 den Vorsitz der IG Weiler Straßenfasnacht von seinem Vorgänger Markus Pittorf.


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Jahresrückblick 2020 – Weil am Rhein SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Mit Teelichtern markierte Sitzplätze und Desinfektionsmittel – kein ungewöhnliches Bild in der Altweiler Kirche in Zeiten der Pandemie.

Foto: zVg

Die Unvorhersehbarkeit des Lebens

Kirche | Pfarrer Michael Hoffmann blickt auf das ungewöhnliche Jahr zurück / Online-Gottesdienste haben sich schnell etabliert n

Von Michael Hoffmann

Weil am Rhein. Im folgenden Rückblick will ich nicht nur die eigene Betroffenheit und die Veränderungen in der Tätigkeit als Pfarrer in Kirche und Gemeinde beschreiben, sondern auch nötige Antworten und Herausforderungen theologisch reflektieren, weil Kirche und Glaube nichts mit weltfremder Beschäftigung zu tun haben, sondern in der Gegenwart Anstöße, Orientierung und Zuversicht vermitteln.

Anfang

Wer hätte das gedacht oder kommen sehen, als Anfang des Jahres der Alltag noch in Ordnung war und alles wie gewohnt und hoffnungsvoll begann. Eine Bedrohung war nicht spürbar, sondern wie immer war die Not eigentlich weit weg. Nachrichten aus China über ein neues Virus haben keine Besorgnis ausgelöst, sondern waren nur eine Meldung unter vielen. Alle Planungen haben ein normales Jahr vorausgesetzt. Fasnacht und Fastenzeit standen vor der Tür. Passionszeit und Ostergottesdienste wurden schon vorbereitet und

die Konfirmandinnen und Konfirmanden freuten sich auf ihre Konfirmation. Das gemeinsame Wochenende mit Diakonin und Diakon sowie den vielen Mitarbeitern vom CVJM und der YChurch waren ein voller Erfolg und in guter Erinnerung. Dann änderte es sich langsam. Die Nachrichten rückten näher und ließen Befürchtungen wachsen. Während die Buurefasnacht hier bei uns in Weil am Rhein noch normal gefeiert wurde, haben die Nachbarn in Basel abgesagt. Dann ging es auch bei uns ganz schnell. Von einem Tag auf den anderen wurden die Schulen, Geschäfte und Grenzen geschlossen sowie Gottesdienste verboten: Lockdown, es herrschte eine unwirkliche Atmosphäre. Dabei war die Bedrohung anfangs ja nicht wirklich zu spüren, sondern nur theoretisch fassbar durch Informationen über Infektionszahlen und freie Kapazitäten der Krankenhäuser. Auf einmal mussten wir alle mit einem veränderten Alltag leben.

Einschränkung

Die notwendigen Einschrän-

Michael Hoffmann ist Pfarrer in Alt-Weil. Foto: wz

kungen und die Absage der Gottesdienste waren nicht nur Grund zur Klage, sondern Anlass zu Überlegungen, wie Kirche ihrem Auftrag, Menschen zu ermutigen, unter den neuen Bedingungen gerecht werden kann. Besonders die Diakonie hat konkrete Hilfen angeboten. Das war gut so. Auch andere Formate wie Online-Gottesdienste haben sich schnell etabliert. Kirche geht es ja nicht um eigene Bedürfnisse oder Betroffenheit, sondern um Zuwendung und Anteilnahme, die neue Kraft spenden können. Bedauerlich war, dass alle Konfirmationen zunächst abgesagt und verschoben werden mussten. Die Konfis hatten sich schon so darauf gefreut. Die im September möglichen Konfirmationen waren dann aber tröstlich und festlich, was allerdings bei der Absage noch nicht vorhersehbar war. Alle mussten Unsicherheit und Ungewissheit aushalten. Und haben das auch mit bewundernswerter Gelassenheit geschafft. Die später wieder möglichen Gottesdienste konnten Zuversicht stiften, waren von Hygieneregeln und Abstand geprägt, um niemanden zu gefährden. Anders als manche Kirchen, die mit ihren großen Gottesdiensten und gemeinsamem Gesang für die Verbreitung Virus gesorgt haben, weil sie glaubten, dass Gott sie schon schützen wird, ist es unsere Überzeugung, dass Gott keine leichtgläubigen, sondern kritische Christen will, die ihre Verantwortung übernehmen und erkennen. Unsere Gedanken und Gebete sind und waren bei denen, die Sorge um Gesundheit und Existenz haben. All die Selbstständigen und Freiberufler, die auf einmal – ohne eigenes Zutun – zum Opfer einer Pandemie geworden sind, brauchen Anteilnahme, Interesse, Hilfe und echte Perspektiven. Daran zu

erinnern, ist auch Aufgabe der Kirche. So war es auch eine erfreuliche Erfahrung, dass es viele gab, die versucht haben, Hoffnung und Zuversicht zu spenden. Ich erinnere mich gerne an die sogenannten Balkonkonzerte in unserer direkten Nachbarschaft, die sonntags durch Musik und Gesang immer Licht und Zuversicht verbreitet und das die ganze Zeit über auch durchgehalten haben.

Anforderung

Für den Dienst als Pfarrer sind ja vor allem Nähe und Begegnung, Besuche und Gespräche, Austausch und Anteilnahme wichtig. Seelsorge verkündet keine frommen Sprüche, sondern wirkt durch Zeit und Zuhören und ist so nichts anderes als aufrichtige Anteilnahme. Weil bei Tod und Trauer Gegenwart und Nähe so wichtig sind, waren die Einschränkungen für viele Hinterbliebene in dieser Zeit besonders schmerzhaft, weil es keine Besuchsmöglichkeiten in Krankenhaus und Altenheim mehr gab. Dass nun im zweiten Lockdown diese Möglichkeiten erhalten bleiben, ist ein begrüßenswerter Fortschritt und Folge einer Abwägung zwischen Notwendigkeit und Gefahr.

Erinnerung

Die Pandemie hat in aller Klarheit die Zerbrechlichkeit und Unvorhersehbarkeit des Lebens deutlich gemacht. Diese Tatsache, die schon immer Philosophie und Theologie beschäftigt hat, ist aber kein abgehobenes akademisches Thema, sondern betrifft unser wahres und echtes Leben. Früher wurden Zeiten von Krankheit und Katastrophe als Strafe Gottes für die Sünden der Menschen gedeutet. Das ist Gott sei Dank vorbei! Heute erklärt die Theologie solch eine Pandemie nicht

mehr mit dem Willen eines allmächtigen Gottes, sondern erkennt in ihr den Verzicht Gottes auf seine Allmacht, der sich ganz auf seine Welt und Schöpfung einlässt und so seine Liebe und Verständnis für unser Leben zeigt: Weil er all das aushält, was auch wir erleben. Das ist nichts anderes als die Weihnachtsbotschaft von der Menschlichkeit Gottes. Dagegen ist in unserer säkularen Welt, die sich Wissen und Erkenntnis, Aufklärung und Vernunft verpflichtet fühlt, dennoch der alte Aberglaube lebendig, der bedrohliche Ereignisse damit erklären will, dass er entweder Bedrohung verleugnet oder Schuldige sucht. Für mich ist es erschreckend, dass auf vielen Demonstrationen nicht mehr bestimmte Maßnahmen der Politik zu Recht kritisiert, sondern der Glaube an Verschwörung und Verdächtigungen verbreitet werden. Das wäre noch ein anderes Thema. Kritik ist immer nötig, aber ohne Verdächtigung und Unterstellung. Genauso ist auch Verständnis für all die nötig, die in Stadt und Land Verantwortung tragen und in allen Unsicherheiten Entscheidungen treffen müssen. Deshalb plädiere ich als Pfarrer für Vertrauen auf den guten Willen der Verantwortlichen und halte Vergebung bei Irrtum für wichtig.

Aussicht

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Die Jüngeren unter uns haben diese Unvorhersehbarkeit und Unsicherheit des Lebens so noch nicht erlebt. Die kommende Impfung bringt hoffentlich wieder mehr Alltag zurück. Meine Hoffnung ist aber auch, dass all die Missstände, die das Virus offengelegt hat, erkannt und benannt werden und ein Anlass sind, Vieles zu verbessern. Nur als offensichtliche Beispiele für notwendiges Handeln: Dass

endlich die Krankenhäuser wieder nach medizinischen Notwendigkeiten und nicht mehr nach ökonomischen Zwängen entscheiden können, dass Ärzte und Krankenschwestern, Altenpfleger und Kassiererinnen nicht nur Anerkennung empfangen, sondern auch gerechten Lohn bekommen, sind dringende Konsequenzen aus den vergangenen Erfahrungen. Und vielleicht erkennen wir alle auch wieder, was wertvoll und wichtig ist in unserm Leben. Und schätzen den Alltag nicht mehr als Selbstverständlichkeit, sondern als Geschenk. Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit aller Zuversicht das nächste Jahr erwarten.

Der autor

Michael Hoffmann Der evangelische Pfarrer hat in Heidelberg und Jerusalem studiert. Seit dem Vikariat 1991/92 bei Pfarrer Manfred Ulbrich in Weil fühlt er sich dem Markgräflerland beziehungsweise Weil am Rhein sehr verbunden. Früher war er Pfarrer in Schopfheim und in Brombach. Hoffmann ist engagiert im jüdisch-christlichen beziehungsweise interreligiösen Dialog und auch für den Kirchenbezirk Bezirksbeauftragter für den interreligiösen Dialog. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.


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n Splitter

Jahresrückblick 2020 – Weil am Rhein SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

2020

Huber kündigt Rücktritt nach Wiederwahl an Weil am Rhein (mcf). Eigentlich wollte Erster Bürgermeister Christoph Huber gar nicht mehr das zweithöchste Amt im Rathaus bekleiden. Weil aber kein geeigneter Kandidat im Rahmen des Bewerbungsprozesses gefunden wurde, sprang er noch einmal ein. Aktuell läuft die zweite Bewerbungsrunde, wobei ein Personaldienstleister hier tatkräftige Unterstützung leisten soll. Ein Kuriosum: Ende Juli wurde Huber zu Beginn der Gemeinderatssitzung mit großer Mehrheit als Erster Beigeordneter wiedergewählt, nachdem er in der vorherigen Sitzung schon als Beigeordneter bestätigt wurde. Doch seinem Dank für die zwei Voten folgte zum Abschluss der gut zweistündigen Sitzung dann direkt die Ankündigung seines Rücktritts. Spätestens am 30. Juni 2021 soll Schluss sein.

Nachfolger von Tonio Paßlick Weil am Rhein (mcf). Eine Ära endet: Peter Spörrer heißt der neuer Weiler Kulturamtsleiter. Seit Anfang Oktober wird er noch von seinem Vorgänger Tonio Paßlick eingearbeitet, Spörrer ab Februar übernimmt. Der Gemeinderat hatte sich im Juli in nichtöffentlicher Sitzung für den 43-jährigen Kandidaten aus Berlin entschieden. Tonio Paßlick prägt seit 34 Jahren das Kulturleben in der Stadt Weil am Rhein an der Spitze des Amts. Es gebe aber noch „unglaublich viele kreative Betätigungsfelder“ im Kulturamt. Paßlick hatte sich sein letztes Amtsjahr zugleich ganz anders vorgestellt. Coronabedingt fiel auch das Bläserfestival aus.

Pfarrerin Krüger im Ruhestand Weil am Rhein-Haltingen (mcf). Die Haltinger Pfarrerin Renate Krüger ist Ende September offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden. Einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin gibt es bislang noch nicht. Seit 2009 dem Jahr war sie in Haltingen Pfarrerin. „Mein Anliegen war es immer, dass ich mit allen Altersgruppen in Kontakt komme, vom jährlichen Jugendzeltlager bis zur Seniorenarbeit“, erklärte Krüger im Interview mit unserer Zeitung. Unser Titel: „Stets nah am Menschen“.

Trauer um Stefan Grüter Weil am Rhein-Haltingen (mcf). Ein vielseitig engagierter und sozialer Mensch: Der Weiler Allgemeinmediziner und CDU-Gemeinderat Dr. Stefan Grüter verstarb überraschend Ende Mai im Alter von 66 Jahren. Über zweieinhalb Jahrzehnte hinweg hatte sich Grüter in unterschiedlichen Ämtern eingebracht, unter anderem auch als Kreisrat. „Wir verlieren einen wertvollen Menschen“, würdigte CDU-Stadtverbandsvorsitzender Günter Dußmann.

Grenzöffnung auf der Dreiländerbrücke

Abriss und Aushub in Haltingen

Coronabedingt sind die Grenzen zur Schweiz und nach Frankreich auch in Weil geschlossen gewesen. OB Wolfgang Dietz, der 15 Meter von der Grenze entfernt in Alt-Weil aufgewachsen ist, zeigte sich ebenso wie Vertreter der beiden Nachbarländer und Landrätin Marion Dammann

Das am 22. Januar 1851 eingeweihte Haltinger Bahnhofsgebäude ist im Mai dem Erdboden gleich gemacht worden. Es muss dem laufenden Ausbau der Rheintalbahn weichen, der fortschreitet. In dessen Zug erfolgte auch der Aushub der historischen Fächerbrücke in Haltingen. 200 Schaulustige, die teils dicht gedrängt die Arbeiten verfolgten, sorgten für Diskussionen. mcf/Foto: Marco Fraune

dann Mitte Juni auf der Dreiländerbrücke erleichtert über die Wiedereröffnung der Binnengrenzen in Europa. Das dortige Treffen war mit Symbolkraft aufgeladen. Ab Mitte März standen hier und an anderen Grenzübergängen Zäune und Barrikaden. Foto: Marco Fraune

Fußgängerzone poppt hoch

Innenstadt | Temporäre Verkehrsregelung sorgt für heiße Diskussionen im Sommer n

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Mitten in der heißesten Jahreszeit hat eine neue Verkehrsreglung im Herzen der Stadt für hitzige Diskussionen und erregte Gemüter gesorgt: Die „Pop-up-Fußgängerzone“ und die direkt folgende Einbahnstraßenregelung auf der Hauptstraße generierten fast täglich neue Schlagzeilen. Um während der Pandemie mehr Abstand auf den Bürgersteigen zwischen Schillerstraße und Sparkassenkreisel zu ermöglichen, sollte zuerst vom 10. August bis zum 6. September die Fußgängerzone her. Mehr als ein Dutzend Stellungnahmen und insgesamt sechs Abstimmungen gab es Ende Juli im Gemeinderat, bevor dann eine Zweidrittelmehrheit für die besondere Maßnahme zur Bekämpfung der Corona-Pandemie votierte. Vom 10. August bis zum 27. September sollte die Fußgängerzone gelten. Doch nach den ersten Erfahrungen in den ersten Wochen mit der temporären Fußgängerzone folgte Ende August ein Modifizierungsvorschlag für den Bereich,

Auf die Pop-up-Fußgängerzone folgte eine Einbahnstraßenregelung auf der Hauptstraße. Foto: Marco Fraune nach dem zumindest in eine Richtung gefahren werden konnte, wobei auch der Gemeinderat die ab dem 31. August geltende Veränderung durchwinkte. Bei vielen Händlern kamen beide Verkehrsänderungen gar nicht gut an, da sie Umsatzrückgänge auf die neue Verkehrsregelung zurückführten. Unterschiedliche Auffassungen gab es auch im Nachgang: Sowohl die Händ-

lervereinigung Weil-aktiv als auch die Stadtverwaltung hatten Befragungen vorgenommen beziehungsweise beauftragt. Das von der Stadt beauftragte Büro lieferte folgende Befragungsergebnisse: Eine klare Absage an eine künftige Einbahnstraßenregelung erteilten die Teilnehmer demnach. Leicht mehrheitlich positiv wurde die Fußgängerzone als Dauerlösung

bewertet. Und: Die von Händlern unterstrichene große Bedeutung der Parkplätze vor den Geschäften sahen die Befragten ganz anders. Nur wenige Tage zuvor hatte Weil-aktiv noch ihre Befragungsergebnisse präsentiert. Dass die Verwaltungsspitze für sich eine 6,5-fache höhere Beteiligung gegenüber der Befragung der Händlervereinigung reklamierte, kam beim Vorsitzenden Wolfgang Raithel gar nicht gut an. Dieser trat aber sogar zurück und kritisierte nochmals die Zusammenarbeit mit der Stadt. Ein „Runder Tisch“ soll hier Verbesserungen herbeiführen. Wer die Nachfolge von Raithel antreten wird, steht noch nicht fest. Ein anderes Verkehrsthema: Deutlich geräuschloser verlief im Rahmen des Lärmaktionsplans die Ausweitung von Tempo 30 auf dem Weiler Stadtgebiet.Vor allem die ausbleibende Reduzierung auf der Zollfreien sorgte bei Anwohnern für Kritik. In Ötlingen sollte auf der Dorfstraße komplett Tempo 30 gelten, was aber auch von übergeordneten Behörden abgelehnt wurde.

Feuerwehr sucht nach Standort Weil am Rhein (mcf). Der neue Standort für die gemeinsame Feuerwache Nord steht auch nach mehrfacher Diskussion nicht fest. Klar ist, dass es für die Stadtteile Haltingen, Ötlingen und Märkt nur noch eine geben soll, womit die drei Gerätehäuser ausgedient haben. Sowohl in den Orten als auch in den politischen Gremien herrschte ein unterschiedliches Stimmungsbild Und nicht nur das: 16 von 18 Märkter Feuerwehrleuten haben im November ein Austrittsgesuch gestellt.

Dreiländergalerie nicht noch höher Weil am Rhein (mcf). Gleich zwei Mal ist der Investor Cemagg in diesem Jahr mit dem Vorstoß gescheitert, den Einkaufstempel höher zu bauen. Zuletzt sollte das bislang geplante medizinische Versorgungsangebot um ein Dienstleistungszentrum erweitert und das Gebäude um ein zurückgesetztes Dachgeschoss erweitert werden. Der Gemeinderat war dagegen. Schon im Januar hatte der Investor ohne Erfolg für die Möglichkeit einer Aufstockung geworben.


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Jahresrückblick 2020 – Rund um Schopfheim SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Das Vereinsleben kommt zum Erliegen

Rückblick | Corona überschattet 2020 / Hebelfest, Brauchtumsfest, Weideviehmarkt und Oldtimertreffen fallen aus n

Von Harald Pflüger

Kleines Wiesental/Hasel/ Hausen. Windkraft (Kleines Wiesental), Höhlenschließung (Hasel) und Bau der neuen Ortsmitte (Hausen) waren nur einige Themen, die die Bürger rund um Schopfheim bewegt haben. Januar Der Gesangverein Bürchau wurde in diesem Jahr 100 Jahre alt. Von Alter war jedoch keine Spur, als der Jubiläumsverein seinen runden Geburtstag zwei Tage lang feierte. Gottesdienst einmal anders: Andy Lang begeisterte mit Gitarren- und Harfenspiel das Publikum in der Tegernauer Laurentiuskirche. In Ried diskutierten 80 Bürger über Windkraftpläne am Zeller Blauen. Wenig später wurde im Gemeinderat hitzig über die Windkraft diskutiert. Noch im gleichen Monat füllten 240 Besucher die Halle in Tegernau bei einer Informationsveranstaltung zum Thema „Windkraft im Wald“. 10 000 Euro Sachschaden entstand bei einem Gebäudebrand in Hasel. Brandursa-

che soll eine Heizdecke gewesen sein. In Hausen wurde Museumspädagogin Ute Bockelmann in den Ruhestand verabschiedet. Bockelmann hatte das Projekt „Lernort Literaturmuseum“ mit aufgebaut. Beim Frühschoppen in der „Krone“ in Tegernau wurden Erinnerungen an die legendäre Kallfaß-Luis wach, der letzten „Krone“-Wirtin. Sturmtief „Lolita“ sorgte vor allem Kleinen Wiesental für Stromausfälle. Dort war ein Baum auf eine Freileitung gefallen. Februar Anlässlich seines 70. Geburtstags war im Hebelhaus in Hausen eine Werkschau des Künstlers Konrad Grund zu sehen. Corona schien noch in weiter Ferne, die Narren im Wiesental feierten ausgelassen Saal- und Straßenfasnacht. Die Besucher erfreuten sich in Hasel an einem Bild, das ihnen im kommenden Jahr aufgrund der Pandemie verwehrt bleiben wird. Bei der Arbeiterwohlfahrt in Hausen haben junge Frauen Verantwortung im Vor-

In Sallneck entstand bei einem Brand hoher Schaden.

Das Thema Windkraft wurde im Kleinen Wiesental kontrovers diskutiert. stand übernommen. Matthias Ruf wurde neuer Kommandant der Abteilungsfeierwehr Wies. Der Verein „Erneuerbare Energie Kleines Wiesental“ verabschiedete Gründungsmitglied und Vorsitzenden Heiner Fabry, der sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegte. Zur Nachfolgerin wurde Patricia Fromm gewählt. Monate später hieß es für immer Abschied nehmen von Heiner Fabry, der im Alter von 71 Jahren den Folgen einer schweren Krankheit erlegen ist. In Hausen hielt die Kontroverse um den Bau des Markus-Pflüger-Heims an. Der Gemeinderat stimmte jedoch für den Bauantrag. In der Gemeinde Kleines Wiesental vergab der Gemeinderat die Fachplanung für das Dorfgemeinschaftshaus Wieslet. Für Heiterkeit sorgte das Altbadische Stubengericht im Gasthaus „Adler“ in Hausen.

März Mit den Umzügen an Buurefasnacht, darunter auch in Hasel, gingen die närrischen Tage zu Ende. Das Scheibenschlagen kündigte das Nahen es Frühlings an. Der Windkraft-Streit im Kleines Wiesental zog einen Gerichtsprozess nach sich. Vom Gericht wurde ein Mann wegen Beleidigung von Bürgermeister Gerd Schönbett verurteilt. Die EWS erhielt den Zuschlag für den Bau des Nahwärmenetzes in Hausen. Bei der Tegernauer Feuerwehr übernahm Ralf Grether das Kommando von Bernd Riesterer. Der Hasler Gemeinderat sprach sich für einen überörtlichen Gutachterausschuss aus. Im Wiesental mussten erste Veranstaltungen wegen des Coronavirus abgesagt werden. Es waren die ersten einer Reihe von Veranstaltungen, die in diesem Jahr nicht stattfinden konnten, da-

runter auch zahlreiche Jubiläen und Großveranstaltungen wie des Brauchtumsfest in Raich, das Oldtimertreffen in Hasel oder das Hebelfest in Hausen. Mit der Fortschreibung des Lärmaktionsplans will Hausen der Lärmbelastung durch die B 317 entgegenwirken. Mit einem Bündel an Maßnahmen, die das öffentliche Leben quasi zum Erliegen brachte, versuchten die Kommunen das Ausbreiten des neuen Virus zu bremsen. Rathäuser arbeiteten im Notfallmodus, Gemeinderatssitzungen wurden abgesagt. Geschäfte mussten schließen und die Seelsorger im Wiesental durften keine Gottesdienste mehr anbieten. Gelernt wurde angesichts geschlossener Schule zuhause am Computer. Bei seiner 100. Hauptversammlung beschloss der Gesangverein Bürchau, seine Vereinstätigkeit nach dem Lichterfest im Juni ruhen zu lassen. Der Grund: Der Chor besteht nur noch aus 21 aktiven Sängern. Rainer Hartl wurde bei der Generalversammlung des SV Hasel zum Ehrenpräsidenten ernannt. Große Trauer um Inge Nestle: Die ehemalige Hasler Pfarrerin starb im Alter von 85 Jahren. April Schwere Schäden hatte ein Brand in einen Bauernhaus in Sallneck angerichtet. Im Einsatz waren die Feuerwehren Kleines Wiesental, Steinen und Endenburg sowie das DRK. Die katholischen Seelsorgeeinheiten gaben das Ergebnis der Pfarrgemeinderatswahlen bekannt, die in diesem Jahr unter Corona-Bedingungen stattfanden. Erleichterung bei Gewerbetreibenden brachte die Nachricht, dass Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von unter 800 Quadratmetern nach dem verhängten Lockdown unter Auflagen wieder öffnen dürfen. Mai In diesem Jahr fiel der 1. Mai, ansonsten ein Ausflugstag, coronabedingt, anders aus als in der Vergangenheit. Auf Ausflüge sollte verzichtet werden, auch auf das Maibaumstellen. Thomas Schmidt erhielt die Hebelplakette. Schmidt hatte den Umbau des Hebelhauses und den Einsatz neuer Medien begleitet. Zum 260. Geburtstag Hebels (1760 bis 1826) präsentierte

Fotos: Archiv MT das Museum für Literatur in Karlsruhe den ersten Animationsfilm über Hausens berühmtesten Sohn. In der Tegernauer Laurentiuskirche wurde die 125 Jahre alte Merklin-Orgel restauriert. In der Corona-Krise lieferte die Sozialstation Schopfheim Essen auf Rädern nun auch ins Kleine Wiesental. Forst BW nahm ein Nasslager in Tegernau in Betrieb. Eine Bewässerung sollte helfen, die Holzqualität zu erhalten. Nachbarschaftshilfe in der Krise bot das Projektbüro „Im Tal leben – im Tal bleiben“. Hasels Touristenattraktion, die Erdmannshöhle, blieb wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Fleißig wie die Bienen: Hans in Hand setzten Mitglieder des Imkervereins Kleines Wiesental das Vereinsheim am Nollen wieder instand. Juni Nachdem in den meisten Orten des Kleinen Wiesentals die Lebensretter installiert worden waren, konnten auch in Tegernau, Niedertegernau und Schwand dank Spenden Defibrillatoren angeschafft und montiert werden. Der Gemeinderat Kleines Wiesental beschloss den Ausritt aus der Touristengemeinschaft „Südwärts“. Vier Einsätze innerhalb von 24 Stunden hatte die Feuerwehr Kleines Wiesental Mitte Juni zu bewältigen. Gefordert waren die Feuerwehrmänner bei der Rettung eines verletzten Bauarbeiters, der Bergung eines in einen Bach gestürzten Traktors, bei einem Motorradunfall und bei der „Befreiung“ eines auf einem Forstweg festgefahrenen Fahrzeugs. Die Landesregierung unterstützt Veranstaltungen des Kulturzentrums Rosenhof mit über 20 000 Euro Fördergeld. Platz- und Personalmangel führten zu einem Aufnahmestopp im Hasler Kindergarten. Silke Hofmann wurde neue Kindergartenleiterin in Hasel Feinstaubmessungen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg in Tegernau ergaben keine Ausreißer. Trauer um Rolf Grether: Im Alter von 81 Jahren ist der frühere Gemeinderat und „Sennhütte“-Wirt (Schwand) gestorben. Fortsetzung nächste Seite.


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Jahresrückblick 2020 – Rund um Schopfheim SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Ob Brauchtumsfest in Raich (Bild), Hebelfest in Hausen oder Oldtimertreffen in Hasel: Veranstalter müssen landauf, landab aufgrund der Corona-Pandemie Großanlässe aus ihrem Kalender streichen.

Wehratalbahn hat Potenzial Rückblick | Großveranstaltungen fallen der Corona-Pandemie zum Opfer

Fortsetzung von vorheriger Seite Juli In Neuenweg klagten Bürger über Motorradlärm und forderten mehr Kontrollen. Das Landratsamt versprach, beim Nassholzlager in Tegernau nachzubessern, In Wieslet zeigte sich, dass der Kirchturm nicht genügend Platz für eine Sendeanlage für das Mobilfunknetz bietet. Die Anlage hätte den Handyempfang in dem Ortsteil verbessern sollen. In der Gemeinde Hasel dachte man über die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs nach. Im Gemeinderat wurde ein entsprechendes Angebot unterbreitet. Unterhaltung auf hohem Niveau gab es in Wies zum Auftakt des internationalen Tanzfestivals des Rosenhofs. Unter dem Titel „Gebettet“ präsentierte der Kunstverein Schopfheim eine außergewöhnliche Freiluftveranstaltung an der Wiese bei Hausen. Die Ortschaftsräte von Neuenweg und Bürchau diskutierten über die Erneuerung des gemeinsamen Wegenetzes. Die Friedhofslinde in Raich soll zum Kulturdenkmal werden. Das wünschte sich der Ortschaftsrat. In Wieslet wurden bei einer Informationsveranstaltung die Pläne für das neue Dorfgemeinschaftshaus präsentiert. In der Zukunftswerkstatt Verkehr ging es in Hausen um die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse. Zum Ende des Schuljahrs ging an der Hausener Grundschule Leiterin Barbara Sallinger in Ruhestand. Nachfolgerin wurde Hanna Seemann. Die EWS stellte den Zeitplan für das Nahwärmenetz

in Hausen vor. August Autozulieferer Autokabel (Hausen) reduzierte aufgrund der angespannten Lage die Belegschaft Das Projektbüro „Im Tal leben – im Tal bleiben“ bot aufgrund der Pandemie einen „Mittagstisch zum Mitnehmen“ an. Im Kleinen Wiesental veranstaltete die EWS eine Gesprächsrunde zum Thema Klimawandel. Der Hasler Gemeinderat stellte die Weichen für einen neuen Spielplatz in der Hofstraße. Feuerwehrleute aus Wieslet radelten mit ihren Mountainbikes von Pforzheim nach Wieslet. Eine ausgelaufene Flüssigkeit sorgte in Hausen für einen Großeinsatz der Feuerwehren. Auf dem Rosenhof in Schwand fand ein einwöchiges Sommertanzcamp für Kinder und Jugendliche statt. Das Landratsamt erteilte dem Sagenweg, der zwischen Wies und Tegernau entstehen soll, die Genehmigung. Die Eröffnung ist für Frühjahr 2021 geplant. September Unter Corona-Auflagen ging in Hausen ein Dorfflohmarkt über die Bühne. An rund einhundert, über das ganze Dorf verteilten Ständen, konnten Sammler und Schnäppchenjäger auf ihre Kosten kommen. Im Tegernauer Rathaus wurde eine Wanderausstellung zum Thema Klimawandel eröffnet. Der vielfach engagierte Neuenweger Friedhelm Senn ist im Alter von 75 Jahren gestorben. 25-jähriges Bestehen der Post-Filiale im Spar-Markt im Burchiweg wurde in Hausen

Nachgeholt wurde in Hausen die Verleihung der Hebelplakette an Thomas Schmidt (rechts) durch Bürgermeister Bühler.

gefeiert. Im Kleinen Wiesental wurde das Ernteprojekt „Gelbes Band“ gestartet. Mit Hilfe des gelben Bandes signalisierten die Obstbaumbesitzer, dass dieser Baum abgeerntet werden darf. So soll das Obst verwertet werden, anstatt am Boden zu verfaulen. Das Brauchtumsfest in Raich, in coronafreien Jahren ein Besuchermagnet, musste aufgrund der Pandemie abgesagt werden, ebenso das Oldtimertreffen in Hasel. Eine erste positive Bilanz zogen die Seniorenbeauftragten der Gemeinde Kleines Wiesental, Fabienne Gentner und Melanie Mühlhäuser, im Gemeinderat. Der Wiesentäler Wasserlauf fand in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise individuell statt. Trotzdem kam eine stattliche Spendensumme zusammen. Oktober Coronabedingt musste der Weideviehmarkt in Wies abgesagt werden. Beim nachgeholten Hebelabend in Hausen wurde die Gedenkplakette an Thomas Schmidt verliehen. Im Kulturhaus in Ried zeigten die Malerin Monika Albrecht und der Töpfer Frank Hedtke ihre Arbeiten. Wechsel am Ratstisch in Hausen. Erich Paulus legte wegen Wegzug sein Gemeinderatsmandat nieder. Nachfolger wurde Frank Nüske. Freiwillige Helfer haben die Außenanlage der Silberberghütte auf Hochglanz poliert. Die Kirchengemeinde Hausen vermisst ihre Osterkerze. Sie war zum Transport vor der Festhalle abgestellt worden und plötzlich weg. Dank Bürgerengagement erhielt das Bürchauer Mühlrad einen neuen Wasserzulauf.

Die Hasler Buurefasnacht 2021 wurde angesichts der Corona-Pandemie abgesagt. Andere Fasnachtsveranstalter zogen mit ihren Absagen nach. Die Autoren Claudia Scherer und Björn Kern waren bei einer Doppellesung in der Kapelle in Ried zu Gast. Der Verein „Erneuerbare Energien Kleines Wiesental“ pflanzte am Fuß des Belches 100 Libanon-Zedern. November Das Land räumt der Reaktivierung der Wehratalbahn zwischen Schopfheim und Wehr Potenzial ein. Lukas Senn aus Neuenweg wurde Kammersieger im Malerhandwerk. In Neuenweg wurde das Nahwärmenetz offiziell in Betrieb genommen. In der Gemeinde Kleines Wiesental kam ein Ruftaxi ins Gespräch. Markus Manfred Jung (Kleines Wiesental) brachte ein bebildertes Buch mit Mundartglossen heraus. Die ehemalige Hausarztpraxis von Gabriele Geier (Wies) fand mit Mohamed Jafar, Facharzt für Allgemeinmedizin, Sport- und Physiotherapie, einen Nachfolger. Jubiläum: 60 Jahre ist es her, seit in Hausen das Hebelhaus als Dorf- und Heimatmuseum eröffnet wurde. Dezember In Wieslet forderten Bürger Tempo 30 im Ort. Wechsel im Ortschaftsrat Wies: Dort rückte Gudrun Gehr für Hans-Peter Beha nach, der auf eigenen Wunsch aus dem Gremium ausscheidet. Das Museumscafé der „Krone“ in Tegernau schloss zum Jahresende. Kurz vor Weihnachten folgte der zweite Lockdown.

Glück hatten die Veranstalter der Hasler Buurefasnacht, die ihr Jubiläum noch feiern konnten.

Potenzial für eine Reaktivierung hat einer Studie zufolge die Weratalbahn. Fotos: Archiv MT


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Jahresrückblick 2020 – Steinen SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Abschied von gleich drei Seelsorgern Rückblick | Geschlossenes Freibad und eine der größten Demos, die Steinen je gesehen hat n

Von Harald Pflüger

Steinen. Als zum Jahreswechsel 2019/2020 die Sektflaschen entkorkt und die Raketen gezündet wurden, konnte sich kaum einer vorstellen, dass eine Pandemie einmal das öffentliche Leben quasi zum Erliegen bringt. Januar Mit einer einschneidenden Änderung begann am Dreikönigstag der Fasnachtsauftakt in Steinen. Die Narren verlegten den Veranstaltungsort vom Haus der Sicherheit ins Freie – nämlich vor das Vogtshaus. Dort wurde auch das Motto verkündet: Sit 33 Johr verbreite mir Humor. Mit dem Bürgerteller ehrte die Gemeinde Steinen bei ihrem Neujahrsempfang den ehemaligen Gemeinderat Hans Kropf. Nach gut 20 Jahren legte Gerhard Pfänder sein Amt als Pastor der evangelischen Freikirche Steinen nieder, um sich in den Dienst einer

sammlung war der Gesangverein „Harmonie“ Weitenau noch optimistisch, sein 175-jähriges Besehen im Sommer mit einen großen Fest und mit zwei Konzerten feiern zu können. Die Corona-Pandemie machte dem Verein wie anderen auch dann einen Strich durch die Rechnung. Die Filmbetriebe Schweikart bekundeten Interesse, in Höllstein einen Kinokomplex mit sieben Sälen, Gastronomie sowie eine Kletterhalle zu errichten. Februar Rotbuchen und Eschen mussten auf dem Haldenplatz gefällt werden, weil sie zu nahe an der Hochspannungsleitung stehen. Der Hieb fiel in Höllstein teilweise auf Unverständnis. Es hätte schlimmer kommen können: Orkantief „Sabine“ sorgte zwar auch in Steinen für Feuerwehreinsätze, aber diese beschränkten sich auf das Beseitigung von auf Straßen gestürzten Bäu-

Demo gegen AfD-Veranstaltung in Steinen. Hilfsorganisation zu stellen. Die Gemeinde wird seither von den beiden verbliebenen Ältesten Jürgen Domschat und David Frommann geleitet. Bei seiner Generalver-

men und vom Dach gewehter Ziegel. Auf dem Schneiderhof hatten Sturmausläufer Ziegel vom Dach des Museumshofs gefegt. Aufgrund der Orkanwarnung fand am Meret-Oppenheim-Schulzen-

trum kein Unterricht statt. Der Steinener Gemeinderat hatte sich für die Mitgliedschaft in der Wirtschaftsregion Südwest GmbH ausgesprochen. Ob die Mitgliedschaft von Dauer sein wird, wird sich zeigen. Der Gemeinderat wollte bei seinem Beschluss, dass die WSW in einem Jahr eine Zwischenbilanz vorlegt. März Die Corona-Krise begann sich im März auf das öffentliche Leben auszuwirken. Konzerte, Treffs und Generalversammlungen wurden abgesagt. Bald darauf wurden Kindergärten, Schulen, auch die Musikschule, und öffentliche Einrichtungen geschlossen. Die Schlaganfall-Selbsthilfegruppe Lörrach und Steinen konnte bei ihrer Jahreshauptversammlung im Mühlehof noch ihr zwanzigjähriges Bestehen feiern. Die Pfarrgemeinderatswahl in der Erzdiözese Freiburg wurde um zwei Wochen auf dem 5. April verschoben und damit auf die Corona-Krise reagiert. Abgestimmt werden konnte nur online oder per Briefwahl. Die einschneidenden Maßnahmen, die von der Bundesregierung im Kampf gegen die Corona-Pandemie getroffen wurden, betrafen neben dem Schneiderhof auch den Vogelpark Steinen. Die Freizeiteinrichtung durfte vorerst nicht öffnen – und das ausgerechnet im 40. Jahr ihres Bestehens. Das Coronavirus hatte auch Auswirkungen auf die Verkündigung des Wortes Gottes. Die erfolgte geraume Zeit nicht mehr von der Kanzel. Gottesdienste wurden aufgezeichnet und ins Netz gestellt. Ein Drama spielte sich in einem Pflegeheim in Steinens französischer Partnergemeinde Cornimont ab. Laut France Info starben dort 20 Personen, möglicherweise am Coronavirus. April Weil die Stadt Lörrach sich kurzfristig entschlossen hatte, die für den Bau des Zentralklinikums notwendige Verlegung der L 138 vorzuziehen, musste die L 138 zwischen Hauingen und Steinen zeitweise gesperrt werden. Die Orgel in der Hofener Kirche erfuhr eine Revision. Die letzte Überholung des Instruments fand im Jahr 1983 statt. Mai Im Rechtsstreit zwischen der Mühlehof gGmbH und dem Finanzamt Lörrach wegen der Lohnsteuerberechnung bei Fahrern, die für den Mühlehof bei Transportfahrten für Klienten tätig waren, behielt die Steinener Einrichtung auch im Revisionsverfahren Recht. Unter strengen Sicherheitsauflagen durfte die Bibliothek Steinen in der Corona-Krise wieder öffnen. Und nach Wochen der Hausgebete starteten die Kirchengemeinden wieder mit Gottesdiensten. Ein Kindergarten, eine Schule und ein Boardinghouse werden im Baugebiet „Alte Weberei“ in Steinen entstehen. Der Gemeinderat billigte entsprechende Pläne. Der Steinener Gemeinderat weigerte sich, sich an den

Bauvorhaben: Kinokomplex in Steinen. Planungskosten für die Kapazitätserweiterung der Regio-S-Bahn zu beteiligen. Vier Wochen später stimmte der Gemeinderat einer finanziellen Beteiligung dann doch zu. Juni Von den Lockerungen der Corona-Verordnung profitierten immer mehr Bereiche, darunter auch Freizeiteinrichtungen wie der Schneiderhof in Kirchhausen und der Vogelpark Steinen. Mehrheitlich hatte der Gemeinderat sich dagegen entschieden, den Betrieb des Freibads mit weiteren 100 000 Euro zu unterstützten. Die Folge war ein Sommer ohne Freibadbetrieb. Gegen Ende des Jahres wurde bekannt, dass der Badbetreiber seinen Vertrag gekündigt hat. Die Corona-Krise verhinderte auch ein Doppeljubiläum: 50 Jahre Freibad und 50 Jahre DLRG. Juli Die Corona-Pandemie forderte auch bei der Gestaltung des Kinderferienprogramms der Gemeinde Steinen ihren Tribut. Anstatt eines Spieldorfs gab es diesen Sommer Extra-Würstle-Touren. Im Rahmen eines Himmelwärts-Gottesdienstes wurde Pfarrer Dirk Kellner verabschiedet. Elf Jahre lang betreute der Pfarrer die Petrusgemeinde. Kellner zog es auf eine frei werdende Stelle in Seefelden-Betberg im Markgräflerland. Die Gemeinde Steinen muss aktuell noch rund 70 Flüchtlinge in die Anschlussunterbringung aufnehmen. Dabei handelt es sich um eine Pflichtaufgabe für die Gemeinde. Die Ratsmehrheit sprach sich für einen Neubau an der Köchlinstraße ein. Bauen soll die Kommunale Wohnbau. Gegen den Standort für die Flüchtlingsunterkunft wurde jedoch Protest laut.

Nach einer längeren coronabedingten Pause bot der Förderverein „Kunst und Kultur Steinen“ mit „Picknick und Musik am Pool“ wieder ein Hörvergnügen. Anke Niehoff schaffte es mit einer Max-Laeuger-Vase ins Fernsehen. In der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ ließ sie eine vermeintliche Arbeit aus einem Töpferkurs taxieren. Diese entpuppte sich dann als Meisterwerk. Unter Corona-Auflagen ging das Kinderferienprogramm der AB-Gemeinde in Steinen über die Bühne. Die 132. Jahreshauptversammlung des evangelischen Krankenpflege- und Diakonievereins war die letzte. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Anschluss an die Versammlung wurde die Auflösung beschlossen. Glück im Unglück hatte ein Rentner, der trotz heruntergelassener Halbschranke über die Gleise fuhr, ohne den von hinten nahenden Zug zu bemerken. Der Radler wurde verletzt, der Zugverkehr war für rund zweieinhalb Stunden unterbrochen. Tim Scheer wechselte von der Gemeinschaft für ein lebenswertes Dorf zur CDU-Fraktion im Steinener Gemeinderat. Der Steinener Gemeinderat beschloss, die Musikschule zum 1. Januar 2021 in einem Zweckverband umzuwandeln. Oktober Im Vorfeld einer Veranstaltung der Alternative für Deutschland (AfD) in der Wiesentalhalle kam es zu einer der größten Demonstration, die Steinen in seiner jüngsten Geschichte erlebt hat. Die Firma Hieber eröffnete in Steinen nach der

Fotos: Archiv MT Übernahme des Neukauf-Marktes und Umbaumaßnahmen ihren mittlerweile 15. Markt. Das Neubaugebiet „Scherracker“ in Höllstein sorgte für Diskussionsstoff. Kritik entbrannte unter anderem daran, dass ein ordentliches Stück Überflutungsfläche zugebaut wird. November Coronabedingt musste der Gewerbeverein „Steinen...echt stark“ seinen Martinimarkt absagen. Auch die Feierlichkeiten zum Volkstrauertag konnten nicht wie üblich stattfinden. Stattdessen wurde ohne Öffentlichkeit der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. In Hüsingen hatten Anwohner der Kreisstraße Unterschriften für Tempo 30 gesammelt. Die Bläserklasse am Meret-Oppenheim-Schulzentrum Steinen gewann den ersten Preis beim bundesweiten Wettbewerb „Start Jupiter School-Challenge 2019/2020“. Die Volkshochschule Steinen verliert nach mehr als 60 Jahren ihre Selbstständigkeit: Einstimmig beschloss der Gemeinderat eine Kooperation mit der Stadt Lörrach. Dezember Das Gesundheitsamt Lörrach schickte in Steinen mehrere Klassen, Lehrer sowie Mitarbeiter der Kernzeitbetreuung und der AWO wegen festgestellter Covid-19-Infektioonen einzelner Schüler und einer Lehrkraft in Quarantäne. Ein echter Hingucker in Steinen ist die „Kunst im Schaufenster“, in der Mitglieder des Künstlerkreises Teile ihrer Arbeiten zeigen. Mit der Konditorei Café Stortz verlor Steinen ein weiteres alteingesessenes Unternehmen.

August Das Bürgerbüro lässt sich nicht so schnell wie geplant realisieren. Das räumte Bürgermeister Braun im Gemeinderat ein. Die Puzzlegruppe in Hüsingen schloss nach zehn Jahren. Pfarrer Kai Thierbach feierte seinen Abschiedsgottesdienst in der Christuskirche in Steinen. Er übernahm eine Gemeinde in England. In der Kirchstraße in Steinen wurde eine Postfiliale eröffnet. September

Hans Kropf (links) erhielt den Bürgerteller.


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Jahresrückblick 2020 – Rheinfelden / Schwörstadt SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Fast alle wählten per Brief

Oberbürgermeisterwahl | Klaus Eberhardt mit fast 95 Prozent bestätigt

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Hermann Nickola

Foto: zVg

Trauer um den „Mr. Trimmpfad“ Rheinfelden (lu). Mitte Oktober ist Hermann Nickola gestorben. Er wurde 95 Jahre alt. Das Ehrenmitglied des TV Rheinfelden hat sich zeitlebens für den Verein eingesetzt, unter anderem als „Familienminister“ im Vorstand. 2016 erhielt Nickola die Friedrich-Ludwig-Jahn-Münze des MHTG. Nickola, der auch zahlreiche Wegkreuze auf dem Dinkelberg spendete, galt auch als „Mister Trimmpfad“. Gemeinsam mit Egon Rüch und Werner Eßwein hatte er im Jahr 1972 den Trimmpfad am Nollinger Lebküchle realisiert.

Von Gerd Lustig

Rheinfelden. Eine in jeder Hinsicht einmalige Oberbürgermeisterwahl hat die Stadt Rheinfelden am 26. April erlebt. Denn der Termin fiel mitten in die Corona-Pandemie und den ersten harten Lockdown des Jahres. Lange hatten Verwaltung und Gemeinderat darüber diskutiert, ob die Wahl zu dem festgelegten Termin überhaupt stattfinden sollte. Letztlich gab es aber ein Ja zu dieser schwierigen Entscheidung. Die Wahl selbst war hingegen eine einfache und klare Sache für Amtsinhaber Klaus Eberhardt, der ohne Gegenkandidaten war. Auf den 63-Jährigen, der bereits 2012 per eindeutigem Votum zum Stadtoberhaupt gewählt worden war, entfielen 5879 Stimmen, also exakt 94,15 Prozent. Insgesamt gab es 375 weitere Stimmabgaben, auf denen andere Namen als der von Klaus Eberhardt geschrieben waren. Hauptamtschef Hanspeter Schuler sprach von alles in allem mehr als 100 Namen. Die Wahlbeteiligung lag mit 26,16 Prozent wie erwartet niedrig, zumal Eberhardt

Neues Heim für die Feuerwehr Rheinfelden (lu). Jahrelang wurde diskutiert, im Sommer fiel im Gemeinderat der Beschluss für ein neues ,zentrales Feuerwehrgerätehaus für die Kernstadt. Am Standort Römerstraße/Äußerer Ring sollen die Abteilungen Rheinfelden, Nollingen, Warmbach und Karsau ein neues Heim finden – nebst Atemschutz- und Schlauchwerkstatt sowie Kleiderkammer. Kostenpunkt: 13 Millionen Euro. Kommandant Dietmar Müller hofft auf einen Spatenstich im kommenden Frühjahr.

Mehr Leben in der Innenstadt

Auch wenn er sich im Vorfeld der Oberbürgermeisterwahl stets für die Teilnahme per Brief ausgesprochen hatte, gab Klaus Eberhardt seine Stimme direkt im Wahllokal ab. Archivfoto: Ulf Körbs als einziger Kandidat auf der Liste stand. Eine überwältigende Mehrheit der Wähler nutzte dabei die Gelegenheit der Briefwahl. Die Unterlagen waren den Wahlberechtigten im Vorfeld zugegangen.

Lediglich 175 Personen erschienen persönlich in einem der vier eingerichteten Wahllokale, um an der Urne den Wahlschein einzuwerfen. Zu den ersten Gratulanten des wiedergewählten OB Klaus Eberhardt gehörte

Stadtammann Franco Mazzi aus Rheinfelden/Schweiz. „Ich freue mich sehr über die Wiederwahl und damit auch auf die weiterhin gute Zusammenarbeit mit unserer Schwesterstadt“, erklärte Mazzi.

Rheinfelden (lu). Sechs Jahre nach der Fertigstellung des Hochrheincenters I ist in der Innenstadt von Rheinfelden auch das Hochrheincenter II eröffnet worden. Die Bauzeit betrug zwei Jahre. Die Investition lag bei rund 22 Millionen Euro. Entstanden sind an der Kapuzinerstraße neue Geschäfts- und Verkaufsräume sowie 30 Wohnungen mit einer Fläche von insgesamt 20 000 Quadratmetern. Realisiert wurde zudem eine Tiefgarage mit rund 100 Plätzen.

Rheinfelden geht in die Wohnungsbau-Offensive

Wohnungsnot | 150 neue Wohnungen sollen entstehen / Investitionsvolumen von rund 40 Millionen Euro

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Claudius Beck

Foto: zVg

Vater etlicher Erfolgsprojekte Rheinfelden (lu). 13 Jahre lang hat er der Kultur seinen Stempel aufgedrückt: Im Sommer ist Kulturamtsleiter Claudius Beck im Alter von 66 Jahren in den Ruhestand verabschiedet worden. Beck, der maßgeblich zum Erfolg der „Grün 07“ im Tutti-Kiesi sowie der Kabarett- und Meisterkonzertreihe beigetragen hatte, gilt auch als Erfinder des Straßentheaterfestivals „Brückensensationen“.

Von Gerd Lustig

Rheinfelden. Seit Jahren fehlt es in Rheinfelden an bezahlbarem Wohnraum. In diesem Jahr ist die städtische Wohnbau GmbH mit gutem Beispiel vorangegangen und hat eine große Wohnungsbau-Offensive ausgerufen. Mit einem Investitionsvolumen von 40 Millionen Euro sollen an verschiedenen Standorten insgesamt 150 Wohnungen entstehen, etliche davon als sozial geförderter Wohnraum. Nicht kleckern, sondern klotzen heißt die Devise von Wohnbau-Geschäftsführer Markus Schwamm und seinem Team. Aufsichtsrat und

Auch das Projekt „Wohnen am Park“ (hier der erste Spatenstich) gehört zur Wohnungsbauoffensive der Wohnbau GmbH mit einem Investitionsvolumen von 40 Millionen Euro. Foto: Gerd Lustig Gemeinderat gaben für diese Strategie grünes Licht. Im Fokus steht derzeit der Neubau

von 94 Wohnungen im Zuge der Nachverdichtung in zwei achtstöckigen Türmen im Be-

reich Römer- und Müßmattstraße. In diesem Gebiet kommen noch weitere zwölf

voll geförderte Wohnungen dazu. Obendrein sind noch rund 40 weitere Wohnungen beim Vorzeigeprojekt „Wohnen am Park“ in der Nachbarschaft zum Bürgerheim Teil der Wohnraumoffensive. Und schon mal vorausgedacht: Im Anschluss sind auch noch die so genannten Mikro-Appartements im Bereich Römerstraße in der Pipeline. Angedacht sind etwa 70 Appartements in der Größenordnung zwischen 25 und 40 Quadratmetern. „Dieses Modell ist mein absoluter Favorit, es ist nahe am aktuellen Bedarf am Markt“, betont Oberbürgermeister Klaus Eberhardt.

Langsamer durch das Dorf

Schwörstadt | Trotz Corona ist im Ort einiges gegangen n

Von Rolf Reißmann

Schwörstadt. Wie immer kam die Freiwillige Feuerwehr Dossenbach als erste am Hochrhein zur Hauptversammlung zusammen. Da gab es Anerkennung für neun Kameraden, die das Leistungsabzeichen in Gold errungen hatten. Mit 19 zusätzlichen Proben hatten sie sich auf die Prüfung vorbereitet. Guten Zuspruch fanden die beiden Neujahrsempfänge. In Dossenbach stellten sich beim Bürgerempfang einige neu Zugezogene vor, immerhin stieg durch die Neubürger die Einwohnerzahl auf 565 an. Helmut Hälker präsentierte sein neues Hilfsprojekt „Wald schafft Zukunft“, in dessen Rahmen er auch eine Projektwoche in der Grundschule Schwörstadt über-

nommen hatte. Dann lief in der Gemeinde eigentlich noch alles nach Plan, die Fasnacht nahm ihren tollen Lauf mit Zunftabend in Schwörstadt und großem Ball in Dossenbach.

Corona zieht die Bremse

Doch bald folgten erste Absagen, das Coronavirus war angekommen. Die in der Festhalle geplante Messe zur Nutzung erneuerbarer Energie und umweltfreundlicher Heizungen kippte als erstes aus dem Terminplan. Ebenfalls in großem Rahmen sollte der Beschluss des Gemeindeentwicklungskonzeptes stattfinden. Doch die inzwischen weiter um sich greifende Pandemie zwang den Gemeinderat nach mehrwöchiger Sitzungspause im Mai dazu, dieses in kleinem Kreis zu beschließen. Dieses Konzept enthält die

Grundlinien für die Entwicklung der Gemeinde bis zum Jahr 2035. Zustande kamen sie nach ausführlicher Diskussion mit den Bürgern. Die Einwohner empfahlen die Stärkung des Ehrenamtes, die Sicherstellung der Kinderbetreuung sowie Naherholung und Tourismus auf den Rheinwiesen. Auch geht es nicht nur darum, Abwanderung zu verringern, sondern darum, die Einwohnerzahl zu erhöhen, weil davon die Finanzkraft der Gemeinde abhängt. Deshalb wurde dem vorgesehenen Wohngebiet am Rhein im gesamten Jahr große Aufmerksamkeit gewidmet. Eigentlich sollten die Vorarbeiten in diesem Jahr abgeschlossen werden, doch bis zum Herbst türmten sich unerwartete Schwierigkeiten auf. Einige der bisherigen Besitzer verweigern den Ver-

Bei fast allen Autos leuchten am Ortseingang von Schwörstadt die Bremslichter auf, denn die Höchstgeschwindigkeit wurde kürzlich auf 30 km/h begrenzt. Foto: Rolf Reißmann kauf ihrer Grundstücke. Anfang Oktober waren es noch sechs, die sich dagegen sträubten, am Ende des Monats noch drei. Nun wird die Variante des neuen Wohngebiets unter Ausschluss der bisher nicht verkauften Grundstücke erarbeitet.

Eine Änderung, die alle Einwohner betrifft, war im Spätsommer die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der B 34. Nunmehr darf nur noch mit 30 km/h durchs den Ort gefahren werden. So will es der Lärmschutzplan. Sehr erfreulich war die Er-

öffnung des Herwegh-Themenweges in Dossenbach. Mit seinem Ausbau und fünf Informationstafeln erhielt der Weg zum Gefechtsfeld von 1848 deutliche Aufwertung als touristisches Ziel, der Naturpark Südschwarzwald förderte den Ausbau.


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Jahresrückblick 2020 – Grenzach-Wyhlen SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Charlotte Lindemann leitet das neue Jupa Grenzach-Wyhlen (tn). Das neue Jugendparlament (Jupa) hat sich in der zweiten Oktoberhälfte konstituiert. Die bisherige stellvertretende Vorsitzende, Charlotte Lindemann, setzte sich dabei mit 5:4 Stimmen gegen den früheren Vorsitzenden, Elvis Bejtovic, durch. Tobias von Möllendorff hatte bei der Stellvertreterwahl mit 5:4 gegen Yorick Weihs die Nase vorn. Schriftführerin wurde Sina Kowatzki. Dem Gremium gehören außerdem an: Felix Hutschenreuter, MaLindemann, Aaron rion Blum und Svenja Ranke.

Ärztehaus mit 21 Sozialwohnungen Grenzach-Wyhlen (tn). Gegenüber vom Wyhlener Bahnhof an der Ecke Gartenstraße ist am 21. Januar mit dem offiziellen Spatenstich der Startschuss für das geplante Ärztehaus gefallen. Im Gebäude entstehen neben zwei (Gemeinschafts)-Praxen obendrein 21 sozial geförderte, barrierefreie Wohnungen. Bauherr ist die kommunale Wohnungs- und Grundstücksgesellschaft. Das Haus soll in etwa einem Jahr bezugsfertig sein. Mithilfe des Ärztehauses wird sich die medizinischärztliche Versorgung der Doppelgemeinde in Zukunft weitestgehend in der Wyhlener Ortsmitte konzentrieren – verkehrsgünstig gelegen dank Bahnhof, Bushaltestelle und naher Parkmöglichkeiten.

Corona: Nach der Fasnacht war der Spaß plötzlich vorbei – und Kreativität war gefordert Kaum hatten die Narren das Häs eingepackt, und kaum hatte der Wind das Konfetti davongeblasen, brach die Coronapandemie mit eiserner Faust über das Land herein. Die letzten „richtigen“ Veranstaltungen in Grenzach-Wyhlen waren die Fasnachtsfeuer zu Beginn des Monats März. Nur Wochen später sollte sich der erste „Lockdown“ – ein bis-

her unbekannter Begriff – wie Mehltau über alles legen. Nur einen Monat nach der Fasnacht musste die Wyhlener „Himmelspforte“ bereits mit einer Coronawelle in Bewohner- und Mitarbeiterschaft kämpfen, das öffentliche Leben kam zum Erliegen, Läden und Gastronomiebetriebe schlossen ihre Türen, und auch die Grenze zur Schweiz wur-

de verrammelt, wie man es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen hatte. Feste gab es keine, keine Jubiläen, kaum Versammlungen – nichts. Damit überhaupt etwas stattfinden konnte in diesem verflixten Corona-Jahr, war Kreativität gefragt, wie wir anhand dieser beiden Bilder verdeutlichen möchten. Das eine zeigt das Maiwe-

cken durch den Musikverein Wyhlen auf eigens eingefriedeten, kleinen Privatgrundstücken auf dem Mühlenrain. Das zweite Bild zeigt eine wiederbelebte Idee: das Autokino. Die Veranstaltungen auf dem „Lö Bloc“-Areal im Fallberg waren ein Riesenerfolg. Die Menschen sehnen sich nach Erlebnissen und Gemeinschaft. tn/Fotos: zVg/Scharf (r.)

Abschied von Klinker und Froschgrün Sanierung | Gemeinde Grenzach-Wyhlen baut das Bahnhofsgebäude in Wyhlen vollständig um n

Von Rolf Reißmann

Grenzach-Wyhlen. Nun ist der Bahnhofsumbau in Wyhlen doch zur Zweijahresbaustelle geworden. Ursprünglich war vorgesehen, ihn bereits in diesem Jahr abzuschließen. Derzeit sieht die Baustelle sehr aufgeräumt aus. Innen sind die Arbeiten überwiegend abgeschlossen. Vor allem im westlichen der beiden kleinen Gebäude wurde die innere Struktur deutlich verändert. Die Toiletten erhal-

Der Totalumbau des Wyhlener Bahnhofsgebäudes ist dieses Jahr nicht mehr fertig geworden. Foto: Rolf Reißmann ten eine neue Anordnung, auch ein Behinderten-WC wird eingebaut. Für die Orts-

mitte von Wyhlen in diese Anlage sehr wichtig, weil es sonst nur noch im Lebens-

mittelmarkt eine öffentliche Toilette gibt. Auf dieser Seite wird noch ein kleiner Lagerraum eingerichtet. Der östliche Bahnhofsteil erfährt weniger Änderungen. Der Kiosk und das zugehörige Lager bleiben erhalten. Derzeit ist der Kiosk nahe der Gaststätte „Bahnhöfli“ in einem Container als Behelfsquartier untergebracht. Wichtig, aber später wohl kaum noch erkennbar, ist die energetische Sanierung der beiden Gebäudeteile. Dazu erhalten das Dach und die

Außenwände noch Dämmschichten. Die Fassade soll braunrot werden. Verändert werden auch die Vordächer, so dass für Reisende bei Regen noch mehr Unterstellmöglichkeiten bestehen. Seit der Errichtung im Jahr 1981 traten einige bauliche Mängel ein, zum Beispiel Setzungsrisse. Deswegen werden die Gebäude insgesamt gefestigt. Die Gemeinde lässt sich den Umbau rund 300 000 Euro kosten, mehr als 100 000 Euro gibt das Land als Fördermittel dazu.

Der Aussteiger

Der Einsteiger

Der Hilfsbereite

Das Dorforiginal Die Fachfrau

Der Wechsler

Peter Endruhn-Kehr, ortsbekannter „Paradiesvogel“ und streitbares Mitglied des Gemeinderates, hat dem Gremium im November den Rücken gekehrt. Damit überraschte er sogar seine eigene FDP-Fraktion. tn/Foto: Tim Nagengast

Felix Düster (30) ist für Peter Endruhn-Kehr in den Gemeinderat nachgerückt. Der politisch bisher wenig erfahrene Hotelier vom Rührberg hat hohe Ambitionen: Er wurde von der Kreis-FDP als Landtagskandidat nominiert. tn/Foto: zVg

Mitte November ist der in der Doppelgemeinde vielfach engagierte Emil Heizmann gestorben. Er war Gründungsmitglied der DLRG und brachte sich auch als PC-technischer Ratgeber bei „Bürger helfen Bürgern“ ein. tn/Foto: Rolf Rombach

Im Alter von 96 Jahren ist am 30. November Franz Mutter verstorben. Der beliebte Müllermeister war ein vielseitig engagiertes Wyhlener Original. Der einstige Betreiber der Klostermühle war nach dem Krieg CDU-Mitgründer. Foto: mh

Anfang April ist Ratsmitglied Alexander Drechsle von der CDU- zur Freie-Wähler-Fraktion übergewechselt. Vorausgegangen waren interne Querelen, weshalb Drechsle sich eine neue politische Heimat suchte. tn/Foto: zVg

Karin Schöttler wurde im Mai als Hauptamtsleiterin der Gemeinde Grenzach-Wyhlen verabschiedet. Die Diplom-Verwaltungswirtin (FH) war 14 Jahre lang „uf dr Gmei“ tätig, darunter auch als stellvertretende Kämmerin. tn/Foto: zVg

Neuer Mittelpunkt der Kicker

Pasta, Porto und Pakete

Kunstrasenplatz | Traum der SG Grenzach-Wyhlen verwirklicht

Wechsel | Grenzach hat eine neue Postfiliale bekommen

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Von Heinz Vollmar

Grenzach-Wyhlen. Für die Sportgemeinschaft (SG) Grenzach-Wyhlen war das Jahr 2020 trotz Corona sehr erfolgreich, denn der langersehnte Kunstrasenplatz im Grenzacher Grienboden konnte fertiggestellt werden. Der Bau des Kunstrasenplatzes hängt eng mit dem Sportstättenkonzept der Gemeinde Grenzach-Wyhlen zusammen. Aufgrund der Pandemie konnte der Platz bisher noch nicht bespielt werden. Ein offizielles Eröffnungsspiel musste genauso abge-

n

Im Frühsommer war der offizielle Spatenstich für den Bau des neuen Kunstrasenplatzes im Grienboden. Foto: Heinz Vollmar sagt werden wie die sportlichen Begegnungen. Sobald es möglich ist, will der Ver-

ein zudem die Sanierung und den Umbau des Vereinsheims angehen.

Von Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen. Im früheren „Konsum“ an der Grenzacher Zentralkreuzung hat am 2. November die neue Grenzacher Postfiliale eröffnet. Betreiberin ist Margarete Christ. Tilo Levante, der in seinem nur einen Steinwurf entfernten Geschäft sieben Jahre lang alle Postdienstleistungen angeboten hatte, wollte nicht mehr und hatte der Deutschen Post seinerseits gekündigt. Da kam Margarete Christ ins Spiel, die vor Levante schon einmal die Postfiliale

Margarete Christ hat Maurizio Longhitano von der bisherigen Postagentur als Mitarbeiter übernommen. Foto: Tim Nagengast in Grenzach geführt hatte und sich zum Neustart entschloss. Herausgekommen ist die wohl einmalige Kombination aus Post und italie-

nischem Feinkostgeschäft, welches Christs Lebensgefährte Paolo Boccuzzi unter dem Namen „Sapori di Puglia“ betreibt.


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Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung

Jahresrückblick 2020 – Regio SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Auf einmal war die Grenze dicht Pandemie | Schweizer Einkaufstouristen müssen umkehren / Pendler dürfen passieren n

Alain Girny wurde 68 Jahre alt. Foto: Archiv

Einsatz für das Dreiland Saint-Louis (wer). Alain Girny, Chef des Gemeindeverbunds Saint-Louis Agglomération und stellvertretender Bürgermeister, ist am 6. Februar im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion verstorben. Girny hatte sich in seiner Amtszeit stark für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit eingesetzt. Gemeinsam mit Schweizer und deutschen Partnern wurden wichtige Projekte vorangetrieben. Unter anderem die Verlängerung der Tram 3 nach Saint-Louis.

Jean-Marie Zoellé starb am 6. April. Foto: Archiv

Zoellé stirbt in Bonner Klinik Saint-Louis (wer). Der Bürgermeister von Saint-Louis, Jean-Marie Zoellé, starb am 6. April in einer Bonner Klinik an Covid-19. Zoellé war erst am 15. März im ersten Wahlgang der Kommunalwahlen erneut zum Bürgermeister gewählt worden. Zoellé habe viel in Saint Louis bewegt, sagte damals Lörrachs Oberbürgermeister Jörg Lutz. Auch in schwierigen Zeiten habe sich Zoellé für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Trinationalen Eurodistrict Basel eingesetzt.

Wahlverliererin: Ackermann

Elisabeth Foto: Archiv

Klatsche für Ackermann Basel (wer). Bei den Basler Regierungsratswahlen im Oktober ist Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne) abgestraft worden. Sie landete auf dem neunten Platz. Nach einer Klatsche im ersten Wahlgang trat die Politikerin nicht mehr an. Neuer Regierungspräsident wurde Beat Jans (SP).

Von Michael Werndorff

Basel. Das Jahr 2020 stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Beidseits der Grenzen ließ der neuartige Erreger das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben erlahmen. Soziale Kontakte mussten und müssen immer noch auf ein Minimum reduziert werden. Und erschwerend kam hinzu, dass sich die Bürger im Dreiländereck mit den unterschiedlichen Corona-Regeln auseinandersetzen mussten. Und dann wurden zu allem Übel die Grenzen geschlossen. Den Auftakt machte Deutschland am 16. März, die Schweiz erklärte den Notstand und zog einen Tag später nach. Damals meldete Basel insgesamt 165 Infizierte, 30 Basler Covid-19 Patienten wurden während der ersten Welle in Krankenhäusern behandelt. Passieren durften Grenzgänger und Personen, die triftige Gründe oder einen Aufenthaltstitel für die Schweiz vorweisen konnten. Mal eben Freunde hüben wie drüben zu besuchen, war ab dann über Monate nicht mehr möglich. Und wer sich über die Grüne Grenze bewegte, riskierte von Schweizer Gebirgsjägern, der Grenzwacht, der Bundespolizei oder dem Zoll erwischt zu werden. Pendler, Fußgänger und Fahrradfahrer: Keiner kam

Weiterkommen nur mit triftigem Grund: Mit der sich verschärfenden Infektionslage hatte Deutschland am 16. März engmaschige Grenzkontrollen eingeführt. Foto: Michael Werndorff an den Uniformierten vorbei, auch nicht die Schweizer Einkaufstouristen, die vom Handel diesseits der Grenze vermisst wurden. Erst nach der Intervention von Regionalpolitikern kam es zu Lockerungen für Familienangehörige und Partner.

Basel im Lockdown

In der ersten Corona-Welle verhängte auch die Stadt am Rheinknie einen Lockdown – öffentliche wie private Veranstaltungen waren verboten, Geschäfte mit Ausnahme von Lebensmittelanbietern und Lokale mussten schlie-

ßen. Im April wurde dann über Lockerungen der Corona-Maßnahmen diskutiert, doch die Botschaft war klar. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga machte am 6. April in Basel deutlich, dass sich die Bevölkerung noch gedulden müsse. Der Höhepunkt der ersten Welle wurde Mitte April erreicht, als Lockerungen für den 27. April angekündigt wurden: Friseurgeschäfte und Baumärkte durften wieder öffnen. Der Schulunterricht sollte zwei Wochen später starten und Einkaufsmärkte sowie Läden wieder öffnen. Ab dem 11.

Mai war auch wieder der Restaurantbesuch möglich – jedenfalls bis zum 23. November, als der Stadtkanton wegen der zweiten Welle erneut strenge Maßnahmen ergreifen musste.

Großer Jubel

Die lang ersehnten Lockerungen der Grenzkontrollen erfolgten Mitte Mai, der Einkaufstourismus war aber nach wie vor nicht gestattet. Erst vier Wochen später, am 16. Juni, war der Jubel groß, als die Schlagbäume hochgingen: Auf der Dreiländerbrücke und an der Grenze

Lörrach/Riehen kam es zu Feierlichkeiten politischer Würdenträger. „Das Lebensgefühl des Dreiländerecks hat uns gefehlt", betonte die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann. Zu erneuten Einschränkungen des Grenzverkehrs kam es im Herbst, als in Frankreich eine Ausgangssperre in Kraft trat. Nur mit einem triftigen Grund und ausgefülltem Formular durfte das Haus verlassen werden. Baden-Württemberg passte seine Quarantäneverordnung an, um Reisen und Einkaufstourismus zu unterbinden.

„Das tut im Herzen weh“ Tradition | Basler Fasnacht wird abgesagt Basel (wer). Traurige Minen und ungläubige Blicke der Jornalisten: Als die Basler Regierung im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt gab, dass die Basler Fasnacht, die vom 2. bis 4. März stattfinden sollte, coronabedingt abgesagt werden muss, war die Bestürzung groß. Eigentlich wollten die Basler Narren in diesem Jahr ein Zeichen für den Umweltschutz setzen. Eine Vielzahl an Mottos thematisierten die Klimadebatte, wie das Fasnachts-Comité am 14. Februar informierte. Die Palette

reiche von verschmutzen Meeren bis hin zu Veganismus, erklärten die Verantwortlichen. Doch zu Morgestraich, Cortège, Gässle, weiteren Traditionsveranstaltungen und Endstraich kam es nicht. Der Schweizer Bundesrat stellte nämlich eine besondere Lage fest und sprach ein Verbot von Großveranstaltungen aus.

Polizei schreitet nicht ein

„Es ist klar, dass wir unter diesen Umständen die Fasnacht absagen müssen“, sagte Regierungspräsidentin Eli-

sabeth Ackermann am 28. Februar vor den Medien. „Die ganze Vorfreude verpufft, das tut im Herzen weh.“ Trotz der Absage trafen sich am 2. März zahlreiche Fasnächtler und Schaulustige. Die Polizei zeigte Präsenz, schritt aber nicht ein. „Wir lassen uns die Fasnacht nicht verderben und feiern trotzdem“, erklärte ein Cliquenmitglied im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Absage sei maßlos übertrieben, hieß es weiter. Die Mimosen und Orangen fanden dennoch Abnehmer:

Wohin mit den vielen Orangen und Mimosen? In der Freien Straße wurden sie an Passanten verteilt. Foto: Michael Werndorff Während einige Cliquen wie die „Rhybord Rueche“ ihre Vorräte in der Freien Straße an Passanten verteilten,

Turmbau zu Basel

Gefangen im Wahn

Standort | Roche treibt Ausbau voran

Tötung | Seniorin steht vor Gericht

Basel (wer). Der Pharmariese Roche baut seinen Standort an der Grenzacherstraße in Basel weiter aus. Der Rohbau des zweiten Roche-Turms erreicht im Dezember seine endgültige Höhe von 205 Metern. Während die Fassade bereits im 36. Stockwerk montiert ist, findet parallel der Innenausbau statt. Die Fertigstellung von Bau 2 ist für das Ende des zweiten Quartals 2022 vorgesehen. Am 19. Februar wurde der Grundstein für das neue Forschungs- und Entwicklungszentrum gelegt, das im Jahr 2023 in Betrieb gehen soll. Dafür investiert das Unternehmen 1,2 Milliarden Franken, insgesamt fließen drei Milliarden in die Arealentwicklung. In wenigen Jahren

Basel (wer). Die Bluttat sorgte für Bestürzung und machte über die Grenzen hinaus Schlagzeilen: Eine 76-jährige Seniorin hatte im März 2019 am St. Galler-Ring in Basel einen siebenjährigen Schüler auf dem Heimweg ermordet. Im August startete der Prozess gegen die Frau, die laut Anklageschrift an einer „chronifizierten, schwerwiegend wahnhaften Störung“ litt. „Ich bereue es jeden Tag“, sagte die damals 76-Jährige vor dem Strafgericht. Nie habe sie gedacht, dass sie dazu fähig wäre. Die Seniorin, die seit Jahrzehnten mit den Behörden im Streit war, begründete die Tötung mit ihrer Verzweiflung. Es sei eine Affekthandlung gewesen, er-

Bau 2 ist das höchste Gebäuder Schweiz. Foto: zVg sollen dann 1800 Forscher in einem hochmodernen Arbeitsumfeld tätig werden, wie Standortleiter Jürg Erismann im Februar sagte.

Die Bluttat ereignete sich am 21. März 2019. Foto: wer klärte sie vor Gericht. Dieses sah derweil Straftatbestandmerkmale von Mord erfüllt. Weil die Frau wegen ihrer psychischen Verfassung schuldunfähig war, ordnete das Gericht eine Sicherungsverwahrung an.

spendeten andere Gruppen ihr „Wurfmaterial“ an die Schweizer Tafel Region Basel oder das Basler Unispital.

Nachfrage ist riesig Basel (wer). Ein Meilenstein im Kampf gegen die Pandemie: Basel-Stadt hat Ende Dezember mit den Corona-Impfungen begonnen. Es dauerte nur 30 Minuten, bis alle 1900 Termine für den 28., 29. und 30. Dezember vergeben waren. Das Infotelefon sei teilweise überlastet gewesen, wie Basler Medien berichteten. Das Impfzentrum wurde in den Räumlichkeiten der Messe Basel eingerichtet, weil dort die Kühl-Infrastruktur für das neu zugelassene Pfizer/Biontech-Vakzin vorhanden ist. In der ersten Impf-Phase sind alle Personen über 65 Jahre zugelassen, die ihren Wohnsitz im Stadtkanton haben. Bewohner von Pflegeheimen sollen derweil durch mobile Teams geimpft werden.


Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung

Jahresrückblick 2020 – Regio SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Als ein sehr einschneidendes Ereignis in die Lebensgewohnheiten haben die Bürger im Dreiland die Grenzschließung im März erlebt.

Fotos: Kristoff Meller

Solidarisch Solidarisch und und hoffnungsvoll hoffnungsvoll ins ins neue neue Jahr Jahr

Corona-Krise | Landrätin Marion Dammann beschreibt in einem Jahresrückblick die Bewältigung der Pandemie im Landkreis Corona-Krise | Landrätin Marion Dammann beschreibt in einem Jahresrückblick die Bewältigung der Pandemie im Landkreis Von Marion Dammann Von Marion Dammann Kreis Lörrach. Was macht ein Kreis Lörrach. Was macht ein Landratsamt? Diese Frage Landratsamt? Diese Frage stellen sich viele schon in stellen sich Zeiten. viele Als schon in „normalen“ Land„normalen“ Zeiten. hat Als Landkreisverwaltung das kreisverwaltung hat das Landratsamt viele ZuständigLandratsamt viele Zuständigkeiten. Dazu zählen sowohl keiten. Dazu sowohl Aufgaben derzählen kommunalen Aufgaben der kommunalen Selbstverwaltung als auch Selbstverwaltung als auch staatliche Aufgaben. Als staatliche VerwaltungsbehörAufgaben. Als staatliche staatliche de ist dasVerwaltungsbehörLandratsamt etwa de ist Landratsamt etwa für dendas öffentlichen Gesundfür den öffentlichen Gesundheitsdienst und Katastroheitsdienst und Katastrophenschutz verantwortlich. phenschutz verantwortlich. Und damit sind wir mitten UndThema. damit sind wir mitten im imAls Thema. Ende 2019 über eine Als Ende 2019 über eine weitgehend unbekannte Inweitgehend unbekannte Infektionskrankheit in China fektionskrankheit berichtet wird, gehtinim China Landberichtet gehtnormalen im Landkreis alleswird, seinen kreis alles seinen2020 normalen Weg. Im Februar ist die Weg. Im Februar 2020 ist die Krankheit in Europa angeKrankheitAm in 28. Europa angekommen. Februar gekommen. Am 28. Februar geben Landratsamt und die ben Landratsamt die Kreiskliniken, derenund Träger Kreiskliniken, Träger der Landkreis deren ist, erstmals der Landkreis an ist,die erstmals Empfehlungen BevölEmpfehlungen an die Bevölkerung. Am 3. März wird der kerung. Am 3. März wird der erste bestätigte Infektionsfall erstedem bestätigte Infektionsfall mit Virus Sars-CoV-2 gemit dem Nachdem Virus Sars-CoV-2 gemeldet. sich weltmeldet. Nachdem sich Menweltweit mehr als 20 000 weit mehr als 20und 000 knapp Menschen angesteckt schennach angesteckt und knapp 1000 einer Infektion ge1000 nach einer Infektion gen n

storben sind, erklärt die storben sind, erklärt die WeltgesundheitsorganisaWeltgesundheitsorganisation WHO am 11. März den tion WHO einer am 11.Pandemie. März den Ausbruch Ausbruch einer Pandemie. Die vom Virus ausgelöste Die vom Covid-19 Virus ausgelöste Krankheit wird als Krankheit Covid-19hoch wird anals global verbreitete, global verbreitete, hoch ansteckende Infektionskranksteckende Infektionskrankheit eingeschätzt, die oft heit eingeschätzt, die oft einen schweren Krankheitseinen schweren verlauf nimmt. Krankheitsverlauf nimmt. sich auch bei Das bestätigt Das bestätigt sich auch bei uns. Anfang Mai, zwei Monauns.nach Anfang Mai, zwei Monate dem Ausbruch im te nach dem Ausbruch im Landkreis haben sich fast 650 Landkreis mit haben sich fast 650 Personen dem Virus anPersonen49 mit dem Virus gesteckt, Infizierte sind angegesteckt, 49 sind gestorben. DaInfizierte sieht die Welt storben.anders Da sieht bereits aus die als Welt noch bereits anders aus als noch im März. im März.

Die Grenzen Die Grenzen werden geschlossen werdeningeschlossen Denn der Zwischenzeit

Denn bedeutende in der Zwischenzeit sind Entscheisind bedeutende Entscheidungen gefällt worden. Weil dungen gefälltüber worden. Weil noch wenig das Virus noch wenig überSchutzmaßdas Virus bekannt ist, sind bekannt ist, sind Schutzmaßnahmen empfohlen, dann nahmen und empfohlen, dann Geschäfte Einrichtungen Geschäfte undundenkbar Einrichtungen und – vorher – sound –nationale vorher undenkbar sogar Grenzen – gegar nationale Grenzen geschlossen worden, um Konschlossen um Kontakte und worden, damit Ansteckuntaktezuund damit Ansteckungen reduzieren. In unserer gen zu reduzieren. In ein unserer trinationalen Region exttrinationalen Region einviele extremer Einschnitt, weil remer weil viele 10 000 Einschnitt, Menschen täglich auf 10 000 Menschen täglich auf

Der Landkreis Lörrach hat zum Schutz vor einer weiteren AusDer Landkreis Lörrach hatunter zum anderem Schutz vor einer weiteren Ausbreitung der Infektionen eine Maskenpflicht auf breitung der Infektionen unter anderem eine Maskenpflicht auf den Wochenmärkten erlassen. den Wochenmärkten erlassen.

dem Weg zur Arbeit, Familie dem Weg Arbeit, oder zum zur Hobby die Familie Grenze oder Frankreich zum Hobby die zu undGrenze der zu Frankreich und– und der Schweiz überqueren Schweiz überqueren und umgekehrt. Nach der– Wieumgekehrt. der Nach der Wiederöffnung Grenzen wird deröffnung der Grenzen wird in Bürgerdialogen bestätigt: in Bürgerdialogen bestätigt: Eine solche Schließung soll Eine solche Schließung soll es nicht nochmals geben. Alles nicht zeigt nochmals Allgemein sich, geben. dass natiogemein zeigt sich, die dassBesonnationale Regelungen nale Regelungen die Besonderheit von Grenzregionen derheit von manchmal nurGrenzregionen eingeschränkt manchmalkönnen nur eingeschränkt abbilden und desabbilden deshalb oft können spezielleund Bestimhalb oftnotwendig spezielle sind. Bestimmungen mungen notwendig sind.

Infektionsschutzregeln Infektionsschutzregeln werden durchgeführt werden durchgeführt Inzwischen hat sich seit März

Inzwischen hat sich seitvieles März auch im Landratsamt auch im Landratsamt vieles verändert: Der Fachbereich verändert: Der Gesundheit führtFachbereich InfektionsGesundheit führt Infektionsschutzmaßnahmen durch. schutzmaßnahmen durch. Unter anderem werden InfiUnter anderem werden Infizierte in Quarantäne gezierte in geschickt und Quarantäne Ansteckungsweschickt und Ansteckungswege nachverfolgt, um die Ausge nachverfolgt, um die Ausbreitung des Virus einzudämbreitung des Virus einzudämmen. Schwierig ist, dass men. Schwierig infizierte Personen ist, auchdass ohinfizierte Personen auch ohne Symptome infektiös sind. ne Symptome infektiös sind.

Lenkungsgruppe tagt Lenkungsgruppe mit Fachpersonentagt mit Anfang Fachpersonen Ab März tagt mehr-

Ab Anfang März tagt mals wöchentlich einemehrLenmals wöchentlich eine Lenkungsgruppe mit Fachpersokungsgruppe nen aus allenmit fünfFachpersoDezernanen im ausLandratsamt allen fünf Dezernaten und den ten im Landratsamt und den Kreiskliniken. Sie analysiert Kreiskliniken. Sie analysiert bis heute die Lage im Landbis heute dieund Lage im Landkreis, berät entscheidet kreis, das berät und entscheidet über weitere Vorgehen. über das finden weitere Vorgehen. Parallel Gespräche Parallel finden mit Bundes- und Gespräche Landesmimit Bundesund Landesministerien, Städten und Genisterien, im Städten und franGemeinden Landkreis, meinden imund Landkreis, französischen Schweizer zösischen Unternehmen, und Schweizer Partnern, GePartnern, Unternehmen, Gesundheitseinrichtungen, der sundheitseinrichtungen, der Kassenärztlichen VereiniKassenärztlichen Vereinigung, Blaulichtorganisatiogung, nen und Blaulichtorganisatiovielen mehr statt. nen unddiesen vielen mehr statt. Aus Absprachen Aus diesen entsteht, wenn Absprachen auch unbeentsteht,einiges: wenn Anregungen auch unbemerkt, merkt, einiges: Anregungen für spätere Ausnahmeregefür spätere lungen für AusnahmeregeGrenzregionen, lungen der für BeatmungskapaGrenzregionen, Ausbau Ausbauam derKlinikum, Beatmungskapazitäten Notfallzitäten am etwa Klinikum, Notfallkonzepte, für den Klikonzepte, etwa für den Klinikbetrieb, wichtige personikbetrieb, wichtige personelle Unterstützung durch nelle Unterstützung durch die Bundeswehr, zweimal die die Bundeswehr, zweimal die

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Ich bedanke mich Ich bedanke mich herzlich bei allen herzlich bei allen Organisationen und Organisationen undKampf Personen, die beim Personen, die beim Kampf gegen das Virus mithelfen.« gegen das Virus mithelfen.« Landrätin Marion Dammann Landrätin Marion Dammann

Einrichtung einer AbstrichEinrichtung Abstrichstelle – spätereiner dann einer Fiestelle – später dann eineraktuFieberambulanz und nun berambulanz und nun aktuell eines Impfzentrums. Für ell einesistImpfzentrums. Für all das viel zu organisieall ist viel zu organisieren:dasGenehmigungen und ren: Genehmigungen und Angebote müssen eingeholt, Angebote Räume undmüssen Stellen eingeholt, eingerichRäume und Stellen eingerichtet, Konzepte entwickelt, Intet, Konzepte entwickelt, Informationen verteilt, Anträge formationen verteilt, Anträge gestellt werden. gestellt werden. Gleichzeitig entstehen Gleichzeitig durch Bundes- und entstehen Landesredurch BundesLandesregelungen viele und Fragen in der gelungen viele in der Wirtschaft und Fragen unter der BeWirtschaft und unter der Bevölkerung. Ein Bürgertelefon völkerung. Ein Bürgertelefon wird eingerichtet, später zuwird eingerichtet, später zusätzlich ein Bot, ein Compusätzlich ein Bot,das ein Computerprogramm, weitgeterprogramm, dasFragen weitgehend automatisch behend automatisch Fragen beantwortet. Teilweise gehen antwortet. Teilweise gehen mehrere 100 Anrufe täglich mehrere 100 Anrufe täglich ein. Die Heimaufsicht am ein. Die Heimaufsicht am Landratsamt berät EinrichLandratsamt berät Einrichtungen zu Hygienekonzeptungen zuRisikogruppen Hygienekonzepten, damit gut ten, damit Risikogruppen gut geschützt werden können. geschützt werdeninformiert können. Die Pressestelle Die Pressestelle informiert täglich zur Situation und aktäglich Situation undEine aktuellen zur Verordnungen. tuellen Verordnungen. Eine Taskforce berät UnternehTaskforce berät Unternehmen und bietet Orientierung. men und bietet Orientierung.

Die Schutzausrüstung Die wirdSchutzausrüstung im Landkreis knapp wird im Landkreis knapp zuAls weltweit Lieferwege

Als weltweit Lieferwege zusammenbrechen, erreichen sammenbrechen, erreichen das Landratsamt verzweifelte das Landratsamt Meldungen, dassverzweifelte persönliche Meldungen, dass persönliche Schutzausrüstung knapp Schutzausrüstung knapp wird. Die wird dringend bewird. dringend benötigt,Die umwird infizierte Mennötigt, um infizierte Men-

schen versorgen zu können, schensich versorgen zu können, ohne selbst anzustecken. ohne selbst Wiesich Bund undanzustecken. Land steigt Wiedas Bund und Land in steigt auch Landratsamt die auch das Landratsamt in die Beschaffung von SchutzausBeschaffung rüstung ein, von damitSchutzausdie Verrüstung ein, die Versorgung von damit Kliniken und sorgung von Kliniken und Pflegeheimen sichergestellt Pflegeheimen sichergestellt werden kann. Einer vielköpwerdenArbeitsgruppe kann. Einer vielköpfigen gelingt figen gelingt es mit Arbeitsgruppe der Unterstützung von es mit der Unterstützung Unternehmen aus der von ReUnternehmen aus der Region, ausreichend Ausrüsgion,zuausreichend tung besorgen, bis Ausrüsdie Lietung zu besorgen, bis die Lieferwege wiederhergestellt ferwege wiederhergestellt sind. sind. Während sich das InfekWährend sichimdas Infektionsgeschehen Landkreis tionsgeschehen im Landkreis über den Sommer beruhigt, über den Sommer beruhigt, werden weitere Vorbereitunwerden weitereSchutzausrüsVorbereitungen getroffen: gen getroffen: Schutzausrüstung wird bevorratet und vertung wird bevorratet und droverteilt; Konzepte für eine teilt; Konzepte für eine drohende zweite Welle werden hende zweite Welle werden erstellt und überarbeitet; Proerstelltwerden und überarbeitet; zesse verbessert –Proetzesse werden verbessert – etwa eine Datenbank in Eigenwa eine Datenbank indie Eigenarbeit programmiert; Abarbeitim programmiert; die verAbläufe Gesundheitsamt läufe imein Gesundheitsamt verbessert; Dashboard liefert bessert; ein Dashboard tagesaktuelle Daten. liefert tagesaktuelle Daten.

Mitte August steigen die Mitte August steigen Infektionen wieder andie Infektionen wieder an sind Die Vorbereitungen

Die Vorbereitungen sind wichtig: Mitte August steigen wichtig: Mitte August steigen die Infektionszahlen wieder die Von Infektionszahlen wieder an. 699 am 11. August an. Vonsie 699 11.auf August steigen aufam jetzt mehr steigen sieDie auf Planungen jetzt auf mehr als 5000. erals 5000. Die Planungen ermöglichen, dass schrittweise möglichen, schrittweise Personal ausdass anderen BereiPersonal anderen Bereichen des aus Landratsamtes das chen des Landratsamtes das Gesundheitsamt unterstütGesundheitsamt zen kann. Den unterstütgesamten zen kann. gesamten Herbst über Den sind das mehr Herbst über sind Sie dassorgen mehr als 300 Personen. als 300dass Personen. Sie sorgen dafür, die Kontaktnachdafür, dass nicht die Kontaktnachverfolgung zusammenverfolgung bricht und nicht sich zusammendas Virus bricht völlig und sich das Virus nicht unkontrolliert nicht völlig unkontrolliert ausbreitet. Auch eine Überausbreitet.der Auch eine Überlastung Kreiskliniken lastungdurch der dieKreiskliniken wird Planungen wird durch die Planungen bisher vermieden. Notfallbisher vermieden. Notfallkonzepte ermöglichen die konzepteBehandlung ermöglichen die zentrale in Lörzentrale Behandlung in Lörrach: In vier Isolierstationen rach: In aktuell vier Isolierstationen werden mehr als 120 werden aktuell mehr als 120 Personen behandelt. Personen behandelt. Immer weiter steigende InImmer weiter steigende fektionszahlen machen Ines fektionszahlen es notwendig, dassmachen auch der notwendig,lokale dassRegelungen auch der Landkreis Landkreis lokale Regelungen erlässt. Verfügungen müssen erlässt. Verfügungen müssen

erstellt, abgesprochen, komerstellt, abgesprochen, muniziert und erklärt komwermuniziert erklärt den. In allund dieser Zeit wersind den. In Bereiche all dieserwie Zeit zentrale dassind Gezentrale Bereiche das Gesundheitsamt im wie Dauereinsundheitsamt im Dauereinsatz, auch an Wochenenden satz, Feiertagen. auch an Wochenenden und und Feiertagen.

Bauprojekte müssen Bauprojekte müssen auch weiter laufen auch weiter laufen All das wird weitgehend

All das weitgehend neben demwird „normalen“ Geneben mit demPlanung „normalen“ Geschäft und Umschäft mitvon Planung und Umsetzung Großprojekten setzung wie dem von Bau Großprojekten des Zentralkliwie dem des Bau zweiten des Zentralklinikums, Standnikums, zweiten Standorts des des Landratsamts und orts des InfrastrukturprojekLandratsamts und weiterer weiterer Infrastrukturprojekte bewältigt. Parallel dazu falte bewältigt. dazu fallen durch dieParallel Pandemie viele len durch die Pandemie viele Zusatzaufgaben an. ZusätzliZusatzaufgaben Zusätzliche Fahrten von an. Bussen werche Fahrten von Bussen werden etwa organisiert – inzwiden etwa – inzwischen fastorganisiert 100 pro Woche. schen pro Woche. Wasfast also100 macht das LandWas also macht das Landratsamt? Es setzt sich mit Mitratsamt? Es setzt sichengagiermit Mitteln, Material und teln,Menschen Material und engagierten für das Wohl ten Menschen für das seiner Bevölkerung ein.Wohl seiner Bevölkerung Ich bedanke michein. herzlich bedanke mich herzlich beiIch allen Organisationen und bei allen Organisationen und Personen, die beim Kampf Personen, beim Kampf gegen das die Virus mithelfen. gegen das Virus Lassen Sie uns mit mithelfen. dem WisLassen Sie uns mitjede dem Wissen darüber, dass und jesen darüber, dass jede und jeder mit einem Beitrag etwas der mit einem Beitrag zur Verbesserung der etwas Situazur Verbesserung der Situation beitragen kann, und mit tion beitragen kann, und mit der großen Solidarität, die der in großen Solidarität, die wir diesem Jahr erleben wir in diesem Jahr erleben durften, hoffnungsvoll in ein durften, hoffnungsvoll in ein neues Jahr starten. neues Jahr starten.


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Jahresrückblick – Kandern/Kandertal SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Amtsantritt inmitten der Krise

Bürgermeisterwahl | Simone Penner setzt sich überraschend im ersten Wahlgang durch

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Von der Kanzel aus verschaffte sich Harald Glööckler einen Überblick über den Raum. Foto: Alexandra Günzschel

Harald Glööckler gestaltet ein Kirchenfenster Rümmingen (ag). Der bekannte Modedesigner Harald Glööckler wird in Rümmingen in der Jakobuskirche ein Fenster gestalten. Im Juli hat er sich die Gegebenheiten vor Ort angesehen. Pfarrer Dirk Fiedler von der Gemeinde Binzen-Rümmingen hatte den Kontakt zu Glööckler hergestellt. Seit vier Jahren ist das Projekt geplant. Glööckler wird nicht das Fenster selbst, sondern eine vorgelagerte Plexiglasscheibe gestalten, die mit LED beleuchtet werden soll, so dass das Kunstwerk auch bei Nacht ins rechte Licht gerückt werden kann, wie es bei einem Pressetermin hieß. Der Designer betonte in der Kirche, wie wichtig es sei, vor Ort einen Eindruck zu bekommen, „die Energie zu spüren“. Dafür nahm er sich denn auch viel Zeit.

Aus für Skilift nach 20 Jahren Malsburg-Marzell. Der Skiclub hat im Januar bekannt gegeben, den Schlepplift am Sonnenbuckel in Marzell nicht weiter betreiben zu wollen. Insgesamt war der Lift etwa 20 Jahre in Betrieb. Auch Skikurse für Kinder wurden dort durchgeführt. Wann immer es die Schneelage erlaubte, gab es einen Dorfskitag mit Torlauf am Sonnenhang sowie Skispringen auf der benachbarten „Lars-Trefzer-Schanze“. Doch nun sind die Tage des Skilifts in Marzell gezählt. „Der Skilift hat aktuell keinen TÜV“, berichtet der Verein. Es wäre aber eine Vollabnahme notwendig, die sehr hohe Kosten verursachen würde. Die ohnehin schon strengen Vorgaben für den Betrieb eines solchen Lifts sollen sogar noch verschärft werden. Aufgrund des enorm großen finanziellen Aufwands und vor allem auch mit Blick auf die Perspektiven des Skisports in der Region und in diesen Höhenlagen generell hat der Vorstand des Skiclubs beschlossen, keinen Wiederaufbau vorzunehmen. Der Skilift wurde verschrottet.

Von Alexandra Günzschel

Kandern. Am Abend des 22. März stand fest, dass die Stadt Kandern zum ersten Mal eine Bürgermeisterin bekommen wird. Überraschend setzte sich Simone Penner bereits im ersten Wahlgang mit 55,7 Prozent der abgegebenen Stimmen durch. Wahlbeobachter hatten bei sechs Kandidatinnen und Kandidaten in der ersten Runde noch keine Entscheidung erwartet. Nach ihrem Vorgänger Christian Renkert, der als neu gewählter Bürgermeister bereits Anfang März in seine Heimatgemeinde Schliengen gewechselt war, wird der Rathaussessel in Kandern nun erneut von einer Schliengenerin besetzt. Auch dort war sie zuvor als Bürgermeisterkandidatin angetreten, konnte sich jedoch trotz Achtungserfolg am Ende nicht gegen ihren früheren Chef im Kanderner Rathaus durchsetzen, wo Penner einige Jahre im Bauamt tätig war. Die neue Bürgermeisterin war Mitte Januar im Übrigen die erste, die ihre Kandidatur offiziell bekannt gab. Nur wenig später bekundete auch Kaja Wohlschlegel ihr Interesse am Chefsessel im Kanderner Rathaus. Bei der Bürgermeisterwahl wur-

Simone Penner hat am 16. April das Bürgermeisteramt in Kandern angetreten. de sie die Zweitplatzierte. Die langjährige Gemeinderätin und Fraktionssprecherin

der Freien Wähler, sie ist auch Vorstandsmitglied im Werbering Kandern, erreich-

Foto: zVg

te am Ende jedoch nur 26 Prozent der abgegebenen Stimmen. Mittlerweile hat sie

sich aus dem Gemeinderat zurückgezogen. Noch weiter abgeschlagen landete der von der CDU unterstützte Volker Pilz mit lediglich 12,3 Prozent auf Platz drei. Weitere drei Kandidaten, Florian Zöbelin, Oliver Heimann und Marina Ertel, blieben chancenlos. Die Wahlbeteiligung lag bei 54,2 Prozent. Sowohl die Stadt als auch die Kandidaten hatten vorab dafür geworben, wegen der Pandemie die Möglichkeit der Briefwahl zu nutzen. Insgesamt gab es 1841 Briefwähler unter den 6328 Wahlberechtigten. Die erste Corona-Welle hatte gerade ihren Höhepunkt erreicht, als Simone Penner am 16. April das Bürgermeisteramt offiziell antrat. Kein leichter Start für die Architektin, die ihre erste Sitzung eine Woche später, am 23. April leitete, es war der Technische Ausschuss. Die längere Vakanz des Bürgermeisterpostens von März bis Mitte April im Kanderner Rathaus wurde von Bürgermeister-Stellvertreter Johann Albrecht überbrückt. „Ich habe mich sehr gut eingelebt und bin ein Stück weit heimgekommen“, sagte uns die neue Bürgermeisterin im Sommerinterview nach 100 Tagen im Amt.

Aus für Traditionsbetrieb nach 142 Jahren

Geschäfstwelt | Firma „Kandern Feuerfest“ macht Ofen aus / Ehemaliger Inhaber Adolf Kammüller stirbt

Kandern (ads/wz). Die Firma „Kandern Feuerfest“ war in Kandern mit 50 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber. Wie im Mai bekannt wurde, hat sie jetzt zum Jahreswechsel den Betrieb eingestellt. Der mittelständische Kanderner Produktionsbetrieb stellte feuerfeste Schamottenprodukte verschiedener Art her, darunter maßgeschneiderte Formsteine für den industriellen Ofenbau. „Der Betrieb wird nach weitreichender Analyse aufgrund von betriebswirtschaftlichen Gründen zum 31. Dezember eingestellt“, erklärte dazu im Mai Johannes Seemann von der Verwaltungsleitung des Unternehmens. Seemüller betonte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass es keine leichte Entscheidung war, einen Traditionsbetrieb, der seit 142 Jahren besteht, schließen zu müssen. Insbesondere, da in Kandern eine hohe Anzahl an langjährigen Mitarbeitern mit sehr weitreichender Erfahrung in der plastischen Formgebung beschäftigt seien. Das Unternehmen werde bewusst ordentlich geschlossen, um der jahrelangen Treue der Mitarbeiter sowie der sozialen Verantwortung des Unternehmens gerecht zu werden, wurde betont.

Fast bis zum Schluss wurde bei der Kanderner Firma „Feuerfest“ noch produziert. Dennoch ist jetzt Schluss. Foto: zVg „Wir können die Mitarbeiter leider nicht weitervermitteln, aber wir haben einen Sozialplan erstellt“, sagte Seemann. Ihm persönlich sei das

Traditions-Unternehmen sehr wichtig, da er dort bereits seine Ausbildung absolviert habe. „Kandern Feuerfest“, vie-

len noch bekannt als Tonwarenfabrik Ernst Kammüller, hat 142 Jahre lang Schamottprodukte hergestellt. Die Tonwarenfabrik Ernst Kammüller war in Kandern stets verbunden mit dem Begriff „Hintere Mühle“, die im Jahr 1692 erstmals urkundlich erwähnt wird, aber sicherlich schon vorher existierte, und die seit Anbeginn im Besitz der Familie Kammüller war. Auf dem Gelände der ehemaligen Getreidemühle befindet sich heute der Gebäudekomplex der Firma. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1878 als Tonwarenfabrik Ernst Kammüller vom Vater des langjährigen Geschäftsführers Adolf Kammüller, der in diesem Jahr im November mit 91 Jahren verstarb. Kammüller wuchs in Kandern auf, besuchte das Hebelgymnasium in Lörrach, absolvierte Praktika in Gießen und Duisburg und studierte anschließend in Freiburg Jura und Betriebswirtschaft. Wegen einer Erkrankung des Vaters brach er das Studium ab und übernahm früh Verantwortung im Familienbetrieb, obwohl er seit einem schweren Fahrradunfall in seiner Jugendzeit physisch eingeschränkt war. Von seiner Belegschaft wurde Kammüller als Chef

mit unternehmerischer Weitsicht und ausgeprägtem sozialem Verantwortungsbewusstsein ebenso geschätzt und respektiert wie von der Kundschaft, die außer der Qualität der Firmenprodukte auch der Integrität und Seriosität des Inhabers Achtung zollte. Mangels familiärer Nachfolge überführte Kammüller sein Unternehmen zu Beginn dieses Jahrtausends durch Fusion mit einem befreundeten Familienbetrieb der gleichen Branche in das gemeinsame Unternehmen „Kandern Feuerfest“. Bis zum Schluss wurde in dem Unternehmen noch produziert. Jetzt ist der Ofen für „Kandern Feuerfest“ endgültig aus.

Adolf Kammüller hat die Geschicke des Unternehmens lange geleitet. Foto: zVg

Mysteriöser Anschlag mit Buttersäure gibt Rätsel auf

Tatserie | Fassade eines Kanderner Geschäftsgebäudes wird mit übel riechender Flüssigkeit bespritzt / Weitere Fälle in Lörrach Kandern (ag). Ein Anschlag auf ein Firmengebäude, mutmaßlich mit Buttersäure, sorgte in Kandern Mitte Januar für Verwunderung.

Zweimal waren kurz zuvor Tattoo-Studios in Lörrach von solchen Anschlägen betroffen gewesen. Ein Zusammenhang wurde vermutet.

Doch in Kandern handelte es sich nicht um ein Tattoo-Studio. Dort war offenbar eine übel riechende Flüssigkeit an der Fassade eines

Gewerbegebäudes an der Hauptstraße ausgeschüttet worden, wie die Polizei mitteilte. Nachdem der Geruch sich

nicht verflüchtigte, hatte ein Nachbar die Polizei und die Feuerwehr informiert. Die Feuerwehr lüftete das Gebäude und spritzte Teile

der Fassade mit Wasser ab. Ein Nutzer des Gebäudes wurde zudem vorsorglich durch den Rettungsdienst untersucht.


Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung

Jahresrückblick 2020 – Kandertal SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Nach 125 Jahren plötzlich ausgebremst

Kandertalbahn | Zum Jubiläum gab’s nur eine Broschüre / Kurze Saison / Kran und Plattformwagen vor Schrottpresse gerettet

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Von Jutta Trautwein

Kandertal. Die Kandertalbahn, im Volksmund liebevoll „s’Chanderli“ genannt, ist eine historische Dampfeisenbahn, die von Mai bis Oktober sonntags zwischen Weil am Rhein-Haltingen und Kandern durch das Kandertal dampft. Traditionell wird die Saison jeweils am 1. Mai eröffnet. Eigentlich hätte in diesem Jahr ein großes Jubiläum gefeiert werden sollen, da exakt vor 125 Jahren die erste Fahrt nach dem Bau der Strecke stattfand. 125 Jahre nach dem Eröffnungswochenende sollte gefeiert werden. Es waren Thementage mit Dampfzugfahrten geplant. Auch ein großer Festakt, unterstützt von vielen Vereinen und privaten Organisationen, sollte stattfinden mit Kutschfahrten Oldtimerfahrten, einer Modellbahnausstellungen, historischen Wagenladungen, einer Treckerverladung und vielem mehr.

Das große Jubiläumsfest wurde abgesagt Das Catering war bestellt, die Fahrpläne erstellt, die Fahrzeuge standen bereit, und auch die Flyer sowie die Jubiläumsbroschüre waren bereits gedruckt. Viele Stunden Arbeit und Energie waren in die Planung investiert worden. Doch dann setzte die Corona-Pandemie all dem ein jähes Ende. Nicht nur für die Organisatoren war dies eine große

Jedes Jahr am 1. Mai startet die Museumsbahn im Kandertal in die Saison. In diesem Jahr war jedoch vieles anders. rend der Saison sonntags zu den Fahrtzeiten geöffnet hat. Interessenten können die Broschüre außerdem unter info@kandertalbahn.de bestellen. Nicht nur das Jubiläumsfest fiel im ausgehenden Jahr 2020 aus, auch der traditionelle Saisonstart im Mai wurde verschoben. Die Kandertalbahn konnte im Jahr ihres 125-jährigen Bestehens nicht wie üblich am 1. Mai losdampfen. Auch im Juni durften sich die Räder noch nicht drehen. Erst am 5. Juli ging der Museumszug mit zunächst 30 Prozent der verfügbaren Plätze an den Start. Ab dem 19.

Mit dem „Chanderli“ kann man reisen wie vor 100 Jahren. Enttäuschung, auch die vielen engagierten Vereinsmitglieder und andere Liebhaber und Freunde der Kandertalbahn zeigten sich von der Absage betroffen. Als kleines Trostpflaster wurde immerhin die fertig gedruckte Jubiläumsbroschüre kostenlos an die Mitglieder versandt. Nach wie vor kann sie im Souvenirshop käuflich erworben werden, der wäh-

Juli durften dann immerhin halb so viele Reisende wie normal befördert werden. Für die Mitfahrt war eine Voranmeldung zwingend erforderlich. Der Zustieg war lediglich an den Endhaltestellen in Kandern und Haltingen möglich, der Fahrkartenverkauf nur an den Schaltern erlaubt. Dennoch zeigten sich die ersten Gäste im Jahr 2020 er-

freut über den verspäteten Saisonstart, auch wenn sie mit Maske reisen mussten. Ab August konnte der Zug schließlich unter Beachtung der Hygienevorschriften für alle Reisenden freigegeben werden, sehr zur Freude der Passagiere, aber auch der Betreiber der Kandertalbahn, die nun auf ein besseres Jahr 2021 hoffen. Sollte Corona der Museumsbahn nicht wieder einen Strich durch die Rechnung machen, dann wird das Chanderli am 1. Mai 2021 in die Saison starten. Vom 2. Mai bis zum 17. Oktober fährt der beliebte Dampfzug dann immer sonntags durchs Kandertal: In Kandern fahren die Züge um 9.10, 13 und 16 Uhr ab, in Haltingen um 10.15, 14.15 und 17 Uhr. Nach Möglichkeit soll es im kommenden Jahr auch wieder Eventzüge und Sonderfahrten geben. Ein für die Beteiligten unvergessliches Ereignis ist das Ja-Wort im historischen Post-Packwagen. Das Standesamt Kandern steht in dem Waggon offiziell für Trauungen zur Verfügung. Drei Sitzplätze – für das Brautpaar und den Standesbeamten – müssen in dem kleinen „Zimmer“ genügen. Für die Trauzeugen gibt es Stehplätze. Der Post-Packwagen kann entweder nur zur Eheschließung oder auch mit anschließender Sonderfahrt gebucht werden. Ein großes Projekt konnte die Kandertalbahn in diesem Jahr dann doch umsetzen. Aus dem Rangierbahnhof Mannheim wurde ein histori-

Ein besonderes Schmuckstück der Kandertalbahn ist der alte restaurierte Postpackwagen.

scher, mechanischer Drehkran vor der Schrottpresse gerettet. Als technisches Kulturgut soll er der Öffentlich-

Fotos: zVg/Wolfgang Schleef

sche Eisenbahn-Betriebs-Gesellschaft). Ein weiteres Opfer der Pandemie wurde der „Mitmach-

ber hinaus wieder ein Dampflokführer, ein Heizer, drei SKL-Führer und zwei Zugführer erfolgreich ausge-

Beim Lokschuppen in Kandern präsentiert die Museumsbahn ihre Lokomotiven und Waggons. keit präsentiert werden. Ein Kran gleicher Bauart stand jahrzehntelang in Wollbach an Gleis 2. Bei Vorarbeiten wurde das Originalfundament des alten Krans entdeckt. Am selben Standort wurde nun das Fundament mit der Säule des Krans betoniert.

tag“, um Interessierte anzuwerben. Umso erfreulicher war es, dass dennoch neue Mitglieder dazu gestoßen sind, die sich in die bestehende Gruppe gut integriert haben und kräftig mitarbeiten. Trotz der Pandemie konnten bei der Kandertalbahn darü-

Info

Ein Kulturgut soll zurück nach Wollbach Da die Kandertalbahn in diesem Jahr hohe Ausfälle bei den Einnahmen aus Fahrkarten hatte, wird für das Kran-Projekt noch finanzielle Unterstützung benötigt. Spenden für dieses Kulturgut können auf das Konto des Kandertalbahnvereins bei der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden überwiesen werden: IBAN: DE59 6835 0048 0020 2504 86 BIC: SOLADES1LOE. Unter Verwendungszweck sollten „Kran“ und eine Adresse für die Spendenbescheinigung eingetragen werden. Ab einer Summe von 100 Euro werden die Spender auf einer Tafel am Drehkran vermerkt, sofern sie das wünschen. Ein kleiner Höhepunkt im Hinblick auf die museale Bewahrung von historischen Eisenbahnfahrzeugen war die Rettung der beiden Plattformwagen Ci 32 und 123. Dadurch steht der ehemalige Achertäler Dampfzug wieder fast vollständig auf einer ehemaligen DEBG Bahn (Deut-

bildet werden. Zufriedenstellend lief in diesem Jahr der Gutscheinverkauf. Die Gutscheine gibt es auch für Teilstrecken. Sie können das ganze Jahr über bestellt werden unter der E-Mail-Adresse info@kandertalbahn.de.

Die Autorin

Jutta Trautwein vom Kandertalbahnverein Foto: zVg

Jutta Trautwein ist seit April 2000 zuständig für das Marketing der Kandertalbahn. Sie organisiert unter anderem Messeauftritte und Events, außerdem ist sie für den Sonderzugverkauf zuständig. Trautwein obliegt die Personaleinteilung des gesamten Fahrpersonals. Auch verkauft sie an Sonntagen mit Bahnbetrieb in Haltingen am Kandertal-Bahnhof die Fahrkarten und ist für die Bahnübergangssicherung dort zuständig.

Malergeschäft Rolf Stammler Kandertalstraße 9 D-79599 Wittlingen Tel. 0 76 21 - 570 468 Fax: 0 76 21 - 570 467 Handy: 0162- 4320440 E-mail: RolfStammler-Malergeschaeft@web.de


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Jahresrückblick 2020 – Binzen / Eimeldingen SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Tempo 30 ganztags kommt

Solar-Strom für Eimeldingen

Eimeldingen (ilz). Mit der Verabschiedung des Lärmaktionsplans wurde festgelegt, dass entlang der B 3 in Eimeldingen künftig ganztags Tempo 30 gelten wird. Damit sollen vor allem die direkt an der Ortsdurchfahrt lebenden Bürger angesichts der rund 20 000 Fahrzeuge, die täglich durch den Ort rollen, eine Entlastung erfahren. Wann die Maßnahme tatsächlich umgesetzt wird, muss sich noch zeigen. In Eimeldingen richten sich die Blicke diesbezüglich nun nach Binzen, wo eine ganz ähnliche Regelung bereits etwas früher beschlossen worden ist. Die Einführung der Geschwindigkeitsbegrenzung soll dort nun auf der Hauptstraße Anfang 2021 umgesetzt werden.

Eimeldingen (ilz). Auf Eimeldinger Gemarkung wird direkt neben der Autobahn 98 ein Solar-Park entstehen. Sowohl der Eimeldinger Gemeinderat als auch der Gemeindeverwaltungsverbands Vorderes Kandertal (GVV) gaben im Lauf des Jahres für das Projekt grünes Licht. Auf einer Fläche von etwa einem Hektar wird der Solar-Park entstehen. Etwa 1700 Module werden dort Platz finden. Eimeldingen leistet dadurch ein wichtigen Beitrag zu Energiewende, da durch den Solar-Park voraussichtlich etwa zehn Prozent des Eimeldinger Stromverbrauchs gedeckt werden könnten, hieß es im Zuge der Vorstellungen des Projekts.

Die Eimeldinger Reblandhalle stand im Zentrum des Interesses.

Foto: Ingmar Lorenz

Sanierung startet im Jahr 2021 Bald gilt entlang der B3 ganztags Tempo 30. Foto: sba

Rückblick | Eimeldinger Reblandhalle wird für mehr als drei Millionen Euro renoviert

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Entenkreisel: Ei ist wieder da Eimeldingen (ilz). Das Ei am Entenkreisel in Eimeldingen vervollständigt seit Ende des abgelaufenen Jahres wieder das Kunstwerk von Tanja Bürgelin-Arslan am Ortseingang. Anders als zuvor hat es nun jdeoch auf der von der Straße abgewandten Seite des Fußgänger- und Radwegs seinen Platz gefunden.

Von Ingmar Lorenz

Eimeldingen. Die Eimeldinger Reblandhalle rückte im abgelaufenen Jahr mehr als einmal ins Zentrum des Interesses. Das lag zum einen daran, dass sich das politische Geschehen in Form der Gemeinderatssitzung coronabedingt dort abspielte, zum anderen standen aber auch Fragen hinsichtlich der Sanierung im Raum. Denn der Gemeinderat musste zunächst darüber entscheiden, ob er an der Sanierung trotz

der finanziellen Einbußen durch die Crorna-Krise würde festhalten wollen. Und falls ja, stellte sich die Frage, wie die Renovierung mit Blick auf den Gemeinde-Etat zu stemmen sein würde.

Ausgeklügelte Finanzierung

Vor dem Hintergrund der Bedeutung der Reblandhalle für die Kommune, die Schulen sowie die örtlichen Vereine sprach sich der Rat zunächst dafür aus, die Sanierung trotz Corona möglichst zügig in Angriff zu nehmen. Mit Blick auf die notwendi-

gen finanziellen Mittel wurden seitens der Verwaltung alle zur Verfügung stehenden Fördertöpfe angezapft, sodass der Eigenanteil der Gemeinde letztlich enorm verringert werden konnte. Bei Gesamtkosten, die sich voraussichtlich auf mehr als drei Millionen Euro belaufen werden, war dies eine nicht zu unterschätzende Leistung. Nachdem somit das Finanzierungskonzept in trockenen Tüchern war, konnte auch der erste grobe Fahrplan für die Ausführung der Sanierungsarbeiten bereits

vorgestellt werden. Im August nächsten Jahres soll es losgehen. Geplant ist, mit den Sommerferien zu beginnen und im Sommer 2022 mit den Arbeiten fertig zu sein.

Nutzer mit im Boot

Die verschiedenen Nutzer der Reblandhalle wurden bereits im Vorfeld mit ins Boot geholt. Bei mehreren Treffen wurde ausgelotet, welche Wünsche es mit Blick auf die Sanierung gibt und inwieweit diese umgesetzt werden können.

In Eimeldingen entsteht ein Solar-Park. Foto: sba

Neue Fachmärkte im Rebacker Eimeldingen (ilz). Im Neubau im Gewerbegebiet Rebacker haben eröffneten im September verschiede neue Geschäfte. Der Neubau gliedert sich architektonisch an die vor zehn Jahren nebenliegend erstellte Liegenschaft der bestehenden drei Fachmärkte.

Andreas Schneucker klar im Amt bestätigt Bürgermeisterwahl | Wiederwahl im Juli mit 82,7 Prozent / Fast nur Briefwähler Binzen (ag). Klar im Amt bestätigt wurde am 12. Juli bei seiner Wiederwahl Andreas Schneucker. Der Amtsinhaber erhielt 82,7 Prozent der Stimmen. Seine Herausforderin Danijela Näslein, Kreditanalystin aus Binzen, kam auf 15,9 Prozent. Einen Achtungserfolg konnte sie damit erzielen. Überraschend war dieser Ausgang sicherlich nicht. Dass aber Schneucker sein Wahlergebnis aus dem Jahr 2012 noch einmal verbessern konnte – seinerzeit erhielt er rund 79 Prozent der Stimmen – kann er sicherlich als Bestätigung seiner Arbeit und Erfolg werten. Viele Binzener sind offenbar mit der Arbeit ihres Rathaus-Chefs zufrieden. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 59 Prozent und damit unter der von vor acht Jahren, als 61 Prozent der Wahlberechtigten zur Urne gingen. Frank Krumm, Leiter des Wahlausschusses, hatte auf eine etwas höhere Beteiligung gehofft, zeigte sich aber am Ende zufrieden. Die Corona-Pandemie hatte diese Bürgermeisterwahl von Beginn an fest im Griff: Das freudige Strahlen musste der frisch wiedergewählte Amtsinhaber am Wahlabend zeitweise hinter einer Maske verbergen. Größere Wahlkampfveranstaltungen fielen von vorn herein aus, und

Nachdem am Wahlabend das Ergebnis bekannt gegeben worden war, wurden coronabedingt vor der Gemeindehalle einige Reden gehalten. Im Mittelpunkt stand dabei der wiedergewählte Bürgermeister Andreas Schneucker (vorne rechts). Die unterlegene Gegenkandidatin Danijela Näslein (rechts) nahm es gelassen. Foto: Alexandra Günzschel auch der Urnengang fand coronabedingt unter besonderen Bedingungen statt. So waren die Binzener dazu aufgerufen worden, möglichst die Briefwahl zu nutzen. Zum Schluss hatten 1239 Wähler davon Gebrauch ge-

macht. Das einzige Wahllokal wurde in der Gemeindehalle eingerichtet. Dort wurden am Wahltag lediglich noch 80 Stimmen gezählt. Normalerweise gab es in Binzen immer zwei Wahlbezirke.

Bei der rege genutzten Briefwahl kam es verstärkt zu fehlerhaften Stimmabgaben, die nicht gewertet werden konnten. 49 Stimmen der 1288 Briefwähler konnten am Ende wegen diverser Fehler nicht zugelassen werden.


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Jahresrückblick 2020 – Efringen-Kirchen SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Wenn jeder eine Maske trägt, sind alle geschützt, sagt Marion Caspers-Merk.

Soziales Engagement bleibt in Erinnerung

Foto: sba

Rückblick | Marion Caspers-Merk, einst Gesundheitspolitikerin auf Bundesebene, schildert, wie sie das abgelaufene Jahr erlebt hat

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Von Marion Caspers-Merk

Efringen-Kirchen. Was für ein Jahr...eigentlich hat es sehr schön begonnen: An Silvester mit Freunden das neue Jahr in Italien feiern, Feuerwerk über dem Meer anschauen und am 1. Januar ein langer Strandspaziergang mit Sonnenschein. So hätte es weitergehen können, aber dann machten schon Ende Januar erste Meldungen über ein neuartiges Coronavirus in China, Italien und München die Runde. Gerade im reichen industrialisierten Norditalien gibt es zahlreiche Verflechtungen mit Asien. In München steckten sich MitarbeiterInnen eines Autozulieferers durch eine chinesische Kollegin an. Dann kam der erste Lockdown, und auch Geschäfte bei uns waren betoffen. Meinen Unterricht an der Dualen Hochschule konnte ich nur noch digital halten. Alles war ungewohnt. Die Studenten vermissten das Miteinander. Jeder war alleine vor seinem Bildschirm. Vorlesungen gingen ganz gut, aber Seminare, Diskussionen und Gruppenarbeit mühsam und zäh. Und dazu die Segnungen des ländlichen Raums – schlechtes Internet. Wenn mein Mann und ich gleichzeitig Videokonferenzen hatten, dann musste wir die Luft anhalten, die Finger kreuzen und hoffen, dass nicht wieder alles zusammenbrach. Aber wir lernten, uns mit der neuen Situation zu arrangieren. Es fiel leichter, weil ja die gute Jahreszeit vor uns lag. Zwei Menschen gleichzeitig im Home-Office, das bedeutet Stresstest für jede Beziehung. Wie gut, dass ich über den Luxus eines kleinen Gartens verfüge. Dort konnte man beim Unkraut entfernen Stress abbauen. Noch nie war mein Garten so gut in Schuss wie in diesem Frühjahr. Dann begann der Sommer mit Reisemöglichkeiten und

natürlich mit Abstand auch wieder Essen gehen und Café im Freien. Rückblickend fast unbeschwerte, aber auch versäumte Zeit. Keine Vorbereitungen auf den Herbst und die zweite Welle. Keine Konzepte für die Schule, keine Digitalisierung der Gesundheitsämter, kein langfristiges Konzept für die schwierige Zeit im Herbst und Winter. Wir haben uns alle auf den Lorbeeren der ersten gemeisterten Welle ausgeruht. Deutschland kam gut durch, hat vieles richtig gemacht und Gott sei dank waren wir nicht in den USA oder Großbritannien beheimatet, die das Virus gerade anfangs unterschätzt hatten.

Steile Lernkurve nötig Als Gesundheitspolitikerin habe ich zwei große Pandemien politisch begleitet: SARS-COV in den Jahren 2002/3 und die Schweinegrippe im Jahr 2008. Durch die SARS-COV Krise kam es überhaubt zu einem Infektionsschutzgesetz, dass heute noch die gesetzliche Grundlage für politische Entscheidungen in der Pandemie darstellt. Der Erreger Sars-Cov konnte rasch identifiziert und regional eingedämmt werden. Durch konsequentes Isolieren der Betroffenen und strikte Kontrollmaßnahmen an Flughäfen konnte Sars-Cov gut bekämpft werden. Was ist der Unterschied zu Covid-19 und wieso flammt diese Krankheit in Wellen wieder auf? Covid-19 ist hoch ansteckend und kann von Infizierten ohne Symptome übertragen werden. Mitarbeiter und Besucher von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, die sich gesund fühlen, können Wirte des Virus sein und gerade die anstecken, die besonders verletzbar sind. Deshalb ist die Vermeidung der Kontakte zwischen Menschen so wichtig. Wir sehen

gerade, dass ein bisschen Vermeidung leider nicht hilft.

Wir sind soziale Wesen Gerade den sozialen Kontakt und den Austausch mit Anderen vermissen wir. Im Winter, wenn es draußen ungemütlich ist, suchen wir die menschliche Wärme, Freunde treffen, gemeinsam etwas unternehmen, Familienfeste organisieren – all das vermissen wir. Wir merken auch, die vielen Videokonferenzen sind ein Vehikel, ein Werkzeug immerhin, aber kein vollständiger Ersatz. Was mir in Erinnerung bleibt, ist das tolle soziale Engagement im ersten Lockdown. Da wurden ehrenamtliche Einkaufs- und Essensdienste organisiert. Da wurden Masken genäht und weitergegeben an die, die noch ohne waren. Da gab es viel Aufbruch und kreative Ideen bis hin zur Wiederentdeckung der Autokinos, der

Balkonkonzerte, der Outdoor-Events und vieler anderer guter Ideen. Derzeit scheint der Elan ermüdet, der Winter fordert uns mehr ab und es wächst die Sehnsucht nach Normalität.

Maske oder was? Ja, das Masketragen ist nicht bequem und wir alle mussten uns daran gewöhnen. Zunächst gab es dazu widersprüchliche Aussagen. Mittlerweile gibt es große Einigkeit: die Maske schützt uns und andere. Auch Kreistagssitzungen und alle Ausschüsse finden mit Maske, in großen Räumen und mit Stoßlüften statt. Wir tun es, denn wichtige Entscheidungen für den Landkreis können nicht vertagt werden. Und auch hier gibt es Maskenverweigerer, die per Hausrecht zur Maske gezwungen werden müssen. Welch ein Armutszeugnis – selbst wenn ich Zweifel hätte, ob sie nützen – mir schaden sie nicht. Vor-

sicht ist besser als unwissentlich Andere zu gefährden. Im Übrigen fand ich die Analyse eines asiatischen Freundes gut: Es sei unwichtig, ob die Maske mich vor den Viren der Anderen schützt, oder nur die Anderen vor meinen Viren schützt. Wenn jeder eine Maske trägt, sind alle geschützt.

Die Autorin

Den Blues besiegen Was bleibt am Jahresende – nicht nur warten auf den Impfstoff und bessere Zeiten, planen, gestalten, aktiv bleiben. An gute Freunde habe ich wieder einmal Briefe und Päckchen geschickt (wer Freude bereitet, freut sich auch), Pläne für das nächste Jahr gemacht, sich selbst mal etwas Gutes tun und an die denken, die uns gerade jetzt so dringend brauchen. Ich rufe die Freunde und Familienmitglieder an, von denen ich schon lange nichts mehr gehört haben. Es sind lange Gespräche, die beiden guttun.

Marion Caspers-Merk Als Staatssekretärin war Marion Caspers-Merk (SPD) von 2002 bis 2005 bei der Ministerin für Gesundheit und Soziale Sicherung sowie von 2005 bis 2009 bei der Ministerin für Gesundheit auf Bundesebene politisch aktiv. Sie unterrichtet an der DHBW Lörrach und ist Mitglied der SPD-Fraktion im Kreistag. Marion Caspers-Merk lebt in der Gemeinde Efringen-Kirchen.


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Jahresrückblick 2020 – Efringen-Kirchen SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Neuer Leiter des Kalkwerks Istein Efringen-Kirchen (ilz). Überraschend kam im abgelaufenen Jahr die Nachricht, dass sich die Wege des bisherigen Leiters des Isteiner Kalkwerks, Oliver Arts, und der Firma Lhoist trennen. Zugleich wurde bekannt, dass Zacharias Grote die Leitung des Isteiner Kalkwerks künftig übernimmt. In einem Pressegespräch ließ Arts seine Zeit im Kalkwerk Revue passieren und ging auf die wichtigsten Projekte ein, die in den vier Jahren unter seiner Leitung umgesetzt werden konnten. Zugleich stellte sich Zacharias Grote vor und legte dar, dass man unter seiner Leitung den eingeschlagenen Weg weiter beschreiten wolle. Das bedeutet unter anderem, dass man am Standort Istein weiterhin auf die große Bandbreite der Produkte setzten wird, die dort hergestellt werden. Grote hatte zuvor das Kalkwerk im nordrhein-westfälischen Menden geleitet.

Hinsichtlich der Bauplatzvergaberichtlinie konnte im abgelaufenen Jahr eine Einigung erzielt werden.

Foto: sba

Einen gangbaren Kompromiss gefunden Bauplätze | Gemeinde Efringen-Kirchen macht mit Einigung auf Vergaberichtlinie einen Schritt nach vorne

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Zacharias Grote Foto: Lorenz

Neuer Schulleiter Efringen-Kirchen (ilz). Timo Pilz wurde im abgelaufenen Jahr neuer Leiter des Schulzentrums. Der Beginn seiner Tätigkeit war nicht nur durch Corona geprägt, sondern auch das Thema Digitalisierung des Unterrichts nahm breiten Raum ein – wobei beides teils Hand in Hand ging.

Von Ingmar Lorenz

Efringen-Kirchen. Die Gemeinde Efringen-Kirchen ist in Sachen Bauplatzvergabe im zurückliegenden Jahr ein gutes Stück vorangekommen. Im Oktober konnte ein Entwurf einer Vergaberichtlinie vom Gemeinderat beschlossen werden, der als Kompromiss für alle Seiten tragbar war. Ein langes Ringen um die Ausarbeitung war der Verabschiedung vorausgegangen. Dreh und Angelpunkt war dabei die Frage, wie Einheimische bei der Bauplatzvergabe besonders berücksichtigt werden können, ohne sich rechtlich auf zu dünnes Eis zu begeben. Ein wichtiges Argument wurde dabei in

der Stärkung der familiären Strukturen gesehen. So wurde befürchtet, dass es ohne eine entsprechende Lenkung dazu kommen könnte, dass direkte Angehörige keinen Bauplatz im Wohnort der Eltern oder Großeltern finden, was sich beispielsweise wiederum auf den Faktor Betreuung negativ auswirken könnte. Denn die Kinder oder Enkel könnten sich dann nur mit weitaus mehr Aufwand um die Eltern oder Großeltern kümmern; gleichzeitig wäre es auch schwerer, den Nachwuchs beispielsweise einige Stunden zu den Großeltern zu bringen. Nachdem es im Februar 2019 zu heftigen Debatten im Gemeinderat gekommen war, befasste sich in der Fol-

gezeit eine Arbeitsgruppe mit der Erarbeitung eines neuen Entwurfes. Dabei waren auch Rechtsanwälte mit im Boot, so dass dem Gremium im Oktober schließlich nicht nur eine zufriedenstellende, sondern auch eine rechtssichere Bauplatzvergaberichtlinie vorgelegt werden konnte.

Punktesystem mit Lenkungswirkung Die Vergabe der Bauplätze wird dabei anhand eines Punktesystems geregelt, wobei verschiedene Kriterien eine Rolle spielen. Im Rahmen der ortsbezogenen Kriterien wird etwa abgefragt, ob und seit wann der Bewer-

ber im Ort wohnt, oder ob er sich aktiv ehrenamtlich engagiert. In den sozialbezogenen Kriterien wird abgefragt, ob der Antragssteller Kinder hat, oder ob in der Nähe Angehörige wohnen, die Betreuung oder Pflege benötigen. Auch ehrenamtliches Engagement außerhalb der Gemeinde bringt in diesem Segment Punkte. Die maximale Anzahl der Punkte ist bei den sozialbezogenen Kriterien höher als bei den ortsbezogenen, wodurch nicht zuletzt auch die Rechtssicherheit gewährleistet wird. Die Vergaberichtlinie hat durch das Punktesystem auch eine Art Lenkungswirkung. So wird etwa sichergestellt, dass die künftigen Bau-

herren sich in ihrem Wohnort ins gesellschaftliche Leben einbringen. Auch die familiären Strukturen werden gestärkt. Für den vorgelegten Entwurf gab es seitens der Gemeinderatsmitglieder viel Lob, so dass der Beschlussfassung schließlich nichts mehr im Weg stand.

Grundlage für die Matrix Die Vergaberichtlinie dient künftig als Grundlage für eine Matrix, allerdings hat der Gemeinderat das Recht und die Pflicht, bei jedem neuen Baugebiet darüber zu entscheiden, ob die Richtlinie zur Anwendung kommt.

Auszeichnung für Gerhard Kienle Efringen-Kirchen (ilz). Für sein vielseitiges Engagement bei der Feuerwehr und als Mediziner in der Gemeinde Efringen-Kirchen wurde Gerhard Kienle im Dezember dieses Jahres mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Corona-bedingt musste die Zeremonie im verhältnismäßig kleinen Rahmen im Vorfeld einer Gemeinderatssitzung stattfinden, jedoch wurden die großen und vielfältigen Verdienste Kienles durch Bürgermeister Philipp Schmid in einer Laudatio prägnant hervorgehoben.

Gerhard Kienle wurde mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Foto: Lorenz


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Jahresrückblick 2020 – Bad Bellingen SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Der gute Weg ist durch Corona unterbrochen Rückblick I | Kurgeschäftsführer Dennis Schneider blickt auf das Corona-Jahr aus Sicht der Balinea Thermen n

ten ihren Jahresurlaub im eigenen Land. Davon hat auch Bad Bellingen profitiert und konnte im August und September nahezu Vorjahresniveau bei den Übernachtungen erreichen. Natürlich entschädigt das nicht für die Verluste der Hotellerie und Gastronomie aus dem Frühjahr, aber damit konnten alle wieder kurzzeitig aufatmen.

Von Dennis Schneider

Bad Bellingen. Das Jahr 2020 war für die Bade- und Kurverwaltung (BuK) Bad Bellingen ein Jahr voller Ungewissheit und tiefen Rückschlägen, aber auch ein Jahr mit neuen Chancen und Weichenstellungen für die Zukunft. 2018 habe ich die Geschäftsführung der BuK übernommen und das erste Jahr genutzt, um gemeinsam mit einem eingespielten Mitarbeiter-Team an meiner Seite die Therme und den Tourismus in Bad Bellingen fit für die Zukunft zu machen. Zu Beginn 2019 waren wir auf einem guten Weg, endlich konnten wir wieder steigende Übernachtungszahlen verzeichnen und auch die Therme war konstant gut besucht. Planungen für eine Thermensanierung und Erweiterung liefen auf Hochtouren, eine neue Tourist-Information sollte ins Kurhaus einziehen und die Fachkommission zur Vergabe der Gartenschauen wurde erwartet.

Kurzarbeit im Lockdown

Dann rückte Corona immer näher und die Gäste in der Region blieben aus, bis Mitte März ganz Deutschland in den Lockdown geschickt wurde und wir die Therme schließen und alle Veranstaltungen absagen mussten. Um den Betrieb über Wasser zu halten, wurden nahezu alle Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und das ganze Unternehmen heruntergefahren. Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt die Dauer und die Ausmaße der Pandemie zuverlässig einschätzen. Fest stand jedoch, dass die Verluste durch die Schließung nicht so einfach aufgeholt werden können. Außerdem war abzusehen, dass die Therme, solange die Pande-

Kurze Verschnaufpause

Auch für den Betrieb der Balinea Thermen war das Jahr durch die Corona-Pandemie geprägt. mie andauert, nicht mit den regulären Angeboten geöffnet werden kann und zunächst alle laufenden Projekte auf Eis gelegt werden müssen.

Neue Mitarbeiter entlassen

An diesem Punkt hatte ich keine andere Wahl mehr, als alle neuen Mitarbeiter zu entlassen. Das war die schlimmste Phase in diesem Jahr und der tiefste Rückschlag für die gesamte BuK. Alle Mitarbeiter waren Teil von geplanten Neuerungen und Entwicklungen, die in diesem und den kommenden Jahren umgesetzt werden sollten. Mitarbeiter mit großem Potenzial, die sich einbringen und die Zukunft der BuK mitgestalten wollten. Aber ich musste an den ge-

samten Betrieb denken und sicherstellen, dass wir die Schließung auch ohne finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern überstehen werden. Denn lange Zeit war nicht klar, ob die Thermen des Landes im Laufe der Pandemie finanzielle Hilfe erhalten werden.

Renovierung und Reparatur

Nach diesem Tiefpunkt haben wir uns wieder aufgerappelt und die Möglichkeiten, die eine Schließung mit sich bringt, genutzt. Es war Zeit für kleine Renovierungsarbeiten und Reparaturen, ohne dass Gäste gestört wurden. Die Revision konnte vorgezogen werden, um den Gästen im Sommer die Sperrung einzelner Becken zu ersparen. Mit der angespann-

ten finanziellen Situation konnten wir keine großen Sprünge machen, aber wir sind wieder ein kleines Stück vorangekommen.

Hygienekonzept erstellt

Mit der Öffnung der Hotellerie und Gastronomie im Mai wurde auch die baldige Öffnung der Therme signalisiert und so haben wir ein umfangreiches Hygienekonzept erarbeitet und gemeinsam mit dem Gesundheitsamt umgesetzt. Die Größe der Therme und Wasserflächen ließ uns nicht viel Spielraum und so mussten Einbahnstraßenregelungen eingeführt, Ein- und Ausstiege festgelegt, die Aufenthaltsdauer begrenzt und einige Bereiche geschlossen werden. Dieses Konzept hat uns die Wieder-

Beim zweitenmal erschreckende Routine Rückblick II | Dennis Schneider blickt auf den Winter zurück und gleichzeitig voraus n

Von Dennis Schneider

Zweiter Lockdown

Im Oktober ist die Zahl der Corona-Infizierten wieder deutlich angestiegen und die Balinea Thermen mussten ab dem 2. November wieder schließen. Wieder habe ich die Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und den gesamten Betrieb herunterfahren müssen. Die zweite Schließung in diesem Jahr ist schon erschreckend routiniert abgelaufen. Alle Kollegen wussten genau, was zu tun ist und doch sind alle wieder mit einer großen Unwissenheit nach Hause gegangen. „Falls wir uns dieses Jahr nicht mehr sehen, schöne Weihnachten und guten Rutsch“, wünschten sich die Mitarbeiter, als sie sich verabschiedet haben. Für mich als Geschäftsführer ist es schwer, die Mitarbeiter so nach Hause gehen lassen zu müssen, dennoch bin ich froh darüber, mit welchem Verständnis und welcher Besonnenheit jeder Mitarbeiter diese Situation mitträgt und damit den weiteren Bestand der BuK sichert.

Kommune springt ein

Anfang November gab es weiterhin keine konkreten

BuK-Geschäftsführer Dennis Schneider rechnet nicht mit einer Öffnung der Thermalbäder vor März 2021. Zusagen über finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern und damit keine Sicherheit darüber, wie lange die BuK die Folgen der Pandemie noch überbrücken kann. Deshalb wurde Mitte November im Gemeinderat eine finanzielle Unterstützung für die BuK beschlossen und so mit viel Besonnenheit die Zukunft kurzfristig gesichert. Zudem wurde Ende November bestätigt, dass die BuK Anspruch auf die November- und Dezember-Hil-

fen des Bundes hat und damit den Fortbestand der Gesellschaft langfristig sichern kann. Ein weiterer Grund zur Hoffnung ist die Ankündigung über finanzielle Stützen des Landes für Thermen, worüber wir uns im nächsten Jahr freuen können.

Ausblick und Prognose

Ich gehe davon aus, dass wir die Therme frühestens im März wieder öffnen können, aber mit der finanziellen Unterstützung von Bund,

Ländern und Gemeinde können wir das gut überbrücken und schon einen optimistischen Blick in das nächste Jahr werfen. Dieser Tage haben wir zwar die Nachricht erhalten, dass wir keine Gartenschau in Bad Bellingen ausrichten werden, aber die Pläne zur Umgestaltung des Kurparks werden dennoch umgesetzt. Schon im nächsten Jahr werden die Pläne für den Kurparkweiher zusammen mit der Gemeinde konkretisiert und gemäß den Plänen der Gartenschau neugestaltet. Die Galerie und das Foyer im Kurhaus werden umfangreich renoviert und die Tourist-Information kann schlussendlich ins Kurhaus einziehen und wird zukünftig neuer, moderner Anlaufpunkt für Touristen und Bürger sein. Damit geht ein sehr turbulentes Jahr zu Ende, ein Jahr, das mich und alle Mitarbeiter vor sehr große Herausforderungen gestellt hat, aber auch ein Jahr, das uns neue Möglichkeiten eröffnet hat, so dass wir voller Elan und mit doppelter Geschwindigkeit im nächsten Jahr durchstarten können. Aufstehen, alles geraderücken und dann zum Sprint ansetzen!

Fotos: zVg eröffnung der Therme Mitte Juni ermöglicht. Wir waren überrascht und sehr erleichtert, dass wir für das Hygienekonzept sehr viel Verständnis erfahren haben, obwohl es doch auch Einschränkungen für die Gäste beinhaltete. Aber der Aspekt, dass sich die Gäste bei ihrem Thermenbesuch sicher und wohlfühlen wollen, hat überwogen und die Einschränkungen wurden dafür gerne in Kauf genommen.

Gute Zahlen im Sommer

Überraschend haben sich die Übernachtungszahlen in Bad Bellingen entwickelt. Anfangs waren die Reisenden noch zögerlich, aber im Laufe des Sommers entdeckten viele die deutschen Urlaubsziele für sich und verbrach-

Die Wiedereröffnung der Therme hat mir erlaubt, in die Zukunft zu blicken und die Thermenplanung zusammen mit unserer Gemeinde und Bürgermeister Carsten Vogelpohl wieder aufzunehmen. Ein Projekt, dass viel Zeit erfordert. Zeit, die wir durch die Rückstellung anderer Projekte gewinnen konnten und nutzen wollten, um mit unseren Planern und einem ausgewählten Arbeitskreis an unseren Plänen weiterzuarbeiten. Die Therme ist für die touristische und wirtschaftliche Entwicklung von Bad Bellingen maßgeblich, dies dürfen wir auch in Zeiten der Pandemie nicht aus den Augen verlieren.

Der Autor

Dennis Schneider ist Betriebswirt und hat im Jahr 2016 die Leitung der Marketing-Abteilung der Balinea Thermen übernommen. 2017 wurde er stellvertretender Geschäftsführer und im Januar 2019 zum Geschäftsführer der BuK bestimmt.


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Jahresrückblick 2020 – Schliengen / Neuenburg SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Erstes Amtsjahr voller Herausforderungen

Gastbeitrag | Schliengens Bürgermeister Christian Renkert über das Jubiläumsjahr, das so ganz anders war als gedacht n

rungen, die er auch in seiner Zeit als Ortsvorsteher von Mauchen erworben hat, verfügt er über kommunales Wissen, das seinesgleichen sucht. Weil er auch ein überaus angenehmes Wesen hat, fiel der Abschied allen ungeheuer schwer.

Von Christian Renkert

Schliengen. Fast ein jeder hat schon einmal eine neue Aufgabe übernommen in der festen Annahme, man wisse genau, was auf einen zukommt. Dies liegt besonders nahe, wenn man als Bürgermeister von einer Kommune in eine andere wechselt. Das Handwerkszeug ist identisch, die Abläufe ähneln sich sehr und die Chancen und Herausforderungen aller Flächengemeinden in Baden-Württemberg sind praktisch gleich. Allerdings hat uns Covid-19 sehr deutlich vor Augen geführt, dass die Gemeindeverwaltung auf die eine oder andere Weise praktisch für alle Lebensbereiche erster Ansprechpartner ist und damit eine „Allzuständigkeit“ für alle Belange hat, die die Bürgerinnen und Bürger mit der Verwaltung diskutieren wollen. Damit kam auf die Gemeinde ein ungeahntes Mehr an Abstimmungsbedarf zu. Es wurde aber auch klar, dass über die Jahre hinweg alle Regelungsbereiche, für die die Gemeinde alleinverantwortlich zuständig ist, so auf einander abgestimmt worden waren, dass möglichst wenig Reibungsverluste entstehen.

Mehr an Abstimmung

Am Beispiel der Schulkinderbetreuung erläutert, bedeutete das, dass die Angebotszeiten mit den Unterrichtszeiten abgestimmt waren, die Betreuungsgruppen so gebildet wurden, dass der Kostenaufwand so erschwinglich wie möglich ist und auch die Beförderung der Kinder angepasst war. Mit dem Lockdown-bestimmten Schulbetrieb änderte sich alles und musste neu angepasst werden. Uns wurde damit wieder vor Augen geführt, wie alles zusammenhängt und verwoben ist und gleich wie wenn man bei einem Netz an einem Ende zieht, sich alles verschiebt und nicht mehr ganz passt. Klar war damit, dass wir im Corona-Modus

Verordnete Festtagsruhe

Ein Bild wie aus einer anderen Zeit: Beim zweijährlichen Bürgertreff im Januar war von den Corona-Bestimmungen noch keine Rede. 500 Bürger und verdiente Ehrengäste eröffneten hoffnungsvoll das Jahr 2020. Foto: Claudia Bötsch keine Ideallösungen, sondern stets nur Kompromissund Übergangslösungen anbieten konnten. Dass wir in eine solche Lage steuern würden, hätte sich noch vor zwölf Monaten wohl kaum einer vorstellen können. Wir hatten damals von einer rätselhaften Lungenkrankheit in Fernost gehört, was sich daraus entwickeln sollte, war nicht auszumalen. Ebenso war undenkbar, dass wir uns im Jahr 2020 nur mit einem Bruchteil des sonst üblichen gemeinschaftlichen Zusammenlebens und nur einigen wenigen gesellschaftlichen Anlässen begnügen müssen.

Dynamischer Jahresauftakt

Der im Zweijahresrhythmus in Schliengen stattfindende Bürgertreff, der am 24. Januar mit großem Andrang vielen verdienten Persönlichkeiten aus der Gemeinde eine ehrende Bühne bot, war als schwungvoller Auftakt für das Jubiläumsjahr „1200 Jahre Schliengen“ konzipiert und durchgeführt. Einen starken Monat später wurde Werner Bundschuh nach

mehr als 30-jähriger Amtszeit als Bürgermeister verabschiedet und für seine herausragenden Verdienste zum Ehrenbürger von Schliengen ernannt. Wiederum war das Bürger- und Gästehaus prall gefüllt und es wurde dem Anlass angemessen gefeiert und der gemeinsam erkämpften Errungenschaften gedacht. Danach wurde auf vielfältige Weise der Höhepunkt der Fasnacht zelebriert, unter anderem mit dem originellen Zunftabend der Riedmattenschlurbis in der Schlossgartenhalle Liel, der sehr gut ankam. Doch kurz nach dem Erlöschen der letzten Fasnachtsfeuer zwang uns Covid-19 alle weiteren Abläufe auf.

Kampf gegen die Pandemie

Bereits die Bürgermeistervereidigung am 19. März konnte nur unter den angeordneten Hygiene- und Abstandsregelungen stattfinden. Sodann eroberte sich in den Veranstaltungshinweisen in unserem Amtsblatt das Wort „Abgesagt“ die unrühmliche Nummer eins des am häufigsten verwendeten Wortes.

Weitere größere Zusammenkünfte fanden dann nur noch in den Phasen statt, in denen man den Eindruck hatte, das Pandemiegeschehen flache ab und die Veranstaltung sei vertretbar. Unter diesen Vorzeichen wurde das mitreißende Serenadenkonzert des Musikvereins Schliengen am 25. Juli, die Einweihung der Auggener Straße in Mauchen am 2. Oktober und die „Marschmusikveranstaltung“ des Musikvereins Eggenertal am 18. Oktober durchgeführt.

Fortschreitende Bauarbeit

Schwungvoll und nahezu ungebremst verlief allerdings die bauliche Entwicklung in Schliengen. In den Baugebieten „Wasengärtle“ im Kernort und „Unterm Dorf“ in Mauchen wächst eine respektable Wohnbebauung. Für die Wohngebiete „Ochsenmatt“ in Obereggenen und „Gärtnerei“ in Liel sind die Erschließungsarbeiten abgeschlossen. Das Pflegeheim des Landkreises an der B 3 in Schliengens Norden ist im Rohbau vollendet. Der Verkehrsknotenpunkt Dorfplatz

Schliengen hat durch den Kreisverkehr, der nun seine abschließende gestalterische Form gefunden hat, eine respektable, viel gelobte Veränderung erfahren. Der Zweckverband Breitband, dem auch die Gemeinde Schliengen angehört, hat in vielen Bereichen bereits Leerrohre verlegt, die dann mit Glasfaserkabeln versehen werden, sie werden den Anwohnerinnen und Anwohnern schnelles Internet bringen.

Personeller Wechsel

In der letzten Gemeinderatssitzung wurde nicht nur der Haushalt der Gemeinde Schliengen für das Jahr 2021 verabschiedet, es war auch die letzte Gremiumssitzung, der Gerhard Sommerhalter als Bauamtsleiter vor seiner Pensionierung beigewohnt hat. In seinen mehr als 47 Jahren, in denen er viele verschiedene Positionen in der Gemeindeverwaltung durchlaufen hat, hatte er Einblick in alle Projekte und Entwicklungen, die die Gemeinde in den zurückliegenden Jahrzehnten gestemmt hat. Zusammen mit seinen Erfah-

Der eine oder andere kennt das noch von früher oder aus dem Urlaub, dass winterliche Witterungsbedingungen die ganze Geschäftigkeit und das übliche rege Treiben herunterdimmen. Man hat es sich dann drinnen gemütlich gemacht und seinen Aktionsradius eingeschränkt. Zu Hause wurden Dinge erledigt, die man sich aufgespart hat oder aber es wurden Sachen aufgegriffen, die liegengeblieben waren. In diesen Tagen ist das Herunterfahren verordnet, hat aber bei vielen teilweise eine ähnliche Wirkung, gegründet auf den Grundsatz, aus allem das Beste zu machen. Jedenfalls ist jetzt Zeit, um Projekte und Pläne zu durchdenken und losgelöst vom üblichen Zeitdruck gedanklich durchzuspielen. Die nächsten Monate werden uns noch einige Anstrengungen abverlangen, da kann es nicht verkehrt sein, Kräfte zu sammeln für ein hoffentlich gesundes und erfolgreiches 2021.

Zum Autor

Christian Renkert hat zum März die Nachfolge von Werner Bundschuh als Bürgermeister von Schliengen angetreten. Zuvor war der promovierte Rechtsanwalt und Kommunalpolitiker sieben Jahre als Bürgermeister von Kandern tätig.

Gerüstet für 2022 LGS | Arbeiten sind vorangekommen Neuenburg am Rhein (ads). Die Landesgartenschau, die im Jahr 2020 in Neuenburg am Rhein stattfindet, ist auch dieses Jahr wieder einige große Schritte weitergekommen. Der Stadtpark am Wuhrloch wird saniert, der Rohbau der Brücke über den Klemmbach steht, Baumpflegearbeiten laufen. Die Organisatoren der LGS-GmbH sind zuversichtlich.

Das Treppenkonstrukt am Klemmbach Foto: Eßlinger

Wohnraum entsteht Bauen | Neubaugebiet „Am langen Rain“ Müllheim (ads). Fortschritte auch in Müllheim: Die Arbeiten des zweiten Bauabschnitts des geplanten Kreisverkehrs Kreuzung „Am Erlenbuck“ / Schwarzwaldstraße (L 125) / neues Baugebiet „Am langen Rain“ haben am 12. Oktober begonnen. Innerhalb zweier Monate ist

die südöstliche Seite des Kreisverkehrs hergestellt worden. Damit ist die Erschließung des Neubaugebiets „Am langen Rain“ weiter vorangekommen. In dem Gebiet soll auf insgesamt 5,3 Hektar Fläche Wohnraum geschaffen werden.


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Jahresrückblick 2020 – Zell/Oberes Wiesental SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Logisch: Schwan schmückt das neue Logo Zell | Konzeption fürs Stadtmarketing der Schwanenstadt entwickelt / Corona bremst sogar die Fasnächtler aus n

Von Peter Schwendele

Zell. Für die Zeller Innenstadt war 2020 alles andere als ein verlorenes Jahr. Denn das Stadtmarketing – oder die „Offensive Innenstadt“, wie das Rathaus die gebündelten Vorschläge zur Attraktivitätssteigerung des Stadtkerns nennt – wurde im zu Ende gehenden Jahr konzeptionsmäßig aufgegleist. Vielem anderen in der Schwanenstadt machte dagegen die Corona-Krise einen Strich durch die Rechnung. Bezeichnend: Nicht einmal ein Hürus konnte für die Fasnacht 2020/21 gekürt werden. Viele Sitzungen fanden 2020 statt, in denen überlegt wurde, wie man der Zeller Innenstadt am besten ein attraktiveres Gesicht verschaffen kann. Bei dieser Frage half Verwaltung, Gemeinderäten und Bürgern die Firma Imakomm Akademie, die die klare Empfehlung aussprach, auf die beiden Themen Schwan und Constanze Mozart zu setzen. Der Schwan soll künftig im Innenbereich der Stadt als sichtbares Symbol und als Identifikationsmerkmal zum Einsatz gebracht werden. Ein entsprechendes Logo wurde kreiert. Constanze Mozart

So sieht das neue, im Rahmen des Stadtmarketing entwickelte Zeller Logo aus. wiederum als in Zell geborene Gattin des weltberühmten Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart soll in der Außenpositionierung der Stadt eine zentrale Rolle einnehmen. Die Organisationsstruktur des Stadtmarketings wurde festgezurrt und für die verschiedenen Aktivitäten sollen künftig pro Jahr 20 000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Sehr aktiv bei diesem Thema zeigte sich auch der Bür-

Eine schreckliche Bluttat ereignete sich im April im Ortsteil Riedichen. Die Polizei nahm zwei Brüder aus Bulgarien fest, die sich wegen Mordes vor Gericht verantworten mussten. Foto: Archiv

gerverein Zell. Nicht nur, dass dessen Vorsitzender Michael Gehri eine führende Position beim Stadtmarketing einnehmen wird, der Verein stellt auch 100 000 Euro für die Stadtentwicklung zur Verfügung. Die erste deutlich sichtbare Verbesserung konnten die Bürger Ende November erkennen, als an den traditionell kahlen Betonwänden im Rathausbereich farbsprühende Leuchtkästen für neues Flair sorgten. Erschreckendes ereignete sich Ende April im Ortsteil Riedichen, als zwei bulgarische Brüder, die während laufender Straßenbauarbeiten in einer Ferienwohnung untergebracht waren, zwei ihrer Kollegen brutal im Schlaf überfielen, um an ihr Geld zu kommen. Eines der beiden Opfer fand dabei den Tod. Die Polizei fahndete sofort nach den beiden Flüchtigen und setzte noch in der Nacht Suchhubschrauber ein; gefasst werden konnten die Täter zwei Tage später in Frankfurt. Das kleine Bergdorf stand angesichts der schlimmen Bluttat tagelang unter Schock. „So etwas hat es hier, so lange wir uns erinnern können, noch nie gege-

Foto: zVg

ben“, berichteten ältere Dorfbewohner. Im Juli erhob die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen Anklage wegen des Verdachts des Mordes gegen die 27 und 22 Jahre alten Bulgaren. Der Prozess vor dem Schwurgericht in Waldshut zog sich von September bis November und förderte unter anderem zutage, dass die Angeklagten mit Holzknüppeln auf die Köpfe der schlafenden Opfer einschlugen und dass sie ihre blutige Tat wegen eines Betrags von 1200 Euro begingen. Am Ende wurde der ältere Bruder zu lebenslanger Haft, der jüngere zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Einen Wechsel gab es 2020 im Zeller Pfarrhaus. Im Januar wurde bekannt, dass Pfarrer Frank Malzacher die Schwanenstadt nach sechs Jahren verlassen wird, um die Leitung der Seelsorgeeinheit Klettgau-Wutöschingen zu übernehmen. Im Mai erreichte Zell die freudige Nachricht, dass Martin Schlick, der zuletzt Dekan des Dekanats Baden-Baden war, die Leitung der Seelsorgeeinheit Zell übernehmen soll. Nach einer kurzen Vakanzzeit begann der 63-Jähri-

ge im Oktober seine neue Aufgabe. In diesem Zusammenhang mag sich mancher Gläubige gefragt haben, ob es in Zell nochmals so eine Kontinuität geben wird, wie sie unter dem früheren Seelsorger Franz Leppert herrschte. Der Zeller Ehrenbürger war fast 40 Jahre lang Pfarrer in der Schwanenstadt und konnte im abgelaufenen Jahr sein Goldenes Priesterjubiläum feiern. Die Jubiläumsveranstaltung zu Ehren Lepperts musste wegen der Corona-Pandemie zunächst verschoben werden und konnte im Spätsommer wenigstens unter eingeschränkten Bedingungen stattfinden. Viele Veranstaltungen und Feste in der Schwanenstadt fielen dagegen, wie andernorts auch, gleich ganz der Krise zum Opfer. Zwar konnte zu Jahresbeginn die Fasnacht gerade noch über die Bühne gebracht werden, be-

Martin Schick ist neuer Pfarrer der Seelsorgeeinheit Zell. Foto: Archiv vor sich der Lockdown über das wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Leben senkte, doch nach unsicheren, nicht gerade veranstaltungsfreudigen Sommermonaten wurde schnell klar, dass das soziale Leben im letzten Jahresdrittel wieder zäh und trübe vonstatten ge-

hen würde. Die Fasnachtsgesellschaft Zell blies deswegen den traditionellen „Ölfte Ölfte“ ab und begnügte sich mit einer virtuellen Mottopräsentation. Ein Hürus wurde erst gar nicht ausgewählt und gekürt, muss man doch davon auszugehen, dass die Fasnachtskampagne 2020/21 mit dem gewohnten ausgelassenen Treiben kaum etwas zu tun haben wird. Ein paar Lichtblicke im Jahreslauf sollen dennoch nicht unterschlagen werden. So zog das Tourismusbüro in ein neues, größeres Domizil in der Kirchstraße um, und die Constanze-Mozart-Bibliothek folgte auf dem Fuß. Die im Jahr 2012 initiierte Sammlung verschiedenster Werke über die Familie Mozart wurde im Sommer außerdem um weitere 78 Bücher verstärkt. Freuen konnte sich auch der Verschönerungsverein Gresgen über die Erfolge der 2017 ins Leben gerufenen Aktion zur Rettung der Ammele-Kirsche. Die junge Baumgeneration der alteingesessenen Fruchtsorte trug 2020 erstmals Früchte. In einem anderen Bergdorf, nämlich in Adelsberg, wurde eine groß angelegte Baumpflanzaktion gestartet. Radfahrern dürfte es gefallen, dass der marode Radweg zwischen Atzenbach und Mambach saniert wurde. Und die noch junge Seniorenakademie konnte diesen Herbst ihr einjähriges Bestehen feiern. Im Wirtschaftsleben musste Zell dagegen Federn lassen. Schlechte Nachrichten kamen vor allem von der Firma Mahle, die ein Sparprogramm einleitete. Im Zeller Werk will das Unternehmen 70 von 460 Arbeitsplätzen abbauen. Bei der Firma Benninger führten Umstrukturierungen dazu, dass die Bereiche Automatisierungslösungen und Schaltschrankbau mit ihren rund 30 Mitarbeitern an die Firma Seger in Schopfheim übergeben wurden.

In Todtnau rumpelte es schon wieder Felssicherung | Schutzzaun in Geschwend errichtet / Felsbrocken blockiert Straße Todtnau (pele). Nicht nur mit Corona, wie die meisten anderen Gemeinden, hatte man in Todtnau im Jahr 2020 zu kämpfen, sondern auch mit der unsicheren Situation im felsigen Hangbereich. Ein besonderer Kraftakt waren die Felssicherungsarbeiten in Geschwend. Nachdem die Sofortmaßnahmen, die notwendig wurden, weil die Sicherheit der Bewohner des Ortsteils nicht mehr gewährleistet war, im Februar abgeschlossen wer-

den konnten, wurde umgehend das Anlegen eines 900 Meter langen Sicherheitszauns ins Auge gefasst. Es handelte sich um eine Großaktion, bei der in der zweiten Jahreshälfte unter anderem mit der Unterstützung von Hubschraubern zunächst der Baumbestand am Hang über Geschwend reduziert werden musste. Nicht einfach war die Situation auch für etliche Anwohner, die nach 2019 zum zweiten Mal wochenlang aus ihren Häusern aus-

Der Hang über Geschwend bereitet viele Probleme.. Im abgelaufenen Jahr musste ein Schutzzaun errichtet werden. Foto: Archiv

quartiert werden mussten, weil weitere Felssicherungsmaßnahmen anstanden. Für die Stadt bedeutet das Ganze eine große finanzielle Belastung, denn die Kosten für die Felssanierung und die Schutzmaßnahmen gehen in die Millionen. Da war es eine freudige Nachricht für die Verwaltung, als der Ausgleichsstock im Juli mitteilte, dass vom Land für den ersten Bauabschnitt der Felssicherung 1,1 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Doch nicht nur der Ortsteil Geschwend wurde im abgelaufenen Jahr mit einer kritischen Felssituation konfrontiert. Anfang Mai rumpelte es gewaltig im Ortsteil Präg, als sich ein gewaltiger, 28 Tonnen schwerer Felsbrocken aus dem Hang löste und auf die Landesstraße 149 stürzte. Da sich im Absturzbereich ein weiterer großer Brocken zu lösen drohte, musste die Straße für einige Wochen gesperrt werden. Die Sicherungsarbeiten an dem Hang erwiesen sich als schwierig, und erst Ende Juni war die

Straße wieder befahrbar. Damit nicht genug, löste sich im Dezember auch in der Kernstadt im Bereich der Freiburger Straße ein rund acht Kubikmeter schwerer Felsbrocken aus dem dortigen Hang, stürzte ab und demolierte einen Schuppen. Weil weitere Abstürze drohten, mussten zwölf Bewohner der umliegenden Häuser evakuiert werden. Auch wenn das Jahr 2020 kein einfaches war, gab es in Todtnau doch auch einige erfreuliche Ereignisse zu verzeichnen. Allen voran die lang ersehnte Eröffnung des Bürstenmuseums im September. Gewürdigt wird mit dieser Einrichtung die 250-jährige Geschichte des Bürstenmachens in der Silberbergstadt. Gleichzeitig wurde die Nessler-Ausstellung vom Kulturhausverein modernisiert. Als treibende Kraft hinter dem Bürstenmuseum gilt die frühere Vorsitzende des Vereins, Monika Schneider, die Anfang des Jahres beim Neujahrsempfang von Bürgermeister Andreas Wießner

Dieser 28 Tonnen schwere Felsblock löste sich und stürzte auf die L 149. Foto: Archiv die Bürgermedaille für ihr Engagement überreicht bekam. Fertiggestellt wurde 2020 auch der Gamspfad, der in den bekannten Wasserfallsteig integriert wurde. Auf dem drei Kilometer langen Wanderweg kann man einiges über Gämse erfahren und die kletterfreudigen Tiere beobachten. Noch nicht begonnen, aber häufig diskutiert wurde im abgelaufenen Jahr das Projekt einer Hängebrücke über die Todtnauer Wasserfälle, die ein Investor einrichten will, um ein neues touristi-

sches Highlight in der Todtnauer Bergwelt zu schaffen. Gleichzeitig ist derselbe Investor bereits fleißig dabei, auch dem seit einiger Zeit brach liegenden ehemaligen Glasbläserhof in Aftersteg neues Leben einhauchen. Schließlich hieß es 2020 für die Todtnauer auch Abschied nehmen von ihrem früheren Stadtoberhaupt und Ehrenbürger. Alt-Bürgermeister Edmund Keller, der drei Amtsperioden lang, von 1985 bis 1999, die Geschicke der Stadt gelenkt hatte, verstarb im Juli im Alter von 84 Jahren.


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Jahresrückblick 2020 – Oberes Wiesental SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Zwei neue Gesichter und ein alter Bekannter Gemeindeverwaltungsverband Schönau | In Schönau, Aitern und Fröhnd standen Bürgermeisterwahlen an n

Von Peter Schwendele

Oberes Wiesental. Auch im Gemeindeverwaltungsverband Schönau hat das Corona-Virus im abgelaufenen Jahr weite Teile des öffentlichen Lebens brutal ausgebremst. Nicht verhindert hat die Pandemie aber, dass in gleich drei Kommunen Bürgermeisterwahlen durchgeführt wurden – mit durchaus unterschiedlichen Ergebnissen: Während in Schönau Peter Schelshorn eine problemlose Wiederwahl erlebte und in Aitern Manfred Knobel erwartungsgemäß den Posten von Sigrid Böhler übernahm, gab es in Fröhnd eine faustdicke Überraschung. Denn Amtsinhaberin Tanja Steinebrunner bekam – zumindest für außenstehende Beobachter – reichlich unerwartet den geballten Unmut der Wähler zu spüren. Im ersten Wahlgang Anfang November war die Bürgermeisterin ohne offiziellen Gegenkandidaten angetreten und erhielt dennoch nur 29 Prozent der Stimmen. Auf Stefan Keller, der gar nicht auf dem Wahlzettel stand und auch keinerlei Ambitionen auf den Chefsessel im Rathaus entwickelt hatte, entfielen dagegen knapp 42 Prozent der Stimmen.

Bürgermeister-Stellvertreter Alexander Knobel (rechts) gratulierte Schönaus Rathauschef Peter Schelshorn coronagemäß zur Wiederwahl. Schelshorns Lebensgefährtin Denise Neumann freute sich mit. Fotos: Archiv Steinebrunner hielt nach der ersten Enttäuschung ihre Bewerbung auch für den zweiten Wahlgang aufrecht, doch trotz der Rückendeckung durch den Gemeinderat reichte es für die 54-Jährige auch diesmal nur für 25 Prozent der Wählerstimmen. Wahlsieger wurde der Politikneuling Michael Engesser,

der selbst ein wenig über sein Ergebnis von 69 Prozent staunte. Keine Rolle spielte Roland Matzker, der ebenfalls seinen Hut in den Ring geworfen hatte (knapp drei Prozent). In Fröhnd steht demnach mit Beginn des Jahres 2021 ein Umbruch an. Deutlich weniger spektakulär verlief die Bürgermeis-

terwahl im Juli im Bergdorf Aitern, wo Amtsinhaberin Sigrid Böhler schon frühzeitig angekündigt hatte, für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen. Erleichtert nahm man in Aitern dann zur Kenntnis, dass mit Gemeinderat Manfred Knobel ein Kandidat auf den Plan trat, der nicht nur über politi-

sche Erfahrung, sondern auch über Fachwissen vor allem im landwirtschaftlichen Bereich verfügt. Bei der Wahl entfielen denn auch knapp 75 Prozent der Stimmen auf den einzigen Kandidaten. Lediglich ein Kandidat stand auch eine Woche zuvor in Schönau auf dem Wahlzettel, nämlich Amtsinhaber Peter Schelshorn, der die Bürger in den ersten acht Jahren seiner Amtszeit offenbar so überzeugt hatte, dass seine Wiederwahl ohne Schwierigkeiten über die Bühne ging. Der Bürgermeister konnte bei der Wahl am 5. Juli rund 93 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen, was als starkes Votum gewertet werden kann. Zwar gaben lediglich 46 Prozent der wahlberechtig-

Überraschend gewann Michael Engesser die Bürgermeisterwahl in Fröhnd.

Manfred Knobel lenkt jetzt die Geschicke von Aitern. ten Schönauer ihre Stimme ab, doch dürfte dies zu großen Teilen der Corona-Situation geschuldet sein, die auch für den Schönauer Urnengang deutliche Einschränkungen mit sich brachte. So waren im Vorfeld alle Wähler dazu aufgerufen worden, möglichst per Briefwahl abzustimmen, um am Wahltag selbst die Kontaktzahl so gering wie möglich zu halten. Eine Wahlparty, wie man sie sonst nach Urnengängen kennt, oder Aktionen wie das Stellen eines Bürgermeisterbaums gab es weder in Schönau noch in Aitern oder in Fröhnd. Dem üblichen Gang der Dinge machte die Corona-Pandemie auch hier einen Strich durch die Rechnung.

Deutschlands schönster Wanderweg liegt am Belchen GVV Schönau | Auszeichnung für den „Belchensteig“ / „Schönauer Urkundenschatz“ in Buchform gebracht Schönau (pele). Unzählige lieb gewonnene Veranstaltungen und Zusammenkünfte fielen im Jahreslauf der Corona-Pandemie zum Opfer. Besonders im Frühjahr und in den Wintermonaten kam das öffentliche Leben in Schönau und den kleineren Verbandsgemeinden bisweilen fast ganz zum Erliegen. Aber auch wenn die Auflistung der Absagen wesentlich länger ausfallen würde als diejenige der Geschehnisse, so gab es im Gebiet des Gemeindeverwaltungsverbands Schönau 2020 doch einige Ereignisse, auf die es sich lohnt zurückzublicken. So konnte im Januar in Schönau ein bereits 2019 begonnenes, viel Engagement erforderndes Bibelprojekt der drei Kirchengemeinden Zell, Schönau und Todtnau beendet werden: Die „Wiesentäler Evangelien-Abschrift“. Die von Hand aufgezeichneten 86 Kapitel der vier Evangelien wurden zu einem Buch zusammengefasst. Die Abschrift wurde unter anderem auch an den Landesbischof der evangelischen Kirche in Baden, Jochen Cornelius-Bundschuh, der für das Buch ein Vorwort verfasst hatte, bei dessen Besuch in Schönau im Juni übergeben. Besuch erhielt die Kirchengemeinde auch von Christine Würzberg, die – wenn alles glatt läuft – 2021 die vakante Pfarrstelle übernehmen soll. Im Dauereinsatz waren am am 10. Februar die Feuerwehren des oberen Wiesentals, weil an diesem Tag der Orkan „Sabine“ durchs Land fegte und für allerlei Schäden und gesperrte Straßen sorgte. Geschlossen blieben an dieem Tag Kindergärten und Schulen, allerdings ahnte so früh im Jahr noch niemand,

Der Belchensteig wurde zu Deutschlands schönstem Wanderweg gekürt. Fotos: Archiv

dass dieses Szenario in den kommenden Monaten noch viel tief greifender Einfluss auf das Leben vieler Menschen nehmen sollte. Unaufhaltsam hält das schnelle Internet im GVV-Gebiet Einzug. Während im Schönauer Stadtgebiet das ganze Jahr über fleißig zwecks Kabelverlegung gebuddelt und gegraben – und gleichzeitig das Wärmenetz vorangetrieben – wurde,

Viel Arbeit steckt im Buch „Schönau im Mittelalter“.

konnte im März in Wembach der neue Technikstandort für das kreisweite Glasfasernetz in Betrieb genommen werden, von dem aus Wembach selbst, Teile der Gemeinde Fröhnd und der Schönauer Ortsteil Brand versorgt werden. Im Mai fanden die entsprechenden Arbeiten in Utzenfeld ihr Ende, wo seither ebenfalls ein wichtiger Knotenpunkt für das Glasfasernetz im oberen Wiesental liegt. Und im Dezember erfolgte dann die Inbetriebnahme des Glasfasernetzes in Böllen, wozu der kleinsten selbstständigen Gemeinde Baden-Württembergs sogar Digitalisierungsminister Thomas Strobl gratulierte. In Wieden konnte man sich im Juli über einen 52 Seiten starken Wanderführer freuen, der die schönsten Seiten des Bergdorfs vorzüglich zur Geltung bringt. „Wandern und Wohlfühlen in Wieden“ lautet der Titel des von Ralf Zschache herausgegebenen Werks. Und im August wurde in Sachen Wandern im oberen Wiesental noch eins draufge-

setzt: Der Belchensteig wurde zum schönsten Wanderweg Deutschlands gekürt, und zwar von den Lesern des „Wandermagazins“. Die hievten die erst vor zwei Jahren offiziell kreierte, 14,2 Kilometer lange Strecke mit rund 22 Prozent von knapp 20 000 abgegebenen Stimmen auf Platz eins (vor der „Traumschleife Heimat“ im Hunsrück und dem „Mandelscheider Burgensteig“ in der Eifel). Bei der Kür vor dem Belchenhaus – das wenige Wochen später von den Behörden grünes Licht für lang ersehnte Sanierungsmaßnahmen erhielt – war auch der bekannte „Wandermeister“ Manuel Andrack mit dabei. Gut voran ging es in Schönau im abgelaufenen Jahr mit dem Bau der neuen Mehrzweckhalle des GVV. Im August wurde Richtfest

gefeiert, allerdings nur in einer „Light-Version“, da auch hier Corona nicht viel zuließ. Ob es bei der offiziellen Einweihung des auf neun Millionen Euro veranschlagten Projekts im neuen Jahr anders aussehen wird? Etabliert hat sich das Biosphärengebiet Schwarzwald, dessen Geschäftsstelle in absehbarer Zeit ins geplante MTB-Haus in der Innenstadt umziehen wird. Viel getan für die Einrichtung des Biosphärengebiets hat Alt-Bürgermeister Bernhard Seger, der insbesondere für diesen Einsatz im September die Staufermedaille erhielt. Diese Medaille, eine persönliche Auszeichnung des Ministerpräsidenten von BadenWürttemberg, wurde Seger zuhause in Tunau von Umweltminister Franz Untersteller übergeben. Ein Mammutprojekt fand im November seinen Abschluss, als der Förderverein Klösterle sein Werk „Schönau im Mittelalter – Ein Buch mit vielen Siegeln“ vorlegte. Über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg widmete sich eine Gruppe engagierter Bürger der Aufgabe, bis zu 600 Jahre alte Dokumente, die im Rathauskeller geschlummert hatten, aufzubereiten. Das reich bebilderte Buch kann sich sehen lassen und die Tüftler erhielten viel Lob für ihre fleißige Arbeit, die nicht nur für eingefleischte Schönauer interessant, sondern darüber hinaus auch geeignet ist, die regionale Forschung zu beflügeln.

Jürgen Stähle verstarb im Alter von 51 Jahren. Foto: Archiv

Verbandsrechner Jürgen Stähle verstorben Schönau (pele). Großer Verlust für den Gemeindeverwaltungsverband Schönau: Im Dezember starb völlig überraschend Jürgen Stähle, der Leiter des Rechnungsamts im Schönauer Rathaus, nach kurzer, schwerer Krankheit. Die Bestürzung war groß, als die Nachricht vom Tod des 51-Jährigen die Runde machte. Noch wenige Tage zuvor hatte Jürgen Stähle die Haushaltspläne des Gemeindeverwaltungsverbands und der Stadt Schönau für das Jahr 2021 weitestgehend unter Dach und Fach gebracht. „Jürgen Stähle hinterlässt eine Riesenlücke“, sagte Schönaus Bürgermeister Peter Schelshorn. Stähle hatte seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten 1986 beim Gemeindeverwaltungsverband Schönau begonnen. 1993 wurde er Leiter der Verbandskasse. Am 1. August 2019 übernahm er die Leitung des Rechnungsamts im Rathaus.


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Jahresrückblick 2020 – Regio-Kultur SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

Ein permanentes Auf und Ab

Kultur | Der Leiter des Lörracher Nellie Nashorn Patrick Dengl blickt zurück und nach vorne n

Von Patrick Dengl

Lörrach. Zurückzublicken ist an sich nicht so meins. Zu oft ärgert man sich über Dinge, die man sowieso nicht mehr ändern kann oder der Blick zurück ist geprägt von Nostalgie – und der traut man besser nicht. Denn Nostalgie ist, wie der US-amerikanische Musikjournalist und Autor Greil Marcus so schön feststellte, „die Sehnsucht nach einer idealisierten Vergangenheit, die nie existiert hat.“ (Greil Marcus, 1969: „Der Mülleimer der Geschichte“ )

Das Haus bestmöglich durch diese unruhigen Zeiten zu navigieren Was bringt also eine Rückschau? In meiner Funktion als Leiter des Nellies im besten Falle Erkenntnisse, die ich mit meinen Kollegen für die Zukunft nutzen kann, um das Haus bestmöglich durch diese unruhigen Zeiten zu navigieren. Natürlich hatte und hat die Corona-Pandemie vor allem negative Auswirkungen. Nach den erfolgreichen Jahren 2018 und 2019 wollten wir in 2020 einen weiteren Schritt nach vorne gehen. Aber nach einem tollen Start ins Jahr mit unserem ersten Lörracher Kabarett-Comedy-Wort-Festival WORTHASENOHRENART (eine Kooperation mit dem Burghof)

Patrick Dengl: „Eine für mich besonders positive Erkenntnis war, dass das Nellie auch unter schwierigen Situationen toll funktioniert.“

Der leere Veranstaltungssaal des Nellie Nashorn wurden wir – wie alle anderen Kulturveranstalter auch – komplett ausgebremst. Dann die Wiedereröffnung im Sommer. Dann wieder das Veranstaltungsverbot. Viele spannende Veranstaltungen, vor allem mit internationalen Künstlern, konnten 2020 nicht stattfinden. Ein Teil der Belegschaft musste in Kurzarbeit, ein anderer Teil hatte mehr denn je zu tun, weil permanent Veranstaltungen verschoben, Verträge neu verhandelt, Hygienekonzepte erarbeitet und Förderanträge geschrieben werden mussten. Es war ein permanentes Auf und Ab. Routinen mussten aufgegeben, scheinbar Bekanntes immer wieder neu betrachtet und anders gemacht, vieles auch neu erlernt werden. 2020 hat viel Kraft gekostet und mich und die Kollegen viel und ganz unterschiedlich gefordert. Umso schöner war es, als wir im Sommer ein Open Air Programm präsentieren konnten. Im Juli und August gab es Konzerte, Kabarett, das Kneipenquiz und das Ki-

no im Hof. Endlich konnten wir wieder Gäste begrüßen, endlich wieder das Ergebnis unserer Arbeit sehen und spüren. Das Nellie konnte wieder das sein, was es ausmacht: ein Ort der Begegnung – trotz Abstand. Und nicht nur wir freuten uns, auch bei den Besuchern und den Künstlern war die Freude riesig und die Dankbarkeit groß, dass wir Veranstaltungen ermöglichten.

Schwierige Bedingungen vom ganzen Team gemeistert Hier zeigte sich ein positiver Effekt der Corona-Pandemie. Vielen wurde bewusst, dass das gemeinsame Erleben von Kultur, das ungezwungene Beisammensein, das Erleben von Gemeinschaft keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern wertvolle Geschehnisse. Auch ein Großteil der Politik hat dies beziehungsweise die wichtige Bedeutung der Kultur für die Gesellschaft gesehen und verschiedenste Förderpro-

Fotos: Kristoff Meller gramm aufgelegt, damit die Kulturhäuser es durch die Pandemie schaffen. (Hoffen wir, dass dies auch zukünftig der Fall sein wird.) Eine für mich besonders positive Erkenntnis war, dass das Nellie auch unter schwierigen Situationen toll funktioniert. Das komplette Team war extrem flexibel, schnell und kreativ. Wir haben nicht den Kopf in den Sand gesteckt und abgewartet, sondern waren aktiv und haben versucht mit den neuen Bedingungen kreativ zu arbeiten. Das Ergebnis war das oben beschrieben Sommerprogramm aber auch das Veranstaltungskonzept „same same but different“, das ein real „analoges“ und ein digitales Live-Erlebnis kombiniert und 2021 fortgesetzt wird. Mit unseren Konzepten konnten wir auch die Förderjurys überzeugen. Außerdem gelang es uns, Gelder für Corona-bedingte Maßnahmen und die technische Ausstattung zu akquirieren und damit das Haus auf die Zukunft auszurichten. Wir haben also „das Beste“

aus der Situation gemacht. Ob das reichen wird, um auch das Jahr 2021 zu bestehen? Ich hoffe doch. Wir sind bereit und können starten, sobald wir unsere Tore wieder öffnen dürfen. Auch glaube ich, dass aufgrund der Erfahrungen mit der Corona-Pandemie beziehungsweise deren Auswirkungen auf das soziale Leben, die Bedeutung der soziokulturellen Zentren für eine funktionierende Stadtgesellschaft noch weiter zunehmen wird. Ein Ort wie das Nellie, der Gemeinschaft stiftet und Teilhabe ermöglicht, an dem nicht nur (passiv) konsumiert, sondern aktiv mitgestaltet wird, wird für sehr viele Menschen in Zukunft noch attraktiver und wichtiger sein. Ich hoffe – beziehungsweise hier bin ich Optimist – dies sieht auch die Politik so. Auf deren Unterstützung werden das Nellie und die anderen Kulturinstitutionen nämlich auch in 2021 in besonderem Maße angewiesen sein. Doch keiner weiß was kommen wird und daher halte ich mich zum Jahreswech-

sel lieber an die Gegenwart. Und von Greil Marcus, den ich am Beginn zitierte, komme ich hier zu John Lennon, der wusste: „Leben ist das, was passiert, während du fleißig dabei bist, andere Pläne zu schmieden.“ Passen Sie gut auf sich und Ihre Lieben auf. Bis bald im Nellie!

DER AUTOR

Patrick Dengl Geboren 1969 in Heidelberg, war er von 2001 bis 2013 verantwortlich für den Bereich Kommunikation im Heidelberger Kulturhaus Karlstorbahnhof und bis 2007 auch für das Festival „Enjoy Jazz“ Heidelberg/Mannheim/ Ludwigshafen. Von 2013 bis 2017 war Dengl stellvertretender Leiter im soziokulturellen Zentrum Waschhaus Potsdam. Seit Sommer ist er 2017 Geschäftsführer der Nellie Nashorn Soziokultur gGmbH. Studienabschlüsse: Magister Artium Sport- und Erziehungswissenschaften, MBA Unternehmensführung.

Burghof: Seine Zukunft ist noch ungewiss

Kultur | Trennung von Muffler ist Fakt / Was will die Stadt? n

Von Guido Neidinger

Lörrach. Die Stadt Lörrach und Burghof-Geschäftsführer Markus Muffler werden künftig getrennte Wege gehen. Dem Vernehmen nach geht es derzeit noch um die Modalitäten der Trennung. Nähere Auskünfte gibt es nicht. Unklar ist, wie es mit dem Burghof und dem Stimmen-Festival weitergeht. Auch hier gibt sich die Stadtverwaltung schmallippig. Im Oktober hieß es auf Anfrage unserer Zeitung: „Es geht weiter.“ Mehr nicht. Das ist auch jetzt noch der Stand der Dinge. Zwei Problemlagen kamen im ablaufenden Jahr beim Burghof zusammen. So wie alle anderen Kultureinrichtungen litt auch das Flaggschiff der städtischen Kultur unter der Corona-Pandemie,

bis hin zur Schließung des Hauses im Frühjahr, dann wieder der eingeschränkten Öffnung und schließlich dem erneuten Ruhen des Kulturbetriebs. Auch das Stimmen-Festival als regional und überregional herausragendes Kulturereignis fiel der Pandemie zum Opfer. Aber auch ohne diese globale Infektionsproblematik war die Atmosphäre zwischen Stadt und Burghof gestört. Diskussionen – auch öffentliche – um die Person Markus Muffler gibt es seit Jahren. Vor zwei Jahren eskalierte dann die Stimmung, als die Programmgestaltung des Stimmen-Festivals vielfach kritisiert wurde. Ein deutlicher Besuchereinbruch mit erheblich geringeren Einnahmen waren zu beklagen. Ums Geld ging es auch beim Burghof. Muffler kriti-

siert seit Jahren den Basis-Zuschuss der Stadt in Höhe von knapp 1,5 Millionen Euro als seiner Meinung nach „nicht auskömmlich“. Doch angesichts einer regelrechten Finanzkrise der Stadt Lörrach ist eine Erhöhung dieser jährlichen Finanzspritze undenkbar. Das sieht Muffler nicht ein und drohte mit rechtlichen Schritten gegen die Stadt. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Jetzt muss der Gemeinderat sich zeitnah mit der Frage beschäftigen: Was kann und will sich die Stadt Lörrach beim Burghof noch leisten? Die Antwort steht noch aus, wenngleich Oberbürgermeister Jörg Lutz davor warnt, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Doch kulturelle Ansprüche und finanzielle Wirklichkeit müssen in Einklang gebracht werden.

Wie geht es mit dem Burghof Lörrach nach der Trennung von Geschäftsführer Markus Muffler und der Corona-Pandemie weiter? Foto: Kristoff Meller


Die Oberbadische Markgräfler Tagblatt Weiler Zeitung

Jahresrückblick 2020 – Regionalsport SONDERVERÖFFENTLICHUNG · Donnerstag, 31. Dezember 2020 · Nummer 303

„Beim Sport tendiere ich zum Übertreiben“ Mein Jahr 2020 | Roland Sigmund spielt leidenschaftlich Tennis und Fußball, fährt gerne Rad / Corona bremst Freizeitsportler aus „Acht Kilo“, sprudelt es aus Roland Sigmund heraus. „Acht Kilo mehr wegen Corona. Wenn ich vor der Glotze liege, kann ich einfach nicht anders. Da schaufel ich mir so einiges rein“, nimmt es der 52-Jährige mit Humor. Zu viele Kalorien, zu wenig Sport. Die Rechnung ist genauso einfach wie unerbittlich. Sigmund gehört eigentlich zu der Kategorie von Freizeitsportlern, für die ein Tag ohne sportliche Action ein verlorener ist.

Lörrach. „Ich brauche das, sonst werde ich ungemütlich“, lässt er wissen. „Meine Frau bibbert vor dem Tag, wo ich mir das Bein breche und zum Nichtstun verdammt bin.“ Egal, ob es eine ausgiebige Tour mit dem Rennrad ist, eine Trainingseinheit mit den Jungs des FC Huttingen oder ein gepflegtes Tennismatch auf der Anlage des TC Haagen. Sigmund gibt immer Vollgas, dann packt ihn der Ehrgeiz. „Ich kann gar nicht anders. Da bin ich manchmal unerträglich. Das

weiß ich selbst.“ Für ambitionierte Breitensportler wie ihn, der sich liebend gerne verausgabt, seine Grenzen auslotet, den Wettkampf annimmt und beim Sport so richtig abschalten kann, ist der Corona-Lockdown natürlich ein Graus. Wenn die Tennishalle dicht ist, die Fußballer den Trainings- und Spielbetrieb ruhen lassen, dann ist der Huttinger genervt. Sigmund hat gegen den Lockdown, gegen das Zurückfahren der Kontakte, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, ganz generell nichts einzuwenden. „Doch einige Regelungen sind nicht nachvollziehbar, gerade rund um den Tennissport gab es einiges an Irrungen und Wirrungen.“ In der Halle in Lörrach durfte nicht mehr gespielt werden, in Bad Säckingen oder Müllheim jedoch schon. Als auch dort dann dicht war, ging es in Pratteln weiter. Nun rollt auch da der Ball nicht mehr. „Die Tennishallen sind zu, Skifahren dagegen erlaubt. „Die Leute stehen vor dem Lift in einer 250 Meter Schlange dicht an dicht, wie in einer Ölsardinenbüchse. Beim Tennis spielt man sich in 25 Meter Entfernung den Ball zu. Da komme ich mir wirklich veräppelt vor.“ Solche Verbote und Regelungen müssten sich einfach die

Ein Hoch auf das Tischtennis in unserer Sportlandschaft. Der ESV Weil hat es geschafft, was eigentlich alle Besserwisser für unmöglich gehalten haben. Die erste Damen-Mannschaft ist in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Ohne den Namen Spiess wäre dieses veritable Sportwunder jedoch ein Traum geblieben. Serge und Doris Spiess machten es möglich. Nun tummeln sich Nationalspielerinnen in der heimischen Sporthalle der Leopoldschule. Und Weil am Rhein ist auf der nationalen Tischtennis-Landkarte eine große Nummer. Im Rathaus scheint dieser sportliche Quantensprung aber noch nicht so recht bemerkt worden zu sein.

Ein kluger Schulterschluss in Sachen Gesundheit: Da waren sich die Vereine aus dem Ringerbezirk einig. Aufgrund der Corona-Pandemie hatten sie früh die Zeichen der Zeit erkannt, Vernunft walten lassen und Nägel mit Köpfen gemacht. Auf eine Saison, egal in welcher Klasse, wollten sie sich bei all den Unwägbarkeiten, Fragezeichen und Gefahren nicht einlassen. Zu Recht. Andere Vereine, die trotz Corona mit aller Macht versuchten, einen leistungsstarken Kader zusammenzustellen und wieder nur die eigenen Interessen verfolgten, wurden mit dem Abbruch der Ligarunde bestraft. Die Meister der Vernunft kommen aus dem Bezirk.

Uli Nodler (nod)

Mirko Bähr (mib)

Die Corona-Pandemie hat den Sport fest im Griff. Während der Lockerungen im Sommer setzten auch die heimischen Sportvereine bei ihren Meisterschaftsspielen die vom Land auferlegten Hygiene-Verordnungen überwiegend seriös um. Gesittet ging es auch auf den Rängen beispielsweise bei Handball- und Basketballspielen, erschreckend und skandalös aber auf den Fußballplätzen in unserem Bezirk zu. Die Zuschauer aller Altersstufen scherten sich einen Dreck um die Anweisungen der Vereine in Sachen Abstands- und Hygiene-Regeln. Das ist in Zeiten einer Pandemie, die Leben fordert, völlig indiskutabel.

Kein gutes Bild abgegeben hat der FC Basel. Die „Bebbi“, lange Zeit vom Erfolg verwöhnt und ohne Scharmützel bis in die Champions League emporgestiegen, sind ein Schatten ihrer selbst. Dabei geht es nicht um die ausbleibenden Erfolge, hat man sich doch zum Ziel gesetzt, mehr auf junge, eigene Talente zu setzen, sondern um das Auftreten nach außen. Die Kommunikation ist das Manko. Egal, ob es um die Position des Trainers oder des Sportchefs ging, um den Gehaltsverzicht oder die finanzielle Situation des Vereins. Es herrschte Chaos. Burgener & Co. verstanden es nicht, die Anhänger mit auf die Reise zu nehmen.

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Von Mirko Bähr

ckel bekommst.“ 15 Jahre ist es her, als der IT-Fachmann aktiver wurde. „Ich habe 105 Kilo auf die Waage gebracht“, erinnert

sich Sigmund. Von Mal zu Mal wurde es intensiver. „Wenn ich was mache, tendiere ich immer zum Übertreiben“, lacht er. Ein Nach-

bar schleppte ihn mit zum FC Huttingen, wo er in der Dritten mitkickt. „Ich nehme das etwas ernster, da geht es nicht nur ums Bier danach“, sagt er. „Aber auch.“ Der gesellschaftliche Aspekt ist es ja auch, den er beim Sport so liebt. Sei es das Zusammensein nach einem Sieg oder die Unterhaltungen während eines Tennisturniers. „Man kennt sich, trifft immer wieder aufeinander. Der gemütliche Teil ist immer ein Höhepunkt. Das alles ist in diesem Jahr ausgefallen“, weiß er. Leider. Trotz aller Hygiene -und Abstandsregeln, die überall eingehalten wurden. Da gehe es in der Betriebskantine enger zu. Dieser Abstand sei beim Fußball nicht möglich. „Da gehen beim Eckball fünf, sechs Leute zum Kopfball hoch, es gibt Zweikämpfe, das wäre in der derzeitigen Situation sehr fahrlässig.“ Auf sich allein gestellt ist Sigmund, wenn er sich auf sein Rennrad schwingt. Mit dem Velo geht es schon einmal bis Rumänien oder auf Rügen. „Das mache ich im Urlaub. Da schalte ich ab. Zwei Wochen lang ist der Weg das Ziel.“ Wohin die nächste Reise geht? „Sizilien!“, antwortet Sigmund wie aus der Pistole geschossen. Wegen Corona muss er noch die Füße still halten. Das fällt ihm schwer.

Nach 34 Jahren feierten die Basketballer des TV Weil im Frühjahr die Rückkehr in die Oberliga. Das Team von Spielertrainer André Grethler eilte von Beginn an von Sieg zu Sieg. Nur zweimal mussten sich die Weiler in der Landesliga geschlagen geben. Die Grenzstädter waren mit ihrer individuellen Qualität schlicht zu gut für diese Spielklasse. Neun Jahre spielte der TVW ununterbrochen in der Landesliga, davor waren die Weiler sogar für ein Jahr in die Kreisliga abgerutscht. In der Oberliga läuft es allerdings noch nicht wie erhofft. Die Schützlinge von Coach Mika Matthes haben bisher alle vier Spiele verloren.

Sabine Spitz als Vorbild sowie Begeisterung und Ehrgeiz als Antrieb: Das sind die besten Voraussetzungen für Erfolg. Die 17-jährige Mountainbikerin Finja Lipp hat in diesem Jahr – trotz Corona – die Erfolgsspur erwischt. 2019 bereits Schülermeisterin in der Disziplin Cross Country, holte sie diesmal bei der DM in der U19 Bronze. Auch international ließ die junge Kaderfahrerin aufhorchen. Die Starterin der SG Rheinfelden belegte Rang zwölf bei der WM in Leogang sowie Platz 15 bei der EM in Monte Tamaro. Dazu kam ein siebter Platz beim Weltcup in Nove Mesto. Für 2021 steht neben dem Sport auch das Abitur im Fokus.

Die stillen Helden: Nach seiner aktiven Laufbahn als Gewichtheber startete Günter Hupfer beim KSV 02 Lörrach eine neue Karriere als Jugendtrainer. Mit Geduld und Hingabe brachte er von Steffi Zeiher und Marco Lösle über Simone von Ow und Dennis Schuster bis Tabea Tabel und Moritz Huber Dutzenden von jungen Sportlern das Hantel-ABC bei. Zudem begleitete er die jungen Sportler stets als Betreuer und wirkte bei Events des Vereins in vielen Funktionen mit. Stille Helfer wie er sind für jeden Verein ein Gewinn und notwendig, um die vielfältigen und wichtigen Aufgaben gerade im Nachwuchsbereich zu bewältigen.

Fabian Schreiner (fas)

Gerd Lustig (lu)

Gerhard W. Vögtler (gwv)

Deutlich hinter den Erwartungen blieb Fußball-Bezirksligist Bosporus FC Friedlingen. Wenn die vergangene Saison nicht durch Corona abgebrochen worden wäre, wäre es vermutlich mit dem Klassenerhalt ganz eng geworden. Die Mannschaft von Riza Bilici, der seit dieser Saison wieder als Sportchef fungiert, sammelte in 17 Spielen nur 17 Punkte. Damit belegte Bosporus Rang 13. Auch in dieser Saison läuft es nicht nach Plan. Bosporus ist Tabellenletzter und das einzige Team der Liga, das noch nicht gewonnen hat – und das, obwohl die Aytac-Elf individuell gut besetzt ist. Doch das alleine reicht in der Bezirksliga noch lange nicht.

Schon oft nur knapp dem Abstieg entronnen, in der vergangenen Spielzeit sogar nur wegen des Saisonabbruchs, steht Landesligist FSV Rheinfelden erneut am Tabellenende. Vorgenommen haben sich die Verantwortlichen erneut viel. Doch der neue Trainer schmiss hin, bevor die Saison überhaupt begonnen hatte. Der Grund: einige Stammspieler hatten den Verein verlassen. Christian Jäger übernahm kurzfristig und bislang ohne Fortune. Auch Sportchef Dieter Maier hörte auf (berufsbedingt). Lauter könnte die Bezirksliga nicht rufen. Ausgerechnet jetzt, wo der FSV an seiner neuen Heimstätte in Warmbach baut …

Das waren noch Zeiten: Von Bamlach bis Waldshut-Tiengen fanden pro Saison ein Dutzend Radrennen statt. Die Pedaleure strampelten und die Fans an der Strecke jubelten. Nico Denz und Thomas Fleischer wurden Profis, Clemens Grobert und Marcel Weber Bundesligacracks und viele andere Radrennfahrer, ob im Querfeldein oder auf der Bahn, brachte der Bezirk hervor. Und nun? Überall Fehlanzeige. Bis auf den kleinen Lichtblick in der Löwenstadt, wo der RSV Rheinfelden noch das Kriterium ausrichtet. Es rollen hierzulande keine Rennräder mehr. Sagt mir, wo die Fahrer sind, wo sind sie geblieben?

Sich aufs Rad schwingen, gegen das runde Leder zu treten oder beim Tennis die gelbe Filzkugel zu malträtieren: Roland Sigmund braucht die sportliche Betätigung. Foto: zVg

Waage halten. „Einfach ist es für die Entscheider nicht. Ich weiß ja, dass du, was auch immer du entscheidest, mächtig einen auf den De-

Beifall & Pfiffe

Das Jahr 2020 Objektivität ist bei uns in der Regionalsport-Redaktion ein hohes Gut. Aber: Auch wir sind nur Menschen und nehmen sportliche Ereignisse unserer Region natürlich subjektiv wahr. Im Jahr 2020 haben wir über eine Vielzahl positiver Momente berichtet, die uns begeisterten und den Arbeitsalltag versüßten. Aber es gab auch Negatives, das uns missfiel und auch Kopfschütteln auslöste. In unserem Jahresrückblick nennen wir unter der Rubrik „Beifall & Pfiffe“ die Dinge beim Namen, die uns gefreut oder auch geärgert haben. Ihre Sportredaktion Uli Nodler Mirko Bähr Fabian Schreiner Gerd Lustig Gerhard Werner Vögtler

Jahresrückblick 2020  

Jahresrückblick 2020