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Die Sonderbeilage im Überblick

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3. Vorsorge- und Bankvollmachten Anteil der Menschen mit Vorsorgevollmacht Angaben für Deutschland, in Prozent

1. Testament Bisherige und künftige Erben in Deutschland Angaben in Prozent

Menschen mit Vollmacht

Es gibt derzeit 2,5 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland.

26 %

weder noch haben bereits eine Erbschaft gemacht

30 % 48

3

Geldvermögen privater Haushalte in Deutschland in Milliarden Euro

Empfänger des Erbes Angaben in Prozent

102 Mio. Girokonten

5072 Mrd. €

78 %

Kinder 43

Ehepartner

617 davon Spareinlagen

33

Enkelkinder Gem. Organisationen

68 %

57,5 Mio. davon Onlinekonten

sowohl als auch

Geschwister

32

ohne Vollmacht

Bankvollmacht Anzahl der Sparkonten in Deutschland, in Millionen

erwarten eine Erbschaft

18

74

Im Familienkreis über das Thema gesprochen haben

Für sich selbst geregelt

8

Quellen: Statistisches Landesamt, Forsa-Studie, Deutsche Bundesbank

6 Quelle: IfD Allensbach 2015

2. Sorgerechts- und Patientenverfügung So viele Kinder und Jugendliche werden in Deutschland jährlich zu ... Halbwaisen

60 000

4. Unterlagen ordnen In Deutschland gibt es allein 428 Millionen Versicherungsverträge – also im Schnitt fast 6 Policen pro Haushalt. Gut, wenn man zu Lebzeiten bei seinen wichtigen Dokumenten Ordnung schafft, damit es die Hinterbliebenen einmal leichter haben, den Nachlass zu regeln.

Vollwaisen 1000

5. Digitaler Nachlass

Interesse an Patientenverfügung in Deutschland Gestaffelt nach Altersgruppen, Angaben in Prozent 98 96 93 90 %

Alle drei Minuten stirbt in Deutschland ein Facebook- Nutzer. Oftmals bleiben etwa E-Mail-Konten unentdeckt. Dabei ist es nicht schwer, das digitale Erbe zu regeln – und zu schützen.

unter 45 Jahre 45–59 60–69 70 und älter 50 28

32

37

6. Im Todesfall

42 32

15 4 kenne die habe bereits eine plane eine Möglichkeit der Patientenverfügung Patientenverfügung Patientenverfügung verfasst

Schock, Traurigkeit, Leere – ein Trauerfall wirft manche Hinterbliebene emotional aus der Bahn. Das Problem: Jeder Trauerfall ist auch mit vielen Formalitäten verbunden. Wir klären darüber auf, was alles sofort angegangen werden muss – und was das Bestattungsinstitut übernimmt.

Quelle: Forsa-Umfrage Foto: © A_Bruno/Fotolia.com


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Wegweiser in schwieriger Materie Wenn man alles rund um Vorsorge und Testament rechtzeitig organisiert hat, lebt es sich wesentlich leichter

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Testament

Streit ums Erbe ist in Deutschland keine Seltenheit. 28 Prozent der Deutschen haben bereits einen Kampf ums Erbe erlebt. Dabei ist der Streit vermeidbar. Wir zeigen zu Beginn der Sonderbeilage auf, wo die Stolperfallen liegen, wie die gesetzliche Erbfolge aussieht oder wie sich das Vermögen auf die gesetzlichen Erben aufteilt. Und wir räumen mit den größten Irrtümern auf: Zum Beispiel mit dem Irrglaube, dass dem Ehegatten nach dem Tod des anderen automatisch alles gehört. Wir informieren zudem darüber, wie detailliert der letzte Wille formuliert werden sollte. Wer all diese Fakten kennt, kann sich unnötigen Streit unter den Erben ersparen. Und geerbt wird viel. Auf Deutschland rollt eine gewaltige Erbschaftswelle

zu. Mehrere Billionen Euro werden in den nächsten Jahren den Besitzer wechseln. Und das bedeutet auch enormes Konfliktpotenzial.

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Sorgerechts- und Patientenverfügung

Auf Angehörigen liegt eine schwere Last, wenn eine pflegebedürftige Person nicht mehr selber ihren Willen äußern kann und unklar ist, wie die medizinische Behandlung aussehen soll. Hier hilft eine sogenannte Patientenverfügung weiter. Im zweiten Teil geht es um dieses Thema. Und fundierte Information tun not: Neun von zehn Deutschen besitzen keine wirksame Patientenverfügung, obwohl diese eigentlich zu den wichtigsten medizinischen Vorsorgemaßnahmen gehört. Das ergab eine aktuelle, repräsentative Studie. 65 Prozent

gaben an, nie eine Patientenverfügung erstellt zu haben. Von den übrigen Befragten hatten sich drei von vier auf wirkungslose Vorlagen verlassen, beispielsweise von Ämtern oder Notaren. Wir klären auch darüber auf, welche Brisanz in der jüngsten Entscheidung des Bundesgerichtshofes in dieser Frage steckt. Außerdem informieren wir über die sogenannte Sorgerechtsverfügung, die die Vormundschaft für die Kinder klar regelt, falls die Eltern sterben.

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Vorsorgevollmacht und Bankvollmacht

Die Verwaltung des Nachlasses, Kosten für die Bestattung oder laufende Rechnungen – wenn ein Mensch stirbt, sind viele finanzielle Dinge zu regeln. Damit das reibungslos funktioniert, benötigen die Hinterbliebenen eine Vollmacht für das Konto. Eine allgemeine Vorsorgevollmacht reicht dafür oft nicht aus. Im dritten Teil unserer Publikation liefern wir alle Hintergründe zu diesem Thema. Was viele nicht wissen: Auch wenn das rechtlich nicht vorgeschrieben ist, verlangen die meisten Banken für Geldgeschäfte eine gesonderte Bankvollmacht – oft auch als Konto- oder Depotvollmacht bezeichnet. Darin kann genau festgelegt werden, was der Bevollmächtigte tun kann und was nicht – etwa Wertpapiere kaufen, Geld abheben oder Rechnungen begleichen.

Foto: © aletia2011/Fotolia.com

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estament, Vorsorge, Todesfall: Unsere Sonderbeilage »Alles geregelt« klärt die wichtigsten Fragen in dieser schwierigen Materie und gibt mit vielen Fakten Antworten und konkrete Tipps.


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Besonderes Testament: Schon vor dem Tod sollten Internetnutzer festlegen, wer sich um Accounts bei Facebook und Co. kümmert. Foto: A. Warnecke

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Unterlagen ordnen

Schock, Traurigkeit, Leere – ein Trauerfall wirft manche Hinterbliebene emotional erst einmal aus der Bahn. Das Problem: Jeder Trauerfall ist auch mit vielen Formalitäten verbunden. Wir zeigen, wie man zu Lebzeiten die Dokumente so ordnet, damit die Hinterbliebenen an den bürokratischen Hürden nicht verzweifeln. Dabei sollte man auch an sein geliebtes Haustier denken – schließlich lebt in fast jedem zweiten deutschen Haushalt ein vierbeiniger Freund, der beim Tod seines Frauchens oder Herrchens mitleidet. Wir informieren, wie man für seinen Hund oder seine Katze rechtzeitig vorsorgen kann – bis hin zu einer Betreuungsvollmacht. Im Testament kann man sogar festlegen, wie intensiv sich die Erben um die Tiere zu kümmern haben. Tun sie’s nicht, gehen sie beim Erbe leer aus.

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Digitales Erbe

Vom Facebook-Profil bis zu den Urlaubsfotos in der Cloud: Wer stirbt, hinterlässt mittlerweile auch im Netz viele Spuren. Dieser digitale Nachlass

kann Hinterbliebenen zusätzliche Sorgen bereiten. Wir erklären ausführlich, wie Internetnutzer für den Ernstfall vorsorgen und ihre Angehörigen entlasten können. Experten raten zum Beispiel, schon zu Lebzeiten eine Vertrauensperson zu benennen, die sich nach dem Tod um die Rechte und Pflichten aus Verträgen mit Providern und Internetdiensten kümmert. Ebenso sollte man schriftlich festhalten, was mit den eigenen Daten nach dem Ableben geschehen soll. Wir beschäftigten uns auch mit der Frage, was man von Nachlassdienstleistern zu halten hat, ob man ein digitales Testament braucht oder was Angehörige tun können, wenn sie keine Zugangsdaten haben. Wie dringend digitaler Nachlass geregelt gehört, zeigt die Tatsache, dass die kostenpflichtigen Dienste auch nach dem Ableben des Nutzers unverändert weiterlaufen. Und: Für diese angefallenen Gebühren muss nach dem Tod der Erbe aufkommen, solange der Vertrag nicht gekündigt wird. Gut also, wenn man das digitale Erbe rechtzeitig regelt.

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Im Todesfall

Damit Angehörige sich in der Trauerphase wenig um Organisatorisches und

Finanzielles kümmern müssen, sollte man sich rechtzeitig um die eigene Bestattung Gedanken machen. Über dieses Thema, das man gerne verdrängt, aber jeden irgendwann betrifft, informieren wir zum Schluss unserer Sonderbeilage. So sollte man seine Bestattungswünsche vorab am besten schon schriftlich fixieren. Möglich ist das etwa mit einem Bestattungsvorsorgevertrag, der mit einem Bestattungsunternehmen abgeschlossen werden kann. Die Vereinbarung regelt Art und Details der Beerdigung und ist für die Erben bindend. In Deutschland besteht eine Bestattungspflicht. Deshalb sollte man auch den Kostenpunkt durchdenken und entsprechend vorsorgen. Denn sonst müssen Angehörige alle Kosten, die im Zusammenhang mit einer Bestattung anfallen, übernehmen. Die Höhe der Summe kann stark variieren und ist auch von den eigenen individuellen Wünschen abhängig – eine Waldbestattung gibt’s bereits ab 300 Euro, kann aber auch ohne Weiteres bis zu 6000 Euro kosten. Liturgie – ja oder nein? Kreuz oder Grabstein? Wir klären darüber auf, wer welche Entscheidungen treffen kann und welche Rolle dabei der Wille des Toten spielt. von Roland Buckenmaier

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Der letzte Wille mit Stolperfallen 1. Testament: Beim Vererben kann man viel falsch machen / Die fünf häufigsten Irrtümer und was der Fachmann rät

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er seinen Nachlass regeln will, tut gut daran, nicht allein auf das Gesetz zu vertrauen. Ohne ein korrektes Testament ist Streit unter Erben oft programmiert. Richtig Vererben: Diese fünf Punkte sollte man auf jeden Fall beachten. Eine Familie mit vier erwachsenen Kindern, der Vater stirbt – und schon geht der Streit los. Um das Geld, das Haus, den Wandschrank und die Golduhr. Denn der Vater hat darauf vertraut, dass das Gesetz das Nötige regelt – und kein Testament hinterlassen. Solche Fälle sind nicht selten. Und selbst mit einem Testament gibt es viele Stolperfallen. Die fünf häufigsten Irrtümer:

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Nach dem Tod des Ehegatten erbt der andere automatisch alles

»Der gröbste Irrtum ist der, dass dem Ehegatten nach dem Tod des anderen automatisch alles gehört«, sagt Stephanie Herzog aus Würselen, Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwaltverein. Viele denken, die Kinder würden erst nach dem Tod des zweiten Partners erben. Dabei bedeute die Rangfolge laut Gesetz, dass Kinder automatisch bedacht werden. »Fehlt ein Testament oder ein Erbvertrag, dann erben die Kinder die Hälfte des Nachlasses«, sagt Herzog. Ehe- oder Lebenspartner hätten – so sie keinen Ehevertrag haben – Anrecht auf die Hälfte. Michael Sittig von der Stiftung Warentest in Berlin rät Partnern, die den je-

weils anderen zunächst als Alleinerben einsetzen wollen, zu einem sogenannten Berliner Testament. Hiermit können sie festlegen, dass die Kinder erst nach dem Tod des zweiten Partners erben. Doch auch hier gibt es eine Stolperfalle, sagt Herzog: »Ein Berliner Testament können nur beide Partner gemeinsam ändern. Nach dem Tod des einen kann der andere nichts mehr umschreiben.«

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Ich kann meine Kinder enterben

Das ist falsch. »Enterben bedeutet, man hat die Person als gesetzlich Erbberechtigten ausgeschlossen«, erklärt Sittig. Allerdings haben Kinder einen Anspruch auf einen bestimmten Anteil des Geldvermögens. »Dieser Pflichtteil ist den Kindern in aller Regel nicht zu nehmen«, sagt Sittig. Die Erfahrung zeige auch, dass gerade Nachkommen, die sich mit ihren Eltern zerstritten haben, vehement diesen Pflichtteil einfordern, ohne Rücksicht auf Miterben.

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Ich verteile im Testament die Wertgegenstände an bestimmte Personen und vermeide damit Streit

»Das ist ein Anfängerfehler«, sagt Sittig. Nicht selten denken Erblasser, wenn sie möglichst detailliert ihren Besitz bestimmten Personen vermachen, sei alles geregelt. Sie vergessen aber häufig, einen Erben zu benennen. »Der Erblasser muss einen Rechtsnachfolger bestimmen«, sagt Sittig. Das seien nicht automatisch diejenigen, denen etwas vermacht wird.

»In der ersten Stufe sollte in einem Testament der Erbe oder eine Erbengemeinschaft benannt werden. In einer zweiten Stufe kann ich dann meinen Nachlass verteilen«, rät Sittig. Der Experte empfiehlt grundsätzlich, sich von einem Fachanwalt beraten zu lassen. Herzog gibt ein weiteres Problem zu bedenken: »Das Gesetz sieht nur Quoten als Erbteile vor, keine Gegenstände.« Im Streitfall müsse also geklärt werden, wie viel ein einzelner Gegenstand wert ist, und geschaut werden, ob ein finanzieller Ausgleich zwischen den Erben herzustellen ist, damit die laut Gesetz vorgesehenen Erben zumindest ihren Pflichtteil erhalten. Möglicherweise sei der Gegenstand inzwischen sogar nicht mehr vorhanden, was dann neue Probleme hervorruft.

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Ehegatten und eingetragene Lebenspartner sowie Kinder und Enkel haben zwar noch großzügige Freibeträge, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler in Berlin. Die Partner könnten bis zu 500 000 Euro erben, ohne Erbschaftssteuer zahlen zu müssen, Kinder bis zu 400 000 Euro und Enkel bis zu 200 000 Euro. Auch gebe es darüber hinaus Freibeträge für Gegenstände wie den Hausrat. Aber Geschwister, Nichten, Neffen und andere könnten nur 20 000 Euro steuerfrei erben. »Man sollte die steuerlichen Konsequenzen von Erbe und Vermächtnis bedenken«, rät Klocke daher. Eine Alternative könne sein, den Begünstigten zu Lebzeiten in Etappen Geld zukommen zu lassen. »Für Nichten und Neffen gilt beispielsweise, dass sie über einen Zeitraum von zehn Jahren 20 000 Euro erhalten dürfen.« Bedenken sollten Erblasser auch steuerliche Konsequenzen, falls sie etwa einem lieben Freund ein wertvolles Gemälde aus dem eigenen Wohnzimmer vermachen wollen. Je nach Wert des Gemäldes müsse der Begünstigte ebenfalls Steuern dafür zahlen.

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Wenn der letzte Wille nicht bis ins Detail formuliert wurde, ist Streit in der Familie programmiert. Foto: May

Ich vermache meinem Neffen eine hohe Summe – dadurch wird er reich

Wenn ich nicht erben will, muss ich einfach nichts tun

Das ist falsch. »Es gibt immer noch den verbreiteten Irrtum, dass ich mich einfach nicht melden muss, und dann bin ich nicht Erbe«, sagt Herzog. Die gesetzliche Erbfolge sei festgelegt. »Wer ein Erbe ausschlagen will, muss dieses innerhalb von sechs Wochen tun, entweder beim Nachlassgericht oder bei einem Notar.« Die Frist beginne zu dem Zeitpunkt, an dem der Erbe vom Todesfall und der Tatsache, dass er Erbe ist, erfährt. von Sandra Ketterer


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Wenn sich Kinder spinnefeind sind Erbrecht: In Familien artet der Nachlass oft zum komplizierten Streitfall aus

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nnemarie S. (Name von der Redaktion geändert) zermartert sich seit Wochen den Kopf. Statt ihren Lebensabend zu genießen, taucht immer wieder ein Gedanke auf: Da sind diese zwei wunderschönen Immobilien, und »da sind zwei Kinder, die sich spinnefeind sind«... Und es gibt Eigentumsverhältnisse, die komplizierter nicht sein könnten. Die Mittsiebzigerin weiß sich keinen Rat mehr und sucht einen Anwalt auf. »Es gibt da die schriftlichen Verfügungen meines verstorbenen Mannes, die mich zur Erbin gemacht haben«, erzählt sie. Zum einen hinterlässt ihr Ehepartner eine Eigentumswohnung in guter Wohnlage. Zudem vermacht er seiner Frau die Hälfte eines Einfamilienhauses, die anderen beiden Hälften sollten den beiden gemeinsamen Kindern je zu einer Hälfte zugedacht werden, soweit sein letzter Wille. »Doch mir graut es davor, was wohl sein wird, wenn ich nicht mehr da bin und das letzte und einzige Bindeglied zwischen meinen Kindern dann fehlen würde. Denn: »Ich befürchtete ein Hauen und Stechen unter den beiden.« Sie und ihre Tochter waren sich einig: »Da müssen wir etwas machen.«

Was, wenn es einiges zu vererben gibt und die Kinder sich spinnefeind sind? Foto: © JPC-PROD/ Fotolia.com

Keine klaren Verhältnisse Für Gerhard Ruby, ein erfahrener Anwalt im Südwesten, ist das Aufsetzen von Testamenten und Testamentsvollstreckungen fast tagtägliches Geschäft. Etwa 30 Prozent seiner Akten machen Testamente aus und damit summieren sich diese Schriftsätze auf im Jahr etwa 300 Dokumente. Das Hauptproblem, das Ruby in diesem komplizierten Fall und in der Verfügung des verstorbenen Mannes von Annemarie S. sieht: »Die (zerstrittenen) Kinder bekamen eine Immobilie gemeinsam vererbt, die sie auch noch gemeinsam nutzen.«

Zank programmiert Man muss kein erfahrener Advokat sein, um hier einen großen Zank vorauszusehen. Auf der einen Seite stand das Eigentum, auf der anderen die beiden Kinder, die »ich doch gleich behandeln möchte«, formuliert seine Mandantin die für sie schier unlösbaren Probleme. Juristischer Knackpunkt: Es gibt kein Testament, das für klare Erbverhältnisse gesorgt hätte. Dieser Fall ist auch für Ruby eine harte Nuss, wenn Mutter nebst Kindern ein gemeinsames Haus erben. »Wie soll ich denn meine beiden Streithähne auseinander bringen, die hocken doch schon im Haus«, sorgt sich Annemarie S. Und noch ein anderer Gedanke plagt sie. Wenn die zwei sich weiter streiten, dann käme es möglicherweise zu einer Zwangsversteigerung. Und mit dieser Sorge liegt sie richtig. Gerhard Ruby: »Sind sich Erben(gemeinschaften) nicht einig, dann wird das Vermögen gerne

versilbert, also zwangsversteigert, und damit das Lebenswerk der Erblasser teils zerstört. Häuser können ja schlecht geteilt werden.« Doch die besorgte Rentnerin gerät mit Gerhard Ruby an den Richtigen, der ihr zu einem rechtlich sauberen testamentarischen Konstrukt verhilft. Da ist die hochwertige Immobilie, gut 300 000 Euro wert, und eine ebenso wertvolle Eigentumswohnung. Die betagte Dame setzt nun beide Kinder für beide Immobilien ein. Die Erben werden mit Vermächtnissen beschwert. »Der mit einem Vermächtnis beschwerte ist eine Person, die ein Vermächtnislast zu tragen, zu erfüllen hat«, klärt Ruby die alte Dame auf. Praktisch bedeutet dies, dass beide Kinder jeweils dem anderen die Hälfte am Eigentum überlassen, die Tochter bekommt das Haus und der Sohn die gleichwertige Eigentumswohnung. Um sicherzugehen, dass das Erbe auch nach ihren Wünschen und damit gerecht verteilt wird, bestellt Annemarie S. ihren Anwalt auch gleich zum Testamentsvollstrecker. Denn, »um sicherzustellen, dass der letzte Wille von der Nachwelt wie gewünscht umgesetzt wird, kann der Erblasser, also der Verstorbene, einen Testamentsvollstrecker einsetzen. Tut er dies nicht, so liegt die Umsetzung des letzten Willens in den Händen der Erben,« erläutert Ruby. »In manchen Fällen würde dies zu Problemen führen, vor allem dann, wenn mehrere Erben unterschiedliche Interessen verfolgen«, so Gehard Ruby weiter.

Meistens treten Anwälte oder Steuerberater als Testamentsvollstrecker auf. »Das ist immer noch die günstigste und stressfreiere Lösung, als vor Gericht zu ziehen«, bemerkt er. Wer prozessiere, verliere auch häufig viel Geld, warnt er. So könne schnell mal ein Drittel des Vermögens »wegprozessiert« werden.

Vermögen wegprozessiert Die Witwe Annemarie S. kann beruhigt ihren Lebensabend genießen. Und auch für einen anderen Miterben, Michael K., nimmt alles ein gutes Ende, nachdem der Klassiker »Erbengemeinschaft« auch bei ihm Fahrt aufgenommen hat. Gemeinsam mit seinen drei Schwestern erbt er rund 300 000 Euro. Die vier Geschwister sind sich zwar nicht spinnenfeind, aber auch nicht gerade einig. Die Schwestern plädieren für eine in ihren Augen gerechte Aufteilung des Vermögens, also 75 000 Euro für jeden, der Bruder fordert mehr. »Immerhin pflegte ich meine kranke Mutter alleine über 20 Jahre hinweg, davon waren die letzten Jahre sehr sehr schwierig.« Michael K. nimmt sich einen Anwalt, der das Gericht überzeugen konnte, noch einen ordentlichen Ausgleich für die geleistete Pflege draufzuschlagen. Allein diese zwei Fälle zeigen, so Gerhard Ruby, dass es leichtfertig sei, kein ordentliches Testament zu verfassen. »Und wenn man schon kein Testament hat, dann sollte man wenigstens einen Testamentsvollstrecker einsetzen.« von Eva-Maria Huber


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Wer bekommt im Todesfall eines Angehörigen eigentlich was? Erbfolge: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Aufteilung des Vermögens / Gesetzgeber gibt klare Linie vor

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er Spruch »Versteht ihr euch noch, oder habt ihr schon geerbt?« kommt nicht von ungefähr. Kaum etwas sorgt in Familien für mehr Streit als das Erben. Dabei gibt es klare Regeln. Das Wichtigste in Fragen und Antworten: Was heißt gesetzliche Erbfolge? Sie heißt so, weil sie im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) verankert ist, und sie greift, wenn jemand kein Testament gemacht hat. Für diesen Fall regelt das BGB, wer Anspruch auf das Erbe hat und wie der Nachlass aufgeteilt wird. Darüber hinaus steht in Paragraf 1922, dass mehrere

gesetzliche Erben eine Erbengemeinschaft bilden und die Erben neben dem Vermögen auch die Schulden des Verstorbenen übernehmen müssen. Wer profitiert von der gesetzlichen Erbfolge? Die nächsten Angehörigen. Das BGB gibt die Reihenfolge der Erben vor (Paragraf 1930 BGB): Zuerst sind Ehepartner, eingetragene Lebenspartner und Kinder dran. Enkel gehören ebenfalls zu den Erben erster Ordnung. Sie kommen aber erst an die Reihe, wenn ihre Eltern vor der Oma das Zeitliche gesegnet haben. Eltern eines Erblassers sind Erben zweiter Ordnung.

Sie stehen hinter Kindern und Enkeln. Bei kinderlosen Paaren erben die Eltern gemeinsam mit dem überlebenden Ehemann oder der Ehefrau. »Abkömmlinge verdrängen bis auf den Partner alle anderen«, sagt die Anwältin Susanne Reinhardt aus Wiesbaden. Wie teilt sich das Vermögen auf die gesetzlichen Erben auf? Der Anteil am Nachlass hängt beim Eheund Lebenspartner vom Güterstand ab und davon, ob Kinder da sind. Holger Siebert von der Deutschen Gesellschaft für Erbrechtskunde (DGE) macht am Beispiel einer Familie mit zwei Kindern und einem Nachlass im Wert von 100 000 Euro deutlich, wie gerechnet wird: In der Zugewinngemeinschaft steht dem Partner nach der gesetzlichen Erbfolge ein Viertel des Nachlasses zu. Ein weiteres Viertel bekommt er für die Zugewinngemeinschaft hinzu. Macht zusammen also 50 000 Euro. Den Kindern steht gemeinsam die andere Hälfte zu. Sie müssen untereinander teilen. Jeder erhält 25 000 Euro. Bei Gütertrennung erben der Partner und die beiden Kinder jeweils zu gleichen Teilen. Im Beispiel würde jeder ein Drittel des Vermögens erhalten, von drei Kindern an aufwärts bekommt der Elternteil ein Viertel. Was ist der Pflichtteil? Der Pflichtteil kommt bei einem Testament ins Spiel. Und zwar dann, wenn dessen Schreiber jemanden nicht bedacht hat, der laut gesetzlicher Erbfolge etwas vom Kuchen hätte abbekommen müssen. Oder wenn er ihn mit weniger abgespeist hat als gesetzlich vorgesehen. Wem steht der Pflichtteil zu und wie wird er geltend gemacht? Pflichtteilsberechtigt sind nur der Ehepartner, die Abkömmlinge und die Eltern. Die Eltern aber nur, wenn keine Abkömmlinge da sind, sagt Klaus Michael Groll vom Deutschen Forum für Erbrecht. Berechtigte erfahren meist über das Nachlassgericht, dass sie zum Kreis der potenziellen Erben gehören. Wie hoch ist der Pflichtteil? Er entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Einem enterbten Ehepartner und zwei Kindern in einer Zugewinngemeinschaft stünde also ein Viertel des Erbes als Pflichtteil zu. Das ist bei einem Vermögen von 100 000 Euro ein Betrag von 25 000 Euro. Diese Summe müssten die alleinerbenden Kinder an die Mutter oder den Vater ausbezahlen.

Wer erbt wie viel vom Vermögen? Das Gesetz gibt die Reihenfolge der Erben klar vor. Foto: Marc Müller

von Monika Hillemacher


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Damit Haustiere auch nach Herrchens Tod versorgt sind Tiere: Halter sollten sich langfristig Gedanken machen und rechtzeitig mit Angehörigen sprechen

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tirbt ein Angehöriger, ist das für Verwandte und Freunde schmerzhaft. Doch was ist eigentlich mit dem Haustier des Verstorbenen? Wer sich rechtzeitig Gedanken um die Versorgung macht, kann seinem Tier vieles ersparen – denn es leidet mit. »Jedes Tier leidet an dem Verlust seiner Bezugsperson«, sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Bei Tieren, die eine enge Bindung zum Menschen aufbauen, zum Beispiel Hunde, sei dies besonders deutlich. Damit der eigene Tod für die Vierbeiner nicht schlimmer als nötig wird, können Besitzer vorsorgen. Das beginnt schon vor dem Kauf: »Man sollte daran denken, dass man sich mit 85 Jahren keinen Welpen mehr holt«, rät Jessica Juds vom Tierschutzverein Sadelkow in Mecklenburg-Vorpommern. Auch bei Arten, die lange leben, etwa Schildkröten oder große Papageienarten, ist die Planung besonders wichtig, betont Schmitz. Ein erster Schritt ist, dass die Tiere kurzfristig versorgt sind. Dazu gehört,

Futter und Wasser in den Napf zu füllen, bevor Besitzer das Haus verlassen. Außerdem ist mitunter ein Zettel in der Geldbörse sinnvoll, auf dem steht, dass zu Hause ein Tier wartet, sagt Juds. Das hilft auch, wenn man beispielsweise ins Krankenhaus muss. Auch soziale Kontakte zu den Nachbarn oder zu Bekannten auf der täglichen Gassiroute sind gut – sie denken im Notfall vielleicht an das zurückgebliebene Tier.

Vermächtnis sorgt für das Wohl des Vierbeiners Besonders wichtig ist aber, sich langfristig Gedanken zu machen, was mit dem Haustier geschehen soll. Darüber sollte man ausführlich mit Angehörigen und Freunden sprechen. »Wir haben schon Tiere bekommen, weil sie durch die Erbschaft an Familienmitglieder gegangen sind und die sie nicht nehmen konnten«, erzählt Juds. Auch wenn kein Testament existiert, landen die Tiere vielleicht im

Das Herrchen mit seinem treuen Begleiter, den man auch im Todesfall gut aufgehoben wissen will. Foto: Murat

Heim. Sie werden dann durch das zuständige Veterinäramt vermittelt. Wer das nicht will, hat mehrere Möglichkeiten. Zum einen können Besitzer in ihrem Testament festlegen, wer von den Erben das Tier bekommen soll. Damit es gut versorgt ist, macht es Sinn, das Erbe an Auflagen zu knüpfen: Dafür legt man im Testament fest, was die Erben zu tun haben, zum Beispiel Tierarztbesuche oder die Gabe bestimmter Medikamente. »Wenn die Leute das nicht machen, bekommen sie das Erbe nicht«, erklärt Stefanie Herzog, Erbrechtsexpertin beim Deutschen Anwaltverein. Eine weitere Möglichkeit ist, jemanden als Vermächtnisnehmer einzusetzen. Das ist hilfreich, wenn Besitzer ihr Tier Menschen anvertrauen wollen, die keine Erben sind. Durch das Vermächtnis wird sichergestellt, dass sie die Versorgung übernehmen und das Tier beispielsweise nicht von Angehörigen ins Tierheim gegeben wird. Auch dabei ist es möglich, das Vermächtnis an Auflagen zu binden. Wer sein Tier auch finanziell gut versorgt wissen will, kann ein Zweckvermächtnis aufsetzen und einen Betrag festlegen, der an Ausgaben für das Tier gebunden ist. Rechtsanwältin Herzog rät, in Testament oder Vermächtnis immer auch Ersatzpersonen anzugeben. Schließlich könne es vorkommen, dass die Umstände sich ändern und die eigentlichen Erben das Tier nicht nehmen können. Egal, wie sie sich entscheiden – Besitzer sollten mit den jeweiligen Bekannten oder Verwandten vorher genau besprechen, was mit dem Haustier geschehen soll. Denn niemand ist gezwungen, ein Erbe anzutreten. Um die Zeit bis zur Testamentsverkündung zu überbrücken, können Tierhalter außerdem eine Betreuungsvollmacht ausstellen. Darin wird festgelegt, wer sich um die Versorgung des Haustieres kümmert, wenn man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist. Herzog empfiehlt, das Dokument nicht bei den Testamentsunterlagen aufzubewahren, sondern dem Bevollmächtigten direkt zu geben. Eine Liste mit Besonderheiten oder dem Charakter des Tieres hilft zukünftigen Betreuern ebenfalls. Und was, wenn sich niemand findet, der für die Betreuung aufkommen kann oder will? »Hunde und Katzen können auch an den Tierschutzverein gehen«, sagt Schmitz. Generell ist es aber besser, den Vierbeinern möglichst wenige Veränderungen zuzumuten, egal ob Meerschwein, Schildkröte oder Esel. Denn nicht nur der Verlust der Bezugsperson, auch ein Ortswechsel und neue Artgenossen bedeuten Stress für ein Tier. von Julia Ruhnau


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Schicksal schlägt unterschiedlich zu 2. Sorgerechtsverfügung: Plötzlich ohne Eltern / Taufpate ist nicht automatisch Vormund / Welche Rechte Waisen haben

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in Gedanke, den man am liebsten verdrängen würde: Ein Kind ohne Eltern. Das zerreißt fast jedes Herz. Auch wenn es selten ist, dass gleich beide Eltern sterben, gibt es solche Fälle. Aber welche Rechte haben Waisen? Wer übernimmt Verantwortung? Das Schicksal schlägt ganz unterschiedlich zu: Ob beim Autounfall, beim Brand, aufgrund eines Verbrechens oder einer Krankheit – einige Eltern sterben gleichzeitig, andere kurz nacheinander. In solchen Fällen stehen die Kinder plötzlich alleine da. Klappt alles, bleibt das nicht lange so. »Sobald der Tod der Eltern registriert wird, schaltet sich in der Regel das Jugendamt ein«, erklärt Piotr Malachowski vom Bundesjustizministerium (BMJV). Und zwar mit einer Soforthilfe. Denn ein Kind darf in Deutschland nicht alleine in einer Wohnung bleiben. Hier sprechen die Experten von einer Kindeswohlgefährdung. Also werden Verwandte aufgesucht, bei denen die Waisen für den Übergang erst einmal leben können. Allerdings gibt es immer wieder Fälle, wo dies nicht möglich ist. Das Jugendamt hat dafür meist Einrichtungen, die rund um die Uhr helfen. »Die Kindernotaufnahme oder die Jugendschutzstellen springen dann ein«, erklärt Dieter Verst, Leiter des Jugendamtes Wuppertal. »Für Babys gibt es die Bereitschaftspflege.« Dabei handelt es sich nicht um eine Dauerlösung.

Besonders Großeltern haben es vor Gericht schwer Das Gesetz unterscheidet in Deutschland zwischen Minderjährigkeit und Volljährigkeit. Viele Rechte kann ein Kind oder Jugendlicher vor dem achtzehnten Lebensjahr nicht ausüben. Ob Waise oder nicht, hier macht das Gesetz für Minderjährige keine Ausnahmen. »Das zeigt, wie wichtig eine geregelte Vormundschaft ist«, sagt Kirsten Michaelsen, Anwältin für Familienrecht. Diese Vormundschaft wird vom Familiengericht ermittelt. Liegt eine Sorgerechtsverfügung der Eltern vor, die einen Vormund bestimmt, ist die Person meistens eindeutig. Dies können die Eltern etwa in einem Testament bestimmen. In allen anderen Fällen muss die Gesamtsituation geprüft werden. »Laut Bürgerlichem Gesetzbuch wird der Vormund unter anderem aufgrund der persönlichen Bindung, der Vermögenslage und der Religion bestimmt«, sagt Malachowski vom BMJV. Was sich theoretisch anhört, wird in der Praxis mit Befragungen der Waisen, der Familie und Bekannten bestimmt. Im Notfall muss das Gericht auch Gutachten

Plötzlich ohne Eltern: Eine Sorgerechtsverfügung schafft klare Verhältnisse für die hinterbliebenen Kinder. Foto: Gabbert anfertigen. Wichtige Fragen hierbei: Wie ist das Umfeld des Kindes? Wer steht ihm nah? Wo ist der Waise gut aufgehoben? Und wie alt ist das Kind? Ein allgemeiner Irrglauben ist, dass automatisch die Taufpaten eine Vormundschaft übernehmen. »Eine Vormundschaft geht nicht automatisch über«, sagt Michaelsen, »oft weiß das Familiengericht nichts von einer Patenschaft, wenn keine Taufurkunde vorliegt.« Auch andere Familienmitglieder werden nicht ohne weiteres als Vormund eingesetzt. Besonders Großeltern haben es vor Gericht schwer, weiß die Anwältin: »Diese sind oft zu alt.« Und wenn es gar keinen gibt, der den Waisen aufnehmen kann? Heißt das im Umkehrschluss, das neue Zuhause wird das Heim sein? »Ein Kind darf in Deutschland nicht ohne Vormund leben. Die Vormundschaft würde dann das Jugendamt übernehmen«, sagt Verst vom Jugendamt Wuppertal. Bis zu 50 Kinder darf ein Vormund rechtlich betreuen. Dies heißt nicht, dass die Kinder auch bei ihm leben. »Das Leben unter einem Dach und die Vormundschaft fallen in der Realität oft auseinander. Doch auch der Amtsvormund muss Kontakt zu dem Waisen halten«, sagt Michaelsen. In solchen Fällen würden die Waisen in Wohngruppen, Heimen, in Internaten oder Pflegefami-

lien untergebracht. Eine Adoption kommt meistens nur bei sehr jungen Kindern in Frage. Es scheint so, als würden nur Behörden, Gerichte und Anwälte über das weitere Leben des Waisen entscheiden. Aber auch die Kinder haben ein Mitspracherecht. Sie werden in einem geschützten Raum von dem Familiengericht angehört. Der Wunsch des Kindes wird dann bei der Suche nach dem Vormund beachtet.

Jugendliche können vorgeschlagene Person auch ablehnen Zwar spielt bei den Aussagen oft das Alter eine Rolle, aber bei Minderjährigen gibt es Grenzen bei der Selbstbestimmung. »Auch ein 17-Jähriger darf nicht einfach alleine über seinen Vormund entscheiden«, sagt Malachowski vom BMJV. Allerdings dürfen Jugendliche ab 14 Jahren die vorgeschlagene Person ablehnen. Auch im Laufe der Zeit kann der Vormund vom Familiengericht geändert werden – immer dann, wenn ein fahrlässiges Verhalten vorliegt. Hier hat das Wohl des Kindes Vorrang. von Nora Wanzke


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Sich mit dem Gedanken an eine schwere Krankheit oder an den eigenen Tod zu beschäftigen, ist nicht leicht. Aber wenn es erst einmal angegangen ist, nimmt es vielen Menschen die Angst vor der Zukunft. Foto: Trinler

Im Vorsorge-Dschungel ist der Weg zu einem Fachanwalt ratsam Patientenverfügung: Immer mehr Menschen beschäftigen sich intensiv mit dem schwierigen Thema

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uf Angehörigen liegt eine schwere Last, wenn eine pflegebedürftige Person nicht mehr selber ihren Willen äußern kann und unklar ist, wie viel medizinische Behandlung sie gewollt hätte. Immer mehr Menschen entscheiden sich daher für eine Patientenverfügung. Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht Klaus Krebs, Fachanwalt für Erbrecht in der Grenzstadt Weil am Rhein, über die Ängste seiner Mandanten und warum das Thema gerade in aller Munde ist. Was für Menschen suchen aufgrund und einer Patientenverfügung Ihre Kanzlei auf? Meistens sind dies Menschen, die gerade eine eigene Familie gegründet haben und sich allgemein mit dem Thema Nachfolgeplanung auseinandersetzen. Beim Thema Ehe, Familie und Testament kommt unweigerlich der Blick in die eigene Zukunft und auf die Fragestellung: Was ist, wenn ich einmal garnicht mehr in der Lage sein sollte, selber entscheiden zu können? Welche Ängste haben ihre Mandanten? Die meisten quält die Vorstellung, nur noch durch Maschinen am Leben gehalten zu werden. Dies wird aber sicherlich auch durch die Medien gefördert, die sich die krassen Fälle herauspicken. Gerade

der jüngste Beschluss des Bundesgerichtshofes, durch den viele bestehende Patientenverfügungen teilweise ungültig werden, hat für Aufsehen gesorgt. Ich würde schon sagen, dass die Patientenverfügung gerade ein absolutes »In-Thema« ist, über das viel gesprochen wird. Überfordert das Thema nicht die meisten Leute? Diese Erfahrung habe ich nicht gemacht.

Im Gepräch mit

Klaus Krebs, Rechtsanwalt in Weil am Rhein

Das liegt aber auch daran, dass die Menschen, die zu mir kommen, sich meist bereits mit dem Thema beschäftigt haben. Es kommt hinzu, dass wir in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt die Dinge detailliert besprechen, so zum Beispiel auch, ob die Angst reell ist, dass bei Zustimmung zu einer Organentnahme bei einem sich abzeichnenden Hirntod die Gefahr besteht, dass Ärzte einen früher sterben lassen, um eine andere Person mit den Organen retten zu können. Ich muss schon sagen, dass sich meine Mandanten zum Teil sehr intensive Gedanken machen, wie kürzlich ein Ehepaar, mit dem ich sogar über die Interpunktion ihrer Patientenverfügung diskutiert habe. Wie reagieren die Menschen, nachdem die Patientenverfügung ausgefüllt und schlussendlich unterschrieben ist? Die meisten sind froh, dass es erledigt ist und dass sie das Thema, das sie vielleicht schon eine Weile vor sich hergeschoben haben, angegangen sind. Viele sind auch angenehm überrascht, dass es gar nicht so schlimm war, wie sie es sich vorgestellt haben. In einem Punkt sind sich alle einig, nämlich dass die Patientenverfügung hoffentlich nicht zum Einsatz kommen muss. n

Die Fragen stellte Sarah Trinler


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Ein Pfleger hilft einem älteren Herrn aus dem Bett. Was aber, wenn sich der Patient nicht mehr selbst äußern kann, was mit ihm geschehen soll? Jeder dritte Mensch in Deutschland hat hierfür eine Patientenverfügung. Foto: © Kzenon/Fotolia.com

Schwammig formulierte Schriftstücke belasten Angehörige Patientenverfügung: Eine Gerichtsentscheidung zeigt: Gewissheit über das eigene Schicksal kann trügerisch sein

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ür viele Menschen dürfte die Vorstellung schwer erträglich sein, einmal selbst in so eine Situation zu kommen: Eine Frau setzt sich mit Krankheit und Sterben auseinander. Mit mehreren Patientenverfügungen und Vollmachten trifft sie Vorsorge für den Fall, dass sie dann nicht mehr selbst entscheiden kann, was mit ihr geschieht. Aber als sie nach einem Hirnschlag im Heim liegt und nicht mehr sprechen kann, ist das alles nichts wert. Die Formulierungen sind zu unklar. Im Streit, ob die Mutter nun sterben will oder nicht, zerbricht die Familie. Die Töchter bekämpfen sich vor Gericht. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in dem Fall zumindest einige Fragen geklärt (Az. XII ZB 61/16). Für Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz ist die Entscheidung ein »Weckruf«: »Millionen Menschen müssen dringend überprüfen, ob ihre Patientenverfügungen womöglich vor Allgemeinplätzen nur so wimmeln«, sagt Brysch. Was genau ist eine Patientenverfügung? Seit 2009 sieht das Gesetz die Möglichkeit vor, im Vorhinein schriftlich festzulegen, ob und wie man in bestimmten Situationen vom Arzt behandelt werden möchte. Um die Auslegung zu erleichtern, können

in der Patientenverfügung auch persönliche Hinweise stehen, zum Beispiel zu den eigenen Wertvorstellungen oder zu religiösen Fragen. Der Arzt ist daran gebunden. Wer möchte, kann die Durchsetzung einer Person übertragen, der er vertraut. Das alles ist freiwillig. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz geht davon aus, dass inzwischen jeder dritte Mensch in Deutschland eine Patientenverfügung hat. Wann gibt es Probleme? Immer dann, wenn die Patientenverfügung im Ernstfall keine eindeutigen Antworten gibt. Die Stiftung warnt beispielsweise vor Formulierungen wie »Wenn keine Aussicht mehr auf ein sinnvolles Leben besteht ...«, »... will ich nicht an Schläuchen hängen« oder »... soll man mich in Ruhe sterben lasse«. In dem Fall, der dem BGH vorlag, hatte die Frau etwa hinterlassen, dass bei einem schweren Gehirnschaden durch Krankheit oder Unfall »lebensverlängernde Maßnahmen unterbleiben« sollen. Die Töchter streiten darum, ob das bedeutet, dass die Ernährung über eine Magensonde einzustellen ist. Was passiert in solchen Zweifelsfällen? Dem BGH ist die Formulierung »lebensverlängernde Maßnahmen« nicht konkret genug. Nach Auffassung der Karlsruher

Richter lässt sich daraus weder eine bestimmte Behandlung ableiten noch der Wunsch zu sterben. In solchen Situationen wird herauszufinden versucht, was der Patient wohl »mutmaßlich« gewollt hätte. Das Landgericht im baden-württembergischen Mosbach, das anstelle der bevollmächtigten Tochter eine der Schwestern als Betreuerin eingesetzt hatte, muss also den Fall noch einmal prüfen. Möglicherweise hat die Mutter in der Vergangenheit Dinge gesagt, aus denen sich etwas ableiten lässt. »Je genauer ich meine Patientenverfügung formuliert habe, desto weniger stürze ich meine Angehörigen in Gewissenskonflikte«, sagt Patientenschützer Brysch. In Beratungsgesprächen macht er die Erfahrung, dass viele Menschen überfordert sind und sich lieber nicht so ausführlich mit Krankheit und Tod auseinandersetzen. Brysch empfiehlt, in jedem Fall mit dem Hausarzt zu sprechen und professionelle Hilfe zu suchen, wie sie zum Beispiel auch die jeweiligen Verbraucherverbände anbieten. Keinesfalls sollten sich Verbraucher einen Vordruck aus dem Internet ziehen, warnt der Patientenschützer. »Eine Patientenverfügung ist so individuell wie ein Liebesbrief.« von Anja Semmelroch


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Die Fischers überlassen nichts dem Zufall Sorgerechtsverfügung: Wenn Eltern etwas zustoßen sollte: Eine Familie aus Efringen-Kirchen will alles geregelt wissen

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er sorgt für das eigene Kind, wenn man es selbst nicht mehr kann? Eine Familie aus Efringen-Kirchen (Kreis Lörrach) will in dieser Frage nichts dem Zufall überlassen.Der Traum vom Eigenheim ist verwirklicht, die beiden Kinder gehen bald in den Kindergarten und Angelika Fischer (Name von der Redaktion geändert) aus Efringen-Kirchen ist glücklich, mit ihrem Mann Stefan eine eigene kleine Familie gegründet zu haben. Doch wie viele Menschen in diesem Lebensabschnitt denkt Angelika Fischer plötzlich verstärkt über die eigene Zukunft nach: »Was passiert mit unseren Kindern, wenn wir sterben sollten, so lange sie noch minderjährig sind?« – Fragen wie diese kursieren seit Tagen durch Angelika Fischers Kopf. Auch wenn es ihr unangenehm ist, über den eigenen Tod nachzudenken, möchte sie die Sache geregelt haben und hat einen Termin bei Klaus Krebs, Fachanwalt für Erbrecht in der Kanzlei Seidler und Kollegen in Weil am Rhein, vereinbart.

»In diesem Fall gibt es kein Richtig oder Falsch« »Wie Familie Fischer kommen die meisten Leute wegen der Nachlassfrage zu mir, wenn sie eine eigene Familie gegründet haben – dann ist das plötzlich ein Thema«, sagt Klaus Krebs. Wer sicherstellen möchte, dass die eigenen Kinder für den Fall, dass sie zum Beispiel durch einen tödlichen Autounfall der Eltern Vollwaisen geworden sind, in gute Hände kommen, muss dies mittels einer Sorgerechtsverfügung festlegen. Ein weit verbreiteter Irrtum: Das Sorgerecht für minderjährige Vollwaisen geht nicht automatisch auf nahe Verwandte wie Geschwister oder Großeltern über und schon gar nicht auf die Taufpaten. Angelika und Stefan Fischer sind auf dem Weg zur Kanzlei. Sie sind aufgeregt, da das Thema sehr komplex ist und viele Fragen mit sich bringt. Sie haben sich im Vorfeld etwas »schlau gemacht«, mit befreundeten Elternpaaren gesprochen – ohne Anwalt wären sie aber schlichtweg überfordert. »Lieber holen wir uns jetzt kompetente Unterstützung, als dass wir uns im Paragrafen-Dschungel irgendwann verirren«, sagt Stefan Fischer. »Das Sorgerecht für unsere Kinder würde meine Schwester und als Ersatzperson Stefans Cousine übernehmen. Ihnen soll dann auch die Vermögenssorge zugesprochen werden«, sagt Angelika Fischer zu Klaus Krebs. Dieser ist erstaunt,

Eine Mutter und ihre Töchter haben Spaß beim Schaukeln. Doch was geschieht, wenn man sich durch einen Unfall oder einer Erkrankung nicht mehr um seine Kinder kümmern kann? Foto: Schulze wie gut die Fischers schon in dem Thema drin sind. Doch haben sie sich auch schon über die verschiedenen Varianten der Vermögensauszahlung Gedanken gemacht? So kann zum Beispiel von den Eltern festgelegt werden, dass das vorhandene Vermögen nicht gleich in vollem Umfang an das Kind bei Eintritt der Volljährigkeit ausgezahlt wird. »Was würden Sie denn tun?«, fragt Angelika Fischer den Fachanwalt. Eine Frage, die Klaus Krebs oft gestellt bekommt. Allerdings möchte er seine Mandanten nicht zu einer Entscheidung beeinflussen, sondern vielmehr die Möglichkeiten, die es gibt, aufzeigen und gemeinsam den für sie besten Weg herausfinden. »In diesem Fall gibt es kein Richtig oder Falsch«, so Krebs. Nach längerem Abwägen der Vor- und Nachteile entscheiden sich die Fischers dazu, einen Testamentsvollstrecker einzusetzen, bis die Kinder das 26. Lebensjahr vollendet beziehungsweise eine Schule und eine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Bis dahin kann der Nachlass nur für bestimmte Zwecke, wie zum Beispiel zur Finanzierung eines Freiwilligen Sozialen Jahrs oder einer Reise, angerührt werden. »Bin ich froh, dass wir das erledigt haben«, sagt Angelika Fischer nach der Unterzeichnung zu ihrem Mann. Auch wenn die Vorstellung, dass ihre Kinder

einmal ohne sie aufwachsen müssten, dem Ehepaar einen kalten Schauer über den Rücken jagt, war der Besuch beim Anwalt einfacher und angenehmer als erwartet. »Auch wenn das Thema ernst ist, wird dennoch ab und zu ein Späßchen gemacht«, sagt Klaus Krebs. »Wenn ich tagtäglich mit unangenehmen Situationen konfrontiert werden würde, hätte ich mich, denke ich, nicht auf Erbrecht spezialisiert«. von Sarah Trinler

Familie Fischer will sicher gehen, dass – wenn ihr etwas zustoßen sollte – die Kinder in gute Hände kommen. Foto: Trinler


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Eine Vorsorgevollmacht sichert für den Ernstfall ein hohes Maß an Selbstbestimmung. Foto: © Photographee.eu/Fotolia.com

Wer organisiert im Notfall das Nötige? 3. Vorsorgevollmacht: Für den Bedarfsfall sollte man rechtzeitig die Entscheidungen treffen / Fachexpertin gibt wichtige Tipps

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an verdrängt es gerne, aber jeder kann durch Unfall, Krankheit oder im Alter in die Lage kommen, dass er wichtige Angelegenheiten nicht mehr eigenständig regeln kann. Was geschieht, wenn ich auf die Hilfe anderer angewiesen bin? Trotz der weitverbreiteten Vorstellung ist nicht automatisch der nächste Angehörige bevollmächtigt – so gibt es beispielsweise unter Eheleuten kein gesetzliches Vertretungsrecht. Daher ist es ratsam, sich frühzeitig mit folgenden Fragen auseinanderzusetzen: Wer verwaltet mein Vermögen, wenn ich es nicht mehr kann? Wer organisiert im Notfall die Unterbringung im Pflegeheim? Wie man all diese Themen mit Hilfe einer Vorsorgevollmacht regeln kann, erklärt Katharina Bernlochner, Fachexpertin für ambulante Versorgung bei der Siemens-Betriebskrankenkasse. Was ist eine Vorsorgevollmacht? Es gibt zwei Möglichkeiten der Vollmacht: Die transmortale Vollmacht greift bereits zu Lebzeiten des Vollmachtgebers, während die postmortale Vollmacht erst nach dem Tod wirksam wird. Die Vollmacht zur Vorsorge er-

möglicht dem Betroffenen für den Fall einer später eintretenden Geschäftsunfähigkeit oder Hilfsbedürftigkeit, wie etwa durch Demenz, ein hohes Maß an Selbstbestimmung. »Der Vollmachtgeber kann eine oder mehrere Personen bestimmen, die im Bedarfsfall bereit sind, für ihn zu handeln und Entscheidungen zu treffen«, erklärt Bernlochner. Zudem legt der Vollmachtgeber die Bedingungen fest, unter denen die Vollmacht wirksam werden soll. So kann deren Gültigkeit beispielsweise an das Vorliegen einer ärztlich dokumentierten Geschäftsunfähigkeit geknüpft sein. Wie wird eine Vorsorgevollmacht eigentlich korrekt aufgesetzt? Die Vorsorgevollmacht ist an keine feste Form gebunden, sie sollte aber in Schriftform angefertigt, nach Möglichkeit alle zwei Jahre aktualisiert und erneut unterschrieben werden. Zwingend erforderlich sind die Nennung des Bevollmächtigten und die eigenhändige Unterschrift des Vollmachtgebers. »Voraussetzung ist, dass der Vollmachtgeber zum Zeitpunkt der Erstellung geschäftsfähig ist. Sollte daran gezweifelt werden,

kann ein ärztliches Attest eingeholt oder ein Notar zu Rate gezogen werden«, erklärt die SBK-Expertin. In der Vollmacht können Wünsche festgehalten werden, die die Pflegebedürftigkeit betreffen, aber auch Angelegenheiten der Vermögensverwaltung, Aufenthaltsoder Wohnangelegenheiten. »Der Bevollmächtigte kann etwa über die Durchführung von Untersuchungen, Heilbehandlungen oder Operationen und über die Aufnahme im Krankenhaus oder Pflegeheim entscheiden«, so Bernlochner. Im Gegensatz zu einem Testament, kann eine Vorsorgevollmacht nicht beim Amtsgericht hinterlegt werden. Die Vollmacht kann dem Bevollmächtigten übergeben werden oder an einem Ort aufbewahrt werden, der ihm mitgeteilt wird. Was umfasst die Vorsorgevollmacht nicht? Bestimmte Entscheidungen können trotz einer Bevollmächtigung nur durch das Betreuungsgericht getroffen werden. So beispielsweise die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie, freiheitsentziehende Maßnahmen wie die Anwendung von Bauchgurten oder der Einsatz von Bettgittern.


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Bei Finanzgeschäften kann es für den Vertrauten schwierig werden Bankvollmacht: Vielen Geldinstituten reicht eine Vorsorgevollmacht nicht aus / Sie verlangen ein eigenes Dokument

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ft passiert es plötzlich: Eben noch war die eigene Mutter trotz ihres hohen Alters in der ganzen Welt unterwegs, dann wird sie unerwartet ein Pflegefall. Oder der Familienvater hat auf dem Rückweg von der Arbeit einen Unfall und liegt schwer verletzt und nicht mehr ansprechbar im Krankenhaus. Zu Hause aber geht das Leben weiter. Im Briefkasten landet eine Rechnung nach der anderen, die möglichst schnell bezahlt werden wollen. Gut, wenn es für solche Fälle eine Vorsorgevollmacht gibt, in der festgelegt ist, wer für den Vollmachtgeber im Notfall Entscheidungen trifft und für ihn Geschäfte führen kann. Wenn es ums Geld geht, kann das aber zu einem Problem werden. Denn viele Geldinstitute akzeptieren Vorsorgevollmachten nicht. »Diese Dokumente sind oft zu allgemein und unspezifisch«, sagt Julia Topar vom Bundesverband deutscher Banken zur Begründung. »Schließlich geht es hier um das Geld der Kunden.« Verbraucher sollten das mit ihrer Bank klären. »Die meisten Geldinstitute haben eigene Formulare, die der Kunde ausfüllen kann«, erläutert Topar. »Am besten ist es, Sie nehmen den Bevollmächtigten mit in die Filiale. Denn dann haben die Mitarbeiter die Person zumindest schon einmal gesehen.« Möglich ist eine Vollmacht auch bei Direktbanken. »Hier wird häufig das Post-ident-Verfahren angeboten.«

Um Missbrauch zu vermeiden, kann man Befugnis beschränken Der Vollmachtgeber sollte sich genau überlegen, welche Rechte er der Vertrauensperson überträgt. Eine unbeschränkte Kontovollmacht gibt auch uneingeschränkten Zugriff auf das Konto, erklärt die Stiftung Warentest. Das kann durchaus einen Vorteil haben, denn der Bevollmächtigte ist dann flexibel. Der Nachteil: Er kann möglicherweise auch den Dispokredit voll ausschöpfen. Um Missbrauch zu vermeiden, kann die Bankvollmacht daher beschränkt werden –- es darf etwa nur bis zu einer bestimmten Summe Geld abgehoben werden. Eine andere Möglichkeit ist, zusätzlich einen Kontobevollmächtigten zu benennen, etwa einen Anwalt. Dieser wacht darüber, dass der eigentliche Bevollmächtigte im Sinne des Vollmachtgebers handelt. Festgelegt werden kann, dass es für bestimmte Aufgaben der Zustimmung des Kontobevollmächtigten bedarf. Sollte der

Eine unbeschränkte Kontovollmacht gibt auch uneingeschränkten Zugriff auf das Konto. Foto: Hildenbrand Bevollmächtigte nicht im Sinne des Vollmachtgebers handeln, kann der Kontobevollmächtigte die Rechte widerrufen. Allerdings darf ein Bevollmächtigter ohnehin nicht alle Arten von Finanzgeschäften durchführen. »Es können zwar Überweisungen getätigt oder auch bewilligte Kredite in Anspruch genommen werden«, erläutert Topar. »Es dürfen aber zum Beispiel keine Finanztermingeschäfte ausgeführt oder Konten aufgelöst werden.« Der Vollmachtgeber kann die Berechtigung jederzeit widerrufen oder ändern. Die Voraussetzung ist seine Geschäftsfähigkeit. Der Widerruf muss gegenüber der in dem Dokument genannten Person ausgesprochen werden. Außerdem müssen alle Originale und Ausfertigungen der Vollmachtsurkunde vom Bevollmächtigten zurückverlangt werden, damit er die Vollmacht nicht weiter verwenden kann.

Häufig verlangen Geldinstitute einen Erbschein Ab wann soll die Vollmacht gelten? Eine Vollmacht, die zur Vertretung in Vermögensangelegenheiten befugt, sollte in keinem Fall Zweifel am Eintritt ihrer Wirksamkeit zulassen, heißt es in einer Broschüre des Bundesjustizministeriums.

Formulierungen wie »Für den Fall, dass ich selbst einmal nicht mehr handeln kann, soll an meiner Stelle ...« seien eher ungeeignet. Damit bliebe nämlich unklar, ob diese Voraussetzung wirklich eingetreten ist. Nicht ratsam ist es nach Ministeriumsangaben auch, die Gültigkeit der Vollmacht etwa von ärztlichen Zeugnissen über den Gesundheitszustand abhängig zu machen. »Dies würde wiederum Fragen aufwerfen, zum Beispiel wie aktuell diese Bescheinigungen jeweils sein müssen.« Geklärt werden sollte auch, wie lange eine Vollmacht gilt. Hat der Vollmachtgeber keine Berechtigung über seinen Tod hinaus erteilt, sperrt die Bank in der Regel den Zugang zu sämtlichen Konten und Depots. Geht es dann an das Bezahlen der Beerdigung, müssen die Erben eingeschaltet werden, wenn sie nicht zu den Bevollmächtigten gehören. Häufig verlangen Geldinstitute einen Erbschein, bevor sie den Zugang zu den Konten erlauben. Dieses Vorgehen ist aber vom Bundesgerichtshof (BGH) 2014 infrage gestellt worden. Die Richter entschieden, dass Erben verstorbener Kunden nicht dazu gezwungen sind, dem Geldinstitut einen Erbschein vorzulegen. Ein solches Dokument sei nicht notwendig, um an ein Erbe zu kommen (Az.: XI ZR 401/12). von Falk Zielke


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»Die wenigsten haben vorgesorgt« Vorsorgevollmacht: Wolfgang Hübner hat sich für eigene Unselbstständigkeit abgesichert

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s gibt Dinge, mit denen sich vermeintlich gesunde Menschen nicht gerne auseinandersetzen. Ein Unfall, eine lebensbedrohliche Krankheit, der Tod. Doch was ist, wenn genau das eintrifft? Was, wenn mir morgen etwas zustößt und ich nicht mehr in der La-

ge bin, für mich selbst zu entscheiden? Wolfgang Hübner hat für diesen Fall vorgesorgt. Der 68-Jährige hat bereits vor längerer Zeit eine Vorsorgevollmacht ausgestellt. Sollte er seine Angelegenheiten nicht mehr selbstständig regeln können, dann sollen seine Ehefrau und seine Kin-

der unbürokratisch helfen. »Viele denken, der Ehepartner ist automatisch verantwortlich«, erklärt Hübner. In anderen Ländern wie etwa Österreich sei das zwar der Fall, in Deutschland gibt es so eine Regelung allerdings nicht. Hübner hat vergangenes Jahr gemeinsam mit Juliane Behlau und Eberhard Schwarz eine Vorsorgemappe zusammengestellt, die Unwissen beseitigen und Vorurteile aus der Welt schaffen soll. Die Mappe kann beim Stadtseniorenrat Nagold erworben werden. Darin finden sich sowohl Erläuterungen als auch Vordrucke für verschiedene Dokumente – darunter eines für die Vorsorgevollmacht. »Die ersten 100 sind bereits vergriffen. Wir mussten schon nachdrucken«, so Hübner. Darüber hinaus bietet der Stadtseniorenrat in Nagold zweimal im Jahr kostenlose Kurse zu diesem Thema an.

»Da musste ein Notar dann eine Notfall-Entscheidung treffen«

Wolfgang Hübner ist froh, dass er die Vorsorgemappe zur Hand hat. Foto: Klossek

Wie schwierig es wird, wenn eine Person ihre Angelegenheiten nicht frühzeitig geregelt hat, wurde Hübner auch immer wieder während seiner Arbeit als Heimleiter und Geschäftsführer des Gertrud-Teufel-Seniorenzentrums in Nagold bewusst. »Die wenigsten haben vorgesorgt«, erklärt er. In einem Fall hatte eine ältere Dame ihrer Nichte zwar eine Art Vollmacht ausgestellt – als Erstere allerdings operiert werden sollte, stellte sich heraus, dass die Vollmacht keine gesundheitliche Vorsorge beinhaltete. »Da musste ein Notar dann eine Notfall-Entscheidung treffen«, erinnert sich Hübner. Auch im privaten Umfeld wurde der 68-Jährige schon Zeuge solcher Probleme. Der Schwiegervater seines Sohnes wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Nach seiner Entlassung kam er in Kurzzeitpflege, zwei Tage später verstarb er. Eine Vorsorgevollmacht gab es nicht. Für Hübner ist klar: Das größte Problem besteht darin, dass sich die Menschen mit solchen Situation nicht auseinandersetzen möchten. Vor allem junge Menschen schrecken vor einer Absicherung zurück, denken, dass sich automatisch die Eltern um sie kümmern. »Sobald sie volljährig sind, ist das nicht der Fall«, stellt Hübner klar. Deshalb versucht der 68-Jährige auch in seiner Funktion als Nebenlehrer an der Berufsfachschule für Altenpflege seine Schüler aufzuklären: »Es ist wichtig zu zeigen, dass dieses Thema nicht nur etwas für alte Leute ist.« Denn vor einem Unfall oder einer Krankheit sei schließlich niemand gewappnet. von Nadine Klossek


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Es erspart ziemlich viele Laufereien – und auch Geld Bankvollmacht: Wolfgang Walz bekommt schon vor Jahren entscheidenden Hinweis / Heute hat er geregelt, was zu regeln ist

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as die Bankvollmacht anbelangt, da ist bei Wolfgang Walz schon seit vielen Jahren alles geregelt. Und er ist heute froh, dass er es getan hat. Es ist 30 Jahre her, dass der heute 73-Jährige aus NeubulachOberhaugstett (Kreis Calw) darauf aufmerksam gemacht wurde. Damals ging es um eine Bankvollmacht für seine Mutter. »Das musst Du unbedingt machen«, hatte ihm damals die Mitarbeiterin einer winzigen Bankfiliale gesagt. Walz ist für diesen Hinweis bis heute dankbar. Wie wichtig eine solche Bankvollmacht ist, haben ihm im Laufe der Jahre auch immer wieder Erfahrungen aus seiner Familie gezeigt. So zum Beispiel bei den Schwiegereltern seiner Tochter. Im Fall des Falles laufe vieles einfacher, und »es ist ganz gut, wenn man eine Vollmacht hat«, so der heutige Rentner, der Industriekaufmann bei der Firma Bott in Neubulach war. »In aller Regel reicht eine Bankvollmacht über den Tod hinaus«, sagt Peter Roller. Der Anlage- und Vermögensberater der Raiffeisenbank im Kreis Calw zählt Walz seit vielen Jahren zu seinen Kunden. Stirbt nämlich der Kontoinhaber und besteht für niemanden eine Kontrollvollmacht, kann keine Überweisung erfolgen oder Bargeld ausgezahlt werden, bis ein Erbschein oder andere zweifelsfrei die Erbschaft nachweisende Dokumente vorgelegt werden. Liegt eine Bankvollmacht vor, erspart das viele Laufereien – und auch Geld, wie der Schwabe Wolfgang Walz anmerkt. Auch mit seiner Frau und seinen Kindern hat der Oberhaugstetter

Wolfgang Walz (rechts) und sein Bankberater, Peter Roller längst alles in Sachen Bankvollmacht geregelt. Vor gut acht Jahren war Walz schwer erkrankt. »Da macht man sich natürlich mehr Gedanken«, sagt er. Und er hat sich damals entschlossen, »zu regeln, was zu regeln ist.« Seither haben zwei seiner Kinder eine Bankvollmacht. Seiner Frau hat er sie schon vor vielen Jahren erteilt. Denn auch mit Blick auf die Zukunft, so der Rentner, wisse man ja nie, wie es einem gehen wird. Hierzulande redet man nicht gerne über

Foto: Verstl

Geld, weiß Walz. Auch in vielen Familien sei das der Fall. Das führe auch dazu, dass Bankvollmachten nicht erteilt werden. Aus seiner Sicht ist das ein gravierender Fehler. Eine Bankvollmacht erteilen sollte man nicht erst im Rentenalter, rät Roller. Die Bank legt auch schon jungen Kunden nahe, eine solche Regelung zu treffen, dann nämlich, wenn sie volljährig werden und ihre Geschäfte selbst tätigen. Normalerweise wird dann den Eltern eine Vollmacht erteilt. Und noch einen Tipp hat der Bankberater parat: Man sollte sich schon genau ansehen, welcher Person man eine Bankvollmacht erteilt. Das gelte insbesondere für Alleinstehende und Kinderlose. von Alfred Verstl


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So beugt man schon zu Lebzeiten vor 4. Unterlagen ordnen: Geordnete Dokumente und eine klare Übersicht machen es Hinterbliebenen bei bürokratischen Hürden leichter

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tirbt ein geliebter Mensch, leiden Angehörige oft nicht nur unter der Trauer, sondern haben zusätzlich einen Wust an bürokratischen Verpflichtungen zu bewältigen. Wer noch zu Lebzeiten alle seine Dokumente ordnet, erleichtert es den Hinterbliebenen, die Dinge zu regeln. Ordnung ist das halbe Leben – so heißt es in einer bekannten Redensart. Aber vor allem im Todesfall offenbart sich wirklich, welche Vorteile diese noch zu Lebzeiten geschaffene Ordnung – vor allem für die hinterbliebenen Angehörigen – hat. Auto Das fängt beim Auto an. Kauf- oder Leasingverträge, Versicherungen und KfzBrief sollten im selben Ordner liegen. Geldgeschäfte Während bei Bausparverträgen, Wertpapieren und Sparbüchern nicht sofortiger Handlungsbedarf besteht, sollten Daueraufträge nach dem Ableben eines Angehörigen sofort beendet werden. Eine Übersicht aller Geldanlagen ist für die Angehörigen da eine große Erleichterung. Immobilienverträge Auch Kaufverträge, Grundbuchauszüge, Baugenehmigungen, sonstige Verträge in Bezug auf eigene Immobilien und/oder Dokumente, die Haustiere betreffen, sollten unbedingt geordnet sein. Mitgliedschaften Eine Liste aller Mitgliedschaften in Ver-

einen, Parteien oder anderen Organisationen ist nicht minder hilfreich. Krankenversicherung und Pflegeversicherung nicht vergessen. Steuern Steuerbescheide, Einkommenssteuer oder auch Kirchensteuer sollten zusammengefasst sein. Ein Überblick, welche Gebühren – zum Beispiel für Strom und Müll – anfallen, hilft Hinterbliebenen zudem bei schnellen Kündigungen. Urkunden Unter diesem Begriff sollten Geburtsurkunde, Stammbuch, Reisepass, schulische und berufliche Zeugnisse und ähnliche Dinge abgelegt sein. Versicherungen Ein Versicherungsordner ist zudem von großem Nutzen. Wenn eine solche Ablage nicht vorhanden sein sollte, helfen die Kontoauszüge des Verstorbenen, einen vollständigen Überblick über alle seine laufenden Versicherungen zu bekommen. Allerdings ist der Auszug des vergangenen Monats allein wenig aussagekräftig, denn viele Gebühren werden zu Jahresbeginn oder quartalsweise abgebucht. Deshalb der Tipp für die Hinterbliebenen: Am besten alle Auszüge der vergangenen zwölf Monate durchschauen. Für den Nachweis des Todesfalls genügt den Versicherungen in der Regel eine einfache Kopie der Sterbeurkunde. Nur die gesetzliche Rentenversicherung benötigt das Original. Um Versicherungen über einen To-

desfall zu informieren, reicht eine E-Mail. Ein handschriftlich unterschriebener Brief ist nicht notwendig. Testament Das wichtigste Dokument für die Hinterbliebenen ist das Testament, für das man einen separaten Ordner anlegen sollte. In diesen Ordner gehören auch die entsprechenden Vollmachten, also Erbvertrag, Erbschein, Generalvollmacht, Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung, Schweigepflichtbefreiung oder auch eine Liste der Personen, die im Todesfall unbedingt zu benachrichtigen sind. von Roland Buckenmaier

Trotz Trauer haben Angehörige Pflichten: Zum Beispiel sich um die Bestattung oder die Versicherungsangelegenheiten des Verstorbenen zu kümmern. Wer die wichtigsten Dokumente ordnet, macht es Angehörigen leichter. Foto: obs/DVAG


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»Angehörige sollte man nicht im Stich lassen« Unterlagen ordnen: Daniel Wochner weiß, wie wichtig es ist, Dokumente geordnet zu haben / Auch persönlich hat er vorgesorgt

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aniel Wochner holt drei gut gefüllte Aktenordner aus dem Schrank in seinem Büro. »Hier ist alles drin für den Fall der Fälle«, sagt er. Naja, nicht ganz alles. Ein paar Dokumente wie die Vorsorgevollmacht sind noch in einem Tresor. Der Horber Rechtsanwalt hat seine Unterlagen geordnet, falls ihm etwas passieren würde. Sowohl für seine Familie als auch für seine Mitarbeiter. Denn auch daran muss der Kanzleiinhaber denken. Wochner weiß durch seine Arbeit, wie wichtig es ist, Unterlagen für die Angehörigen zu ordnen. Sowohl für den Sterbefall, als auch für den Fall, dass man beispielsweise durch einen Unfall nicht mehr handlungsfähig ist. »Ich hatte mal einen Fall, da ist jemand bei einem Skiunfall so unglücklich gestürzt, dass auch das Gehirn geschädigt wurde. Der Unfall erinnert ein wenig an den von Michael Schumacher.« Für die Familie des Mannes ein schwerer Schlag und ein großer Schock. Umso quälender war es dann, dass die Unterlagen alle noch zusammengesucht werden mussten und dann einen Betreuer bestellen zu lassen. Wochner findet, dass man auch ein Stück weit in der Pflicht sei, seine Angehörigen nicht zu überfordern und ohne Ordnung faktisch im Stich zu lassen. Ab wann man damit anfangen sollte? »Ich habe damit richtig losgelegt, als ich verheiratet war«, erzählt Wochner. Spätestens, wenn Kinder da sind, sollte man dafür sorgen, dass man alle Unterlagen sammelt.

Der Rechtsanwalt rät davon ab, nur dem Internet zu vertrauen Der Rechtsanwalt unterscheidet zwischen Todes- und Pflegefall. Im Pflegefall findet er eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung sehr wichtig. Wochner rät davon ab, dort nur dem Internet zu vertrauen. Man solle sich lieber von Experten wie einem Rechtsanwalt oder Notar beraten lassen. Er selbst hat diese Unterlagen notariell gemacht. Beim Testament ist er genauso vorgegangen. Es sei wichtig, dass dokumentiert sei, wo das Testament verwahrt werde. Kopien an mehreren Orten aufzubewahren, wie manchmal geraten wird, sei nutzlos. Denn ein Testament ist eigenhändig zu schreiben und zu unterschreiben, sonst ist es ungültig. Er rät zur notariellen Hinterlegung. Falls eine Immobilie vorhanden ist, in die der Ehepartner weiter leben soll, ohne andere Erben auszahlen zu müssen, sei ein Berliner Testament mit

Daniel Wochner hat fast alle seine Dokumente in diesen drei Ordnern. Foto: Hopp Gegenseitiger Einsetzung des Ehepartners zum Alleinerben eine weitere Möglichkeit. Wochner ist sogar noch einen Schritt weitergegangen und hat einen Erbvertrag abgeschlossen. »Gut überlegen und beraten lassen«, rät Wochner bezüglich des Testaments und in schwierigen Verhältnissen auch über eine Testamentsvollstreckung nachdenken.

Es sollte einen Überblick über Konten und Sparbücher geben Auch seine Lebensversicherungen sind in seinen Ordnern sicher verwahrt. Heutzutage, findet der Rechtsanwalt, würden Kapitallebensversicherungen nur noch wenig bringen. »Aber die Lebenversicherungen, die ich damals abgeschlossen habe, haben natürlich noch ihre Berechtigungen.« Jungen Familien mit Kindern rät er aber unbedingt zu einer Risikolebensversicherung. Einen Überblick über Konten und Sparbücher sollte es auch geben. »Sonst muss man als Erbe oder Nachlassverwalter gleich mehrere Banken anschreiben, ob da etwas vorhanden ist.« Es könnte ansonsten so laufen, wie es Wochner in einem Fall beruflich selbst erlebt hat. »Da hat eine Bank zunächst die Aus-

kunft gegeben, dass kein Sparbuch vorliegt und sich dann ein Jahr später gemeldet, dass da doch was wäre.« Einen besonderen Aspekt zeigt der Rechtsanwalt mit einem Tätigkeitsschwerpunkt Erbrecht auf: Was passiert mit meiner Sammlung? Hier habe er schon in seinem Beruf die Erfahrung gemacht, dass man sich besser frühzeitig Gedanken darüber macht, von wem man sich wünscht, dass er das bekommt, der gleiche Interessen hat. Sonst wird oft diese von Angehörigen einfach veräußert. Hier bietet sich ein Vermächtnis an. Etwas, was Wochner in seinen Unterlagen nicht berücksichtigt hat, sind seine Vereinsmitgliedschaften. »Die sind ja mit dem Tod beendet.« Die Erben würden dies mit einem Blick auf die Kontoauszüge finden, so Wochner. Und hat Wochner auch festgelegt, wie seine Beerdigung aussehen soll? Nein, aber wer bestimmte Wünsche habe, solle mit einem Bestatter seiner Wahl reden und könne bereits alles festlegen. Es klingt alles ziemlich entspannt, wie Daniel Wochner mit dem Thema Tod umgeht. »Ich habe tatsächlich kein Problem mit dem Thema. Aber ich habe auch den Vorteil, dass dieses Kapitel zu meinem Beruf gehört.« Der Tod gehöre nun einmal zum Leben dazu. von Florian Ganswind

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Verstorbene leben oft im Netz weiter 5. Digitales Erbe: Wichtige Tipps, was Angehörige mit den Fotos, Likes und Posts der Verblichenen im Ernstfall tun können eigentlich nur sein Masterpasswort weitergeben. Brauche ich ein digitales Testament? Ja. Zugangsdaten allein reichen nicht aus, um dem Willen des Verstorbenen nachzukommen: Soll ein Facebook-Profil gelöscht oder nur in den Gedenkstatus versetzt werden? Ratsam ist es laut vzbv daher, für die Angehörigen auch eine Anleitung zu schreiben, was genau mit geposteten Fotos oder Accounts nach dem Tod geschehen soll. Was tun Angehörige, wenn sie keine Zugangsdaten haben? Nur die wenigsten Menschen hinterlegen bislang ihre Benutzernamen und Passwörter – und wenn, können sie im schlimmsten Fall nicht mehr aktuell sein. Deshalb ist es wichtig, die hinterlegten Zugangsdaten regelmäßig zu aktualisieren. Ansonsten müssen die Angehörigen zum Löschen des Kontos einen Nachweis über den Tod des Nutzers vorlegen – meist eine Sterbeurkunde, manchmal einen Erbschein oder eine Gerichtsverfügung, wie aus einer Erhebung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hervorgeht. Damit können Konten auch ohne gültige Zugangsdaten abgeschaltet werden. Unter Umständen finden sich die geforderten Nachweise in den AGBs. Nach dem Tod ihres Angehörigen haben es Familien oft schwer, Internetkonten abschalten zu lassen. Foto: Schulze

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in Mensch stirbt, doch seine virtuelle Identität lebt weiter – für viele ein ungutes Gefühl. Trotzdem wird das Thema verdrängt. Dabei ist es zu Lebzeiten nicht schwer, das digitale Erbe zur regeln und zu schützen – für Angehörige nach dem Tod indes sehr. Deutschland ein Facebook-Nutzer, ohne dass feststeht, was mit seinem digitalen Erbe geschieht – mit seinen Fotos, Likes und Posts. Das geht aus Zahlen des Verbraucherzentrale Bundesverbandes hervor. Nach dem Tod ihres Angehörigen haben es Familien oft schwer, Internetkonten abschalten zu lassen oder – wie etwa nach dem Germanwings-Absturz – die Verbreitung privater Bilder zu verhindern. Hier ein paar wichtige Tipps, was Angehörige im Ernstfall tun können und wie jeder schon zu Lebzeiten Vorsorge treffen kann: Wer ist nach dem Tod für meine Daten verantwortlich? Als Erben verwalten Angehörige die persönlichen Rechte eines Gestorbenen – das gilt für Schriftstücke wie für digitale Inhalte, erklärt Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur. In der Juristensprache heißt das postmortales Persönlichkeitsrecht. Darunter fallen auch das Urheberrecht oder das Recht am eigenen Bild,

Dürfen Fotos von Toten verbreitet werden? Nur mit Erlaubnis der Angehörigen, sagt Stephan Neuser, Rechtsanwalt und Geschäftsführer des Bestatterverbandes Nordrhein-Westfalen. Das gelte auch für Bilder, die nach dem Tod entstanden sind. Bei Verstößen könnten Angehörige auf Entschädigungszahlungen klagen.

Wie kommt man den Benutzerkonten auf die Spur? Ohne Zugangsdaten müssen Angehörige natürlich erst einmal darauf kommen, wo überall der Verstorbene angemeldet gewesen sein könnte. Hilfreich ist hier zu allererst der E-Mail-Account. Darüber ließen sich viele weitere Online-Konten entdecken – ebenso wie kostenpflichtige Mitgliedschaften und Abos, die man schnellstmöglich kündigen sollte. Wertvolle Hinweise könnten auch Rechner, Festplatten, USB-Sticks oder Smartphones liefern.

Für den Ernstfall vorsorgen – aber wann und wie überhaupt? In sozialen Netzwerken erschaffen sich Internetnutzer eine digitale Persönlichkeit, legen Benutzerkonten an, schließen Verträge ab. Doch die enden erst, wenn die Anbieter über den Tod des Users informiert worden sind. Allein deshalb sollte sich jeder sobald wie möglich um seinen digitalen Nachlass kümmern, rät der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Schon zu Lebzeiten sollten eine oder mehrere Vertrauenspersonen bestimmt werden. Entscheidend sei auch, für diese Personen die wichtigsten Anmeldedaten an einem sicheren Ort zu hinterlegen – sei es auf einem Zettel in einem versiegelten Umschlag oder auf einem verschlüsselten USB-Stick. Wer einen Passwort-Manager benutzt, muss

Was ist von sogenannten Nachlassdiensten zu halten? Das kommt darauf an. Dienste, die gegen Gebühr auf Basis von Namen und Anschrift bei Online-Unternehmen recherchieren, welche Konten und Verträge existieren, können Hinterbliebenen eine echte Hilfe sein, urteilt der vzbv. Unternehmen, die anbieten, den PC oder andere Geräte eines Verstorbenen zu durchforsten, sollte man dagegen meiden. Dabei können zu viele persönliche Daten weitergegeben werden. Auch von Firmen, die zu Lebzeiten Passwörter gegen Gebühr speichern, um sie im Ernstfall an Angehörige weiterzugeben, raten die Verbraucherschützer aus Datenschutz- und Sicherheitsgründen ab. von David Fischer

das bis zu zehn Jahre nach dem Tod eines Menschen noch gültig ist.


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Schon zu Lebzeiten kann man es den Angehörigen leichter machen Facebook & Co.: Digitaler Nachlass ist oft mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden – wenn man diese Ratschläge nicht befolgt

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enn ein Mensch stirbt, lebt seine digitale Identität weiter. Kümmern sich die Angehörigen nicht, bleiben Facebook-Account, Mail-Adresse oder Online-Abos aktiv. Doch die Zugänge zu kündigen, ist oft gar nicht so einfach. Das ist zum Teil mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden, vor allem bei ausländischen Anbietern. Grundsätzlich ist es wichtig, dass sich jemand der verschiedenen Accounts eines Verstorbenen annimmt. »Ich muss mich auf jeden Fall kümmern«, sagt Sabine Petri, Referentin für Datenschutz bei der Verbraucherzentrale NordrheinWestfalen. Das ist insbesondere bei kostenpflichtigen Diensten wichtig. »Die Kosten laufen unverändert weiter.« Und für diese Gebühren muss nach dem Tod der Erbe aufkommen, solange der Vertrag nicht gekündigt wird. Aber auch bei kostenlosen Diensten wie Facebook, Google oder Twitter sollte man sich darum kümmern, dass der Zugang gelöscht oder das Online-Profil weiter gepflegt wird. »Die Accounts leben nicht nur von meinem eigenen Input«, sagt Datenschutz-Expertin Petri. Auf einem Facebook-Profil beispielsweise können auch Freunde einen Post hinterlassen. Experten empfehlen, für die Erben eine Liste mit sämtlichen Zugangsdaten zu hinterlassen.

Jeder Anbieter handhabt es mit den Daten anders Einen »klassischen Zielkonflikt« gibt es dabei nach Ansicht von Anton Steiner, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht in München: »Auf der einen Seite sollen wir aus Gründen der Sicherheit ständig unsere Passwörter ändern. Auf der anderen Seite bekommt der Erbe ohne diese Passwörter keinen Zugang zu den Accounts.« Eine weitere Möglichkeit, um es den Hinterbliebenen möglichst leicht zu machen, ist das »digitale Ausmisten«, wie es Petri nennt. »Brauche ich meine 30 Accounts bei irgendwelchen Online-Händlern noch?« Bei Google gibt es in Form des sogenannten Kontoinaktivität-Managers die Möglichkeit, schon zu Lebzeiten den Zugriff von Angehörigen nach dem Tod zu regeln. Hat man sich eine bestimmte Zeit lang nicht mehr eingeloggt, werden zuvor festgelegte Menschen informiert, das Konto automatisch gelöscht oder den Angehörigen die Möglichkeit geboten, die gespeicherten Daten herunterzuladen. Was genau Google nach dem Tod

Digitales Erbe Wenn Sie persönlich digitale Daten vererben würden, welche wären die wichtigsten? Befragt wurden 2014 Personen über 18. Angaben in Prozent Zugangsdaten für... 70 %

Onlinebanking 17

E-Mail-Konten

39

9

Versicherungsportale

29

14

Blogs

22

16

eigene Internetseiten

17

Cloud Computing

11

Soziale Netzwerke

8

15 19 15

Onlineshopping 5

17

Partnerbörsen 4

18

Bewertungsportale 7

sehr wichtig wichtig

12

Dienste wie WhatsApp 7 10 Spieleplattformen 6 7 Quelle: YouGov/DEVK 2016 machen soll, muss man dabei vorher einstellen. Verfügt man als Angehöriger nicht über die Benutzerdaten, gestaltet sich die Kündigung nach Erfahrung von Fachanwalt Steiner schwierig. »Man muss sich meist durch die Websites kämpfen, bis man die Informationen findet, wie der Account gelöscht werden kann.« Besonders schwierig sei es bei ausländischen Diensten, insbesondere aus den USA, erklärt Erbrechtsexperte Steiner: »Die wollen mit dem deutschen Recht nichts zu tun haben. Da wird dann auch schon mal ein Gerichtsbeschluss

eines amerikanischen Gerichts verlangt.« Jeder Anbieter handhabt den Umgang mit den Daten Verstorbener anders. Bei den deutschen Mail-Anbietern GMX und Web.de kann man laut dem Verbraucherzentrale Bundesverband bei Vorlage des Erbscheins Zugriff auf die Postfächer bekommen und diese auch löschen. Bei dem amerikanischen Anbieter Yahoo erhält man demnach als Erbe zwar keinen Zugriff auf das Mail-Konto, kann aber bei Vorlage der Sterbeurkunde den Account löschen lassen. von Sebastian Knoppik


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Alexander Bartsch, in seinem Sorgen-Los-Koffer hat der Balinger auch sein Digitales Erbe geregelt. Foto: Rapthel-Kieser

Wenn nur das Enkelkind das Passwort kennt Digitales Erbe: Der vernetzte Mensch kommt um die Vorsorge nicht herum / Eine Softwarelösung Marke Balingen

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ch poste, also bin ich. Der moderne Mensch tummelt sich im Netz, stellt seine Urlaubsbilder da hinein, hat seine Freunde in digitalen Listen und überweist Rechnungen online. Wer für den Fall, dass er das alles selber nicht mehr tun kann, nicht vorsorgt, bewirkt unabsichtlich, dass seine Angehörigen in diesen Netzen hilflos zappeln müssen. Der 40-jährige Balinger Alexander Bartsch ist Versicherungsfachmann, Ökonom für Betreuung und Vorsorge und gerade dabei, sein Diplom als Ökonom für Vermögensnachfolge zu machen. Er kennt viele unschöne Fälle aus der beruflichen Praxis. Der Tod seines engen Freundes Eugen Hartmann (Name von der Redaktion geändert) veränderte Bartsch’ berufliche Laufbahn. Er stieg als Mitgesellschafter in die Schwäbisch Haller Firma Sorgen Los GmbH seines Freundes Thomas Schleicher ein und hat sein Büro in Balingen (Zollernalbkreis). Das Team besteht aus Experten für den organisatorischen und rechtlichen Plan B im Notfall und bietet unter anderem eine Softwarelösung für digitales Erbe an. Bei Bartsch und Schleicher gaben Todesfälle im Freundeskreis den Ausschlag. Thomas Schleichers Bekannter war 44 Jahre alt, als er tödlich mit dem Motorrad verunglückte. Schleicher sagte der Witwe spontan zu, den Nachlass zu sichten – er brauchte sechs Wochen, Vollzeit. Als Eugen Hartmann 2012 der plötzliche Herztod ereilte, war er gerade mit seiner Frau

Renate und dem Enkelkind in Urlaub in Österreich. Renate Hartmann hatte ihr Handy nicht mitgenommen, das Passwort des Handys ihres Mannes kannte sie nicht. Verwandte und Bekannte in Deutschland zu informieren wurde zum ersten Problem. »Es war reines Glück, dass Renate Hartmann irgendwann zufällig herausfand, dass das achtjährige Enkelkind den Code kannte«, berichtet Bartsch und erzählt von der monatelangen verzweifelten Odyssee der Witwe und ihrer drei Töchter durch Passwörter, Pins und Konten. Denn Eugen Hartmann hatte nicht vorgesorgt. »Wir hätten das nie gedacht, denn Eugen war so überlegt und korrekt, war in der Finanzbranche selbstständig und da lief ja fast alles digital. Und auf einmal gab es keinen, der den Überblick hatte«, erzählt Bartsch noch heute kopfschüttelnd. Den Xing-Account seines Freundes löschen zu lassen, war da noch das kleinste Problem. Er und die Familie mussten hilflos zusehen, wie Hartmanns kleine aber feine Firma innerhalb eines Jahres in die Insolvenz rutschte. Hätte Hartmann vorgesorgt, auch was die Unternehmensnachfolge betrifft, hätte die gut laufende Firma vermutlich gewinnbringend verkauft werden können. Ein Riesenverlust für die Angehörigen. Das mag zwar ein Extremfall sein, aber »digitale Verwaltung ist unerlässlich«, meint Fachmann Bartsch. Er rät jedem, sich beizeiten Gedanken darüber zu machen, wer als Betroffener beim eigenen

Todesfall zurückbleibt, wer Zugang zu online-Konten bekommen und was mit denen passieren soll. Das heißt, es sollten Listen darüber vorhanden sein, welche Online-Zugänge überhaupt bestehen, wie die Passwörter sind, und es sollte klar sein, was mit dem Facebook-Profil, den Apps, den Bildern in der Cloud oder dem Vertrag über die Musikdownloads zu geschehen hat. Da Passwörter regelmäßig geändert werden sollten, müssen auch die Listen, die den Erben und Nachlassverwaltern zugänglich gemacht werden, dementsprechend auf den neuesten Stand gebracht werden. Das kann einfacher sein als man denkt, Schleicher hat dazu eine Softwarelösung entwickelt, die Informationen sichert, Daten digitalisiert und Passwörter verwaltet. »Angehörige sind beim Tod eines Familienmitgliedes ja oft wie gelähmt. Wenn sie sich dann noch durch einen Wust von digitalen Problemen wurschteln müssen, das sollte eigentlich jeder seinen Lieben ersparen«, kommentiert Bartsch. Wie auch sein Mitgesellschafter Schleicher ist Bartsch verheiratet und hat kleine Kinder. Den Sorgenlos-Koffer, den sie ihren Kunden bei der Nachlassverwaltung und Vorsorge erstellen und der alles Digitalisierte auch noch einmal schriftlich enthält, haben beide ebenfalls zu Hause stehen. Damit es ihren Angehörigen besser ergeht als Renate Hartmann. von Erika Rapthel-Kieser


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Der Gedanke an das digitale Erbe ist bislang kaum verbreitet.Foto: Lukas Schulze

Auch bei den Betreibern sozialer Medien findet ein Umdenken statt Digitales Erbe: Der Fachmann empfiehlt konkrete Schriftstücke und Vollmachten für jedes einzelne Profil

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er Albstädter Rechtsanwalt Roland Tralmer gibt einige Hinweise zum richtigen Umgang mit dem digitalen Erbe. Herr Tralmer, als Anwalt bearbeiten Sie auch Fälle in Sachen Erbrecht. Denken die Menschen überhaupt daran, dass sie ein digitales Erbe haben? Im Bewusstsein der Menschen ist zwar, dass es wichtig ist, Vorsorge in Bezug auf Vermögensangelegenheiten oder in Form einer Patientenverfügung zu treffen, der Gedanke an das digitale Erbe ist allerdings bislang kaum verbreitet. Das beruht darauf, dass die Nutzung sozialer Medien als Alltagsangelegenheit betrachtet wird. Warum ist es wichtig, auch für seinen digitalen Nachlass Vorsorge zu treffen? Es gilt hier auch das bekannte Schlagwort »das Netz vergisst nie«. Deshalb muss sich jeder bewusst sein, dass er digitale Spuren nach seinem Ableben hinterlässt, mit denen umgegangen werden muss. Den wenigsten Menschen wird es gleichgültig sein, wie ihre Reputation in sozialen Medien weiter besteht. Das betrifft zwei Aspekte: Zum einen geht es darum, was in der Vergangenheit in entsprechenden elektronischen Medien von dem Verstorbenen selbst hinterlegt worden ist oder von Dritten über ihn gepostet wurde. Das können positive Dinge sein, selbstverständlich – solche Fälle hatte ich bereits – aber auch abträgliche oder mitunter pein-

liche Einlassungen und Fotos. Welche Probleme tun sich dabei auf? Es wird dann für die Angehörigen schwierig, kurzfristig auf die jeweiligen Betreiber der Online-Plattformen Einfluss zu nehmen oder selbstständig solche missbräuchlichen Vorgehensweisen einzudämmen. Die Schnelligkeit der digitalen Medien ist dabei ein zusätzliches Problem. Bei aller gebotenen Vorsicht beim Verwahren von Zugriffscodes und Passwörtern sollte stets eine Möglichkeit geschaffen werden, Personen des Vertrauens den Zugriff zu ermöglichen. Und es emp-

Im Gespräch mit

Roland Tralmer, Rechtsanwalt in Albstadt

fiehlt sich, für diejenigen digitalen Medien, in denen man angemeldet ist, jeweils konkrete Schriftstücke und Vollmachten zu hinterlegen, die dann den Betreibern vorgelegt werden können. Eine Erwähnung in Testamenten empfiehlt sich zugleich. Je nach Art der digitalen Plattform bestehen dann im Einzelfall öfters noch Hürden bei den entsprechenden Betreibern. Es bedarf deshalb entsprechender Sorgfalt dabei auszuwählen, wen man mit der Verwaltung seines digitalen Nachlasses beauftragt. Ich stelle aber in letzter Zeit fest, dass auch die Betreiber selbst sich zunehmend mit dem digitalen Nachlass beschäftigen und auch dort ein Umdenken im Hinblick auf kurzfristige Möglichkeiten stattfindet. Hatten Sie das in ihrer täglichen Praxis schon? Ich habe solche Fälle gerade in der jüngsten Vergangenheit erlebt. Dies betraf abträgliche berufliche Bewertungen verstorbener Arbeitnehmer und Freiberufler, besonders bei Facebook und verwandten Medien. Falls man sich für die Fortführung eines solchen Internetprofils entscheidet, muss darauf ein besonderes Augenmerk gerichtet werden. Andererseits wird es von Angehörigen und Freunden oftmals auch als Trost empfunden, wenn im Internet eines Verstorbenen in angemessener Art und Weise gedacht werden kann. n

Die Fragen stellte Erika Rapthel-Kieser

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Zur Trauer kommt der Papierkram 6. Im Todesfall: Das ist beim Tod eines Angehörigen zu tun / Durchatmen und Innehalten in den schweren Stunden nicht vergessen

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er Tod eines nahestehenden Menschen ist meist ein Schock. Doch Hinterbliebene dürfen sich nicht nur mit der eigenen Trauerarbeit beschäftigen. Sie müssen auch eine Reihe von Formalitäten erledigen. Nicht alles muss sofort angegangen werden. Schock, Traurigkeit, Leere – ein Trauerfall wirft manche Hinterbliebene emotional erst einmal aus der Bahn. Das Problem: Jeder Trauerfall ist auch mit vielen Formalitäten verbunden. Der zu erledigende Papierkram ist für viele eine zusätzliche Belastung. Anderseits können Hinterbliebene in den schweren Stunden dadurch auch Halt finden. Wichtige Fragen und Antworten im Überblick: Was ist in den ersten Stunden nach dem Todesfall zu tun? Unmittelbar nach dem Tod ist innehalten wichtig, um in Ruhe Abschied zu nehmen. »Nicht die Trauer durch hektische Betriebsamkeit übertünchen«, empfiehlt Oliver Wirthmann vom Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB). Wann enge Hinterbliebene andere Angehörige und Freunde informiert werden sollten, ist Gefühlssache. Manchmal sei es wenig hilfreich, gleich alle in Kenntnis zu setzen,

meint Wirthmann mit Blick auf Beileidsbekundungen. Altenheime und Kliniken informieren bei Eintritt des Todes sofort einen Arzt, damit er den Totenschein ausstellt. Zu Hause kann das Benachrichtigen des Arztes dagegen zunächst hinter dem eigenen Innehalten und Durchatmen zurückstehen. Das Beerdigungsinstitut wird meistens parallel zum Arzt verständigt. Der Bestatter bringt den Gestorbenen in die Leichenhalle. »Je nach Bundesland kann man den Toten bis zu 48 Stunden zu Hause lassen«, sagt Oliver Wirthmann.

einer Summe ausbezahlt. Wer die Rentenkasse selbst informiert, wendet sich an den Rentenservice der Deutschen Post und zeigt das Ableben mit Vorlage des Sterbeurkunde an. »Gleichzeitig gilt das Ausfüllen des Formulars als Antrag auf Vorschuss der Hinterbliebenenrente«, erläutert Stefan Braatz von der Rentenversicherung Bund in Berlin. Andere Stellen, von denen der Gestorbene Geld bekommen hat, sollten ebenfalls zügig in Kenntnis gesetzt werden. Dazu zählt auch der Arbeitgeber.

Bekommen Hinterbliebene Unterstützung bei Behördengängen? Üblicherweise nehmen Beerdigungsunternehmen Angehörigen einen Großteil der bürokratischen Lauferei ab. Dazu gehört der Weg zum Standesamt, das die Sterbeurkunde ausstellt, sowie die unverzügliche Information der Lebensversicherung. Auch die Rentenkasse sollte schnell im Bilde sein. Bei beiden geht es um Geld, das die Angehörigen gut brauchen können, damit sie nicht plötzlich auch noch in ein finanzielles Loch fallen. Die Rentenversicherung zahlt Überbrückungsgeld, das einer dreimonatigen Rentenfortzahlung entspricht. Es wird in

Wer muss noch über den Todesfall informiert werden? Die Krankenkasse will möglichst zeitnah vom Todesfall erfahren. Krankenhäuser melden Todesfälle aber automatisch. Ansonsten kümmert sich meistens der Bestatter darum. Er sendet die Versichertenkarte ein. Ob und welche Unterlagen erforderlich sind, wenn Angehörige die Nachricht weitergeben, kann von Kasse zu Kasse variieren, wie AOK-Sprecher Michael Bernatek erläutert. Mietverträge gehen in der Regel auf überlebende Partner oder Hinterbliebene über. Daher müssen Vermieter nur informiert werden, wenn die Wohnung aufgeben werden soll – die Info hat dann aber vier Wochen Zeit. Verträge von Auto-, Hausrat- oder Haftpflichtversicherungen gehen auf die Erben über. »Die Meldung des Todesfalles sollte zeitnah innerhalb von ein bis zwei Wochen erfolgen«, rät der Bund der Versicherten. Welche Dokumente sind wichtig? Zuerst wird der vom Arzt ausgestellte Totenschein gebraucht. In der Urkunde stehen je nach Bestattungsgesetz der Bundesländer mindestens die Personalien, Zeit und Ort des Todes sowie die Todesursache. Welche Unterlagen für die Abmeldung beim Standesamt und das Ausstellen der Sterbeurkunde noch erforderlich sind, listet Wirthmann auf: Personalausweis, Heiratsurkunde, bei Geschiedenen auch das Scheidungsurteil, bei Verwitweten Heiratsurkunde plus Sterbeurkunde des Partners. Bei Ledigen reicht für gewöhnlich die Geburtsurkunde.

Nach dem Tod eines Angehörigen müssen sich die Hinterbliebenen um viele Formalitäten kümmern. Allerdings bekommen sie für viele Behördengänge auch Unterstützung, zum Beispiel vom Beerdigungsinstitut. Foto: Willnow

Welche Verträge sind aufzulösen? Viele Versicherungspolicen, zum Beispiel für Auto und Wohngebäude, gehen zunächst auf die Erben über. Sie müssen diese Verträge in der Regel innerhalb der üblichen Frist auflösen. Die Hausratversicherung läuft nur weiter, wenn ein Erbe die Wohnung übernimmt. Ein Einzelvertrag in der Privathaftpflicht endet mit dem Tod, bei einer Familienversicherung bleibt der Schutz eine Zeit lang weiter bestehen. Häufig verlangen die Assekuranzen die Vorlage der Originalpolicen. von Monika Hillemacher


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Die Arbeit mit dem Tod verändert Leben Im Todesfall: Angelika Mogel und Isolde Kramer begleiten Menschen auf ihrem letzten Weg

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anchmal, da nimmt das Leben ungewöhnliche Wendungen. Zwei, die gelernt haben Menschen zu helfen, enden dort, wo es keine Hilfe mehr gibt. Denn wen Isolde Kramer (rechts im Bild) und Angelika Mogel betreuen, der muss sein Leben loslassen: Es wird im Hospiz am Dreifaltigkeitsberg zu Ende gehen. Wenn die Kerze im Andachtsraum des Hospizes wieder brennt, ein neuer Name in Kreide auf die Schiefertafel geschrieben wird, dann ist es geschehen. Vielleicht im Beisein der beiden Krankenschwestern. »Für mich berühren sich da Himmel und Erde«, sagt Kramer über diese Momente. Vor 22 Jahren ist Isolde Kramers Mutter gestorben. Sie war dabei, das sei ein Ge»Der Tod birgt auch schenk gewesen. Seither hadie Chance, reife be sie den Menschen zu Wunsch verwerden.« spürt, auch anHans-Peter Mattes dere beim Sterben begleiten zu dürfen. Zuerst allerdings kam das Leben: ein weiteres Baby und – angesichts ihrer insgesamt vier Kinder – eine lange berufliche Pause. Irgendwann kehrte die Villingendorferin (Kreis Rottweil) dann ins Berufsleben zurück und arbeitete im Schramberger Krankenhaus, machte schließlich eine Palliativ-Weiterbildung und sammelte erste Erfahrungen in einem Hospiz. Ihre Kollegin Angelika Mogel, 59 Jahre alt, hat einen ähnlichen Weg hinter sich. Auch sie war in Schramberg tätig, auch sie hat sich weitergebildet. Als das Krankenhaus in der Fünftälerstadt geschlossen wurde, nahmen sie die Arbeit im neuen Spaichinger Hospiz (Kreis Tuttlingen) auf. Fünf Jahre ist die Einrichtung inzwi-

schen alt. Sie wird von einem Verein getragen, dessen Mitglieder unter anderem die Landkreise Rottweil, SchwarzwaldBaar und Tuttlingen sind. Hans-Peter Mattes ist Vorsitzender des Hospiz-Trägervereins. Wenn er und seine Mitarbeiterinnen von den Menschen sprechen, die ins Hospiz kommen, dann sprechen sie von Gästen. Acht sind es maximal, so viele Zimmer gibt es. Im Durchschnitt bleiben sie drei Wochen lang – bei manchen sind es Stunden, bei anderen Monate. »Wenn ein Mensch kommt, dann weiß er, er kommt zum Sterben. Aber er weiß auch: Er wird gut versorgt«, erklärt Mattes. Neben den 20 Mitarbeitern gibt es rund 40 Ehrenamtliche, die sich engagieren. Die Hälfte der Zeit betreuen sie nicht den Sterbenden, sondern dessen Angehörige: Sie basteln mit Kindern, deren Vater todkrank ist, oder führen Gespräche mit Ehepartnern, die bald alleine ihren Weg gehen müssen. Viele Gäste, die kommen, haben eine lange Krankheitsgeschichte mit vielen Behandlungen hinter sich. Ihre Ankunft im Hospiz beschreibt Mattes als eine Art Entlastung. Die einzige Aufgabe, die noch bleibt: »Menschen zu einem würdevollen Ende zu führen.« Diese Aufgabe hinterlässt auch im Leben von Angelika Mogel und Isolde Kramer ihre Spuren. Sie könne mit anderen über den eigenen Tod offener sprechen, sagt die Villingendorferin. Ihre eigene Mutter war 61 als sie starb. »Manchmal denke ich: Du hast noch sieben Jahre«, erzählt sie. Das heiße nicht, dass sie nicht gerne lebe. »Mir ist einfach bewusst, dass jeder Tag mein letzter sein kann. Aber das ist dann einfach so.« Was sie für diesen letzten Tag vorbereiten kann, das hat sie vorbereitet. Kramer und ihr Mann haben eine Vorsorgevollmacht, ihre Patientenverfügung liege in der Küche. Und: »Ich hab mir schon mal die Lesungen rausgesucht«, erzählt Isolde Kramer. Dass bei ihrer Beerdigung einmal das Lied »Voll Vertrauen gehe ich den Weg mit dir, mein

Gott« gesungen werden soll, weiß sie schon jetzt. Was die 54-Jährige allerdings viel wichtiger findet als alle Formulare, ist das Gespräch über den eigenen Tod. Für ihren Mann seien solche Unterhaltungen anfangs unangenehm gewesen, sagt sie. Die Krankenschwester dagegen sieht jeden Todesfall oder jeden Besuch einer Beerdigung als gute Gelegenheit, sich über die eigene Endlichkeit Gedanken zu machen. Hans-Peter Mattes, der langjährige Erfahrung als Klinikseelsorger hat, meint: »Der Tod birgt auch die Chance, reife Menschen zu werden.« Wenn die zwei Frauen von ihrer Arbeit und ihren Gedanken über ihr Lebensende berichten, wird deutlich, was er meint. Angelika Mogel hat vor einer Weile eine Freundin beim Sterben begleitet, im Hospiz. »Das war eine harte Nuss«, sagt die 59-Jährige, die ans Sterben doch eigentlich gewöhnt ist. Mit dieser Freundin hat sie auch über den eigenen Tod gesprochen. Und dabei festgestellt, dass sie eigentlich gern selbst die Predigt für ihre Beerdigung schreiben würde. Denen, die zurückbleiben, will sie mitgeben, was ihr Lebensthema war. »Das, was mein Leben ausgemacht hat.« Mogel hat noch Zeit, sich weiter Gedanken zu machen. Ihre Freundin nicht, deren Leben ging zu früh zu Ende. Mehr Vorsorge hat die 59-Jährige bisher dennoch nicht getroffen. »Ich weiß gar nicht, was mich da hindert. Das sickert immer wieder ab.« Doch auch sie wolle so leben, dass sie jeden Tag Abschied nehmen könnte. Wenn sie es sich aussuchen könnte, dann hätte die Spaichingerin gern Zeit zum Sterben. Einfach tot umfallen? »Das wäre für mich der Horror.« Vielmehr wolle sie sich von den Menschen, die Teil ihres Lebens waren, verabschieden können. Am liebsten schriftlich, damit sie ihnen wirklich alles sagen kann. »Ich glaube, ich brauche den PC am Bett«, sagt Angelika Mogel. Und sie lacht. von Verena Parage


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Die Bestattungswünsche des Verstorbenen sind bindend Beerdigung: Unter die Erde kommt man auf ganz unterschiedlichen Wegen / Aber wer muss das alles organisieren

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rauer ist nicht immer das dominierende Thema, nachdem ein Mensch verstorben ist. Auch um die Beerdigung kann es Streit geben. Liturgie – ja oder nein? Kreuz oder Grabstein? Lieber ein anonymes Gemeinschaftsgrab? Wer entscheidet dann, und welche Rolle spielt dabei der Wille des Toten? Wer muss alles organisieren? In der Regel sind die nächsten Angehörigen für die Organisation einer Bestattung zuständig. Das wird in den Bestattungsgesetzen der einzelnen Bundesländer geregelt. Dort stehen meist Ehepartner oder der eingetragene Lebensgefährte ganz vorn, gefolgt von Kindern und Eltern. Das Recht zur Totenfürsorge sei aber innerhalb der Familie nicht mit einer Pflicht zu verwechseln, sagt Stephanie Herzog, Rechtsanwältin aus Würselen bei Aachen. Sie ist in der Arbeitsgemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) tätig. »Will der erste Zuständige sich nicht kümmern, können das die nachrangigen Angehörigen übernehmen.« Findet sich aber niemand freiwillig, so wird die Kommune den vorrangig bestattungspflichtigen Angehörigen anhalten, die Bestattung vorzunehmen oder selbst eine Sozialbestattung vornehmen. Deren Kosten werden allerdings den bestattungspflichtigen Angehörigen in Rechnung gestellt, wenn der Nachlass des Toten sie nicht decken konnte. Auch jahrelanger fehlender Kontakt zum Toten nimmt den nächsten Angehörigen nicht aus der Pflicht. Ausnahmen gelten nur bei groben Undank. »Etwa dann, wenn der Gewalt oder Missbrauch gab«, sagt Oliver Wirthmann vom Bundesverband Deutscher Bestatter in Düsseldorf. Grundsätzlich legt das Bürgerliche Gesetzbuch fest, dass aus dem Vermögen des Verstorbenen eine angemessene Bestattung bezahlt werden muss. Was angemessen heißt, dafür gibt es keine feste Grenze, erklärt Herzog. »Wenn der Verstorbene vermögend war, darf sie unter Umständen etwas teurer als im Durchschnitt sein.« Die Kosten muss nicht ein Erbe allein aus seinem Erbteil tragen. Es gilt vielmehr eine Quote: Gibt es mehrere Erben, wird die Summe abhängig von der Größe des Erbteils unter ihnen aufgeteilt, erläutert Herzog. Hat der Verstorbene konkrete Wünsche zur Bestattung geäußert, sind diese bindend. Wünscht er etwa, anonym beerdigt zu werden, könne der Ehepartner ihn nicht einfach in einem Einzelgrab beerdigen, erklärt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg. »Dagegen könnten andere Angehörige mit einer

Um die Bestattung kümmern sich in der Regel die nächsten Angehörigen. Wie die aussehen soll, kann unter anderem im Testament beschrieben werden. Foto: Scholz einstweiligen Verfügung vorgehen.« Das originäre Recht liegt beim Verstorbenen. »Es geht nicht um den Willen des Fürsorgeberechtigen«, betont die Rechtsanwältin. Sie weiß aber auch, dass die Realität nicht selten anders aussieht. »Der Wille ist rechtlich bindend.« Wenn jedoch für die Angehörigen klar ist, die Wünsche nicht so umzusetzen, ändern daran auch schriftliche Verfügungen nichts.»Denn wo kein Kläger ist, ist kein Richter.« Es müssen auch nicht alle Wünsche des Toten umgesetzt werden. Gerade dann, wenn sie die Angehörigen stark belasten. Wirthmann erläutert das am Beispiel eines Mannes, der seinen Staub in der Schweiz zu zwei kleinen Diamanten pressen lassen wollte. Die Steine sollten danach in zwei Schmuckstücke für seine Töchter verarbeitet werden. »Die haben das abgelehnt, weil sie damit nicht zurechtgekommen wären.« Dürfen die Angehörigen allein über Bestattungsart, den Ablauf der Beerdigung und die begleitenden entscheiden, gibt es mitunter einige Unstimmigkeiten. Das betrifft häufig die Frage, ob es eine Feuer- oder Erdbestattung sein soll, sagt Rauch. »Auch die Fragen, wer auf der Trauerfeier eine Rede hält.« Bei Uneinigkeiten versuchen Rauch und seine Kollegen, die Angehörigen an einen Tisch zu kriegen. »Dann erklären wir einzelne

Möglichkeiten und deren Konsequenzen und finden so auch Lösungen« »Niemand streitet so heftig wie Erben«, sagt Rechtsanwältin Herzog. Allerdings lässt die Bestattung meist nicht solange auf sich warten, wie der Streit andauert. In der Regel spätestens nach sieben bis zehn Tagen muss sie stattfinden, sagt Herzog. »Die öffentliche Hand setzt vorher Fristen an den Fürsorgepflichtigen.« Bestatter können an der Stelle nicht entscheiden, wer Recht hat oder nicht. Gerade dann ist eine einvernehmliche Lösung so erstrebenswert. »Wir können nur vermitteln. Urteile müssen die Gerichte fällen«, sagt Wirthmann. Ist ein Auftrag an den Bestatter erteilt, ist der für ihn bindend. Er wird ihn dann entsprechend durchführen. Das kann auch nachträglich böse Folgen haben. Wenn zum Beispiel ein Angehöriger hervorprescht, eine bestimmte Bestattung in Auftrag gibt und damit den oder die Totenfürsorgeberechtigten übergeht. Die können dann im Nachhinein gegen die Bestattungsform vorgehen. »In manchen Fällen kam es dann noch zu einer Umbettung des Toten«, sagt Herzog. »Hier ist im Einzelfall der Schutz der Totenruhe mit dem Recht auf Totenfürsorge abzuwägen.« von Tom Nebe


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Viele haben Testament schon gemacht Umfrage: Rund 30 Prozent der Befragten wollen in einer Urne begraben werden

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elles geregelt« lautete der Titel einer sechswöchigen RatgeberSerie in unserer Zeitung. Diese befasste sich mit den Themen Testament, Vorsorge und Todesfall. In einer Telefonumfrage wurden 1395 Personen zu dieser Materie befragt. Das Thema stößt auf immenses Interesse. Dies ergab die Telefonumfrage. Außerdem gaben die rund 1400 Befragten an, wie sie zum Thema Testament, Patientenverfügung und Bestattung stehen. Rund 42 Prozent der Befragten hat bereits ein Testament gemacht. Klug, denn Streit ums Erbe ist in Deutschland keine Seltenheit. 28 Prozent der Deutschen haben nämlich bereits einen Kampf ums Erbe erlebt. Die Erfahrung lehrt, dass mehr als die Hälfte aller Konflikte zwischen Hinterbliebenen aus unklarer Erbfolge oder fehlendem Testament resultierten. Oftmals geht es um kleine Beträge, die es nicht wert sind, darüber zu streiten. Auf Deutschland rollt in den kommenden Jahren eine gewaltige Erbschaftswelle zu. Mehrere Billionen Euro werden dann den Besitzer wechseln. Die Umfrage zum Thema Testament ergab zudem, dass etwa 35 Prozent ihren Nachlass noch nicht geregelt haben. Rund sieben Prozent interessiert das Thema »noch nicht«, und etwa drei Prozent sind gerade dabei, ihr Testament zu machen. Von rund zwölf Prozent erhielt der Telefonservice keine Antwort.

Neun von zehn Deutschen haben keine Patientenverfügung Auf Angehörigen liegt eine schwere Last, wenn eine pflegebedürftige Person nicht mehr selber ihren Willen äußern kann und unklar ist, wie die medizinische Behandlung aussehen soll. Hier hilft eine sogenannte Patientenverfügung weiter. Neun von zehn Deutschen besitzen keine wirksame Patientenverfügung, obwohl diese eigentlich zu den wichtigsten medizinischen Vorsorgemaßnahmen gehört. Das ergab eine aktuelle Studie. 65 Prozent gaben an, nie eine Patientenverfügung erstellt zu haben. Von den übrigen Befragten hatten sich drei von vier auf wirkungslose Vorlagen verlassen, beispielsweise von Ämtern oder Notaren. Bei der Befragung haben 52 Prozent gesagt, dass sie in einer Patientenverfügung selbst festlegen wollen, wie lange und wie sie am Ende des Lebens behandelt werden sollen. Rund 20 Prozent möchten das allerdings nicht. Etwa 23 Prozent gaben keine Antwort zu dieser Frage ab. Knapp sechs Prozent ist sie egal. Damit Angehörige sich in der Trauerphase wenig um Organisatorisches und Finanzielles kümmern müssen, sollte man sich rechtzeitig um die eigene Bestattung Gedanken machen. So sollte man

Wer hat was geregelt? Umfrage unter 1395 Personen Angaben in Prozent, Differenzen rundungsbedingt Haben Sie Ihren Nachlass geregelt, also ein Testament erstellt? 42,4 %

Ja, habe ich geregelt. Das regele ich aktuell.

3,2 35,4

Nein, noch nicht. Das Thema interessiert mich noch nicht.

7,2 11,7

keine Antwort

Möchten Sie in einer Patientenverfügung selbst festlegen, wie lange und in welcher Form Sie am Ende Ihres Lebens behandelt werden wollen? 52,4

Ja. 19,6

Nein. Ist mir egal.

5,5 22,5

keine Antwort

Wie möchten Sie einmal bestattet werden? 19,6

Erdgrab (Friedhof)

20,4

Urnengrab (Friedhof) Urnengrab (Natur, z. B. Friedwald) Sonstiges

11,0 14,8

keine Antwort seine Bestattungswünsche vorab am besten schriftlich fixieren. Möglich ist das etwa mit einem Bestattungsvorsorgevertrag, der mit einem Bestattungsunternehmen abgeschlossen werden kann. Die Vereinbarung regelt Art und Details der Beerdigung und ist für die Erben bindend. In Deutschland besteht eine Bestattungspflicht. Deshalb sollte man auch den Kostenpunkt durchdenken und entsprechend vorsorgen. Denn sonst müssen Angehörige alle Kosten, die im Zusammenhang mit einer Bestattung anfallen, übernehmen. Die Höhe der Summe kann stark variieren und ist auch von den eigenen

34,6 Wünschen abhängig – eine Waldbestattung gibt es ab 300 Euro, kann aber auch bis zu 6000 Euro kosten. Bei der Frage, wie die Befragten bestattet werden wollen, sprachen sich 20 Prozent für ein Urnengrab auf dem Friedhof aus. Fast genau so viele bevorzugen ein Erdgrab auf dem Friedhof. Elf Prozent nannten ein Urnengrab in der Natur wie zum Beispiel einen Friedwald als ihre Präferenz. Rund 15 Prozent haben andere Vorstellungen von ihrer letzten Ruhestätte, knapp 35 Prozent gaben keine Antwort ab. von Matthias Zahner und Roland Buckenmaier


ALLES GEREGELT n So wird es einfacher Tipp 1 Möglichst frühzeitig loslegen mit dem Unterlagen ordnen – spätestens dann, wenn man verheiratet ist und/oder Kinder hat Tipp 2 Nicht dem Internet trauen – ein Gespräch mit einem Experten ist besser, da er auch auf die individuelle Situation eingehen kann Tipp 3 Dokumentieren, wo das Testament aufbewahrt ist; Kopien sind nicht gültig; notarielle Hinterlegung ist ratsam Tipp 4 Berliner Testament ist eine weitere Möglichkeit, um einen Ehepartner bei Immobilienbesitz abzusichern

Versorgt zu Lebzeiten und nach dem Tod: Viele Ältere sorgen vor.

Foto: Berg

Bestattungen im Wandel der Zeit Im Todesfall: Eine Treuhand ermöglicht Vorsorge

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rank Hertkorn, Geschäftsführer von Hertkorn-Bestattungen in Rottweil, beobachtet einen Wandel. Seit den 1980er-Jahren kommen vermehrt Menschen in sein Unternehmen, um zu Lebzeiten alles für den eigenen Tod zu regeln. Damals waren es vor allem Kriegswitwen ohne Kinder. Sie wollten nicht nur alle Formalitäten regeln, sondern ihre spätere Bestattung bereits bezahlen. Deshalb wurde im Dezember 1995 die Deutsche Bestattungsvorsorge Treuhand AG gegründet, eine Serviceeinrichtung des Bundesverbandes Deutscher

»Ich möchte meinen Kindern diese Last abnehmen.« Bestatter und des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur, die die eingezahlten Gelder verwaltet. Die Zahl der Menschen, die für den Todesfall vorsorgt, steigt. Viele haben zwar Kinder, die allerdings weit entfernt leben. Von seinen Kunden hört Hertkorn öfter: »Ich möchte meinen Kindern diese Last abnehmen.« Auch jahrzehntelange Grabpflege möchten viele Eltern ihren Nachkommen ersparen, weshalb die Zahl an Urnenbestattungen steige. Das beobachtet auch Bernd Hafa. Der Geschäftsführer von Bestattungen Hafa in Rottweil berichtet, die Zahl der abgeschlossenen Vorsorgeverträge sei seit fünf

Jahren stark angestiegen auf vier bis fünf pro Woche. Auch seine Kunden wollen ihren Angehörigen diese Aufgaben abnehmen. Zudem hat er manches Mal erlebt, dass sich Geschwister nicht einig war, wie die verstorbenen Eltern bestattet werden sollen. Liegt ein Vorsorgevertrag vor, dann gilt, was darin vereinbart ist. Nur der Betroffene selbst könne zu Lebzeiten Änderungen vornehmen. Laut Hertkorn lässt sich alles festlegen – von der Bestattungsform über den Text für die eigene Todesanzeige oder die Lokalität für den Leichenschmaus. Hafa erläutert, dass solche Verträge bis zu 19 Seiten umfassen. Manche hinterlegen beim Bestatter sogar eine Liste mit Personen, die dieser im Todesfall benachrichtigen soll. Zum einen Verwandte und Bekannte, zum andern Institutionen wie die Krankenkasse, Rentenversicherung oder den einstigen Arbeitgeber. Doch auch die Auswahl des Sarges gehört dazu. Einer von Bernd Hafas Kunden hat seinen Sarg sogar selbst gezimmert. Er lagert jetzt im Bestattungsunternehmen, bis er zum Einsatz kommt. Und Frank Hertkorn berichtet von einem Sohn, der nach dem Tod seines Vaters aus allen Wolken gefallen sei, wie viel dieser im Voraus geregelt hatte. Später habe er gesagt: »Genial.« Das ist auch die Erfahrung des Bestatters: Die meisten Hinterbliebenen empfinden es als Erleichterung, wenn der Verstorbene ihnen die Entscheidungen abgenommen hat.

Tipp 5 In schwierigen Verhältnissen sollte man auch über einen Testamentsvollstrecker nachdenken Tipp 6 Junge Familien sollten über eine Risikolebensversicherung nachdenken Tipp 7 Überblick über Konten und Sparbücher dokumentieren Tipp 8 Wer eine wertvolle Sammlung hat und diese nicht aufgelöst haben will, sollte über ein Vermächtnis nachdenken

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