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DIE BESTE ZEIT Das Magazin für Lebensart

Ausgabe 23, 2013 - 3,50 Euro

Von Cranach bis Géricault Ausstellung im Von der Heydt-Museum

Pina Bausch - Tanztheater Wuppertal Jochen Viehoff Kalender 2014

Kunst in der Sparkasse Die 128. Ausstellung

Engel oder Sauce des Teufels Eine erstaunlich surreale Stadt

Tony Craggs „Domagk“

Zur Entstehung der Skulptur

Auf einen Blick wissen… Kult-Flaschen als Werbeträger

Tango de Mis Amores

Moments in Time Geschichte des Wuppertaler Jazzmeetings

Russisches Staatsballett Tournee mit drei Klassikern

Tanztheater – an und in der Wupper

ISSN 18695205

Wuppertal und Bergisches Land

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www.barrenstein.de

Tag der offenen TĂźr `Memento mori´ 6DPVWDJ2NWREHU 11 bis 15 Uhr Auf beiden Seiten der Berliner StraĂ&#x;e

Trostkonzert `TrÜsten und Erinnern´ 0LWWZRFK1RYHPEHU 8KU$OWH.LUFKH:XSSHUIHOG %UHGGH

Unser Unternehmen wird 200 Jahre alt. Dieses Jubiläum mĂśchten wir gern mit Ihnen feiern und Sie ganz herzlich zu unserem `Tag der offenen TĂźr´HLQODGHQ$X‰HUGHPÂżQGHWDP1RY ember zum fĂźnften Mal unser Trostkonzert statt. Wir wĂźrden uns sehr freuen, Sie dazu begrĂźĂ&#x;en zu dĂźrfen.

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Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser, Wuppertal ist eine erstaunliche Stadt. Und eine Stadt extremer Gegensätze. Mehr als ein Drittel der Kinder und Jugendlichen wachsen hier unterhalb der Armutsgrenze auf, die Bergische Metropole ist hochverschuldet, fast zwölf Prozent der Wuppertaler sind arbeitslos gemeldet. Andererseits zehrt die Stadt noch immer von ihrer großen Vergangenheit. Um 1900 zählten Elberfeld und Barmen zu den reichsten Städten Deutschlands, das Zoo- und das Briller Viertel, die imposante Stadthalle, die einen der schönsten Konzrtsäle Europas beherbergt, künden noch heute davon. Es war das innovative und nach vorne blickende Bürgertum, dem Wuppertal seinen Aufstieg zu verdanken hatte. Und auch heute gibt es sie noch, Menschen, die etwas in ihrer Stadt bewegen: den Aufbruch am Arrenberg etwa, die Nordbahntrasse, die Wiederbelebung des alten Mirker Freibades, um nur einige Beispiel zu nennen. Erinnert sei aber auch an all diejenigen, die sich in der freien Szene für eine lebendige und attraktive Kultur in Wuppertal engagieren. Apropos Kultur: Nicht nur im sozialen Bereich, auch in der Kultur begegnet uns die Schwebebahnstadt als ein Ort der Gegensätze. Die Beste Zeit ist ein Spiegelbild des kulturellen Lebens dieser Stadt und der Bergischen Region. Naturgemäß nicht tagesaktuell, dafür aber hintergründig und den Blick hinter die Kulissen wagend. Neben der Berichterstattung über die großen kulturellen Leuchtturm-Aktionen wie etwa der Ausstellung „Von Cranach bis Géricault - Meisterwerke aus dem Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie de Besançon“ im Von der HeydtMuseum oder dem Rückblick auf die diesjährige Musikreihe Klangart in Tony Craggs Skulpturenpark sind es häufig die kleinen, noch unentdeckten Geschichten, die uns bezaubern: Etwa die kurzen Erzählungen Karl Otto Mühls, die mit schöner Regelmäßigkeit in dieser Zeitschrift erscheinen: wunderbare narrative Miniaturen, die mit einem genauen Blick, Lakonie und Altersweisheit Alltagswirklichkeit einfangen und den Leser nach der Lektüre noch lange nicht in Ruhe lassen. Oder die schöne Betrachtung der Wuppertaler Schriftstellerin Friederike Zelesko über „Musik, die uns durchs ganze Leben begleitet“. Immer wieder begleiten uns Wuppertaler Literaten in der Besten Zeit mit ihren Texten und schenken uns so Augenblicke – jenseits des politischen und kulturellen Stadtgetriebes – Augenblicke der inneren Einkehr. In diesem Sinn, wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Freude bei der Lektüre der neuen Ausgabe. Mit herzlichen Grüßen Ihr Heiner Bontrup

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Ueberholz wir inszenieren Licht

Ueberholz. GmbH Büro für temporäre Architektur Telefon: +49 (0) 202 2 80 96-0 www.ueberholz.de

Impressum Die Beste Zeit erscheint in Wuppertal und im Bergischen Land Erscheinungsweise: alle zwei Monate Verlag HP Nacke Wuppertal - Die beste Zeit Friedrich-Engels-Allee 122, 42285 Wuppertal Telefon 02 02 - 28 10 40, E-Mail: verlag@hpnackekg.de V. i. S. d. P.: HansPeter Nacke Ständige redaktionelle Mitarbeit: Frank Becker, Thomas Hirsch, Matthias Dohmen, Susanne Schäfer Darüber hinaus immer wieder Beiträge von: Marlene Baum, Heiner Bontrup, Antonia Dinnebier, Beate Eickhoff, Fritz Gerwinn, Klaus Göntzsche, Johannes Vesper und weiteren Autoren Erfüllungsort und Gerichtsstand Wuppertal

Nachdruck - auch auszugsweise - von Beiträgen innerhalb der gesetzl. Schutzfrist nur mit der ausdrücklichen Genehmigung des Verlages. Gastbeiträge durch Autoren spiegeln nicht immer die Meinung des Verlages und der Herausgeber wider. Für den Inhalt dieser Beiträge zeichnen die jeweiligen Autoren verantwortlich. Kürzungen bzw. Textänderungen, sofern nicht sinnentstellend, liegen im Ermessen der Redaktion. Für unverlangt eingesandte Beiträge kann keine Gewähr übernommen werden. Trotz journalistischer Sorgfalt wird für Verzögerung, Irrtümer oder Unterlassungen keine Haftung übernommen. Bildnachweise/Textquellen sind unter den Beiträgen vermerkt. Titelfoto: Anne Stanzak, in „Nelken“, Ausschnitt (Uraufführung 1982), Foto Jochen Viehoff

TANZTRÄUME Jugendliche tanzen „Kontakthof“ von Pina Bausch. Das Buch zum Film von Anne Linsel und Ulli Weiss Verlag HP Nacke Wuppertal, 2011 120 Seiten, 23 x 17 cm, Softcover ISBN 978-3942043-81-6, 19,80 Euro Verlag HP Nacke KG Friedrich-Engels-Allee 122 42285 Wuppertal Telefon 0202 - 28 10 40 verlag@hpnackekg.de

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ihr.

Inhalt Ausgabe 23, 5. Jahrgang, Oktober 2013 Auf einen Blick wissen, was drin ist…

Von Cranach bis Géricault Ausstellung im Von der Heydt-Museum von Gerhard Finckh

Seite 6

Sommertag

Elegisch, jazzig, rockig Die Reihe Klangart im Skulpturenpark von Heiner Bontrup

Erzählung von Karl Otto Mühl

Das Gletscherschiff Seite 18

Seite 22

des Claudio li Mura von Jürgen Kasten

2014

Seite 27

Das Blechbläser-Ensemble „10forBrass“ von Frank Becker

Kalender 2014 mit Fotos von Jochen Viehoff von Jürgen Kasten Seite 28

Interessantes zu den Themen Steuern und Recht, von Susanne Schäfer

Harald Klingelhöller - Neue Skulpturen Ausstellung im Skulpturenpark Waldfrieden von Ruth Eising Seite 30

Es ist schweizerisch…

Tony Craggs „Domagk“

Russisches Staatsballett Seite 32

Seite 36

Tournee mit den drei Klassikern Schwanensee Dornröschen und Der Nussknacker Seite 67

Neues Buch von Hermann Schulz von Frank Becker

Seite 69

und andere Buchvorstellungen

Seite 70

Seite 40 Kulturnotizen

Das Kinderkarussell Gedicht und Fotografie von Angelika Zöllner

Seite 65

Neue Kunstbücher

In der Kuppel schweben… Ausstellung Tomás Saraceno – im K21, Düsseldorf

Der Berner Schauspieler Stefan Kurth von Yvonne Zurbrügg

Seite 64

Eine ernste Sache

Moments in Time Geschichte des Wuppertaler Jazzmeetings von Heiner Bontrup

Seite 62

Paragraphenreiter

Fotos: Bjørn Ueberholz, Zeichnungen: Andreas Noßmann, HP Nacke Wuppertal Wuppertal Pina Bausch - Verlag: Tanztheater

Zur Entstehung der Skulptur von Johannes Vesper

Seite 59

Von Bach bis Tizol

Summertime Musik, die uns durchs ganze Leben begleitet, von Friederike Zelesko

Aus einem Brief des sagenhaften Furianetto von Dorothea Renckhoff Seite 56 Das Seniorentanztheater

Tango de Mis Amores Tanztheater – an und in der Wupper von Frank Becker

Seite 54

Seite 12

Engel oder Sauce des Teufels Kalender über eine erstaunlich surreale Stadt, von Heiner Bontrup

Kult-Flaschen als Werbe- und Design-Objekte von Frank Becker Seite 52

Kulturveranstaltungen in der Region

Seite 76

Seite 44

Im Hinterzimmer der Schönheit Paul Kleinschmidt-Ausstellung im Kunstmuseum Solingen

Seite 46

Kunst in der Sparkasse Anke Eilergerhard und Lothar Götz von Peter Klassen

Seite 48

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Von Cranach bis Géricault Meisterwerke aus dem Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie de Besançon 15. Oktober 2013 bis 23. Februar 2014 im Von der Heydt-Museum

Jean Gigoux Das Atelier des Malers, 1853 ©Besançon, Musée des beaux-arts et d’archéologie (Dépôt du Musée du Louvre RF 1950-50) Foto Charles CHOFFET

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Giovanni-Battista Tiepolo, genannt Giambattista Tiepolo, Der Heilige Rochus, 1730/35 © Besançon, Musée des beaux-arts et d’archéologie – Foto Charles CHOFFET

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Lange Zeit haben wir die „Salonkunst“ gering geschätzt. Allein die Erwähnung des Begriffs reichte, um beim Kunsthistoriker unangenehme Gefühle zu wecken, ein leichtes Frösteln gegenüber der vermuteten kitschigen Schwüle des Sujets hervorzurufen. Die Kunst des „Salon“, jenes staatlich gelenkten, alljährlich abgehaltenen Großereignisses im Paris des 19. Jahrhunderts, jenes gigantischen Marktplatzes der Künste, an welchem bis zu 5.000 Künstler teilnahmen, und noch viele mehr teilnehmen wollten, jener Mega-Ausstellung, die bis zu 50.000 Besucher zählte – pro Tag! – galt im nüchternen 20. Jahrhundert geradezu als Inbegriff handwerklich gut gemachter, aber in inhaltlicher und ästhetischer Hinsicht höchst fragwürdiges Erzeugnis konservativer, national gesinnter Graubärte und deren Eleven. Während die „Impressionisten“ Monet, Renoir, Sisley, Degas, Pissarro und andere im 20. Jahrhundert als kühne Erfinder neuer Sichtweisen und als verfemte Rebellen gegen die etablierte Kunstwelt hoch geschätzt wurden, setzte erst in den

1980er Jahren allmählich ein vorsichtiges Interesse auch für die Kunst des „Salon“ und die Belle Epoque ein. Erstmals gefeierte, hoch dekorierte Künstler wie Alma-Tadema, Meissonier oder Delaroche wurden – unter recht gemischtem Echo seitens der Kunstkritik – „wiederentdeckt“ und ihr Werk in Ausstellungen unter dem Vorbehalt einer „Überprüfung“ gezeigt. Jean Gigoux (1806-1894) war im Frankreich des 19. Jahrhunderts als Maler bekannt, über eine lange Zeitstrecke stellte er seine Gemälde im „Salon“ aus. Was vielen Künstlern, so den Malern von Barbizon und später den Impressionisten, verwehrt blieb, war ihm auf Anhieb gelungen. 1832 reichte er ein Bild zur Teilnahme am Salon ein und wurde sofort angenommen. Von da an, er war gerade 26 Jahre alt, konnte er fast jährlich seine Bilder im „Salon“ zeigen. Für sein Gemälde „Die letzten Momente im Leben Leonardo da Vincis“ erhielt er 1835 die Goldmedaille und verschiedentlich wurden seine Werke vom französischen Staat angekauft. Für das Palais des Staatsrates und für den

Lucas Cranach d. Ä., Kurtisane und Greis, um 1530 © Besançon, Musée des beaux-arts et d’archéologie Foto Charles CHOFFET

Rechnungshof erhielt er den Auftrag für riesige Wandgemälde und auch von der katholischen Kirche wurde er mit bedeutenden Aufträgen bedacht. Man kann Jean Gigoux also mit Fug und Recht als einen Salonkünstler par excellence bezeichnen, wenngleich zu seinem Ruhm auch sein Renommee als Zeichner und äußerst geschätzter Illustrator wesentlich beitrugen. Durch seine Malerei wohlhabend geworden, gelang es ihm mit geschickten Grundstücksspekulationen zu wahrem Reichtum zu kommen. Mit Hilfe dieses Vermögens gelang es ihm, eine eigene Kunstsammlung von enormer Strahlkraft aufzubauen. Cranach, Dürer, Tizian, Bellini, Rubens, Rembrandt, Goya, sie alle sind in der Sammlung Jean Gigoux mit wunderbaren Gemälden und Zeichnungen vertreten. Das Von der Heydt-Museum zeigt die außergewöhnlichen Meisterwerke dieser umfangreichen Sammlung zum ersten Mal in Deutschland. Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass die Kunstwerke von einem Künstler zusammengetragen wurden.

Théodore Géricault, Porträt Mustafas, um 1819-1821 © Besançon, Musée des beaux-arts et d’archéologie Foto Charles CHOFFET

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oben: Francisco de Goya y Lucientes, Kannibalen beim Zerlegen ihrer Opfer, um 1800, unten: Lucas Cranach d. Ä., Nymphe an der Quelle, um 1537 beide Bilder: © Besançon, Musée des beaux-arts et d’archéologie – Foto Charles CHOFFET

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Mit seinen fundierten Kenntnissen der Malerei und seiner geübten Seherfahrung, mit seinem malerischen Können und Wissen hat Jean Gigoux aus dem Besten, was die Kunst von der Renaissance bis zum 19. Jahrhundert zu bieten hatte, treffsicher die interessantesten, oft auch ungewöhnlichsten Werke für seine private Umgebung ausgewählt. So ist der Parcours durch unsere Ausstellung eine Reise durch die Geschichte der Kunst, gesehen durch das Auge eines scharfsinnigen Malers. Gigoux gelang es, sich von den allgemeinen Kunstvorstellungen seiner Zeit zu lösen und, vor allem im Bereich der Zeichnungen, in dem seine Sammlung Werke von Mantegna, Cellini, Breughel, van Dyck, Jordaens, bis hin zu seinen Zeitgenossen David, Delacroix und Géricault enthält, die Kunstgeschichte „gegen den Strich zu bürsten“ und ebenso überraschende wie beglückende Kostbarkeiten zu vereinen. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie in Besançon und umfasst 90 ausgewählte Gemälde und 90 erlesene Zeichnungen. Sie verspricht, ein großer Augenschmaus und ein besonderes intellektuelles Vergnügen zu werden. Gerhard Finckh Jan Lievens, Kind mit Seifenblasen, um 1645 © Besançon, Musée des beaux-arts et d’archéologie – Foto Charles CHOFFET

The art of tool making

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Elegisch, jazzig, rockig. Die Reihe Klangart im Skulpturenpark 2013 – Ein Rückblick

Women’s Voices

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„Quo vadis, Klangart?“, fragte Die Beste Zeit zum Ausklang ihres letzten Rückblicks auf die außergewöhnliche Musikreihe im Skulpturenpark Waldfrieden hoch oberhalb des Tals der Wupper. Die Antwort blieben die Macher des Kulturereignisses rund um den Künstlerischen Leiter und Jazzexperten E. Dieter Fränzel nicht schuldig. Die bereits in den vergangenen Jahren sichtbar gewordene Tendenz, über populärere Musikformate eine breitere Zielgruppe

von Kulturinteressierten in den Skulpturenpark zu locken, wurde in diesem Jahr konsequent weiter verfolgt. So konnte die Cragg-Foundation mit über 3.500 Klangart-Besuchern in diesem Jahr einen Besucherrekord verkünden. Und so bevölkerten bei fast tropischen Temperaturen Wuppertaler und von weit her angereiste Menschen den Park, um sich von „Women’s Voices“, den Stimmen dreier afrikanischer Musikerinnen verzaubern zu lassen, die


mit ihrer kraftvollen Musik und ihrer expressiven Bühnenshow das Publikum begeisterten und zu Standing Ovations hinrissen. Dobet Gnahoré, Manou Gallo sowie Kareyce Fotso trafen zum ersten und – leider (!) – vorläufig letzten Mal im Skulpturenpark zusammen. Jede von ihnen repräsentiert für sich durchaus unterschiedliche Musikkulturen, sangen ihre Lieder auf unterschiedliche Sprachen des schwarzen Kontinents, auf Zulu, Malinke, Wollof, Bete und Linga-

le, und doch wirkte ihr Konzert so, als seien sie ein schon lange eingespieltes Team. Es einte sie der Rhythmus und die Klangwelt Afrikas, wo die Menschen häufig ihre Lebenskraft, den oft schwierigen Lebensverhältnissen zu trotzen, aus der Musik schöpfen. Und so verströmten die drei Musikerinnen stimmgewaltig, tanzend, miteinander und mit dem Publikum kommunizierend pure Lebensfreude.

Neue, vor allem jüngere, Besucherschichten sollten über den Auftritt der US-amerikanischen Allroundmusikerin Butterscotch gewonnen werden - was auch funktionierte. Selten sah man bei Klangart ein solch breites Altersspektrum: vom 14-jährigen Enkel bis hin zum über 80-jährigen Urgroßvater; sie alle wollten das Butterbonbon genießen. Butterscotch singt und spielt Gitarre sowie Piano. Was sie besonders macht, ist, dass sie

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darüber hinaus auch beatboxen kann, also jenen aus dem HipHop herrührenden Sprechgesang beherrscht, bei dem die Stimme rein perkussiv wie ein Schlagzeug eingesetzt wird. Das ist stellenweise artistisch, kann aber auf Dauer ermüdend und langweilig wirken. Butterscotchs Besonderheit ist es daher, das Beatboxing mit klassischen Jazzstandards zu kombinieren. Eine wirklich gelungene und spannende Synthese zwischen diesen musikalischen Welten gelang ihr bei dem Gershwin-Klassiker „Summertime“. Häufig aber blieben Jazzstandards und HipHop-Einlagen recht unvermittelt neben einander stehen. Ob nun eine von Butterscotch adaptierte Version des einzigen Welthits der englischen Smooth-Jazz Truppe „Sade“ in den Skulpturenpark gehört, möge jeder Besucher für sich entscheiden.

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Ein Höhepunkt der diesjährigen Klangart-Reihe war zweifellos der Auftritt des israelischen Star-Bassisten Avishai Cohen, der mit seinem Quartett angereist kam. Cohen, der auf eine Mitarbeit mit Jazzgrößen wie Chick Corea, Herbie Hancock und Wynton Marsalis zurückblicken kann, zeigte beeindruckend, dass Popularität und herausragende künstlerische Qualität keine Widersprüche sein müssen. In seinen Kompositionen verschmilzt Cohen die Klangfarben und Rhythmen des Nahen Ostens mit westlichem Jazz. Eine Melange, die emotional tief unter die Haut und rhythmisch in die Beine geht. Atemberaubend schnell und mit immer wieder neuen und überraschenden Wendungen auf dem eigentlich eher etwas behäbigen Bass, bot Cohen musikalische Artistik auf sehr hohem Niveau. Kongenial war Saxofonist Eli Degibri, der mit seinem extrem expressiven, temporeichen Spiel phasenwei-

se eine intensive spirituelle musikalische Qualität erreichte. Eine wahre Überraschung war der erst 19-jährige Ofri Nehemya, eine musikalische Entdeckung Cohens, der sich am Schlagzeug überzeugend in das Quartett aus hervorragenden professionellen Musikern fügte. Cohen und seine Musiker fühlten sich scheinbar sehr wohl im Park, liefen zu Hochform auf und gaben gleich mehrere Zugaben. „What a lovely place to play“, sagte Cohen zum Publikum. „In the middle of the forest.“ Was für ein schöner Platz zum Spielen – mitten im Wald. Mobiles mediterraner Heiterkeit Der Dreiklang von Natur, Musik und natürlich Bildender Kunst bildet ja den Zauber, der sich bei Klangart im Skulpturenpark entfalten kann. Besonders dann, wenn die Macher dem Credo des Avisha Cohen 4tett


Künstlerischen Leiters E. Dieter Fränzel, folgen, „nur Musik zu präsentieren, die zum Ort und zu den hier ausgestellten Skulpturen passen.“ Ein Konzept, das rein rational nicht zu beschreiben ist, sondern Fingerspitzengefühl und künstlerischen Takt erfordert. Ein besonders gelungenes Beispiel dafür war das diesjährige Auftaktkonzert der Cellistin Anja Lechner und des französischen Pianisten François Couturier. „Wir Musiker wünschen uns einen Raum, in dem unsere Töne schweben können, zum Zuhörer hin und zu uns zurück“, schrieb Anja Lechner dem Autor dieser Zeilen. „Ein Raum aber, in dem die Musik von sich wandelndem Licht, von Bäumen wie Skulpturen und Skulpturen wie Bäumen reflektiert wird, existierte bislang nur in unseren Träumen. Jetzt wissen wir, dass es ihn wirklich gibt: im Glaskubus des Skulpturenparks in Wuppertal. Es war für mich unglaublich inspirierend an

diesem Ort zu spielen.“ Diese Inspiration war jederzeit spürbar. Das Duo entführte das Publikum auf eine Reise, die einen weiten musikalischen Bogen vom Okzident zum Orient spannte. Sie präsentierten Stücke von G.I. Gurdjieff, Frederic Mompou und Anouar Brahem, aber auch eigene Kompositionen Couturiers. So betörend schon die Musik selbst war, so fügte doch die Natur diesem Erlebnis noch ihr ganz eigenes Element hinzu. Gegen Ende des Konzertes taucht das letzte Abendlicht den gläsernen Pavillon in ein strahlendes warmes Licht, setzt den an Insekten erinnernden BronzeSkulpturen des belgischen Bildhauers Jan Fabre Spitzlichter auf. Es mag Zufall sein oder Zauber: Aber in diesem Moment hört der geneigte Zuhörer in den tiefen Tönen des Cellos eine unterirdische Armee von Käfern marschieren und summen. Doch dass wir uns aus dem Weltgetriebe hinweg-

träumen konnten an diesem Abend, das verdankte sich vor allem der Spielkunst der beiden Musiker. Wenn Anja Lechner auf ihrem Instrument hingehauchte Flageolett-Töne spielt, die sich sanft von der Begleitung auf dem Flügel lösen, wenn François Couturier auf den Tasten seines Instruments in seiner Eigenkomposition „Papillons De La Nuit“ mit höchster Leichtigkeit Falter als Mobiles mediterraner Heiterkeit tanzen und schweben lässt, dann sind das Klänge aus einer anderen, besseren Welt. Ein weiteres illustres musikalisches Paar war zu Gast im Pavillon des Skulpturenparks. Der Großmeister des Saxophons und der Klarinette Louis Sclavis, einer der Schöpfer jener „imaginären Folklore“ getauften Musik, traf auf die japanische Pianistin sowie Jazz- und Takase-Sclavis

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Improvisationsmusikerin Aki Takase. „Zuletzt“, hat Sclavis einmal gesagt, „geht es um Emotionen. Egal in welchem ‚Stil‘ oder Genre, mit welchem musikalischem Material du arbeitest, welches Instrument du spielst. Wenn es unter den Musikern stimmt, dann entsteht im Moment etwas, das nur hier und jetzt in dieser Konstellation möglich werden konnte. Das sind die Momente, die wir suchen.“ Und die Takase und Sclavis im Skulpturenpark fanden: changierend zwischen Improvisationen voller Spontaneität und Intensität des Spiels, frappierenden Überraschungsmomenten, plötzlicher Stille, Heiterkeit, Humor und Ironie. Immer ein inneres Lächeln auf den Lippen, verstanden sich die beiden Virtuosen ihrer Instrumente sowohl blind als auch sehenden und zuweilen zwinkernden Auges. Transformationen

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So zeichnen sich in der Komposition des Programms Linien ab: eine Melange aus ethnisch inspirierter, Kunst- und Freier Improvisierter Musik sowie jazzaffinen Crossover-Projekten. In diesen Mix fügte sich auch das John Dowland-Experiment des Posaunisten und Komponisten Christian Muthspiel, der sich intensiv mit Alter Musik beschäftigt hat. Aus den „Seven Tears“ Dowlands entwickelte Muthspiel zehn Kompositionen, in denen er Parallelen zwischen der Musik der Renaissance und der des Jazz entdeckte. So verweist Muthspiel auf „die freie Wahl der Instrumente, die bloße Skizzierung eines harmonischen Verlaufes und den daraus resultierenden Freiraum für den Interpreten“. Was Muthspiel mit seinem hochkarätig besetzten Quintett dann aus den Stücken Dowlands, entstanden an der Schwelle vom 16. zum 17. Jahrhundert, machte, war eine hochintelligente postmoderne kompositorische Transfor-

mation, die sowohl an die musikalische Intelligenz des Publikums als auch an ihre Freude an der Experimentierfreudigkeit der Musiker appellierte. Muthspiel ließ dankenswerter Weise sich selbst und seinen Musikern genügend Spiel-Raum für eine eigenständige, improvisatorische Auseinandersetzung mit den musikalischen Themen. Wunderbar, dass der Komponist für dieses anspruchsvolle Projekt mit Steve Swallow den großen alten Mann der Bassgitarre im Jazz gewinnen konnte. Ganz anders, aber auf ihre Weise auch schlüssig, fügte sich ein hochsommerlicher Konzert-Abend mit der albanischen Sängerin Elina Duni in den Reigen der diesjährigen Klangart-Ereignisse. Mit ihren von Folklore aus Albanien und dem Balkan inspirierten Liedern entführte Avisha Cohen Quartett


Elina Duni ihre Zuhörer „Matanë Malit“, hinter den Berg (so der Name ihres jüngsten musikalischen Programms) und zeigte dabei, wie jazzaffin die Klangwelt des Balkan sein kann. Duni, die aus einer Künstlerfamilie stammt, die aus politischen Gründen ihre Heimat verlassen musste, entdeckte die Liebe zu den Liedern ihrer Vorfahren erst im Schweizer Exil, nach Exkursen in die Klassische Musik und den Jazz. Diese Wiederentdeckung war der entscheidende Impuls, diese Musikwelten zusammenzuführen. Elina Duni tritt – im Wortsinne – barfuß auf. Sie braucht den unmittelbaren Kontakt zum Boden, zur Erde, weil sie ihren Gesang aus dem Tanz und dem Rhythmus entwickelt. Gleichermaßen charmant und dem Publikum kommunikativ zugewandt, war die Musikerin eine Botschafterin ihrer Heimat und ihrer Kultur, deren Lieder von Liebe und Schmerz, von der Natur, den bitteren

Abschieden und dem Leben im Exil erzählen. Nach diesen eher ruhigen und elegischen Klängen endete Klangart auf fulminante Art und Weise. Der Schlusspunkt war auch ein Höhepunkt, vielleicht der Höhepunkt der diesjährigen Reihe. Der in Frankreich lebende vietnamesische Gitarrist Nguyên Lê präsentierte mit seinen „Songs for Freedom“ Adaptionen von legendären Songs aus den 70er Jahren, einer Zeit des Schreis nach Freiheit, der Rebellion, des Aufbruchs zu neuen Ufern. Er präsentierte Songs u.a. von Janis Joplin, Bob Marley und Stevie Wonder und den Beatles. Obwohl in den Arrangements das musikalische Ausgangsmaterial jederzeit erkennbar blieb, machte Nguyên Lê aus diesen Songs sein ganz eigenes, unverwechselbares Ding: ein kompromisslos harter, energetisch hochaufgeladener Jazzrock, der den Zeit-

geist jener Jahre reflektiert und zugleich erstaunlich zeitgemäß in unsere Gegenwart hinüberholt. Alle Musiker des Quintetts hatten dabei Zeit und Raum, ihre je eigene Virtuosität und Spielfreude zu zelebrieren. Nguyên Lê lieferte sich an der Gitarre imaginäre Battles mit dem längst verstorbenen Jimi Hendrix und auch wenn die japanisch-italienische Leadsängerin Himiko Paganotti naturgemäß nicht die mythische Aura einer Janis Joplin erreichen konnte, so war es doch ein großer Genuss, ihren Interpretationen und ihrer großen Stimme zu folgen. Für das kommende Jahr kann man sich nur wünschen: Mehr davon! Heiner Bontrup Fotos: Karl-Heinz Krauskopf

Butterscotch

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Engel oder Sauce des Teufels Kalender-Ansichten auf eine erstaunlich surreale Stadt

„Jede menschliche Ansiedlung findet ihren Ort auf der Erdoberfläche nicht zufällig. Nie lässt sich das Auftauchen menschlicher Siedlungen an diesem oder jenen Ort rein utilitaristisch erklären, wie etwa aus den Bedingungen der Bequemlichkeit, der günstigen strategischen Lage oder der Kontrolle der Handelswege. Hinter diesen scheinbar rational erklärbaren Gründen verbergen sich andere Gründe – metaphysische, rätselhafte, im Alltag unbekannte. Das kollektive Unbewusste bewahrt in seiner Erinnerung ein Wissen um die Stellen der Konzentration von Energie, spürt oder erahnt Kraftlinien

und organisiert eben dort Ansiedlungen menschlicher Gesellschaft und Bauten.“ Nicht zufällig leitet Nick Dmitriev, der langjährige und leider viel zu früh verstorbene Organisator der russischen Free Jazz-Szene, seinen Blick auf Wuppertal mit dieser philosophischen Betrachtung ein. Wuppertal war für Dmitriev die „Stadt kultureller Helden“, und das waren für ihn vor allem Peter Kowald und Peter Brötzmann. Und natürlich die große Erneuerin des Tanztheaters, Pina Bausch. Aus der Innensicht möchte man weitere

verbindet. unfallfrei ertal mit, aus Wupp dergläubiger Sekten h ic ge in Kinder, br lzahl wun 1999 den Nobelpreis für Literatur Und das, n eine Vie ielt hwebebah steller und Bildender Künstler. Erh wo die Sc rift Sch r, Dichte 7)

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Namen hinzufügen, etwa Friedrich Engels, der die elenden Lebensverhältnisse der Arbeiter im Wuppertal beobachtete und daraus gemeinsam mit Karl Marx radikale politische Schlüsse zog, die den Fortgang der Weltgeschichte verändern sollten. Oder Else Lasker-Schüler, die expressionistische Dichterin, die über ihre Heimatstadt ein Theaterstück geschrieben hat – „Die Wupper“ – mit einem liebevollen und sehr genauen Blick

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für die Eigenarten der Menschen und die sozialen Verhältnisse im Tal. Armin T. Wegner, der Schriftsteller und mutige Menschenrechtler, fällt einem ein, der die Chuzpe hatte, unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung diesem einen öffentlichen Brief zu schreiben, in dem er den Diktator zur Revision der Judenpolitik aufforderte. Oder Johannes Rau, der als Bildungsminister ins Gelingen verliebt, den Strukturwandel durch die Schaffung einer Gesamthochschullandschaft vorantrieb und später Bundespräsident wurde. Die Reihe bedeutender Menschen, die im Wuppertal das Licht der Welt erblickten oder sich hier ansiedelten und wirk(t)en, ließe sich mühelos noch lange fortsetzen. So unterschiedlich ihre Motive und Taten im Einzelnen gewesen sein mögen, so scheint sie doch eins zu einen: ein gewisser Hang zum Nonkonformismus, eine Wider- und Eigenständigkeit. „Widersetzt euch viel und gehorcht wenig“, zitierte Armin T. Wegner den amerikanischen Dichter Walt Whitman auf seiner Abiturrede. Der Humus solcher gedanklicher und künstlerischer Selbstbestimmung ist möglicherweise dem Umstand geschuldet, dass im Wuppertal, wie Günter Grass es einmal so wundervoll sarkastisch formuliert hat, „die Schwebebahn eine Vielzahl wundergläubiger Sekten verbindet“. Offenbar ist es manchmal nur ein kleiner Schritt vom Sektierer und Spökenkieker hin zu einem Menschen, der es vermag, die Welt ganz neu und mit eigenen Augen zu betrachten und dann in ihr wirklich etwas zu verändern und zu bewegen. Dies ist das Momentum des Genialen, was im Wortsinne ja auf die schöpferische Kraft des Menschen verweist. Warum nun, um auf Nick Dmitriev zurück zu kommen, sind so viele bedeutende Menschen mit dem Wuppertal auf die eine oder andere Weise verbunden? Auf diese Fragen enthält die vorliegende Postkartenserie, die auch im Kalenderformat erscheint, einige Hinweise und Winke. Denn jede Postkarte bzw. jedes Kalenderblatt enthält ein Zitat eines Künstlers, Denkers, Kulturschaffenden, also jener Menschen, die den „metaphysischen, rätselhaften, im Alltag unbekannten“ Kräften mit seismografischer Genauigkeit nachzuspüren imstande sind. Beim Durchblättern des Kalenders wird schnell deutlich, dass Wuppertal keine im banalen Sinne „schöne“ Stadt ist. Heinrich Böll hat das so gesehen, wenn er die Stadt „ungeschminkt“ nannte und etwas in der Art meinte wohl auch Pina Bausch, wenn sie sagte: „Wuppertal ist eine Arbeitsstadt, keine Sonntagstadt.“ Ein Umstand, der für die akribisch bis zur Selbsterschöpfung arbeitende Choreographin der wahre Grund gewesen sein mag, den vielen verlockenden Angeboten aus anderen Städten zu widerstehen. Pina Bauschs Hinweis enthält möglicherweise einen verborgenen Hintersinn, dem nachzuspüren sich lohnt. Arbeit ist, physikalisch betrachtet, mechanisch übertragene Energie, gespeicherte Energie. Wuppertal eine Stadt war und ist eine Stadt voller Energie, eine Stadt, die im 19. Jahrhundert zum Motor der Industriellen Revolution wurde, eine Stadt mit

Günter Grass

Else Lasker-Schüler

Kasimir Edschmid

Jean Cocteau

Friedrich Engels

Tom Tykwer

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Gerhard Nebel

Hermann Hesse

Johannes Rau

Pina (Philippina) Bausch

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„Begriffe ohne Anschauungen sind leer“, sagte der Philosoph Immanuel Kant. Und so werden in diesem Kalender den Zitaten einfühlsam Lichtbilder des Wuppertaler Fotografen Bjørn Ueberholz hinzugesellt. Häufig im Zwielicht des Nebels, des frühen Morgens oder späten Abends aufgenommen oder mit Schärfe und Unschärfe spielend, spiegeln diese Photographien den geheimnisvollen Charakter der Schwebebahnstadt, transportieren die metaphysische Energie dieser Stadt. Es sind keine im banalen Sinne „schöne“

Schwebebahnen begegnen sich in Varresbeck

Februar

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Kaiserstraße in Vohwinkel

Mag für Else Lasker-Schüler die Wupper die „Sauce des Teufels“ gewesen sein, der französische Dichter und Filmemacher Jean Cocteau schrieb, als er die unwahrscheinliche und magische Wirklichkeit der Stadt wahrnahm: „Mais c‘ est un ange. - Aber das ist ja ein Engel.“ Wahrscheinlich war er entzückt von dem surrealen Charakter der Stadt, in der sich die Kathedralen des Kapitals und des Glaubens, der Industrie, des Verkehrs und die ärmlichen Arbeiterbehausungen entlang der Wupper dicht an dicht drängten. Wer vermochte schon die hinter diesen Kulissen verborgene Wirklichkeit der dort lebenden Menschen zu enthüllen? Diesen Charakter des Rätselhaften sieht auch heute noch der aus Wuppertal stammende Filmemacher Tom Tykwer: „Wuppertal versteckt sich in seinem Tal und pflegt seine Geheimnisse.“

Else Lasker-Schüler (1869 – 1945) Zitat aus: Elberfeld im dreihundertjährigen Jubiläumsschmuck (Gesichte, 1913)

„Mais c‘est un ange !“ (Aber das ist ja ein Engel !) Jean Cocteau (1889 – 1963) Französischer Schriftsteller, Regisseur und Maler.

April

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Das Friedrich-Engels-Geburtshaus in Barmen

Johann Wolfgang v. Goethe

Den Atem mussten wir einhalten, kamen wir an den chemischen Fabriken vorbei, allerlei scharfe Arzeneien und Farbstoffe färben die Wasser, eine Sauce für den Teufel.

Der schmale Fluß ergießt bald rasch, bald stockend seine purpurnen Wogen zwischen rauchigen Fabrikgebäuden und garnbedeckten Bleichen hindurch. Friedrich Engels (1820 – 1895) Aus: Briefe aus dem Wuppertal, März 1839.

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Der Beyenburger Stausee mit dem Kloster Steinhaus

Robert Wolfgang Schnell

ungeheurem, rasanten Wachstumspotential, das „Manchester Deutschlands“. Die Triebriemen hielten die Webmaschinen von Friedrich Engels senior und die vieler anderer Fabriken in Gang. Sie trieben aber auch die Menschen an, die dort unter extrem harten Bedingungen arbeiteten. „Wer kennt und sieht sich denn in dieser Stadt, in der jedermann sich nur zu Tode arbeitet?“, schreibt Kasimir Edschmid in seinem Wuppertal-Roman „Der Zauberfaden, Roman einer Industrie“. Friedrich Bayer gründet hier seine Werke, entdeckte das Aspirin und schuf ein Imperium der chemischen und medizinischen Industrie. „Den Atem müssen wir einhalten, kamen wir an den chemischen Fabriken vorbei“, notiert denn auch Else Lasker-Schüler, „allerlei scharfe Arzneien und Farbstoffe färbten die Wasser, eine Sauce für den Teufel.“

Wuppertal ist der Bindestrich von Nordrhein-Westfalen. Johannes Rau (1931 – 2006) Deutscher Politiker und von 1999 bis 2004 der achte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

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Über diese Stadt wurde viel geschrieben. Fertig geworden ist keiner mit ihr. (Lisa Kristwaldt)

Titelblattfoto von Bjørn Ueberholz zum Kalender „Wuppertaler Ansichten. Fotografie, Zeichnung und Zitat 2014“

2014

Kalender Wuppertaler Ansichten Stadtansichten, sondern Bilder, die jenseits der Antithetik des „Entweder Fotografie, Zeichnung und Zitat 2014“ dem Mysterium dieser Stadt mit den oder Oder“ ein höheres „Und“ gibt, in 12 Aussagen zur Stadt. Fotos: Bjørn Ueberholz, Zeichnungen: Andreas Noßmann, Verlag: HP Nacke Wuppertal der Photographie eigenen Möglichdem die Gegensätze versöhnt und auf12 Aussagen zur Stadt keiten nachspüren. Ergänzt werden gehoben sind. Eine mögliche Antwort Fotos: Bjørn Ueberholz Postkarte bzw. Kalenderblatt durch auf diesen theologisch-metaphysischen Zeichnungen Andreas Noßmann Zeichnungen von Andreas Noßmann, Disput zwischen Else Lasker-Schüler der die in diesem Kalender vereinten und Jean Cocteau enthält in diesem 13 hochwertige Vierfarb-Reproduktionen Dichter und Künstler portraitiert. Sinne das folgende Zitat aus dem zuzüglich 1 Übersichtsblatt. Roman „Eine Tüte Himbeerbonbons“ Format 42 x 29,7 cm, auf 200 g/m2, In diesem Dreiklang aus Zitat, Robert Wolfgang Schnells: „Das war matt Kunstdruck. VK 18.90 Euro, Photographie und zeichnerischem ein bergisches Haus mit weißen FensISBN 978-3-942043-35-9 terrahmen, grünen Schlagläden und Portrait sind zwölf Kalenderansichten schwarzer Schieferverkleidung. Farben, auf Wuppertal entstanden, die sich Verlag HP Nacke Wuppertal die des Himmels, der Erde und des kaleidoskopartig zu einem Bild dieser Friedr.-Engels-Allee 122, 42285 Wuppertal Grabes gedenken.“ Stadt zusammenfügen und dabei über Telefon 02 02 / 28 10 40 die Ansichten zu überraschenden Heiner Bontrup Telefax 02 02 / 8 31 67 Einsichten in den Charakter dieser verlag@hpnackekg.de Stadt führen, aber auch die Frage aufwerfen, welche der Ansichten denn mehr Gültigkeit beanspruchen darf: Ist diese Stadt nun eher ein Engel oder die Wupper doch eine „Sauce des Teufels“? Doch die Dialektik lehrt, dass es

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Tango de Mis Amores Tanztheater – an und in der Wupper

Es war einmal... Mit diesem Satz fangen Märchen an. Immer wieder sind es die Mutigen, die Träumer, die den Aufbruch wagen und sich in Gefahren begeben, das Abenteuer suchen, um die Liebe, das Glück oder das eigene Herz zu finden. Es war einmal, eine Vision, ein Traum, den Tanz aller Tänze auf die Straße und an die Lebensader der „grausig interessanten Stadt“ (Hermann Hesse), an die Wupper zu bringen. Was im Jahr 2009 mit einem einzelnen TangoTag begann, ist mittlerweile zu einem beachteten kulturellen Ereignis im Terminplan von Stadt und TangoLiebhabern geworden. Aus einem einzelnen Tag wurde seit 2010 ein ganzes Wochenende, und in diesem Jahr gleich zwei, an denen der Tango – wörtlich zu nehmen – die Wupper eroberte.

Seit 2010 findet das Tango-Tanztheaterfestival am „Strand“ der Wupper nahe der Tangoschule in der Gutenbergstraße 10-12 statt. Doña Piedra, Tänzerin, Choreographin und Leiterin des „Estudio de Tango“, der Tangoschule „TangoArte“ im Wuppertaler Viertel Arrenberg, bietet dabei in ihrem Tanzstudio der Kunst und der Kultur ein Quartier. Höhepunkt in diesem Jahr war das Tango-Tanztheater „NADA“ (Nichts), das am 12. Juli seine gefeierte Premiere erlebte. An fünf Abenden verwandelte sich das Wupperufer in ein argentinisches Dorf, in dem die Besucher unter freiem Himmel die sinnliche Atmosphäre von Tanz im Wasser, unter den Sternen und der vorbei gleitenden Schwebebahn erleben konnten. Getanzt wurde zur Melancholie des Tangos die

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klassische Geschichte von verlorener Liebe und verpassten Chancen. Das szenische Stück führte zurück zu den Anfängen des Tanzes, in die Verlorenheit der vielen Einwanderer Argentiniens am Ende des 19. Jahrhunderts und deren verzweifelte Suche nach Liebe und Glück. Alfonso Gravina, Weltmusiker und Frisör aus Wuppertal, begleitete den Abend instrumental, der argentinische Sänger Pablo Banchero gab dem Stück Stimme und den archetypischen Schmelz.

Die Namen von Bernd Uwe Marszan (25 Jahre Pina Bausch-Tänzer), Jost Budde & Mareike Focken (Teatro Tango Düsseldorf ), Armin Arabi & Doña Piedra (Estudio de Tango), Christian Schmidt (Estudio de Tango) und Gabriele Koch (dancefield) zogen Gäste nicht nur aus der Region, sondern auch Tango-Freunde aus ganz Europa zu diesem Ereignis in das aufstrebende Quartier am Arrenberg. Die aufwendige Inszenierung vor der rohen Ziegelsteinmauer eines ehemaligen Fabrikgebäudes, mit einer Bühne auf

zwei Ebenen, eine davon in die Mitte des Flusses versenkt, was einen Tanz „auf dem Wasser“ ermöglichte, erweiterte die Dimensionen des Erlebens. Vor einer Kletterwand schwangen die Tangotänzer, nur durch Seile gesichert nebenund übereinander, ohne sich treffen zu können: „Desencuentro“. Die Eleganz des Tanzes verschmolz mit atemberaubender Artistik.

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Die Nachtstimmung der dem unverwechselbaren Flußbild zwischen alten Fabriken „auf den Leib“ geschriebenen Inszenierung und der beinahe magische Tanz auf der wie aus Versatzstücken dieser Fabriken im Wasser zusammengenagelten Bühne taten ein Übriges. Und dann die „Partizipation“: auch vor und nach der Tanztheateraufführung wurde getanzt. Von allen. Das nämlich ist der alle erfassende, belebende Moment, in dem der Funke überspringt vom „die tanzen“ zum „wir tanzen“ und zugleich das künstlerische Ziel: Menschen in Tanz, Gefühl und Liebe zu vereinen. Denn nichts anderes ist der Tango: in Tanzschritte gegossenes tiefes Gefühl, Sehnsucht und Leidenschaft. Das Ensemble Tango de Mis Amores, hat übrigens für Dezember eine Einladung zum 2. Tango Festival in San Telmo Buenos Aires. Also: nicht es war einmal. Der Tango lebt. Frank Becker Fotos: Bettina von Roeder-Rohjan, Seite 22 Wolfgang Kamm, Seite 23, 25, 26 oben John Art, Seite 24 Benny Trapp, Seite 26. mitte/unten

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Summertime

Es gibt Musik, die uns durchs ganze Leben begleitet. Sie holt uns immer wieder ein und begegnet uns an den ungewöhnlichsten Orten. So geht es mir mit Summertime, dem schönen Wiegenlied aus der Oper Porgy and Bess von George Gershwin. Bei einem Besuch der Museumsinsel Hombroich in der Nähe von Neuss betrat ich gleich am Beginn des Rundganges den Klangturm des Architekten Erwin Heerich und fing an Summertime zu singen. Überrascht von meiner Stimme und dass ich mich vor der hohen Sopranlage nicht scheute, die sich im Raum doppelt so stark ausbreitete und in der Tiefe des Turmes in vielen Echos, wie von einem ganzen Chor begleitet, wohltönend zurückkam, fühlte ich mich frei wie nie zuvor. Zu diesem Ort gehörte die bestimmte Atmosphäre der Architektur und eine bestimmte Stimmung, in der sich etwas entfaltete. Es war die Offenheit des Raumes, die mich beschwingte, beglückte und bewegte. Der Raum war in diesem Augenblick ein Ort der Freundschaft.

Summertime and the leaving is easy, fish are jumping and the cotton is high... Die Besucher wurden vom Gesang aus dem Turm angezogen und sicherlich auch aus Neugier hörten sie mir von draußen zu. Nur eine Frau, die in den Raum hineinging und mit mir eine Oktave tiefer in den Song einstimmte, fragte mich nachher, ob ich Sängerin wäre. Ich verneinte. Sie wurde genauso überrascht von ihrer eigenen Spontanität wie ich zuvor und obwohl ich sie nicht kannte, fühlte ich mich ihr ganz nah. One of these mornings you‘re going to rise up singing, then you‘ll spread your wings and you‘ll take to the sky... Gestern bestellte ich mittags eine Pizza bei Rinaldo. Sie war noch nicht fertig, als ich sie abholen wollte und so machte ich einen Spaziergang zum nahen kleinen Park auf der Kluser Höhe, wo man einen schönen Blick auf Wuppertal Elberfeld bis hinüber zur Hardt mit dem unverwechselbaren Elisenturm hatte. Ich hörte die Klänge eines Saxophons. Neugierig geworden, folgte ich diesen. Auf dem Spielplatz,

mitten im Grün, von einigen hohen Bäumen umgeben, stand ein Mann in typischer Saxophonhaltung. Er verbarg sein Gesicht hinter einer großen Sonnenbrille und spielte Summertime. Your daddy‘s rich, and your mamma‘s good looking, hush little baby, please don‘t cry … Die Bäume, die Sträucher, das Gras, ja sogar die beiden Schaukeln auf dem Spielplatz wiegten sich im Rhythmus der Melodie, dem sich dieses Mal die Architektur des Himmels öffnete. Das Moos auf dem Weg dämpfte aufmerksam meinen Schritt, zwang mich zum Stillstehen. Auch das Rauschen der Schwebebahn im Tal über dem Wupperfluss, das man immer hier oben hören konnte, verstummte. Nur die Musik weinte. But till that morning, there‘s a‘nothing can harm you, with daddy and mamma standing by … Friederike Zelesko Foto: Bjørn Ueberholz

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Pina Bausch – Tanztheater Wuppertal Jochen Viehoff und sein neuer Kalender 2014 Auch fünf Jahre nach dem plötzlichen Tod der Wuppertaler Choreographin gelingt es Jochen Viehoff, einen frischen Blick auf das Ensemble des Tanztheaters zu werfen. Die sorgfältig komponierten Momentaufnahmen sind von spannungsvoller Dynamik – das stark angeschnittene Längsformat erweckt den Eindruck, als ob Tänzer jeden Augenblick von der Bühne verschwinden oder mit einem Mal weitere Personen ins Blickfeld geraten könnten. Viehoff nutzt die ganze Bandbreite des Panoramablicks, um die Beziehungen der Figuren treffend zu charakterisieren. So könnte die Entfernung zwischen den beiden Protagonisten in „Nelken“ kaum größer sein, getrennt durch ein Blumenmeer, das die ganze Bildlänge einnimmt. Distanzierte Aufnahmen in die Tiefe des Bühnenraums wechseln mit intimen Nahansichten. Von suggestiver Spannung ist etwa die Szene aus „Komm tanz mit mir“, wo sich Rainer Behr und Ditta Miranda Jasjfi im dichten Gestrüpp der Birken verstricken, Sinnbild für ihre undurchdringliche Beziehung. Jochen Viehoff macht sichtbar, was Wim Wenders über Pina Bausch so formuliert hat: „Sie hat ihren Blick ungeheuer geschärft für all das, was wir mit unseren Bewegungen und Gesten sagen, was wir damit über uns selbst verraten“. (Susanne Buckesfeld)

Tanzinteressierte wissen, dass sie sich auch 2014 ein weiteres Jahr auf das Tanztheater Pina Bausch unter der neuen künstlerischen Leitung von Lutz Förster freuen können. Viele, die sich dazu noch das ganze Jahr an Fotos der Aufführungen erfreuen wollen, kennen auch den jährlichen Tanzkalender mit Bildern des Fotografen Jochen Viehoff. Im Grunde genommen erscheint es müßig, solche Kalender zu besprechen, denn außer den wechselnden Fotos wiederholen sie sich Jahr um Jahr. Diesmal ist es anders. Jochen Viehoffs Tanzkalender für 2014, gerade frisch gedruckt, erscheint in einem ungewöhnlichen Format von 47,5 x 26,5 cm. Dadurch entstehen quasi Panoramaansichten, die einen interessanten Blickwinkel auf das ausgewählte Bühnengeschehen ermöglichten. Die vom Fotografen ausgewählten Szenen lassen die Bühne offener erscheinen und die Tänzer fokussiert im Raum agieren. So wird zum Beispiel auf dem Januarblatt Julie Anne Stanzak mit einer Tanzpose im linken Bildteil platziert. Sie trägt ein leuchtend orangenfarbenes Kleid, das im Kontrast zum aufbauschenden Gazevorhang des bühnenfüllenden Hintergrundes steht. Und doch ist in der Weite des Raumes die Tänzerin der Mittelpunkt („Sweet Mambo“). Sechs der Kalenderblätter zeigen ähnliche Motive mit Einzelposen von Tänzerinnen oder Paaren. Sieben Blätter inklusive dem Deckblatt, stellen Ensembleszenen dar. Sie lassen die Weite der Bühne erahnen,

wobei die Fotos so angeschnitten sind, als ob der Raum und die Szenerie außerhalb des Blickwinkels des Betrachters fortgeführt werden. Diese Bildgestaltung ist ungewöhnlich und ungewöhnlich reizvoll. Dieser Fotokalender ist durch die neue Perspektive außergewöhnlich sehenswert. Der 1968 geborene, promovierte Physiker Jochen Viehoff widmet sich schon seit vielen Jahren der Fotografie. Ab 1996 begleitet er das Wuppertaler Tanztheater. Er war künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Kunsthochschule für Medien Köln und ist derzeit Geschäftsführer am Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn. Ich erhoffe mir viele neue Fotos der kommenden Spielzeit, dem Fest „Pina40“ und vielleicht ganz neu entwickelten Stücken des Tanztheaters. Im vorliegenden Kalendarium zeigt Viehoff Szenenfotos der Aufführungen von „Sweet Mambo“, „Rough Cut“, „Wiesenland“, „Nefés“, „Nur Du“, „Komm tanz mit mir“, „Bamboo Blues“, „Ahnen“, „Nelken“ und als Titelblatt „...como el musguito en la piedra, ay, si, si, si...“. Jürgen Kasten

Pina Bausch, Tanztheater Wuppertal Kalender 2014, Fotos Jochen Viehoff Verlag HP Nacke, Wuppertal Querformat 47,5 x 26,5 cm, 18,90 Euro, ISBN: 978-3-942043-92-2

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Harald Klingelhöller, In a landscape reacting to words, 1999, Bronzeguss, braunes Papier (Winkel-Version), 108 x 44 x 105-120 cm, © Klingelhöller

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Harald Klingelhöller – Neue Skulpturen Ausstellung im Skulpturenpark Waldfrieden 19. 10. 2013 bis 12. 1. 2014

Harald Klingelhöller, In a landscape reacting to words, Schattenversion dreifach in Kartonform einfach, in weißer Kartonform einfach, 2012, Stahl, schwarz/weiß pulverbeschichtet, © Klingelhöller

Harald Klingelhöller wird in Wuppertal neue Skulpturen zeigen, die auf der Grundlage sprachlicher Konstruktionen entstanden sind. Hierin gleichen sie früheren Arbeiten Klingelhöllers. Die seinen Werken zugeordneten Sprachformen bestimmen insofern deren Gestaltung, als sich aus ihnen die Grundordnung der Skulptur ableitet. Klingelhöllers Werke stellen damit immer auch in seinem jüngsten Schaffen die Frage nach der Autonomie des Kunstwerks und seiner Deutbarkeit im Zusammenhang mit dem Entstehungskontext. Die Ausstellung im Skulpturenpark Waldfrieden zeigt neben den sogenannten „Schrankversionen“ der Arbeiten „Waldrand gespiegelt“, „Der Himmel über schmelzendem Schnee“ und „Straßen nach dem Regen“ auch „Das Meer bei Ebbe geträumt“ als Schrank- und als sogenannte „Schattenversion". In Wuppertal ist Harald Klingelhöller kein Unbekannter: seine Skulptur „why“ steht seit 2009 inmitten des Kreisverkehrs am Hofkamp, die für das Projekt

„Sicht Weisen - Kunst auf der Talachse“ (2007) entstand. Harald Klingelhöller wurde 1954 in Mettmann bei Düsseldorf geboren, wo er von 1976 bis 1982 bei Klaus Rinke studierte. Seine Arbeiten waren früh in Ausstellungen zu sehen, an denen sich unter anderen auch Thomas Schütte, Reinhard Mucha, Wolfgang Luy und Ludger Gerdes beteiligten. 1993 trat er eine Professur an der Kunstakademie Karlsruhe an, die er bis heute ausübt. Klingelhöllers Arbeiten sind seit Jahrzehnten in wichtigen internationalen Ausstellungen zu sehen; unter anderem 1987 auf den Skulpturprojekten Münster, 1990 in der Whitechapel Gallery, London, 1992 auf der documenta 9, und in großen Einzelausstellungen 1997 im Lenbachhaus, München, und 2007 im Museu Serralves, Porto.

Skulpturenpark Waldfrieden Hirschstraße 12, 42285 Wuppertal Telefon 0202 4789812 0

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Tony Craggs „Domagk“ Zur Entstehung der Skulptur Natürlich gibt es in Wuppertal die weltbekannte Schwebebahn (1901 erbaut), natürlich den Zoo in dem sehr schönen Landschaftspark des im 19. Jahrhundert sehr bekannten Gartenarchitekten Heinrich Siesmayer. Die sinfonischen Konzerte in der neobarocken, historischen Stadthalle ziehen ebenso wie die Vorstellungen im traditionsreichen Barmer Opernhaus auch das auswärtige Publikum an. Das Tanztheater Pina Bausch ist weltweit berühmt. Das wunderbare Schauspielhaus, 1966 erst erbaut, der schönste Theaterneubau in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg, denkmalgeschützt, inzwischen heruntergewirtschaftet, macht bundesweit Schlagzeilen, weil die Stadt es abreißen will! Es gibt das Engelshaus in Barmen, mit welchem an Friedrich Engels erinnert wird. Aber dass von Wuppertal die Entwicklung der modernen Antibiotika für die Welt ausging, für deren bahnbrechende Entdeckung Gerhard Domagk 1939 der Nobelpreis zugesprochen wurde, ist auch alteingesessenen Wuppertalern nicht geläufig – und einen Ort, der daran erinnert, gab es bislang nicht, gibt es aber jetzt seit August 2013.

Zur Vorgeschichte: Gerhard Domagk war Gründungsmitglied der Wuppertaler Medizinisch-Naturwissenschaftlichen Gesellschaft (MNG), die die wissenschaftliche Diskussion zwischen Medizin und Chemie fördert. Auf der Mitgliederversammlung der MNG am 12. 6. 2011 wurde der Vorschlag diskutiert, mit einem Denkmal an Gerhard Domagk und seine Entdeckungen zu erinnern. Und wenn es gelänge, Tony Cragg zu diesem Denkmal zu motivieren? Tony Cragg arbeitet seit 1977 in Wuppertal, legte 2008 den Skulpturenpark Waldfrieden an und stellt weltweit aus. Auch unter der Pyramide des Louvre faszinierte die strahlend rote Skulptur Versus. Mit Domagk und Cragg kann Wuppertal in der Welt als eine Stadt der Wissenschaft und Kunst wahrgenommen werden. Auf der Website der MNG wurde das Projekt angekündigt. Am 16. 3. 2012 fand ein erstes Gespräch mit dem Bildhauer in seinem Atelier statt. Idee und Projekt wurden diskutiert. Ein Denkmal herkömmlicher Art wie die zahllosen Bismarckdenkmäler oder die Skulpturen und Büsten bedeutender Wissenschaftler (z. B.

Bunsen in Heidelberg, Virchow und Koch in Berlin) war von Tony Cragg nicht zu erwarten. Craggs Skulpturen sind Denkmäler vor allem seiner eigenen Originalität, seiner Raumvorstellungen, sind keine Kopie der Natur. Tony Cragg war bei diesem ersten Gespräch von dem Projekt sofort angetan und zeichnete noch in unserer Anwesenheit einen ersten Entwurf. Ein endgültiger Entwurf lag nach Ostern 2012 vor. Eine Möglichkeit der Finanzierung zeichnete sich ab. Die Bayer-AG würde der Stadt Wuppertal die Cragg-Skulptur zur ihrem 150jährigen Firmenjubiläum im August 2013 schenken. Es handelt sich um Schattenrisse der Skulptur im Winkel von 90 Grad. Sie wird ca. 300 cm hoch und 250 cm breit sein. Eine sichere räumliche Vorstellung stellt sich für den Betrachter noch nicht ein. Aber aus diesen Schattenrissen entsteht ein dreidimensionaler Raumkörper aus zentimeterdicken Holzscheiben, die mit Hilfe einer Bandsäge im Atelier von Tony Cragg aus Holzplatten nach vorgezeichneter oder vorgedruckter Schablone Foto: Uwe Schinkel

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gesägt werden. Die Grundplatte am Boden der Skulptur entspricht ihrem Grundriß, jede Platte darüber dem jeweiligen Querschnitt der zukünftigen Skulptur. Aufeinander gepackt - das Prinzip der Schichtung ist eine seit vielen Jahren mit verschiedenen Materialien geübte Technik des Künstlers

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– entsteht so eine massive Holzplastik, deren kantige Oberfläche entsprechend dem Überstand der zentimeterdicken Holzscheiben in mühevoller Kleinarbeit völlig glatt geschliffen, poliert und geölt wird. Diese Schichtholzplastik wurde nach ca. sechs Monaten fertig und in Paris und London Ende 2012 unter dem

inzwischen festgelegten Titel „Domagk“ ausgestellt. Die Skulptur ist nicht symmetrisch und weist in der horizontalen Ebene eine längere und eine kürzere Achse auf. Sie ist von außerordentlich plastischer Wirkung im Raum. Nach den Ausstellungen wurde sie in die Kunstgießerei Kayser nach Düsseldorf geschafft, wo der Bronzeguß erfolgte. Dazu wurde die Holzplastik in Formsand eingegraben und die jeweils sichtbaren Teile mit harzgebundenem Formsand abgeformt. Auf diese Weise entstehen im Falle von „Domagk“ ca. 30 Teilgußformen von der gesamten Oberfläche der Skulptur. Es handelt sich um Negativformen, von denen erneut mit Formsand positive Formen erstellt werden. Nach Abtragung einer 8-10 mm dicken Schicht, entsprechend der späteren Metallstärke, entsteht ein Zwischenraum zwischen Negativ- und Positivform, der mit flüssiger Bronze ausgegossen wird. So arbeiten die Kunstgießer prinzipiell in gleicher Weise seit Jahrhunderten. Nach diesem komplizierten Verfahren der verlorenen Form – so genannt, weil die Form beim Herauslösen der Bronzeplastik zerstört wird - entstanden in der Düsseldorfer Kunstgießerei ca. 30 Rohgußteile der zukünftigen Skulptur, die beim Zusammensetzen und Verschweißen bearbeitet und angepaßt wurden mit Schnitt, Zug und Druck. Zur Stabilität wurden im Inneren der Skulptur Verstärkungen eingeschweißt. Außerdem wurde die Oberfläche der Skulptur in allen Falten und Winkeln völlig glatt geschliffen. Endlich gab es 2 große Teile der Skulptur: den unteren Teil, der zunächst verkehrt herum stand, mit der Bodenplatte oben und mit zwei Edelstahlstützen im Inneren der Skulptur für Stabilität und Standfestigkeit, und einen oberen Teil. Die Mächtigkeit der Stahlstützen sowie ihr Winkel zur Bodenplatte wurde von einem eigens dafür bestellten Statiker berechnet. Ca. 3 Wochen vor Fertigstellung der Skulptur wurden die beiden Teile miteinander vereint, wurde im Gießerei-Jargon „Hochzeit“ gefeiert. Da stand die „goldene“ Bronzeskulptur zum ersten Mal aufrecht in voller Größe auf dem Boden. Der Schnitt der beiden Teile wurde nachgearbeitet, verschweißt und geschliffen, so dass die beiden Teile völlig


exakt aufeinander sitzen. Zuletzt wurde die Skulptur bei hochsommerlichen 35 Grad Außentemperatur ohne Klimaanlage in der Werkshalle patiniert. Der komplizierte Produktionsprozeß wurde wie immer von Tony Cragg überwacht und erfolgte unter der stets präsenten Aufsicht und sachkundigen Anleitung von Rolf Kayser, in dessen Werkstatt nicht nur Cragg-Skulpturen gegossen werden und dessen Erfahrung von erheblicher Bedeutung für das endgültige Ergebnis ist. Der fertigen Skulptur sieht man die Mühen und Schwierigkeiten ihrer Herstellung nicht mehr an, erlebt aber als Betrachter, wie sie den Ort verändert. Man muß um sie herum gehen und sie von verschiedenen Seiten betrachten. Craggs Skulpturen „erschließen als komplexe Zeichen neue Erfahrung und neue Einsicht“ der Natur (Tony Cragg 2002 Signs of Life S. 163). In „Domagk“ treffen Kunst und Wissenschaft zusammen, die auf unterschiedliche Weise Erfahrungen der Natur spiegeln. Ein würdiges Denkmal für die naturwissenschaftliche Großtat des Nobelpreisträgers, ein wichtiger Ort für Wuppertal und ein wunderbares Geschenk von BAYER an die Stadt. Am 30.07.2013 wurde „Domagk“ aufgestellt und am 01.08.13 enthüllt. Gerhard Domagk hätte sie von seiner Wohnung aus immer sehen können. Johannes Vesper Redaktion: Frank Becker Fotos Seiten 33 u. 35: Uwe Schinkel Fotos Seiten 32 u. 34: Johannes Vesper Großer Kulturpreis 2013 der SparkassenKulturstiftung Rheinland für Tony Cragg Der in Wuppertal ansässige Bildhauer Tony Cragg erhält am 10. 10. 2013 den mit 30.000 Euro dotierten „Großen Kulturpreis“ der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland, einen der höchstdotierten deutschen Kulturpreise. „Die Stiftung ehrt mit dem Preis einen der bedeutendsten Bildhauer der Gegenwart für sein überragendes künstlerisches Werk und sein Engagement für die Kunst“, begründete Michael Breuer, Präsident des Rheinischen Sparkassenund Giroverbandes und Vorsitzender des Kuratoriums der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland die Entscheidung der Stiftungsgremien. 35


Q, Peter Brรถtzmann 10. Wuppertaler Jazzmeeting Okt. 2012


Moments in Time Das Wuppertaler Jazzmeeting und seine Geschichte

Jazzpension Bigband – Saxophonsatz 4. Wuppertaler Jazzmeeting 20. 10. 2006

Caroline Pook ist Geigerin und Komponistin und sie lebt in New York. Doch hier und heute, an diesem letzten Freitag im Oktober des Jahres 2012, ist sie in Wuppertal. Genauer im Ada, der türkischen Kulturkneipe, um zu hören, wie ihre Idee Wirklichkeit wird: Komposition trifft auf Improvisation. Ausgerechnet für den Nestor des Wuppertaler Free Jazz - Peter Brötzmann - hat sie ein Stück für Schlagzeugensemble komponiert. Vier Musikstudenten und vier klassische Musiker traktieren unter Leitung der Dozenten der Kölner Musikhochschule Werner Dickel (Dirigent) und Matthias Goebel Trommeln, Pauken, Gleisschienen, ein Vibraphon und Kinderklaviere. Perkussive Patterns fügen sich nach strengen, fast mathematisch anmutenden Mustern aneinander, schichten sich zu immer neuen energetisch aufgeladenen Kaskaden: postmoderne Klangarchitektur von bezwingender, stellenweise sogar magisch anmutender Intensität, oder

um ein anderes Sprachbild zu bemühen, ein Soundteppich, ausgebreitet für das Improvisationsspiel Peter Brötzmanns, der das tut, was er immer tut, wenn er Saxophon spielt. Er spielt sich selbst. Eine halbe Stunde lang bläst Brötzmann pausenlos in sein Saxophon, lässt sich von der perkussiven Energie treiben, zuweilen scheint es, als treibe er selbst das ausgeklügelte musikalische Glasperlenspiel vor sich her, er kommuniziert mit der Komposition, spielt mit ihr, taucht ein in sich selbst, gerät in irgendeine geheime Kammer, die nach all den Jahren, immerhin einem halben Jahrhundert, so geheim vielleicht auch nicht mehr ist, und an diesem Ort, ganz tief in ihm selbst, findet er die Töne mit traumwandlerischer Sicherheit - und die Kraft, immer weiter zu machen, immer weiter… Vital, lebendig und innovativ Caroline Pook muss glücklich sein, diese Musik beim 10. Wuppertaler Jazzmeeting

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zu hören, zu erleben, dass sie eine Musik geschaffen hat, die ideal ist für das Spiel Brötzmanns. Dass sie diesen Musiker und seine Spielweise kennt, von dem Bill Clinton, früherer US-Präsident und Saxophonist gesagt hat, er sei einer der innovativsten Jazzmusiker des vergangenen Jahrhunderts, versteht sich von selbst. Es zeigt aber auch, wie weit die „Sounds like whoopataal“ bereits hinaus gegangen sind in die Welt des Jazz. Und wie eingebunden die Schwebebahnstadt ist in das große Netzwerk dieser Musik. Umso spannender ist es, die Nabelschau der Wuppertaler Jazzszene beim „Meeting“ mitzuerleben. Schaut man zurück auf die letzten zehn Jahre, so stellt sich dieses Festival als eine einzige Erfolgsgeschichte dar. Dabei waren die Initiatoren dieses Ereignisses im Geburtsjahr dieses Festivals - 2002 - skeptisch, ob es nach der Premiere überhaupt eine Fortsetzung geben würde. „Als wir damals noch mit Peter Kowald darüber nachgedacht haben, wie man die lokale Jazzszene fördern und beleben kann, kamen wir auf die Idee, ein Festival für Jazzmusiker aus Wuppertal und der Region auf die Beine zu stellen. Ernsthaft daran geglaubt, dass es ein zehnjähriges Jubiläum geben würde, hat damals wohl niemand“, sagt Rainer Widmann, der dieses Meeting gemeinsam mit dem Herausgeber dieses Kalenders Hans Peter Nacke, Uli Armbruster, Ulrich Rasch, Dietrich Rauschtenberger, Dieter E. Fränzel und Jorgo Schäfer organisiert hat. Beeindruckend sind allein die Zahlen. Über 500 Musiker haben im Lauf der Zeit beim Jazzmeeting gespielt; der Etat hat sich von den Anfangszeiten bis heute auf mehr als 20.000 Euro verdoppelt. Dazu trägt u.a. seit vier Jahren vor allem auch der Landesmusikrat mit seiner finanziellen Unterstützung bei, den Qualität und Konzept des Meetings überzeugt haben. Er war es auch, der die Auftragskomposition Caroline Pooks mitfinanziert hat. Knapp 5.000 Menschen haben bei diesem Festival in dieser Zeit die Entwicklung des Jazz in der Bergischen Metropole mitverfolgen können. „Wuppertal hat eine vitale, lebendige und innovative Jazzszene, die immer wieder neue Formationen, Konstellationen und Talente hervorbringt, so dass wir jedes Jahr ein neues und abwechslungsreiches Programm machen können“, erklärt Rainer Widmann diesen Erfolg.

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Matha Lohmann (voc, perc), Latin Session Band 5. Wuppertaler Jazzmeeting Okt. 2007 Überraschungscoup Doch nicht allein der Zuhörerzuspruch beeindruckt beim Jazzmeeting. Zu den besonderen Reizen des Festivals gehört es, Musiker über Jahre hinweg in ihrer Entwicklung begleiten und sie künstlerisch wachsen zu sehen. Was etwa Marvin Dillmann auf dem Didgeridoo zu leisten imstande ist, ist nicht nur unter rein technischen Aspekten aller Ohren wert. Gemeinsam mit dem ebenfalls phantastischen Pianisten Daniel Bark, entführte er die Zuhörer in eine berückende musikalische Traumzeit. Die beiden Musiker harmonierten hervorragend zusammen und erhielten völlig zu Recht Standing Ovations. Zehn Jahre Jazzmeeting: Undenkbar ohne Wolfgang Schmidtke, Erfinder und Künstlerischer Leiter des Nachtfoyers, einer innovativen Jazzreihe im Schauspielhaus. So erinnerte die Wuppertaler

Jazzrockformation „Das Pferd“ zehn Jahre und etliche musikalische Einzelprojekte der Musiker später trafen beim Meeting die Pferd-Protagonisten daran, was für wunderbare Jazzmusiker hier im Tal lebten und leben und spielen: Es war kompromissloser harter Jazzrock voller Intensität und Spielfreude, Energie und Originalität. Ein musikalischer Höhenflug jenseits ausgetretener Pfade, der unbedingt nach Fortsetzung verlangt. In der Musik ist es wie im Sport; zum Erfolg gehört neben der Förderung der Spitze auch die der Breite des Nachwuchs’. So treten beim Meeting schon seit geraumer Zeit immer wieder junge und ganz junge Jazzmusiker auf. 2012 war es die Bergische Brassband, die blasend und trommelnd afrikanisches Lebensgefühl im Ada verbreitete. So eröffneten sie das Meeting mit Stücken aus dem Repertoire afrikanischer


Brassbands und schickten auch mal Lenas „Sattelite“ auf eine musikalisch etwas rumplige Umlaufbahn um den Planeten Jazz. Wunderbar aber ist, wie liebevoll das Publikum die Entwicklung der Nachwuchsmusiker trägt und begleitet. Sicherlich findet der eine oder andere später den Weg hin zu den Etablierten. Vielleicht liegen in den Zeiten des Krankschrumpfens der Kultur unter einem vermeintlich der Faktizität der Dinge geschuldeten Spardiktat die Heilungskräfte in der freien, nicht Ăśffentlich subventionierten Kultur. Der FĂśrderer und Beweger der russischen Szene frei improvisierter Musik, der leider viel zu frĂźh verstorbene Nick Dimitriev sah Wuppertal als Stadt kultureller Helden. Dazu gehĂśrten fĂźr ihn u.a. Peter BrĂśtzmann und Peter Kowald. Das Jazzmeeting zeigt aber, dass immer wieder neue Helden geboren werden. Der Jazz lebt weiter; die nächsten Generationen sehr guter Musik rĂźcken nach. Und das Publikum? Es ist begeistert und hält dem Festival die Treue. Heiner Bontrup Fotos: K.-H. Krauskopf

Kranemann Group, Holger Martin (perc) 9. Wuppertaler Jazzmeeting Okt. 2011

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+UNST UND-USEUMSVEREIN 7UPPERTAL

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In der Kuppel schweben und bangen… Tomás Saraceno -– in orbit Bis voraussichtlich Herbst 2014 K21 Ständehaus in Düsseldorf

Foto: ARD Fotogalerie

Über der Piazza des K21 schwebt in mehr als 25 Meter Höhe die riesige Rauminstallation in orbit des Künstlers Tomás Saraceno. Es ist eine Konstruktion aus Stahlnetzen, die in drei Ebenen unter der gewaltigen Glaskuppel aufgespannt ist. Innerhalb der insgesamt 2.500 Quadratmeter umfassenden Netzstruktur sind ein halbes Dutzend „Sphären“, luftgefüllte Kugeln von bis zu 8,50 Metern Durchmesser, platziert. Besucher können die transparente Installation betreten und sich auf den drei Ebenen zwischen den Kugeln frei bewegen. In orbit wirkt wie eine surreale Landschaft, erinnert an ein Wolkenmeer. Die Mutigen, die die Installation unterhalb der Glaskuppel erklimmen, nehmen aus luftiger Höhe die Museumsbesucher in der Tiefe wie winzige Figuren in einer Modellwelt wahr. Umgekehrt erscheinen die Menschen im Netz von unten und aus den Zwischengeschossen des Ständehauses wie Schwimmer am Himmel. Der Raum in der Schwebe wird zu einem schwingenden Netz von Beziehungen, Resonanzen und synchroner

Foto: ARD Fotogalerie

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Kommunikation. Wenn mehrere Personen gleichzeitig die kühne Konstruktion betreten, gerät sie in Bewegung, die Spannung der Stahlseile und der Abstand der drei Netzebenen verändern sich. Die Besucher können ihre Aktivitäten koordinieren und den Raum, ähnlich wie eine Spinne im Netz, durch Vibrationen wahrnehmen. Saraceno selbst spricht von einer neuen hybriden Form der Kommunikation. In Ausmaß und Radikalität ist in orbit ohne Vorbild im Gesamtwerk Saracenos. Auch wer das Netz über dem Abgrund nicht betreten mag und die Installation nur visuell erkundet, wird mit den Themen Fliegen, Fallen und Schweben konfrontiert und von den damit verbundenen archetypischen Emotionen erfasst. „Das Werk zu beschreiben, bedeutet die Menschen zu beschreiben, die es benutzen – und deren Gefühle“, erklärt Saraceno. Selten zielt ein Kunstwerk so unmittelbar auf die Emotionalität – die Angst und die Lust – des Betrachters und greift in die Sichtweise desjenigen ein, der sich auf das Abenteuer einlässt. in orbit wurde von Saraceno in den vergangenen drei Jahren mit Ingenieuren,


Foto: Wilfried Meyer

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Architekten und Biologen geplant und ist die bisher aufwändigste Installation des Künstlers. Auch wenn die Netzkonstruktion allein 3 Tonnen und die größte der „Sphären“ 300 Kilo wiegt, wirkt das präzise in die räumlichen Bedingungen des Ständehauses eingepasste Werk ausgesprochen leicht und bezieht sich in Feinheit und Stabilität auf die Struktur von Spinnennetzen. Seit vielen Jahren studiert der Künstler die Netzbautechnik unterschiedlicher Spinnenarten und fügt seine Erkenntnisse über Funktionalität, Schönheit und Stärke der Netze in seine künstlerische Praxis ein.

Jede einzelne Installation – auch in orbit – ist ein Bestandteil seines visionären Großprojektes Air-Port-City, einer schwebenden Stadt der Zukunft. Die Wolkenstadt versteht der Künstler als Verwirklichung eines sozial-utopischen Traums und als Antwort auf die zunehmende Unbewohnbarkeit der Erde, das weltweite Bevölkerungswachstum und die dramatischen ökologischen Probleme.

Bilden die genaue Beobachtung der Natur und die gedankliche Weiterentwicklung dieser Phänomene die Basis von Saracenos Werk, so lassen sich kunstgeschichtliche Bezüge zu Jules Verne und dem amerikanischen Architektur-Visionär Richard Buckminster Fuller erkennen. Die weltweite Realisierung utopistischer Architekturen ist Saracenos Leitthema der letzten Jahre.

Kuratorinnen: Marion Ackermann, Susanne Meyer-Büser Technische Leitung: Bernd Schliephake

Förderer der Ausstellung: Unterstützt wurde Tomás Saraceno – in orbit von Schwarzkopf (Henkel Beauty Care).

K21 Ständehaus, Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf www.kunstsammlung.de WP/StB Peter Krämer, WP/StB Peter Temmert RINKE TREUHAND GmbH – www.rinke.eu

IN DER UNTERNEHMENSBERATUNG IST ES UNSERE AUFGABE, HANDLUNGSOPTIONEN IN DER GEGENWART AUFZUZEIGEN, MIT DENEN AUCH IN DER ZUKUNFT ERFOLGE FÜR IHR UNTERNEHMEN GESICHERT WERDEN.

NACHHALTIG GUT BERATEN.

Foto linke Seite: Wilfried Meyer, Foto oben: Studio Saraceno

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DAS KINDERKARUSSELL

es war ein märcheneinmaleins das drehte sich in funkelträumen es wohnt in einem kinderherz das mag nichts glückliches versäumen ein königlicher hoch zu ross reist durch das lebensab und -auf er liebt den ganzen menschentross und freiheit weht ihm um den knauf es schwingt und dudelt musiziert trali trala und simsala kommt quietschfidel hereinspaziert mit glockenklang und trumbara und Cinderella holt das kleid aus sonnenduft und sternenband schmückt sich so manches kinderleid mit ihrem märchenträumeland ob sie die glaspantoffel sucht welch zwergenlist hat sie versteckt die engel läuten wohlbekannt mit ihrem flügelschutz entdeckt sie bald den herzensplatz zum leben und springt auf ihre füße eben... .

(Assisi, Italien – an der Kirche Santa Maria degli Angeli) Text und Foto: Angelika Zöllner

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Im Hinterzimmer der Schönheit Paul Kleinschmidt (1883 – 1949): Ausstellung im Kunstmuseum Solingen bis zum 17. November 2013

Dünne Frauen mochte Paul Kleinschmidt nicht, Männer interessierten ihn nicht. Er malte nur Frauen, die seinem Schönheitsideal entsprachen. Frauen mit dicken Oberarmen, stämmigen Beinen in hautengen Stiefeln, Busen, die das Dekolleté fast sprengten und feisten Wangen. Zwischendurch erhält man aber auch einen Blick auf Blumenvasen und Bäume. Das erstaunlichste in dieser Ausstellung ist die Diskrepanz zwischen den Motiven und den Lebensumständen des 1883 geborenen Malers. 1908 und 1911 stellte er mit der Berliner Sezession aus. Kontakt hatte er mit seinem Vorbild Adolf von Menzel, Lovis Corinth schätzte ihn, mit Ludwig Meidner war er befreundet. Seine erfolgreiche Zeit im Berlin der 1920er Jahre, als ihn der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe in einem Atemzug mit van Gogh nannte, endete mit dem Aufkommen der Nationalsozialisten. Kleinschmidts expressionistische Bilder wurden an den Pranger gestellt. Die Emigration nach New York, wo er bereits ausgestellt hatte, misslang. Er flüchtete quer durch Europa. Davon ist in seinen Bildern nichts zu spüren, nichts von der Armut, nichts von Angst und Verzweiflung. Wo auch immer Kleinschmidt war – in Berlin, in der Schweiz, den USA, den Niederlanden, in Frankreich – malte er Szenen aus seiner Welt hinter den Kulissen von Bars, Nachtclubs, Revuetheatern und dem Zirkus. Sein Überleben verdankte er Mäzenen: den Ulmer Fabrikanten Martin und Wilhelm Bilger sowie dem New Yorker Fabrikanten Erich Cohn. Eine Serie von Gouachen entstand in den vierziger Jahren, als Kleinschmidt kein Geld für Ölfarben hatte. Ein Teil seines Werks wurde kurz vor Kriegsende bei einem Bombenangriff zerstört. Weil seine Kunst bei der Ausstellung „Entartete Kunst“ 1937 in München und in anderen Ausstellungen diffamiert worden war, lehnte Paul Kleinschmidt Ausstellungsbeteiligungen auch nach 1945 ab. Umfang: 109 Bilder, dazu Dokumente und Texttafeln, Laufzeit der Ausstellung:15. 9. – 17. 11. 2013 Kataloge dazu bietet der Museumsshop an, Führungen: sonntags 11:15 Uhr

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Dank gilt den Förderern der Ausstellung: der Eugen-Otto-Butz-Kunst-Stiftung und den Unternehmen im Art Sponsoring Solingen Wie Paul Kleinschmidt war gleichzeitig auch der Musiker und Komponist Mischa Spoliansky an den großen und kleinen Bühnen Berlins tätig. Musik von Mischa


Spoliansky boten anlässlich der Ausstellungseröffnung Roswitha Dasch und Ulrich Raue: Es liegt was in der Luft. Friedrich Hollaender und Werner Richard Heymann luden Mischa Spoliansky ein, für das literarische Kabarett „Schall und Rauch“ im Keller des Großen Schauspielhauses zu komponieren und zu spie-

len, das Max Reinhardt 1919 gegründet hatte. 1926 begleitete Spoliansky Richard Tauber bei der Schallplatteneinspielung von Schuberts „Winterreise“. In seiner Revue „Es liegt in der Luft“ trat 1928 Marlene Dietrich auf. Schliesslich folgten zahlreiche Arbeiten für den Film. 1933 emigrierte Spoliansky nach London.

Abbildungen: Bückende Balletteuse mit rosa Rock, 1948; Frauenbad 1922, beide: Öl auf Leinwand, Sammlung Joseph Hierling in der Kunsthalle Schweinfurt

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ANKE, 2012, hochpigmentiertes Silikon/keramische Fundstücke, H 63 cm ø 43 cm und Podest: 100 cm x 40 cm x 40 cm

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Kunst in der Sparkasse Die 128. Ausstellung Anke Eilergerhard und Lothar Götz

Es war schon zu spät für die typisch britische „teatime“, auch die Zeit für das nachmittägliche Kaffeetrinken war schon längst vorbei, als die 128. Ausstellung der Reihe Kunst in der Sparkasse vom Vorstandsvorsitzenden Dr. h. c. Peter H. Vaupel eröffnet wurde. Durchaus konnte man an diesem Abend aber ein bisschen von der entspannten Lebensart zweier lange gewachsener Kulturen spüren. So wie auf der Einladungskarte sich die „teapot“-Zeichnung von Lothar Götz mit der „KaffeeserviceSkulptur“ Anke Eilergerhards traf, so ist in dieser Ausstellung das Werk zweier Künstler gegenüber und nebeneinander gestellt. Übrigens noch im 17. Jahrhundert war den Damen in England der Besuch der Kaffeehäuser verwehrt, sie mussten vorlieb nehmen mit einem Gang in die Teegärten. Aber zum Glück ändern sich die Zeiten, oft auch zum Guten hin. Jeder der Gäste durfte den Abend mit Annita, Annegretchen, Anne, Annabell, Annina, Annika und Anuschka aus Anke Eilergerhards Werkzyklus der Annas verbringen und auch in den phantastischen Farbräumen des Lothar Götz „Lustwandeln“. Anke Eilergerhard hat im Jahr 1994 ihr

Anke Eilergerhard

Studium Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal mit einer Diplomarbeit abgeschlossen, bei den Professoren Michael Badura und Siegfried Maser. Und, was sie ausdrücklich in ihrem Lebenslauf erwähnt: 1990 begab sie sich mit Bazon Brock auf eine Studienreise nach Prag. Für ihren persönlichen Werdegang war das offenbar sehr wichtig. Was wiederum uns einen Einblick in die Art ihrer Auseinandersetzung mit der Kunst gibt. Eine Auseinandersetzung, die ungleich viel tiefer ist, als die glatte Struktur ihrer Skulpturen aus feinem Porzellan erahnen lässt. Seit 1994 beschäftigt sich Anke Eilergerhard mit „Tortenbildern“, mit Werkreihen wie „Sinnestäuschung“, „Herzklopfen“ oder einfach mit „Sechstausendachthundertundachtundzwanzig Küssen auf weißer Wand“. Seit 2004 verwendet sie Silikon, um damit Objekte zu formen. Die perfekte Ausführung mit unzähligen, akribisch aneinander und übereinander gesetzten „Sahnehäubchen“ lässt so zuckergussartige Oberflächen entstehen. Als Sammelbegriff für ihre Werkzyklen, in denen sie alltägliche Dinge aus Haushalt, Nahrungsmittelindustrie oder auch eigenständige plastische Formen

Lothar Götz

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Lothar Gรถtz, Haus in Fez, , Buntstift auf Papier, 2007, 84 x 59 cm

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nutzt, entwickelte sie die Wortschöpfung KITCHENPLASTICS, die sie selbst als „geistige Fundstücke unserer Zeit“ beschreibt. Dr. Andreas Steffens hat im Katalog zur Ausstellung einen umfangreichen und eigenständigen Beitrag über ihr Werk veröffentlicht: „Ewige Jungfrauen. Zwischen Tortenlust und Emanzipation.“ „Der Künstler ist eine der Urerfindungen der Menschheit; die Künstlerin eine ihrer späten Verlegenheiten. Das Leben der Frau tradierte alle Arten der Unfreiheit am längsten. Die zähe Bewegung der Befreiungen, die sich seit dem 19. Jahrhundert langsam zu beschleunigen begann, erfasste sie erst spät. Zur Ausübung der ältesten menschlichen Fähigkeit, der Kunst, wurde sie vor gerade hundert Jahren zugelassen. Das freie Leben der Frau ist eine kulturelle Verspätung. Bestritten wird sie unverändert. Längst mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung stellend, bilden unter den Frauen die freien eine auf die ‚westliche Welt’ beschränkte Minderheit.“ So der Anfang dieses lesenswerten Textes. Auch ein Glücksfall für Wuppertal: Einen Philosophen in der Stadt zu haben, der am aktiven Kunstgeschehen derart teilnimmt, dass es wie eine Bewusstseinserweiterung wirken kann. Wenn man selbst seinen Teil dazu beiträgt und sich mit den vertiefenden Gedanken beschäftigt und auseinandersetzt. Zuletzt hörte man ihn auf der Skulpturenausstellung „MIKADO“ im Botanischen Garten, als er über einige Aspekte des Mikadospiels und seiner Bedeutung in der realen Welt sprach.

Anke Eilergerhard ist 1963 in Wuppertal geboren, heute lebt und arbeitet sie in Berlin. Ihre Werke sind in Museen und Sammlungen in Deutschland, Großbritanien, dem Fürstentum Liechtenstein, den Niederlanden, der Schweiz und den USA vertreten. Auch Lothar Götz, 1963 geboren in Günzburg, lebt und arbeitet in Berlin, die meiste Zeit aber in London. Auch Lothar Götz studierte an der Bergischen Universität Wuppertal, bei Prof. Bazon Brock, anschließend an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Gerhard Merz und dann am Royal College of Art in London. Eine fundierte und gründliche Ausbildung, was man auch an der Intensität seiner Auseinandersetzung mit der fast unerschöpflichen Vielfalt von Farben und Formen sehen kann. Seit 1998 lehrt er nun selbst an den verschiedensten Stellen in Großbritannien, seinen Schwerpunkt hat er an der Universität Sunderland. Zeitgleich mit dieser Präsentation kann man einige seiner Arbeiten auch im Neuen Kunstverein Wuppertal sehen, darunter auch eine speziell für den Kunstverein erstellte Wandmalerei. Zuletzt hatte Lothar Götz in Wuppertal im Jahr 2000 die Ausstellung „Simsalabim“, in der nun schon legendären Wuppertaler Galerie Epikur. Übrigens, seit mehr als 10 Jahren ist die Stadtsparkasse Wuppertal im Besitz einer großen Wandarbeit, die Lothar Götz speziell für einen Raum entwickelt und ausgeführt hat. Oliver Zybok vergleicht in einem Katalog die Farbräume von Lothar

Götz mit den Fugen des Johann Sebastian Bach. Dies war auch die Verbindung zu einem dritten Künstler, dem Musiker und Komponisten Andreas Bär, der Musik von Johann Sebastian Bach auf dem Saxophon spielte. Fugen bilden eine eigenständige musikalische Form. Sie sind eine sehr lebendige Musik: In einer klaren Ordnung wird ein bestimmtes Thema durch alle Stimmen geführt und variiert. Johann Sebastian Bach hat in seinen beiden Werken, im „Wohltemperierten Klavier“ und in der „Kunst der Fuge“ diese Kompositionstechnik zur Meisterschaft geführt. Oder wie es Andreas Steffens am Ende seines Beitrages im Katalog formuliert: „Götz entfaltet diese ‚Logik’ in einer exzessiven Koloristik, die das Spektrum der Buntstifte bis in feinste Nuancen ausreizt. Die koloristische Obsession, die seine Arbeit vor allem anderen kennzeichnet, wirkt angesichts der Überfülle subtilster Farbbrechungen, als verfüge er über mehr Farben, als es Farbworte gibt.“ „Die äußerste Fragilität der zeichnerischen Koloristik, die in den wie goldschmiedeartig gepunzt ausgezeichneten Flächen die äußerste Brillianz feinster kapillarer Hautpartien erreicht, erstattet in ihrer dreidimensionalen Anwendung zur Akzentuierung öffentlicher Räume diesen eine Menschlichkeit zurück, die deren rein funktionale Ordnung ihnen vorenthält".

Peter Klassen

Eintritt: 4 € | Dauerkarte: 6 € | Kinder bis 12 Jahre frei | Kombiticket ÖPNV über www.wuppertal-live.de Schloss Lüntenbeck | 42327 Wuppertal | Anfahrt und Parken: www.schloss-luentenbeck.de

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Auf einen Blick wissen, was drin ist... Wenn ein Produkt durch die Form und Charakteristik seiner Verpackung, hier der Flasche, so eingeführt ist, dass „jedes Kind“ auf Anhieb den Markennamen kennt und weiß was drin ist, hat der Designer seine Arbeit gut gemacht. Ein Film aus der Tacker-Film-Produktion von Wolfgang Dresler stellt einige solcher zu Kultobjekten gewordenen Flaschen und Fläschchen vor und erzählt ihre Geschichte: „Kultflaschen Durch Werbung zum Erfolg“.

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Sinalco Franz Hartmann, findiger Geschäftsmann aus Detmold und der zu seiner Zeit landauf landab durch seine GesundheitsHausbücher bekannte Naturheilkundler Eduard Bilz taten sich um 1900 zu einer geschäftlichen Symbiose zusammen, um der Nation ein neues Erfrischungsgetränk aus Obstsaft- Konzentraten zu kredenzen: die „Bilz-Brause“. Um die sprunghaft ansteigenden Umsätze vor der rasch wachsenden Konkurrenz (und vor Begehrlichkeiten der Bilz-Familie) zu schützen, musste ein markanter MarkenName her. Hartmann veranstaltete 1905 ein Preisausschreiben, der Vorschlag „Sinalco“ (sine alcohole - ohne Alkohol) wurde unter vielen anderen eingesandt und gewann. Der Gewinner bekam 100 Goldmark und das Getränk seinen jetzt seit über 100 Jahren eingeführten Namen. Der Sektkelch und der SinalcoSchriftzug werden zum Markenzeichen, in den typischen roten Punkt werden sie endgültig 1937 gesetzt und damit bis heute unverwechselbar. Eine Sinalco Cola wurde übrigens bereits 1934 eingeführt. Die Erfolgsgeschichte der wirklichen leckeren Brause ohne künstliche Aromen hat durch zwei Weltkriege und wirtschaftliche Flauten, Wirtschaftswunder und Flower-Power ein heftiges Auf und Ab mitgemacht, sich Modeerscheinungen und Zeitgeschmack angepaßt und nach einer Zeit relativer Stagnation in den 80ern und 90ern jetzt wieder seinen Platz auf dem Markt. In den 50er Jahren warben bekannte Schauspieler wie Rudolf Platte und Erich Fiedler für Sinalco, aufwendige Zeichentrickfilme zur Melodie von „Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere“ wurden produziert und auch Alkohol war nicht mehr tabu: man empfahl dem Zeitgeist und der Mode entsprechend z.B. 1954 Mixgetränke mit Gin. Sinalco Cola nimmt den Wettbewerb gegen Coca und Pepsi auf

und in den „Wilden 60ern“ wird Sinalco zum Getränk der Blumenkinder. Die Sinalco Party Puppe wird zum Kult und Star-Graphiker Heinz Edelmann zeichnet Werbefilme. Heute ist das Unternehmen Sinalco in neuer Hand, wird in Duisburg gepflegt und ist in der „alten“ Flasche, mit dem typischen Markenzeichen mittlerweile wieder in 50 Ländern der Erde zu haben. Sinalco lebt! Ein sehr schön gemachter, unterhaltsamer Film von Wolfgang Dresler, Kamera: Dieter Fietzke Underberg Dass auch ein Magenbitter Kult werden kann, beweist die Geschichte des Unternehmens Underberg: „Underberg und Du fühlst Dich wohl“. Der Apotheker Hubert Underberg gründet bereits 1846 im niederrheinischen Rheinberg unter dem Motto „Semper idem“ (immer gleich - in seiner Qualität, Anm.) das Unternehmen, das noch heute im Familienbesitz ist. Er macht aus dem gewöhnlichen „Boonekamp“ oder auch „Maagbitter“ das oft kopierte Getränk, das seither als Allheilmittel gegen Unwohlsein gilt und das erstaunlicherweise als pharmazeutische „Wirkspirituose“ zum internationalen Verkaufsschlager wurde. Das kleine 20 ml-Fläschchen im Strohpapier wurde erst 1949 von Emil Underberg, dem Enkel des Firmengründers erfunden und trat einen triumphalen Siegeszug um die Welt an. Sicher trug auch die intensiv betriebene Werbung zum Erfolg bei - die Filmausschnitte aus Kino- und Fernsehwerbung lassen eine Creme deutscher Schauspieler und Sympathieträger der 50er bis 70er Jahre aufmarschieren: Gerhard Lippert, Hans Cossy, Franz Schneider, Rolf Schimpf, Günther Jerschke, Karl-Heinz Gerdesmann und Heini Göbel sind nur einige. Sogar die Miß Welt 1956, Petra Schürmann ist in einem Filmclip zu sehen. Die Stimme Horst Naumanns stand markant hinter manchem der Filmchen.


Der Underberg-Zeppelin kreuzte jahrelang über Deutschland und machte das Produkt noch bekannter. In den 70er Jahren sorgte die Einbindung einer der bekanntesten Film-Melodien, der River Kwai March für einprägsame Popularität: „Komm doch - mit auf den Underberg“ sangen die Werbechöre. In über 100 Länder der Erde wird Underberg heute exportiert. Ein Film von Sandra Karlowski. Odol Einen Film des Mitteldeutschen Rundfunks MDR konnte Wolfgang Dresler zur Geschichte des Mundwassers Odol übernehmen. Das Werbegenie Karl August Lingner entwickelte ab 1893 mit seinem Freund Prof. Seifert in Dresden nicht das erste, aber ein neues Mundwasser, das er nach odus (Zahn) und oleum (Öl) benannte und - das ist der Geniestreich - in eine derart typische Flasche abfüllte, dass eine Identität entstand, die den Markennamen quasi (wie z.B. beim Tempo-Taschentuch) synonym für alle Mundwasser wurde: die Flasche mit dem Knick. Wer kennt sie nicht! Jeder kennt sie. Die Kampagne, die Lingner startet, stellt alles in der Werbung bis dahin dagewesene in den Schatten. „Das beste Mundwasser der Welt“ duldet keine Konkurrenz und trägt auch schon mal ordentlich dick auf: „Höre die ernste Mahnung, o Mensch, in jeglicher Stunde: Denke Deines Mundes zur Zeit - geh´und brauche Odol!“ - „Etwas besseres für die Zahnpflege gibt es nicht“. Man „odolisiert“, um gesellschaftlich en vogue zu sein. Odol ist das Sesam öffne dich zur Anerkennung, Liebe und gehobenen Kreisen suggeriert die Reklame - und hat Erfolg. Lingner

bricht das Tabu, ernsthafte Kunst mit Reklame zu vermischen, ja sie dafür einzusetzen, in dem er Franz von Stuck „zweckentfremdet“. Zum Allgemeingut geworden, finden die Odol-Werbung und die Odol-Flasche sogar Eingang in die Kunst. Ernst Ludwig Kirchner läßt ein Werbeplakat für Odol in einer Stadtlandschaft aufscheinen und Karl Schmidt-Rottluff malt die Odol-Flasche als Bestandteil des Schminktischs seiner Frau. Lingner wird zum „Odol-König“. Stuart Davies schließlich malt 1924 die Odol-Flasche als Kunstwerk. Das aber und die Einführung der Odol-Zahnpasta 1938 erlebt der selbsternannte HygienePapst nicht mehr, er stirbt 1916 - hat ein wenig zu wüst gelebt. Christian Frey und Detlev Meyer zeichnen in ihrem Film ein leicht ironisches Portrait der Marke Odol, Zeitzeuge Peter von Zahn kommentiert im Interview und in einem Werbefilm der 50er Jahre tritt Hubert von Meyerinck auf. Sprecher ist Ulrich Lipka.

zeptur bis heute geheim ist. Julius Maggi entwickelt auch die typische Flasche mit eigenwilliger eckiger Form, dem gelben Etikett und dem roten „Hütchen“. Auch Maggi gründet seinen weltweiten Erfolg auf große Werbekampagnen. Einige Filme aus der Werbegeschichte sind zu sehen. Der Film verrät es nicht: sogar Frank Wedekind hat sich als Werbetexter für Maggi betätigt. Und dass die katholische Kirche eine Untersuchung durchführte, ob die Verwendung von Maggi an Freitagen zulässig sei, weil nicht feststellbar war, ob in dem Extrakt Fleisch enthalten war, ist ein kurioses Streiflicht. Frank Becker

„Kultflaschen - Durch Werbung zum Erfolg“ - aus der Edition Werbeklassiker © Tacker Film, ca. 75 Minuten Weitere Informationen unter: www.tackerfilm.de

Maggi Ein „Extra“ im Block verschiedener Werbefilme für Sinalco, Underberg u.a., die auch die kurzlebige „Ex und hopp“-Flasche zeigen, stellt auch noch eine andere unverwechselbar gewordene Marke vor: das Haushaltswürzmittel „Maggi“, dessen Flasche ein ebensolcher Designklassiker geworden ist wie die oben genannten und bis heute in (fast) keiner Küche fehlt. Statistisch gesehen steht heute in jedem deutschen Haushalt ein Maggi-Fläschchen. Der Schweizer Julius Maggi experimentierte 1886 mit Gemüse-Extrakten, um ein preiswertes Volksnahrungsmittel auf den Markt bringen zu können, erfand die berühmten Instant-Suppen aus dem Brühwürfel und im selben Jahr die flüssige Suppenwürze, deren Re-

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Sommertag Mein Freund hat mich auf seiner Reise bis ins Ruhrgebiet mitgenommen und dort bei Markus abgesetzt. Selbst fahre ich nicht gerne so weit allein. Die Beine wissen längst, dass sie Neunzig sind.

Markus wohnt in einem sehr schmalen Reihenhaus, aber tagsüber ist er natürlich an seinem Arbeitsplatz. Er ist Museumsaufseher, ein Teilzeit-Job. Das macht er, weil er von den gelegentlichen Hörspielen, die er schreibt, nicht leben kann. Aber auch jetzt reicht es eigentlich nicht. Seine Frau hat ebenfalls einen Beruf, von dem man nicht leben kann, sie hält Eröffnungsvorträge zu Gemälde-Ausstellungen, aber auch zu Literaturveranstaltungen. Obwohl sie schon fünfzehn Jahre verheiratet sind, sehe ich im Hausinneren nur die unvermeidlichsten, preiswerten Möbel. Ich glaube, die beiden sind arm.

Karl Otto Mühl, Foto Frank Becker

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Markus habe ich bisher erst zweimal getroffen, jetzt hat er mich in seinen westfälischen Ort eingeladen. Ich erlebe, wie es ist, wenn man studiert hat und trotzdem arm ist. Er jobbt nicht, er antichambriert nicht bei Redakteuren, er schreibt keine Werbetexte, er ist einfach arm und wütend. Manche werden sagen, dass er zu phlegmatisch ist. Über alle diese Dinge reden wir. Natür-

lich weiß er oder merkt er, dass ich von meiner Rente lebe. So etwas wie mich wird es immer seltener geben. Ein Land geht aufrecht, aufgeklärt, merkwürdigerweise guten Gewissens und wachsam, seinem Niedergang entgegen, und ich behaupte nicht, dass es zu vermeiden wäre. Auf dem Tisch stehen einige Kuchenstückchen und Mineralwasser. Die träge Nachmittagssonne spielt draußen auf dem kleinen Rasenfleckchen. Wir haben nichts als uns, nicht einmal Absichten haben wir, der Zufall hat uns zusammengeführt. Markus ist kaum halb so alt wie ich. Aber nach und nach fällt mir auf, dass wir einander vertrauen und einander nichts vormachen. Ich glaube, wir werden auch weiterhin miteinander zu tun haben. Markus begleitet mich im Bus zum Bahnhof und dann zum Zug. Seine Hünengestalt steht bis zur Abfahrt vor dem Zugfenster. Und nun fahre ich im Regionalzug in eine für mich namenlose, grüne, unauf-


dringliche Landschaft hinein. Über diese Augenblicke hatte ich mir vorgenommen, diese Tagebuchnotiz zu schreiben, weil ich schnell fühlte, dass es unvergessliche Augenblicke in meiner Erinnerung bleiben würden: Ein alter Mann allein in einem fast menschenleeren Großraumwagen, den warme Nachmittagssonne erfüllt. Draußen eine menschenleere Landschaft. Im Augenblick sehe ich kein Weidevieh. Scheinbar unbeweglich sitzen verteilt im sanft ruckelnden Wagen drei oder vier schweigende Gäste. Es könnte eine Szene aus einem Film sein, die das Gefühl ewigen Stillstands erweckt; aber merkwürdigerweise auch die Ahnung, ein Meteor könne im nächsten Moment die Erde in einen Feuerball verwandeln. Wobei ich wiederholen muss, dass es mir wahrscheinlich egal wäre, wenn alle auf einmal verschwinden. Der Zug sägt sich durch das Grün. Es dürfte von mir aus noch lange so weiter gehen, denn die Ewigkeit hat ja ohnehin schon begonnen. Nach zwanzig Minuten lande ich aber schon im winzigen Bahnhof eines ande-

ren, winzigen, westfälischen, Ortes, wo mich mein Freund erwartet, der hier zu einer großen Geburtstagsfeier eingeladen war. Ich möge noch für eine Stunde dazu kommen, meint er. Als wir nach einigen Minuten an einer Art herrschaftlichem Landsitz ankommen, ahne ich, dass ich eine andere Welt als meine alltägliche sehen werde. Und so ist es. Wie bei einem Blitzlicht sehe ich mich plötzlich als Sechsjährigen für einige Tage bei meiner Großmutter, die in einem großen Arbeiterhaus in zwei Zimmern wohnte. Hier war mein Vater und hier waren seine zwölf Geschwister aufgewachsen; nicht alle auf einmal, aber doch immer mehrere. Eine Witwe und ein Witwer hatten einander geheiratet. Die Freude des Morgens war eine Tasse Kathreiner-Kaffee, der Höhepunkt dieser Tage war eine Paddelfahrt mit meiner Tante auf dem Dutzendteich. Die Familie bestand aus Arbeitern. Außer dem Nötigen wurde selten etwas gekauft. Und nun betrat der Kleine, der ich gewesen bin, einen kleinen Park hinter dem Haus – und überall sah er Herrschaften

in sommerlichen Kleidern mit Gläsern oder Tellern in der Hand. Auf dem Rasen waren Buffets aufgestellt, Angestellte servierten oder räumten Geschirr ab, eine Stargeigerin spielte auf einer echten Stradivari wunderschöne Melodien, Kiepenkerle in blauen Kitteln traten auf und rezitierten. Ich setzte mich auf eine Couch unter einem Sonnendach und wurde von einem Herrn ins Gespräch gezogen, der mir die Unzulänglichkeit von Ordinarien an Universitäten schilderte. Er selbst war Chefarzt. Unser Kleiner hörte mit ernsthaftem Gesicht einem Biologen zu, der aber nichts Biologisches berichtete, sondern über Stephen William Hawking und die Stringtheorie sprach – und er wunderte sich weiterhin, wie leicht man manchmal in fremde Welten gleiten kann; Welten, in denen er nie wirklich gelebt hatte oder leben würde. Jetzt, im Alter, war es nicht einmal mehr sehr aufregend. Karl Otto Mühl Sparkassen-Finanzgruppe

„Wunderbar, dass unsere Sparkasse einer der größten Kulturförderer Wuppertals ist.“

 Die Stadtsparkasse Wuppertal unterstützt Soziales, Kultur und Sport in Wuppertal mit rund 5 Mio. € pro Jahr. Wir sind uns als Marktführer unserer Verantwortung für die Menschen und Unternehmen in unserer Stadt bewusst und stellen uns dieser Herausforderung. Mit unserem Engagement unterstreichen wir, dass es mehr ist als eine Werbeaussage, wenn wir sagen: Wenn’s um Geld geht – Sparkasse

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Das Gletscherschiff Aus einem Brief des sagenhaften Furianetto Dorothea Renckhoff Studium Theater- und Literaturwissenschaft und Theorie des Films an der RuhrUniversität Bochum; Praktika an Theatern und als Kulturjournalistin. Erstes Engagement am Schauspielhaus Bochum bei Peter Zadek (Assistentin Regie/Dramaturgie), später Dramaturgin Freie Volksbühne Berlin, Regieassistentin u. Autorin WDR-Fernsehen, Leitende Dramaturgin Rheinisches Landestheater/Theater am Niederrhein, Chefdramaturgin Städtische Bühnen Münster. Während dieser Jahre Arbeit u. a. mit Tankred Dorst, Werner Schroeter, Rainer Werner Fassbinder, Kurt Hübner, Helmut Käutner, Karl Wesseler, Peter Zadek, Hans Magnus Enzensberger, Karl Otto Mühl, Harald Mueller, Minoru Miki, Johannes Reben, Barbara Honigmann, Lisa Witasek u. a. Beendigung der Theaterkarriere, da eine führende Position am Theater mit den familiären Anforderungen (verheiratet, zwei Kinder) nicht mehr vereinbar war. Seitdem freischaffend in Köln als Autorin und literarische Übersetzerin.Seit 2008 Mitglied im PEN-Club.

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Sirenetta, wenn Du mich wirklich hier aufsuchen wolltest, so müsstest Du nur nach dem hundertstämmigen Baum vor dem Haus suchen; das Grün seiner Zweige fügt sich zu einer einzigen kugeligen Krone, doch wenn der Wind hineingreift, zerteilt er sie in mehrere flache Schichten, die er gegeneinander bewegt, und ich sehe von meinem Tisch am Fenster aus hinein wie in die sich rührenden Kulissen eines Papiertheaters. Ich werde sicherlich noch fünf oder sechs Tage bleiben, denn ich muss den zweiten Boten abwarten; es bliebe Dir also noch genug Zeit, um Dich hier mit mir zu vereinigen. Kämest Du aber später, so wäre ich wohl schon fort und vielleicht auf einem Wege, auf dem Du mir nicht folgen kannst. Ich befürchte ein Unglück, das ich nicht miterleben möchte. Das ewige Eis schmilzt auf den Bergen; die Welt wandelt sich immer rascher. An manchen Stellen drängt schon der Fels ans Licht, und ich weiß doch noch, wie gewaltig der Gletscher ins Tal herunter leckte, als ich zum ersten Mal hier war. Damals konnte man über den gefrorenen Strom aufstei-

gen bis zu jenem riesigen Schneefeld hoch oben, das täuschend den Abgrund zwischen den umliegenden Gebirgsmassiven deckt; aber Manchen hat ein plötzliches Zucken der weißen Zunge herabgestürzt, andere wurden von aufklaffenden Spalten ins Bodenlose geschluckt oder von Lawinen erstickt. Ich selbst musste dort hinauf, denn über den erstarrten See in der Höhe führte der Weg zu jenem fernen Dorf im Gebirge, von dem ich Dir erzählt habe. Bis heute wird es wegen seiner vollkommenen Abgeschiedenheit zuweilen als Versteck gewählt, zur Übergabe geheimer Botschaften oder als Treffpunkt, und wer den Auftrag bekommt, muss hin, egal wie. Mein gefährlicher Aufstieg wurde belohnt durch den Anblick des Gletscherschiffs, mit dem ich die erstarrte Wasserflut überqueren sollte. Es schwebte so leicht über die unebene Fläche, über lose Brocken und Schluchten, als gleite es auf einem luftgefüllten Kissen, fast wie die Tragflügelboote von heute, aber es bewegte sich dabei mit solcher Majestät, wie ich es nie wieder gesehen habe; kein Wagen, kein Boot oder Flugwerk atmet diese Erhabenheit, und in meinen glücklichsten


Träumen sehe ich manchmal noch seine blauseidenen Segel. Heute ist es schon lange zerstört, und auch der Aufstieg auf das weiße Feld ist nicht mehr möglich, seit dem Unglückstag, als der kalte Palast barst. Niemand hatte geahnt, dass das Eis unter seiner festen Oberfläche einen stetig steigenden Schmelzwassersee verbarg, der wuchs und schwoll, bis er, früh am Morgen, unvermittelt die untere Gletscherwand durchbrach und als riesige Flutwelle ins Tal stürzte. Den halben Gletscher hat es heruntergerissen, das Schiff mit, und zwischen den Ruinen des Dorfs am Hang unten, zwischen Trümmern, Schlamm und Toten fanden sich die Splitter seiner Planken und Fetzen von seinen Fahnen. Jetzt ist die Straße über den FURCHTBAREN Pass der einzige Zugang zu dem entlegenen Dorf, und ich kenne Keinen, der sie freiwillig zum zweiten Mal genommen hätte. Seitdem ist viel Zeit vergangen, viel ewiges Eis ist geschmolzen, und ich fürchte, es steht ein ähnliches Unglück bevor wie das von damals. Denn ich glaube, dass nicht der ganze See abgeflossen ist und dass das Unheil ein noch gewaltigeres Wasserreservoir bereit hält, das hinter einer dünnen gefrorenen Wand darauf lauert, herabzubrechen und den Ort hier endgültig zu vernichten. Darum komm in den nächsten Tagen zu mir, wenn Du willst und kannst; ich muss den zweiten Boten abwarten - es kann nicht allzu lange dauern, bis er kommt - und dann weiterreisen, wohin man mich schickt. Der erste Bote, wie es der Zufall wollte, war erst vor kurzem aus dem fernen Tal über den FURCHTBAREN Pass herunter gekommen. Der Schrecken stand noch immer in seinen Augen, und seine Hände waren kalt. Er hatte die Spur eines Einbeinigen verfolgt, der wirklich eine Zeit lang in dem Tal gelebt und die Dorfbewohner mit goldenen Münzen bezaubert haben, eines Morgens jedoch verschwunden gewesen sein soll. Der Reisende sprach von Elend und Aberglauben, die den Weiler beherrschten, offenbar noch schlimmer als schon damals. Mir war der Ort wie ausgestorben erschienen, als ich ihn zum ersten Mal betrat, bis in der Abenddämmerung ein paar schwarze Knappen aus dem Berg krochen, wie

Käfer; erst dann stieg Rauch auf aus den Schornsteinen, und Mädchen und Frauen in einer merkwürdigen Tracht zeigten sich vor den Häusern. Doch als ich am Morgen vor das Wirtshaus trat, lag alles wieder verlassen, nur ein einzelner Fischer zog gerade sein Boot aus dem dunklen See und schien etwas zu murmeln dabei, und ein riesiger Fisch schnellte sich vor ihm aus dem Wasser und blieb auf dem Weg liegen. Der Mann sprang mit beiden Füßen auf den sich windenden Leib, als wollte er ihn an den Boden nageln, aber das Tier zappelte so heftig, dass er das Gleichgewicht verlor, und es wäre ihm entschlüpft, wenn ich nicht, ich weiß nicht, warum, meinen Mantel darüber und mich selbst hinterher geworfen hätte. So hielten wir das große Wesen eine Weile, bis seine Bewegungen matter wurden. Auf ein Zeichen von ihm erhob ich mich mit fischigen Armen und feuchter Brust, und er verschwand mit seiner Beute und mit meinem Mantel, aber die Wirtin hatte alles gesehen und versprach mir mein Kleidungsstück zurück. Sie war eine sehr junge Frau und hatte gerade ihr Kind verloren, noch ganz klein; sie trauerte schwer und wimmerte nachts selbst wie ein Kleinkind, weil sie die tausend Schwären, die den Säugling umgebracht hatten, in ihren Träumen an dem winzigen Körper immer wieder vor sich sah und im Schlaf so wenig helfen konnte wie zuvor im Wachen. Ihr Mann sah allem, was geschah, mit stummer Ängstlichkeit zu. Als Mesner hatte er zu festen Zeiten in der alten Dorfkirche zu läuten, direkt am See, gegenüber dem Gasthof; der Klang wehte weit über das Wasser und über die Wälder, und ich wollte es erst nicht glauben, dass die volle Stimme dieser Glocke sich aus dem Ziehen und Zerren des spärlichen Männchens am Seil speiste. Sie drang selbst durch Gewitter und Sturm, es sei ein Gebet in ihren Rand gegraben, sagte die Mutter des toten Kindes, und ‚o rex gloriae veni cum pace’ hörte ich sie einmal dicht neben mir flüstern, als wir während eines Unwetters in der giftigen Dunkelheit beisammen waren. Bei jedem Unwetter musste der Mesner läuten, denn das abergläubische Volk im Dorf hielt die lateinischen Worte für eine

Beschwörung von Donner, Blitz, Wind und sogar von Erdbeben. Ich habe selten derartig in Zauberkram und Geisterseherei verfangene Menschen erlebt wie in diesem Ort; sie fürchteten das Wasser im See und die Steine in ihren eigenen Häusern, und die Armut im ganzen Tal schien mir allein der Halsstarrigkeit geschuldet, mit der sie den einen Schritt und die andere Handlung verweigerten, weil sie ihnen als unglückbringend galten. Die Wirtin konnte mich daher in einem schönen Haus unterbringen, wo aus irgendeinem unheilvollen Grund niemand wohnen wollte; da lebte ich ganz allein, in den Wiesen, nicht weit vom Gasthof. Man brachte mir eine Tafel am Weg an, damit ich den Zugang nicht verfehlte, mit Blumen darauf, jeden Tag neue, als seien sie am Morgen frisch aufgeblüht, aber niemand wollte sie gemalt haben. Man wagte sich auch nicht in meine Nähe und beobachtete mich scheu aus der Ferne, vor allem, wenn ich mich dem Seeufer näherte, und erst an einem der wenigen Sonntage, die ich dort war, schob sich ein alter Mann zu mir in die Kirchenbank und redete von seinen Kriegsdiensten, um mich dann zu fragen, woher ich käme. Ich erzählte ihm von der Stadt in der Lagune, von Kanälen und Brücken und Glasbläsern und von den durchscheinenden Blumen und Früchten, die sie aus ihren Pfeifen trieben, aber ich glaube, er verstand mich nicht oder hat mir nicht geglaubt und hat den anderen verworrene Dinge über mich gesagt. Vom Königreich beider Sizilien habe ich nur der jungen Wirtin einmal erzählt, und von der kleinen Heiligen, die sie dort verehren, weil sie die Kinder und die Gefolterten tröstet. Ihren Namen wollte die Mutter des toten Kindes wissen, und sprach ihn dann leise vor sich hin, Philomena, immer wieder, Philomena aus den Katakomben, und ich sah, dass sie an das Siechtum ihres eigenen Kindes dachte und Trost auf sein geschundenes Körperchen herabflehte, das doch schon seit vielen Tagen in der Erde lag. Was für sie selbst Trost sein konnte, davon gab ich ihr, so oft und so viel mir möglich war, aber es vergingen kaum drei Wochen, da stand ein Salzfuhrmann vor meiner Tür mit der Botschaft, die ungesehen zu empfangen ich hergekommen war; sie lag in der Rück-

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wand eines kleinen venezianischen Spiegels verborgen, ohne dass der Überbringer davon wusste. Es hätte ihn wohl auch wenig interessiert; ohne Regung gehen diese Leute neben ihren Pferden, hinter dem schwer rollenden Wagen, die Fremde lockt sie nicht, keine Stadt, kein Bauwerk fesselt ihren Blick, und gleichmütig kehren sie zurück in ihr abgelegenes Dorf, immer wieder über den FURCHTBAREN Pass, die einzigen Menschen, die das stets aufs neue wagen, und das mit völliger Gleichmütigkeit, als hülle eine dicke Salzkruste ihnen Herz und Hirn ein und schütze sie vor dem Schrecken. Ich ließ den Mann gehen und zog die Nachricht aus dem Versteck, um sie an meinem eigenen geheimen Ort zu verbergen, doch den werde ich auch Dir nicht nennen. Dann fügte ich Glas und Rückwand wieder in den blumenverzierten Rahmen und ging zum Gasthof. In einer Lücke der Buchenhecke hinter meinem Haus hatte sich ein Busch von falschem Jasmin versteckt, erst im Vorbeigehen spürte ich den Duft, ich wandte den Kopf und sah die weit geöffneten weißen Blüten zwischen die fremden Zweige geschmiegt, ein Fries von Sternen, unerwartet, als leuchteten sie durch die Wand in einen dunklen Stall. Ich schenkte der Wirtin den Spiegel zum Abschied, und dann verließ ich das Dorf, wie ein Fremder, der das Tal und den See und alles, was geschehen war, in der Erinnerung mitnimmt als eine von unzähligen Geschichten, wie eine Galerie bunter Bilder, die immer kleiner werden, je weiter sie zurückliegen. Dann falten sie sich zusammen, ganz still in einer dunklen beinernen Kammer, hinter den Augen, zuletzt nur noch ein zusammengerolltes Band, dessen Farben ineinander fließen. Nur manchmal zupfe ich daran, wenn ich warten muss in leeren Zimmern und kahlen Räumen, dann teilt sich das Muster wieder in Gesichter und Orte, und zuweilen beginnt eines von innen zu glühen und schwillt an und wächst empor und bedeckt die kahlen Mauern. Doch wenn die Tür geht und die Botschaft kommt, wenn der Wagen draußen hält… dann schrumpft alles wieder ein, und die Wände sind leer wie zuvor. Und die Tür steht offen und schlägt im Wind. Der Reisende, den ich hier traf, hat

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mir erzählt, dass der venezianische Spiegel heute in einem der schönsten Zimmer des Gasthofs hängt, in einem der Räume, wo jener Einbeinige gewohnt haben soll, dem er gefolgt ist. Auch die Wirtin lebt noch dort, und der Mesner haust für sich in einer Kammer unter dem Dach. Ich sehe von meinem Fenster aus das weitgespannte weiße Tuch zwischen den Bergen; dort oben hat das Gletscherschiff mich über das Eis geführt. Jetzt ist das ferne Tal mir unerreichbar geworden. Die gefrorene Fläche ist immer noch groß, auch wenn so viel davon abgeschmolzen ist, und sie ist trügerisch und brüchig. Die Straße über den FURCHTBAREN Pass werde ich nie wieder nehmen, das habe ich geschworen, als ich aus dem abgeschiedenen Dorf zurückkam. Die Salzfuhrleute gingen, als wären sie aus Holz, aber die Pferde scheuten, sie waren voll Angst und wollten schon bei den letzten Kehren unterhalb der Passhöhe nicht weiter. Die Männer traten und schlugen und stießen sie mit spitzen Stöcken, und doch dauerte es lange, lange, bis wir oben waren; aber dort blieben die erschöpften Tiere nicht stehen, sondern fielen in einen wankenden Trab, sie stürzten vorwärts, um den schrecklichen Ort so rasch wie möglich hinter sich zu lassen; einige stolperten und fielen, und die andern schleiften sie im Geschirr mit. Ich weiß nicht, was dort lauert, und keine der Schauergeschichten, die man sich erzählt, kann das Grauen erklären, das über dieser Wasserscheide und dem alten Haus an der Straße hängt. Wie giftiges Gas wälzt es sich über den Boden und hüllt alles ein, Wagen, Pferde und Menschen, es durchdringt Haut und Fleisch und lässt keinen erlösenden Schrei zu, sondern lastet schwer im Innern, noch lange, nachdem man die Berge hinter sich und den Wiesengrund erreicht hat. Und vielleicht befreit man sich nie wieder davon. Ich sitze an meinem Tisch am Fenster und sehe den Gletscher so silbrig in der Sonne liegen. Er lässt mir das abgeschiedene Tal dort oben fast als eine verzauberte Insel erscheinen, und doch herrschten schon damals Krankheiten und furchtbare Armut im Dorf, und seitdem hat es sich, wie mir der Reisende sagte, in ein stinkendes Pandämonium verwandelt, wo geistig und körperlich verkrüppelte Gestalten ihr Wesen treiben, halbtot, belebt nur noch

von Gier und Fäulnis. Die Kirche sei baufällig und verschlossen, die Kinder verkrüppelt, die Erwachsenen zu schwach für die Arbeit, die Häuser fast alle in Ruinen und das verhungernde Vieh in den Wald gelaufen. Nur jener Fischer, der kurz nach meiner Ankunft das riesige Tier aus dem schwarzen Wasser zog, hole noch immer volle Netze ein, und auch im Gasthaus herrsche noch Leben. Die Wirtin habe keine Kinder, doch sie habe eine junge Frau ins Haus geholt, die Tochter einer verstorbenen Schwester oder Freundin, er wisse es nicht genau, behauptete der Reisende, doch auch sie habe bereits ein Kind, und es sei gesund. Ich würde dieses abgeschiedene Tal so gern noch einmal besuchen. Ich möchte die junge Frau sehen, der Reisende sagt, sie heiße Philomena. Ich kann das für keinen Zufall halten. Aber der Weg in das Dorf, so kurz die Entfernung von hier aus auch zu sein scheint, ist mir versperrt. Doch das ewige Eis schmilzt auf den Bergen. Man sagt, dass der Gletscher dort oben hinter seinen transparenter werdenden Eiswänden die Schemen eines zweiten Gletscherschiffes zu enthüllen beginnt, das, vor langer Zeit von gefrierenden Wasserfällen, von gepresstem Schnee und erstarrenden Bächen in der Bewegung festgebannt, jetzt darauf wartet, seine Reise fortzusetzen über die Reste des großen Gletschers von einst, sobald erst die gefrorenen Tropfen sich lösen und das Wasser wieder zu rinnen beginnt. Und wenn dieser Tag kommt, ehe das Unglück eintritt, mit dem ich rechne, und wenn mich mein Auftrag an diesem Tag wieder hierher führt zu dem hundertstämmigen Baum, dann, vielleicht, wird mir gestattet sein, noch einmal ein Gletscherschiff zu besteigen und den so nahen fernen Ort zu erreichen, wohin der Name Philomena mich ruft. Dorothea Renckhoff Foto Frank Becker


Das Seniorentanztheater des Claudio Li Mura

Wuppertal hat sicherlich mehr zu bieten als das Tanztheater der Pina Bausch, die Schwebebahn und den Zoo. Die Stadt hat eine alternative Kulturszene, die sich sehen lassen kann. Die ist es, die dieses Wuppertal liebens- und lebenswert macht – Kunstschaffende, die ohne Subventionen und wenigen Sponsoren ihren Enthusiasmus einbringen, um uns zu erfreuen und sich selber zu verwirklichen. Einer von ihnen ist Dr. Claudio Li Mura, Choreograph, Gründer und Tänzer des Seniorentanztheaters. Von Geburt an ist er Cronenberger, jetzt aber in Elberfeld lebend und arbeitend. Fast sein ganzes Leben lang beschäftigt er sich schon mit der Schauspielerei und dem Tanz, ist ausgebildeter Rezitator, hat u.a. Literatur studiert, betreibt aber hauptberuflich ein Sprachen- und Übersetzungsbüro. Für ihn ist sein Tanztheater mehr als ein Hobby, es präge den Menschen, bereichere ihn um einen großen Erfahrungsschatz und lässt ihn hellwach durchs Leben gehen, empfänglich für neue Einsichten. Diese Aussage ist ihm wichtig. Es ist gleichsam eine Botschaft, die er im

Gespräch, beim Kaffee, mehrfach variiert: „Ich möchte Mensch sein, bescheiden, tolerant.“ Wenig später sagt er: „Ich bin jetzt 60 Jahre alt. Soll ich warten, bis irgendwann ein Jubiläum ansteht? Der Augenblick muss gelebt werden. Ich muss jetzt etwas machen und das ist jetzt das Tanztheater.“ Gestenreich unterstreicht er seine Sätze, springt auch schon mal auf, um eine Pose einzunehmen, die das Gesagte verdeutlichen soll. Der Mann ist ein Energiebündel, voll beseelt von der Aufgabe, die er sich selber geschaffen hat. Was mögen das für Menschen sein, die mit ihm arbeiten? Lebenserfahrung müssen sie haben, Wissen, Intelligenz und auch Demut. Sie sollen berühren können, Gefühle zeigen, spontan sein, sagt er ohne Nachdenken. Zweiundzwanzig seien es derzeit, mehrheitlich Frauen, 55 Jahre und älter sind sie. Ihre Motivation liegt nicht nur im Spaß an Spiel und Tanz, sie wollen sich auch persönlich weiter entwickeln, sich verwirklichen und sich dem Publikum darstellen.

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zeigen Episoden, von der Geburt bis zum Drama, Schicksalsschläge, viel Amüsantes; aber auch Machtpositionen. Spielt Musik eine Rolle? Sie ist Teil der Dramaturgie, wie das Licht auch. Die Musik kommt mir zugeflogen, sagt li Mura. Unterschiedliche Genres und Stilrichtungen setzt er ein. Vom Schlager über das Chanson, Jazz- und Popelementen ist alles dabei.

Seit Anfang der 70er Jahre ist Claudio li Mura ein Fan des Tanztheaters Pina Bausch. Zu dieser Zeit und noch viele Jahre später war er Leiter des Kulturpalastes in der Luisenstraße in Elberfeld. Ein Freund vermittelte ihm Übersetzungsaufträge, die Pina Bausch zu vergeben hatte. Dass er auch von ihr inspiriert wurde, will er nicht verleugnen, möchte aber nicht mit „richtigen“ Tänzern verglichen werden, denn es sei etwas völlig anderes, was er mit seinem Seniorentanztheater mache. Der Ausdruck gefällt nicht allen Mitgliedern seines Ensembles. Sie seien nun mal Senioren, kontert li Mura ungerührt einen entsprechenden Einwand von Sylvia auf der ersten Probenbesprechung nach

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langer Sommerpause. Das sei ja gerade das Besondere an ihrer Gruppe. Der Name Seniorentanztheater steht und bleibt so. Im übrigen gilt es Wichtigeres zu besprechen. Die nächste Aufführung steht bald an. „frag Mente“ heißt das laufende Stück. Der Titel ist ein Wortspiel, abgeleitet von „mente“ - frag den Verstand, den Geist, den Sinn, das Gedächtnis, den Willen, das Gefühl. Worum geht es?, will ich wissen. Li Muras Arme scheinen die ganze Welt zu umfangen, bevor es aus ihm heraussprudelt: Natürlich um den Menschen, das unbekannte Wesen, um die vielen Stimmen in uns, die uns prägen, um das Leben als Ganzes. Wir

Claudio li Mura betont immer wieder, dass er zwar bestimmte Vorstellungen von einem künftigen Stück habe, sich das Ganze aber in der Gruppe bis zur Vollendung hin entwickele. Deren Wissen und Fähigkeiten müsse er herauskitzeln, sie provozieren, um Reaktionen zu erlangen. Zunächst sei er nur Stichwortgeber, lasse sich zum Beispiel zum Begriff „Aufopferung“ eine spontane Pose zeigen, von einem Zweiten, einem Dritten, gäbe dann einen Bewegungsablauf vor, aus dem ein Bild, eine neue Szene entstünde. Claudio li Mura sitzt mir im Cafe´ gegenüber, springt plötzlich auf und spielt die Szene „Fliegen“ andeutungsweise vor. Beeindruckend, dieses Energiebündel; aber ich muss mir das im Ganzen anschauen. Im Breuer Saal probt das internationel besetzte Ensemble die erste Hälfte des Stückes durch. Einige tragen Kostüme, andere Alltagskleidung. Diejenigen, die gerade nicht auf der Bühne gefordert werden, stehen am Rand, lesen ihre Texte noch einmal durch oder üben für sich ihre Bewegungsabläufe. Es geht still und diszipliniert zu. Claudio li Mura und sein Tontechniker sitzen am Pult, greifen nur selten ein. Auf Stichworte hin wechseln die Szenen. Zwischendurch steht Claudio auf, tanzt oder spricht seinen eigenen Part, ist ungeduldig, „ja weiter“ fordert er, „ihr seid dran“. Die Gruppe reagiert sofort, es läuft flüssig. Man merkt ihnen das jahrelange Zusammenarbeiten und Zusammenwachsen an. Szene reiht sich an Szene. Die Musikanlage ist defekt. Man hört kaum etwas. Es macht nichts. Einzelne Tänzer treten vor, sagen einen Satz, zum Beispiel „liebe dich selbst, dann kannst du heiraten, wen du willst“. Nicht alles verstehe ich. Es wird auch russisch oder griechisch gesprochen. Dann ein Defilee quer über die Bühne, Tänzer hinter Tänzer, lächelnd dem Publikum zugewandt, anmutige Handbewegungen.


Ein weiteres Stichwort: „Fliegen“. Erst führt eine Frau stolz ihre neuen roten Schuhe vor, wird dabei von einer Gruppe mit „Ahs“ und „Ohs“ bewundert, von einer anderen ausgebuht. Die Frau beginnt zu tanzen, eine andere kommt hinzu, tanzt mit ihr, die anderen gehen mit flügelschwingenden Armen von der Bühne. Ein Mann bleibt zurück, versucht unbeholfen das „Fliegen“ zu imitieren, wird von einer Frau mit einem goldenen Band gefesselt, hüpft wie ein gefangener Vogel umher, während die Frau hysterisch lachend davon geht. Das war nicht meine geplante Szene, erläutert li Mura. Der Mann versuchte nach einer Probe sein Armschwingen zu verbessern, sah dabei aber wie ein in den Flügeln gebrochener Vogel aus. Das haben wir dann integriert und so ist dieses Bild des gefangenen Vogel im goldenen Käfig entstanden. Ich sehe noch andere Szenen. Sie machen neugierig auf das komplette Stück auf großer Bühne. Es gab ja bereits einige Aufführungen, die alle mit standing Ovationen endeten, sagt li Mura stolz. Und nach jeder Aufführung hätten sich Menschen gemeldet, die auch mitmachen möchten. Li Mura sagt auch, dass er schon wieder Neues im Kopf habe, es werde wieder um den Menschen gehen, um uns alle. Ab November wird er konkret planen und ab Januar 2014 mit den Proben beginnen, wie immer mindestens einmal wöchentlich. Dazu sucht er unter anderem noch sechs Männer, die mitmachen möchten.Er verschweigt auch nicht, dass er noch anderes sucht, nämlich Sponsoren. Es gäbe einige, doch die Beiträge reichen bei weitem nicht. Das meiste finanziert er selber, so auch den großen Tanzkalender für 2014, zu dem die Fotografin Antje Zeis-Loi wirklich ausgezeichnete Fotos fertigte. Außerdem sucht er ehrenamtliche Mitarbeiter für die Technik,

Video- und Tontechnik und das Bühnenbild. Das alles klingt nicht gerade nach stressfreiem Engagement. Was ihn antreibe, frage ich. Die Antwort ist kurz: „Ich bin verrückt,

ein Getriebener.“ ürgen Kasten Fotos: Anke Zeis-Loi, Jürgen Kasten

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Von Bach bis Tizol Das Blechbläser-Ensemble „10forBrass“ überzeugt mit Brillanz und Virtuosität

10forBrass – „Portrait“ Foto Genuin Classics

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Von der Gewalt, die Jerichos Mauern beim Klang der Hörner Josuas einstürzen ließ, war jüngst in der Evangelischen Kirche RemscheidLüttringhausens glücklicherweise nichts zu spüren. Allenfalls Richard Wagners gewaltiges „Meistersinger“-Vorspiel am Ende des Abends ließ Ahnungen zu. Wohl aber zog der harmonischpolyphone Wohlklang ein, mit dem ein brillanter Klangkörper aus Blechbläsern (Posaunen, Trompeten, Hörner, Tuben) musikalische Perlen der Klassik zu präsentieren weiß. Zum zweiten Mal war das junge Ensemble „10forBrass“ (es waren dann doch zwölf ) vor vollen Rängen dort zu Gast Alexander Tischendorf (Tuba) moderierte. Mit im Ensemble der Lenneper Posaunist Jan Donner, der auch am Euphonium hohe Qualität zeigte. Die Mitglieder des Ensembles sind Studierende verschiedener deutscher Musikhochschulen. Sie alle gehören zu renommierten internationalen Auswahlorchestern wie der Jungen Deutschen Philharmonie, dem Gustav-Mahler- Jugendorchester und dem Festivalorchester des

Schleswig-Holstein Musik Festivals. Viele von ihnen sind mit Musikpreisen ausgezeichnet worden und haben inzwischen Engagements bei Orchestern wie dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck und dem Staatsorchester Hannover oder sind Mitglieder der Orchesterakademien der Staatsoper München, des Konzerthausorchesters Berlin oder der Berliner Philharmoniker. Nach der Konzert-Eröffnung mit der zugegeben gewöhnungsbedürftigen reinen Blech-Fassung von Mozarts Ouvertüre zur „Zauberflöte“ brillierte Martin Gieden in J.S. Bachs instrumental weich und sanft von Enrique Crespo arrangiertem Choral „Wachet auf“ an der Bach-Trompete. André Schoch tat es ihm gleich anschließend in G.F. Händels festlicher Komposition „Ankunft der Königin von Saba“ nach – royaler, höchst weltlicher Glanz unter der Kirchenkuppel. Und weil barocke Musik, egal ob weltlich oder profan, so herrlich und strahlend ist und so gut zum Blech paßt, folgte


auf Mendelssohns wunderschönes „Denn Er hat seinen Engeln befohlen“ ein weiteres Bach-Stück, das „Concerto d-Moll nach Antonio Vivaldi“ BWV 596. Im Wechsel kraftvoller Tutti und klangvoller Soli wurde das Stück in dem ausgefallenen, raffinierten Arrangement von Matthias Höfs (*1965) eines der Glanzlichter des Konzerts. „Nobody missed the brass“ wird Coleman Hawkins anläßlich der Aufnahmen zur LP „Saxes Inc.“ zitiert – am Sonntag konnte man das Zitat umkehren: niemand vermißte Streicher oder Holzbläser, denn der ganze Glanz, den u.a. Händel und Bach, Paul Dukas, Enrique Crespo (er auch in Arrangements für Bach und Mendelssohn) und überraschend heiter Dmitri Schostakowitsch in seiner „Festlichen Ouvertüre“ ihren Kompositionen mitgegeben haben, spiegelte sich in den Interpretationen der „10forBrass“ wie das Licht des Kirchenschiffs im polierten Messing der Instrumente. Als Tribut ans Wagner-Jahr ersetzte „10forBrass“ diesmal den jazzigen Schluß durch Richard Wagners „Elsas Gang zum Münster“ (in der halben Zeit geschafft) und das komplette „Meistersinger“Vorspiel. Zauberhafter als mit Engelbert Humperdincks „Abendsegen“ läßt sich so ein Konzert kaum abschließen. Das ging ebenso tief ans Gemüt wie zuvor Mendelssohns „Denn Er hat seinen Engeln befohlen“. Anhaltender Applaus belohnte die klangvolle Vorstellung. Einige der im Konzert vorgestellten Titel („Arrival of the Queen of Sheba“, „Fanfare pour précéder La Péri“, „Festive Overture“, „Etüde für das tiefe Blech“) finden sich auch auf der neuen CD des Ensembles, dazu u. a. Gustav Mahlers seelenvolles „Ich bin der Welt abhanden gekommen“, Juan Tizols (stets Duke Ellington zugeschrieben) Jazz-Standard „Caravan“, Victor Youngs „Stella by Starlight“ und Irving Berlins „Puttin´ On The Ritz“. Ein hörenswertes Album.

Artemide präsentiert IN-EI ISSEY MIYAKE Konzeption und Technologie der neuartigen Leuchten für Artemide gehen dabei auf das im Jahre 2010 vom Miyake Design Studio Reality Lab.) entwickelte Projekt „132 5. ISSEY MIYAKE“ zurück. Dieses Projekt bezeichnet eines auf 3D-Geometrie basierenden Mathematikprogramms zur Herstellung von Kleidung. Das Ergebnis ist ein Kleidungsstück aus einem Stück Stoff, das sowohl flach gefaltet werden kann – als auch dreidimensionale Formen annehmen kann. Der Kern des Projekts ist ein vollkommen aus recycelten Materialien hergestelltes Gewebe, das das Licht auf sehr interessante Weise streut. Es handelt sich um eine Faser, die durch die Verarbeitung von PETFlaschen gewonnen wird. Die Flaschen werden dafür mittels einer innovativen Technik verarbeitet, die den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen im Vergleich zur Produktion neuer Materialien um bis zu 40 % reduziert. Artemide belebt diese nachhaltigen Artefakte anschließend mit neuester LED-Technologie. Die Leuchtenkollektion IN-EI ISSEY MIYAKE umfasst Steh-, Tisch- und Pendelleuchten.

Frank Marschang e.K., Karlstrasse 37, 42105 Wuppertal Tel 0202-24 43 440, www.lichtbogen-wuppertal.de Di – Fr 10 –18 Uhr und 14 –18.30 Uhr, Sa 11–16 Uhr

Titel: 01. Paul Dukas: Fanfare pour précéder „La Péri“ – 02. Giovanni Gabrieli: Canzon XIV – 03. Johann Sebastian Bach: Jesus bleibet meine Freude – 04. Georg Friedrich Händel: Arrival of the Queen of Sheba – 05. Gustav Mahler: Ich bin der Welt abhanden gekommen – 06. Enrique Crespo: Bruckner Etüde für das tiefe Blech – 07. Dmitri Shostakovich: Fes-

tive Overture – 08. Claude Debussy: La fille aux cheveux de lin – 09. Victor Young: Stella by Starlight – 10. Juan Tizol: Caravan – 11. Irving Berlin: Puttin’ on the Ritz Frank Becker Weitere Informationen unter: www.genuin.de und www.10forbrass.de

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Paragraphenreiter Kann ich mit der Zerstörung von Kunst Steuern sparen?

Na logisch!

Susanne Schäfer, Steuerberaterin Geschäftsführerin der Rinke Treuhand GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft/ Steuerberatungsgesellschaft

Grundfall: Die Beuys´sche Fettecke (extrem bekannt und fast schon ein wenig trivial) Im Jahr 1982 klebte Joseph Beuys ein halbes Pfund Butter an die Wand der Düsseldorfer Kunstakademie. Was ihm als gute Idee erschien, fand der Hausmeister der Akademie vier Jahre später, auch aufgrund dauerhaft ranzigen Geruchs, nicht mehr ganz so spaßig. Er wischte die Fettecke weg. Für Fortgeschrittene: Banksy´s fallschirmspringende Ratte Im Jahr 2010 verzierte der GraffitiKünstler Banksy eine Hauswand in Melbourne mit dem Bild einer fallschirmspringenden Ratte. Das störte das ästhetische Empfinden der Jungs von der australischen Straßenreinigung. Die Ratte wurde übermalt. Für Könner: Babis Panagiotidis Pferdeskulptur Im Jahr 2009 stellte Babis Panagiotidis seine aus mehr als 18.000 Computertasten gebastelte, zwei Meter hohe Pferdeskulptur bei der Ausstellung zum Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten aus und danach in einer Nürnberger Garage unter. Den dadurch verloren gegangenen, aber dringend benötigten Stauraum eroberte sich der Garagenbesitzer mithilfe einer zur Zerstückelung des Pferdes verwandten Kettensäge zurück. Nun war das Ziel der Säuberungsmaßnahmen in allen drei Fällen nicht die Steuerersparnis. Außerdem befanden sich zwei der beseitigten Kunstwerke in öf-

„Am liebsten auf der Bühne, und wer weiß wo sonst noch, sind mir Sätze, die man auch tanzen könnte.“

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fentlichen Räumen und das dritte wurde vom Garageneigentümer selbst zerlegt. Und dennoch ist es beruhigend, dass auch ein privater Haus- und Grundstücksbesitzer die Kosten für fachmännische Hilfe zur Kunstbeseitigung seit Einführung des § 35a EStG mit dem Titel „Steuerermäßigung bei Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen“ im Jahr 2009 von seiner persönlichen Einkommensteuer hätte abziehen können. Diese Vorschrift regelt nämlich, dass 20% der per Banküberweisung bezahlten Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse (die geringfügig beschäftigte Putzfrau), haushaltsnahe Dienstleistungen (der selbständige Hausmeister) und Handwerkerleistungen (der selbständige Malermeister) von der eigenen Einkommensteuer abgezogen werden dürfen. Sollten Sie also in Ihrem Wohnzimmer eine Fettecke, an Ihrer Hauswand ein Graffito oder in Ihrer Garage noch ein bisschen Gerümpel haben, beauftragen Sie doch einfach einen Spezialisten mit der Beseitigung. Eine Ermäßigung Ihrer Einkommensteuer ist Ihnen gewiss. Aber Vorsicht, höchstwahrscheinlich ist diese Ermäßigung geringer als der Schätzwert des beseitigten Kunstwerks. Fettecke: Rattengraffito: Pferdeskulptur:

40.000 DM 800.000 Euro 73.500 Euro

„Das Leben ist sportlich: Der, den du überholst, sitzt dir danach im Nacken.“

Zugelaufene Sprüche

„Mit guten Absichten überschminkt die Seele ihre Pickel“

2013 Verlag HP Nacke Wuppertal 80 Seiten, 9.00 Euro ISBN: 978-3-942043-90-8

„Das wäre ein wunderbares Leben gewesen, sagte der Neunzigjährige, wenn man vorher gewusst hätte, dass alles gut geht.“


Es ist schweizerisch, ein Grümscheler zu sein Er brilliert auf der Leinwand, besonders wenn er den „Kurligen“ spielen darf. Privat sammelt der Berner Schauspieler Stefan Kurt Töne und fotografiert – am liebsten die kleinen Dinge.

Er nimmt das Geräusch der WC-Spülung auf. Und legt die Tonspur dann über Meeresrauschen. «Das Ohr ist irritiert, das Hirn gefordert. Dieses Gefühl liebe ich», sagt Stefan Kurt, 54. Er hält das iPhone ganz nah ans Ohr. Lauscht nochmals. Und sagt dann: «Schade, dass mans bei diesem Verkehr nicht klar heraushört.» Der Schauspieler sitzt auf der Terrasse seines Lieblingscafés, keine 200 Meter von seiner Berliner Wohnung. 29 Jahre schon lebt der Stadtberner in Deutschland. Zwar spielt er in den letzten Jahren in viel beachteten Schweizer Filmen wie «Stationspiraten», «Der letzte Weynfeldt», «Giulias Verschwinden», «Der Verdingbub» - aber wer ist der Mann privat? «Das frage ich mich manchmal auch», antwortet er und lacht.

Stefan Kurt vor einem seiner Bilder bei der Ausstellung „Natur und Sinnlichkeit“ in der Galerie Epikur Wuppertal 2011 Foto: Andreas Fischer

Ab September 2013 läuft der Film «Lovely Louise» im Kino an. Kurt spielt einen 50-jährigen Modellflugfan, der noch bei seiner Mutter (Annemarie Düringer) lebt. Im Schwimmbad föhnt er ihr die Haare. Ins Theater chauffiert er sie in seinem Taxi. Stefan Kurt brilliert wie

immer, wenn er den Unsicheren spielen darf. Mit 14 Jahren begann Stefan mit der Schauspielerei zu liebäugeln. Ohne je im Theater gewesen zu sein. Der Sohn eines Versicherungs-Vizedirektors wagte kaum, seinen Berufswunsch zu äussern. «Ich war überzeugt, das ist was für die anderen, doch nichts für mich!» Also machte er das Lehrerseminar. In Trimstein BE sass er erstmals am Lehrerpult. Zwölf Schüler, siebte bis neunte Klasse. Vor allem in den Französischlektionen seis «e cheibe Chrampf gsy». Er brachte extra Platten von Mireille Mathieu in den Unterricht. «Und die Schüler sagten mir dann: ‹Mir wei doch nie uf Paris! Mir sy wou hie!›» Nach einem halben Jahr hängte er die Lehrertasche an den Nagel. Und ging auf die Schauspielschule. Die Eltern unterstützten ihn. «Sie habens wohl geahnt. Ich machte schon als kleiner Bub immer den Clown.» Ans erste Vorsprechen in Bochum erinnert er sich noch gut. «Als Schweizer hatte man damals einen gewissen Bonus. Weil wir so ‹anders› sind.»

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Wie anders, das merkte er mit den Jahren in Deutschland. Besonders an sich selbst. «Es ist schweizerisch, ein Grümscheler zu sein.» Detailverliebt, ja vielleicht sogar versessen. «Ich fotografiere Naturstrukturen und sammle Töne. Total grümschelig!» Wenn er sich im Berliner Ensemble auf einen Auftritt vorbereitet, schlägt er in der Garderobe nochmals das Textbuch auf. Daneben das obligate Ricola-Schachteli, seine Uhr, das Wasserglas. Alles an seinem Platz. Ein durch und durch aufgeräumter Mensch. Dazu passt auch seine Art abzuheben: Er liebt das Fliegen. Aus Sicherheitsgründen aber lieber im Simulator als in der Cessna. «Ich bin etwas schreckhaft. Und bei Turbulenzen verliere ich schnell die Ruhe.» Modellflugzeuge wie im Film jedoch hätten ihn nie interessiert. «Leimen, malen. Da fehlt mir die Geduld. So weit Grümscheler bin ich dann doch nicht.» In «Lovely Louise» spielt Kurt das Muttersöhnchen. Auf das jeden Abend

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die Pantoffeln im Eingang warten. Im echten Leben ist ihm der Abnabelungsprozess einfacher gefallen. Obwohl er sich sehr geliebt gefühlt habe. Aber er musste früh Abschied nehmen: Seine Mutter starb 1994 mit erst 66 Jahren. «Von ihr habe ich das Friedliebende geerbt», sagt er, «bis zur Selbstaufgabe.» Er sei keiner, der explodiert. Das glaubt man ihm aufs Wort. Wer stellt ihm denn die Pantoffeln bereit? «Wir haben keine Pantoffeln», antwortet Stefan Kurt. Mit wem er seine frisch renovierte Viereinhalbzimmerwohnung teilt, behält er für sich. «Vor der Haustür fällt der Vorhang. Meine private Bühne ist nicht öffentlich.» In Bern ist er «dr Stüfi». Die Verniedlichung haftet an, genauso die Verehrung des Migros-Käsekuchens. «In Berlin spreche ich anders, bin vielleicht sogar ein anderer.» Dass er in zwei verschiedenen Welten lebt, ist ihm vor seinem 50. Geburtstag aufgefallen. Er wollte ihn feiern. Bloss, wo? In Berlin mit den Berliner Freunden? In Bern beim

Bruder mit den Berner Freunden? Oder mit allen zusammen irgendwo auf halbem Weg? «Ich habe mich für Bern entschieden. Wir gingen kegeln. Es war wunderbar.» Zehn Jahre möchte er noch in Berlin spielen. Dann ziehts ihn zurück in die Schweiz. Den Lebensabend malt er sich so aus: «Eine superschöne Villa am See, wo es sonnig ist. Etwas Trauben lesen, ab und zu in die Berge fahren oder ins Tessin. Im See baden oder nach Zürich shoppen…» Er lacht über seine kitschigen Vorstellungen. «Irgendeinisch», erklärt er, ziehe es ihn sicher zurück ins Käsekuchenparadies.

Yvonne Zurbrügg

Das Lieblingscafé des Schauspielers hat eine Terrasse und ist keine 200 Meter von seiner Berliner Wohnung entfernt. Fotos: Fabienne Bühler


Russisches Staatsballett „Opulente Aufführung, geschmackvolle Kostüme, perfekte Choreographie“

Tournee 2013/14 mit drei Klassikern: „Schwanensee“, „Dornröschen“, „Der Nussknacker“

Szene aus „Nussknacker“ Foto Mikhail Logvinov

(thk) Begeisterte Publikumsreaktionen und klasse Kritiken zur Jubiläumsgastspielreise 2012/13 machen Lust, einen der anstehenden Auftritte des Russischen Staatsballetts anzusehen. Gutes Beispiel für die positive Resonanz ist die Besprechung in der ‚Südwest Presse’. Dort war zu lesen: „Vor malerischer Kulisse mit großen, märchenhaft-romantischen Leinwandbildern bot die junge Truppe zur wunderbaren Musik Tschaikowskis choreographische Leckerbissen. Taktgenau setzten die Solisten ihre Pirouetten und Fouettés auf ’s Parkett.“ Ebenso fasziniert war der Journalist von der völligen Synchronität in der Bewegung und den kraftvollen Sprüngen. „Hier zeigte sich die gute russische Schule mit ihrer soliden Grundausbildung und ihren vielen Akademien. So sahen die Zuschauer eine opulente Aufführung in geschmackvollen Kostümen und einer perfekten Choreographie.“ Grundwerte, die für das Russische Staatsballett, welches in seinem Gen-

re die klassische Variante repräsentiert, selbstverständlich sind. Aktuell im Programm: „Schwanensee“, das die Irrungen und Wirrungen eines zur Heirat verdammten Prinzen schildert, der sich in eine zum weißen Schwan verzauberte Prinzessin verliebt, aber von deren schwarzem Ebenbild verführt wird. Das Märchen „Dornröschen“ erzählt von der mit einem Fluch belegten Königstochter, die nach hundertjährigem Schlaf durch den Kuss eines Prinzen erlöst wird. „Der Nussknacker“ dreht sich um die Träume eines kleinen Mädchens, in denen erst Spielzeugfiguren gegen eine Mäusearmee kämpfen und dann der in einen Prinzen verwandelte Nussknacker die Kleine in’s Süßigkeitenreich entführt.

Karten für die Klassiker-Inszenierung kosten im Vorverkauf 22 bis 75 Euro (zzgl. Gebühren).

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(15 / 19.30 Uhr) 21. 1. 14 Ludwigsburg, Forum am Schlosspark (20 Uhr) 22. 1. 14 CH-Basel, Musical Theater (20 Uhr) 23.1.14 CH-Lugano, Palazzo dei Congressi (20.30 Uhr) 24. 1. 14 CH-Zürich, Kongresshaus (20 Uhr) 25. 1. 14 Würzburg, Congress Centrum (20 Uhr) 26. 1. 14 Chemnitz, Stadthalle (18 Uhr) 27. 1. 14 Halle, GF-Händelhalle (20 Uhr) 29.-31. 1. 14 Berlin, Admiralspalast (20 Uhr) 1. 2. 14 Hamburg, CCH 1 (15 / 19 Uhr) 2. 2. 14 Rostock, Stadthalle (18 Uhr) 4. 2. 14 Cottbus, Stadthalle (20 Uhr) „Dornröschen“ 30. 12. 13 Friedrichshafen, Graf-ZeppelinHaus (20 Uhr)

Szene aus „Schwanensee“ Foto Thomas-Ammerpohl

„Der Nussknacker“ 4. 1. 14 Reutlingen, Stadthalle (20 Uhr) 11. 1. 14 Füssen, Festspielhaus (20 Uhr) 16. 1. 14 Recklingh., Festspielhaus (20 Uhr) 17. 1. 14 Fulda, Esperantohalle (20 Uhr) 5. 2. 14 Münster, Halle Münsterland (20 Uhr)

Russisches Staatsballett – Tournee 2013/14 „Schwanensee“ 26. 12. 13 Bonn, Beethovenhalle (16 / 20 Uhr) 27./28. 12. 13 Essen, Philharmonie (15 / 19 Uhr) 29.12.13 Freiburg, Konzerthaus (16 / 20 Uhr) 2. 1. 14 Leipzig, Gewandhaus (20 Uhr) 3. 1. 14 Bamberg, Konzerthalle (20 Uhr) 5. 1. 14 Singen, Stadthalle (19 Uhr)

6. 1. 14 Stuttgart, Liederhalle (15 / 19 Uhr) 8. 1. 14 Nürnberg, Meistersingerhalle (20 Uhr) 9. 1. 14 A-Salzburg, Großes Festspielhaus (19.30 Uhr) 10. 1. 14 A-Innsbruck, Congress (20 Uhr) 12. 1. 14 München, Philharmonie (15 / 19 Uhr) 14. 1. 14 Trier, Arena (20 Uhr) 15. 1. 14 Neunkirchen, Gebläsehalle (20 Uhr) 18. 1. 14 Krefeld, Seidenweberhaus (20 Uhr) 19. 1. 14 Frankfurt, Jahrhunderthalle

Einlass: Eine Stunde vor Beginn Karten von 22.– bis 75.– Euro (zuzüglich Gebühren) an allen Vorverkaufsstellen. Bundesweiter Kartenservice: Tel.: 0180 557 00 00 (0,14/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise max. 0,42 Euro/Minute). Kartenbestellung ferner via Tickets per Post unter der Telefonnummer 069.944 36 60 sowie im Internet unter www.eventim.de, www.reservix.de, www. oeticket.com, www.ticketcorner.ch Tourneeveranstalter: Shooter Promotions GmbH, Tel.: 069.610 939-0 Internet: www.russisches-staatsballett.com Pressearbeit: www.hammerl-kommunikation.de, Tel.: 0821.58 97 93 8-8/9

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Eine ernste Sache

Hermann Schulz – „Warum wir Günter umbringen wollten“ © 2013 Aladin Verlag, 159 Seiten, geb. m. Schutzumschlag, Illustrationen von Maria Luisa Witte – ISBN 978-3-8489-2017-4 14,90 Euro

Sich die gesellschaftlichen Zustände zwischen 1945 und 1947 vorzustellen, ja sich in sie hineinzudenken – namentlich auf dem Land - wird einem jungen Menschen heute sehr, sehr schwerfallen, zumal wenn er/sie ein Stadtkind ist. 1945 endete der Zweite Weltkrieg mit der vollständigen Niederlage Deutschlands und der bedingungslosen Kapitulation. Viele Väter waren als Soldaten gefallen, in Gefangenenlagern umgekommen oder noch verschollen. Weite Teile vom Osten Deutschlands wurden von Rußland und Polen annektiert, ganze Landstriche durch die Vertreibung der deutschen Bevölkerung entvölkert. Schreckliches Elend und grauenhafte Erlebnisse mussten die in endlosen Trecks nach Westen fliehenden Frauen, Kinder und alten Männer ertragen, bis sie – oft unwillkommen – im verbliebenen Rest Deutschlands ankamen und häufig auf dem Land in Dörfern und auf Bauernhöfen vorläufig einquartiert wurden. Entwurzelt, heimat- und oft vaterlos, ohne moralische Orientierung, gezeichnet von den Schrecken der Flucht aus den verlorenen Ostgebieten und – als hätte das nicht genügt – auch von den Einheimischen mit Mißtrauen betrachtet, mussten auch die Kinder mit der Lebenssituation zurechtkommen. Hier setzt Hermann Schulz´ neuer Jugendroman an. März 1947. Eine Zeit zwischen Krieg und Frieden. Für Freddy und seine Freunde in einem Dorf südlich von Lüneburg hat die Schule wieder begonnen. An den Nachmittagen stromern sie, wenn sie nicht ihren selbstverständlichen Anteil an der Landwirtschaft leisten müssen, durch die Wiesen und Wälder, auch zum Moor, wo noch Torf gestochen wird. Auch der stille Flüchtlingsjunge Günter schließt sich der Clique unaufgefordert an, läßt sich nicht verjagen. „Der tickt doch nicht richtig“, sagen die Jungs über ihn. Denn Günter ist aufgrund einer schlecht ausgeheilten Hirnhautentzündung „anders“. Freddy und die anderen Jungen, allen voran ihr Anführer Leonhard, machen sich über ihn lustig, sie demütigen und quälen ihn. Als sie das Maß überziehen und fürchten müssen, dass Günter sie bei den Erwachsenen verraten könnte – was für einige ernste Konsequenzen haben würde – fas-

sen sie den ungeheuren Plan, Günter zu töten und ihn im Moor zu versenken. Hermann Schulz (*1938) hat mit „Warum wir Günter umbringen wollten“ ein sehr mutiges Buch geschrieben, mit dem er den Finger in eine für viele bis heute nicht verheilte Wunde legt, die aus der vaterlosen Zeit herrührt, in der Strenge aus der Not der Zeit oft mit Erziehung verwechselt wurde. Die Suche nach moralischen Instanzen, das Erkennen von Schuld und Verantwortung, das Abwenden von Gewalt als einzig mögliche Lösung von Problemen bestimmen diesen Roman. Auch die Auseinandersetzung mit der möglichen Schuld von Soldaten vor dem noch frischen Hintergrund des alles verändernden Krieges und der jetzt zu allen durchdringenden Wahrheiten über die Morde an Juden und „Minderwertigen“ spielen eine wesentliche Rolle, lassen sich die Jungen von der noch nicht überwundenen menschenverachtenden Ideologie des Dritten Reiches beeinflussen. Dass Günter sich als kluger, patenter Junge entpuppt, Freddys Schulkameradin Luise, sein Vetter Fritz und der Kriegsheimkehrer Willi gerade Linien durch das Gefühlschaos ziehen und sich einige Erwachsene als unerwartet verständnisvoll zeigen, sorgt für die versöhnliche Note dieses aufregenden, weil erschreckend ehrlichen Buches, das man atemlos, ohne abzusetzen in einem Zuge liest. Die oft doppelseitigen Illustrationen von Maria Luisa Witte geben der beklemmenden Atmosphäre wie den frühlingshellen Passagen des Romans ein Gesicht. Seit „Flucht durch den Winter“, „Sonnennebel“ und „Iskender“ das fesselndste Buch des Wuppertaler Autors und jede Auszeichnung wert. Frank Becker Weitere Informationen: www.aladin-verlag.de

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Neue Kunstbücher Dokumentation und Kunst vorgestellt von Thomas Hirsch Wüste. Nichts als Wüste. Sanfte Wölbungen und steile Grate aus Sand, gefurcht durch den Wind oder schwarz im Schatten und auf der Lichtseite hart konturiert. Wechselnd die Perspektive. Reproduziert über eine Strecke von einhundert Seiten, ehe Porträts der Bewohner folgen, teils im close-up, teils in ihre häusliche Umgebung eingebunden: Der Schweizer Fotograf Carlos Crespo hat die Badain Jaran-Wüste in China, in der Inneren Mongolei, fotografiert, und der Schweizer Verlag Scheidegger & Spiess hat daraus eines der konsequentesten Fotobücher der jüngsten Zeit gemacht. In die Badain Jaran-Wüste kommt man nicht leicht, Touristen trifft man keine, stattdessen herrscht tagelange Einsamkeit. Aber ist diese Wüste anders als andere? Wir sehen unglaublich schöne Ansichten, ahnen eine Unendlichkeit und Unberührtheit. Natürlich können diese Fotografien lediglich Hinweise sein, aber meisterhaft gelingt es, eine besondere Aura zu vermitteln. Die Frage ist, was die wahre Kunst ist, die Landschaft mit ihren subtilen Ereignissen selbst, so wie sie von Carlos Crespo fotografiert ist, oder das Foto als künstlerisches Äußerung. Also, inwieweit wir hier es mit Dokumentation und mit Kunstwollen in der Aufnahme zu tun haben. Interessanterweise läuft die Abbildung

Carlos Crespo: Badain Jaran – Die vergessene Wüste, 156 S. mit 102 Triplex-Abb., geb. mit Schutzumschlag, 32 x 27 cm, Scheidegger & Spiess, 68,– Euro.

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häufig durch den Bund im Buch, ist dann also eigentlich nicht komplett zu sehen, vermittelt dann eher das Ausschnitthafte, also die Dokumentation. Aber es ist ein Buch des Fotografen Carlos Crespo. Während bei diesem Buch über die Badain Jaran-Wüste der Fotograf als Autor gegenwärtig ist, verschwindet er in der DVA-Monographie zu den Villen von Andrea Palladio ganz. Das ist hier als Kompliment zu verstehen. Palladio, der auch das Traktat „Vier Bücher zur Architektur“ (1570) geschrieben hat, gehört zu den größten Architekten der Kunstgeschichte, ein Neuerer der Baukunst auf dem Fundament der Tradition. Die Leistungen von Palladio verdeutlicht nun ein Buch, das seine venetischen Landsitze, die Villen, vorstellt, verfasst von Luca Tresvisan als Textautor und Luca Sassi als Fotograf. Eine Leistung des Buches ist die sorgfältige Kontextualisierung. Die Umstrukturierung der Wirtschaft führt zu einer Refeudalisierung der venetischen Landschaft im 16. Jahrhundert, verbunden mit dem Bau von Landsitzen. Hier erweist sich Palladio als führender Baumeister, der Entspannung und Luxus mit Funktionalität zu verknüpfen weiß. Und er sorgt für helle Räume, schafft Licht und bringt Farben zum Klingen – und in vielen seiner Villen finden sich Wand- und Deckenmalereien – und betont dabei

Luca Trevisan/Luca Sassi: Palladio, Villen, 224 S. mit 210 Farbabb., geb. mit Schutzumschlag, 32,5 x 27 cm, DVA, 59,99 Euro.

die architektonischen Strukturelemente. Wie klug er dabei vorgeht, wie er mit festen Elementen arbeitet und einen Stil kreiert, das veranschaulicht nun eben die vorzügliche Fotografie, die sich Zeit für einzelne Details nimmt, dann wieder auf Abstand geht und den Überblick wahrt, dazu das gleichmäßige Licht nutzt und eine große Sorgfalt walten lässt. Der Text ist klar, tadellos, übersichtlich und gliedert sich in Kapitel nach den einzelnen Villen. Nebenbei ist daraus ein Nachschlagewerk zu Palladios Villen hervorgegangen, welches im Anhang ein vollständiges Werkverzeichnis enthält. Lionello Puppi bringt es im Vorwort auf den Punkt: „Es handelt sich – im aufklärerischen Sinne des Begriffs – um einen echten Führer für den ‚gebildeten Fremden‘“. Und es ist ein Prachtband, großartig gedruckt, souverän im LayOut, über das Sublime in der italienischen Baukunst der Renaissance. Das Erhabene der Wüste, das Sublime der Architektur – bei Bernhard Prinz wird es als Kunst konstruiert, sei es in der Inszenierung, sei es in der theatralischen Dokumentation. Bernhard Prinz wurde in diesem Jahr 60, schon vor drei Jahren ist ein Bildband bei Steidl erschienen, der einen authentischen Überblick über sein fotografisches Werk vermittelt. Seine Bilder, farbig, großformatig abgezogen und hinter Glas mit breitem Rahmen präsentiert, wirken als geschlossene Systeme, die – im Fall der Porträts – zwar Kontakt mit dem Betrachter aufnehmen, aber doch ganz bei sich sind. Prinz, der in Fürth geboren wurde, zunächst Kunstgeschichte studiert hat und schon seit langem in Hamburg lebt, integriert anfänglich Objekte in seine Inszenierungen und erweitert das zu Installationen. Damit lässt er sich gleichzeitig der Inszenierten Fotografie und den Objektbauern der 1980er Jahre zurechnen. Einzigartig aber ist, wie er sich bei seinen Figurendarstellungen dezidiert auf Habitus, Posen und Mimik der Kunstgeschichte bezieht. Auch wenn er im Laufe der Werkentwicklung seine Frauen, Buben und jungen Männer alltäglich gekleidet oder mit freiem Oberkörper auftreten lässt, immer tragen seine Bilder den Glanz des stilisiert Entrückten, das


Bernhard Prinz: Latifundia, engl., 184 S. mit 147 Farbabb., geb. mit Schutzumschlag, 23 x 30,5 cm, Steidl, 48,– Euro. sich nach der reinen Schönheit sehnt. Es gibt später auch Aufnahmen von Landschaftsstrukturen, Wolkenhimmeln oder textilen Anordnungen, aber alles wirkt ästhetisch überhöht, selbst wenn es sich um die Keime von Epidemien handelt. Man mag diese doppelbödige Künstlichkeit mögen oder ablehnen, aber erstaunlich ist jedenfalls die Transzendenz der Realität, die wieder auf die Kamera und den Blick durch diese verweist ... Längst kann der Fotografie kein Glauben mehr geschenkt werden, ihre Wahrheit ist eine andere. Wie erfrischend ist es da doch, die s/w-Aufnahmen von Arnold Odermatt zu sehen, die gerade der Wahrheitsfindung dienen. Odermatt hat von Berufs wegen Verkehrsunfälle aufgenommen: Zusammenstöße mit Autos und Motorrädern und ein Ausscheren auf die grüne Wiese oder in einen Bach. Arnold Odermatt, der 1925 geboren wurde und 1948 in den Polizeidienst im Schweizer Kanton Nidwalden eintrat, wurde erst lange nach seiner Pensionierung von der Kunstszene entdeckt und vereinnahmt. Wenn man nun das Buch „Karambolage“ durchblättert, das unlängst in zweiter Auflage bei Steidl erschienen ist, versteht man sehr schnell das große Interesse an diesen Fotografien. Das Buch umfasst fast 400 Abbildungen, die als Kontinuum

aufeinander folgen; sie umfassen den Zeitraum von 1948 bis 1995, sind aber nach ästhetischen Aspekten angeordnet. Dabei wird die Region vermessen, in der sich diese Szenen ereignen. Odermatt dokumentiert die Unfälle, nachdem die betroffenen Personen weg geschafft worden sind. Manchmal stehen am Straßenrand Gaffer, aber immer ist es doch eine stillgelegte sachliche Situation. Teils ist ein Unfall aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen. Die Folgen sind einmal weniger gravierend, einmal schrecklich; das Auto ist völlig zerbeult, man ahnt die Wucht, mit der die Autos aufeinander gestoßen sind oder etwa einen Brückenpfeiler gerammt haben … und allmählich schleicht sich Grauen ein, gerade auch im Kontrast zur tollen Landschaft und der nostalgischen Atmosphäre. Die heile Welt kippt, die Unfälle gleichen sich wie ein Haar aufs andere, es hört nicht mehr auf und dann wirken die Fahrzeuge wie Skulpturen, aber auch wie Körper, aus denen Kabel quillen, die verschoben, versehrt sind, denen Schlimmes zugestoßen ist. Das Groteske trifft auf das Tragische – und deutlich wird, wie existenziell und gleichnishaft doch das Buch ist. Also, man kann das ganz nüchtern betrachten, aber sich auch einfühlen, assoziativ vorgehen – das Buch ist eine Sensation, mit Arnold Odermatt als Künstler mit durchaus konzeptuellem Impetus und als dokumentarischer Fotograf.

Wuppertaler Jazz- Kalender 2014 Wuppertaler Jazzmeetings im Café ADA

Moments in Time Kalender 2014

Fotos Karl-Heinz Krauskopf Verlag HP Nacke Wuppertal

Auf den Samtpfoten Henri Cartier-Bressons: Die Lichtbilder des Wuppertaler Jazzphotographen Karl-Heinz Krauskopf „Jede Fotografie ist eine Art memento mori“, schrieb einmal die US-amerikanische Essayistin und Publizistin Susan Sontag. „Fotografieren bedeutet teilnehmen an der Sterblichkeit, Verletzlichkeit und Wandelbarkeit anderer Menschen (oder Dinge). Eben dadurch, dass sie diesen einen Moment herausgreifen und erstarren lassen, bezeugen alle Fotografien das unerbittliche Verfließen der Zeit.“ In diesem Sinne sind Fotografien Erinnerungen an die Vergänglichkeit allen Lebens. Der Kalender zeigt bekannte und weniger bekannte Musiker, auch Schüler, die ihre ersten Schritte in der weiten Welt des Jazz gehen. Er spiegelt somit das Konzept des Jazzmeetings wider, das Wuppertaler Musiker in immer neuen und überraschenden Formationen zusammenführt. Krauskopf kann in diesem sehr intimen Ambiente gleichsam gar nicht anders, als sich auf den Samtpfoten Cartier-Bressons an die Musiker anzuschleichen. Moments in Time: Wuppertaler Jazzmeetings im Cafe ADA - Kalender 2014

Arnold Odermatt: Karambolage, 408 Seiten, durchgehend s/w-Abb., geb. mit Schutzumschlag, 31,5 x 28,5 cm, Steidl, 58,– Euro.

Verlag HP Nacke Wuppertal Friedr.-Engels-Allee 122, 42285 Wuppertal Tel. 02 02/28 10 40, Fax 02 02/ 8 31 67 verlag@hpnackekg.de · 12.90 Euro ISBN: 978-3-942043-36-6

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Entdecken, genießen und sparen in Wuppertal Ein schönes Abendessen zusammen mit dem Schatz oder mit Freunden genießen, bei einer entspannenden Ganzkörpermassage den Alltagsstress vergessen oder einen tollen Tag im Freizeitpark verbringen: Wer gerne Neues ausprobiert und spannende Highlights in der Region kennenlernen möchte, kommt mit der „Schlemmerreise mit Gutscheinbuch.de Wuppertal & Umgebung 2013/2014“ auf seine Kosten. Der Gastro- und Freizeitführer – gerade in der 14. Auflage neu erschienen – beinhaltet 96 hochwertige 2für1- und Wertgutscheine aus den Bereichen Gastronomie, Wellness, Freizeit oder Kultur. Restaurants spendieren zum Beispiel oftmals das zweite Hauptgericht, in der Therme muss der Partner keinen Eintritt bezahlen oder Geschäfte gewähren Gutscheinbuch-Besitzern Rabatte. Die „Schlemmerreise mit Gutscheinbuch.de Wuppertal & Umgebung“ ist ab sofort für 17,95 Euro im Handel, unter www.gutscheinbuch.de oder unter der gebührenfreien Bestell-Hotline 0800/22 66 56 00 erhältlich.

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Namhafte Anbieter aus Wuppertal und Umgebung sind in der neuen Ausgabe wieder mit dabei – teilweise bereits zum wiederholten Mal. So lädt etwa das „Landhaus Garnefeld“ mit GourmetKoch Herbert Sippl unter dem Motto „Spitzenküche – kleine Preise“ zu besonderen Geschmackserlebnissen ein. Die feine, gehobene Küche bietet viele schmackhafte Gerichte – vom leckeren Mittagstisch bis zum Gourmetmenü in fünf Gängen. Auch das „Ristorante Il Camino“ ist im Gutscheinbuch mit einem Wert-Gutschein auf ein exklusives 4-Gänge-Menü für zwei Personen

vertreten. Feinschmecker dürfen sich auf hausgemachte Spezialitäten im gemütlichen Ambiente eines historischen Kellergewölbes freuen. Das „Hotel – Restaurant Neuenhof“ schenkt das zweite Hauptgericht und verwöhnt seine Gäste dabei mit einer neuen deutschen Küche, die ideenreich mit mediterranen Einflüssen präsentiert wird. Neben den insgesamt 63 Restaurant-Gutscheinen bieten 33 weitere Gutscheine Anregungen für schöne Freizeit-Erlebnisse. So ist etwa in der „Schwimmoper“ Seele baumeln lassen angesagt. Im „Skulpturenpark Waldfrieden“ können Kulturinteressierte die Artefakte international bekannter Bildhauer bewundern. Die zweiten Eintrittskarten sind jeweils gratis. Personal Training für jedes Alter hat das „Inform Studio“ im Angebot. Gutscheinbuch-Besitzer bekommen das 14-tägige Kennenlern-Programm für 19,90 Euro statt 138 Euro. Und das sind nur einige wenige Beispiele für das vielfältige Angebot der „Schlemmerreise Wuppertal“. Das blaue Gutscheinbuch begeistert nicht nur Genießer, sondern vor allem auch Sparfüchse. Insgesamt liegt der Wert der 96 Gutscheine nämlich bei mehreren Hundert Euro pro Buch. Bereits mit dem zweiten eingelösten Gutschein hat sich die Anschaffung meist schon gelohnt. Viel Genuss für wenig Geld!


LIEBESTOD – Wagner Verdi Wir In der „Besten Zeit“. Das Beste zum Jubiläum

Holger Noltze – Liebestod Wagner Verdi Wir Hoffmann und Campe 2013 ISBN 978-3-455-50262-6 448 Seiten

Das Jubiläumsjahr – Wagner und Verdis 200. Geburtstag – ist schon weit fortgeschritten. Mir schien es so, als sei Wagner im ersten Halbjahr öfter genannt und gespielt worden. Das scheint sich jetzt zugunsten Verdis zu verlagern, was ja auch passt, weil Wagner im Mai und Verdi im Oktober Geburtstag feiert. In diesem Jubiläumsjahr sind auch jede Menge Bücher erschienen, einige davon überflüssig, einige mit neuen Erkenntnissen, einige hoch wissenschaftlich, einige eher für interessierte Laien. Ein Buch ragt aus allen Neuerscheinungen aber besonders heraus, weil es vieles verbindet, sowohl dem Kenner noch neue Erkenntnisse vermittelt als auch dem interessierten Laien viele Türen öffnet und ihn weit in neue Räume gehen lässt, und das nicht in mühsamer Arbeit, sondern in verständigem Genuss. Gemeint ist „Liebestod“ von Holger Noltze. Bezeichnend der Untertitel: „Wagner Verdi Wir“. Schon hier wird deutlich, dass nicht weit entfernte Titanen in großen Höhen bewundert werden, sondern verhandelt wird, was uns heute noch mit den beiden Komponisten verbindet. In den Worten des Klappentextes: „Eine Einladung an alle, Wagners und Verdis Träume kennenzulernen – und dabei auch die eigenen.“ Holger Noltze ist u. a. Professor für Musik und Medien und Autor etlicher Bücher (z. B. „Die Leichtigkeitslüge. Über Musik, Medien und Komplexität“). Zum ersten Mal von ihm gehört habe ich aber über die Sendung „westarttalk“, meiner Meinung nach die beste Talkrunde im deutschen Fernsehen überhaupt (jeden Sonntag um 11). Hier werden komplexe Themen ausführlich und verständlich diskutiert, mit ausgewiesenen Experten, sehr kontrovers, aber immer sachbezogen und dabei tiefgehend. Es geht nur selten um Musik, sondern um alle möglichen gesellschaftlich relevanten Themen, und Noltze gehört zum Moderatorenteam und schafft es, wie die anderen, das Gespräch souverän zu leiten und die oft hart aufeinander prallenden Standpunkte in sachgerechter Weise ohne Krawall zur Darstellung zu bringen. Insofern entspricht er mit seinem weiten Horizont dem Diktum des deutschen Komponisten Hanns Eisler in positivem Sinne genau, der gesagt hat: „Wer nur etwas von Musik versteht, versteht auch davon nichts.“

Was macht nun das Besondere dieses Buches aus? Zwei Dinge fallen zuerst auf. Einmal kommt der Autor immer wieder auf „uns“ zurück. Warum hören wir immer noch Wagner und Verdi? Das geht ziemlich weit vorne los und wird immer wieder angesprochen. Und in diesem Zusammenhang sehr wohltuend ist die Behandlung des Biographischen. Wer sich schon mal durch Bücher über Komponisten gewühlt hat, in denen jedes Lebensdetail aufgelistet ist, aber die Werke kaum behandelt werden und deren Bezug zum Leben nicht deutlich wird, kann es nur als angenehm empfinden, wenn Noltze nur dann ausführlicher auf die Biographien eingeht, wo sie die Hintergründe der Werke erhellen und zeigen, was den Komponisten damals und uns noch heute wichtig war und ist. Der Autor geht der Frage nach, was den beiden Komponisten gemeinsam ist, zeigt aber auch sehr deutlich auf, was sie trennt und welche ganz unterschiedlichen musikalischen Wege sie gehen. Dabei wird z. B. klar, dass Wagner auf „Überwältigung durch Länge“ setzt, aber die Handlungsabläufe ebenso wie die Entwicklung der Gefühle genauestens inszeniert, während Verdi dagegen auf Kürze, Prägnanz, Wahrhaftigkeit, explosive Dramatik setzt. Dass dies keineswegs immer in gleicher Weise geschieht, aber doch immer in ähnlicher Tendenz, wird an etlichen Werken der beiden Komponisten exemplarisch gezeigt, bei Wagner vor allem am „Fliegenden Holländer“ und „Lohengrin“, bei Verdi am „Nabucco“ und anhand von „La Traviata“. Aber auch viele andere Werke der beiden werden zumindest gestreift und in Hinblick auf das Hauptthema abgeklopft. Dieses Hauptthema, was beide Komponisten verbindet und uns heute wohl auch noch interessiert, ist der „Liebestod“, bei beiden im Mittelpunkt und von ganz verschiedenen Seiten angegangen. Noltze stellt dies in zwei längeren Kapiteln dar. Einmal geht es um „Aida“, zum anderen um „Tristan und Isolde“. Der Autor analysiert beide Opern ausführlich unter dem Aspekt des Liebestods, dem gemeinsamen Fluchtpunkt. Dabei bringt er das zusammen, was oftmals getrennt erscheint. Fortgang der Handlung, Textanalyse und Bedeutung der Musik werden so verwoben, dass allein schon beim Lesen

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viele Zusammenhänge hergestellt werden, die vorher nicht deutlich waren. Dies macht dem, der Noten lesen kann, Lust auf das Hören der Werke mit Klavierauszug. Noch wichtiger aber erscheint, dass sich auch dem musikinteressierten Laien durch diese Methode ganz neue Welten erschließen. CD-hörend oder DVD-sehend lässt sich nach der Lektüre jede Szene brillant verfolgen und liefert ein immer dichter werdendes und tiefer gehendes Erkenntnisnetz. So wird, um nur wenige Beispiele zu nennen, bei Verdis Aida die „blechbewehrte Musik der herrschenden Verhältnisse“ dem „Traum der Liebe, die nicht sein soll“ gegenübergestellt. Radames´ Arie „Holde Aida“ wird aus ihrem Wunschkonzert-Leben befreit, indem klargemacht wird, dass es sich dabei um eine Phantasmagorie handelt. Deutlich gemacht wird unter anderem, dass uns Verdi einerseits Lektionen in Ökonomie und Unmittelbarkeit gibt, andererseits wird nachgewiesen, dass in der Schlussszene die Musik sozusagen in Zeitlupe abläuft, beides geprägt von subtiler Kunst der Übergänge. Dargelegt wird auch, wie Verdis Kunst das Publikum zu Mitleidenden macht. „Wir sind dabei, der eigene Tod könne die Lösung des irdisch Unlösbaren sein.“ Konsequent wird dann auch nachgewiesen, dass Aidas Todesphantasien schon früh im Stück angelegt sind. Schließlich wird dann auch deutlich, dass Verdi die „gnadenlose Herrschaft der Priester“ anklagt, „deren Gesang nicht ägyptisch, sondern katholisch klingt“, und die in der Oper auch das letzte Wort haben. Ebenso erhellend ist das Kapitel über Wagners Tristan, vor allem deshalb, weil gezeigt wird, wie sich Wagners Schopenhauer-Lektüre („Musik ist unmittelbares Abbild des Willens.“) unmittelbar auf seine Komposition auswirkt, wie sie blitzschlagartig den Hintergrund lieferte für schon konzipierte Musikdramen. So ist der Tristan , der sich vom ersten Moment auf den letzten, den Liebestod zubewegt, für Noltze eine „kontrollierte Kernschmelze“, schon das Vorspiel ein „großer Flow, ein sanft einsetzender, aber massiver Anschlag auf unser Nervensystem.“ Genau beleuchtet er die Schwebezustände des 40minütigen Liebesduetts

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im 2. Akt, wie die Sprachkunst des feinsten Übergangs ihre Entsprechung in der Musik findet, und das vor dem Schopenhauer-Hintergrund „Das Leben gewinnen, indem man es wegwirft.“ Zusammengefasst: „Die beiden haben nicht Sex, sondern Philosophie.“ Es folgen weitere Betrachtungen zum Hintergrund, zum Text, zur Musik, vor allem aber, wie Wagner es schafft, dass auch wir, wenn wir uns denn darauf einlassen, in dieser Musik ertrinken und versinken können. Der letzte Satz des Kapitels führt uns aber ganz schnell wieder in die Gegenwart zurück. Noltze fragt: „Können wir wieder auftauchen?“ Er hilft dem Leser dabei, indem er noch einmal tiefgehend verhandelt, was uns als Menschen des 21. Jahrhunderts noch am Liebestod interessiert, denn das Aufeinanderprallen von Liebe und Tod war ja vor allem die übliche Finallösung im 19. Jahrhundert. Nur sehr kursorisch kann man die vielfältigen Vorschläge und Ergebnisse wiedergeben. So müsse man z.B. in die Maschinenräume der „Gefühlskraftwerke“ Oper hinab, um zu erkennen, „welche Brennstoffe erhebliche Energien freisetzen, und wie verschieden die Modelle „Verdi“ und „Wagner“ funktionieren.“, und auch in die „Kellergeschosse unserer Gefühle“. Zwei Zitate als notwendigerweise fast unzulässig verkürzte Fazite: „Verdi führt Momente der Klarsicht herbei, traurig aber wahr. … Wagner dagegen ist die Welt, wie sie ist, nicht genug.“ Es folgen dann noch ein Kapitel über das, was nach „Aida“ und „Tristan“ noch passierte, so ähnlich wie der Abspann eines Films als „biographische Coda“, und eine sehr informative Zeittafel, in der die Daten der Komponisten denen der „Welt“ gegenübergestellt werden. Dass dies alles in einer journalistisch ansprechenden, fast spannenden Sprache formuliert ist, erhöht den Wert des Buches noch weiter. Also: Wer ganz viel und in tiefgehender Weise über Verdi, Wagner und die Oper überhaupt erfahren will, sollte dieses Buch lesen. Es ersetzt ein ganzes Regalbrett voller Bücher zum selben Thema. Fritz Gerwinn

NEU Die zweite Ausgabe Karussell ist erschienen Erzählung | Lyrik | Essay Jörg Aufenanger, Barbara Commandeur, Lavinia Korte, Stefan Mettler, Karl Otto Mühl, André Poloczek, Dietrich Rauschtenberger, Dorothea Renckhoff, Karla Schneider, Michael Zeller

Karussell | Bergische Zeitschrift für Literatur

Nr. 2/2012 – 92 Seiten, 7.– Euro – ab sofort im Buchhandel Herausgeber: Verband Deutscher Schriftsteller (VS), Region Bergisch Land und die Autorengemeinschaft Literatur im Tal mit freundlicher Unterstützung durch Kulturbüro der Stadt Wuppertal Verlag HP Nacke Wuppertal ISBN 978 - 3 - 942043 - 91 - 5


Geschichtsbücher, Buchgeschichten Vorgestellt von Matthias Dohmen

Museen in NRW satt. Sackmuseum, Storchenmuseum, Scherenschnittmuseum, Senfmuseum, Heimatund Heringsfängermuseum: Kaum ein Lebensbereich, dem nicht ein Ort der Erinnerung, des Bewahrens und Erklärtwerdens gewidmet ist. Wer dieses Buch besitzt, sollte keine Probleme mehr haben, wenn die Frage steht: Wohin fahren wir denn am Sonntag? Monika Salchert (Text) und Ulla Scholz (Fotos) sorgen auf jeweils zwei Seiten für den ersten Eindruck inklusive Post- und Internetadresse, Anfahrt und Öffnungszeiten. Gegliedert ist das sehr brauchbare und handliche Nachschlagewerk nach den Orten, in denen die Kulturtempel stehen: Von Aachen über Gescher und Paderborn bis Zülpich. Unter Wuppertal findet man das Bibel- und das Uhrenmuseum. Geheimtipp des Rezensenten ist die gerade mal eine Autostunde entfernte Papiermühle Alte Dombach, die auch ein Renner bei Kindern ist und wo man höchstselbst ... Papier schöpfen kann. Schöpfer aller Länder, auf nach Bergisch Gladbach! Monika Salchert, 111 Museen in NRW, die man gesehen haben muss, Köln: Emons 2013. 236 S., 14,95 Euro.

Pflanzen bis zum Abwinken. Ein Werk für Menschen mit grünem Daumen, aus einem Verlag, der für eine gediegene Qualität steht, und Fotos, Texte und Tabellen satt. Es werden viele Sorten einer Art dargestellt, wobei Standort- und Pflegehinweise nicht fehlen. Leider nicht immer konsequent: Heißt es in der Einleitung korrekt, es sei angebracht, bei der Anlage eines Beetes an die Lebensdauer der einzelnen Staude zu denken (wegen der unmittelbaren „Nachbarn“), fehlt bei den „Stauden von A bis Z“ oftmals genau diese Angabe. Sehr ausführlich ist die „Abteilung“ Gehölze gehalten, etwas knapp dagegen das Kapitel „Mit Gartenblumen gestalten“. Unter Bezugsquellen sind leider nur die Klassiker aufgeführt, so fehlen die bekannten niederländischen Hosta-Züchter, und bei Arends-Maubach (Ronsdorf ) wäre ein Hinweis auf Funkien und Astilben für semiprofessionelle Gartenfreunde hilfreich. Der Verlag sammelt sicher schon Anregungen für die zweite Auflage. Andreas Bärtels/Frank M. von Berger/Andreas Barlage, Das große Buch der Gartenpflanzen. Über 4500 Bäume, Sträucher und Gartenblumen von A-Z, Stuttgart: Ulmer 2013, 639 S., 39,90 Euro.

Eine Überdosis Antikommunismus. Die DDR verstand sich als antifaschistischer Staat. Heinrich Mann, der kurz vor der Übersiedlung starb, Bertolt Brecht, Arnold Zweig, Anna Seghers und andere zog es nach 1945 in die Sowjetische Besatzungszone, weil hier diejenigen einen neuen Staat schaffen wollten, die im Konzentrationslager oder dem Exil die ganz bitteren Seiten des Nationalsozialismus kennen gelernt hatten. Diesen nicht nur für die Anfangsjahre bestimmenden antifaschistischen Grundkonsens wischt die Autorin mit einem Federstrich hinweg, indem sie die Erinnerungsarbeit in der DDR auf die Funktion der Legitimierung der SED-Herrschaft reduziert und dabei den „Arbeiter-und-Bauernstaat“ mit dem Epitheton „sog.“ und sicherheitshalber mit Gänsefüßchen versieht. Ärgerlich: Auf den S. 106 bis 113 werden Seiten des SED-Zentralorgans auf 15,5 mal 10,0 Zentimeter faksimiliert wiedergegeben: Nicht einmal mit Lupe zu lesen. Anne-Kathleen Tillack, Erinnerungspolitik der DDR. Dargestellt an der Berichterstattung der Tageszeitung „Neues Deutschland“ über die Nationalen Mahn- und Gedenkstätten Buchenwald, Ravensbrück und Sachsenhausen, Münster, Frankfurt am Main et al.: Peter Lang 2012. 113 S., 19,95 Euro.

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Kulturnotizen Ruhe-Störung Streifzüge durch die Welten der Collage 28. 9. 2013 – 26. 1. 2014

Eine Ausstellung zeitgleich im Kunstmuseum Ahlen und im Marta Herford Zwei Museen, zwei Städte, eine Ausstellung: Ab Ende September präsentieren das Kunstmuseum Ahlen und das Museum Marta Herford ein gemeinsames umfangreiches Ausstellungsprojekt zur gegenwärtigen Bedeutung der Collage. Die Ausstellung unternimmt mit über 400 Exponaten den Versuch, über Räume und Zeiten hinweg eine Technik des 20. Jahrhunderts neu zu bewerten und auf ihre zeitgenössischen Potenziale hin zu untersuchen. Während im Marta Herford vor allem Collagen und collagierte Räume der unmittelbaren Gegenwart mit Werken der klassischen Moderne korrespondieren, treten in Ahlen bedeutende Werke des 20. Jahrhunderts mit ausgewählten Collagen jüngerer Künstler in einen offenen Dialog. Mit der gemeinsamen Ausstellung wird die Reihe der „CollageWelten“, die bereits 2001 und 2003 im Kunstmuseum Ahlen Maßstäbe gesetzt hat, fortgesetzt und zu ihrem krönenden Abschluss gebracht. Es erscheint ein umfangreicher Katalog. Die Ausstellung wird von einem reichhaltigen Rahmenprogramm begleitet: Gemeinsame Aktionen mit dem Marta Herford wie der Direktorenwechsel, ein literarischer Workshop, ein Konzert mit improvisierten Musikcollagen sowie ein spannendes Kinoprogramm informieren auf unterhaltsame Weise rund um das Thema Collage. Susanne Buckesfeld

oben: Kurt Schwitters: Players Medium Navy Cut, 1935, Collage, 55 x 50 x 3,8 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2013 unten: Jean Dubuffet: Le déchiffreur, 1977, Collage auf Papier auf Leinwand, 178 x 214 cm, Musée d’art modern de Saint-Etienne Métropole © Adagp Paris

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Kreativ50plus

„Lang lebe die Kunst“ Aktionstag für Kulturaktive, Neugierige und Fachkräfte, 31.10., ab 11 Uhr Am Aktionstag „Lang lebe die Kunst“ soll es in der Akademie Remscheid wuselig und lebendig zugehen. Das Programm kreativ50plus der Akademie Remscheid und kubia (Kompetenzzentrum für Kultur und Bildung im Alter) laden gemeinsam zum Probieren, Informieren und Entdecken in Workshops und Projektpräsentationen ein. Der Tag am 31.10. ist gedacht für alle, die Lust haben, selbst kreativ zu werden und das Seminarprogramm der Akademie für außerberufliche Schaffensräume kennen zu lernen. Außerdem sind Fachleute, die in der Kulturarbeit mit Älteren tätig sind, angesprochen. Die beruflich Interessierten finden am Aktionstag Gelegenheit, sich von den gezeigten Ausschnitten aus Kulturprojekten inspirieren zu lassen, die 2012 vom „Förderfonds Kultur & Alter“ unterstützt worden sind. Für Kulturaktive und -interessierte und alle, die einfach neugierig sind, finden ab 11 Uhr Workshops zum „Schnuppern“ statt. Entdeckt werden können z. B. Möglichkeiten der kreativen Fotografie oder Schritte zur Tanzimprovisation. Auch Theateramateure und alle, die immer schon mal Theater spielen wollten, kommen auf ihre Kosten. Für Verpflegung ist gesorgt. Der Eintritt ist frei. Für weitere Informationen oder Interesse an einem Flyer wenden Sie sich telefonisch oder per Mail an Imke Nagel (kreativ50plus@akademieremscheid.de) unter 02191 794 -200 oder an Dr. Kim de Groote -296 (de-groote@ibk-kultur.de).

Foto: Heinrich Müther-Scholz

Veranstaltungshinweise Oktober / November 2013 Kunst im Dialog David Hockney 7. 10., 15 Uhr – 9. 10., 13 Uhr Akademie Remscheid Die Werke von David Hockney sind Hingucker. Seine Bilder inspirieren seit über 50 Jahren. Diese Inspiration ist vor allem auf eines zurückzuführen: auf Hockneys nicht nachlassende Lust an der Beobachtung. „Alterswerk? Es gibt kaum eines, das so viel Mut in der Erfindung... kühner Bildprojekte verriete. Hockney … malt auf dem iPad so virtuos wie auf dem Aquarellblock. Welche außerordentlichen Möglichkeiten die satte Farbigkeit des … Bildschirm bietet … Man lernt es vom alten Hockney. Er ist der jüngste von allen.“ schreibt Hans-Joachim Müller in der WELT am Sonntag. Im Rahmen von „Kunst im Dialog“ beschäftigen wir uns mit Hockneys künstlerischem und biografischem Werdegang. Wir nehmen seine Beobachtungen zum Anlass, eigene Methoden der Wahrnehmung zu entwickeln. Wir bilden Bäume und Pflanzen ab und lernen in Hockney'scher Manier, diese mit anderen Augen zu betrachten. Sophie Voets-Hahne, Jg. 1952, arbeitet als Kunstvermittlerin und Kulturgeragogin v.a. auch generationenübergreifend. Sie regt dabei Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen zu einem lebendigen und aktiven Dialog mit der Kunst und miteinander an. Auf Entdeckungsreise Materialien als Inspirationsquelle für abstraktes Arbeiten 9. 10., 15 Uhr - 11. 10., 13 Uhr Akademie Remscheid Neben den klassischen Bildhauermaterialen Ton und Gips bieten uns auch industriell produzierte Werkstoffe wie Kunststoff, Papier oder Draht unendlich viele Möglichkeiten der dreidimensionalen Gestaltung. Angeregt von Beobachtungen in der Natur lassen wir unserer Fantasie freien Lauf, indem wir unterschiedlichste Materialien kombinieren: Verknoten, umwickeln, vernähen, ein- und abgießen, modellieren, stapeln... vieles ist möglich. Staunen Sie, was geschieht – Fantasiegebilde entstehen, floral-organisch anmutend - bizarr - schön - befremdlich. Neben der Vermittlung spezieller Techniken werden gestalterische Fragestellungen nach

Foto: Robert Hilmanns der Wirkung von Raum, Konstruktion, Oberfläche, Struktur und Farbe thematisiert. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Doris Kaiser, Jg. 1958, seit 1988 freischaffende Bildhauerin. 1999 Auszeichnung mit dem Künstlerinnenpreis des Landes NRW. 2006, erster Preis der Internationalen Biennale Céramique in Luxemburg. Außerdem Konzeption und Leitung von Kursangeboten an Museen. Ein iPad zu Weihnachten? Für Unentschiedene 12. 10., 10 - 18 Uhr Akademie Remscheid Prüfen Sie selber, ob es stimmt, dass ein iPad ein Computer ist, der sich besonders gut für Menschen eignet, die mit der ganzen Technik „nicht so viel am Hut“ haben möchten. Ulrich Baer zeigt Ihnen, wie Sie mit einem iPad einfach ins Internet kommen, Ihre Emails lesen und schreiben und Ihre Fotos faszinierend bearbeiten und wunderschön präsentieren können. Für alle Kursteilnehmer stehen iPads zum Ausprobieren zur Verfügung. Ulrich Baer, Jg. 1945, Diplom-Pädagoge und Spiele-Erfinder, Buch- und SoftwareAutor, Herausgeber der Zeitschrift „gruppe&spiel“ und leidenschaftlicher iPad-Nutzer. Einmal im Leben eine Rolle spielen Erinnerungsrevue: Ihre Jugendgeschichten in Szene gesetzt 28. 10., 15 Uhr – 1. 11., 13 Uhr Akademie Remscheid

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Kulturnotizen

Foto Markus Wohlgemuth Theaterstücke nach authentischen Erzählungen bzw. Erfahrungen selbst zu entwickeln, ist eine erprobte und beliebte Methode. Im ersten Schritt werden wir zusammen durch theaterpädagogische Methoden und Improvisationen die Lust am Theaterspiel entdecken. Das miteinander Erinnern und Träumen verhilft uns, Szenen mit Inhalt und Leben zu füllen. Dann gehen wir noch einen Schritt weiter und beziehen musikalische und tänzerische Elemente Ihrer Jugendzeit mit ein. So entsteht Schritt für Schritt unsere ganz individuelle Erinnerungsrevue „Einmal im Leben eine Rolle spielen“. Erste Probenergebnisse präsentieren wir im Rahmen des Aktionstages. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Bitte bringen Sie einen persönlichen Gegenstand Ihrer Jugend und bequeme Bewegungsbekleidung mit. Daniela Posada-Bangert, Jg. 1971, ist diplomierte Theaterpädagogin (BuT) und zertifizierte Kulturgeragogin. Sie arbeitet seit 2000 als Regisseurin und Theaterpädagogin freiberuflich mit Menschen von 2 – 93 Jahren in ganz Deutschland. Farbe trifft Rhythmus Experimentelle Acrylmalerei 4. 11., 15 Uhr – 8. 11., 13 Uhr Akademie Remscheid Spiele und Gespräche zur Lebenskunst 16. 11., 10 -18 Uhr, Akademie Remscheid Ulrich Baer, Jg. 1945, Diplom-Pädagoge und Spiele-Erfinder, Buch- und SoftwareAutor, Herausgeber der Zeitschrift „gruppe&spiel“. Auftanken mit Heilpflanzen Stressabbau mit Naturheilmitteln 16. 11., 10 - 18 Uhr Akademie Remscheid Instrumentenspezifisches Seminar für Violine, Viola, Violoncello und Kammer-

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musik, 22. 11., 15 Uhr – 24. 11., 13 Uhr Akademie Remscheid

nimmt an Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland teil.

Tango Café Tango Argentino: Workshop für Einsteiger, 23. 11., 10 - 18 Uhr, Akademie Remscheid Tango Argentino fasziniert seit vielen Jahren immer mehr Menschen auf der ganzen Welt. Die Freude an der Musik und der gemeinsamen Bewegung als Paar ist in diesem sozialen Tanz von Anfang an erlebbar. Im Seminar steht das Erlernen des „sich Verbindens mit dem Partner“ und das kreative Improvisieren im Vordergrund, komplizierte Schrittfolgen gibt es hier nicht! Der Nachmittag gliedert sich in den aktiven Unterricht und in anschließendes freies Üben bei Kaffee und Kuchen – eben einem Tango Café! Für den Unterricht sind Schuhe mit glatter Ledersohle geeignet. Paarweise Anmeldung erwünscht. Stefanie Clausen, Jg. 1976, tanzt und unterrichtet seit 1998 argentinischen Tango, u. a. regelmäßig im tanzhaus nrw in Düsseldorf. Dabei verbindet sie Musik und Tanzstil des traditionellen Tango Argentino mit neuen Tendenzen.

Apple Spezial II Wie nutze ich (m)einen Apple Computer? 29. 11., 15 Uhr – 1. 12., 13 Uhr Akademie Remscheid

Materialmetamorphosen Freie Malerei erobert den Raum 25. 11., 15 Uhr – 29. 11., 13 Uhr Akademie Remscheid Malerei ist Auseinandersetzung mit Fläche und Raum. Die Fläche eines Bildes kann zur Illusion werden. Sie kann mit dem Verhältnis zwischen Täuschung und Realität spielen, indem sie den Bildraum in den realen Raum übergreifen lässt. So können aus Farbspuren auf dem Bild Farbkörper werden, die sich aus der Bildfläche heraus dem Betrachter entgegen strecken. Oder Objekte des realen Lebens können sich durch das Hineinarbeiten in das Bild verändern zur Bildfläche. Die Metamorphose vom Greifbaren zum Ungreifbaren und umgekehrt ist Thema dieses Seminars. Finden Sie Ihren eigenen Weg, um freie Malerei auf einer zweidimensionalen Bildfläche entstehen zu lassen, die sich unmerklich durch dreidimensionale Elemente in den realen Raum fortsetzt. Helga Budde-Engelke, Jg. 1950, hat an der Kunstakademie Düsseldorf studiert. Seit 1984 ist sie freischaffende Künstlerin mit eigenem Atelier- und Ausstellungshaus und

Foto Stephan Eichler Anmeldungen bis zu 2 Wochen vor Veranstaltungsbeginn sind mit Ausnahme des Aktionstages unbedingt erforderlich. Weitere Informationen erhalten Sie telefonisch unter 02191 794 212, per Mail an rauch@akademieremscheid.de oder unter www.kreativ50plus.de

Museum Ludwig schließt vorübergehend In einem Gespräch zwischen Museumsleitung, Kulturverwaltung und Vertretern des Baudezernates wurde vereinbart, dass das Museum Ludwig bis zum 10. Oktober 2013 vollständig schließen wird. Zur Vorbereitung der Eröffnungsausstellung seines neuen Direktors Dr. Philipp Kaiser sollte das Museum in weiten Teilen ohnehin ab 2. September 2013 geschlossen werden (s. Pressemitteilung der Stadt Köln vom 27. August 2013), die Haubrich-Sammlung im 2. Obergeschoss des Hauses soll allerdings weiter zugänglich bleiben.


Müllers Marionetten-Theater Das Dschungelbuch Theaterstück nach R. Kipling von Günther Weißenborn

Im Urwald findet der kleine Junge Mogli die besten Freunde. Freunde, vor denen andere Menschen ängstlich davon laufen würden. Ein Theaterstück über den Wert wahrer Freundschaft nach den berühmten Geschichten von Rudyard Kipling. Aufführungstermine: 3., 20., 23., 26., 27., 30. 10. sowie 1. und 3. 11. jeweils um 16:00 Uhr, 30. 10 auch um 11.00 Uhr Gastspiel Das Seifenblasen-Figurentheater spielt: Cowboy Billy und das singende Pony Dornröschen Theaterstück nach den Gebrüdern Grimm von Günther Weißenborn ab 4 Jahre Aufführungstermine: 9., 10., 16.,17., 20., 23., 24. und 30. 11. jewils um 16.00 Uhr sowie am 20. und 27. 11. um 11.00 Uhr.

Mi., 2. Oktober, 16:00 Uhr /// Club Theater Silber /// Ein Treffpunkt für theaterbgeisterte Senioren Weiteres Treffen: 22. 10., 16.00 Uhr 5. Oktober, Sa, 19:30 Uhr //// Premiere Evita /// Musical von Andrew Lloyd Webber, Libretto von Tim Rice – Weitere Vorstellungen: Sa., 12. 10., 19.30 Uhr, So., 13. 10., 18 Uhr, Mi., 13. 11., 19.30 Uhr, Do. 14. 11. 19.30 Uhr 6. Oktober, So, 11:00 Uhr //// Einführungsmatinee 18:00 Uhr //// Die Fledermaus /// Operette von Johann

Strauß Sohn, Text von Richard Genée nach der Komödie „Le Réveillon“ von Henri Meilhac und Ludovic Halévy. Weitere Vorstellungen: So. 20. 10. 18.00 Uhr, Do. 24. 10., 19.30 Uhr, Fr., 15. 11. 19. 30 Uhr. 11. Oktober, Fr, 19.30 Uhr //// Gastspiel: Wagner und Verdi: Giganten zwischen Lyrik und Drama – Ein kommentiertes Konzert zum Doppeljubiläum Gastspiel der GEDOK Wuppertal 19. Okt. | 19:30 Uhr //// Premiere /// Maria Stuart /// Trauerspiel von Friedrich Schiller, Weitere Vorstellungen: Mi. 23. 10., 19.30 Uhr, Sa., 16. 11. 19.30 Uhr, So., 17. 11. 18.00 Uhr Fr., 18. 10., 20 Uhr /// Container – Junges Theater im Container am Opernhaus – Aktuelles Programm jeden Freitag und Samstag So., 20. Oktober, 14:30 Uhr /// Operettencafé /// „Man spricht heute nur noch von Clivia“ - Nico Dostal Melodien Boris Leisenheimer und Gäste. Do., 31. Oktober, 19.30 Uhr /// Tanztheater Wuppertal - Pina Bausch /// Nelken /// Weitere Aufführungen: 1. 11., 18.00 Uhr, 2. 11., 19.30 Uhr, 3. 11., 16.00 Uhr. Fr., 1. 11., 20:15 Uhr /// Tanztheater Wuppertal Pina Bausch /// Begegnungen /// PINA40. Weitere Aufführungen: 8. 11., 22.15, 23. 11., 18 Uhr Sa., 2. November, 18.15 Uhr /// Tanztheater Wuppertal - Pina Bausch /// Tänzer recorded /// Zeitlinien /// PINA40. Weitere Aufführungen: 10. 11., 20.45 Uhr, Do., 7. November, 19:30 Uhr /// Wiesenland /// Tanztheater Wuppertal Pina Bausch. Weitere Aufführungen: 8. 11., 19.30 Uhr, 9. 11., 19.30 Uhr, 10. 11., 18.00 Uhr Fr., 22. November, 18:00 Uhr /// Tanztheater Wuppertal Pina Bausch /// Wind von West /// Gespräch zur Rekonstruktion 22. 11., 19:30 Uhr /// Frühlingsopfer – Dreiteiliger Strawinsky-Abend, Weitere Aufführungen: 23. 11., 19.30 Uhr, 24. 11., 18.00 Uhr. Mo., 25. November, 20:00 Uhr //// Tanztheater Wuppertal Pina Bausch /// A. Balanescu & F. Lajkó /// Konzert /// PINA40

Do., 28. November, 19:00 Uhr /// 1980 - Ein Stück von Pina Bausch Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, Uraufführung 1980, Neueinstudierung. Weitere Aufführungen: 29. 11., 19.00 Uhr, 30. 11., 19.00 Uhr.

3. Oktober | 11:00 Uhr //// Festkonzert der Stadt Wuppertal zum Tag der Deutschen Einheit /// Historische Stadthalle Benefizkonzert zu Gunsten von »Behindert – na und? e.V.« 8. Oktober | 20:00 Uhr //// 1. Orgelakzent Historische Stadthalle 13. Oktober | 11:00 Uhr 1. Familienkonzert Historische Stadthalle Mit Musik von Engelbert Humperdinck, Malcolm Arnold, Camille Saint-Saëns und Modest Mussorgsky 14. Oktober | 20:00 Uhr /// 1. Kammerkonzert /// Historische Stadthalle 17. Okt. / 20.00 Uhr //// Premiere Die Irrfahrten des Odysseus /// Carl-Fuhlrott-Gymnasium | Eine Performance für Instrumentalensemble, Tonband, Erzähler, Sopran und Laterna Magica-Bilder von Dimitri Terzakis. Text von Homer So. 20. Oktober, 11:00 Uhr /// 2. Sinfoniekonzert /// Historische Stadthalle, Gabriel Fauré »Pelléas et Mélisande«, Maurice Ravel »Shéhérazade«, César Franck - Sinfonie d-Moll. Weitere Aufführung: Mo., 21. 10. 20.00 Uhr Di., 22. Oktober, 19:30 Uhr /// Liederabend /// Hochschule für Musik Wuppertal, mit Elena Fink (Sopran) und Oliver Stapel (Klavier) /// Eintritt frei Do., 24. Oktober, 20:00 Uhr /// Premiere /// Die Frau, die gegen Türen rannte /// Café Ada, von Roddy Doyle.

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Kulturnotizen Weitere Vorstellungen: 25. 10., 20.00 Uhr, 14. 10., 20.00 Uhr, 15. 10., 20.00 Uhr. Sa., 2. 11., 19:30 Uhr /// Premiere /// Die ägyptische Maria (Maria Egiziaca) /// Immanuelskirche. Mysterium in einem Akt von Ottorino Respighi. Libretto von Claudio Guastalla. In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Auch am 16. 11. 19.30 Uhr

Die Konzertsaison 2013/14 eröffnen wir am 15. November 2013 mit einer Uraufführung: Im Rahmen des Programms »Elysion« wird die gleichnamige Komposition von Detlef Glanert, die im Auftrag der Cragg Foundation entstanden ist, erstmals öffentlich erklingen. Weitere Termine der diesjährigen TONLEITER-Reihe veröffentlichen wir auf unserer website im Laufe der zweiten Jahreshälfte. Der Kartenvorverkauf für alle Konzerte beginnt am 1. Oktober. kunsthochdrei / Exkursionen Oktober Dienstag, 15. Oktober Arp Museum, Remagen Kunstkammer Rau: „Schau mich an! Porträts seit 1500“. Ausgehend von fünf herausragenden Künstlerporträts der „Sammlung Rau für UNICEF“ von Delyen über Degas bis zu Vuillard, beleuchtet die Ausstellung das KünstlerIch im Wandel der Zeit und in der Gesellschaft. In einem weiten Panorama vom 15. bis zum 20. Jahrhundert erlebt der Betrachter die Lebenswelten von Malern und ihren Modellen und lernt im Künstler-Atelier den Auftraggeber in seinen verschiedenen Rollen kennen. Die Ausstellung führt zu den mittelalterlichen Vera Ikon-Bildern Christi zurück, die den Abdruck einer überpersonalisierten, göttlichen Essenz vergegenwärtigen. Menschliche Sehnsüchte zeigen sich in den idealen Frauenbildnissen von Cranach

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bis Renoir. Intime Familienporträts der Künstler Gainsborough, Degas oder van Dongen verleihen der Seele der geliebten Menschen in ihrem Abbild ewige Dauer. Treffpunkt 8.45 Uhr, Hauptbahnhof Gleis 1 Ankunft 16 Uhr Kosten Mitglieder 23 Euro, Mitglieder mit Fahrkarte 15 Euro, Andere 28 Euro. Dienstag, 29. Oktober Führung im Von der Heydt-Museum Wuppertal „von Cranach bis Géricault – Sammlung Gigoux“. Treffpunkt 11.15 Uhr an der Museumskasse, Führung 11.30-13 Uhr, Kosten 10 Euro November Dienstag, 26. November Bundeskunsthalle, Bonn 1914 – Die Avantgarden im Kampf Der Erste Weltkrieg gilt als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ Die prägenden Jahre von 1914 bis 1918 waren Endpunkt und Neubeginn zugleich. Mitten in den Auseinandersetzungen kämpften auch die Künstler, und die Ereignisse hinterließen in ihren Werken deutliche Spuren. Während vor dem Krieg die europäischen Avantgarden einen engen Austausch untereinander pflegten, zerstörte der große Krieg dieses fruchtbare Zusammenspiel auf brutale Weise. Die Ausstellung präsentiert die künstlerischen Aktivitäten dieser dramatischen Zeit anhand herausragender Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen von Beckmann, Dix, Kandinsky, Kirchner, Klee, Lehmbruck, Macke, Malewitsch, Marc, Picasso, Schiele und weiteren Künstlern. Florenz ! Florenz fasziniert seit jeher durch sein reichhaltiges Kulturerbe. Philosophen, Schriftsteller, Architekten, Ingenieure, Maler und Bildhauer haben in der Stadt am Arno über Jahrhunderte unzählige Meisterwerke geschaffen. Florenz, das ist die Stadt von Dante und Boccaccio, von Donatello und Michelangelo, von Amerigo Vespucci und Machiavelli und die Heimat der Medici. Die Ausstellung geht dieser Faszination nach, indem sie der toskanischen Hauptstadt und dem „wunderbaren florentinischen Geist“ (Jacob Burckhardt) eine umfangreiche Präsentation widmet. Sie zeichnet das Porträt der Stadt über eine Zeitspanne von fast 700 Jahren: von der

Wirtschaftsmacht des Mittelalters über die Wiege der Renaissance bis zur Bedeutung als intellektuelles und kosmopolitisches Zentrum im 19. Jahrhundert. Treffpunkt 8.30 Uhr, Hauptbahnhof Gleis 3 Ankunft 16.15 Uhr, Kosten Mitglieder 33 Euro, Mitglieder mit Fahrkarte 25 Euro, Andere 38 Euro. Das Jazz-„Nachtfoyer“ ist jetzt im Café Ada zu erleben. Die Wuppertaler Bühnen gastieren nun an der Wiesenstraße, da das Schauspielhaus geschlossen wurde. Das von Wolfgang Schmidtke kreierte „Nachtfoyer“ hatte viele Jahre seine Performance im Schauspielhaus, nun ist die neue Heimat das Café Ada. Das niederländische Trio „eBraam“ machte bereits den gefeierten Start, am 16. November folgt das Zodiak-Trio.

Weitere Termine sind: 11. Januar 2014 Peter Baumgärtners „Emotions“, 8. Februar Roman Babik Trio, 22. März Jazzpool NRW featuring Vesna Pisarovic, 10. Mai Wolfgang Schmidtke, Dieter Manderscheid und Günter „Baby“ Sommer. Nähere Informationen unter www.wuppertaler-buehnen.de oder www.cafeada.de Kunstsammlung NRW Alexander Calder Die Kunstsammlung NRW zeigt „Alexander Calder – Avantgarde in Bewegung“ im K20 am Grabbeplatz bis zum 12. Januar 2014. Öffnungszeiten: Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa, So und feiertags 11 – 18 Uhr. Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 9,50 Euro. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. www.kunstsammlung.de


Freitag, 4. Oktober 2013 | 14:00 Die 16. Jazzrockpop-Tage der Rheinischen Musikschule Als musikalischer Höhepunkt im Kalender „der Rheinischen“ werden Solisten, Trios, Bands, Bigbands und Chöre jährlich in spannenden Konzerten und außergewöhnlicher Umgebung präsentiert. Mehr Informationen unter: www.rmsfoerderverein.de/jazzrockpoptage. Tickets je 7,50 Euro

Samstag, 19. Okt. 2013 | 20:00 MISSISSIPPI BEAT/PART 6 Doppelkonzert 19.10. & 20.10. »Blues’n Boogie Woogie At Its Best !« | LILA AMMONS meets AXEL ZWINGENBERGER Lila Ammons/Vocal | Axel Zwingenberger/p | Thorsten Zwingenberger/d | Richard Bargel /SlideGitarre, Vocal & Moderation Richard Bargels beliebte Veranstaltungsreihe „Mississippi Beat“ präsentiert zur nunmehr sechsten Ausgabe wieder heisse Blues und Boogie-Woogie, gespielt von hochkarätigen Künstlern der internationalen Jazz-Szene. Mehr Informationen unter www. richardbargel.de Mittwoch, 23. Okt. 2013 | 20:00 Biboul Darouiche »Soleil Bantu«

Michael Baute – Eva Marianne Kraiss, „Ohne Probe ganz nach obe“ – Die erste Wuppertaler Spontanlesung ! Weiterer Termin: 4. November, 20.00 Uhr

Biboul Darouiche - Gesang, Kalimbas, Percussion | Michael Hornek - Keyboards | Christian Lettner - Schlagzeug | Igor Kljujic - Bass | MC Olangué - Rap, Percussion | Darouiche, Lettner und Hornek gehören zur festen Besetzung von „Klaus Doldingers Passport“Der Perkussionist und Komponist Biboul Darouiche stammt aus Kamerun. Soleil Bantu ist ein musikalisches Portrait seiner multi-kulturellen Geschichte. Mehr Info unter www.biboul.de Sonntag, 10. Nov. 2013 | 20:00 Martin Sasse Trio feat. Steve Grossman Steve Grossman - ts | Martin Sasse - p | Henning Gailing - b | Joost van Schaik - d Der amerikanische Saxophonist Steve Grossman gilt neben Michael Brecker und Dave Liebmann als der Wegbereiter des modernen Saxophonspiels. Er spielte bereits im Alter von 16 Jahren mit Elvin Jones und war später Mitglied in der Band von Miles Davis. Mit Martin Sasse und dem Al Foster Quintet trat er 2008 beim Paris Jazz Festival auf. Info unter www.martinsasse.de Kontakthof Wuppertal Sonntag, 6. Oktober, 19: Uhr Musiktheater, Musical Kontakthof KS Entertainment Production, Angela H. Fischer – Melanie Spielmann – Wolfgang Eichler Für mich soll’s rote Rosen regnen Ein musikalisch-seelisches Portrait über Hildegard Knef. Weitere Termine: 1. November, 20:00 Uhr, 5. Dezember, 20 Uhr. Montag, 7. Oktober, 20 Uhr Literatur, Lesung, Hörspiel

Samstag, 12. Oktober, 20 Uhr Literatur, Lesung, Hörspiel Wiglaf Droste, Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv Mit Schwung, Grazie und Eleganz seziert Wiglaf Droste die sprachlichen Entgleisungen der Deutschen, den Neusprech aus »Nachhaltigkeit« und »Transparenz«, in dem »Teamplayer« und »Goods Flow Mitarbeiter« gefragt sind, »Apps zum Entdecken von Apps« aufwendig »kuratiert« werden und den das Lied eines halbalphabetischen Sängers quasi »im Paket« zusammenfasst: »Wenn Worte meine Sprache wären«. Sonntag, 20. Oktober, 19:30 Uhr Singer, Songwriter, Chanson Christian Surrey [Akustik#Schlacht Wpt] Möge die Schlacht der Töne & Wörter beginnen ! – Bei [Akustik#Schlacht Wpt] handelt es sich um Wuppertals ersten und einzigen runden-basierten Sing&SongwriterWettstreit mit Publikumswertung und kuscheliger Sonntagabend-Gemütlichkeitsgarantie. Freitag, 25. Oktober, 20 Uhr Kleinkunst, Kabarett, Comedy Radio Herrencreme – Jetzt drehen wir auf Mit einem atemberaubenden Mix aus Theater und Musik geht das Ensemble Herrencrême jetzt für Sie auf Sendung! Ein humorvoller Musikgenuss für alle die gerne den Ätherwellen lauschen und immer schon mal wissen wollten, was beim Herstellen von Radio hinter den akustischen Kulissen wirklich los ist. Samstag, 2. November, 20 Uhr Schauspiel Jörg Schulze-Neuhoff Kafka – Der Bau Ein Theaterabend mit Spannung und Anspruch In den Tiefen der Erde hat es sich eingenistet, sich ausgebreitet und ein Labyrinthsystem ge-

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Kulturnotizen schaffen, das ihm allein gehört. Doch es ist die ständige, nicht fassbare Angst, welche dieses Wesen begleitet, die sich innerlich auftürmt und es langsam verzehrt, obschon es sich eigentlich nur nach vollkommener Geborgenheit und Ruhe sehnt. Ist dieses Heim auch wirklich sicher?

3. Wuppertaler Performance Nacht Am 11. Oktober 2013 führt das Kulturbüro in Zusammenarbeit mit verschiedenen Galerien und Veranstaltungsorten eine Performance nacht durch.

Montag, 11. November, Kleinkunst, Kabarett, Comedy Der Kabarettungsdienst – Wir halten nach....nachhaltig – kultiges Traditionskabarett aus dem Tal Freitag, 29. November, 20 Uhr Pop ABBA-Akustisch Dancing Fever - The ABBA Tribute Show Die Faszination für die vier Schweden ist bis heute ungebrochen. Das Musical „Mamma Mia“ bricht bis heute alle Publikumserfolge. Mit unverwechselbaren Stimmen, originalgetreuen ABBA Kostümen und Choreographien setzt DANCING FEVER - THE ABBA TRIBUTE SHOW die Lieder von Abba in eine mitreißende Live Abba Show um. Samstag, 30. Nov., 20 Uhr Pop 21 Gramm – Das Kontakthof-Wohnzimmerkonzert Akustik im Kontakthof – Menschen mit der Musik zu bewegen, zu begeistern und sie von diesem Alltag abzulenken ist deshalb die Aufgabe der drei ambitionierten Musikern aus Wuppertal. Freunde sind Dennis, Andreas und Michael schon lange, aber erst seit August 2010 findet sich die Bindung auch in der Musik. Peter Kowald Gesellschaft/ort e. V. 9. Oktober, 20.00 Uhr Matthias Nadolny Quartett Matthias Nadolny_sax, Henning Berg_tb Matthias Akeo Nowak_Peter Weiss_dr Vier Freunde treffen sich zum lustvollen improvisieren: ruppig-elegant, ironischmelancholisch, arktisch-karibisch, in rauschhafter Einsamkeit und lyrischem Chaos … Weitere Termine: 1. November Soundtrips, 27. November „kleines“ ort-Festival – 10 Jahre ort, 27. November Xu Feng Xhia – Conny Bauer, Dezember – Peter Ehwald

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Wieviel Heimat braucht der Mensch? – Bis 9. 2. 2014

Francisco Pereira Costa an seinem Arbeitsplatz im Gewächshaus der Fa. Richter. Foto: Alex Muchnik, 2012

Mit 7 bis 10 Performances an einem Abend wird dieser Kunstgattung eine Plattform geboten.

Im Rahmen der 3. Wuppertaler PerformanceNacht im Ort erleben sie auch Alexandra Zierle und Paul Carter www.zierlecarterliveart.com Mikado für Riesen – 5. Skulpturenprojekt auf der Hardt Ein künstlerisches Mikado-Spiel der etwas anderen Art kann man noch bis zum 30.9. im Botanischen Garten Wuppertal (Elisenhöhe 1, geöffnet: Di-So 11-18 Uhr) bewundern.

Für das 5. Skulpturenprojekt auf der Hardt gestalteten verschiedenste Künstler und Künstlerinnen aus der Region jeweils einen 3,50 m langen XXL-Mikadostab auf individuelle Weise. Info: http://www.mikado2013.de

Das Wort Heimat weckt viele Gefühle. Besonders trifft das auf Menschen zu, die zwischen zwei Heimaten leben: eine im Bergischen Land, und eine dort, wo sie geboren wurden – viele tausend Kilometer entfernt. Die Sonderausstellung „Wie viel Heimat braucht der Mensch?“ erzählt Lebensgeschichten von vier Solingerinnen und Solingern, die ursprünglich aus Portugal, Italien, Türkei und Griechenland stammen. Gefilmte Interviews, historische Aufnahmen, Fotos aus privaten Familienalben und aktuelle Fotoreihen, die im Sommer 2012 in der alten und neuen Heimat entstanden, berichten von ganz persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen. www.industriemuseum.lvr.de/de/solingen/ausstellungen_6/wieviel_heimat_ braucht_der_mensch/

KABALE UND LIEBE Drama von Friedrich Schiller in Kooperation mit der AMD Die AMD Schule für Mode und Design Düsseldorf entwarf und fertigte historisch originalgetreu die Kostüme der erfolgreichen TTT-Inszenierung aus dem Jahr 2010.


Termine auf einen Blick: Do 3. 10. 19.30Uhr / So 6. 10. 18.00Uhr / Do 10. 10. 19.30Uhr Sa 12. 10. 19.30Uhr

Rainer Furch HAND AUFS HERZ Monolog eines Hypochonders Kabarett-Komödie In seiner Komödie stellt Autor Rainer Furch Gesundheits- und Fitnesswahn auf den Prüfstand. Überaus komisch und zugleich bitter ironisch redet sich sein Protagonist um Kopf und Kragen. Schauspieler und Regisseur Jens Kalkhorst beweist in 90 köstlichen Minuten: Am besten lacht man über sich selbst! Termine auf einen Blick: Sa. 5. 10. / So 13. 10. / So 15. 12. Friedrich Dürrenmatt DIE PHYSIKER Tragi-Komödien / Groteske Zusatztermine für Nov 2013! Bereits die Uraufführung der Physiker war ein Erfolg. In der folgenden Saison avancierte es zum meistgespielten Theaterstück im deutschen Sprachraum und gehört heute zu den größten deutschsprachigen Theatererfolgen. Die (angeblichen) Physiker Albert Einstein, Isaac Newton und Johann Wilhelm Möbius ermorden in der Nervenheilanstalt ihre Krankenschwestern, da jeder ein Geheimnis hat um das er fürchtet. Als die Polizei mit ihren Ermittlungen beginnt kommen jedoch nicht nur die Geheimnisse der drei Physiker zu Tage! Termine: So 3. 11. / Do 7. 11. letzte Vorstellung (Geschlossene Vorstellungen für Schulen auf Anfrage möglich)

Teo-Otto-Theater Remscheid

Freitag, 11. 10. 2013, 20:00 Uhr Jesus Christ Superstar Gesangstexte von Tim Rice Musik von Andrew Lloyd Webber Rock Musical Das eindrucksvollste und bewegendste Rock-Oratorium, das je geschrieben wurde, so bezeichnet der musikalische Leiter Christoph Spengler „Jesus Christ Superstar“. Acht Darsteller aus der internationalen Musical-Szene, eine fantastische Band, die Bergischen Symphoniker und ein Chor mit 120 Sängerinnen und Sängern verleihen dem Werk eine wahrhaft epische Kulisse. Im Jahr 1971 geschrieben, hat das Werk bis heute nichts von seiner packenden Brisanz verloren. Lassen Sie sich mitnehmen auf den Weg der letzten sieben Tage im Leben Jesu und freuen Sie sich auf Hits wie „I don‘t know how to love him“ oder „Superstar“, dargeboten in einer Größe, wie man es wohl nur sehr selten zu hören bekommt. Weitere Termine: Sa, 12. 10., 15 und 19 Uhr, So, 13. 10., 15 und 19 Uhr. Eberhard Vogler Fotoausstellung „Mystisches Irland“ im Golfclub Mettmann Am Rand Europas findet man eine einzigartige mystische Landschaft: Irland, die smaragdene Insel. Zwischen sanften Hügeln und weiten Feldern wird man in eine Zeit versetzt, in der Menschen noch an die beseelte Natur glaubten und an geheimnisvollen Kraftplätzen verehrten. Eberhard Vogler ist es in seiner Fotoausstellung gelungen, diesen besonderen Charakter der irischen Wirklichkeit und ihrer mystischen Wirkung auf den Besucher mit seiner Kamera einzufangen. Der Blickwinkel des Fotografen führt den Betrachter in eine natürliche Welt, die kompositorisch angeordnet erscheint: Grasbüschel werden zu Farbtupfern im

grünen Gras, die Verzierung einer Tür wird zum geometrischen Muster. Voglers Bilder haben eine beschränkte Farbpalette. Wenn sie nicht monochrom sind, so finden sich zwei wesentliche Farbflächen, die das Bild optisch teilen und strukturieren, ob es das Blau des Sees und das Grün der Wiesen ist oder die dunklen Klippen, die sich gegen die graue Gischt des Meeres absetzen. Damit fängt er die faszinierende Ausstrahlung des „Mystischen Irland“ ein. Er lässt auch den fernen Betrachter erahnen, was die „Seele der Natur“ ist, die den Menschen Kraft gibt. www.eberhard-vogler.de Café ADA Drinnenaußen - gefangene Aussichten Am 22. 9. 2013 begannt im Café ADA in Wuppertal eine kleine Ausstellungsreihe mit Gefangenenbildern, die von Lesungen und einer OnlineAusstellung begleitet wird. Die Bedeutung der Outsider Art im Hinblick auf das künstlerische Schaffen inhaftierter Menschen hat in den letzten Jahren sowohl national als auch international zugenommen. Immer mehr Justizvollzugsanstalten in Deutschland bieten ihren Häftlingen durch kreative Angebote eine wirksame Möglichkeit, sich mit der eigenen Wirklichkeit auseinander zu setzen. Die Ergebnisse dieses Prozesses finden ihren Weg in zahlreiche Ausstellungen, die aber leider oftmals nur einen „One Way Dialog“ zwischen Betrachtern und Künstlern ermöglichen, da die einen „DRINNEN“ und die anderen „DRAUSSEN“ sind. Diese einseitige Form der Kunstvermittlung möchte das Projekt DRINNENAUSSEN – gefangene Aussichten um eine Dialogmöglichkeit in Form dieser virtuellen Ausstellungsund Kontaktplattform erweitern – unabhängig von Raum und Zeit. Noch bis zum 30. 10. 2013

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Kulturnotizen Neue Postkartenserie zu Wuppertal jetzt im Buchhandel 15 Aussagen und Fotos zur Stadt Bekannte Persönlichkeiten äußern sich zu Wuppertal. Hochwertige Postkartenserie mit Fotografien von Björn Ueberholz und Porträts von Andreas Noßmann.

Mit Texten von: Pina Bau

sch, (19

Pina Bausch

40 – 200

9)

Jean Cocteau

Wuppert al keine So ist eine Alltag sstadt, nntagss Das ist tadt. wichtig für unse Arbeit. re

Kasimir Edschmid Friedrich Engels

Im Rahmen der Reihe: Thomas Krause liest aus „Aus Verliesen verlesen“ Ein Hörbuch der Gruppe RESPEKT – dahinter verbergen sich acht Menschen in Haft und vier Menschen in Freiheit. In einer Schreibwerkstatt verfassten sie Texte, in denen sie sich in innere Räume vortasten, wo äußere versperrt sind. Thomas Krause war einer von ihnen und berichtet über seine Erfahrungen. Justizakademie NRW / 2. 12. 2013 / 19.00 Uhr / Eintritt frei

Franz Emanuel Geibel Johann Wolfg. von Goethe Günter Grass Günter Grass (geb. 1927)

Hermann Hesse Else Lasker-Schüler

Und das, Kinder, bringe ich aus Wuppertal mit, wo die Schwebebahn eine Vielzahl wundergläubiger Sekten unfallfrei verbindet.

Schwarzbach-Galerie Peter Schmidt – Metamorphosen III Retrospektive 1998 - 2013

Gerhard Nebel Jonannes Rau Wilhelm Heinrich Riel Joachim Ringelnatz

Else Lasker-Schüler (1869

Robert Wolfgang Schnell

– 1945)

Tom Tykwer

Den Atem mussten wir einhalten, kamen wir an den chemischen Fabriken vorbei, allerlei scharfe e Arzeneien und Farbstoff färben die Wasser, eine Sauce für den Teufel.

Format: 21 x 10,5 cm, per Stück 1,20 Euro.

Johannes Rau (1931

– 2006)

Noch bis zum 20. Oktober 2013 www.schwarzbach-galerie.de Grölle pass:projects Volker Saul Wandobjekte : Zeichnungen : Metallschnitte Noch bis zum 17. 11. 2013

der Bindestrich Wuppertal ist estfalen. von Nordrhein-W

Friedrich Engels (1820 –

1895)

Der schmale Fluß ergießt bald rasch, bald stockend seine purpurnen Wogen zwischen rauchigen Fabrikgebäuden und garnbede ckten Bleichen hindurch.

Tom Tykwer

(* 23. Mai 1965)

teckt sich Wuppertal vers und pflegt seine in einem Tal Die Kulisse Geheimnisse. ln mit ihren Hüge dieser Stadt, en steilen Straß und Treppen, immenden und dem best erinnert mich Verkehrsband . cisco an San Fran

Wuppertaler Ansichten 15 Aussagen und Fotos zur Stadt

15 Karten im Schuber: Verlag HP Nacke ISBN 978-3-942043-95-3 Preis 14,80 Euro

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Über diese Stadt wurde viel geschrieben. Fertig geworden ist keiner mit ihr. (Lisa Kristwaldt)

GRÖLLE pass:projects Friedrich-Ebert-Straße 143e 42117 Wuppertal Tel. (0)173 2611115 groelle@passprojects.de, www.groelle.de


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