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Die einzige von Studenten produzierte Lokalzeitung Deutschlands 22. Ausgabe

Jeden Mittwoch für Mittweida

21. November 2013

Bitte aufladen!

Bitte, lieber Gott!

Bitte mit Kondom!

Geht es nach Union und SPD reißt der elektrische Strom bald mit dem verbrauchten Prepaid-Guthaben ab. – Seite 2

Derzeit leben 160 Mormonen in Mittweida–ein Report über die Bräuche der„Kirche Jesu Christi“– Seite 6

Die EMMA fordert mit ihrer aktuellen Kampagne die Abschaffung des deutschen Prostitutionsgesetzes. – Seite 12

Alles nur Theater?

Wrestling – Sport zwischen Schmerz und Show

Lesen Sie mehr auf Seite 7


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Politik und Wirtschaft

DIE NOVUM

21. November 2013

Schwarz-Rot will Prepaid-Strom Alter Schnee mit neuer Technik

as Telefonat wird mitten im Satz abgebrochen, weil das Guthaben aufgebraucht ist – wer ein PrepaidHandy besitzt kennt dieses Problem. Dass der Backofen einfach ausgeht, obwohl der Kuchen noch nicht fertig ist, dürfte hingegen neu sein. Für die Zukunft scheint das aber ein vorstellbares Szenario, da Union und SPD nun den Prepaid-Strom planen – nach dem Handy-Prinzip. Eine steigende Zahl an Menschen kann ihre Stromkosten nicht mehr begleichen. Neueste Statistiken belegen, dass circa 300.000 Haushalten im letzten Jahr der Strom abgeklemmt wurde – dem will die künftige Regierung entgegenwirken. Die Schwarz-Rote „Arbeitsgruppe Verbraucherschutz“ präsentierte Pläne, nach denen Verbraucher ihre Stromkontingente im Voraus auf „PrepaidKarten“ laden, oder Online beziehen könnten. Somit soll verhindert werden, dass sich Stromschulden auftürmen und am Ende die Stromsperre mit noch höheren Kosten droht. CDU-Politikerin Mechthild Heil sieht Vorteile für beide Seiten: „So bekämen die Versorger ihr Geld und die Verbraucher müssten nicht auf Strom verzichten.“ Bei den Plänen um den Prepaid-Strom geht es um keine Verpflichtung. Den Verbrauchern soll das „Recht“ einen

Kristin Jacob, Johannes Krüger

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Prepaid statt Abklemmen: Union und SPD wollen gegen unbezahlte Stromrechnungen vorgehen.

Prepaid-Stromzähler gegeben werden, führte SPD-Politiker Ulrich Kelber an. Dabei soll vor allem von Strom-Armut betroffenen Haushalten unter die Arme gegriffen werden. Wer zu Monatsbeginn nicht die volle Abschlagszahlung leisten kann, hat dank des Prepaid-Zählers trotzdem die Möglichkeit Strom zu beziehen – so lange bis das Guthaben aufgebraucht ist. Kelber sieht darin auch den Vorteil, dass Kunden so „achtsamer und sparsamer mit ihrem Verbrauch umgehen“. Damit dieses Verfahren überhaupt realisierbar ist, müssten zunächst sämtliche Stromanbieter ihre Zähler umrüsten. Ein Mammut-Projekt, dem die Arbeits-

gruppe nach ersten Aussagen etwa zehn Jahre einräumen würde. Wer die Kosten für die Umrüstung tragen soll, ist noch nicht bekannt. Der Einbau von digitalen, „intelligenten Stromzählern“ ist bei Neubauten mit einer bestimmten Stromverbrauchsmenge schon jetzt Pflicht. „Künftig sollten alle neuen intelligenten Stromzähler mit einer Prepaid-Funktion ausgerüstet werden“, erklärte Mechthild Heil (CDU). Auch der Einsatz von Stromzählern nach „belgischem Vorbild“ wird derzeit diskutiert. Dort gewährt der Prepaid-Zähler dem Kunden auch nach Aufbrauchen des Guthabens eine minimale Grundversorgung. Kühlschrank und

Herd zum Beispiel, funktionieren dann weiterhin. Die Zahl vollständiger Abschaltungen und allen damit verbundenen Kosten und sozialen Problemen, würde sich hierdurch verringern. Dass Kunden bei der Stromversorgung durchaus auf das Prepaid-Prinzip zurückgreifen, beweist Stromanbieter „FlexStrom“. Schon seit einiger Zeit bietet das Unternehmen seinen Kunden die Möglichkeit, Prepaid-Strompakete zu buchen. Für einen zuvor vereinbarten Zeitraum werden die BezahlOptionen des Kunden festgelegt. Bis Ende November soll der Koalitionsvertrag unterschrieben sein – so lange haben CDU/CSU und SPD noch Zeit sich über Details zu einigen und es diesmal besser zu machen. Denn begrenzten Strom für zahlungssäumige Kunden, das gab es schon einmal – damals noch mittels Stromzähler. THOMAS KRAFTSCHENKO,

der symphathische Enthusiast des polnischen Fußballs elektrisiert bereits seit zwei Semestern mit spannenden Novum-Berichten. Manche sagen: Sobald sich seine Finger der Tastatur nähern, entladen sich kleine Blitze.

Butter, Balkonien, Benzin In Deutschland und dem Euro-Raum sinkt die Teuerung

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ch, es wird doch eh alles immer teurer! Stimmt schon. Die Frage ist allerdings wie schnell das geschieht. Ein guter Gradmesser ist die jährliche Inflationsrate. Im Oktober lag sie bei 1,2 Prozent in Deutschland, wie zuletzt schon im April 2013. Solange sie zwei Prozent nicht übersteigt, sprechen die Ökonomen von stabilen Preisen. Berechnungsgrundlage bildet ein Warenkorb mit einem Querschnitt typischer Konsumgüter – Nahrungsmittel, Fahrkarten, Benzin, Elektrogeräte. Im Vorjahresvergleich stiegen die Kosten für Waren und Dienstleistungen im Schnitt nur leicht. Zu den stärksten Preistreibern gehören die Stromkosten – 11,5 Prozent mehr. Die Preisentwicklung der Nettokaltmieten ist ebenso steigend. Aber auch Glücksspieler müssen mehr zahlen: Um ein Fünftel erhöhte sich der Preis für Rubbel-Lose und Co. Ebenfalls nicht unberührt, bleibt der Einkauf im Supermarkt. Besonders Milchprodukte verteuerten sich um bis zu 28 Prozent. Mobil telefonieren und der Arztbesuch sind dagegen günstiger geworden – ge-

Grafik: Steffen Knüdel

Idee: Bettina Krenn

Die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell das Geld dahinschwindet.

nauso wie Dienstleistungen im Bildungswesen. Laut statistischem Bundesamt, hätte die Inflationsrate im Oktober trotz dieser Preisentwicklungen bei 1,7 Prozent liegen sollen, würden die Mineralölpreise ausgeklammert werden. Denn sowohl die Kosten für leichtes Heizöl, als auch für Kraftstoffe sanken in den letzten Wochen spürbar und dämpften die Teuerung. Damit

folgt die Preisentwicklung Deutschlands der im Euro-Raum: 0,7 Prozent bezeichnen den niedrigsten Stand der europäischen Inflationsrate seit vier Jahren. Um dieser Entwicklung und einer möglichen Deflation vorzubeugen, senkte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins zuletzt auf 0,25 Prozent – die Konjunktur soll angekurbelt und die Wirtschaft belebt werden. Unternehmen bekommen

theoretisch günstigere Kredite um Investitionen zu finanzieren. Die Konsumenten sollen ihr Geld in Umlauf bringen, statt es zu sparen. Ob das Wirtschaftswachstum der krisengeschüttelten Euroländer tatsächlich angeregt wird, ist allerdings umstritten. Zudem muss die EZB, als zentrales Verwaltungsorgan, mit dieser Maßnahme allen Staaten im Euroraum dienlich sein. Für Deutschland, Europas größte Volkswirtschaft mit einer robusten Konjunktur, galt bereits das vorherige Zinsniveau von 0,5 Prozent als zu niedrig. Die Niedrigzinsen werden zum langsamen Abschmelzen der Rücklagen, beispielsweise deutscher Altersvorsorge führen – sie werden quasi schleichend enteignet. Da stellt sich für den einzelnen Verbraucher schon die Frage: Soll ich die Altersvorsorge kündigen und mit dem Geld jetzt mehr Freizeit kaufen, oder doch lieber in ein Stück ButtercremeTorte bei der nächste Konditorei investieren? Erik Lindner Umfrage auf Seite 6


Hintergrund

DIE NOVUM

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dpa: Frank May

21. November 2013

Wildsau überrennt Deutschland Überpopulation erfordert Gegenmaßnahmen

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s ist dunkel und neblig. Regen prasselt auf die Windschutzscheibe. Die Scheinwerfer erhellen die Landstraße nur spärlich. Plötzlich huscht eine dunkle Silhouette in den Lichtkegel. Es knallt. Das Auto ist ein Totalschaden und das Wildschwein schleppt sich in den Straßengraben. So könnte einer der 22.000 durch Schwarzwild verursachten Wildunfälle abgelaufen sein. Das sind ungefähr 29% mehr als im letzten Jahr. DEM WILDSCHWEIN GEHT’S SAUGUT Ein Grund dafür ist die rapide ansteigende Wildschweinpopulation in Deutschland. Mittlerweile sind die Tiere eine ernstzunehmende Plage, da sich ihre Anzahl verdreifacht hat. Das liegt vor allem an der hohen Fortpflanzungsrate, von vier bis acht Jungtieren. Diese wird aufgrund von verschiedenen Faktoren begünstigt. Durch den Klimawandel – und das daraus resultierende milde Wetter – kommt es bei Eichen und Buchen zu Mastjahren, das heißt sie tragen viele Früchte und liefern dem Schwarzwild einen großen Teil an Futter. Der Anbau von Monokulturen, wie beispielsweise Mais und Raps, fördert die Vermehrung der Allesfresser. Durch die Energiewende stieg die Anbaufläche dieser um 30% an. Andreas Schober, der Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Schleswig Holstein, kommentierte in der Welt: „Die Tiere richten immense Schäden auf Mais- und Getreidefeldern, aber auch in Hausgärten an“. Außerdem bieten riesige Felder einen hervorragenden Schutz vor Jägern,

was die Jagd zunehmend erschwert. Der einzige verbleibende Feind für die Wildschweine ist der Jäger, denn durch die Ausrottung der natürlichen Feinde wie Bär, Wolf und Luchs werden die Tiere nur noch durch die Flinte dezimiert. RADIOAKTIVE LEBENSMITTEL Viele der erlegten Schweine können jedoch nicht zu Wildbret verarbeitet werden. Das liegt an der noch anhaltenden radioaktiven Belastung, infolge des Reaktorunfalls von Tschernobyl. Die Radioaktivität setzte sich in Pflanzen und Pilzen unserer Wälder fest und diese dienen wiederum Wildschweinen als Nahrung. Somit nehmen sie auch das radioaktive Isotop Cäsium -137 auf, welches sich mit großer Wahrscheinlichkeit im Muskelfleisch und Organen festsetzen kann. Im Normalfall jedoch wird es über natürlichem Weg wieder ausgeschieden. Um zu vermeiden, dass radioaktiv belastete Filetstücke in den Verkauf kommen, sollte jeder Jäger seine Beute mit einem Geigenzähler testen lassen. Der Zuwachs des Schwarzwildes hat erhebliche Folgen. Vor allem in der Landwirtschaft sind diese spürbar, denn Wildscheine wühlen auf der Suche nach Nahrung Futterwiesen um, reißen große Flächen der Felder nieder und zerstören ganze Teile der Ernte. Zudem besteht die Gefahr, dass es zum Ausbruch der Schweinepest kommt. Davon ist auch die Viehzucht betroffen, denn das Schwarzwild kann dieses tödliche und hochansteckende Virus auf die Hausschweine übertragen.

Falls es also zu einer Infektion kommt, müssten Massentötungen in den betroffenen Zuchtbetrieben vorgenommen werden. Deshalb würden laut Spiegel von Vertretern des deutschen Bauernverbandes und Veterinärbehörden Massenimpfungen zur Vorsorge gefordert. Aber nicht nur die ländlichen Regionen sind davon betroffen. Selbst in Großstädten, wie Hamburg oder Berlin, sind Wildschweine auf Zerstörungskurs, denn dort findet sich immer etwas zu fressen. Ob Vorgärten, Friedhöfe oder Mülltonnen, alles wird für die Futtersuche umgewühlt und zunichtegemacht. Das ist aber nicht das einzige Problem, denn Wildschweine sind vor allem gefährlich, wenn sie sich bedroht fühlen. In Markgrafenheide gab es, laut Bayrischen Rundfunk, schon Übergriffe von Schwarzwild auf Hunde. Ganz besonders leicht reizbar sind verletzte Tiere und Rotten mit Jungtieren, sogenannten Frischlingen. ANTI-WILDSCHWEIN FRÜHWARNSYSTEM Um der Schwarzwildplage entgegenzuwirken wurden bereits unterschiedlichste Strategien entwickelt. Der bayerische Bauernverband arbeitet an einem Frühwarnsystem. Aus Daten über von Wildschweinen verursachten Schäden sollen Gegenmaßnahmen entwickelt werden – wie die revierübergreifende Drückjagd. Bei der Drückjagd ist das Ziel Schalenwild zu erlegen, das mit wenigen Treibern und einigen vorher postierten Jägern vorgenommen wird. Auch an der Universität in Rostock gibt es ein Anti-Wild-

schwein-Projekt, das nach dem Motto arbeitet „je näher man seinen Feind kennt, desto besser kann man ihn bekämpfen“. Der Biologe Dr. Hinrich Zoller erklärte dazu im Bayerischen Rundfunk: „Je mehr Daten wir über die Routenverläufe und die Gewohnheiten der Wildschweine gewinnen, desto leichter können wir Strategien entwickeln, um sie gezielter zu bejagen und ihren Bestand zu reduzieren“. Der Biologe hat deshalb schon über 40 Wildschweine mit Sendern ausgestattet, um die Routenverläufe zu dokumentieren und nachzuvollziehen. SCHWEINCHEN SCHLAU Und die Jagd? In Sachsen wurde in dieser Jagdsaison rund 32.000 Schweine abgeschossen – im Jahr davor hingegen waren es nur 22.600 getötete Tiere. Allein in Schleswig Holstein haben sich die 8200 Wildschwein-Abschüsse seit 2005 innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. Der Naturschutzbund (NABU) Schleswig Holstein hält eine verstärkte Bejagung jedoch für nicht sinnvoll: Die Tiere bekämen durch den Menschen ein schier unerschöpfliches Nahrungsangebot geliefert und seien außerdem sehr lernfähig. Besonders vorsichtig sind die Bachen, wenn sie mit ihren Frischlingen unterwegs sind, denn sie kommen nur aus ihrem Versteck wenn sie sich vollkommen sicher fühlen. Das Schwarzwild lernt durch den steigenden Jagddruck dazu und ist noch mehr auf der Hut. Das erschwert wiederum mit Hilfe der Jagd den Schwarzwildbestand einzudämmen. Maria Piesker


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Hochschule und Wissenschaft

DIE NOVUM

21. November 2013

Die Uni ins Wohnzimmer holen Massive Open Online Course ermöglicht Studium für Jedermann

aus aus dem Hörsaal: Studieren im Internet! MOOC macht’s möglich. Massive Open Online Course heißt die neue Bildungswelle, die in diesem Jahr von den USA nach Deutschland schwappt. Das Konzept: Jeder, der will, kann kostenlos via Internet an Hochschulkursen teilnehmen. Abitur? Nicht nötig, es genügt ein Computer mit Internetzugang. Die Plattform Iversity will diese Bildungsmöglichkeit nun in Deutschland etablieren. „Universitäten und Hochschulen können ihre MOOCs bei uns einstellen“, erklärt Pressesprecherin Julia Bader. Das Besondere an den Kursen: Die Lehrinhalte werden in Sinneinheiten aufgesplittet und in Form von kurzen Videos aufbereitet. Teilnehmen kann jeder der Lust auf Bildung hat – die Kassiererin aus der Kaufhalle ebenso wie der pensionierte Studienrat. Nur mit der englischen Sprache muss er sich anfreunden. Denn sie ist die vorrangige Unterrichtssprache. „Cool, kostenfrei und viel Material“, so beschreibt Marcus Jänecke, Student der Hochschule Mittweida, seine ersten Kurserfahrungen. Neben 74.000 anderen Nutzern nimmt er an dem MOOC „The Future of Storytelling“ der Fachhochschule Potsdam teil. Eine kostenlose Teilnahmebestätigung per

Lukas Scholz

R

Für alle Lernwilligen: Studieren geht nun auch einfach in Internet!

Mail ist bei jedem belegten Kurs inklusive. „Ab dem Moment wo man für seine Karriere einen Vorteil daraus ziehen will, wird es dann aber etwas kosten“, so Bader. Momentan gibt es unter anderem für den Kurs „Algorithmen und Datenstrukturen“ die Möglichkeit ECTS-Leistungspunkte zu erhalten – Punkte die europaweit als Studienleistung anerkannt werden. „Dazu müssen die Nutzer an einer kostenpflichtigen Präsenzprüfung teil-

nehmen“, erklärt Bader. Dies ist derzeit aber noch nicht weltweit umsetzbar: Ein Teilnehmer aus Indien kann schlecht für eine Prüfung nach Deutschland reisen. Auch steht der Kostenpunkt noch nicht fest, im Gegensatz zu den USA. Hier wird für eine derartige Prüfung zwischen 90 und 100 Dollar verlangt. Experten, wie der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft, sind sich einig, dass MOOCs eine Revolution im

internationalen Bildungswesen sind. Die reale Uni ist aber trotzdem nicht weg zu denken. Bader bemerkt dazu: „Die Präsenz im Studium ist wichtig. In der virtuellen Welt fehlen bestimmte Schlüsselqualifikationen, wie beispielsweise ein Referat vor Kommilitonen zu halten.“ Auch für Marcus Jänecke lässt sich das reale Studium nicht ersetzen: „Das ist wie die Geschichte mit dem Buch und dem E-Book. Das eine wird das andere nie ganz ablösen. Man wird die reale Begegnung brauchen.“ Für ihn sind MOOCs aber eine „ansprechende und attraktive Ergänzung zum üblichen Uni-Alltag“. Seinen Ursprung nahmen die Massive Open Online Courses an der renommierten Stanford University in den USA. Menschen, die sich die teuren Studienprogramme nicht leisten können, sollten Weiterbildungen ermöglicht werden. 2011 gingen die ersten Kurse online - mit einer Teilnehmerzahl von 250.000. Iversity schob sein Projekt mit einem Wettbewerb an: Formate für Lehre und Lernen im Web entwickeln. Insgesamt zehn Stipendien hatte Iversity zusammen mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgeschrieben, jedes mit 25.000 Euro dotiert. Mittlerweile bietet die Plattform 24 Kurse an. Sarah Albrecht

Vom Fuchs zum Burschen Ein Leben voller Regeln, Riten und alter Strukturen? ie sind männlich, tragen alle lustige Zipfelmützen und trinken Bier nach strenger Regel. Die Rede ist von Burschenschaften. Deutschlandweit gibt es rund 1.000 Studentenverbindungen, darunter fallen 140 Burschenschaften. Meist werden Studenten direkt auf dem Campus durch Vorträge oder Mundpropaganda auf die bestehenden Verbindungen aufmerksam. Wenn das Interesse geweckt wurde und die Voraussetzungen erfüllt sind, erfolgt die einjährige Probezeit „als Fuchs“. Nach dieser Zeit kommt es zum Ablegen des Burschenschaftsversprechens und zu einer Prüfung des Wissensstandes. „Es wird geprüft, ob die Neulinge die Regeln aus historischem Hintergrund kennen und was sie in der Probezeit gelernt haben. Dazu gehört wie sich Mitglieder richtig an der Tafel verhalten, Bier trinken und die Burschenschaft, unteranderem durch tragen der Verbindungsfarben, repräsentieren“, so Marcel Czerny, der Vorstandsvorsitzende und „Al-

te Herr“ der Burschenschaft „Fidentia Mittweida“. Dazu wurde eine eigene Fuchsenfibel angelegt, eine Begleitliteratur, in der alle Regeln und Verhaltensformen nachgelesen werden können. Des Weiteren gibt es den „Paragraphen der Comments“ in dem sich auch das Couleurcomment befindet. Dieses gibt genaue Vorschriften

zum Tragen der Farben. Diese dienen als Erkennungs- und Unterscheidungsmerkmal zwischen den einzelnen Verbindungen und werden meist im „Burschenband“ (Schärpe) und im „Zipfel“(Schmuckanhänger) sichtbar. Die Verburschung macht aus einem „Fuchs“ ein vollwertiges Mitglied. Doch was reizt die Studenten sich an einer Burschenschaft anzuschließen und ein Lebensbundprinzip einzugehen? Nach der Meinung von Marcel Czerny „Haben Studenten nicht richtig gelebt, wenn sie sich während ihrer Studienzeit keiner Verbindung angeschlossen haben.“ Eine Aussage, die wohl für sehr viel Diskussionsstoff sorgt. Sicher ist jedoch, dass Wohnungsnot bei den Studenten besteht und Burschenschaften gezielt mit Sara Bieder

S

Wohnplätzen in Campusnähe werben. Dies bietet vielen männlichen Erstsemestern Anreiz sich Verbindungen wie Burschenschaften näher anzuschauen. Außerdem besteht die Möglichkeit erste Kontakte zu anderen Studenten zu knüpfen. Durch Feste feiern nach alter Tradition oder gemeinsamen Ausflügen, kann eine solche Gemeinschaft als Familienersatz in der Fremde gelten. Auch ehemalige Studenten, genannt „Alte Herren“, zählen zu den Verbindungen. Sie besitzen häufig hilfreiche Geschäftskontakte, was den Studenten einen Einstieg ins Berufsleben erleichtern kann. Den Beschluss einer Burschenschaft beizutreten, sollte jedoch jede Menge Bedenkzeit voraus gegangen sein. Häufig steckt hinter dem harmlosen Begriff „Studentenverbindung“ weit mehr als zuvor erwartet. Nicht selten weisen sie rechtspolitische Strukturen auf oder binden ihre Burschen an aufgezwungene Verpflichtungen. Lisa Mehrling


Lokales

21. November 2013

DIE NOVUM

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Marketing für rotzigen Rock im Feinripp Professor tauscht Hörsaal gegen Proberaum

orgens steht er im Anzug im Hörsaal, abends schlüpft er ins Feinripphemd und rockt auf der Bühne. Dass auch Professoren spannende Hobbys haben, beweist Michael Hösel, Frontmann der Band „Brothers of Feinripp“. Noch ist die Combo nur Kennern ein Begriff, doch 16 Medienstudenten wollen das ändern. „Seit dem Frühjahr 2013 entwickeln wir über zwei Semester ein Marketingprogramm für ’Brothers of Feinripp’“, erklärt Linda Nowak, die Leiterin dieses Crossmedia-Teams. Der Erfolg wird sich zeigen - am 26. November im Studentenclub Mittweida, wenn Prof. Dr. Michael Hösel mit seiner Band auftritt. Dort soll dem Publikum dann mit Post Punk´n´Roll eingeheizt werden. Zur Einstimmung auf das Event sprach die NOVUM mit dem RockProfessor Michael Hösel und dem Feinripp-Keyboarder Michael Müller. Die Novum: Es gibt ja die Gerüchte, Herr Hösel, dass Sie Ihre Position als Dekan ausnutzen würden. Was sagen Sie zu den Vorwürfen? Hösel: Die möchte ich ganz klar dementieren. Ich verwende kein Equipment der Hochschule und kann für die Ausstattung unseres Probenraums alle Rechnungen vorweisen. (lacht) Müller: Wir möchten auch betonen, dass wir weder eine Hochschul- noch

Markus Kretzschmar

M

Hier noch im Proberaum und am 26. November auf der Bühne im Studentenclub.

eine Professorenband sind. Außer Michael hat keiner mehr in direkter Weise mit der Hochschule zu tun. Es ist ein rein privates Vergnügen von uns. N: Gibt es jemanden, den Ihre Musik wirklich interessiert? Müller: Haben wir Groupies? Hösel: Nee, haben wir nicht. Aber seitdem wir unseren 16 Jährigen Gitarristen Rocco haben, kommen jetzt auch ein paar Mädels. N: Sind Sie da neidisch auf Ihren Bandkollegen? Müller: Nein, wir haben alle ein freundschaftliches Verhältnis zueinan-

der. Die Altersspanne ist zwar gewaltig, von 16 bis 54 Jahren, aber die Chemie stimmt einfach. N: Bisher hatten Sie ja noch nicht viele öffentliche Auftritte. Hösel: Stimmt, meist bekamen wir unsere Gigs durch Mundpropaganda, aber gerade arbeitet die Crossmediagruppe an unserem Marketingkonzept. N: Was machen die genau? Eine Verwandlung à la Aschenputtel? Müller: So in etwa. Das CrossmediaTeam entwirft für uns jetzt unter anderem Visitenkarten und Buttons. Sie

werben auch für unseren Auftritt mit Feinripphemden statt mit herkömmlichen Plakaten. Hösel: Außerdem bekommen wir eine Website, die bald online geht. Auch unsere Facebookseite wurde aufgepeppt, zurzeit haben wir aber nur um die 50 Likes. N: Wie viele Facebook-Likes möchten Sie denn durch das Projekt bekommen? Hösel: Unser Ziel sind um die 200 Likes. Doch wir wissen, dass wir mit unserem Hobby kein Geld verdienen können. Uns geht es darum, unser Publikum zu vergrößern. N: Zurück zur Musik: Wie entsteht Ihr Programm? Hösel: Alles ist gecovert, unter anderem von den Foo Fighters oder von Metallica. Müller: Bei dem Versuch, etwas selbst zu schreiben, kam am Ende leider nichts heraus. N: Auf was kann man sich denn am 26.11. freuen? Gibt es ein spezielles Highlight? Müller: Anfang, Mitte, Schluss! (lacht) Hösel: Wir haben ein zweieinhalbstündiges Programm, auch neue Lieder. Die haben echt gute Arbeit geleistet und ein schlüssiges Gesamtkonzept erarbeitet. Ich freue mich darauf. N: Vielen Dank an Sie beide für das Interview. Sophie Heim und Sarah Müller

Loch im Geldbeutel

Foto: Johannes Krüger, Redaktion: Antje Pohl

Ist den Mittweidaern Butter, Brot und Blumenkohl zu teuer? – Die NOVUM hat sich umgehört.

Fanny Peter (23), Studentin Medienmanagement „Als Studentin habe ich nicht so viel Geld und muss auf die Preise bei Lebensmitteln achten. Gerade durch meinen Umzug nach Mittweida habe ich weniger Geld zur Verfügung. Außerdem sind in Mittweida die Mieten teurer und ich kann auch nicht mehr günstig im Nachbarland tanken. Da muss ich dann zum Beispiel bei Lebensmitteln sparen.“

Walter Gagstädter (75), Rentner „Ich habe schon gemerkt, dass die Lebensmittel teurer geworden sind. Gerade bei Fleisch, Wurst und Fisch ist es mir besonders aufgefallen. Ich habe im Vergleich zum letzten Jahr auf jeden Fall weniger Geld zur Verfügung und muss auf die Preise achten. Deshalb schaue ich auch gern mal nach günstigen Angeboten in Anzeigen und in der Werbung im Briefkasten.“

Martin Sommerfeld (20), Speditionskaufmann „Bei Milchprodukten habe ich schon einen Anstieg im Preis festgestellt. Ich kaufe trotzdem weiterhin die Produkte, die mir schmecken, selbst wenn sie etwas teurer geworden sind. Durch die Beendigung meiner Ausbildung habe ich jetzt auch mehr Geld zur Verfügung. Das einzige, was ich auf Grund des Preises nicht kaufe, sind Bio-Produkte.“

Kerstin Leupold (53), Mitarbeiterin Hochschulbibliothek „Ich mache bei dem Kauf von Lebensmitteln schon Unterschiede. Vor allem bei Obst und Gemüse achte ich sehr auf die Qualität und bezahle auch gern einen höheren Preis. Bei Sachen, die ich nicht so häufig brauche, kann es dann auch gern mal die günstigere Variante sein. In meinem Portemonnaie habe ich keinen Unterschied feststellen können.“


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DIE NOVUM

Lokales

21. November 2013

We are Family

Aus der Reihe Gesichter Mittweidas: Die Mormonen lle haben sich fein rausgeputzt. Männer in Anzügen schütteln sich freudig die Hände, Frauen in Kleidern und gebügelten Blusen erkundigen sich gegenseitig nach dem werten Befinden. Es ist Sonntag zehn Uhr und im Mittweidaer Gemeindehaus der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“, besser bekannt als Mormonen, versammelt sich Jung und Alt zum Gottesdienst. Alle wirken wie eine große Familie. Durch die Flure rennen kichernd adrett angezogene Kinder und auch Opa Helmut im Rollstuhl ist im feinsten Zwirn erschienen und wird von jedem herzlich begrüßt. Laut der Internetseite „presse-mormonen.de“ gibt es 38.739 Mormonen in Deutschland, das sind circa 0,04 Prozent der Gesamtbevölkerung. Allein in Mittweida leben 160 Mitglieder – eine relativ große Gemeinde für eine Stadt von etwa 15.000 Einwohnern. Bischof Steffen Kux erzählt, dass der Grund dafür in der nun schon achtzigjährigen Tradition liegt. „Nach dem zweiten Weltkrieg sind viele Mitglieder weggezogen, besonders in die USA ausgewandert. Dadurch sind viele Gemeinden kleiner geworden oder gar verschwunden.“ Doch in Mittweida seien nur wenige weggegangen. Eine gewisse Grundlage ist geblieben. Mormonen verstehen sich als Christen, deren Glaube nicht durch Abspaltung von einer anderen religiösen Glaubensgemeinschaft entstanden ist, sondern durch eine Offenbarung. Im Jahr 1820 seien dem Amerikaner Joseph Smith beim Beten Gott Vater und sein Sohn Jesus Christus erschienen. Beide hätten ihm verkündet, dass keine Kirche auf der Erde die komplette Wahrheit besitze und erwählten ihn dazu, die wahre Kirche Jesu Christi wieder herzustellen. Gott selbst habe Mr. Smith „altägyptische Berichte“ überliefert und ihm die Gabe verliehen, diese ins Englische zu übersetzen. Die Übersetzung wird „Buch Mormon“ genannt, daher auch der Name „Mormonen“. Es bildet mit den Büchern „Leben und Bündnisse“ und „Die Köstliche Perle“ die Grundlage der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“. Joseph Smith gilt als der erste aller Propheten. Der derzeitig „regierende“ Prophet und Präsident der Kirche ist Thomas S. Monson. Ihm stehen noch zwei Ratgeber und zwölf „Apostel“ zur Seite. Das prominenteste Mitglied der Kirche ist der amerikanische Ex-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney. Am Sonntag im Mittweidaer Gemeindehaus versammeln sich als erstes die einzelnen „Klassen“, je nach Altersgruppen aufgeteilt, in verschie-

Alexander Heidel

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Jedem bekannt ist das Schwiegersohnlächeln auf der Straße, doch kaum einer kennt sie.

denen Räumen. Es ist „Sonntagsschule“, die sich mit einer Art Religionsunterricht vergleichen lässt. Es dringen Gesang und Gebete hinter den Türen hervor und irgendwo philosophieren ein paar Männer über die Bedeutung von Propheten. Danach folgt die Abendmahlversammlung. Im großen, weißen Hauptsaal wird die Sonntagsschultafel weggeschoben, nach und nach nehmen die Gemeindemitglieder mit ihren auffällig großen Familien auf den Stühlen Platz.

Vortag getauftes Ehepaar Mitte Vierzig anwesend. Bei den Mormonen wird durch das komplettes Eintauchen in ein Kneippbecken-ähnliches Bassin die Taufe vollzogen. Das nicht vor dem achten Lebensjahr, da laut der Mormonenlehre Kinder zuvor nicht im Stande sind, zwischen Gut und Böse zu entscheiden. Auch Tote können getauft werden. Die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ lehrt, dass solche, die keine Möglichkeit hatten sich zu taufen, im

»ES GIBT EINFACH SO VIELE LEUTE, DIE GAR KEINE HOFFNUNG HABEN. WENN WIR IHNEN EIN STÜCKCHEN GEBEN KÖNNEN, DAS MACHT UNS EINFACH FROH UND DANN WISSEN WIR, DASS WIR EINEN GUTEN JOB GEMACHT HABEN.«

Für Mormonen steht die Familie an erster Stelle. Sie bildet für sie den Schlüssel des Glücks. Somit ist es auch keine Seltenheit, dass Mormonen viele Kinder haben. An den Wänden des Versammlungsraumes hängen keine Kreuze, auch schmücken keine Jesusbilder den Raum, der schlicht wie ein Seminarraum wirkt. „Das Entscheidende ist die Auferstehung Jesu Christi. Das Leid und die Sühne gehören dazu und sind wichtig für uns, aber wir glauben, dass er lebt. Deshalb verwenden wir das Kreuz von seiner Bedeutung her nicht als Symbol. Wir beten keine Bilder oder Statuen an. Wir beten zu unserem himmlischen Vater“, so Bischof Steffen Kux von der Gemeinde Mittweida. Dieser Sonntag ist ein besonderer Tag, denn heute gestalten die Kinder der „Primarvereinigung“ den Gottesdienst, das ist ein Programm zur religiösen Unterweisung der Drei- bis Elfjährigen. Zudem ist ein erst am

Jenseits die Wahl haben, ob sie die Religion an nehmen. Nach gemeinsamen Singen und Beten wird das Paar einzeln nach vorne gerufen, um die Hände von einem Priester und zwei Missionaren aufgelegt zu bekommen. Dies bildet den letzten Akt der Taufe. Ein Missionar spricht jeweils ein Gebet. Per Handzeichen wird danach abgestimmt, ob die Gemeinde das Paar als neue Mitglieder akzeptiert. Alle melden sich. Es folgt das Abendmahl. Durch die Reihen werden Brot und Wasser verteilt. Wasser, da Mormonen keinen Alkohol und somit auch keinen Wein trinken. Ebenfalls ist der Konsum von Kaffee, schwarzem Tee, Zigaretten und Drogen untersagt. Diese Regeln beinhaltet das Gesundheitsgesetz, welches 1933 dem Propheten Joseph Smith von Gott überliefert worden sei. Für Mormonen ist der Körper ein Geschenk Gottes und soll gesund und fit bleiben. Dies geschieht nur durch die richtige Ernäh-

rung und sportliche Betätigung. Nach dem Abendmahl beginnt der Kindergottesdienst, der einmal jährlich stattfindet. Einzeln treten kleine Mädchen und Jungen nach vorne und sprechen schüchtern Gebete. Zentrales Thema ist dabei besonders die Bedeutsamkeit der Familie, die Entstehung der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ und wie Gott gedient werden kann. Ein Mädchen erzählt, dass sie sich ab und zu mit ihrer Schwester streite, aber beide danach bemüht seien, sich immer wieder zu vertragen. Ein Junge spricht ins Mikrofon „ich will allen Kindern Gottes vom Evangelium berichten“ während seine Mutter ihn stolz dabei beobachtet. Immer wieder werden Lieder von den Kindern im Chor gesungen und im Hintergrund hört man Babys durch den Saal brabbeln. Nach der Zeremonie wird noch nett im Flur geplaudert. Besonders auffällig sind dabei die zwei jungen Missionare, die jeweils ein Namensschild an der Jackettasche tragen. „Wir sind Elder Grenko und Elder Collins“, stellen sie sich vor, „Elder steht für Ältester.“ Beide sind zwanzig, kommen aus Amerika, dem Bundesstaat Utah und sind seit über einem Jahr in Deutschland. Mal hier, mal da, und zurzeit in Mittweida. Beide sind sehr freundlich und sprechen sehr gutes Deutsch. Die meisten kennen sie von der Straße, wo sie Leute ansprechen und von ihrem Glauben erzählen. „Es ist doch schwierig mit den Leuten zu sprechen, die gar nicht mit uns sprechen wollen. Aber es bringt uns viel Freude, wenn wir nur ein Stückchen von der Liebe Jesus Christi geben können“, erzählt Elder Grenko. „Es gibt einfach so viele Leute, die gar keine Hoffnung haben. Wenn wir ihnen ein Stückchen geben können, das macht uns einfach froh und dann wissen wir, dass wir einen guten Job gemacht haben.“ „Mormone zu sein heißt für mich ein guter Mensch zu sein. Wir folgen Jesu Beispiel, anderen zu helfen, wenn sie Hilfe brauchen. Für Leute da zu sein. Das ist es eigentlich ganz einfach gesagt für mich“, so Elder Collins.

SUSANN SCHADEBRODT,

hat für diesen Text das Sonntagsfrühstück gegen einen Tag mit den Mormonen getauscht. Danach brauchte sie erst einmal eine Zigarette. Ein kleiner Heiligenschein schwebte in den folgenden Tagen trotzdem noch über ihrem Kopf, so eindrucksvoll war das Interview.


Sport

21. November 2013

DIE NOVUM

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Sport trifft Schauspiel Wie Wrestling Schmerz und Show vereint

erle breit wie Kleiderschränke, kostümiert wie für die Geisterbahn. Einer steigt auf die Ringabsperrung und springt ohne Scheu dem anderen ins Kreuz. Dieser rappelt sich auf und keilt zurück. Brutale Schläge und tierisches Gebrüll. Wir sind beim Wrestling, einer Sportart, die den Menschen fasziniert oder ewig verschreckt. Ein richtiger, harter Sport, sagen die einen, bei dem es auch darauf ankommt, einstecken zu können. Alles nur Theater, höhnen die anderen, das Brutalo-Gehabe und die Schmerzen seien ja nur vorgespielt. Tatsache ist jedoch: Immer mehr junge Leute trainieren für einen Durchbruch im Profiwrestling, Männer ebenso wie Frauen. In den USA und Mexiko gibt es die größten und erfolgreichsten WrestlingLigen weltweit. Der Sport ist dort so verbreitet und beliebt, dass die Kämpfer damit ihren Lebensunterhalt verdienen können. Für die Fans werden sie zu Stars und Legenden. Eine dieser Legenden ist Hulk Hogan. In den 1980er Jahren war der heute 60 Jährige einer der Gründe, dass sich WWE (World Wrestling Entertainment) zu einer der größten Wrestling-Ligen entwickeln konnte. Er zählt, dank seiner 15 Schwergewichts-Weltmeistertiteln, zu den größten Wrestlern aller Zeiten. WWE organisiert jährlich eines der bedeutendsten WrestlingEvents der Welt, die Wrestlemania. Bei der Wrestlemania geht es um die inoffizielle Weltmeisterschaft, den World Title der WWE. Im kommenden Jahr findet diese zum 30. Mal in Folge statt, bei diesem Jubiläum zeigt sich sogar Hulk Hogan interessiert. Gegenüber WWE gab er zu: „Mit dem richtigen Gegner zur richtigen Zeit bei einem großen Event in einer großen Storyline, wenn das alles passt, dann kannst du verdammt sicher sein, dass noch ein weiteres Match in mir steckt!“ In Deutschland gibt es nur wenige Profis, die den Sport wettkampfmäßig ausüben. Axel Tischer ist einer von ihnen. Als „Axeman“ hat der Dresdner verschiedene Titel gewonnen. Sein Weg dahin begann als Fan: „Aufmerksam geworden bin ich durch die großen Shows aus den USA. Als ich nach Trainingsmöglichkeiten in Deutschland gesucht habe, bin ich auf eine Wrestlingschule in Berlin gestoßen. Zweimal wöchentlich bin ich dorthin zum Training gegangen.“ Heute ist „Axeman“ Mitglied in der größten Wrestlingliga in Deutschland, westside Xtreme wrestling (wXw; 36 Wrestler im Kader ). Der rotbärtige Hühne träumt davon, irgendwann

Marie-Luis Langfeld

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Um erfolgreich zu sein, absolvieren die Wrestler tagtäglich ein hartes Trainingsprogramm.

selbst bei den großen amerikanischen Shows mitzukämpfen. Dafür trainiert er hart, denn obwohl Wrestling oft nur als Unterhaltungssportart gilt, fordert ein Kampf enorme körperliche Fitness: „Es ist wichtig, dass man mehr einstecken als austeilen kann. Die Schmerzen, wenn ich aus zwei Metern Höhe auf den Ringboden krache oder ein zwei-Zentner-Typ auf mich springt, sind nur mit richtiger Übung und einem trainierten Körper auszuhalten.“ Dank seiner guten Ausbildung kam der Profi bisher mit Quetschungen und Prellungen davon. Das bestätigt auch Big van Walter, Profi und Wrestling-Trainer für den wXw-Nachwuchs in Oberhausen. In einem Interview mit dem WDR erklärt der 140-Kilo-Mann: „Körperliche Fitness ist Voraussetzung. Bei einem, der immer weiter macht, egal was ihm im Weg steht, bei dem weiß ich, der hat Herz und der hat sich das auch verdient.“ An solchen Wrestlingschulen, wie in Oberhausen und Berlin, halten sich die Schüler nicht nur fit, sondern lernen auch, wie man richtig fällt, ohne sich zu verletzen, oder mit welchen Griffen man den Gegner zur Aufgabe zwingen kann. Auch in Sachsen gibt es bereits eine erste professionelle Trainingsmöglichkeit. Seit 2012

„Es ist wichtig, dass man mehr einstecken als austeilen kann.“

trainiert Axel Tischer selbst Interessierte in Dresden: „Ich wollte das Gelernte gerne weitergeben und auch hier in Sachsen beginnen, eine Wrestlingszene aufzubauen. Jede Woche kommen bereits zwischen 15 und 20 junge Männer und Frauen ins Training, die sich für den Sport interessieren. Leider ist die Schule in Dresden noch die einzige in Sachsen.“ Wrestling ist natürlich auch Show und Unterhaltung. Big van Walter gibt zu: „Wrestler müssen auch gute Schauspieler sein“. In Amerika gibt es bei größeren Veranstaltungen meist eine Hintergrundgeschichte, die einzelnen Kämpfe miteinander verknüpft. Diese Drehbücher bauen für den Zuschauer deutlich mehr Spannung auf, als die puren Kämpfe. Beispielsweise kämpfte bei der Wrestlemania 2010 The Undertaker gegen Shawn Michaels und bot ihm bei diesem Event, angeblich spontan, die letzte Möglichkeit, sich kurz vor dem Ende seiner Karriere noch einmal für einen verlorenen Kampf im Vorjahr zu rächen. Dies war jedoch das Ende einer inszenierten Geschichte. Auch in Deutschland wird dieses Konzept manchmal angewandt. Im Rahmen dieser Storys werden häufig sogar ganze Aktionen oder gar der Gewinner abgesprochen. Diese großen Veranstaltungen, mit einer durchgeplanten Geschichte, sind mit Theaterstücken mit realer Hand-

lung vergleichbar. Allerdings wird eine solche Hintergrundgeschichte nicht bei jedem Event verwendet. Für Axel Tischer bilden solche Storys nur den Rahmen eines Kampfes: „Was vor einem Kampf und nach dem Kampf geschieht ist tatsächlich abgesprochen. Doch alles, was im Ring stattfindet ist real. Alle Aktionen sind spontan und ohne Absprache. Nur so kann man echtes Wrestling erleben.“ Dieses Erlebnis versucht „Axeman“ bei jedem seiner Kämpfe zu vermitteln. Durch wXw kann der Wrestler an den verschiedensten Veranstaltungen weltweit teilnehmen. wXw ist dabei bekannt für seine Nähe zu den Fans und Zuschauern. „Ohne Absperrgitter und mit Steh- bzw. Sitzplätzen direkt am Ring und Wrestlern, die während und nach den Veranstaltungen für Autogramme, Fotos und Gespräche zur Verfügung stehen bieten wir eine Erfahrung, die sich Wrestlingfans wünschen.“, schreibt wXw auf ihrer Website. Auf dem Youtubechannel des Unternehmens gibt es Videobotschaften und komplette Events, sowie ein wöchentliches Videomagazin namens SHOTGUN, in dem Kämpfe zu sehen sind. Dem Zuschauer mag’s gefallen – solange er nicht selbst verkloppt wird. Anton Kramer

„Wrestler müssen auch gute Schauspieler sein“


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DIE NOVUM

Leben & Gesellschaft

21. November 2013

Zeig her deine Tüten Ein Kommentar von Laura Krämer

chau mal, was ich eingekauft habe!“ Einst musste nur die beste Freundin oder die große Schwester die Einkäufe des erfolgreichen Shoppingtags bewundern, heute ist auch der Rest der Welt fällig: das Video im Internet macht’s möglich. Die Community soll staunen, bewerten und kommentieren. „Haul-Videos“ heißt der neue Trend des Prahlens, Protzens und Prunkens im Web 2.0. Wie das funktioniert? Haul kommt aus dem Englischen und bedeutet „Beute“. Junge Hipstermädchen angeln ihre Kleidung aus den Plastiktüten wie Fischer ihre Beute aus dem Wasser. Hierbei strecken die Mädchen (hin und wieder auch mal ein Junge) ihre Tüten in die Kamera und erzählen wie ihr Tag so war. Egal ob T-Shirt, Wimperntusche, Klopapier – fast alles wird nach und nach herausgezogen und gezeigt. Mit Liebe zum Detail und voller Begeisterung philosophiert, erklärt und quatscht das Mädchen minutenlang über das ach so trendige Teil, als spreche sie mit ihrer besten Freundin. Man braucht also nur eine Prise

Laura Peinemann

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In sogenannten Haul-Videos zeigen Mädels stolz ihre Einkäufe.

Selbstdarstellungsbedürfnis, einen Löffel Aufmerksamkeitsdrang und eine Tüte voller Einkäufe und schon kann jeder ein Haul-Video drehen: 30 Minuten vor der Kamera reden, Film hochladen und viel Spaß beim anschauen. Belohnt werden die Mädchen mit jeder Menge Klicks und Kommentaren. Es kommt noch besser: manch eine wird sogar von diesen Marken gesponsert. Sozusagen Staubsaugervertreter

von Morgen. Dann gibt es noch Geld pro Klick in Youtube für ein bisschen „Hab-dich-lieb“- Gequassel und Klamotten in die Kamera halten. Der oder die andere darf sogar eine eigene Produktlinie entwerfen, sogar gaaanz richtige Beauty-Gurus sind dabei schon entstanden. Aber da die Youtube-Stars keine Haute-Couture daraus machen wollen (es würde sich ja die Zielgruppe verändern) wird weiter in Billigläden eingekauft und vorgestellt. Denn: das

liebe Mädchen von Nebenan kann nun im Laden um die Ecke einkaufen und aussehen wie das nette Mädchen im Video und somit wie die ganze Generation Jugend. H&M statt Louis Vuitton, Rossmann statt Chanel. Eigenen Geschmack entwickeln und selbst Erfahrungen sammeln, wird sowieso überbewertet: wer möchte, kann sich ja den Look des Beauty-Gurus im Internet bestellen. Praktisch ist auch, wenn das Mädchen im Video erklärt, was super gegen die trockene Haut hilft. Kein teures Ausprobieren von zwanzig verschiedenen Produkten mehr, die irgendwie nicht helfen wollen. Man kann also sogar Geld sparen, indem man sich die Haul-Videos anschaut. Da lohnt es sich ja fast schon, stundenlang täglich Haul-Videos im Internet durchzuklicken und auf gute Tipps zu hoffen. Für frau stellt sich nur die Frage, woher denn die Mädels wissen, was sie empfehlen? Wo sie den Kram doch eben erst gekauft haben? Also wenn ihr mich sucht: ich bin dann mal einkaufen.

Ungewollt kinderlos Wenn der Kinderwunsch nicht erfüllt werden kann ie hoffen, bangen und leiden häufig im Verborgenen. Wenn der Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht, bricht für viele Paare erst einmal eine Welt zusammen. Laut dem Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung sind drei Millionen Paare in Deutschland zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. Dies entspricht etwa einem Sechstel der Menschen in dieser Altersgruppe. Nach zahlreichen erfolglosen Versuchen, ein Kind auf natürliche Weise zu zeugen, folgt neben Frustration und Schuldzuweisung auch die Angst zu versagen. Laut Dr. Uwe Mischeck vom Kinderwunschzentrum Darmstadt, sollten Paare eine medizinische Behandlung in Erwägung ziehen, wenn sie ein Jahr ungeschützten Verkehr hatten und in diesem Zeitraum keine Schwangerschaft herbeigeführt werden konnte. Die Ursachen für Unfruchtbarkeit sind bei Frau und Mann etwa gleich verteilt und sehr vielfältig. Dabei können verschiedene Behandlungsmethoden Abhilfe schaffen. Die gängigste Form der Befruchtung ohne Geschlechtsverkehr ist die Samenübertragung („Insemination“). Hierbei wird Sperma, des eigenen Partners oder eines Spenders, in die Gebärmutter der Frau eingespritzt. Bei der „In-vitro-Fertilisation“, besser

Thorsten Schwarz

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Für viele Paare ist das Leben erst vollkommen, wenn sie ein Baby erwarten.

bekannt als „künstliche Befruchtung“, erfolgt die Erzeugung eines neuen Lebens in einem Reagenzglas im Labor. Die Erfolgsrate sei hierbei 40 Prozent, wohingegen bei der Insemination die Erfolgsrate um die 15 Prozent liege, so Dr. Mischeck. Kritiker fürchten, dass Eltern schon vorab Aussehen und Intelligenz bestimmen wollen und „Designerbabys“ züchten. Laut Schätzung der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ESHRE) letzten Jahres, wurden rund 350.000 im Labor gezeugte Babys geboren. Auch gibt es die Möglichkeit ei-

ner Adoption. Hierbei warten auf ein zur Adoption frei gegebenes Kind in Deutschland durchschnittlich 13 Bewerber, weshalb einige Paare Kinder aus dem Ausland adoptieren oder ein Pflegekind aufnehmen. Bei der künstlichen Befruchtung können auch Gefahren und Risiken wie Mehrlingsschwangerschaften oder Fehlgeburten auftreten. Auch psychische Probleme gehen mit den Behandlungen und eventuellen Misserfolgen einher. Dies kann letzten Endes zu Depressionen und sogar einem Ende der Beziehung führen. Psychologische Hilfe können Kinder-

wunschgruppen oder Internetforen geben. Dort können sich Betroffene mit anderen Paaren austauschen. Viele Kinderwunschzentren haben außerdem Psychologische Fachkräfte, mit denen sie frei kooperieren. Auch die Kosten für eine künstliche Befruchtung müssen mit eingeplant werden. Sie belaufen sich zwischen 100 bis 4000 Euro. Die Krankenkasse übernimmt 50 Prozent der Kosten, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Laut Dr. Mischeck sind nach vier erfolglosen Versuchen bei IVF und ICSI, die Erfolgsaussichten gering. Auch wenn es bisher nur wenig klare Erkenntnisse darüber gibt, inwieweit die Psyche an ungewollter Kinderlosigkeit beteiligt ist, sind jedoch folgende Phänomene zu beobachten: Paare, die sich nach einer erfolglosen Kinderwunschbehandlung zu einer Adoption durchringen, werden plötzlich schwanger. Oder Paare, die sich ärztlich behandeln lassen wollen, können auf einmal auf natürlichem Weg schwanger werden. Auch wenn viele Fachleute diese Beobachtungen eher für einen Mythos halten und meinen dieser setze erneut unter Druck, gibt die Tatsache einigen Paaren wieder Mut und Zuversicht. Louisa Harter


21. November 2013

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DIE NOVUM

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Rätsel

DIE NOVUM

scherz- VorRundhaft: gesetzter siedlung Geld (Militär) in Afrika

Figur aus Befehl, sechs Noten Auftrag (Musik) Hauptstadt Lettlands

persönSpender, liches Schenker Fürwort

Körnerfrucht

Sänger mit tiefer Stimme

nichtselegante würdiger Kutsche Mensch

Sagenheld der Schweiz

Unvertrautheit

gegorener Honigsaft

Amtstracht

liturg. Schulterkragen d. Papstes

Zeugnisnote (befriedigend) östlicher Nachbarstaat Syriens

römischer Liebesgott Peinigung

Telekopie (Kurzwort)

Hülsenfrucht

kurz für: um das

Zahl ohne Eigenwert

Mediziner

Baufacharbeiter

Kurzform von: Maria

besitzanzeigendes Fürwort

Kurort im Spessart (Bad ...)

Mann an d. Unternehmensspitze

ablehnender Bescheid

gewaltsame Wegnahme

Montag, den 25.11.2013 Schollenfilet, paniert, gebraten Remouladendip, Bratkartoffeln Bohnensalat | Erzgebirgischer Schwammerltopf mit Waldpilzen und Kräutern Semmelknödel | Putensteak mit Früchten, Currysoße Scharfes WokAsiagemüse Mie-Nudeln, Yasmin-Duftreis | mensaVital Schweinerückensteak Peperonisoße, Bandnudeln, Gurken-, Bohnen-, Radieschensalat Dienstag, den 26.11.2013 Grillwürstchen, Chilidip, Pommes frites, bunter Salat | Ravioli mit Käsefüllung, dazu Gemüsebolognese | Bardierte Hirschkalbskeule Apfelrotkohl, Rosenkohl, Kartoffelpüree | mensaVital Mediterrane Hähnchenpfanne, Mandelromanesco, Kurkumareis Die Novum wünscht guten Appetit!

Kurzform von: Juliane

starke Schnur

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frühere Währungseinheit in Italien

förmenglisch: liche ja Anrede

Mensaplan

Freitag, den 22.11.2013 Geschmorte Paprikaschote mit Hackfleisch gefüllt, Tomatensoße Reis, Salatgarnitur | Gefülltes Käseschnitzel Gouda Basilikumsoße, Risoleekartoffeln Amsterdamer Salat | Lachssteak am Zitronengras Dill-Senf-Dip, Spitzkohlgemüse Paprika- Maisgemüse, Tagliatelle | mensaVital Hähnchenbruststeak auf Ratatouille, dazu Grillkartoffeln

biblischer Priester

kleiner Karpfenfisch

Sportboot

Donnerstag, den 21.11.2013 Wiener Backhend’l, Pommes frites Esterhazysalat | Scharfe Reis-Pfanne mit Salzmandeln und Räuchertofu veganes Gericht | Spießbraten mit Curryzwiebeln Karotten-Zucchinigemüse, Kräuterdrillinge, kleine Kartoffeln, gebraten | mensaVital Seelachswürfel mit Kirschtomaten in Weißwein-Limonensoße, Tagliatelle

frühere Einheit d. Druckes verblüht (Abk.)

höchstes überirdisches Wesen

Musikstück für drei Instrumente

PassionsWüste spielort im Iran in Tirol

Saiteninstrument, Lyra

Stadt am Niederrhein

medizinisch: durch den Mund

Begriff der Wortlehre

Stern im „Adler“

französischer Abschiedsgruß

Wassermarder Seihgerät

Grundfarbe

21. November 2013

1010-100410AR

Impressum

Grüße Ich würde Gerne die drei Knörfler Grüßen. Die Stammgäste der Enjoybar senden Grüße an Hanna F. Das nächste Mal wieder bis zum Ende. Schön wars wieder mit dir. Jan An das Kongressteam des Medienforum 2013: ihr ward ganz große Spitze. Es hat mega viel Spaß gemacht. Jetzt sind wir ja nicht nur ein Team, sondern auch Freunde :P Besonderen Dank auch an meine zweite Leitungshälfte. PS: Ich habe da mal eine kurze Frage. Liebe Grüße Selly Liebe Medi, lieber Graukopf, der Schnortz grüßt euch recht herzlich aus der Novumredaktion um 01:21 Uhr.

Liebe Grüße an alle angehenden neuen Feuerwehrfrauen und -männer. Auf eine weiterhin schöne crossmediale Arbeit :) Liebe Omi, lieber Opi, schön, dass ihr eine Urkunde gewonnen habt. Freue mich auf euch, Phie! Hinweis Ihren Gruß schicken Sie bitte an: gruesse@die-novum.de. Des Weiteren weisen wir darauf hin, dass Grüße keine fremdenfeindlichen, rassistischen, persönlichkeitsverletzenden oder in anderer Art gegen bestehendes Recht verstoßende Inhalte aufweisen dürfen. Bei Verletzung dieser Richtlinien behalten wir uns rechtliche Schritte vor.

Kinoprogramm

Folgende Filme werden in der Filmbühne Mittweida, in der Woche vom 21. November bis zum 27. November gezeigt: Turbo Donnerstag bis Mittwoch 16:15 Uhr

Die Tribute von Panem 2 – Catching Fire Donnerstag bis Mittwoch 17:45 Uhr und 20:15 Uhr Fack Ju Göthe Freitag und Samstag auch 22:30 Uhr Donnerstag bis Mittwoch 17:15 Uhr+ 20:00 Uhr Samstag und Sonntag auch 14:30 Uhr Freitag und Samstag auch 23:00 Uhr Samstag und Sonntag auch 14:15 Uhr Filmbühne Mittweida Theaterstraße 1, Telefon: 0 37 27 / 31 42

Die Novum ist eine Ausbildungszeitung der Fakultät Medien / Die Novum Print der Hochschule Mittweida, unterstützt von: AMAK AG und Medieninstitut Mittweida e.V., Verleger gemäß SächsPresseG vom 3. April 1992: Mittweida Research, Division GmbH / AMAK AG, Technikumplatz 17, 09648 Mittweida, www.amak.ag Geschäftsführerin: Silke Knauer Vorstand: Prof. Dr. Otto Altendorfer Anschrift: Hochschule Mittweida, Redaktion Die Novum-Print, Leisniger Straße 9, 09648 Mittweida E-Mail: redaktion@die-novum.de, www.die-novum.de; Herausgeber: Fakultät Medien V.i.S.d.P.: Prof. Dr. Michael Hösel Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Andreas Wrobel-Leipold Chefredaktion: Sophie Herwig, Corinna Robertz CvD: Sandra Winnik Politik: Erik Lindner Hintergrund: Simon Grübler Lokales: Eric Klapper, Claudia Metzner Hochschule/Wissenschaft: Susann Schadebrodt Sport: Maximilian Desczyk Leben & Gesellschaft: Susann Schadebrodt Feuilleton: Corinna Robertz Marketing: Annabell Saupe Anzeigen: Marcus Winkler Grafik: Sara Bieder Layout: Philipp List, Ulrike Dorn Foto: Marie-Luis Langfeld, Alexander Heidel Online: Felix Aue Technik & Druck: Christian Greim, Sindy Herrmann, Markus Linz Vertrieb: Nancy Matschke


Weißes Blatt

21. November 2013

WAS

DIE NOVUM

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Was wollten Sie schon immer mal in der Novum sehen und lesen? Interessieren Sie sich für tagespolitische Themen oder Kunst und Kultur? Schreiben Sie uns einen Leserbrief, wir sind gespannt auf Ihre Meinung!

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An: chefredaktion@die-novum.de

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Die interessantesten Zuschriften werden veröffentlicht und auf dieser Seite gedruckt!


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Feuilleton

DIE NOVUM

21. November 2013

Der Moment der Macht

Eine Kampagne der EMMA fordert die Abschaffung des deutschen Prostitutionsgesetzes

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einbaren. Dabei gab es schon im alten Griechenland Prostitution. Sexualität auszuleben war damals normal, jedoch genauso normal wie eine Frau lediglich aus diesem Zweck heraus zu mieten. Sex gegen Geld und Frauen als Sklavinnen der Männer. In Deutschland war das Gewerbe lange eine Grauzone. Erst mit der Berlinerin Felicitas, die eine Anbahnungsgaststätte eröffnete, kam der Stein ins Rollen. Behörden wollten den Laden 1999 schließen lassen. Felicitas setzte sich zur Wehr und gewann den Prozess. Das Verwaltungsgericht befand Prostitution als nicht sittenwidrig. Seitdem dürfen Sexarbeiterinnen ihren Lohn einklagen und sind sozialversichert. Die rot-grüne Bundesregierung verabschiedete 2002 das Prostitutionsgesetz. Die Legalisierung war ein guter Versuch, jedoch scheiterte er in der Umsetzung und einfacher wird ihre Arbeit alledem nicht. Ausländische Einwanderer bieten ihre Dienste günstiger und gezwungenermaßen mit weniger Sicherheit an. Davon bekommt die Gesellschaft aber wenig mit. Vorurteile bestimmen weiterhin

das Bild der Prostituierten in den Köpfen der Bürger. Genau aus diesem Grund verheimlichen viele der Frauen ihren Beruf. Laut Bundesagentur für Arbeit sind lediglich 44 Prostituierte in der Bundesrepublik gewerblich gemeldet. Die Frauen haben Angst. Vor allem vor den Vorurteilen und der gesellschaftlichen Ächtung. Klischees, wie man rutsche in das Drogenmilieu ab oder man gerate in kriminelle Machenschaften, weichen nicht aus den Köpfen der Menschen. Vergessen wird aber, dass nicht alle Frauen Opfer sind und zur Prostitution gezwungen werden. Eine Prostituierte verkauft ihren Körper für Geld. Der Mann, der ihre Dienstleistung kauft, sucht vielleicht nur schnellen Sex. Vielleicht sucht er aber auch Nähe, Liebe, oder einen Moment der Macht. Sexuelle Fantasien, die in einer Beziehung nicht ausgelebt werden können, werden mit einer Sexarbeiterin erfüllt. Damit wird die Prostituierte eben doch zu einer modernen Sklavin ihrer Kunden. Bei Problemen mit den Arbeitsbedingungen oder den Freiern hilft dann der Verein Hydra. Eine autonome Huren-

organisation, die sich seit 1980 in Deutschland für die soziale und rechtliche Gleichstellung von Prostituierten einsetzt. Hydra selbst kommt aus der griechischen Mythologie und ist ein Schlange, der nach Abschlagen des Kopfes zwei weitere nachwachsen. Ähnlich unschlagbar soll die Arbeit der Organisation sein. Die Beratungsstelle geht davon aus, dass in Deutschland seit 2011 rund 400.000 Frauen und Mädchen auf den Strich gehen. Die Chefredakteurin der EMMA, Alice Schwarzer, will mit ihren Appell gegen Prostitution auf die Gräueltaten im Hintergrund aufmerksam machen. Das deutsche Gesetz braucht eine Reform. Momentan ist es schwerer, einen einfachen Kiosk aufzumachen, als ein Bordell. Das Prostitutionsgesetz ist zwar der erste Schritt in die richtige Richtung, jedoch wurde versäumt dieses weiter auszubauen und vor allem zu kontrollieren. Es bietet noch zu viele Schlupflöcher für kriminelle Handlungen und menschenrechtliche Verletzungen. Die aufgeschreckten Politikerinnen der großen Koalition werden das wohl hoffentlich ändern. Johanna Hollo Lisa Patzer

exarbeit ist die moderne Sklaverei der Frau. Das steht in großen Lettern auf dem Titel des Feministenblatts EMMA. Gefördert wird die Kampagne von vielen Prominenten wie der Schauspielerin Senta Berger, dem Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar, sowie der TV-Köchin Sarah Wiener. Plötzlich aufgerüttelt, wollen Politikerinnen der Großen Koalition drei Tage später das deutsche Gesetz ändern. Es gibt durchaus Frauen, die diesen Beruf bewusst gewählt haben, Huren aus Leidenschaft - kontert der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistung. Deren Mitbegründerin Johanna Weber will sich für die Rechte der Sexarbeiterinnen einsetzten, anstatt diese zu verurteilen. Der Verband kämpft gegen Klischees. In Deutschland herrsche viel zu stark der Eindruck, dass Sexarbeit etwas Schlechtes sei und nur unter Zwang passiere. Im öffentlichen Bewusstsein sei der Beruf der Sexarbeiterin ganz unten angesiedelt. Viele Menschen könnten deren Tätigkeit nicht anerkennen oder mit ihren moralischen oder religiösen Überzeugungen ver-

400.000 Frauen schaffen auf den Straßen in Deutschland an. Das Prostitutionsgesetz ist ein gut gemeinter Versuch, scheitert aber in der Umsetzung.


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