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DIE NOVUM

Politik und Wirtschaft

14. Mai 2014

Irrgarten Mittweida

Die vielen Baustellen in und um Mittweida sorgen für Unmut ereits im vergangenen Winter war die Verärgerung der Mittweidaer Bürger groß: „Eine Katastrophe! Ich habe keine Ahnung, wie ich hier wegkommen soll“, sagte der Student Christian Mütze kurz vor den Weihnachtsferien. Das Problem: Nahezu sämtliche Zufahrtstraßen waren wegen Bauarbeiten blockiert und in der Stadt legten Bagger Teile des Verkehrsnetzes lahm. Ein halbes Jahr später droht sich das Szenario zu wiederholen, denn nun wird in der Burgstädter- und Dresdener Straße gebaut. Mittweida wird zum Verkehrslabyrinth. Nach dem Geschmack von Mittweidas Oberbürgermeister Matthias Damm (CDU) ist Christian Mützes Wahrnehmung „etwas übertrieben“, doch dass die vielen Baustellen schon seit einigen Jahren die Gemüter der Bürger erregen, streitet er nicht ab. Derzeit stehen besonders die Baumaßnahmen in der Burgstädter Straße in der Kritik. Dort lässt das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr den Belag erneuern, das eigentliche Problem stellt aber eine marode Stützmauer dar. Nachdem es 2006 einen Hangrutsch gab, ist die Situation vor Ort „sehr abenteuerlich“, wie Katja Winkler, Leiterin des Pflegeheims „Zwirnereigrund“ sagt, das unmittelbar an der Baustelle liegt. Doch Matthias Damm

Philip Schott

B

Mittweidas Straßen gleichen einem Gemälde: An beidem ist die Arbeit nie ganz abgeschlossen.

kann Katja Winkler keine Entwarnung geben: „Nach der Instandsetzung haben wir dieselbe Situation wie vorher“. Der Hintergund ist, dass Mittweida keinen Einfluss auf das Bauvorhaben hat, da es sich rechtlich um eine Staatsstraße handelt. Das zuständige Landesamt hat für das unkoordinierte Vorgehen eine eher allgemeine Erklärung: „Alle unsere Tätigkeiten sind witterungsabhängig“. Be-

reits im September 2011 war Mittweida von Baustellen umzingelt. Dort staute es sich an den Umleitungen, weil unter anderem die Chemnitzer Straße neu asphaltiert wurde. Die Bürger ärgerten sich vor zweieinhalb Jahren, weil die Erneuerung der Dresdener Straße viel dringender war. „Wenn wir die Dresdener Straße in Angriff nehmen, müssten wir auch die Straßenentwässerung erneuern. Dann

wäre mindestens ein halbes Jahr gesperrt“, versuchte Amtsleiter Karsten Mühlmann damals die Situation zu erklären. Das zuständige Straßenbauamt Chemnitz verschob die Sanierung. Inzwischen ist die Chemnitzer Straße fertig und die Dresdener Straße befindet sich im Bau – noch immer. Oberbürgermeister Damm rechnet jedoch nur noch mit höchstens zwei Wochen Bauzeit. Es seien nur noch „Restarbeiten, die im Dezember 2013 witterungsbedingt nicht ausgeführt werden konnten“. Wie lange unterdessen der Bau der Verbindungs- und Kreisstraße zwischen Altmittweida und Frankenau dauert, ist ungewiss. Beim zuständigen Landratsamt Mittelsachsen war niemand zu einer Äußerung bereit. Klar ist hingegen, dass demnächst auch noch die Zufahrtsstraße zum Autobahnanschluss Hainichen saniert wird. Matthias Damm prognostiziert: „Mit Sicherheit wird es wieder erhebliche Einschränkungen geben“. Bleibt für alle Mittweidaer Bürger und Besucher nur zu hoffen, dass der Plan für Umleitungen diesmal ausgefeilter ist. Denn bei der Abstimmung zwischen Bauträgern, Verkehrsbehörden, Polizei und Busunternehmen schien zuletzt einiges schief gelaufen zu sein. Thomas Kraftschenko

Die klingenden Taschen des Martin Schulz Ein Kommentar von Alana Di Filippo as politische Personal in Brüssel und Straßburg steht immer wieder in der Kritik. Im Zentrum der aktuellen Debatte steht diesmal sogar der derzeitige EUParlamentspräsident und Kandidat für das Amt des Kommissionspräsidenten Martin Schulz (SPD). Der Skandal, der das EU-Parlament erschüttert: Schulz hat sich ganz sozialdemokratisch steuerfreies Tagegeld zahlen lassen, obwohl er gar nicht körperlich im Parlament anwesend war, sondern im Wahlkampf durch ganz Europa reiste. Freilich, Schulz bestreitet die Vorwürfe. Schön blöd, dass diese direkt aus dem Herzen des EU-Parlaments kommen: dem Haushaltskontrollausschuss. Die Fakten sprechen eindeutig gegen ihn: Er bekommt seit Amtsantritt zusätzlich zu sonstigen Bezügen pro Tag ein Tagegeld in Höhe von 304 Euro gezahlt, das sich im Jahr auf 110.000 Euro summiert – steuerfrei, wohlgemerkt. Das Tage-

dpa: Stephanie Pilick

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Ach wie gut, dass niemand weiß...

geld, dass alle Abgeordneten erhalten, wird üblicherweise nur für Anwesenheitstage in den Gebäuden der EU gezahlt und soll Ausgaben wie Unterkunft und Verpflegung am Arbeitsort ausgleichen. Manchmal ist sogar noch ein Weinkeller inklusive Personal mit drin. Aber das ist eine andere Geschichte. De jure steht Schulz als Par-

lamentspräsident das Tagegeld unabhängig von der Anwesenheit an 365 Tagen pro Jahr zu. Schulz hat das Geld aber sogar für jene Tage genommen, an denen er nachweislich nicht für die EU, sondern ausschließlich in eigener Sache als Wahlkämpfer unterwegs war – dies dokumentierte er sogar selbst auf seinem Facebook-Account. Erst seit dem 18. April erhält er kein Geld mehr – angeblich auf eigene Veranlassung. Zugegeben, rechtlich mag es sich um eine Grauzone handeln, moralisch ist der Fall jedoch klar: Schulz lässt sich seinen Wahlkampf von den Steuerzahlern versilbern. Schulz ist kein unbeschriebenes Blatt. Im März wurden Gerüchte laut, er habe enge Mitarbeiter auf lukrative Beamten-Posten gehievt. Ein ganz schöner Frechdachs, dieser Schulz. Und was beinhaltet sein Wahlkampf so? Also: Martin Schulz will die Finanzmärkte regulieren, damit sich Erspartes nicht plötzlich in Luft auflöst. Verständlich, wer sechsstellige Sum-

men kassiert, will diese auch behalten. Er will Steuerschlupflöcher für Millionäre und Großkonzerne schließen, damit mehr Geld für Schulen und Straßen bleibt. Ebenso verständlich, denn wenn der Chef versorgt ist, muss noch etwas für hart arbeitende Fachpolitiker übrig bleiben. Für die vielen Abgeordneten der EU, die – ob anwesend oder nicht – fleißig Tagegelder kassieren. Die EU wird von den etablierten Parteien so leidenschaftlich verteidigt, weil sie nichts anderes ist als ein geniales Geschäftsmodell für Politiker: Abgeordnete, abgehalfterte Partei-Granden und Beamte verdienen Spitzen-Gehälter, ohne Steuern zu zahlen. Verdienen müssen das Geld die Bürger Europas. Und wenn es nicht mehr für alle langt, müssen die Bürger sparen. Man kann mit Fug und Recht von einem Feudalsystem sprechen. Oder auch: Die sicherste Steueroase der Welt.


Hintergrund

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Vom Vater zerstört, vom Sohn neu erschaffen

Das Turmkreuz der Frauenkirche: eine deutsch-britische Versöhnungsgeschichte resden am 13. Februar 1945. Sprengbomben fallen aus unzähligen britischen Flugzeugen auf die Innenstadt, zerstören Dächer und Straßen, töten Menschen. Die Hitzewelle der Brandbomben bringt selbst Glas zum Schmelzen. Dresden steht in Flammen. Das Kreuz, das auf der Kuppel der Frauenkirche thront, stürzt vom Dach zu Boden und wird unter Schutt und Steinen der einstürzenden Kirche begraben. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Turmkreuz von dem britischen Bomberpiloten Smith zerstört und als Geste der Versöhnung von dessen Sohn Alan Smith rekonstruiert. Nach dem Ende der archäologischen Enttrümmerung fand zum Advent 1995 ein Gottesdienst in der Frauenkirche statt. „An diesem Tag kamen die Engländer das erste Mal auf die Dresdner zu, mit dem Ansinnen, die Frauenkirche zu unterstützen, was im ersten Moment natürlich nicht auf Gegenliebe traf“, erzählt der Architekt und Leiter der Kirchbauverwaltung, Thomas Gottschlich. Dresden Trust ist ein Forum, das die Verbindung zwischen den Briten und Dresdnern fördern soll. Zudem soll es als Friedenssymbol eine kulturelle Zusammenarbeit schaffen. Dresden Trust veröffentlichte eine Ausschreibung zur Rekonstruktion des Turmkreuzes der Frauenkirche.

Geheime Motivation Eine der Bewerbungen kam von der Londoner Gold- und Silberschmiede Grant MacDonald, einer international bekannten Luxusmarke, für die Großbritanniens beste Kunsthandwerker arbeiten. Einer davon war damals Alan Smith. Als er von der Ausschreibung und der Suche eines Schmieds für die Nachbildung des Turmkreuzes erfuhr, wollte er den Auftrag unbedingt bekommen, erzählte er in einem früheren Interview mit der Stiftung Frauenkirche Dresden. „Ich setzte alles daran, ihn zu bekommen, überzeugte meine Firma, dass wir es schaffen können. Meine Motivation erzählte ich zunächst keinem“, so Smith.

Kriegserinnerungen Sein Vater steuerte 1945 eines der Bombenflugzeuge der Royal Air Force. Über den Krieg sprach er nie viel. Erst mit zwölf Jahren sollte Alan Smith das erste Mal von dem Angriff auf die

sächsische Hauptstadt erfahren. „Durch den Feuerball, der auf dem Rückflug noch meilenweit zu sehen war, wurde er sich des Horrors und des Leids bewusst. Er wollte, dass Dresden nicht in Vergessenheit gerät“, beschreibt Alan Smith die schmerzlichen Erinnerungen seines Vaters an den Zweiten Weltkrieg. Smith Senior wurde darüber zum Pazifisten und wollte dauerhaften Frieden für sich und seine Familie. In dieser Grundhaltung erzog er seinen Sohn Alan Smith und dessen Geschwister. „Grant MacDonald selbst wusste nichts von der Familiengeschichte von Alan Smith. Erst nach der Vergabe des Auftrags erfuhr er davon“, berichtet Gottschlich. Als die Presse von Smiths Hintergrundgeschichte erfuhr, stürzte sie sich auf ihn. Der anfänglichen Verwunderung folgten positive Reaktionen. „Selbst die Kriegsveteranen, die mit meinem Vater gedient hatten, klopften mir zustimmend auf die Schulter“, erzählte er in dem Interview mit der Stiftung Frauenkirche Dresden.

Simon Grübler

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Beginn der Rekonstruktion Anhand von Originalzeichnungen des Dresdner Architekten und Ratsbaumeister Johann Georg Schmid fertigte Alan Smith das neue Kuppelkreuz. Nach alten Schmiedetechniken aus dem 18. Jahrhundert, hämmerte er das neue Kreuz aus Stahl und Kupfer. Zum Schluss legte Smith drei Schichten Blattgold auf, die als Schutzhülle für die Ewigkeit dienen sollen. „Die Sonnenstrahlen umgeben den Wolkenkranz, welche den Blick auf das Himmelreich darstellen und die andere Welt symbolisieren. Im Zentrum des Kreuzes wird die Dreifaltigkeit durch die drei Tropfen verdeutlicht“, erklärt Thomas Gottschlich. Das Kreuz befindet sich auf einer Kugel, welche aus zwei Kupferblechen besteht und einen Durchmesser von 1,5 Metern hat. Um die zwei Hälften vernieten zu können, musste Smith in die Kugel kriechen.

Versöhnungsgeschenk „Für uns alle war die Arbeit an dem Turmkreuz eine lebensverändernde Erfahrung“, zitiert Gottschlich den Vorstandsvorsitzenden des Dresden Trust, Alan Russell. „Und rückblickend wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, so beschreibt der Architekt den Zufall der Zusammenarbeit mit dem Sohn des ehemaligen

Hoch oben thront das goldene Kreuz über Dresden – als Zeichen der britisch-deutschen Versönung.

Royal Air Force-Piloten. Mit Hilfe von 2.000 britischen Spendern, darunter auch das Königshaus, wurden 600.000 Pfund für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche gesammelt. Zum 55. Jahrestag der Zerstörung am 13. Februar 2000 übergaben die Schirmherren des Dresden Trust, Herzog Edward von Kent und der Präsident Dr. Alan Russell, das fertige Turmkreuz an die Dresdner Frauenkirche – ein symbolisches Geschenk des Leids und der Versöhnung. Bis zum 22. Juni 2004 stand es vor der westlichen Fassade. Erst vier Jahre nach der Übergabe wurde es auf seinen ursprünglichen Platz gehoben. Als Sinnbild der Kraft der Versöhnung steht es nun in Erinnerung an das alte Kreuz auf der Kuppel in 91 Metern Höhe. Das alte Turm-

kreuz befindet sich zum Zeichen der Mahnung und des Gedenkens im Innenraum der Frauenkirche. An dieser Stelle können Kirchenbesucher Kerzen anzünden und ihre Gebete in ein Buch schreiben.

Letztes Puzzleteil Der Londoner Kunstschmied starb im Jahr 2012 an Krebs. Doch Alan Smith erfüllte sich seinen Lebenstraum und den Wunsch seines Vaters, in dem er das neue Turmkreuz der Dresdner Frauenkirche schmiedete und eine Geste der Versöhnung schuf. „Es war wie die Fertigung eines sehr komplizierten Puzzles, in dem sich die Vergangenheit und die Zukunft nahtlos ineinander fügen“, vergleicht Smith. Vanessa Pohl


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Hochschule und Wissenschaft

14. Mai 2014

Zwei Kulturen, eine Uni

Hendrik Gutmann

Deutschland und die Türkei eröffnen gemeinsame Universität in Istanbul

Türkische und deutsche Studenten lernen von nun an gemeinsam in Istanbul.

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ie gilt als „Leuchtturmprojekt“ der türkisch-deutschen Hochschulkooperation: die neue Türkisch-Deutsche Universität TDU in Istanbul. Ihre feierliche Eröffnung erfolgte Ende April durch Bundespräsident Joachim Gauck und seinen türkischen Amtskollegen Abdullah Gül. Beide Länder hatten 2008 den Aufbau einer gemeinsamen Universität mit deutscher Unterrichtssprache vereinbart. Da es jedoch immer wieder zu einigen Anlaufschwierigkeiten kam, verzögerte sich die Eröffnung um einige

Monate. Der Lehrbetrieb wurde bereits im vergangenen Wintersemester aufgenommen. Der türkische Staatschef sieht die neue Universität als große Chance für das eigene Land. Über 5000 Firmen mit deutschem Kapital seien in der Türkei tätig, etwa drei Millionen Türkischstämmige lebten in Deutschland und rund fünf Millionen deutsche Touristen besuchen das Land Jahr für Jahr. Die TDU solle schnell zu einer „Elite-Universität“ heranwachsen, um besonders Führungskräfte für deutsch-türkische Unternehmen aus-

zubilden. Der deutsche Bundespräsident würdigte die Universität als einen „Ort interkultureller Begegnung, der besonders dafür prädestiniert ist, junge Menschen aus der Türkei und aus Deutschland zusammenzuführen“. Die neue Institution liege direkt an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien und diene somit als Zentrum für den Austausch von Wissen und Ideen zwischen den Kulturen. Auch die Bundesministerin für Bildung und Forschung Johanna Wanka hat große Erwartungen: „Wir wissen die Talente von Menschen zu schätzen, die in zwei Kulturen zu Hause sind und die mehrere Sprachen sprechen. Gerade das Potenzial unserer jungen, gut ausgebildeten Menschen, der Nachwuchswissenschaftler aus beiden Ländern und der ausgewiesenen Experten, bieten wichtige Chancen, sowohl für Deutschland als auch für die Türkei.“ Juristisch gesehen ist die TDU eine türkische Universität. Der Studienablauf und die Studieninhalte orientieren sich an deutschen Vorbildern, die Dozenten kommen aus Deutschland oder sprechen zumindest fließend die deutsche Sprache. Die Türkei übernimmt den Großteil der laufenden

Kosten, das deutsche Lehrpersonal wird von der Bundesrepublik bezahlt. Studiengebühren werden keine erhoben. Rund 5000 Studenten soll die Universität einmal Platz bieten, derzeit sind es erst 124. Durch den deutschsprachigen Unterricht, werden die Wirtschafts-, Naturund Sozialwissenschaftler an der TDU auf die Arbeit in deutschen Unternehmen im eigenen Land und auch in Deutschland eingestimmt. „Wer gerne über Landesgrenzen hinaus in die Arbeitswelt eintreten, oder in internationale Unternehmen einsteigen will, sollte unbedingt hier studieren“, meint Tunja Kaya (22), Student mit türkischen Wurzeln. „Ich sehe aber auch für Deutschland einen großen Vorteil. Die türkische Bevölkerung ist im Vergleich zu der deutschen noch sehr jung und die Konsumbereitschaft ist noch lange nicht ausgeschöpft.“ Ziel beider Länder ist es, das Gebiet der Forschung und Bildung weiter auszubauen und vor allem viele weitere Länder zur Zusammenarbeit aufzufordern. Der erste Schritt in diese Richtung ist mit dem Aufbau der Türkisch-Deutschen Universität getan. Felina Schmeckenbecher

Schön und gesund mit Mr. Rhineharts Zauberpulver

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äglich beschäftigen wir uns bewusst, oder unbewusst mit dem Thema Essen. Wir überlegen, was wir kochen, was wir dafür einkaufen müssen und wen wir vielleicht zum Essen einladen möchten. Das nimmt pro Tag gut und gerne einige Stunden in Anspruch. Deshalb stellen die Entwickler eines neuartigen Pulvers namens Soylent die Frage –“Was wäre, du dir nie Gedanken ums Essen machen müsstest?“ Dabei handelt das Team rund um den Erfinder Rob Rhinehart nicht nur getrieben von dem Verdruss über vergeudete Zeit. Sie wollen mit ihrer Entwicklung eine ausgewogene und vollwertige Ernährung für jeden Menschen auf der Welt erschwinglich machen. Im Gegensatz zu Obst oder Gemüse, ist das Pulver viel länger haltbar und könnte damit auch eine Antwort auf die Ernährungsprobleme der Dritten Welt sein. Das geschmacksneutrale Pulver, das mit Wasser und einem mitgelieferten Öl angemischt wird, soll alle Nährstoffe, die der Mensch zum Leben braucht enthalten und richtet sich nach den Ernährungsempfehlungen

für Amerikaner des US-Gesundheitsministeriums. Rhinehart selbst hat sich mehrere Monate ausschließlich von Soylent ernährt und seine Blutwerte waren hervorragend, er hatte viel mehr Energie und sein Gewicht war normal. Kritik erntet er von Ernährungswissenschaftlern, die auf fehlende Langzeitstudien hinweisen. Um das Projekt zu finanzieren, startete er eine Crowdfunding-Kampagne und sammelte mehr als eine dreiviertel Million US-Dollar. Mit dieser Finanzierung im Rücken, entwickelt er das Pulver immer weiter und inzwischen hat der offizielle Verkaufsstart über die Webseite begonnen. Je nach gekaufter Menge variiert der Preis für eine Mahlzeit mit Soylent zwischen zwei und drei Euro. Die ausschließliche Ernährung durch Soylent wird zwar keine Option sein, aber die Möglichkeit, einige der Mahlzeiten durch den Shake zu ersetzen, regt zum Nachdenken an. Wenn Kochen im Prinzip überflüssig sein wird, was macht dann zum Beispiel VOX mit Formaten, wie das „Das perfekte Dinner“? Peter Brändel

Robin Kuzmowicz

Pulvershakes als Nahrungsmittelersatz der Zukunft

Soylent – Der Shake, der andere Nahrungsmittel überflüssig machen soll.


Hochschule und Wissenschaft

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Schlau in 3 Minuten Blaue Lippen

Herzhaft Gähnen

Internationale Füße

Wimpernwuchs

Anstelle eines zart rosa Schmollmundes prangen plötzlich blaue Lippen im Gesicht. Wenn Sie gerade aus einem kühlen See oder aus dem Meer gestiegen sind und Ihr Körper deshalb unterkühlt ist bildet sich die sogenannte „zentrale Zyanose“. Sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut rapide ab, können sich die roten Blutkörperchen nicht mehr an diesen binden und verlieren ihre rote Farbe, das Hämoglobin. Das Ergebnis der verlorenen Bindung zeigt sich in einer bläulichen Einfärbung des Blutfarbstoffes. Die Blaufärbung verschwindet, sobald sich die Körpertemperatur erhöht.

Früh, nachmittags oder abends kurz vor dem Einschlafen. Der Mensch gähnt täglich mehrmals. Als Art Reflex ist Gähnen unkontrollierbar und lässt sich nicht vermeiden. Unklar ist, warum wir gähnen. Forscher sehen mögliche Gründe im Druckausgleich, Sauerstoffmangel, oder bei der Wärmeregulierung im Gehirn. Klar ist: beim herzhaften Aufreißen des Mundes, kommt es zu einer Erhöhung des Blutdruckes und zum Anstieg der Herzschläge. Dabei werden Hirnareale, die wir zum Denken und Lernen benötigen, besser durchblutet. In zahlreichen Studien ist mittlerweile ein Phänomen belegt: Man muss nicht erst jemanden dabei beobachten, wie er gähnt um eine Nachahmung hervorzurufen. Schon die Auseinandersetzung mit dem Thema oder das Lesen des Wortes Gähnen, kann bereits dazu führen, dass man zu gähnen beginnt.

Nicht nur Podophilen – also Fußfetischisten wird aufgefallen sein, dass es auch unter den Füßen verschiedene Formen zu entdecken gibt. Anhand des Längenunterschieds zwischen Großzehe und zweiter Zehe, werden drei verschiedene Fußformen unterschieden: Der „Ägyptische Fuß“, bei dem die zweite Zehe kürzer ist als die Großzehe. Der „Griechische Fuß“, bei dem die zweite Zehe länger ist als der große Zeh und der „Römische Fuß“, welcher auch quadratischer Fuß genannt wird. Bei dieser Fußart sind die zweite Zehe und die Großzehe gleich lang. Laut Wikipedia ist folgende Häufigkeitsverteilung festzustellen: Die ägyptische Form ist die häufigste Fußform, mit 44 %. Die römische mit 36 % und nur 20 % aller Menschen haben eine griechische Fußform.

Wimpern wachsen, und sie fallen bekanntlich auch aus. Unsere Wimpern erneuern sich ungefähr dreimal im Jahr. Das heißt, eine Wimper wächst 100 bis 200 Tage, bevor sie ausfällt. Aber das heißt auch, dass Wimpern relativ langsam wachsen, nämlich circa einen Millimeter in drei Wochen. Zum Vergleich: Kopf- und Barthaare wachsen wesentlich schneller, etwa fünf bis zehn Millimeter in drei Wochen, je nach Typ. Egal ob Wimpern oder Barthaare – Haare wachsen nicht gleichmäßig. Am Anfang wachsen sie relativ schnell, dann fängt das Wachstum an zu stagnieren. Schließlich verkümmert die Haarwurzel und das Haar fällt aus. Bei langen Kopfhaaren dauert dieser Zyklus über Jahre. Bei Wimpern geht es schneller, sie erneuern sich alle drei bis vier Monate. Stefanie Seifert

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5. Spendenlauf Mittweida 13. Juni 2014 Wir sind auch dabei!


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DIE NOVUM

Lokales

14. Mai 2014

„In meinen Texten kommt kein 'Fick dich' vor“ Die Novum im Gespräch mit dem Producer des Campusfestivals 2014

as Campusfestival – Mittweidas sommerlicher Glanzpunkt hat viele Seiten: Ein Rock-Konzert unter freiem Himmel, sowie der Kurzfilmwettbewerb MW48 und ein FreiluftKino sollen am 19. und 20. Juni Zuschauer aus der ganzen Region auf den Hochschulcampus locken. Marcel Nagler alias Samadhi Flash ist Producer und damit der Kopf des Events. Der Medienmanagementstudent will das Team des Campusfestivals zu Höchstleistungen anspornen und das Event zu etwas Großem machen. Wie man dazu ticken muss, verrät Marcel im Gespräch. Worin siehst du deine größte Herausforderung? Motivation. Bei einer guten Veranstaltung sollten alle Teams gut zusammenspielen. Das Schwerste ist es, das Team zu motivieren. Ich will allen vermitteln, dass sie Teil eines Ganzen sind und selbst etwas schaffen können. Dabei setzt sich die Leistung aller wie ein Puzzle zusammen. Sie sollen nicht das Gefühl haben, dass sie nur die Anweisungen von oben befolgen. Wenn ich sehe, dass selbst noch spät nachts überall Leute durch die Gänge gehen, die fürs Campusfestival arbeiten, merke ich, dass das funktioniert hat. Was erwartet uns denn dieses Jahr zum Campusfestival? Dieses Jahr findet nicht nur das Hauptevent statt. Der Bandcontest findet in diesem Jahr im Vorfeld in TV-Shows statt, den 99drei Soundchecks. Statt vier Bands sind es in diesem Jahr neun. Es werden an drei Abenden 99drei Soundcheck-Sendungen mit jeweils unterschiedlichem Genres – Urban, Pop und Rock – stattfinden. Über das Internet findet dann eine Abstimmung statt, bei dem die Fans ihre Lieblingsband auf die Bühne zum großen Abschlußkonzert voten können. Zum Festival spielen die Bands dann miteinan-

Robin Kuzmowicz

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Marcel ist der Producer des Campusfestival.

der und nicht gegeneinander. Nach den Nachwuchsbands krönt seit jeher ein bekannter Headliner das Campusfestival. Wen konntet ihr dieses Jahr gewinnen? Wir haben „Claire“ als Headliner gewinnen können. Wir sind alle Fans von der Band. Außerdem machen „Claire“ Electro-Pop, und passen daher einfach sehr gut zu den Studenten und den Radiohörern von 99drei. Im letzten Jahr haben etwa 800 Leute das Festival besucht. Wie viele Zuschauer erwartest du dieses Jahr? Ich hoffe, dass es 1.500 werden. Ziel ist es, so viele Leute wie möglich aus Mittweida und Umgebung sowie Studenten von anderen Hochschulen zu uns auf den Campus zu locken. Du bist selbst Musiker. Was machst du eigentlich so für Musik? Ich bin klassischer Hip Hopper und mache positive, deutschsprachige Hip Hop-Radiomusik. Meine Texte sind also auch politisch korrekt. Da kommt kein „Fick dich“ drin vor. Produzierst du deine Musik auch selbst?

Das hab ich viele Jahre aus Geldnot gemacht. Ich bin aber seit letztem Jahr unter Vertrag bei einem größeren Stuttgarter Label, bei Tommy Wittinger, dem ehemaligen Produzenten von „Freundeskreis“, „Massive Töne“ und „Gentlemen“. Dein Künstlername ist „Samadhi Flash“. Was bedeutet das eigentlich? „Flash“ ist nur ein Zusatz, meine Lebenseinstellung. Wenn gerade im Songwriting-Modus bin, dann bin ich in einem „Flash“, aber mein Künstlername ist „Samadhi“. Das kommt daher, dass mich alle schon seit früher Kindheit „Sam“ nennen. Über mein Interesse am Buddhismus bin ich dann auf „Samadhi“ gestoßen, das heißt „Der Erleuchtete“. Das ist der höchste, zu erreichende Zustand, den man im Buddhismus haben kann. Du bist jetzt 29 Jahre alt. Bist du ein Spätzünder? Das Problem war, dass ich nie studieren konnte, obwohl ich wollte. Ich hatte keine einfache Kindheit und durch private Probleme konnte ich leider kein Abitur machen. Deshalb bin ich erst einmal in die Berufswelt eingestiegen. Ich habe viele Jahre in der Telekommunikationsbranche gearbeitet und auch ein Unternehmen mit aufgebaut. Außerdem engagiere ich mich seit langem in der Nachwuchsförderung und in der Integrationsarbeit. Zwei Jahre habe ich bei der Agentur für Arbeit Jugendliche beraten. Ich wollte aber unbedingt noch studieren: Dafür habe ich einen Begabtentest gemacht, nach dessen Bestehen man studieren kann. Dann habe ich mich eben für die Hochschule Mittweida entschieden. Warum kamst du vom verschlafenen Stuttgart in die Großstadt Mittweida? Der Inhalt und das, was hier geboten wird, haben mich überzeugt, nach Mittweida zu gehen. Außerdem bin ich

gebürtiger Thüringer. Ich bin also wieder ein Stück in Richtung Heimat zurückgekommen. Was prädestiniert dich für die Aufgabe als Producer? Ich weiß nicht, ob mich was prädestiniert dafür, aber ich wusste, dass ich es machen will und Feuer habe Ich möchte hier etwas bewegen. Ich habe aber auch schon Erfahrung – ich habe in über 250 Shows selbst gespielt und kleinere und größere Festivals mitorganisiert. Von daher weiß ich schon ein bisschen, wie das läuft, aber ich lerne hier natürlich unglaublich viel dazu. Was war dein peinlichstes Erlebnis bei einem deiner Auftritte? Bei einem Auftritt wollte ich einen Schritt nach vorn machen und auf einmal war da keine Bühne mehr und ich bin abgestürzt. Das war ziemlich peinlich, 500 Leute haben lauthals gelacht. Ich habe dann versucht, das so zu verkaufen, als wäre es Absicht gewesen, aber meine blauen Flecken und die zerstörte Technik, die vorher mal ein Mikrofon war, haben mich dann ziemlich schnell auffliegen lassen. Als Producer verbringst du ja viel Zeit an der Hochschule. Wenn du dann mal zum Essen kommst: Mikrowelle oder selber kochen? Definitiv selber kochen. Ich hasse Mikrowellen. Ich glaube, die haben irgendwelche Aliens hier her gebracht. Ich kann mir nicht erklären, wie eine Mikrowelle funktioniert, deshalb nutze ich sie auch nicht. Wie würdest du dich in drei Worten beschreiben? Flash Feelings Flows. Bei mir geht’s vor allem darum, dass alles mit einem Gefühl verbunden ist. Feelings – ich möchte fühlen, was ich tu’. Ich möchte fühlen, dass ich lebe. Flows – Ich bin Hip Hopper. Worte und Sätze die sich reimen, sind mein Credo. Robin Kuzmowicz

Waschbrett, Steckenpferd und Kreisel Museum „Alte Pfarrhäuser“ lädt am 18. Mai zum Museumsfest

ammeln verbindet, denn man kann seine Leidenschaft miteinander teilen. Doch neben der klischeebehafteten Briefmarkensammlung gibt es noch einiges mehr, was das Sammlerherz höher schlagen lässt. Um die Vielfalt des Sammelns zu illustrieren, findet der Internationale Museumstag am 18. Mai, diesmal unter dem Motto „Sammeln verbindet – Museum collections

make connections“ statt, an dem 35.000 Museen in mehr als 140 Ländern teilnehmen. Im Rahmen des Museumstages findet im Museum „Alte Pfarrhäuser“ das kleine Museumsfest statt. Das Thema lautet dieses Jahr: „Waschbrett, Steckenpferd und Kreisel“. Für Kinder und Erwachsene wird es viel zu entdecken

und auszuprobieren geben, etwa wie man seine Wäsche zu Urgroßmutters Zeiten mit Waschbrett, Kernseife und Wäschemangel mühsamwusch. Besonders für die kleinen Besucher gibt es alte Kinderspiele, wie Murmeln, Steckenpferd und Kreisel und Hand-

Lydia Ull rich

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werksnostalgiker können Vorführungen alter Handwerkstechniken wie etwa Stuhlflechten sehen. Alle Interessierten haben am Sonntag von 10 - 17 Uhr Gelegenheit sich in die alten Zeiten entführen zu lassen. Für das leibliche Wohl wird gesorgt. Der Eintritt in den Museumsgarten ist frei, der Museumsbesuch ist ermäßigt. Antje Pohl


Lokales

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Der Verein für alle Fälle

Seit zwanzig Jahren bietet der Müllerhof e.V. Kultur, Bildung und Selbsthilfe n großen Buchstaben steht über dem Tor geschrieben: „Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern“. Nach diesem Motto arbeiten Elisabeth Schwerin und ihr Team seit nunmehr zwei Jahrzehnten im Müllerhof, einem Verein der sich den vielen Aspekten modernen und gesunden Lebens widmet. Am 17. Mai 2014 feiert der Verein sein 20-jähriges Bestehen. Alles begann im Mai 1994. Elisabeth Schwerin war damals junge Mutter von drei kleinen Kindern und wollte mit dem Verein zunächst der Frauenarbeitslosigkeit und damit verbundenen Hoffnungslosigkeit kurz nach der Wende entgegenwirken. „Ich hatte so eine Vision, dass jeder Mensch Fähigkeiten und Begabungen hat, die unabhängig von diesem Systemwandel in das Gemeinwohl eingebracht werden können“. Bereits eine Woche nach Erscheinen eines Aufrufs in der Lokalzeitung gründeten mehr als 30 Frauen den „Verein zur Förderung von Fraueninitiativen“ in Mittweida. „Angefangen haben wir mit vielen Mutter-Kind-Kreisen und Mädchentreffen. Es gab aber auch viele ältere Frauen, die bei uns in einer Weberinnengruppe tätig waren“, so beschreibt Elisabeth Schwerin die Anfänge des Vereins. Zwanzig Jahre später hat sich der Müllerhof e.V. in zahlreichen Themengebieten des soziokulturellen Bereiches weiterentwickelt. Dazu gehören: Selbsthilfegruppen für Krebspatienten, Vorträge und Kurse zu Naturheilkunde und Ernährung, Töpfern, Zeichnen und Fotografieren aber auch Konzerte und Ausstellungen. Dabei hat man sich auf ein breiteres Publikum ausgerichtet. Der ehemalige Frauenverein spricht nun auch immer mehr männliche Kursteilnehmer an. Gemeinsam mit Schulen aus dem Umland

Markus Linz

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Elisabeth Schwerin und Irene Weßling engagieren sich mit Leib und Seele für ihren Verein Müllerhof e.V.

bietet der Verein auch Projekte für Kinder und Jugendliche an. Dementsprechend groß ist auch das Team. „Wir beschäftigen derzeit etwa 40 Frauen und Männer. Wir ermutigen unsere Kursleiter selbständig an den Projekten zu arbeiten“, sagt Elisabeth Schwerin. Ein Teil der Teams ist durch Förderinstrumente wie Jobcenter, Ein-Euro-Jobs oder Halbtagsarbeit integriert worden. Mit dem Erwerb ihres heutigen Standorts, dem Fachwerkhaus am Auensteig, kamen ab 2004 auch viele Ehrenamtliche zum Müllerhof. „Viele Menschen kommen, um ihre Hilfe anzubieten. Wir schauen dann, was für Talente und Fähigkeiten vorhanden sind und setzen die Interessenten gezielt ein.“, so Schwerin. Das breite Angebot stößt auf reges Interesse: „Viele unserer Besucher

sind vor allen bei den Handwerkskursen schon seit vielen, vielen Jahren dabei und dadurch zu Profis geworden. Da kommen sehr gute Ergebnisse heraus.“ Für die Zukunft wünscht sich Elisabeth Schwerin eine noch stärkere Zusammenarbeit mit anderen sozialen Projekten in Mittweida, denn auch nach 20 Jahren steht für sie das soziale Engagement noch immer im Vordergrund: „Was mir einfach immer wieder Freude macht, ist dieses gemeinsame Arbeiten mit Menschen, die nicht viel Geld besitzen, aber dafür aufrichtig und ehrlich sind. Menschen, die nicht in diesen gesellschaftlichen Zwängen und Verhaltensmustern einer heute typischen Firma verankert sind.“ Susanne Masuch

Samstag, 17. Mai 2014 10.00 Uhr buntes Gartenleben: mit Gartenbesichtigungen, neuer Wildsträucher-Lehrpfad, Präsentation der Jugendfeuerwehr, Präsentation der Pfadfinder 15.00 Uhr Festakt zum 20-jährigen Bestehen des Vereins, Vorstellen der Chronik, Grußworte, Kaffee und Kuchen, Bilder aus dem Müllerhof 19.30 Uhr Konzert mit der Band Tonstaub Eintritt: 10,00 Euro Vorverkauf: 8,00 Euro

Kreideband statt grünem Teppich

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m vergangenen Jahr verband noch ein langer grüner Teppich die Einkaufsmeile in Mittweida. Da dieser damals Regen und Schlamm zum Opfer gefallen war, gibt es für die Shoppingund Wirtschaftstage am 17. und 18. Mai eine neue Idee: Der Gewerbering Mittweida lädt am Samstag ab 10.30 Uhr alle Kinder der Region ein, sich ein Stück Kreide zu schnappen und ein „Buntes Bilder-Band“ zu zaubern. Die Veranstaltung und der Malwettbewerb werden durch das Lied „Komm wir malen eine Sonne…“ eröffnet. Das Band

soll sich, wie auch schon zuletzt der grüne Teppich, vom Technikumplatz, über die Rochlitzer Straße und den Marktplatz, bis zum Ende der Weberstraße ziehen. Die benötigte Malkreide kann in allen teilnehmenden Geschäften entlang der Strecke kostenlos abgeholt werden. Als zusätzlichen Ansporn gibt es für jedes teilnehmende Kind einen Gutschein für Zuckerwatte. Natürlich gibt es an den beiden Veranstaltungstagen außer des bunten

Sebastian W eiß

Am 17. und 18. Mai finden in Mittweida die Shopping- und Wirtschaftstage statt Pflasters noch viel mehr zu erleben. Fast 70 Gewerbetreibende aus der Region stellen sich und ihr Angebot vor. Darüber hinaus bieten sie den Besuchern zahlreiche Rabattaktionen und kulturelle Highlights, wie Modenschauen und das Konzert der Band „Brothers of Feinripp“ am Samstagabend vor dem Café „The Coffee Be-

an“. Auch auf der Weberstraße und der Rochlitzer Straße zwischen den Rathäusern stehen Bühnen mit vielfältigem Programm. Zudem findet die Baumesse der Volksbank Mittweida auf dem Marktplatz statt. Dort können sich Bauherren und jene, die es werden wollen, informieren. Autofans werden beim Mittweidaer Autofrühling auf ihre Kosten kommen, bei dem auch TMM, das Rennteam der Hochschule Mittweida seinen neuen Rennboliden „HECtor“ vorstellen wird. Antje Pohl


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Sport

14. Mai 2014

„Schiedsrichter brauchen wir nicht“ Ultimate Frisbee setzt auf den Fair-Play Gedanken

lles begann Mitte des letzten Jahrhunderts in einer Bäckerei in den USA. Im Familienunternehmen von Bäcker William Russel Frisbie spielten die Lehrlinge mit den runden Kuchenbackblechen und warfen sich diese gegenseitig zu. Ein amerikanischer Unternehmer und Erfinder änderte daraufhin das Material und verbesserte die Flugeigenschaften. 1948 war schließlich die erste aus Kunststoff bestehende Wurfscheibe gefertigt und wurde später, in Erinnerung an Bäckermeister Frisbie, auf den Namen „Frisbee“ getauft. In den 60er-Jahren entwickelten Studenten aus New Jersey daraus einen Sport – „Ultimate Frisbee“. Das Laufspiel, bei dem sich zwei Teams mit jeweils sieben Spielern gegenüberstehen, wird meistens Outdoor gespielt. An jedem Ende des Spielfeldes befinden sich zwei rechteckige Endzonen, in die die Scheibe hereingeworfen werden muss. Die Teams versuchen über kurze Pässe die Scheibe in Richtung gegnerische Endzone zu befördern. Dabei gilt: wer in Scheibenbesitz ist, muss stehen bleiben und darf sich nur im Sternschritt bewegen. Nach spätestens zehn Sekunden muss die Frisbee weitergeworfen werden. Der Scheibenbesitz wechselt, wenn ein Pass nicht gefangen wird, die Scheibe im Aus landet oder der Gegner die Frisbee abschlägt oder sogar abfängt. Einen Punkt erreicht eine Mannschaft, indem ein Mitspieler die

Toni Plewe

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Beim Ultimate Frisbee sind Kondition, Sprintstärke, Wurftechnik und taktisches Denken gefragt.

Frisbee in der Endzone des Gegners fängt – ähnlich zum Touch-Down beim American-Football. Auch sonst hat Ultimate-Frisbee etliche Spielelemente mit American Football und Basketball gemeinsam. Wer zuerst 17 Punkte erreicht, gewinnt. Gespielt wird mit einer etwas schwereren und größeren Scheibe, als man sie von herkömmlichen Werbegeschenken kennt. Das faszinierende und einzigartige jedoch ist, dass Ultimate Frisbee komplett ohne Schiedsrichter auskommt. Fouls und andere Regelverstöße wer-

den ausschließlich von den Spielern selbst angezeigt. Fairness wird beim Frisbee groß geschrieben, man setzt auf den Fair-Play Gedanken und den Spaß am Spiel. Auch Max Hecker, UltimateFrisbee Übungsleiter beim Hochschulsport in Mittweida, ist von dieser besonderen Atmosphäre begeistert: „Auf Turnieren kann es auch schon einmal vorgekommen, dass die gegnerische Mannschaft Tipps gibt und einen anfeuert. Es gibt keine richtigen Verlierer und Schiedsrichter brauchen wir nicht“. Ohne Schiedsrichter? Geht das überhaupt? Die Antwort ist simpel:

Fühlt sich ein Spieler unfair attackiert, ruft er laut „Foul“. Daraufhin wird das Spielgeschehen eingefroren – alle Spieler bleiben an ihrem Platz stehen. Erkennt der Gegner dieses Foul an, wird das Spiel mit Scheibenbesitz der gefoulten Mannschaft fortgesetzt. Ist der Gegner allerdings nicht einverstanden und die Spieler können sich nicht einigen, geht die Scheibe zum vorherigen Werfer zurück und das Spiel wird mit einer Wiederholung der letzten Aktion fortgesetzt. Für viele sicher schwer vorstellbar, dass dieses Prinzip der Gegenseitigkeit funktioniert, aber dies tut es tatsächlich. Der „Spirit of the Game“ ist die Regel Nr. 1 beim Ultimate-Frisbee und steht über allem. Für Studenten der Hochschule Mittweida bietet sich die Möglichkeit, den laufintensiven Sport im Rahmen des Hochschulsports selbst zu betreiben. „Wer gern körperlich an seine Grenzen geht und dabei auch geistig tätig sein will, sollte Ultimate Frisbee auf jeden Fall ausprobieren“, sagt der angehende Wirtschaftsingenieur Max Hecker. Noch fehlen der Truppe ein paar Spieler, um auch an Hochschulmeisterschaften und Wettkämpfen teilzunehmen. Dies soll sich aber möglichst bald ändern. Jeden Montag Abend ab 18.00 Uhr wird auf dem Rasenplatz der Bernhardt Schmidt Grundschule Mittweida trainiert. Hingehen lohnt sich! Florian Kneffel

3. Aufschlag für Altmittweida TC-Grün-Weiß Altmittweida und TC Frankenberg hoffen auf erfolgreiches Tenniswochenende

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achsens Tennisfans dürfen wieder fiebern: Bei den Herren vom TCGrün-Weiß Altmittweida in der 1. Kreisklasse – dieses Wochenende auswärts gegen das Team des TSV Zschopau. Nach ihrem knappen Punktesieg gegen den Tennisverein Siegmar

am ersten Spieltag und einer Niederlage gegen den TC Zwickau gilt es für den Gewinner der Sommersaison 2013 in der 2. Kreisklasse nun den Anschluss nach oben zu halten. Auch die Herren vom TC Frankenberg in der Bezirksklasse A müssen sich am Samstag zu

Hause gegen den TC Marienberg 1969 behaupten. Nach zwei Niederlagen zu Beginn der Saison sind sie eher mäßig in die Saison gestartet. Im Match gegen Marienberg wollen sie den mißlungenen Auftakt nun ausbügeln. Doch leicht werden es ihnen die Gegner nicht

machen – sie bewiesen in ihrem ersten Spiel durch einen hohen Sieg gegen Chemnitz-Altendorf ihr Können. Die Damen des TC-Grün-Weiß Altmittweida treffen am 17. Mai zu ihrem zweiten Spiel der Saison in Stollberg auf ihre Kontrahenten des dortigen SV.

Im Rollstuhl wird hart gekämpft Bei den CHEMLYMPICS starten Sportler mit Behinderung

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rotz Handicap sportlich aktiv werden ist an diesem Wochenende das Motto im Chemnitzer Sportforum. Die CHEMLYMPICS erleben in diesem Jahr bereits ihre vierte Auflage. Mehr als 100 geistig oder körperlich behinderte Erwachsene treten in verschiedenen Disziplinen gegeneinander an. Darunter begeisterte Freizeit-, sowie auch Leistungssportler.

Höhepunkte des Wettbewerbes bilden leichtathletische Einzel- und Teamdisziplinen, wie Weitsprung und Lauf, sowie die Staffelläufe um den Wanderpokal. Medizinballweitwurf, Bogenschießen, Blindenfußball und Wettbewerbe mit dem Rollstuhl stehen ebenfalls auf dem Programm. Beim Rollstuhlbasketball und Rolliparcour werden hart umkämpfte Ent-

scheidungen erwartet. Die CHEMLYMPICS werden durch den Vizepräsidenten des Sächsischen Landtages Horst Wehner eröffnet, der auch die Schirmherrschaft übernommen hat. Der Gebärdenchor „Monael und Friends“ unterstützt ihn bei dem Eröffnungsprogramm mit der Nationalhymne. Organisiert wird das Event als Gemeinschaftsprojekt des Stadtsport-

bundes Chemnitz e.V. und dem Verein „Miteinander statt Gegeneinander e.V.“. Jeder, der die Sportler anfeuern möchte, kann sich am Sonnabend auf den Weg in die Leichtathletik-Mehrzweckhalle Sportforum Chemnitz machen – das Sportfest beginnt um 9:00 Uhr. beide Artikel: Marie-Luis Langfeld


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14. Mai 2014

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Mensaplan Donnerstag, den 15.05.2014 Linseneintopf süß/sauer mit Rauchfleisch, 1 Scheibe Bäckerbrot, Obst | Zigeunerschnitzel veggie, geschmortes Paprika-Esterhazygemüse, Lyoner Kartoffeln | Minifrühlingsrollen mit asiatischem Wok-Gemüse, Glasnudeln | Bandnudeln mit Shrimps, Tomaten-Cognac-Rahm, Rocolasalat

Die Novum ist eine Ausbildungszeitung der Fakultät Medien / Die Novum Print der Hochschule Mittweida, unterstützt von: AMAK AG und Medieninstitut Mittweida e.V., Verleger gemäß SächsPresseG vom 3. April 1992: Mittweida Research, Division GmbH / AMAK AG, Technikumplatz 17, 09648 Mittweida, www.amak.ag

Freitag, den 16.05.2014 Schweinesteak au four, Fingermöhren-Erbsengemüse, Backofenkroketten | Chili sin carne mit Soja, Bohnen, Mais, Paprika und Tomaten, Pilawreis | Lammrücken, Rosmarinsoße, Schwarzwurzelgemüse, Pilzbohnen, 4 kleine Röstitaler

Leider stand uns zu Redaktionsschluss noch kein Speiseplan für die Woche vom 19. - 23. Mai zur Verfügung. Wir bitten daher um Verständnis. Den aktuellen Speiseplan der Mensa Mittweida kann man auch über www.studentenwerk-freiberg.de oder über die HSMW-App erreichen. Die Novum wünscht guten Appetit!

Kinoprogramm

Grüße Dem Philipp Neuhaus nochmal alles Gute zum Geburtstag nachträglich, die Luxus WG. Wir grüßen die Fritzi mit einer ordentlichen Bockfotzn und hoffen das sie ihre Woche Facebookfrei unbeschadet übersteht. Wir glauben an dich liebe Fritzi!

Hinweis Ihren Gruß schicken Sie bitte an: gruesse@die-novum.de. Des Weiteren weisen wir darauf hin, dass Grüße keine fremdenfeindlichen, rassistischen, persönlichkeitsverletzenden oder in anderer Art gegen bestehendes Recht verstoßende Inhalte aufweisen dürfen. Bei Verletzung dieser Richtlinien behalten wir uns rechtliche Schritte vor.

Folgende Filme werden in der Filmbühne Mittweida, in der Woche vom 14. bis zum 21. Mai gezeigt: Rio 2 – Dschungelfieber Donnerstag bis Mittwoch 17.00 Uhr Samstag und Sonntag auch 14.45 Uhr

Stromberg Sonntag bis Mittwoch 20.00 Uhr Freitag und Samstag auch 22.15 Uhr

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand Donnerstag bis Mittwoch 20.00 Uhr

The Lego Movie – 3D Samstag und Sonntag 15.00 Uhr

Bibi & Tina Samstag und Sonntag 14.45 Uhr The Lego Movie Donnerstag bis Mittwoch 17.00 Uhr NOAH Donnerstag bis Samstag 19.45 Uhr

Impressum

Godzilla – 3D Donnerstag bis Mittwoch 17.15 Uhr &19.45 Uhr Freitag und Samstag auch 22.15 Uhr

Filmbühne Mittweida Theaterstraße 1 Telefon: 0 37 27 / 31 42

Geschäftsführerin: Silke Knauer Vorstand: Prof. Dr. Otto Altendorfer Anschrift: Hochschule Mittweida, Redaktion Die Novum-Print, Leisniger Straße 9, 09648 Mittweida E-Mail: redaktion@die-novum.de, www.die-novum.de; Herausgeber: Fakultät Medien V.i.S.d.P.: Prof. Dr. Michael Hösel Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Andreas Wrobel-Leipold Chefredaktion: Sophie Herwig, Corinna Robertz CvD: Sandra Winnik Politik: Erik Lindner Hintergrund: Simon Grübler Lokales: Eric Klapper, Claudia Metzner Hochschule/Wissenschaft: Felina Schmeckenbecher Sport: Maximilian Desczyk Leben & Gesellschaft: Mareike Rückert Feuilleton: Corinna Robertz Marketing: Stefanie Seifert Anzeigen: Lydia Nordengrün Grafik: LydiaUllrich Layout: Philipp List, Ulrike Dorn Foto: Marie-Luis Langfeld, Torsten Schwarz Online: Felix Aue Technik & Druck: Christian Greim, Sindy Herrmann, Markus Linz Vertrieb: Franziska Keller


Leben & Gesellschaft

14. Mai 2014

DIE NOVUM

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Glühender Stahl und heißer Met R

Tonio Fuentealba

auchschwaden ziehen durch die Luft und verbreiten den Geruch von gebratenem Fleisch. Bunte Banner flattern im Wind. Ein Burgfräulein läuft in einem langen Kleid über den Hof der Burg Kriebstein, gefolgt von stolzen Rittern in glänzender Rüstung. Ein blechernes Hämmern ertönt. Die Augen schweifen über die Stände und durch die Menschenmassen. Und tatsächlich: Dort steht ein Schmied und formt geschickt mit dem Hammer ein Schwert aus glühendem Stahl. In der Taverne fließt heißer Met in Strömen. Noch ein Schluck von diesem süßen Honigwein – und das Mittelalter zieht einen völlig in den Bann. Der mittelalterliche Jahrmarkt, der damals zu den wichtigsten gesellschaftlichen Ereignissen zählte, mausert sich auch heutzutage wieder zu einem Besuchermagneten. Was ist das für eine Welt, die jährlich tausende Besucher anzieht? Warum diese Abkehr von der modernen Entwicklung und die Sehnsucht nach dem rückständigen Mittelalter? „Das Mittelalter ist faszinierend. Es wird als eine andere Welt mit einfacheren Regeln und

Ordnungen gesehen, die im Gegensatz zu unserer komplexen Gesellschaft steht“, erklärt Georg Koch, Mitarbeiter des Projektes Living History, das versucht, geschichtliches aufzuarbeiten und nachzustellen. Doch nicht nur die andere, fremde Welt fasziniert die Besucher. Es ist auch das „Wir-Gefühl“, das bei den Menschen auf dem Markt hier auf Burg Kriebstein zu spüren ist. Dazu trägt besonders die Verkleidung bei, die viele Marktteilnehmer liebevoll „Gewandung“ nennen. Die Liebe zum Detail bei der Kleidung, den Ständen, aber auch im Umgang untereinander, spielt eine wesentliche Rolle. Sie verstärkt das MittelalterGefühl enorm. Das Spektakel eines solchen Events verdrängt heute den ursprünglichen Zweck des Kaufs und Verkaufs von Nahrung, Kleidung und Vieh. Heute unterhalten vor allem Livemusik, Gaukler und inszenierte Ritterkämpfe die Menschen. Und auch die Besucher können beim Kerzenziehen, Papierschöpfen oder Kinderschminken selbst mitmachen. Was heute wie damals bleibt: Man trinkt und isst zusammen und kommt somit unter Menschen. Die Märkte verbreiten jedoch lediglich ein Mittelalter-Gefühl und geben selten einen

Simon Grübler

Mittelaltermärkte lassen die Vergangenheit aufleben

Der gemeinschaftliche Familienausflug auf den Mittelaltermarkt wird sichtlich genossen.

authentischen Einblick in das mittelalterliche Leben. Das liegt für Georg Koch allein schon daran, dass „das Mittelalter“ an sich nicht greifbar ist: „Mit diesem Begriff wird ein tausendjähriger Zeitraum beschrieben, der in vielen Belangen keinesfalls als konstant bezeichnet werden kann.“ Der Mittelaltermarkt ist quasi eine wilde Mischung aus vielen historischen Epochen, die sich zum Teil markant unterscheiden. Der gewöhnliche Besucher, ist jedoch nicht in der Lage, dies zu erkennen. Für ihn ist es einfach „mittelalterlich“. Auch werden die Besucher heute nicht mit damali-

gen Krankheiten, katastrophalen Hygienezuständen und einer Ohnmacht gegenüber klerikaler und adliger Herrschaft konfrontiert. Doch ob nun historisch korrekt oder nicht, heute dominiert die idealisierte, romantisierte Vorstellung vom Mittelalter. Diese Freude und das Interesse für´s Mittelalter ist genau das, was die Veranstalter den Besuchern mitgeben möchten. Und die Gelegenheit, sich wie in Kindertagen zu verkleiden und das Mittelalter aufleben zu lassen, kann einem niemand streitig machen. Simon Grübler

„Damals konnte eine Axt noch Probleme lösen“ Redaktion, Foto: Simon Grübler

Besucher beschreiben ihre Erfahrungen auf Mittelaltermärkten

Thomas Jentzsch (45), Schmelzer Ich finde Mittelaltermärkte cool. Meine Tochter hat mich drauf gebracht. Seit zwei Jahren gehe ich im Sommer mindestens einmal im Monat zu solch einem Markt. Ich habe auch noch eine protzige Edelman-Gewandung. Mich fasziniert das Mittelalter, weil es damals eine ehrliche Zeit war. Wenn du ein großes Problem mit jemandem hattest, dann hast du ihm eine Axt in den Schädel geschlagen. Damals konnte eine Axt noch Probleme lösen.

Frank Saupe (53), Markthändler Für mich geht es vor allem ums Geld verdienen. Aber gleich danach kommt natürlich auch der Spaß und die Leidenschaft. Sonst hätten ich und meine Frau das nicht 15 Jahre ausgehalten, in der Woche in unseren normalen Beruf zu arbeiten und am Wochenende mit dem Stand für Duftstoffe auf den Märkten zu stehen. Meist sind wir im Dreiländereck Sachsen, Thüringen und SachsenAnhalt unterwegs.

Gabriele Martius (60), Kauffrau für Tagebauausrüstung Geschichte fasziniert mich. Vor zehn Jahren bin ich aus Neugier das erste Mal auf einen Markt gegangen. Das Interesse ist schnell stetig gestiegen und ich habe mir eine eigene Gewandung zugelegt. Früher bin ich mit meinem Mann auf die Mittelaltermärkte gegangen. Er ist jedoch gestorben und seit dem gehe ich allein hin. Es ist vor allem schön, neue Menschen zu treffen. Mit vielen habe ich Kontakt gehalten.

Sophie Badelt (19), Auszubildende Ich bin das zweite Mal auf einem Mittelaltermarkt. Anfangs noch ohne Verkleidung und jetzt mit einem schönen Kleid. Mein Freund ist Mittelalter-Fan und hat mich einfach mal mitgenommen. Ich bin eigentlich nicht geschichtsbegeistert, finde aber die Atmosphäre und die Location schön. Auf anderen Festen verkleidet man sich sonst nicht, darum finde ich das besonders toll. Ich trinke hier auch sehr gerne den leckeren Met.


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Feuilleton

DIE NOVUM

14. Mai 2014

„Früher war ich schizophren, aber jetzt sind wir wieder ok!“ Benjamin Tomkins im Interview mit Die Novum

enjamin Tomkins ist Bauchredner. Mit großer Leidenschaft, viel Ironie und Wortwitz zieht er das Publikum in seinen Bann. Das war auch beim WarmUp des Campusfestivals 2014 nicht anders. Mit seinem Programm „Der Puppenflüsterer – Früher war ich schizophren, aber jetzt sind wir wieder ok!“, hat er die Lachmuskeln des Publikums stark beansprucht. DIE NOVUM hat den Puppenflüsterer zum Interview gebeten. Wer bist Du und was machst Du? Ich bin Bauchredner, aber das ist nicht so wichtig. Ich mache alles Mögliche – fahre durch die Gegend, spiele mit meinem Hund, trinke Kaffee weiß und esse gerne Sushi. Was war den dein erster Gedanke, als dein Management dir sagte, wir haben eine Show in Mittweida? Wo ist denn jetzt Mittweida, das habe ich gedacht. Mir war klar, dass die Stadt irgendwo im Osten ist. Dann habe ich mal gegoogelt und gesehen, dass es gar nicht weit weg ist von meiner Wahlheimat Berlin. Das sieht ja alles ganz nett aus, lass uns da mal hinfahren. Woher bekommst du die Persönlichkeiten für deine Puppen? Das kommt meistens von allein. Wenn ich eine Puppe habe, dann schaue ich sie mir an und dann ergibt sich meis-

Campusfestival Mittweida

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Der Bauchredner mit seiner Puppe „Alter Sack“ auf der Bühne.

tens etwas. Es ist ja so, dass jede Puppe schon irgendetwas mitbringt. Wenn du zum Beispiel so einen Sack siehst, dann weißt du, dass es kein Blumenkind wird. Der Charakter für die Puppen entsteht auch meistens beim Spielen mit ihnen. Vor deiner Tätigkeit als Puppenflüsterer hast du schon viele andere Dinge gemacht. Erzähl doch mal. Ich habe eine Disco gehabt, war Taxifahrer in San Francisco und auch als Journalist tätig. Sogar als Spaßlehrer habe ich gearbeitet – so als Ersatzlehrer nur für Klassenfahrten. In Kenia

habe ich Hotels getestet, das war ein cooler Job. Ich habe einfach viele Sachen ausprobiert. Das klingt, als wärst du sehr abenteuerlustig. Woher kommt das wohl? Abenteuerlust ist nichts, was einfach da ist – es ist etwas, das sich entwickelt. Es sind Dinge, die du zum ersten Mal erfährst oder ausprobierst und dann merkst, es macht dir Spaß. Wenn du den Mut hast, das Risiko einzugehen und es nochmal zu machen, dadurch entsteht ja erst die Abenteuerlust. Je öfter du es machst, desto häufiger willst du auch.

Wie hast du dein Talent zum Bauchreden entdeckt? Auf einer Weihnachtsfeier. Ich habe da zufällig entdeckt, dass ich das Talent dafür habe. Wir hatten einen Bauchredner im Fernsehen gesehen und haben es alle ausprobiert. Sprechen, ohne dass sich die Lippen bewegen, das ist Bauchreden. Woher kommt die Inspiration für deine Puppen? Das entsteht irgendwie, genau wie Abenteuerlust. Oder meine Puppenbauerin, Steffi aus Leipzig, entwirft sie einfach. Dann schaue ich sie mir an und meistens hat sie dann Recht und ich habe einen neuen Gefährten zum Spielen. Was macht so eine perfekte Puppe für dich aus? Sie muss einen persönlichen Ausdruck haben. Du musst sie ansehen und denken „Wow“. Jede deiner Puppen hat einen persönlichen Charakter. Wie oft kommt es vor, dass du im Alltag einen Charakter deiner Puppen annimmst? Eigentlich gar nicht. Ab und zu nehme ich mir mal die Stimme des „alten Sacks“, zum Beispiel im Straßenverkehr. Wenn ich fluche im Stau, erwische ich mich, wie ich mit der Stimme des „alten Sacks“ spreche. Benjamin Berger

Mehr als drei Scherben in einer Vitrine Das erste archäologische Museum in Chemnitz bietet alte Funde in moderner Präsentation eine reine Vitrinenschau soll es sein, kein fünfsekundenlanges Starren auf einen Topf aus Ton und die heimliche Frage, ob der Nebenmann in dem Exponat wohl mehr erkennt. Smac, das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz, will gegen das staubtrockene Image der Museen ankämpfen. „Das Smac darf man sich nicht wie ein klassisches Museum vorstellen. Hier gibt es nicht nur eine Vitrine mit drei Scherben drin. Es ist sehr modern gestaltet mit vielen Installationen und Panoramen. Viele Themen sind multimedial aufgearbeitet, um diese besser zu veranschaulichen“, erklärt die Pressesprecherin Jutta Boehme. Nach sieben Jahren Planung wird das Smac am 16. Mai im sanierten Kaufhaus Schocken eröffnet. Den Besucher erwarten 300 000 Jahre sächsische Menschheitsgeschichte auf drei Etagen und 6000 Exponaten, die auf einem halben Fußballfeld verteilt sind. Das

Smac

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Das Kaufhaus Schocken wurde komplett saniert und reizt mit modernem Design.

klingt dann doch nach vielen Vitrinen. Abwechslung soll das schwebende Landschaftsmodell von Sachsen bringen, das durch Videoprojektionen entsteht und sich in verschiedene Landesregionen auflösen und wieder zusammensetzen kann. In unserer Zeit technisch machbar, im Kopf schwer vorstellbar. Einfacher bei einem der anderen Highlights. Der „gläserne Neander-

taler“ ist an den „gläsernen Menschen“ aus dem Hygienemuseum in Dresden angelehnt und soll einen besseren Einblick in das Innere unseres Vorgängers geben. Daneben findet sich, vor allem für Chemnitzer interessant, die Geschichte des Hauses und des Konzerns Schocken, das zu seiner Zeit zu einem der größten Warenhausketten in Deutschland zählte. Themen, die bei

der Planung der Ausstellung nicht ignoriert werden konnten. „Das Kaufhaus Schocken ist für Architekten ein Juwel. Es wurde von Erich Mendelsohn erbaut – einer wahren Ikone der klassischen Moderne. Das Kaufhaus war in seiner Zeit ein absoluter Bruch in der Architektur – sehr ästhetisch und funktional“, erzählt Jutta Boehme. Ob das Zusammenspiel zwischen den alten Landesschätzen Sachsens und der technischen Moderne funktioniert, kann an dem dreitägigen Bürgerfest, das bei der Eröffnung stattfindet, getestet werden. An diesen Tagen ist der Eintritt frei und das Museum ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am Samstag öffnet das Smac noch einmal seine Türen für alle Nachtschwärmer. Ab 20 Uhr wird das Foyer zur Lounge umfunktioniert und die Ausstellung kann mit einem Cocktail in der Hand und elektronischer Musik bis 22 Uhr bestaunt werden. Diana Elsner

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