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DIE NOVUM Jeden Mittwoch für Mittweida

10. Oktober 2012

Zynische Werbestrategie

Zeitmangel im Studium

Zurück zur Kultur

Sächsische Löhne nähern sich den fernöstlichen Nationen an – damit gewinnt der Freistaat Investoren – Seite 2

Durch die neue EU-Richtlinie müssen Medizinstudenten ihre Ausbildung in fünf statt sechs Jahren abschließen. – Seite 4

Heimische Mahlzeiten werden in Deutschland unterbewertet. Ein Chinese entdeckt die deutsche Küche – Seite 7

Maria Krause

Lokalpatriotismus am Auto

Bald schon dürfen wieder altbekannte Kürzel das Auto-Kennzeichen zieren

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on RL und HC über MW, knapp vorbei an MSN zu FG: Die KFZKennzeichen für Mittweida haben einen abenteuerlichen Weg hinter sich. Nun kommen die alten Kürzel wieder. Wie der Bundesrat am 21. September 2012 entschied, darf in naher Zukunft unter anderem wieder die Kennzeichnung MW für Mittweida am Nummernschild prangen. Außerdem werden RL für Rochlitz, HC für Hainichen, FLÖ für Flöha, BED für Brand-Erbisdorf und DL für Döbeln wieder zugelassen. FG steht weiterhin für Freiberg, kann aber im gesamten Kreis gewählt werden. „Bis jetzt hat der Bundesrat die Wiederzulassung der alten KFZ-Kennzeichen zwar erlaubt, das Gesetz ist damit allerdings nicht sofort in Kraft getreten“, erklärt Melanie Moritz von der Zulassungsstelle Mittweida: „Bis die Autobesitzer die alten Abkürzungen wieder auf ihre Nummernschilder prägen lassen können, muss von den zuständigen Ämtern noch einiges an Papierkram geregelt werden. Ich den-

ke, Anfang des nächsten Jahres ist es dann erst soweit.“ Insgesamt sind es 45 „neue“ alte Kennzeichen in Sachsen, die bei der KFZ-Zulassung wieder zur Wahl stehen werden. „Es ist viel mehr eine emotionale Sache als wirklich politisch begründet. Der PKW ist für viele Leute eine zweite Wohnung. Und das Kennzeichen ist wie eine Art Hausnummer“, erklärte Oberbürgermeister Matthias Damm, der sich schon lange für die Wiedereinführung des gewohnten MWKennzeichens einsetzte. Er selbst „würde sogar soweit gehen zu sagen, jeder solle sein eigenes Wunschkennzeichen kreieren dürfen.“ In Belgien, Österreich und den USA ist es längst möglich, sich komplette Wunschkombinationen selber zusammen zu stellen. Ein MW am Auto würde auch Maddy Bergmann gefallen. „Ich bin stolz auf Mittweida!“ freut sie sich und möchte das mit ihrem Nummernschild auch zeigen können. Das geht vielen Einwohnern ähnlich. Beim nächsten

Autokauf würden sie ihr Nummernschild gerne auf MW umändern lassen. Das kostet 26 Euro Verwaltungsgebühr plus 25 Euro für das neue Nummernschild und eine Gebühr für das Wunschkennzeichen. „Mein Nummernschild würde ich jetzt aber nicht extra ändern lassen. Das wäre mir die Kosten nicht wert“, meint Jürgen Löbner. Das nächste Auto dürfte dann aber durchaus ein MW-Kürzel tragen. Für Mittweida ist das eigene Kennzeichen also wichtig. Es ist eine Art Markenzeichen für die Stadt, das besonders zur Fußball-WM schöne Wortspiele ermöglicht. Dass sich jede Gemeinde ein eigenes Kfz-Kennzeichen zulegen darf, lehnte der Bundesrat allerdings ab. Die Menge an zusätzlichen Kennzeichen wäre zu unübersichtlich. Ob die Diskussion mit der letzten Entscheidung nun ein Ende gefunden hat, steht noch in den Sternen. Damm hält eine weitere Änderung für wahrscheinlich: „Ich denke, die Kennzeichenwahl wird in naher Zukunft auch völlig freigegeben

werden und Abkürzungen nicht nur der Region zugeordnet.“ Dies wäre wohl auch ganz im Sinne der Initiative “Kennzeichenliberalisierung” des Heilbronner Professors Ralf Bochert. Dieser hatte mit seinem Team in insgesamt 176 Städten über 40.000 Befragungen durchgeführt. Dabei kam heraus, dass 74 Prozent der Befragten die Rückkehr der Altkennzeichen wünschen. Außerdem zeigte die Umfrage, dass zwei Drittel der Befragten aus den alten Bundesländern ebenfalls ihre Altkennzeichen zurück wollen, obwohl dort die Gebietsreform teilweise über 40 Jahre zurück liegt. Das bestätigt das anhaltende und nachhaltige Interesse an dem Thema. „Diese Lösung ist sehr bürgerfreundlich, weil sie auf Freiwilligkeit beruht“, sagt Bochert. Fahrzeughaltern ist es künftig freigestellt, welche Abkürzung auf ihrem Nummernschild zu lesen ist. Für Mittweida bedeutet das die freie Wahl zwischen MW oder dem landkreisbezogenen FG. Liana Nasarow, Carola Ojus

pixelio.de, Natalie Kunze

18. Ausgabe


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Die Novum

Politik und Wirtschaft

10. Oktober 2012

Wie grün ist Bio? Bio war braun bevor es grün wurde. Das wissen auch die Rechten.

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enschenrechte, Toleranz, Weltoffenheit – dafür wird Bio oft in Verbindung gebracht. Es geht aber auch ganz anders: Eine Studie belegt, dass es rechtsextreme Landwirte gibt, die ihre Produkte unter anerkannten Bio-Zertifikaten verkaufen. Die Untersuchung „Braune Ökologen“ der Heinrich-Böll-Stiftung und der Evangelischen Akademie Mecklenburg-Vorpommern bestätigt die permanenten Versuche der rechten Szene sich in der Gesellschaft zu etablieren: Nachhaltigkeit und Ökologie bieten als Dauerthema eine perfekte Grundlage. Im Bericht heißt es, dass die Rechtsextremisten Erkenntnisse aus der Naturbeobachtung auf die menschliche Gesellschaft übertragen. Die NPD nutzt das heute als Begründung für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Der Nationalismus, heißt es etwa in einem internen Schulungspapier, sei die politische Ausprägung des Territorialverhaltens und diene somit der Existenzsicherung und der Arterhaltung, einem biologischen Grundprinzip. Die Rechtsextremisten stützen sich auf den Sozialdarwinismus und wenden den Kampf ums Dasein auf die Gesellschaft an. Das ist keine neue Entwicklung, denn die Umweltbewegung von heute hat braune Wurzeln. Die Naturschutzund Lebensreform-Gruppen, die vor gut hundert Jahren entstanden, waren geprägt von der völkischen Bewegung. Der Geschäftsführer des Bundes

Naturschutz - der Jahrzehnte später im BUND aufging - formulierte 1940 als Aufgabe seines Verbandes, „die Heimat und die Natur sauber und schmuck zu erhalten und zu gestalten an dem Tag, wo das Heer der deutschen Soldaten aus Blut und Krieg heimkehrt in das gerettete Vaterland“. Noch heute verweisen Neonazis gern darauf, dass Hitlers Reichsnaturschutzgesetz bis in die 1970er-Jahre galt. Auch die Grünen in Deutschland entstanden aus der Umweltbewegung und galten deshalb lange Zeit als links-liberal. Dennoch hatte die grüne Partei in Deutschland nach der Gründung mit rechten Strömungen in den eigenen Reihen zu kämpfen. Bis heute gibt es Parteien, die sich mit Umweltthemen beschäftigen und konservativ ausgerichtet sind, wie zum Beispiel die Grüne Partei in Lettland, ebenso wie die ÖDP in Deutschland. Grün heißt also nicht immer links-liberal und Bioproduk-

te sind nicht immer grün produziert. Rechtsextreme Biobauern gibt es nach Informationen der Heinrich-Böll-Stif-

tung insbesondere in MecklenburgVorpommern, aber auch in Bayern und Sachsen sind Fälle bekannt.

Der Verband Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft distanzierte sich in einer Pressemitteilung öffentlich von rechtsradikaler Ideologie. Der Vorstandsvorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein sagt: „Die gesellschaftspolitischen Vorstellungen der Biolandbau-Bewegung sind diametral zu denen, die Nazis vertreten.“ Es stellt sich also die Frage: Wie schafft es der Bio-Käufer, braune Produkte von grünen zu unterscheiden? Gudrun Heinrich von der Arbeitsstelle Politische Bildung an der Universität Rostock empfiehlt, im Bioladen nachzu fragen, ob der Verkäufer mehr über den Produzenten weiß. So könnte noch mehr Nachforschung betrieben werden und das Problem von rechtsextremen Biobauern noch mehr an die Öffentlickeit gelangen. Dieser Druck könnte dazu führen, dass sich der Verkäufer mehr mit der Herkunft seiner Produkte auseinandersetzt. Denn ein Register über politische Ausrichtungen der Biobauern wird es nicht geben, weder von Wissenschaftlern noch von Öko-Verbänden. „Wir wollen keinen Boykott nahelegen. Es ist auch okay, wenn jemand sagt 'Mir ist wichtig, dass die Möhre bio ist, ob sie braun ist, ist mir egal`“, sagt eine Expertin eines mecklenburgischen Zentrums für demokratische Kultur. Der Verbraucher solle selbst entscheiden, ob er Bioeinkauf und rechte Politik trennen kann. Florian Barth

Bangladesch an der Elbe Ein Kommentar von Daniel Wölfel

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inge es nach Invest in Saxony, einer Webseite der Wirtschaftsförderung GmbH Sachsen, würde im Freistaat bald Arbeitsverhältnisse wie in vielen Teilen Asiens herrschen. Laut dem landeseigenen Unternehmen, das für die Wirtschaftsvermarktung im Freistaat zuständig ist, sollen Niedriglöhne, neben Fachkräften und Infrastruktur neue Investoren anlocken. Während sich die Politiker damit brüsten, neue Firmen für Sachsen gewonnen zu haben, geht es den Arbeitern immer schlechter. Teilweise kämpfen sie ums finanzielle Überleben. Auch wenn Mietpreise, Heizungs- und Wasserkosten laut Wirtschaftsförderung niedriger sind als beispielweise in München, mit einem Einkommen von 25 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt können sächsische Bürger einem leidtun. Dabei ist die größte Kontro-

verse, dass die Bundesregierung eigentlich seit Jahren einen Lohnausgleich zwischen Ost und West propagiert. Der Durchschnittslohn Sachsens, der bei knapp 1000 Euro liegt, soll an die bundesweiten 1350 Euro angeglichen werden. Aber anscheinend ist es der Regierung des Freistaates lieber, die Löhne nicht an den Westen, sondern eher an den fernen Osten anzupassen. Bei einer Landtagssitzung ließ die Opposition kein gutes Haar daran. Eine solche Forderung sei zynisch, kein Vorteil für Sachsen, sondern eher ein Grund zum Schämen, lautete ihr Vorwurf. Zahlreiche Bürger dürften angesichts dieser Ankündigung des Mi-

nisterium-Unternehmens geschockt reagiert haben, denn viele leben bereits nur mit dem Nötigsten. Sollen im Freistaat demnächst Arbeitsverhältnisse wie in Bangladesch oder Thailand herrschen? Die CDU weist die Kritik an der Wirtschaftsförderung GmbH zurück.

„Es sind ordentliche Jobs entstanden“, so ihr sozialpolitischer Sprecher Alexander Krauß, „die Rentenkassen sind voll“. Anderer Meinung ist dagegen Grünen-Politiker Miro Jennerjahn, die Werbung mit Dumpinglöhnen fördere lediglich eine Altersarmut und bringe hart arbeitende Leute

um ihren wohl verdienten Lohn. Der Maurer Michael Steiner sieht es ähnlich : „Wieso sollte ich für 1000 Euro monatlich 40 Stunden und mehr die Woche arbeiten?", fragt er sich, „ich habe keine Zeit für meine Familie und Freunde. Da kann ich auch zuhause bleiben und Hartz IV beziehen, da bekomme ich sogar mehr ausgezahlt“. Verständlich: Alle reden von Altersarmut, schon Schüler und Studenten fürchten um ihre Rente - und nun auch noch für Dumpinglöhne arbeiten? Wovon sollen die Sachsen in Zukunft noch leben? Durch Niedriglöhne werden viele Arbeiter nicht mehr in der Lage sein, Geld für ihre Altersvorsorge zu sparen. Ohne Wende in ihrer Lohnpolitik, könnte Sachsens Regierung viele Bürger vor massive Probleme stellen. Nicht nur in der Familien- sondern auch in der Altersplanung.


10. Oktober 2012

Hintergrund

Die Novum

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Plastik regiert die Welt

stock.xchng / boti gotti

Kunststoff ist allgegenwärtig und eine Gefahr für die Umwelt, Mensch und Tier.

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eevögel sterben trotz vollem Magen, da sie zu viel Abfall schlucken. Fische nehmen MikroplasteTeilchen aus dem Wasser auf. Dieser Fisch liegt dann auf unserem Teller und so gelangen die Schadstoffe in die menschliche Nahrungskette“, beschreibt Bernd Heinitz vom Naturschutzbund Sachsen. Er ist der Meinung, dass „ein Leben ohne Plastik möglich ist – Millionen von Menschen tun das im globalen Süden tagtäglich. Die Frage ist eher, ob wir das in der Industriegesellschaft wollen und dafür all die Nachteile in Kauf nehmen würden.“ Bereits jetzt gibt es sechsmal mehr Plastik im Ozean als Plankton. Diese Verschmutzung kann nicht mehr rückgängig gemacht werden, denn die Mikroplastik-Teilchen, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind, lassen sich nicht einfach aus dem Wasser herausfiltern. Durch UV-Strahlung können Kunststoffe angegriffen und somit instabiler werden. Diese zerfallen im Wasser in kleinere Plastik-Teilchen. „Die Auswirkungen sind gravierend, wenn dadurch Mikroplastik entsteht“, erklärt Heinitz weiter. Die Tiere verwechseln ihre eigentliche Nahrung mit Plastik.

Das Experiment Die zwei Studenten Stella Meyer und Matthias Jobke aus Chemnitz starteten vor etwa zwei Jahren das Experiment „Leben ohne Plastik“. Gemeinsam eröffneten sie einen Blog, auf dem sie ihre Erfahrungen mit

anderen Usern teilen möchten. Stella Meyer schreibt: „Plastik ist schlecht. Schlecht für die Gesundheit und schlecht für die Umwelt. Deshalb haben wir uns entschlossen, Plastik soweit das möglich ist, aus unserem Leben zu verbannen“. Zusammen wollen die zwei Chemnitzer herausfinden, wo ihre Grenzen liegen, wo Plastik umgangen werden kann und welche Alternativprodukte es gibt. Mittlerweile befindet sich Kunststoff nahezu überall. Plastik ist und bleibt ein absolutes Allround-Talent. Es ist billig, leicht, bunt und beliebig formbar. Diese Eigenschaften sprechen für den täglichen Gebrauch, doch Plastik verbirgt Gefahren und braucht außerdem etwa 450 Jahre um zu verrotten. Der extrem hohe Verbrauch kann umgangen werden, indem auf Alternativen umgestiegen wird. „Anstatt Duschbad kann feste Seife benutzt werden“, schlägt Matthias Jobke vor. „In Seifengeschäften gibt es diese in allen erdenklichen Geruchssorten, oft nicht in Plastik verpackt. Und sie lassen sich meiner Meinung nach auch viel besser dosieren.“ Waschmittel kann mit Kastanien ersetzt werden. „Kleingehäckselt werden sie in einem Strumpf zusammengeknotet und mit in die Waschmaschine gegeben. Kostet nichts und macht die Wäsche schön sauber.“ Aber bei einem Ersatz für die Zahnbürste fanden die zwei Blogger nicht so schnell eine Lösung. Zu Weihnachten bekam Matthias Jobke einen Miswak-Zweig geschenkt. Es war eine ziemliche Umstellung für ihn: „Der Miswak-Zweig

hat die ‚Bürste‘ frontal und nicht seitlich, wie bei einer normalen Zahnbürste, was das Putzen erschwert.“ Das Besondere an dem Zweig ist, „dass er unter anderem eine große Menge an Fluorid enthält und somit Zahnbürste und Zahnpasta in Einem ist“, beschreibt Jobke. Offensichtlich ist die ständige Suche nach neuen Alternativen nicht immer einfach. Der Vorteil hingegen ist, „dass wir viel mehr darauf achten, was wir eigentlich kaufen und ob wir das auch wirklich brauchen. Gleichzeitig kaufen wir viel regionaler ein, was den Produzenten vor Ort unterstützt“, erzählt Jobke stolz. Sie kaufen ihr Obst und Gemüse beim Biobauern um die Ecke ein und verzichten auf unnötige Plastikverpackungen im Supermarkt.

Unsichtbare Gefahr Aber nicht nur auf Kunststoffgegenstände und -verpackungen sollte geachtet werden, denn auch in Schraubgläsern lauert die Gefahr, wie Nicole Merbach, Redakteurin von Stiftung Warentest erzählt: „Die Weichmacher befinden sich in Deckeldichtungen. Kommen sie mit Öl und anderen fettigen Lebensmitteln in Kontakt, können sie ins Essen übergehen“. Gelangen diese giftigen Stoffe nun in den menschlichen Körper, kann das schlimme Folgen haben. „Tierversuche weisen daraufhin, dass die Fruchtbarkeit und das Hormonsystem beeinflusst werden kann. Das Problem bei Weichmachern in Le-

bensmitteln ist, „dass der Mensch sie nicht riechen, nicht schmecken und nicht sehen kann. Dadurch hat der Verbraucher relativ wenige Chancen das Ganze zu umgehen“, beschreibt Merbach. Auch Kinderspielzeug kann Schadstoffe beinhalten. Die Stiftung Warentest hat festgestellt: „Bei Plastikspielzeug sollte zu Produkten gegriffen werden, die aus hartem Kunststoff bestehen, weil die gesundheitsschädlichen Weichmacher eher im weichen Kunststoff PVC gefunden wurden.“ Nicole Merbach ist der Meinung, dass „jeder in seinem Alltag schauen kann, dass er seinen Plastik-Müll möglichst reduziert. Sei es beispielsweise schon beim Einkauf. Es sollten nicht zehn Plastiktüten gekauft, sondern ein Stoff beutel mehrfach benutzt werden.“ Mit diesem Trick haben Matthias Jobke und Stella Meyer ihr Experiment begonnen. Sie denken, dass ein Leben ohne Plastik machbar ist, weil sie Kompromisse zulassen: „Es lässt sich nicht alles vermeiden, wie zum Beispiel bei Medizin oder elektronischen Geräten, aber wir wollen so weit wie möglich plastikfrei leben. Wir haben immer noch Spaß neue Dinge auszuprobieren und Alternativen zu finden.“ Jeder kann einen kleinen Teil zur Verringerung der riesigen Müllberge beitragen, in dem er selbst etwas auf seinen Plastikverbrauch achtet. Claudia Kretzschmar Blog von Stella Meyer und Matthias Jobke: www.leben-ohne-plastik.de


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Die Novum

Hochschule und Wissenschaft

10. Otkober 2012

Leben zwischen Vorlesung und Feierei Eine Reportage über das Studentsein in Mittweida

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„Hier sind die Studenten sehr offen, hilfsbereit und ehrlich“, meint Jana. Und diese Hilfsbereitschaft hat die Studentin sofort verinnerlicht und packte gleich mit an. Eine wildfremde Wohnung wurde so binnen kurzer Stunden zum Partyraum umgebaut. Bei so viel Spaß ging das „Kontakte knüpfen“ ganz leicht, versichert Jana.

aute Musik, der Alkohol fließt in Strömen. Sarah und Chris begrüßen sich herzlich. Der Tag hatte mindestens eine Vorlesung zu viel. Doch an der Hochschule Mittweida ist der Tag mit bloßer Anwesenheit in Vorlesungen und Seminaren noch längst nicht vorüber. Sarah moderierte den „Feierabend“ bei 99drei Radio Mittweida, Chris recherchierte für einen Bericht für DIE NOVUM. „Vormittags studieren und nachmittags produzieren“ kann anstrengend sein, doch es war gerade für Sarah und Chris ausschlaggebender Faktor in Mittweida zu lernen.

Echte Freundschaft

„Hier haben Studenten die einmalige Chance sich auszuprobieren und unter professionellen Bedingungen erste praktische Erfahrungen zu sammeln“, beschreibt die Medienmanagementstudentin die Vorzüge des Mittweidaer Modells. Doch das ist jetzt schnell vergessen. Lehrbücher, Mitschriften und die Projekte rücken im Angesicht der bunten Scheinwerfer im Studentenclub augenblicklich in weite Ferne. Hier treffen sich die unterschiedlichsten Charaktere, doch das gemeinsame Tanzen und Lachen lässt sie alle zu einer Gemeinschaft eng zu-

Emilian Enew

Wichtige Praxiserfahrungen

Zwischen Vorlesungssaal und Partymeile gibt es oft wenig bis gar keine Unterschiede.

sammenwachsen. Die Nächte durchfeiern und Freunde fürs Leben finden - statt trockene Bücher zu wälzen und staubigen Theorien zu lauschen. Die Hochschulausbildung kann zahlreiche Abenteuer bereit halten. Gerade hat das Wintersemester begonnen. Langsam füllt sich der Campus wieder mit Leben. Wo noch vor wenigen Wochen die aus Wild-West Filmen bekannten Steppenläufer über

die Rochlitzer Straße fegten, erobert das Studentenvolk die Stadt zurück. Unter sie mischen sich zahlreiche „Erstis“, wie die neuen Studenten oft genannt werden. Eine von ihnen ist Jana Bartels. Sie studiert im ersten Semester Medienmanagement. Freudestrahlend blickt die Braunschweigerin auf ihre ersten Tage an der Hochschule zurück. „Die schönste Zeit ihres Lebens“ möchte sie nun in Mittweida erleben.

So weit weg von zu Hause werden Kommilitonen schnell zum Familienersatz. Ein gemeinsames Miteinander ist ohne Zusammenhalt kaum möglich: „Ich werde fast jeden Tag von hilfsbereiten Kommilitonen aus knietiefem Dreck gezogen“, gesteht Florian Barth. „Wenn ich mittwochs um 4:30 Uhr nach Hause komme und merke, dass ich wieder mal meinen Schlüssel nicht dabei habe, lässt mich meine Mitbewohnerin jederzeit in die Wohnung.“ Langweilig wird es in Mittweida mit den rund 6.000 Studenten jedenfalls nicht. Ein abwechslungsreiches Leben ist hier garantiert. „Mittweida ist, was du draus machst.“ Vanessa Bittroff Einige Namen wurden von der Redaktion geändert.

Per Express zum Dr.med. EU-Kommission will Medizinstudium um ein Jahr verkürzen

Julia

K rei

sig

botern und qualitativ „Es ist absurd, ein hoch ausgebildeten Me d i z i n st ud iu m, Ärzten. Eine weitere das von vornherein Konsequenz sei, in den umfangreich und Augen des Deutschen schwer ist, zu verkürHochschulmedizin e.V., zen“, äußert sich Alldass sich der Studienergemeinmediziner Dr. folg der Studenten vermed. Ulrich Barkminn ringern werde. Besonders sichtlich entrüstet. Viel Ältere und ausländische schlimmer sei es jedoch, Studierende würden die Prüdass sich die praktischen Fäfungen weniger erfolgreich higkeiten verschlechtern. Um absolvieren, da sie aufgrund den Stoff von sechs Jahren Ihrer Voraussetzungen von in fünf Jahren unterzubrinVorneherein schon mehr Zeit gen, müssten die angehenden benötigen um den Lernstoff Mediziner noch mehr Zeit zu verinnerlichen. Das Refür ihr theoretisches Studisultat seien schließlich mehr um aufwenden, so bleibe Studienabbrecher. Eine soweniger Zeit für Pflegeziale Selektion sei ebenso praktika und Weiterbilunvermeidbar. Schließdung. Letztlich seien lich bleibt weniger Zeit es die Patienten, die für die Studenten und von der Verschlechsomit auch für die terung der praktiMöglichkeit Geld schen Fähigkeiten neben dem Stubetroffen sind. Sie dium verdienen haben keinen Einzu können. Auch fluss auf die Wahl zwischen Lernro- Den Studenten rinnt die Zeit durch die Hände. Anja Salten, Assish u,

tudieren Mediziner zukünftig nur noch fünf statt bisher sechs Jahre, um in noch kürzerer Zeit noch mehr zu vergessen? Laut der aktuellen Vorgabe der europäischen Union umfasst die medizinische Ausbildung mindestens sechs Jahre oder 5.500 Stunden. Nach den neuen Vorgaben soll die Studiumdauer um ein Jahr reduziert werden. Die Regelstudienzeit ist zwar weiterhin möglich, allerdings wird der Konkurrenzdruck auf Deutschland stark zunehmen, da andere europäische Absolventen durch die verkürzte Studiendauer einen Wettbewerbsvorteil haben. Um diesen ausgleichen zu können, wird auch Deutschland eine Verkürzung des Studiums einführen müssen. Dann steht den zukünftigen Ärzten für den gleichen Lerninhalt ein Jahr weniger zur Verfügung. Dies hält der Verein Deutsche Hochschulmedizin nicht für realisierbar. Der Lernaufwand würde sich von 72 auf 90 Stunden pro Woche für die angehenden Mediziner erhöhen. Ein derartiger zeitlicher Aufwand sei für die Studierenden nicht leistbar.

sc x.

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tenzärztin im Wilhelmsburger Krankenhaus Großsand, weiß wie schwierig es ist neben dem Studium Geld zu verdienen: „Ich habe ja auch nebenbei gearbeitet, was dann schlicht unmöglich wäre. Das würde bedeuten, dass viele Studenten vom Studium ausgeschlossen werden würden, die es sich selber finanzieren müssten.“ Wer also nicht mit dem Bafög gesegnet ist, wird es schwer haben sich sein Studium zu finanzieren. Die Ausbildung wird schlechter und teurer obendrein: Die angehenden Mediziner brauchen zusätzliche Unterrichts-, Demonstrations- und Übungsräume, der geforderte Kleingruppenunterricht wird ohne Erhöhung der Infrastrukturmittel nicht mehr erfüllt werden können, betont der Deutsche Hochschulmedizin e.V. „Ich denke, dass die Medizin ein umfassendes Studium ist, in das auch genügend Zeit investiert werden sollte. Die Verantwortung, die man im Beruf letztendlich hat, ist einfach zu groß“, gibt Assistenzärztin Salten zu bedenken. Selvim Anna Yüzgülen


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Lokales

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Verbandswechsel für Kriebstein? Neue Vermarktungspläne sollen Tourismusanstieg bewirken as Urlaubsgebiet Kriebsteintalsperre könnte künftig gemeinsam mit anderen Touristik-Verbänden zentral durch die LTM – Leipzig Tourismus und Marketing GmbH betreut werden. Ein Vereinswechsel soll dies ermöglichen. Für den mittelsächsischen Raum ist die Kriebsteintalsperre ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Rund 100.000 Besucher strömen jedes Jahr in das idyllische Talsperren-Gebiet. „Wir sind derzeit Mitglied im Tourismusverband Sächsisches Burgen- und Heideland. Dieser Name zeigt allerdings keinerlei wirklichen Bezug zur Region“, erklärt Thomas Waldheim, Geschäftsführer des Zweckverbandes Kriebsteintalsperre. Denn die Bezeichnung Heideland habe nichts mit der hügeligen Landschaft an der Zschopau gemein. Meist stammen die Touristen Kriebsteins aus der näheren Umgebung, sind auf der Durchfahrt und sehen sich die Attraktionen des Naherholungsgebiets bei einem Tagesausflug an. Im Schnitt gibt jeder von ihnen 20 Euro aus. Bis jetzt war dieser Betrag ausreichend. Doch aufgrund der Kürzung staatlicher Fördergelder ist der sächsische Tourismus immer

stärker darauf angewiesen, eigene Mittel zu erwirtschaften. Mit der Gründung eines neuen Vereins zur Tourismusförderung sollen nun auch Urlauber aus ganz Deutschland und den angrenzenden Nachbarländern angelockt werden. Vom Sächsischen Burgenland e.V. verspricht sich der Zweckverband Kriebsteintalsperre zunehmende Bekanntheit und jährlich fünf Prozent mehr Touristen. Ein Ausbau der örtlichen Infrastruktur, wie Straßenanbindung, Wanderwege, Spielplätze und vor allem Hotels soll zunehmenden Reiz für Langzeittouristen schaffen. „Durch die Bündelung der Marketingkampagnen können wir als ein Teil des Tourismuskatalogs international entdeckt und vom Bekanntheitsgrad Leipzigs mitgezogen werden“, erläutert der Geschäftsführer. Das Problem daran ist, dass der Fokus verstärkt auf dem Leipziger Raum liegt und Kriebstein in den Hintergrund geraten könnte. Ob die Touristen Leipzigs wirklich einen Abstecher ins 80 Kilometer entfernte Kriebstein wagen werden, ist anzuzweifeln. Gegen die neue Mitgliedschaft sprechen ebenfalls die erhöhten Jahresbeiträge. Während der Zweck-

Lars Johannsoh

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Das Wahrzeichen Kriebsteins – künftig unter der Flagge des Sächsischen Burgenlandes.

verband Kriebsteintalsperre bisher nur rund 1.500 Euro zahlen musste, würden die Ausgaben beim Sächsischen Burgenland auf ein dreizehnfaches ansteigen. Grund ist ein neues, derzeit noch umstrittenes Berechnungsmodell: Ein Euro pro Einwohner der Tourismusregion, bestehend aus dem Gemeindegebiet Mittweida und Kriebstein. Die Touristin Daniela Hisch sieht der Namensänderung eher skeptisch entgegen: „Soviel ändert sich ja nicht. Ob

der geplante Touristenanstieg tatsächlich die hohen Kosten decken wird, ist fraglich.“ In einer Woche werden sich Thomas Waldheim, die Bürgermeister aus Mittweida und Kriebstein und der Landrat über den Vereinswechsel beratschlagen. Sollten alle Pläne aufgehen, könnte die gesamte Region rund um Mittweida und Kriebstein mit einem wirtschaftlichen Schub rechnen, der allen zu Gute kommt. Richard Nagel

Mittweida dröhnt

Christoph Scheithauer

Das Jungunternehmen „Big & Bob“ vereint Studenten und Mittweida mit Musik

Noch ist es leer. In einer Woche werden harte Rhythmen das alte Mauerwerk erzittern lassen.

M

ittweida – die Stadt der hochgeklappten Bordsteine? Nicht immer! Beim MW OPEN AIR am 17. Oktober zeigt sich Mittweida in Feierlaune und aus Ruinen keimt neues Leben: Die letzte große Openair-Party dieses Jahres steigt auf dem Gelände der „Plüsche“, der Industrieruine in der Burgstädterstraße 54.

Das Areal, etwa dreimal so groß wie der Studentenclub, bietet genügend Platz für etwa 700 Gäste, die sich auf musikalische Höhepunkte freuen dürfen. So auf die Rock-Band „I come from the sun“, die im Juni beim Campusfestival Mittweida den Publikumspreis gewann. Richtig tanzbare Melodien präsentiert der Stutt-

garter HipHop-DJ SAMADHI mit Elementen aus Soul. Namhafte Förderer wie das in Mittweida ansässige Unternehmen IMM unterstützen „Big & Bob“ bei ihrem Vorhaben. So bereichert die Party ein beeindruckendes Laserspecial der IMM, während auf der Bühne dann so richtig gerockt wird. Die Organisatoren scheuten weder Kosten noch Mühen ihren Traum von einem unvergesslichen Event zu verwirklichen. Zusammen mit dem Besitzer des Grundstücks packten sie an und halfen, das Areal von Schutt und Baumüll zu befreien. „Das Grundstück ist ideal für unser Vorhaben. Da lohnt es sich, zwischen den Vorlesungen mal eine Schaufel in die Hand zu nehmen“, begründet Veranstalter Christoph Scheithauer das Engagement von „Big & Bob“. Die beiden Studenten sehen ihre Veranstaltung als Mittel zur Verbindung von Hochschule und Stadt. „Es gibt kaum Möglichkeiten für uns Studenten hier in Mittweida so richtig aus-

zugehen. Wenn wir zusätzlich noch die Mittweidaer Bürgerschaft für unsere Sache gewinnen können, setzt das unserem Einsatz natürlich die Krone auf“, so Christoph Scheithauer. Das junge Unternehmen „Big & Bob“ versteht sich nicht nur als reiner Partyorganisator. Auch in Zukunft wollen sie Mittweida mit den verschiedensten Projekten unterstützen: „Nach dem MW OPEN AIR möchten wir auch über die Stadtgrenzen hinaus Veranstaltungen in kulturellen Bereichen oder Sportevents betreuen.“ Désirée Triemer 17. Oktober, ab 18.00 Uhr KKV: Ermäßigt 5,- € | Regulär 6,- € AB: Ermäßigt 6,- € | Regulär 7,- € Karten sind ab sofort bei „proagil“, bei der Stadtinformation und in der Mensa Mittweida erhältlich. Mehr Infos gibt es unter www.mw-openair.de.


Lokales

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Die deutsche Küche – echt exotisch Redakteur Mingxi Li entdeckt Königsberger Klopse, Senf-Eier und Bouletten eht ein chinesischer Student in Deutschland gern ins Asia-Restaurant? Nein. Und warum? Weil die Atmossphäre aufgesetzt und gespielt wirkt. Es schmeckt nicht nach Heimat, es sieht nicht einmal danach aus. Die chinesischen Wirtshäuser wirken auf einen Landsmann eher seltsam und fremd. Wer also, so wie ich, aus dem fernen Osten kommt und in Deutschland die Exotik vermutet, der sucht deutsche Küche – aber die ist selten. Nur zufällig wurde ich in Mittweida auf die Kombüse aufmerksam – ein kleines Schnellrestaurant im Stile einer Fischermannsstube. Ich erinnere mich an mein erstes Bauernfrühstück, als wäre es erst gestern gewesen. Der alte Herr Gerd Friedrich, der Betreiber der Kombüse, hat mich mit seiner einfachen Hausküche begeistert. Für mich war es eine Kulturentdeckung der besonderen Art, weil die Kombüse das erste richtige deutsche Schnellrestaurant war, das ich in Deutschland aufgesucht habe. Die ehrliche Atmosphäre der Kombüse imponierte mir. Vor ungefähr 16 Jahren eröffnete Gerd Friedrich seine Imbissbude. Da er in seinen jungen Jahren als Matrose zur See fuhr, gab er seinem Geschäft den Namen Kombüse, was so viel wie See-

mannsküche bedeutet. Der alte Herr kochte mit einfachsten Mitteln. Ein paar kleine zerbeulte Töpfe und eine Pfanne, welche die besten Jahre wohl auch schon lange hinter sich hatte, nannte er sein Eigen. Doch gerade diese ehrliche Einfachheit war es, die den Charme der Kombüse ausmachten. Nach jahrzehntelanger Selbstständigkeit und der Unterstützung seiner Frau genießt Gerd Friedrich nun als 67-jähriger seinen Ruhestand. Doch das Lokal hat sich gehalten. Am 5. März 2012 wurde die kleine Kombüse neu eröffnet. Herr Axel Egert übernahm den Kulturschatz und der Imbiss bekam ein zweites Leben. Die Innenausstattung wurde in einem modernen Schiffsstil renoviert. Der Raum wurde neu gefliest und gut beleuchtet. Auch die Angebote wurden mit einer kreativen Vielfalt erweitert. Königsberger Klopse, Senf-Eier und Schweineschnitzel stehen noch immer auf der Speisekarte. Und anders als in einer Gaststätte kann der Kunde seine Mahlzeit mitnehmen und unterwegs verspeisen. Essen to go. Nur warum ist es eine Besonderheit einheimisches Essen in Deutschland zu kaufen? Und warum bekommt die richtige deutsche Küche nicht den Er-

folg, den sie verdient? Koch Olaf Egert vermutet die Antwort in der Essenszubereitung: Das Herstellen eines Döners ist beispielsweise sehr einfach. Fleisch abschneiden und mit Gemüse ins Fladenbrot einpacken. „Die asiatische Küche basiert ebenfalls auf einfachen und schnell zubereiteten Gerichten. Dagegen ist deutsche Hausmannskost viel komplizierter und zeitaufwendiger. „Viele Menschen wollen nicht warten“, mutmaßt Egert. „Die größte Schwierigkeit für mein Geschäft ist die Abhängigkeit von der Hochschule; denn sobald Semesterferien sind, ist hier viel

weniger los“, meint Egert mit einem traurigen Lächeln. Mein Resümee: Heutzutage wollen die Menschen immer schneller sein. Wir denken, Zeit gespart zu haben, indem wir uns den Fastfoodketten ausliefern oder ein paar Stundenkilometer schneller fahren. Wo bleibt eigentlich diese damit scheinbar gesparte Zeit? Solange die Kombüse sich an Bord hält, bleibt auch ein Stück Kultur erhalten. Ich glaube, das ist der wahre Kompass, nach dem wir uns orientieren sollten, um uns im Sturm der Globalisierung nicht selbst zu verlieren.

Grafik Mingxi Li

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An Bord der Kombüse: Der einzigartige Imbiss begeistert nicht nur Auslandsstudenten.

Fackeln im Sturm

Johannes Krüger

Der dritte Lichterlauf in Mittweida ließ das Schwanenteichstadion funkeln

Eine neue Tradition etabliert sich in Mittweida.

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in stürmischer rauer Herbstabend. Das Schwanenteichstadion füllt sich allmählich mit Menschen, gekleidet in bunte Trainingsjacken. Kinder binden am sandigen Laufbahnrand ihre Turnschuhe zu. Erwachsene werfen einen skeptischen Blick gen Himmel – schließlich hat es eine Unwetterwarnung gegeben. Die letzten Teilnehmer tragen sich in die Listen ein. Dann versammeln sich 53 Läufer an der Startlinie. Zu-

fällig ebenso viele Fackeln stecken am Rand rings um das große Fußballfeld. Der Startschuss fällt und schon setzt sich die Menge in Bewegung, zum dritten Lichterlauf in Mittweida. Die Fackeln glimmen auf und erzeugen Lagerfeuerstimmung. Doch bei Stärke 8 pustet der Westwind eine nach der anderen aus, wie Kerzen auf einer Geburtstagstorte. Die Veranstalter des TSV Fortschritt Mittweida bleiben hartnäckig und entzünden jede Erloschene aufs Neue. Auf diese Weise werden auch sie zum Rundenlauf gezwungen. Eine Altersbegrenzung gibt es nicht. Die Teilnehmer sind ein kunterbunter Haufen verschiedenster Generationen. „Ich brauche das Laufen. Es gibt mir Sauerstoff und Kraft. Das hier ist meine Welt. Es macht mir so unglaublichen Spaß mich zu bewegen. Wer rastet der rostet… und verrostet  – nein, das bin ich noch lange nicht“, scherzt Hartwig Reichert. Er ist mit seinen 86 Jahren der Älteste unter den Läufern und blüht mit jedem Schritt

sichtlich auf. Nach 15 absolvierten Minuten dreht er noch die ein oder andere Ehrenrunde. Kurze Zeit später ist es stockfinster auf der Laufbahn des Stadions. Die Fackelanzünder haben den Kampf gegen die Böen verloren und die Flammen wurden vom Winde verweht. Nur die wild umher tanzenden bunten Leuchtpunkte der Scheinwerfer spenden noch Licht. Die freiwilligen Sportler stört das wenig. So ein Lauf gegen die Dunkelheit hat ebenfalls etwas für sich. „Insgesamt dauert das Ereignis eine Stunde. Die Teilnehmer werden in drei Gruppen eingeteilt. Jeder kann sich entscheiden ob er 15, 30 oder die ganzen 60 Minuten durchlaufen möchte“, erklärt Andrea Schilling, Mitarbeiterin des TSV Fortschritt. Ursprünglich handelte es sich um ein gefördertes Projekt vom Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE). Doch den hohen Teilnehmerzahlen zufolge wiederholte sich der Lichterlauf und ist nun auf

dem Wege, eine kleine Tradition in jeder ersten Oktoberwoche zu werden. Neben dem Spaß und der gesunden Bewegung erhalten die Läufer nach der erfolgreichen Teilnahme ihr Laufabzeichen. Eine kleine Anstecknadel vom deutschen LeichtathletikVerband. Die letzten Minuten verstreichen und dann endet das Ausdauer-Rennen. Die Kinder strömen sogleich in einer Schar zu den Tischen der Veranstalter. „Es war sehr anstrengend. Eigentlich wollten Papa und ich nur eine halbe Stunde rennen und dann haben wir doch bis zum Ende durchgehalten“, erzählt die neunjährige Nikola Schulze und hält dabei stolz ihr blaues Laufabzeichen in die Höhe. Laufen ist in Mittweida ein kleiner Trend geworden. Der TSV Fortschritt hat das erkannt und arbeitet schon an einem neuen Event. Im November dieses Jahres wird es zum ersten Mal eine Winterlaufserie am Schwanenteich geben. Anne Heinrich


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Feuilleton

Die Novum

10. Oktober 2012

Wie schmeckt Techno-Bier?

Politiker mit Silberaxt

Boys Noize kehrt aus der Dunkelheit zurück

Ein US-Präsident geht jagen – Geschichtslehrer weinen leise

FantasyStock, Markus Kretzschmar

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braham Lincoln – Vampirjäger“ bietet nun die Gelegenheit, alle Bildungslücken für immer mit Quatsch aufzufüllen. In dieser Spielfilmgeschichtsklitterei werden Sie in das frühe 19. Jahrhundert reisen und den kleinen Abe, der seine Mutter durch Vampire verloren hat, dabei begleiten, wie er als Rächer seinen Kampf gegen Sklaverei und die Kreaturen des Bösen antritt. Erleben Sie klassische Hollywoodpanoramen in goldbraunen Farbtönen, wie einem Gemälde aus der Dekadenz entnommen, sowie düstere bläuliche Spielchen im Reigen der digitalen Effekte. Da der Film blutig und vollgepackt mit Sensation ist, wird er wohl eher ein Blockbuster bleiben als bisherige Geschichtsbücher zu ersetzen. Ernsthafte Parallelen zu realen, geschichtlichen Ereignissen werden hier auch nur Wahnsinnige suchen. Versteckt die Kinder! Für etwas historische Bildung empfiehlt sich der bald anlaufende Lincoln-Film von Steven Spielberg. Tarek Fetih, Branco Krstic „Abraham Lincoln Vampirjäger“ – USA 2012, 110 Minuten. Kinostart: 3. Oktober

Der Tod hört Techno: ein Bier reicht ihm, um Spaß zu haben.

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Boys Noize – „Out of the black“. VÖ: 5. Oktober 2012

20th Century Fox

an nehme einen erfolgreichen deutschen DJ aus der Technoszene und lasse ihn mit einem Designer das Label für ein Bier gestalten, das dann den verheißungsvollen Namen „Boys Noize Techno Beer“ bekommt. Auf dem Etikett grinst ein Smiley mit heraushängender Zunge – das Erkennungszeichen der Acid-House-Bewegung. Doch bitte nicht irritieren lassen, das Bier schmeckt wie immer, nur das Äußere zählt. Alexander Ridha a.k.a. Boys Noize mischt die Szene – und nun auch Biertrinker – mit knackigen, ausgefeilten Sounds seit ein paar Jahren richtig auf. Mit seinem dritten Album „Out Of The Black“ hat er zwar nichts Neues aber etwas Abwechslungsreiches gezaubert. Und selbst Snoop Dogg gab sich die Ehre und rappte einen Sextanzsong ein, obwohl sich Boys Noize nur schwer mit Gesang tut und lieber Roboterstimmen oder andere künstliche Vocals benutzt. Auf die Tour „Rough Trade“ dürfen sich besonders Freunde ausgefallener Bühnendeko freuen, denn als optischer Augenschmaus wird ein riesiger, glitzernder Disko-Totenschädel, das Symbol des ersten Albums, die Bühne schmücken. Bei Boys Noize kommt alles zusammen: Der kleine Tod beim Dancen, Glitzerkram und ein Bier, das grinst. Lisa Fritzsche Abraham sieht blau: bei Zombies hört der Spaß auf.

Niedliche Kätzchen steigern die Produktion Schnurrige Studien sind dennoch mit Vorsicht zu genießen Menschen nicht nur glücklicher mache, sondern auch einen starken Einfluss auf das Arbeitsverhalten haben soll. Nun kommen ja jeden Tag Studien heraus, deren Ergebnisse entweder zum Vorteil ihrer Auftraggeber ausfallen oder schlichtweg Unsinn behaupten. Wie solide ist die Basis der Japaner? Die zwei Versuchsgruppen bestanden insgesamt aus 48 Studenten, also nicht unbedingt typischen Büroarbeitern. Eine Gruppe wurde mit Videos von Tierbabys bestrahlt, die andere nicht. Danach wurden die Probanden auf Wahrnehmung und Geschicklichkeit getestet, unter anderem mit einem

Spiel, das wir hierzulande unter dem Namen „Doktor Bibber“ kennen. Dabei geht es darum, Ruhe und Konzentration zu bewahren, wobei mit zunehmender Spielzeit der Stressfaktor steigt. Das Ergebnis: Die Probanden, die Videos von Tierbabys sahen, schnitten besser ab. Als Erklärung muss das Kindchenschema herhalten. Wer etwas Niedliches sieht, möchte es beschützen. Die Sorgfalt wird gesteigert, was sich dann auf Konzentration, Geschicklichkeit und somit auch auf die Arbeitsproduktivität übertragen lässt. Allerdings sollte das Ergebnis der Studie kritisch bewertet werden, solange der Niedlichkeitsfaktor des „spektakulären“ Ergebnisses die schlichten Methoden verdeckt. Zumal bei Stu-

denten nicht zweifelsfrei festgestellt werden kann, ob sie nicht bereits erfahrene YouTube-Katzenvideogucker sind und somit das Ergebnis verfälschen. Um für die Anwendung in der Praxis unumstößliche Ergebnisse zu bekommen, sollte die Wissenschaft weiterforschen und allgemeingültigere Studien durchführen, mit mehr Menschen verschiedener Schichten und Altersgruppen. Einen Effekt hat diese Babystudie zweifellos: Sie bringt Menschen zum Lachen. Tarek Fetih, Branco Krstic

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tress? Bluthochdruck? Weg mit falschen Helfermittelchen, Kaffee und Zigaretten! Besser helfen Videos von niedlichen Tierbabys. Wichtig: nur Babys, keine alten runzligen Alphatiere, die traurig und müde machen. In Zukunft könnte das Betrachten von lustigen Tierbabyvideos während der Arbeitszeit von Unternehmen gefördert werden. Eine Studie der Hiroshima University will nach drei Experimenten herausgefunden haben, dass das Betrachten von Tierbabyvideos

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Feuilleton

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Wie sich Schinken selbst fressen Über das Mindesthaltbarkeitsdatum von Büchern er Zerfall lässt sich nicht stoppen. 27 Millionen Schriftstücke zerbröseln unaufhaltsam und mit ihnen Deutschlands kollektives Gedächtnis. Seit 100 Jahren wird in Leipzig und Frankfurt am Main jedes Buch in deutscher Sprache und jedes in Deutschland publizierte Buch archiviert und zugänglich gemacht – im gigantischen Archiv der Deutschen Nationalbibliothek. Doch wie viele Bücher des jetzigen Bestandes werden trotz idealer Lagerbedingungen auch noch den 200. Geburtstag der nationalen Kultursammlung erleben? Nur wenige werden überleben, denn nach und nach zerfressen sich die Bücher selbst. Das ist auch der Grund, warum die Idee der Deutschen Nationalbibliothek nicht überall auf positive Resonanz stößt. „Wir halsen den kommenden Generationen da einen Schatz auf, den sie gar nicht erhalten können“, meint Christian Greim, Druckingenieur in der Fakultät Medien an der Hochschule Mittweida. Er erklärt, dass je nach Herstellungsweise, Altpapieranteil und weiteren Inhaltsstoffen ein Buch gut und gerne 1000 Jahre alt werden könne. Bei billigeren Produktionen aus der heutigen Zeit, egal ob Bildband oder Taschenbuch, aber eben auch nur wenige Jahrzehnte. Und ist das Buch erst einmal gedruckt, beginnt der Zerfall. Langfristig helfen nur kostspielige Verfahren wie eine Restaurierung oder eine Massenentsäuerung. Doch selbst im Erfolgsfall bedeuten sie nur ein wenig

Nico Häntzschel

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Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig: äußerlich robust, innen gefährdet.

Aufschub und keine dauerhafte Rettung. Am Ende bleibt, wie bei vielen analogen Schöpfungen, nur noch die Digitalisierung. Christian Greim hält das für die beste Lösung, denn bei den Verlagen lägen sowieso digitale Kopien vor. Diese seien zwar auch nicht unendlich haltbar, aber zumindest könne man sie vor ihrer Abnutzung einfach umkopieren. Warum versucht man also in Leipzig und Frankfurt quasi ein Mittagessen in einem Kühlschrank auf ewig zu konservieren?

Wäre es da nicht einfacher, gleich ein großes digitales Archiv zu schaffen? „Unter keinen Umständen“, meint Torben Müller. Der 23-jährige Psychologiestudent sitzt zurzeit fast sechs Stunden am Tag in einem der großen Lesesäle der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig. Einen derartigen Fundus habe er noch nie zur Verfügung gehabt, denn bei vielen Themen sei die Bibliothek der Universität einfach zu schnell erschöpft. Dann ist die Deutsche Nationalbibliothek die

letzte Rettung. Ein großes digitales Archiv lehnt er ab. „Wie viele andere auch strengt mich das Lesen am Laptop oder auf dem Handy total an, außerdem lasse ich mich da sehr leicht ablenken. Mir ist es auch einfach vom Gefühl her wichtig, ein richtiges Buch in der Hand zu haben.“ Über seine Zukunft kann das Archiv kaum selbst entscheiden. Eher bedarf es eines Umdenkens in der Buchherstellung und dem Qualitätverständnis. Tom Fröhlich

Der Fernseher brennt! Der wirklich letzte Kommentar zu „Wetten, dass..?“

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in Lagerfeuer ist eine feine Sache. Es wärmt. Auch zwischenmenschlich. Es gab mal eine Zeit, da kam man regelmäßig an einem solchen Feuerchen zusammen und erzählte sich im schummerigen Licht verrückte Geschichten. Dann kam Frank Elstner. Nicht aus dem Feuer, sondern auf eine Idee. In einer schlaflosen Nacht, so sagt er selbst, habe er in nur zwei Stunden das Konzept zu „Europas größtem TV Event“ erdacht. Die Rede ist von „Wetten, dass..?“ . Im Februar 1981 ging die Show das erste Mal auf Sendung. 17 Millionen Menschen schauten zu und wärmten sich das Gemüt. Das war dann gewissermaßen auch ein Lagerfeuer – ein „National campfire“, über das oftmals noch am Montagmorgen in deutschen Büros und Bauwagen geschwatzt wurde. Frank Elstner ging 1987, Thomas

Gottschalk übernahm nach ihm den Thron des Quotenkönigs, mit Marktanteilen von 60 bis 70 Prozent – die Geschichte ist bekannt. Sie ging ganze 19 Jahre gut. Im März 2006 bemerkte RTL jedoch, dass mit einem lausigen Zeichentrickfilm über das Leben des Dieter Bohlen durchaus gegen den ZDF-Riesen „Wetten, dass..?“ zu punkten ist. Ein Jahr später entfachte der heutige TV-Marktführer dann seine eigene Feuerstelle: „Deutschland sucht den Superstar“ wurde nun erstmals parallel zur ZDF - Show gesendet. Hier wurde nicht geplaudert, sondern gegrillt. Während „Wetten, dass..?“ sich mit Minusrekorden von 10,5 Millionen Zuschauern plagte, rösteten die Kollegen vom Privatrundfunk unzählige verlorene Seelen über den Flammen ihrer Castingshows und Realitysoaps. In den vergangenen Mo-

naten konnten weder ARD noch ZDF dem etwas entgegen setzen. Damit muss Schluss sein. Ein erstes Statement wurde am vergangenen Samstag gesetzt. Egal wie träge und zäh die erste „Wetten, dass..?“-Sendung mit Markus Lanz auch erschien, wie unspektakulär die Wetten waren, die 13 Millionen, zeitweise sogar fast 16 Millionen Zuschauer sprechen für das Format. Zum Vergleich: Das zeitgleich laufende „Supertalent“ schauten nur 4,57 Millionen Menschen. Ein Hauch des verlorengegangenen „Familie, Sofa, Wetten, dass.?“-Gefühls war da wieder zu spüren. Das Lagerfeuer brannte und geredet wurde auch darüber – in Echtzeit. „Wetten, dass..?“ war zeitweise das meist besprochene Thema bei Twitter. Sicher, in das allzu große Sakko von Gottschalk passt „der Neue“ längst noch nicht. Aber muss er

das überhaupt? Lasst „den Alten“ doch beim Supertalent zur Ruhe kommen. Wenn es weiterhin gelingt, auch nur einen Teil des Quotenvorsprungs zu halten, statt Neugier Begeisterung beim Publikum zu wecken, dann ist der erste Schritt geschafft. Damit auch eine Grundlage für alle weiteren Neuerungen. Wetten, dass..? braucht einen Neuanstrich, keine Frage. Der funktioniert aber nicht, indem Markus Lanz in eine Rolle gesteckt wird, die er nicht bedienen kann. Das ZDF hat in seinen Spartenkanälen viele Inhalte erprobt. Hier finden sich die Ideen und Charaktere für zukünftige Sendungen. Falsch wäre, der Sendung beim ersten Schwächeln den Gnadenstoß zu geben. Droht ein Feuer zu erlöschen, legt man schließlich auch nach. Ronny Jank


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Sport

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Medaillen durch positives Denken Sportpsychologen wissen, worauf es in Stress-Situationen ankommt as Spiel in der Endphase. Der Ball auf der Elfmetermarke. Der Spieler läuft an, schießt und verfehlt das Tor. Von nun an spielt der Verstand verrückt. Genau hier knüpft die Arbeit des Sportpsychologen an. „In solchen Situationen sind es besonders Versagensängste, von denen die Sportler geplagt werden“, erklärt Jürgen Walter. Der Diplom-Sportpsychologe aus Düsseldorf leitet eine Beratungsstelle und weiß genau, was sich in den Köpfen der Leistungssportler abspielt. Er begleitet Sportler aller Disziplinen und bringt ihnen bei, gezielt Einfluss auf das eigene Denken zu nehmen.

Die Angst vor dem Versagen Besonders bei Spielrückständen werden Sportler schnell von Selbstzweifeln übermannt. „Wenn ich so weiterspiele, verliere ich“ denken sie. Für Jürgen Walter ist das absolut kontraproduktiv, vielmehr müssen negative Gedanken durch positive ersetzt werden. Dies funktioniere, wenn das große Ziel „Sieg“ in kleine Etappenziele „heruntergebrochen“ werde. Das bedeute beispielsweise beim Volleyball, nicht an den nächsten Satz zu denken, sondern sich erst einmal auf die nächste Angabe zu konzentrieren. Auch der Spaß am Spiel ist oft der Schlüssel zum Erfolg. „Borussia Dortmund ist deshalb Meister geworden, weil die Spieler Freude am Fußball hatten.

Die haben zwischenzeitlich fast schon den Spielstand vergessen“, scherzt der Sportpsychologe. In anderen Fällen fehle es einfach am „Sieger-Gen“. Dem ewigen Zweiten gelinge es nur sehr schwer, sich im Kopf auf Platz Eins einzustellen.

Mit dem Reitteam zu Gold Der gleiche Ansatz gilt bei Menschen mit Handicap. Kathrin Staufenbiel, Diplompsychologin an der Universität Münster, unterstützte mit ihrer Kollegin Gaby Bußmann das deutsche Reitteam bei den Paralympics in London mit intensiver Einzelbetreuung der Sportler. „Bezogen auf Alter, Beruf und Erfahrung sind Menschen mit

Behinderung unterschiedlich geprägt. Ich muss deshalb auf Bedürfnisse und Fragestellungen individuell eingehen.“ Weiter sei ein gutes Selbstmanagement von großer Bedeutung. „Sportler mit Handicap müssen darin gecoacht werden, Wege zu finden, noch selbstständiger zu sein“, ergänzt Staufenbiel. Sieben Medaillen konnten in London errungen werden. Der Beweis dafür, dass sich die im Vergleich zum vergangenen Jahr intensivere psychologische Betreuung ausgezahlt hat. Im Vereinswesen der Amateure bleibt der Bedarf an Sportpsychologie zwecks fehlender finanzieller Möglichkeiten aus. Michael Schmidt, Pressesprecher von der „SV Germania Mittweida“ dazu: „Wir haben noch nie über psy-

Johannes Krüger

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Oft unterschätzt - mentale Stärke entscheidet über Sieg oder Niederlage.

chologische Betreuung nachgedacht. Ich kenne es nur aus dem Leistungssport. Im Amateurbereich erhalten die Übungsleiter oftmals eine teilpsychologische Ausbildung.“

Sportpsychologen haben es schwer Obwohl das Berufsfeld des Sportpsychologen in den letzten Jahren bekannter und professioneller geworden ist, hinkt die Nachfrage nach mentaler Stärkung noch weit hinterher. „Nur wenige Kollegen können allein von der sportpsychologischen Betreuung im Leistungssport leben“, erläutert Kathrin Staufenbiel. Jürgen Walter geht es ebenso. „Wenn ich bei den Vereinen nicht den Fuß zwischen die Tür stelle und energisch genug nachhake, erfahre ich wenig Bedarf nach psychologischer Betreuung. Häufig ist es einfach die pure Ignoranz, der ich entgegentreten muss.“ Die Gründe lägen meist in dem „Trainer-Psychologe-Konflikt“. Der Trainer sehe den mentalen Helfer als Konkurrenten, da dieser nah an die Psyche der Spieler gelangt. Kathrin Staufenbiel weiß auch um die finanziellen Sorgen ihres Berufes. „Erst ein Betreuungsprojekt vom 'Bundesinstitut für Sportwissenschaft' ermöglichte eine sportpsychologische Vorbereitung des deutschen Reitteams bei den Paralympics“. Stefan Graf

Asphaltsurfer in Afghanistan Skateboarden als Entwicklungshilfe

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net. Ideal also, um auch die Mädchen daran teilhaben zu lassen. Titus Dittmann, deutscher Skateboard Pionier, der in den 70er Jahren die amerikanischen Skateboards nach Westdeutschland gebracht hat, gründete 2009 die Stiftung „skate-aid“, die Kinder in Entwicklungsländern und Krisengebieten unterstützt, indem ihnen der Skateb o a rd sp or t vermittelt wird. Inspiriert wurde er von der Organisation „Skatistan“, die schon einige Jahre zuvor begonnen hat, den Kindern mit den Skateboards neue Perspektiven In Afghanistan überwinden Skateboards die Geschlechtertrennung. Pressefoto skate-aid

katen ist zu 90 Prozent ein JungsSport - zumindest in der westlichen Welt. Anders ist es in Afghanistan. Dort ist es für die Mädchen eine der wenigen Möglichkeiten Sport zu treiben und ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln. In Afghanistan ist Skaten kaum bekannt und deshalb auch nicht geschlechtsspezifisch zugeord-

zu öffnen. „Mittels Skateboards, als sinn- und identitätsstiftendes Instrument, wird die Hoffnung in Kriegs-, Krisen-, und Slumregionen ins Rollen gebracht. „skate-aid“ errichtet zu diesem Zweck Sport- und Skateboard-Anlagen“, erklärt Torben Oberhellmann, Vorstand der Titus Dittmann Stiftung. Viele Skater und Promis sind von „skate-aid“ begeistert. „Ich unterstütze die Initiative skate-aid und sage nicht nur Danke an Titus, sondern Respekt!“, erklärt Thomas D. von den Fantastischen Vier gegenüber „skate-aid“. In Afghanistan, wo über 70 Prozent der Bevölkerung jünger als 25 Jahre ist, sind besonders die Kinder und Jugendliche zu fördern. Zusammen mit dem Internationalen Friedenskorps Grünhelme e.V., die sich für den Bau von Schulen in Entwicklungsländern einsetzen, hat „skate-aid“ 2010 die erste Outdoor Skateboard-Anlage in Karohk, Afghanistan eröffnet. Finanziert wurde die Anlage

aus Geld- und Sachspenden. Für den Bau wurden Afghanen aus der Region angestellt und auch die Leitung und Verwaltung des Parks wird von den Lehrern organisiert. Jungen wie Mädchen haben hier die Chance neben der Schule skaten zu lernen und ihre Kindheit zu genießen – für viele nicht selbstverständlich. Frauen haben eine untergeordnete Rolle, viele Dinge, wie Schule und Sport werden den meisten verwehrt. Zwar ist der bisher unbekannte Sport noch nicht mit Tabus belegt, doch gemeinsam dürfen Mädchen und Jungen in dem muslimischen Land nicht skaten. Um fremde Blicke zu verhindern, musste eine zwei Meter hohe Mauer um die Anlage errichtet werden. Weitere Projekte sind geplant. „An der Universität in Herat soll ein sportwissenschaftliches Institut entstehen, wo dann auch zukünftige Skateboardtrainer ausgebildet werden“, schaut Oberhellmann auf das nächste Ziel der Stiftung. Mareike Niet


Kurz vor Zwölf

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Mensaplan Donnerstag, 11.10.2012 Prager Schinkenbraten, Schmorkohl, Klöße | Omelette, Herbstgemüse, Risoleekartoffeln | mensaVital Schweinesteak, Peperonisoße, Tagliatelle, Gurken-Radieschensalat Freitag, 12.10.2012 Rostbratwurst, Sauerkraut, Kartoffelpüree | Fleischlose Kost und Fisch Seelachsfilet mediterran gratiniert, Djuvecreis/Rosmarinkartoffeln, Tomatensugo | mensaVital Kalbsgeschnetzeltes mit Paprika und Champignons, Kräuterspätzle Montag, 15.10.2012 Bayerischer Leberkäse, Zwiebelsoße, Bratkartoffeln, Weißkohl-Möhrensalat | mensaVital Pikante Sesamnudeln mit asiatischen Pfannengemüse | Gemüsebrühe mit Käsenocken, Hähnchenbrust, Peperonata Pestoreginette Dienstag, 16.10.2012 Hühnerfrikassee, Buttererbsengemüse, Pilawreis | mensaVital Seelachsfilet in Kräutereihülle, DijonSenfsoße, Karottengemüse, Petersilienkartoffeln | Risoni, gebratener Spargel, Steinpilzchampignons, Kirschtomaten, Pesto, Pfirsich- Kefirmousse Mittwoch, 17.10.2012 Schweinesteak au four Broccoligemüse, Pommes frites | mensaVital Ofengemüse mit Basilikum- Joghurt- Dip, Rosmarinkartoffeln, Weintrauben | Lauch-Ingwersuppe, Pecorino- Röstzwiebeltaler, Tomaten-Baslikumsoße, Kartoffel- Blumenkohlpüree

Gewinnspiel altisländisches Prosawerk

Produktion, Output

OlympiaKobold, stadt 1996 Zwerg (USA)

mastloses Fischerboot

umgangsoberhalb sprachlich: von zwei

poetisch: Himmelsblau

anhänglich

Verbrecherkreise

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Sonnengott der römischen Sage

landschaftlich: Tragekorb weit weg gelegene Gegend schmale, kleine Brücke

großer Sprung

Türke

Ich grüße alle Radiowütigen bei 99drei und bedanke mich für alles was war und alles was kommt. Ihr seid die Besten! Sarina Tim 4 President! Ich grüße das gesamte Propeller TV Team und freue mich auf ein großartiges Jahr! Start ins neue Semester! Allen MM.de-Teilnehmern wünsche ich viel Kraft und Inspiration! Viele Grüße an das Radio-Team, welches den ganzen Sommer mit dabei war. - Flanger Tausend Dank, liebe Podiumsfreunde, wir haben gerockt!

Abk.: Antiblockiersystem

Nebenmeer des Atlantiks Ausstreuen der Samenkörner

Einfassung, Abschlusskante

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Tweet der Woche „Oh, ein Jogger mit BILD in der Hand. Dumm gelaufen.“ @wortgourmande

Hinweis Ihren Gruß schicken Sie bitte an: gruesse@ die-novum.de. Des Weiteren weisen wir darauf hin, dass Grüße keine fremdenfeindlichen, rassistischen, persönlichkeitsverletzenden oder in anderer Art gegen bestehendes Recht verstoßende Inhalte aufweisen dürfen. Bei Verletzung dieser Richtlinien behalten wir uns rechtliche Schritte vor.

italienisch: zwei

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nachträgliche Montage umgangsWindsprachl.: richtung sehr viele

Balte

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Kinderleicht erklärt Territorialverhalten: Das Territorialverhalten beschreibt das Revierverhalten in der Tierwelt. Dieses Verhalten dient zum Schutz und zur Abgrenzung von anderen Tieren. Der Nationalsozialismus machte sich dieses Artenverhalten zu Nutze, um ihre Ideologie auszuleben. Sozialdarwinismus Übertragung der Lehre Darwins auf gesellschaftliche Zusammenhänge: Nur derjenige kann sich durchsetzen, der sich mit den immer ändernden Umweltbedingungen durch seine biologischen Anlagen oder Ausstattung am besten fertig wird. Während die Nicht-Anpassungsfähigen eliminiert werden (Selektion). Dumpinglöhne: Dumping wird vom englischen „dump“ abgeleitet, was so viel bedeutet, wie abladen. Im Deutschen bezeichnet Dumping den Verkauf von Waren und Diensten weit unter dem Normalpreis. Also sind sogenannte Dumpinglöhne nichts Anderes als Niedriglöhne.

1010-40620AR

Wir verlosen zweimal eine Kinokarte für die Filmbühne Mittweida. Schicken Sie die Lösung des Kreuzworträtsels bis zum 15. Oktober 2012 an: raetsel@die-novum.de.

PVC Polyvinylchlorid, kurz PVC, ist ein Kunststoff, der vorwiegend für Fußbodenbeläge, Rohre und Kabelisolierungen Verwendung findet. Auch Schallplatten und Kreditkarten bestehen aus diesem Kunststoff. PVC zersetzt sich sehr schwer und belastet deshalb zunehmend die Umwelt.

Kinoprogramm

Impressum

Lösung:

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Folgende Filme werden in der Filmbühne Mittweida, in der Woche vom 11. Oktober bis 17. Oktober gezeigt:

Abraham Lincoln - Vampirjäger Donnerstag bis Mittwoch 18.15 Uhr Freitag und Samstag auch 22.15 Uhr

Madagascar 3 – Flucht durch Europa Donnerstag bis Mittwoch 16.45 + 20.15 Uhr Samstag und Sonntag auch 14.45 Uhr

TED Donnerstag bis Mittwoch 18.15 Uhr The Expendables 2 Donnerstag bis Mittwoch 20.15 Uhr Freitag und Samstag auch 22.15 Uhr

Ice Age 4 - voll verschoben Samstag und Sonntag 14.45 Uhr

Filmbühne Mittweida, Theaterstraße 1 Telefon: 0 37 27 / 31 42

Merida Donnerstag bis Mittwoch 16.45 Uhr Anzeige

Liebe Grüße an die mit den kalten Füßen vom Eislaufclub! Ihr seid super :-) Ich grüße meinen Zierkürbis, weil ich ihn sooo gerne habe :-*

Blutsverwandter

weibliche Person

Grüße Deine Tapferkeit wird belohnt. Nicht mit einer Medaille, sondern Durchhaltevermögen - Eat that!

Birkengewächs

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Liebe(r)

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Einladung

ich möchte dich ganz herzlich zu meinem 8. Geburtstag am Dienstag, 16. Oktober, ab 21 Uhr einladen. Die Party findet im Studentenclub Mittweida statt. Meine Freunde Pepe (Rock-Pop-Jazz-Funk aus Magdeburg und Sieger des 99drei Bandcontests 2012) singen mir sogar ein Ständchen. BeatIT (House/ Electro) und EpikureeR (Techhouse/ I love Cookies/ Berlin) stimmen hinterher mit ein. r Für Getränke ist gesorgt. Bitte bring gute Laune mit!

ssende

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Die Novum ist eine Ausbildungszeitung der Fakultät Medien / Die Novum Print der Hochschule Mittweida, unterstützt von: AMAK AG und Medieninstitut Mittweida e.V. Verleger gemäß SächsPresseG vom 3. April 1992: Mittweida Research Division GmbH/ AMAK AG, Technikumplatz 3, 09648 Mittweida, www.amak-online.de Geschäftsführerin: Silke Knauer Vorstand: Prof. Dr. Otto Altendorfer Anschrift: Hochschule Mittweida, Redaktion Die Novum-Print, Leisniger Straße 9, 09648 Mittweida E-Mail: redaktion@die-novum.de, www.die-novum.de Herausgeber: Fakultät Medien V.i.S.d.P.: Prof. Dr. Ludwig Hilmer Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Andreas Wrobel-Leipold Chefredaktion: Stefan Kirsten, Katrin Bertsch CvD: Linda Nowak Politik: Daniel Wölfel, Florian Barth Hintergrund: Kitty Kalkbrenner Lokales: Anne Heinrich, Carola Ojus, Liana Nasarow Hochschule/Wissenschaft: Selvim Yüzgülen Feuilleton: Katrin Bertsch, Vinzenz Horwath Sport: Franz Müller Magazin: Nicole Grimm Marketing: Stephanie Köhler Anzeigen: Mandy Koziol Grafik: Natalie Kunze Layout: Eva Kachler, Désirée Triemer Foto: Melissa Quinones, Markus Kretzschmar Online: André Baumjohann Technik & Druck: Christian Greim, Sindy Herrmann, Stefan Heidisch Vertrieb: Sara Kamolz


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Magazin

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Krebsregister kostet Krankenkassen Kein angemessenes Verhältnis zwischen Finanzierung und Nutzen iagnose Krebs – das RobertKoch-Institut rechnet allein in diesem Jahr mit 490.000 Neuerkrankungen in Deutschland. Die Bundesregierung reagierte mit einem nationalen Krebsplan. Dieser sieht unter anderem die Einführung eines flächendeckenden klinischen Krebsregisters vor. Ab dem Auftreten der Krankheit werden Verlauf und Therapiemethoden erfasst, ebenso Vorsorgeuntersuchungen. Mit der Datensammlung erschließen sich Informationen über die Qualität der örtlichen Versorgung. Außerdem sollen Ärzte untereinander in Kontakt treten können, um für den Patienten die bestmöglichste Therapiemethode zu finden. Die Umsetzung wird allerdings an die Länder abgegeben und anfallende Kosten sollen allein die gesetzlichen Krankenkassen tragen. Ihr Spitzenverband nahm den Gesetzesentwurf positiv auf, ist jedoch gegen eine pauschale Kostenübernahme. Da die Daten auch versicherungsfremde Leistungen wie Versorgungsforschung oder die Ressourcenplanung der Länder fördern würden, dürfe dies nicht allein den Beitragszahler belasten. Auch die lange Übergangsfrist beim

Philipp Pecher

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Computertomographische Aufnahmen landen ab sofort im flächendeckenden Krebsregister.

Aufbau der klinischen Krebsregister sorgte für Kritik. Die Umstrukturierung vorhandener Datenspeichersysteme und damit eine Vereinheitlichung der Kriterien darf bis 2018 andauern. „Hier sollen die Beitragszahler über Jahre in Vorleistung gehen, ohne dass sich zeitnah die Qualität der Informationen verbessert“, befürchtet Doris Pfeiffer, Vorsitzende des Krankenkas-

sen-Spitzenverbands. Dennoch plädiert sie für ein einheitliches System bei der Datenerfassung. Derzeit unterscheidet sich die Art der Behandlung je nach Klinikum, Facharzt und technischer Ausstattung. Einige, wie zum Beispiel der AOK-Bundesverband, plädieren sogar für ein nationales Krebsregister. Dem hält Gesundheitsminister

Bahr entgegen. Gerade der Bezug zur regionalen Ebene würde zu einer zielgenaueren Datenerhebung und –auswertung beitragen. Vor 60 Jahren gab es schon einmal ein nationales Register. In der DDR bestand für die Ärzte eine gesetzliche Pflicht neue Krebserkrankungen zu melden. In den 50er Jahren war diese Datensammlung weltweit führend. Mit der politischen Wende entfiehl die gesetzliche Pflicht und die Melderate sank deutlich. Für Professor Peter Michael Schlag vom Krebszentrum Charité Berlin ist das neue Register gut, aber nicht so gut wie jenes der DDR. Er bemängelt, dass bei der Finanzierung vorerst nur die gesetzlichen Krankenkassen herangezogen werden. „Es müssen auch die privaten Krankenkassen mit einbezogen werden. Etwa 10 Prozent der Bevölkerung sind privatversichert“, so Professor Schlag. Ein Beschluss zur Finanzierung ist erst Ende 2013 zu erwarten. Bis dahin bleibt dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen Zeit eine Lösung in Zusammenarbeit mit maßgeblichen Interessenverbänden und Ländervertretern zu erarbeiten. Nicole Grimm

Game‘s next Level Computerspiele – längst nicht mehr bloße Unterhaltung er virtuell mit anderen zusammenarbeitet, kann das auch im richtigen Leben. Dass sich Teamplayer auch im realen Leben kooperativer als Einzelspieler verhalten, fanden Wissenschaftler der Ohio State University in einer Versuchsreihe mit Collegestudenten heraus. Das gemeinsame Zocken eines gewalthaltige Games

könne sogar Aggressionen zwischen erbitterten Rivalen ausschalten. „Diese Studie zeigt, dass Games ein emotionales, mächtiges Medium mit großem Potential sind“, erklärt Thomas Schmieder. Er ist einer der SeniorProjektleiter von GAMECAST, einer Forschungsgruppe der Hochschule Mittweida. Dabei geht es in erster

Linie um die Schnittstelle zwischen Mensch und Computer. Weil sich besonders Spiele dafür eignen, finden die Ergebnisse dort ihre erste Anwendung. Bei dem Pilotprojekt „Urban Legend“ wird der Zocker Teil eines virtuellen Schauspiels. Aus der Gamehandlung wird später ein Animationsfilm erzeugt. „Eine der großen Herausforde-

Bild der Woche

Igor Kretschmann

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Zum Podium Mittweida versammelten sich am Montagnachmittag zahlreiche Politik-Interessierte. Moderator Tim Jungmittag begrüßte zur Diskussion Andrew Denison von Transatlantic Networks sowie Professor Andreas Wrobel-Leipold. Die Talkrunde stand ganz im Zeichen des sich zuspitzenden US-Wahlkampfes, der am 6. November 2012 ein jähes Ende findet. So kam es zwischen den beiden Obama-Befürwortern zu einem regen Gespräch über die innen- und außenpolitische Lage der USA, die Situation beider Kandidaten und Obamas bisherige Amtszeit. Die von Studenten der Hochschule Mittweida produzierte und vom US-Konsulat unterstützte Sendung dauerte 90 Minuten und wurde live bei MW-Digital ausgestrahlt. Daniel Wölfel

rungen für uns ist es, Spielern emotionalere Kontrolle über ihren Avatar zu geben“, so Schmieder. Mit aktuellen Spielkonsolen ist es selbstverständlich geworden, über Bewegungen mit dem Computer zu agieren. Neu ist die Entwicklung einer Mimikerkennung, die auch mit einer handelsüblichen Webcam funktioniert. GAMECAST arbeitet daran gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen. Damit werden Computer künftig in der Lage sein, sensibler auf die Bedürfnisse ihrer Benutzer zu reagieren. Sogar Alter und Geschlecht sind mit dieser Technik bestimmbar. Derzeit können die Emotionen des Zockers bereits Einfluss auf den Spielverlauf nehmen. Damit ist die Grundlage für filmisch verwertbare Spielszenen gelegt. Auf diese Weise kann selbst Publikum erreicht werden, das sonst keinen Zugang zu Games hat. Für Schmieder sei es entscheidend, sowohl kreativ als auch kritisch mit Computerspielen umzugehen. Er betont: „Richtig eingesetzt können uns Games sozial verbinden und emotional bereichern.“ Sebastian Löffler

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