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Zukunftstag von Monique, Maurice und Marvin beim BÜRGERSPIEGEL!

“Wir alle waren sehr bewegt” Von Marvin Etzel (14 Jahre alt) aus Kamperfehn Zukunftstag Ende März. Mein Bruder Maurice, Monique Kramer aus BarßelNeuland und ich haben ihn beim BÜRGERSPIEGEL absolviert. Chefredakteur Henrie Laib besuchte mit uns das Tierheim in Sedelsberg. Dort sollten wir als Jungreporter recherchieren, wie die Tiere untergebracht sind, warum sie hier sind und mit welchen Problemen das Tierheim zu kämpfen hat. Was wir als Erstes festgestellt haben: Es leben dort viel mehr Katzen als Hunde. Hinter jedem Tier steckt ein Schicksal. Einige wurden ihren Haltern weggenommen, weil diese schlecht mit ihnen umgegangen sind. Eine nette ältere Dame führte uns durch das Tierheim und hat uns alles genau erklärt. Ihr Name ist Frauke Dreher, sie ist schon 70 Jahre alt und seit über 20 Jahren ehrenamtlich im Tierheim tätig. Das große Problem sei, erklärt sie uns, dass Katzen sich sehr schnell vermehren. Eine Katze kann im Jahr dreimal gebären. Deshalb müssen seit dem 13. November 2013 laut Katzenverordnung Katzen mit Freigang - also Katzen, die das Haus verlassen dürfen - kastriert und gechippt sein. Das, so Frau Dreher, diene nicht nur zum Eindämmen der Katzenflut und des Katzenelends, sondern auch dem Wohl und der Gesundheit unserer Katzen und Kater! Leider kann das Tierheim nicht alle Katzen annehmen, die von ihren Besitzern oder von Bürgern, die sie gefunden haben, nach Sedelsberg gebracht werden. Es gibt zum einen nicht genug Platz,

Marvin Etzel aus Kamperfehn (2. von links), Monique Kramer (links) und Maurice Etzel waren im Rahmen ihres Zukunftstages im Tierheim Sedelsberg und informierten sich bei den Tierheim-Mitarbeitern über die Schicksale der Tiere

zum anderen ist es auch eine Kostenfrage. Denn die Unterbringung, Pflege und tierärztliche Betreuung kostet sehr viel Geld. Die Haltung für eine Katze, so erzählte uns Frau Dreher, kostet im Jahr Tausende von Euros. Vor allem Sonderkosten wie Tierarztbesuche bei Krankheiten und Verletzungen und die Kosten für Kastration sind ziemlich hoch. Ein Teil wird zwar vom Landkreis übernommen, doch das reiche hinten und vorne nicht, so Frau Dreher. Deshalb ist das Tierheim auf Spenden angewiesen. Viele tierliebe Menschen aus unserer Region kommen auch mit Katzen- und Hundefutter vorbei. Auch über solche Sachspenden freuen sich die sieben Mitarbeiter im Tierheim, die dort fest angestellt sind. Aber auch viele ehrenamtliche Helfer und Helferinnen, wie Frau Dreher, sorgen dafür, dass es den Tieren gut geht. Sie halten die Anlage sauber, ent-

sorgen den Kot, gehen mit den Hunden spazieren und spielen mit den Tieren, von denen einige sehr scheu sind. Viele der Hunde werden Gott sei Dank an tierliebe Menschen vermittelt. Ein Schicksal hat uns besonders bewegt. Das von „Josey“, einer 8 Jahren alten Bernersennenhündin. „Josey“ hat unglaubliche Angst vor Menschen. Sie zog ständig ihren Schwanz ein, als wir in ihre Nähe kamen. Das tun Hunde, wenn sie ängstlich sind. Warum „Josey“ so verängstigt ist, wollte ich von Frau Dreher wissen. Sie erzählte uns, dass „Josey“ und einige andere Tiere darunter auch Pferde - von Tierschützern auf einem Pferdehof im Saterland entdeckt wurden. Sie seien völlig unterernährt, verdreckt, krank und verängstigt gewesen. Man habe die Polizei und den Tierarzt gerufen. Die Tiere wurden dem Halter weggenommen. Der muss „Josey“ und die anderen Tiere

unglaublich schlecht behandelt haben. „Josey“ hat sich während unseres Besuchs nicht in unsere Nähe gewagt, obwohl wir sie immer wieder mit Leckerli anlocken und streicheln wollten. Was sind das bloß für Menschen, die einem Tier so etwas antun? Frau Dreher kann viele solcher Schicksalsgeschichten erzählen. Es sind Geschichten über Menschen, die sich Tiere nur deshalb anschaffen, um ihren Frust an ihnen abzulassen. Das finde ich absolut schrecklich. Wer so mit Tieren umgeht, ist sicherlich auch gegenüber Kindern kein guter Mensch. Ich hoffe, dass viele, die diesen Bericht jetzt lesen, einmal den Weg ins Tierheim nach Sedelsberg finden werden. Meine Bitte: Nehmt ruhig ganz viel Hunde- oder Katzenfutter mit. Soviel, wie Sie tragen können. Auch über eine Geldspende werden sich die Mitarbeiter des Tierheims, aber vor allem die Tiere freuen.


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Veranstaltung


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Interview mit dem jungen Boxer Serge Neumann (21) aus Ostrhauderfehn:

„Man muss sich auf die wichtigen Dinge im Leben konzentrieren“

Alle sind stolz auf Serge, der 2016 auf jeden Fall zu den Olympischen Spielen nach Brasilien möchte (v.l.n.r.): Trainer Alexander Gorodilow, Freundin Martina, Mama Marina, Serges Brüder Arthur und Anton und Papa Johannes

Von HENRIE LAIB Region - Dieser junge Mann hat bislang alles richtig gemacht! Serge Neumann aus Ostrhauderfehn (ist gerade 21 Jahre alt geworden) ist keiner, der sich mit großen Worten wichtig machen muss wie andere in seinem Alter. Er kommt aus einem Elternhaus, in dem ihm Werte wie Disziplin, Anstand, Ehrlichkeit und Fleiß vermittelt wurden. Dabei ist Serge kein Langweiler. Ganz im Gegenteil. Wir kennen ihn als erfolgreichen Boxer (Box Olymp Saterland), der auch beruflich einen sehr erfolgversprechenden Weg geht: Bei Volkswagen in Wolfsburg absolviert er derzeit

eine Ausbildung als Elektroniker für Automatisierungstechnik. Seine größten sportlichen Erfolge als Fliegengewichtler: U21 deutscher Meister 2012/2013, deutscher Meister 2012, 3. Platz Chemiepokal 2013, Teilnehmer WM 2013 in Almaty (Kasachstan), Teilnehmer U22 Europameisterschaft Kaliningrad. Wetten, dass wir von Serge noch viel zu hören und zu lesen bekommen? Kurz bevor er über Ostern ins Trainingslager nach Italien flog, haben wir ihn interviewt. Serge, wann hast du angefangen mit dem Boxen? Serge Neumann: Mit dem

Boxen habe ich im Alter von acht Jahren angefangen. Auf die Idee kam mein Vater Johannes. Ich wurde in der Grundschule aufgrund meiner Größe und Schmächtigkeit oft von den anderen beleidigt. Aufgrund des Mobbings kam es auch zu schlechteren Leistungen in der Schule, sowie zu Lustlosigkeit überhaupt zur Schule zu gehen. Das war eigentlich ausschlaggebend für den Beginn mit dem Boxen. Trainiert habe ich zu Beginn in Ramsloh in einem Keller unter der Schule bei Alexander Gorodilow. Zum einen hat‘s mir Spaß gemacht und zum anderen wurde ich damals dadurch selbstbewusster und die in der Schule haben auf-

gehört mit dem Mobbing. Woher kommt diese Leidenschaft fürs Boxen, sicherlich von Deinem Vater? Was hast Du von ihm, neben dem Boxen, fürs Leben gelernt? Serge Neumann: Die Leidenschaft kommt sicherlich durch meinen Vater. Ich bin ja in Omsk geboren und dort hat mein Vater schon geboxt. Er und Alexander Gorodilow haben mir später als Trainer sehr viel beigebracht. Beide haben sich größte Mühe gegeben, mich zu einem guten Boxer auszubilden. Das, was mich wohl am meisten geprägt hat und war die Antwort meines Vaters, wenn ich mal meinte „Ich kann


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Sedelsberger Erfolgsteam 30 Jahre nach der sensationellen Meisterschaft Von Aloys Budde Sedelsberg - Auch dreißig Jahre nach der sensationellen Meisterschaft der damaligen 4. Herrenmannschaft ist diese Sensation auch heute noch immer wieder mal Thema in Sedelsberg. Mit 41:3 Punkten und 106:25 Toren gewann 1984 die 4. Herrenmannschaft vor Kamperfehn und Scharrel die Meisterschaft in der 3. Kreisklasse Cloppenburg. Jetzt haben sich die Akteure von damals zu einem gemütlichen Abend getroffen. Betreuerehepaar Thekla und Rudi Rothfuhs stellte nicht nur die Räumlichkeiten für die Feier zur Verfügung, sondern war auch maßgeblich, zusammen mit Agnes und Herbert Hinrichs, an der Organisation der Feier beteiligt. Lediglich 3 Spieler von damals (August Meisterfeld, Otto Kamphaus, Hans Büter) waren verhindert, alle anderen Spieler der damaligen 4. Mannschaft waren mit Ehefrauen anwesend. Der gemütliche Abend war hervorragend von den Organisatoren geplant und so waren alle rundherum zufrieden und hatten bis weit nach

Das Erfolgsteam (oben v.l.n.r.): Herbert Hinrichs, Andre Dänekas, Bernd Beuing, Heini Hawighorst, Helmut Niehaus, Günter Lindemann, Helmut Pooschke, Hermann Knelangen. Unten v.l.n.r.: Carol Noffz, Werner Hinrichs, Trainer Siegfried Schwarzbach und Betreuer Rudi Rothfuhs. Es fehlen: Hans Büter, August Meisterfeld, Otto Kamphaus Foto: Aloys Budde

Mitternacht viel Spaß beim Erinnern und Klönen. Aber auch für Kurzweil hatten Organisatoren gesorgt. So wurde, nachdem die Ehemaligen und ihre Frauen ausgiebig gespeist hatten, ein Fußballrätsel gespielt, hier sicherte sich Helmut Niehaus vor Hermann Knelangen und Helmut Pooschke den 1. Platz. Auch

der Gesang von Fußballliedern kam an diesem Abend nicht zu kurz, es war einfach eine tolle Stimmung und so einigten sich alle Beteiligten darauf, diese Wiedersehensfeier in 5 Jahren zu wiederholen. Die Spieler von 1984: Franz Hawighorst, Herbert Hinrichs, Bernhard Beuing, Otto Kamphaus, Hermann

Knelangen, Helmut Niehaus, Heinrich Hawighorst, Helmut Pooschke, August Meisterfeld, Andre Dänekas, Werner Hinrichs, Günter Lindemann, Carol Noffz, Hans Büter. Als Trainer fungierte Siegfried Schwarzbach und das Ehepaar Thekla und Rudi Rothfuhs waren als Betreuer tätig.

Jugendobmann Harald Grosser von Blau-Weiß gibt bekannt: Liebe Sportfreunde, in der Zeit vom 18. Juli - 20. Juli ist es wieder soweit: der Sportverein Blau-Weiß Ramsloh e.V. möchte in diesem Jahr wieder sein Sport- und Familienwochenende (BWRCup 2014) veranstalten, zu dem wir alle recht herzlich einladen. Über das gesamte Wochenende (Freitag bis Sonntag) wollen wir mit viel Abwechslung für jede Menge Spaß und Unterhaltung sorgen. Hierbei steht natürlich der Sport in vorderster

Front, aber auch das gemeinsame „klönen“ soll nicht zu kurz kommen. Ansprechen möchten wir ausdrücklich alle Generationen - von den G-Junioren bis hin zu den Alten Herren - Männlein wie Weiblein. Selbstverständlich freuen wir uns, wenn die kleineren Kickerinnen und Kicker von Oma und Opa und/ oder Tante und Onkel etc. begleitet werden. Wie im Vorjahr werden für die Kleinen eine Hüpfburg sowie weitere Spielattraktionen

aufgestellt. Ebenso findet wieder unsere reichhaltige Tombola, mit tollen Gewinnen statt. Für das leibliche Wohl wird in unserem Stadiongrill sowie unserem Stadioncafé gesorgt. Über den jeweiligen Einzel-Turnieren hinaus, ist insbesondere das Fußballturnier für Hobby und Firmenmannschaften sowie das vereinsinterne Kunstrasenturnier zu erwähnen. Alle notwendigen Informationen werden auf unserer Homepage unter: www.

bwramsloh.de veröffentlicht. Die Anmeldung kann telefonisch, schriftlich oder per E-Mail erfolgen. Die teilnehmenden Mannschaften werden im Vorfelde auf der Homepage www.bwramsloh. de bekanntgegeben. Turnieranmeldung: Jugendobmann Harald Grosser Telefon: 04498 / 2218 oder 707079 h.grosser@ewetel.netMobil: 0162/7378930 E-Mail: h.grosser@ewetel. net


Sonderthema

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Serie

Schriftsteller Günter F. Janßen aus Roggenmoor!

Ein Leben, so spannend wie ein Krimi Günter F. Janßen, der in Roggenmoor als drittes von fünf Geschwistern geboren wurde, offen und schonungslos Einblick in sein bewegtes Leben. Übrigens, das „F“ in seinem Namen steht für Franz. (Er selbst sagt: “Es könnte auch für Freiheit stehen).

IE R E S NEUE Barßel/Brieselang (Berlin) Er scheint ein Besessener zu sein! Einer, der so viel erlebt hat im Leben und das alles unbedingt aufschreiben möchte. Und das auch tut. So entsteht Buch für Buch. Es sind mitunter ganz persönliche Erlebnisse, die der Autor Günter F. Janßen thematisiert. Spannende, emotionale, manchmal schockierende Erlebnisse. Aber auch solche voller Liebe und Hoffnung. Da blickt ein 1952 Geborener zurück auf sein Leben, das während seiner Kindheit und Jugend in Apen und Barßel geprägt war von Ruhe, Geborgenheit und Provinzialität im besten Sinne. Und es heute wieder ist, in seiner neuen Heimat Brieselang, einer amtsfreien Gemeinde im Osten des Landkreises Havelland in Brandenburg. Aber dazwischen, zwischen Kindheit, Jugend und seinem heutigen Leben – mein Gott – da hetzte Janßen durch die Jahrzehnte, lebte intensiv, durchlebte Höhen und Tiefen. Er feierte große berufliche Erfolge und durchlitt Qualen in den Jahren persönlicher Rückschläge. Aber Günter F. Janßen hat sich nie aufgegeben, hat nie resigniert, sondern immer Rückgrat bewiesen, sich wieder aufgerichtet und seinen Traum verfolgt, einmal ein Buch über sein Leben zu schreiben. Zwischenzeitlich sind es 3 geworden, ein 4. erscheint im Juni. Und es sollen noch 4 weitere folgen. Im BÜRGERSPIEGEL gibt

Von Günter F. Janßen Als Kind einer durch eine schwere Wirtschaftskrise vorübergehend aus dem Rhythmus geratenen siebenköpfigen Familie scheiterte ich zunächst kolossal auf der Hauptschule Augustfehn I. Meine Eltern hatten sich mit dem Umbau eines alten Hauses finanziell übernommen, mein Halbbruder nachts heimlich den Verkaufswagen meines Vaters vom Hof geholt und bei einem selbstverschuldeten Unfall einen Totalschaden angerichtet, was uns finanziell das Genick brach. Wenn man schon am Boden liegt, finden sich auch immer welche, die einen zusätzlich mit Füßen treten. So blieb ich in der fünften Klasse mit verheerenden Noten sitzen, fing mich aber dank der Unterstützung meines damaligen Klassenlehrers Eberhard Wolff wieder, der noch heute meine Manuskripte korrigiert. Diese Ereignisse habe ich in „Roggenmoor“ verarbeitet. Nach der Hauptschule erwarb ich auf der Zweijährigen Handelsschule in Westerstede die Mittlere Reife und lernte anschließend bei einem Bosch-Dienst in Oldenburg Groß- und Au-

Günter F. Janßen mit seinen Büchern „Roggenmoor“, „Apen oder So is datt Läben äben!“ und „(Un)endliche Berührungen“ Fotos: privat

ßenhandelskaufmann, wobei der Außenhandel darin bestand, dass der Chef im ostfriesischen Aurich eine Filiale betrieb, die zweimal wöchentlich beliefert wurde. Dies waren im Grunde zwei verlorene Jahre in meinem Leben, in denen ich als billige Arbeitskraft ausgenutzt wurde. Deshalb beschloss ich, die nächsten Jahre in meine persönliche Entwicklung zu investieren. Mit 19 Jahren zog ich nach Westerstede, mit 22 nach Oldenburg, wo ich mit einem Klassenkameraden in der Taubenstraße nahe dem Schlosspark lebte. Für mich

bis heute immer noch eine der schönsten Wohnstraßen, die ich in meinem bisherigen Leben kennenlernen durfte. In Oldenburg erwarb ich auf dem Wirtschaftsgymnasium das Abitur, baute als Schulsprecher aller Schulen der Handelslehranstalten die Schülermitverwaltung auf und versorgte sie durch eine legendäre Fete in der damaligen Pädagogischen Hochschule mit einem stattlichen finanziellen Polster. Im Wintersemester 1977/78 begann ich ein Magisterstudium Neuere Deutsche Literaturgeschichte, Osteu-


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ropäische Geschichte und Theaterwissenschaften an der Friedrich-AlexanderUniversität in Erlangen. Aufgrund des Drängens meines Geschichtsprofessors Klaus Heller, bei dem ich später auch meine Haus- und Examensarbeit schrieb, wechselte ich nach dem 2. Semester auf ein Studium Lehramt am Gymnasium mit den Fächern Deutsch, Geschichte und Spanisch, obwohl es nicht in meiner Absicht lag, Lehrer werden zu wollen. Ich wusste immer, nicht zuletzt aufgrund meiner Erfahrungen in der Lehrzeit, dass ich eines Tages selbstständig arbeiten würde. Ich wusste nur noch nicht, in welchem Bereich! Während der gesamten Studienzeit arbeitete ich nebenher nachts dreimal in der Woche in der angesagtesten Studentendiscothek Erlangens, „Der Zirkel“, anfangs als Türsteher, dann auch als DJ und schließlich als stellvertretender Geschäftsführer. Als Türsteher hatte ich mindestens einmal wöchentlich eine größere Schlägerei, überstand die Jahre aber ohne größere Blessuren. Nach dem Examen unternahm ich eine mehrwöchige Studienfahrt durch Frankreich und Spanien, um meine Sprachkenntnisse zu vertiefen. Es war gleichzeitig der Abschied von meinem bisherigen Lebensstil, in dem meine persönliche Freiheit und die Entwicklung meiner Persönlichkeit im Vordergrund gestanden hatten. Jetzt wurde es langsam Zeit, mich verstärkt dem dauerhaften Broterwerb zu widmen. Nach meiner Rückkehr kam ich mit Leuten aus Herzogenaurach in Kontakt, die die erstmals in Bayern gegebene Möglichkeit, ein Privatradio betreiben zu dürfen, nutzen wollten. In dem Zusammenhang hörte ich von einem G.H. aus Erlangen, der früher beim ZDF gearbeitet haben sollte und über ein sendefähig

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eingerichtetes Studio verfüge. Ich suchte Kontakt zu ihm. Er machte einen sehr kompetenten Eindruck auf mich und erzählte mir, dass er nur Radiomann sei und einen kaufmännischen Leiter bräuchte. So kam es, dass wir gemeinsam „Radio Downtown“ gründeten. In den Folgewochen flossen meine Ersparnisse von 60.000 DM zu ihm, weil angeblich immer noch Geräte benötigt wurden. Eines Tages bestellte mich ein flüchtiger Bekannter in den „Schlupfwinkel“, ein beliebtes Jugendlokal in Erlangen und machte mich mit mehreren jungen Männern bekannt, die Moderatorenverträge mit G.H. hatten, allerdings nicht für „Radio Downtown“, sondern für ein „Radio Wizzard“. Die jetzt von mir vorgenommenen Nachforschungen ergaben sehr schnell, dass ich einem versierten Betrüger aufgesessen war, der mittlerweile einen Millionenschaden angerichtet hatte. Meine Ersparnisse hatte ich verloren, gleichzeitig schien das Radioprojekt gestorben zu sein, da ich von Radio keine Ahnung Günter F. Janßen (noch ohne Bart) mit seiner Tochter Heidede an deren Kommunion hatte. verlagen bewarb ich mich auf mich gerichteten hasserUm nach dieser Katastrophe also 1985 um eine Sendeli- füllten Blicke der Beteiligten nicht den Faden zu verlieren zenz für mein „Radio Down- bei ergebnisloser Auflösung und in Selbstmitleid zu zer- town“. Natürlich versuchten dieser Sitzung werde ich fließen, jobbte ich zunächst die Großverlage, die Klein- nie vergessen. Schließlich halbtags im Quelle-Teppich- anbieter, die man aufgrund gestand man mir anfangs 6 lager für 7,41 DM die Stunde. der Rechtslage nicht einfach Stunden Sendezeit abends Eines Tages rief mich ein Alf- vom Tisch fegen konnte, be- von 18 - 24 Uhr zu. Für ein red Jünger an, der sich eben- reits im Vorfeld zu schlucken, Privatradio, das vom Verkauf falls um eine Sendelizenz was ihnen auch gelang. Die- von Werbezeiten lebt, war beworben hatte. Er wollte se Kleinanbieter sind dann dies faktisch ein Todesurteil mich ermutigen, die von G.H. sehr schnell pleite gegan- und die Branche feixte: „Raeingereichte Bewerbung gen, weil sie natürlich die dio Downtown gleich Radio fortzuführen. Auf meinen hohen Anfangsverluste der Countdown. Spätestens in 6 Hinweis, ich sei pleite, mein- Großen mittragen mussten. Monaten ist es pleite!“ te er: „Aussteigen kannst Ich weigerte mich standhaft, du immer noch, bevor du ir- weshalb der Druck auf mich gendwelche Verträge unter- permanent erhöht wurde. Lesen Sie im nächsten Heft: schreibst. Aber jetzt fährt ein Bei einer Sitzung im „Parkca- • Wie es mit “Radio DownZug ab, den es nicht zu ver- fé“ in Nürnberg mussten alle town” weiterging • Welche passen gilt.“ Für diese zwei bis Mitternacht bleiben, weil späteren TV- und Radiostars Sätze danke ich ihm noch ich mit einem Großverlag bei Janßen ihr Handwerk heute. Ohne einen Pfennig vor die Tür geschickt wurde, lernten und weshalb er Paris Kapital und in Konkurrenz um mich mit ihnen zwecks nicht nur als “Stadt der Liezu den Nürnberger Groß- Kooperation zu einigen. Die be” in Erinnerung hat.



Bürgerspiegel Mai 2014