DiALOG - Das Magazin für EIM, Ausgabe 2015

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Das Netzwerk spricht

Zukunft gestalten mit Gebäuden, die Wissen vermehren Informationen in Wissen zu verwandeln, ist vergleichbar mit einem industriellen Produktionsprozess: Wie Rohstoffe müssen sie verarbeitet werden – in diesem Fall kognitiv und häufig auch emotional –, damit am Ende Wissen, als grundlegendes Kapital unserer Gesellschaft, nutzbar ist. Die Menschen in diesem Prozess zu unterstützen und optimale Arbeitsbedingungen für sie zu schaffen, ist Aufgabe moderner Wissensarchitektur. Thomas Habscheid-Führer, Bereichsleiter Architektur bei der Carpus+Partner AG

Daten sind in einem nie da gewesenen Maße durch das Internet verfügbar. Durch ihre Strukturierung entstehen Informationen und daraus auch individuelles Wissen. Nutzbares Wissen entsteht jedoch erst im Moment der Vernetzung von Menschen. Wie in der Industrie können solche Prozesse optimiert, die Verwandlung von Informationen in Wissen also effizienter gestaltet werden. Die Gebäudearchitektur eines Unternehmenssitzes kann und sollte im Sinne der Qualitäts- und Effizienzsteigerung eine zentrale Rolle spielen!

Beginn an einbezieht: Ein Ineinandergreifen von Co-Design, Change Management und Corporate Architecture. Co-Design meint die strategische Gebäudeplanung über Workshops, in denen Arbeitsprozesse unterschiedlicher Abteilungen zueinander in Bezie-

Intelligente Architektur fördert den Prozess der Wissensgenese und wirkt sich positiv auf die Arbeitsatmosphäre aus.

Auf ihrem Weg in die Zukunft fördern wir Unternehmen mit Gebäuden, die Wissen vermehren: Unternehmenskultur, Arbeitsumgebung und kollegiales Umfeld sind entscheidend für eine Atmosphäre, in der Menschen begeistert zusammen arbeiten – essenzielle Faktoren für die Wissensgenese. In der Gebäudeplanung haben wir eine prozessorientierte Methodik entwickelt, die entsprechend alle Mitarbeiter von

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DiALOG - Ausgabe März 2015

hung gesetzt werden. So entsteht eine Matrix, in der einzelne Abläufe vernetzt abgebildet sind. Darin enthalten sind auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter: in Phasen des konzentrierten Nachdenkens ebenso wie in Phasen des Austauschs, der Teamarbeit oder der Entspannung. Diese Matrix architektonisch umzusetzen, bedeutet auch, dass sich die Abläufe im Unternehmen ändern werden.

Daher ist ein Change Management wichtig. Die Veränderung, die ein Bauprojekt mitbringt, muss durch Menschen getragen und gelebt werden, damit sie sich positiv auswirkt. So gilt: Wer Menschen früh einbindet, macht sie zu Beteiligten. Dabei werden Potenziale aufgedeckt, die wertvolle Schlüsse erlauben, wie der gewünschte Wandel optimal erzielt werden kann. Die bauliche Veränderung geht so mit einer Weiterentwicklung der Unternehmenskultur einher – abgebildet in einer Corporate Architecture, die kultur- und identitätsstiftend wirkt. Die mitteleuropäische Stadt als Vorbild Als Ideen- und Impulsgeber haben wir in der strategischen Planungsphase immer die Vernetzung im Blick. Vorbild für eine gelungene Vernetzung ist z. B. die abendländische Stadt, die in ihrer ringförmigen Struktur seit dem Mittelalter unterschiedliche Funktionen – wie Wohnen, Arbeiten, Kommunizieren, Handeln und Erholen – in wissensfördernder Weise kombiniert. Eine Bauweise, die diese Idee adaptiert, ist von Transparenz und Offenheit geprägt und fördert die