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Wird Blockchain die Welt verändern? Dr. Dirk Siegel, Partner and Leader Blockchain Institute bei der Deloitte Consulting GmbH

In den letzten Jahren tauchte der Begriff Blockchain vielfach in den Schlagzeilen auf. Die Technologie ermöglicht ein globales Register, das Besitzverhältnisse unmissverständlich zuordnet und mit dessen Hilfe Werte bei Bedarf sekundenschnell transferiert werden können. Blockchain funktioniert dabei ohne Zwischeninstanzen wie Staaten oder Banken, da das Netzwerk auf einer hohen Zahl von Computern dezentral organisiert werden kann und somit praktisch unveränderbar ist. Nicht wenige Experten gehen davon aus, dass Blockchain bestehende Geschäftsmodelle ganzer Branchen revolutionieren und vielleicht sogar die Welt verändern könnte. Die Zahl neuer Anwendungsfälle in verschiedensten Bereichen nimmt rasant zu.

Was ist Blockchain? Im Wesentlichen handelt es sich bei einer Blockchain um eine verteilte Transaktionsdatenbank. Sie wächst, indem sich ein digitaler Transaktionsblock an den anderen hängt. Damit hat jeder Block genau einen chronologischen Vorgänger und einen chrono-

logischen Nachfolger. Die einzelnen Blöcke sind über einen sogenannten Hash verbunden - ein eindeutiger digitaler Fingerabdruck der im Block enthaltenen Daten, der sicherstellt, dass eine spätere Veränderung der Daten nicht unbemerkt bleiben kann. Aus dieser digitalen Verkettung entsteht eine Liste, die die ihren Benutzern zugeordneten Werte sowie sämtliche abgespeicherten Datensätze zu jedem Zeitpunkt dokumentiert: ein globales Transaktionsregister. Damit wird die Blockchain zu einem gewaltigen digitalen Datensatz, der chronologisch aktualisiert wird und Transferaktivitäten innerhalb eines Netzwerks von Teilnehmern – kryptographisch versiegelt – archiviert. Im Gegensatz zu herkömmlichen Datenbanken befindet sich die Blockchain dabei nicht auf einem einzelnen Server, sondern alle Teilnehmer des Netzwerks besitzen eine vollständige, zu 100 Prozent identische Kopie der kompletten Blockchain in ihrem lokalen Speicher. Die Richtigkeit der gespeicherten

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Daten wird durch definierte Abstimmungsmechanismen überprüft. Sämtliche Transaktionen zwischen den Teilnehmern bedürfen keinen vertrauensbildenden Intermediären wie Banken, Notare oder Staaten; die daraus resultierende Automatisierung von Geschäftsprozessen führt zu Zeitund Kostenersparnissen. Die bekannteste und erste Anwendung einer Blockchain ist die Kryptowährung Bitcoin. Eine Person oder Gruppe mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto hatte die Software dafür 2008 entwickelt. Mittlerweile wurden unzählige weitere Anwendungen der Blockchain entdeckt und vermarktet. Angefangen mit dem Finanzdienstleistungssektor als Pionier ziehen nun auch weitere Industrien nach. Blockchain ermöglicht es, Geschäfte ohne die Notwendigkeit von Intermediären, durch Peer-to-Peer Transaktionen und automatisiert über sogenannte „Smart Contracts“ durchzuführen. Als

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DiALOG - Das Magazin für EIM, Ausgabe März 2019  

"Digitalisierung – kluges Handeln all-inclusive?" - Antworten auf diese Frage liefert die nun mehr achte Ausgabe des "DiALOG - Magazin für E...

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