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Legitimation durch Kommunikation? Die gesellschaftliche Debatte 체ber Ingenieur-Projekte

Wissenschaftliche Statuskonferenz des Neutralen Expertenkreises im InfoDialog Fracking Berlin 7. M채rz 2012

Prof. Dr. Frank Brettschneider www.komm.uni-hohenheim.de


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Fragen

1. Welche Projekte stoßen auf Akzeptanz? Was sind die Gründe für Protest? 2. Legitimation durch Kommunikation: Welche Entscheidungen sind im Kommunikations-Management zu treffen? 3. Verständlichkeit: Wie kommuniziert man verständlich?

Prof. Dr. Frank Brettschneider


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Akzeptanz von IngenieurProjekten / Gr端nde f端r Protest

eins


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Einstellungen der Bürger zu großen Infrastrukturprojekten

§  Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach Prof. Dr. Renate Köcher §  Ergebnispräsentation am 13.9.2011 auf der Gemeinschaftsveranstaltung von BDI, HDB, BBS/BDZ in Berlin §  „76 Prozent haben generell Verständnis, wenn Bürger gegen große Bauprojekte protestieren.“ §  „Schon auf den bloßen Begriff ‚große Bauprojekte‘ reagiert die Mehrheit spontan negativ... ... trotz der Assoziationen mit Arbeitsplätzen, Fortschritt und Wachstum“

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Vielfältige Gründe für Protest

NIMBY

„verborgene“ Gründe

Ideologie

Umwelt / Natur Kosten

Wahlen

„Von oben herab“ zu wenig Diskussion von Alternativen

unklarer Nutzen

Vertrauensverlust

mangelnde Transparenz Prof. Dr. Frank Brettschneider


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Merkmale der Protest-Kommunikation

Emotionalisierung

Visualisierung Prominenz

Event-Charakter

Moralisierung

Social Media / Social Networks Kriminalisierung

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KommunikationsManagement

zwei


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Phasen des Kommunikations-Managements

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Analyse

Analyse

- Wer sind die relevanten Anspruchsgruppen? -  Welche Positionen vertreten sie? -  Welche Chance- und Risiko-Themen gibt es?

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Analyse-Instrument 1: Relevante Anspruchsgruppen

KommunalPolitiker

Verwaltung (UBA...)

Landes-/Bundes- KVUs/Wasserwirtschaft Politiker

Lokalzeitungen

überregionale Medien

Social Networks / Social Media

NGOs

betroffene Bürger/ Anwohner allgemeine lokale Bürger- Öffentlichkeit initiativen

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Analyse-Instrument 2: Themen-Spinne Schwerlastverkehr

Chemie in Frac-Flüssigkeit (Kothan, Octlyphenol ...)

Landschaftseingriffe

Methan im Trinkwasser

„Energie-Riese“

Erdbeben / Bodenabsenkungen

Quecksilber / Arsen / Radium im Trinkwasser

USA: „Gasland“

„Versuchs-Kaninchen“

„Industrie-Behörden-Filz“

Verpressung von Lagerstättenwasser Frischwasserverbrauch

UMWELTFOLGEN

UVP Bergrecht

GESTZE / REGULIERUNG

BOHRPLATZ

ErdgasGewinnung / Fracking

Höchste Umwelt- und Sicherheitsstandards (auch im Vgl. zu USA)

UMGANG / STIL DER KOMMUNIKATION Transparenz Glaubwürdigkeit Bürgerbeteiligung Respekt / Dialog „Auf Augenhöhe“

UNTERNEHMEN UND VERWALTUNG

Klimafreundliche Energie Sichere / heimische Versorgung

ENERGIEWENDE

Unabhängigkeit von OPEC-Ländern Atom-Ausstieg: Kombination Erneuerbare - Gas

FOLGEN FÜR DEN WIRTSCHAFTSSTANDORT

Schaffung von Arbeitsplätzen Investitionen Steuereinnahmen / Förderabgabe Fortschritt / Innovation / Forschung

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Planung

Planung

Welche Kommunikationsziele werden verfolgt? - Welche Themen müssen in den Mittelpunkt gerückt werden? -  Wie lauten die Kernbotschaften? -  Auf welche Ereignisse muss man Rücksicht nehmen? -

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Umsetzung

Erfolgsfaktoren -  einfach kommunizieren / Soundbites -  verständlich kommunizieren -  durchgängig kommunizieren -  immer auf Kernbotschaften beziehen -  Botschaften permanent wiederholen Kommunizieren

-  Schnell sein / „Rapid Response“ -  „Herz“ und „Verstand“ -  Botschaften visualisieren

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Verst채ndlichkeit

drei


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Der „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“

„Hohenheimer Verständlichkeitsindex“ 0 (überhaupt nicht verständlich) bis 20 (maximal verständlich)

Lesbarkeitsformeln Ÿ Ÿ Ÿ Ÿ

Amstad-Formel 1. Wiener Sachtextformel SMOG-Index Lix Lesbarkeitsindex

Verständlichkeitsparameter Ÿ durchschnittliche Satzlänge Ÿ Ÿ Ÿ Ÿ

Anteil Sätze über 20 Wörter Anteil Schachtelsätze durchschnittliche Wortlänge Anteil Wörter mit mehr als sechs Zeichen

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Beispiel: Bundestagswahl 2009 Die formale Verständlichkeit der Wahlprogramme

∅ politikwissenschaftliche Doktorarbeiten

∅  Politik-Beiträge in der Bild-Zeitung

11,0 10,5 8,6 8,4 6,5 0 5 sehr unverständlich

10

15

20 sehr verständlich

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Wahlprogramm-Check 2009: Bundestagswahl

Beispiele §  „britische Stempelsteuer“ (SPD) §  „energetische Sanierung“ (Die GRÜNEN) §  „Agroenergie-Importe“ (Die Linke) §  „Abflachung des Mittelstandsbauches“ (CDU/CSU)

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Fachbegriffe übersetzen – Verständlichkeit erhöhen

Pressemitteilung des Münchener Verkehrsverbundes „Der MVV hat seine Pläne zur Optimierung und Beschleunigung in allen Systembereichen vorgelegt.“ Deutung Systembereiche = Busse und Bahnen Beschleunigung = sie sollen schneller werden Optimierung = es soll besser werden = komfortabler Alternative „Der MVV plant, dass Busse und Bahnen schneller und komfortabler werden.“ (Reiter 2008: 61) Prof. Dr. Frank Brettschneider


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Verständlichkeit: Empfehlungen

1. Regel: konkret statt abstrakt formulieren („Brücke“ statt „Überwerfungsbauwerk“) 2. Regel: übersichtliche Sätze, keine Schachtelsätze 3. Regel: vertraute Wörter verwenden – wiederholt und einheitlich

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Verständlichkeit: zu Regel 3

§  „Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisteriät ist es nchit witihcg in wlecehr Rneflogheie die Bstabchuebn in eniem Wrot snid, das ezniige was wcthiig ist, ist dass der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sein, tedztrom knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das ist so, wiel wir nciht jeedn Bstachuebn enzelin lseen, snderon das Wrot als gseatems.“ §  Innovationsinvestitionsentscheidung (ist nicht in unserem Bildgedächtnis abgelegt) (Reiter 2008: 45)

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Verständlichkeit: Empfehlungen

1. Regel: konkret statt abstrakt formulieren („Brücke“ statt „Überwerfungsbauwerk“) 2. Regel: übersichtliche Sätze, keine Schachtelsätze 3. Regel: vertraute Wörter verwenden – wiederholt und einheitlich 4. Regel: aktiv statt passiv; kraftvolle Verben statt abstrakte Substantive 5. Regel:

bildhaft und anschaulich formulieren

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Legitimation durch Kommunikation

Profil schärfen

Orchestriert kommunizieren

verständlich

Kernbotschaften

glaubwürdig

kommunikative Disziplin

auf das Wesentliche reduzieren

Prioritäten setzen visuell und emotional

Das Gespräch suchen: zuhören und erklären

sorgfältig planen

in Szenarien denken

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Ansprechpartner Kommunikations-Management

Prof. Dr. Frank Brettschneider Universität Hohenheim Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft Fruwirthstraße 46 70599 Stuttgart Tel. 0711-459-24030 frank.brettschneider@uni-hohenheim.de www.uni-hohenheim.de/komm/

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