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1 | AK der gesellschaftlichen Akteure, 5. Arbeitstreffen, M端nster, 31. Januar 2012

Toxikologische Beurteilung der beim hydraulischen Fracking eingesetzten Chemikalien

Prof. Dr. Ulrich Ewers, Hygiene-Institut des Ruhrgebiets M端nster, 31. Januar 2012


2 | AK der gesellschaftlichen Akteure, 5. Arbeitstreffen, Münster, 31. Januar 2012

Fragen ______________________________________ Ø  Wie sind die bisher beim Fracking eingesetzten Chemikalien aus human- und ökotoxikologischer Sicht zu bewerten? Welche Gefährlichkeitsmerkmale weisen diese auf? Ø  Sind die eingesetzten Frack-Flüssigkeiten nach den gesetzlichen Vorgaben als gefährliche Gemische einzustufen? Ø  Gesetzt den Fall, dass gefährliche Bestandteile von Frack-Flüssigkeiten in Grundwasser- oder Oberflächenwasserkörper gelangen - wie sind die dabei auftretenden Schadstoffkonzentrationen aus human- und ökotoxikologischer Sicht zu bewerten? Können dadurch signifikante Veränderungen der Beschaffenheit dieser Wässer auftreten? Ø  Sind die nach einem Frack austretenden Lagerstättenwässer als gefährliche Gemische einzustufen?


3 | AK der gesellschaftlichen Akteure, 5. Arbeitstreffen, Münster, 31. Januar 2012

Zusammensetzung von Frack-Flüssigkeiten ______________________________________ Wasser

70 – 90 %

Sand, keramische Stützmittel (sog. Proppants) Chemikalien (Additive)

10 – 30 % 1–5%


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Betrachtete Frack-Fl체ssigkeiten ______________________________________

Gesamtmenge der eingesetzten Chemikalien

Gesamtmenge der eingesetzten gef채hrlichen Chemikalien

6.552 kg

1.588 kg

Cappeln Z3a

45.982

31.420

Damme 3

19.873

13.523

Bohrung Buchhorst T12


5 | AK der gesellschaftlichen Akteure, 5. Arbeitstreffen, M체nster, 31. Januar 2012

Grundlage der Beurteilung der Gef채hrlichkeitsmerkmale von Stoffen und Stoffgemischen

______________________________________ Verordnung Nr. 1272/2008 des Europ채ischen Parlamentes und des Rates 체ber die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen vom 16.12.2006 (CLP-Verordnung) Basis dieser Verordnung: GHS = Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals


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Gefährlichkeitsmerkmale von Stoffen

______________________________________ •  •  •  •  •  •  • 

explosionsgefährlich brandfördernd hochentzündlich, leichtentzündlich oder entzündlich sehr giftig, giftig oder gesundheitsschädlich ätzend, reizend oder sensibilisierend krebserzeugend (kanzerogen) fortpflanzungsgefährdend (reproduktionstoxisch)

•  fruchtschädigend •  erbgutverändernd (mutagen) •  umweltgefährlich Die Gefährlichkeitsmerkmale beziehen sich auf den reinen Stoff oder auf Gemische, in denen der Stoff in hoher Konzentration vorliegt.


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Ergebnisse der toxikologischen Bewertung der bei hydraulischen Fracks eingesetzten Chemikalien

_________________________________________ §  Es werden Chemikalien eingesetzt, die nach der CLP-Verordnung als gefährliche Stoffe einzustufen sind. §  Es handelt sich dabei überwiegend um Chemikalien, die auch für andere Zwecke in Industrie, Gewerbe und Haushalten eingesetzt werden. §  Die Frack-Flüssigkeiten, in denen die Chemikalien in mehr oder weniger hoher Verdünnung vorliegen, sind nach der CLP-Verordnung nicht als gefährliche Gemische einzustufen


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Gefährdung des Menschen durch gefährliche Stoffe in Frack-Flüssigkeiten

______________________________________ Einwirkungen / Expositionspfade §  Einatmung §  Hautkontakt §  Verschlucken Hauptpfad der Exposition / Gefährdung: Trinkwasser, das aus Grundwasser oder Oberflächenwasser gewonnen wird, das durch toxische Bestandteile von Frack-Flüssigkeiten kontaminiert ist Kontamination kann durch Störfälle / Unfälle bei Transport, Lagerung und/oder Handhabung von gefährlichen Stoffen erfolgen


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In welchen Konzentrationen können gefährliche Stoffe in Frack-Flüssigkeiten im Trinkwasser vorkommen ?

______________________________________ •  Keine verallgemeinerbaren Voraussagen möglich •  Jeder Fall muss für sich betrachtet werden

•  Abschätzung der Bandbreite möglicher Konzentrationen durch Annahme einer Verdünnung der Frack-Flüssigkeit in Grund- oder Oberflächenwasser von 1 : 1.000 1 : 10.000 1 : 100.000


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Beurteilung der Konzentrationen gesundheitsschädlicher Stoffe im Trinkwasser

______________________________________ §  Grenzwerte der Trinkwasserverordnung §  WHO – Leitwerte (Guide Values) der WHO Guidelines for Drinking Water Quality (2011) §  Gesundheitliche Orientierungswerte für toxikologisch nicht oder nicht vollständig bewertbare Stoffe Die genannten Grenz- und Beurteilungswerte gelten für die lebenslange Exposition (Konsum von 2 L Wasser pro Tag) und sind als Vorsorgewerte einzustufen. Vorübergehende geringfügige Überschreitung stellen keine Gesundheitsgefahr dar und sind unter bestimmten Umständen für begrenzte Zeiten zulässig.


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Ergebnisse der Abschätzung ______________________________________ Die sich bei einer Verdünnung von 1 : 10.000 einstellenden Stoffkonzentrationen liegen zumeist deutlich unterhalb der Grenzwerte der Trinkwasserverordnung und anderer toxikologisch begründeter Beurteilungswerte Ausnahmen: Die Konzentration von Bromat und Bioziden liegt erst bei 1 : 100.000-facher Verdünnung unterhalb des Grenzwertes der Trinkwasserverordnung


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Weitere Arbeitsschritte ______________________________________ §  Ökotoxikologische Bewertung der sich bei verschiedenen Verdünnungen der Frack-Flüssigkeiten einstellenden Stoffkonzentrationen §  Beurteilung möglicher Veränderungen der Beschaffenheit von Grund- und Oberflächenwässern (Versalzung) §  Toxikologische Beurteilung von Additiven, die in Zukunft beim hydraulischen Fracking eingesetzt werden sollen §  Ausarbeitung von Empfehlungen, welche Aspekte bei der Auswahl von Additiven aus toxikologischer und hygienischer Sicht künftig beachtet werden sollten

Toxikologische Beurteilung der beim hydraulischen Fracking eingesetzten Chemikalien  
Toxikologische Beurteilung der beim hydraulischen Fracking eingesetzten Chemikalien  

Präsentation vom 5. Arbeitstreffen des Akteurskreises Prof. Dr. Ulrich Ewers, Hygiene-Institut des Ruhrgebiets Münster, 31.01.2012

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