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Leben Ein Mann sucht seine Mutter. Er kennt nicht mal ihren Namen

Tanzen Vier Hip-Hopper und ein Ballettprofi

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„Ich entdecke meinen Mann ganz neu“ Mit einer Paarberatung haben Anna und Paul Burns wieder zueinandergefunden

Geld ausgeben Einkaufen tröstet – aber nur kurz

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Inhalt

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Titelthema

Panorama Titelthema Eine Ehe ist gerettet Mit Hilfe eines Therapeuten kam das Paar wieder ins Gespräch Interview Wolfgang Schmidbauer: Liebe ist nicht definierbar

Spektrum Diakonie Diakonie im Test Ein Ballettprofi bei der Hip-Hop-Gruppe Big David im Stuttgarter Jugendhaus West Meinung Durch Krankheit darf man nicht arm werden! Reportage Tadeusz Rippka sucht seine Mutter – aber er kennt nicht mal ihren Namen Eine Welt Der Granit sieht schön aus auf der Terrasse. Leider kommt er oft aus Steinbrüchen in Indien – wo Menschen für wenig Geld ungeschützt arbeiten Meine Geschichte Es war eine Odyssee, bis Sven Lenk die Reha fand, die ihm helfen konnte

Lebenskunst Vermischtes Aus den Werkstätten der Diakonie Stabile Parkbänke aus Oberfranken Kultur Reise Nürnberg ganz ohne Lebkuchen Lebensfragen Frustkäufe tun gut, aber nur kurz. Wie man lernt, sich etwas zu gönnen und dabei sparsam zu sein

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Impressum

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Sie hatten sich weit voneinander entfernt – jetzt machen sie wieder Pläne

Diakonie im Test

Die Jungs von Big David können echt was, sagt der Profitänzer

Lebensfragen

Wenn die ganze Welt gegen dich ist, hilft nur noch eins: Shoppen!

Reportage

Tadeusz und seine Brüder: Ein Mann auf der Suche nach seiner Familie

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soziale Arbeit der evangelischen Kirchen. Sie hilft Menschen in Not und in sozial ungerechten Verhältnissen.

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Ihr Vater schlug sie und wollte, dass sie zu Hause in ihrem peruanischen Dorf Tiere versorgt. Aber Lucinda Quispealaya verließ die Eltern und wurde Agrartechnikerin. Mit Hilfe von „Brot für die Welt“ lernte sie nachhaltige Landwirtschaft und studierte nebenbei Jura. Den elterlichen Hof hat sie renoviert. Er gibt inzwischen sogar noch den fünf Geschwistern Arbeit.

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Fotos: Thomas Lehner

Diakonie ist die


Fotos: Thomas Lehner

Auf dem Markt ist Lucinda stets willkommen. Sie ist jetzt Pr채sidentin des regionalen Landwirtschaftsverbandes, in dem sich Kleinbauern gegenseitig helfen. F체r die Kollegen ist sie eine gefragte und erfahrene Beraterin geworden.

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Panorama

Portrait Hin und her und wieder zurück. Gerold Fischborn fährt jährlich Tausende von Kilometern – alles auf dem Gelände der Stiftung kreuznacher diakonie. Er sorgt mit seinem Hol- und Bringdienst dafür, dass alles zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Kein netter Enkel, sondern ein netter Altenpfleger: aus dem Video des Diakonischen Werks

Unterwegs im Namen Und wer sorgt dann des Herrn später mal für uns?

Diakonie in Zahlen Von insgesamt 27 000 Einrichtungen der Diakonie sind 2800 Angebote der Familienhilfe. Die meisten, rund 2400, sind ambulante Angebote, zum Beispiel Beratungsstellen. Einige der stationären Angebote sind hier aufgeführt.

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Viele Pflegekräfte sind am Ende ihrer Kraft und ausgebrannt. Sie leiden unter Zeitdruck und schwierigen Arbeitsbedingungen. Und es wird nicht besser: Im Jahr 2050 gehen womöglich schon 40 Prozent weniger Schüler auf Ausbildungssuche, die Zahl der Schulabgänger sinkt stetig. Gleichzeitig brauchen immer mehr Menschen Pflege und Hilfe. Die Diakonie wird sich daher intensiver um Auszubildende und Fachkräfte für soziale Berufe kümmern müssen. Dies ist eines der zentralen Themen des Diakoniekongresses „zukunft: pflegen“, der vom 15. – 17. Juni im ICC in Berlin stattfindet. 2000 Teilnehmer, vor allem Pflegekräfte und Führungskräfte aus dem Bereich des Gesundheitswesens, werden erwartet. Infos unter: www.dekv-kongress.de Sie interessieren sich für einen sozialen Beruf? Speziell für junge Leute hat die Diakonie sechs Videoclips online gestellt. Mit diesen Internetspots will die Diakonie junge Leute für soziale Berufe begeistern. Sie sind unter www.diakonie.de, aber auch bei You Tube, MySpace und Facebook unter dem Stichwort „Diakonie“ zu finden.

Angebote der stationären Familienhilfe (Auszug) Erholungs- und Kurheime für Erwachsene und Altenerholungsheime

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Familienerholungsheime- und Ferienstätten

60

Freizeitheime

92

Frauen- und Kinderschutzhäuser

39

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Quelle: Einrichtungsstatistik, Stand 1.1.2006

1816

314

3755 503

194

Einrichtungen

3312 758 Mitarbeiter/innen

Bettenplätze

Fotos: kreuznacher diakonie/DWEKD

Wer sein Frühstück nicht selber einkaufen kann, der bekommt Brötchen und Butter pünktlich geliefert, im Krankenhaus wartet die Wäsche, und dann müssen die Müllcontainer geleert werden. Gerold Fischborn, 52, ist mit seinen Kollegen vom Hol- und Bringdienst der Stiftung kreuznacher diakonie in Bad Kreuznach dafür verantwortlich, dass im innerbetrieblichen Transport alles glattläuft. Wenn er auf sein orangefarbenes Fahrzeug steigt, ist das für ihn mehr als nur der Start in einen Arbeitstag. Für Gerold Fischborn beginnt um 6:15 Uhr der Dienst am Menschen. „Ich bin keiner, der stur geradeaus schaut. Ich liebe den Kontakt zu den Leuten.“ Kommt er am Kindergarten vorbei, winken ihm die Jungen und Mädchen fröhlich zu, vor dem Krankenhaus wünscht ihm der Ärztliche Direktor einen guten Morgen. „Wir sind eine große Familie.“ Deshalb fühlt er sich so wohl hier, seit fast 16 Jahren. „Unterwegs im Namen des Herrn“ steht auf Fischborns Fahrzeug. Christlich denken, das ist gut, aber er will auch so handeln. Der Mann im Blaumann lächelt und startet sein Fahrzeug – es ist Zeit, die Diakonissen brauchen ihr Mittagessen.

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Gegen Gewalt kann man sich wehren



Mayrs Spitze

Darüber redet man nicht gern: Dass es im Dienst der Barmherzigkeit manchmal ganz schön unbarmherzig zugehen kann. Kranke werden unter Druck gesetzt, geschlagen, drangsaliert. Gewalt beginnt schon bei der Haltung: „Du bist krank, du musst tun, was ich sage.“ Aber auch Pflegekräfte und Angehörige müssen Beschimpfung, Erpressung und Beleidigung ertragen. Wie kann man sich wehren? Mit wem darüber sprechen? Eine Broschüre des Diakonischen Werkes Bayern informiert und hilft: Neben konkreten Handlungsanleitungen, Checklisten und Tests enthält sie auch Andachten und Meditationen für Pflegebedürftige und Pflegende. Die Broschüre „Gewalt in der Pflege alter Menschen“, 2002 zum ersten Mal erschienen, wurde jetzt aktualisiert und ergänzt. Man kann sie bestellen beim Diakonischen Werk Bayern, Renate Meinhardt, Tel: 0911 / 93 54 208, E-Mail: meinhardt@diakonie-bayern.de. Das erste Exemplar ist kostenfrei, jedes weitere Exemplar kostete 2,50 Euro. Anzeige

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Fotos: kreuznacher diakonie/DWEKD

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Titelthema

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Sie waren verliebt und hatten Schmetterlinge im Bauch. So sollte es immer bleiben. Doch irgendwann trübten Sorgen um Kinder, Stress und Eifersucht das Glück. Anna und Paul Burns haben erst durch eine Paarberatung wieder zueinandergefunden Fotos: Alexander Stein / Joker

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Titelthema

„Ich kann einfach nicht mehr.“ Beim Autofahren überwältigte Anna Burns* dieses Gefühl. Schon vor einiger Zeit war sie ausgezogen aus dem Haus, in dem sie gemeinsam mit ihrem Mann Paul* drei Kinder großgezogen hatte. Sie konnten nicht mehr miteinander reden. „Ich sah einfach keine Perspektive mehr. Man sinkt in ein tiefes Loch.“ Anna Burns fuhr an den Straßenrand, brach in Tränen aus und wusste: Ich brauche Hilfe, sofort. Per Handy telefonierte sie so

Als die Kinder groß waren, ver­ stummten die Gespräche zwi­ schen Anna und Paul Burns. In der Paartherapie haben beide gelernt, sich ihre Wünsche mit­ zuteilen. Inzwischen verbringen sie wieder viel Zeit zusammen, ohne dass Paul auf sein Hobby, das Dudelsackspielen, verzich­ ten muss.

lange, bis sie über die evangelische Kirche bei der Paarberatung des Diakonischen Werkes landete und einen Termin bekam. „Erst habe ich nur geschimpft“, erinnert sich Anna, 56, an die erste Sitzung, „und dann konnte ich endlich über alles reden. Es war eine absolute Erleichterung.“ Zwischen den Einzelgesprächen besuchte sie ab und zu ihren Mann. „Da habe ich erst wahrgenommen, wie Paul sich fühlt.“ Er sagt: „Ich versuche immer, der Fels in der Brandung zu sein. Keiner sah, dass ich gelitten habe wie alle anderen.“ Paul, der genauso alt ist wie Anna, hatte früher als Polizist in einer Spezialeinheit gearbeitet und gelernt, Gefühle äußerlich

perfekt zu beherrschen. Schließlich geht er zum selben Psychologen wie Anna, zunächst allein, dann noch weitere sechs Mal gemeinsam mit seiner Frau. „Der Therapeut hat nie gesagt: Das müssen Sie so oder so machen. Das“, räumt Anna ein, „hat mich anfangs irritiert.“ Paul ergänzt: „Aber er fragte gezielt. Tage oder Wochen später sah ich manches aus einer anderen Perspektive.“ Da kam etwas in Gang. Mehr als 300 000 Menschen lassen sich jährlich in den rund 430 evangelischen Psychologischen Beratungsstellen (Ehe-, Familien-, Erziehungs-, Jugend- und Lebensberatungsstellen) von Kirche und Diakonie beraten. 43 Prozent der Klienten, also rund 130 000, kommen, weil sie Probleme in der Partnerschaft haben. Die meisten sind verheiratet, die meisten im mittleren Alter, doch mehr als acht Prozent aller Ratsuchenden sind auch schon 60 Jahre und älter. Frauen stellen mit zwei Dritteln die Mehrheit (68 Prozent). Soweit die Statistik. Und die Praxis? Rüdiger Haar von der Psychologischen Beratungsstelle des Diakonischen Werkes Kassel erinnert sich, „dass vor 30 Jahren nur Frauen kamen, dass Männer die Frauen schickten und wir Berater das auch zuließen“. Heute gibt es Paarberatung in der Regel nur für beide. Wenn zwei gemeinsam anfangen, wird auch nur mit beiden weitergemacht. „Die Männer haben dazugelernt“, bescheinigt Haar dem starken Geschlecht, „sie sind einsichtiger und sprachfähiger geworden.“ Dass mehr über 60-Jährige in die Paarberatung gehen, hat verschiedene Gründe, meint Margarete Gortner von der Diakonie Pfalz in Kaiserslautern: „Vielleicht wächst die Akzeptanz, überhaupt ein Beratungsangebot anzunehmen.“ Viele ältere Menschen seien in Situationen geraten, die sie überlasteten – etwa, wenn der Ehepartner langsam dement werde. Auch Gewalt im Alter spiele eine Rolle. „Zunehmend gibt es rüstige Rentner, die andere Lebenserwartungen haben als ihre Partner, die sich schon aus sozialen Kontakten zurückziehen.“ Eine andere Beobachtung aus ihrer Praxis: „Mir fallen überfrachtete Ansprüche an die Beziehung auf.“ Frank Harries registrierte bei der Psychologischen Beratungsstelle in Marburg eine Steigerung der Nachfrage um 20 Prozent innerhalb der letzten fünf Jahre. Er sieht, dass viele Menschen heute mehr unter Druck stehen als früher: „Der Mut oder Übermut, eine Veränderung zu wagen, hat nachgelassen.“ Finanzielle Sorgen, Arbeitsplatzwechsel mit längeren Fahrzeiten oder Suchtprobleme belasteten Partnerschaften stärker. Ebenso höhere Erwartungen an die Schulkarriere der Kinder. „Der Stresspegel steigt. Man wirft dem Partner vor: Du kümmerst dich nicht genug!“ Daneben gibt es immer noch die zeitlosen Beziehungskiller. Ganz oben auf der Liste stehen die Klassiker: Kommunika­ tionsprobleme und „Außenbeziehungen“. Außerdem gehören dazu: schlechter Sex, Gewalt, Schicksalsschläge (wie Arbeitslosigkeit, Behinderung oder Krankheit), Finanzprobleme, wiederkehrende Streitpunkte – etwa über Lebenspläne, Kindererziehung, Rollenverteilung oder den Umgang mit Geld –, Stress *Namen von der Redaktion geändert

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mit den Kindern, Schwierigkeiten mit den Eltern und Probleme mit dem eigenen Älterwerden. So gesehen ist fast das ganze Leben liebesgefährdend. Trotzdem träumen, hoffen, wissen wir, dass nichts besser hilft, die Herausforderungen des Lebens zu bewältigen, als eine glückliche Beziehung. Doch wo ist der Punkt, an dem wir hellhörig werden müssen? Wann wird aus einer glücklichen eine gefährdete Liebe?

„Die Männer haben gelernt. Sie sind sprachfähiger geworden“ „Immer dann, wenn etwas Neues beginnt, ist die Beziehung auf dem Prüfstand“, weiß Rüdiger Haar. „In Schwellensituationen also, wenn man zurück und nach vorne schaut und sich fragt: Will ich das so?“ „Paare kommen leider selten präventiv, sondern meist im letzten Moment zur Beratung, wenn es schon schwierig ist“, sagt Dorothee Schif von der Psychologischen Beratungsstelle der Evangelischen Kirche Stuttgart. Wenn Paare nachzuforschen beginnen, wo sie sich eigentlich verloren haben, dann liege dieser Zeitpunkt manchmal sechs oder acht Jahre zurück.

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Der schleichende Prozess setze oft ein bei der Familiengründung. Dorothee Schif empfiehlt Paaren deshalb, „besonders beim ersten Kind auf sich zu achten“ – damit sich zum Beispiel der Mann nicht verletzt zurückzieht, weil die Frau intensiv mit dem Baby beschäftigt ist. Anna und Paul Burns haben mit 20 geheiratet, gegen die Einwände ihrer Eltern. Sie lernten früh, für ihre Liebe zu kämpfen. Ihr erstes Kind ertrank mit zwei Jahren. Beide glaubten, ihr Leben sei für immer zerstört. Doch es ging weiter. Sie bekamen noch drei Kinder. Zogen sie gemeinsam groß, blieben beide berufstätig, wechselten sich mit Haushalt und Kinderbetreuung ab. „Es war immer sehr turbulent bei uns“, sagen sie. „Wir dachten: Wenn die Kinder groß sind, dann haben wir Zeit für uns.“ Paul war ein halbes Jahr weg, auf der Meisterschule, dann hatte er Schichtdienst, und zunehmend fühlte er sich ausgeschlossen aus der eigenen Familie. Ganz allmählich spitzte sich die Situation zu. Er fand, seine Frau sollte die inzwischen großen Kinder „mehr loslassen“. Spaß und Anerkennung brachte ihm das Dudelsackspielen, ein zeitaufwendiges Hobby. „Wir haben uns nicht die nötige Zeit gewidmet,“ weiß Paul heute. „Wünsche wurden nicht ausgesprochen. Gespräche verstummten.“ Der eine saß am Esszimmertisch, der andere vorm Fernseher. Man fragte sich Anzeige

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Titelthema

Im Alltag bleibt keine Zeit für Gespräche? Auch beim Abwa­ schen kann man sich wunderbar unterhalten! Das Ehepaar Burns redet jetzt wieder über gemein­ same Pläne. Eine Motorradfahrt steht auf dem Programm – die hatte sich Paul gewünscht.

höchstens noch nach der Uhrzeit. Paul ging öfter mit einer Kollegin essen, ohne seiner Frau davon zu erzählen. Er schmiedete sogar Urlaubspläne mit der anderen Frau. Als Anna davon erfuhr, zog sie aus. Es ist eine individuelle, mit Schmerzen erlebte Geschichte. Und eine absolut normale Geschichte. Margarete Gortner von der Beratungsstelle der Diakonie Pfalz in Kaiserslautern weiß: „Viele Paare denken: Das Wichtigste ist, dass die Kinder gut versorgt sind. Wenn sie groß

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sind, dann sind wir dran. – Aber das ist zu lange!“ Die Verschlechterung der partnerschaftlichen Kommunikation sollte alarmieren. „Paare verlieren sich im Funktionierenmüssen des Alltags und lassen nicht genug Raum für den Austausch von Wertschätzung.“ Das heißt: Sie reden nicht, nicht genug oder im falschen Ton miteinander. Zu nüchtern, lieblos oder verletzend. Es beginnt im Kleinen. Manche grüßen sich nicht, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen. Andere sticheln, manchmal geschickt nur unterschwellig, für den ers-

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Titelthema Diakonie magazin 2/2009

ten Eindruck sogar witzig. Sie machen sich indirekt oder direkt Vorwürfe, kritisieren den anderen mehr als dass sie – das Gegenteil tun: ihm ironiefrei ihre Liebe, Anerkennung, ein Kompliment, Lob, Dank ausdrücken. Mit Worten, Taten oder Berührungen. Oder auch einfach ihre Freude am Leben mit dem anderen teilen. Gemeinsam etwas Schönes genießen. Kein Wunder, dass Sex schnell zum Schauplatz für Machtkämpfe wird. Die oft unbewusst gesendete Botschaft: „Du gibst dir keine Mühe mehr, mir entgegenzukommen. Dann hab ich auch keine Lust mehr, mit dir ins Bett zu gehen.“ Auch das Verhältnis zu den Eltern kann sich belastend auswirken. „Das ist meine Sache, das geht dich nichts an.“ Derartige Sätze machen Berend Groeneveld von der Beratungsstelle

„Verabreden Sie sich einmal in der Woche und reden Sie 15 Minuten nur von sich“ Detmold hellhörig. „Dahinter steckt meist eine pubertäre Ablösungskrise, für die der Ehepartner herhalten muss.“ Solche Menschen haben oft bis zur Ehe im „Hotel Mama“ gewohnt. „Diese ‚unabgelösten Kinder‘ spüren eine tiefe Sehnsucht, die nie gelebte Selbstständigkeit nachzuholen. Hier haben wir es mit einem schuldlosen Schuldigwerden der Eltern zu tun“, sagt Groeneveld. Eine große Belastung sei es auch, „wenn Eltern nicht ihren Segen für die Beziehung gegeben haben: Das ist bei einer Krise wie ein Zwei-Fronten-Krieg“. Häufig will einer mehr als der andere, dass die Beziehung erhalten bleibt. Der „Störrische“ fürchtet, dass er vom Berater gemaßregelt wird. Er (oder sie) atmet jedoch meist schon in der ersten Sitzung auf, „wenn er merkt, dass er verstanden wird“, so Rüdiger Haar. „Es geht nicht um Schuld, es geht um Verständnis. Etwa: Wie kommt es, dass dieser Mann sich mit einer anderen Frau eingelassen hat?“ Anna Burns zog ein Jahr nach der Trennung wieder zu Hause ein. Das war 2008. „Wir haben uns wieder angenähert.“ Paul betont: „Es war sehr wichtig, dass wir einen außenstehenden und unparteiischen Gesprächspartner hatten.“ Experten bezeichnen das als „Triangulierung“ des Gesprächs. Der Berater wird zum Übersetzer. Und mehr: Durch die Einbeziehung des neutralen Dritten wird etwas Neues möglich. Viele Psychologen arbeiten mit Schlüsselfragen, wie: Was soll sich durch die Beratung NICHT ändern? Wollen Sie sich von diesem Menschen oder nur von dieser belastenden Situation trennen? Was müssten Sie tun, damit Ihre Beziehung ganz schnell am Ende ist? Ein wichtiger Schritt besteht darin, Kommunikationsmuster zu verändern. Das gelingt besser, wenn man zwischen Verhalten und Persönlichkeit unterscheidet. Verhalten kann man ändern. „Man sollte nicht sagen: ‚Er ist eben so, typisch!‘“, rät Margarete Gortner. Paarberater geben Denkanstöße und manchmal auch kleine Hausaufgaben. Einige Beispiele: Beobachten Sie, was der andere für Sie Gutes tut (auch Kleinigkeiten wie den Lieblings-

joghurt einkaufen, morgens einen Kaffee ans Bett bringen). Wann haben Sie sich das letzte Mal für solche Sachen bedankt? Verabreden Sie sich einmal in der Woche zu Hause und reden Sie jeder 15 Minuten lang nur von sich, darüber, wie Sie sich in der Beziehung fühlen – ohne Vorwürfe zu machen, bleiben Sie bei der Beschreibung Ihrer Gefühle. Wer zuhört, darf nicht unterbrechen. Äußern Sie Kritik in angemessener Form und ohne Verallgemeinerung. Sprechen Sie genau an, was Sie stört. Versuchen Sie, wie bei der Arbeit, Vereinbarungen zu treffen. Viele Beratungsstellen bieten auch Kurse für Kommunikation an. Finden Sie eine gemeinsame konkrete Sprache für Ihre Sexualität. Oder: Erinnern Sie sich, wie Ihre Eltern mit Ihnen umgegangen sind, wenn Sie bestraft werden sollten. Oft wiederholt man in der Partnerschaft das, womit man als Kind negativ gesteuert wurde. Besonders spannend wird es, wenn ein Partner etwas von dem abgeben muss, was bislang tatsächlich immer typisch für ihn war und nun als Merkmal des anderen auftritt. „Was man anfangs am anderen bewundert hat, wird später das Problem“, sagt Rüdiger Haar. Angenommen der Mann ist ein „Gockel“, dann sucht er sich eine „Maus“, die ihn bewundert. Sie erlebt Glamour durch den Mann. Das klappt einige Jahre. Bis die Frau selbst zu glänzen Anzeige

Wir sind Ihre Bank. Die KD-BANK ist eine Genossenschaftsbank mit christlichen Wurzeln und Werten, die Institutionen aus Kirche und Diakonie betreut. Auch Privatpersonen, die unsere christlichen Werte teilen, sind herzlich willkommen. Der verantwortungsbewusste Umgang mit den ihr anvertrauten Geldern ist für eine Bank, die kirchlichen und diakonischen Einrichtungen gehört und deren Gelder verwaltet, besonders wichtig. Sie können sich sicher sein, dass die KD-BANK auch die Kundengelder, die nicht als Kredite an Kirche und Diakonie herausgelegt werden, bestmöglich unter der Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien anlegt. Nähere Informationen finden Sie unter www.KD-BANK.de oder rufen Sie uns an. Wir beraten Sie gern.

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wünscht. Dann wird es heikel, weil er ihre bewundernden Blicke vermisst. Die Hausaufgabe für dieses Paar: Er soll lernen, um sie zu werben und etwas für sie zu tun (was er eigentlich für sich erwartet). Und sie soll sich als Mittelpunkt pflegen und ausprobieren, wie das ist. Dieses Austauschprinzip gilt für viele Gegensatzpaare wie etwa quirlig-ruhig, ordentlich-unordentlich, spontan-überlegt. Wenn ein Mensch nämlich die Ergänzung, die er im Partner gefunden hat, als Mangel bei sich selbst erlebt, „dann ist das auf die Dauer nicht auszuhalten“, warnt Frank Harries. „Wir wollen zusammen alt werden.“ Um sich das zu zeigen, bedarf es nicht immer großer Worte. Kleine Gesten sagen manchmal mehr.

Auch Anna und Paul üben noch. Sie umkreisen bis heute weiträumig bestimmte Themen. Etwa „die Heimlichkeiten“ mit seiner Kollegin, die Anna so verletzt hatten, dass sie damals auszog. Doch sie sind sich einig: „Wir lieben uns. Und wollen zusammen alt werden.“ Auch körperlich nähern sie sich behutsam wieder an. „Wir kuscheln wieder.“ Sie machen jetzt sogar etwas, das nur auf Pauls Zettel stand: Motorradfahren. Und Anna sagt in ihrem 37. Ehejahr: „Ich entdecke meinen Mann ganz neu.“ Sylvia Lott Adressen und Tipps www.evangelische-beratung.info Evangelische psycho­ logische Beratungsstellen in Ihrer Nähe www.zwie-gespraech.de Seminare nach dem Selbsthilfe­ konzept von Michael Lukas Moeller www.martemeo-deutschland.de Marte Meo ist eine Metho­ de zur Interaktionsanalyse, die in der Arbeit mit Kindern, Demenz- und Schlaganfallpatienten und neuerdings auch in der Paarberatung genutzt wird. Das Paar wird gefilmt, wäh­ rend es sich wenige Minuten über etwas Unverfängliches unterhält. Die Auswertung ihrer Kommunikation zeigt Ansätze für die Beratung. Mehr Informationen auch bei Frank Harries: Telefon 06421/278 88 Aktuelle Literatur Birgit Dechmann, Elisabeth Schlumpf: Lieben ein Leben lang. Wie Beziehungen immer besser werden, Beltz, 317 S., 19,90 €. Paartherapeutischer Ratgeber, der Lust macht, Neues mit dem Partner auszuprobieren und Perspektiven zu wechseln.

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„Das wird irgendwann zu einer Bedrohung. Das braucht eine Veränderung, diese Anteile muss ich in mir selbst wachrufen.“ Ein wunderbarer Helfer ist Humor. Margarete Gortner spricht von „Glanzmomenten, wenn es gelingt, dass ein Paar über seine Umwege lachen kann“. Das Wesentliche an der Beratung sei schließlich, „dass etwas Leichteres, Hoffnungsvolles spürbar wird“. Die Vorwurfshaltung soll ersetzt werden durch Verständnis. Oder zumindest durch Klarheit. Wenn sich ein Paar dann trennen will, bedeutet das kein Scheitern. Auch für diesen Fall bieten die Beratungsstellen Hilfe an – dabei, faire Bedingungen auszuhandeln, negative Gefühle zu verarbeiten und die Elternschaft zu regeln. „Schreiben Sie fünf Dinge auf, die Sie gern mit Ihrem Partner machen möchten“, lautete eine Aufgabe für das Ehepaar Burns. Drei Wünsche waren gleich: lange Spaziergänge, Saunabesuche, Essen gehen. Die Zettel haben sie heute noch. Nach dem geschützten und angeleiteten Gespräch einer Paarberatung ist nicht alles perfekt. „Es braucht Entwicklung“, betont Frank Harries. „Neue Verhaltensweisen muss man immer wieder üben – wie ein Kind, das Laufen lernt.“


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Interview

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Wolfgang Schmidbauer ist Psychoanalytiker und Paartherapeut in München, außerdem Autor vieler Bücher und Zeitschriftenbeiträge

„Liebe ist nicht definierbar“

Foto: privat

Was der eine Mensch Liebe nennt, ist für den anderen Sympathie und Wertschätzung Über ein Drittel der Ehen wird geschieden. Haben wir zu hohe Erwartungen an die Partnerschaft? Nein. Das Problem sind der Umgang mit Enttäuschungen und der verbreitete Glaube, Liebe bedeute, einem anderen immer alles genau dann geben zu können, wenn er es braucht. Das sind Baby-Modelle, die in der Konsumgesellschaft erstaunliche Macht entfalten. Gibt es typische Krisen in Beziehungen? Ja. Wenn ein Paar zusammenzieht, ein Kind kommt, ein Partner nicht mehr berufstätig ist oder eine Nebenbeziehung bekannt wird. In jeder dieser Krisen müssen die Partner sich darin unterstützen, mit Enttäuschungen umzugehen. Indem sie etwa aus Liebe ihre Vorstellungen von Ordnung und Sauberkeit aufgeben, lernen, einen Dritten – das Baby – zu integrieren oder auf Bestätigung zu verzichten, die auch eine stressige Berufsarbeit mit sich bringt. Das Zusammenleben mäßigt die Idealisierungen, nach denen moderne Liebende hungern. Es gefährdet die Erotik, weil es mehr Irritationen gibt und die Gefahr größer ist, dass ein Wunsch, zusammenzukommen, auf Rückzugsbedürfnisse stößt. Wenn man sich für ein Treffen verabreden muss, kann man sich leichter herausreden, ohne jemand zu kränken. Kommt Partnerschaft ohne Liebe, nur mit Wertschätzung aus? Liebe entzieht sich der Definition. Was ein Mensch Liebe nennt, nennt ein anderer Sympathie oder Wertschätzung. Liebe hat mehr mit Verliebtheit, Überschätzung und Illusion zu tun als Sympathie und Wertschätzung. Die stehen eher für alltagstaugliche Formen der Liebe. Wichtig ist, dass sich das Paar einig ist, dass jeder für den anderen gut ist und die Beziehung zwar nicht perfekt, aber besser ist, als sich alleine durchzuschlagen. Verliebtheit kann in Hass umschlagen. Sympathie fundiert einen gemeinsamen Alltag. Ist mangelndes Begehren in einer harmonischen Beziehung ein Krisensymptom?

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Nicht, wenn es beiden an Lust mangelt. Der Konflikt entsteht, wenn ein Partner mehr will. Dann entscheidet der Umgang mit dieser Spannung über das Schicksal der Liebesbeziehung. Wenn beide Partner sich einigen können und die gemeinsame Lust als etwas Kostbares hochhalten, können sie solche Differenzen überbrücken. Wenn der entwertet wird, der mehr begehrt, ist die Gefahr von wachsender Entfremdung groß. Kann die zunehmende Autonomie eines Partners die Beziehung belasten? Im Gegenteil. Je mehr Gutes die Partner in ihren selbstständigen Bereichen finden, desto mehr können sie auch abgeben. Die Liebe Erwachsener beruht auf Autonomie. Wer den anderen abhängig halten möchte, glaubt mehr an die Bindungskraft der Angst als an die der Liebe. Darf ein Paar Geheimnisse voreinander haben? Natürlich. Geheimnisse gehören zur Autonomie. „Liebe dich selbst, und es ist egal, wen du heiratest“, lautet eine populäre These. Was halten Sie davon? Ist mir zu platt, enthält aber die richtige Botschaft, dass überhöhte Erwartungen an Geliebtwerden Menschen passiv machen, während Menschen mit Selbstvertrauen auch anderen etwas geben. Wann ist eine Paartherapie gut verlaufen, wann nicht? Gut, wenn ein Paar entweder besser miteinander umgehen kann oder versteht, warum das misslingt. Schlecht, wenn beides nicht stattgefunden hat. Trennung ist kein Erfolg, es sei denn, sie stand ohnehin an und verläuft versöhnlich. Nennen Sie drei Regeln für eine lebendige Partnerschaft . . . Erstens: sich und dem anderen keine Lieblosigkeiten gestatten, zweitens: nicht nachtragend sein, drittens: Humor. . . . und drei Killer! Erstens: passive Ansprüche und Klagen, zweitens: Humorlosigkeit, drittens: Rechthaberei. Die Fragen stellte Justine Schuchardt

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Diakonie im Test

In dieser Rubrik stellt sich die Diakonie mit ihren Einrichtungen dem Urteil von Experten. Diesmal hat sich der Ballett­ tänzer Jason Reilly (rechts) die Hip-­­Hop-Dance-Gruppe Big David angeschaut.

„Jeder hat seinen Style“ Wenn’s ernst wird, reicht die rote Strickmütze nicht mehr. Dann setzt Visar den schwarzen Skaterhelm auf und rotiert auf Helm und Kopf gleich mehrfach um die eigene Achse. Für Hip-Hop-Dancer ist der sogenannte Head Spin eine ganz grundlegende Angelegenheit. Eine Figur aus der Gattung der „Powermoves“, die zusammen mit den „Footworks“ und den „Freezes“ das Bewegungsrepertoire für Hip-Hop oder Breakdance bilden. Das sind die Basics – jede Menge Spielraum für Individualität bleibt trotzdem, wie die vier Jungs der Hip-Hop-Dance-Gruppe Big David versichern: „Jeder hat seinen eigenen Style.“ Das klingt ziemlich nach dem Slang der South Bronx in New York; dort wurde dieser Tanzstil Anfang der 70er Jahre erfunden. Aber Big David tanzt im Stuttgarter Jugendhaus West. Hier proben Bladimir, Visar, Maximilian und Marvin mehrmals wöchentlich für ihre Auftritte in Schulen, Jugendhäusern oder auf Wettbewerben. Heute haben sie keinen Auftritt, aber

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einen besonderen Zuschauer: Jason Reilly, 29-jähriger Kanadier und Erster Solist am Stuttgarter Staatstheater, sieht mit Wollmütze, T-Shirt und tief hängenden Jeans zwar wie ein Gründungsmitglied der Gruppe aus – aber selbst ernsthaft getanzt hat er Hip-Hop nie. Dafür blieb keine Zeit für einen Jungen, der unbedingt klassischer Tänzer werden wollte und für seinen Traum schon als Sechsjähriger auf ein Ballett-Internat ging. Auch für Big David hat es an einer Schule begonnen: der Falkertschule, einer Grund- und Hauptschule in Stuttgart. „Bladimir hat mich gefragt, ob er an der Schule in der Mittagspause tanzen könne“, erzählt der Schulsozialarbeiter Gerald Bosch. Also tat der Diakonie-Mitarbeiter, was er als wichtigen Teil seiner Arbeit versteht: Möglichkeiten schaffen und den Rücken freihalten – in diesem Fall dafür zu sorgen, dass Bladimir und seine Freunde einen Raum hatten. Um das Tanzen musste sich Bosch nicht kümmern, darin war der heute ­ 19-jährige Bladimir schon damals ein echtes Ass.

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Fotos:Thomas Hörner/Staatstheater Stuttgart

Mütze, Jeans und T-Shirt: Jason Reilly sieht aus, als gehöre er dazu – zu den Hip-Hop-Dancern Big David im Jugendhaus West. Doch der Erste Solist des Stuttgarter Balletts will nur mal gucken . . .


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Jason Reilly Geboren 1979 in Toronto (Kanada) und Ausbildung an der ­National Ballet School in Toronto mit Abschluss 1997

■ Seit 1997 Mitglied im Stuttgarter Ballett ■ Seit der Spielzeit 2001/02 Halbsolist ■ Seit 2002/03 Solist ■ Seit 2003/04 Erster Solist ■ 2006 Deutscher Tanzpreis Zukunft Titelrollen in Onegin, Romeo und Julia (beide John Cranko) sowie in Othello (John Neumeier) Hauptrollen u.a. in: Schwanensee, Der Widerspenstigen ­Zähmung, Carmen, Giselle, La fille mal gardée, Dornröschen, Endstation Sehnsucht, Die Kameliendame, The Lady and the Fool, Edward II., Don Quijote, Lulu. Eine Monstertragödie und in Pierrot lunaire. www.staatstheater.stuttgart.de/ballett

Fotos:Thomas Hörner/Staatstheater Stuttgart

Klassik trifft Straße: Die Hip-Hop-Dancer von Big David (großes Bild links, kleines Bild rechts unten) und der Ballettstar Jason Reilly (links und oben) kommen aus unterschiedlichen Tanzwelten, fanden trotzdem auf Anhieb einen gemeinsamen Nenner

Heute erst recht und schon lange ohne die Unterstützung des Schulsozialarbeiters. Im mit schwarzen Klebestreifen markierten Rechteck auf dem Jugendhausparkett explodiert Bladimir regelrecht, lässt Figuren entstehen, die jede Menge Kraft, Athletik und Körperbeherrschung verlangen. Die vier von Big David wissen alle, wie’s geht, aber beim groß gewachsenen Bladimir sieht das besonders athletisch, imposant und elegant aus. Aus dem Straßentanz der New Yorker Jugendlichen ist längst eine eigene Kunstform geworden, in der roboterartig abgehackte Bewegungen ebenso ihren Platz haben wie Einflüsse traditioneller asiatischer Kampfsportarten. Die Musik kommt stilecht aus dem Ghettoblaster, die ­Bandbreite ist erstaunlich. Denn getanzt wird auf vieles – von Funk über Rap bis hin zu Klassikern wie „Hair“ oder der Uraltnummer „Apache“. Im modernen Remix, aber immerhin. „Wir tanzen auf jede Art von Musik“, sagt Bladimir, und die anderen nicken. Einen Leiter sucht man vergeblich, und trotzdem wirkt das Geschehen nicht willkürlich, sondern einer gewissen inneren Logik folgend. Auch wenn es natürlich nicht so organisiert zugeht wie bei den Proben, die Jason Reilly kennt. Er absolviert mit dem Stuttgarter Ballett jährlich an die 100 Auftritte im Staatstheater, zehn bis 20 weitere auf Tourneen durch die ganze Welt, erzählt er der Hip-Hop-Truppe. Reilly tanzt die großen Rollen und ist zu einem der Publikumslieblinge im Staatstheater

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avanciert. Die Jungs von Big David wissen aus eigener Anschauung, was er kann, denn sie haben sich einige Tage vorher „Dornröschen“ im Staatstheater angesehen – und den Tänzer in einer Hauptrolle als Hexe Carabosse erlebt. „Das war cool, mal was ganz anderes“, sagen sie. Umgekehrt erkennt auch Jason Reilly sofort, dass Big David eine gute Truppe ist. „Mann, ich bin beeindruckt, das sieht wirklich gut aus“, meint der Balletttänzer, der selbst schon mit einem Hip-Hop-Dancer ein Stück aufgeführt hat und vor zwei Jahren in der Jury eines großen Wettbewerbs saß. „Da­ gehört viel Koordination, Kraft und Disziplin dazu“, meint er. Die Truppe zeigt ihm einen „Freeze“, eine Figur, bei der irgendwann die Bewegung eingefroren und die Position gehalten wird. Das schafft er mit der Körperbeherrschung des ­Ballettprofis auch – aber ganz so routiniert und selbstverständ­lich wie bei den Hip-Hop-Dancern sieht es nicht aus. Umgekehrt haben die dann ihre Schwierigkeiten mit der Drehung aus dem klassischen Ballett. Aber das tut dem Respekt vor­einander keinen Abbruch. „Mit einem guten Coach und noch intensiverer Probenarbeit könnten sie es auch bei großen ­nationalen Wettbewerben schaffen“, urteilt Reilly. Darauf verlassen sich die Jungs aber nicht. Visar, Maximilian und Marvin gehen noch zur Schule, Bladimir fängt eine Lehre an. Tanzen werden sie weiter – zu jeder Art von Musik. Hubert Heinz

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Lebenskunst

Vermischtes

Wer hüpft vor Freude? Preisrätsel für Leser und Diakonie-Einrichtungen

Papa wird vernünftig

Eine Hüpfburg für Ihren Garten!

Ich war zehn, da war mein Alter höchstens gut genug zum Lästern: als ein völlig durchgeknallter Typ und hoffnungslos von gestern. Schlimmer war’s noch als ich zwanzig. Vater hatte echt ne Meise. Was er sagte: blöd und ranzig. Kurz, ein Fall von frühem Greise. Ich war dreißig, als mein Vater langsam zur Besinnung kam, machte weniger Theater, war im Geist nicht mehr so lahm. Und zehn Jahre später dann: Seht mir nur den alten Schweden, ist doch ein ganz guter Mann, manchmal kann man mit ihm reden. Heute hat er echt gemacht sich, eine blendende Erscheinung. Ich bin sechzig, er ist achtzig: Endlich sind wir einer Meinung. Benno Burkhardt

Mitraten und gewinnen: Wer die richtige Antwort weiß und ein bisschen Glück hat, kann sich vielleicht bald eine eigene Hüpfburg in den Garten oder auf den Spielplatz stellen – zehn Quadratmeter groß, mit dem mitgelieferten Gebläse innerhalb von zwei Minuten aufgestellt, ermöglicht sie jede Menge Spiel- und Bewegungsspaß. Leser und Leserinnen des Diakoniemagazins – auch Einrichtungen der Diakonie – können sich beteiligen.

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Wer das Diakonie Magazin aufmerksam liest, findet leicht die richtige Lösung, gefragt ist eine Zahl. Unter den richtigen Einsendungen entscheidet das Los. Einsendungen an: Diakonisches Werk der EKD, Redaktion Diakonie Magazin, Postfach 10 11 42, 70010 Stuttgart Von der Teilnahme ausgeschlossen sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakonischen Landesgeschäftsstellen und des Bundesverbandes und deren Angehörige. Teilnahmeschluss ist der 30. Juni 2009. Der Gewinner wird schriftlich benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Mehr Infos über die Hüpfburg: www.linofant.de

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Fotos: Werkstatt Himmelkron

Die Preisfrage lautet: Wie viele Familienerholungsheime und -ferienstätten gibt es in der Diakonie?

Fotos: linofant, Illustration: Susanne Straßer

aus: Für jeden neuen Tag. Gedanken, Geschichten, Gebete Heft 36, Hrsg. Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste www.a-m-d.de

Unser Rätsel: Urlaub ist toll – wenn man sich ihn leisten kann. Die evangelische Familienerholung im Diakonischen Werk der EKD bietet vor allem Alleinerziehenden, kinderreichen Familien und solchen mit behinderten Kindern einen kostengünstigen Urlaub in ihren Familienferienstätten an.


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Aus den Werkstätten der Diakonie

Garantiert keine Bad Bank Großes Foto: Die Landschaftsbank N 1 ist 170 Zentimeter lang, es gibt sie aus Fichte, Lärche oder Esche. Gewicht ca. 60 kg, Preis je nach Holzart zwischen 630 und 714 Euro. Links: Bank, Tisch und Hocker­ bank aus der Modellreihe F. Der Preis zum Beispiel für die Bank: 499 Euro (Fichte) bzw. 599 Euro (Esche).

Die Werkstatt Himmelkron

Fotos: Werkstatt Himmelkron

Fotos: linofant, Illustration: Susanne Straßer

Mitte: Bank aus der Modell­ reihe A aus Fichte oder Esche. Preis je nach Länge und Holzart zwischen 208 und 293 Euro.

Die Bank ist sehr in Verruf geraten. Sie verschlingt unsere Steuereuros milliardenfach, ein ungemütlicher Gedanke. Jetzt gibt es sie auch als Bad Bank, ganz schlimm. Dann lieber die Ersatzbank? Auch nicht bequemer! Da sitzen Pinneberger Fußballtrainer und leiden . . . Die gute alte Parkbank hingegen, die bleibt auch in der Krise stabil, muss nicht gerettet werden, sondern macht einfach Platz für eine ruhige Minute und ein nettes Gespräch. Diese Bänke und Tische kommen aus Oberfranken. Die Werkstatt Himmelkron mit ihren 280 Beschäftigten gehört zur Diakonie Neuendettelsau, der größten diakonischen Einrichtung in Bayern mit sieben Werkstätten und 1100 Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderungen. In Himmelkron werden in der professionell ausgestatteten Schreinerei Freilandbänke und Tische hergestellt. Unter der Anleitung von Fachkräften entstehen unterschiedliche Modelle. Groß­ serien werden zum Beispiel für Autobahnraststätten oder städtische Parks geliefert. Aber auch Einzelbestellungen werden mit aller handwerklichen Sorgfalt geschreinert. Das Holz – Fichte, Lärche, Esche – stammt von heimischen Bäumen. Behandelt werden die Bänke mit hochwertigen Lasuren. Bänke und Tisch aus Lärchenholz können auch unlasiert der Witterung ausgesetzt werden, sie werden dann mit der Zeit silbergrau.

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Die hier vorgestellten Bänke sind nur eine kleine Auswahl. Viele weitere Modelle können im Onlineshop der Diakonie Neuendettelsau angesehen und bestellt werden: www.shop.diakonieneuendettelsau.de Die Werkstatt Himmelkron ist zu erreichen unter: Werkstatt Himmelkron, Klosterberg 4b/c, 95502 Himmelkron Telefon: 09227/797 04 • E-Mail: wfbm.himmelkron@diakonieneuendettelsau.de Prospekte mit allen Maß- und Preisangaben können ebenfalls angefordert werden.

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Lebenskunst

Kultur

DVD

CD

Animal Farm – Aufstand der Tiere

Johann Sebastian Bach: Matthäuspassion

Schluss mit Hunger und Unterdrückung! Die Tiere der Farm vertreiben den fiesen Bauern. Ab jetzt wollen sie Hof und Arbeit selbst gestalten. „Alle Tiere sind gleich“ lautet ihre Maxime. „Aber einige Tiere sind gleicher!“, meinen die Schweine – und errichten erst heimlich, dann offen eine neue Schre­ckens­ herrschaft. Der Zeichentrickklassiker von John Halas und Joy Batchelor nach George Orwells Roman fasziniert noch genauso wie zu seiner Entstehungszeit. Winklerfilm, ca. 16 Euro

Die erste Einspielung dieser Frühfassung der berühmten Pas­ sion! Sie stellt ein eigenes Werk dar, weniger opulent und ver­ ziert als die spätere Version. Das Passionsgeschehen wirkt des­ halb eindringlicher. Andere Stimmenbesetzungen der Arien, andere Instrumentalbesetzungen und andere Choräle erzeu­ gen eine faszinierende Klangwelt, die durch die sensible Musi­ zierweise unterstützt wird. Ute Selbig, Britta Schwarz, Martin Petzoldt, Matthias Weichert, Thomas Laske, Thomanerchor Leipzig, Gewandhausorchester, Leitung Georg Christoph Biller. Ein Muss für Bachfreunde! Rondeau ROP 4020/21/22

Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aus Sicht eines Fremden: Mr. Shi aus China besucht seine Tochter in den USA. Der Blick aus ihrer engen Wohnung auf die eintönigen Vorstadthäuser entdeckt nichts von Freiheit. Wayne Wang er­ zählt von verschwundenen Werten und zerbrochenen Fami­ lien. Aber der freundliche alte Mann versucht unbeirrt, die Ver­ einzelung der Menschen zu durchbrechen und Verbindun­gen zu schaffen. Pandora Film, ca. 18 Euro

Jugend ohne Gott Der schmale Roman über einen humanistischen Lehrer, der an seiner Zeit und dem brutalen Nihilismus seiner Schüler ver­ zweifelt, machte den Theaterschreiber Ödön von Horváth 1938 schlagartig auch als Prosadichter bekannt. Michael Knofs kla­ re, schnörkellose Literaturverfilmung aus dem Jahr 1991 mit dem beeindruckenden Hauptdarsteller Ulrich Mühe hat Klas­ sikerpotenzial. Schön aufgemacht bis hin zum informativen Booklet ist sie jetzt in der Filmedition Suhrkamp erschienen. absolut Medien, ca. 20 Euro

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Jörg Widmann: Streichquartette Die Quartette des 35-jährigen Widmann wurden zwischen 1998 und 2005 uraufgeführt. Jedes folgt einer anderen Idee: das ers­ te suchend, das zweite gedehnt, das dritte temperamentvoll, das vierte technisch anspruchsvoll. Das fünfte, „Versuch über die Fuge“, ist um eine Singstimme erweitert. Die Erstaufnahme dieser beeindruckenden Werke ist dem Leipziger Streichquar­ tett und der Sopranistin Juliane Banse mustergültig gelungen. MDG 307 1531-2

Jean-Philippe Rameau: Pièces de Clavecin Die französische Cembalistin Céline Frisch spielt drei Cembalo­ suiten des Barockkomponisten (1683–1764). Sie integriert bei­ läufig die zeittypischen Verzierungen in die farbige Harmonik, ohne den großen Spannungsbogen zu verlieren. Dabei kostet sie die Tonmalereien sinnlich aus und reizt das obertonreiche Originalinstrument (von 1751) bis an seine technischen Gren­ zen aus. Alpha 134

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Fotos: PR

Mr. Shi und der Gesang der Zikaden


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Bücher für jung . . .

. . . und alt

Kein bisschen dreckig

Gunther Geltinger: Mensch Engel

Herrlich komisch und nah am Alltag kleiner Kinder sind die Bilderbücher mit Zeichnungen von Manuela Olten. Für den neuen Band „Kein bisschen dreckig“ verfasste ihr Mann Wanja den Text. Ein kleines Mädchen kann das alberne Händewa­ schen nicht leiden. Unsichtbare Bakterien – bah! Kurz malt es sich zwar aus, was solche Winzwesen möglicherweise anrich­ ten könnten, doch dann huscht es schnell wieder an der Bade­ zimmertüre vorbei. Ab 4 Jahren; Bajazzo, 32 S., 13,90 Euro.

Wie ein Besessener schreibt der junge Leonard Engel seine Le­ bensgeschichte. Harte klare Worte bezeugen eine dramatische Suche des Abiturienten nach seiner Identität und einer glückli­ chen Liebe. Die Zukunft erscheint nach der Enttäuschung der ersten großen Liebe, die nur Leere hinterlässt, getrübt. Ero­ tische Verwirrungen und Exzesse treiben den rastlos Suchen­ den in Fluchten durch europäische Städte. Entwicklungsro­ man, aus wechselnden Perspektiven und bildgewaltig erzählt. Schöffling & Co., 272 S., 19,90 Euro

Nathan und seine Kinder Angeregt von der berühmten Ringparabel in Gotthold Ephraim Lessings Stück „Nathan der Weise“ über die Gleichwertigkeit der Religionen zeigt Mirjam Pressler in ihrem Roman „Nathan und seine Kinder“, was die Menschen um den klugen Juden herum bewegt. Aus verschiedenen Perspektiven erzählt, lässt sie uns in die Zeit der Kreuzzüge und Tempelritter eintauchen. Aber Achtung – zu sicher darf man sich nicht in der scheinbar vertrauten Geschichte fühlen. Ab 14 Jahren; Beltz & Gelberg, 264 S., 16,95 Euro

Fotos: PR

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Vera Hesse: Körk Georg sammelt exzessiv: Zeitungen, Bücher, Daten, Frauen. Er kämpft gegen Krisen, ohne von seinen Lastern zu lassen. Die Riesenkakerlake Körk berät den von Insektenphobie geplagten Mann in kafkaesken Dialogen. Das Tier spiegelt Georgs Zwänge und Ängste schonungslos und bringt ihn zur Verwandlung. Der Weg aus der Sammelsucht führt über den Verzicht. Hu­ morvoller Roman. Liebevoll ediert mit Zeichnungen von Ste­ phan Rodriguez. Van Aaken, 252 S., 12,95 Euro

Wie ich es will

Väter – eine moderne Heldengeschichte

Eigentlich ist sie ein vernünftiges Mädchen. Fast zu brav, findet ihre Mutter. Doch dann kommt es auf einer Party mit viel Al­ kohol zum „ersten Mal“. Jessica, 15, ist schwanger. Kein großes Problem, meint die Mutter und will sie bei der Abtreibung un­ terstützen. Aber für Jessica kommt das nicht infrage. – Die Schwedin Katarina von Bredow erzählt sehr bewegend von einem jungen Mädchen, das sich für sein Kind entscheidet. Ab 14 Jahren; Beltz & Gelberg, 272 S., 14,95 Euro

Väter tun sich schwer: Was ist ihre Aufgabe bei der Erziehung? Wie sehen sie sich gegenüber den Kindern, gegenüber der Part­ nerin? Welche Perspektiven können sie für sich entwickeln, ohne in traditionelle oder fremde Rollen zu fallen? Der Autor Dieter Thomä beleuchtet Väterkulturen in Europa und regt Männer an, Kindern beim Finden und Umsetzen ihrer Ziele zur Seite zu stehen. Brillant geschrieben, anspruchsvoll und mit viel Hintersinn. Carl Hanser, 367 S., 24,90 Euro

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Reise

Garantiert keine Lebkuchen Vor der Bahnhofsmission steht eine Gruppe Konfir­ manden und hört gebannt zu, wie ihr Stadtführer die „unsichtbaren Grenzen“ im Nürnberger Hauptbahnhof er­ klärt. Nur im Untergeschoss, sagt Carlo, dürfen sich Obdach­ lose aufhalten, auf Bahngebiet ist ihre Anwesenheit uner­ wünscht: „Der Sicherheitsdienst passt streng auf!“ Die Jugend­­lichen erfahren, dass zur Bahnhofsmission Menschen kommen, die in Not sind. Reisende, die sich verirrt haben, Menschen, die am Leben verzweifeln. Aber auch allein reisen­ de Kinder, die Begleitung brauchen, oder mal jemand, der einfach kurz seine Jacke aufbügeln will. Nürnberg – da denkt man an pittoreske Baudenkmäler wie Kaiserburg und Schönen Brunnen, an weltberühmte Künstler wie Albrecht Dürer und Veit Stoß, an Leckereien wie Bratwürs­ te und Lebkuchen. Die Tourismuszentrale in des „Deutschen Reiches Schatzkästlein“, der einstigen Hitler-Metropole und heutigen Stadt der Menschenrechte hält für Gäste aus aller

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Welt verschiedene Besichtigungstouren bereit. Wie jede größe­ re Stadt. Carlo aber, der Stadtführer, der mit den Konfirman­ den spricht, ist für einen anderen Anbieter unterwegs. „Schicht-Wechsel“, so heißt die Veranstaltung, entstand auf In­ itiative des Nürnberger Sozialmagazins „Straßenkreuzer“. Ziel dieser Rundgänge ist es, die Situation sozial Benachteiligter kennenzulernen, neue Perspektiven zu gewinnen und Schwel­ len abzubauen. Es geht um Menschen, die im Leben zu kurz gekommen sind – Arme, Obdachlose, Randgruppen – und ihre Anlaufstellen in der Stadt. „Straßenkreuzer“-Verkäufer führen an Orte und Plätze Nürnbergs, die Touristen nie besuchen und die garantiert in keinem Reiseführer stehen. Die Verkäufer er­ zählen, was sie selbst hier oder dort erlebt haben: so entsteht ein ganz neues Bild der Stadt. Auf einer Nord- und einer Südroute besuchen die Stadtfüh­ rer Notschlafstellen, Wärmestube, Drogenhilfe, Straßenambu­ lanz – nicht gerade die glamourösesten Plätze Nürnbergs. Die

Fotos: Gerd Grimm

Wer in Nürnberg hinter die Kulissen schauen möchte, lässt sich die Stadt am besten von den Obdachlosen zeigen. Sie kennen Plätze, die bestimmt in keinem Reiseführer stehen

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Fotos: Gerd Grimm

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Männer kennen all dies aus eigener Erfahrung, sie wissen, wie schnell und unerbittlich der Absturz aus einem normalen Leben in die Obdachlosigkeit geschehen kann. Beispiel: Karl­ heinz Schnabel, genannt Carlo, der Führer auf der Südroute. Der heute 59-jährige gelernte Werkzeugprüfer verlor trotz ständiger Weiterbildungen mit 51 seinen Job, danach ging es stetig bergab. Ganz unten fand er den Kontakt zum „Straßen­ kreuzer“. Bald begann er, das Magazin zu verkaufen, und schöpfte wieder Hoffnung. Heute ist Carlo beim Verein Stra­ ßenkreuzer als Stadtführer angestellt. Die Zeiten von Hartz IV sind vorbei. „Jetzt kann ich mein Leben wieder selbst finanzie­ ren“, erzählt er. Nächste Station. In der Straßenambulanz „Franz von Assisi“, die vor mehr als zehn Jahren von einem Franziskanermönch gegründet wurde, kümmern sich vier Pflegepersonen und ein Arzt um Junkies und Arme. Wer medizinische Betreuung braucht und sich Praxisgebühr oder Rezeptbeteiligung nicht leisten kann, dem wird ebenso geholfen wie Leuten, die du­ schen, Wäsche waschen oder sich in der Kleiderkammer mit dem Nötigsten versorgen wollen. 950 Menschen sind im ver­ gangenen Jahr hier gewesen, und es werden ständig mehr. „Zu uns kann man kommen, wenn man kein Geld hat“, erklärt Flo­ rian Thomae den Konfirmanden. Der Krankenpfleger infor­ miert auch über Drogenabhängigkeit, Substitution und Rück­ fallquote. Betroffenheit zeichnet sich auf den jungen Gesichtern ab, als sie hören, wie teuer die Sucht ist: „Ein Hero­ inabhängiger braucht 3000 Euro im Monat.“ Die Wärmestube ist für viele Arme, Einsame und Woh­ nungslose ein Stück Zuhause. 90 bis 150 Besucher kommen pro Tag hierher, viele Suchtkranke, aber auch Menschen, die Hilfe in Krisensituationen suchen. Die Teilnehmer der Füh­ rungen haben Gelegenheit, mit den Gästen zu sprechen und einen Eindruck von der Arbeit der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter zu bekommen – aber nicht während der Essens­ zeit, da sollen die Gäste ihre Ruhe haben. In der „Straßenkreuzer“-Redaktion lassen die Konfir­ manden das Erlebte Revue passieren. Dass es so viele Bedürf­ tige, aber auch so viele Hilfseinrichtungen in ihrer Stadt gibt, haben sie nicht vermutet. Hautnah dieses Milieu zu erleben, habe sie doch schockiert, räumt eine Teilnehmerin ein. Pfarre­ rin Karola Glenk sagt: „Jeder von uns kann in eine solche Not geraten.“ Sie erntet Kopfnicken, ebenso wie ein Junge, der in den Erzählungen einen kleinen Hoffnungsschimmer entdeckt hat: „Man kann immer wieder rauskommen, wenn man nicht aufgibt.“ „Straßenkreuzer“-Chefredakteurin Ilse Weiß freut sich über 1000 „Schicht-Wechsel“-Teilnehmer in 2008 und hofft, dass auch künftig viele Interessenten buchen. Mit dem Erlös möchte der Verein wieder einen Arbeitsplatz schaffen. Vier Verkäufer und ein Stadtführer konnten dank freundlicher Un­ terstützung von Firmen und Einzelpersonen bisher fest ange­ stellt werden. Die nächste Route ist in der Planung, Jürgen Heiss steht als Führer schon fest. Ulrike Pilz-Dertwinkel

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Die Konfirmanden werden von Carlo in die Wärmestube begleitet. Hier treffen sie Menschen wie Rudolf Klein und Bernd Schmidt (Namen geändert, Foto linke Seite), die keine Wohnung oder wenig Geld haben und die hier kostenlos essen oder sich neu einkleiden können. Finanziert wird die Arbeit auch durch den Verkauf gespendeter Bücher (unten links)

Informationen Die alternative Stadtführung Schicht-Wechsel kostet fünf Euro für Erwachsene, ermäßigt 2,50. Buchen kann man die Führung bei der Redaktion des Sozialmagazins „Straßenkreuzer“: www.strassenkreuzer.info E-Mail: post@strassenkreuzer.info Telefon: 0911/459 76 36. Allgemeine Informationen für Nürnberg-Besucher: www.tourismus.nuernberg.de E-Mail: tourismus@nuernberg.de

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Spektrum

Meinung

Dr. Peter Bartmann ist Referent für Grundsatzfragen der gesundheitlichen Versorgung im Zentrum Gesundheit, Rehabilitation und Pflege (GRP) im Diakonischen Werk der EKD in Berlin

Wenn Krankheit arm macht Der Umbau des Sozialstaats trifft chronisch kranke Menschen besonders hart. Sie müssen heute mehr Geld ausgeben, weil viele Leistungen von den Krankenkassen nicht mehr übernommen werden

Krankheit als finanzielle Belastung Eine Projektgruppe des Diakonischen Werkes der EKD hat ein Positionspapier erarbeitet: Krankheit als finanzielle Belastung Diakonie Texte 01.2009 Download unter: www.diakonie.de/PR&Presse/Veröffentlichungen/ Diakonie Texte Bestellung über: Zentraler Vertrieb des Diakonischen Werkes der EKD Telefon: 0711/902 16 50 E-Mail: vertrieb@diakonie.de www.diakonie.de

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geben, die früher von der gesetzlichen Krankenversicherung getragen wurden. Neue Brille, Rezeptgebühr, Zuzahlung – das summiert sich

Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes gaben Ein­ personenhaushalte 2005 im Durchschnitt 44 Euro im Monat für die Gesundheitspflege aus – das geht. Aber: Etwa zehn Pro­ zent dieser Einpersonenhaushalte hatten monatliche Ausga­ ben von mehr als 200 Euro. Die Fahrt zur Therapie, Zuzah­ lungen in der Arztpraxis und in der Apotheke, selbst bezahlte rezeptfreie Arzneimittel, alle paar Jahre eine neue Brille, Eigen­ anteile beim Zahnersatz – das sind spürbare Ausgaben auch in Haushalten, die nicht von einer schweren chronischen Krank­ heit oder einer Behinderung betroffen sind. Wer ein durchschnittliches Einkommen hat und einigerma­ ßen gesund ist, der kann für die zusätzlichen Ausgaben im Krankheitsfall Geld ansparen oder sich eine Zusatzversiche­ rung leisten. Menschen mit einer schweren chronischen Er­ krankung sind in einer schwierigeren Situation. Zwischen 65 und 120 Euro im Monat – so hat eine Expertenbefragung bei Selbsthilfeorganisationen ergeben – müssen Menschen mit Rheuma, Osteoporose, Diabetes mellitus oder einer schweren Hauterkrankung regelmäßig für den Erhalt ihrer Gesundheit ausgeben. Viele dieser Menschen sind arbeitslos oder erwerbs­ unfähig, können also nicht einfach mehr Geld verdienen, um ihren Bedarf zu decken.

Foto: DWEKD

Wer krank wird, wird dadurch in Deutschland nicht arm. So urteilte vor zwanzig Jahren der Sozialmediziner Jo­ hannes Sigrist. Und in der Tat: Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung, das Arbeitslosengeld und die Erwerbs­ unfähigkeitsrente reichten in den 1980er Jahren üblicherwei­ se aus, um Menschen vor Verarmung zu schützen, auch wenn sie langfristig krank wurden. Heute stellt sich die Lage anders dar: Die Leistungen im Fall langer Arbeitslosigkeit und Er­ werbs­unfähigkeit sind deutlich niedriger. Zugleich müssen kranke Menschen sehr viel mehr Geld für Leistungen aus­

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anzei


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Für Menschen unterwegs

In die Apotheke statt ins Restaurant?

Arzneimittel kaufen – oder zum Klassentreffen ins Restau­ rant? Auf die Therapie verzichten, weil die lange Busfahrt in die Kreisstadt nicht nur beschwerlich ist, sondern auch teuer? Bei Mutter anrufen, die bestimmt bereit ist, die Kosten für die Physiotherapie zu übernehmen, die der Arzt nicht mehr ver­ ordnet? Chronisch kranke Menschen, die zu wenig Geld ha­ ben, um sich zu kaufen, was die gesetzliche Krankenversiche­ rung nicht mehr übernimmt, stecken in einer Zwickmühle. Um so gesund zu sein, wie es in der individuellen Situation möglich ist, brauchen sie beides: eine vollständige gesund­ heitliche Versorgung und die Teilhabe am sozialen Leben. Aus der Sicht der Diakonie muss die gesetzliche Krankenversi­ cherung dafür sorgen, dass Krankheitskosten nicht zum Ar­ mutsrisiko werden. Die Diakonie tritt für eine Härtefallrege­ lung ein, die schwerwiegend chronisch kranke Menschen mit niedrigem Einkommen vor der finanziellen Überlastung schützt. Es sind glücklicherweise nur einige Hunderttausend Menschen, die krank und arm sind in Deutschland. Deshalb können und sollen die Krankenkassen diese Last schultern.

Pannenhilfe: europaweit Personenschutz: weltweit Beihilfen & Services: abrufbereit Mobilschutz Einzeltarif: 49,50 € pro Jahr Mobilschutz Familientarif: 69,50 € pro Jahr Mobilschutz Basis: 27,00 € pro Jahr (Einzeltarif, ohne Personenschutz weltweit)

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Spektrum

Reportage

„Wer ist meine Mutter?“ Fotos: Bernd Roselieb

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Er kannte ihren Namen nicht, er hat die meiste Zeit seines Lebens in Heimen verbracht. Jetzt will Tadeusz Rippka endlich wissen, woher er kommt. Dabei braucht er Unterstützung – und findet viele Helfer

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Josef Tadeusz Rippka war 54, als er sich auf die Suche nach seiner Mutter machte, die er noch nie in seinem Leben gesehen hatte. Zwei Drittel seiner Lebenszeit hatte er in Heimen und Wohngruppen verbracht. Was die Sehnsucht ausgelöst hat, kann er nicht sagen. Er wusste nur, dass er jetzt Klarheit haben wollte. Wenn Tadeusz Rippka sich etwas in den Kopf setzt, so sagen es seine Freunde, kann er beharrlich sein. Auch diesmal half ihm diese Eigenschaft. Allerdings brauchte er Verbündete. Mit Zahlen kann er gut umgehen, weil er aber nur kurz die Schule besucht hatte, hapert es mit dem Lesen und Schreiben. Dies war nicht das einzige Hindernis auf dem Weg in seine Vergangenheit. Tadeusz Rippka hat eine leichte geistige Behinderung. Sein Leben meistert er gut. In der Dreizimmerwohnung in Hofgeismar bei Kassel sind Küche und Wohnzimmer blitzblank geputzt, die Handtücher ordentlich gestapelt. Tadeusz Rippka lebt hier mit seiner Verlobten Annette Momberg. Ein Sozialarbeiter kümmert sich um sie – betreutes Wohnen. Bernd Tonigold schaut je nach Bedarf vorbei, wenn Tadeusz von seiner Arbeit in der Hauswirtschaftsabteilung der Baunataler Wohngruppen nach Hause kommt. Der Sozialarbeiter hilft bei Arztbesuchen, liest Behördenbriefe vor, bespricht Alltagsprobleme. Er fand es wichtig, dass Tadeusz nach seiner Mutter suchen wollte, und er half ihm dabei. Auch Andreas Pitz, ein Freund, begleitete ihn bei der Spurensuche.

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Mutter, Großmutter, Tante und Geschwister: Zum ersten Mal kann Tadeusz sich ein Bild machen

Baunataler Diakonie

Die Suche nach den Wurzeln

Biografiearbeit nennen die Sozialpädagogen das Detektivspiel des Lebens, für viele, die in Heimen aufwuchsen oder adoptiert wurden, ist es bitterer Ernst. Wo komme ich her? Wer waren meine Eltern? Habe ich noch Geschwister? Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist eine mächtige Triebfeder. Erst in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts haben Sozialarbeiter, Therapeuten und Diakone die Bedeutung dieser Fragen erkannt, als sie behinderte Menschen nicht mehr als Fälle, sondern als Individuen wahrnahmen. „Gezielte Arbeit an der persönlichen Entwicklung“, nennt das Christian Lindmeier, Professor am Institut für Sonderpädagogik der Uni KoblenzLandau und Autor eines Buches zum Thema. Wer sich in seiner Vergangenheit gut verwurzelt weiß, wird mit mehr Vertrauen Schritte in die Zukunft tun. Das ist leichter gesagt als getan. Viele ältere geistig Behin-

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Die Baunataler Diakonie Kassel will geistig, seelisch und mehrfach behinderten Menschen die Eingliederung in das gesellschaftliche und berufliche Leben ermöglichen. Neben rund 1350 Arbeitsplätzen in den Werkstätten bietet sie 750 Wohnplätze in Wohnhäusern, Apartmentanlagen und Wohnungen an, die dezentral in den jeweiligen Gemeinden im Landkreis Kassel und dem Schwalm-Eder-Kreis liegen. Die Betreuung orientiert sich an den persönlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Bewohner. Kontakt: Baunataler Diakonie Kassel Kirchbaunaer Straße 19 34225 Baunatal Telefon 0561/ 94951-0, Fax 0561/ 94951-110 www.baunataler-diakonie-kassel.de

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Spektrum

Das erste Familientreffen fand am Grab der Mutter statt: Tadeusz Rippka und seine Brüder Frank Jimmy Rippka (rechts) und Rudi Seibert auf dem Friedhof in Groß-Zimmern Christa Müller vom Landeswohlfahrtsverband hilft bei der Spurensuche in den Akten, kleines Bild oben Zuwendung von der Verlobten Annette Momberg – die Suche nach den eigenen Wurzeln ist anstrengend, kleines Bild unten

derte, die in Heimen lebten, haben eine Akte, aber keine Geschichte. Aus den Vermerken über Zahlungsanfragen, den ärztlichen Bulletins und den Entwicklungsberichten müssen sie sich die mühsam zusammenklauben. Institutionenbiografie nennt es Lindmeier. Da manche Akten nur zehn Jahre lang aufgehoben werden müssen, ist es ohnehin Glückssache, etwas zu finden. Tadeusz hatte Glück. Bei seiner Suche nach der Mutter stieß er immer wieder auf Menschen, die nicht nur nach Vorschrift handelten, sondern sein Anliegen ernst nahmen. Wie die Mitarbeiterin im Einwohnermeldeamt der Gemeinde Groß-Zimmern, einem Ort im hessischen Odenwald, 14 000 Einwohner. Sie teilte Tadeusz nicht nur den Namen und das Geburtsdatum der Mutter mit, sondern vermittelte auch den Kontakt zu seinen Halbbrüdern. Christa Müller, stellvertretende Regionalmanagerin im Fachbereich für Menschen mit geistiger Behinderung des Landeswohlfahrtsverbands in Kassel, war während ihres Studiums der Sozialpädagogik mit dem Thema Biografiearbeit im Berührung gekommen. Deswegen gab sie sich besondere Mühe, mit Tadeusz die Akte durchzusehen und ihm behutsam zu erklären, was ihn dort erwartete. In den Berichten des Leistungsträgers findet sich zum ersten Mal eine Spur des Vaters. Er war Pole und hat Tadeusz offensichtlich seinen biblischen Vornamen „vererbt“. Tadeusz findet seine Familie

Nach der anderthalbstündigen Akteneinsicht, die seiner Geschichte eine neue Wendung gegeben hat, ist Tadeusz aufgeregt und erschöpft. Er wird die neuen Informationen mit seinem Betreuer am nächsten Tag im Gespräch einordnen. Es ist, als hätte er den Schlüssel zu einer Truhe gefunden, die lange vergessen auf dem Speicher stand. Er hat den Deckel aufgemacht, aber was die Truhe alles enthält, das weiß er noch lange nicht. Nicht einmal, ob es alles Schätze sind. Ein Schatz sind die beiden Halbbrüder, die ihm begegnet sind, Frank und Rudi. Ein Schatz ist seine Schwägerin Gertrud. Und Emmi, die Mutter? Die lächelt von Fotos herunter, die Tadeusz über dem Sofa aufgehängt hat. Mal als junges, naives Ding Anfang Zwanzig mit Haarkranz, die Wange in die gefalteten Hände geschmiegt. Mal als resolute ältere Dame mit grauem Haar, schick in ein blaues Kostüm gewandet. Ja, Fotos hat Tadeusz bekommen. Aber sonst mehr Fragen als Antworten.

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Irmgard Emmi Rippka, geboren 1927, bekam vier Söhne von verschiedenen Männern. Die Väter der ersten drei Kinder hat sie nicht angegeben. Eines starb schon als Säugling. Der Älteste, Frank Jimmy, lebte erst bei der Oma, verbrachte mehrere Jahre im Heim und kam als 14-Jähriger zurück zur Mutter. Tadeusz, der Zweitälteste, wurde mit einem halben Jahr von der Mutter getrennt. Nur der Jüngste, Rudi, wuchs mit Vater und Mutter in der Familie auf. Er hat als Einziger ein Foto­ album mit glücklichen Momenten: Das erste Fläschchen auf Papas Arm, Geschenke auspacken unterm Weihnachtsbaum, der erste Schultag, Urlaub in Amerika. Die Fotos, auf denen Tadeusz im Heim zu sehen ist, sind anders. Geschenke wurden Weihnachten auch ausgepackt. Aber es waren 26 Jungen, die um die Liebe von Diakon Hermann Bollmann auf der heilpädagogischen Schulbubenstation in der Nieder-Ramstädter Diakonie konkurrierten. „Lumpi“, so dessen Spitzname, musste für alle da sein: Verhaltensgestörte, Schwererziehbare, Kinder mit Wasserköpfen und fitte Jungs mit leichter geistiger Behinderung wie Tadeusz. Als Tadeusz 1952 seiner Mutter weggenommen wurde, vermutlich, weil sie für ihn nicht richtig sorgte, war er sechs Mo-

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nate alt. Die Behinderung wurde erst später festgestellt. Er ist sich sicher: „Sie war eine gute Mutter. Ich hätte bei ihr gelebt, und sie hätte für mich gesorgt. Ich hätte ihr im Haushalt geholfen und Kuchen gebacken.“ Aber Emmi Rippka suchte nie den Kontakt zu ihrem zweiten Sohn, obwohl das Heim nur wenige Kilometer von ihrem Wohnort entfernt war. Warum? Das ist so eine Frage, auf die es (noch) keine Antwort gibt. Frank, der ältere Bruder, stellte sie der Mutter immer wieder. Er ahnte etwas von Tadeusz’ Existenz, seit er als Kind die Eltern nächtens belauscht hatte. Wenn Frank nach dem verschwundenen Bruder fragte, meist nach ein paar Bier, gab es Krach. „Kümmere dich nicht drum“, sagte Emmi Rippka. Aber Frank ließ die Sache nicht los. Er rief auf Verdacht im Heim an. Vielleicht hatte er es nicht allzu geschickt angestellt, Auskunft bekam er nicht. Manchmal bleibt nur noch das Grab

Biografiearbeit kann Schmerzliches ans Licht bringen, aber nichts tut so weh wie Unklarheit. Deswegen fördern Sozialarbeiter die Suche nach den Wurzeln, auch wenn sie dabei

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manchmal Scherben zusammenkehren müssen. Tadeusz hat seine Mutter nicht mehr kennengelernt. Sie starb im fernen Kalifornien, bevor er sie erreichen konnte. Immerhin kann er ihr Grab besuchen, denn Emmi Rippka wollte in ihrem Heimatort die letzte Ruhe finden. Ihre Geheimnisse hat sie mit ins Grab genommen. Aber ihre Kinder handeln anders. Samstagnachmittag um drei: In Frank Jimmys und Gertruds gemütlicher Wohnung in Groß-Zimmern bei Darmstadt finden sich alle zur Kaffeetafel zusammen. Die Schwägerin hat Käsetorte und Apfelkuchen gebacken. Rudi, Frank und Tadeusz sitzen einträchtig auf dem braunen Velourssofa mit der weißen Häkeldecke und schauen Fotos an. Vorher wurden Geschenke ausgetauscht. Tadeusz hat Geldstücke für Franks Münzsammlung mitgebracht, und Rudi bekommt ein Sweatshirt. Dieses Familienidyll war nicht sofort zu haben. Die Angst vor dem Ungewissen ließ die Brüder lange zögern, sich mit Tadeusz zu treffen. Ein geistig Behinderter? Wie würde er sein? Würden sie sich mit ihm unterhalten können? Tadeusz lächelt, wenn Rudi und Frank in der Rückschau davon erzählen. Diese Fragen hat er beantwortet. Eine Menge anderer noch nicht. Kerstin Klamroth

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Lebensfragen

Illustration: Susanne Straßer Fotos: XXXXXXXX

Die Diakonie berät Menschen in allen Lebenslagen, Menschen mit kleinen und großen Sorgen. Der Autor ist Pfarrer und Öffentlichkeits­ referent im Diakoni­schen Werk in Hessen und Nassau, Frankfurt am Main

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Lebenskunst Diakonie magazin 2/2009

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Sparschwein im Kopf

Illustration: Susanne Straßer Fotos: XXXXXXXX

Manchmal hat sich die ganze Welt gegen einen verschworen. Zum Trost muss man sich wenigstens was Schönes kaufen. Doch richtig zufrieden ist man danach meistens nicht. Nur etwas ärmer

„Wie kommt es nur, dass am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist?“ Ich gebe zu, von solchen Spontisprüchen bin ich begeistert. Gleichwohl weiß ich, dass hinter dem witzigen Sprachspiel eine Erfahrung steckt, die oft nicht lustig ist. Wenn einfach kein Geld mehr da ist, wird das Leben bitter. Die Schuldner­ beratungsstellen der Diakonie können ein Lied davon singen, und das ist kein fröhliches und kein optimistisches Lied. Aus der Beratungsarbeit wissen wir, wie schnell es gehen kann, dass eine Familie oder ein Einzelner aus dem grünen Bereich rutscht. Über Armut will ich mich hier nicht auslassen. Selbst dann allerdings, wenn das Einkommen einer Familie ausreichend wäre, kommt es vor, dass es für das Auskommen nicht reicht. Und das geschieht häufig, auch wenn sich das altertümlich an­ hört, weil die klassische Tugend der Sparsamkeit nicht gelernt, nicht beachtet, nicht praktiziert wird. Geld ist ein Tauschmittel. Es ist auf der ganzen Welt schlicht das Tauschmittel für Waren und Dienstleistungen aller Art; aber es ist zugleich ein Täuschmittel. Durch Einsatz von Geld sollen Status und Image eingehandelt werden, Lebensstil und Glücksgefühl. Keiner von uns verzichtet gern auf Belohnung, und wenn es kein anderer tut, belohnen wir uns halt selber. Der kleine Pullover auf dem Heimweg von der Arbeit, das Schnäppchen im Einkaufswagen neben dem wirklich Notwen­ digen, der Pkw eine Nummer zu groß, der zweite Interkonti­ nentalurlaub im Jahr. Man gönnt sich ja sonst nichts. Wie leicht werden die eigenen pekuniären Grenzen überdehnt, wenn ich gegen Geld kurzzeitiges Glücksgefühl eintausche! Ein Kind kann lernen, einen Betrag anzusparen, um sich einen größeren Wunsch zu erfüllen. Die größere Kunst für erwachsene Kinder ist es freilich, trotz vorhandenen Geldes nicht alles auszugeben, sondern zu kalkulieren und dadurch einzusparen. Dahinter steckt die Haltung, schonend mit den Beständen umzugehen, also an alle Aufgaben mit Achtsam­ keit und darum auch Sparsamkeit heranzugehen. Geiz zeichnet sich dadurch aus, sich selbst und anderen nichts zu gönnen. Sparsamkeit unterscheidet sich davon deut­ lich: durch den Gebrauch der Freiheit. Wer sparsam ist, hat

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die Kontrolle über den Gebrauch seiner Mittel, auch seiner Tauschmittel. Wer zu spontanen und unüberlegten Ausgaben neigt, folgt häufig dem Gefühl: Aber das muss jetzt einfach mal sein! Dieses Gefühl kennt vermutlich jeder. Und manchmal ist es auch ganz gut, eine Frustration dadurch zu überwinden, dass man sich etwas Schönes leistet. Aber wie groß und wie häufig dürfen die Frustrationen sein, die wir auf diese Weise kom­ pensieren? Ein durch Geldausgeben erzeugtes Glücksgefühl währt im Allgemeinen nur kurz. Soll die Währung länger wäh­ ren, muss etwas anderes gelten als Geld. Zum Beispiel Sinn. Sinnlose Ausgaben offenbaren sinnloses Dasein. Es scheint Menschen zu geben, die von Natur aus sparsam sind, jedenfalls von Kindesbeinen an. Anderen liegt es nicht so, das Sparschwein im Kopf zu haben. Aber mit etwas Übung können wir das lernen. Freilich gehören auch Wille und Diszi­ plin dazu, nicht anders als beim Umgang mit der Zeit. Auch Pünktlichkeit wird einem nicht in die Wiege gelegt. Und durch Kontrolle gewinnt man Spielraum, bekommt Anerkennung und hat gelegentlich Erfolg. Wie lernen wir das Auskommen mit dem Einkommen? Man kann das trainieren. Der erste Schritt besteht darin, die eige­ nen wirklichen Motive für den Einsatz des Geldes zu erkennen – und damit der Verführung durch Werbung zu widerstehen. Imponieren will jeder. Wie wäre es, vor sich selber den Hut zie­ hen zu können, weil die Unabhängigkeit vom Geldausgeben uns so viel Hochachtung abverlangt? Wie schön ist es doch, wenn am Ende des Monats noch Geld übrig ist! Wilhelm Wegner

Ihre Fragen an uns Wenn Sie eine Frage haben, die wir an dieser Stelle erörtern können, schreiben Sie uns. Ihre Frage wird vertraulich behan­ delt. Zuschriften an: redaktion@diakonie.de Oder per Post an: Redaktion Diakonie Magazin, Stafflenberg­ straße 76, 70184 Stuttgart

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Eine Welt

In Fußgängerzonen und auf der Terrasse läuft man neuerdings oft auf Granit. Der kommt meist von weit her, aus Steinbrüchen, wo Kinder und Erwachsene ungeschützt und für Hungerlöhne arbeiten

Wenn sich im Frühsommer der Löwenzahn ans Sonnenlicht kämpft und dabei alte Steinplatten in Schräglage bringt, beraten so manche Eigenheimbesitzer oder auch Gemeinderäte über eine neue Pflasterung. Früher prägten Beton und Backstein das Stadtbild in Deutschland – war ja auch billiger. Seit ein paar Jahren aber laufen wir auf Terrassen und in Fußgängerzonen gern über Granit, Kalkstein und Schiefer. Dabei handelt es sich meistens um Importe aus Indien und China, deren Warenwert sich seit der Jahrtausendwende fast verdoppelt hat auf knapp 250 Millionen Euro im Jahr 2007. Doch nicht nur in Fußgängerzonen, auch auf Friedhöfen kommen die Steine von ganz weit her: Manchmal sind 80 Prozent der Grabsteine und Grabumfassungen aus Indien. Angesichts der Konkurrenz auf einem globalen Markt drücken Einkäufer aus Deutschland die Preise immer weiter nach unten, so dass beispielsweise Granit aus China nur ein Fünftel dessen kostet, was man für deutsche Steine bezahlen müsste.

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Der Preisunterschied geht vor allem zulasten derer, die in den Steinbrüchen arbeiten. In Indien leben mindestens eine Million Menschen von der Steinindustrie – eher schlecht als recht bei Tageslöhnen von unter einem Euro für ungelernte Kräfte. Die Mehrzahl der Arbeiterinnen und Arbeiter gehört zu den ärmsten Gesellschaftsschichten, den Dalits (Kastenlosen) und den Adivasi (Ureinwohner). Zehntausende kleiner Steinbrüche liegen übers ganze Land verstreut, die Wanderarbeiter wohnen meist in einfachen Zeltunterkünften ohne Wasser und Sanitäranlagen direkt neben ihrem Arbeitsort. Sie sind schutzlos dem gefährlichen Steinstaub ausgesetzt und erkranken vielfach bereits in jungen Jahren an Silikose, der Staublunge. In Deutschland wird da besser aufgepasst: Bei uns dürfen Steine nur nass verarbeitet werden. Im Wüstenstaat Rajasthan, dem Zentrum der indischen Steinindustrie, gelten zwar auch Arbeitsschutzgesetze, aber ob sie auch eingehalten werden, das

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Fotos: www.photocase.com/Björn S. Ehlers; Brot für die Welt/Jörg Böthling, Stefan Hauck

Teures Pflaster


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Zum Weiterlesen Friedel Hütz-Adams Steine des Anstoßes. Arbeitsbedingungen bei Natursteinlieferanten für Baumärkte und Küchenhersteller (2008) Diese und weitere Studien zum Natursteinhandel gibt es zum Download auf www.suedwind-institut.de Informationen zu Kinderarbeit in Indien und anderswo sowie Initiativen zu ihrer Überwindung finden sich auf folgenden Seiten: www.brot-fuer-die-welt.de www.forum-kinderarbeit.de www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de www.globalmarch.de Eine Liste von Händlern zertifizierter Natursteine veröffentlicht www.xertifix.de

Fotos: www.photocase.com/Björn S. Ehlers; Brot für die Welt/Jörg Böthling, Stefan Hauck

Vom Steinbruch in die Schule: Karmi Kumari (u. l.) hat es geschafft – mit Hilfe von Bachpan Bachao Andolan. Die Partnerorganisation von „Brot für die Welt“ befreit Kinder aus sklavenähnlichen Verhältnissen und sorgt für ihre Ausbildung

überprüft kaum jemand in den abgelegenen Steinbrüchen. Ein weiteres Problem: In den Abbaupausen während der Regenzeit gibt es keine Arbeit – und kein Geld. So müssen sich viele Arbeiter Geld vom Besitzer leihen, gegen Wucherzinsen, und geraten so in eine Art Schuldknechtschaft, aus der sich die Familie dann nicht mehr befreien kann. Kampf gegen Kinderarbeit

Weil das Geld knapp ist und es im Umfeld der Steinbrüche auch kaum Schulen gibt, arbeiten schon kleine Kinder an der Seite ihrer Eltern. Schätzungen zufolge sind 20 Prozent der Arbeitenden in den Steinbrüchen jünger als 14 Jahre. Karmi Kumari war erst acht, als ihre Eltern sie mit dem älteren Bruder in einen Steinbruch schickten. Während die Jungen die Steinbrocken mit Vorschlaghämmern zertrümmerten, sammelten die Mädchen Steine in Körbe und trugen sie auf dem Kopf zu den Lastwagen. „Wir arbeiteten zwölf Stunden am Tag“, erinnert sich Karmi, die heute zwölf Jahre alt ist. „Eine Stunde hatten wir Mittagspause – außerhalb dieser Pause durften wir nie ausruhen, nicht einmal zur Toilette gehen.“ Karmi hatte Glück, sie wurde von der „Brot für die Welt“Partnerorganisation BBA aus diesem auch in Indien strafbaren Arbeitsverhältnis befreit. Die „Bewegung zur Rettung der Kindheit“ sorgte dafür, dass sie vom Steinbruchbesitzer eine Entschädigung erhielt, und verschaffte ihr einen Platz in

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der Schule. Um aber Kinderarbeit dauerhaft zu beseitigen, müssen zunächst die Erwachsenen angemessene Löhne erhalten, nur dann werden sie ihre Kinder in die Schule schicken. „Früher lachten die Leute, wenn ich sagte, dass man ohne die Abschaffung der Kinderarbeit auch nicht die Armut besiegen könne“, berichtet Kailash Satyarthi, der Leiter der BBA. Doch das Ende der Kinderarbeit liegt nah, meint die Internationale Arbeitsorganisation ILO inzwischen – und das liegt auch am zunehmenden Druck von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Deutschland hat die Kernarbeitsnormen der ILO unterzeichnet, die unter anderem Kinderarbeit und Schuldknechtschaft verbieten. Trotzdem verbauen deutsche Kommunen immer noch billige Steine aus Indien, bei deren Produktion gegen eben diese Normen verstoßen wurde. Mehr als 110 Städte sowie sieben Bundesländer verlangen bei Ausschreibungen daher von den Lieferanten einen Nachweis, dass keine Kinder an der Produktion der Steine mitgearbeitet haben. Auch im Beschaffungswesen von Kirchen sowie deren Kindergärten und Krankenhäusern wird oft die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards gefordert. Auch als Einzelner kann man etwas tun: zum Beispiel in Baumärkten nachfragen, woher die Steine kommen, und sich auf der Homepage der Zertifizierungsorganisation Xertifix informieren, welche Händler Natursteine aus sozial und ökologisch nachhaltiger Produktion im Angebot haben. Franziska Krisch

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Meine Geschichte

Raus aus dem Tal Diabetes, Gefäßschäden, Schlaganfälle: Sven Lenk, 33, hat endlich die Reha gefunden, die ihm hilft

„In den meisten Einrichtungen gelang es nicht, meinen Blutzucker zu kontrollieren“ zucker mit Insulingaben gut eingestellt werden, was bei mir in Kindheit und Jugend schwer in den Griff zu bekommen war – und heute noch nicht einfach ist. Die Folge sind Gefäßschäden, die bei mir schon im Teenageralter einen ersten Schlaganfall auslösten. Bald danach gab es wieder Probleme. Die Blutzuckerwerte waren stark erhöht, der Stoffwechsel spielte verrückt, und ich fiel ins Koma. Irgendwann wachte ich im Krankenhaus wieder auf. Ich rappelte mich hoch, bis zur nächsten Keule vor vier Jahren: ein Schlaganfall, der zu einer halbseitigen Lähmung führte. Schluss mit Laufen, erst mal. Und auch die Feinmotorik war dahin. Die meisten Reha-Einrichtungen sind mit der Therapie und der Kontrolle meines Diabetes nicht zurechtgekommen. Dann zog ich ins Parkstift der Diakonischen Behindertenhilfe in Osterholz-Scharmbeck bei Bremen. Das ist ein Haus, das Jüngeren stationäres betreutes Wohnen bietet. Seit etwa zwei Jahren lebe ich nun dort, unter der Woche von 8.30 Uhr bis 16 Uhr bin ich in der angeschlossenen Reha-Tagesstätte. Das ist wie ein

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richtiger Arbeitstag. Hier muss ich möglichst viel gehen. Die Physiotherapeutin ermutigt mich, so oft ich kann, auf den Rolli zu verzichten, und korrigiert auf eine sympathische Weise. Krankenpfleger, Kunst-, Bewegungs- und Ergotherapeuten, Logopäden und Pädagogen arbeiten zusammen, damit es vorangeht. Das tut mir gut. Dazu lerne ich wieder Dinge, die wichtig sind, wenn ich alleine wohnen will: kochen, einkaufen gehen, handwerkliches Training mit Peddigrohr, damit ich mit der rechten Hand besser greifen kann. Dazu habe ich seit etwa einem Jahr eine Insulinpumpe. Die Blutzuckerkontrolle ist zwar immer noch schwierig, aber es klappt besser, die Werte sind stabiler, ich fühle mich sicherer. Ich hoffe, dass ich bald in eine eigene Wohnung ziehen kann. Die eigene Wohnung, das ist mein nächstes Ziel. Vielleicht ­bekomme ich später einen Job in meinem gelernten Beruf als Verwaltungsfachangestellter. Ich komme aus einem tiefen Tal. Aber jetzt geht es bergauf. Protokoll: Dieter Sell

Diakonische Behindertenhilfe Lilienthal Das Parkstift ist ein Haus der Diakonischen Behindertenhilfe in Lilienthal bei Bremen, die als eine der wenigen Einrich­ tungen dieser Art Rehabilitation für jüngere schwerbehinderte Menschen organisiert, die etwa in Berufsförderwerken nicht mehr aufgenommen werden. Zu den Angeboten dieser nach­ klini­schen Langzeitrehabilitation gehört ein Wohnbereich mit 294 stationären und 30 ambulanten Plätzen. In der Tages­ förderstätte sind 300 Menschen beschäftigt. www.dbh-lilienthal.de

Fotos: Dieter Sell

Das war eine Odyssee. Über Jahre ging es durch Rehaund Pflegeeinrichtungen in Niedersachsen von einem Ort zum anderen. Heute weiß ich: Es waren verlorene Jahre darunter. Jetzt habe ich seit einiger Zeit Ruhe gefunden. Eine Ruhe, die mir hilft, neue Ziele ins Auge zu fassen. Aber der ­Reihe nach. Seit meinem dritten Lebensjahr habe ich einen Typ-1Diabetes. Meine Bauchspeicheldrüse produziert absolut kein ­Insulin. Damit der Stoffwechsel nicht entgleist, muss der Blut-

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Impressum

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Herausgeber: Diakonisches Werk der EKD, Stafflenbergstraße 76, 70184 Stuttgart, Telefon (0711) 2 15 90 Redaktion: Andreas Wagner (Chefredaktion), Ulrike Baumgärtner, Justine Schuchardt, Barbara-Maria Vahl Telefon (0711) 2 15 94 55, redaktion@diakonie.de Mitarbeit bei dieser Ausgabe: Dr. Norbert Bolin, Annette Bottler, Ina Hochreuther, Nadja Winter Verlag: Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH, Emil-von-Behring-Str. 3, 60439 Frankfurt, Geschäftsführer: Jörg Bollmann, Arnd Brummer, Verlagsleitung: Frank Hinte, Layout: Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH Aboservice: bruderhausDIAKONIE, Gustav-Werner-Straße 24, 72762 Reutlingen, Telefon (07121) 27 88 60, E-Mail: alena.roesch@bruderhausdiakonie.de Anzeigen: m-public Medien Services GmbH, Georgenkirchstr. 69/70, 10249 Berlin, Telefon (030) 28 87 48 35, E-Mail: dubberke@m-public.de. Zzt. gilt Anzeigenpreisliste 3/2009. Anzeigenleiter: Martin Dubberke Druck: Bechtle Druck & Service GmbH & CoKG, Esslingen Bezugs- und Lieferbedingungen: Das Diakonie Magazin erscheint viermal jährlich. Der Bezug der Zeitschrift Diakonie Magazin ist im Mitgliedsbeitrag des Diakonischen Werkes der EKD e.V. enthalten. Dem Diakonie Magazin sind vier Regionalteile beigeheftet (Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Hessen-Nassau), Verlag und Druck wie Bundesausgabe.

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Die Sensation: Forscher suchten nach dem Geheimnis der Frucht, die unsterblich macht und entdecken einen „Schutz-Schirm von Mutter Natur“

Freuen Sie sich über dieses Herz-KreislaufWunder aus der Natur – das kraftvollen Zellschutz für Mann und Frau bietet!

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er Herzinfarkt als typische Männererkrankung – das gehört inzwischen der Vergangenheit an. Mittlerweile geht die Herzinfarktrate bei Männern zurück, während sie bei Frauen stetig ansteigt. Heute betrifft jeder zweite Herzinfarkt eine Frau und die Betroffenen werden immer jünger. Es klingt wie ein Wunder, wenn Wissenschaftler in verschiedenen Ländern gleichzeitig eine Pflanze erforschen. Eine Frucht, die seit über 5.000 Jahren paradiesische Zustände verspricht. Das „ewige Leben“ können die Forscher dem „Paradies-Apfel“ nicht entreißen. Doch die Ergebnisse über den Granatapfel klingen nach einer wissenschaftlichen Sensation. Mutter Natur spannt jetzt einen Schutz-Schirm für Sie auf! Wünschen Sie sich ein starkes Herz und geistige Frische? Fühlen Sie sich schlapp? Sorgen Sie sich um die Prostata? Ist Ihnen bester Zellschutz wichtig Die Extrakte des Granatapfels wirken wie ein Schutz-Schirm, gleich mehrfach!



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