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Neues aus dem

Februar/März 2014

Land der Ideen

Land schafft Ideen

ein ld e f r e u q n e n o Innovati Der Mittelstand . Mär z

– Motor der deutschen Wirtschaft

s ta Wettbewerbs

r t am 1


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Ländliche Räume sind Räume für Ideen! Mehr als 90 Prozent der deutschen Gesamtfläche sind „grün“, die Hälfte aller Bundesbürger nennen Gemeinden, Dörfer und Landstädte ihr Zuhause. Ein Zuhause, das für regionale Einzigartigkeit und Gemeinschaft, aber auch für jahrhundertelange Traditionen und örtliche Verbundenheit steht. Hier, wo sich lebenswerter Wohn- und innovativer Wirtschaftsraum verbinden, stehen viele Kommunen und ihre Einwohner vor neuen Herausforderungen: Wenn nämlich die Schule, der Arzt, der Supermarkt kilometerweit entfernt sind, Busse nicht mehr fahren, Arbeitsplätze fehlen und Kultur nicht mehr lohnt; wenn Orte immer stärker durch Leerstände geprägt sind, junge Familien die Region verlassen und Landbewohner bei der Breitbandversorgung zurückbleiben. Aus diesen Herausforderungen entsteht jedoch seit Jahren ein Engagement, das seinesgleichen sucht. Deutschlandweit zeigt sich, wie innovativ diesen Herausforderungen begegnet wird: Bürgerinitiativen und Gemeinschaftsprojekte schaffen damit bereits heute Neues für eine lebenswerte Zukunft auf dem Land. Was sie antreibt: Die Verbundenheit zum Ort, zur Region, zur Heimat.

Regionale Vielfalt schafft deutsche Identität Ländliche Räume prägen Deutschland nicht nur durch Traditionen und Kulturreichtum, sie schaffen regionale Vielfalt und formen damit die deutsche Identität. Die Lebensqualität vorausschauend zu sichern ist deshalb eine gesamtdeutsche Aufgabe – damit Wohnen und Arbeiten auf dem Land auch künftig lebenswert und die Vielseitigkeit Deutschlands erhalten bleibt. Zudem gilt es, die Wirtschaft zu stärken, Unternehmen zu fördern, Fachkräfte vor Ort zu halten und attraktiv für neue Arbeitnehmer zu sein. Um Landkreise und Kleinstädte fit für die Zukunft zu machen, gibt es auf Bundesund Landesebene verschiedene Initiativen zur nachhaltigen Stabilisierung. Sie zeigen: Deutschlands Regionen brauchen – und haben! – gute Ideen für eine sichere Zukunft. Jede Gemeinde wird durch immer andere Rahmenbedingungen geprägt. Darum bedarf es individuellerer Lösungsstrategien, um angesichts der demografischen Entwicklung die Daseinsvorsorge zu sichern. Eine Aufgabe, die – und da sind sich die Experten einig – nur Hand in Hand gelingen kann, wenn also Bund, Kommunen, Unternehmen und Bürger zusammenarbeiten. „Ohne eine Kultur des Miteinanders werden wir schnell an unsere Grenzen stoßen – persönliches Engagement ist einer der Pfeiler ländlicher Entwicklung“, sagte Prof. Hagen Eyink, Referatsleiter „Ländliche Infrastruktur, Kulturlandschaften“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung auf dem 7. Zukunftsforum Ländliche Entwicklung in Berlin.

Ideen für die Regionen Wenn Dörfer ein gemeinsames Zentrum bekommen, Bürgerbusse und Ärzte durch die Region pendeln, Nahversorgungszentren das tägliche Leben erleichtern oder


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Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V. und Juryvorsitzender des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“

Fotos: Titelseite: v.o.l.n.u.r © photophonie - Fotolia.com, lochstampfer - Fotolia.com (2x), Petair - Fotolia.com, contrastwerkstatt - Fotolia.com, Marcus Dewanger, Bürgerbüro Gemeinde Mertingen, Kzenon - Fotolia.com, lochstampfer - Fotolia.com, Paulista - Fotolia.com (Hintergrund); Seite 2: shutterstock.com – michaket, Seite 3: Förderverein des Neue Energien Forum Feldheim

junge Familien alte Häuser günstig kaufen – dann sind Initiativen zur Strukturstärkung erfolgreich. Denn sie entwickeln nachhaltige Lösungen, vernetzen vielfältige Akteure und entwerfen Konzepte, die eigene Entwicklungspotenziale aufbauen und eine gemeindeübergreifende Ressourcennutzung ermöglichen. Schwerpunkte wie demografischer Wandel, biologische Vielfalt, Mobilität, Gemeindevernetzung, Kultur und Tourismus als Entwicklungsfaktoren, Wirtschaftsstabilisierung sowie Bildung und Jugendarbeit werden oft anhand von Modellregionen und -projekten realisiert. So können wichtige Daten erhoben werden, die sonst nur gefühlte Werte blieben. Gemeindegenaue Daten sind aber maßgeblich, um tragfähige Regionalstrategien und damit Weichen für die Zukunft aufzustellen. Wettbewerbe sind ein wichtiges Instrument beim Aufbau neuer Regionalstrategien, da sie das Engagement der Akteure sichtbar machen und nachahmungswürdige Projekte präsentieren. „Deutschland – Land der Ideen“ nimmt sich im Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ dieses Themas an und möchte damit aufzeigen, dass aus den strukturellen Herausforderungen viel Positives entstehen kann. Dass kreative Ideen der Menschen vor Ort dazu beitragen, die Infrastruktur dauerhaft zu erhalten. Ländliche Regionen prägen Deutschland, sie sind Teil der eigenen Identität und wichtig für die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Deshalb suchen „Deutschland – Land der Ideen“ und der langjährige Wettbewerbspartner Deutsche Bank 2014 „Innovationen querfeldein“. Mehr Informationen zum Wettbewerb lesen Sie auf den Seiten 6/7. Ob Bürgermeister, Landräte, Geschäftsführer regionaler Unternehmen oder Verbandszugehörige: Auf der folgenden Seite verraten Menschen, die in ländlichen Gemeinden wohnen und arbeiten, warum sie gerne dort leben, wie regionale Entwicklung gelingen kann und welche Ideen sie für die ländlichen Räume der Zukunft haben.

Liebe Leserinnen und Leser, Deutschland ist vielfältig – neben seinen Städten und Metropolregionen sind es die ländlichen Räume, die diese Vielfalt prägen. Insbesondere sie sind attraktives Lebensumfeld und Sitz innovativer Unternehmen. Die Landkreise und Gemeinden haben es mit erschwerenden Standortfaktoren wie dem demografischen Wandel zu tun und begegnen diesen bereits mit kreativen Ideen und großem Engagement. Es gilt, das Vorhandene auszubauen und gänzlich neue Wege zu beschreiten. Nur so können wir die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft meistern. Das enorme Potenzial der Regionen anhand bestehender Ideen und Projekte aufzuzeigen, ist Ziel des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ 2014. Denn eines ist nicht zu vergessen: Ländliche Räume prägen Deutschland mit ihrer Innovationskraft und schaffen ein wichtiges Stück deutscher Identität. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich einen inspirierenden Streifzug durch das „Land“ der Ideen. Ihr

Inhalt Innovationen querfeldein Ideen für die Bildungsrepublik

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Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen

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Innovationskraftwerk Netzwerk Kleines Dorf mit großen Visionen: Orte wie Feldheim in Brandenburg versorgen sich schon heute selbst mit erneuerbaren Energien.

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Termine/Impressum

10 11-15 16


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„Mit Herz, Hand und Kopf“ Land schafft Ideen: Regionen, Landkreise und Städte profitieren von Initiativen, Projekten und guten Ideen vor Ort, um fit für die Zukunft zu werden. „Deutschland – Land der Ideen“ hat nachgefragt, was für die regionale Daseinsvorsorge wichtig ist und warum es gilt, ländliche Räume nachhaltig zu fördern.

Ich lebe gerne auf dem Land, weil… …dort weniger Anonymität herrscht, engagierte Menschen in zahlreichen Vereinen zusammen viel bewirken, Probleme aufgrund der örtlichen

Näheund starken Vernetzung

schnell angegangen und gelöst werden können.

…die Menschen sich hier häufig stärker für die …man hier Natur und

Biodiversität

hautnah erleben und gestalten kann.

Gemeinschaft engagieren als in Großstädten.

Dieter Harrsen, Landrat des Kreises Nordfriesland

Hans Fischer, Bürgermeister der Stadt Schwebheim

Christian Skrotzki, ehrenamtlicher Vorstand, Leutkircher Bürgerbahnhof eG

…bei uns auf dem Hof Arbeit und Familie eng miteinander verwoben sind und der Rhythmus der

Beständigkeit sowie

Natur Abwechslung gleichermaßen schafft.

Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbands

Meine Idee für ländliche Räume ist…

Naturstärken stärken!

… Strukturschwächen schwächen!

Claudia Günther, Jugendbildungsreferentin, Naturschutzjugend Brandenburg

wirtschaftliche Beziehungen zu den

...dass sie neue

Ballungsräumen in ihrer Region knüpfen. ...dass sie wiederentdeckt werden

Familien

Dr. Kenneth Anders, Akademie für Landschaftskommunikation, Projekt „Heim(at)arbeit“

Foto: shutterstock.com – Igor Strukov

von jungen und innovativen Menschen, die hier gleichwertige Lebens- und Arbeitsqualität finden. Prof. Holger Magel, Präsident der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum e.V.


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Infos zur Entwicklung ländlicher Räume Aktionsprogramm Regionale Daseinsvorsorge: www.regionale-daseinsvorsorge.de

Initiative Ländliche Infrastruktur: www.bmvi.de/ initiative-laendliche-infrastruktur

Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“: www.dorfwettbewerb.bund.de

Netzwerk Ländliche Räume: www.netzwerk-laendlicher-raum.de

Wettbewerb „Menschen und Erfolge“: www.menschenunderfolge.de

Modellvorhaben LandZukunft: www.land-zukunft.de

Modellvorhaben „Region schafft Zukunft“: www.region-schafft-zukunft.de

Thünen-Institut für ländliche Räume: www.ti.bund.de/de/startseite/institute

Regionale Entwicklung kann nur funktionieren, wenn... …eine gute infrastrukturelle Ausstattung und Anbindung gewährleistet werden kann und ein ausreichendes

Fachkräfteangebot

geschaffen wird.

Hanno Osenberg, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Aktionsprogramm regionale Daseinsvorsorge

…Bürgerinnen und Bürger, private Wirtschaft, Politik und Verwaltung gemeinsam handeln, hierbei ihre

Chancen

erkennen und auch für sich nutzen. Heinz Frey, Geschäftsführer DORV-Zentrum GmbH

…die Menschen ernst genommen werden und ihr

bürgerschaftliches Engagement unterstützt wird. hohes

Stefan G. Reuß, Landrat des Werra-Meißner-Kreises

Herz

...sie mit , Hand und Kopf angepackt und verstanden wird. Claudia Günther, Jugendbildungsreferentin, Naturschutzjugend Brandenburg

Eine der größten Herausforderungen für ländliche Räume wird es künftig sein... …trotz sinkender Einwohnerzahlen die

Lebensqualität, vor allem die

kulturelle Infrastruktur, nicht austrocknen zu lassen.

…Voraussetzungen für eine bäuerliche und

ökologisch

angepasste Landwirtschaft zu erhalten. Hans Fischer, Bürgermeister der Gemeinde Schwebheim

Arnold Schrem, Vereinsvorsitzender des Vereins für kulturelle Bildung e.V.

jungen Menschen

… ein attraktives Fundament für die Gestaltung ihrer Zukunft in der Heimat zu bereiten. Jan-Martin Zwitters, Stadt Eberswald, Amt für Wirtschaftsförderung und Tourismus

…vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ihre

Infrastruktur

zu erhalten, damit das Leben auf dem Dorf attraktiv bleibt.

Dieter Harrsen, Landrat des Kreises Nordfriesland


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Innovationen querfeldein 100 Ideen für die ländlichen Räume gesucht Deutschland, vielfältiges Land: Ländliche Regionen bestimmen rund 90 Prozent der Fläche Deutschlands. Mehr als jeder zweite Deutsche lebt in einem Dorf, einer Gemeinde oder einer kleineren Stadt im ländlichen Umfeld. Über Jahrhunderte gewachsene Dörfer und Gemeinden prägen mit ihren regionalen Besonderheiten die deutsche Identität. Doch die ländlichen Räume sind viel mehr als romantische Idylle: Hier treiben Bewohner die Energiewende voran, forschen an modernen Biotechnologien oder produzieren hochwertige Lebensmittel. Kleine und mittelständische Unternehmen haben hier ihren Sitz – wo sie abseits der Großstädte als Marktführer agieren.

Projekte für e d n e is e w g e Sie kennen w ? und Regionen e m u ä R e h c li länd ail an r E-M Vorschlag pe n re Ih s n u ie selbst Schreiben S bis 30. April r e d O ! e .d n r-idee orte@land-de ete-orte.de. .ausgezeichn w w w f u a n e bewerb

Chancen für ländliche Räume Obwohl Gemeinden und Landkreise so vielfältig sind, müssen sich die ländlichen Regionen auch großen Herausforderungen stellen: Wie bleiben schrumpfende Orte für ihre Bewohner attraktiv? Wie funktionieren die Gesundheitsversorgung und das Miteinander der Generationen in der älter werdenden Dorfgemeinschaft von morgen? Wie können Gemeinden Kunst und Kultur nutzen, um Touristen für ihre Region zu begeistern? Grund genug für den bundesweiten Innovationswettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“, die ländlichen Räume und Regionen in den Fokus des Wettbewerbsjahres 2014 zu rücken. Nachdem die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ gemeinsam mit der Deutschen Bank im vergangenen Jahr unter dem Jahresmotto „Ideen finden Stadt“ Lösungen für die Herausforderungen der Städte von morgen ausgezeichnet hat, lautet das Jahresthema nun: „Innovationen querfeldein – Ländliche Räume neu gedacht“.

Deutschland ist das Land der kreativen Regionen. Überall entwickeln Menschen tagtäglich neue Ideen, um ihre Heimat lebens- und liebenswerter, aber auch wettbewerbsfähiger zu machen. Ihre Ideen bilden die Grundlage für Wirtschaftskraft und Wohlstand.“

Jürgen Fitschen, Co-Vorsitzender des Vorstands Deutsche Bank AG und Mitglied des Präsidiums Deutschland – Land der Ideen e. V.

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100 Leuchtturmprojekte für Deutschlands Zukunft Gesucht werden Ideen aus allen Regionen Deutschlands, die zeigen, welche Antworten es auf die Herausforderungen der Zukunft gibt: Projekte aus Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Umwelt, Bildung oder Gesellschaft, die nationalen und internationalen Vorbildcharakter haben. Vom 1. März bis zum 30. April sind deutschlandweit Unternehmen und Forschungsinstitute, Kommunen, Kunst- und Kultureinrichtungen, Universitäten, soziale und kirchliche Einrichtungen, Initiativen, Vereine, Verbände, Genossenschaften sowie private Initiatoren zur Bewerbung aufgerufen. Eine hochkarätige Jury um die Vorsitzenden Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums, Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V., und Prof. Dr. Martin Roth, Direktor des Victoria and Albert Museum, London, wählt anschließend die besten 100 Ideen aus, die einen nachhaltigen Beitrag für die Zukunft der ländlichen Räume und Regionen liefern.

Der ländliche Raum ist ein wichtiger Standortfaktor für ganz Deutschland: mit seiner hohen Lebensqualität, seinen vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, seinen kulturellen und landschaftlichen Schätzen. Es gilt, die Potenziale dieser Regionen für die Zukunft zu bewahren und auszubauen – dafür sind wegweisende Ideen mit Vorbildcharakter gefragt.“

Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie e. V. (BDI) und Präsident des Deutschland – Land der Ideen e. V.

Expertise des Fachbeirats unterstützt Jury Im Wettbewerbsjahr 2014 wird die Jury wieder durch einen Fachbeirat unterstützt, der die Auswahl der Siegerprojekte begleitet: Kathrin Funk, Stellvertretende Bundesvorsitzende, Bund der Deutschen Landjugend Philipp Freiherr zu Guttenberg, Präsident, AGDW – Die Waldeigentümer Prof. Dr. Hans-Günter Henneke, Geschäftsführendes Präsidialmitglied, Deutscher Landkreistag Prof. Dr. Heiderose Kilper, Direktorin, Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) Dr. Ulrich Neubauer, Referatsleiter „Entwicklung ländlicher Räume“ im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Justus Schmitz, Vizepräsident Gesamtverband textil+mode


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Ideen für die Bildungsrepublik Der bundesweite Wettbewerb würdigt Woche für Woche vorbildliche Projekte und Initiativen, die mehr Bildungschancen für Kinder und Jugendliche ermöglichen.

Nachwuchsforscher

Wasser Marsch im Kinderforscherzentrum „Helleum“

Kinder und Jugendliche entdecken die naturwissenschaftliche Welt am Berliner Stadtrand. Das aktuelle Forschungsthema ist Wasser und alle damit verbundenen Phänomene.

„Das Geldstück schwimmt auf der Wasseroberfläche!“, jubelt der 11-jährige Max. Gemeinsam mit Lernbegleiter Klaus erkundet er im Kinderforscherzentrum „Helleum“ wissenswerte und erstaunliche naturwissenschaftliche Phänomene – an diesem Tag dreht sich alles rund um das Thema Wasser. Für sein Engagement wurde das Kinderforscherzentrum am Berliner Stadtrand Anfang Januar 2014 als „Bildungsidee“ ausgezeichnet. Seit der Eröffnung Anfang 2013 haben bereits mehr als 6.000 Kita-Kinder und Grundschüler im Kinderforscherzentrum „Hel-

leum“ gemeinsam mit Eltern, Lehrern und Erziehern die naturwissenschaftliche Welt entdeckt. Statt den Kindern fertige Experimente nur zu erklären, steht in der Lernwerkstatt in BerlinMarzahn-Hellersdorf das forschende und entdeckende Lernen im Vordergrund. Jeden Vormittag öffnet das „Helleum“ – ein Kooperationsprojekt des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf, der Alice-Salomon-Hochschule Berlin und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft – den Nachwuchsforschern seine Pforten und führt sie in speziell entwickelten Kursen an die Wunder der modernen Naturwissenschaft heran.

Fotos: oben: Deutschland - Land Der Ideen/Bernd Brundert; unten: Peter Himsel, www.himsel.de

Gesundheitserziehung

Erste Hilfe für Rostocker Kids Unfall in der Steiger-Allee: Viele Schwer- und auch Leichtverletzte sind am Unglücksort und der Rettungshubschrauber ist bereits im Anflug. Zum Glück spielen sich diese Szenen im Rostocker Uniklinikum nur mit Spielfiguren ab. Neben einem großen Playmobil-Krankenhaus und dem weltgrößten OrganTeddybären bietet die im vergangenen Oktober als „Bildungsidee“ ausgezeichnete „Kids-Med-Akademie“ für die Kleinsten interessante Einblicke in die Welt der Medizin. Das Bildungsangebot macht pro Jahr mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche mit den Grundlagen von Medizin und Erster Hilfe vertraut. Medizinstudenten untersuchen Stofftiere und erklären den Kindern dabei ausführlich deren Krankheiten. Bei der Preisverleihung würdigte Udo Michallik, Jurymitglied des Wettbewerbs „Ideen für die Bildungsrepublik“ und Generalsekretär der Ständigen Konferenz der Kultusminister, das Engagement der Beteiligten.

Den Alltag im Krankenhaus stellt ein riesiges Playmobilkrankenhaus mit über 200 Figuren anschaulich dar.

Die Kinder erhielten durch die „Kids-Med-Akademie“ altersgerechte und didaktisch wirksame Einblicke in medizinische Themengebiete, die Grundlagen der Ersten Hilfe, die alltäglichen Abläufe eines Krankenhauses sowie verschiedenste Berufsperspektiven, so Michallik.


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Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen Mit viel Kreativität, Leidenschaft und Einfallsreichtum entwickeln Menschen in Deutschland zum Thema „Ideen finden Stadt“ Lösungen für die Herausforderungen von morgen.

Ausgezeichnete Forschung

Geistesblitz für Betonrecycling

Fotos: oben: Deutschland – Land der Ideen/Udo Schmidt; unten: Deutschland –Land der Ideen/Bernd Brundert

Was passiert mit Beton, wenn er ausgedient hat? Nur ein Bruchteil Bauschutt wird bislang effizient wiederaufbereitet. In Zeiten zunehmender Ressourcenknappheit wird das aber immer wichtiger. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP hat eine innovative Methode entwickelt, um Rohstoffe wie Beton wiederaufzubereiv.l.n.r.: Prof. Alfred Gossner, Vorstand der ten. Das neuartige Verfahren nennt sich Fraunhofer-Gesellschaft, Ilse Aigner, Bayrische Wirtschaftsministerin, Dr. Ulrich Schürenkrämer, „elektrodynamische Fragmentierung“, mit Deutsche Bank, Dr. Volker Thome, Fraunhofer der Einzelbestandteile des Betons recyIBP, Dr. Christof Karlstetter, Gruppenleiter celt werden können. Mit seiner Idee für Betontechnologie am Fraunhofer IBP, Prof. Klaus Sedlbauer, Institutsleiter Fraunhofer IBP, Monika die Stadt von morgen wurde das IBP im Burkard, „Deutschland – Land der Ideen“. vergangenen Jahr bereits Bundessieger in

der Kategorie Umwelt – nun fand am 27. Januar auch die Preisverleihung zum „Ausgezeichneten Ort 2013/14“ statt. Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner begleitete die Preisverleihung in Stuttgart und betonte: „In Zeiten, in denen wir die Energiewende ganz konkret umsetzen, leisten auch ressourcenschonende Technologien zur Sekundärrohstoffgewinnung einen bedeutenden Beitrag für das gemeinsame Ziel. Im Sinne der Effizienz liefert das Recyclingverfahren des Fraunhofer IBP einen innovativen Ansatz zur Einsparung von Energie und Rückgewinnung von Rohstoffen.“

Städtische Klangwelten

Eine Preisverleihung geht ins Ohr Wie klingt die Stadt von morgen? Dieser Frage widmet sich das Auditory Research Unit an der Universität der Künste Berlin. „Auditive Architektur“ nennt sich die künstlerisch-wissenschaftliche Disziplin, der sich die Preisträger Dr. Alex Arteaga und Thomas Kusitzky verschrieben haben, beide Mitbegründer und Teil des Leitungsteams des Teilbereichs. Das Ziel der Forscher: ein Bewusstsein für die Geräusche der Stadt zu schaffen und diese Klangumwelt zum Angenehmen zu verändern. Bei der Preisverleihung würdigte Ljuba Stefanovic von der Deutschen Bank Berlin diese neue Herangehensweise: „Mit der ‚Auditiven Architektur‘ hat die Uni-

versität der Künste Berlin ein Projekt entwickelt, das die Lebensqualität in unseren Städten deutlich verbessert. Die ‚Auditive Architektur‘ hat damit das Potenzial, zu einem Markenzeichen für urbane Innovationen aus Deutschland zu werden.“ Die Auszeichnung bestärke das Team, die auditive v.l.n.r.: Corinna Pregla, Repräsentantin von „Deutschland – Dimension für die städtebauliche Land der Ideen“, Dr. Alex Arteaga und Thomas Kusitzky, und architektonische Planungspra- beide Mitbegründer und Teil des Leitungsteams der Audi-tory Architecture Research Unit an der UdK Berlin, Ljuba xis zu erschließen und das Thema Stefanovic, Deutsche Bank Berlin. einer noch größeren Öffentlichkeit im Rahmen des Jahresempfangs der Deutzugänglich zu machen, so Arteaga. Dies schen Bank Berlin in der Otto-Suhr-Allee wird sogleich fortgeführt: Am 26. Februar 6 -16 eröffnet. wird die Ausstellung „Auditive Architektur“


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INNOVATIONSKRAFTWERK Die webbasierte Open Innovation Plattform widmet sich Problemlösungsprozessen aus unterschiedlichsten Perspektiven.

Ideenwettbewerb

Fotos: oben rechts: Deutschland – Land der Ideen / Jim Albright; unten links: Shutterstock.com – Nils Z; unten mitte: shutterstock.com; Maridav; unten rechts: Cello Armstrong - Fotolia.com

Visionen am Fließband im Innovationskraftwerk Auch auf Seiten des Carbon in der MedizinCarbon-Clusters ist die technik funktioniert – so Begeisterung groß: „Bedas Fazit, das die koopesonders faszinierend für rierenden Spitzencluster mich war die TransferMedical Valley EMN und leistung der Ideengeber MAI Carbon aus ihrem zur bestmöglichen NutIdeenwettbewerb „Carzung von Carbon im Gebon im Beton, im Auto, v.l.: Stefan Volovinis, Leiter Kommunikation „Deutschland – Land der Ideen“, Matthias sundheitssektor“, sagte im All – warum nicht auch Wendt, Geschäftsführer inno-focus businessconsulting, Rainer Kehrle, Geschäftsführer Rainer Kehrle, Manager in Gesundheitsfragen?“ MAI Carbon Clustermanagement, Frank Wegmann, Drittplatzierter des Ideenwettdes Clusters MAI Carziehen. Am 18. Februar bewerbs, Vinzenz Maria Hoppe, Zweitplatzierter, Julien Denis, Cluster Marketing & bon. „Die besonderen wurden in Erlangen die Development Medical Valley EMN, Jörg Trinkwalter, Mitglied der Geschäftsleitung, Medical Valley EMN. Materialeigenschaften drei besten Ideen geehrt. wurden sehr gut aufgegriffen, um den benäre Denken in der Medizintechnik in Im Rahmen des „Medical Valley Summit“, sonderen Herausforderungen im Bereich Verbindung mit den Eigenschaften von einem Gipfeltreffen der MedizintechnikHealthcare entgegenzuwirken.“ Für die Carbon unter Beweis gestellt“, meinte und Gesundheitsbranche, durften die Spitzencluster war der Ideenwettbewerb Prof. Dr. med. Dr. h.c. Jürgen Schüttler, Ideengeber der Fachwelt in Kurzvorträder erste Schritt, um die clusterübergreiDekan der Medizinischen Fakultät der gen ihre Visionen für den Carbon-Einsatz fende Zusammenarbeit zu vertiefen und Universität Erlangen-Nürnberg und Vorvorstellen. Mit Erfolg: „Insbesondere die gemeinsame Projekte anzustoßen. standsmitglied des Medical Valley EMN. ersten drei Ideengeber haben das visio-

Die Gewinner Die Idee: Carbon als Sprüh-Bandage

Die Idee: Carbon fürs Knie

Die Idee: Carbon für Babyhüften

Von Martin Lammert, 50-jähriger Maler und Bildhauer aus Hamburg

Von Vinzenz Maria Hoppe, 43, aus Ibbenbüren

Von Frank Wegmann, 47-jähriger Verwaltungsangestellter aus Hürup

Oft kommt es im medizinischen Alltag auf schnelles Handeln an. Martin Lammert stellt sich deshalb Spraydosen gefüllt mit einem Carbon-Kunststoff vor, mit deren Hilfe Ärzte am Unfallort und in der Klinik Bandagen und temporäre Prothesen „ersprühen“. Große Zeitersparnisse bei Grund- und Erstversorgung sowie eine hohe Passgenauigkeit und Stabilität der Bandagen und Prothesen sind wesentliche Vorteile.

Mehr als 150.000 Knie-Operationen werden jährlich in Deutschland vorgenommen. Eine Idee zur Optimierung der Eingriffe ist der Einsatz sogenannter „Verankerungsmanschetten“ aus Carbonkunststoff für künstliche Menisken. Im Vergleich zu derzeit eingesetzten Implantaten, etwa aus Titan, verspricht Carbon eine erhebliche Material- und Kostenersparnis.

Kinder kommen oft mit einer Fehlstellung des Hüftgelenks zur Welt (Hüftdysplasie). Um dies zu korrigieren, gibt es mit der Erlanger Beuge-Spreiz-Orthese bereits ein medizin-technisches Hilfsmittel, das die Hüfte der Babys entlastet. Der Nachteil: die Orthese ist recht groß. Frank Wegmann schlägt vor, Carbon-Kunststoff einzusetzen, um Material zu sparen und die Hüftköpfe der Säuglinge zu schonen.


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Netzwerk Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ knüpft Netzwerke und schafft Synergien, die zu guten Ideen, Innovationen und gemeinsamen Projekten mit Partnern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft führen.

Besuch bei einem „Ausgewählten Ort“

Kulturraum Kirche in Bürgerhand

Prof. Martin Wiebel

Die Berliner Zwinglikirche wurde 2007 vom Verein KulturRaum Zwingli-Kirche aus einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf wachgeküsst: Nach Umbaumaßnahmen konnte sie Ende 2013 neu eröffnet werden, um Raum für mehr Kultur im Kiez zu schaffen. Ein Besuch in der Kirche bei Prof. Martin Wiebel, Filmproduzent und Vereinsvorsitzender.

Beim Betreten der Zwinglikirche im Berliner Stadtteil Friedrichshain fällt sofort die Ehrentafel mit der Aufschrift „Ausgewählter Ort 2010“ an der Wand gegenüber ins Auge. Im Kirchenraum sind einige Männer gerade damit beschäftigt, das Equipment der vergangenen Abendveranstaltung – einer Modenschau der Fashion Week – einzupacken. „Dort befand sich ein großes Gerüst, an dem ein Akrobat turnte“, sagt Prof. Martin Wiebel und deutet in Richtung Altarraum. Die Sitzbänke seitlich des Mittelschiffs werden gerade auf Rollen in ihre Ursprungsformation zurückgeschoben.

Fotos: oben: Regina Schmeken; Anke Baltzer

Ausstellung zur „east.side.story“, 2010

Martin Wiebel ist Vorsitzender des Vereins KulturRaum ZwingliKirche – seine persönliche Beziehung zum Stadtteil spielt dabei eine wichtige Rolle, denn sein Urgroßvater war der Stadtteilvater. „Hier musste etwas geschehen“, sagt er. „Die Kirche wurde nach dem Mauerbau nicht mehr genutzt. 2007 beschlossen dann einige engagierte Bürgerinnen und Bürger, etwas aus dem Gebäude zu machen und dem Quartier damit neues kulturelles Leben einzuhauchen.“ Daraus entstanden ist ein besonderer Ort der Begegnung, der heute Raum bietet für diverse Veranstaltun-

gen – von Lesungen über Konzerte bis hin zu Filmaufnahmen. „Hier sang zum Beispiel Katrin Sass in ihrer Rolle der Dunja Hausmann in der Fernsehserie ‚Weißensee‘“, erzählt Martin Wiebel. Location-Scouts seien oft an der Kirche interessiert. „Dennoch wünschen wir uns noch mehr Veranstaltungen – und zwar ganzjährig, was nun endlich möglich ist.“ Endlich möglich machte dies eine Ausschüttung der Landeslotterie, mit der beheizbare Räume und neue sanitäre Anlagen entstanden sind. So

Konzert des Händelgymnasiums, 2011

können nicht nur mehr Besucher empfangen, sondern auch neue Veranstaltungsformate realisiert werden. „Wir sind immer offen für neue Konzepte und Nutzungsarten wie Firmen- und Musikpräsentationen, Modenschauen, Preisverleihungen und Kiezveranstaltungen.“ So facettenreich ist eine Kirche selten zu erleben. Die Auszeichnung zum „Ausgewählten Ort“ sei auch vier Jahre später noch von Bedeutung für den Verein, schließlich sei es ihr zu verdanken, dass der Verein Gehör in der lokalen Politik fand und Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit zu Gast war. Als Martin Wiebel vom neuen Jahresthema des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ erfährt, hat er einen Rat für Kirchen auf dem Land: „Alles beginnt mit bürgerschaftlichem Engagement und der Geschichte eines Ortes. In einer Gemeinde können junge und alte Menschen viel voneinander lernen – die, die viel aus der Vergangenheit wissen, geben ihr Wissen an jüngere Generationen weiter. Wenn sich eine Gemeinde mit ihrer Geschichte auseinandersetzt, kann viel Neues entsteDas gesamte Interhen. So kann view und Eindrücke auch dort eine von der Kirche sehen Kirche zu eiSie in einem Kurznem erlebbafilm, produziert von ren Kulturraum Roman Hänsler. werden.“


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Ausflugstipps

Lohnende Landpartien

Fotos: oben rechts: shutterstock.com – Alexander Raths; mitte links: Deutschland - Land der Ideen/Willem gr. Darrelmann; mitte rechts: Gläserne Molkerei GmbH; unten links: Simone Drischmann; unten rechts: Ökologiehof Wennerstorf

Raus ins Grüne: Wenn es im Frühling wieder wärmer und die Natur bunter wird, locken viele unserer Preisträger mit ihren Ideen und Projekten zu einem Ausflug aufs Land. Die schönsten Landpartien im „Land der Ideen“ haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Jugendwerkstatt Wittichenau

Gläserne Molkerei, Münchehofe

Seit 2010 können junge Gasthandwerker aus Kindergärten, Schulen und Jugendeinrichtungen ihrer Kreativität in einem von den Pfadfindern im sächsischen Wittichenau eigenhändig umgebauten Bauwagen freien Lauf lassen. Die mobile Werkstatt ergänzt als außerschulischer Lernort auf Rädern die theoretische Wissensvermittlung durch praktische handwerkliche Arbeit. Informationen über den Bauwagen und die Angebote der Wittichenauer Pfadfinder gibt es auf www.wittichenauer-pfadfinder.de.

Dass die Milch nicht aus dem Supermarkt kommt, ist eine Erkenntnis, die immer mehr Stadtkinder ernsthaft überrascht. Ein Ausflug in die Gläserne Molkerei schafft Abhilfe: Hier wird der Weg, den die Bio-Milch vom Landwirt über die Produktion bis zum Verbraucher zurücklegt, transparent gemacht. In einem gläsernen Besuchergang kann die Molkerei an den Standorten Dechow (Mecklenburg-Vorpommern) und Münchehofe (Brandenburg) besucht werden. www.glaeserne-meierei.de

FerienUni Oberhavel

Ökologiehof Wennerstorf

Die Herbstferien sind für Brandenburger Schüler zwischen 8 und 18 Jahren sehr lehrreich. Seit 2010 kooperieren vier Gemeinden im Brandenburger Norden, um den Wissensdurst der Kinder und Jugendlichen mit einem bunten und vielseitigen Bildungsprogramm zu stillen. In einer Vielzahl von Veranstaltungen vermitteln Bürger, Lehrer, Zeitungsredakteure und auch Bürgermeister als Dozenten fünf Tage lang Wissen über unterschiedliche Themenbereiche auf anschauliche und unterhaltsame Art. Einfach den Wunschkurs online buchen unter www.ferienuni-oberhavel.de

Freilichtmuseum, Ökologiehof und Ort der Inklusion: Der Museumsbauernhof Wennerstorf in Niedersachsen ist die sprichwörtliche „eierlegende Wollmilchsau“. Auf der historischen Hofanlage finden plattdeutsche Theateraufführungen, Kunsthandwerkermärkte oder Oldtimertreffen statt. In Führungen werden vergangene Zeiten heraufbeschworen und die Frage beantwortet, wie die Menschen hier vor knapp 100 Jahren gelebt haben. Nach dem Besuch im Hofcafé nimmt man gleich noch Produkte aus ökologischer Landwirtschaft mit, die hier von Menschen mit Behinderung angeboten werden. www.museumsbauernhof.de


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per 2014: O t h c a m rf o D rcell von Henry Pu “ s a e n e A d n „Dido u vier Kla ufführung mit 9. Juni – Vora lprobe tliche Genera n e ff ö – i n Ju 13. ngen ni – Aufführu Ju . 5 1 d n u . 14

Nachgefragt

Was wurde aus… „Dorf macht Oper“? Das brandenburgische Dorf Klein Leppin besteht aus ein paar Häusern und einem Schweinestall. Dabei suhlt sich dort schon lange kein Ferkel mehr. Dafür wird er einmal jährlich zum Festspielhaus für fantasievolle Inszenierungen. Mit dieser kreativen Idee wurde der FestLand e. V. 2011 ein „Ausgewählter Ort“. Die Vereinsvorsitzende Christine Tast erzählt, was sich seitdem verändert hat.

Fotos: oben: N.Timm; unten: Carsten Bredhauer

Aufführung „Kind & Zauberdinge“ im Rahmen des Projekts „Dorf macht Oper“ in Klein Leppin, Brandenburg

Wie hat sich Ihr Projekt seit der Auszeichnung entwickelt? Seit wir ein „Ausgewählter Ort“ sind, wächst nicht nur die Zahl der Sängerinnen und Sänger im Klein Leppiner Opernchor, sondern auch die Zahl der Mitmacher und Besucher im 60-Seelen-Dorf. Weitere Ideen zur Kulturvermittlung im ländlichen Raum entstanden mit dem „Opernlabor“, das Kinder und

Jugendliche zum Mitmachen und Mitforschen einlädt. Zudem gibt es einen Opernclub, der das Opernpublikum auf die neue Inszenierung einstimmt. Gleichzeitig können wir endlich unser Projekt „Schweinestall wird FestSpielHaus“ starten. Dank vieler Spenden gelingt es uns, die Bausubstanz des ehemaligen Schweinestalls zu erhalten und zugleich in gemeinsamen Bauaktionen notwendige bauliche Veränderungen am FestSpielHaus vorzunehmen. Was waren die größten Probleme, mit denen Sie seit der Auszeichnung zu kämpfen hatten? Die Auszeichnung hat uns beflügelt und das Projekt „Dorf macht Oper“ weit über das Land Brandenburg hinaus bekannt gemacht. Für die Opernbesucher reichten nun die Plätze im Klein Leppiner FestSpielHaus nicht mehr aus. Wir standen vor der Frage: Wie wollen wir weiter machen? Wir haben uns schließlich entschieden: „Dorf macht Oper“ soll seinen familiären Charme und das künstlerische Niveau behalten. Wie vor 10 Jahren verwandelt sich das Dorf nur an einem Sommerwochenende im Jahr zur Opernbühne. Was empfehlen Sie Menschen, die ihre Ideen in die Tat umsetzen wollen? Auch wenn die neue Idee zunächst absurd klingt, mit der eigenen Begeisterung und Leidenschaft sind andere Menschen anzustecken. Seien Sie neugierig, offen, mutig! Legen Sie einfach los, probieren Sie Neues aus – ohne Angst vor dem Scheitern. www.dorf-macht-oper.de


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Frauen in Deutschland

„Programmieren ab der Grundschule“ Im Jahr 2006 wurden „100 Köpfe von morgen“ ausgezeichnet – darunter 36 Frauen, die unser Land bis heute mit ihrer Arbeit prägen. Die Designforscherin Gesche Joost, eine der Preisträgerinnen, spricht über ihre Arbeit und die Rolle der Frau in technischen Berufen.

Fotos: Pictogramm: © puckillustrations - Fotolia.com; Gesche Joost: UdK Berlin, Gesche Joost

Was hat sich seit Ihrer Auszeichnung getan? Für mich hat diese Auszeichnung einen hohen Stellenwert, da sie mich ermutigt hat, meinen Weg der interdisziplinären Forschung in einem von Männern dominierten Bereich weiterzugehen. Zudem hat sie konkret meinen Werdegang beeinflusst: Peer Steinbrück hat 2006, damals als Bundesfinanzminister, einen persönlichen Beraterkreis zusammengestellt, bei dem auch ich zusammen mit drei anderen „100 Köpfen von morgen“ eingeladen wurde. Daraus ist 2013 meine Rolle im Kompetenzteam Steinbrücks im Bundeswahlkampf geworden, für das Thema „Vernetzte Gesellschaft“. Sie erforschen u.a. die Bedürfnisse von Frauen im Umgang mit Kommunikationstechnologien. Welche weiblichen Besonderheiten gibt es? In unserem Projekt „Gender Inspired Technologies“ beziehen wir Frauen in die Entwicklung neuer Technologien ein, in dem wir zusammen Prototypen entwickeln. In der Diskussion unter den Frauen ist auffällig, dass vor allem Themen der sozialen Interaktion intensiver als bei der männlichen Vergleichsgruppe besprochen werden. Daraus resultierte zum Beispiel der konkrete Wunsch nach einer digitalen Auszeit, der sich aufgrund der empfundenen Verpflichtung zur ständigen Erreichbarkeit für den Notfall bislang noch nicht realisieren lässt. Derartige Ansätze eröffnen neue Perspektiven und adressieren nicht nur die Bedürfnisse von Frauen, sondern natürlich So sieht es aus, wenn in Projekten neue Ansätze für die soziale Interaktion entwickelt werden. auch von Männern. Immer mehr Frauen prägen Deutschland in Führungspositionen. Wie schätzen Sie die Situation in Ihrer Branche ein? Frauen sind in den technischen Bereichen und den Naturwissenschaften weiterhin eklatant unterrepräsentiert. Die Männerdominanz in der Technologieforschung führt zu einem Wettbewerbsnachteil, da oft einseitige Perspektiven eingenommen werden. Wenn wir aber die Vielfalt unserer Gesellschaft – Männer und Frauen,

Dr. phil. Gesche Joost, geb. 1974 in Kiel, deutsche Designforscherin. Seit 2011 Professorin an der UdK Berlin für das Fachgebiet Designforschung und Leitung des Design Research Lab. Bis 2010 Juniorprofessorin an der TU Berlin in Kooperation mit den mit den Deutsche Telekom Laboratories (T-Labs). Gründungsvorstandsmitglied und Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Designtheorie und -forschung e.V. unterschiedliche Altersgruppen, Menschen mit Behinderungen, Familien – als Leitbild für die Technologieentwicklung nehmen, entstehen automatisch neue, vielfältige Ideen. Frauen sollten daher sowohl in den Entwicklerteams als auch als potentielle Nutzergruppe stärker in Prozesse einbezogen werden. Wie können gerade die MINT-Berufe für Frauen noch attraktiver werden? Meines Erachtens gibt es zu wenige weibliche Vorbilder in Naturwissenschaft und Technik, die junge Frauen dazu führen, die entsprechenden Fächer zu studieren. Ein positives Bild der Ingenieurin wäre wichtig für Deutschland. Mädchen und Jungen sollten schon in der Grundschule programmieren lernen. Dann würden auch mehr Mädchen technische Berufe ergreifen.


www.land-der-ideen.de / Februar/März 2014

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Interview

ThyssenKrupp und sein Quartier: Ideenlabor für die Zukunft Am 17. März treffen die Preisträger des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ 2013/14 zum Netzwerktreffen aufeinander. Schauplatz: das ThyssenKrupp Quartier in Essen – ein „Ort für Menschen und Ideen“ und deshalb selbst Preisträger 2011. Ein Interview mit Oliver Burkhard, Mitglied des Vorstands der ThyssenKrupp AG.

Fotos: ThyssenKrupp AG

2011 erhielt das neue ThyssenKrupp Quartier die Auszeichnung als „Ausgewählter Ort“. Wie profitiert ThyssenKrupp noch heute von der Verwurzelung im Ruhrgebiet? Das Ruhrgebiet ist der Geburtsort unseres Unternehmens. Man spürt, dass der Konzern den Menschen hier sehr viel bedeutet. Fast jeder kann eine persönliche Geschichte zu ThyssenKrupp erzählen. Das Ruhrgebiet hat viel Tradition, sicher auch seine Probleme, aber vor allem hat es Zukunft. Hier wurde und wird Integration vorgelebt, hier ist Aufstieg durch Bildung keine abstrakte Formel, sondern täglicher Auftrag. In unserem Quartier arbeiten wir mitten in diesem Schmelztiegel. In einem solchen Umfeld muss man einfach auf gute Ideen kommen.

Woran wird gerade im IdeenLabor von ThyssenKrupp gearbeitet? Zwei Beispiele dazu: „InCarplus“ ist unser derzeit größtes Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Da bringen wir unsere Kompetenzen bei Leichtbau, Energieeffizienz, Elektromobilität und Umweltschonung zusammen. Dadurch verringern wir Kraftstoffverbrauch und Oliver Burkhard, Mitglied des Vorstands der ThyssenKrupp AG Emissionen beim Auto der Zukunft und bringen den Elektroantrieb voran. Wir erwarten aus dem Projekt mindestens 40 neue Produktlösungen. Zudem entwickeln wir neuartige Kunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Das ist Bio-HighTech. So lassen sich zum Beispiel biologisch abbaubare Verpackungsmaterialien herstellen. Dies spart Plastik und schont die Umwelt. Innovationen sind die Zukunft unseres Unternehmens. Mit Ingenieurkunst und Innovationskraft sind wir dran, immer wieder neue, bessere Lösungen zu schaffen, für eine Welt mit immer knapperen Ressourcen und wachsender Bevölkerung. Das ist Teil unseres Selbstverständnisses und passt hervorragend in dieses Land der Ideen.

ThyssenKrupp ist Mitglied im Deutschland – Land der Ideen e. V. Wie trägt das weltweit agierende Unternehmen zu einem positiven Deutschlandbild bei? Unsere Produkte und Dienstleistungen halten das, was Kunden weltweit von einem deutschen Produkt erwarten. Wir bauen High-Tech-Aufzüge, machen hochwertige, nachhaltige Werkstoffe, die Generationen überdauern. Die Leute denken bei Thyssen Krupp an deutsche Ingenieurkunst. Ich bin überzeugt: Wer im Ausland mit unseren Aufzügen aus Neuhausen fährt, ist am Ende auch offen für andere gute Dinge aus Deutschland. Wir sind ein internationaler Konzern, zwei Drittel unserer Mitarbeiter sind im Ausland beschäftigt. Daraus ergibt sich die Verantwortung, in Deutschland vorzuleben, was wir weltweit an Werten erwarten: Offenheit, Hilfsbereitschaft und Kollegialität, aber auch Leistung und Zielstrebigkeit. Das setzen wir gerade in einem für ThyssenKrupp einmaligen Veränderungsprozess um. Dass wir dabei immer besser werden, merken wir auch an der Motivation unserer Mitarbeiter und ihrer Identifikation mit dem Unternehmen. „Ein Ort für Menschen und Ideen“: das ThyssenKrupp Quartier.


www.land-der-ideen.de / Februar/März 2014

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Termine im Land der Ideen Hannover Messe „Integrated Industry – Next steps“ lautet das Leitthema der Hannover Messe 2014. Und das bedeutet: intelligente Fabriken, Produktionsprozesse mit höchster Flexibilität. Zeitgleich zur Hannover Messe präsentiert sich Metropolitan Solutions, der internationale Treffpunkt für nachhaltige Stadtentwicklung. Passend zum Jahresthema „Ideen finden Stadt“ des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ präsentiert sich auch „Deutschland – Land der Ideen“ mit aktuellen Preisträgern an einem Stand vor Ort. Hannover, 7. bis 11. April 2014

Datability auf der CeBIT 2014 Die CeBIT wird 2014 schon 28 Jahre alt und ist dabei so innovativ wie nie zuvor: Top-Thema ist Datability, zusammengesetzt aus dem Branchentrend Big Data und seiner verantwortungsvollen Nutzung. Zudem geht es um Social Business, Mobile-Trends und Cloud Computing. Erstmals öffnet sich die Messe nur Fachbesuchern und Unternehmen. Mehr als 100 Top-Redner, 1000 Konferenzen und so viele Start-ups wie noch nie runden die 5 CeBIT-Tage ab, die von Angela Merkel eröffnet werden. Hannover, 10. bis 14. März 2014

Netzwerktreffen der „Ausgezeichneten Orte 2013/14“

Eine Zukunft für Deutschlands Dörfer 2020 Bürgerschaftliches Engagement auf dem Land ist ein wichtiger Faktor für die Zukunft ländlicher Räume in Deutschland. Vorbildliche Ideen und Konzepte zeichnet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im 25. Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ aus. Ab sofort können sich Gemeinden wieder bewerben. 2016 findet die Preisverleihung statt. www.dorfwettbewerb.bund.de

Auch 2014 gilt es, die 100 Preisträger der aktuellen Wettbewerbsrunde miteinander zu vernetzten. Die ThyssenKrupp AG – selbst mehrfacher Preisträger – öffnet zu diesem Anlass sein gleichnamiges Quartier. Workshops und Impulsvorträge wechseln sich mit offenen Netzwerkrunden ab. Essen, 17. März 2014

Fotos: oben links: Deutschland - Land der Ideen/Bernd Brundert

Ideen für Wien 2020 In Sachen Standortmarketing geht auch Wien innovative Wege: Mit einem öffentlichen Ideenwettbewerb möchte die Stadt neue Impulse für den Tourismus bekommen. Die innofocus businessconsulting GmbH, die gemeinsam mit der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ das Innovationskraftwerk betreibt, realisiert derzeit mit WienTourismus eine Open Ideation und ruft weltweit zum öffentlichen Ideenwettbewerb auf. Gesucht: gute Ideen für das Wien der Zukunft. Die besten Einsendungen werden in die strategische Planung einbezogen, um die Attraktivität der Stadt als touristisches Ziel zu erhöhen. Bis 18. März können kreative Köpfe ihre Ideen einreichen und gewinnen. www.2020.wien.info

Berlin zu Gast in New York Preisverleihung im Land der Ideen: Der Gangway e.V. wird für sein Projekt „BerlinBronxConnection“ als „Ausgezeichneter Ort“ prämiert, eine Initiative, die sozial benachteiligten Jugendlichen aus Deutschland und den USA einen Städteaustausch ermöglicht. Zur Verleihung geht es direkt in die Bronx: Neben einer Fotoausstellung zur 5-jährigen Vereinsgeschichte wird ein HipHopMusical uraufgeführt, das von Jugendlichen aus Berlin und New York erarbeitet wurde. New York, 19. März 2014

Impressum Deutschland – Land der Ideen Land der Ideen Management GmbH Kurfürstendamm 21 10719 Berlin Tel.: +49 30 - 206 459 - 0 Fax: +49 30 - 206 459 - 168 E-Mail: kontakt@land-der-ideen.de www.land-der-ideen.de

V.i.S.d.P.: Ariane Derks Redaktion: Presseteam Land der Ideen Management GmbH Gestaltung: Jutta Schlotthauer

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Land schafft Ideen - Newsletter Februar/März 2014