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Gemeinsam Perspektiven entwickeln Eine gute Ausbildung bietet dreifachen Gewinn: für die jungen Menschen, die damit den Grundstock legen, sich und ihre Familie versorgen zu können; für die Unternehmen, die qualifizierte Fachkräfte brauchen; für die Wirtschaft insgesamt, um international wettbewerbsfähig zu sein. Für die nachhaltige Entwicklung eines Landes spielt ein modernes, professionelles Bildungswesen eine zentrale Rolle. Weltweit fördert die GIZ deshalb im Auftrag der Bundesregierung und in enger Abstimmung mit der Wirtschaft die Reform von Berufsbildungssystemen. Damit sich auf Dauer eine tragfähige wirtschaftliche Basis entwickelt, die den Menschen ein gutes Auskommen ermöglicht.

Eine qualifizierte Ausbildung mit Zukunft Welche Zukunft Afghanistan seinen jungen Menschen bieten kann, hängt neben der alles entscheidenden Frage nach Frieden und Sicherheit auch davon ab, ob sie im eigenen Land eine attraktive berufliche Perspektive haben. Eine solide, bedarfsgerechte Berufsausbildung ist der erste Schritt dazu. Zur Entwicklungsstrategie Afghanistans gehört daher, ein leistungsfähiges flächendeckendes Berufsschulsystem aufzubauen. Die wenigen existierenden Berufsschulen sind bislang schlecht ausgestattet, den meisten Lehrkräften fehlt die Fachpraxis, Lehrpläne und Prüfungen sind uneinheitlich und es gibt keine Zusammenarbeit mit der Wirtschaft.

Gemeinsam mit dem Vizeministerium für berufliche Bildung hat die GIZ im Auftrag des BMZ ein System aus 50 Pilotschulen etabliert. Die Ausbildungsinhalte orientieren sich eng am Bedarf der heimischen Wirtschaft. Sechs neue technisch-gewerbliche Ausbildungszweige sind entstanden, die inzwischen knapp 19.000 Jugendliche, davon etwa ein Viertel Frauen, durchlaufen. Außerdem wurden zwei neue Ausbildungszentren für Berufsschullehrer und -lehrerinnen eröffnet sowie rund 10.000 Lehrkräfte weitergebildet. Ein wichtiger Schritt ist die Öffnung ausgewählter Berufsschulen in Kabul und Mazar-e Sharif für Lehrlinge aus traditionellen Handwerksbetrieben. Bislang lernten sie dort nur die Praxis. Jetzt bekommen 1.600 von ihnen an den öffentlichen Berufsschulen ergänzend das theoretische Rüstzeug für ihren Beruf: Technologie, Technische Kommunikation, angewandte Mathematik. Ein Ansatz mit breiter Wirkung, denn rund 60 Prozent der 15- bis 19-jährigen Afghanen werden in Klein- und Kleinstbetrieben ausgebildet. Und auch den Betriebsinhabern werden die Berufsschulen für Weiterbildungen offenstehen. Durch die Modernisierung der traditionellen Lehrlingsausbildung in Afghanistan wird das Land ein leistungsfähiges betrieb­liches Ausbildungssystem entwickeln und dabei bis zu 80 Prozent der Investitionskosten sparen, die beim Aufbau eines – zudem wenig leistungsfähigen – schulischen Berufsbildungssystems notwendig wären. gustav.reier@giz.de //

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Integrierter Unternehmensbericht der GIZ 2015

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GIZ. LÖSUNGEN, DIE WIRKEN.

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