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II. SCREENING

Setdesign und Special Effects Am Setdesign war unter anderem der legendäre Designer Syd Mead (TRON, STRANGE DAYS) beteiligt. Als Inspiration für Fahrzeuge und Gebäude diente ihm und Scott die französisch-amerikanische Comicreihe „Heavy Metal“, zu der damals Künstler wie Enki Bilal und Jean Giraud (Moebius) beitrugen. Die Gebäude der Innenstadt tragen ihre „Eingeweide“ (Luftschächte, Rohre, Kabel) an der Außenfläche und offenbaren sich so als retro-futuristische Mischung aus alten und neuen Stilelementen. Ihr abgenutztes Äußeres („used future“) steht im Kontrast zur glänzenden Tyrell-Fassade. Für die Innenräume wurden reale Gebäude in Los Angeles gewählt, die als Wahrzeichen der Stadt gelten und auch im Film Noir häufig auftauchten, darunter das vom Stararchitekten Frank Lloyd Wright entworfene Ennis-House sowie das Bradbury-Building, eigentlich ein Bürogebäude. Neben herkömmlichen Sperrholzkulissen kamen auch Matte Paintings zum Einsatz, also gemalte Miniaturhintergründe. Ein Beispiel ist der Abgrund in der finalen Dachszene. Das erwähnte Stadtpanorama resultiert aus einem Modell etwa in Größe einer Modelleisenbahn. Tausende Fiberglasleuchten, darunter montiert, dienten als Lichtquellen. Der gleichförmige Nebel erwies sich als besondere Herausforderung und verräucherte wochenlang das Studio. Insgesamt erinnert das Vorgehen stark an die Arbeit zu Fritz Langs METROPOLIS. Solche Special Effects und schwierige Kamerafahrten oblagen dem Spezialisten David Trumbull, der in 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM und UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER DRITTEN ART entsprechende Erfahrung gesammelt hatte. In der Postproduktion, heute der zentrale Schritt jedes Science-Fiction-Filmdesigns, fügte er nur wenig hinzu. BLADE RUNNER gilt als einer der letzten ausschließlich analog produzierten Science-Fiction-Filme. Mead und Trumbull wurden jeweils für den Oscar® nominiert.

Musik Der berühmte Soundtrack des griechischen Komponisten Vangelis (geb. 1943) verbindet klassische sowie futuristische Elemente und trägt stark zur Stimmung des Films bei. Seine düsteren Synthesizer-Klänge, damals eine enorme innovative Leistung, sollten das Sounddesign der Science-Fiction nachhaltig prägen. Sie werden mitunter leitmotivisch eingesetzt. In den Straßenszenen hört man passend zum multikulturellen Bild aber auch arabische und fernöstliche Klänge, dazu schaffen Jazz-Standards immer wieder die sentimentale Verbindung zu untergegangenen Epochen und zum Fim-Noir. Die Liebesszene zwischen Rachael und Deckard in dessen Apartment bezieht ihre Spannung nicht zuletzt aus dem ständigen Wechsel von bedrohlicher Elektronik und warmen Saxophonklängen. Eine vollständige Edition des Soundtracks ist bis heute nicht erschienen, trotz Publikationen in den Jahren 1994 und 2007.

Rezeption und Nachwirkung Bei der Premiere 1982 wurde der Film von Kritik und Publikum verhalten aufgenommen. Das Budget von 28 Millionen Dollar wurde mit weltweit 32 Millionen Dollar nur knapp wieder eingespielt. Die komplexe Story galt als schwer verständlich, vom Studio nach Testvorführungen panisch eingefügte Konzessionen wie einige erklärende Monologe Deckards (Voice-Over) nebst kuriosem Happy End verfehlten ihre Wirkung völlig. Von einigen Kritikern und Kritikerinnen wurden sie zurecht als Fremdkörper erkannt. Hinzu kam die außergewöhnlich starke Konkurrenz in diesem Jahr durch weitere Science-Fiction-Filme wie E.T. – DER AUSSERIRDISCHE. Nach dem Erfolg von KRIEG DER STERNE erwartete das Publikum vom Genre unbeschwerte Unterhaltung.

SCIENCE FICTION – KEEP WATCHING THE SKIES!

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Filmklassiker Material Science Fiction  
Filmklassiker Material Science Fiction