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Nach – haltige Stadt – planung Lebendige Quartiere Smart Cities Resilienz


Impressum

Herausgeber und Autoren Helmut Bott, Gregor C. Grassl, Stephan Anders

Co-Autoren Martin Altmann, Jürgen Baumüller, Julia Böttge, ­ Sigrid Busch, ­Dominic Church, Thorsten Erl, Manal ­El-Shahat, ­Johannes Gantner, Philipp Groß, Tilman Harlander, ­Gerhard Hauber, Thomas Haun, Dietrich Henckel, Olaf Hildebrandt, Jürgen ­Laukemper, Rolf Messerschmidt, Peter Mösle, Marcel Özer, Christopher Vagn Philipsen, Waltraud ­Pustal, Christina Sager-Klauß, Daniela Schneider, Mario Schneider, Antonella ­Sgobba, Stefan Siedentop, Guido Spars, Antje ­Stokman, Alyssa ­Weskamp, ­Bastian Wittstock, ­Andreas von Zadow

DETAIL Business Information GmbH, München www.detail.de © 2018, zweite Auflage (überarbeitet und aktualisiert) 2013, erste Auflage ISBN: 978-3-95553-430-1 (Print) ISBN: 978-3-95553-431-8 (E-Book) ISBN: 978-3-95553-432-5 (Bundle)

Die Abschnitte »Wohlbefinden und gesundes Raumklima« (S. 138 – 139) und »Energie- und ressourcenschonendes Gebäudedesign« (S. 139 – 141) sind der Publikation »Green Building. Leitfaden für nachhaltiges Bauen« von Michael Bauer, Peter Mösle, Michael Schwarz (Berlin 2013) entnommen. Mit freundlicher Genehmigung von Springer Science ­­+ ­Business Media.

Mitarbeiter der Ausgabe 2013: Alexander Sailer, Isabelle Willnauer

Redaktion Projektleitung: Steffi Lenzen Lektorat und Layoutbearbeitung: Eva Schönbrunner Korrektorat: Sandra Leitte, Valley City Redaktion der Ausgabe 2013: Cornelia Hellstern, Sandra Leitte, Yvonne Bruderrek, ­Andrea Kohl-Kastner, Jana Rackwitz; Carola Jacob-Ritz, Florian Köhler, Kai Meyer, Eva Schönbrunner, Theresa Steinel, Lisa Wenz Zeichnungen: Ralph Donhauser Herstellung / DTP: Roswitha Siegler, Simone Soesters Cover und Gestaltungskonzept: Maria Fischer und Christoph Kienzle Rose Pistola GmbH, München Reproduktion: ludwig:media, Zell am See Druck und Bindung: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG, Calbe Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die ­dadurch begründeten Rechte, ­insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen oder der Vervielfältigung auf anderen Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Eine Vervielfältigung dieses Werks oder von Teilen dieses Werks ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetz­lichen Bestimmungen des Urheberrechts­ gesetzes in der jeweils geltenden Fassung zulässig. Sie ist grundsätzlich vergütungspflichtig. Zuwiderhandlungen un­­terliegen den Strafbestim­mungen des Urheberrechts. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese ­Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; ­detaillierte bibliografische Daten sind im Internet ­abrufbar über: http://dnb.d-nb.de

Die CO2-Emissionen dieser Publikation, die bei der Produktion des Papieres, beim Drucken, Binden und den Transporten anfielen, wurden über die Klimainitiative des Bundesverbandes Druck und Medien e. V. durch first climate-Zertifikate zu 100 % ausgeglichen.

ID-No. 1874791

Die für dieses Buch verwendeten FSC ®-zertifizierten ­Papiere werden aus Fasern hergestellt, die nach­ weislich aus umwelt- und ­sozialverträglicher Herkunft stammen.


Inhalt

Vorwort der Herausgeber zur 2. Auflage  6

KAPITEL 3 — UMSETZUNGS­STRATEGIEN  168 Darstellung übergeordneter Prinzipien, die bei der Planung berücksichtigt werden sollten und Strategien zur Umsetzung der in den Handlungsfeldern aufgezeigten Lösungen im Ent­wicklungsprozess

KAPITEL 1 — EINFÜHRUNG  10 Erläuterung des Begriffs Nachhaltigkeit und seine ­Verwendung in der Stadt- und Quartiersplanung

1.1 Ziele und Motivation des Buchs  11 1.2 Nachhaltigkeit und Resilienz  13 1.3 Das Quartier  21 1.4 Die Smart City 25 1.5 Mehrwert nachhaltiger ­Stadtquartiere 

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3.1 Ganzheitliche Konzepte entwickeln  169 3.2 Akteure, Leitbilder und Instrumente  179 3.3 Kommunale Umsetzungsstrategien  188 3.4 Projektspezifische Umsetzungs­ strategien  195

KAPITEL 4 — WERKZEUGE  200 KAPITEL 2 — HERAUS­FORDERUNGEN & HANDLUNGSFELDER  32 Problemstellungen und konkrete Lösungsansätze relevanter Themenfelder für die nachhaltige Stadt- und Quartiersplanung

2.1  Regional-, Stadt- und Quartiersentwicklung Herausforderung 33 Handlungsfeld 42 2.2 Prozesse und Beteiligung Herausforderung 51 Handlungsfeld 54 2.3 Mensch und Soziokultur • Soziales Gefüge Herausforderung  61 Handlungsfeld 66 • Lebensstile und ­Verhaltensweisen Herausforderung  73 Handlungsfeld 77 2.4 Ökologie • Arten- und Biotopschutz Herausforderung  83 •  Freiräume und Stadtklima Herausforderung 85 Handlungsfeld 88 • Wasser- und Bodenschutz Herausforderung 96 Handlungsfeld 99 • Stoffströme Herausforderung 106 Handlungsfeld 108 • Mobilität und Verkehr Herausforderung 114 Handlungsfeld 117 • Energie Herausforderung 126 Handlungsfeld 130 • Emissionen Herausforderung 142 Handlungsfeld 146 2.5 Ökonomie Herausforderung  153 Handlungsfeld 158

Überblick über Methoden und Werkzeuge für die ­Planung und Umsetzung von nachhaltigen Quartieren

4.1 Computerunterstützte Planungs­ werkzeuge  201 4.2 Simulation  206 4.3 Visualisierung  214 4.4 Zertifizierungs- und Bewertungs­ systeme  218

KAPITEL 5 — PROJEKTE  224 Auswahl an nachhaltigen Quartieren weltweit mit ­spezifischen Schwerpunkten

Einführung  225 Übersicht  226 Potsdamer Platz  228 Carlsberg City District  232 ecoQuartier Pfaffenhofen  234 Bo 01 – Western Harbour  238 Dockside Green  240 Neckarbogen  242 Hammarby Sjöstad  244 Möckernkiez  246 NEST – New Ethiopian Sustainable Town  248 GWL-Terrein  250 Barangaroo  252 NDSM-Werft  254 Berlin TXL  256 Viertel Zwei  260 Weitere Projekte  262

ANHANG  266 Literaturverzeichnis  266 Bildnachweis  275 Autoren  278 Projektbearbeiter  280


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Vorwort der Herausgeber zur 2. Auflage


Vorwort der Herausgeber zur 2. Auflage

Nachhaltigkeit – ein alter Hut?

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ereits als 2012 die erste Auflage des Buchs »Nachhaltige Stadtplanung – Konzepte für nachhaltige Quartiere« entstand, schien der Begriff Nachhaltigkeit manch einem schon abgestanden oder gar längst überwunden zu sein. Das Thema »nachhaltige Stadt« sei veraltet, konnte man gelegentlich hören, es gehe nun um die »resiliente Stadt« und in der Zielsetzung »Resilienz« sei das Thema der Nachhaltigkeit aufgehoben. Der Begriff »nachhaltig« war in der Tat zu oft – und auch falsch – in allen möglichen und unmöglichen Zusammenhängen benutzt worden. Dennoch wurde das Buch in all seiner Komplexität sehr gut nachgefragt und war nach etwa drei Jahren ausverkauft. Nunmehr liegt die überarbeitete und aktualisierte zweite Auflage vor. Wir haben die Inhalte neu gegliedert, aktuelle Themen wie Digitalisierung und Stadt ergänzt sowie den Umfang insgesamt gestrafft. In der ersten Hälfte der 2000er-Jahre deutete in Deutschland vieles auf eine Wende in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit hin. Nach Jahrzehnten andauernder Konflikte und teilweise heftiger Auseinander­setzungen kam es unter dem Eindruck der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 sogar bei konservativen Politikern zur Abkehr von der damaligen Energiepolitik, die »Energiewende« wurde eingeläutet. Deutschland schien sich zum Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit zu entwickeln, von außen bewundert und belächelt – je nach politischer Position. Nun, einige Jahre später, sieht es schon wieder etwas anders aus. Der Atomausstieg Deutschlands war zwar ein großer Meilenstein in Richtung umweltfreundlicher und sicherer Energieerzeugung, zur Verbesserung der CO2-Bilanz konnte er jedoch kaum beitragen. Die deutschen Städte haben zudem vermehrt mit neuen Herausforderungen wie Hoch-

wasser durch extreme Niederschlagsereignisse oder Feinstaubalarm durch den immer noch zu­ nehmenden Pkw-Verkehr zu kämpfen. Und es zeigt sich, dass auch alternative Energiegewinnung starke Eingriffe in Stadt- und Dorfgestalt, Natur und Landschaft verursachen kann (riesige Photovoltaikanlagen, gigantische Windräder, breite Hochspannungsstromtrassen, Spei­ cherbecken, Monokulturen für die Gewinnung von Biodiesel etc.), wogegen sich oft Bürgerproteste wenden. Dies verweist unmittelbar auf die Mehrdimensionalität des Prinzips Nachhaltigkeit, auf bessere Analysen von Wechsel- und »Neben«wirkungen, auf die Notwendigkeit von ganzheitlich interdisziplinär erarbeiteten Planungskonzepten jenseits eindimensionaler Optimierungen. Im Zentrum des Buchs steht die Stadtplanung. Der Fokus der Betrachtung richtet sich zwar auf das Quartier als sozialräumliche Einheit der alltäglichen Lebenswelt sowie als Interventionsebene bei Stadtumbau und Stadterneuerung. Viele Aspekte lassen sich jedoch nicht auf klar abgrenzbare räumliche Untereinheiten der Stadt einschränken, weshalb sich der Blick vom Quartier auf die Stadt oder gar die Region weitet, in manchen Fällen gar auf die Gebäudeebene zurückführt. Ganz gleich, aus welchem Betrachtungswinkel und in welcher Dimension man die Stadt analysiert – ökologisch, soziokulturell oder ökonomisch –, es geht immer um den zeitlichen Ablauf und den Stadt- und Landschaftsraum, in dem sich die Prozesse der menschlichen Lebenswelt vollziehen. Selbst wenn kein ökonomischer und technologischer Wandel stattfände, so würden die Menschen dennoch älter werden, neue Generationen kommen, Gebäude und technische Systeme verschleißen, die Pflanzen wachsen und absterben und/oder Sukzessionsfolgen entstehen.

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Vorwort der Herausgeber zur 2. Auflage

Die Nachhaltigkeit räumlicher Strukturen lässt sich also nur im Lebenszyklus definieren und beurteilen – von der Errichtung und Einbringung der Baumaterialien und Bauteile über die Nutzung und Unterhaltung von Gebäudestrukturen bis gegebenenfalls zu deren Entsorgung bzw. Wiederverwendung. Ganz wichtig und immer entscheidender wird dabei die intelligente Vernetzung aller Elemente in den verschiedensten Dimensionen. Da Stadt kein abgeschlossenes, sondern ein komplexes, offenes und dynamisches System ist, geht es in der Einschätzung seiner Qualitäten auch um seine Anpassungsfähigkeit (Resilienz) an sich ändernde Rahmenbedingungen. Dies gilt umso mehr, als Wirtschaft und Gesellschaft auf dem räumlich und in den verfügbaren Ressourcen begrenzten Planeten Erde immer noch auf ständiges Wachstum ausgerichtete sind, da scheinbar nur Wachstum die Folgen der bisherigen Verteilungsprinzipien in der Wirtschaft zumindest partiell zu überdecken vermag. Wir wissen seit Langem, dass es Grenzen des Wachstums gibt, was sich längst noch nicht im Mainstream der ökonomischen Theorien und politischen Strategien niedergeschlagen hat. Auch die normierten Verfahren der Bauleitplanung und gängigen Planungsstrategien müssen infrage gestellt und hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf »Resilienz« und »Nachhaltigkeit« überprüft werden. Dies gilt auch für die Investitionsstrategien der Kommunen und öffentlichen Körperschaften. Es werden sicher große Aufwendungen für intelligente technische und soziale Infrastruktureinrichtungen erforderlich sein: Sanierung und/oder Neustrukturierung von Aquädukten, Straßen, ÖPNV- und Energienetzen sowie der sozialen Infrastrukturelemente, die schon immer eine wesentliche Grundlage der europäischen Stadt waren. Dies sind, in Verbindung mit der offenen, sozialen Interaktion der Stadtbewohner, die unver-

zichtbaren und dauerhaften »sozialen Netzwerke« – und nicht die von wenigen globalen Konzernen beherrschten Datennetze. Die vorliegende Publikation kann ein so komplexes Thema selbstverständlich nicht in allen Einzelheiten behandeln. Ziel ist es vielmehr, einen fundierten Überblick zu geben, aus dem ein Grundverständnis für die Komplexität der Zusammenhänge und Wechselwirkungen entsteht. Vielfältige Hinweise auf weiterführende und vertiefende Literatur sowie Projektbeispiele s­ ollen dem Leser die Möglichkeit geben, Kenntnisse zu vertiefen und sich mit Details der jeweiligen Fachdisziplinen zu befassen. Um dem Anspruch der ganzheitlichen Betrachtung gerecht werden zu können, war es notwendig, ein Team aus Wissenschaft, Planungspraxis und Wirtschaft zusammenzustellen. Das Thema ist zu komplex und die zu behandelnden Aspekte zu vielfältig, als dass sie eine kleine Gruppe oder gar nur ein einzelner Autor behandeln könnte. Die Vielfalt der Autoren ermöglicht es, das Thema Nachhaltigkeit aus sehr unterschiedlichen Positionen zu untersuchen. Der Begriff Nachhaltigkeit wird in der fachlichen und politischen Diskussion von den verschiedensten Positionen aus sehr unterschiedlich, oft gar gegensätzlich verstanden und eingesetzt. Die einen beziehen sich unter dem Motto »Nachhaltigkeit ist nichts Neues« auf alte Methoden und Werte, während andere gemäß der Devise »Nachhaltigkeit ist die Vision einer besseren Zukunft« auf Innovation und technischen Fortschritt setzen. Zahlreiche Diskussionen und auch Publikationen beschäftigen sich mit Hightech- und LowtechStrategien – von Städten mit Lehmhäusern und Schafwolldämmung auf der einen und Smart Cities mit vollautomatisierten Gebäuden und Dienstleistungsrobotern, steuerbar per Smartphone


Vorwort der Herausgeber zur 2. Auflage

sowie autonom fahrenden E-Autos auf der anderen Seite. Beide Ansätze sind interessant, die Debatte aber ist oft sehr stark ideologisch geprägt. Dies zeigt in aller Deutlichkeit, dass der Weg zum nachhaltigen Wirtschaften steinig ist und ganz bestimmt nicht nur geradeaus, sondern in manchen Fällen gar in Sackgassen führen wird – denken wir nur an Desertec. Manche heute gefeierten technischen Systeme werden sich nur als Zwischenlösung erweisen und durch neuere Erkenntnisse und geänderte politische Strategien und gesellschaftliche Entwicklungen früher oder später obsolet werden. Ihre Reversibilität wird somit zu einem wichtigen Kriterium. Das vorliegende Buch soll zur ergebnisoffenen, sachlichen Diskussion beitragen. Wir gehen davon aus, dass ohne technische Innovation eine nachhaltige Zukunft nicht möglich sein wird. Technik­ entwicklung allein wird jedoch die großen Probleme des »Anthropozäns« nicht lösen können. Denn technische Innovation ist in Bezug auf die Wohlfahrt der Gesellschaft ebenso wie in ihren Auswirkungen auf die Natur kein Wert an sich. Ganz im Gegenteil wurde ein großer Teil der heutigen Probleme erst durch die nicht bedachten oder falsch eingeschätzten »Nebenwirkungen« technischer Systeme erzeugt. Selbstverständlich kann in dieser Diskussion niemand die Position der Objektivität beanspruchen. In unserem Buch werden vielmehr Ziele und Maßnahmen formuliert, wie z. B. das Prinzip der sozialen Mischung, der Dichte und der Nutzungsmischung, die die Autoren der jeweiligen Beiträge nachvollziehbar begründen. Letztendlich basieren diese Betrachtungen aber nicht nur auf Fakten, sondern auch auf Werturteilen. Dies erschließt sich dem Leser aus den Argumentationen und er mag den Gedankengängen zustimmen – oder auch nicht.

Um Visionen Realität werden zu lassen, ist es notwendig, Erfahrungen in der Praxis zu sammeln, daraus zu lernen und entsprechende Umsetzungsstrategien zu konzipieren. Einerseits wurden in den letzten Jahrzehnten mit vergleichsweise geringen Forschungsmitteln in Teilbereichen große Fortschritte erzielt – etwa bei der Entwicklung vom Niedrigenergie- zum Passiv- und schließlich zum Plusenergie- bzw. Aktivhaus. Andererseits aber zeigt sich, dass gerade die realisierten Projekte in aller Regel eben nicht den ganzheitlichen Ansatz verfolgen, den dieses Buch fordert. Das wird auch in den dargestellten Praxisbeispielen in Kapitel 5 deutlich. Die komplexe, vieldimen­ sionale Analyse und Planung steht unseres Erachtens erst am Anfang, daher ist dies nicht weiter verwunderlich und es spricht keineswegs gegen Projekte, dass sie nur einige der im Buch angesprochenen Dimensionen beachten. Jedes Projekt, das es ermöglicht, neue technische und/oder sozioökonomische Erkenntnisse zu gewinnen, ist wichtig, und so glauben wir, dass sich an den dargestellten Planungsbeispielen Vieles lernen lässt. Zusammen mit den zahlreichen renommierten Autoren der unterschiedlichen Fachdisziplinen sind wir überzeugt, ein informatives Buch für die Tätigkeit als Planer oder als Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft vorlegen zu können. Wir danken an dieser Stelle allen Autoren für ihr großes Engagement und die freundliche Bereitschaft, ihre Texte zu aktualisieren. Besonderer Dank gilt dem Unternehmen Drees & Sommer, ohne dessen finanzielle Unterstützung dieses Buch nicht entstanden wäre.

Stuttgart, im August 2018 Helmut Bott, Gregor C. Grassl, Stephan Anders

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K A P ITE L 1

Einführung


1.1 — Ziele und Motivation des Buchs

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Ziele und Motivation des Buchs Ste fan Anders, Hel mut Bott, Gregor C . Gras s l

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iel dieses Buches ist es, das Prinzip »Nachhaltigkeit« in seiner Komplexität und Mehrdimensionalität in Bezug auf die Stadt- und Quartiersentwicklung darzulegen. Dies erklärt seinen Umfang und die Vielzahl der Co-Autoren, die jeweils aus ihrer fachlichen Perspektive sowie Expertise den Stand der Forschung und Entwicklung fundierter und detaillierter aufzeigen können, als es ein kleines Team oder gar nur ein einzelner Autor leisten könnten. Im Einführungskapitel der Publikation werden der Begriff der Nachhaltigkeit und seine Verwendung in der Stadt- und Quartiersplanung erläutert, historisch eingeordnet sowie Nachhaltigkeit in ihrer grundlegenden Dimension und ihrer strategischen Wirkung dargestellt. Gegliedert nach den drei Säulen der Nachhaltigkeit – Ökonomie, Ökologie, Soziales, – jeweils bezogen auf die Stadt- und Quartiersentwicklung, werden anschließend die wichtigsten Herausforderungen und Handlungsfelder von Experten der jeweiligen Themenbereiche aufgezeigt, detailliert erläutert und mit Zahlen und Fakten belegt. Dabei geht es um Klärung und Erläuterung der Grundbegriffe, die im Zusammenhang mit der Zielsetzung nachhaltiger Stadtplanung relevant sind, aber auch um die Klarstellung des Verhältnisses von Nachhaltigkeit und Resilienz sowie um die Einordnung des Leitbilds Smart City. Entscheidend für den Projekterfolg sind aber nicht nur die richtigen fachspezifischen Lösungsansätze, sondern vor allem auch Umsetzungsstrategien, bei denen die komplexen Wechselwirkungen der Zielsetzungen und Maßnahmen in den Teilsektoren mitbedacht werden. Nachhaltige Planungsansätze müssen immer auch integrativ sein, ohne

einseitige Optimierung von Teilsektoren – wie etwa die »Energiespar-Stadt« oder die »autogerechte Stadt« – und dies umso mehr bei größeren und komplexen Projekten, wie es Stadt- und Quartiersentwicklungen immer sind. Zusätzlich erhält der Leser einen kurzen Überblick, welche teilweise noch relativ neuen Werkzeuge für nachhaltiges Planen und Bauen zur Verfügung stehen. Abschließend werden geplante und bereits realisierte Beispiele vorgestellt, die Anregungen für konkrete Aufgabenstellungen geben und einen Einblick erlauben, was heute unter der Zielsetzung der nachhaltigen Stadtplanung bereits durchsetzbar ist. Auswahlkriterien für die Projektbeispiele waren u. a. die Internationalität und der Anspruch, ein breites Spektrum unterschiedlichster Konzepte zu präsentieren, bei denen jeweils verschiedene Handlungsfelder problembezogen im Vordergrund stehen. Die Gliederung der Kapitel ermöglicht es, jederzeit schnell Informationen zu Teilgebieten zu erhalten. Wir haben uns zwar bemüht, das Thema möglichst in der gebotenen Breite zu behandeln und deshalb ein interdisziplinäres Autorenteam zusammengestellt, das die jeweiligen Themenbereiche in der erforderlichen Tiefe auf dem Stand von Wissenschaft und Technik darlegen kann. Gleichwohl ist die Zahl der Seiten, gemessen am Umfang der Aufgabenstellung, eng begrenzt. Die einzelnen Kapitel können also einen Überblick bieten, vertiefende Fachliteratur jedoch nicht ersetzen. Deshalb werden am Kapitelende jeweils in einem Block zusammengefasst Hinweise auf wichtige Quellen, Forschungsstudien und ver­ tiefende Fachliteratur gegeben. Leser, die sich intensiver mit Themen wie Wasser- und Bodenschutz, Prozesse und Beteiligung oder Stoffströme beschäftigen möchten, können dort wertvolle Hinweise für ihre Arbeit finden.

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Kapitel 1 — Einführung

Das Buch betrachtet das Thema Nachhaltigkeit aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Beiträge beleuchten städtebauliche und stadtplanerische Entwicklungsziele, die weit über den heutigen Zustand vieler Städte hinausweisen müssen, wenn Nachhaltigkeit das formulierte Ziel ist. Deshalb betrachtet es ökonomische Aspekte ebenso wie sozialpolitische Ziele und die Probleme sozialer Integration oder Segregation. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist nicht mehr nur ein soziales, sondern längst schon ein ökonomisches Problem. Wo sollen die dringend benötigten Erzieher/innen, Pflegekräfte und Fachkräfte mit mittlerem Einkommen, die dringend für die Weiterentwicklung unserer Wirtschaft benötigt werden, in Zukunft noch Wohnungen finden, wenn die Boden- und Immobilienpreise weiter so ansteigen? Kurzfristige Profite stehen hier eindeutig gegen die nachhaltige Stadtentwicklung und erzeugen ein soziales Ungleichgewicht mit unabsehbaren Folgekosten für unser Sozialsystem. Auf der anderen Seite kommen auch die ökonomischen Belange von Investoren zur Sprache, denn dies sind nicht nur Hedgefonds, deren über den Globus verteiltes Kapital nach Anlage mit schnellem Profit sucht, oder Heuschrecken, die alles Verwertbare »fressen« und nach der Zerstörung weiterziehen. Investoren sind auch Bauherrengemeinschaften, lokal gebundene Mittelständler, Genossenschaften und Wohnungsbauunternehmen oder Träger des sozialen Wohnungsbaus sowie Firmen mit langfristigen Investitionszielen, sozialer und lokaler Verantwortung. Deren Investitionen müssen und können in die Ziele nachhaltiger Stadtentwicklungsstrategien eingebunden werden. Folglich werden auch die übergreifenden ökonomischen Effekte nachhaltigen Handelns diskutiert. Mit deren positiven Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft lässt sich begründen, warum einzelne Maßnahmen, die bei kurzfristiger, nur sektoraler Betrachtung unrentabel erscheinen, auch betriebswirtschaftlich betrachtet mittel- und langfristig sinnvoll sein können. Des Weiteren beschäftigt sich das Buch mit Immobilienzertifikaten für Stadtquartiere sowie dem Leitbild der europäischen Stadt als ein funktionsfähiges, sich in eigener Verantwortung verwal­

tendes Gemeinwesen, das seine Zukunft zum Wohle aller Mitbürger plant. Wie viele Kommunen in Deutschland üben ihre Planungshoheit und Daseinsvorsorge wirklich noch umfassend von A wie Ankauf von Grundstücken zur Stadtentwicklung bis Z wie Zahlung von Handwerkerrechnungen aus? Im Gegenteil – neoliberale Politik hat viele Städte dazu getrieben, ihre Immobilien an Investitionsfonds zu verkaufen, um Finanzlücken zu schließen – dadurch aber über kurz oder lang große Sozialprobleme generiert, die nun, wie eben angesprochen, auch zu ökonomischen Engpässen führen. Für Versäumnisse in der Stadt- und Quartiersentwicklung müssen alle Bürger früher oder später – wenn das nächste Hochwasser, die nächste Finanzkrise kommt oder ein schlecht geplantes Quartier nach einiger Zeit zum sozialen Brennpunkt wird – als Steuerzahler oder Versicherungsnehmer oder als von den Problemen betroffene Eigentümer die Folgekosten tragen. Ziel ist es, mit diesem Fachbuch aufzuzeigen, wie sich nachhaltige Planungs- und Realisierungs­ prozesse organisieren lassen. Dem Leser werden unterschiedliche Methoden und Werkzeuge zur Realisierung der Projektziele angeboten. Die vorgestellten Projekte zeigen, dass – zumindest in Teilbereichen – auch in den letzten Jahren schon nachhaltige Ziele in der Stadt- und Quartiersplanung umgesetzt werden konnten und machen somit deutlich, dass auf diesem Gebiet bereits heute wichtige Beiträge zum nachhaltigen Handeln existieren. Es ist nicht notwendig, auf geänderte Rahmenbedingungen aus Politik und Wirtschaft zu warten. Gerade jetzt erleben wir neue Hitzerekorde, ex­­ treme Dürre, Gletscher und Polareis schmelzen immer schneller oder sind in den Alpen bereits größten Teils verschwunden. Dennoch behaupten manche Politiker und Lobbyisten, es gäbe keinen Klimawandel. Und selbst Politiker, die die Komplexität der Probleme erkennen, zögern, diese klar zu benennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen – aus Angst um ihre Mandate. Umso notwendiger wird das Handeln im Sinne der vorliegenden Untersuchungen zu Herausforderungen und Handlungsfeldern nachhaltiger Stadtplanung.


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1.2 — Nachhaltigkeit und Resilienz

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Nachhaltigkeit und ­Resilienz Ste p han Anders, Helmut Bott, Gregor C . Gras s l

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er im Jahr 1987 veröffentlichte Brundtland-Bericht definierte erstmals das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung und zwar als »eine Entwicklung, die die Lebens­ qualität der gegenwärtigen Generation sichert und gleich­ zeitig zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens erhält«.1 Dies ist die grundlegende Prämisse für eine nachhaltige Stadtquartiersentwicklung. Sie steht auf den folgenden zwei ethischen Fundamenten: •• Die Zukunftsverantwortung gegenüber den kommenden Generationen ist das bewahrendstatische Element. Sie sichert die menschlichen Bedürfnisse auf lange Zeit. •• Die ständige Verteilungsgerechtigkeit als optimierend-dynamisches Element beugt Konflikten vor. Sie ist das stabilisierende Moment einer Gesellschaft. Dieses Leitbild spiegelt sich auch in dem häufig verwendeten Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit wider – andere Bezeichnungen sind das Nachhaltigkeitsdreieck, das magische Dreieck oder im Englischen der Begriff Triple Bottom Line. Das Drei-Säulen-Modell besagt, dass eine Entwicklung nur nachhaltig sein kann, wenn ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen Berücksichtigung finden. Die drei Dimensionen sind dabei eng miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Kurz gesagt: Ohne den Schutz der Umwelt und die nachhaltige Nutzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen ist langfristig eine Gesellschaft nicht überlebensfähig. Diese Definition bildet auch die Grundlage für dieses Buch. Es sei angemerkt, dass in der Fachwelt auch diskutiert wird, weitere Dimensionen, wie die Kultur, in das Modell zu integrieren.  SA

Nachhaltigkeit und/oder ­Resilienz? Ausgelöst durch die Debatten um die problematischen Folgen des Klimawandels (Zunahme der Sturmschäden, Überschwemmungen, Hitze- und Trockenperioden) sowie die Zunahme terroristischer Attacken nahmen im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts die Diskussionen, Forschungsprojekte und Publikationen zum Thema Resilienz auch in der Stadtplanung exponentiell zu. Manch einem schien gar das Prinzip der Nachhaltigkeit durch das der Resilienz aufgehoben zu sein.2 Dieser Auffassung widersprechen wir, die Herausgeber dieses Buches, grundsätzlich. Resilienz ist eine der Bedingungen, jedoch keineswegs hinreichend für Nachhaltigkeit.3 Dies lässt sich an Maßnahmen verdeutlichen, die z. B. als Reaktionen auf die Folgen des Klimawandels denkbar sind: Um ein Skigebiet auch weiterhin ökonomisch zu betreiben, könnte man als Anpassungsmaßnahme Schneekanonen oder gar klimatisierte Indoor-Skianlagen einsetzen, was den Ort oder die Region zweifellos »resilienter« gegen die Folgen des Klimawandels macht. Dem Prinzip der Nachhaltigkeit würde aber eher eine Neuorientierung der Region auf andere Sport- und Freizeitaktivitäten entsprechen, sofern sie ökonomisch davon und von Tourismus im Allgemeinen abhängig ist und bleiben möchte. Um eine Stadt anpassungsfähiger (resilienter) an zunehmende Hochwasserspitzen zu machen, wird man z. B. Schutzmauern gegen Hochwasser errichten müssen, am besten demontierbar. Im Sinne der Nachhaltigkeit sind allerdings Maßnahmen sinnvoll, die im gesamten Flusssystem zu Regenwas-

1  Hauff 1987, S. 46 2 »Resilienz wird in den nächsten Jahren den schönen Begriff der Nachhaltigkeit ablösen. Hinter der Nachhaltigkeit steckt eine alte Harmonie-Illu­ sion.« Horx 2011, S. 309 3 vgl. Lukesch 2016, S. 303


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Kapitel 2 — Heraus­f orderungen

Abb. 3 20 von Einem 2016b 21 Herfert  /Osterhage 2012, S. 107 22 BBSR 2011, S. 3 23 Harlander et al. 2007 24 Holm 2016 25 Difu 2017 26 Jung 2012, S. 84 27 Harlander /Kuhn /Wüstenrot Stiftung 2012

Abb. 3 abgeschirmtes ­Wohnen, Rosenpark, ­Stuttgart-Vaihingen (DE) 2006, Leon Wohlhage Wernik Archi­tekten Abb. 4 Neugestaltung Georg-Büchner-Platz, ­Darmstadt (DE) 2010, L ­ RO Lederer + Ragnarsdóttir + Oei

schen Arm und Reich nach Einkommen und Vermögen, die inzwischen auch in Deutschland ihre nicht mehr zu übersehenden sozialräumlichen Korrelate gefunden hat. Im Extremfall stehen auf der einen Seite die mehr oder weniger abgeschlossenen, gegenwärtig stark expandierenden Enklaven des urbanen Luxuswohnens, auf der anderen Seite die sozial einseitig belegten »überforderten« Nachbarschaften vieler Großwohnsiedlungen der 1960er- und 70er-Jahre sowie noch nicht aufgewerteter, vernachlässigter Altbauquartiere. Wirkliche »gated communities« wie den Aachener Barbarossapark gibt es hierzulande allerdings nur in einer verschwindend geringen Zahl. Anders als in den USA, China, Südamerika, Südafrika oder den osteuropäischen Transformationsstaaten ist die Anlage ausgedehnter abgeschlossener Wohnkomplexe wohnkulturell wie planungsrechtlich mit den deutschen Traditionen wenig kompatibel und bislang auch kaum gewünscht. Aber ähnlich wie in einigen unserer europäischen Nachbarländer expandieren auch in Deutschland neue Formen eines durch architektonische und städtebauliche Mittel abgeschirmten und sozial oftmals weitgehend homogenen Wohnens (Abb. 3). Die neuen Luxusprojekte sind Teil einer allgemeinen, empirisch deutlich belegbaren Renaissance der Städte.20 Selbst wenn Ursachen, Stabilität und Verlaufsformen des Trendwechsels im Einzelnen

unter Wissenschaftlern immer noch umstritten sind, so fassen die Stadtforscher Günter Herfert und Frank Osterhage die Ergebnisse ihrer Untersuchung von 78 deutschen Stadtregionen dahingehend zusammen, dass man »von einem neuen Leittrend der stadt-regionalen Entwicklung in Deutschland sprechen [kann]. Die Reurbanisierung hat demnach die Suburbanisierung als dominantes Raummuster der 1990er-Jahre weitgehend abgelöst.«21 Bei näherem Hinsehen erweist sich die Reurbanisierung allerdings keineswegs als stadtentwicklungspolitischer Selbstläufer, sondern als ein höchst selektiver Prozess, an dem Städte je nach ökonomischer Stärke, großräumiger Lage und nicht zuletzt aufgrund ihrer jeweiligen Bodenund Wohnungspolitik in sehr unterschiedlicher Weise teilhaben.22 Das neue Stadtwohnen23 ist quantitativ erfolgreich, doch in Wachstumszentren wie München, Hamburg, Frankfurt am Main oder Berlin scheint der Preis hierfür in sozialer Hinsicht durch die damit einhergehende Fragmentierung des Stadtraums und die tendenziell flächenhafte Verdrängung der auf niedrige Mieten angewiesenen Bevölkerungsgruppen hoch. 24 Während die Städte in den Schrumpfungsregionen mit Haltestrategien um die verbliebenen Einwohner kämpfen, droht in den Boomregionen mit den Preissteigerungen, die die Renaissance des Stadtwohnens begleiten, und Gentrifizierungs- und Verdrängungsprozessen eine neuerliche Vereinseitigung der Sozialstrukturen – diesmal in umgekehrter Richtung.25 Entwickelt sich, so die seit einigen Jahren auch zunehmend von den Medien aufgeworfene neue soziale Frage in den Städten, das Stadtwohnen zu einer Domäne der Reichen und Superreichen, in der für Arme, ja selbst für klassische mittelständische Familien kein Platz mehr sein wird? »Stadtluft macht arm«, so titelte der Spiegel im November 2012 und konstatierte: »Deutsche Metropolen erleben einen beispiellosen Immobilienboom. Gebaut werden meist Luxusobjekte, bezahlbarer Wohnraum wird Mangelware. Jetzt treibt die Knappheit die Mieten in die Höhe – und die Bürger aus den Zentren.«26 Offensichtlich geht es in den wachstumsstarken Städten im Umgang mit den Bestandsquartieren um eine nicht leicht zu justierende Balance: Die Aufwertung degradierter Altstadtquartiere ist ja grundsätzlich erwünscht und eröffnet mit dem Zuzug einkommensstärkerer Gruppen zumindest anfänglich neue soziale Mischungsoptionen,27 muss aber, wie etwa der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude wiederholt unterstrichen hat, durch den Einsatz aller verfüg-


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2.3 — Mensch und Soziokultur

baren Schutzinstrumente flankiert werden, um unerwünschte soziale Folgen wenigstens abzuschwächen. Darüber hinaus gilt es, auch weiterhin die überforderten Nachbarschaften der Großsiedlungen28 mit ihren städtebaulichen und infrastrukturellen Defiziten sowie die oft durch einen überproportionalen Anteil an Migranten, Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern geprägten einseitigen Sozialstrukturen behutsam zu stabilisieren und aufzuwerten. Das 1999 gestartete Bund-LänderProgramm »Soziale Stadt« (bis 2016 wurden 783 Programmgebiete in 441 Kommune gefördert) hat sich hierbei vor allem durch seine sozial besonders effektiven nicht-investiven Maßnahmen in den Bereichen Bildung, Beschäftigung, Integration und Teilhabe zum wichtigsten städtebaulichen Instrument in diesem Bereich entwickelt.

Lokale Identität und öffentlicher Raum Eine der großen Herausforderungen der Gegenwart besteht in der Sicherung einer unverwechselbaren Stadt- und Quartiersidentität, die für die Stadtbürger eine je eigene »Heimat« stiften kann.29 Bestandteile dieser Identität sind gleichermaßen der historische Stadtgrundriss, die Bauten und Räume einer Stadt wie das gesamte Gewebe aus Geschichte, Tradition, kollektiver Erinnerung, Selbstbildern und Mentalitäten – all das, was mit einem neueren Begriff als »Eigenlogik der Städte« bezeichnet wird.30 Eben diese Unverwechselbarkeit ist in der Gegenwart durch die Prozesse eines uniformen Umbaus der Städte, der die kulturellen Unterschiede nivelliert, massiv gefährdet. So entstehen mit den überall gleichartigen, zum Teil privatisierten Räumen der Flughäfen, Einkaufszentren und filialisierten Fußgängerzonen »Nicht-Orte«31 ohne Geschichte und Identität. Für eine behutsame, nachhaltige Stadtentwicklungspolitik und Stadtbildpflege geht es in der Bewahrung des kulturellen und baulichen Erbes um den schwierigen Balanceakt zwischen konservierendem Denkmalschutz und einer »qualifizierten Weiterentwicklung« von Stadt. Ähnlich diffizil ist bei der Planung und Gestaltung der öffentlichen Räume, insbesondere in den histo-

rischen Altstädten, der konfliktträchtige Interessenausgleich zwischen dem Wunsch nach Inszenierungen, Festivals, Stadtevents und dem mit der Wohnnutzung verknüpften Ruhebedürfnis der Anwohner.32 Ein solcher Interessenausgleich zwischen einer Übernutzung und möglicherweise auch einer Unternutzung der Stadt ist nur im Dialog mit allen Beteiligten – Anwohnern, Gewerbetreibenden und öffentlicher Hand – erreichbar: »Eine bürgerschaftlich akzeptierte und mitge­ tragene Aufwertung des öffentlichen Raums ist nicht möglich ohne Partizipation«, resümieren die Autoren einer Studie zu Projekten und kommunalen Strategien einer Aufwertung der öffentlichen Räume in Baden-Württemberg.33 Generell erfährt der öffentliche Raum als Erweiterungsfläche des privaten Wohnens, als Erholungsfläche und als Kommunikations- und Begegnungsraum für Menschen aller Altersgruppen heute wieder eine starke und wachsende Beachtung. Ein gelungenes, mit dem Deutschen Städtebaupreis 2012 ausgezeichnetes Beispiel hierfür ist die Neugestaltung des Georg-Büchner-Platzes in Darmstadt (Abb. 4). Mit der Schaffung eines urbanen, kommerzfreien und öffentlich bespielbaren Platzes gelang es nicht nur, für das Staatstheater ein attraktives Entree zu schaffen, sondern auch die verloren gegangene städtebauliche Verbindung zur Innenstadt wiederherzustellen. Die überkommene starre Trennung von öffentlichen und privaten Räumen wird zunehmend obsolet. Größte Bedeutung gewinnen die transitorischen Zonen des Übergangs von innen und außen, von privaten Innen- und öffentlichen Freiräumen, also Fassaden und Erdgeschosszonen, aber auch etwa (halb-)öffentliche Innenhöfe oder temporär zwischengenutzte Lückengrundstücke und Brachen. Gut funktionierende Sozialräume entstehen immer dann, wenn Spielräume zur Aneignung und kreativen Selbstgestaltung bestehen und eine Nutzerbeteiligung stattgefunden hat. Freie, ungehinderte Zugänglichkeit und kommunikative Qualitäten des öffentlichen Raums haben dabei zweifellos eine Schlüsselfunktion für den sozialen Zusammenhalt und die (nachbarschaftliche) Identitätsbildung im Quartier. Ebenso wichtig ist der Aufbau und die Sicherung bezahlbarer Zugänglichkeit insbesondere zu Bildungs-, Kultur-, Gesundheits-, Versorgungs-, Freizeit- und Serviceeinrichtungen auf Quartiersebene, die all den Bewohnergruppen eine gleichberechtigte Teilhabe am städtischen Leben ermöglichen, die sich über den Markt aus eigener Kraft nicht in angemessener Weise versorgen können.

Abb. 4

28 Kompetenzzentrum Großsiedlungen 2015 29 Hassler 2016 30 Löw/Terizakis 2011; zur Kritik Häussermann 2011 31 Augé 1994 32 Siebel 2015 33 Kuhn/Dürr/Simon-Philipp 2012, S. 202

Weitere ­Informationen

•  Barboza, Amalia et al. (Hrsg.): Räume des Ankommens. Bielefeld 2016 •  Brake, Klaus; Herfert, Günter (Hrsg.): Reurbanisierung. Materialität und Diskurs in Deutschland. Wiesbaden 2012 •  Cachola Schmal, Peter; Elser, Oliver; Scheuermann, Anna (Hrsg.): Making Heimat. Germany, Arrival Country. Ostfildern 2016 •  Gehl, Jan: Städte für Menschen. Berlin 2016 •  Organisation for Economic Co-operation and Development – OECD: Divided We Stand. Why Inequality Keeps Rising. Paris 2011 •  Siebel, Walter: Die Kultur der Stadt. Berlin 2015 •  Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen – WBGU (Hrsg.): Der Umzug der Menschheit: Die transformative Kraft der Städte. Berlin 2016 •  Wehler, Hans-Ulrich: Die neue Umverteilung. Soziale Ungleichheit in Deutschland. München 2013


72

Kapitel 2 — Handlungsfelder

Abb. 5 Abb. 5  hochpreisiges ­Wohnen, Marco Polo Tower, Hamburg (DE) 2010, Behnisch Architekten

35 Weidemüller/Hunger 2016, S. 5 36 Harlander et al. 2007 37 Wüstenrot Stiftung 2016 38 Roskamm 2011, Stadtbauwelt 12/2016 39 Herzog 2016, S. 61 40 https://dejure.org/gesetze/ BauNVO/6a.html 41 Wüstenrotstiftung 2017

Weitere ­Informationen

•  BBSR (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung): Zehn Jahre Leipzig-Charta. Die Bedeutung integrierter Stadtentwicklung in Europa. Bonn 2017 •  BBSR (Hrsg.); Jocher, Thomas: Zukunft Bauen. Ready – vorbereitet für altengerechtes Wohnen. Bonn 2014 •  Harlander, Tilman; Kuhn, Gerd; Wüstenrot Stiftung (Hrsg.): Soziale Mischung in der Stadt. Stuttgart/Zürich 2012 •  Städtebau-Institut: Stadtquartiere für Jung und Alt. Europäische Fallstudien. Werkstatt: Praxis, Heft 63. Hrsg. vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und dem BBSR. Bonn 2009 •  Weeber, Rotraut et al.: Sozialer Zusammenhalt in der Stadt. Integrierte Ansätze zur Aufwertung benachteiligter Stadtteile in Europa – ein Leitfaden. Stuttgart/Berlin 2016 •  Wüstenrot Stiftung (Hrsg.): Wohnvielfalt. Gemeinschaftlich wohnen – im Quartier vernetzt und sozial orientiert (Bearb.: Dürr, Susanne; Kuhn, Gerd). Ludwigsburg 2017

lässigung, Vandalismus etc. in den betroffenen Quartieren aufgrund der multiplen Problemlagen nur durch einen integrierten Ansatz umfassender Quartiersentwicklung begegnet werden kann. Dieser beinhaltet sowohl bauliche wie nicht investive Maßnahmen in Bereichen wie z. B. Spracherwerb, Verbesserung von Schul- und Bildungsabschlüssen, Betreuung von Jugendlichen in der Freizeit und Förderung der lokalen Ökonomie. Dem in besonderer Weise auf den Erhalt lebendiger Nachbarschaften und den sozialen Zusammenhalt gerichteten Programm kommt auch in der Praxis der Integrationspolitik eine Schlüsselrolle zu. Es hat sich in Deutschland zum wichtigsten Instrument der Stabilisierung benachteiligter und benachteiligender Quartiere entwickelt und umfasste im Jahr 1999 in 124 Gemeinden 161 Gebiete. Bis Ende 2016 wurden 783 Gesamtmaßnahmen in 441 Städten und Gemeinden in das Programm aufgenommen, Alle zwei Jahre werden bundesweit besondere Modellprojekte mit dem Preis »Soziale Stadt« aus­ gezeichnet. Gemein ist den bisherigen Preisträ­gern bei allen Unterschieden der Problemlagen im Einzelnen der gewählte Ansatz, bauliche, soziale und ökonomische Maßnahmen zu verbinden. Sie setzten beispielhaft das von den Auslobern formulierte Ziel um, das Zusammenleben der Menschen in ihren Nachbarschaften im Sinne eines solidarischen Miteinanders zu unterstützen.35

Neue urbane Wohnformen Urbane Quartiere erweisen sich vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen und demografischen Wandels als ein komplexer sozialer Kosmos mit außerordentlich differenzierten, zum Teil auch auseinanderstrebenden und schwer kompatiblen sozialen Milieus und Wohnwünschen. Die überkommenen Angebote der Wohnungsmärkte entsprechen dieser Vielfalt längst nicht mehr. In typologischer Hinsicht experimentieren Städte und Wohnungswirtschaft mit einer Vielzahl teilweise wiederentdeckter, zum Teil weiterentwickelter, aber auch neuer verdichteter urbaner Gebäudetypen.36 Die Bandbreite hierbei ist groß und reicht von einfachen Remakes historischer Vorbilder über gestapelte Maisonette-Wohnungen und andere »Haus-im-Haus-Lösungen« bis hin zu neuen Turm- und Wohnhochhäusern wie z. B.

dem Marco Polo Tower in Hamburg (Abb. 5). Demgegenüber können die gelegentlich als »vergessene Räume der Stadtentwicklung« apos­ trophierten Einfamilienhausgebiete der 1950erbis 1970er-Jahre als zunehmend »gefährdete Räume« angesehen werden.37 Mit dem demografisch bedingten drastischen Rückgang der Nachfrage für diesen Gebäudetypus und den parallelen Veränderungen des Bedarfs durch die Pluralisierung der Lebensstile hat ein Attraktivitätsverlust der Wohnform des frei stehenden Einfamilienhauses eingesetzt, der vor allem an peripheren Standorten und in Schrumpfungsregionen zu gravierendem Wertverfall und Leerständen zu führen droht. Die Suche nach kompakten, dichteren Bauformen sowohl in der Innenentwicklung als auch in aktuellen neuen Stadterweiterungen wird begleitet durch eine »Umwertung« des Dichtebegriffs,38 bei dem die früher geläufigen negativen Assoziationen von schlechter, »ungesunder«Dichte und »Dichtestress« mehr und mehr abgelöst werden von Zuschreibungen einer guten, »urbanen« Dichte, die, wie die Fachzeitschrift »Stadtbauwelt« 2016 schwärmte, in den besten Beispielen wie dem Projekt »Mehr als Wohnen« im Züricher HunzikerAreal geradezu in »Dichteglück« umschlagen kann.39 Ein Ausdruck dieser Neubewertung von Dichte war 2017 die Einführung einer neuen Gebietskategorie »Urbanes Gebiet« (MU) in die BauNVO, mit der dichter und höher gebaut und die Mischung von Gewerbe und Wohnen in den Städten erleichtert werden kann (siehe Regional-, Stadt- und Quartiersentwicklung, S. 49).40 Die Suche nach der idealen städtischen Wohnform in Block, Zeile, Stadthaus, Stadtvilla, Townhouse, Loft oder Wohnhochhaus ist, wenn sie verabsolutiert wird, ein Irrweg – städtisches Bauen ist Bauen in typologischer Vielfalt. Grundlegende Qualitätsmerkmale eines attraktiven Stadtwohnens sind neben der Lage flexible, nutzungs­ neutrale Grundrisse, eine möglichst hochwertige Ausstattung und vor allem großzügige, geschützte private Freibereiche. Typologische Vielfalt entsteht nicht im großmaßstäblichen Investorenstädtebau, sondern konvergiert am besten mit einer Mischung unterschiedlicher Bauträgertypen. Viele Kommunen geben dabei neuen gemeinschaftsorientierten Bauträgerformen wie Baugruppen oder Genossenschaften eine Chance. Sie besitzen ein hohes Identifikationspozential und haben sich in vielen Fällen über mögliche Kosten­ einsparungen hinaus als Instrumente einer sozial und ökologisch innovativen Stadtentwicklungspolitik bewährt.41


73

2.3 — Mensch und Soziokultur

Herausforderung Lebensstile und ­Verhaltensweisen Ma r i o Schneider

I

n allen Kulturen stehen die Menschen in Wechselwirkung mit der Natur und verändern diese in unterschiedlicher Intensität und mit unterschiedlichen Folgen. Mit der industriellen Revolution, insbesondere durch den Einsatz fossiler Brennstoffe seit der Erfindung der Dampf­ maschine im 18. Jahrhundert, hat diese Entwicklung exponentiell zugenommen. Der in den hoch entwickelten Ländern extrem hohe Konsum von Energie, Wasser, Nahrungsmitteln und Konsumgütern sowie der wachsende Anspruch auf Wohnflächen und Mobilität haben durch die globalisierte Ökonomie nicht nur in diesen Ländern, sondern weltweit teilweise weitreichende Folgen. Ein Sechstel der Weltbevölkerung in einkommensstarken Ländern ist für fast ein Drittel der Treibhausgase in der Atmosphäre verantwortlich und zeichnet sich durch einen sehr ressourcen- und energieintensiven Lebensstil aus.1 Konsum in Mitteleuropa führt z. B. in Südamerika oder Afrika zu Abholzungen oder Landschaftszerstörung für die Rohstoffgewinnung. Damit schaden die Menschen durch ihre Konsumgewohnheiten und Lebensstile der Umwelt immer mehr. Dies gilt besonders für die Bevölkerung der westeuropäischen Industrienationen, trotz eines dort allgemein hohen Umweltbewusstseins und trotz des Wissens um den Klimawandel. Die wechselseitigen Beziehungen zwischen menschlichem Verhalten, Umwelt und Klima sind komplex und vielfältig. Erwiesenermaßen hängt der Klimawandel stark mit dem Verbrauch fossiler Brennstoffe zusammen.2 Die Klimaerwärmung wirkt sich dann wiederum auf die Verfügbarkeit anderer natürlicher Ressourcen wie etwa Wasser und die Produktion von Nahrungsmitteln aus. Wir leben nach Auffassung mancher Wissenschaftler bereits heute im Anthropozän, einem neuen Erdzeitalter, in dem die Erde durch an­­

thropogene, also vom Menschen verursachte Einflüsse, geprägt ist. Durch das Wachstum der Weltbevölkerung müssen in Zukunft nicht nur quantitativ mehr Menschen versorgt werden, auch die Zahl der Menschen, die einen res­sour­ cen­intensiven Lebensstil pflegen, wie er in den heutigen Industrienationen bereits üblich ist, wird steigen.3

Einfluss auf den ökologischen ­Fußabdruck Der Einfluss verschiedener menschlicher Verhaltensweisen bzw. Lebensstile auf die Umwelt lässt sich mit dem sogenannten ökologischen Fußabdruck darstellen. Dieser ermöglicht es, das Angebot und die Nachfrage an Biokapazität innerhalb eines räumlichen Bereichs direkt zu vergleichen. Die Biokapazität gibt an, wie viel biologisch produktive Fläche zur Ressourcengewinnung sowie zum Abbau von Abfallstoffen und CO2 zur Verfügung steht. Der Flächenverbrauch an Biokapazität, also der ökologische Fußabdruck, wird dabei in globalen Hektar (gha) angegeben.4 Um beispielsweise den jährlichen ökologischen Fußabdruck eines Landes zu ermitteln, werden der Verbrauch und die Inanspruchnahme an biologisch produktiven Flächen mit der zur Verfügung stehenden Biokapazität des Landes verglichen. Dabei finden sowohl Flächen zur Entnahme von erneuerbaren Ressourcen wie landwirtschaftlichen Erzeugnissen Berücksichtigung als auch der Verbrauch von biologisch produktiven Flächen durch Versiegelung oder Abbau nicht erneuerbarer Rohstoffe. Die Fläche der zur Verfügung

1 Weltbank 2010, S. 3 2 Debiel et al. 2010, S. 262f. 3 Campbell 2007, S. 78 4 Beyers et al. 2010, S. 19f.


K A P ITE L 2

Heraus forderungen & Handlungsfelder

2.4

Ă–kologie


83

2.4 — Ökologie

Herausforderung Arten- und ­Biotopschutz G e rhard Haub er, Wal traud Pus tal

D

as hochkomplexe Thema Biodiversität kann vereinfacht als die »Vielfalt des Lebens auf der Erde« definiert werden.1 Dabei umfasst dieser Begriff Komponenten wie Gene, Arten, Populationen, ökologische Systeme, natürliche Lebensräume und berücksichtigt alle geografischen Maßstäbe von der lokalen bis hin zur globalen Ebene.2 Es handelt sich also um unsere wesentlichen Lebensgrundlagen. Diese zu schützen und nachhaltig zu erhalten ist überlebenswichtig. Obwohl es mittlerweile Wirtschaftlichkeitsberechnungen gibt, die dies aus ökonomischer Sicht als sinnvoll nachweisen,3 sind ein Viertel aller Tierarten in der EU vom Aussterben bedroht. Nur 17 % der EU-rechtlich geschützten Lebensräume und Arten und 11 % der Ökosysteme befinden sich in einem guten Zustand; alle anderen sind gefährdet – hauptsächlich durch das Verhalten des Menschen (Abb. 1, S. 84).4

Biodiversität Im Bundesnaturschutzgesetz 2009 (BNatSchG) wurde die biologische Vielfalt als eigenständiger Punkt in § 1 Abs. 1 Nr. 1 aufgenommen. Dabei handelt es sich um die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten einschließlich der innerartlichen Vielfalt sowie die Formen von Lebensgemeinschaften und Biotopen, die in engem Bezug zueinander stehen. Die langfristige Existenzsicherung einer Art ist nur möglich, wenn sowohl ein Minimum an genetisch differenzierten Populationen als auch das Gefüge zugehöriger Ökosysteme erhalten bleiben. Der Begriff der biologischen Vielfalt ist auch Bestandteil des 1992 auf der UN-Konferenz für

Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de Janeiro geschlossenen Übereinkommens, der »Convention on Biological Diversity« (CBD, Biodiversitäts-Abkommen) zum Schutz von Lebensräumen und Arten. Neben 191 weiteren Staaten ist auch die Bundesrepublik Deutschland Vertragspartei. Wesentliche Ziele der CBD sind: •• die Erhaltung der biologischen Vielfalt (der Ökosysteme, der Arten sowie der genetischen Vielfalt) •• die ökologische nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile •• die gerechte Aufteilung der aus der Nutzung der genetischen Ressourcen resultierenden Gewinne5 Grundsätzlich umfasst der Begriff der Biodiversität alle Lebewesen, neben den wild lebenden Organismen auch die in Gefangenschaft gehaltenen und die gezüchteten. § 1 des BNatSchG beschränkt sich jedoch auf diejenigen, die Teil von Natur und Landschaft sind.6

Verdrängung Die täglich neu ausgewiesene Siedlungs- und Verkehrsfläche betrug in Deutschland in den Jahren 2013–2016 ca. 62 ha.7 Diese Siedlungen, Straßen, Industriegebiete und Parkplätze zerstören z. B. Lebensräume und Wanderungsrouten von Tieren oder verändern den Wasserhaushalt eines Gebiets. Auch die unter dem Aspekt der Flächeneinsparung positiv zu bewertende Nachverdichtung von Innenstädten und Siedlungen kann natürliches Schutzgut zerstören.8 Wesentliche Gefährdungsursachen der Biodiversität sind neben dem Flächenverbrauch für die Bebauung auch schädliche

1  Millennium Ecosystem Assessment 2005 2  Werner/Zahner 2009 3  Bateman 2012 4  Europäische Kommission 2011, Lebensversicherung und Naturkapital, S. 1 5  Schumacher/Fischer-­ Hüftle 2011, § 1, Rdnr. 30, 35 6  ebd. Rdnr. 39 7  Statistisches Bundesamt 8  z.B. LUBW 2013


126

Kapitel 2 — Herausforderungen

Herausforderung Energie Gregor C . Gras s l, Olaf Hildebrandt

1  2  3  4 

Meadows 1972 Krause 1980 ebd. Enquete Kommission 1990 5  PBL 2012 6  BMU 2010; UBA 2011; UBA 2013

Schon 1972 wurden im Bericht des Club of Rome »Die Grenzen des Wachstums« prognostiziert.1 1980 zeigte die Öko-Institut-Prognose »Energiewende« einen Gegenentwurf zur offiziellen Energiepolitik der damaligen Bundesregierung für eine Energieversorgung der Bundesrepublik unter vollständiger Abkehr von Kernenergie und Energie aus Erdöl auf (Abb. 1).2 Konsequente Energiesparmaßnahmen und höhere Effizienz waren in dieser Prognose die zentralen Bausteine der Umstrukturierung zu einer bedarfsorientierten, dezentralen Energiewirtschaft.3 In den 1990er-Jahren richtete sich der Fokus der Energiepolitik auf Strategien zum Klimaschutz. Auch in den Maßnahmenpaketen der EnqueteKommissionen verschiedener deutscher Bundestage spielten Strategien zur rationellen Energieverwendung eine wichtige Rolle.4 Längst sind sich die internationalen Fachleute einig: Die globalen atmosphärischen Konzentrationen der treibhauswirksamen Gase steigen als Folge menschlicher Aktivitäten, z. B. durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe und die Abholzung vieler Wälder seit dem 18. Jahrhundert deutlich. Seit 1906 kam es zu einem Anstieg der globalen bodennahen Mitteltemperatur um etwa 0,8 K. Dieser Erwärmungstrend beschleunigte sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte deutlich und liegt nun bei 0,15 K pro Dekade (Abb. 2). Die Folgen sind bekannt, z. B. das Abschmelzen der Gebirgs-, Arktis- und Antarktisgletscher und der Schneebedeckung sowie der Anstieg des Meeresspiegels. In der internationalen Klimapolitik wird als Ziel formuliert, dass die globale Mittelwerttemperatur um nicht mehr als 0,2 K pro Dekade und insgesamt um maximal 2 K gegenüber der vorindustriellen Zeit steigen darf. Nur durch eine konsequente Reduzierung der Treibhausgasemissionen (THG) lassen sich die Folgen des globalen Klimawandels für den Menschen und die Ökosysteme verhindern. Es ist jedoch trotz aller Bemühungen ein

gegenläufiger Trend erkennbar: Die weltweiten CO2-Emissionen nahmen vor 2013 um ca. 2,3 % pro Jahr zu. Heute liegt der CO2-Ausstoß rund 62 % über dem von 1990. Trotz Wirtschaftswachstums steigt der Ausstoß seit 2013 weniger stark an und lag im Jahr 2016 bei rund 36 Mrd. t. Für 2017 wird mit einem Anstieg von 0,2 % gerechnet. Der Hauptemittent ist infolge des forcierten Wirtschaftswachstums und der Produktionsverlagerungen von den USA und Europa in den asiatischen Raum inzwischen China mit fast 28 %, gefolgt von den USA (rund 15 %) und der Europäischen Union (knapp 10 %). In China stiegen die durchschnittlichen Emissionen im Jahr 2016 auf 7,2 t pro Kopf (USA 17,57 t). Die Steigerung des Lebensstandards, höhere Anforderungen an Wohn- und Geschäftsgebäude sowie deren Infrastruktur und die Zunahme der Mobilität sind Kernursachen dafür, dass trotz verbesserter Effizienz und einem zunehmenden Einsatz von erneuerbaren Energien weltweit der Trend immer noch insgesamt nach oben zeigt.5 Um langfristig die Klimaschutzziele zu erreichen, müssten die zulässigen CO2-Emissionen pro Kopf bis zum Jahr 2050 auf 2,0 – 2,5 t/a gesenkt werden. Die deutsche Bundesregierung hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoß in Deutschland bis 2020 um 40 % und bis 2050 um 85 % zu senken (Abb. 4). Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion soll bis 2030 auf 50 % und bis 2050 auf 80 % steigen. Außerdem ist der Umstieg auf erneuerbare Wärmeenergie gesetzlich vorgeschrieben, und es wurden umfangreiche Maßnahmen zum Umbau der Energiewirtschaft beschlossen. Die THG würden bis 2050 von ca. 900 auf unter 200 Mio. t sinken.6 Bisher konnten in Deutschland zwischen 1990 und 2015 die CO2-Emissionen um ca. 28 % reduziert werden. Ein großer Teil davon ist auf den wirtschaftlichen Umbruch in den neuen Bundesländern zurückzuführen (»Wall-Fall-Profits«). Die Pro-Kopf-


127

Erdgas

450

Erdöl

Kohle

Wind + Wasser

Sonne

Biomasse

400

Abb. 1  Primärenergie­ bedarf und seine mögliche Deckung bis zum Jahre 2030 (ohne nicht energetischen Verbrauch), angegeben in Steinkohleeinheiten (SKE) Abb. 2  Entwicklung der Lufttemperatur zwischen 1881 und 2018 und Temperaturprognosen bis 2100 in Deutschland Abb. 3  die 20-20-20-Ziele der EU bis 2020 Abb. 4  Entwicklung der Treibhausgasemissionen (THG) zwischen 1990 und 2017 und Zielwerte für THG bis 2050 für Deutschland

300

200

100

0 1980

1990

2000

Lufttemperatur [ºC]

Abb. 1 linearer Trend

14

2010

2020

2030

Unsicherheitsbereich verschiedener Klimasimulationen (A1B-Szenario) seit 2001

Einzelwerte Mittelwert

[%]

Primärenergiebedarf [Mio. t SKE]

2.4 — Ökologie

100

-20 %

80

13 12

60

11 40

10 9

20

8

+20%

0

7

Senkung CO2-Emissionen

6 1920

1940

1960

1980

2000

2018

2100

Emissionen lagen 2014 bei 9,3 t, gegenüber 12,9 t im Jahr 1990 und sollen bis 2050 auf 3 t pro Person und Jahr reduziert werden.

Energiegewinnung Die wichtigste Energiequelle der Erde ist die Sonne. Die heute erneuerbaren Energieformen wie Biomasse, Windenergie, Wasserenergie und langfristig auch die fossilen Brennstoffe, z. B. Kohle und Erdgas, beruhen direkt oder indirekt auf der Solarenergie. Wind, Wasser, Sonne, Erdwärme und Bioenergie stehen als Energieträger nahezu unendlich zur Verfügung. Historisch war mit Beginn der Nutzung des Feuers Holz der alleinige direkte Energieträger des Menschen. Im Laufe der Geschichte gewannen vor allem Kohle, Torf, natürliche Öle und insbesondere seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert auch Erdöl, Erdgas und elektrische Energie immer größere Bedeutung. Man unterteilt heute drei Gruppen von Energieträgern: •• Fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Erdgas sind in geologischer Vorzeit aus Abbauprodukten von toten Pflanzen und Tieren ent-

+20% erneuerbare Energien im Energiemix

Abb. 3

Abb. 2

standen. Es handelt sich dabei um hochkonzentrierte, dichte Brennstoffe, die dadurch zur bevorzugten Quelle der Energieversorgung wurden. Heute werden über 85 % des weltweiten Energiebedarfs fossil gedeckt, in Deutschland sind es derzeit noch knapp 80 %. •• Nukleare Energiequellen werden zur Erzeugung von elektrischem Strom mittels Kern­ reaktionen genutzt. Weltweit liegt der Anteil der Stromproduktion aus Kernkraft bei ca. 11 %, in Deutschland waren es 2016 noch rund 7 %. •• Erneuerbare Energien sind in ihrer Nutzung im Gegensatz zu den Energieträgern Erdöl, Kohle, Erdgas und Uran klimafreundlich sowie weitgehend umwelt- und ressourcenschonend. Sie sorgen für mehr Unabhängigkeit von Energieimporten und stärken die heimische Wirtschaft. Darüber hinaus werden durch die Nutzung erneuerbarer Energien klimaschädliche Emissionen vermieden, die mit erheblichen Folgeschäden und -kosten verbunden sind. Darum ist der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht nur sinnvoll, sondern auch gesamtwirtschaftlich vorteilhaft.7 Der Anteil der erneuerbaren Energien lag in Deutschland 2015 bei insgesamt bei 13,7 % und soll bis 2020 auf 18 % ansteigen. Für die Bruttostromerzeugung belieft er sich 2015 bereits auf über 32 %.8

7  BMU 2012 8  Fraunhofer ISE; www.energy-charts.de (Stand: 21.11.2017)

1400

THG [Mio. t CO2-Äquivalente]

1880 1900

Energieeffizienz

Energie Industrieabfälle Verkehr Haushalte Gewerbe

Landwirtschaft Abfall Emissionen Summe THG

1200

1000 800 600

400 200 0 Abb. 4

1990 2006 2017 2020 2030 2040 2050


K A P ITE L 4

Werkzeuge


201

4.1 — Computerunterstützte Planungswerkzeuge

4 .1

Computerunterstützte Planungswerkzeuge Ma r t in Al tmann, Ste p han Anders

V

on den zahlreichen zur Verfügung stehenden computerunterstützten Planungswerkzeugen sind einige in diesem Kapitel näher vorgestellt. Grundsätzlich unterscheiden sich die Werkzeuge nach ihrem Einsatzzweck, also den Funktionen, und der Planungsebene, für die sie entwickelt wurden (Abb. 1, S. 202). Die für Simulation, Visualisierung und Entscheidungsunterstützung notwendigen Werkzeuge sind ab S. 206 beschrieben, zunächst stehen diejenigen für die Planung und Ausführung im Fokus.

Computer-aided design (CAD) Der Begriff CAD bezeichnet das Entwerfen und Zeichnen mittels EDV.1 CAD hat sich in nahezu allen Architektur- und Planungsbüros etabliert und ist nicht mehr aus dem Arbeitsalltag wegzudenken. Für die Stadtplanung bietet CAD verschiedene fachspezifische Erweiterungsmöglichkeiten, z. B. zur Umsetzung der Planzeichenverordnung, der automatischen Legendenerstellung, der Flächenauswertung und zur Berechnung städtebaulicher Kennwerte wie GRZ, GFZ oder BMZ.2 Auch bieten heutige CAD-Programme diverse Schnittstellen, die Teamarbeit und einen Export der Zeichnungsdaten in Programme für Kosten, Termine und Tragwerksplanung ermöglichen. Bewertung für die Quartiersplanung: Reine CAD-Programme haben einen entscheidenden Nachteil – die Zeichnungen und dazuge-

hörige Berechnungen, Beschreibungen und Kosten sind für sich isoliert und stehen nicht in direktem Zusammenhang. Jede kleine Änderung muss somit mühsam in allen Dokumenten nachgeführt werden. Dies wiederum macht die Planung aufwendig, teuer und anfällig für Fehler. Auf der anderen Seite lassen sich mit CAD-Programmen – in Kombination mit Grafikprogrammen – schnell Entwürfe testen und Visualisierungen erzeugen. Sie eignen sich demnach insbesondere für frühe Planungsphasen.

Building Information Modeling (BIM) Beim Building Information Modeling (BIM, deutsch: Gebäudedatenmodellierung) sind neben der Geometrie alle verfügbaren Informationen zu einem Gebäude wie Kosten, Emissionen, Lieferzeiten und Ausschreibungstexte für jedes Bauteil zentral in einem Modell gespeichert. Die Informationen können von allen Planungsbeteiligten zu jeder Zeit abgerufen werden und sind stets aktuell (Abb. 2, S. 202). Die Änderung eines Parameters hat somit direkte Auswirkungen auf Mengen, Kosten und Termine. Gleichzeitig hat die BIM-Technologie das Potenzial, parametrische 3D-Modelle hinsichtlich ­Kosten, Emissionen und thermischem Komfort automatisch zu optimieren. Zukünftig wird die Entwicklung von BIM dahin gehen, auch die viel­ fältigen Anforderungen der Nachhaltigkeit an ein Gebäude wie Energieeffizienz, Komfort, Biodiversität und Barrierefreiheit in dem virtuellen Gebäudemodell abzubilden. Ein Beispiel hierfür

1 Bucerius et al. 2005, Bd. 2, S. 530 2 Pflüger 2000, S. 41


K A P ITE L 5

Projekte


Einführung

D

ie vorangegangenen Kapitel stellen die Herausforderungen, Handlungsfelder und Umsetzungsstrategien für eine nachhaltige Stadt- und Quartiersplanung dar. Je nach Standort und spezifischen Ausgangsbedingungen gilt es, individuelle Konzepte zu entwickeln, die ökologische, ökonomische und soziale Kriterien berücksich­tigen und untereinander abwägen. Dabei kann ein Quartier im ländlichen Raum im Regelfall z. B. nicht die gleiche Qualität der Verkehrsanbindung oder der Versorgung mit sozialer Infrastruktur bieten wie ein innerstädtisches Viertel in einer Großstadt. Dafür verfügt das Quartier im ländlichen Raum über andere Potenziale, wie z. B. die Bereitstellung großzügiger Grün- und Freiflächen für die Bewohner, was sich u. a. positiv auf das Mikroklima und die Artenvielfalt auswirkt. Es kann also nicht das nachhaltige Quartier schlechthin geben. Aus diesem Grund wurden für die Dokumentationen in diesem Kapitel be­­wusst ganz unterschiedliche Quartiere ausgewählt – solche, die nach dem Top-Down-Prinzip entstanden sind wie das Projekt Dockside Green im kanadischen Victoria und solche, die nach dem Bottom-Up-Prinzip entwickelt wurden wie die NDSM-Werft in Amsterdam; von extrem verdichteten Quartieren wie dem Potsdamer Platz in Berlin über Bauvorhaben im ländlichen Raum wie dem ecoQuartier in Pfaffen­hofen bis hin zu Lowtech-Ansätzen wie bei dem Projekt New Ethiopian Sustainable Town (NEST) in Äthiopien. Insgesamt werden 14 Projekte vorgestellt, von denen jedes auf ganz unterschiedliche Art und Weise als nachhaltig einzustufen ist. Die Auswahl geht dabei auf eine umfassende Untersuchung von 140 nachhaltigen Modell­quartieren zurück, die im Rahmen des Seminars »Nachhaltige Quartiersplanung – Projekte, Strategien, Handlungansätze« im Wintersemester 2012/2013 am Städte­ bau-Institut der Universität Stuttgart durchgeführt

wurde. Nähere Informationen zu einer Auswahl der Modellvorhaben, die im Rahmen des Seminars behandelt wurden, sind in der Zusammenstellung auf S. 262ff. zu finden. Die betrachteten Projekte zeigen auf der einen Seite, dass bereits heute innovative und nach­ haltige Quartiersentwicklungen möglich sind. Auf der anderen Seite ist klar zu erkennen, dass die meisten Vorhaben sich nur auf einen Teil der Nachhaltigkeit konzentrieren und kaum eine ­Entwicklung wirklich umfassend und ganzheitlich nachhaltig ist, wie es unserem Verständnis von Nachhaltigkeit entsprechen würde. Bei der Darstellung der 14 Projekte wird der Fokus folglich bewusst nur auf die Teilaspekte gelegt, die im jeweiligen Projekt gut umgesetzt wurden, wohlwissend das viele weitere Aspekte wichtig für den Erfolg des Quartiers sind. Ein Netzdiagramm gibt Überblick über die Stärken und Schwächen des jeweiligen Quartiers. Dieses orientiert sich an den Themen Herausforderungen und Handlungsfeldern der vorangegangenen Kapitel, die für die Netz­diagramme qualitativ bewertet wurden (1 = durchschnittlich, 2 = überdurchschnittlich, 3 = Best Practice). In der nachfolgenden Tabelle (S. 227) sind die sieben wichtigsten Rahmenbedingungen einer Stadtquartiersentwicklung aufgeführt, die sich maßgeblich auf die inhaltliche Ausrichtung, die Planungs- und Entwicklungsstrategie sowie den Bauablauf auswirken. Die zu jeder Kategorie aufgeführten Aspekte sind aus der gängigen Literatur abgeleitet und wurden für einen internationalen Vergleich sinnvoll weiterentwickelt. Die hier dargestellten Quartiere sollen Anregungen geben, wie sich die umfassenden Aspekte der Nachhaltigkeit in konkreten Bauvorhaben unter den jeweiligen individuellen Rahmenbedingungen berücksichtigen lassen. Ziel der Dokumentationen soll es sein, eine ganzheitliche Heran­ gehensweise an eine Aufgabenstellung aufzu­ zeigen, die Planer entsprechend in ihre Projekte einfließen lassen können.

225


226

Kapitel 5 — Projekte

im Projektteil (S. 228 – 261) dokumentierte Quartiere weitere Projekte (S. 262 – 265) Abb. 1 Lage der ­analy­sierten Quartiere


227

NDSM-Werft

Berlin TXL – The Urban Tech Republic

Viertel Zwei

Barangaroo

GWL-Terrein

NEST – New Ethiopian ­Sustainable Town

Möckernkiez

Hammarby Sjöstad

Neckarbogen

Dockside Green

Bo01 – Western ­Harbour

ecoQuartier

Carlsberg

Potsdamer Platz

Übersicht

Klimazone Tropen

Subtropen

gemäßigt

Stadttyp nach Einwohnern Dorf, ländlicher Raum (< 20 000 Einwohner)

Kleinstadt (20 000 – 49 999 Einwohner)

Mittelstadt (50 000 – 499 999 Einwohner) Großstadt (500 000 – 9 999 999 Einwohner)

‡ ‡

Lage im Stadtgefüge außerhalb als Solitär eigenständig

außerhalb als Satellit mit Anschluss Randlage

Innenlage

‡ ‡

Zentrumslage

vorherige Flächennutzung Naturfläche (inkl. Wald)

landwirtschaftliche Fläche

Flächenbrache (Abbauflächen, L ­ agerfläche, ­Verkehrsflächen etc.) Stadtbrachen (bereits mit ­Gebäudebestand)

Entwicklungsflächen im Bestand (genutzte ­Stadtflächen mit hohem Siedlungsdruck)

‡ ‡

Bestandsnutzung Neubau

Neubau mit Bestandselementen

Bestandsanteil

‡ ‡

‡ ‡

Sanierungsgebiet mit einzelnen N ­ eubauten

Nutzungsmischung Wohnen

¥

¥

¥

Gewerbe

¥

¥

¥

¥

¥

¥

¥

¥

¥

¥

¥

Freizeit/Sondernutzung

¥

¥

¥

¥

¥

¥

Projektgröße Quartier Stadtteil

‡ ‡

neue Stadt ‡ Hauptnutzung

‡ ‡

 ¥ Nebennutzung


244

Kapitel 5 —  Projekte

S TO C K H O LM , S C H W E D E N

Hammarby Sjöstad Kenndaten Art des Projekts

nachhaltige Transformation eines ehemaligen Hafen- und Industriegebiets

zentrale Straße

Hammarby allé

Größe

150 ha + 50 ha Wasserfläche

Bruttogeschossfläche (BGF)

ca. 1 200 000 m2

Geschossflächenzahl (GFZ)

ca. 0,8

Nutzer

25 000 Einwohner, 11 000 Wohneinheiten, 10 000 Arbeitsplätze bei Abschluss 2018 geplant

Projektbeteiligte

Stadtplanungsamt Stockholm in Kooperation mit White Architects, Nyréns Architektkontor Firm und Erséus

Bauzeit

1999 – 2016

Webseite

www.hammarbysjostad.se

Städtebau

Ökonomie

3

Prozesse, Soziokultur

2 1

Emissionen

Freiraum, Stadtklima

Wasser, Boden

Energie

Mobilität

Müllsammelstationen in Gebäuden

Stoffflüsse

Blockheizkraftwerk

öffentliche Müllsammelstationen Elektrizität Fernwärme

brennbare Abfälle

Weitere Informationen

•  Brick, Karolina: Report summary – Follow Up of Environmental Impact in Hammarby Sjöstad. Stockholm 2008 •  Ceeney, Lynne: Sustainable Developments in Sweden. Lessons for Ecotown s. Bracknell 2010 •  Foletta, Nicole; Field, Simon: Europe’s Vibrant New Low Car(bon) Communities. 2011 •  Fränne, Lars: Hammarby Sjöstad. A Unique environmental Project in Stockholm. Stockholm 2007 •  GlashusEtt, Development Office: Hammarby Sjöstad. A New City District With Emphasis on Water and Echology. Stockholm 2011 •  Vernay, Anne-Lorene et al.: Systems Integration: Condition for Success the Case of Hammarby Sjostad and Eva-Lanxmeer; ICONDA®Bibliographic, 2011. www.irbnet.de/daten/iconda/CIB22082.pdf • www.urbangreenbluegrids.com/projects/ hammarby-sjostad-stockholm-sweden • www.futurecommunities.net/case-studies/ hammarby-sjostad-stockholm-sweden-1995-2015

Hammarby Sjöstad (Hammarby Seestadt) liegt ca. 3 km vom Zentrum Stockholms entfernt, das im Jahr 2010 die erste Umwelthauptstadt Europas war und seit 1990 den CO2-Ausstoß um 25 % reduziert hat.1 Im Zuge des starken Bevölkerungs- und Stadtwachstums wurde 1993 der Entschluss gefasst, das ehemalige Industrie- und Hafengebiet als Entwicklungsfläche für ein gemischt genutztes Quartier auszuweisen. Seither ist Hammarby das größte Stadtentwicklungsprojekt Stockholms und wurde 2016 fertiggestellt. Neben der stadträumlichen Qualität sieht der Masterplan insbesondere die Integration von umweltfreundlichen Technologien vor, mit dem Ziel, den ökologischen Fußabdruck im Vergleich zu anderen Stadtteilen in Stockholm um 50 % zu senken.2 Hervorzuheben ist die Vergabe der einzelnen Baufelder an denjenigen mit dem innovativsten Planungsansatz. Damit förderte man gezielt Investoren, die im Quartier experimentelle und umweltfreundliche Technologien oder Konzepte umsetzen wollen. Die Kanäle verfügen über 180 Bootsanlegestellen und dienen als Orte der Naherholung. Darüber hinaus fungieren sie auch als Puffer für Regen- und Sturmflutwasser, indem sie dieses langsam in den Hammarby-See einleiten.

unterirdisches Rohrsystem

Den Kern des Mobilitätskonzepts bildet ein dichtes Fuß- und Radwegenetz, das an die umgebenden Gebiete angeschlossen ist. Zusätzlich verbinden eine neue Straßenbahnstrecke und zwei neue Buslinien Hammarby Sjöstad mit anderen Teilen der Stadt. Eine weitere öffentliche Verkehrsmöglichkeit stellt der Weg über das Wasser dar: Das ganze Jahr über bietet die Stadt einen Fährbetrieb an. Außerdem stehen den Bewohnern 46 mit Strom betriebene und mietbare Carsharing-Fahrzeuge zur Verfügung, um auch Ziele außerhalb des ÖPNVNetzwerks zu erreichen. Diese Maßnahmen haben einen wesentlichen Anteil daran, dass heute nur noch etwa 20 % der Bewohner auf den privaten Pkw zurückgreifen.3

Fokus Energie, Stoffflüsse und Wasser Hammarby Sjöstad verfügt über ein eigens entworfenes integrales Energie- und Stoffstrommodell. Mittlerweile findet das Konzept auch in anderen Städten Anwendung. Kernidee ist, innerhalb des Quartiers einen natürlichen Kreislauf nachzuempfinden, bei dem es keinen Abfall gibt. So wird


245

Hammarby Sjöstad

Energie Biobrennstoff Klärschlamm

Blockheizkraftwerk (BHKW) Fernwärme und Strom brennbarer Abfall

Biotreibstoff

Erde Recycling

Abfall

Biogas

Gebäude

neues Verpackungsmaterial Papier-, Glas-, Dosenmüll etc.

spezielle Entsorgung

Heizwerk Hammarby

Fernwärme, -kälte

umweltfreundl. Strom­produktion

organischer Abfall

Kompostier­ anlage

Felder

Sonnen-, ­Windenergie, Wasserkraftwerk

Trinkwasser Sondermüll, Elektroschrott Trinkwasser­ aufbereitungsanlage

öffentliche Busse und Pkws

Niederschlag Gebäude

Niederschlag versiegelte Flächen

Abwasser

aufbereitetes Abwasser

aufbereitetes Abwasser

Meer Meer

Biogas Klärwerk

Kanal

HammarbySee Sedimentierung

Wasser

z. B. der brennbare Abfall mit einem Unterdruckleitungssystem zentral gesammelt und daraus in einem Blockheizkraftwerk Wärme und Strom für das Quartier generiert. Des Weiteren wird das bei der Abwasserklärung gewonnene Biogas für den Betrieb der Busse und Pkws im Quartier sowie für die Wärme-, Kälte- und Stromerzeugung verwendet. Der bei der Biogaserzeugung als Nebenprodukt anfallende Klärschlamm wird getrocknet und als Dünger auf die Felder ausgebracht. Oberirdische Sammelstellen für Papier-, Metall-, Glas- und Plastikmüll befinden sich an jedem Gebäudeblock. Nicht brennbare Bestandteile werden gesammelt und dem Recyclingkreislauf zugeführt. Das Energie- und Stoffstrommodell sieht weiter vor, einen natürlichen Wasserkreislauf im Quartier herzustellen. Wasser, das den Haushalten zum Kochen, Trinken und Waschen zur Verfügung steht, kommt aus der Wasseraufbereitungsanlage, die der nahe gelegene Mälaren-See speist. Grau- und Schwarzwasser wird die gespeicherte Wärmeenergie entzogen und zur Unterstützung des Nahwärmesystems verwendet, bevor es in einer experimentellen Kläranlage gesäubert und anschließend naturnah versickert wird. Auch das aus diesem Klärschlamm gewonnene Biogas findet in ca. 1000

Gaskochern sowie wiederum beim Betrieb der Fahrzeuge im Quartier Verwendung.4 Niederschlag, der auf versiegelte Flächen fällt, wird in offenen, in die Freiraumgestaltung integrierten Kanälen durch das Quartier in den Hammarby-See geleitet. Ein Großteil der Dachflächen ist begrünt, was dazu beiträgt, dass Hochwasserspitzen gemildert und das Mikroklima sowie die Biodiversität im Quartier verbessert werden können. Das bei Starkregen von den Dächern abfließende Wasser wird in Zisternen gespeichert und zur Bewässerung der Gärten sowie zur Toilettenspülung verwendet. Neben der Regenwassernutzung sind in einzelnen Gebäuden verschiedene Systeme zur Wiederaufbereitung von Grau- und Schwarzwasser eingesetzt, die dazu beitragen sollen, den Trinkwasserbedarf um 50 % gegenüber der gesamten Stadt Stockholm auf 100 l pro Person und Tag zu senken. Einen wesentlichen Anteil an einem nachhaltigen, ressourcenschonenden Quartier haben die Bewohner selbst und ihr Konsumverhalten. So erläutern Veranstaltungen im GlashusEtt, dem Umweltinformationszentrum des Viertels, den Bewohnern das Konzept des Quartiers und machen sie mit einem nachhaltigen Lebensstil vertraut.

1  Foletta 2011, S. 42 2  Sandelin 2008 3  Foletta 2011, S. 43 4  Fränne 2007, S. 7

Abb. linke Seite:  links  Masterplan rechts  unterirdisches Rohr­ leitungssystem für Müll Abb. diese Seite: oben  integriertes Energieund Stoffstrommodell von Energie, Abfall- und Wasser unten links  eine der zahlreichen Bootsanlegestellen unten Mitte  Freizeitmöglichkeiten am Wasser unten  Integration von Regenwasserversickerungsanlagen in das Freiraum­ konzept


262

Kapitel 5 —  Projekte

Kabelwerk

AT

Wien

Am Kabelwerk

The Green Capital

BR

Curitiba

Av. Presidente ­Kennedy

Carré Vert

CH

Genf

Bd. de Saint-Georges

Les Plaines-du-Loup

CH

Lausanne

Route des Plaines-du-Loup

Sektor Malley, Prilly und Renens

CH

Lausanne

Route des Lausanne

Ecofaubourgs

CH

Schlieren

Badenerstraße

Green City

CH

Zürich-Manegg

Bruchstraße

Kraftwerk 1

CH

Zürich

Hardturmstraße

Glattpark

CH

Zürich-Opfikon

Glattparkstraße

Le Quartier Central

DE

Düsseldorf

Marc-Chagall-Straße

Neue Weststadt

DE

Esslingen

Südtangente

innerstädtische ­Passivhaussiedlung

DE

Fellbach

Ginsterweg

Vauban

DE

Freiburg

Vauban-Allee

Solarsiedlung »Am Schlierberg«

DE

Freiburg

Rosa-Luxemburg-Straße

Rieselfeld

DE

Freiburg

Rieselfeldallee

HafenCity

DE

Hamburg

Überseeallee

Kronsberg

DE

Hannover

Johanneskamp

Bahnstadt

DE

Heidelberg

Langer Anger

Smiley West

DE

Karlsruhe

Indianaring

Stellwerk 60

DE

Köln-Nippes

Am alten Stellwerk

Freiham-Nord

DE

München

Bodenseestraße

Messestadt Riem

DE

München

Willy-Brandt-Allee

Theresienhöhe

DE

München

Theresienhöhe

Ackermannbogen

DE

München

Ackermannstraße

WagnisART

DE

München

Fritz-Winter-Straße

Amorbach II

DE

Neckarsulm

Bordighera-Allee

Hafen

DE

Offenbach a. M.

Nordring

Scharnhauser Park

DE

Ostfildern

Niemöllerstraße

Artilleriekaserne St. Arnual

DE

Saarbrücken

Nell-Breuning-Allee

Killesberghöhe

DE

Stuttgart

Stresemannstraße

Petrisberg

DE

Trier

Auf dem Petrisberg, ­Max-Planck-Straße

Französisches Viertel und Loretto Areal

DE

Tübingen

Aixer Straße, Loretto-Platz

Mühlenviertel

DE

Tübingen

Alte Weberei

DE

Tübingen

Im Sonnenfeld

DE

Ulm-Eselsberg

Selbertstraße

Arkadien Winnenden

DE

Winnenden

Silberpappelstraße

Ökonomie

Heliosallee

Energie

Linz

Mobilität

AT

Stoffströme

solarCity

Wasser /Boden

zentrale Straße

Freiraum /Stadtklima

Stadt

Prozesse /Soziales

Land

Städtebau

Name

Emissionen

Weitere Projekte

‡ ‡

‡ ‡

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‡ ‡

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Paul-Dietz-Straße

Nürtingerstraße

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‡ ‡


263

Weitere Projekte

Baubeginn – ­Fertigstellung

1990 – 2005 2004 – 2010 seit 1965 

Größe [ha]

60 8 Gesamtstadt

Planer

Projektwebseite

READ-Group (Norman Foster, Richard Rogers, Renzo Piano, Thomas Herzog)

www.solarcity.at

Rüdiger Lainer + Partner

www.kabelwerk.at

IPPUC

www.curitiba.pr.gov.br

2009 – 2011

3

Stadt Genf

www.ecoquartierjonction.ch

2010 – 2020

33

TRIBU Architecture

www.lausanne.ch/plainesduloup

2015 – 2021

70

SDOL – Schéma Directeur de l’Ouest Lausannois

www.2000watt.ch/malley-gare

2009 – 2014

19

Ecofaubourgs; HKA Finance

www.futura-schlieren.ch

2013 – 2015

8

Diener & Diener Architekten; Vogt Landschaftsarchitekten

www.greencity.ch

1998 – 2001

2

Stücheli Architekten; Bünzli & Courvoisier Architekten AG

www.kraftwerk1.ch

2001– 2020

67

Stadt Opfikon

www.glattpark.ch

2006 – 2014

36

ASTOC

www.le-quartier-central.de

seit 2011

12

lehen 3

www.esslingen.de

2007 – 2009

0,5

brucker.architekten

www.fellbach.de

1997– 2006

41

Kohlhoff & Kohlhoff

www.vauban.de

1999 – 2005

1

SolarArchitektur, Rolf Disch

www.solarsiedlung.de

Projektgemeinschaft Rieselfeld; Architekten­gemeinschaft B.E.M.S

http://rieselfeld.org

KCAP Architects; ASTOC

www.hafencity.com

SWW Architekten

www.hannover.de

Trojan & Trojan

http://heidelberg-bahnstadt.de

7

Volkswohnung GmbH; Stadt Karlsruhe

https://siedlungen.eu/db/baugebietsmiley-west

6

Rößner und Waldmann Architekten

www.stellwerk60-vermietung.de/index.php.html

West 8; O & O Baukunst

www.freiham-bau.de

Arbeitsgemeinschaft Frauenfeld und Partner

www.muenchen.de/stadtteile/riem.html

1993 – 2010 seit 2000  1993 – 2000 seit 2001 1998 – 2007 2006 – 2013 seit 2014

50 165 60 116

73

1997– 2009

560

2002 – 2010

47

Steidle + Partner; TDB Landschaftsarchitektur

www.werkstatt-stadt.de/de/projekte/111/

1996 – 2014

40

Christian Vogel Architekten

https://ackermannbogen-ev.de/

2014 – 2016

1

bogevischs buero architekten und stadtplaner gmbh, shag, udo schindler, walter hable architekten gbr

www.wagnis.org/wagnis/wohnprojekte/­ wagnisART.html

1997 – 2004

51

Hans-Joachim Ziltz

www.werkstatt-stadt.de/de/projekte/177

2008 – 2017

25

Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG), Stadt Offenbach

www.mainviertel-of.de

1996 – 2003

140

Janson + Wolfrum

www.ostfildern.de/scharnhauser_park.html

2003 – 2008

3

Wandel Hoeffer Lorch Architekten

www.artilleriekaserne.de

seit 2011

3,5

O & O Baukunst

www.killesberghoehe.de

2002–2012

70

Bachtler Böhme + Partner / Stadt Trier (Rahmenplan)

www.petrisberg.de; www.egp.de; www.wip-trier.de

1996 – 2007

65

Fachabteilung Projektentwicklung, ehemaliges Stadtsanierungsamt

www.franzoesisches-viertel.net

2005 – 2009

4

Hähnig & Gemmike

www.muehlenviertel.de

2011– 2014

6

Hähnig & Gemmike

www.alte-weberei-lustnau.de

1999 – 2003

3,5

Stadt Ulm

www.expo.ulm.de

2007– 2011

3,4

Eble Messerschmidt Partner, auf Basis WTB Dreibund

www.landschaftsarchitektur-heute.de/projekte/ details/2756


278

Anhang

Autoren

Autoren Helmut Bott, Prof. Dr.-Ing. (Herausgeber) 1967–1974 Studium der Architektur und Stadtpla­ nung an der TU Darmstadt; ab 1974 Tätigkeit im ­Stadtplanungsamt Saarbrücken und bei der Stadt­ bauplan GmbH, Darmstadt; 1977–1981 Assistent und Lehrbeauftragter an der Universität Kassel und der TU Darmstadt; ab 1981 freiberufliche Tätigkeit in verschiedenen Büropartnerschaften; 1985 – 1997 Professur für Stadtbaulehre und Entwerfen an der FH Köln; 1997– 2015 Lehrstuhl Städtebau und Entwer­ fen, Direktor am Städtebau-Institut (SI) der Universi­ tät Stuttgart; seit 1999 Mitglied im Direktorium des Inter­nationalen Zentrums für Kultur- und Technikfor­ schung (IZKT) der Universität Stuttgart; 2000 – 2005 Gast­professur an Universitäten in China und Süd­ korea; 2006 – 2010 Dekan der Fakultät Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart; 2007– 2014 Gastprofessur an der Zhejiang Universität in Hangzhou und der Jiaotong Universität in Xi’an; Co-Editor der Zeitschrift »Community Design« (Tsinghua Beijing); seit 2010 als Gründungsdekan der German University Cairo (GUC) Beteiligung am Aufbau des Studiengangs für Architektur und Stadtplanung in Kairo und Berlin, Mitglied im Universitätsrat der GUC; seit 2013 Vor­ sitzender des Direktoriums des IZKT der Universität Stuttgart; seit 2018 Gastprofessor am Sino-German Research Center (SEU), Department of Urban Plan­ ning, School of Architecture, Southeast University Nanjing, China.

Gregor C. Grassl, M. Eng., Dipl.-Ing. (Herausgeber) 1998 – 2002 Architekturstudium an der Fachhoch­ schule München, Gastaufenthalte an den Universitä­ ten Prag und Kairo; 1999 Auszeichnung »Honor al Merito« in Cochabamba/Bolivien für Engagement in der Entwicklungshilfe; ab 2003 Tätigkeit in Architek­ turbüros in Bad Reichenhall; 2006 – 2008 Masterstu­ dium der Stadtplanung an der Hochschule für Technik (HFT) Stuttgart; seit 2007 Tätigkeit für Drees & Sommer; 2009 Initiator der Systementwicklung für Stadtquar­ tiere in der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB); Senior DGNB und ÖGNI Auditor; 2012/13 Weiterbildung zum Fachplaner Energieeffi­ zienz an der hessischen Akademie der Ingenieure; seit 2011 in leitender Position im Bereich Blue City; Betreuung zahlreicher nationaler und internatio­naler Stadtentwicklungsprojekte als Nachhaltigkeits­berater und Ersteller von »Technischen Masterplänen« in Zusammenarbeit mit namhaften Stadtplanern wie KCAP, AS&P, ASTOC, Zaha Hadid; Mitarbeit in zahl­ reichen Forschungsprojekten und Entwicklung eines eigenen City-BIM-Tools; seit 2012 Dozent an der DGNB-Akademie; 2013 – 2016 Lehrauftrag an der Hafencity Universität (HCU) Hamburg im internatio­ nalen Masterstudiengang Resource Efficiency in Architecture and Planning (REAP); seit 2017 Lehr­ auftrag an der Hf T Stuttgart im internationalen Master­ studiengang für Projektmanagement für »Sus­tainable Urban Building Design« und seit 2018 im internationa­

len Masterstudiengang »Smart City Management«; seit 2017 Mitglied des Fachbeirates der internationa­ len Fraunhofer-Akademie »Smart Society Professional Academy«, Experte für nachhaltige Stadtplanung in der von verschiedenen Bundesministerien initiierten »Nationalen Plattform Zukunftsstadt«; Gründungs­ mitglied des Forschungsnetzwerkes »Morgenstadt« und Experte in zahlreichen Verbandsgremien, wie z. B. »Stadt Denken« beim VDI.

Stephan Anders, Dr.-Ing. (Herausgeber) 2003 – 2008 Studium der Architektur und Stadtpla­ nung an der Universität Stuttgart und der ETH Zürich mit dem Studienschwerpunkt »Städtebau & Stadt­ planung«; wäh­rend des Studiums Tätigkeit u. a. bei KCAP Architects & Planners, bei der Ippolito Fleitz Group und am Lehrstuhl für Informationsarchitektur (IA) der ETH Zürich; seine Diplomarbeit mit dem Titel »Null-Emissions- Stadt« wurde mit einer Aner­ kennung im Rahmen des Diplompreises der Univer­ sität Stuttgart ausgezeichnet; 2009 – 2015 akademi­ scher Mitarbeiter und Doktorand am Städtebau-Institut der Universität Stuttgart; Schwerpunkte in Lehre und Forschung waren nachhaltige Stadt- und Quartiers­ konzepte; 2016 Dissertation mit dem Titel »Stadt als System«; seit 2012 Tätigkeit für die Deutsche Gesell­ schaft für Nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB), anfangs als Produktmanager Betreuung von Systementwicklung und internationaler Anwendung der Zertifizierungssys­ teme für nachhaltige Quartiere und Industriestandorte, der Ausbildung zum DGNB Auditor sowie der DGNB Hochschulkooperation mit über 60 Hochschulen; seit 2017 Leitung der Abteilung Zertifizierung bei der DGNB, deren Kernaufgabe die nationale und interna­ tionale Anwendung des DGNB Zertifizierungssystems für nachhaltige Quartiere, Ge­­bäude und Innenräume ist; Honorarlehrkraft für energetische Stadtplanung an der Hf T Stuttgart.

Co-Autoren Martin Altmann, Dipl.-Geograph 1986 –1992 Studium der Geografie an der Universi­ tät Trier; 1992/93 wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung; seit 1993 in der Immobilienwirtschaft tätig; seit 1997 im Kompe­ tenzbereich Entwicklungsmanagement bei Drees & Sommer, seit 2008 dort Mitglied der Geschäftsleitung; seit 2015 Leiter Entwicklungsmanagement NordrheinWestfalen bei Drees & Sommer. Jürgen Baumüller, Prof. Dr. 1964 –1971 Studium der Meteorologie an den Univer­ sitäten Karlsruhe und Hamburg; 1971–1973 Tätigkeit bei der Stadt Stuttgart als Stadtklimatologe; 1973 –1978 Tätigkeit am Institut für Physik der Universität Hohen­ heim, 1979 Promotion; 1978 – 2008 leitender Direktor in der Abteilung Stadtklimatologie der Stadt Stuttgart; seit 1982 Lehrauftrag im Institut für Landschaftsplanung und Ökologie an der Universität Stuttgart; 1988 –1993

Lehrauftrag an der Hf T Stuttgart; 1993 Honorarpro­ fessor der Universität Stuttgart; seit 1995 Lehrbe­ auftragter im Studiengang Umweltschutztechnik der ­Universität Stuttgart; seit 2008 im Ruhestand, aber ­weiterhin als Lehrbeauftragter an der Universität Stutt­ gart tätig. Julia Böttge, Dipl.-Wirt.-Ing. 2007– 2012 Studium der Immobilientechnik und -wirt­ schaft an der Universität Stuttgart; 2012 Diplomarbeit und 2012 – 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Bauphysik an der Universität Stuttgart in der Abteilung Ganzheitliche Bilanzierung; seit 2016 Tätigkeit bei der Firmengruppe Max Bögl im Bereich Kalkulation Hochbau. Sigrid Busch, Dr.-Ing. Studium der Architektur und Stadtplanung an der Hf T Stuttgart, der École nationale supérieure de ­création industrielle in Paris, der University of Cali­ fornia in ­Berkeley sowie der Universität Stuttgart; ­Tätigkeit in Planungsbüros in Deutschland und den Niederlanden; seit 2002 akademische Mitarbeiterin am Städtebau-­Institut der Universität Stuttgart, Pro­ motion, Lehrveranstaltungen zu Simulation und Visu­ alisierung von Lärmschutz sowie zur Energieeffizienz in Stadtquartieren. Dominic Church, Dipl.-Ing. M. Sc. (LSE) 1991–1997 Architekturstudium in Stuttgart; 1997– 2001 Mitarbeit in Architekturbüros in Göteborg, Tel Aviv und London; 1999 –2001 Master »City Design and Social Science« an der London School of Economics (LSE); 2001– 2005 akademische Mitarbeit im LSE Cities Pro­ gramme; 2005 – 2011 Senior Policy Advisor für die Commission for Architecture and the Built Environment (CABE), Leitung des Ressorts Wohn- und Siedlungs­ bau, London; 2011 Lehraufträge Städtebau-Institut, Universität Stuttgart und Sustainable Urbanism Institut, TU München; 2011– 2015 Leitung Internationale Sys­ temanwendung für die Deutsche Gesellschaft für Nach­haltiges Bauen e. V. (DGNB); seit 2011 Lehrauf­ trag an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nür­ tingen-Geislingen (HfWU); seit 2015 Projektleiter Strate­ gische Planung für die Stadt Luzern Immobilien, für die Entwicklung der städtischen Areale zuständig. Thorsten Erl, Dr.-Ing. Studium der Architektur und Stadtplanung an der TU Berlin, TU Darmstadt und der Faculdade de Arquitectura da Universidade Porto (FAUP), 1999 ­Diplom; seit 1999 metris architekten + stadtplaner mit Sitz in Darmstadt und Heidelberg; seit 2002 akademi­ scher Mitarbeiter am Städtebau-Institut der Universität Stuttgart, verschiedene Forschungsprojekte und Lehr­ tätigkeit; 2011 Promotion mit dem Thema »Porto. Stadt und Hafen«; 2012 Lehrauftrag ökologische Siedlungs­ planung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen; seit 2012 Auditor für die Zer­ tifizierung nachhaltiger Stadtquartiere nach DGNB. Manal El-Shahat, Dr.-Eng. M. Sc. Studium der Architektur und Stadtplanung an der Ain Shams University (ASU) in Kairo, 1997 Abschluss;


Sachwortregister

2000 – 2005 Master-und Doktorandenstudium an der ASU; seit 2006 Fellowship Tätigkeit in der For­ schungsgruppe am Städtebau-Institut der Universi­ tät Stuttgart; 1997–2002 Dozentin an der ASU; seit 2006 Assistent Professor an der ASU am Lehrstuhl Urban Planning and Design; seit 2010 wissenschaft­ liche Mitarbeiterin und Teilprojektleiterin von dem ­Forschungsprojekt »Zusammenhalt braucht Räume – integratives Wohnen« am IWE-Fachgebiet Architek­ tur- und Wohnsoziologie der Universität Stuttgart; 1997– 2005 freie Architektin und Stadtplanerin in Ägypten; u. a. Mitglied der National Organization for Urban Harmony (NOUH) und der ARC-PEACE ­International – Architects Planners Designer for Social Responsibility. Johannes Gantner, Dr.-Ing., M. Sc. Dipl.-Ing. (FH) 2004 – 2011 Studium der Architektur an der FH Regens­ burg und nachhaltige Energiewirtschaft und -tech­ nik (SENCE) an den Hochschulen Stuttgart, Rotten­ burg und Ulm; seit 2011 wissenschaftlicher Mitar­ beiter am Institut für Akustik und Bauphysik der ­Universität Stuttgart /Fraunhofer IBP Stuttgart; 2017 Promotion an der Universität Stuttgart; seit 2011 ­Tätigkeit als Projektmanager für europäische For­ schungsvorhaben; zertifiziertes Mitglied des LCACP des American Center for Live Cycle Assessment (ACLCA). Philipp Groß, M. Eng. 2009 – 2013 Bachelorstudium Infrastrukturmanage­ ment an der Hochschule für Technik Stuttgart, 2014 – 2016 Masterstudium Energetisch-Ökologischer Stadtumbau an der Hochschule Nordhausen; seit 2011 Tätigkeit für Drees & Sommer im Bereich Blue City mit Schwerpunkt auf ganzheitlicher Projektent­ wicklung im In- und Ausland, Smart Citys sowie neuen und smarten Planungstools und -prozessen; DGNB Auditor für Quartiere und BREEAM Communities Assessor; 2016 – 2018 Dozent in der Mongolei für die Ausbildung zum DGNB Registered Professional und Mitinitiator und Dozent der lokalen Ausbildung zum Eco City Planner Mongolia. Tilman Harlander, Prof. Dr. rer. pol. habil. 1967–1972 Studium der Soziologie, Volkswirtschafts­ lehre, Psychologie und Politikwissenschaften in ­München und Berlin; 1978 Promotion an der Uni­ versität Oldenburg; 1994 Habilitation an der RWTH Aachen; 1999 Gastprofessur in Lima; 1997– 2011 ­Professur für Architektur- und Wohnsoziologie am ­Institut Wohnen und Entwerfen der Fakultät ­Architektur und Stadt­planung der Universität Stutt­ gart, 2002– 2006 Dekan; seit 2011 freiberufliche ­Tätigkeit. Gerhard Hauber, Dipl.-Ing. (FH) Studium der Landschaftsarchitektur an der Fach­ hochschule Berlin, 1994 Diplom; seit 1996 Land­ schaftsarchitekt im Ramboll Studio Dreiseitl, seit 1998 Leitung nationaler und internationaler Projekte, seit 2008 Partner und Geschäftsführer; seit 2011 ­Mitarbeit an der Entwicklung des DGNB-Systems für Stadtquartiere.

Thomas Haun, Dipl.-Ing. 2000 – 2007 Studium der Architektur an der BauhausUniversität in Weimar; beruflicher Schwerpunkt im Be­reich des nachhaltigen Bauens; seit 2016 strategi­ scher Einkäufer bei der EnBW Energie Baden-Würt­ temberg AG, verantwortlich für die Beschaffung von Bau- und Ausführungsleistungen im Bereich Hoch-, Roh- und Ausbau sowie im Bereich Offshore für die Beschaffung von Fundamenten; seit 2008 Qualifikatio­ nen u. a. zum Baubiologen IBN, DGNB Auditor, LEED Accredited Professional, BREEAM Licensed Assessor und BREEAM In Use Auditor. Dietrich Henckel, Prof. em. Dr. Studium der Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissen­ schaften in Konstanz, 1973 Diplomvolkswirt; 1976 ­Promotion zum Dr. rer. soc.; 1976 –1979 wissenschaft­ licher Mitarbeiter am Institut für Bauökonomie der ­Universität Stuttgart; 1979 – 2004 Projektleiter am Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin; 2004 –2017 Professor für Stadt- und Regionalökonomie am Insti­ tut für Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin, 2005 – 2009 dort ge­­schäftsführender Direktor, 2009 – 2013 Studiendekan; Mitglied in zahlreichen Ausschüssen und Beiräten. Olaf Hildebrandt, Dipl.-Ing. Studium der Architektur mit Schwerpunkt Stadtpla­ nung an der Universität Hannover, 1982 Diplom; 1980 bis 1983 freie Mitarbeit am Institut für ange­ wandte Systemforschung und Prognose (heute PestelInstitut); 1983 Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft Energieberatung Hannover (ARENHA). Seit 1988 ­Partner im Planungsbüro ebök in Tübingen, seit 2006 geschäftsführender Gesellschafter der ebök Planung und Entwicklung GmbH, Arbeitsschwerpunkte sind energetische Stadtentwicklung, Klimaschutzkonzepte, Gebäude­management und baulicher Wärmeschutz; seit 2010 Lehrbeauftragter an der Hf T Stuttgart für energetischen Städtebau im Masterstudiengang Stadtplanung. Jürgen Laukemper, Dr. 1979 –1985 Studium des Bauingenieurwesens an der Universität Stuttgart; 1985/86 Bauleiter im Tiefund Straßenbau; 1986 –1991 wissenschaftlicher ­Mitarbeiter an der Universität Stuttgart, 1991 Promo­ tion; seit 1991 Projektmanager bei Drees & Sommer, seit 2000 Vor­sitzender der Geschäftsführung von Drees & Sommer Infra Consult und Entwicklungs­ management und ­Partner bei Drees & Sommer; ­Lehrbeauftragter an der Hf T Stuttgart zum Thema ­Projektmanagement. Rolf Messerschmidt, Dipl.-Ing. Studium der Architektur und Stadtplanung an der ­Uni­versität Stuttgart, 1999 Diplom mit dem webbasier­ ten Planungswerkzeug »NetzWerkZeug Nachhal­ tige Stadt­entwicklung«; 1999 – 2017 Stadtplaner und Architekt bei Joachim Eble Architektur in Tübingen, dort seit 2001 Büroleiter und Teamleiter Stadtplanung, seit 2017 Partnerschaft mit Joachim Eble bei Eble ­Messerschmidt Partner, Tübingen; 2002 – 2008 Mit­ arbeit an den EU Forschungsprojekten ECOCITY und

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SNOWBALL – Energy Smart Urban Design; Lehrbeauf­ tragter am Städtebau-Institut der Universität Stuttgart; seit 2010 DGNB Auditor, seit 2011 im DGNB Fachaus­ schuss. Peter Mösle, Dr.-Ing. Studium Maschinenbau an der Universität Stuttgart, Fachrichtung Energietechnik, Stipendium an der Uni­ versity of Arizona; 1996 Diplomarbeit am FraunhoferInstitut für Solare Energiesysteme in Freiburg i. Br.; seit 1996 Tätigkeit bei Drees & Sommer Advanced Building Technologies, seit Juli 2010 Geschäftsführer für den Bereich Energiedesign /nachhaltiges Bauen, seit 2012 Partner von Drees & Sommer; 2009 Promo­ tion an der Universität Stuttgart zum Thema »Entwick­ lung einer Methode zur Internationalisierung eines Zertifizie­rungssystems für nachhaltige Gebäude«; ­Mitglied des Präsidiums der DGNB und Vorsitzender für den Bereich Systementwicklung. Marcel Özer, M. Sc. 2008 –2016 Studium der Umweltschutztechnik an der Universität Stuttgart und der École Spéciale des Travaux Publics du Batiment et de l'Industrie Paris (l’ESTP); während des Studiums Mitarbeit u. a. am ­Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart; seit 2016 ­Projektingenieur bei Drees & Sommer im Bereich Cradle to Cradle mit Schwerpunkt auf ganzheitliche Nachhaltigkeitskonzepte im Bauwesen; seit 2016 ­weiterführende Qualifikationen u. a. zum Baubiologen IBN, DGNB Consultant. Christopher Vagn Philipsen, Dipl.-Ing. 1981–1987 Studium der Verfahrentechnik an der Uni­ versität Stuttgart; 1987–1997 Tätigkeit bei Fichtner; seit 1997 bei Drees & Sommer Infra Consult und Entwick­ lungsmanagement in Stuttgart, seit 2000 Geschäfts­ führer von Drees & Sommer, seit 2012 Partner bei Drees & Sommer in Stuttgart mit dem Schwerpunkt Projekt­ management für Anlagen der Energieerzeugung, -ver­ teilung und -speicherung. Waltraud Pustal, Prof. Dipl.-Ing. 1983 –1987 Studium der Landespflege an der FH ­Nürtingen; 1987–1993 Mitarbeit in verschiedenen ­Planungsbüros; 1996 – 2000 Gastdozentin an der FH Nürtingen und den Universitäten Hohenheim und Tübingen; ab 2000 Lehrbeauftragte für Landschafts­ planung sowie für Naturschutz- und Umweltrecht an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen, seit 2013 Honorarprofessorin; 2008 – 2017 Dozentin für Landschaftsplanung im Masterstudiengang Stadt­ planung an der HFT Stuttgart; seit 1993 Inhaberin eines Planungsbüros für Landschafts- und Stadtpla­ nung in Pfullingen; seit 2011 Mitarbeit in der Fach­ kommission Landschaftsplanung und der Fachkom­ mission Nachhaltigkeitszertifizierung beim AHO. Christina Sager-Klauß, Dr.-Ing. 1994 – 2002 Studium der Architektur an der Universität Gesamthochschule Kassel; 2016 Promotion an der TU Delft; 2002 – 2005 wissenschaftliche Mitarbeit am Lehr­ stuhl für Bauklimatik und Haustechnik der TU München;


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Anhang

Projekt­bearbeiter

2005 – 2007 Tätigkeit bei der Deutschen Energie-­ Agentur (dena) im Gebäudebereich; 2007 – 2017 ­Gruppenleitung am Fraunhofer IBP und Fraunhofer IWES, seit 2018 Gruppenleitung am Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE). Daniela Schneider, Dipl.-Ing. (FH), M. Sc. 2003 – 2008 Studium der Architektur an der Hochschule für Technik in Stuttgart; 2010 – 2012 Masterstudiengang Architektur und Umwelt an der Hochschule Wismar mit den Schwerpunkten Kreislauffähiges Bauen und Bau­ stoffkunde; 2008 – 2016 Bau- und Projektleiterin im Bereich Nachhaltiges Bauen in der Bauwirtschaft. Seit 2016 bei Drees & Sommer im Cradle-to-Cradle-Team, seit 2018 Projektpartnerin; Mitglied der DGNB-Exper­ tengruppe Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit und DGNB Auditorin; seit 2017 Lehrauftrag an der Hoch­ schule für Technik im Masterstudiengang Architektur, Fach »Kreislauffähiges Planen und Bauen«. Mario Schneider, Dipl.-Ing. 2006 – 2012 Studium der Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart; während des Studiums Mit­ arbeit u. a. am Institut für Baukonstruktion und Entwer­ fen der Universität Stuttgart sowie am Fraunhofer Insti­ tut für Arbeitswirtschaft und Organisation; 2012 – 2016 akademischer Mitarbeiter und Doktorand am Institut für Grundlagen der Planung (IGP) der Universität Stuttgart; seit 2017 bei der Deutschen Gesellschaft für Nachhalti­ ges Bauen e.V. (DGNB) tätig, betreut dort inhaltlich die Systementwicklung im Bereich Quartiere sowie inhalt­ lich und organisatorisch die unterschiedlichen Ausbil­ dungen im nationalen und internationalen Bereich der DGNB Akademie. Antonella Sgobba, Dr.-Ing. Studium der Architektur an der Uni Florenz und Madrid (ETSAM), 1997 Diplom; 1999 – 2000 Master in Städte­ bau an der UPC Barcelona; 1997 – 2002 Architektin in Planungsbüros in Barcelona und Stuttgart (u. a. Arribas Arquitectos, IDOM­ACXT für Toyo Ito, Behnisch Archi­ tekten); freiberufliche Teilnahme an Planungswettbe­ werben; 2007 – 2013 akademische Mitarbeiterin am Städtebau-Institut der Universität Stuttgart (u. a. Lehr­ veranstaltungen zum Thema nachhaltige Stadtplanung und Lärmschutz-Simulationen), 2011 Promotion mit dem Titel »Architektur, Stadt und Automobilindustrie«; 2014 – 2016 Architektin und Stadtplanerin im Stadtpla­ nungsamt Karlsruhe (Stadtentwicklungskonzepte, u. a. Projektleitung Räumliches Leitbild); seit 2017 Refe­ rentin für Städtebau und Städtebauförderung an der Regierung von Oberfranken in Bayreuth. Guido Spars, Prof. Dr. habil Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Köln; 2000 Promotion an der TU Berlin über den Bodenmarkt und seine Abgaben; 2007 Habilitation an der TU Berlin; seit 2006 Leiter des Fachgebiets Ökonomie des Planens und Bauens an der Bergi­ schen Universität Wuppertal, dort auch Prodekan für Forschung und Studiengangleiter des Weiterbildungs­ studiengangs Real Estate Management /Construction Project Management. Mitglied in verschiedenen wis­ senschaftlichen Beiräten und Verbänden.

Stefan Siedentop, Prof. Dr.-Ing. 1988 –1994 Studium der Raumplanung an der Uni­ versität Dortmund; 2001 Promotion an der Fakultät Raumplanung der Universität Dortmund; 1994 – 2007 Forschungstätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. (IÖR) in Dresden; 2007– 2013 Professor für Raumentwicklungs- und Umweltplanung an der Universität Stuttgart und Leitung des Instituts für Raumordnung und Entwicklungsplanung (IREUS); seit 2013 Leitung des Instituts für Landes- und Stadt­ entwicklungsforschung (ILS) in Dortmund und Profes­ sor für Stadtentwicklung an der TU Dortmund. Antje Stokman, Prof. Dipl.-Ing. 1993 – 2000 Studium der Landschaftsarchitektur an der Leibniz Universität Hannover und dem Edinburgh College of Art; 2000 – 2001 wissenschaftliche Mitar­ beit an der Universität Hannover; 2001 – 2004 Projekt­ leiterin für Auslandsprojekte im Büro Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten in München und diverse Lehr­ aufträge in China und Deutschland; 2005 – 2010 Junior­ professorin für Gestaltung und Bewirtschaftung von Fließgewässereinzugsgebieten an der Leibniz Uni­ versität Hannover; 2010 – 2018 Professorin für Land­ schaftsplanung und Ökologie und Leiterin des Instituts für Landschaftsplanung und Ökologie (ILPÖ) an der Universität Stuttgart; seit 2017 Professorin für Archi­ tektur und Landschaft an der HafenCity Universität Hamburg. Alyssa Weskamp, M. Sc., M. Arch. 2007– 2011 Studium der Architektur an der TU Berlin; 2011– 2013 Studium Urban Design an der TU Berlin und Tongji University Shanghai; 2013/14 Gastwissen­ schaftlerin TU Berlin Fachgebiet Städtebau und nach­ haltige Stadtentwicklung; seit 2014 tätig bei Drees & Sommer Advanced Building Technologies GmbH in Stuttgart und Berlin; DGNB Auditorin für Quartiere, LEED AP Neighborhood Development. Bastian Wittstock, Dr.-Ing. 2000 – 2006 Studium der Umweltschutztechnik an der Universität Stuttgart; 2012 Promotion an der Uni Stutt­ gart; 2011 – 2014 Leitung der Gruppe Nachhaltiges Bauen am Fraunhofer Institut für Bauphysik; seit 2014 in der thinkstep AG (ehem. PE INTERNATIONAL AG) als Teamleiter Building & Construction und Fachbe­ reichsleiter Nachhaltige Gebäude; 2011– 2015 Lehr­ auftrag für Nachhaltigkeit in den Ingenieurwissen­ schaften an der Universität Stuttgart; DGNB Auditor für Gebäude und Stadtquartiere, seit 2015 Mitglied im Fachausschuss der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Andreas von Zadow, M. A. Studium der Kommunikationswissenschaft an der TU Berlin; Mitarbeiter der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung; stellvertretender Leiter der Euro­ päischen Akademie für städtische Umwelt EA.UE; seit 1993 selbstständiger Berater, Coach und Mode­ rator in der Projekt-, Organisations- und Stadtentwick­ lung, Geschäftsführer des Büros Von Zadow Inter­ national – VZI.

Potsdamer Platz:  Gregor C. Grassl, ­Alexander Sailer Carlsberg:  Stephan Anders, Isabelle Willnauer ecoQuartier:  Rolf Messerschmidt Bo01:  Stephan Anders, Isabelle ­Willnauer Dockside Green:  Stephan Anders, C ­ alvin Kühn, Peter Pratter, Isabelle ­Willnauer Neckarbogen:  Gregor C. Grassl, A ­ lexander Sailer Hammarby Sjöstad:  Stephan Anders, Lisa Gänsbauer, Isabelle Willnauer Möckernkiez:  Gregor C. Grassl, ­Alexander Sailer NEST:  Stephan Anders, Hristina ­Safranova, Isabelle Willnauer GWL-Terrein:  Stephan Anders, ­Evangelos Solakis, ­Isabelle Willnauer Barangaroo:  Isabelle Willnauer NDSM-Werft:  Stephan Anders, Anna Ilonka Kübler, ­Isabelle Willnauer Berlin TXL – The Urban Tech Republic:  Gregor C. Grassl, Alyssa Weskamp Viertel Zwei:  Gregor C. Grassl, Alyssa Weskamp

Des Weiteren danken wir folgenden Studenten der Universität Stuttgart, die die Grundlage für den ­Projektteil des Buches erarbeitet haben: Andrea Balestrini, Alexander Becker, Julia Bührle, Feng Chen, Yongrae Cho, Tahira Deniz, Viola ­Fonnesu, Lisa Gänsbauer, Michal Hloupy, Melanie Houben Garcia, Olga Ivanova, Anna Kübler, Calvin Kühn, Lee Jungin, ­Dominika Lis, Erika Loria, Julia Maisch, Peter Pratter, Tana Qamar, Eliza Rubena, Ann-Kristin Rüter, Alexander Sailer, Hristina Safro­ nova, Rebecca Scholz, Jeong-Nook Seo, Evangelos ­Solakis, Jun Tan, Serap Topel, Simone Vielhuber, Yeon Kyoung Yoo, Sandra Zenk, Hongmei Zhai, ­Juliane Zindel


Strategien für die Zukunft Das Thema Nachhaltigkeit ist nach wie vor hochaktuell und wird durch die nicht mehr zu leugnenden Auswirkungen des Klimawandels immer wieder neu in das Zentrum aller Zukunftsdiskussionen gerückt. Die 2013 erschienene 1. Auflage dieser Publikation »Nachhaltige Stadtplanung« stellte die komplexen Herausforderungen und Handlungsfelder der nachhaltigen Quartiersplanung erstmals umfassend dar. Sie zeigte auf, wie sich übergeordnete Prinzipien der nachhaltigen Stadtplanung in den Planungsprozess einbinden lassen und erläuterte umfassend unterschiedliche Strategien sowie Planungswerkzeuge zur Gestaltung humaner Lebenswelten in lebendigen Quartieren. Die nun vorliegende komplett überarbeitete Neuauflage behandelt darüber hinaus Themen und Leitbilder wie Resilienz und Smart Cities und ordnet diese in das übergreifende Prinzip der Nachhaltigkeit ein. Zentrales Anliegen des Buchs ist die integrative Planung, die in ihren Prozessen und Verfahren die verschiedensten sozialen, kulturellen, ökonomischen und ökologischen Ziele in ihren Wechselwirkungen analysiert, abwägt und zu ganzheitlichen Konzepten verbindet. Eine Auswahl internationaler Projekte gibt Anregungen, wie sich Aspekte nachhaltiger Planung unter den jeweiligen konkreten Rahmenbedingungen in der Praxis umsetzen lassen.

ISBN 978-3-95553-430-1

9 783955 534301

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Nachhaltige Stadtplanung  

Lebendige Quartiere – Smart Cities – Resilienz. Mehr Informationen und bestellen: https://bit.ly/2y5hvGb

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