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BIM Building Information Modeling I Management Band 2 Digitale Planungswerkzeuge in der interdisziplinären Anwendung Edition


Kapitel

BIM Building Information Modeling I Management Band 2 Digitale Planungswerkzeuge in der interdisziplinären Anwendung Eva Maria Herrmann I Tim Westphal (Hrsg.)

Edition

1


Inhalt Einführung S. 5 S. 6

BIM in Zahlen – Status quo Ergebnisse der Online-Umfrage 2017 bei DETAIL, ergänzt durch die Umfrage der Bergischen Universität Wuppertal und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)

S. 14

Der deutschsprachige BIM-Raum – wo stehen wir im globalen Kontext? Ein Überblick mit Auszügen aus einem Interview mit Mark Bew (UK) und Phil Bernstein (USA)

S.18

Architekt und Ingenieur – gemeinsam am digitalen Wendepunkt Bundesarchitektenkammer (BAK) und Bundesingenieurkammer (BIngK)

S. 20

BIM im Hochschulalltag Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Bergische Universität Wuppertal, BIM-Baumeister Akademie, Institut der Jade Hochschule

S. 22

Neues Architektenbild – ein Berufsstand im Umbruch? gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner und BIM Visual

Architekten I Planer S. 24

2

Editorial

Nachverfolgt – die Entwicklung von BIM seit 2015 Ein Resümee von ATP architekten ingenieure, Gerber Architekten, HWP Planungsgesellschaft, OBERMEYER Planen + Beraten, pos4 architekten / DEUBIM, wörner traxler richter planungsgesellschaft, Brechensbauer Weinhart + Partner Architekten, hammeskrause architekten

S. 42

Die Spielregeln bestimmen blauraum Architekten

S. 46

Arbeiten im BIM-Netzwerk – Kollaboration von Fachplanern und Architekten Bollinger + Grohmann Ingenieure und HENN

S. 50

Open BIM-Planung am Beispiel des Neubaus der Kreisklinik Groß-Umstadt Bollinger + Grohmann Ingenieure und ARGE Neubau Kreisklinik Groß-Umstadt

S.52

BIM im Vergleich – Norwegen und Deutschland Snøhetta und Hild und K

S. 60

BIM beim Fachplaner – Status, Ausblick, Schnittstellen ZWP Ingenieur-AG und Eisfeld Ingenieure

S. 64

Kollaboration und BIM als Mehrwert für ein komplexes Laborgebäude hks I architekten

S. 68

Ungehinderter Datenaustausch für alle Ralf Mosler und Christian Weiss

S. 70

BIM-Leistungen als Geschäftsmodell für das Architekturbüro Jundi Schrade Baumeister Architekten


Inhalt

Bauherr I Auftraggeber S. 74

Öffentliche Hand – mit gutem Vorbild voran Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

S. 76

BIM bei Volkswagen Financial Services – Referenzobjekt B11 Volkswagen Financial Services

S. 80

Digitalisierung lebt vom Machen – und zwar möglichst bald! F. Hoffmann-La Roche AG

S. 84

BIM-basiertes Planen, Bauen und Betreiben Fraport AG

Prozesse I Szenarien S. 86

DFAB HOUSE – vier neue digitale Bauverfahren in einem Gebäude ETH Zürich / NCCR Digital Fabrication

S. 90

Beton-3D-Druck auf der Baustelle TU Dresden

S. 92

Plotbot/Crawler – ein universell einsetzbarer Fassadenroboter BAU KUNST ERFINDEN, Uni Kassel

S. 94

Optimierte Planungsprozesse zur Verknüpfung von Planen und Bauen Fraunhofer IAO, designtoproduction, formitas AG

S. 98

Eintauchen und Handeln im virtuellen Raum Autodesk VR Excellence Center

S. 100

Parallelisierte Planungs- und Bauprozesse beim ersten Holz-Hochhaus der Schweiz ERNE AG Holzbau und Burkard Meyer Architekten

S. 104

Von der Vision zur Praxis – BIM-Projekte bei Wolff & Müller Wolff & Müller

Service I Bauprodukte S. 108

Moderne Zeiten – andere Strategien und Ziele = neue Risiken? VHV Allgemeine Versicherung AG

S. 110

Die Zeichen stehen auf BIM – Digitale Bauprodukte Bauproduktehersteller

S. 122

Jung goes BIM Albrecht Jung

Anhang S. 126 S. 133 S. 134 S. 136

BIM-Glossar Abkürzungen Bildnachweis, Quellenverzeichnis, Autoren Impressum

3


Digitale Transformation: In welchen Bereichen sehen Sie Deutschland dafür gut aufgestellt? 77,1 %

Produktionstechnik (Industrie 4.0) 55,4 %

Robotik (auch Service-Robotik)

50,1 %

Additive Manufacturing, 3D-Druck, Rapid Prototyping

39,8 %

Virtuelle Produktentwicklung

37,2 %

Mobilität

25,5 %

Agrartechnische Anwendungen

22,2 %

Visualisierungstechniken, Augmented Realtiy

20,2 %

Planung, Bau und Betrieb von Gebäuden (BIM)

17,6 %

E-Health

16,1 %

Entwicklung und Aufbau von Dienstleistungen- und Service-Plattformen

14,0 %

Neue Geschäftsmodelle auf Basis von Vernetzungen und Online-Plattformen Ortsbasierte Dienstleistungen

11,6 %

Stadtentwicklung

11,5 % 0%

20 %

2017 2016 40 %

60 %

80 % 100 %

Geschäftsmodelle auf der Basis von Daten und Vernetzung werden zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Inwieweit bereitet sich Ihr Unternehmen darauf vor?

Wir haben bereits großen Erfolg mit unseren neuen Geschäftsmodellen.

9,1 %

Wir haben neue Geschäftsmodelle am Markt platziert.

20,8 %

Wir sind bereits in einer prototypischen Testphase.

16,8 %

Es gibt einige Ideen zu Geschäftsmodellen, aber es gibt interne, organisatorische Hindernisse. Wir haben Geschäftsmodelle entwickelt, aber fehlende technologische Lösungen behindern die Umsetzung. Wir haben Geschäftsmodelle entwickelt, aber Datenschutz und IP-Schutz hindern uns an der Umsetzung. Wir haben Ideen, aber noch nicht die richtigen Partner.

23,1 % 5,5 % 6,7 % 12,6 %

Wir wissen nicht, wie wir systematisch neue Geschäftsmodelle entwickeln können.

7,7 %

Wir haben noch nicht über neue Geschäftsmodelle nachgedacht.

7,3 %

Keine Angabe

33,7 % 0%

20 %

40 %

Welchen Digitalisierungstrend sehen Sie für Ihren Arbeitsplatz als Effizienztreiber bzw. als „Konkurrenz“? Allgegenwärtige Information (zeitlich und räumlich) Big Data mit geeigneten Datenanalyseverfahren

56,2 %

10,5 %

Online-Hilfestellungen / Online-Beratung / Online-Dienste / Online-Angebote

50,4 %

15,2 %

Augmented Reality - d. h. direkte Unterstützung bei Tätigkeiten

47,8 %

7,7 %

Smart Services (automatisierte, intelligente Dienstleistungen)

44,0 %

16,3 %

Vernetzung über verschiedene soziale Netzwerke

13,3 %

Datengetriebene Geschäftsmodelle

16,9 %

41,2 % 36,1 % Effizienztreiber

9,6 % 9,6 %

Keinen 0%

4

62,9 %

13,1 %

20 %

"Konkurrenz" 40 %

60 %

80 %

Digitale Transformation hat in vielen Unternehmen die höchste Priorität, allerdings hakt es bei der Umsetzung. Eine VDI-Umfrage zur CeBIT 2017 (Erhebungszeitraum: 13. bis 27.02.2017, Stichprobengröße Gesamtauswertung: N = 630) zeigt, dass die größte Herausforderung für Unternehmen nicht ist, digitale Technologien und Prozesse rein technologisch zu beherrschen und weiter zu entwickeln, sondern geeignete Geschäftsmodelle zu konzipieren und umzusetzen. Quelle: VDI-Umfrage zur CeBIT vom 20.03.2017, vdi.de/digitaletransformation


Einführung

Editorial

Building Information Modeling kann und darf Spaß machen! Das ist eine wesentliche Erkenntnis, die wir bei der Erarbeitung der Textbeiträge und in den vielen Hintergrundgesprächen mit den Architekten und Fachplanern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Skandinavien für dieses Buch sammeln durften. Das ist insofern auch eine wesentliche Erkenntnis, neben den wirtschaftlichen Vorteilen, der Plan- und Terminsicherheit, einer neuen Kommunikationskultur – nur um einige der mit BIM verbundenen Besonderheiten und Qualitäten zu nennen –, weil damit die Methode Akzeptanz und Verständnis erfährt: Dinge beginnen meist Spaß zu bereiten, wenn man anfängt, sie zu verstehen oder sich erste Erfolge einstellen. Die Architekten und Ingenieure, Auftraggeber, Bauunternehmer und Institutionen, die im Folgenden zu Wort kommen werden, haben ihre sehr persönlichen Erfahrungen bei der BIM-Einführung gesammelt. Viele von ihnen waren im Vorfeld kritisch, was sie erwartet. Vor allem die veränderten Büro- und Arbeitsstrukturen, die BIM erfordert, stellten Architektenteams oder Büroleiter immer wieder vor große Herausforderungen bei der Implementierung: Wie lässt sich die Methode schnell und effizient im Büro einführen? Mit welchem Projekt steigt man ein? Wie wird das Team zusammengestellt, das am ersten BIM-Projekt arbeitet? Diese Fragen haben wir bereits im letzten Buch unter dem Titel „BIM – Building Information Modeling I Management, Methoden und Strategien für den Planungsprozess, Beispiele aus der Praxis“ im Jahr 2015 gestellt. Und erneut lassen wir sie beantworten – untermauert durch Erfahrungen, die die Protagonisten des ersten Buches sammeln durften und ergänzt durch neue Gesichter, die heute für BIM stehen und die wir um ihre Einschätzung des Status quo in Hinblick auf die Digitalisierung des Bauwesens und die Zukunft mit BIM gebeten haben. Damit entsteht ein tagesaktuelles Bild auf die Planungslandschaft, das erkennen lässt: BIM ist im Büro- und Baustellenalltag angekommen und der Planungsmethode gehört die Zukunft. Diese Einschätzung lässt sich mit einer Umfrage untermauern, die wir über die DETAIL-Webseite im Sommer 2017 durchgeführt haben. Über 300 Teilnehmer sprachen eine deutliche Sprache und äußerten sich größtenteils „pro BIM“ (S. 6 ff). Und dass Deutschland und Österreich sowie die Schweiz, bezogen auf die Einführung von BIM und die politische sowie wirtschaftliche Strategie dahinter, inzwischen viel weiter als 2015 sind, macht zuversichtlich für die Zukunft der Architekten und Fachplaner (S. 14 ff). Am besten lässt sich für eine Idee jedoch durch den gereiften Anwender begeistern. Daher haben wir nachgefragt, wie es den Protagonisten aus unserem ersten Band von 2015 heute ergeht und wie weit das digitale Planen und Bauen ihren Alltag bestimmt (S. 22 ff). Darüber hinaus konnten wir weitere Büros – mit einem teilweise sehr individuellen Umgang mit der Methode BIM – gewinnen. Es kommen Architekten und Fachplaner zu Wort, die ihren Weg zum Beispiel im großen und grenzübergreifenden BIM-Netzwerk gehen (S. 46 ff) oder ihre Nische in der Spezialisierung auf einzelne BIM-Leistungen (S. 70 ff) gefunden haben. Über BIM wird in einigen Jahren niemand mehr sprechen. Das ist ein Fakt. Denn es wird als Teil einer digitalen Planungskultur in dieser aufgehen. Spannend bleibt aber, wie sich die Bautechnik unter dem Einfluss von BIM entwickelt (S. 90 ff) und wie weit VR, AR oder MR (S. 94 ff und 98 f) auf den Baustellen Einzug halten werden. Hinzu kommt, dass sich die Bauindustrie ebenfalls der neuen Situation stellen muss und beginnt, ihre Produkte für das digitale Planen und Bauen auszurüsten (S. 108 ff). Es beruhigt ungemein, dass Architekturqualität weiterhin das bestimmende Element unserer gebauten Umwelt ist. Auch diese Erkenntnis ist ein wichtiges Ergebnis unserer Recherchen und eindeutiger Tenor aus den zahlreichen Interviews. Und mehr noch: Durch die Planungsmethode BIM wird der Architekt in die Lage versetzt, wichtige Kompetenzen zurückzugewinnen sowie neuen und kreativen Freiraum für den Entwurfsprozess zu schaffen. Wer das alles geschickt für sich zu nutzen weiß, ist gut gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft. Tim Westphal und Eva Maria Herrmann im November 2017

5


Ergebnisse der Online-Umfrage von 2017 bei DETAIL, ergänzt durch die Umfrage der Bergischen Universität Wuppertal und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)

BIM in Zahlen – Status quo Die Diskussion um die Perspektiven und Potenziale digitaler Planungsmethoden wie Building Information Modeling (BIM), die in anderen Branchen bereits etabliert sind, sind allgegenwärtig. Auf der einen Seite steht die Hoffnung auf eine durchgängige Prozesskette und damit mehr Transparenz und höhere Wirtschaftlichkeit, auf der anderen Seite bangt eine Branche um den letzten Rest Einfluss auf das Baugeschehen. In der im Jahr 2015 erschienenen Publikation BIM – Building Information Modeling I Management wurden zwei aktuelle Marktanalysen zur Implementierung der BIM-Methodik in Deutschland im Vergleich vorgestellt. Seither ist viel passiert, der Stufenplan Digitales Planen und Bauen ist verabschiedet, Pilotprojekte sind angeschoben. Doch wie sieht es mit der alltäglichen Umsetzung aus? Was hat sich verändert in den vergangenen Jahren? Aus welchen Gründen kommt die Planungsmethode BIM im Architekturbüro zum Einsatz – oder wird abgelehnt? Wir wollten wissen, wie Sie als Architekten und Planer zum Thema stehen, und hatten zwischen dem 10. Juli und 16. August 2017 auf www.detail.de eine Umfrage geschaltet. Die folgenden Grafiken und Informationen entsprechen den Fragen der Online-Umfrage, an der 312 Protagonisten aus der gesamten Wertschöpfungskette Bau teilnahmen. Die allgemeinen Fragen nach der Kenntnis und Verwendung von BIM (Fragen 1, 2) sind als Einführung vorangestellt. Uns interessierte auch die Gruppe der Nicht-Nutzer, hier in der Nummerierung dargestellt ab Frage 7 nach a (BIM-Nicht-Nutzer) und b (BIM-Nutzer). Untermauert wurde die OnlineUmfrage durch 50 ergänzende Telefoninterviews mit den Architektur- und Planungsbüros, die nach der nationalen Rankingliste des Baunetzes vom Juli 2017 die ersten 50 Plätze belegten.

(6) 2 % (1) 0 %

(53) 17 %

Vor mehr als 5 Jahren (152) 49 %

I.

Ergebnisse der BIM-Umfrage auf der Online-Plattform www.detail.de, Laufzeit 10. Juli bis 16. August 2017

1

Wann haben Sie das erste Mal von BIM gehört? (N = 312/312) (2017)

Vor mehr als 3 Jahren

BIM ist im Planungsalltag angekommen. 98 % der Befragten sind in den letzten fünf Jahren bereits mit dem Thema in Berührung gekommen.

Vor mehr als einem Jahr Erst vor Kurzem

(100) 32 %

Für mich ist BIM im Moment kein Thema.

1

2 (18) 6% Ja (67) 21 %

(122) 39 %

Nein Wir arbeiten aktuell an der Einführung Einführung ist geplant, aber noch nicht erfolgt.

(105) 34 % 2

6

Arbeiten Sie bereits nach der BIMMethode? (N = 312/312) (2017) In der Umsetzung zeigt sich ein differenziertes Bild. Während 39 % bereits nach der BIM-Methode arbeiten, lehnen 34 % der Befragten die Methode ab. 27 % der Befragten arbeiten bereits an der Einführung oder planen diese. Ein ähnliches Stimmungsbild zeigt sich in der qualifizierten telefonischen Umfrage bei 50 Architekturbüros im deutschsprachigen Raum: 72 % der Befragten arbeiten bereits nach der BIM-Methode oder sind in deren Einführung, während 28 % nicht nach BIM arbeiten.


Einführung

3

In welcher Fachrichtung sind Sie tätig? (N = 417/312 Teilnehmer, Mehrfachnennungen möglich) (2017) Planer (Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur, Stadtplanung, Tragwerksplanung, TGA): 340 / 82 % Bauherren, Projektsteuerung: 27 / 6 % Ausführende (Bauunternehmen, Hersteller / Bauwirtschaft): 35 / 8 % Öffentliche Hand: 3 / 1% Facility Management / Baubetrieb: 3 / 1 % Sonstige Dienstleistungen: 9 / 2 %

Architektur

252

Innenarchitektur

34

Landschaftsarchitektur

8

Stadtplanung

13

Tragwerksplanung

20

TGA

13

Bauherren / Bauherrenvertreter

12

Projektsteuerung

15

Verwaltung / öffentliche Hand

3

Bauunternehmen

20

Hersteller / Bauwirtschaft

15

Facility Management / Baubetrieb

3

Sonstige 3

9 0

50

100

150

200

250

300

(1) 0 % 4

Welche Rolle / Funktion haben Sie in Ihrem Büro / Unternehmen? (N = 312/312) (2017)

(14) (21) 5 % 7%

Die hohe Anzahl der Inhaber / Geschäftsführer in der Umfrage (30 %) zeigt den strategischen Stellenwert von BIM für die Unternehmen. 63 % der Befragten sind Angestellte und freie Mitarbeiter, 7 % Studenten.

Angestellter Inhaber / Geschäftsführer

(181) 58 %

(95) 30 %

Student Freier Mitarbeiter Sonstiges

4

(8) 3 % 5

Wie viele Jahre sind Sie in Ihrem Beruf tätig? (N = 292/312) (2017)

(1) 0 %

(27) 9%

Entgegen dem allgemeinem Empfinden ist der Anteil der jungen Architekten mit einer Berufserfahrung von 0 bis 9 Jahren mit 38 % hoch. Die Gruppe der erfahrenen Protagonisten in der Bauwirtschaft (10 bis 29 Jahre Berufserfahrung) ist mit zusammen 50 % besonders hoch.

0 – 9 Jahre (110) 38 % (71) 24 %

10 – 19 Jahre 20 – 29 Jahre 30 – 39 Jahre 40 – 49 Jahre

(75) 26 %

50+ Jahre

5

6

Wie groß ist das Büro / Unternehmen? (N = 312/312) (2017) (54) 17 %

44 % der Befragten arbeiten in einem Unternehmen mit maximal neun und 17 % in einer Firma mit bis zu 20 Mitarbeitern. 22 % arbeiten in Unternehmen mit 21 bis 100 Mitarbeitern. 17 % der Teilnehmer gehören zu einem Unternehmen mit über 100 Beschäftigten.

1 – 9 Mitarbeiter

(16) 5 %

(137) 44 %

10 – 20 Mitarbeiter 21 – 50 Mitarbeiter 51 – 100 Mitarbeiter

(54) 17 %

> 100 Mitarbeiter (51) 17 %

6

7


BIM entspricht nicht dem klassischen (künstlerischen) Berufsbild des Architekten. Zu hohe Kosten in der Anschaffung / Umstellung auf eine neue Software

7a Warum arbeiten Sie nicht nach der BIMMethode? (N = 295 / 105 Teilnehmer, Mehrfachnennungen möglich) (2017)

13 22

Zu hohe Kosten für Schulungen der Mitarbeiter

26

Ich habe aktuell gar keine Zeit, mich damit zu beschäftigen. Die Bauherrn fordern es nicht ein und benötigen es auch noch nicht. Die Fachplaner sind noch nicht so weit und planen nicht mit BIM.

44 46 40

Die Honorarfrage ist unklar.

33

Die Haftungs-/Gewährleistungsfrage ist unklar.

20

Die Urheberrechtsfrage ist unklar.

15

Der hohe Informationsgehalt des Gebäudemodells ist nicht zu handhaben.

29

Sonstige 7a

7 0

10

20

Größere Marktakzeptanz

30

40

50

8a Was wäre ein Anreiz für den Umstieg? (N = 164 / 105 Teilnehmer, Mehrfachnennungen möglich) (2017)

26

Gesetzlicher Zwang

30

Forderung der Bauherren

46

Forderung der Projektbeteiligten

46

Sonstige 8a

16 0

10

20

30

40

50

Wie sich bereits in den Umfragen aus 2013 („Building Information Modeling – Potenziale, Hemmnisse, Handlungsplan“, Karlsruher Institut für Technologie KIT) und 2015 („Digitale Planungsund Fertigungsmethoden“, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO) zeigte, sind die Vorbehalte zur Einführung der BIM-Methode noch immer groß. 105 von 312 Teilnehmern der Online-Umfrage sprechen sich gegen BIM aus, während die Zahl der Nicht-Nutzer in der im Nachgang geführten Telefonumfrage bei ca. 20 % der Befragten liegt. Dabei lag die Bandbreite der Argumentation von „BIM ist der Tod der Architektur“ bis zum Eindruck, dass viele die Vorteile von BIM – effizientere Abläufe in den Planungsphasen und bessere Kommunikation mit den Planungsbeteiligten – gern nutzen wollen, aber noch nicht genau wissen, wie das gehen soll. Die größten Hürden liegen noch immer in den nicht vorhandenen nationalen Normen und Richtlinien, auch für die Klassifizierung von Attributen und dem Aufbau eines allgemein gültigen Merkmalservers (vor allem für den Aufbau von BIM-Objekten). Zudem gibt es für viele Begrifflichkeiten unterschiedliche Definitionen; ein einheitliches Glossar würde helfen, zumindest die Aufgaben und Ergebnistiefe festzulegen. Ein weiteres Hemmnis sind die unklaren Anforderungen von Bauherren- und Auftraggeberseite. Auf der einen Seite sträuben sich viele Protagonisten gegen ein Zuviel an Anforderung und Reglementierung, überlassen die Normierungsarbeit aber größtenteils den Institutionen und Verbänden, andererseits erwarten die Architekten und Planer konkrete, aber auch nur sinnvolle Anforderungen vonseiten des Betriebs. Problematisch wird es auch, wenn nicht alle Leistungsphasen für ein Projekt beauftragt sind und der stete Wechsel bei den Ansprechpartnern und der Softwarelösung das zuvor aufgebaute Wissen in Frage stellt. Ebenso sind die Aussagen zu Aufwand und Kosten für die Anschaffung neuer Software und die Schulung der Mitarbeiter nicht zu vernachlässigen. Mit der Anschaffung der passenden Software ist es aber nicht getan. So lange einzelne Softwareformate nicht kompatibel sind und die IFC-Schnittstelle nur in eine Richtung ohne Feedbackschleife funktioniert, wird sich die abwartende Haltung in der Planerlandschaft nicht verändern.

8

Die Gründe gegen die Arbeit mit BIM sind vielfältig. Sei es die Sorge um das klassische Berufsbild (5 %), die Komplexität der Handhabung (10 %) oder der Zeitfaktor (15 %). Die unklaren Rahmenbedingungen (Urheberrecht, Haftung / Gewährleistung und Honorarfragen) hindern 23 % der Befragten an der Umsetzung. Die Zusammenarbeit mit den Fachplanern auf konventioneller Ebene machen 13 % aus, während die nicht vorhandenen Auftraggeberanforderungen 16 % der Befragten als Hinderungsgrund benennen. Mit 16 % machen einen nicht unerheblichen Faktor die zu erwartenden hohen Kosten für Anschaffung und Schulung aus.

Anreize für die Implementierung der BIMMethode sind weniger unternehmerischer und strategischer Art, sondern die Reaktion auf gestellte Anforderungen – vom gesetzlichen Zwang (18 %) bis zu Forderungen der Auftraggeber (28 %) und Projektbeteiligten (28 %). 16 % der Befragten warten auf eine größere Marktakzeptanz.


Einführung

7b Welche Vorteile sehen Sie in der BIMMethode? (N = 967 / 207 Teilnehmer, Mehrfachnennungen möglich) (2017) Wie bereits in den Umfragen aus 2013 kristallisieren sich folgende Benefits bei der BIM-Methode heraus: ∫ Verringerung des Fehlerpotenzials ∫ Verbesserung der Kommunikation und Nutzung der Synergieeffekte ∫ Qualitätssteigerung durch Verbesserung der Datenqualität ∫ Wirtschaftlichkeit in der Abwicklung der Projekte ∫ Effizienzsteigerung von Materialeinsatz und Budgetkontrolle.

Verbesserte Planung der Projekte durch weniger Fehlerpotenzial

153

Höhere Kosteneffizienz bei der Abwicklung von Projekten Verbesserte Kostenkalkulation und Kostenkontrolle Verbesserte Kommunikation aller Beteiligten im Planungs- und Bauprozess Materialeffizientere Realisierung von Gebäuden (also Ressourcenschonender Material- und Werkstoffeinsatz) Verbesserung der eigenen Wertschöpfung (mehr Umsatz und mehr Gewinn für das eigene Unternehmen) Größere Datengenauigkeit und damit Qualitätssteigerung im Planungs- und Bauprozess

75 83 146 43 60

120

Mehr Gestaltungsmöglichkeiten in der Architektur

33

Übernahme des BIM-Datenmodells in den Gebäudebetrieb Ich sehe BIM als Marketinginstrument und Wettbewerbsvorteil. Damit kann ich mich gegenüber anderen Kollegen absetzen.

68 75

Synergieeffekte mit Planungskollegen, Bauherren und Betreibern

104

Sonstige 7b

7 0

8b Seit wann arbeiten Sie nach der BIMMethode? (N = 207 / 207) (2017)

20

40

60

80

100 120 140 160 180

(11) 5%

Der Anstieg der BIM Nutzer seit der letzten Umfrage des KIT von 2013 („Building Information Modeling – Potenziale, Hemmnisse, Handlungsplan“, Karlsruher Institut für Technologie, Fachgebiet Building Lifecycle Management) ist signifikant: 53 % der Befragten haben in den letzten zwei Jahren BIM implementiert. 5 % der Befragten sind „Early Adopter“ und arbeiten bereits seit über 10 Jahren nach der BIM-Methode.

(31) 15 %

0 – 2 Jahre 3 – 5 Jahre

(107) 53 %

(55) 27 %

6 – 10 Jahre über 10 Jahren

8b

9b Was war der Grund für den Einstieg in die BIM-Methode? (N = 237 / 207 Teilnehmer, Mehrfachnennungen möglich) (2017) Im Gegensatz zu den Nicht-Nutzern ist der meistgenannte Grund für den Einstieg in die BIM-Methode die strategische Unternehmerentscheidung.

Forderung der Bauherren

31

Forderung der Projektbeteiligten

22

Strategische Entscheidung zur Differenzierung zum Wettbewerb

139

Sonstige 9b

45 0

20

40

60

80

100

120

140

160

10b Sie arbeiten bereits mit BIM. Wie intensiv nutzen Sie die Methode (in Prozent)? (N = 207 / 207) (2017) In Relation zur Entwicklung der Nutzung aus Frage 8b, in der 53 % der Büros seit 2 Jahren mit BIM arbeitet, erklärt sich die Verteilung der prozentualen Nutzung der Projekte nach BIM. Die qualifizierte Telefonumfrage bestätigt die Ergebnisse. Ein Großteil der befragten Büros bejahte die Herangehensweise über hausinterne Pilotprojekte und den schrittweisen Übergang zu BIM, vorrangig durch neue Projekte.

(48) 23 %

< 25 % der Projekte

(89) 43 %

50 % der Projekte 75 % der Projekte

(37) 18 %

100 % der Projekte

(33) 16 % 10b

9


Ein Überblick von Tim Westphal zur aktuellen Situation im Bereich Digitale Planung mit BIM mit Auszügen aus einem Interview mit Marc Bew, BIM Task Group / UK, und Phil Bernstein, Professor an der Yale University, New Haven, Connecticut / USA

Der deutschsprachige BIM-Raum – wo stehen wir im globalen Kontext? Building Information Modeling, die Digitalisierung des Planen und Bauens und der kollaborative Arbeitsprozess, offen und transparent für alle Planungsbeteiligten – aktuell sind dies noch Wunschvorstellungen. Die Entwicklung und Etablierung der Planungsmethode BIM im globalen, gesamteuropäischen und im wirtschaftsstarken DACH-Raum verläuft weiterhin sehr heterogen und in den Ländern noch immer stark regional orientiert. Bestrebungen, auf der jeweiligen nationalen Ebene Planungsabläufe zu definieren, also den BIM-Prozess zu beschreiben, gibt es selbstverständlich. Sie spiegeln sich in nationalen Verordnungen und/oder Normen wider, jedoch nur mehr oder minder vergleichbar. Hinzu kommt, dass der Druck aus Wirtschaft und Politik, BIM als verpflichtende Planungsmethode einzusetzen, weiter wächst. In Norwegen gilt BIM für öffentliche Gebäude bereits seit 2010, in Großbritannien ist es seit 2016 verpflichtend. Stück für Stück ziehen weitere große europäische Wirtschaftsnationen nach. Damit steigt an diesen Märkten ebenfalls der Druck auf Architekten und Ingenieure, mit BIM zu planen. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn sowohl die nationalen Bestrebungen auf deutscher Seite, vorangetrieben durch die zwei Bundesministerien BMUB und BMVI als auch die nationalen Normen in Österreich (Ö-Norm A 6241-1 und A 6241-2) oder wichtige Impulse, die das netzwerk_digital in der Schweiz setzen wird, lassen nicht darüber hinwegsehen: Europäische Standards sind weiterhin und zwingend erforderlich. Denn Planen und Bauen endet schon lange nicht mehr an der Landesgrenze. Und Großprojekte werden oftmals europäisch ausgeschrieben. Umso wichtiger ist dann die Kommunikation und Interaktion mit einheitlichen Standards. Ohnehin ist in den vergangenen zwei Jahren immer deutlicher geworden, dass die wirtschaftlich starken Europäer, im Speziellen Deutschland, Österreich und die Schweiz (DACH-Raum) BIM keineswegs verschlafen haben. Auch, wenn das gern einmal behauptet wird. Auf einer Fachveranstaltung der Zeitschrift DETAIL in Kooperation mit dem BBSR und dem BMUB stellte Anica Meins-Becker vom Baubetriebslehrstuhl der Bergischen Universität Wuppertal klar, dass vor allem drei Dinge bei der BIM-Etablierung vorrangig zu beachten sind: das Neudenken der Prozesse, die Technologie und der Mensch hinter BIM. Um die Technologie zu verstehen ist es

Planung

Entwurf

Gewerkekoordination

Raumprogramm Variantenstudien

Kostenermittlung

∫ Erlass des BMUB vom 16.1.2017: Ab 5 Mio. € brutto und bei zivilen Neu-, Umund Erweiterungsbau-Vorhaben soll der Einsatz digitaler Mittel bereits bei der Bedarfsermittlung geprüft werden. Die digitalen Werkzeuge in der Planung und deren Vorteile zu einer Effizienzsteigerung und Erhöhung der Wirtschaftlichkeit eines Bauvorhabens sind ebenfalls auf ihre Sinnhaftigkeit zu prüfen und möglichst aktiv zu nutzen. Das klingt nach einem Paukenschlag: Erlass heißt im Normalfall sofortige Umsetzung. Also ist BIM ab 5 Mio. € verpflichtend? Jein, denn ob und inwieweit digitale Werkzeuge in die Planung eingebunden werden, ist nach Prüfung zu entscheiden. Und diese kann (theoretisch) auch gegen BIM ausfallen. ∫ Der Stufenplan des BMVI zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens sieht vor: 1. Stufe: Erste Pilotprojekte und wissenschaftliche Begleitung sowie die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen (2015 bis 2017), 2. Stufe: weitere Pilotprojekte, die auf BIM-Level 1 abzuarbeiten sind, sowie Konzeptentwicklung für BIM-Datenbanken (2017 bis 2020), 3. Stufe: regelmäßige Implementierung von BIM-Level 1 bei allen Infrastrukturprojekten (ab 2020). ∫ Die Ö-Norm A 6241-1 regelt den Datenaustausch und die Datenhaltung der Gebäudeinformationen im Hochbau und für bauwerksähnliche Projekte im Tiefbau sowie die Daten, die für den Betrieb und das Management von Immobilien notwendig sind. ∫ In der Ö-Norm A 6241-2 wird die technische Umsetzung eines einheitlichen Datenmodells für den Hochbau und für bauwerksähnliche Projekte im Tiefbau auf Informationstiefe nach BIM Level 3 (auch iBIM) beschrieben. Siehe hierzu auch Tabelle S. 131. ∫ Zitat Anica Meins-Becker: www.detail.de/artikel/transdisziplinaerdigitalisierte-bauprozesse-undmethoden-29095

Konzeptionelles Design Simulation, Berechnungen Ausführung

Rückbau

Bauablaufsimulation Building Information Model (BIM)

Umbau

Baufortschrittskontrolle

Recycling Baustellenlogistik Revitalisierung

Abrechnung

Bewirtschaftung 1

14

Facility Management, Wartung, Betriebskosten

1

Der „BIM-Kreis“ geistert in hunderten von Abwandlungen und Varianten durch das Internet sowie durch Anwenderforen und Präsentationen auf den BIM-Kongressen. Diese Darstellung zeigt die ganzheitliche Betrachtungsweise hinter der Methode: Im Sinne einer Gebäudelebenszyklusbetrachtung müssen alle Phasen, vom Entwurf bis zum Rückbau, einfließen.


Einführung

UK: BIM verpflichtend seit 2016 für öffentliche Gebäude und Bausummen über 5 Mio. £ sowie Einführung Level 2 BIM

USA: GSA, U.S. Army und buildingSMART Alliance mit National BIM Standard United States, Vers. 3

Frankreich: Plan Transition Numérique dans le Bâtiment und Richtlinie 2014/24/EU, BIM ab 2017 gefordert

Skandinavien: Dänemark (seit 2006), Finnland (seit 2007) und Norwegen (seit 2010) schreiben die BIM-Nutzung verbindlich vor. Deutschland: BMUB-Erlass vom 16.1.2017: BIM-Einsatz prüfen ab Bausumme 5 Mio. €; Stufenplan des BMVI: BIM ab 2020 verpflichtend Niederlande: RVB BIM Norm v1.1 von 2013 sowie seit 2016 das Basic Information Delivery Manual (IDM)

Österreich: Austrian Standards, Einführung der BIMNormenreihe Ö-Norm A 6241 Teil 1 und 2 sowie des freeBIM-Merkmalsservers

China: Hong Kong Institute of Building Information Modelling (HKIBIM), China BIM Union, initiiert vom Ministerium für Wissenschaft und Technologie Australien: Einführung der AS ISO 16739:2017 als Adaption der EN ISO 16739 zu IFC 4 und Open BIM-Ansatz, noch kein offizielles BIM-Mandat realisiert

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Es bewegt sich etwas auf dem internationalen Markt der BIM-Anwendung und Digitalisierung: Die großen Wirtschaftsnationen haben die Notwendigkeit erkannt, BIM als verbindliches Planungswerkzeugt zumindest mittelfristig, einzuführen. Vor allem Österreich (mit Ö-Norm und BIM-Merkmalserver) und Deutschland haben in den vergangenen zwei Jahren die Weichen eindeutig in Richtung Digitalisierung gestellt. Quellen: www.geospatial.com, www.standards.org.au, www.planenbauen40.de

wichtig, solche Projekte zu monitoren und deren spezifische Parameter auf ein allgemeingültiges Level zu bringen. In Wuppertal fördert das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) allein vier BIM-Projekte. Und diese Projekte setzen in der Praxis an: Anhand von Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) entwickelt die Universität Checklisten für den realen Einsatz im BIM-Projekt. Und beantwortet die Fragen: Welche Daten sind relevant? Wer benötigt an einer bestimmten Stelle des Planungsprozesses welche Informationen und Detailtiefe und in was für einem Dateiformat? Und wie ist der BIM-Prozess zu beschreiben und damit zu strukturieren? Die Untersuchung der Schnittstellen zwischen den Fachplanern und weiteren am Bau Beteiligten lässt unter anderem folgenden Schluss zu: Es existiert die idealtypische Prozesskette. Ebenso spannend ist die Situation in Österreich. Im Juli 2015 stellte Austrian Standards die Ö-Norm A A6241-2 „Digitale Bauwerksdokumentation - Building Information Modeling (BIM) – Level 3-iBIM“ vor. Die Norm beschreibt, wie grafische Daten komplexer digitaler Datenmodelle strukturiert werden müssen und wie Gebäudedaten und -informationen zwischen den an der Planung Beteiligten auszutauschen sind. Ziel ist es, im Zusammenspiel mit IFC 4 und den Folgestandards den Gesamtlebenszyklus des Gebäudes abbilden zu können. Hierfür haben die Österreicher ergänzend einen Merkmalserver erstellt. Dies ist eine Datenbank, die in Zusammenarbeit mit dem Forschungsprojekt „freeBIM Tirol“ entstand und in der Eigenschaften von Bauteilen und Materialien gesammelt, ergänzt und überarbeitet werden. Vereinfacht dargestellt ist es das Ziel, die beschreibenden Eigenschaften von Bauteil und Material mit dem sog. bSDD (buildingSMART Data Dictionary) abzugleichen und um neue Werte zu ergänzen. In der Folge erhält jeder Parameter eine spezifische GUID (Globally Unique Identifier), wodurch die Bauteil-Eigenschaften eindeutig und unabhängig von der Sprache definiert werden können. Ergänzende Informationen wie Produktdaten lassen sich ebenfalls verknüpfen, sodass Modelldaten und hinterlegte Attribute Bauteil und Material umfassend beschreiben. Das Konzept des Merkmalservers ist wesentlich für die Einführung des Level 3-iBIM-Standards. Konzept und das gewonnene Know-how aus dem Einsatz des Merkmalservers, der bisher einzigartig im europäischen Raum ist, fließen ein in eine neue BIM-Europa-Norm (CEN/TC 442) in Form einer internationalen Arbeitsgruppe (CEN/CT 442/WG3). Diese wird von Österreich geleitet. In der Schweiz konstituierte sich im Herbst 2017 die Initiative netzwerk_digital, eine Arbeitsgemeinschaft des Schweizerischen Architekten und Ingenieurvereins SIA, der Schweizerischen

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ISO

CEN

DIN

VDI

ISO/TC 59/SC 13 (SN)

CEN/TC 442 (SN)

NA 005-01-39 AA

Koordinierungskreis BIM

ISO/TC 59/SC 13/TF 02 (BSI) Business Planning and Strategy

CEN/TC 442/WG 1 (BSI) Strategy

NA 005-01-39-01-AK Strategie

VDI 2552 Blatt 1 BIM – Rahmenrichtlinie VDI 2552 Blatt 2 BIM – Begriffe und Definitionen

ISO/TC 59/SC 13/JWG 12 (SN) Develoment of Construction Data Related Standards

CEN/TC 442/WG 2 (DIN) Information Exchanges

NA 005-01-39-02-AK Datenaustausch, Anforderungen, Formate

VDI 2552 Blatt 3 BIM – Mengen und Controlling VDI 2552 Blatt 6 BIM – Facility Management VDI 2552 Blatt 4 BIM – Modellinhalte und Datenaustausch VDI 2552 Blatt 7 BIM – Prozesse

CEN/TC 442/WG 3 (ASI) Information Delivery

NA 005-01-39-03 AK Information Management mit BIM

VDI 2552 Blatt 1 BIM – Rahmenrichtlinie VDI 2552 Blatt 3 BIM – Mengen und Controlling VDI 2552 Blatt 5 BIM – Datenmanagement VDI 2552 Blatt 6 BIM – Facility Management VDI 2552 Blatt 7 BIM – Prozesse

CEN/TC 442/WG 4 (AFNOR) Support Data Dictionaries

NA 005-01-39-04 AK Dictionaries, Kataloge

ISO/TC 59/SC 13/WG 8 (NEN) Information Delivery Manual ISO/TC 59/SC 13/WG 13 (BSI) Collaborative Working over Lifecyle

ISO/TC 59/SC 13/WG 2 (DS) Not active

VDI 2552 Blatt 9 BIM – Klassifikationen

VDI 2552 Blatt 8 BIM – Qualifikationen

ISO/TC 59/SC 13/WG 11 (DIN) Product Data for Building Services Systems Models

CEN/TC 442/WG 2 (DIN) Information Exchanges CEN/TC 442/WG 4 (AFNOR) Support Data Dictionaries

NA 041-01-71 GA Datenstrukturen für elektronische Produktkataloge der Technischen Gebäudeausrüstung

VDI 3805 Blatt 1 – Produktdatenaustausch in der Technischen Gebäudeausrüstung VDI 3805 Blätter: 2 – 11, 14, 16 – 20, 22, 23, 25, 29, 32, 35, 37, 99, 100

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Zentrale für Baurationalisierung CRB, der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren KBOB, der Interessengemeinschaft privater professioneller Bauherren IPB und Bauen digital Schweiz. Diese Plattform wurde erstmals im größeren Rahmen auf der Swissbau 2018 vorgestellt. Die verschiedenen Partner stehen dabei für die verschiedenen Schwerpunkte der Digitalisierung im Schweizer Markt. Der SIA koordiniert die technische und organisatorische Normierung und wirkt beim Europäischen Komitee für Normung CEN und ISO mit. Die CRB soll die notwendige Standardisierung und eine nachhaltige Lebenszyklusbetrachtung forcieren und Vertrags- und Kostensicherheit fokussieren. KBOB und IPB stehen im Netzwerk mit ihrer Reputation und Marktkenntnis für öffentliche und private Auftraggeber, geben Empfehlungen ab und sorgen ebenfalls für Kostensicherheit und Vertragstransparenz. Wichtiges Bindeglied zur buildingSMART und dem damit verbundenen internationalen und globalen Austausch und Abgleich zum Thema BIM ist die Bauen digital Schweiz. Bereits mitten im digitalen Zeitenwandel formierten sich auf europäischer Ebene die EU BIM Task Group und das Technische Komitee CEN/TC 442 Building Information Modeling (BIM), die BIM in absehbarer Zeit auf internationales Anwendungslevel heben sollen. Beide Gruppen arbeiten autark und länderübergreifend. Die EU BIM Task Group, gegründet im Januar 2016 und unter norwegischem Vorsitz, vereint heute mehr als 20 Länder unter ihrem Dach. Das CEN-Komitee konstituierte sich im September 2015. Beide sind seit Längerem in der Arbeitsphase. Die Ziele, die sie sich die EU BIM Task Group vorgenommen hat: die nationalen Anstrengungen in einer gemeinsamen und aufeinander abgestimmten europäischen Vorgehensweise zu vereinen, die eine digitale europäische Bauwirtschaft auf Weltniveau zum Ziel hat und zur Stärkung des „digital single markets“ in Europa signifikant beitragen will. Das CEN-Komitee wiederum widmet sich der Standardisierung der Daten und der Inhalte. Im ersten Schritt hat es festgelegt, welche ISONormen in die europäische Normung übernommen werden. Im CEN-Ausschuss arbeiten vier Arbeitsgruppen, die von verschiedenen Ländervorsitzen geführt werden. Eine erste Norm ist bereits gültig: Die EN ISO 16739 regelt, dass das offene Austauschformat IFC 4 zu einer europäischen Datenstandard-Norm wird. Damit ist die Basis für den länderübergreifenden Open BIM-Gedanken gelegt: unabhängig von Softwarelösung und Planungsaufgabe miteinander

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3

Die BIM-Gremien auf der Ebene ISO (international), CEN (europäisch), DIN (deutsch) und VDI. Gut zu sehen ist hier, wie die Normungsarbeit bis in die Verbandsebene (VDI) zurückgeführt werden kann. Quelle: VDI e. V., Building information Modeling, VDI-Richtlinien zur Zielerreichung, 4. überarbeitete Auflage

∫ netzwerk_digital/CRB Schweizerische Zentralstelle für Baurationalisierung www.netzwerk-digital.ch/de www.crb.ch

∫ Relevante Normen und Richtlinien, siehe S. 132


Einführung

korrespondierende Informationen auszutauschen. Die Softwarehersteller, allen voran die Mitglieder der IAI und heutigen buildingSMART, in der unter anderem große BIM-Softwarehersteller wie Autodesk, Nemetschek Allplan, ComputerWorks und Graphisoft aktiv sind, sehen hierin eine wesentliche Triebfeder für die erfolgreiche Arbeit mit der Planungsmethode. Das Phänomen BIM wird ohnehin, so die Fachleute, in wenigen Jahren im digitalen Planen, Bauen und Betreiben aufgehen und dann zum „Stand der Technik“. Damit tritt ein Phänomen zutage, ähnlich der fast verebbten Nachhaltigkeitsdiskussion, die wir in den vergangenen Jahren in Europa auch im Bausektor geführt haben – und durch die zahlreiche wichtige Normen und Verordnungen angestoßen wurden. Die in der damaligen Diskussion verlautbarten Forderungen sind nun Stand der Technik und umfassend beschrieben. Dieser Weg ist im Zuge der Digitalisierung des Bauwesens schon heute für BIM als Planungsswerkzeug und Planungsmethode vorgezeichnet. Umso wichtiger ist es, Architekten und Fachplanern die Angst vor dieser unbekannten Planungsmethode zu nehmen. In anderen europäischen Ländern und Regionen, allen voran UK und Skandinavien, ist BIM bereits gesetzt. Der US-Markt funktioniert im BIM-Vergleich nach eigenen Marktgesetzen und anders als die diversifizierten Architekturmärkte Deutschland, Österreich und die Schweiz. Durch die Planungskultur in den Staaten, wo der Architekt und sein Leistungsportfolio vorwiegend für die Entwurfsplanung und meist bis zur Baugenehmigung in Anspruch genommen werden, ist der Bruch in der Durchgängigkeit der digitalen Arbeitsweise geringer: Der Bauunternehmer setzt die Entwurfsplanung im Zuge der Ausführungsplanung als BIM-Modell um. Eine Neumodellierung nach seinen spezifischen Arbeits- und Projektparametern ist die Folge – verbunden mit allen daraus resultierenden Vorteilen wie Datenkonsistenz, Wirtschaftlichkeit durch geringe Fehlerquote und Effizienz dank abgestimmter Bauabläufe. Für die US-Bauwirtschaft läge der Mehrwert also eindeutig auf der Hand: Verbesserung des Profits durch die BIM-Methode.

∫ Autodesk mit der BIM-Software Revit stellt sein E-Book „Das Ineffizienz-Problem – Das Geheimnis des Erfolgs für die Bauindustrie“ als kostenlosen Download zur Verfügung: http://autode.sk/BIMebook

Doch diese Erkenntnis ist nicht überall angekommen. Im Rahmen einer Veranstaltung bei Autodesk in Boston führten wir ein Interview mit Phil Bernstein, Professor an der Yale University, und Mark Bew, Leiter der BIM Task Group UK, in dem beide wichtige Problempunkte benannten. Phil Bernstein: „Die US-Bauindustrie ist sehr konservativ geprägt und würde eine Einflussnahme auf das Bauen seitens der Regierung, so wie in UK, nicht akzeptieren. Hinzu kommt, dass der Mehrwert durch BIM für die öffentliche Hand in den USA geringer ausfällt, weil wir so viele Verwaltungsebenen haben: Bundesebene, Landesebene, Bezirksebene, Stadtverwaltung. Diese stimmen sich nicht ab, was ihre Vorgehensweise und Strategie betrifft.“ Mark Bew ergänzt: „Ein Großteil der öffentlichen Investitionen geht in den Infrastrukturbereich. Hier die notwendigen Werkzeuge zu haben, Transparenz bei den Ausgaben, ist wichtig. Denn letztlich sind es Steuergelder, die wir ausgeben und der Steuerzahler möchte wissen, wo sein Geld bleibt. Wir sparen viel Geld mit BIM, das dann zum Beispiel in soziale Bereiche gehen kann.“ Befragt nach dem Risiko, das BIM für die Architekten bedeuten kann, antwortet Marc Bew: „Das größte Risiko für die Architekten ist es, gar nichts zu tun. Es gibt einen globalen Wettbewerb um die Projekte, in dem BIM einen immer größeren Stellenwert einnimmt. Damit muss sich jeder auseinandersetzen und dafür gerüstet sein.“ Und Phil Bernstein erläutert die Situation in den USA: „Aktuell gibt es eine große Diskussion darüber, wie stark das maschinelle Lernen, die Programmierung und Berechnung den Entwurfsprozess beeinflussen werden. Es gibt zwei Lager unter den Lehrenden. Die einen sagen, dass wir Architekten nie durch Computer ersetzen können. Und die anderen meinen: Wenn wir die Werkzeuge verbessern, die Datenqualität und die Informationstiefe erhöhen – können wir dann nicht auch Gestaltungsqualität erhöhen? Die Frage ist also, ob Architekten in Zukunft darauf reduziert werden, Black Boxes zu entwerfen, für die sie in ihrem parametrischen Computerprogramm nur die Parameter und Anforderungen eingeben.“ Ob sich die Arbeit des Architekten in Zukunft auf den parametrischen Entwurf von Black Boxes essenzieren lässt, weiß niemand. Das momentane Bild der Branche zeigt aber, dass vor allem der Open BIM Gedanke, Interdisziplinarität und neue Netzwerke notwendig sind, um in Zukunft in Europa als deutscher, österreichischer oder Schweizer Architekt weiterhin große und überregionale Projekte planen zu können. Die technischen Grundlagen dafür sind gelegt und die Normenbasis wird aktuell geschaffen. Nun muss jeder seinen Platz in dieser neuen Arbeitswelt finden.

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Eva Maria Herrmann im Gespräch mit Architekten und Planern, die 2015 für die erste BIM-Publikation von DETAIL nach deren Strategien und Erfahrungen befragt wurden

Nachverfolgt – die Entwicklung von BIM seit 2015 Für die BIM-Publikation 2015 von DETAIL gaben zahlreiche Architekturbüros und Generalplaner Einblick in ihren Umgang mit BIM – strategisch und operativ. Zwei Jahre später treffen wir einige Protagonisten wieder, um sie zu ihren Erfahrungen und Visionen für die Zukunft zu befragen.

Prof. DI Arch. Christoph M. Achammer, ATP architekten ingenieure, Innsbruck / Österreich »Die große Herausforderung bei der integralen Planung liegt in der Denkweise der Planer, nicht in der Funktionsweise der Software« war eine der zentralen Aussagen aus dem ersten Band von 2015. Als Pionier der integralen Planung und der Nutzung der BIM-Methode als ideales Werkzeug hierfür haben ATP die Planungsweise perfektioniert.

Was hat sich in Ihrem Büro seit 2015 konkret weiterentwickelt?

Was hat Sie am meisten überrascht, seit der Einführung der Methode?

Wir arbeiten zwischenzeitlich in allen Gesamtplanungsstandorten in den Disziplinen Architektur, Tragwerksplanung und Haustechnik in digitalen Modellen und haben in 50 % aller Fälle unsere hausinterne Kommunikation von planorientiert auf modellorientiert umgestellt (Planungsbesprechungen auf großen Bildschirmen oder über Beamer und da und dort über Datenbrillen). Darüber hinaus haben wir alle unsere Templates und BauteilFamilien standardisiert und stellen unser firmenweites BIMpedia – über unsere Beteiligung Plandata BIM solutions – auch dem Markt zur Verfügung. Wir sind dabei, die Themenbereiche BIM to AVA, BIM to Cost und BIM to Facility Management unternehmensweit umzusetzen.

Die größten Überraschungen liefern weiterhin die zum Teil noch fehleranfälligen Softwarelösungen, insbesondere vor dem Hintergrund kontinentaleuropäischer Anwendungserfordernisse. Positiv überrascht haben uns kleine und mittlere Ausführungsunternehmen, die ähnlich wie wir die Vorteile der Digitalisierung der Bauindustrie nutzen wollen. Darüber hinaus haben unsere Design- & Research-Einheiten für Wettbewerbsarbeiten ebenfalls auf digitale Modellbearbeitung umgestellt. Weiterhin sehr aufwendig sind die Entwicklungsschritte zu den im BIMProzess verankerten Ausschreibungsunterlagen und Kosten.

∫ www.bimpedia.eu

Welche Erfahrungen haben Sie in der konkreten Umsetzung gemacht?

∫ BIM Building Information Modeling I Management, Band 1, 2015 S. 32, „Integrale Planung ist Kopfsache“

Bei der Umsetzung nutzen wir unseren Vorteil eines integralen Planers mit hauseigenen Architekten und Ingenieuren, die in einem geschlossenen System arbeiten können, da die IFC-Schnittstellen zu anderen Softwarelösungen noch sehr fehlerbehaftet sind. Die Transformation der Daten in die Realisierung kann erst zu einem geringen Teil genutzt werden, da die ausführenden Unternehmen sich noch in der Pionierphase befinden. Große Fortschritte wurden bei der selektiven Datenüberführung in bestehende Facility-Management-Systeme gemacht. Hier liegen zweifellos die größten Potenziale für lebenszyklusorientierte Gebäudeplanungen.

∫ Organisation internes BIM Management ATP: 1 BIM-Officer pro Standort Je ein BIM Manager für Gebäude und TGA pro Standort Ein Modellverantwortlicher aus dem integralen Projektteam pro Projekt Entwicklung, QM und Weiterbildung sowie BIM Office Administration durch Plandata BIM Solutions

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Terminologie: Closed BIM Softwareeinsatz: Autodesk Revit (Architecture, MEP, Structure), MagicCAD, ArchiCAD, Rhino, iTWO


Kapitel Architekten I Planer

Was muss sich noch ändern? Über die zähe Softwareentwicklung hinaus, besteht unserer Meinung nach die Hauptaufgabe in der nationalen oder europäischen Installierung eines generischen Merkmalservers. Das heißt, dass Architekten und Ingenieure wie bisher produktneutral Häuser und Bauteile entwerfen und diese mit den gewünschten Attributen versehen. Die Existenz eines generischen Attribute-/Merkmalservers mit einer einheitlichen Ordnung würde es ermöglichen, den Beschaffungsprozess für Bauteile zu professionalisieren und von den zeitlichen Zwängen der dafür bestimmten Montagefirmen zu entkoppeln, weil damit die

Bauteile über internationale Einkaufsplattformen nach Festlegung durch die Planer produktneutral und deutlich vor der benötigten Lieferung beschafft werden können. What‘s next? Wohin geht der Weg Ihrer Meinung nach? Mit wachsender Geschwindigkeit wird die Digitalisierung auch die Bauindustrie und damit das Planen von Architekten und Ingenieuren erreichen und endlich zu jenen Produktivitätsfortschritten beitragen, die der Rest der Industrie schon hinter sich hat.

Thomas Lücking, Geschäftsführer, und Steffen Schünecke, BIM- und InterfaceManager, Gerber Architekten, Berlin / Deutschland Der Auftrag für die Planung der Olaya Metro Station, ein Teilprojekt eines komplexen Infrastrukturprojektes in Riad mit sechs U-Bahn-Linien auf 176 km Streckenlänge und über 80 Haltestellen, war der Startschuss für Gerber Architekten, die BIM-Methode umfassend in einem Projekt zu integrieren. Die Planungsphase ist inzwischen abgeschlossen und wurde für die Realisierung übergeben. Nun liegt es am Auftraggeber, inwieweit er das digitale Gebäudemodell für die Bauausführung und den Betrieb verwenden wird. Ein guter Zeitpunkt, um die letzten zwei Jahre Revue passieren zu lassen.

Welche Erfahrungen haben Sie seit unserem letzten Gespräch 2015 gemacht?

integriert werden sollen, wird derzeit noch in der Vorbereitungsphase des Projektes geklärt.

Die intensive Auseinandersetzung mit dem Olaya Metro Station Projekt war eine gute Zeit für das Büro, um viel zu lernen. Anforderungen, die vor zwei Jahren für das Projekt angedacht und integriert wurden, sind nun in der Praxis getestet und haben sich inzwischen im Büro vielfach als natürlicher Bestandteil interner Arbeitsabläufe etabliert. Wir hatten zu Planungsbeginn zwar eine Vorstellung, wie wir das Projekt umsetzen wollen. Aber es war mit vielen Unsicherheiten verbunden, weil wir mit dem Prozess ja noch gar nicht vertraut waren. Mit jeder Projektphase lernten wir dann aber dazu, und nun bestimmt das Ergebnis dieses Lernprozesses unseren täglichen Workflow. In der Vergangenheit konnten wir auch eine Zunahme der durch Bauherren formulierten BIMAnforderungen wahrnehmen. Ein aktuell gewonnener Wettbewerb für die Allianz soll ebenfalls als BIM-Projekt aufgesetzt werden. ‚Wie viel BIM‘ es dabei werden soll, das heißt welche BIM-Prozesse konkret in die Planung

Wird die BIM-Methode inzwischen für jedes Projekt angewendet? An unserem Berliner Standort, der primär für die internationalen Projekte und Wettbewerbe verantwortlich ist, bearbeiten wir jedes Projekt mit der BIM-Methode. Es ist sinnvoll, wenn alle mühelos in einem System arbeiten, um das Potential einer integrierten Kollaboration bestmöglich zu nutzen. Natürlich ist es ein Unterschied, ob ein Wettbewerb oder ein Projekt bearbeitet wird. Die Frage ist dann: Wie viel und vor allem wie muss der Bearbeiter die Informationen dem Datenmodell hinzufügen, um ein optimales Ergebnis mit der jeweils passenden Detail- und Informationstiefe in kürzester Zeit zu erreichen. Grundrisse, Schnitte und Ansichten werden aus dem digitalen Gebäudemodell ebenso generiert wie Flächenauswertungen sowie Informationen für die Kostenkontrolle, die Visualisierungen und den Modellbauer.

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Für unsere anderen Standorte ist das Thema komplexer zu betrachten. Während in Berlin mit Autodesks Revit modelliert wird, arbeiten die anderen Standorte aus der traditionellen Planung heraus mit ArchiCAD. Das hat einerseits den Vorteil BIM-Anforderungen mit verschiedenen Anwendungen bedienen zu können und andererseits unterstützt es natürlich auch unsere Auffassung von BIM als einen Prozess, der unabhängig von spezifischen Softwareprodukten ist. Wir geben unsere Erfahrungen aus dem Olaya-Projekt intern weiter, die Anpassung an spezifische Softwarelösungen übernehmen die Standorte. Ein monatliches Treffen der hauseigenen BIM Task Group aus den verschiedenen Standorten stimmt die Entwicklung aufeinander ab und formuliert einen firmeninternen BIM-Implementierungsplan / -ablauf. Wo liegen die Fallstricke? Und was muss sich noch verbessern? Das Thema Software ist noch ein Punkt, der sich verbessern muss. Wir hatten im Olaya-Projekt die komfortable Situation in einer Closed BIM-Umgebung zu arbeiten und somit Daten einfach und ohne Verluste austauschen zu können. Dennoch merken wir auch hier, dass verschiedene Programmversionen vorgehalten werden müssen, um ältere Planstände zu öffnen und vor allem Änderungen in veränderten Standards etc. zurückzuspielen. Hier gibt es immer wieder Schwierigkeiten in der Auf- / Abwärtskompatibilität – selbst innerhalb einer Softwarefamilie. Mit steigender Komplexität von Projekten erhöht sich ebenfalls der Bedarf an Kommunikation. Im Grunde wünscht sich jeder eine Automatisierung der Prozesse, um uns stupide ‚manuelle‘ Tätigkeiten abzunehmen und unser Arbeitsleben zu vereinfachen. Der ein oder andere hat bereits darüber nachgedacht, aber die richtigen Werkzeuge standen bisher noch nicht zur Verfügung. Auch wenn nicht immer BIM drin ist, wo BIM drauf steht,

hat sich das Angebot fertig verfügbarer BIM-Werkzeuge merklich erhöht. Die Herausforderung für uns als Planer besteht darin, den richtigen Mix zusammenzustellen, um die Erbringung unserer Leistungen so effektiv wie möglich zu unterstützen. BIM kann man auf verschiedenen Niveaus betreiben. Entscheidend für den Umfang der Datenanreicherung im BIM sind die frühzeitig formulierten Informationsanforderungen des jeweiligen Projektes. Aktuell führen wir eine neue BIM-fähige AVA-Software ein. Da ist bei der intensiven Einarbeitung das Know-how der Ausschreiber, aber auch der in BIM erfahrenen Mitarbeiter gefragt. Welche Ziele setzen Sie sich für die Zukunft? Wir sind daran interessiert, die Anwendungsbereiche auszuweiten, Erfahrungen in der Ausführung und bis in den Betrieb zu sammeln. Das ist natürlich auch auftragsabhängig. Wir stellen uns die Frage: Welche Datenprozesse haben wir in der Betriebsphase und wie müssen unsere Modelle aufgestellt sein, um diese zu unterstützen? Außerdem beschäftigen wir uns intensiv mit Nachhaltigkeitszertifizierungen und Materialanforderungen und wie diese ins Modell zu integrieren sind. Damit erweitern wir unsere Aufgabenfelder oder erobern originäre Aufgaben und Tätigkeitsfelder des Architekten, die verloren gegangen sind, zurück. Wir engagieren uns weiterhin in der Diskussion um BIM und sind im BIMCluster Berlin Brandenburg und mit der Architektenkammer Berlin-Brandenburg und der Bundesarchitektenkammer im stetigen Gespräch. Eine Eigenart der deutschen Mentalität steht der Implementierung von BIM vielleicht im Weg: Nicht alles kann mit 150-prozentiger Sicherheit im Vorherein durchdacht sein. Man muss den Sprung einfach wagen.

∫ BIM-Implementierungsplan: BIM Execution Plan, s. BIMGlossar S. 126

∫ BIM Building Information Modeling I Management, Band 1, 2015 S. 40, „Chancen digitaler Planungswerkzeuge“ 1a

1b

∫ Organisation internes BIM-Management bei Gerber Architekten: 2 BIM- / Interface-Manager 6 Discipline BIM Model Coordinators Team Model Coordinators Terminologie: Closed BIM

1c

1d

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Softwareeinsatz: Autodesk Revit, Dynamo, Ideate BIMLink, AutoCad (2D drafting), Autodesk Navisworks Manage, Vectorworks, Rhino, Grasshopper, Hummingbird, Civil3D, Tekla Structures


Kapitel Architekten I Planer

GRC Cladding

Pimary Structure

Secondary Sub-Structure

GRC Panel Joint (10 mm)

GRC Facade Horizontal Joint

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2b 1

Modell Riad Metro Transfer Station 183/2B2, Koordination und Kollaboration, Gerber Architekten a b c d

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2c

Gesamtmodell Statik Architektur TGA

Modell Riad Metro Transfer Station 183/2B2, Gerber Architekten a Programmierung der Fassade b Daten für die Herstellung c Muster

Michael Stradinger, HWP Planungsgesellschaft mbH, Stuttgart / Deutschland Die ersten Erfahrungen mit BIM sammelte HWP bereits seit 2006. (Anmerkung der Redaktion: Projektvorstellung 2015: Umsetzung des internationalen Großprojekts »Rhine Ordnance Barracks Medical Center Replacement« in Kaiserslautern für den U.S. Army Corps of Engineers.) Seitdem wurde die Methode systematisch etabliert und Strukturen für das interne und externe BIM-Netzwerk geschaffen.

Was hat sich in Ihrem Büro seit 2015 konkret getan? In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass es für den immer größer werdenden Markt zu wenige BIM-Experten gibt. Diesem Defizit wirken wir aktiv entgegen, indem wir das Fachwissen und die Fähigkeiten unserer Kollegen durch intensive interne und externe Schulungen ausbauen und festigen. Wir sind der Auffassung, dass man BIM nur durch eigenes Fachwissen und Wissen der Planer sowie durch die Investition in entsprechende Softund Hardware bestmöglich nutzen kann. Darüber hinaus ist unser Tätigkeitsfeld weiter gewachsen. Wir setzten BIM gezielt für Bestandsaufnahmen, für Umbauten und für Neubaumaßnahmen ein und prüfen bei jedem Projekt, ob die Möglichkeit besteht, mit BIM zu arbeiten. Außerdem sensibilisieren wir verstärkt Bauherren und potenzielle Auftraggeber für die innovative Planungsme-

thode und zeigen ihnen die Vorteile und Möglichkeiten von BIM auf. Um bei den rasanten technischen Entwicklungen immer „up to date“ zu sein, sind wir aktives Mitglied im BIM-Cluster Stuttgart. In diesem Netzwerk aus Architekten, planenden Ingenieuren, ausführenden Firmen, Bauherren, Wissenschaftlern und Hochschulen wird gemeinsam und tätigkeitsübergreifend an der Weiterentwicklung und Verbreitung der BIM-Planungsmethode gearbeitet. Der Erfahrungsaustausch und die Zusammenführung unterschiedlicher Kompetenzen sind dabei von zentraler Bedeutung. Wir bewerten darüber hinaus den Informationstransfer durch die Sensibilisierung für Neuerungen im Building Information ModelingBereich sehr positiv.

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Christine Ryll im Gespräch mit Henrik Thomä, Architekt und BIM-Manager bei Hild und K, München / Deutschland, sowie Michael Beckert, Project Director, Senior Architect, DI Architect und Astrid Renata Van Veen, Sivil Arkitekt M. Arch, MNAL, Prosjektleder, Snøhetta, Oslo / Norwegen

BIM im Vergleich – Norwegen und Deutschland In Sachen BIM gelten die Skandinavier neben den angelsächsischen Ländern als Vorreiter. Sie haben bereits umgesetzt, was wir noch umsetzen wollen, haben die Herausforderungen gelöst, die wir noch lösen wollen. Aber wie haben sie das geschafft, und vor allem: Was haben sie anders gemacht als wir? Zwei Büros – Hild und K aus München und Snøhetta aus Oslo – vergleichen ihre Erfahrungen.

Wie lange arbeiten Sie bereits mit BIM und wie verlief der Weg bisher? Henrik Thomä: Wir haben 2008 mit der Einführung von BIM begonnen. Das bisher größte Projekt, das wir mit BIM abgewickelt haben, war das BayWa-Hochhaus im Münchner Arabellapark, bei dem der Bestandsbau saniert und aufgestockt wurde. Nach dem Umbau wird das Gebäude eine Fläche von rund 54.000 Quadratmetern erreichen. Hier haben wir mit unseren beiden Standorten Berlin und München gemeinsam am Projekt respektive dessen 3D-Modell gearbeitet. Die Fassade des Hochhauses wurde vollständig in Berlin entwickelt und über den in München geplanten Rohbau gestülpt. Das hat gut geklappt, wobei wir die Daten nicht in Echtzeit ausgetauscht haben, sondern jeweils über Nacht aktualisiert. Bei einem anderen Projekt haben wir die ersten Leistungsphasen mit BIM in München bearbeitet und dann die Ausführungsplanung in Berlin darauf aufgebaut. Der diesem Vorgang systematisch innewohnende Informationsverlust fiel deutlich geringer aus als bei unseren bisherigen (Austausch-)Arbeitsweisen. Die Arbeit an einem gemeinsamen 3D-Modell ist gleichzeitig der Kern, aber ehrlich gesagt auch nur der Beginn von BIMArbeitsweisen. Daran zeigt sich deutlich, dass die Kollegen in Skandinavien ein paar BIMEvolutionsstufen höher agieren. Astrid Renata Van Veen: Für uns gehört BIM schon seit geraumer Zeit zum Alltag. Die norwegische Architektenkammer hat gerade eine Umfrage unter den gelisteten Büros durchgeführt. Die Auswertung ergab, dass inzwischen 96 Prozent aller norwegischen Architekturbüros BIM anwenden, um die täglichen Herausforderungen ihrer Projekte zu lösen. Wir nutzen das Tool, um Informationen zu sammeln und in einem Projekt zu kommunizieren. Jedes Projekt beginnt mit BIM, aber im geringeren Teil der Projekte wird BIM im gesamten Prozess von der Planung über den Bau bis hin zum Gebäudebetrieb genutzt. Alle Informationen werden mit BIM gesammelt. Im Falle unseres Projektes Kunst- und Designhochschule in Bergen (KHiB) haben die Arbeiter auf der Baustelle das Modell genutzt, um Informationen zu checken. Sie hatten Computerscreens vor Ort, und die Poliere nutzten iPads, auf denen die Daten synchronisiert bereitgestellt wurden. Sämtliche Informationen wurden wöchentlich aktualisiert. Der Level an Komfort bezüglich der Kommunikation zwischen den Planern und den ausführenden Unternehmen hat dadurch einen hohen Grad an Genauigkeit erreicht.

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∫ Organisation internes BIM-Management Hild und K: 2 BIM- / Interface-Manager 5 Model Coordinators Terminologie: Closed BIM Little BIM Softwareeinsatz: Autodesk Revit, Solibri

∫ Organisation internes BIM-Management Snøhetta, KHiB-Projekt, design phase: 1 CAD / BIM Operators Projektteam: 8 – 10 Architekten, Innenarchitekten und Landschaftsarchitekten Terminologie: Open BIM Big BIM Technisch – Entwurf, Information, Zusammenarbeit Operativ – Konstruktion, Risiko, Qualität zum Teil: 4D (Zeitmanagement) 5D (Kosten, Material, Recht) Das KHiB-Modell wurde getagged, um dem ausführenden Unternehmen das Generieren von Stücklisten (material take off lists (MTO)) zu ermöglichen. Strategisch – BIM Implementation Plan in der Entwurfsphase


Kapitel Architekten I Planer

Sehen die Mitarbeiter bei Hild und K in Deutschland das genauso? Schätzen sie BIM? Henrik Thomä: Sie weigern sich inzwischen, ohne BIM respektive auf dem früher gängigen Weg zu arbeiten. Dabei haben wir einen gewaltigen Sprung hinter uns. Wir hatten ja zuvor nur mit 2DLinienzeichnungen gearbeitet. Es war also ein Sprung über mehrere Evolutionsstufen hinweg. Um ihn möglichst fehlerfrei zu gehen, haben wir zunächst viele Mitarbeiter geschult, manche sogar mehrfach. Das lag daran, dass sich geplante Projekte verzögert hatten, und als sie schließlich anliefen, war das erlernte Wissen bereits wieder verblasst. Heute machen wir das nicht mehr. Wir haben mittlerweile einen Stamm an BIM-erfahrenen Planern und ordnen BIM-Neulinge bestehenden Teams zu, sodass wir nun voneinander lernen können. Klar, die Einführung hat Kraft gekostet, weil es Lager gibt: Die einen stehen Neuerungen positiv gegenüber, andere sind sehr skeptisch. Das ist wie im echten Leben. Wir sind darüber hinaus ein gestalterisch getriebenes Büro. Gerade in solch einer Umgebung tun sich Architekten schwerer mit der Implementierung neuer digitaler Techniken als in einem Büro, das sowieso technisch unterwegs ist. Aber wir sind den Prozess gegangen und das ist gut so. Inzwischen kommen auch viele junge Architekten zu uns, die mit BIM arbeiten wollen. Wenn die mit einem 2D-Malprogramm konfrontiert werden würden, würden wir irgendwann keine Leute mehr bekommen. Wie sieht die Zusammenarbeit mit anderen Büros aus? Henrik Thomä: Die Schnittstellen in den Leistungsphasen 5 bis 8 funktionieren dank BIM sehr gut. Bei einem aktuellen Projekt arbeiten wir beispielsweise mit einem externen Bauleitungsbüro zusammen. Die Kollegen dort sind sehr zufrieden mit unserer Arbeit, da die von uns gelieferten Pläne durchwegs konsistent und verlässlich sind und zu einem hohen Prozentsatz eins zu eins umgesetzt werden können. Welche Vorteile haben Sie bis dato konkret aus BIM gezogen? Henrik Thomä: Zum einen ziehen wir inzwischen die Mengenermittlung direkt aus den Modellen heraus. Das spart sehr viel Zeit. Seit kurzem machen wir zudem bereits die frühen Baumassenstudien mit BIM respektive der Software Revit. Das funktioniert erst einmal gefühlsmäßig genauso wie über den alten Weg eines Styropor-Modells im Maßstab 1:500. Man gibt dann die Geschosse ein und verlinkt alles, und als Ergebnis weisen die Tabellen die für die Projektentwickler notwendigen Baukennzahlenaus. So gewinnt die mit BIM erstellte Baumassenstudie im Vergleich zur Excelliste an Plausibilität, weil sie vom Bauherrn visuell nachprüfbar ist. Bei den früher gängigen Excellisten hat hingegen kaum jemand durchgeblickt. Unterstützt BIM auch bei der Kommunikation? Henrik Thomä: BIM ist sogar sehr kommunikationsfördernd, weil man Probleme besser erkennt, wenn man sie vor Augen hat. Am Anfang bespricht man im Zuge der Planung mit BIM mehr als auf dem alten Planungsweg – das haben wir in eigenen Pilotprojekten mit Haustechnikern und Statikern erfahren. Aber später braucht man bestimmte Termine gar nicht mehr. Die langwierigen Jour-fixe-Termine entfallen. Zudem ist BIM gemeinschaftsfördernd. Bei der bisher gebräuchlichen Planungstechnik konnten sich Kollegen und Projektanten einfach in eingefahrene Projektweisen flüchten. Heute müssen sie gemeinsam mit Bürovorlagen und in abgestimmten, büroübergreifenden Arbeitsweisen zusammenarbeiten. Einer kann somit dem anderen helfen. Die Arbeitsplanung ist flexibler und viel effektiver geworden. Die Arbeit mit BIM hat Menschen und Arbeitsweisen zusammengeschnürt. In der Regel reiben sich die Projektbeteiligten anfänglich eine Weile an Notwendigkeiten und aneinander, aber dann hat jeder das Gefühl, alles geschafft zu haben. Probleme werden früher bekannt und in Leistungsphasen gelöst, in denen Fehler nicht so dramatisch sind. Damit hat man in späteren Bauphasen keine nicht enden wollenden Schwierigkeiten mehr. Dieses Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben, ist sehr motivierend. Und die Qualität, die dank BIM bei den Projekten herauskommt, ist deutlich höher als früher.

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∫ Umbau und Sanierung BayWa Hochhaus Für die BayWa AG war ihre Konzernzentrale am Münchner Arabellapark zu klein geworden. Man wünschte sich eine Aufstockung des in den späten 1960er Jahren errichteten 18-stöckigen Bürogebäudes. Dies gab den Anlass für die jetzt umzusetzende Erneuerung aller Fassaden und die Neustrukturierung aller Büroetagen. Die intensive Beschäftigung mit dem vorhandenen Gebäude stand am Ausgangspunkt des Entwurfs. Mit seinem kreuzförmigen Grundriss wirkte das mit Waschbetonplatten verkleidete Hochhaus merkwürdig zu kurz geraten. Die Lösung für die als unbefriedigend empfundenen Proportionen lag in der optischen Auflösung des ehemals monolithischen Baukörpers in acht sternförmig und versetzt zueinander angeordnete Hochhausscheiben. Standort: Arabellastraße, München Bauzeit: 2014 – 2017 Bauherr: BayWa Hochhaus GmbH & Co. KG Architektur: Hild und K Architekten Andreas Hild, Dionys Ottl, Matthias Haber Fläche: 54.000 m2

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BayWa-Gesamtprojekt im Bau

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BayWa-Hochhaus im Bau Vorabplanung anhand eines virtuellen Modells, regelmäßiger Soll-Ist-Abgleich mit der Realität


Kapitel Architekten I Planer

Bringt BIM zeitliche Gewinne? Henrik Thomä: Wir können nicht sagen, dass die Projekte schneller ablaufen. Das liegt aber auch daran, dass die Planungen komplexer werden. Früher hat man mit 20 Plänen gebaut, heute mit 200. Aber unsere Erfahrungen mit dem BayWa-Hochhaus zeigen, dass wir die Planung unter Kontrolle hatten und weitestgehend fehlerfrei geplant haben. Das macht es kalkulierbar. Es gab keine großen Überraschungen. Wir waren vielleicht nicht viel schneller, aber wir sind angesichts dieses riesigen Projektes auch nicht komplett baden gegangen. Und wenn wir wirklich Zeit gewinnen würden, dann würden wir die vermutlich dafür nutzen, z. B. noch eine Fassadenstudie mehr zu machen und damit die architektonische Qualität weiter zu verbessern. Welchen Herausforderungen sehen Sie sich derzeit gegenüber? Henrik Thomä: Da ist zum einen das allseits bekannte Schnittstellenproblem zwischen den Software-Lösungen unterschiedlicher Anbieter. Tatsache ist einfach, dass die diversen SoftwareProdukte nach wie vor nicht wirklich kompatibel sind. Wenn Fachplaner nicht die gleiche Software nutzen, sondern wir uns über IFC austauschen müssen, dann sind die ausgetauschten Daten nur etwa 20 bis 30 Prozent dessen wert, was ein natives Datenformat wert ist. Der Rest der Informationen geht verloren. Das muss man verstehen wie den Austausch einer Textdatei über ein PDF. Das kann jeder lesen, aber wer das PDF im Datenformat Word umformatieren und mit Word weiterbearbeiten möchte, verliert eben auch an Informationen. Für uns hat daher Priorität, dass die in den Projekten vertretenen Haustechniker möglichst mit der gleichen Software arbeiten wie wir. Wenn der Datenaustausch zwischen diesen Projektanten und uns gut geregelt ist, ist schon sehr viel gewonnen. Wie haben Sie bei Snøhetta die Schnittstellenproblematik gelöst? Astrid Renata van Veen: In unseren ersten Projekten haben wir alle mit derselben Software auf demselben Server gearbeitet. Die Modelle wurden von Anfang an im Format Revit produziert und hochgeladen. Zur Kollisionsprüfung haben wir ein IFC-Modell genutzt. Zudem haben wir uns alle zwei Wochen zusammengesetzt, um interdisziplinär miteinander zu kommunizieren, also die Kommunikation in BIM mit der physischen Bauwelt zu koppeln. Auf der Baustelle ist es dafür leichter gewesen. In Norwegen benutzen jetzt mehrere Firmen den sogenannten BIM-Kiosk. Es ist ein PC mit Schirm. Der BIM-Kiosk ist mobil, und kann somit in einer Etage herumbewegt werden. Damit wird der Gebrauch der Papierzeichnungen minimiert, und die Daten können jederzeit auf den neuesten Stand gebracht werden. Es gibt jetzt sogar kommerzielle Lieferanten der BIM-Kioske, was uns zeigt, dass es ein äußerst nützliches Hilfsmittel ist. Wie sieht dann die Zusammenarbeit mit Partnerbüros aus, die nicht mit der gleichen Software arbeiten? Henrik Thomä: Genau vor dieser Herausforderung stehen wir gerade. Bei der Sanierung eines großen Museumsgebäudes arbeiten wir mit einem Londoner Büro zusammen. Dieses Büro nutzt ArchiCAD, wir Revit. Daher tüfteln wir gerade noch daran, wie wir die Daten optimal austauschen können. Das kann darauf hinauslaufen, dass wir die Planungen, die in London modelliert wurden, tatsächlich nachmodellieren müssen. Dies sollte im Prinzip problemlos möglich sein, denn alles, was auf der gemeinsamen Planungsgrundlage in 3D modelliert wurde, müsste im Grunde genommen auch zusammen passen. Aber es wäre eine Doppelbearbeitung, die unnötig Kraft und Zeit verschlingt. Der Kern des Problems ist die Aussparungsplanung und alles, was damit zusammenhängt. Wenn die reibungslos funktioniert, sind 50 % der Ausführungsplanung bereits geschafft. Das wäre tatsächlich unsere Frage an die Kollegen aus Skandinavien: Wie kann man über die IFC-Schnittstelle eine Aussparungsplanung machen, ohne dass man die Aussparungen nachmodellieren muss? Astrid Renata van Veen: In dem Fall würden wir ebenfalls nachmodellieren. Wir haben aber eine grundsätzlich andere Herangehensweise an BIM als Büros in Deutschland. Wir sind nicht so

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Christine Ryll im Gespräch mit Sabine Burkert, Initiatorin BIM FS AG und Projektleiterin des BIM-Referenzobjektes B11 und Rötger Schütze, Leiter Immobilienmanagement FS AG, Volkswagen Financial Services, Braunschweig / Deutschland

BIM bei Volkswagen Financial Services – Referenzobjekt B11 „Mit BIM macht Bauen wieder Spaß.“ So lautet die Bilanz von Sabine Burkert, Projektleiterin des BIM-Referenzobjektes B11. Der Büroneubau von Volkswagen Financial Services in Braunschweig wurde im Rahmen des Förderschwerpunkts „Mittelstand-Digital – Strategien zur digitalen Transformation der Unternehmensprozesse“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. Ziel des Förderprojekts „BIMiD – BIM-Referenzobjekt in Deutschland“ war es, die Building-Information-Modeling-Methode anhand konkreter Bauprojekte beispielhaft zu demonstrieren. Volkswagen Financial Services hatte mit seinem für 400 Mitarbeiter ausgelegten Neubau im Bewerbungsverfahren 2014 den Zuschlag erhalten, „weil wir nicht nur Immobilien planen und errichten, sondern diese auch betreiben, sodass wir die Thematik aus mehreren Blickwinkeln über den gesamten Lebenszyklus betrachten“, erklärt Rötger Schütze, Leiter Immobilienmanagement FS AG. Für den Bauherrn ergab sich damit die Möglichkeit, mit Unterstützung eigene Wunschvorstellungen im Zusammenhang mit BIM zu erarbeiten und zu verwirklichen.

Vorteile am laufenden Band Informations- und Kostensicherheit sowie eine bessere Termintreue, da Aufträge früher am Markt platziert werden können: So lautet die Kurzfassung von drei wesentlichen Vorteilen, die Volkswagen Financial Services im Zuge des Pilotprojektes verwirklichen konnte. „Wir haben uns zum Beispiel erhofft, dass dank BIM alle Projektinformationen an einem Ort abgelegt werden, da ja alle Planer für ihre Arbeit auf dasselbe Modell zugreifen müssen. Zudem wollten wir, dass mit dem Abschluss der Planung im BIM-Modell auch sämtliche Ausschreibungen fertiggestellt sind. Dies ergibt sich daraus, dass die Texte analog zu den Planungsinformationen gestaltet werden, während die Massen automatisch erzeugt werden. Und es hat zur Folge, dass die Angebotsrückläufer eher ausgewertet werden können, sodass die Kosten der jeweiligen Leistungen schneller bekannt sind. Somit können Budgetüberschreitungen frühzeitig erkannt und korrigiert und Aufträge so rechtzeitig vergeben werden, dass Lieferschwierigkeiten verhindert werden“, ergänzt Schütze die Palette der Vorteile weiter.

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Visualisierung des Referenzobjektes B11

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Baustelle Neubau B11


Kapitel Bauherr I Auftraggeber

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∫ Objekt: Zentrales BIM-Referenzobjekt „Neubau B11“, Braunschweig Bürogebäude mit Schulungsbereich Bauherr/Nutzer: Volkswagen Financial Services Architekt/Innenarchitekt: Gaudlitz Architekten GmbH BIM-Koordinationsmodell 5D: DhochN Digital Engineering GmbH Planungszeit: 8/2014 – 3/2015 Bauzeit: 8/2015 – 8/2016 BGF: 8.080 m²

Terminologie: Planungskoordination: Open BIM Weitergabe an Kosten / FM: Closed BIM Softwareeinsatz: ArchiCAD 18, liNear, Revit 2015, RIB iTwo, Solibri Model Checker, TEKLA Structures

Auch ein optimales Konfliktmanagement respektive die Möglichkeit, anhand des gemeinsamen Modells bereits im Vorfeld zu erkennen, wo Konflikte in der Planung vorhanden sind, gehört zu den Benefits, die BIM seinen Nutzern bescherte. So konnten bereits am 3D-Modell viele Probleme gelöst werden, deren Beseitigung auf der Baustelle viel Geld und Zeit gekostet hätte. Der höchste Mehrwert der neuen Planungsmethode werde sich allerdings in der Betriebsphase des Gebäudes zeigen, glaubt der Leiter Immobilienmanagement. Denn da die Verantwortlichen für das Facility Management dank BIM nun alle Informationen über ihr Bauwerk griffbereit vorliegen haben, müssen sie im Wartungs- bzw. Schadensfall nicht nicht mit Bergen von Akten und differierenden Daten arbeiten, sondern können mit wenigen Klicks alle notwendigen Informationen einholen und zeitnah und gezielt agieren. Zudem stellt die Betriebsphase mit 33 Jahren gegenüber einer zwei- bis dreijährigen Bauphase die wesentlich längere Phase im Lebenszyklus eines Gebäudes dar. Daraus ergibt sich ein jährlicher Einspareffekt, nicht nur ein einmaliger. Größtes Hindernis: der Mensch Bevor das Braunschweiger BIM-Pilotprojekt und die damit zusammenhängenden Vorteile angestoßen werden konnten, musste Projektleiterin Burkert allerdings viel Überzeugungsarbeit leisten. Denn obwohl die überwiegende Zahl der an der Planung und am Bau beteiligten Unternehmen schnell bereit schien, BIM „auszuprobieren“, erwies sich die Qualität der gelieferten Leistungen als unterschiedlich gut. Insbesondere einzelne Baufirmen und Fachplaner zeigten sich zurückhaltend. Die Planer hatten Angst, ihre Planung für alle transparent zur Verfügung zu stellen. Sie befürchteten zudem, dass der für BIM notwendige Aufwand größer sei als die beauftragte Vergütung. Den Baufirmen hingegen war bewusst, dass mit der Reduzierung von Nachträgen und zu vergütenden Änderungen ein Teil ihres Nachtraghonorars entfallen würde – jener Teil, der im Zuge eines besonders kostengünstigen Gebotes bereits eingerechnet wird. Um alle Parteien zu befrieden, war daher im Vorfeld des Bauvorhabens viel Überzeugungsarbeit vonnöten. „Der Faktor Mensch ist bei der Arbeit mit BIM mit Abstand die größte Herausforderung“, argumentiert Schütze. „Der größte Widerstand liegt bei den Leuten, die an der alten Methode festhalten wollen, weil sie sich darin sicher fühlen. Daran müssen wir arbeiten, indem wir die Vorteile dieser neuen Methode herausstellen.“

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Roland Pawlitschko im Gespräch mit Thomas Werle, Bereichsleiter Spezialbau, Patrick Suter, Systembau & Modul-Technologie, ERNE AG Holzbau, Laufenburg / Schweiz, und Burkard Meyer Architekten BSA AG, Baden / Schweiz

Parallelisierte Planungs- und Bauprozesse beim ersten Holzhochhaus der Schweiz Auf dem ehemaligen Industrieareal Suurstoffi in Risch Rotkreuz am Zugersee entsteht ein neues klimaneutrales Quartier zum Wohnen und Arbeiten. Das zurzeit im Bau befindliche Bürohaus Suurstoffi 22 wurde von Burkard Meyer Architekten als Holz-Beton-Verbundkonstruktion konzipiert und gilt mit seinen zehn Geschossen als erstes Bürohochhaus in Holzbauweise in der Schweiz. Die eigentliche Besonderheit dieses Hauses ist aber nicht die Höhe, sondern der Bauprozess, bei dem die Architekten als Generalplaner auftreten und bei dem das beteiligte Holzbauunternehmen Erne eine zentrale Rolle spielt. Erne ist in dieser Konstellation nicht nur Holzbauer, sondern zugleich Holzbauingenieur, Urheber des verwendeten Holzbausystems und örtlicher Bauleiter im Auftrag des Generalplaners. Die Herausforderung bestand vor allem darin, die Planung und den Bau des Gebäudes wirtschaftlich und innerhalb sehr kurzer Zeit abzuwickeln – auf Grundlage der Entscheidung von Burkard Meyer Architekten, das vorgefertigte Holz-Beton-Verbunddeckensystem Suprafloor Ecoboost von Erne einzusetzen. Wesentliches Merkmal des Planungsprozesses war von Anfang an das Prinzip der Parallelisierung – mithilfe einer vorgezogenen Baueingabe, bei der viele Schritte gleichzeitig statt nacheinander ablaufen konnten, aber auch mithilfe BIM-basierter Abläufe, bei denen das Holzbauunternehmen sehr früh sehr eng eingebunden war. „Wir standen vor der Aufgabe, innerhalb von knapp drei Monaten aus einem Vorprojektstadium ein baureifes Projekt zu entwickeln“, sagt Patrick Suter, bei Erne verantwortlich für Systembau & Modul-Technologie. „Als Proof of Concept haben die Architekten zusammen mit uns zunächst einen komplexen Ausschnitt des Gebäudes detailliert durchgeplant. Daraufhin haben diese ein koordiniertes 3D-Architekturmodell aufgebaut, das als Basis für die gesamte weitere Planung diente und bis zum Schluss sehr gut funktioniert hat. Architektur, Konstruktion und Technik sind bei diesem Bürohaus so dicht miteinander verwoben, dass sie sich kaum entflechten lassen. Allein aus diesem Grund war eine sehr enge Zusammenarbeit u. a. in regelmäßigen ICE-Sessions mit allen Planungsbeteiligten unerlässlich.“

∫ Projektdaten Suurstoffi 22, Risch-Rotkreuz Standort: Risch Rotkreuz Architekt / Generalplaner: Burkard Meyer Architekten BSA AG, Baden Bauherrschaft: Zug Estates AG, Zug Bauingenieur: MWV Bauingenieure AG, Baden Holzbauplanung: Erne AG Holzbau, Laufenburg HLKSE-Planer: Kalt + Halbeisen AG, Kleindöttingen Elektroplaner: enerpeak ag, Hägendorf Bauphysik: BAKUS Bauphysik und Akustik GmbH, Zürich Brandschutzplaner: Makiol Wiederkehr AG, Beinwil am See Studienauftrag: 2015, 1. Rang Realisierung: 2016 – 2018 Außenwandelemente: 3.700 m2 Holzmetallfenster: 2.800 m2 Holzbetonverbunddecken: 10.000 m2 Fichte/Tanne und Baubuche: 1.500 m3 Länge aller Deckenbalken: 17.000 m Gipsfaserplatten: 17.500 m2 Beton für die Holzelemente: 1.200 m3 Stahl in den Verbunddecken: 66.000 kg Transporte: 250 LKW-Ladungen 1

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Kapitel Prozesse I Szenarien

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Modellfoto

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Interaktives 3D-Architekturmodell mit koordinierter Holz- und Betonstruktur

Die frühe Einbindung von Erne ins Generalplaner-Team bot den großen Vorteil, dass die Architekten sehr schnell und direkt auf das Planungs- und Ausführungs-Know-how des Holzbauers zugreifen konnten. Das spielte auch deshalb eine große Rolle, weil ja nicht irgendein Gebäude geplant werde sollte, sondern das erste Holzhochhaus der Schweiz – eine Bauaufgabe, für die in Bezug auf planerische und baurechtliche Fragen bei keinem der Beteiligten ein langjähriger Erfahrungsschatz vorhanden war. Umso wichtiger war es, Schnittstellen im Bauprozess zu minimieren. Dies gelang beispielsweise, indem Erne nicht nur für den Holzbau und die statische Konstruktion beauftragt wurde, sondern auch für die gesamte Gebäudehülle und den Betonbau. Im konventionellen Holzbau werden Betonkerne üblicherweise als Ganzes zeitlich vor der Holzkonstruktion gebaut, was bei der Gebäudehöhe von Suurstoffi 22 zu erheblichen Toleranzen in der Horizontalen hätte führen können. „Für einen sehr präzisen vorgefertigten Holzbau wäre das natürlich ein Problem gewesen“, erläutert Suter. „Also wurden wir auch für die Erstellung der aussteifenden Betonkerne beauftragt, sodass wir die Kerne geschossweise mitbauen und Maßungenauigkeiten besser ausgleichen konnten – Auftragnehmer war ein zu Erne gehörendes Bauunternehmen, das zu uns als Holzbauer in einem Subunternehmerverhältnis stand. Am Ende haben wir mit denselben Kränen und zum Teil auch mit denselben Leuten gleichzeitig Holzelemente montiert und Kerne betoniert. Für die Kerne hätte das Bauunternehmen bei nacheinander erfolgter Ausführung genauso lange gebraucht wie für den Holzbau – was am Ende eine Verdopplung der Bauzeit bedeutet hätte.“ Obwohl viele Bereiche der Ausführung unter einem Dach vereint waren, konnte Erne nicht alles steuern wie ein Totalunternehmer. Vielmehr war das Unternehmen fest eingebunden in eine Generalplanerstruktur und hatte die richtigen Methoden im Informationsaustausch zu finden. „Dieses Projekt war für uns das erste, bei dem wir diese neue Konstellation getestet haben“, sagt Thomas Wehrle, Bereichsleiter Spezialbau bei Erne. „In diesem Fall ging es darum, dass Erne als Hauptunternehmer mit im Boot sein musste, um Termine und Kosten im Vorfeld abschätzen zu können. Ziel war es, den Hauptunternehmer, der am Ende alles baut, nach dem Last-PlannerPrinzip schon sehr früh ins Projekt miteinzubeziehen.“

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Kapitel Service I Bauprodukte

stützt wurde, muss das Angebot nun so aufgebaut sein, dass es zu den verschiedenen Planungsphasen passt. Sei es durch die Möglichkeit, in den ersten Leistungsphasen mit wenig detaillierten Elementen zu arbeiten und diese je nach Bauphase in verschiedenen Detailierungsgraden (LOD) anzureichern oder sei es über ein Leitprodukt den Entwurf maßgeblich mitzudenken. Wir versetzen uns in die Arbeitsmethode der Architekten hinein und bauen unsere Daten auf der Frage auf: Welche Produkte sollen wir präzisieren und welche kann man noch gar nicht exakt umreißen? Die schnelle Verfügbarkeit von guten BIM-Objekten ist essentiell. Als Hersteller sind wir nicht in der Lage, für alle Softwaresysteme gleichwertige Daten bereitstellen zu können. Denn die Funktionalitäten müssen durch die Vielfalt der Softwareanbieter für jedes Programm anders aufgebaut sein und nicht alle Benutzer können den gleichen Komfort nutzen. Das müssen sie aber auch nicht, denn bis zu einem gewissen Grad kann der Architekt für die Planung eine Produktfamilie für die Werkplanung verwenden, ohne beispielsweise die genauen Spezifika für die Unterschiede in einer Rahmenkonstruktion angeben zu müssen. Solche Daten können in der Konkretisierungsphase ergänzt werden. Die Planung muss dabei auch ohne Datenbanken möglich sein. Wir sprechen ja von der Gebäudedaten-Modellierung und nicht der Gebäudedatenbank-Modellierung. Über webbasierte Produktdatenbanken und Plug-ins mit Direktverlinkungen auf die Produktwebsites lassen sich die Informationswege verkürzen und die Akzeptanz wird steigen. Bis das geschieht, müssen wir noch Erfahrungen sammeln und den Anwendern Zeit für die Einarbeitung geben. „In dem Moment, wo das Problem auftaucht, nutzt man die dazu passende Technologie.“ Wir reagieren mit unserem Angebot an BIM-Planungsdaten auf die veränderten Anforderungen an Planung und Ausführung und bedenken sowohl die Herangehensweise der Architekten und Planer als auch die Möglichkeiten der verfügbaren Software. Es wurde bereits viel getan, um die große Nachfrage der Architekten nach Planungsdaten zu erfüllen und in Projekten gemeinsam Erfahrungen zu sammeln. Mit den dabei gewonnenen Erkenntnissen setzen wir die Entwicklung fort und gestalten Standards und Regeln für die Methode BIM mit.

Fenster

Typ Art Kategorie

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Die Fenstertypen unterscheiden sich nicht nur über Geometrien, Öffnungsarten, Größen und Proportionen, sondern auch funktional.

Es gibt beispielsweise unzählige Möglichkeiten, Fenster zu gestalten. Je nachdem, ob ein Architekt sich dem Thema Öffnungen, Ein- und Ausblicke, Luft und Licht von den Gebäudeansichten her nähert oder ob er vom Gebäudeinneren her denkt, kann er zu mannigfaltigen Fenstertypen kommen, die sich nicht durch Geometrien, Öffnungsarten, Größen und Proportionen, sondern auch funktional stark voneinander unterscheiden. Für die bauliche Umsetzung müssen eine Vielzahl technischer Parameter wie baubare Größen, Öffnungsarten, Verglasungen und erforderliche statische Konstruktionen berücksichtigt werden. Um dies digital optimal zu unterstützen und gleichzeitig für den Planer verständlich zu ordnen ist es sinnvoll, die mögliche Vielfalt zu einem Ordnungssystem zu bündeln, mit dem man schnell und eindeutig arbeiten kann.

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Eindeutige und praktikable Regeln müssen gefunden werden, wie die Produkt- oder Systembeschreibungen auszusehen haben. Die VDI 2552 Blatt 9 BIM – Klassifikationen, wird hier zukünftig unterstützen. Fleißarbeit, Attribute zu definieren und zu beschreiben, ist aber nicht das einzige Erfordernis – wir müssen uns auch fragen, was logisch wie zusammengehört und welcher Planungsschritt welche Art von Planungsdaten erfordert. Eine der großen Herausforderungen von BIM ist, dass Gebäude eben nicht wie bei Lego aus stets passenden Einzelteilen, sondern aus ganz unterschiedlichen gewerkspezifischen Bauteilen bestehen. Damit Architekten und Planer auch im digitalen Zeitalter arbeitsfähig bleiben, muss dafür gesorgt werden, dass deren Planungswerkzeuge es ermöglichen, bauliche Sachverhalte ganz unterschiedlicher Art durchgängig beschreiben zu können. Was im CAD nur Linien, sind im BIM-Modell eben auch spezifische Informationen. Gebäude können nur dann digital durchgängig und plausibel geplant werden, wenn die realen Bauteilinformationen für den Planer auch digital verfügbar sind. Aber auch die Informationen wie die Bauteile miteinander zu kombinieren sind und wo die Vor- und Nachteile einzelner Kombinationen liegen, können erheblich zur Qualität eines Bauwerks beitragen. Das Wissen um diese Fragen und die damit verbundenen Umgangsweisen liegen bei den Herstellern. Im Mai 2017 wurde deshalb von uns gemeinsam mit sechs anderen Unternehmen die Herstellerinitiative „Bauprodukte digital ProductsForBIM“ gegründet. Ziel dieser Initiative ist es, praxiskonforme digitale Produktdaten und daran gekoppelte Services zu gestalten sowie die damit verbundenen digitalen Prozesse zu optimieren. Außerdem soll der fachliche Austausch von Informationen und Erfahrungen mit anderen Protagonisten aus Planung, Bauen und Betrieb von Gebäuden, die optimale Vernetzung zwischen Industrie und Handwerk sowie die damit verbundene Erweiterung und Optimierung digitaler Wertschöpfungsketten vorangetrieben werden.

alwitra GmbH & Co. Klaus Göbel, Trier / Deutschland Judith Köhl, Leitung Anwendungstechnik Mit der Planungsmethode BIM werden alle Beteiligten zu einer koordinierten Zusammenarbeit gezwungen. Bereits in der Entwurfsplanung wird der Architekt auf entsprechende Herstellerdaten zurückgreifen. Dabei ist es wichtig, dass die vom Hersteller zur Verfügung gestellten geometrischen Produktdaten inklusive der Attribute sowohl für den Planer als auch für den Verarbeiter im jeweiligen Planungsstand komfortabel abrufbar sind. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Denn nur, wenn alle Bauprodukte marktdeckend verfügbar sind, wird die BIM-Methode die notwendige breite Akzeptanz finden. Die Potentiale liegen auf der Hand. Beispielsweise werden Fehlerquellen bereits in der Planungsphase dank der Kollisionsprüfung minimiert. Ebenso lassen sich Baukosten und Bauzeit leicht überwachen. Auch die Übergabe einer kompletten aktuellen Baudokumentation nach der Fertigstellung gibt dem Gebäudebetreiber größtmögliche Transparenz und Sicherheit – während des Betriebs bis hin zum Rückbau am Ende der Gebäudenutzung. Die ersten Anfragen zu BIM-fähigen Daten kamen 2013 aus Großbritannien sowie aus den asiatischen Märkten. Aktuell verzeichnen wir auch eine steigende Nachfrage von Architekten aus dem deutschsprachigen Raum. Seit 2015 stehen sämtliche geometrischen Produktdaten online zur Verfügung. Um die verschiedenen Softwarelösungen abzudecken, gibt es seit 2016 auf unserer Webseite einen Online-Produkt-Konfigurator. Die positiven Rückmeldungen aus dem Markt zeigen uns, dass wir bestens für die digitale Zukunft des Bauens gerüstet sind. Wir sind in der Lage, unsere Produktdaten jederzeit flexibel und schnell anzupassen und sehen der weiteren Entwicklung der Digitalisierung im Baubereich mit Spannung entgegen.

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Kapitel Service I Bauprodukte

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Plug-in von Saint-Gobain: Nach Anwendung eines BIM-Files im grafischen Modell stehen alle BIM-Daten zur Verfügung.

Saint-Gobain – Isover, Rigips, Weber Zeki Harmanci, BIM Manager Saint-Gobain Construction Products Als international tätiger Konzern hat Saint-Gobain als Antwort auf die zunehmende Digitalisierung der Bauwirtschaft ein umfangreiches firmenübergreifendes Angebot von BIM-Assistenten und Plug-ins für die Produkte von Isover, Rigips und Weber entwickelt. Trotz der internationalen Ausrichtung der Gruppe, konnten die Anforderungen aus den ausländischen Märkten nur bedingt für die Weiterentwicklung genutzt werden. Zu komplex sind die Bauprozesse im deutschsprachigen Raum, die eine andere Arbeitsweise und Werkzeuge benötigen. Anstelle einzelner BIM-Objekte, die ein Bauteil mit einer alphanumerischen Geometrie darstellen, steht eine große Auswahl an bedarfsgerechten und volldigitalisierten Bauteillösungen für den Innenausbau (Wand, Boden, Decke), Vorhang- sowie Putzfassaden, Kellerdecken und den Perimeterbereich zur Verfügung. Sie eröffnen außerdem neue Möglichkeiten für eine durchgängige Gebäudeplanung über alle Teilschritte hinweg – vom ersten Entwurf über die detaillierte Visualisierung bis hin zur Erstellung von Leistungsverzeichnissen sowie Mengen- und Kostenkalkulationen. Die Qualität und Menge der bauteilspezifischen Daten wirkt sich direkt darauf aus, wie genau und zeitintensiv sich der Planungsprozess gestaltet. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, Architekten und Planern die Arbeit mit BIM so leicht, zeitsparend und sicher wie möglich zu gestalten. Dank der ausführlichen und laufend aktualisierten Datengrundlage, auf der unsere BIM-Dateien basieren, sind alle benötigten Informationen in der jeweiligen Softwareumgebung sofort abrufbar. Zurzeit stehen sie für Allplan Architecture, Graphisoft ArchiCAD sowie Autodesk Revit zur Verfügung. Das stellt sicher, dass nur bauphysikalisch geprüfte, zertifizierte Lösungen verwendet werden können. Kernfunktion der Assistenten und Plug-ins ist die intelligente Suche, die das einfache Auffinden der in der BIM-Datenbank hinterlegten geprüften Lösungen erleichtert.

DALLMER GmbH + Co. KG, Arnsberg / Deutschland Ekkehard Knoche-Korte, Marketing Dallmer stellt dem Architekten und Fachplaner schon seit langem Produktdaten in den bisher für die Planung eingesetzten Datenformaten zur Verfügung. Dieser Service wird entsprechend der neuen Anforderungen um die Bereitstellung von BIM-Daten zum Produktprogramm erweitert. Die Zusammenarbeit wird durch neue Strukturen der Produktdaten wohl intensiver werden. Dieser Vorteil ist zugleich auch eine Herausforderung: Wird BIM bei der Planung eines Gebäudes eingesetzt, muss der gesamte Lebenszyklus von der Planung/Entstehung über den Betrieb bis hin zum Rückbau betrachtet werden. Das bedeutet für uns, dass für jedes Produkt unseres Programms die Daten, die im BIM-Modell zusätzlich zur 3D-Geometrie benötigt werden, genau vor diesem Hintergrund erhoben werden. Das wichtigste Potenzial für die Zukunft liegt in der Ressourcenschonung. Durch weniger Materialverschwendung in der Bauphase und Kostensenkung während des Gebäudebetriebs sollte BIM dazu beitragen, dass am Ende des Lebenszyklus eine höhere Recyclingrate steht.

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Gilgen Door Systems AG, Schwarzenburg / Schweiz Philipp Fasel, Produktmanagement Mit BIM wird sich die Schnittstelle zwischen dem Planer, Architekten und Bauproduktehersteller grundlegend verschieben. Wurden unsere Produkte bisher während der Ausschreibungsphase integriert und konnten wir nach der Vergabephase die Architekten entsprechend beraten und je nach Anforderung neue Konfigurationen offerieren, verschiebt sich mit BIM diese Informationstiefe in frühere Leistungsphasen. Der Planer benötigt einerseits alle relevanten Bauteilinformationen für die Erstellung des Gebäudemodells, kann andererseits aber nicht der Spezialist für jede Produktkonfiguration sein. Daher muss die Komplexität der Produkte auf die Bedürfnisse des Architekten angepasst sein. Diese Anforderung wurde zum Beispiel bei unseren Drehflügeltürantrieben so gelöst, dass zwar sämtliche Schnittstellen und Optionen zur baulichen Situation abgebildet sind, die Optionen und Informationen innerhalb des Antriebs aber nicht enthalten und erst in der Angebotsphase berücksichtigt werden. Zu unserer Strategie als Hersteller von Antriebsund Gesamtlösungen im Bereich der Tür-, Tor- und Wandsysteme gehört es, neben allen neuen Produkte, das bestehende Portfolio ebenfalls BIM-tauglich zu machen. Aktuell setzen wir auf die aus unserer Sicht weltweit am meisten verbreiteten Programme Autodesk Revit und Graphisoft ArchiCAD. Um ergänzend angemessen auf die verschiedenen Märkte reagieren zu können, werden BIM-Objekte mit den länderspezifischen Gegebenheiten und Marktanforderungen angereichert. BIM verändert als Methode unsere Herangehensweise an Projekte. Durch die hohe Qualität der Daten, den verbesserten Informationsaustausch zwischen allen Planungsbeteiligten sowie die unmittelbare Verfügbarkeit aller aktuellen und relevanten Daten wird sich BIM als Standard durchsetzen.

Schöck Bauteile GmbH, Baden-Baden / Deutschland Birgit Luber, Technischer Support Tim Stollberg, Bereichsleiter Produkte + Märkte Die Verwendung von intelligenten 3D-BIM-Modellen gewinnt immer mehr an Bedeutung. Dabei wird sich der Fokus der Anwender auf benutzerfreundliche BIM-Objekte und -Daten richten, die sich einfach, schnell und sicher ins Gebäudemodell integrieren lassen. Das Bereitstellen dieser Informationen setzt ein gutes Produktdatenmanagement voraus. Es eröffnet einerseits neue Möglichkeiten für die Digitalisierung und Automatisierung von Produktionsprozessen. Andererseits muss der Kundenbedarf entlang der Wertschöpfungskette Bau bekannt sein und zum passenden Zeitpunkt als BIM-Objekte und mit tagesaktuellen Informationen zur Verfügung stehen. Eine Herausforderung stellt darüber hinaus der Austausch von Daten zwischen verschiedenen Softwarelösungen dar; ebenso der vernetzte und automatisierte Prozess von der technischen Angebotsausarbeitung über die Produktion der Produkte bis hin zur Anlieferung beim Kunden. Da sich durch BIM die Platzierung eines Bauproduktes in der Planung zeitlich nach vorn verschiebt, ist es unerlässlich, gute BIM-Objekte zur Verfügung zu stellen. Unsere Servicequalität beinhaltet auch die Optimierung der internen Prozesse des Kunden mittels eines digitalen und vernetzten Datenflusses. Bei Schöck sind die Anforderungen aus dem Markt je nach Kundengruppe verschieden. Während Architekten zu Beginn der Planungsphase möglichst einfache Objekte mit einem geringen Detaillierungsgrad benötigen, die in späteren Leistungsphasen durch konkrete Ausschreibungstexte zu ergänzen sind, benötigen die Tragwerksplaner die Möglichkeit zur Bemessung der Produkte innerhalb der BIM- und Statiksoftware und die genaue Bezeichnung des Typs mit Bewehrung zur Kollisionsprüfung. Die Integration von Bauteildaten für den Angebots- und Bestellprozess sowie den Einbau in das Gebäudemodell ist für die Bauunternehmer und Fertigteilhersteller relevant. Jedoch gelten für alle die gleichen Anforderungen: BIM-Objekte von Schöck sind in den gängigen nativen Formaten und im IFC-Austauschformat zur Verfügung zu stellen, um eine bedienerfreundliche Integration in alle BIM-Programme am Markt zu gewährleisten.

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BIM-Glossar

Planung

Entwurf

Gewerkekoordination

Raumprogramm Variantenstudien

Kostenermittlung

Konzeptionelles Design Simulation, Berechnungen Ausführung

Rückbau

Bauablaufsimulation Building Information Model (BIM)

Umbau

Baufortschrittskontrolle

Recycling Baustellenlogistik Revitalisierung

Abrechnung

Bewirtschaftung 1

Facility Management, Wartung, Betriebskosten

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Building Information Modeling beruht auf der durchgängigen Nutzung eines digitalen Gebäudemodells über den gesamten Lebenszyklus.

AIA

Auftraggeber-Informationsanforderung – beinhaltet die Anforderungen des Auftraggebers, die der Auftragnehmer hinsichtlich der Prozesse, Informationstiefe und BIM-Standards erbringen soll.

As Built Model

Ist das BIM-Modell, das als Basis für den anschließenden Betrieb dient. In ihm sind alle relevanten Planungen und Planungsänderungen bis zum Zeitpunkt der Übergabe der Immobilie in den Betrieb erfasst und die gesamte Planungszeit ist nachgeführt. Es ist damit die erschöpfende und modellbasierte Gebäudedokumentation zum gesamten Projekt und wird über die gesamte Bauphase ergänzt und komplettiert. Das As Built-Modell ist wesentlich für die Gesamtlebenszyklusbetrachtung und das Building Lifcecycle Management (BLM) des Gebäudes vor, während und nach der Betriebs- und Nutzungsphase (Recycling) und Grundlage für die Einpflege in CAFM-Systeme.

BIM

Building Information Modeling (BIM) beruht auf der durchgängigen Nutzung eines digitalen Gebäudemodells über den gesamten Gebäudelebenszyklus – von der Planung bis zum Rückbau. BIM ist keine Softwarelösung, sondern eine Methode zur Optimierung der Arbeitsprozesse im Bauwesen. Das digitale Gebäudemodell bildet die physikalischen und funktionellen Eigenschaften eines Bauwerks konsistent in Informationsgehalt und -qualität ab und dient der Entscheidungsfindung während des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Idealzustand ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Planungsbeteiligten in den unterschiedlichen Wertschöpfungsphasen an einem digitalen Gebäudemodell, die durch den Open BIM-Gedanken untermauert wird. Die BIM-Methode hilft nicht nur bei der Optimierung der Planung und Bauausführung, sondern dient auch der Projektsteuerung und dem Betrieb des Gebäudes bis hin zum Recycling am Ende des Gebäudelebenszyklus.

BIM-Strategie

Die BIM-Strategie gibt die Ziele und Methode für die BIM-Implementierung in das Projekt vor und gilt als Grundlage für den BIM Execution Plan.

BIM Execution Plan

Der BIM Execution Plan (auch: BIM-Entwicklungsplan oder BIM-Ablaufplan, kurz: BAP) legt als Richtlinie die Grundlagen der BIM-basierten Zusammenarbeit in einem Dokument fest. Dies beinhaltet vorrangig: die Festlegung der Ziele und der Rahmenbedingungen, organisatorische Strukturen und Verantwortlichkeiten, die Definition des Levels of Development, die Festlegung der Verfahrensregeln, Rechte und Befugnisse der Planungsbeteiligten und die Struktur des virtuellen Gebäudedatenmodells. Der BIM Execution Plan ist Vertragsbestandteil zwischen Auftraggeber und Planungsbeteiligten.

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Anhang

2

BIM-Modellierer

Umsetzung

Schulung

Ausführungsplan

Zeichnungsgenerierung

Standards ‡

Modellierung

Prozess + Workflow ‡

Erzeugung von Inhalten

BIM-Koordinator

Modellkoordination

Aufgabenverteilung zwischen BIM-Manager, BIM-Koordinator und BIM-Modellierer, wie sie vom britischen AEC BIM Protocol vorgesehen ist.

Produktion

Modellprüfung

2

Forschung

BIM-Manager

Management

Unternehmensziele

Strategie

BIM-Richtlinie

Die BIM-Richtlinie legt die logische büro- und projektübergreifende Struktur der Dokumentation fest. Sie definiert die 3D-Modelle in Bezug auf Strukturen, Elemente, Informationen sowie die Informationsbedürfnisse und Qualitäten, die über den Projektverlauf notwendig sind.

BIM-Beteiligte / -Aufgabenverteilung

Für die Implementierung der BIM-Methodik muss die klassische Aufgabenverteilung und Kommunikation der verschiedenen Planungsbeteiligten und Fachdisziplinen angepasst werden: Managementaufgaben sind sowohl vom Auftraggeber als auch den Planungsbeteiligten zu definieren und zu übernehmen, z. B. die Modellentwicklung, Datenmanagement, Kollisionskontrolle und Überprüfung der festgelegten LOD-Qualität (der Detailtiefe). Die Aufgabenverteilung erfolgt hier zwischen BIM-Manager, -Koordinator und -Modellierer.

BIMManagement

Ein durchdachtes BIM-Management ist die Basis für die Steuerung und Erfüllung der BIM-Prozesse sowohl strategisch wie auch projektbezogen. Es erfolgt in Form der büro- oder projektspezifischen BIM-Richtlinie sowie mit der Koordination der unterschiedlichen Disziplinen in verschiedenen Unternehmen im BIM Execution Plan.

BIM-Manager

Der BIM-Manager ist die verantwortliche Fachperson für die Umsetzung des BIM-Managements. Zu den Aufgaben gehört die Erarbeitung einer Strategie für die Qualitätssicherung im Gesamtprojekt, die Festlegung der notwendigen Arbeitsabläufe sowie die regelmäßige Zusammenführung der Fachmodelle und darauf aufbauend die Koordination der verschiedenen Planungsdisziplinen. Nach der Prüfung und Kollisionsbereinigung gibt der BIM-Manager die einzelnen Fachmodelle bzw. das Gesamtmodell frei und archiviert sie zur Dokumentation des Planungsprozesses.

BIMKoordinator

Für jede Fachdisziplin gibt es einen eigenen BIM-Koordinator. Er koordiniert die Teilmodelle und überprüft und sichert deren Qualität an der Schnittstelle zwischen technischem Sachverhalt und Anforderungen aus der Projektplanung. Der BIM-Koordinator überwacht die Einhaltung von BIMStandards und -Richtlinien sowie Datensicherheit und -qualität. Außerdem ist er dafür verantwortlich, dass das Modell zu den vertraglich vereinbarten Zeitpunkten im vereinbarten Ausarbeitungsgrad bereitgestellt wird.

Modellierer

Der Modellierer (auch: Modellelementautor (MEA), BIM Technician, BIM Operator) ist verantwortlich für die Entwicklung und Bearbeitung eines Modellelementes oder eines Teilmodells.

Modellnutzer

Der Modellnutzer oder BIM-Analyst nutzt das Modell innerhalb der Projektarbeit für Auswertungen, Berechnungen oder Planung von Abläufen sowie deren Überprüfung.

BIMConsultant

Der BIM-Consultant ist ein externer Berater zur Implementierung der BIM-Methode und Technologie in Architektur- und Planungsbüros. Als externer Auftragnehmer kann der BIM-Consultant ergänzend z. B. die Qualitätskontrolle des BIM-Modells übernehmen.

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Abbildungen / Illustrationen in diesem Buch: Umschlag: 121 Seaport Boulevard, SKANSKA USA; Tim Westphal Illustrationen DETAIL research: S. 6 – 13, 15, 68, 69, 126, 127, 129, 130 – 132; Karlsruher Institut für Technologie, Bergische Universität Wuppertal: S. 13; Gerber Architekten: S. 26, 27; Obermeyer: S. 30; wörner traxler richter planungsgesellschaft mbh: S. 32 – 34; Brechensbauer Weinhart + Partner: S. 36, 37; hammeskrause architekten: S. 39 – 41; blauraum Architekten: S. 43, 45; Bollinger + Grohmann Ingenieure: S. 46, 49; ARGE Neubau Kreisklinik Groß-Umstadt LSK-Architekten/Angela Frisch Architekten: S. 51; Falk Hartmann, Catterfeld Welker GmbH (Foto) und Hild und K (Visualisierung und Bildmontage): S. 54; Statsbygg / Trond Isaksen: S. 59; ZWP Ingenieur-AG: S. 61; Eisfeld Ingenieure: S. 62, 63; hks I architekten: S. 64 – 66; Vectorworks: S. 67; Autodesk: S. 68, 69, 98, 99; Jundi Schrade Baumeister Architekten: S. 70 – 73; Volkswagen Financial Services: S. 76 – 79; F.Hoffmann-La Roche AG: S. 81, 82; Fraport AG: S. 84; NFS Digitale Fabrikation, Juni 2017: S. 87 – 89; V. N. Nerella, M. Krause, M. Näther und V. Mechtcherine, „3D-Druck-Technologie für die Baustelle“ Concr. Pflanze Int. / Betonwerk Int., Vol. 4, 2016: S. 90, 91; Bau Kunst Erfinden: S. 92, 93; Fraunhofer IAO: S. 94 - 96; formitas AG: S. 97; Markus Bertschi, Zürich: S. 100; Burkard Meyer BSA, Baden: S. 101 – 103; Wolff & Müller: S. 105 – 107; Glasshouse Images / Alamy Stock Photo: S. 109; Schüco Digital GmbH: S. 111; SaintGobain / Press‘n‘Relations: S. 113; Jordahl GmbH: S. 115; Lindner: S. 117; Heidelberger Kalksandstein GmbH: S. 118; Sto SE & Co. KGaA: S. 120; Rhomberg Bau GmbH / Cree: S. 121; Albrecht Jung GmbH & Co. KG: S. 123, 125

Quellenangaben Bücher / Magazine: BIM Building Information Modeling I Management Methoden und Strategien für den Planungsprozess Beispiele aus der Praxis, 2015, Tim Westphal, Eva Maria Herrmann, DETAIL Verlag, ISBN 978-3-95553-279-6 BIM – Potenziale, Hemmnisse und Handlungsplan, 2013, Petra von Both, Volker Koch, Andreas Kindsvater, Fraunhofer IRB Verlag, ISBN 978-3-8167-8941-3 Ernst & Sohn Special 2016, BIM – Building Information Modeling, A61029, November 2016 Deutsches Architektenblatt, Ausgabe 4/2017, Technik, BAU, Bits und Bytes Deutsches Architektenblatt, Ausgabe 7/2017, Technik, Digitale Bauprodukte BIM-Leitfaden für die Planerpraxis, VDI, 2016 Building Information Modeling, VDI Agenda / VDI-Richtlinien zur Zielerreichung BIM-Leitfaden für die Planerpraxis, Empfehlungen für planende und beratende Ingenieure, Verband Beratender Ingenieure VBI Allplan BIM Kompendium, Theorie und Praxis BIM – Das digitale Miteinander: Planen, Bauen und Betreiben in neuen Dimensionen, 2016, André Pilling, Beuth Verlag, ISBN 978-3-410-27327-1 BIM für Architekten: 100 Fragen – 100 Antworten, 2016, Bundesarchitektenkammer BAK / Bau Naturschutz, BKI, ISBN 978-3-945649-28-2 Quellenangaben online: www.buildingsmart.de www.buildingsmart-tech.org www.planen-bauen40.de www.bim-blog.de bimundumbimherum.wordpress.com/glossar www.allplan.com/de/bim-glossar.html blog.graphisoft.de/bim-glossar www.bim-me-up.com/glossar www.hochtief-vicon.de/vicon de.wikipedia.org www.detail.de/research www.geospatial.com www.standards.org.au www.netzwerk-digital.ch/de www.crb.ch standards.cen.eu www.iso.org

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Anhang

Herausgeber / Autoren: Hintergrundinformationen zum Stand der Digitalisierung und den Herausforderungen und Chancen mit der Planungsmethode BIM (Auszug): Die Bundesarchitektenkammer BAK bietet mit ihrem Buch „BIM für Architekten: 100 Fragen – 100 Antworten“ einen ersten Überblick über die Methode BIM (ISBN: 9783481035433) Autodesk mit der BIM-Software Revit stellt sein E-Book „Das Ineffizienz-Problem – Das Geheimnis des Erfolgs für die Bauindustrie“ als kostenlosen Download zur Verfügung: http://autode.sk/BIMebook Nemetschek mit der BIM-Software Allplan und dem kostenlosen „BIM-Kompendium“: info.allplan.com/de/links/ bim-leitfaden.html ComputerWorks mit der BIM-Software Vectorworks und seinem kostenfreien „Leitfaden BIM-Einführung“: www.computerworks.de/produkte/ vectorworks/bestellung-bim-leitfaden.html „BIM-Leitfaden für die Planerpraxis“ mit Empfehlungen für planende und beratende Ingenieure, VBI-Webseite: www.vbi.de/service/downloads „Building information Modeling, VDI-Richtlinien zur Zielerreichung“: www.vdi.de

Tim Westphal, geb. 1974, Studium der Architektur an der FH Wismar (Diplom), Volontariat in der Architekturfachbuchabteilung des Callwey-Verlags München, Arbeit für verschiedene Architekturmagazine, 2003 – 2016 Fachredakteur und Teamleiter bei der Fachzeitschrift DETAIL, München. Seit Sommer 2016 freiberuflicher Fachredakteur, Journalist und Öffentlichkeitsarbeiter. Veröffentlichungen, Vorträge, Lehraufträge und Moderationen zu Themen der Baukultur, der digitalen Planung und BIM. www.timwestphal.de

Eva Maria Herrmann, Dipl.-Ing. Architektin und freie Journalistin. Architekturstudium an der HS Darmstadt und TU Graz. 2005 Gründung des Büros für Architekturkommunikation mit dem Schwerpunkt Vermittlung von Baukultur. Veröffentlichungen, Redaktion, Vorträge, Workshops und Ausstellungen zu allen Themen der Baukultur. www.evaherrmann.de

Roland Pawlitschko ist Architekt sowie freier Autor, Redakteur und Architekturkritiker. Er veröffentlicht Artikel und Aufsätze in Büchern, Zeitschriften und Tageszeitungen, organisiert Architekturexkursionen und kuratiert Ausstellungen rund um das Thema Architektur und Öffentlichkeit.

Katja Reich, Jahrgang 1969, Architekturstudium an der TU Kaiserslautern, Ausbildung zur Fachredakteurin, seit 2003 Redakteurin der Architekturfachzeitschrift DETAIL, seit 2016 Leitung DETAIL Produktredaktion und Corporate Publishing.

Christine Ryll ist Architektin und Redakteurin. Fortbildung zur Fachzeitschriftenredakteurin beim Klett Wirtschaftsund Bildungsservice, Mitarbeit in verschiedenen Redaktionen u.a. Mikado, Leonardo Online, Computer Partner. 2001 Gründung des Redaktionsbüros rylltext. In ihrem Redaktionsbüro rylltext beschäftigt sie sich vorwiegend mit den Themenbereichen Architektur, Bau und Immobilien sowie IT. www.rylltext.com

Robert Uhde, 1968 in Düsseldorf geboren, lebt und arbeitet in Oldenburg. Studium Kunst und Germanistik in Oldenburg. Ausbildung zum Fachredakteur für Architektur beim Rudolf Müller Bauverlag in Köln. Seit 1997 tätig als freier Architekturjournalist mit eigenem Büro in Oldenburg. Schreibt für verschiedene Architekturzeitschriften und -magazine. Zu den Schwerpunkten zählen dabei die niederländische und deutsche Architektur der Gegenwart. www.robert-uhde.de

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BIM - Building Information Modeling I Management - Band 2  

Digitale Planungswerkzeuge in der interdisziplinären Anwendung. Weitere Infos und bestellen: http://bit.ly/2AfWvQy

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