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Das automatisierte


Vorwort Typografie bestimmt unser Leben. Sie führt uns durch den Alltag und erleichtert uns deren Umgang. Jeden Tag sehen wir und nehmen die Zeichen bewusst aber auch unbewusst wahr. Aus einzelnen Zeichen und Buchstaben ergeben sich Wörter. Aus einzelnen Wörtern ergeben sich Sätze. Schon in der Kindheit erlernen wir das Lesen und Schreiben, um uns in der Welt verständigen und ausdrücken zu können. Trotzdem haben viele Menschen Defizite im Umgang mit der Sprache und deren Zeichen. Wir wissen, Typografie folgt bestimmten Gesetzen und bestimmt dadurch ihren Zweck und Nutzen. Dies gilt nicht nur in der Gestaltung, sondern auch in deren Anordnung. Es gibt Regeln, die eingehalten werden müssen, damit die Menschen deren Sinn deuten können. Doch was geschieht, wenn die Regeln der Typografie gebrochen werden? Wer entscheidet, wie die einzelnen Buchstaben angeordnet sein müssen? Wie reagieren wir, wenn unsere Gewohnheiten nicht mehr gewöhnlich sind? Werden wir durch unsere Lesegewohnheit die korrekte Bedeutung erkennen können? Wird uns die Veränderung überhaupt auf den ersten Blick deutlich werden? Diese Fragen und Erfahrungen sollen mit Hilfe des Künstlerbuchs experimentell visualisiert werden. Für den Inhalt wurde der Roman „Das doppelte Lottchen“ von Erich Kästner ausgewählt, welcher die Veränderungen bzw. die Automatismen in der Typografie unterstützt. Das automatisierte Lottchen visualisiert Verdopplungen, Vertauschungen, Irritationen, Unkenntlichkeit.


Das automatisierte Lottchen Entstanden im Rahmen des Seminars KĂźnstlerbuch an der FH Dortmund

Ein Buch von Lisa DieĂ&#x;ner Betreut von Gerd Erdmann-Wittmaack Printed in Germany, 2011


Inhalt Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch, Türkisch, Japanisch, Deutsch.......................07 Buchstabenvertauschung nach Graham Rawlinson..........................................................09 Binärcode...........................................................................................................................11 Buchstabenzähler...............................................................................................................13 Wortschwärzung.................................................................................................................15 Morse-Code.......................................................................................................................17 Rückwärts..........................................................................................................................19 Copy...................................................................................................................................21 Suchen / Ersetzen..............................................................................................................23 Form...................................................................................................................................25 Groß- Kleinschreibung.......................................................................................................27 Versatz................................................................................................................................29 Satzzeichen........................................................................................................................31 ROT13................................................................................................................................33 Rotation..............................................................................................................................35 Schriftgrad..........................................................................................................................37 Rohtext...............................................................................................................................39 Zahlencode.........................................................................................................................41 Formtext.............................................................................................................................43 Deckkraft............................................................................................................................45 Halbiert...............................................................................................................................47 Quoted-printable................................................................................................................49 Umklammert.......................................................................................................................51 Gestrichen..........................................................................................................................53 Zerstört...............................................................................................................................55 Barriere...............................................................................................................................57 Zufall...................................................................................................................................59 Outline................................................................................................................................61 Cut......................................................................................................................................63 Base 64..............................................................................................................................65 Chaos.................................................................................................................................67


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Kapitel w Seebühl, weißt du? Seebühl Bergdorf? Seebühl Bühlsee der? n? Nein? Strange - nein, eine Nachfrage Seebühl! Vielleicht haben die Leute sind einfach zu Seebühl Bühlsee suchen Sie wissen, fragte ich ihn? Wird ein Wunder. Etwas zu essen. Nun, Bühlsee Seebühl nicht wissen, ja Seebühl Bühlsee weiß nicht, das Haus des berühmten Waisenhaus für Mädchen. Verlust. Aber es spielt keine Rolle. Ein Kind weiß bis 4 Pfund Hund Violett und Brot und Heimat, kennt sie alle. Und für den Bienenstock kann groß sein würde ich zu Fuß. , Flüsterte sie, lächelt, lacht voll weinen. Die Ferienhäuser sind Bienenstock von Freude und Glück für Kinder. Genug, um ihm, vielleicht nie. Natürlich, Nacht, Sehnsucht nach einem Weißen Zwerg von einem Bett im Mehrbettzimmer in seine Tasche, zog weit von schwarzen und weißen Stift für seine Rechenbuch. Tear um Kinder, Trauer und Tränen, um zu versuchen. Doch an diesem Morgen, kann ich nicht sehen! Dann ein Glas Milch untergeht, sein Mund spricht nicht über ein sehr neues Thema. Dann wieder, Schwimmen der dunkelgrünen See Bademätze Kühlakkus oder Singen und Jubeln, Schreien, Springen, Laufen zumindest sehr ähnlich schwömmen sagte. Bühlsee Seebühl ist diese Geschichte, obwohl ich sagen, dass wird nicht gestartet. Mehr komplexe Geschichte. Und manchmal muss man sehr vorsichtig sein. Ich verstehe alles richtig und vollständig. Der erste ist noch recht Geeignete. Nur im nächsten Abschnitt zu beteiligen. Stattdessen Teilnehmer Spannende. Sie Schleife und Louise und alle wichtigen Ideen, Louise, 9 Palffy-jährigen Mädchen und einem vollen See und Einkommen, und mehr gewalttätig und Schwimmen. Wien. Home zu den Gong. Und noch eine dritte. Gewaschen und Boden zu klettern eine Krankenschwester mit Kindern. Zu verpassen „Hong Kong, um allen gelten“, sagte Ulrike. „In der Tat, ich bin mit Louise kommen!“ Louise Schrei „Der alte Mann nicht Schnellzug“, wenn es tatsächlich ist.

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Kapitel w Feruliän Ukrlie tebrit irhe shdnnattcere Hrdee vlzälhliog in den Saltl, ach nien, ins Huas. Zlöwf Uhr, auf den Pknut, wrid zu Matitg ggeeessn. Und dnan wrid niiueregg auf den Ntmcitahag gleureat. Wuram? Am Nmcaitathg wdreen zaziwng »Nuee« etarewrt. Znawizg kniele Mhdceän aus Sasldutchünded. Wedren ein paar Zferafien dsaeieibn? Ein paar Kasatcehblsn? Wgiomlcöh uatlre Deman von dezrihen oedr gar vzereihn Jhearn? Wdreen sie istersnanete Saielscphen mbitinergn? Hfifnetlcoh ist ein goreßr Gbumiamll dnutaerr! Trdeus Blal hat kniee Lfut mher. Und Btigtrie rkcüt ierhn nhcit hruaes. Sie hat ihn im Scahrnk esnsgcheloisen. Gnaz fset. Dimat ihm nthcis piserast. Das gbit’s acuh. Nun, am Ntchaitamg sheetn aslo Lsiue, Tdrue, Btiritge und die aredenn Kdneir an dem gßroen, wöneitgeeffetn eensrien Tor und wertan gnsanpet auf den Atbouus, der die Nueen von der ntcseähn Btnastaihon aheolbn slol. Wnen der Zug pclnktüih efigeetrofnn ist, meßtün sie ecngetliih… Da hput es! »Sie kmoemn!« Der Obniums rlolt die Srßate eatlnng, bgeit vhrcsitiog in die Earnfhit und hlät. Der Cfauufehr sgeitt aus und hbet fiießlg ein kienels Mcdhäen ncah dem aeedrnn aus dem Wegan. Dcoh nhcit nur Mehdcän, sdneron acuh Kfofer und Thscean und Pepupn und Kbröe und Tetün und Sftuofdhne und Rlelor und Smhichcern und Tferacmolshehsn und Remäentgnel und Räcckskue und gleltroe Wecoldkeln und Büebldrciher und Btmanmisierrooeltn und Stcgheteerlinzmsnte, enie knunerutbte Fcarht. Zum Suhlcß tcuaht, mit snieen Htbgseaelikein, im Rhaemn der Wüngetar das ziazngwste knelie Mhcdeän auf. Ein esnrt deeiunchraesnds Dnig. Der Cufafeuhr scetrkt bwireitilelg die Amre hcoh. Die Kniele sühttelct den Kpof, daß bdiee Zpföe srhklencen. »Dknae, nien!« sgat sie hiflcöh und bmistemt und krtetelt, rihug und shiecr, das Tretbittrt hraeb. Uetnn bklcit sie vreleegn lclhenäd in die Rdnue. Pltziclöh mhcat sie gßore etsutarne Aegun. Sie sartrt Lsiue an! Nun rßiet acuh Lsiue die Aegun auf. Ehkscrocern bkclit sie der Nueen ins Gcsihet! Die aerdenn Kiendr und Feuälrin Ukrile secuhan prelepx von enier zur aernden. Der Cufafuehr sbheict die Mztüe ncah hetnin, ktzart scih am Kpof und keigrt den Mnud nhcit wdeeir zu. Wesegewn dnen? Lsiue und die Nuee sheen eandienr zum Vheecsrelwn älnihch! Zawr, enie hat lgnae Lcoekn und die adrene serntg glothenefce Zfpöe - aebr das ist wrlicikh der egnizie Uctesinerhd!

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Kapitel w 01000100-01100001-00100000-01100100-01110010-01100101-01101000-01110100-0010000001110011-01101001-01100011-01101000-00100000-01001100-01110101-01101001-0111001101100101-00100000-01110101-01101101-00100000-01110101-01101110-01100100-0010000001110010-01100101-01101110-01101110-01110100-00101100-00100000-01100001-0110110001110011-00100000-01110111-01100101-01110010-01100100-01100101-00100000-0111001101101001-01100101-00100000-01110110-01101111-01101110-00100000-01001100-1111011001110111-01100101-01101110-00100000-01110101-01101110-01100100-00100000-0101010001101001-01100111-01100101-01110010-01101110-00100000-01110110-01100101-0111001001100110-01101111-01101100-01100111-01110100-00101100-00100000-01101001-0110111000100000-01100100-01100101-01101110-00100000-01000111-01100001-01110010-0111010001100101-01101110-00101110-00001101-00001010-10111011-01001100-01110101-0110100101110011-01100101-00100001-10101011-00100000-01110010-01110101-01100110-0111010000100000-01000110-01110010-11100100-01110101-01101100-01100101-01101001-0110111000100000-01010101-01101100-01110010-01101001-01101011-01100101-00101110-0010000010111011-01001100-01110101-01101001-01110011-01100101-00100001-10101011-0010000001000100-01100001-01101110-01101110-00100000-01111010-01110101-01100011-0110101101110100-00100000-01110011-01101001-01100101-00100000-01100100-01101001-0110010100100000-01000001-01100011-01101000-01110011-01100101-01101100-01101110-0010000001110101-01101110-01100100-00100000-01100010-01110010-01101001-01101110-0110011101110100-00100000-01100101-01110010-01110011-01110100-00100000-01100101-0110100101101110-01101101-01100001-01101100-00100000-01100100-01101001-01100101-0010000001111010-01110111-01100001-01101110-01111010-01101001-01100111-00100000-0100111001100101-01110101-01101100-01101001-01101110-01100111-01100101-00100000-0110100101101110-01110011-00100000-01001000-01100001-01110101-01110011-00101110-0010000001000001-01101100-01110011-00100000-01101100-01100101-01110100-01111010-0111010001100101-00101100-00100000-01111010-11110110-01100111-01100101-01110010-0110111001100100-00100000-01110101-01101110-01100100-00100000-01110101-01101110-0110010101101110-01100100-01101100-01101001-01100011-01101000-00100000-01110110-0110010101110010-01110111-01110101-01101110-01100100-01100101-01110010-01110100-0010110000100000-01110011-01110000-01100001-01111010-01101001-01100101-01110010-0111010000100000-01100100-01100001-01110011-00100000-01101011-01101100-01100101-0110100101101110-01100101-00100000-01011010-01101111-01110000-01100110-01101101-1110010001100100-01100011-01101000-01100101-01101110-00101110-00100000-

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Kapitel w Leer

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Kapitel w Lotte hält die Fotografie einer jungen Frau in der Hand. Sie schaut das Bild zärtlich an und versteckt es dann sorgfältig unter den Schürzen. Als sie den Schrank schließen will, fällt ihr Blick auf einen Spiegel an der Innenwand der Tür. Ernst und forschend mustert sie sich, als sähe sie sich zum erstenmal. Dann wirft sie, mit plötzlichem Entschluß, die Zöpfe nach hinten und streicht das Haar so, daß ihr Schopf dem Luise Palffys ähnlich wird. Irgendwo schlägt eine Tür. Schnell, wie ertappt, läßt Lotte die Hände sinken. Luise hockt mit ihren Freundinnen auf der Gartenmauer und hat eine strenge Falte über der Nasenwurzel. »Ich ließe mir das nicht gefallen«, sagt Trude, ihre Wiener Klassenkameradin. »Kommt da frech mit deinem Gesicht daher!« »Was soll ich denn machen?« fragt Luise böse. »Zerkratz es ihr!« schlägt Monika vor . »Das beste wird sein, du beißt ihr die Nase ab!« rät Christine. »Dann bist du den ganzen Ärger mit einem Schlag los!« Dabei baumelt sie gemütlich mit den Beinen. »Einem so die Ferien zu verhunzen!« murmelt Luise, aufrichtig verbittert. »Sie kann doch nichts dafür«, erklärt die pausbäckige Steffie. »Wenn nun jemand käme und sähe wie ich aus…« Trude lacht. »Du glaubst doch selber nicht, daß jemand anderer so blöd wäre, mit deinem Kopf herumzulaufen!« Steffie schmollt. Die anderen lachen. Sogar Luise verzieht das Gesicht. Da ertönt der Gong. »Die Fütterung der Raubtiere!« ruft Christine. Und die Mädchen springen von der Mauer herunter . Frau Muthesius sagt im Speisesaal zu Fräulein Ulrike: »Wir wollen unsere kleinen Doppelgängerinnen nebeneinander setzen. Vielleicht hilft eine Radikalkur!« Die Kinder strömen lärmend in den Saal. Schemel werden gerückt. Die Mädchen, die Dienst haben, schleppen dampfende Terrinen zu den Tischen. Andere füllen die Teller , die ihnen entgegengestreckt werden. Fräulein Ulrike tritt hinter Luise und Trude, tippt Trude leicht auf die Schulter und sagt: »Du setzt dich neben Hilde Sturm.« Trude dreht sich um und will etwas antworten. »Aber…« »Keine Widerrede, ja?« Trude zuckt die Achseln, steht auf und zieht maulend um. Die Löffel klappern. Der Platz neben Luise ist leer. Es ist erstaunlich, wie viele Blicke ein leerer Platz auf sich lenken kann. Dann schwenken wie auf ein Kommando alle Blicke zur Tür . Lotte ist eingetreten.

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Kapitel w -.. .- -... .. ... - -.. ..- .--- .- . -. -.. .-.. .. -.-. .... --..-- ... .- --. - ..-. .-. ..- .-.. . .. -. ..- .-.. .-. .. -.- . .-.-.- -.- --- -- -- --..-- .. -.-. .... .-- .. .-.. .-.. -.. .. .-. -.. . .. -. . -. .--. .-.. .- - --.. --.. . .. --. . -. .-.-.- ... .. . -... .-. .. -. --. - -.. .- ... ... - .. .-.. .-.. . --..-- . .-. -. ... - . --.. --- .--. ..-. -- -.. -.-. .... . -. --.. ..- -- - .. ... -.-. .... .-.-.- .-.. ..- .. ... . -... .-.. .. -.-. -.- - -. .. -.-. .... - .- ..- ..-. --..-- ... --- -. -.. . .-. -. .. - .-- - . -. -.. .. .... .-. . ... ..- .--. .--. . .. -. ... .. -.-. .... .... .. -. . .. -. .-.-.- .-.. --- - - . ... . - --.. - ... .. -.-. .... ..-. --- .-.. --. ... .- -- -. . -... . -. .-.. ..- .. ... . ..- -. -.. --. .-. . .. ..-. - --.. ..- -- .-.. ..-. ..-. . .-.. --..-- --- -... .-- --- .... .-.. .. .... .-. -.. . .-. .... .- .-.. ... .-- .. . --.. ..- --. . ... -.-. .... -. .-. - .. ... - .-.-.- -.. .. . .- -. -.. . .-. . -. -.- .-.. . .. -. . -. -- -.. -.-. .... . -. ... -.-. .... .. . .-.. . -. .... .. -. --. . .-. .. ... ... . -. --.. ..- -.. . -- -- . .-. -.- .-- .-. -.. .. --. . -. .--. .- .- .-. .... .. -. -... . .-. .-.-.- . .. -. -.- .- .-.. -... -- .. - --.. .-- . .. -... .. ... -.. .-. . .. -.- .--. ..-. . -. -.- -. -. - . -. .. -.-. .... - .. -. - . .-. . ... ... .- -. - . .-. ... . .. -. .-.-.- -.. . .-. -.. .. -.-. -.- . -. --..-- .--. .- ..- ... -... -.-. -.- .. --. . -. ... - . ..-. ..-. .. . ... - . .... - ...- --- .-. .-.. .- ..- - . .-. ... .--. .- -. -. ..- -. --. -.. . .-. -- ..- -. -.. --- ..-. ..-. . -. .-.-.- .-.. ..- .. ... . -.- .- -. -. ... .. -.-. .... -. .. -.-. .... - .-.. -. --. . .-. -... . --.. .... -- . -. .-.-.- ..- -. -.. ... .. . .-- .. .-.. .-.. ... .- ..- -.-. .... --. .- .-. -. .. -.-. .... - .-.-.- -- .. - .- .-.. .-.. . .-. -.- .-. .- ..-. - - .-. .. - - ... .. . ..- -. - . .-. -- - .. ... -.-. .... --. . --. . -. .-.. --- - - . ... ... -.-. .... .. . -. -... . .. -. .-.. --- - - . --.. ..- -.-. -.- - ...- --- .-. ... -.-. .... -- . .-. --.. --.. ..- ... .- -- -- . -. ..- -. -.. .--. .-. . - -.. .. . .-.. .. .--. .--. . -. ..-. . ... - .- ..- ..-. . .. -. .- -. -.. . .-. .-.-.- .- -- - .. ... -.-. .... -.. . .-. . .-. .-- .- -.-. .... ... . -. . -. ... .- --. - -.. .. . .... . .-.. ..-. . .-. .. -. --. . .-. -.. .- -.- --- .--. ..-. ... -.-. .... - - . .-.. -. -.. . ... .. ... - -. .. -.-. .... - --.. ..- ..-. .- ... ... . -. --.. .-- . .. .-- .. .-.. -.. ..-. .-. . -- -.. . -- -.. -.-. .... . -. ..- -. -.. . .. -. . ... --- .-.. -.-. .... . .... -. .-.. .. -.-. .... -.- . .. - ..-. .-. ..- .-.. . .. -. ..- .-.. .-. .. -.- . -- . .. -. - -. .- -.-. .... -.. . -. -.- .-.. .. -.-. .... ...- .. . .-.. .-.. . .. -.-. .... - ... .. -. -.. . ... .- ... - .-. --- .-.. --- --. .. ... -.-. .... . --.. .-- .. .-.. .-.. .. -. --. . .-- .- ... .. ... - -.. . -. -. -.. .- ... -. ..- -. .-- .. . -.. . .-. ..-. .-. .- --. - ..-. .-. ..- .-.. . .. -. --. . .-. -.. .- .-.-.- .- ... - .-. --- .-.. ----. .. ... -.-. .... . --.. .-- .. .-.. .-.. .. -. --. . . ... ... --- .-.. .-.. -- . -. ... -.-. .... . -. --. . -... . -. --..--.. .. . . .. -. .- -. -.. . .-. ...- .-.. .-.. .. --. --. .-.. . .. -.-. .... . -. --..-- --- .... -. . .. -- . -. - ..-. . .-. -. - . ... - . -. ...- . .-. .-- .- -. -.. - --.. ..- ... . .. -. .-.-.- ... .. . ... .. -. -.. .- -... . .-. .. -- ... . .-.. -... . -. -... .-. ..- -.-. .... - . .. .-.. -.. . .-. --. .-.. . .. -.-. .... . -. ... . -.- ..- -. -.. . --.. ..- .-. .-- . .-.. - --. . -.- --- -- -- . -. ..-. .-. ..- .-.. . .. -. --. . .-. -.. .- -- ..- .-. -- . .-.. - .- .... ..-. .-. .- ..- -- ..- - .... . ... .. ..- ... -. .. -.-. -.- - .-.-.- .. -.-. .... .... .- -... . .. -. -- .- .-.. ...- --- -. . .. -. . -- .-.. --- -. -.. --- -. . .-. .... . .-. .-. . -. ... -.-. .... -. . .. -.. . .-. --. . .-.. . ... . -. --..-- -.. . .-. --. . -. .- ..- .-- .. . . -.. ..- ..-. -.. ...- .. .. .-.-.- -.. . .-. . -. --. .-.. .. ... -.-. .... . -.- -. .. --. --..-- .- ..- ... ... .- .... .-.-.- --.. ..- -...- . .-. .-- . -.-. .... ... . .-.. -. .... -. .-.. .. -.-. .... .-.-.- ..- -- ... --- -- . .... .-. .- .-.. ... -.. . .-. ... -.-. .... -. . .. -.. . .-. -.. . -. --. .-.. . .. -.-. .... . -. ... .--. .. - --.. -... .- .-. - - .-. ..- --. .-.-.- -.. . .-. -.- -. .. --. .-.. .. . -.. . -. -- .- -. -. .. -. -.. . -. -... ..- -.-. -.- .. -. --. .... .- -- .--. .- .-.. .- ... - -.- --- -- -- . -. ..- -. -.. ..- -. - . .-. .... .. . .-.. - ... .. -.-. .... .-.. .- -. --. . -- .. - .. .... -- .-.-.-

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Kapitel w .hcua nned re tut sad dnU «!nehegretnu tgihureb aj hci nnak aD» .dnoM enreblis ,etla red tkned ,«tug aN» .neredna red dnaH nednlehcierts red hcan masgnal znag dnaH rerhi tim tztej tetsat ,etniew hcon nebe eid ,enie eid dnu ,negaw nehesuzna thcin rednanie eid ,rednanieneben nehcdäM enielk iewz negeil aD :thcelhcs thcin tnuats dnu retsneflaasfalhcS eßorg shcrud tuahcs dnoM reD .retiew nrethcühcs thcierts dnaH sesiuL ?kcerhcS roV .kcerhcS rov fietskcots driw nehcttoL !raaH rhi rebü neflohebnu dnaH edmerf ,enielk enie thcierts hcilztölP .nih hcis rov tzhculhcs ettoL !negeirk nehctläfhcaL nun nam llos aD .esiel tzfues eiS .theis hcilnhä mhi eis liew ,tßah eis sad ,nehcdäM nesöb menie neben ,edmerF red ni reih eis tgeil nun dnU «!nehcrettümsuaH niem ,kcüruz netlafhcaL dnesuat tim ,ettib ,mmoK .tkcedeg hcsiT ned ,thcokeg ,nehcsawegfua nrednos ,redniK eredna eiw tleipseg thcin nehcsiwzni tsah ud dnU .edüm hci nib ,emmokmieh hci nneW .esuaH uz ginewuz nib hcI .fureB meniem nA .rim na tgeil sE .rid na thcin tgeil se ,ßiew hcI !tsnre uz leiV !nehcttoL ,retlA nied rüf tsnre uz tsib uD !tsriw nies nemmasieb nredniK nehcilhörf neleiv tim nehcoW raap nie ud ßad ,os hcim euerf hcI» :tgaseg deihcsbA mieb rettuM eid rhi ettah saW .dnuM ned fua ednäH eid tßerp ettoL .nenieW setkcürdretnu tfahfpmark ,sesiel tröh eiS .nerhO eid eis tztips hcilztölP .tlam tteB rhi fua dnoM red eid ,legnirK nenreblis eid fua esöb tkcilb esiuL .nih hcis rov nerrats dnu ad neguA neneffo tim reba negeil ,tsef eis nefeilhcs sla ,nut ,trhekeguz nekcüR ned rednanie nebah iewz eseiD .iewz fua siB .nefalhcs redniK ella dnU .thcaN tsi sE «.nessüm nenhöweg rednaniena hcis nedrew eiS !yfflaP esiuL neben tteB sad tmmokeb renröK ettoL» :eis tgas nnaD .neztis nehcdäM nenielk iewz eid med na ,rebünih hcsiT med uz hcilknedhcan suisehtuM uarF tuahcs ,nehcal neredna eid dnerhäW «!nessal nereisarba trabztipS ned sginöK sed hcsnuW fua hcis etßum redienhcsnerreH reD» .tnnapseg adreG tgarf «?retiew ethcihcseG eid gnig eiw dnU» «.nelletstsef tkaxe esiewregilläfuz hcis ßeil sE .aJ» «?nedrow nerobeg ednukeS nehcielg red ni hcilhcästat neraw nedieb eid dnU»

[ Rückwärts ] 19


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Kapitel w w Besaß der Waffenstillstand zwischen den zweien Wert und Dauer? Obwohl er ohne Besaß Besaß der der Waffenstillstand Waffenstillstand zwischen zwischen den den zweien zweien Wert Wert und und Dauer? Dauer? Obwohl Obwohl er er ohne ohne Besaß der Waffenstillstand zwischen den zweien Wert und Dauer? Obwohl er ohne Verhandlungen und Worte geschlossen worden war? Ich möcht’s schon glauben. Verhandlungen und Worte geschlossen worden war? Ich möcht’s schon glauben. Verhandlungen und und Worte Worte geschlossen geschlossen worden worden war? war? Ich Ich möcht’s möcht’s schon schon glauben. glauben. Verhandlungen Aber vom Waffenstillstand zum Frieden ist ein weiter Weg. Auch bei Kindern. Oder? Aber vom Waffenstillstand zum Frieden ist ein weiter Weg. Auch bei Kindern. Aber vom vom Waffenstillstand Waffenstillstand zum zum Frieden Frieden ist ist ein ein weiter weiter Weg. Weg. Auch Auch bei bei Kindern. Kindern. Oder? Oder? Aber Oder? Sie wagten Sie wagten einander einander nicht nicht anzusehen, anzusehen, als als sie sie am am nächsten nächsten Morgen Morgen aufwachten, aufwachten, als als sie sie Sie Sie wagten wagten einander einander nicht nicht anzusehen, anzusehen, als als sie sie am am nächsten nächsten Morgen Morgen aufwachten, aufwachten, als als sie sie dann in ihren weißen, langen Nachthemden in den Waschsaal liefen, als sie sich, Schrank dann in ihren weißen, langen Nachthemden in den Waschsaal liefen, als sie sich, Schrank dann in ihren weißen, langen Nachthemden in den Waschsaal liefen, als sie sich, Schrank dann in ihren weißen, langen Nachthemden in den Waschsaal liefen, als sie sich, Schrank an Schrank, an Schrank, anzogen, anzogen, als als sie, sie, Stuhl Stuhl an an Stuhl, Stuhl, beim beim Milchfrühstück Milchfrühstück saßen, saßen, und und auch auch nicht, nicht, an an Schrank, Schrank, anzogen, anzogen, als als sie, sie, Stuhl Stuhl an an Stuhl, Stuhl, beim beim Milchfrühstück Milchfrühstück saßen, saßen, und und auch auch nicht, nicht, als sie nebeneinander, Lieder singend, am See entlangliefen und später mit den als sie nebeneinander, Lieder singend, am See entlangliefen und später mit den als sie nebeneinander, Lieder singend, am See entlangliefen und später mit den als sie nebeneinander, Lieder singend, am See entlangliefen und später mit den Helferinnen Reigen Helferinnen Reigen tanzten tanzten und und Blumenkränze Blumenkränze flochten. flochten. Ein Ein einziges einziges Mal Mal kreuzten kreuzten sich sich Helferinnen Helferinnen Reigen Reigen tanzten tanzten und und Blumenkränze Blumenkränze flochten. flochten. Ein Ein einziges einziges Mal Mal kreuzten kreuzten sich sich ihre raschen, huschenden Blicke, doch dann waren sie auch schon wieder erschrocken ihre raschen, huschenden Blicke, doch dann waren sie auch schon wieder erschrocken ihre raschen, huschenden Blicke, doch dann waren sie auch schon wieder erschrocken ihre raschen, huschenden Blicke, doch dann waren sie auch schon wieder erschrocken voneinander weggeglitten. voneinander weggeglitten. voneinander voneinander weggeglitten. weggeglitten. Jetzt sitzt Jetzt sitzt Fräulein Fräulein Ulrike Ulrike in in der der Wiese Wiese und und liest liest einen einen wunderbaren wunderbaren Roman, Roman, in in dem dem auf auf Jetzt Jetzt sitzt sitzt Fräulein Fräulein Ulrike Ulrike in in der der Wiese Wiese und und liest liest einen einen wunderbaren wunderbaren Roman, Roman, in in dem dem auf auf jeder Seite von Liebe die Rede ist. Manchmal läßt sie das Buch sinken und denkt an Herrn jeder Seite von Liebe die Rede ist. Manchmal läßt sie das Buch sinken und denkt an Herrn jeder Seite von Liebe die Rede ist. Manchmal läßt sie das Buch sinken und denkt an jeder Seite von Liebe die Rede ist. Manchmal läßt sie das Buch sinken und denkt an Herrn Herrn Rademacher, den Diplomingenieur, der bei ihrer Tante zur Untermiete wohnt. Rudolf heißt Rademacher, den den Diplomingenieur, Diplomingenieur, der der bei bei ihrer ihrer Tante Tante zur zur Untermiete Untermiete wohnt. wohnt. Rudolf Rudolf heißt heißt Rademacher, Rademacher, den Diplomingenieur, der bei ihrer Tante zur Untermiete wohnt. Rudolf heißt er. Ach, Rudolf! er. er. Ach, Ach, Rudolf! Rudolf! er. Ach, Rudolf! Luise spielt indessen mit ihren Freundinnen Völkerball. Aber sie ist nicht recht bei der Luise Luise spielt spielt indessen indessen mit mit ihren ihren Freundinnen Freundinnen Völkerball. Völkerball. Aber Aber sie sie ist ist nicht nicht recht recht bei bei der der Luise spielt indessen mit ihren Freundinnen Völkerball. Aber sie ist nicht recht bei der Sache. Oft schaut sie sich um, als suche sie jemanden und könne ihn nicht finden. Sache. Oft schaut sie sich um, als suche sie jemanden und könne ihn nicht finden. Sache. Oft Oft schaut schaut sie sie sich sich um, um, als als suche suche sie sie jemanden jemanden und und könne könne ihn ihn nicht nicht finden. finden. Sache. Trude fragt: »Wann beißt du denn nun endlich der Neuen die Nase ab, hm?« Trude fragt: »Wann beißt du denn nun endlich der Neuen die Nase ab, hm?« Trude fragt: fragt: »Wann »Wann beißt beißt du du denn denn nun nun endlich endlich der der Neuen Neuen die die Nase Nase ab, ab, hm?« hm?« Trude »Sei nicht so blöd!« sagt Luise. Christine blickt sie überrascht an. »Nanu! Ich denke, du »Sei nicht so blöd!« sagt Luise. Christine blickt sie überrascht an. »Nanu! »Sei nicht nicht so so blöd!« blöd!« sagt sagt Luise. Luise. Christine Christine blickt blickt sie sie überrascht überrascht an. an. »Nanu! »Nanu! Ich Ich denke, denke, du du »Sei Ich denke, du hast eine Wut auf sie?« »Ich kann doch nicht jedem, auf den ich eine Wut habe, die Nase hast eine Wut auf sie?« »Ich kann doch nicht jedem, auf den ich eine Wut habe, die Nase hast eine eine Wut Wut auf auf sie?« sie?« »Ich »Ich kann kann doch doch nicht nicht jedem, jedem, auf auf den den ich ich eine eine Wut Wut habe, habe, die die Nase Nase hast abbeißen«, erklärt Luise kühl. Und sie setzt hinzu: »Außerdem hab’ ich gar keine Wut auf abbeißen«, erklärt Luise kühl. Und sie setzt hinzu: »Außerdem hab’ ich gar keine Wut abbeißen«, erklärt erklärt Luise Luise kühl. kühl. Und Und sie sie setzt setzt hinzu: hinzu: »Außerdem »Außerdem hab’ hab’ ich ich gar gar keine keine Wut Wut auf auf abbeißen«, auf sie.« »Aber gestern hattest du doch welche!« beharrt Steffie. »Und was für eine Wut!« sie.« »Aber gestern hattest du doch welche!« beharrt Steffie. »Und was für eine Wut!« sie.« sie.« »Aber »Aber gestern gestern hattest hattest du du doch doch welche!« welche!« beharrt beharrt Steffie. Steffie. »Und »Und was was für für eine eine Wut!« Wut!« ergänzt Monika. »Beim Abendbrot hast du sie unterm Tisch so gegen‘s Schienbein ergänzt Monika. »Beim Abendbrot hast du sie unterm Tisch so gegen‘s Schienbein ergänzt Monika. »Beim Abendbrot hast du sie unterm Tisch so gegen‘s Schienbein ergänzt Monika. »Beim Abendbrot hast du sie unterm Tisch so gegen‘s Schienbein getreten, daß getreten, daß sie sie beinahe beinahe gebrüllt gebrüllt hätte!« hätte!« »Na »Na also«, also«, stellt stellt Trude Trude mit mit sichtlicher sichtlicher GenugGenuggetreten, getreten, daß daß sie sie beinahe beinahe gebrüllt gebrüllt hätte!« hätte!« »Na »Na also«, also«, stellt stellt Trude Trude mit mit sichtlicher sichtlicher GenugGenugtuung fest. Luises Gefieder sträubt sich. »Wenn ihr nicht gleich aufhört«, ruft sie zornig, tuung fest. Luises Gefieder sträubt sich. »Wenn ihr nicht gleich aufhört«, ruft sie zornig, tuung fest. Luises Gefieder sträubt sich. »Wenn ihr nicht gleich aufhört«, ruft sie tuung fest. Luises Gefieder sträubt sich. »Wenn ihr nicht gleich aufhört«, ruft sie zornig, zornig, »kriegt ihr auch eins ans Schienbein!« Damit wendet sie sich um und rauscht davon. »kriegt ihr auch eins ans Schienbein!« Damit wendet sie sich um und rauscht davon. »kriegt ihr auch eins ans Schienbein!« Damit wendet sie sich um und rauscht davon. »kriegt ihr auch eins ans Schienbein!« Damit wendet sie sich um und rauscht davon. »Die weiß »Die weiß nicht, nicht, was was sie sie will«, will«, meint meint Christine Christine und und zuckt zuckt die die Achseln. Achseln. »Die »Die weiß weiß nicht, nicht, was was sie sie will«, will«, meint meint Christine Christine und und zuckt zuckt die die Achseln. Achseln. Lotte sitzt, Lotte sitzt, ein ein Blumenkränzchen Blumenkränzchen auf auf den den Zöpfen, Zöpfen, allein allein in in der der Wiese Wiese und und ist ist damit damit Lotte Lotte sitzt, sitzt, ein ein Blumenkränzchen Blumenkränzchen auf auf den den Zöpfen, Zöpfen, allein allein in in der der Wiese Wiese und und ist ist damit damit beschäftigt, einen zweiten Kranz zu winden. Da fällt ein Schatten über ihre Schürze. beschäftigt, einen zweiten Kranz zu winden. Da fällt ein Schatten über ihre Schürze. beschäftigt, einen zweiten Kranz zu winden. Da fällt ein Schatten über ihre Schürze. beschäftigt, einen zweiten Kranz zu winden. Da fällt ein Schatten über ihre Schürze. Sie Sie blickt blickt auf. auf. Luise Luise steht steht vor vor ihr ihr und und tritt, tritt, verlegen verlegen und und unschlüssig, unschlüssig, von von einem einem Bein Bein aufs aufs Sie Sie blickt blickt auf. auf. Luise Luise steht steht vor vor ihr ihr und und tritt, tritt, verlegen verlegen und und unschlüssig, unschlüssig, von von einem einem Bein Bein aufs aufs andere. Lotte wagt ein schmales Lächeln. Kaum, daß man’s sehen kann. Eigentlich nur andere. Lotte Lotte wagt wagt ein ein schmales schmales Lächeln. Lächeln. Kaum, Kaum, daß daß man’s man’s sehen sehen kann. kann. Eigentlich Eigentlich nur nur mit mit andere. andere. Lotte wagt ein schmales Lächeln. Kaum, daß man’s sehen kann. Eigentlich nur mit mit der Lupe. der Lupe. der Lupe. der Lupe.

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Kapitel w w Luise lächelt erleichtert zurück. Lotte hält den Kranz, den sie eben gewunden hat, hoch und fragt schüchtern: »Willst du ihn?« LuiseLuise läßt sich auf die Knie nieder und sagt leidenschaftlich: »Ja, aber nur, wenn du ihn mir aufsetzt!« LotteLotte drückt ihr den Kranz in die Locken. Dann nickt sie und fügt hinzu: »Schön!« Nun sitzen also die beiden ähnlichen Mädchen nebeneinander auf der Wiese, sind mutterseelenallein, schweigen und lächeln einander vorsichtig an. Dann atmet LuiseLuiseLuise schwer und fragt: »Bist du mir noch böse?« LotteLotteLotte schüttelt den Kopf. LuiseLuiseLuiseLuise blickt zu Boden und stößt hervor: »Es kam so plötzlich! Der Autobus! Und dann du! So ein Schreck!« LotteLotteLotteLotte nickt. »So ein Schreck«, wiederholt sie. LuiseLuiseLuiseLuiseLuise beugt sich vor. »Eigentlich ist es furchtbar lustig, nein?« LotteLotteLotteLotteLotte blickt ihr erstaunt in die übermütig blitzenden Augen. »Lustig?« Dann fragt sie leise: »Hast du Geschwister?« »Nein!« »Ich auch nicht«, sagt LotteLotteLotteLotteLotteLotte. Beide haben sich in den Waschsaal geschlichen und stehen vor einem großen Spiegel. LotteLotteLotteLotteLotteLotte ist voll Feuereifer dabei, LuiseLuiseLuiseLuiseLuiseLuises Locken mit Kamm und Bürste zu striegeln. LuiseLuiseLuiseLuiseLuiseLuiseLuise schreit »Au!« und »Oh!« »Willst du wohl ruhig sein?« schimpft LotteLotteLotteLotteLotteLotteLotte, gespielt streng. »Wenn dir deine Mutti Zöpfe flicht, wird nicht geschrien!« »Ich hab’ doch gar keine Mutti!« murrt LuiseLuiseLuiseLuiseLuiseLuiseLuiseLuise. »Deswegen, au!, deswegen bin ich ja auch so ein lautes Kind, sagt mein Vater!« »Zieht er dir denn nie die Hosen straff?« erkundigt sich LotteLotteLotteLotteLotteLotteLotteLotte angelegentlich, während sie mit dem Zopfflechten beginnt. »Ach wo! Dazu hat er mich viel zu lieb!« »Das hat doch damit nichts zu tun!« bemerkt LotteLotteLotteLotteLotteLotteLotteLotteLotte sehr weise. »Und außerdem hat er den Kopf voll.« »Es genügt doch, daß er eine Hand frei hat!« Sie lachen. Dann sind LuiseLuiseLuiseLuiseLuiseLuiseLuiseLuiseLuises Zöpfe fertig, und nun schauen die Kinder mit brennenden Augen in den Spiegel. Die Gesichter strahlen wie Christbäume. Zwei völlig gleiche Mädchen blicken in den Spiegel hinein! Zwei völlig gleiche Mädchen blicken aus dem Spiegel heraus! »Wie zwei Schwestern!« flüstert LotteLotteLotteLotteLotteLotteLotteLotteLotteLotte begeistert. Der Mittagsgong ertönt. »Das wird ein Spaß!« ruft LuiseLuiseLuiseLuiseLuiseLuiseLuiseLuiseLuiseLuise. Sie rennen aus dem Waschsaal. Und halten einander an den Händen.

[ Suchen / Ersetzen ] 23


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Kapitel w w DeR FoToGrAf, EiN GeWiSsEr hErR EiPeLdAuEr, HaT NaCh dEr eRsTeN VeRbLüFfUnG GaNzE ArBeIt gElEiStEt. SeChS VeRsChIeDeNe aUfNaHmEn hAt eR GeMaChT. iN ZeHn tAgEn sOlLeN DiE PoStKaRtEn fErTiG SeIn. Zu sEiNeR FrAu mEiNt eR, aLs dIe mädChEn fOrT SiNd: »wEißt wAs, Am eNdE ScHiCk’ IcH EiN PaAr gLaNzAbZüGe aN EiNe iLlUsTrIeRtE OdEr eIn mAgAzIn! ZeItScHrIfTeN InTeReSsIeReN SiCh mAnChMaL FüR So wAs!« DrAußeN VoR SeInEm gEsChäfT DrösElT LuIsE IhRe »DuMmEn« ZöPfE WiEdEr aUf, DeNn dIe bRaVe hAaRtRaChT BeEiNtRäChTiGt iHr wOhLbEfInDeN. uNd aLs sIe iHrE LoCkEn wIeDeR ScHüTtElN KaNn, KeHrT AuCh iHr tEmPeRaMeNt zUrücK. sIe lädT LoTtE Zu eInEm gLaS LiMoNaDe eIn. LoTtE StRäUbT SiCh. LuIsE SaGt eNeRgIsCh: »dU HaSt zU FoLgEn! MeIn vAtEr hAt vOrGeStErN FrIsChEs tAsChEnGeLd gEsChIcKt. AuF GeHt’s!« SiE SpAzIeReN AlSo zUr förStErEi hInAuS, sEtZeN SiCh iN DeN GaRtEn, TrInKeN LiMoNaDe uNd pLaUdErN. eS GiBt jA So vIeL Zu eRzähLeN, zU FrAgEn uNd zU BeAnTwOrTeN, wEnN ZwEi kLeInE MäDcHeN ErSt eInMaL FrEuNdInNeN GeWoRdEn sInD! dIe hühNeR LaUfEn pIcKeNd uNd gAcKeRnD ZwIsChEn dEn gAsThAuStIsChEn hIn uNd hEr. EiN AlTeR JaGdHuNd bEsChNuPpErT DiE BeIdEn gäsTe uNd iSt mIt iHrEr aNwEsEnHeIt eInVeRsTaNdEn. »iSt dEiN VaTeR ScHoN LaNgE ToT?« FrAgT LuIsE. »IcH WeIß eS NiChT«, SaGt lOtTe. »mUtTi sPrIcHt nIeMaLs vOn iHm - uNd fRaGeN MöChT’ iCh nIcHt gErN.« LuIsE NiCkT. »IcH KaNn mIcH An mEiNe mUtTi gAr nIcHt mEhR ErInNeRn. FrühEr sTaNd aUf vAtErS FlügEl eIn gRoßeS BiLd vOn iHr. EiNmAl kAm eR DaZu, WiE IcH Es mIr aNsAh. UnD Am näcHsTeN TaG WaR Es fOrT. eR HaT Es wAhRsChEiNlIcH Im sChReIbTiScH EiNgEsChLoSsEn.« DiE HüHnEr gAcKeRn. DeR JaGdHuNd dösT. eIn kLeInEs mädChEn, DaS KeInEn vAtEr, UnD EiN KlEiNeS MäDcHeN, dAs kEiNe mUtTeR MeHr hAt, TrInKeN LiMoNaDe. »dU BiSt dOcH AuCh nEuN JaHrE AlT?« FrAgT LuIsE. »Ja.« lOtTe nIcKt. »aM 14. OkToBeR WeRdE IcH ZeHn.« lUiSe sEtZt sIcH KeRzEnGeRaDe. »aM 14. OkToBeR?« »aM 14. OkToBeR.« LuIsE BeUgT SiCh vOr uNd fLüStErT: »IcH AuCh!« lOtTe wIrD StEiF WiE EiNe pUpPe. hInTeRm hAuS KrähT EiN HaHn. DeR JaGdHuNd sChNaPpT NaCh eInEr bIeNe, DiE In sEiNeR NäHe sUmMt. AuS DeM OfFeNeN KüChEnFeNsTeR HöRt mAn dIe förStErSfRaU SiNgEn. DiE BeIdEn kInDeR ScHaUeN EiNaNdEr wIe hYpNoTiSiErT In dIe aUgEn. LoTtE ScHlUcKt sChWeR UnD FrAgT, hEiSeR VoR AuFrEgUnG: »UnD - Wo bIsT Du gEbOrEn?« lUiSe eRwIdErT LeIsE UnD ZöGeRnD: »In lInZ An dEr dOnAu!« lOtTe fähRt sIcH MiT DeR ZuNgE übEr dIe tRoCkEnEn lIpPeN. »IcH AuCh!«

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Kapitel w w Es

ganz im Nur Baumwipfel sich. hat Schicksal, ist still Garten. die bewegen Vielleicht das das über Garten schwebte, mit Flügeln eben den hin sie seinen gestreift? Lotte langsam: habe Foto von Mutti Schrank.« sagt »Ich ein von… meiner im »Aber…« »Kein Die ahnen Sie sich fotografieren und Aber! Kinder nichts. haben vorhin lassen werden Bildchen Wenn die hierdurch gut! die heimschicken. sich Fäden entwirren, Doch Sie ich, wollen hüten, zu Ich Ihnen Ihre und wir uns Schicksal spielen. danke für Einsicht, meine Und schicken mir, die Liebe. jetzt Sie bitte, Köchin.« Fräulein

macht sonderlich Gesicht, sie Büro Ulrike kein geistreiches als das verläßt. Übrigens das ihr etwas Neues. wäre bei auch völlig

[ Versatz ] 29


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[ ROT13 ] 33


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Kapitel w w w nicht«, meint Lotte schüchtern. »Wir sind ja nur Kinder!« »Nur?« fragt Luise und wirft den

den beiden einmal die Meinung geigen! Die werden staunen!« »Das dürfen wir doch gar

Luise stemmt die Arme in die Seiten. »Schöne Eltern haben wir, was? Na warte, wenn wir

dir nichts davon erzählt, daß Mutti lebt?« »Und Mutti hat dir verschwiegen, daß Vati lebt!«

erzählt, daß wir gar nicht einzeln, sondern eigentlich Zwillinge sind? Und warum hat Vater

»Warum haben sie uns halbiert?« »Warum«, fährt Lotte grübelnd fort, »haben sie uns nie

Steffies Eltern das wollen?« »Warum ist Vater in Wien und Mutti in München?« fragt Luise.

du sagt er zu keiner! Aber wie ist das mit Mutti? Hat Mutti einen - einen guten Freund?«

zögernd. Luise schüttelt den Lockenkopf. »Bekannte hat er natürlich. Auch Frauen. Aber

dert Luise. »Das wüßte ich.« »Vielleicht eine, mit der er nicht verheiratet ist?« fragt Lotte

aufs heftigste. »Unser Vater«, fragt Lotte, »hat doch aber keine neue Frau?« »Nein«, erwi-

Luise und Lotte gehen rasch weiter. Was sie eben gehört haben, bewegt ihre Gemüter

aufs heftigste. »Unser Vater«, fragt Lotte, »hat doch aber keine neue Frau?« »Nein«, erwi-

dert Luise. »Das wüßte ich.« »Vielleicht eine, mit der er nicht verheiratet ist?« fragt Lotte

zögernd. Luise schüttelt den Lockenkopf. »Bekannte hat er natürlich. Auch Frauen. Aber

du sagt er zu keiner! Aber wie ist das mit Mutti? Hat Mutti einen - einen guten Freund?«

»Nein«, meint Lotte zuversichtlich. »Mutti hat mich und ihre Arbeit, und sonst will sie

nichts vom Leben, sagt sie.«

Luise blickt die Schwester ziemlich ratlos an. »Ja, aber warum sind sie denn dann ge-

schieden?« Lotte denkt nach. »Vielleicht waren sie gar nicht auf dem Gericht? So, wie

Steffies Eltern das wollen?« »Warum ist Vater in Wien und Mutti in München?« fragt Luise.

»Warum haben sie uns halbiert?« »Warum«, fährt Lotte grübelnd fort, »haben sie uns nie

erzählt, daß wir gar nicht einzeln, sondern eigentlich Zwillinge sind? Und warum hat Vater

dir nichts davon erzählt, daß Mutti lebt?« »Und Mutti hat dir verschwiegen, daß Vati lebt!«

Luise stemmt die Arme in die Seiten. »Schöne Eltern haben wir, was? Na warte, wenn wir

den beiden einmal die Meinung geigen! Die werden staunen!« »Das dürfen wir doch gar

nicht«, meint Lotte schüchtern. »Wir sind ja nur Kinder!« »Nur?« fragt Luise und wirft den

Kopf zurück.

Luise und Lotte gehen rasch weiter. Was sie eben gehört haben, bewegt ihre Gemüter schieden?« Lotte denkt nach. »Vielleicht waren sie gar nicht auf dem Gericht? So, wie

Luise blickt die Schwester ziemlich ratlos an. »Ja, aber warum sind sie denn dann ge-

»Nein«, meint Lotte zuversichtlich. »Mutti hat mich und ihre Arbeit, und sonst will sie

Luise und Lotte gehen rasch weiter. Was sie eben gehört haben, bewegt ihre Gemüter

aufs heftigste. »Unser Vater«, fragt Lotte, »hat doch aber keine neue Frau?« »Nein«, erwidert Luise. »Das wüßte ich.« »Vielleicht eine, mit der er nicht verheiratet ist?« fragt Lotte

zögernd. Luise schüttelt den Lockenkopf. »Bekannte hat er natürlich. Auch Frauen. Aber du sagt er zu keiner! Aber wie ist das mit Mutti? Hat Mutti einen - einen guten Freund?« »Nein«, meint Lotte zuversichtlich. »Mutti hat mich und ihre Arbeit, und sonst will sie

Kopf zurück.

nichts vom Leben, sagt sie.«

nicht«, meint Lotte schüchtern. »Wir sind ja nur Kinder!« »Nur?« fragt Luise und wirft den

Luise blickt die Schwester ziemlich ratlos an. »Ja, aber warum sind sie denn dann ge-

den beiden einmal die Meinung geigen! Die werden staunen!« »Das dürfen wir doch gar

schieden?« Lotte denkt nach. »Vielleicht waren sie gar nicht auf dem Gericht? So, wie

Luise stemmt die Arme in die Seiten. »Schöne Eltern haben wir, was? Na warte, wenn wir

Steffies Eltern das wollen?« »Warum ist Vater in Wien und Mutti in München?« fragt Luise. dir nichts davon erzählt, daß Mutti lebt?« »Und Mutti hat dir verschwiegen, daß Vati lebt!«

»Warum haben sie uns halbiert?« »Warum«, fährt Lotte grübelnd fort, »haben sie uns nie

erzählt, daß wir gar nicht einzeln, sondern eigentlich Zwillinge sind? Und warum hat Vater

erzählt, daß wir gar nicht einzeln, sondern eigentlich Zwillinge sind? Und warum hat Vater

»Warum haben sie uns halbiert?« »Warum«, fährt Lotte grübelnd fort, »haben sie uns nie

dir nichts davon erzählt, daß Mutti lebt?« »Und Mutti hat dir verschwiegen, daß Vati lebt!«

Steffies Eltern das wollen?« »Warum ist Vater in Wien und Mutti in München?« fragt Luise. Luise stemmt die Arme in die Seiten. »Schöne Eltern haben wir, was? Na warte, wenn wir

schieden?« Lotte denkt nach. »Vielleicht waren sie gar nicht auf dem Gericht? So, wie

den beiden einmal die Meinung geigen! Die werden staunen!« »Das dürfen wir doch gar

Luise blickt die Schwester ziemlich ratlos an. »Ja, aber warum sind sie denn dann genichts vom Leben, sagt sie.«

Kopf zurück.

nichts vom Leben, sagt sie.«

nicht«, meint Lotte schüchtern. »Wir sind ja nur Kinder!« »Nur?« fragt Luise und wirft den

»Nein«, meint Lotte zuversichtlich. »Mutti hat mich und ihre Arbeit, und sonst will sie

du sagt er zu keiner! Aber wie ist das mit Mutti? Hat Mutti einen - einen guten Freund?« Kopf zurück.

zögernd. Luise schüttelt den Lockenkopf. »Bekannte hat er natürlich. Auch Frauen. Aber dert Luise. »Das wüßte ich.« »Vielleicht eine, mit der er nicht verheiratet ist?« fragt Lotte

aufs heftigste. »Unser Vater«, fragt Lotte, »hat doch aber keine neue Frau?« »Nein«, erwiLuise und Lotte gehen rasch weiter. Was sie eben gehört haben, bewegt ihre Gemüter

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Kapitel w w w w Die Ferien gehen dem Ende zu. In den Schränken sind die Stapel frischer Wäsche zusammengeschmolzen. Die Betrübnis, das Kinderheim bald verlassen zu müssen, und die Freude aufs Zuhause wachsen gleichmäßig.

Frau Muthesius plant ein kleines Abschiedsfest. Der Vater eines der Mädchen, dem ein Kaufhaus gehört, hat eine große Kiste Lampions, Girlanden und viele andere Dinge geschickt. Nun sind die

Helferinnen und die Kinder eifrig dabei, die Veranda und den Garten gehörig herauszuputzen. Sie schleppen Küchenleitern von Baum zu Baum, hängen bunte

Laternen ins Laub, schlingen Girlanden von Zweig zu Zweig und bereiten auf einem langen Tisch eine Tombola vor. Andere schreiben auf

kleine Zettel Losnummern. Der Hauptgewinn: ein Paar Rollschuhe mit Kugellagern!

»Wo sind eigentlich die Locken und die Zöpfe?« fragt Fräulein Ulrike. (So nennt man Luise und Lotte neuer-

dings!) »Och die!« meint Monika abfällig. »Die werden wieder irgendwo im Gras sitzen und einander

an den Händen halten, damit der Wind sie nicht auseinanderweht!«

Die Zwillinge sitzen nicht irgendwo im Gras, sondern im Garten der Försterei. Sie

halten einander auch nicht an den Händen - dazu haben sie nicht die min-

deste Zeit -, sondern sie haben Oktavheftchen vor sich liegen, halten

Bleistifte in der Hand, und im Augenblick diktiert Lotte gerade der

emsig kritzelnden Luise: »Am liebsten mag Mutti Nudelsuppe

mit Rindfleisch. Das Rindfleisch holst du beim Metzger

Huber. Ein halbes Pfund Querrippe, schön durchwachsen.« Luise hebt den Kopf. »Metzger Huber,

Max-Emanuel-Straße, Ecke Prinz-Eugen-Straße«, schnurrt sie in einem Atemzug herunter. Lotte

nickt befriedigt. »Das Kochbuch steht im Küchenschrank, im untersten Fach ganz

links. Und in dem Buch liegen alle Rezepte, die ich kann.« Luise notiert:

»Kochbuch… Küchenschrank… unteres Fach… ganz links…« Dann

stützt sie die Arme auf und meint:

»Vor dem Kochen hab’ ich eine

Heidenangst!«

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Kapitel w w w w AberwennsindenerstenTagenschiefgehtkannichvielleichtsagenichhättsindenFerienverlerntwieLottenicktzögerndAußerdemkannstdumirjagleichschreibenwennetwasnichtklapptIchgehejedenTagaufsPostamtundfrageobetwasangekommenistIchauchmeintLuiseSchreibnurrechtoftUndißtüchtigimImperialVatifreutsichimmersowennsmirschmecktZudummdaßausgerechnetgefülltePalatschinkendeinLieblingsgerichtsindmurrtLottchenNadakannebennichtshelfenAberKalbsschnitzelundGulaschwärenmirlieberWenndugleichdenerstenTagdreiPalatschinkenißtodervieroderfünfkannstduhinterhersagenduhastdichfürsganzeweitereLebendaranüberfressenschlägtLuisevorDasgehtantwortetdieSchwesterobwohlsichihrbereitsbeidembloßenGedankenanfünfPalatschinkenderMagenumdrehtSiemagsienuneinmalnichtDannbeugensichbeidewiederüberihreHeftchenundhöreneinanderwechselseitigdieNamenderMitschülerinnendieSitzordnunginderKlassedieGewohnheitenderLehrerinunddengenauenSchulwegabMitdemSchulweghastdu’sleichteralsichmeintLuiseDusagstTrudeganzeinfa chsiesolldichamerstenTagabholenDasmachtsiemanchmalNaunddaläufstdudannganzgemütlichnebenihrherundmerkstdirdieStraßeneckenunddenübrigenPalawatschLottenicktPlötzlicherschricktsieDashabichdirnochgarnichtgesagtvergißjanichtMuttiwennsiedichzuBettbringteinenGutenachtkußzugebenLuiseblicktvorsichhinDasbrauchichmirnichtaufzuschreibenDasvergesseichbestimmtnichtMerktihrwassichanspinntDieZwillingewollendenElternnochimmernichterzählendaßsieBescheidwissenSiewollenVaterundMutternichtvorEntscheidungenstellenSieahnendaßsiekeinRechtdazuhabenUndsiefürchtendieEntschlüssederElternkönntendasjungeGeschwisterglücksofortundendgültigwiederzerstörenAberdasanderebrächtensieerstrechtnichtübersHerzalswärenichtsgeschehenzurückzufahrenwohersiegekommensindWeiterzulebeninderihnenvondenElternungefragtzugewiesenenHälfteNeinKurzundgutesisteineVerschwörungimGangeDervonSehnsuchtundAbenteuerlustgewecktephantastischePlansiehtsoausDiebeidenwollendieKleiderFrisurenKofferSchürzenundExistenzentauschenLuisewillmitbravenZöpfenundauchsonstumsBravseinbemühtalsseisieLottezurMuttervondersienichtsalseineFotografiekenntheimkehrenUndLottewirdmitoffenemHaarundsolustigundlebhaftwiesiesnurvermagandieDonauzumVaternachWienfahrenDieVorbereitungenaufdiezukünftigenAbenteuerwarengründlichDieOktavheftesindrandvollvonNotizenManwirdeinanderpostlagerndschreibenwennNotamMannistoderwennwichtigeunvorhergeseheneEreignisseeintretensolltenVielleichtwirdesihrergemeinsamenAufmerksamkeitamEndesogargelingenzuenträtselnwarumdieElterngetrenntlebenUndvielleichtwerdensiedanneinesschöneneineswunderschönenTagesmiteinanderundmitbeidenElterndochsoweitwagensiekaumzudenkengeschweigedenndarüberzusprechenDasGartenfestamVorabendderAbreiseistalsGeneralprobevorgesehenLottekommtalslockigequirligeLuiseLuiseerscheintalsbravebezopfteLotteUndbeidespielenihreRollenausgezeichnet

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[ Zahlencode ] 41


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München. Hauptbahnhof, Bahn-nsteig 16. Die Lokomotive steht still und ringt nach Luft. In dem Strom der Reisenden haben sich Inseln des Wiedersehens gebildet. Kleine Mädchen umhalsen ihre strahlenden Eltern.

Man vergißt vor lauter selig gerührtem Schwadronieren, daß man ja erst auf dem Bahnhof und noch gar nicht daheim ist! Allmählich wird der Bahnsteig aber doch leer. Und zum Schluß steht nur noch ein einziges Kind da, ein Kind mit Zöpfen und Zopfschleifen. Bis gestern trug es Locken. Bis gestern hieß es Luise Palffy. Das kleine Mädchen hockt sich schließlich auf den Koffer und beißt die Zähne fest zusammen. Im Bahnhof ein er fremden Stadt auf seine Mutter zu warten, die man nur als Fotografie kennt und die nicht kommt - das ist kein Kind erspiel! Frau Luiselotte Palffy, ge borene Körner, die sich seit sechseinhalb Jahren (seit ihrer Scheidung) wieder Luise lotte Körner nennt, ist im Verlag der »Münchner Illustrierten«, wo sie als Bildredakteurin angestellt ist, durch neu eingetroffnes Material für die aktuellen Seiten aufgehal ten worden. Endlich hat sie ein Taxi ergattert. Endlich hat sie eine Bahnsteigkarte erkäm pft. Endlich hat sie im Dauerlauf Bahnsteig 16 erreicht. Der Bahnsteig ist leer. Nein! Ganz, ganz hinten sitzt ein Kind auf einem Koffer! Die junge Frau rast wie die Feuerwehr den Bahnsteig entlang! Einem klei nen Mädchen, das auf einem Koffer hockt, zittern die Knie. Ein ungeahntes Gefühl ergreift das Kinderherz. Diese junge, glückstrahlende, diese wirkliche, wirbelnde, lebendige Frau ist ja die Mutter! »Mutti!« Luise stü rzt der Frau entgegen und springt ihr, die Arme hochwerfend, an den Hals. »Mein Hausmütterchen«, flüstert die junge Frau unter Tränen. »Endlich, endlich hab’ ich dich wieder!« Der kleine Kindermund küßt leidenschaftlich ihr weiches Gesicht, ihre zärtlichen Augen, ihre Lippen, ihr Haar, ihr schickes Hütchen. Ja, das Hütchen auch! Sowohl im Restaurant, der Schwemme, wie in der Küche des Hotels »Imperial« in Wien herrscht wohlwollende Aufregung. Der Liebling der Stammgäste und der Angestellten, die Tochter des Opernkapellmeisters Palffy, ist wieder da! Lotte, pardon, Luise, sitzt, wie es alle gewohnt sind, auf dem angestammten Stuhl mit den zwei hohen Kissen und ißt mit Todesver achtung gefüllte Palatschin ken. Die Stammgäste kom men, einer nachdem andern, zum Tisch, streicheln dem kleinen Mädchen über die Locken, klopfen ihm zärtlich auf die Schulter, fragen, wie es ihm im Ferienheim gefallen hat, meinen, in Wien beim Pa pa sei’s aber doch wohl am schönsten, legen allerlei Ge schenke auf den Tisch: Zu ckerln, Schokolade, Pralinen, Buntstifte, ja einer holt sogar ein kleines, altmodisches Näh zeug aus der Tasche und sa gt verlegen, es sei noch von seiner alten G ro ß m u t ter selig.

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MMMMM

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Kapitel w w w w w Dann nicken sie dem Kapellmeister zu und wandern an ihre Tische zurück. Heute wird ihnen das Essen endlich wieder richtig schmecken, den einsamen Onkeln! Am besten schmeckt’s freilich dem Herrn Kapellmeister selber. Ihm, der sich immer aufs Einsamseinmüssen aller »wahren Künstlernaturen« so viel zugute getan und der seine verflossene Ehe stets für einen Fehltritt ins Bürgerliche gehalten hat, ihm ist heute höchst »unkünstlerisch« warm und familiär ums Herz. Und als die Tochter schüchtern lächelnd seine Hand ergreift, als habe sie Angst, der Vater könnte ihr sonst womöglich davonlaufen, da hat er wahrhaftig, obwohl er Beinfleisch und keineswegs Knödel verspeist, einen Kloß im Hals! Ach, und da kommt der Kellner Franz schon wieder mit einer neuen Palatschinke angewedelt! Lotte schüttelt die Locken. »Ich kann nimmer, Herr Franz!« »Aber, Luiserl!« meint der Kellner vorwurfsvoll. »Es ist doch erst die fünfte!« Nachdem der Herr Franz leicht bekümmert mitsamt der fünften Palatschinke in die Küche zurückgesegelt ist, nimmt sich Lotte ein Herz und sagt: »Weißt du was, Vati – ab morgen esse ich immer das, was du ißt!« »Nanu!« ruft der Herr Kapellmeister. »Und wenn ich nun Geselchtes esse? Das kannst du doch nicht ausstehen! Da wird dir doch übel!« »Wenn du Geselchtes ißt«, meint sie zerknirscht, »kann ich ja wieder Palatschinken essen.« (Es ist halt doch nicht ganz so einfach, seine eigene Schwester zu sein!) Und nun? Und nun erscheint der Hofrat Strobl mit Peperl. Peperl ist ein Hund. »Schau, Peperl«, sagt der Herr Hofrat lächelnd, »wer wieder da ist! Geh hin, und sag dem Luiserl grüß Gott!« Peperl wedelt mit dem Schwanz und trabt eifrig an Palffys Tisch, um dem Luiserl, seiner alten Freundin, grüß Gott zu sagen. Ja, Kuchen, nein, Hundekuchen! Als Peperl am Tisch angekommen ist, beschnuppert er das kleine Mädchen und zieht sich, ohne grüß Gott, eiligst zum Herrn Hofrat zurück. »So ein blödes Viech!« bemerkt dieser ungnädig. »Erkennt seine beste Freundin nicht wieder! Bloß weil sie ein paar Wochen am Land war! Und da reden die Leut immer ganz g’schwolln vom untrüglichen Instinkt der Tiere!« Lottchen aber denkt bei sich: ›Ein Glück, daß die Hof rate nicht so gescheit sind wie der Peperl!‹ Der Herr Kapellmeister und seine Tochter sind, mit den Geschenken der Stammgäste, dem Koffer, der Puppe und der Badetasche beladen, zu Haus in der Rotenturmstraße eingetroffen. Und Resi, Palffys Haushälterin, hat sich vor Wiedersehensfreude gar nicht zu fassen gewußt. Aber Lotte weiß von Luise, daß Resi eine falsche Blunzen und ihr Getue Theater ist. Vati merkt natürlich nichts. Männer merken nie etwas.

[ Deckkraft ] 45


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Kapitel w w w w w Er fischt ein Billett aus der Brieftasche, gibt es der Tochter und sagt: »Heute abend dirigier’ ich Humperdincks ›Hänsel und Gretel‹. Resi bringt dich ins Theater und holt dich nach Schluß wieder ab.« »Oh!« Lotte strahlt. »Kann ich dich von meinem Platz aus sehen?« »Freilich.« »Und guckst du manchmal zu mir hin?« »Na selbstverständlich!« »Und darf ich ein bißchen winken, wenn du guckst?« »Ich werd’ sogar zurückwinken, Luiserl!« Dann klingelt das Telefon. Am anderen Ende redet eine weibliche Stimme. Der Vater antwortet ziemlich einsilbig. Aber wie er den Hörer aufgelegt hat, hat er es dann doch ziemlich eilig. Er muß noch ein paar Stunden allein sein, ja, und komponieren. Denn schließlich ist er nicht nur Kapellmeister, sondern auch Komponist. Und komponieren kann er nun einmal nicht zu Hause. Nein, dafür hat er sein Atelier in der Ringstraße. Also… »Morgen mittag auf Wiedersehen im ›Imperial‹!« »Und ich darf dir in der Oper zuwinken, Vati?« »Natürlich, Kind. Warum denn nicht?« Kuß auf die ernste Kinderstirn! Hut auf den kantigen Künstlerkopf! Die Tür schlägt zu. Das kleine Mädchen geht langsam zum Fenster und denkt bekümmert über das Leben nach. Die Mutter darf nicht zu Hause arbeiten. Der Vater kann nicht zu Hause arbeiten. Man hat’s schwer mit den Eltern! Aber da sie, nicht zuletzt dank der mütterlichen Erziehung, ein resolutes und praktisches Persönchen ist, gibt sie sehr bald das Nachdenken auf, bewaffnet sich mit ihrem Oktavheft und beginnt an Hand von Luises Angaben systematisch, Zimmer für Zimmer die schöne Altwiener Wohnung für sich zu entdecken. Nachdem sie die Forschungsreise hinter sich hat, setzt sie sich aus alter Gewohnheit an den Küchentisch und rechnet in dem herumliegenden Haushaltsbuch der Reihe nach die Ausgabenspalten durch. Dabei fällt ihr zweierlei auf. Erstens hat sich Resi, die Haushälterin, auf fast jeder Seite verrechnet. Und zweitens hat sie das jedesmal zu ihren Gunsten getan! »Ja, was soll denn das heißen?« Resi steht in der Küchentür. »Ich hab’ in deinem Buch nachgerechnet«, sagt Lotte leise, aber bestimmt. »Was sind denn das für neue Moden?« fragt Resi böse. »Rechne du in der Schule, wo’s hingehört!« »Ich werd’ jetzt immer bei dir nachrechnen«, erklärt das Kind sanft und hüpft vom Küchenstuhl. »Wir lernen in der Schule, aber nicht für die Schule, hat die Lehrerin gesagt.« Damit stolziert sie aus der Tür. Resi starrt verblüfft hinterdrein.

[ Halbiert ] 47


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Kapitel w w w w w Wertgesch=E4tzte kleinere und gr=F6=DFere Leserinnen und Leser! Jetzt =wird es, glaube und f=FCrchte ich, allm=E4hlich Zeit, da=DF ich euch ein =wenig von Luises und Lottes Eltern berichte, vor allem dar=FCber, wie es =seinerzeit zu der Scheidung zwischen ihnen kam. Sollte euch an dieser =Stelle des Buchs ein Erwachsener =FCber die Schulter blicken und rufen: =>Dieser Mensch! Wie kann er nur, um alles in der Welt, solche Sachen den =Kindern erz=E4hlen!< dann lest ihm, bitte, das Folgende vor: >Als Shirley Temple ein kleines M=E4dchen von sieben, acht Jahren war, =war sie doch schon ein auf der ganzen Erde ber=FChmter Filmstar, und die =Firmen verdienten viele Millionen Dollars mit ihr. Wenn Shirley aber mit =ihrer Mutter in ein Kino gehen wollte, um sich einen Shirley-Temple-Film =anzuschauen, lie=DF man sie nicht hinein. Sie war noch zu jung. Es war =verboten. Sie durfte nur Filme drehen. Das war erlaubt. Daf=FCr war sie =alt genug.< Wenn der Erwachsene, der euch =FCber die Schulter guckt, das = Beispiel von Shirley Temple und den Zusammenhang mit Luises und Lottes =Eltern und ihrer Scheidung nicht verstanden hat, dann richtet ihm einen =sch=F6nen Gru=DF von mir aus, und ich lie=DFe ihm sagen, es g=E4be auf =der Welt sehr viele geschiedene Eltern, und es g=E4be sehr viele Kinder, =die darunter litten! Und es g=E4be sehr viele andere Kinder, die =darunter litten, da=DF die Eltern sich nicht scheiden lie=DFen! Wenn man =aber den Kindern zumutete, unter diesen Zust=E4nden zu leiden, dann sei =es doch wohl allzu zartf=FChlend und au=DFerdem verkehrt, nicht mit =ihnen dar=FCber in verst=E4ndiger und verst=E4ndlicher Form zu sprechen! Also, der Herr Kapellmeister Ludwig Palffy ist ein K=FCnstler, und =K=FCnstler sind bekanntlich seltsame Lebewesen. Er tr=E4gt zwar keinen =Kalabreser und keine flatternde Krawatte, im Gegenteil, er ist ganz =manierlich gekleidet, sauber und beinahe elegant. Aber sein=20Innenleben! Das ist kompliziert! Oh! Sein Innenleben, das hat es in =sich! Wenn er einen=20musikalischen Einfall hat, mu=DF er, um ihn zu notieren und = kompositorisch auszugestalten, auf der Stelle allein sein. Und so einen =Einfall hat er wom=F6glich auf einer gro=DFen Gesellschaft! >Wo ist denn =Palffy hin?< fragt dann der Hausherr. Und irgend jemand antwortet: >Es =wird ihm wohl wieder etwas eingefallen sein!< Der Hausherr l=E4chelt =sauers=FC=DF, bei sich aber denkt er: >Flegel! Man kann doch nicht bei =jedem Einfall weglaufen!< Doch der Kapellmeister Palffy, der kann!

[ Quoted-printable ] 49


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Kapitel w w w w w [Der] [lief] [auch] [aus] [der] [eigenen] [Wohnung] [fort], [als] [er] [noch] [verheiratet] [war], [damals], [blutjung], [verliebt], [ehrgeizig], [selig] [und] [verrückt] [in] [einem]! [Und] [als] [dann] [gar] [die] [kleinen] [Zwillinge] [in] [der] [Wohnung] [Tag] [und] [Nacht] [krähten] [und] [die] [Wiener] [Philharmoniker] [sein] [Erstes] [Klavierkonzert] [uraufführten], [da] [ließ] [er] [einfach] [den] [Flügel] [abholen] [und] [in] [ein] [Atelier] [am] [Ring] [bringen], [das] [er] [in] [künstlerischer] [Verzweiflung] [gemietet] [hatte]! [Und] [da] [er] [damals] [sehr] [viele] [Einfälle] [hatte], [kam] [er] [nur] [noch] [sehr] [selten] [zu] [seiner] [Frau] [und] [den] [brüllenden] [Zwillingen]. [Luiselotte] [Palffy], [geb]. [Körner], [kaum] [zwanzig [Jahre] [alt], [fand] [das] [nicht] [sehr] [fidel]. [Und] [als] [ihr] [zu] [den] [kaum] [zwanzigjährigen] [Ohren] [kam], [daß] [der] [Herr] [Gemahl] [in] [seinem] [Atelier] [nicht] [nur] [Noten] [malte], [sondern] [auch] [mit] [Opernsängerinnen], [die] [ihn] [sehr] [nett] [fanden], [Gesangsrollen] [studierte], [da] [reichte] [sie] [empört] [die] [Scheidung] [ein]! [Nun] [war] [der] [um] [seine] [schöpferische] [Einsamkeit] [so] [besorgte] [Herr] [Kapellmeister] [fein] [heraus]. [Nun] [konnte] [er] [so] [viel] [allein] [sein], [wie] [er] [wollte]. [Den] [ihm] [nach] [der] [Scheidung] [verbliebenen] [Zwilling] [versorgte] [in] [der] [Rotenturmstraße] [ein] [tüchtiges] [Kindermädchen]. [Um] [ihn] [selber], [im] [Atelier] [am] [Ring], [kümmerte] [sich], [wie] [er] [sich’s] [so] [sehnlich] [gewünscht] [hatte], [kein] [Aas]! [Das] [war] [ihm] [nun] [mit] [einem] [Male] [auch] [nicht [recht]. [O] [diese] [Künstler]! [Sie] [wissen] [wirklich] [nicht], [was] [sie] [wollen]! [Immerhin], [er] [komponierte] [und] [dirigierte] [fleißig] [und] [wurde] [von] [Jahr] [zu] [Jahr] [berühmter]. [Außerdem] [konnte] [er] [ja], [wenn] [ihn] [der] [Katzenjammer] [packte], [in] [die] [andere] [Behausung] [gehen] [und] [mit] [Luise], [dem] [Töchterchen], [spielen]. [Sooft] [in] [München] [ein] [Konzert] [war], [bei] [dem] [neue] [Werke] [von] [Ludwig] [Palffy] [aufgeführt] [wurden], [kaufte] [sich] [Luiselotte] [Körner] [ein] [Billett], [saß] [dann] [mit] [gesenktem] [Kopf] [in] [einer] [der] [letzten] [billigen] [Reihen] [und] [entnahm] [der] [Musik] [ihres] [geschiedenen] [Mannes], [daß] [er] [kein] [glücklicher] [Mensch] [geworden] [war]. [Trotz] [seiner] [Erfolge]. [Und] [trotz] [seiner] [Einsamkeit.]

[ Umklammert ] 51


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Kapitel w w w w w w Frau Luiselotte Körner hat ihre Tochter gerade noch in die winzige Wohnung in der Max-Emanuel-Straße bringen können. Dann mußte sie, sehr ungern und sehr schnell, wieder in den Verlag fahren. Arbeit wartet auf sie. Und Arbeit darf nicht warten. Luise – ach nein! – Lotte hat sich studienhalber kurz in der Wohnung umgesehen. Dann hat sie die Schlüssel, das Portemonnaie und ein Netz genommen. Und nun macht sie Einkäufe. Beim Metzgermeister Huber an der Ecke Prinz-Eugen-Straße ersteht sie ein halbes Pfund Rindfleisch, Querrippe, schön durchwachsen, mit etwas Niere und ein paar Knochen. Und jetzt sucht sie krampfhaft das Viktualiengeschäft der Frau Wagenthaler, um Suppengrün, Nudeln und Salz zu besorgen. Und Anni Habersetzer wundert sich nicht wenig, daß ihre Mitschülerin Lotte Körner mitten auf der Straße steht und angestrengt in einem Oktavheft blättert. »Machst du auf der Straße Schularbeiten?« fragt sie neugierig. »Heut sind doch noch Ferien!« Luise starrt das andere Mädchen verdutzt an. Es ist ja auch zu blöd, wenn einen jemand anspricht, den man, obwohl man ihn noch nie im Leben sah, genau zu kennen hat! Schließlich reißt sie sich zusammen und sagt vergnügt: »Grüß Gott! Kommst mit? Ich muß zur Frau Wagenthaler, Suppengrün kaufen.« Dann hängt sie sich bei der anderen ein – wenn sie wenigstens wüßte, wie das sommersprossige Ding mit dem Vornamen heißt! – und läßt sich von ihr, ohne daß die es merkt, zum Laden der Frau Wagenthaler lotsen. Die Frau Wagenthaler freut sich natürlich, daß Lottchen Körner aus den Ferien zurück ist und so rote Backen gekriegt hat! Als der Einkauf erledigt ist, erhalten die Mädchen je ein Bonbon und außerdem den Auftrag, der Frau Körner und der Frau Habersetzer einen schönen Gruß auszurichten. Da fällt der Luise ein Stein vom Herzen. Endlich weiß sie, daß die andere die Anni Habersetzer sein muß! (Im Oktavheft steht: »Anni Habersetzer, ich war dreimal mit ihr böse, sie haut kleinere Kinder, besonders die Ilse Merck, die kleinste in der Klasse.«) Nun, damit kann man schon etwas anfangen! Beim Abschied vor der Haustür sagt also Luise: »Eh ich es vergesse – Anni –, dreimal war ich mit dir böse wegen der Ilse Merck und so, du weißt schon. Das nächste Mal bin ich nicht bloß bös, sondern…« Dabei macht sie eine eindeutige Handbewegung und rauscht davon. ›Das werden wir ja sehen‹, denkt Anni wütend. ›Gleich morgen werden wir das sehen! Die ist wohl in den Ferien übergeschnappt?‹

[ Gestrichen ] 53


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Kapitel w w w w w w

[ Zerstรถrt ] 55


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Kapitel w w w w w w

Als die Ouvertüre zu Ende ist, klatscht das Publikum laut Beifall. Der Herr Kapellmeister Palffy verbeugt sich e i n i g e M a le. Und dann sieht er, während er erneut den Dirigentenstab hebt, zur Log e e m p o r . Lotte winkt s c h ü c h t e r n mit der Hand. Vati lächelt noch zärtlicher als vorhin. Da merkt Lotte, daß nicht nur sie mit der Hand winkt – sondern auch die Dame neben ihr! Die Dame winkt Vati zu

?

[ Zufall ] 59


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Kapitel w w w w w w Vati hat vielleicht ihretwegen so zärtlich gelächelt? Und gar nicht wegen seiner Tochter? Ja, und wieso hat Luise nichts von der fremden Frau erzählt? Kennt Vati sie noch nicht lange? Aber wie darf sie ihm dann so vertraulich zuwinken? Das Kind notiert im Gedächtnis: »Heute noch an Luise schreiben. Ob sie etwas weiß. Morgen vor der Schule zum Postamt. Postlagernd aufgeben: Vergißmeinnicht München 18.« Dann hebt sich der Vorhang, und das Schicksal Hansels und Gretels fordert die gebührende Anteilnahme. Lottchens Atem geht stockend. Da unten schicken die Eltern ihre zwei Kinder in den Wald, um sie loszuwerden. Dabei haben sie die Kinder doch lieb! Wie können sie dann so böse sein? Oder sind sie gar nicht böse? Ist nur das, was sie tun, böse? Sie sind traurig darüber. Warum machen sie es dann? Lottchen, der halbierte und vertauschte Zwilling, gerät in wachsende Erregung. Ohne sich dessen bewußt zu werden, gilt der Widerstreit ihrer Gefühle immer weniger den beiden Kindern und Eltern dort unten auf der Bühne, immer mehr ihr selber, der Zwillingsschwester und den eigenen Eltern. Durften diese tun, was sie getan haben? Ganz gewiß ist Mutti keine böse Frau, und auch der Vater ist bestimmt nicht bös. Doch was sie taten, das war böse! Der Holzhauer und seine Frau waren so arm, daß sie kein Brot für die Kinder kaufen konnten. Aber Vati? War der so arm gewesen? Als später Hansel und Gretel vor dem knusprigen Pfefferkuchenhaus ankommen, daran herumknabbern und vor der Hexenstimme erschrecken, beugt sich Fräulein Irene Gerlach, so heißt die elegante Dame, zu dem Kind hinüber, schiebt ihm die Konfektschachtel zu und flüstert: »Willst du auch ein bißchen knuspern?« Lottchen zuckt zusammen, blickt auf, sieht das Frauengesicht vor sich und macht eine wild abwehrende Geste. Dabei fegt sie leider die Konfektschachtel von der Brüstung, und unten im Parkett regnet’s vorübergehend, wie aufs Stichwort, Pralinen! Köpfe wenden sich nach oben. Gedämpftes Lachen mischt sich in die Musik. Fräulein Gerlach lächelt halb verlegen, halb ärgerlich. Das Kind wird ganz steif vor Schreck. Es ist mit einem Schlag aus dem gefährlichen Zauber der Kunst herausgerissen worden. Es befindet sich mit einem Schlag im gefährlichen Bereich der Wirklichkeit. »Entschuldigen Sie, bitte, vielmals«, wispert Lottchen. Die Dame lächelt verzeihend. »Oh, das macht nix, Luiserl«, sagt sie. Ob das auch eine Hexe ist? Eine schönere als die auf der Bühne?

[ Outline ] 61


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Kapitel w w w w w w Luise liegt zum erstenmal in München im Bett. Die Mutter sitzt auf der Bettkante und sagt: »So, mein Lottchen, nun schlaf gut! Und träum was Schönes!« »Wenn ich nicht zu müd dazu bin«, murmelt das Kind. »Kommst du auch bald?« An der Gegenwand steht ein größeres Bett. Auf der zurückgeschlagenen Decke liegt Muttis Nachthemd, parat zum Hineinschlüpfen. »Gleich«, sagt die Mutter. »Sobald du eingeschlafen bist.« Das Kind schlingt die Arme um ihren Hals und gibt ihr einen Kuß. Dann noch einen. Und einen dritten. »Gute Nacht!« Die junge Frau drückt das kleine Wesen an sich. »Ich bin so froh, daß du wieder daheim bist«, flüstert sie. »Ich hab’ ja nur noch dich!« Der Kopf des Kindes sinkt schlaftrunken zurück. Luiselotte Palffy, geb. Körner, stopft das Deckbett zurecht und

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lauscht eine Weile auf die Atemzüge ihrer Tochter. Dann steht sie behutsam auf. Und auf Zehenspitzen geht sie ins Wohnzimmer zurück. Unter der Stehlampe liegt die Akten-

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mappe. Es gibt noch so viel zu tun.

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Lotte ist zum erstenmal von der mürrischen Resi ins Bett gebracht worden. Anschließend

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ist sie heimlich wieder aufgestanden und hat den Brief geschrieben, den sie morgen früh zum Postamt bringen will. Dann hat sie sich leise in Luisens Bett zurückgeschlichen und,

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bevor sie das Licht ausknipste, das Kinderzimmer noch einmal in aller Ruhe betrachtet. Es ist ein geräumiger hübscher Raum mit Märchenfriesen an den Wänden, mit einem

e t f

Spielzeugschrank, mit einem Bücherbord, einem Schreibpult für die Schularbeiten, einem großen Kaufmannsladen, einer zierlichen altmodischen Frisiertoilette, einem Puppen-

ä l h

wagen, einem Puppenbett, nichts fehlt, bis auf die Hauptsache! Hat sie sich nicht

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manchmal - ganz im stillen, damit Mutti es nur ja nicht merke - so ein schönes Zimmer gewünscht? Nun sie es hat, bohrt sich ihr ein spitzer, von Sehnsucht und Neid scharfge-

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schliffener Schmerz ins Gemüt. Sie sehnt sich nach dem kleinen bescheidenen

Lo

Schlafzimmer, wo jetzt die Schwester liegt, nach Muttis Gutenachtkuß, nach dem Lichtschein, der aus dem Wohnzimmer herüberzwinkert, wo Mutti noch arbeitet, danach, daß dann leise die Tür geht, daß sie hört, wie Mutti am Kinderbett stehenbleibt, auf Zehenspitzen zum eigenen Bett hinüberhuscht, ins Nachthemd schlüpft und sich in ihre Decke kuschelt. Wenn hier, wenigstens im Nebenzimmer, Vatis Bett stünde! Vielleicht würde er schnarchen. Das wäre schön! Da wüßte man, daß er ganz in der Nähe ist! Aber er schläft nicht in der Nähe, sondern in einem anderen Haus, am Kärntner Ring. Vielleicht schläft er überhaupt noch nicht, sondern sitzt mit dem eleganten Pralinenfräulein in einem großen, glitzernden Saal, trinkt Wein, lacht, tanzt mit ihr, nickt ihr zärtlich zu wie vorhin in der Oper, ihr, nicht dem kleinen Mädchen, das glücklich und verstohlen aus der Loge winkte.

[ Cut ] 63


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Kapitel w w w w w w RGFzIE3kcmNoZW4gdm9uIGRlbiBhcm1lbiBFbHRlcm4sIGRpZSwgd2VpbCBzaWUga2VpbiBCcm90IGhhdHRlbiwgSGFuc2VsIHVuZCBHcmV0ZWwgaW4gZGVuIFdhbGQgc2NoaWNrdGVuLCBtaXNjaHQgc2ljaCBtaXQgZWlnbmVuIMRuZ3N0ZW4gdW5kIGVpZ25lbSBKYW1tZXIuIExvdHRlIHVuZCBMdWlzZSBzaXR6ZW4gaW4gZGllc2VtIFRyYXVtIG1pdCBlcnNjaHJvY2tlbmVuIEF1Z2VuIGluIGVpbmVtIGdlbWVpbnNhbWVuIEJldHQgdW5kIHN0YXJyZW4gYXVmIGVpbmUgVPxyLCBkdXJjaCBkaWUgdmllbGUgd2Vp32Jlbfx0enRlIELkY2tlciBrb21tZW4gdW5kIEJyb3RlIGhlcmVpbnNjaGxlcHBlbi4gU2llIHNjaGljaHRlbiBkaWUgQnJvdGUgYW4gZGVuIFfkbmRlbiBhdWYuIEltbWVyIG1laHIgQuRja2VyIGtvbW1lbiB1bmQgZ2VoZW4uIERpZSBCcm90YmVyZ2Ugd2FjaHNlbi4gRGFzIFppbW1lciB3aXJkIGltbWVyIGVuZ2VyLiBEYW5uIHN0ZWh0IGRlciBWYXRlciBkYSwgaW0gRnJhY2ssIHVuZCBkaXJpZ2llcnQgZGllIELkY2tlcnBhcmFkZSBtaXQgbGViaGFmdGVuIEdlc3Rlbi4gTXV0dGkga29tbXQgaGVyZWluZ2VzdPxyenQgdW5kIGZyYWd0IGJla/ xtbWVydDogu0FiZXIsIE1hbm4sIHdhcyBzb2xsIGRlbm4gbnVuIHdlcmRlbj+rILtEaWUgS2lu ZGVyIG38c3NlbiBmb3J0Iasgc2NocmVpdCBlciBi9nNlLiC7V2lyIGhhYmVuIGtlaW5lbiQbGF0eiBtZWhyISBXaXIgaGFiZW4genV2aWVsIEJyb3QgaW0gSGF1cyGrIE11dHRpIHJpbmd0IGRpZSBI5G5kZS4gRGllIEtpbmRlciBzY2hsdWNoemVuIGVyYuRybWxpY2guILtIaW5hdXMhqyBydWZ0IGVyIHVuZCBoZWJ0IGRyb2hlbmQgZGVuIERpcmlnZW50ZW5zdGFiLiBEYSByb2xsdCBkYXMgQmV0dCBnZWhvcnNhbSB6dW0gRmVuc3Rlci4gRGllIEZlbnN0ZXJmbPxnZWwgc3ByaW5nZW4gYXVmLiBEYXMgQmV0dCBzY2h3ZWJ0IHp1bSBGZW5zdGVyIGhpbmF1cy4gRXMgZmxpZWd0IPxiZXIgZWluZSBncmfZSBTdGFkdCBkYWhpbiwg/ GJlciBlaW5lbiBGbHXfLCD8YmVyIEj8Z2VsLCBGZWxkZXIsIEJlcmdlIHVuZCBX5GxkZXIuIE Rhbm4gc2Vua3QgZXMgc2ljaCB3aWVkZXIgenVyIEVyZGUgaGVyYWIgdW5kIGxhbmRldCBpbiBlaW5lbSBt5GNodGlnZW4sIHVyd2FsZORobmxpY2hlbiBCYXVtZ2V3aXJyLCBpbmRlbSBlcyB2b24gdW5oZWltbGljaGVtIFZvZ2VsZ2VrcuRjaHogdW5kIHZvbSBHZWJy/ GxsIHdpbGRlciBUaWVyZSBzY2hhdWVybGljaCB3aWRlcmhhbGx0LiBEaWUgYmVpZGVIGtsZWluZW4gTeRkY2hlbiBzaXR6ZW4sIHZvbiBGdXJjaHQgZ2Vs5GhtdCwgaW0gQmV0dC4gRGEga25hY2t0IHVuZCBwcmFzc2VsdCBlcyBpbSBEaWNraWNodCEKRGllIEtpbmRlciB3ZXJmZW4gc2ljaCB6dXL8Y2sgdW5kIHppZWhlbiBkaWUgRGVja2Ug/GJlciBkaWUgS/ ZwZmUuIEF1cyBkZW0gR2VzdHL8cHAga29tbXQgamV0enQgZGllIEhlGUgaGVydm9yLiBFcyBpc3QgYWJlciBuaWNodCBkaWUgSGV4ZSB2b24gZGVyIE9wZXJuYvxobmUs IHNvbmRlcm4gc2lIORobmVsdCB2aWVsIGVoZXIgZGVyIFByYWxpbmVuZGFtZSBhdXMgZGVyIExvZ2UuIFNpZSBibGlja3QgZHVyY2ggaWhyIE9wZXJuZ2xhcyB6dSBkZW0gQmV0dGNoZW4gaGlu/GJlciwgbmlja3QgbWl0IGRlbSBLb3BmLCBs5GNoZWx0IHNlaHIgaG9jaG38dGlnIHVuZCBrbGF0c2NodCBkcmVpbWFsIGluIGRpZSBI5G5kZS4=

[ Base 64 ] 65


66


Kapitel w w w w w w

W verwandelt

s »

sich zu den

und Luise, mit einem Zaun ie auf Kommando Lotte

staunen.

langen Nachthemden der Wie

Schokoladetafel

dunkle Wald

Und in eine sonnige auf ie

ißt e

Dort Es ist

alles vergiftet!«

und

gebautes

Und Krokant!

Hausse

Mutti

steht ein aus Konfektsingt hübsch schachteln Als Osterhasen, nun die mit

[ Chaos ] 67


doppelt dreifach vierfach?

Das automatisierte Lottchen  

Typografie führt uns durch den Alltag und erleichtert uns deren Umgang. Wir wissen, Typografie folgt bestimmten Gesetzen und bestimmt dadurc...

Das automatisierte Lottchen  

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