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Im Atomkraftwerk vergnĂźgt sich jetzt die Spassgesellschaft Entstanden im Rahmen des Seminars Fotografie an der FH Dortmund Ein Buch von Lisa DieĂ&#x;ner Betreut von Thomas Linke Printed in Germany, 2011


Im Atomkraftwerk vergnügt sich jetzt die Spassgesellschaft

Lisa Dießner


History Das Kernkraftwerk Kalkar sollte ein Kernkraft-

Neben diesem Einwand gab es aber vor allem

Das Land Nordrhein-Westfalen verweigerte

werk in Kalkar am Niederrhein werden, das je-

Sicherheitsbedenken. Ein Reaktor dieses Typs

allerdings die Inbetriebnahme, da die Risiken

doch nie in Betrieb ging.

sei schlechter kontrollierbar und berge mehr

nicht kalkulierbar seien. Infolge der Katastro-

Gefahren. Zudem verwendete man zur Kühl-

phe von Tschernobyl schlug die Stimmung

Im Herbst 1972 beauftragte die Bundesrepu-

ung flüssiges Natrium, das chemisch sehr

endgültig gegen den Reaktor um. Der Bundes-

blik Deutschland, Belgien und die Niederlande

aggressiv ist und mit Wasser heftig reagiert.

forschungsminister verkündete am 21. März 1991 das endgültige Aus für das Kraftwerk.

die Siemens-Tochter Interatom mit dem Bau eines zweiten Brutreaktors, was zu jener Zeit

Die Gegner des Projekts reichten Klage beim

für Deutschland neu war. Da die Uranvorräte

Bundesverfassungsgericht ein. Die Enquête-

Das Megaprojekt war hierdurch zu einer der

in Deutschland begrenzt sind, erhofften sich

Kommission des Bundestags erwirkte eine

größten Investitionsruinen Deutschlands ge-

die Befürworter der Atomenergie, mit dem

vierjährige Unterbrechung des Baus. Durch

worden. Ein Abriss des Gebäudes hätte 75 Mil-

Bau eines Brutreaktors eine effektivere Aus-

verschärfte Sicherheitsauflagen sollten die

lionen Euro gekostet, was aus ökonomischen

nutzung dieser Vorräte, so dass Deutschland

Bedenken ausgeräumt werden. Hierdurch

Gründen nicht in Frage kam. Man begann mit

auf unabsehbare Zeit von Energieimporten

wurde das Projekt allerdings auch immer

dem langsamen Verkauf der neuen und nie-

für die Stromerzeugung unabhängig werden

teurer. 1969 sollte der Reaktor noch zum Fest-

mals genutzten Geräte und Maschinen.

könnte. Noch im Jahr 1972 wurde mit dem Bau

preis von 500 Millionen Mark gebaut werden,

begonnen.

bis 1972 war der Preis bereits auf 1,7 Milliarden

Das Gebäude wurde per Zeitungsannonce

Mark gestiegen. Nun kostete er insgesamt

angeboten. Letztendlich kaufte der niederlän-

Ende 1970 kam zunehmend Kritik an dem

7 Milliarden Mark. Die Proteste radikalisierten

dische Investor Hennie van der Most das Ge-

Kraftwerkbau auf. 1977 gab es in Kalkar erste

sich zu Beginn der 1980er-Jahre zunehmend.

lände und wandelte es in den Vergnügungs-

Demonstration, bei der 40.000 Menschen auf

Letztendlich wurde der Bau 1985 fertiggestellt.

park Wunderland Kalkar um. Der Kaufpreis

die Straße gingen. Das Polizeiaufgebot gilt als

Ab sofort fielen pro Jahr 54 Millionen Euro

des Geländes samt Gebäude soll Angaben zu-

das größte in der Geschichte der Republik.

Betriebskosten an.

folge 2,5 Millionen Euro betragen haben.


Wunderland Kalkar bietet neben dem Vergn체gungspark auch ein All-inclusive-Hotel mit 1000 Betten und Tagungsr채umen sowie verschiedene Restaurants in dem ehemaligen Reaktorgeb채ude.


Die Bemalung der Betonwände mit Alpenmotiven wurde von der Gemeinde Kalkar zunächst als „nicht landschaftstypisch“ für den Niederrhein abgelehnt.


Der Kühlturm beherbergt seit 2009 ein neues GroßKettenkarussell „Vertical Swing“, welches 25 Tonnen wiegt und mit seinen 58 Meter Höhe den Rand des Turms überragt.


Für Hochleistungskletterer und Freeclimber wurde die 45 Meter hohe Außenwand des Kühlturms zu einer Kletterwand umfunktioniert.


Es gibt insgesamt 40 Attraktionen auf dem Gelände, unter anderem eine Achterbahn, das Kettenkarussell „Flying Caroussel“, die Vertikalfahrt „Jumping Star“, „Kernie‘s Boot“, das nostalgische Karussell „Merry Go Round“, das Riesenrad „Mini Ferris Wheel“ und eine Wildwasserbahn.


Kritikpunkte des Br端ters: Als K端hlmittel dient fl端ssiges Natrium, ein chemisch aggressiver Stoff, der bei Kontakt mit Wasser explodieren kann. Der Reaktor ist schwierig zu steuern und k旦nnte im Extremfall explodieren wie eine Bombe.


Die Spaßgesellschaft hat Einzug gehalten. Da wächst ein Baum aus dem Gehäuse einer Haupt-Kühlwasserpumpe, da drehen sich Fahrgeschäfte auf dem Dach des erdbebensicheren Notstromdieselgebäudes.


Auf den weiten Wiesen, wo vor gut einem Vierteljahrhundert rund 40.000 Menschen gegen den Brüter, eines der grössten Projekte der deutschen Atomwirtschaft, demonstrierten, grasen friedlich Kühe.


Derzeit werden die Eisenteile des Kraftwerks ausgebaut und verwertet. Der Freizeitpark soll weiter expandieren. 100 Tonnen Stahl liegen zwischen dem Besucher und dem Inneren des ehemaligen Notstromgeb채udes.


Ob Kurzurlaub, Gruppenausfl端ge, Feierlichkeiten oder Tagesausfl端ge - im Wunderland Kalkar gibt es f端r jede Gelegenheit entsprechende Arrangements mit dem passenden Ambiente.


Das allgegenwärtige Maskottchen „Kernie“, im Atomium-Stil der euphorischen frühen Sechziger. Kernie begleitet den Besucher durch den Park und lädt jetzt zur feuchtfröhlichen Fete mit All-Inclusiv-Service.


Der Vergn端gungspark Wunderland Kalkar wurde bis Anfang 2005 Kernwasser Wunderland genannt. Da das Kraftwerk nie ans Netz gegangen ist, ist das gesamte Gebiet garantiert strahlungsfrei!


Im Atomkraftwerk vergnügt sich jetzt die Spassgesellschaft!  
Im Atomkraftwerk vergnügt sich jetzt die Spassgesellschaft!  

Im Atomkraftwerk vergnügt sich jetzt die Spassgesellschaft! Fotoserie, Atomkraftwerk Kalkar