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Mitteilungen designaustria 2015 | 04

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Rückschau

Stadt.Land.Schluss. Welchen »Schluss« soll man nun ziehen aus dieser rundum gelungenen interdisziplinären Konferenz, deren vielversprechende Premiere Anfang Oktober in der Bayerischen Musikakademie in Marktoberdorf im Allgäu eindrucksvoll bewiesen hat, dass durch viele Grassroots-Initiativen etwas gar nicht so Kleines und letztlich auch ganz Großes bewirkt werden kann? Jedenfalls kam heraus, dass Stadt und Land nicht so einfach zu kategorisieren sind, dass das eine das andere bedingt, dass Urbanes im Ländlichen und Regionales im Städtischen möglich sind, dass die Grenzen – glücklicherweise – fließend sind. Und dass ein – bisweilen erfreulich unbürokratisches – Miteinander auf allen Ebenen dazu führt, Ziele zu erreichen. Dass irgendeiner/irgendeine den ersten Schritt tun muss. Im Fall dieser Konferenz war es Designer, Autor und designaustria-Mitglied Andreas Koop, der es zusammen mit seinem Team und mit viel regionaler und kollegialer Unterstützung zuwege gebracht hat, Menschen und Fachbereiche zusammenzuführen, damit sie einander zuhören, miteinander sprechen und voneinander lernen. Als Initiator führte er mit Co-Moderator Alessio Leonardi, Professor für Kommunikationsdesign in Hildesheim, durch das mehr als reichhaltige Programm. Der Frage der Konferenz, ob man »ein besseres Leben gestalten« kann, stellten sich DesignerInnen und ArchitektInnen ebenso wie RegionalpolitikerInnen, WissenschaftlerInnen, RaumplanerInnen und KulturveranstalterInnen. Hier eine Art »Nachlese« mit zahlreichen weiterführenden »Links«… Den Auftakt macht Michael Pelzer, langjähriger Bürgermeister einer oberbayerischen Gemeinde, der mit seinem Vortrag »Was Weyarn kann« die Notwendigkeit und die Früchte von Bürgerbeteiligung vermittelt. Ob bei Schule, Dorfladen, Bücherei, Seniorenhilfe, Straßenbau und Verkehr: Mitreden bedeutet Mitverantwortung und Identifikation. www.weyarn.de Architekt und Autor Florian Aicher, ein Sohn des großen Otl Aicher, aus Rotis/Leutkirch, wurde als »Spezialist für die Provinz« eingeladen. Mit »…aus der Provinz« präsentiert er ein Forschungsprojekt über das Allgäu-Haus und spricht über die Entwicklung ländlicher Gemeinden am Beispiel Krumbachs im Bregenzer Wald sowie über seine Zusammenarbeit mit Architekt Gion A. Caminada in der Schweiz. Im Zentrum von Aichers Interesse steht die Herausbildung neuer dörflicher Strukturen und eines zeitgemäßen vernakularen Idioms, in dem Modernität und Tradition zusammenfinden. www.werkkreis.org

Buchgestalter, Verleger, Theologie und Germanist Thomas Parth aus Innsbruck berichtet »Von Sehnsüchten und Gestaltungen und anderen alpenländischen Verlegenheiten« und geht dabei hart mit Tirols inhaltsleerer und dem Klischee verhafteter Tourismuswerbung in Gericht. Aussagen aus Markenhandbüchern wie »Der Wille zur Besonderheit muss allem Denken und Handeln den Weg weisen« stehen für ihn im krassen Gegensatz zur dörflichen Verkümmerung. www.editiones.com

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1 Architekten Hermann Kaufmann: Pfarrhaus Krumbach 2 Architekturbüro Noichl/Blüml: Modernes Allgäu-Haus

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DA-Mitteilungen 4_2015  

Schwerpunkt: Typo

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