__MAIN_TEXT__

Page 1

No 68

Zeitschrift für Stadtforschung

dérive

dérive – Zeitschrift für Stadtforschung N o 68

»Urbane Intelligenz ist mehr als die Verarbeitung von Informationen.«

Juli — Sept 2017

Shannon Mattern — A City Is Not a Computer, S. 38

Juli — Sept 2017

ISSN 1608-8131 8 euro

dérive

dérive

Sampler

Informationsverarbeitung, Smart City, Donau, Baden, Main Street, Antiurbanismus, Trump, Mietrecht, Liegenschaftspolitik, Verdrängung, Learning-by-Doing, DIY, Informelle Siedlungen, Widerspiegelungstheorie, Körper, Energetik

Sampler MARSEILLE Sampler Guy Debord Wohnen Berlin/Wien, Interview Assemble, Kunsthaus Graz Kleinstadtnostalgie/USA, Wagenplätze/Favelas, STREETART Stadt/Computer, Baden/Donau, CIT Collective & Gaswerk Leopoldau Produktion/Raum Krems/Lerchenfeld SECRETS & CRISES Marlene Hausegger Foucault/HETEROTOPIE


Editorial In unserer 17-jährigen Tätigkeit sind wir – höchst unverdienterweise – nicht gerade mit Preisen überhäuft worden, was möglicherweise auch daran liegt, dass wir uns nie um Auszeichnungen beworben haben. Heute dürfen wir uns aber endlich selbst gratulieren: Wir haben nämlich einen Preis gewonnen und zwar für das urbanize!-Festival. Für diesen haben wir uns freilich auch nicht beworben, ihn aber trotzdem bekommen – nämlich den Kleinen Staatspreis für … nein falsch: den Förderungspreis der Stadt Wien für Architektur. Dieser Architekturpreis ging bisher ausschließlich an echte ArchitektInnen, aber wir fragen lieber nicht nach, sondern freuen uns über den Einzug eines erweiterten Architekturbegriffs, stellen schon mal den Champagner kalt und fühlen uns ein klein wenig wie das Architekturkollektiv Assemble, das 2015 den wichtigsten britischen Kunstpreis – den Turner-Preis – gewonnen hat und deren Werk gerade in einer Ausstellung im Architekturzentrum Wien zu sehen ist. Wir haben die Gelegenheit genutzt und mit Maria Lisogorskaya und Lewis Jones von Assemble ein Gespräch über ihre Arbeiten, Herangehensweisen und Ideen geführt, das ab S. 18 dieser Ausgabe zu lesen ist. Damit wären wir nach dieser höchst eleganten Überleitung bei der vorliegenden Ausgabe gelandet: Sie ist ein Sampler, hat also keinen Schwerpunkt, sondern bietet eine Reihe unterschiedlicher urbaner Themen. Diese reichen – abgesehen vom Assemble-Interview – von der Wohnraumversorgung und der aktuellen Situation am Wohnungsmarkt in Wien und in Berlin über die antiurbanistische Main-StreetNostalgie in den USA des Donald Trump, den immer beliebteren, aber nichts desto trotz falschen Vergleich von Städten mit Computern, Wagenplätze und informelle Siedlungen in Berlin bis zu – es ist Sommer! – einer kleinen Geschichte des Badens in der Donau bei Wien. Sowohl die Wiener als auch die Berliner Bevölkerung ist in den letzten Jahren massiv gewachsen, die Nachfrage nach Wohnraum parallel dazu stark gestiegen. Andrej Holm für Berlin und Justin Kadi für Wien kommentieren die aktuelle Lage in den boomenden Hauptstädten. Holm sieht in Berlin einen »Mix aus demographischen Veränderungen, veränderten Investitionsstrategien und einem Kahlschlag der sozialen Wohnungspolitik« dafür verantwortlich, dass es »nicht nur zu drastischen Mietsteigerungen« gekommen ist, »sondern zu einer tatsächlichen Wohnungsnotlage mit einem Mangel an allem, was die Wohnungsversorgung einer Stadt braucht.« Für Wien diagnostiziert Justin Kadi eine steigende Wohnkostenbelastung und eine zunehmende Verdrängung in periphere Lagen. Eine der Ursachen sieht er in der Deregulierung des Mietrechts im Jahr 1994, die sich aktuell besonders stark auswirkt. Eine der Folgen der Wohnungsnot sind informelle Siedlungen. Niko Rollmann portraitiert die diesbezügliche Situation in Berlin. Diese ist einerseits von etablierten Orten – überwiegend Wagenplätzen – gekennzeichnet, die

von den Behörden meist geduldet werden, und andererseits von wilden Lagern bzw. so genannten Spots, bei denen kein alternativer Lebensentwurf, sondern die nackte Not Grund für die informellen Wohnverhältnisse sind. Frank Eckardt hat sich den US-amerikanischen Mythos der Main Street speziell unter den neuen politischen Verhältnissen angesehen. Trumps WählerInnen sind überproportional oft außerhalb der Großstädte zu finden und lassen sich von ihrem Hero gerne erzählen, wie schrecklich kriminell und chaotisch es in den Inner Cities zugeht. Mit verklärtem Blick sehnen sie sich ins Zeitalter der kleinstädtischen Main Street zurück, in dem angeblich noch alles gut war. Währenddessen blicken Konzerne wie Alphabet (formerly known as Google) nicht in die Vergangenheit, sondern in eine gewinnträchtige Zukunft, wenn sie nach Lösungen für die von ihnen diagnostizierten städtischen Probleme suchen. Wobei sie eigentlich gar nicht suchen, denn sie meinen zu wissen, dass mit ausreichend Daten die Verkehrsproblematik ebenso zu bewältigen wie eine effiziente Verwaltung zu garantieren und obendrauf noch das Gesundheits- und Wohnungswesen auf Vordermann zu bringen sei. Shannon Mattern weist in ihrem Beitrag für diese Ausgabe nachdrücklich darauf hin, dass es ein Irrweg ist, die Stadt wie einen Computer zu denken, und zu meinen, mit automatisierter Informationsverarbeitung der urbanen Komplexität gerecht werden zu können. Passend zur aktuellen Hitzewelle mit über 30°C erzählt Rafael Kopper in seinem Beitrag die Geschichte des öffentlichen Badens in der Donau bei Wien und zeigt wie sie vom »mitunter gefährlichen Nutzgewässer zum beliebten Freizeitziel« wurde. Er schreibt über frühe Aneignungsprozesse der Bevölkerung, den entsprechenden Reaktionen der Politik und der Institutionalisierung der Bedürfnisse der WienerInnen. Quasi auf Auszeit hat sich auch Manfred Russo befunden, der nach einem guten Jahr Pause mit einer neuen Folge der Geschichte der Urbanität zurückkehrt und sich zum dritten Mal Henri Lefebvres Theorien zur Produktion des Raumes widmet. Das Kunstinsert stammt vom in Wien lebenden Künstler Aldo Giannotti, dessen wunderbare Zeichnung für dérive sich um das Thema Demolition dreht. Und dann steht auch noch das bereits 8. urbanize! Festival vor der Tür: DEMOCRACitY – Demokratie und Stadt begibt sich von 6.10.–15.10.2017 auf Erkundungsreise durch Theorie und Praxis einer umfassenden (Re-)Demokratisierung der urbanen Gesellschaft: Vom Versuch Stadt gemeinsam zu entwickeln und den von Barcelona ausgehenden Impulsen eines neuen Munizipalismus, über die Verteilung von Rechten und Möglichkeiten mittels Urban Citizenship- und Spatial JusticeAnsätzen, bis zu Chancen und Gefahren für die demokratische Aushandlung durch die Digitalisierung. Wie immer als volle 10-Tages-Packung mit Vorträgen, Diskussionen, Filmen, Stadtspaziergängen, Workshops und Interventionen. Da hilft nur Kalender zücken und Zeit frei schaufeln: Programm-Details gibt es ab Mitte August 2017 auf www.urbanize.at. Einen schönen Sommer wünschen Elke Rauth und Christoph Laimer

01


»Es ist wichtig, in unseren Städten

Raum für vielfältige Methoden der Wissensproduktion zu schaffen.« Shannon Mattern, A City Is Not a Computer, dérive 68, S. 44

ANGEBOT: ABONNEMENT + BUCH* 8 Ausgaben (2 Jahre) dérive um 48,–/68,– Euro (Österr./Europa) inkl. ein Exemplar von:

Sarah Kumnig, Marit Rosol, Andrea*s Exner (Hg.) Umkämpftes Grün Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten Bielefeld: transcript, 2017 268 Seiten, ca. 30 Euro Urbane Gärten sind aus vielen Städten nicht mehr wegzudenken. Gemeinschaftlicher Gemüseanbau wird dabei oft als rebellischer Akt der Stadtgestaltung von unten verstanden. Gleichzeitig taucht »urban gardening« immer häufiger in Stadtentwicklungsplänen und Werbebroschüren auf. Die AutorInnen des Bandes liefern eine kritische Analyse grüner urbaner Aktivitäten und ihrer umkämpften und widersprüchlichen Rolle in aktuellen Prozessen der Neoliberalisierung des Städtischen. *Solange der Vorrat reicht!

dérive Zeitschrift für Stadtforschung

Bestellungen an: bestellung@derive.at

www.derive.at www.facebook.com/derivemagazin


Inhalt 01 Editorial CHRISTOPH LAIMER, ELKE RAUTH

04 — 08 TRUMP on Main Street FR A NK ECK A R DT

09 — 13 Wie das MIETRECHT die MIETEN treibt und was die POLITIK unternimmt Ein Kommentar zur Lage am Wiener Wohnungsmarkt JUSTIN K A DI

14 — 17 Mehr LICHT als SCHATTEN Berliner Wohnungspolitik in Rot-Rot-Grün A NDR EJ HOLM

18 — 22 LERNEN und VERSTEHEN Das Londoner Architekturkollektiv Assemble im Gespräch A NDR E K R A MMER, CHR ISTOPH L A IMER

23 — 27 Wagenburgen, Hüttendörfer und SPOTS Informelle Siedlungen in Berlin NIKO ROLLM A NN

28 — 31 WIEN im WASSER Kleine Geschichte vom Baden in der Donau

32 — 36 Kunstinsert A ldo Giannotti demolition 37 — 45 A CITY is NOT a COMPUTER SH A NNON M ATTER N

SERIE 46 — 50 Geschichte der Urbanität, Teil 52 Henri Lefebvre, Teil 8. Die Produktion des Raumes 3 Raum und Körper, Energetik und Spiegelung M A NFR ED RUSSO

51 — 60 BESPRECHUNGEN Der Schwedenplatz und die Raumbildung gesellschaftlicher Verhältnisse S.51 Die schulische Vermittlung kritischen (Raum-)Denkens S.52 Das gute Leben wagen S.53 »Nein zur Verführung des Publikums« S.54 Urbane Gärten als Schule demokratischer Konfliktkultur S.55 Menschenwerkstatt S.56 Probierpferd und Sodabrunnen S.58 Ganz Wien S.59 Journal der Bilder und Einbildungen S.60 68 IMPRESSUM

R A FA EL KOPPER

– dérive – Radio für Stadtforschung Jeden 1. Dienstag im Monat von 17.30 bis 18 Uhr in Wien auf ORANGE 94.0 oder als Webstream http://o94.at/live. Sendungsarchiv: http://cba.fro.at/series/1235

03


TRUMP

Frank Eckardt

Ouray/Colorado, 2013 Foto: Alex Berger

Die neue amerikanische Regierung hat vor allem Unterstützung außerhalb der Großstädte gefunden. Städte sind im Weltbild von Trump und seinen AnhängerInnen ein Ort von Problemen, Chaos und Gewalt. In konservativen Kreisen wird dagegen der amerikanische Mythos von der Main Street wieder belebt. Das wird die Bewohnerinnen und Bewohner der Großstädte weiter benachteiligen. Doch auch den KleinstädterInnen wird der Mythos nicht helfen.

04

dérive No 68 — Sampler

Kleinstadt, USA, Armut, Antiurbanismus, Deindustrialisierung, Idylle, Suburbanisierung, Trump

on Main Street


Wie das MIETRECHT Justin Kadi

Wohnkosten, Miete, Mietrecht, Gemeinnützigkeit, Immobilienmarkt, Wien

die MIETEN

treibt und was die POLITIK unternimmt

Ein Kommentar zur Lage am Wiener Wohnungsmarkt

Die Mieten in Wien steigen seit einigen Jahren rasant. Für Menschen mit niedrigen Einkommen – und zunehmend auch für DurchschnittsverdienerInnen – wird es immer schwieriger, leistbaren Wohnraum in der Stadt zu finden. Steigende Wohnkostenbelastung, Verdrängung in periphere Lagen bis hin zu Obdachlosigkeit sind die Folgen. Die Deregulierung des Mietrechts im Jahr 1994 wirkt sich jetzt – in den Zeiten des Betongolds – auf die Höhe der Mieten besonders stark aus, ebenso wie die fehlenden Sanktionen bei mietrechtlichen Vergehen. Eine Reform des Mietrechts wird auf Bundesebene seit Jahren ergebnislos diskutiert, gleichzeitig droht der Wohnungsgemeinnützigkeit eine Aushöhlung.

Der im Roten Wien erbaute Lassalle-Hof in Wien Leopoldstadt. Foto: dérive.

Justin Kadi — Wie das MIETRECHT die MIETEN treibt und was die POLITIK unternimmt

09


Mehr LICHT Andrej Holm

als SCHATTEN

Berliner Wohnungspolitik in Rot-Rot-Grün Berlin hat sich in den vergangenen zehn Jahren zur Hauptstadt der Wohnungskrise entwickelt. Der Mix aus demographischen Veränderungen, veränderten Investitionsstrategien und einem Kahlschlag der sozialen Wohnungspolitik hat nicht nur zu drastischen Mietsteigerungen geführt, sondern zu einer tatsächlichen Wohnungsnotlage mit einem Mangel an allem, was die Wohnungsversorgung einer Stadt braucht. Viele Berliner Initiativen kämpfen seit Jahren gegen diese Zustände, zahlreiche ihrer Vorschläge und Ideen haben nun Eingang in die Politik der aktuellen Berliner Koalitionsregierung gefunden. Die Wohnversorgung in Berlin hat sich von dem enormen Wohnungsüberhang Ende der 1990er Jahre (mit 108 Wohnungen je 100 Haushalte) in eine Mangelsituation verwandelt (95 Wohnungen je 100 Haushalte). Insgesamt fehlen schon jetzt mehr als 100.000 Wohnungen, um alle Haushalte zu versorgen. Noch größer ist das Defizit an leistbaren Wohnungen. Ausgehend von einer maximalen Mietbelastung von 30 Prozent des verfügbaren Haushaltsnettoeinkommens fehlen schon jetzt 150.000 Wohnungen zu leistbaren Preisen für MieterInnen mit geringen Einkommen Durch das beschleunigte Auslaufen von Bindungen aus früheren Förderprogrammen fehlt es vor allem an mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnungen.1 Angesichts der wachsenden Konkurrenz bei der Vermietung von Wohnungen greifen vielschichtige Diskriminierungsmechanismen bei der Wohnungsvergabe, sodass es eine wachsende Zahl an Gruppen gibt, die ohne Belegungsrechte2 nahezu vollständig vom System der Wohnungsversorgung ausgeschlossen sind. Berlin braucht also dringend mehr Wohnungen, mehr leistbare Wohnungen und mehr Belegungsbindungen. Der kürzlich veröffentlichte Mietspiegel für Berlin weist erstmals eine durchschnittliche Bestandsmiete von über 6 Euro/m2 aus. Die Angebotsmieten – die fällig werden, wenn ein neuer Mietvertrag unterzeichnet wird, liegen im Durchschnitt bei fast 10 Euro/m2. Die Wohnungssuche wir dadurch immer schwieriger, denn fast jeder Umzug (selbst in deutlich kleinere Wohnungen) ist mit einer höheren finanziellen Belastung verbunden. Die MieterInnen Berlins reagieren auf diese Ent-

14

dérive No 68 — Sampler

wicklung mit einem kollektiven Umzugsstreik. Die Zahl der Binnenumzüge hat sich zwischen 2007 (350.000 Umzüge innerhalb Berlins) und 2015 (275.000 Umzüge) trotz steigen der Bevölkerungszahlen deutlich verringert. Die zunehmende Spreizung zwischen Bestands- und Angebotsmieten stellt sich für die MieterInnen als Mobilitätsbremse und Zugangsbarriere dar. Aus der Sicht der VermieterInnen wiederum tut sich durch das Gefälle zwischen Bestands- und Neuvermietungsmiete eine wachsende Ertragslücke zwischen momentan realisierten und potenziell möglichen Mieterträgen auf. Selbst ohne zusätzliche Investitionen in die Wohnungen können in vielen 1 Im Februar 2003 beschloss der Berliner Senat »aufgrund der dramatischen Haushaltslage Berlins […] den Ausstieg aus der Anschlussförderung« von Wohnbauprogrammen (w w w. stadtentwicklung.berlin.de/ wohnen/anschlussfoerderung/). Die 15jährige Anschlussförderung folgte auf die 15jährige Grundförderung. Viele Wohnungen aus Wohnbauprogrammen sind auch durch vorzeitige Rückzahlung der Landesdarlehen früher als ursprünglich gedacht aus der Bindung gefallen.

2 Mieter und Mieterinnen müssen ihren Anspruch auf eine mit öffentlichen Mitteln geförderte Wohnung durch einen Wohnberechtigungsschein nachweisen können. Die Voraussetzungen für den Erhalt beinhalten sowohl Einkommensgrenzen als auch eine Aufenthaltserlaubnis von mindestens einem Jahr.


LERNEN und Interview: Andre Krammer, Christoph Laimer

Das Londoner Architekturkollektiv Assemble im Gespräch

Eine Tankstelle, die ihren Betrieb eingestellt hatte, und die Idee daraus ein Kino zu machen, waren 2010 der Startpunkt für eine Gruppe von FreundInnen und Bekannten, die heute unter dem Namen Assemble bekannt sind, ein Architekturbüro zu gründen. Das Projekt hieß Cineroleum und fungierte für ganze sechs Wochen als Kino. Trotz der kurzen Dauer und des ephemeren Charakters ist Cineroleum bis heute ein prägendes Ereignis für die Mitglieder von Assemble geblieben, auf das sie immer wieder referieren. Assemble arbeitet nach dem Learning by doing-Prinzip. Die Lösung der Aufgabe wird in der Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Projekt – in Recherchen, Gesprächen und Experimenten – erarbeitet. Auf die Frage nach historischen Referenzen, nach Vorbildern und theoretischen Einflüssen antworten Assemble zurückhaltend, eher nebenbei wird erwähnt, dass es doch auch so etwas wie gesellschaftspolitische Prinzipien gibt, die ihrer Arbeit zugrunde liegen. Assembles Praxis ist auch insofern interessant, als dass das Kollektiv selbst ein organisatorisches Experiment ist. Alle Mitglieder des Teams, die großteils von Anbeginn dabei sind, sind gleichberechtigte PartnerInnen. Es gibt keine Hierarchien und keine fixen Aufgabenbereiche. Eines ihrer interessantesten und beispielgebenden Projekte ist Granby Four Streets, für das sie 2015 mit dem britischen Turner-Preis ausgezeichnet wurden, was ihren Bekanntheitsgrad schlagartig erhöhte. Granby Street war einst eine große ArbeiterInnensiedlung in Liverpool, die über die Jahrzehnte hinweg weitgehend zerstört wurde. Nur vier Straßenzüge sind übrig geblieben, für deren Erhalt die BewohnerInnen über zwei Jahrzehnte lang gekämpft haben. 2011 konnte die Siedlung in einen Community Land Trust (CLT)1 eingebracht werden. Gemeinsam mit den BewohnerInnen entwickelte Assemble ein Sanierungskonzept. Derzeit läuft im Architekturzentrum Wien eine sehenswerte Ausstellung über die Arbeit von Assemble. Andre Krammer und Christoph Laimer haben die Gelegenheit genutzt und Maria Lisogorskaya und Lewis Jones von Assemble am Tag der Eröffnung für dérive zum Gespräch gebeten.

18

dérive No 68 — Sampler

Learning-by-Doing, DIY, Praxis, CLT, Organisationsmodelle, Nachhaltigkeit, Materialien

VERSTEHEN

1 Ein CLT ist in der Regel eine private, gemeinnützige Gesellschaft, die Grundstücke mit der Absicht erwirbt, das Eigentum für das Land langfristig zu halten. Der CLT sieht eine Nutzung des Landes durch langfristige Mietverträge vor. Die Pachtinhaber können ihre Häuser besitzen, es gelten jedoch Wiederverkaufsbeschränkungen. Das Eigentum am Land bleibt beim CLT, womit Spekulation unterbunden wird. Siehe dazu den Artikel Narratives of Urban Resistance. The Community Land Trust von Udi Engelsman, Mike Rowe und Alan Southern in dérive 65.


Wagenburgen, Niko Rollmann

Informelle Siedlungen, Berlin, Wagenplätze, Armut, Alternativszene, Protestcamps, Verdrängung

Hüttendörfer und SPOTS

Informelle Siedlungen in Berlin

Free Cuvry-Siedlung Foto: Niko Rollmann

Seit den frühen 1980er Jahren gibt es in Berlin Wagenburgen. Wohnungsnot auf der einen und das Bedürfnis zusammen mit Gleichgesinnten alternative Lebensentwürfe umzusetzen auf der anderen Seite waren und sind die zentralen Gründe für ihre Gründung. Der Charakter der Wagenburgen und das Platzangebot, das in der Stadt für sie zur Verfügung steht, hat sich im Lauf der Jahre stark verändert. Unmittelbar nach dem Fall der Mauer gab es viel Platz und eine entsprechend starke Szene. 2012 dominierten die Protestcamps am Brandenburger Tor, am Oranienplatz und in der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule die öffentliche Aufmerksamkeit. Im gleichen Jahr entstand am Spreeufer mitten im sogenannten MediaSpreeGebiet die mittlerweile geräumte Cuvry-Siedlung. Heute lassen sich grob zwei Varianten informeller Siedlungen unterscheiden: Einerseits etablierte Orte, die von den Behörden meist geduldet werden und wilde Lager bzw. so genannte Spots, bei denen kein alternativer Lebensentwurf sondern die nackte Not Grund für diese Form des Wohnens ist.

Niko Rollmann — Wagenburgen, Hüttendörfer, und SPOTS

23


WIEN im Rafael Kopper

Eine kleine Geschichte vom Baden in der Donau

Obwohl die Donau bekanntlich an Wien vorbeifließt, statt durch Wien hindurch, ist die Geschichte der Stadt eng mit ihrem Hauptgewässer verbunden. Die Donau hat im Lauf der Zeit mehrere Phasen der Transformation erlebt, die sie vom mitunter gefährlichen Nutzgewässer zum beliebten Freizeitziel werden ließ. Die Geschichte des öffentlichen Badens erzählt auch von frühen Aneignungsprozessen der Bevölkerung und den Reaktionen der Politik.

Chalupna-Lacke 1930, oberhalb Floridsdorfer Brücke / Hubertusdamm (c) Wikipedia

28

dérive No 68 — Sampler

Wien, Donau, Baden, Freizeit, Sozialgeschichte, Stadtgeschichte

WASSER


Kunstinsert: Aldo Giannotti demolition

Spätestens seit Ende 2016, als er mit dem Anerkennungspreis des STRABAG Artaward International ausgezeichnet wurde, ist Aldo Giannotti in Wien überaus präsent. Kurz davor wurde sein Projekt Buildings on Buildings am Yppenplatz in Wien Ottakring bei Kunst im Öffentlichen Raum Wien eröffnet. Bei Buildings on Buildings wurden in Wien an drei Orten reale Fassaden zum Untergrund seiner performativer Zeichnung: »Sein Anliegen ist es, eine Feedbackschleife zwischen dem Sujet der Zeichnung und dem Kontext zu erzeugen, in dem die Zeichnung eingebettet ist«, formuliert es Giorgio Palma in seinem Text zum Projekt. Aldo Giannotti legt in seinen Zeichnungen immer wieder soziogeographische Fragestellungen offen, die grundlegende Bezüge in der Architektur permanent hinterfragen. Kaum ein anderer Künstler bringt urbane und architektonische Fragestellungen mittels Zeichnung gegenwärtig so pointiert auf den Punkt. Obwohl Giannotti seinen Lebens- und Arbeitsschwerpunkt mittlerweile nach Wien verlegt hat, agiert er doch weitgehend international. Schon sein Studium führte den in Genua geborenen Künstler von der Accademia di Belle Arti di Carrara (I) über die Academy of fine arts in Wimbledon (GB) schließlich über München (Akademie der bildenden Künste) nach Wien. Ab 26. August ist Aldo Giannotti in Marseille bei Paréidolie, der International Contemporary Drawing Fair vertreten. In Wien können seine Arbeiten ab 29. Juni in der Ausstellung Counterpart #1: Aldo Giannotti & Peter Fritzenwallner im Extra Zimmer (kunstverein-extra.com) und von 26. August bis 28. September im Projektraum Viktor Bucher als Einzelausstellung gesehen werden. Letztere Ausstellung wird wie das Insert in dérive den Titel demolition tragen. Es gibt damit einen ersten Vorgeschmack auf diese Ausstellung. Auf der ersten Seite von Giannottis demolition üben sich Wreaking Balls in der Erwartung ein Bauwerke zu demolieren, was dann auf der folgenden Doppelseite durch gezielte Dekonstruktion (slow speed demolition) tatsächlich geschieht. Dekonstruktion versteht sich dabei nicht im Sinne des Dekonstruktivismus der 1980er Jahre, sondern vielmehr als konzeptionelles Verschwindens, das in The Magic und Denied Architecture fortgeführt wird. Die letzte Seite lädt zu Do-it-Yourself ein – also bitte Schere und Klebstoff organisieren. Barbara Holub/Paul Rajakovics

32

dérive No 68 — Sampler


A CITY is

Shannon Mattern

NOT a COMPUTER Daten, Information, Wissen, urbane Intelligenz, Informationsverarbeitung, Smart City, Archiv, Bibliothek, Internet, Google

Das Kontrollzentrum für die Stadtbeleuchtung von Seattle, 1968. Credit: Seattle Municipal Archives.

Es scheint eine offensichtliche Tatsache, trotzdem müssen wir es laut und deutlich aussprechen: Urbane Intelligenz ist mehr als die Verarbeitung von Informationen. Unternehmen im Smart-City-Business wollen uns weismachen, dass dem Wohl und Glück unserer Städte nichts im Wege steht, gibt es nur genug auszuwertende Daten, um die urbanen Systeme zu optimieren. Google/Alphabet will das derzeit am Beispiel des Stadtverkehrs zeigen. Shannon Mattern weist darauf hin, dass Google in den USA urbane Infrastrukturen aufbaut, die das Rückgrat für die Totalübernahme des städtischen Verkehrs werden sollen. Der vorliegende Artikel nimmt diese Recherche als Ausgangspunkt und zeigt, dass in der Stadt immer schon Informationen gesammelt und gespeichert wurden. Gleichzeitig ist das Ökosystem der Städte weitaus komplexer und beruht nicht alleine auf Informationsverarbeitung. Shannon Matterns Beitrag ist sowohl eine Anklage gegen die postpolitische Rede von der Stadt als Computer als auch eine Aufforderung, die Stadt in all ihrer Vielfältigkeit wahrzunehmen und Daten nicht als objektive Tatsachen zu akzeptieren. Shannon Mattern — A CITY is NOT a COMPUTER

37


Henri Lefebvre Teil 8

Die PRODUKTION des Raumes III: Raum und Körper, Energetik und Spiegelung Seria

Wir wissen, dass im Zentrum von Lefebvres Philosophie des Raumes der Körper steht und damit die Philosophie Nietzsches mit dem Willen zum Leib, die auf der Erkenntnis Schopenhauers beruht, dass das Leiden den Grundzug des Lebens bildet. Drücken wir es durch einige Nietzsche-Zitate des Zarathustra aus, die Lefebvre zwar nicht verwendet, die aber dem Sinn und der Tendenz seiner Gedanken zugrunde liegen dürften, wenn es von den Hinterweltlern tönt: »Glaubt es mir Brüder! Der Leib war’s, der an der Erde verzweifelte, – der hörte den Bauch des Seins zu sich reden.« (Nietzsche 1980, S. 36) Der Leib ist das Diesseitige, das Wirkliche, der aber erst verwirklicht werden muss, denn der aktuelle Körper ist ein krankhaftes Ding. Der gesunde Leib wird im Gegenzug zu den Vernunftvorstellungen der Metaphysik als das noch nicht verwirklichte Wesen des eigentlichen Menschseins gefordert. »Leib bin ich ganz und gar, und Nichts außerdem; und Seele ist nur ein Wort für ein Etwas am Leibe. Der Leib ist die große Vernunft, eine Vielheit mit einem Sinne, ein Krieg und ein Frieden, eine Herde und ein Hirt. Werkzeug deines Leibes ist auch deine kleine Vernunft, mein Bruder, die du ›Geist‹ nennst, ein kleines Werk- und Spielzeug deiner großen Vernunft.« (a.a.O., S. 39) Lefebvre möchte aber diese Philosophie des Leibes noch komplexer fassen, indem er zunächst seine Raumtheorie darauf aufbaut und eine Synthese zwischen Naturwissenschaft und Philosophie herstellen möchte, die eine plausible Grundlage bieten kann, um die Unterdrückung der leiblichen Impulse besser zu kritisieren, und die in sein materialistisch-marxistisches Konzept integriert werden kann. Zunächst fragt Lefebvre, ob nicht der Körper mit seiner Kapazität zum Handeln und seinen zahlreichen Energien Raum erschaffen kann? Es gibt seiner Meinung nach immer

46

dérive No 68 — Sampler

Widerspiegelungstheorie, Energetik Körper, Raumtheorie, Differenz, Georges Bataille, Friedrich Nietzsche, apollinisch-dionysischer Kompromiss

Geschichte der URBANITÄT, Teil 52

schon eine unmittelbare Verbindung zwischen Raum und Körper, einerseits der Kräfteverteilung des Körpers im Raum und andrerseits der Besetzung des Raumes durch den Körper. Aufgrund der naturwissenschaftlichen Arbeiten von Hermann Weyl (1955) kann Lefebvre den Schluss ziehen, dass es Erhaltungskräfte in der Physik gibt, die von räumlichen Energien des Quantenfeldes gespeist werden und zur Bildung von sich selbst erhaltenden Körpern führen. Die Bewegung dieser Körper, die zu ihrer Existenz geführt hat und ihnen mitgegeben worden ist, führt aber nicht nur zur Selbsterhaltung der Körper, sondern auch zur Bildung des Raumes. Diese elementaren Kräfte des Quantenfeldes sind älter und stärker als die Objekte und bilden deren energetische Grundlage, ermöglichen erst die Objektbildung und deren Haltbarkeit. Ein weiterer Schlüsselbegriff bei Lefebvre ist die Energie. In vager Anlehnung an Weyl versucht er eine Art von Welttheorie zu skizzieren, der zufolge die Umsetzung des Energieinputs mittels Symmetrie und Spiegelung als Prinzip der Raumbildung konzipiert wird. Er versucht die materiell-physikalischen Bedingungen mit dem Bewusstsein der Menschen in Einklang zu bringen und völlig unterschiedliche Wissenschaftskonzepte zu konvergieren. Die Symmetrie stellt sich damit nicht nur als ein Begriff einer geometrischen und räumlichen Situation dar, sondern steht im Sinne Weyls in Zusammenhang mit einer bestimmten biophysikalischen Konstellation des Körpers, die Voraussetzung des Zellwachstums und damit jeden organischen Wachstums ist. Damit scheint ein Erhaltungsprinzip, das Raum und Körper zusammenhält, gegeben zu sein, das weit über die biochemische Anlage des Körpers hinausgeht. Allerdings ist damit zunächst nur das Kraftprinzip, nicht aber die Frage nach dem Sinn im Körper


Besprechungen Der Schwedenplatz und die Raumbildung gesellschaftlicher Verhältnisse Christoph Laimer

Wien ist aus städtebaulicher Perspektive nicht gerade für seine Plätze berühmt. Der Karlsplatz ist bekanntlich eher eine Gegend als ein Platz, so urteilte angeblich zumindest Otto Wagner. Den Rathausplatz bekommt man als solchen kaum einmal in den Blick, weil darauf mehr oder weniger ganzjährig irgendwelche Events stattfinden. Der Reumannplatz fällt auch eher in die Kategorie Gegend. Der Yppenplatz hätte räumlich zwar das Potenzial zur Piazza, ist aber mittlerweile ein einziger Gastgarten. Der Praterstern ist eine Verkehrshölle, was ein Drama ist, denn der Platz hätte ungeheures Potenzial für einen fantastischen Ort. Ein weiteres Drama ist die mediale Berichterstattung über die Wiener Plätze: Sowohl der Karlsplatz und der Praterstern als auch der Schwedenplatz werden oder wurden teils jahrelang als gefährliche Orte gebrandmarkt, weil sich dort Menschen aufhalten, die den herrschenden Vorstellungen wie man auszusehen hat, sich zu benehmen hat, was man zu konsumieren hat und wie man seine Freizeit zu

verbringen hat, nicht entsprechen. Die medial erzeugten Bilder verfestigen sich vor allem bei den Menschen, die die Plätze gar nicht kennen oder nutzen und haben immer wieder zu baulichen oder sicherheitspolitischen Maßnahmen geführt, die die Verdrängung unerwünschter Bevölkerungsgruppen zur Folge hatten. Der Schwedenplatz, dem die vorliegende Publikation gewidmet ist, ist insoferne für Wien typisch, als auch er nicht der Vorstellung eines Platzes entspricht, hat man einen klassischen italienischen Platz als Vorbild vor Augen. Auch er wurde jahrelang als Angstraum beschrieben, was sich irgendwann tatsächlich in den Köpfen festgesetzt hat, obwohl er diesbezüglich in der jüngeren Vergangenheit sein Topranking an den Praterstern abgeben musste. Den Schwedenplatz überhaupt als Platz wahrzunehmen, ist schon schwierig. Die Grenze zum Morzinplatz ist räumlich nicht wahrzunehmen und der angrenzende Franz-Josefs-Kai entspricht nicht dem klassischen Abschluss eines Platzes – vielmehr war der Schwedenplatz ursprünglich nicht mehr als eine Erweiterung des Kais. Die langgezogene Form des Schwedenplatzes ebenso wie die vielen Kioske, U-Bahn- sowie Parkgaragenaufund abgänge, Entlüftungsschächte, der Busparkplatz und die Straßenbahnhaltestellen verhindern das Raumgefühl, das ein klassischer Platz vermittelt. Seine heutige Form erhielt der Schwedenplatz erst in der Nachkriegszeit durch den Abriss einiger Häuser, die im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt worden waren. Wenn der Schwedenplatz nicht durch seine städtebauliche Form punkten kann, so tut er das ganz sicher als lebendiger urbaner Ort. Kaum ein anderer Wiener Platz ist rund um die Uhr so bevölkert wie der Schwedenplatz. Das hat einerseits mit den beiden U-Bahn- und mehreren Straßenbahnlinien zu tun, die hier ihre Stationen bzw. Haltestellen haben, andererseits aber vor allem auch mit dem Umstand, dass in der Umgebung ein intensives Nachtleben herrscht und der

Besprechungen

Schwedenplatz die NachtschwärmerInnen 24/7 mit Fastfood und Getränken versorgt. Nicht zufällig war er ursprünglich auch Abfahrtsort aller Wiener Nachtbuslinien. Rudi Gradnitzer hat sich für seine sozialräumliche Studie über den Schwedenplatz nicht eine Betrachtung des kompletten Platzes vorgenommen, sondern einzelne prototypische Aspekte ausgewählt. Das sind einerseits Gebäude: der Gemeindebau Georg-Emmerling-Hof, das Hotel Capricorn, der Raiffeisen-Tower und andererseits die Wiener Verkehrsbetriebe und die visuelle Kommunikation am Schwedenplatz und am angrenzenden Donaukanal. In seiner Studie geht es dem Autor »um die Dechiffrierung von architektonisch gestützten Machtstrukturen und historischen Prägungen am Beispiel des Schwedenplatzes. […] In diesem Sinne ist die Untersuchung als kritischer Beitrag zum besseren Verständnis des Bestehenden zu lesen«, und weiter sich auf Adorno berufend, »mit dem ausdrücklichen Ziel seiner Beseitigung«. Zu diesem Zwecke bedient sich Gradnitzer bei Henri Lefebvre, der in seinen Schriften zu Stadt und Raum immer hervorhob, dass Raum nicht einfach existiert, sondern dass er produziert wird. Lefebvres Modell der Triade folgend, untersucht Gradnitzer jeweils den konzipierten, den materiellen und den gelebten Raum, was sich als sehr fruchtbarer Ansatz erweist. Neben diesem zwar in der Theorie in Stadtforschungskreisen mittlerweile weithin bekannten, aber praktisch eher selten angewandten Modell, ist die Breite der für die Studie verwendeten Literatur als besonders bemerkenswert hervorzuheben. Sie umfasst architekturhistorische ebenso wie zeitgeschichtliche, gesellschaftspolitische wie stadttheoretische, philosophische wie biographische Werke. Das führt beispielsweise dazu, dass im Kapitel über den im Roten Wien errichteten Georg-Emmerling-Hof nicht nur das Rote Wien und die österreichische Architekturgeschichte Thema sind, sondern – die Ansätze vergleichend – ebenso über die parallelen Entwicklungen in der Sowjetunion zu lesen ist. Superblock, Gartenstadt, Wohnhaus-Kommune und die Revolutionierung des Alltagslebens kommen ebenso vor wie der Umstand Erwähnung findet, dass das Parteilokal der SPÖ in den 1990ern

51


DEMOCRACitY

Demokratie und Stadt 6.—15. Oktober 2017, Wien www.urbanize.at


Juli — Sept 2017 No 68

Zeitschrift für Stadtforschung

dérive

dérive – Zeitschrift für Stadtforschung N o 68

bane Intelligenz mehr als die arbeitung von ormationen.«

attern — A City Is Not a Computer, S. 38

Juli — Sept 2017

ISSN 1608-8131 8 euro

dérive

dérive

Sampler

Informationsverarbeitung, Smart City, u, Baden, Main Street, Antiurbanismus, Trump, Mietrecht, Liegenschaftspolitik, Verdrängung, Learning-by-Doing, rmelle Siedlungen, Widerspiegelungstheorie, Körper, Energetik

Sampler MARSEILLE Sampler Guy Debord Wohnen Berlin/Wien, Interview Assemble, Kunsthaus Graz Kleinstadtnostalgie/USA, Wagenplätze/Favelas, STREETART Stadt/Computer, Baden/Donau, CIT Collective & Gaswerk Leopoldau Produktion/Raum Krems/Lerchenfeld SECRETS & CRISES Marlene Hausegger Foucault/HETEROTOPIE

Diese Ausgabe bestellen Heft 68 Juli – September 2017 72 Seiten, 8 Euro


Impressum ABONNEMENT

dérive – Zeitschrift für Stadtforschung Medieninhaber, Verleger und Herausgeber: dérive – Verein für Stadtforschung Mayergasse 5/12, 1020 Wien Vorstand: Christoph Laimer, Elke Rauth ISSN 1608-8131 Offenlegung nach § 25 Mediengesetz Zweck des Vereines ist die Ermöglichung und Durchführung von Forschungen und wissenschaftlichen Tätigkeiten zu den Themen Stadt und Urbanität und allen damit zusammenhängenden Fragen. Besondere Berücksichtigung sollen dabei inter- und transdisziplinäre Ansätze finden. Grundlegende Richtung: dérive – Zeitschrift für Stadtforschung versteht sich als interdisziplinäre Plattform zum Thema Stadtforschung. Redaktion Mayergasse 5/12, 1020 Wien Tel.: +43 (01) 946 35 21 E-Mail: mail@derive.at www.derive.at www.urbanize.at, www.facebook.com/derivemagazin twitter.com/derivemagazin dérive – Radio für Stadtforschung Jeden 1. Dienstag im Monat von 17.30 bis 18 Uhr in Wien live auf ORANGE 94.0 oder als Webstream http://o94.at/live. Sendungsarchiv: http://cba.fro.at/series/1235

Anzeigenleitung & Medienkooperationen: Helga Kusolitsch, anzeigen@derive.at Website: Christian Klettner, Artistic Bokeh, Robert Wildling Grafische Konzeption & Gestaltung: Atelier Liska Wesle — Wien / Berlin mit Sebastian Köck Lithografie: Branko Bily Coverfoto: Sonnwendviertel, Wien (Juni 2017) Foto — Lennart Horst, www.lennarthorst.at Hersteller: Resch Druck, 1150 Wien Kontoverbindung Empfänger: Christoph Laimer Bank: easybank, A–1010 Wien IBAN: AT51 14200 20011126570, BIC: EASYATW1 Abonnement Standard: 24 Euro (inkl. Versandspesen Inland) Ermäßigt: 20 Euro (inkl. Versandspesen Inland) Förder- und Institutionenabo: Euro 50 Ausland jeweils plus 8 Euro Versandspesen Abonnements laufen ein Jahr (vier Hefte). Bestellungen an: bestellung@derive.at oder per Bestellformular auf www.derive.at Wir danken für die Unterstützung: Bundeskanzleramt – Kunstsektion, MA 7 – Wissenschafts- und Forschungsförderung.

Chefredaktion: Christoph Laimer Redaktion / Mitarbeit: Thomas Ballhausen, Andreas Fogarasi, Barbara Holub, Lennart Horst, Michael Klein, Andre Krammer, Silvester Kreil, Axel Laimer, Iris Meder, Erik Meinharter, Sabina Prudic-Hartl, Paul Rajakovics, Elke Rauth, Manfred Russo. AutorInnen, InterviewpartnerInnen und KünstlerInnen dieser Ausgabe: Thomas Ballhausen, Frank Eckardt, Aldo Giannotti, Ernst Gruber, Andrej Holm, Barbara Holub, Lewis Jones, Justin Kadi, Rafael Kopper, Silvester Kreil, Christoph Laimer, Antje Lehn, Maria Lisogorskaya, Shannon Mattern, Iris Meder, Peter Payer, Ursula Maria Probst, Paul Rajakovic, Elke Rauth, Niko Rollmann, Manfred Russo.

68

dérive No 68 — Sampler

Mitgliedschaften, Netzwerke: Eurozine – Verein zur Vernetzung von Kulturmedien, IG Kultur, INURA – International Network for Urban Research and Action, Recht auf Stadt – Wien. Die Veröffentlichung von Artikeln aus dérive ist nur mit Genehmigung des Herausgebers gestattet.


No 68

Zeitschrift für Stadtforschung

dérive

dérive – Zeitschrift für Stadtforschung N o 68

»Urbane Intelligenz ist mehr als die Verarbeitung von Informationen.«

Juli — Sept 2017

Shannon Mattern — A City Is Not a Computer, S. 38

Juli — Sept 2017

ISSN 1608-8131 8 euro

dérive

dérive

Sampler

Informationsverarbeitung, Smart City, Donau, Baden, Main Street, Antiurbanismus, Trump, Mietrecht, Liegenschaftspolitik, Verdrängung, Learning-by-Doing, DIY, Informelle Siedlungen, Widerspiegelungstheorie, Körper, Energetik

Sampler MARSEILLE Sampler Guy Debord Wohnen Berlin/Wien, Interview Assemble, Kunsthaus Graz Kleinstadtnostalgie/USA, Wagenplätze/Favelas, STREETART Stadt/Computer, Baden/Donau, CIT Collective & Gaswerk Leopoldau Produktion/Raum Krems/Lerchenfeld SECRETS & CRISES Marlene Hausegger Foucault/HETEROTOPIE

Profile for dérive – Verein für Stadtforschung

dérive - Zeitschrift für Stadtforschung, Heft 68 (3/2017), Sampler  

Sie sehen hier einen Ausschnitt von dérive – Zeitschrift für Stadtforschung, Heft 68 (03/2017). Die Ausgabe bietet Beiträge zu einer Reihe u...

dérive - Zeitschrift für Stadtforschung, Heft 68 (3/2017), Sampler  

Sie sehen hier einen Ausschnitt von dérive – Zeitschrift für Stadtforschung, Heft 68 (03/2017). Die Ausgabe bietet Beiträge zu einer Reihe u...

Advertisement